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Irak am 1396sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Rund 50 tote bei Zusammenstößen im Südirak. USA: Iraker
könnten 2008 Kontrolle über ganzes Land übernehmen
Sa.19.01.08 - Bei Zusammenstößen in den südirakischen Städten
Basra und Nassirija sind am Freitag fast 50 Menschen getötet
worden. Das teilte die irakische Polizei mit. Zu den Ausschreitungen
sei es gekommen, als Mitglieder einer schiitischen Sekte am
höchsten Feiertag der Schiiten andere Gläubige und Polizisten
angriffen.
In Basra gab es nach Behördenangaben 36, in Nassirija mindestens
zehn Tote. Bei den Angreifern habe es sich um Mitglieder der Sekte
Soldaten des Himmels - Dschund al Samaa - gehandelt. Vor knapp einem
Jahr hatten die irakischen Sicherheitskräfte das Gelände der
Sekte gestürmt, um ein geplantes Massaker an Gläubigen und
Geistlichen während des Aschura-Fests zu vereiteln. Die
Behörden verhängten über beide Städte ein
Ausgehverbot. Auch in anderen Orten wie der Hauptstadt Bagdad wurden
die Sicherheitsvorkehrungen verschärft.
Die irakischen Sicherheitskräfte könnten nach
Einschätzung der US-Armee bis Jahresende die Kontrolle über
ihr Land komplett übernehmen: Voraussetzung sei, dass sich die
Sicherheitslage weiter entspanne, sagte der zweithöchste
Befehlshaber der US-Truppen im Irak, General Ray Odierno, vor
Journalisten. In der Zukunft sollte es mehr gemeinsame
Militäraktionen geben. Vorbild dafür sei ein derzeit
laufender Einsatz von einheimischen und amerikanischen Soldaten gegen
Al-Kaida-Extremisten in der nordirakischen Stadt Mossul, sagte Odierno
am Donnerstag.
Die irakische Armee und Polizei kontrolliert nach der jüngsten
Übernahme der südirakischen Provinz Basra neun der insgesamt
18 Provinzen des Landes. Es gilt als entscheidend, dass die
einheimischen Sicherheitskräfte zunehmend die Führung
übernehmen, damit US-Präsident George W. Bush seine
Pläne umsetzen kann, bis Mitte des Jahres 20.000 Soldaten aus dem
Irak abzuziehen. Insgesamt sind derzeit etwa 155.000 US-Soldaten im
Irak stationiert.
boa (Quellen: ap, rtr)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2006 bis 19.01.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am neunhundertvierunddreißigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Fr.19.01.07 - US-Senatoren machen gegen Bushs Irak-Pläne mobil +++ Iraks
Ministerpräsident macht USA Vorwürfe +++ Teheran will Iraks
Sicherheitskräfte im Antiterrorkampf unterstützen +++ Etwa 20
Tote bei Anschlägen in Bagdad +++ US-Rechnungsprüfer stellt
Irak-Wiederaufbau schlechtes Zeugnis aus...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0701190.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
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Bundeswehr soll sich auf Opfer in Afghanistan einstellen
Sa.19.01.08 - Der Chef der Schnellen Eingreiftruppe (QRF) der NATO in Afghanistan,
Rune Solberg, hat die Bundeswehr aufgefordert, sich auf Opfer in
Afghanistan einzustellen. Bei dem bevorstehenden Kampfeinsatz
müssten die Soldaten darauf "vorbereitet sein, Krieg zu
führen, vorbereitet sein, das eigene Leben zu verlieren", sagte
der norwegische Oberstleutnant dem Tagesspiegel. Seine Truppe sei
bestens trainiert, aber diese mentale Vorbereitung habe ihnen gefehlt.
Er habe viel Zeit damit verbracht, darüber mit seinen Leuten zu
sprechen.
Die deutsche Regierung rief Solberg dazu auf, die deutsche
Bevölkerung rechtzeitig zu informieren. "Die deutsche Regierung
sollte jetzt anfangen, den Menschen zu erklären, warum es (der
Kampfeinsatz) wichtig ist", erklärte er. "Wenn die Mehrheit der
deutschen Bevölkerung dagegen ist, wird es sehr schwer für
einen deutschen Soldaten mitzumachen."
(Quelle: afp)
Nahost-Konflikt: Israel riegelt Gazastreifen vollständig ab -
Palästinenserpräsident Abbas droht mit Rücktritt.
UN-Generalsekretär besorgt über Anstieg der Gewalt in Nahost
Sa.19.01.08 - Eine neue Eskalation der Gewalt gefährdet die
Friedensgespräche zwischen Israel und den Palästinensern. Als
Reaktion auf den fortwährenden Raketenbeschuss durch militante
Palästinenser riegelte Israel den Gazastreifen am Freitag
vollständig ab.
Außerdem flog die Luftwaffe Angriffe gegen Ziele der
radikal-islamischen Palästinenserorganisation Hamas, die den
Gazastreifen seit Mitte Juni kontrolliert.
Palästinenserpräsident Mahmud Abbas drohte für den Fall
weiterer israelischer Militäraktionen nach Medienberichten mit
seinem Rücktritt und der Aussetzung der erst am Montag begonnenen
Friedensverhandlungen.
Alle Grenzübergänge zum Gazastreifen blieben auf Anweisung
von Verteidigungsminister Ehud Barak sowohl für Privatpersonen als
auch für Hilfsgüter und Treibstofflieferungen geschlossen.
Die international umstrittene Abriegelung soll nach Angaben eines
Armeesprechers vorerst bis Sonntag gelten.
Bei israelischen Militäreinsätzen im Gazastreifen und im
Westjordanland wurden mindestens drei Palästinenser getötet
und Dutzende weitere verletzt. Die Armee beschoss dabei unter anderem
auch das Innenministerium in Gaza. Das leerstehende Gebäude war
bereits im Juli 2006 bombardiert worden. Nach palästinensischen
Angaben wurde bei dem Luftangriff am Freitag eine unbeteiligte, 52
Jahre alte Anwohnerin getötet. 46 weitere Palästinenser seien
verletzt worden. Ein weiterer Raketenangriff richtete sich gegen das
Marinehauptquartier der Hamas-Organisation in Deir al-Balach.
Bei einem israelischen Luftangriff wurden im Flüchtlingslager
Dschabalia im Gazastreifen ein Palästinenser getötet und drei
weitere verletzt. Nach Angaben einer israelischen
Militärsprecherin sollen die Männer zuvor vom Gazastreifen
Raketen auf Israel abgefeuert haben. Bei dem Toten handelt es sich nach
palästinensischen Angaben um einen 16 Jahre alten, unbeteiligten
Jugendlichen.
Im Flüchtlingslager Balata im Westjordanland tötete eine
israelische Sondereinheit nach Armeeangaben einen gesuchten Führer
der Al-Aksa-Brigaden, des militanten Armes der Fatah-Organisation von
Abbas. Der 21 Jahre alte Ahmed Sanakra soll nach Angaben eines
Militärsprechers an zahlreichen Anschlägen beteiligt gewesen
sein.
Eine Woche nach dem Besuch von US-Präsident George W. Bush hat
sich die Gewalt zwischen Israel und den Palästinensern
gefährlich zugespitzt. Seit Dienstag feuerten militante
Palästinenser über 130 Raketen auf Israel ab. Im Gegenzug
tötete Israel 33 Palästinenser, darunter auch unbeteiligte
Zivilisten.
Angesichts der großen Zahl von palästinensischen Opfern
drohte Abbas nach Medienberichten mit seinem Rücktritt. Er
erwägt nach Informationen der Tageszeitung «Jerusalem
Post» auch eine Aussetzung der Friedensverhandlungen. Abbas sei
vor allem darüber erzürnt, dass Israel seine
Militäroperationen so kurz nach dem Besuch von Bush in der Region
forciert habe.
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon zeigte sich «tief
besorgt» über die neue Eskalation der Gewalt zwischen
Israelis und Palästinensern. «Der Generalsekretär
erinnert alle Seiten an ihre Verpflichtung, das internationale
Menschenrecht einzuhalten und keine Zivilisten zu
gefährden», sagte eine UN-Sprecherin am Donnerstag in New
York. Ban sei beunruhigt wegen des Blutvergießens auf beiden
Seiten und wegen der Gefahr weiterer Zwischenfälle, sollte sich die
Lage nicht entspannen. Er verlangte eine sofortige Einstellung der
palästinensischen Raketenangriffe auf Israel und forderte die
israelischen Verteidigungskräfte zu größter
Zurückhaltung auf.
boa (Quellen: dpa)
Differenzen zwischen Merkel und Steinmeier über Syrien
Sa.19.01.08 - Nach Meinungsunterschieden über die Syrien-Politik sind
Bundeskanzleramt und Auswärtiges Amt dem Eindruck eines neuen
Grundsatzkonflikts entgegengetreten.
Der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg bestätigte am
Freitag indirekt, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel das Treffen von
Außenminister Frank-Walter Steinmeier mit seinem syrischen
Kollegen Walid al-Muallim am Donnerstag skeptisch sah. Steg und
Steinmeiers Sprecher Martin Jäger widersprachen aber Berichten,
dass es aus dem Kanzleramt offene Kritik an dem Treffen gegeben habe.
Allerdings bestätigte Steg, dass die USA und der Libanon sich
kritisch zum Empfang Muallims geäußert hätten. Auch aus
der CDU gab es erneut Kritik an Steinmeiers Vorgehen.
Steg sagte zu Berichten über einen Disput zwischen Merkel und
Steinmeier: "Die Bundeskanzlerin und der Außenminister ziehen
schon mal unterschiedliche Schlussfolgerungen, ob man einen Besucher
empfängt oder nicht." Merkel hatte am Dienstag Syrien vorgeworfen,
den erwarteten Beitrag zur Lösung der Staatskrise im Libanon
bisher nicht zu leisten. Vor diesem Hintergrund sagte sie Steinmeier am
Mittwoch nach der Kabinettssitzung, sie würde den syrischen
Vertreter nicht empfangen. Steinmeier argumentiert, um Druck auf Syrien
zu machen, müsse mit dem Land gesprochen werden.
Kanzleramt und Außenamt betonten Geschlossenheit im Ziel, Syrien
zu einer konstruktiven Rolle im Libanon und im Konflikt zwischen Israel
und den Palästinensern zu drängen. Bei der Debatte um den
Empfang Muallims ging es nach Stegs Worten um die Frage, ob dies das
richtige Instrument für das gemeinsame Ziel sei. Steinmeier hatte
die Forderungen nach eigenen Angaben bei dem Treffen mit Muallim
deutlich vorgetragen. Steg sagte, er gehe davon aus, dass die Botschaft
angekommen sei.
Die USA und der Libanon wandten sich nach Stegs Angaben mit kritischen
Fragen ans Kanzleramt. Dies sei kein unüblicher Vorgang, sagte
Jäger, ohne Einzelheiten zu nennen. Das Auswärtige Amt habe
die Vorbehalte zur Kenntnis genommen. Die USA hatten die Politik der
Einbeziehung Syriens in die Nahost-Friedensbemühungen lange
kritisiert. Ihre Einladung des Landes zur Friedenskonferenz in
Annapolis im Dezember war dagegen als Einschwenken auf diese Linie
gewertet worden.
Jäger reagierte irritiert auf Kritik von Unions-Abgeordneten an
dem Treffen. Aussagen des außenpolitischen Sprechers der
Unionsfraktion, Eckart von Klaeden, wertete er als Beitrag zum
Landtagswahlkampf in Hessen und Niedersachsen. Klaeden habe sich selbst
ebenfalls mit Muallim getroffen und bei einem Treffen Steinmeiers mit
Koalitionspolitikern keine Kritik geäußert.
Klaeden wies die Vorwürfe zurück und wiederholte seine
Kritik. Jägers Darstellung sei falsch und breche die
Vertraulichkeit, sagte er zu Reuters. Man müsse Syrien klar
machen, dass nicht nur Worte, sondern Taten gefragt seien. "Deswegen
wäre es besser gewesen, den syrischen Außenminister erst
nach der Wahl des libanesischen Staatspräsidenten einzuladen, die
Syrien seit Wochen hintertreibt." Steinmeier und Merkel hatten 2007
heftig über den Empfang des Dalai Lama im Kanzleramt gestritten,
der Beziehungen zu China belastete.
(Quelle: rtr)
Kenianische Opposition will Proteststrategie ändern. UNO fordert
42 Millionen Dollar Hilfsgelder für Kenia
Sa.19.01.08 - Nach den Demonstrationen der vergangenen Tage will die kenianische
Opposition die Strategie ihres Protests gegen Präsident Mwai Kibaki
ändern: Die Straßenproteste sollten nach den für
Freitag geplanten Kundgebungen eingestellt werden, sagte der
Sprecher der Orange Demokratischen Bewegung (ODM) Salim Lone dem
BBC-Hörfunk: "Die Massenproteste sind fürs erste vorbei."
Künftig wolle die ODM andere Formen des Widerstands anwenden.
Geplant seien kleinere Streikaktionen oder Boykotte von Unternehmen, die
Hardlinern um Kibaki gehörten.
In den vorangegangenen beiden Tagen hatte die Polizei bei
Oppositionskundgebungen mindestens acht Menschen erschossen. Die
Anhänger von Oppositionsführer Raila Odinga werfen Kibaki vor,
die Präsidentenwahl am 27. Dezember gefälscht zu haben.
Die Vereinten Nationen haben die internationale Gemeinschaft
aufgerufen, insgesamt 41,8 Millionen Dollar (28,4 Millionen Euro) an
Hilfsgeldern für die von der Krise in Kenia betroffenen Menschen
zur Verfügung zu stellen. Die UNO, die kenianische Regierung sowie
22 Hilfsorganisationen benötigten das Geld, um den Betroffenen
weiterhin schnelle Hilfe zukommen zu lassen, teilte die UN-Koordinatorin
für humanitäre Hilfe in Kenia, Elizabeth Lwanga, in Nairobi
mit. Das Geld solle auch für den Versöhnungsprozess zwischen
den verfeindeten Volksgruppen eingesetzt werden, sagte Lwanga.
Laut UNO sind eine halbe Million Kenianer von den Folgen des
politischen Machtkampfs in Kenia betroffen. Oppositionsführer Raila
Odinga wirft Präsident Mwai Kibaki Fälschungen bei der
Präsidentschaftswahl vom 27. Dezember vor. Seit der umstrittenen
Wahl kamen mindestens 700 Menschen ums Leben, mehr als 200.000 Menschen
flohen vor der Gewalt.
boa (Quellen:rtr, afp)
Zwei Deutsche in Kenia unter Terrorismus-Verdacht
Sa.19.01.08 - Kenia hat zwei Deutsche und eine Niederländerin unter
Terrorismus-Verdacht festgenommen: Bei ihnen seien Fotos von "wichtigen
Einrichtungen" des Landes sichergestellt worden, sagte der Sprecher der
kenianischen Polizei, Eric Kiraithe, am Freitag. Sie hätten sich
zudem verdächtig verhalten. Es gehe um die Deutschen Andrej
Hermlin und Uwe Hauth, die ebenso wie die Niederländerin Fleur Van
Dissel als Journalisten nach Kenia eingereist seien. Die "Super Illu"
erklärte, der 42-jährige Hermlin habe für die
Zeitschrift an einer Reportage über die Zustände im Land
gearbeitet. Über die Gründe der Verhaftung könne bislang
nur gerätselt werden.
Beim Auswärtigen Amt in Berlin hieß es, man habe Kenntnis
von der Festnahme zweier Deutscher. Sie seien kurz vor ihrer geplanten
Ausreise auf dem Flughafen Nairobi festgesetzt worden. Die Botschaft
sei in Kontakt mit den örtlichen Behörden, um eine schnelle
Freilassung zu erreichen.
In diplomatischen Kreisen hieß es, Hermlin und der Fotograf Hauth
hätten in Kenia an einer Geschichte gearbeitet und eine Art
journalistische Akkreditierung besessen. Ein Sprecher der kenianischen
Oppositionsbewegung ODM sagte, die Niederländerin van Dissel habe
an einer Dokumentation über Oppositionsführer Odinga
gearbeitet.
Andrej Hermlin ist der Sohn des verstorbenen Dichters Stephan Hermlin.
Anfang Januar war in der Zeitung "Junge Welt" ein Interview mit Andrej
Hermlin veröffentlicht worden. Darin erklärt er, er sei
Jazzmusiker, lebe in Berlin, sei mit einer Kenianerin verheiratet und
vier- bis fünfmal pro Jahr in Kenia. Zudem sagte Hermlin, er kenne
den kenianischen Oppositionsführer Raila Odinga persönlich.
Hermlin warf Präsident Mwai Kibaki zudem Wahlfälschungen vor.
In Berlin ist Andrej Hermlin auch als Swing-Musiker bekannt.
(Quelle: rtr)
CIA sieht Al-Kaida und Stammesführer hinter Bhutto-Attentat
Sa.19.01.08 - Nach Einschätzung des US-Geheimdienstes CIA sind die
Extremistenorganisation Al-Kaida und Verbündete eines
Stammesführers für den tödlichen Anschlag auf die
pakistanische Oppositionspolitikerin Benazir Bhutto verantwortlich.
Es gebe keinen Zweifel daran, dass von Al-Kaida unterstützte
Kämpfer des Stammesführers Baitullah Mehsud hinter der Tat
steckten, sagte CIA-Chef Michael Hayden in einem am Freitag
veröffentlichten Interview der "Washington Post". Woher diese
Informationen stammten, sagte er nicht. Seine Einschätzung stimmt
jedoch mit der der pakistanischen Regierung überein, die Mehsud
kurz nach der Tat der Ermordung Bhuttos beschuldigt hatte. Innerhalb der
Bevölkerung wird diese Theorie jedoch bezweifelt: Fast jeder
zweite Pakistaner geht einer Umfrage zufolge davon aus, dass die
Regierung selbst hinter dem Attentat steckt.
Hayden beschrieb die Tat als Teil "einer organisierten Kampagne" von
Angriffen gegen pakistanische Politiker. Das gleiche Netzwerk wolle die
Regierung von Präsident Pervez Musharraf destabilisieren. Ziel sei
es, dem pakistanischen Staat zu schaden.
(Quelle: rtr)
China für weitere Verhandlungen im Atomstreit mit dem Iran
Sa.19.01.08 - Im Atomstreit mit dem Iran tritt China für neue Verhandlungen ein.
Die iranische Atomfrage befinde sich in einer entscheidenden Phase,
sagte der chinesische Außenminister Yang Jiechi nach einem Treffen
mit dem iranischen Atomunterhändler Said Dschalili am
Donnerstagabend. Seine Regierung hoffe, dass alle Beteiligten
versuchten, die Verhandlungen so bald wie möglich wiederaufzunehmen
und zu einer einvernehmlichen Lösung zu führen.
Als eines der fünf ständigen Mitglieder im Sicherheitsrat der
Vereinten Nationen hat China eine entscheidende Bedeutung bei den
Bemühungen der USA, den Druck auf die iranische Regierung mit einer
dritten Runde von UN-Sanktionen zu erhöhen. Die ersten beiden
Sanktionsbeschlüsse im Dezember 2006 und im März 2007 hat
China mit unterstützt. Trotz der Strafmaßnahmen hält
der Iran aber an seinem Programm der Urananreicherung fest und weist
Vorwürfe zurück, das Programm diene der Entwicklung einer
Atombombe.
An den Beratungen über den Konflikt ist neben den fünf
ständigen Mitgliedern im Sicherheitrat auch Deutschland beteiligt.
Am kommenden Dienstag wollen Vertreter der sechs Regierungen in Berlin
über ihr weiteres Vorgehen sprechen. Dabei will
US-Außenministerin Condoleezza Rice für weitere
Strafmaßnahmen gegen den Iran eintreten.
(Quelle: ap)
Grossbritanniens Premier Brown wirbt um chinesische Investitionen
Sa.19.01.08 - Premierminister Gordon Brown hat sich bei einem Besuch in Peking
für chinesische Investitionen in Großbritannien eingesetzt.
Er habe Ministerpräsident Wen Jiabao vorgeschlagen, in London ein
chinesisches Investitionsbüro einzurichten, sagte Brown am Freitag
in Peking.
China will einen Teil seiner ausländischen Devisenreserven
für Beteiligungen an Unternehmen verwenden. Von der dafür
vorgesehenen Summe von umgerechnet 136 Milliarden Euro könnten 41
bis 48 Milliarden im Ausland angelegt werden, sagte Wen. Er wies die in
einigen Staaten geäußerten Bedenken zurück, dass China
die geplanten Investitionen mit politischen Zwecken verbinden
könnte. «Es handelt sich um ein ausschließlich
kommerzielles Investitionspotenzial», sagte Wen.
Brown und Wen teilten mit, sie wollten den bilateralen Handel in den
nächsten Jahren um 50 Prozent auf ein Volumen von 60 Milliarden
Dollar steigern. Im vergangenen Jahr erreichte der Güteraustausch
zwischen beiden Ländern einen Wert von schätzungsweise 40
Milliarden Dollar. Angesichts der gegenwärtigen Turbulenzen habe
China eine entscheidende Bedeutung für den erfolg der globalen
Wirtschaft, sagte Brown.
Der britischen Delegation gehören mehrere führende Manager
an, unter ihnen Jorma Ollila von Shell und Richard Branson von Virgin.
Ihr Interesse richtet sich auf das erwartete Wachstum des chinesischen
Verbrauchermarkts mit einer Konsumsteigerung von jährlich zehn
Prozent und einem Einzelhandelsvolumen von 880 Milliarden Euro in
fünf Jahren.
Die Londoner Börse nutzte den Besuch Browns für die
Eröffnung eines Büros in Peking. An der London Stock Exchange
(LSE) sind zurzeit die Aktien von 68 chinesischen Unternehmen notiert.
Die LSE biete chinesischen Unternehmen einen Zugang zu
Finanzierungsmöglichkeiten in Europa, sagte Vorstandsvorsitzende
Clara Furse.
Brown und Wen unterzeichneten acht Vereinbarungen, darunter
Absichtserklärungen zum Klimaschutz und zur Zusammenarbeit in der
Bildungspolitik. Der britische Premierminister gratulierte Wen zu den
Vorbereitungen auf die Olympischen Sommerspiele in Peking.
Großbritannien betrachtet diese mit besonderem Interesse, da die
Olympischen Spiele 2012 in London ausgerichtet werden. Browns Sprecher
Michael Ellam sagte, der britische Regierungschef werde in Peking auch
die Frage der Menschenrechte ansprechen. Im Anschluss an seinen
China-Besuch fliegt Brown nach Indien weiter.
(Quelle: ap)
Wirtschaftspolitik rückt ins Zentrum des US-Wahlkampfs - Bush will
US-Konjunktur mit Steuersenkungen retten
Sa.19.01.08 - Mit massiven Steuererleichterungen für Bürger und Unternehmen
will US-Präsident George W. Bush der angeschlagenen Konjunktur
neue Impulse verleihen. Angesichts der Wirtschaftskrise solle der Staat
auf Steuereinnahmen im Umfang von über 140 Milliarden Dollar (95,4
Milliarden Euro) verzichten, schlug Bush in Washington vor. Dies
entspricht etwa einem Prozent des gesamten Bruttoinlandsprodukts der
USA. Der Präsident forderte den Kongress zur Zusammenarbeit auf,
um das Konjunkturpaket so rasch wie möglich zu verabschieden. Die
Demokraten hatten im Vorfeld prinzipiell ihre Zustimmung zu einem
derartigen Notprogramm erklärt.
Mit dem seit längerem erwarteten Konjunkturpaket will Bush der
wachsenden Rezessionsangst in den USA begegnen. In der US-Wirtschaft
gebe es derzeit "Bereiche echter Sorge", räumte Bush ein und wies
ausdrücklich auf den Immobiliensektor hin. Der Präsident
betonte dabei, dass es sich bei seinem Vorschlag nur um eine
vorübergehende Maßnahme handele: "Dieses Wachstumspaket muss
zeitlich befristet sein und umgehend in Kraft treten." Finanzminister
Henry Paulson sagte, die Maßnahmen könnten bis zu 500.000
neue Arbeitsplätze schaffen.
Grundlage jeder Einigung mit den Demokraten im Kongress muss laut Bush
ein Paket "mit einer breiten Absenkung der Steuer" sein, "das sich
direkt auf das Wirtschaftswachstum auswirken wird". Das Programm solle
"sowohl die Investitionen von Unternehmen als auch die Konsumausgaben
der Verbraucher stärken". Der Präsident zeigte sich
zuversichtlich, dass es zwischen Demokraten und Republikanern im
Kongress "genug Übereinstimmung" gebe, um die Maßnahmen
rasch zu verabschieden.
Ohne die Zustimmung der gegnerischen Demokraten hätte ein
Konjunkturpaket im Kongress keine Chance. Bush erneuerte zwar seine
Forderung, die Ende 2010 auslaufenden Steuersenkungen aus seiner ersten
Amtszeit unbefristet zu verlängern, was die Demokraten strikt
ablehnen. Der Präsident vermied allerdings, ein Junktim zu dem
Konjunkturpaket herzustellen. Die Demokraten dürften ihrerseits
für das Konjunkturpaket zu einem Verzicht auf ihren
haushaltspolitischen Grundsatz bereit sein, demzufolge neue staatliche
Ausgaben gegenfinanziert werden müssen.
Am Donnerstag hatte Zentralbankchef Ben Bernanke ein massives
staatliches Eingreifen zur Stützung der Konjunktur angeregt und
eine Größenordnung von 50 Milliarden bis 150 Milliarden
Dollar genannt. Bernanke mahnte zu raschem Handeln: "Wenn die
Konjunkturanreize zu spät kommen, wird das der Wirtschaft nicht
helfen."
Unterdessen geht am (heutigen) Samstag der Vorwahlkampf in den USA in
eine neue Runde. In Nevada wird bei Wählerversammlungen der
Demokraten erneut ein Duell zwischen den Senatoren Hillary Clinton und
Barack Obama erwartet. Die Republikaner bestimmen ebenfalls bei
Wählerversammlungen in Nevada sowie bei einer Vorwahl in South
Carolina ihren Favoriten für die Präsidentschaftskandidatur.
Angesichts der Turbulenzen an der Aktienbörse und zunehmender
Rezessionsangst rückte die Wirtschaftspolitik ins Zentrum des
Wahlfkampfs.
Clinton und auch der Republikaner John McCain kritisierten das am
Freitag von Präsident George W. Bush in Aussicht gestellte
Wirtschaftspaket mit Steuererleichterungen von 145 Milliarden Dollar.
Clinton warf dem Präsidenten vor, dass dabei Millionen von armen
Amerikanern leer ausgingen. McCain forderte, dass die
Steuererleichterungen nicht allen Haushalten, sondern vor allem
Unternehmen zugute kommen sollten. Außerdem kritisierte McCain
die hohen Staatsausgaben der Regierung seines Parteifreundes Bush.
Obama stieß mit positiven Äußerungen über die
Regierungszeit von Ronald Reagan auf Kritik seiner Rivalen. Der
Republikaner habe vor einem Vierteljahrhundert Amerika in einer Weise
verändert, wie es der Demokrat Bill Clinton nicht getan habe,
sagte Obama in einem Zeitungsintervew. Die Republikaner seien damals
die Partei der neuen Ideen gewesen.
Clinton sagte, sie könne diese Einschätzung der jüngeren
Vergangenheit nicht teilen. Es sei kaum eine gute Idee gewesen, die
Altersversorgung zu privatisieren, den Mindestlohn abzuschaffen, die
Gesundheitsleistungen zu kürzen und den Staat in die Verschuldung
zu treiben. Der bislang drittplatzierte Bewerber John Edwards stellte
nach Obamas Äußerungen dessen Positionen in der Arbeits- und
Sozialpolitik in Frage. Reagan habe die Gewerkschaften unterdrückt
und das Steuersystem zugunsten der reichsten Amerikaner verändert.
«Wir wissen, dass Ronald Reagan für einen
Präsidentschaftskandidaten der Demokratischen Partei kein Vorbild
für den Wandel sein kann», sagte Edwards.
Wenn sich die demokratischen Bewerber dem Votum der registrierten
Parteimitglieder und Sympathisanten in Nevada stellen, hat Clinton nach
einer Umfrage des Instituts Mason-Dixon die besten Chancen. 41 Prozent
der Befragten sprachen sich für die Frau von Expräsident Bill
Clinton aus, 32 Prozent für Obama und 14 Prozent für Edwards.
Zehn Prozent der voraussichtlichen Caucus-Teilnehmer zeigten sich noch
unentschlossen.
Vor vier Jahren gab es bei den Wählerversammlungen der Demokraten
in Nevada lediglich 9.000 Teilnehmer. Diesmal werden 30.000 bis 100.000
Teilnehmer erwartet, wobei 33 Delegierte für den
Nominierungsparteitag im August bestimmt werden. Bei den beiden
bisherigen Entscheidungen in Iowa und New Hampshire haben Obama und
Clinton jeweils einen Sieg erzielt.
Bei den Republikanern war die Ausgangssituation vor den Entscheidungen
am Samstag völlig offen. McCain, der ehemalige Baptistenpfarrer
Mike Huckabee und Exgouverneur Mitt Romney haben bislang jeweils einen
Sieg erzielt. In South Carolina lag McCain nach einer Umfrage des
Senders Fox mit 27 Prozent der Stimmen vor Huckabee mit 20 und Romney
mit 15 Prozent. Auf dem vierten Platz folgte der ehemalige Senator Fred
Thompson mit 11 Prozent. In South Carolina sind 24 Delegiertenstimmen
für den Wahlparteitag der Republikaner Anfang September zu
vergeben. Die Vorwahl der Demokraten in South Carolina findet erst in
einer Woche statt.
In Nevada führten die Republikaner vor den
Wählerversammlungen am Samstag nur einen reduzierten Wahlkampf.
Nach einer Umfrage des Instituts Mason-Dixon hatte Romney dort mit 34
Prozent die besten Aussichten. Für McCain wurde in Nevada ein
Ergebnis von 19 Prozent erwartet.
boa (Quellen: afp, ap)
Kuba wartet Regierungswechsel in Washington ab
Sa.19.01.08 - Kuba will sich erst nach einem Regierungswechsel in Washington um eine
Entspannung im Konflikt mit den USA bemühen. Nach dem Amtsantritt
eines neuen US-Präsidenten im Januar 2009 sei Kuba zur Aufnahme
eines Dialogs auf der Grundlage des gegenseitigen Respekts bereit, sagte
der Leiter der kubanischen Interessenvertretung in Washington, Jorge
Alberto Bolaños Suárez, am Donnerstag der
Nachrichtenagentur AP.
In Kuba wird am Sonntag ein neues Parlament gewählt, bei der eine
weitere Stärkung des Regierungslagers erwartet wird. Der
81-jährige Staatschef Fidel Castro sei zwar nicht kräftig
genug für den Wahlkampf, sagte Bolaños. Er sei aber weiter
stark genug, um für das kubanische Volk zu arbeiten. Bolaños
wies Vorwürfe der USA zurück, dass die Wahl in keiner Weise
demokratischen Standards genüge. «Es gibt nichts, was Kuba
tut oder sagt, das in den in Vereinigten Staaten positiv bewertet
würde», sagte Bolaños.
(Quelle: ap)
Syriens Großmufti warnt vor Religions-Missbrauch
Sa.19.01.08 - Der Großmufti von Syrien, Sheikh Ahmad Badr Al-Din Hassoun, hat
im Europaparlament vor einem Missbrauch der Religionen gewarnt. Er
glaube nicht an einen heiligen Krieg, sagte der islamische
Rechtsgelehrte am Dienstag in Straßburg. Allein der Friede sei
heilig.
Hassoun distanzierte sich von der Gefahr eines "Zusammenpralls der
Kulturen". Er fügte hinzu: "Es gibt nur eine einzige Religion und
diese Religion stammt von Gott." Die Lage im Nahen Osten sei
"hochexplosiv", so der Großmufti. Diejenigen Kräfte, die
Terror ausübten, würden Christentum, Islam und Judentum nicht
verstehen.
Der Besuch des Großmuftis im EU-Parlament hatte im Vorfeld
Diskussionen unter den Abgeordneten ausgelöst. Der SPD-Politiker
Vural Öger befürwortete den Besuch des syrischen Gelehrten.
Öger bezeichnete den Großmufti als eine herausragende
Persönlichkeit des aufgeklärten Islam. Ein Monolog reiche
jedoch nicht aus, die EU-Parlamentarier müssten auch die
Gelegenheit zum Dialog erhalten.
Parlamentspräsident Hans-Gert Pöttering (CDU) würdigte
den Scheich als herausragenden Verfechter des interreligiösen
Dialogs. Der Großmufti wurde von Religionsvertretern, darunter dem
chaldäischen Bischof Antoine Odo begleitet. Der Großmufti
gehört zu den Religionsrepräsentanten, die anlässlich
des "Europäischen Jahres des interkulturellen Dialogs" als
Gastredner vom Parlament eingeladen wurden. Weitere Einladungen
ergingen an Papst Benedikt XVI. und das geistliche Oberhaupt der
Tibeter, den Dalai Lama.
(Quelle: epd)
Vatikan beklagt kulturellen Fundamentalismus in Italien
Sa.19.01.08 - Der Vatikan hat die Proteste, die zur Absage des Papstbesuchs an der
römischen Sapienza-Universität führten, als "Niederlage
der Kultur" bezeichnet. Der Präsident des Päpstlichen
Kulturrats, Erzbischof Gianfranco Ravasi, beklagte in diesem
Zusammenhang am Donnerstag gegenüber Radio Vatikan "kulturellen
Fundamentalismus" in Italien. Dieser lehne den Dialog zwischen
unterschiedlichen Positionen ab.
Roms Bürgermeister Walter Veltroni bezeichnete den Widerstand von
Professoren und Studenten gegen die geplante Anwesenheit von Papst
Benedikt XVI. bei der Eröffnung des Studienjahrs als "inakzeptabel
für Demokraten". Die Laizität der Universität, mit der
die Gegner eines Papstbesuchs an der staatlichen Hochschule argumentiert
hatten, sei durch die Abwesenheit des Kirchenoberhaupts nicht
gestärkt worden.
Bildungsminister Fabio Mussi forderte bei der
Eröffnungsveranstaltung des Studienjahrs in Anwesenheit des
Bürgermeisters, die Universität müsse "frei, tolerant und
offen" sein. Eine Papstrede an einer Hochschule sei "kein Attentat auf
das Prinzip der Laizität".
Auch ohne die Anwesenheit des Papstes kam es am Rande des Festakts auf
dem Universitätsgelände zu Spannungen zwischen
Sicherheitskräften und Demonstranten. Die Studenten warfen dem
Minister und dem Bürgermeister vor, in dem tagelangen Streit um die
ursprünglich geplante Rede von Benedikt XVI. nicht die
Universität, sondern das Papstamt verteidigt zu haben.
(Quelle: epd)
Deutschland
Baden-Württemberg will Strafen für deutschfeindliche
Beschimpfungen
Sa.19.01.08 - Baden-Württemberg will die Verwendung von Schimpfworten wie
«Scheiß-Deutscher» als «Volksverhetzung»
bestrafen. Eine entsprechende Gesetzesinitiative sei geplant, sagte eine
Sprecherin des baden-württembergischen Bundesratsministers
Wolfgang Reinhart (CDU) am Freitag in Berlin auf ddp-Anfrage. Anlass sei
die Debatte um kriminelle ausländische Jugendliche. Die
Ministeriumssprecherin bestätigte damit einen entsprechenden
Bericht der «Bild»-Zeitung (Freitagausgabe).
Reinhart sagte der Zeitung: «Diesen jugendlichen
Gewalttätern muss klar gemacht werden, dass deutschfeindliche
Äußerungen, die den inneren Frieden stören, Strafe nach
sich ziehen.» Deshalb wolle er eine Gesetzesinitiative
ausarbeiten, mit der ein «griffiges Instrument» zur
Verhinderung derartiger Entgleisungen geschaffen werde.
Reinhart betonte aber: «Dabei muss aber der Schutz der
Meinungsfreiheit als hohes Gut gewahrt bleiben.» Bislang
könne nach dem Strafgesetzbuch nur bestraft werden, wer «zum
Hass gegen Teile der Bevölkerung aufstachelt». Dagegen
könnten «Hasstiraden, die sich gegen alle Deutsche»
richteten, nicht sanktioniert werden. Die beiden jungen Ausländer,
die in der Münchner U-Bahn einen deutschen Rentner brutal
zusammengeschlagen hatten, hatten ihn mit
«Scheiß-Deutscher» beschimpft. Reinhart geht es um
eine Ergänzung des § 130 des Strafgesetzbuches (StGB).
(Quelle: ddp)
Union betont die Rolle der Familie in der Gesellschaft
Sa.19.01.08 - Die Union hat die Bedeutung der Familie in der Gesellschaft betont.
«Es kann nur ein starkes Land geben, wenn die Familien stark
sind», sagte Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen am
Freitag auf dem CDU-Kongress «Starke Familie - Starker
Staat» in Hamburg. Bundeskanzlerin Angela Merkel betonte, der
Staat könne die Bedingungen schaffen, aber nicht Liebe und
Geborgenheit bieten.
Merkel sagte, es sei richtig, Ehe und Familie unter den Schutz des
Grundgesetzes zu stellen. «Aber innerhalb der Familie sollen die
Menschen selber entscheiden können.» Das sei eine Form von
Freiheit und geschehe aus Respekt vor der Leistung der Familien. Die
Kanzlerin betonte aber auch die Rolle des Staates. «Dort, wo
Eltern es offensichtlich nicht schaffen, können wir als Staat
nicht weggucken», sagte Merkel. Dort müsse man helfen.
Bei allen Angeboten und Hilfen des Staates müssten den
Jugendlichen auch Grenzen gesetzt werden, sagte die CDU-Politikerin.
Deshalb sei eine der Forderungen der Union zum Beispiel der sogenannte
Warnschussarrest. «Nicht als Strafe anstatt Hilfe, aber eben
Abschreckung», sagte Merkel.
Familienministerin von der Leyen betonte, dass Kinder Vorbilder
bräuchten: «Kinder kommen nicht als Gewalttäter auf die
Welt.» Sie würden dazu, wenn die Familien schwach seien und
die Gesellschaft zu lange wegschaue. Am Anfang jeder guten Erziehung
stehe das Vorbild eines Erwachsenen. Eltern müssten ihre Kinder
lieben, aber auch standhaft sein und ihnen Aufgaben übertragen.
Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble sieht vor allem die Eltern
in der Pflicht: «Der Staat hilft, aber er ersetzt sie
nicht.» So hätten die Eltern beispielsweise auch eine
Verantwortung, dass die Kinder Deutsch lernten. Dennoch sei klar:
«Kinder müssen auch mal Grenzen erfahren.» Man
müsse auch mal deutlich sagen, was gut und böse sei.
«Und wer den Kindern diese Erfahrung verweigert, versündigt
sich an den Kindern, weil er ihnen die Chance nimmt, überhaupt den
Unterschied zu lernen.»
(Quelle: ap)
Krankenkassen fehlen rund 10 Milliarden Euro
Sa.19.01.08 - Die Krankenkassen brauchen in den kommenden Jahren rund 10 Milliarden
Euro zusätzlich für die Pensionen ihrer Mitarbeiter in
beamtenähnlichen Anstellungsverhältnissen. Ein dafür
nötiger Kapitalstock könnte diese Höhe haben.
Damit bestätigte der Sprecher des AOK-Bundesverbandes, Udo Barske,
am Freitag einen Bericht der «Bild»-Zeitung vom selben Tag.
«Das muss noch durch den Gesetzgeber geregelt werden», sagte
Barske der Deutschen Presse-Agentur dpa in Berlin.
Das Blatt berichtete, allein der AOK fehlten 8,1 Milliarden Euro. Auch
die Innungskassen sind betroffen. Insgesamt geht es um mehr als 10 000
Angestellte. Bund, Länder und Krankenkassen streiten darüber,
wer die finanziellen Risiken abdeckt. Bei der 2007 gestarteten
Gesundheitsreform wurde dieser Punkt ausgeklammert.
Künftig sollen alle Krankenkassen nach dem Insolvenzrecht pleite
gehen können. Heute werden Pensionsansprüche aus laufenden
Verwaltungskosten bestritten, demnächst müssen sie in der
Bilanz aufgenommen und abgedeckt werden. Strittig zwischen Bund und
Ländern ist, wer im Fall einer Insolvenz haftet und für die
Ansprüche aufkommt. Baden-Württembergs Gesundheitsministerin
Monika Stolz (CDU) forderte, dass mit dem Start des Gesundheitsfonds
2009 die Länder für ihre Kassen nicht mehr haften. «Bund
und Länder sind auf einem guten Weg, eine Lösung zu
finden», sagte der Sprecher von Bundesgesundheitsministerin Ulla
Schmidt (SPD), Klaus Vater, der Nachrichtenagentur dpa.
Nach Angaben aus Koalitionskreisen könnte eine Lösung darauf
hinauslaufen, dass im Fall einer Insolvenz zunächst die Kasse
selbst, dann der zuständige Verband, dann ein für alle Kassen
übergreifender Kapitalstock, notfalls aber Bund oder Länder
haften müssen. Ein entsprechendes Gesetz könnte den Angaben
zufolge von 2010 an gelten.
Der Chef des Bundesverbandes der Betriebskrankenkassen, Wolfgang
Schmeinck, sagte der Zeitung: «Die Altlasten dürfen nicht den
Kassen aufgebürdet werden, die rechtzeitig vorgesorgt
haben.» Die Betriebskrankenkassen haben nicht das Problem
beamtenähnlicher Angestellter mit solche
Versorgungsansprüchen. BKK-Verbandssprecher Florian Lanz
erläuterte, die betroffenen Kassen hätten für diese
Angestellten nicht in die Rentenversicherung eingezahlt. «Wer in
der Vergangenheit nicht in die Rentenkassen eingezahlt hat, hat für
seine Mitarbeiter einen Kostenvorteil. Der darf nicht zu Lasten der
anderen Kassen gehen.»
Barske entgegnete, die betroffenen Kassen hätten vom Staat
delegierte Aufgaben übernommen. Dafür dürften sie nicht
bestraft werden. Der Aufbau nötiger Rücklagen müsse
wettbewerbsneutral verlaufen und durch einen gemeinsamen Fonds der
Kassen oder aus Steuermitteln finanziert werden, forderte der
AOK-Sprecher.
Wegen steigender Ausgaben für Ärzte, Arzneimittel und
Kliniken dürften die Krankenkassenbeiträge nach
Kassen-Warnungen zum Start des Gesundheitsfonds 2009 von 14,8 auf bis zu
15,5 Prozent steigen. Das Gesundheitsministerium wies diese
Befürchtungen erneut zurück. «Niemand kann heute sagen,
wie sich der Beitragssatz im Herbst entwickelt», sagte Vater. Der
gesundheitspolitische Sprecher der FDP- Fraktion, Daniel Bahr, sagte
«Bild»: «Der Fonds ist schon pleite, bevor er
gestartet ist. Man sollte ihn stoppen.» Das Thema sollte am
Nachmittag auf FDP-Antrag im Bundestag behandelt werden.
(Quelle: dpa)
NRW prüft Rückforderung von Millionen-Subventionen an Nokia -
Bochumer Nokia-Arbeiter wollen zunächst nicht streiken
Sa.19.01.08 - Nach der angekündigten Schließung des Bochumer Nokia-Werks
prüft die NRW-Regierung eine Rückforderung von Subventionen
in Millionenhöhe. Möglicherweise hat der finnische Konzern
bis zu 40,8 Millionen Euro Landessubventionen zu Unrecht erhalten, wie
aus einer Erklärung des Landeswirtschaftsministeriums hervorgeht.
Hintergrund sind Hinweise, wonach Nokia seine Verpflichtung zur
Schaffung einer bestimmten Zahl von Stellen womöglich nicht
erfüllt hat. IG Metall und Nokia-Betriebsrat beantragten eine
einstweilige Verfügung, um eine mögliche Umleitung von
Aufträgen aus Bochum ins ungarische Nokia-Werk zu verhindern.
Anzeige
Nokia hatte die Zahl der von den Schließungsplänen
betroffenen Mitarbeiter mit 2300 angegeben; Berichten zufolge
müsste es aber aufgrund entsprechender
Verpflichtungserklärungen Nokias in dem Bochumer Werk mehr als
2800 Beschäftigte geben. "Wenn die Zahlen stimmen, die uns bisher
vorliegen, ist die Einhaltung dieser Beschäftigungszusagen
verletzt worden", sagte NRW-Wirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU).
Nach Angaben ihres Ministerium werden neben rund 17 Millionen
Fördermitteln für Nokia aus dem Jahr 1999 nun auch weitere
23,8 Millionen Euro Subventionen aus dem Jahr 1998 durch die NRW.Bank
überprüft.
Nokia hatte nach eigenen Angaben für einen Zeitraum von rund zehn
Jahren 55,5 Millionen Euro Landes-Subventionen und zehn Millionen aus
Mitteln des Bundes für Forschung und Entwicklung bekommen. Das
NRW-Wirtschaftsministerium bezifferte die Landessubventionen auf
insgesamt 60 Millionen Euro seit 1988. Für die Stadt Bochum ist
der Handyhersteller indes ein wichtiger Steuerzahler: Schätzungen
zufolge zahlt Nokia jährlich zwischen 23 und 25 Millionen Euro
Gewerbesteuer an die Stadt.
Mit der bei Gericht beantragten einstweiligen Verfügung wollen IG
Metall und Betriebsrat nach Gewerkschaftsangaben verhindern, dass die
Nokia-Geschäftsführung durch Umleitung von Aufträgen
nach Ungarn den laufenden Betrieb in Bochum "im Vorgriff von
Aufsichtsratentscheidungen und Verhandlungen ausbluten" lässt.
Für Dienstag ist in Bochum eine Großdemonstration gegen die
Werksschließung geplant, zu der mehrere tausend Teilnehmer
erwartet werden.
IG-Metall-Chef Berthold Huber forderte in Frankfurt am Main
schärfere gesetzliche Barrieren und mehr Mitbestimmungsrechte der
Arbeitnehmer bei Standortverlagerungen. Die Bundesregierung solle eine
Gesetzesinitiative auf den Weg bringen, um Unternehmen an den
gesellschaftlichen Kosten von Verlagerungen zu beteiligen. Zudem
müssten die Mitbestimmungsrechte wie im VW-Gesetz erweitert
werden, um Verlagerungen zu erschweren.
Die Beschäftigten des von der Schließung bedrohten
Nokia-Werks planen zunächst keine Streiks: Vor
Arbeitskampfmaßnahmen sollten die Gespräche mit dem
Nokia-Management abgewartet werden, sagte die Betriebsratsvorsitzende
Gisela Achenbach am Freitag in Bochum.
Bis jetzt liege dem Betriebsrat noch kein Schließungsbeschluss
für das Werk vor. Der Betriebsrat wolle weiter dafür
kämpfen, dass das Werk erhalten bleibt.
boa (Quellen: rtr, afp)
Telekom will 4000 neue Mitarbeiter im IT-Bereich einstellen
Sa.19.01.08 - Die Deutsche Telekom will in diesem Jahr 4000 neue Mitarbeiter
einstellen. Die Einsatzfelder erstreckten sich über
IT-Produktentwicklung bis zum Vertriebs- und Servicebereich, teilte die
Gesellschaft am Freitag in Bonn mit. Im vergangenen Jahr hatte der
Konzern 2800 neue Mitarbeiter eingestellt.
«Wir dürfen den demografischen Wandel nicht
verschlafen», sagte Personalvorstand Thomas Sattelberger. Wer sich
jetzt nicht um Nachwuchs und ausgewiesene Experten bemühe, der
zahle in wenigen Jahren die Zeche dafür. Nach den
Stellenkürzungen der vergangenen Jahren liege der
Altersdurchschnitt der Belegschaft bei rund 44 Jahren und damit
über dem Schnitt anderer Technologieunternehmen.
Sattelberger kündigte zudem an, dass in diesem Jahr wieder 3800
Auszubildende eingestellt werden sollen. Die Quote bleibe damit
gegenüber dem Vorjahr stabil. Derzeit läuft im Bonner Konzern
ein umfangreiches Stellenabbauprogramm. Innerhalb von drei Jahren sollen
insgesamt rund 30 000 Stellen gestrichen werden.
(Quelle: dpa)
Greenpeace demonstriert für Tempolimit
Sa.19.01.08 - Greenpeace-Aktivisten haben am Freitagmorgen auf einem 25 Kilometer
langen Abschnitt der A 7 für die Einführung eines Tempolimits
von 120 Stundenkilometern demonstriert. Zwischen den Raststätten
Hildesheimer Börde und der Anschlussstelle Rhüden wurden 20
Verkehrsschilder mit der Aufschrift «120 - Klimaschutz»
angebracht.
Das Tempolimit werde gefordert, da mit keiner ähnlich effektiven
Klimaschutzmaßnahme drei Millionen Tonnen CO2-Abgase pro Jahr
eingespart werden könnten, sagte Greenpeace-Verkehrsexperte
Wolfgang Lohbeck. Die Aktion fand im Wahlkreis von Bundesumweltminister
Sigmar Gabriel (SPD) statt, um ihn in seiner vor kurzem
geäußerten prinzipiellen Zustimmung zum Sinn eines
Tempolimits zu unterstützen.
(Quelle: ddp)
Wissenschaft
Studie - Rechtsextremismus ist vor allem familienbeeinflusst
Sa.19.01.08 - Rechtsextreme Jugendliche werden häufig als gesellschaftliche
Verlierer gesehen, um die Ursache für ihr kriminelles Denken und
Handeln zu erklären. Nach einer neuen Studie der Universität
Zürich sind junge Rechtsextreme aber nicht grundsätzlich
«Modernisierungsverlierer». Vielmehr seien es die Familie
und das nahe soziale Umfeld, die rechtsextreme und rassistische
Handlungen Jugendlicher stark beeinflussten, teilt der Schweizerische
Nationalfonds mit.
Sozialpädagogen befragten 26 Jugendliche, die eine rechtsextreme
und rassistische Einstellung besitzen und zu gewalttätigen
Handlungen neigen, zum Klima in der Familie sowie zum Umgang mit
Konflikten, zum Erziehungsstil und zur Qualität der
innerfamiliären Beziehungen. Dabei bezogen sie auch sieben
Elternpaare, Großeltern und weitere erwachsene Bezugspersonen aus
dem Umfeld der Jugendlichen ein. Konstruiert wurden biografische
Verläufe und Knotenpunkte, die zur Herausbildung von rechtsextremen
Einstellungen führen.
Aus dem Interviewmaterial gewannen die Forscher drei unterschiedliche
familiäre Muster und biografische Verlaufsformen rechtsextremer
Einstellungen und Gewalttaten. In der ersten Verlaufsform
übernehmen die Jugendlichen politisch rechte Einstellungen direkt
von den Eltern beziehungsweise Großeltern. Erklärungsmuster
zwei nennen die Wissenschaftler «Gewalt, Missachtung und Suche
nach Anerkennung»: Hier spielt die jugendliche Erfahrung von
Ohnmacht gegenüber Gewalt innerhalb der Familie eine wichtige
Rolle. Bei der dritten Verlaufsform ist für die Jugendlichen der
Eindruck prägend, von den Erwachsenen nicht genügend
wahrgenommen zu werden. Dies kompensieren sie mit Erfahrungen im
einschlägigen Umfeld.
Aus den Ergebnissen schließen die Forscher, dass Jugendliche
entgegen den Behauptungen bisheriger Forschungen keine Opfer von
ökonomischen und gesellschaftlichen Wandlungsprozessen seien. In
den untersuchten Fällen lasse sich ein hohes Maß an
«Normalität» der Lebensentwürfe nachweisen. Somit
gebe es keine pauschal richtige Intervention im Umgang mit jugendlichem
Rechtsextremismus. Um sinnvoll intervenieren zu können, sei es
wichtig, die biografischen, mit dem «Rechtssein»
verknüpften Themen der Jugendlichen zu erkennen, heißt es.
Der Schweizerische Nationalfonds ist eigenen Angaben zufolge die
wichtigste Schweizer Institution zur Förderung der
wissenschaftlichen Forschung.
(Quelle: ddp)
Forschungsministerin Schavan: Therapeutisches Klonen wird nicht erlaubt
Sa.19.01.08 - Der wissenschaftliche Durchbruch kalifornischer Forscher in der
Klontechnik mit Menschen hat in Deutschland die Debatte um die Forschung
mit Stammzellen neu entfacht. Bundesforschungsministerin Annette
Schavan (CDU) will die Ergebnisse aus Kalifornien zunächst genau
prüfen. «Klar ist aber, dass therapeutisches Klonen in
Deutschland nicht erlaubt ist und dies auch so bleibt», sagte ein
Sprecher Schavans der «Berliner Zeitung» (Freitagausgabe).
Auswirkungen auf die laufende Debatte um eine Lockerung des
Stammzellgesetzes erwarte die Ministerin nicht.
Ähnlich äußerte sich die Gentechnikexpertin der CDU,
Julia Klöckner: «Da es nicht gelungen ist, aus dem Embryo
Stammzellen zu gewinnen, sehe ich auch keine neuen Argumente für
die Debatte.» Zwar hege die Union die Hoffnung, dass es mit jedem
neuen Durchbruch durch die Forschung leichter werde, ethisch
unbedenkliches Material zu gewinnen. Noch sei es viel zu früh, um
die langfristige Relevanz der Arbeiten zu beurteilen.
Der SPD-Bioethikexperte Wolfgang Wodarg nannte die Ergebnisse ethisch
bedenklich. «Das Klonen von Menschen ist ein
Horrorszenario», sagte er der Zeitung. Die Politik müsse der
Forschung klare Grenzen setzen. Er hoffe, dass sich die Befürworter
einer Liberalisierung des Stammzellgesetzes besinnen und von ihrem Plan
Abstand nehmen.
Der SPD-Forschungsexperte René Röspel sieht in dem
Experiment eine «unverantwortliche
Grenzüberschreitung», denn mit den US-Versuchen rücke
nun die Möglichkeit näher, einen kompletten Menschen zu
klonen. Röspel forderte in der «Frankfurter Rundschau»
(Freitagausgabe) eine internationale Ächtung des Klonens.
«Ein komplettes Klonverbot ist wahrscheinlich nicht
durchzusetzen», sagte er. «Besonders wichtig ist es deshalb,
zumindest das reproduktive Klonen schleunigst international zu
ächten.» Denn jetzt könnten «jene Irren, die
unbedingt geklonte Menschen herstellen wollen, auf diese verfeinerte
Technologie zurückgreifen».
(Quelle: ddp)