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Irak am 1397sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
2,5 Millionen Pilger zum Aschura-Fest zusammengekommen - Mehr als 70
Tote bei Kämpfen zwischen Sicherheitskräften und schiitischen
Kämpfern während des Festes. Fünf Polizisten bei
Selbstmordanschlag im Irak getötet
So.20.01.08 - Begleitet von strengen Sicherheitsvorkehrungen sind in der irakischen
Stadt Kerbala rund 2,5 Millionen schiitische Pilger zur Feier des
Aschura-Festes zusammengekommen.
Etwa 25.000 Soldaten und Polizisten sind im Einsatz, um für den
Schutz der Menschen zu sorgen. Das Aschura-Fest, mit dem die Schiiten an
den Tod des Imams Hussein - ein Enkels des Propheten Mohammed - im Jahr
680 erinnern, dauert zehn Tage. Der Höhepunkt der Feierlichkeiten
im etwa 110 Kilometer südlich von Bagdad liegenden Kerbala ist am
Samstag.
2004 waren bei Anschlägen während des Festes in Kerbala und
Bagdad 171 Menschen getötet worden. Im August 2007 kam es zu
schweren Kämpfen zwischen rivalisierenden Milizen, bei denen
während religiöser Feierlichkeiten rund 50 Menschen starben.
Als Folge der Unruhen flohen Hunderttausende Pilger aus der Stadt.
Inzwischen hat sich die Sicherheitslage aber verbessert, auch durch den
Einsatz zusätzlicher US-Soldaten.
Unterdessen starben am Freitag im südlichen Irak bei
Auseinandersetzungen zwischen einheimischen Sicherheitskräften und
schiitischen Kämpfern anlässlich des Aschura-Festes mehr
als 70 Menschen. Dutzende Menschen wurden Polizeiangaben zufolge bei
den gewaltsamen Auseinandersetzungen verletzt. Zahlreiche der
Getöteten hätten dem Kult "Soldaten des Himmels"
angehört. Die Zusammenstöße hätten sich in den
Städten Basra und Nassirija ereignet.
Bei einem Angriff von drei Selbstmordattentätern auf eine
Polizeiwache in der irakischen Stadt Ramadi sind am Samstag fünf
Polizisten getötet worden. Zehn weitere Beamte wurden nach Angaben
der Polizei verletzt. Die Polizisten erschossen den Angaben zufolge
einen der Angreifer am Eingang, noch ehe er seine Bombe zünden
konnte. Den beiden anderen sei es jedoch gelungen, ihre
Sprengsätze zu zünden. Ramadi, die Hauptstadt der Provinz
Anbar, liegt westlich von Bagdad.
boa (Quellen: rtr, ap, dpa)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2006 bis 20.01.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am neunhundertfünfunddreißigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Sa.20.01.07 - US-Verteidigungsminister Gates wirbt bei US-Soldaten im Irak für
Bushs Strategie +++ US-Senator Barack Obama bringt Gesetz zur Begrenzung
der US-Truppen im Irak ein +++ Iran wendet sich nach US-Razzia in Erbil an
UN-Generalsekretär +++ Vertrauter von Al Sadr in Bagdad festgenommen...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0701200.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
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Mehr als zwei Dutzend Tote bei Gefecht in Ostafghanistan
So.20.01.08 - Amerikanische und afghanische Soldaten haben bei einem fast
ganztägigen Gefecht im Osten Afghanistans mehr als zwei Dutzend
Taliban-Kämpfer getötet. Das teilte die internationale
Schutztruppe ISAF in Kabul mit. Das Gefecht habe am Freitag begonnen,
als eine aus afghanischen und US-Soldaten bestehende Einheit eine
Gruppe Aufständischer angegriffen habe, die einen
ISAF-Stützpunkt in den Bergen der Provinz Kunar angreifen wollten.
Daraus habe sich ein 21-stündiges Gefecht entwickelt, das bis
Samstag gedauert habe. Man habe aus Geheimdienstberichten gewusst, dass
die Taliban einen Großangriff in der Region planten, hieß
es weiter. Die Unzugänglichkeit des Gebiets habe es schwierig
gemacht, die genaue Zahl der getöteten Aufständischen
festzustellen. Die amerikanischen und afghanischen Truppen hätten
keine Verluste erlitten.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt: Palästinenserführung für Ende der
Raketenangriffe auf Israel. UN warnen Israel vor Kollektivstrafe
für Gazastreifen
So.20.01.08 - Nach der jüngsten Eskalation der Gewalt in Nahost hat sich die
Palästinenserführung für ein sofortiges Ende der
Raketenangriffe auf Israel ausgesprochen. Der Beschuss aus dem
Gazastreifen bringe nichts als Unglück.
Das sagte der amtierende palästinensische Ministerpräsident
Salam Fajad am Samstag während einer Tour durch das
Westjordanland. Zuvor waren bei einem israelischen Luftangriff auf den
Gazastreifen zwei militante Palästinenser getötet und drei
weitere verletzt worden.
Als Reaktion drohte die Palästinenserorganisation Hamas, die seit
Mitte Juni den Gazastreifen kontrolliert, mit der Wiederaufnahme von
Selbstmordanschlägen in Israel. Hamas-Sprecher Taher al-Nunu
forderte Ägypten auf, den Grenzübergang Rafah zum
Gazastreifen zu öffnen, damit die Opfer von israelischen
Luftangriffen im Ausland behandelt werden könnten. Ägypten
hatte den Grenzübergang nach der Machtübernahme der Hamas
Mitte Juni geschlossen.
Israel hatte am Freitag als Reaktion auf den fortwährenden
Beschuss vorübergehend alle Grenzübergänge zum
Gazastreifen geschlossen. Die vollständige Abriegelung löste
internationale Kritik aus. EU-Außenkommissarin Benita
Ferrero-Waldner appellierte an Israel, auf die Aufhebung der Blockaden
hinzuarbeiten. Für die Friedensverhandlungen sei jetzt
entscheidend, dass die Palästinenser in den kommenden drei Monaten
Verbesserungen ihrer Lebensumstände spürten, sagte
Ferrero-Waldner in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur
dpa am Rande einer Veranstaltung der Bertelsmann- Stiftung in Kronberg
bei Frankfurt/Main. «Es muss etwas geschehen, damit die Menschen
wieder an diesen (Friedens-)Prozess glauben.»
Die Vereinten Nationen haben Israel aufgefordert, die Abriegelung des
Gazastreifens aufzuheben: Die palästinensische Bevölkerung in
dem von der radikal-islamischen Hamas kontrollierten Küstengebiet
dürfe nicht kollektiv für die Taten von Extremisten bestraft
werden, sagte UN-Nothilfekoordinator John Holmes am Freitag in New
York. Die Raketenangriffe radikaler Palästinenser rechtfertigten
diese Reaktion Israels nicht. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon
kritisierte, Israel schneide die 1,5 Millionen Menschen im Gazastreifen
von der Energie- und Wasserversorgung sowie der Lieferung dringend
benötigter Lebensmittel und Hilfsgüter ab. Er forderte beide
Seiten zum Stopp der Gewalt auf.
Die Vereinten Nationen haben nachdrücklich vor einer
humanitären Notlage in dem abgeriegelten Palästinensergebiet
gewarnt: UN-Nothilfekoordinator John Holmes äußerte sich am
Freitag in New York «tief besorgt» über die Zuspitzung
der Lage. Die Schließung der Grenzübergänge bedeute,
dass auch Nahrungsmittel und Medikamente für laufende Hilfsaktionen
nicht mehr in den Gazastreifen gelangen könnten, sagte Holmes.
«Die Situation ist sehr ernst und düster.» Er forderte
eine Wiederöffnung der Grenzübergänge.
Unterdessen haben die rivalisierenden Palästinenserorganisationen
Fatah und Hamas neue Feindseligkeiten ausgetauscht. Die
Hamas-Führung warf der Autonomiebehörde von
Palästinenserpräsident Mahmud Abbas vor, sie habe für
einen Anschlag auf den früheren Ministerpräsidenten Ismail
Hanija einen Selbstmordattentäter angeheuert. Im Gegenzug machte
der amtierende Informationsminister Riad al-Maliki die Hamas-Bewegung
für das Leiden der 1,5 Millionen Palästinenser im
Gazastreifen verantwortlich.
boa (Quellen: rtr, dpa)
Kenia: Kibaki und Odinga wollen Annan als Vermittler anerkennen -
Festgenommener Deutscher Hermlin wieder frei
So.20.01.08 - Der kenianische Präsident Mwai Kibaki und Oppositionsführer
Raila Odinga wollen den früheren UN-Generalsekretär Kofi
Annan als Vermittler bei der Lösung der politischen Krise in dem
afrikanischen Land akzeptieren. Das teilte EU-Entwicklungshilfekomissar
Louis Michel am Samstag nach Gesprächen mit Kibaki und Odinga in
Nairobi mit. Beide Politiker hätten an ihre Landsleute appelliert,
die Gewalt zu beenden, bei der seit der umstrittenen
Präsidentenwahl am 27. Dezember mehr als 600 Menschen getötet
wurden. Annan wird am Dienstag in Kenia erwartet.
Allerdings hatte Odingas Partei Orange-Demokratische Bewegung (ODM)
zuvor noch erneut ihre Strategie geändert und erklärt, sie
wolle nun mit allen Mitteln den Sturz Kibakis herbeiführen. Der
ODM-Parteivorsitzende Henry Kosgey rief zu «friedlichen
Versammlungen» am kommenden Donnerstag auf. Noch am Freitag hatte
die Opposition nach drei Protesttagen mit mehr als 24 Toten
erklärt, sie wolle Kibaki künftig mit Boykott-Aktionen und
Streiks unter Druck setzen.
Auch am Samstag gab es bei Zusammenstößen zwischen
Angehörigen verschiedener Volksgruppen fünf Tote, teilte die
Polizei mit. Im Rift Valley 300 Kilometer nordwestlich von Nairobi
hätten sich Angehörige der Stämme Kalenjin, Kisii und
Kibakis Kikuyu mit Pfeil und Bogen sowie Macheten bekämpft. Die
Polizei bestätigt, sie habe Verstärkung zum Schutz des
katholischen Klosters Kipkelion geschickt, in dem viele Menschen
Zuflucht gesucht haben.
Auch am Freitag hatte es Kämpfe zwischen verschiedenen
Volksgruppen gegeben: Im Naturschutzpark Massai Mara gingen
Kämpfer der Massai und Kikuyu sechs Stunden lang mit Pfeil und
Bogen, Macheten und Schwertern aufeinander los. Sechs Menschen wurden
getötet und 32 verwundet, teilte Polizeichef Patrick Wambani mit.
Der US-Botschafter in Nairobi, Michael Ranneberger, verglich die
Unruhen seit der Präsidentenwahl mit den Rassenunruhen 1968 in den
USA. Bei der Wahl hätten beide Seiten betrogen. Odinga hätte
ohne die Manipulationen aber mit einem Vorsprung von 120.000 Stimmen -
das sind 1,5 Prozent - die Wahl gewonnen, sagte Ranneberger in einer
Konferenzschaltung mit dem Washingtoner Institut für Strategische
und Internationale Studien.
Der in Kenia unter Terrorismusverdacht festgenommene Berliner
Swingmusiker Andrej Hermlin ist nach zwei Tagen Haft wieder auf freiem
Fuß. Seine Frau Jocelyn teilte am Samstag in Berlin mit, sie habe
gegen 12.30 Uhr mit ihrem Mann telefoniert. Der 42-Jährige sei im
Gefängnis korrekt und «sehr gut» behandelt worden.
Außerdem kamen der mit Hermlin befreundete Fotograf Gerd-Uwe
Hauth und die niederländische Dokumentarfilmerin Fleur van Dissel
frei, die zusammen mit Hermlin am Donnerstag festgenommen worden waren.
Das niederländische Außenministerium bestätigte, dass
van Dissel freikam, ohne dass Beschuldigungen gegen sie erhoben wurden.
Unklar blieben die wahren Gründe für die Festnahme. Hermlin
ist eng befreundet mit Oppositionsführer Odinga und hatte für
ihn in den Wahlkampf eingegriffen.
(Quelle: ap)
Krise in Republik Zentralafrika vor Ankunft von EU-Soldaten
So.20.01.08 - Wenige Wochen vor der Stationierung von EU-Friedenssoldaten ist die
Regierung der Zentralafrikanischen Republik angesichts einer Krise im
Land zurückgetreten.
Ministerpräsident Elie Dote und seine Regierung kamen damit am
Freitag nach Angaben der Behörden einem Misstrauensantrag im
Parlament zuvor. Es wird erwartet, dass Präsident Francois Bozize
in den kommenden Tagen einen neuen Ministerpräsidenten benennt und
mit der Regierungsbildung beauftragt. Die Lage in der verarmten
ehemaligen französischen Kolonie mit ihren etwa vier Millionen
Einwohnern hatte sich zuletzt zugespitzt, nachdem Gewerkschaften eine
bessere Bezahlung der Arbeiter verlangt hatten.
Demnächst sollen im Nordosten des Landes Soldaten aus der EU
stationiert werden, um Zivilisten vor einem Übergreifen der Gewalt
aus der benachbarten sudanesischen Krisenregion Darfur zu schützen.
(Quelle: rtr)
Dutzende Tote bei Flüchtlingsdrama vor der Küste Jemens
So.20.01.08 - Dutzende Flüchtlinge aus Afrika sind bei der Fahrt über das
Meer nach Jemen im Golf von Aden ertrunken. Vor der Küste des
Jemens seien am Samstag nahezu 50 Leichen angespült worden,
hieß es aus Sicherheitskreisen in der Hauptstadt Sanaa. Den
Angaben zufolge war das Boot mit den Flüchtlingen aus Somalia und
Äthiopien gekentert. 35 Überlebende berichteten den
Behörden, dass mindestens 135 Menschen an Bord gewesen seien.
Deshalb wird befürchtet, dass sich die Zahl der Toten noch
erhöhen wird. Jährlich kommen hunderte Afrikaner bei dem
Versuch ums Leben, illegal in den Jemen zu gelangen. Viele ertrinken
bei der Überfahrt in den Gewässern, die Somalia und die
arabische Halbinsel trennen, oder werden von Piraten und Schmugglern
getötet. Im vergangenen Jahr kamen nach Angaben der jemenitischen
Behörden 5.000 Äthiopier und Somalier illegal in das Land.
Nahezu 400 weitere seien bei der Überfahrt ums Leben gekommen.
(Quelle: ap)
Venezuela: Präsident Chávez droht mit Verstaatlichung von
Banken
So.20.01.08 - Der venezolanische Präsident Hugo Chávez hat mit der
Verstaatlichung von Banken gedroht, die sich bei der Vergabe von
Krediten nicht an die gesetzlichen Vorschriften halten. Dazu
gehört die Bestimmung, nahezu ein Drittel aller Kredite zu
Vorzugsbedingungen an Bauern, Hausbesitzer und kleine Unternehmen zu
vergeben. Jede Bank, die sich nicht an das Gesetz halte, werde vom
Staat übernommen, sagte Chávez am Samstag bei einem Treffen
mit Bauern in Caracas. Zugleich gab Chávez bekannt, dass seine
Regierung ein neues Gesetz gebilligt habe, das den Höchstzins auf
Kredite für landwirtschaftliche Projekte auf 15 Prozent begrenzt
und die Rückzahlungsfrist dafür von 3 auf 20 Jahre
verlängert. Hintergrund sind zunehmende Schwierigkeiten bei der
Kreditzuteilung angesichts einer Inflationsrate von 22,5 Prozent im
vergangenen Jahr, der höchsten in ganz Lateinamerika.
(Quelle: ap)
US-Präsidentschaftskandidatur: McCain gewinnt Vorwahl der
Republikaner in South Carolina - Romney in Nevada vorn - Clinton und
Obama setzen Kopf-an-Kopf-Rennen fort
So.20.01.08 - Der 71-jährige Senator John McCain hat im Rennen um die
Präsidentschaftskandidatur der Republikaner einen wichtigen Sieg
errungen. Im Schlüsselstaat South Carolina gewann McCain am
Samstag die meisten Stimmen vor dem ehemaligen Baptistenpfarrer Mike
Huckabee. Ein Sieg in South Carolina hat seit 1980 stets auch die
spätere Präsidentschaftskandidatur bei den Republikanern nach
sich gezogen.
Nach Auszählung von 84 Prozent der Stimmen entfielen 33 Prozent
auf McCain und 29 Prozent auf Huckabee. Der ehemalige Senator Fred
Thompson, für den die Vorwahl in South Carolina fast die letzte
Chance war, kam mit 16 Prozent nur auf Platz drei. Vierter wurde Mitt
Romney mit 15 Prozent vor Ron Paul (vier Prozent) und dem
abgeschlagenen Exbürgermeister von New York, Rudolph Giuliani
(zwei Prozent).
Bei Wählerversammlungen in Nevada erzielte Romney als ehemaliger
Gouverneur von Massachusetts mit 54 Prozent einen klaren Sieg. Dort kam
McCain zusammen mit Paul mit jeweils 12 Prozent auf den zweiten Platz.
Danach folgten Huckabee und Thompson mit jeweils 6 Prozent.
Bei den Demokraten wurde nur in Nevada gewählt - die Vorwahl in
South Carolina findet erst am nächsten Samstag statt. Die New
Yorker Senatorin Hillary Clinton gewann in Nevada mit einem Anteil von
51 Prozent zwar mehr Stimmen als ihr Rivale Barack Obama, der nach
vorläufigen Ergebnissen auf 45 Prozent kam. Aufgrund der
proportionalen Verteilung der Stimmen nach Stimmbezirken gewann Obama
am Samstag jedoch 13 Delegierte für den Nominierungsparteitag und
damit eine Delegiertenstimme mehr als Clinton. Klarer Verlierer war
Senator John Edwards mit einem Stimmenanteil von vier Prozent.
Clinton hatte zum Auftakt der Kandidatenkür in Iowa nur einen
enttäuschenden dritten Platz belegt. Danach gewann sie aber die
Vorwahl in New Hampshire sowie die bedeutungslose Vorwahl in Michigan.
Erste Analysen zur Stimmabgabe in Nevada ergaben, dass Clinton vor
allem von Frauen, Weißen und Latinos gewählt wurde. Hingegen
stimmten etwa 80 Prozent der Schwarzen für Obama.
Nach den bisherigen Entscheidungen hat sich Clinton damit 236
Delegiertenstimmen für den Nominierungsparteitag der Demokraten im
August gesichert, einschließlich der als
«Superdelegierte» bezeichneten gewählten
Parteifunktionäre. Obamas Lager zählt bislang 136 Delegierte.
Auf Platz drei folgt Edwards mit 50 Stimmen. Für die
Präsidentschaftskandidatur sind mindestens 2.025 Stimmen
erforderlich.
In beiden Parteien versuchten die Kandidaten, sich eine gute
Ausgangsposition vor dem «Super Tuesday» am 5. Februar zu
verschaffen, wenn in 24 Staaten Vorwahlen stattfinden, deren Ergebnisse
eine Vorentscheidung bedeuten können.
(Quelle: ap)
Russisches Militär behält sich Recht auf atomaren Erstschlag
vor
So.20.01.08 - Russland könnte nach Angaben des Stabschefs der Streitkräfte
Atomwaffen für einen präventiven Angriff einsetzen. Dies gelte
für den Fall einer größeren Bedrohung, erklärte
Stabschef Juri Balujewski am Samstag in Moskau. «Wir haben keine
Pläne, jemanden anzugreifen», sagte Balujewski. Allerdings
müsse die Weltgemeinschaft verstehen: «Um die
Souveränität und die territoriale Integrität Russland
und die seiner Verbündeten zu verteidigen, wird militärische
Gewalt eingesetzt, was den präventiven Einsatz von Atomwaffen
einschließt.» Der Kreml hat stets betont, er setze auf
Abschreckung durch Nuklearwaffen und behalte sich das Recht vor,
präventiv gegen Bedrohungen vorzugehen.
(Quelle: ap)
Mindestens 14 islamische Terrorverdächtige in Spanien gefasst
So.20.01.08 - Die spanische Polizei hat am Samstag bei mehreren Razzien in Barcelona
14 Terrorverdächtige festgenommen. Die Festgenommenen seien
verdächtig, mit dem "radikalislamischen Terrorismus" in Verbindung
zu stehen, teilte das Innenministerium in Madrid mit. Bei den
Durchsuchungen am Samstagmorgen beschlagnahmtes Material werde derzeit
untersucht.
Seit den Terroranschlägen auf vier Pendlerzüge in Madrid, bei
denen vor fast vier Jahren 191 Menschen starben, hat es in Spanien immer
wieder Festnahmen von Terrorverdächtigen gegeben. In dem Prozess
um die Anschläge vom 11. März 2004 wurden 21 Angeklagte
verurteilt, drei von ihnen zu Haftstrafen von rund 40.000 Jahren. Gegen
die Urteile legten Opfer und Staatsanwalt Widerspruch ein.
(Quelle: afp)
Erneuter Verlust von vertraulichen Daten in Großbritannien
So.20.01.08 - In Großbritannien sind erneut vertrauliche Daten von mehreren
hunderttausend Bürgern verloren gegangen. Dem britischen
Verteidigungsministerium sind nach eigenen Angaben Informationen
über rund 600.000 potenzielle Rekruten gestohlen werden. "Ein
Laptop eines Marine-Offiziers wurde in der vergangenen Woche in
Birmingham entwendet", erklärte das Ministerium. Darin seien die
Daten von Menschen gespeichert gewesen, die sich für den
Armeedienst interessiert oder ihn bereits angetreten hätten.
Die Art der Daten variiere dabei von Betroffenem zu Betroffenem,
erklärte das Ministerium. In einigen Fällen sei nur der Name
gespeichert worden. Bei Menschen, die sich konkret um eine Stelle beim
Militär beworben hätten, seien aber die Ausweisnummer, die
Sozialversicherungsnummer, Daten aus dem Führerschein und über
den Familienstand in dem Computer abgelegt worden.
Das Ministerium nimmt den Datenverlust nach eigenen Angaben "sehr
ernst". Es habe bereits begonnen, rund 3500 Menschen anzuschreiben,
deren Kontoverbindungen in den verloren gegangenen Computerdaten
enthalten waren. Auch die entsprechenden Banken seien informiert worden,
damit sie auf verdächtige Transaktionen achteten.
Erst im Dezember vergangen Jahres waren in britischen
Gesundheitszentren Patienten-Informationen von über 100.000
Menschen verschwunden. Im gleichen Monat wurde auch der Verlust einer
CD-ROM mit Informationen über Kandidaten für den theoretischen
Teil der Führerscheinprüfung in Großbritannien bekannt.
Im November waren in Großbritannien zwei Datenspeicher mit
Informationen über 7,25 Millionen Familien, die Kindergeld
beziehen, auf dem Postweg abhanden gekommen.
(Quelle: afp)
Rund 200 Festnahmen bei Demonstration gegen Weltwirtschaftsforum
So.20.01.08 - Bei einer nicht genehmigten Demonstration in Bern gegen das Davoser
Weltwirtschaftsforum (WEF) sind am Samstag rund 200 Personen
festgenommen worden. Die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer
ein. Unter den Festgenommenen ist auch der Anführer der
Anti-WEF-Gruppierung, Giovanni Schumacher. Das Weltwirtschaftsforum
beginnt am kommenden Dienstag.
Die Stadt Bern hatte der Kundgebung aus Angst vor Ausschreitungen eine
bereits erteilte Genehmigung am Donnerstag wieder entzogen. Den
Organisatoren wurde vorgeworfen, sie hätten sich nicht von
gewaltsamen Aktionen distanziert. Das Bündnis für globalen
Widerstand hatte mit Unverständnis reagiert und am Aufruf zur
Demonstration gegen das WEF in Davos festgehalten.
Hunderte von Polizisten und Polizistinnen aus dem Kanton Bern und der
ganzen Nordwestschweiz standen am Samstag im Einsatz, um jede
Demonstration in der Hauptstadt zu verhindern. Bei einem Zwischenfall
wurden nach Polizeiangaben Gummigeschosse eingesetzt.
Berns Stadtpräsident Alexander Tschäppät und
Polizeidirektor Stephan Hügli zeigten sich am Abend befriedigt,
dass es bisher zu keinen Ausschreitungen gekommen sei. Die Polizei
registrierte einzig zwei kleinere Sachbeschädigungen.
Tschäppät verteidigte den Widerruf der zunächst
erteilten Demonstrationsbewilligung und verwies auf die Lagebeurteilung
der Sicherheitsbehörden. Bern sei Zielort für gewaltbreite
Störenfriede gewesen, ergänzte Hügli.
Friedlich ging am Samstagnachmittag eine Anti-WEF-Demonstration in St.
Gallen über die Bühne. Nach Angaben der Polizei versammelten
sich rund 150 Menschen und zogen mit Transparenten durch die
Innenstadt. Verschiedene Redner forderten eine «Globalisierung
von unten und nicht von oben, in die alle Bevölkerungsschichten
der Welt einbezogen werden».
(Quelle: ap)
EU-Kommissionschef fordert von Merkel Taten beim Klimaschutz
So.20.01.08 - EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso hat Bundeskanzlerin
Angela Merkel aufgefordert, den Klimaschutzzielen auch konkrete Taten
folgen zu lassen: Die Europäische Union (EU) habe sich unter
deutscher Ratspräsidentschaft auf Ziele in der Klimapolitik
verständigt, sagte Barroso in einem am Samstag verbreiteten
Interview der "Wirtschaftswoche". An der Seite von Merkel habe er beim
G-8-Gipfel in Heiligendamm für diese Ziele gekämpft. "Diese
Vorgaben müssen wir nun konkretisieren", sagte Barroso. "Wir
können nicht nur allgemein über den Klimaschutz reden und
dann protestieren, wenn es um die Umsetzung geht."
Die Vorschläge der EU-Kommission zur Senkung des
Schadstoffausstoßes von Neuwagen hatten in Deutschland einen
Proteststurm ausgelöst. Merkel wie auch Umweltminister Sigmar
Gabriel und SPD-Chef Kurt Beck kritisierten die Vorschläge als
drastische Benachteiligung deutscher Autobauer.
Barroso sprach dagegen von einem "fairen Vorschlag". Er könne die
"emotionalen Reaktionen" in Deutschland verstehen. Die Autoindustrie
sei "immerhin das Symbol des Wirtschaftswunders". Zugleich zeigte er
sich kompromissbereit: "Das Endergebnis in europäischen
Gesetzgebungsverfahren sieht immer anders aus als die Vorlagen der
Kommission."
(Quelle: rtr)
OECD warnt vor zunehmender Altersarmut in Deutschland
So.20.01.08 - Die OECD hat vor einer wachsenden Altersarmut in Deutschland gewarnt.
Das deutsche Rentensystem sei nicht ausreichend dagegen gewappnet,
sagte die Rentenexpertin der Organisation für Wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung, Monika Queisser, der "Frankfurter
Rundschau" vom Samstag. Zur Zeit sei die Lage noch solide und die
Armutsquote von Ruheständlern vergleichsweise niedrig. Dies werde
sich jedoch in 30 bis 40 Jahren ändern. Künftig sehe es
weniger gut aus um die Versorgung von Geringverdienern und der
wachsenden Zahl von Menschen, die nicht durchgehend Rentenbeiträge
gezahlt hätten. Für diese Gruppe fehle "in Deutschland eine
automatische Altersabsicherung".
Die OECD-Expertin empfiehlt der Bundesregierung daher, sich am Vorbild
der Schweiz zu orientieren. Das eidgenössische
Drei-Säulen-Modell von staatlicher Sockelrente sowie einer Pflicht
zur zusätzlichen betrieblichen und privaten Altersvorsorge habe den
Vorteil, dass es alle Bürger nach ihrer Leistungsfähigkeit
einbeziehe. Zudem werde die Abhängigkeit von sozialpflichtiger
Beschäftigung vermindert.
Auch der Paritätische Wohlfahrtsverband erwartet in den
nächsten Jahren eine deutliche Zunahme der Altersarmut in
Deutschland. "Gerade vor dem Hintergrund sinkender gesetzlicher
Rentenniveaus müssen wir davon ausgehen, dass es in Deutschland im
Jahr 2020/2030 eine Altersarmut von zehn Prozent oder mehr geben wird",
sagte Hauptgeschäftsführer Ulrich Schneider der "Berliner
Zeitung". Derzeit liege der Anteil der Menschen, die im Rentenalter von
Grundsicherung lebten müssen, bei rund 2,5 Prozent. Der generelle
Trend sei nicht aufzuhalten, er könne allenfalls in seiner
Intensität gemildert werden.
Schneider forderte von der Politik ein Gegensteuern, in dem auf kleine
Renten, auf Riester-Renten und andere Einkünfte ausreichende
Freibeträge bei der Grundsicherung eingeräumt werden.
Insgesamt läuft es nach seiner Einschätzung in Deutschland auf
eine Mindestrente hinaus.
(Quelle: rtr)
Deutsche Regierung plant kein Konjunkturprogramm nach US-Vorbild
So.20.01.08 - Die Bundesregierung lehnt ein Konjunkturprogramm für die
Euro-Länder nach dem Vorbild der USA ab: Es gebe einen
fundamentalen Unterschied zwischen der US- und der europäischen
Wirtschaftsentwicklung, sagte der stellvertretende Regierungssprecher
Thomas Steg am Freitag in Berlin. Die Euro-Zone liege weiter auf einem
stabilen Wachstumspfad, weshalb ein Konjunkturprogramm verfehlt
wäre.
Unter deutschen Wirtschaftsexperten lösten die Pläne der USA,
die Konjunktur mit bis zu 150 Milliarden Dollar zu stützen,
Befürchtungen aus, dass der Dollar gegenüber dem Euro weiter
an Boden verliert. Außenhandelspräsident Anton Börner
sagte der Nachrichtenagentur Reuters, er sehe diese Gefahr. Das sei aber
die Kröte, die Europa schlucken müsse, damit Amerika nicht in
die Rezession abgleite. "Ich finde, dass der US-Staat ganz gut beraten
ist, dass er etwas tut", kommentierte Börner.
US-Finanzminister Henry Paulson unterstrich die Notwendigkeit des von
Präsident George W. Bush geplanten Konjunkturprogramms. Es sei
dringend nötig, um der US-Wirtschaft einen Schub zu geben, sagte er
dem Fernsehsender NBC. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück
erklärte im Deutschlandfunk erneut, er halte die durch die
US-Hypothekenkrise ausgelösten Probleme für noch nicht
ausgestanden. Für Deutschland und Europa sehe er aber robuste
ökonomische Fundamentaldaten.
Der Chefvolkswirt des Deutschen Industrie- und Handelskammertages,
Volker Treier, sagte in einer Reuters-Umfrage: "Ein Konjunkturpaket kann
die konjunkturellen Auswirkungen (der US-Hypothekenkrise) zwar
kurzfristig dämpfen. Doch dann droht eine weitere Abschwächung
des Dollar." Dauere die Krise an, seien Konjunkturprogramme ohnehin nur
ein Tropfen auf den heißen Stein. Der Konjunkturexperte des
Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Christian
Dreger warnte, das Programm könnte die US-Konjunktur zwar
kurzzeitig stabilisieren, seine Finanzierung dürfte aber das
Etatdefizit in den USA erhöhen. Das werde den Dollar
zusätzlich schwächen und die Europäische Zentralbank
verstärkt unter Druck setzen.
Börner nannte es richtig, dass Bush versuche, die Verbraucher zu
stärken. Denn der Konsum sei das Standbein der US-Konjunktur.
"Insofern ist das schon okay", sagte er. Es gebe aber auch negative
Folgen. "Ungünstig ist, dass der Dollar schwächer wird", sagte
er voraus. "Die Welt muss wohl oder übel diese Kröte
schlucken, sofern es sich um eine maßvolle weitere
Dollar-Entwertung handelt", sagte er. "Diesen Preis muss man wohl
zahlen, dass die USA nicht in eine schwerwiegende Rezession kommt."
(Quelle: rtr)
Steuern und Abgaben in 16 Jahren um 22 Prozent gestiegen
So.20.01.08 - Arbeitnehmer verdienen Berechnungen des Magazins
«Wirtschaftswoche» zufolge heute real und netto weniger als
1991 - obwohl in dieser Zeit die Wirtschaft um 27 Prozent gewachsen ist.
In der gleichen Zeit kletterten demnach Steuern und Sozialabgaben um 22
Prozent, so dass der Bruttolohnanstieg mehr als aufgefressen wurde,
schreibt das Magazin mit Hinweis auf eigene Berechnungen auf Basis der
Daten des Statistischen Bundesamtes.
Michael Hüther, Direktor des Instituts der Deutschen Wirtschaft
(IW), forderte von der Bundesregierung in der
«Wirtschaftswoche», das Brutto-Netto-Gefälle zu
reduzieren. Die Koalition müsse jetzt handeln und den
Staatshaushalt sanieren, um Freiraum für Steuersenkungen zu
schaffen, erklärte Hüther. Wichtig sei vor allem eine
Strukturreform bei der Einkommensteuer, die der Mittelschicht
Erleichterung verschaffe, «denn die ist bei den vorangegangenen
Reformen viel zu kurz gekommen».
Gleichzeitig warnt Hüther vor überzogenen
Lohnabschlüssen 2008: «2007 sind die Tariflöhne im
Schnitt um rund 2,5 Prozent erhöht worden. Dieses Ergebnis halte
ich in diesem Jahr für die absolute Obergrenze, zumal die
wirtschaftliche Dynamik sinkt.» Scharf rügte der IW-Chef die
Forderung verschiedener Spitzenpolitiker nach kräftigen
Lohnzuschlägen: «Es ist nicht Aufgabe der Regierung, den
Tarifparteien Vorschläge zu machen, und schon gar nicht, sich dabei
propagandistisch auf eine Seite zu schlagen. Das sind einmalige
Vorgänge, die die Tarifautonomie beschädigen.»
Derweil äußerte der Generalsekretär des
Zentralverbandes des Deutschen Handwerks, Hanns-Eberhard Schleyer,
überraschend Verständnis für hohe Lohnforderungen der
Beschäftigten. «Man kann den Arbeitnehmern nicht vorwerfen,
dass sie am wirtschaftlichen Aufschwung der vergangenen Jahre teilhaben
wollen», sagte er dem gleichen Magazin.
Auch der Bundesvorsitzende der CDU/CSU-Mittelstands- und
Wirtschaftsvereinigung, Josef Schlarmann, macht den Gewerkschaften
keinen Vorwurf und kritisiert stattdessen die Bundesregierung:
«Die immense Abgabenmehrbelastung treibt die Gewerkschaften dazu,
nun solch irre Lohnforderungen zu stellen.» Die Bundesregierung
dränge damit die Unternehmen «in eine der härtesten
Tarifauseinandersetzungen der Nachkriegsgeschichte».
Entsprechend drang CSU-Chef Erwin Huber auf eine Senkung der Lohn- und
Einkommensteuer. «Es ist Sache der Politik, die arbeitende
Bevölkerung bei Steuern und Abgaben zu entlasten und die Menschen
dadurch am wirtschaftlichen Aufschwung stärker teilhaben zu
lassen.»
(Quelle: ap)
Lafontaine fordert neuen Umgang mit staatlichen Subventionen
So.20.01.08 - Linkspartei-Chef Oskar Lafontaine hat vor dem Hintergrund der
angekündigten Schließung des Nokia-Werkes in Bochum neue
Regeln zum Umgang mit staatlichen Subventionen gefordert: "Wenn ein
Unternehmen wie Nokia in Bochum noch Gewinne erwirtschaftet und trotzdem
einen Betrieb verlagert, sollten die erhaltenen Subventionen
zurückgezahlt werden müssen", sagte Lafontaine der
Nachrichtenagentur Reuters in einem am Samstag veröffentlichten
Interview. Dies müsse schon bei der Vergabe staatlicher Gelder so
vereinbart werden. Generell sei eine neue Wirtschaftsordnung notwendig,
"in der die Arbeitnehmer stärker als bisher über ihr Schicksal
selbst entscheiden".
Das Vorgehen Nokias in Bochum verurteilte der Partei- und Fraktionschef
der Linkspartei scharf. Er wolle an der geplanten
Großdemonstration kommende Woche in Bochum teilnehmen,
kündigte Lafontaine an. "Da läuft ein ähnlicher Betrug
wie bei BenQ." Der taiwanische Konzern hatte seiner deutschen
Mobilfunktochter im nordrhein-westfälischen Kamp-Lintfort im Herbst
2006 ein Jahr nach der Übernahme von Siemens nach hohen Verlusten
den Geldhahn zugedreht und sie damit der Pleite überlassen.
Offenbar betrage der Lohnkostenanteil an den Betriebskosten bei Nokia
in Bochum nur rund fünf Prozent. Sollte sich dies bewahrheiten,
handele es sich bei der angekündigten Betriebsverlagerung um einen
"absolut nicht nachvollziehbaren Vorgang", sagte Lafontaine. Die Zahlen
müssten auf den Tisch kommen.
Die überraschend angekündigten Pläne des finnischen
Konzerns für ein Ende des Standorts in Nordrhein-Westfalen hatten
einen Proteststurm ausgelöst. Das Land prüft zurzeit, ob es 41
Millionen Euro Subventionen von den Finnen zurückzuverlangen kann.
(Quelle: rtr)
Erste Kündigungen wegen Nokia-Schließung in Bochum
So.20.01.08 - Die geplante Schließung des Nokia-Werks in Bochum hat nach einem
Zeitungsbericht zu ersten Entlassungen geführt: Zahlreiche
Leiharbeiter hätten ihre Kündigung erhalten oder würden
in den kommenden Tagen entlassen, berichtete die "Westfälische
Rundschau" am Samstag. In dem Werk seien über 1000 Arbeitnehmer
der Zeitarbeitsfirmen Randstad und Adecco beschäftigt. Die
nordrhein-westfälische Landesregierung kündigte weitere
Gespräche mit dem Management an. SPD-Parteichef Kurt Beck rief die
Verbraucher indirekt zum Nokia-Boykott auf.
Nokia will seine Handy-Fertigung in Bochum aus Kostengründen nach
Rumänien, zum Teil auch nach Ungarn und Finnland verlagern. Etwa
2300 fest angestellte Nokia-Mitarbeiter sind von der Arbeitslosigkeit
bedroht. Zudem sind in dem Werk der "Westfälischen Rundschau"
zufolge jeweils 500 Leiharbeiter von Randstad und Adecco
beschäftigt. Mehreren Angestellten von Randstad sei am Freitag
gekündigt worden. Eine Adecco-Sprecherin habe Entlassungen
für die nächsten Tage angekündigt.
EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso verwies auf
mögliche Hilfen der Europäischen Union für die
Beschäftigten. "Gerade weil wir auch um die Härten von
Veränderungsprozessen wissen, stehen unser Sozial- und unser
Globalisierungsfonds in Fällen zur Verfügung, in denen die
Mitgliedstaaten solche Veränderungen nicht allein auffangen
können", sagte er der "Wirtschaftswoche".
Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers
(CDU) warnte vor einem Vertrauensverlust in die Marktwirtschaft. "Das
ist Gift für das Vertrauen", sagte er beim Neujahrsempfang der
Landes-CDU am Samstag in Düsseldorf. Die Landesregierung will in
weiteren Gesprächen mit dem Management Perspektiven für die
Beschäftigten ausloten. "Das Treffen am Freitag war ein erstes
Gespräch", sagte Wirtschaftsministerin Christa Thoben der
Nachrichtenagentur Reuters. Zum Inhalt des Treffens in Berlin, an dem
auch Vertreter der Bundesregierung teilnahmen, sagte sie nichts.
Im Magazin "Focus" bekräftigte Thoben die Drohung, dass Nokia
möglicherweise Subventionen in Höhe von 41 Millionen Euro
zurückzahlen müsse: "Die Berichte über die
Zuschussverwendung sind lückenhaft, die Zahl der
Arbeitsplätze wurde schön gerechnet." Thoben hatte am Freitag
darauf hingewiesen, die Finanzhilfen seien an die Zusage gebunden
gewesen, dass in dem Bochumer Werk 2800 Menschen beschäftigt
würden.
(Quelle: rtr)
Stellenabbau bei der Bahn laut Bahngewerkschaft Transnet vom Tisch
So.20.01.08 - Die Pläne für einen Stellenabbau und die Kündigung des
Jobpaktes bei der Bahn sind vom Tisch. Nach Angaben des Vorsitzenden der
Bahngewerkschaft Transnet, Norbert Hansen, hat Bahnchef Hartmut Mehdorn
seine Drohung fallen lassen, wegen der hohen Tarifabschlüsse
Arbeitsplätze abzubauen, wie die Tageszeitung «Die
Welt» (Samstagausgabe) berichtet. «Herr Mehdorn hat mir
gegenüber erklärt, dass er die Ansage, das
Beschäftigungsbündnis aufzukündigen, zurücknimmt.
Das ist definitiv», sagte Hansen dem Blatt.
Mehdorn habe Hansen zugesagt, dass die Senkung der Personalkosten nicht
die erste und einzige Lösung auf höhere Belastungen durch die
Tarifabschlüsse sein werde, hieß es weiter.
Die Bahn wies in einer Stellungnahme jedoch darauf hin, dass ein
zweistelliger Tarifabschluss nicht ohne interne Konsequenzen zu
verkraften sei. Wie die jedoch aussehen, dazu machte die Bahn keine
Angaben. Das Unternehmen erklärte lediglich, dass der Vorstand in
den nächsten Wochen Maßnahmen identifizieren werde, die
für den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit notwendig seien. Diese
würden dann mit Aufsichtsrat und Gewerkschaften erörtert.
Die nach monatelangem Tarifstreit zu Stande gekommene Einigung zwischen
der Lokführergewerkschaft GDL und der Bahn sieht unter anderem eine
Einmalzahlung von 800 Euro sowie Entgelterhöhungen von elf Prozent
vor. Mehdorn hatte daraufhin Fahrpreiserhöhungen und einen
Stellenabbau angekündigt.
Hansen forderte, dass der Bund als Eigentümer der Bahn sich
ebenfalls Gedanken darüber machen müsse, wie der Staatskonzern
die gestiegenen Ausgaben ausgleichen könne, ohne dass dabei Jobs
gefährdet seien. Der Bund habe Verantwortung übernommen
für die Entwicklung der Personalkosten. Jetzt müsse er auch
Verantwortung übernehmen für die Arbeitsplatzsicherheit, wird
Hansen zitiert.
Der CDU-Politiker und Bahn-Aufsichtsrat Georg Brunnhuber wies hingegen
in dem Blatt ein direktes Eingreifen des Bundes zur Entlastung der Bahn
als unrealistisch zurück. «Der Eigentümer kann da gar
nichts tun, dafür sind gar keine Mittel vorhanden. Unsere
vorrangige Aufgabe ist es, einen ausgeglichenen Haushalt zustande zu
bringen», sagte er. Auch im Bundesverkehrsministerium sei eine
Entlastung der Bahn durch den Bund zurückgewiesen worden.
(Quelle: ap)
Ex-Wirtschaftsminister Clement warnt offen vor Wahl der SPD in Hessen
So.20.01.08 - Eine Woche vor der Landtagswahl in Hessen hat der frühere
Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) ungewohnt deutlich vor einer
Wahl der SPD gewarnt. Mit ihrer Absage an Atomkraft und den Bau neuer
Kohlekraftwerke in Hessen gefährde die SPD-Spitzenkandidatin
Andrea Ypsilanti die "industrielle Substanz" des Landes, schrieb
Clement in einem Beitrag für die "Welt am Sonntag".
Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) warf Hessens
Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) vor, er bediene mit seiner
Kampagne zur Gewalt ausländischer Jugendlicher in
gefährlicher Weise Stimmungen am rechten politischen Rand.
Clement schrieb, Ypsilantis Pläne hätten eine höhere
Abhängigkeit vom Ausland und Kostensteigerungen zur Folge. Clement
schlussfolgerte: "Deshalb wäge und wähle genau, wer
Verantwortung für das Land zu vergeben hat, wem er sie anvertrauen
kann - und wem nicht." Seit seinem Abschied aus der Politik im Jahr
2005 arbeitet Clement in der Wirtschaft, unter anderem im Aufsichtsrat
der RWE-Kraftwerkstochter RWE Power AG. Sein Verhältnis zur SPD
ist zunehmend distanziert. Erst kurz vor Weihnachten hatte er eine
zunehmende Annäherung der SPD an die Partei Die Linke festgestellt
und einen Parteiaustritt nicht ausgeschlossen.
Steinmeier sagte der "Berliner Zeitung", Koch wolle mit seinem
Wahlkampf "dreist" den Eindruck erwecken, die SPD sei beim Thema innere
Sicherheit weniger zuverlässig als die Union. Dabei habe die SPD
in der Vorgängerregierung mit Bundesinnenminister Otto Schily
(SPD) alles getan, um die Sicherheit der Bürger zu garantieren.
"Wir haben allerdings niemals die Angst der Menschen angeheizt und
alles vermieden, was die Menschen gegeneinander aufbringen könnte,
wie es Herr Koch tut", sagte Steinmeier.
Unionsfraktionschef Volker Kauder bezeichnete Kochs
Wahlkampfführung dagegen als "völlig in Ordnung". Er reagiere
auf sinkende Umfragewerte "ganz gelassen" und setze bei der Wahl am
Sonntag der kommenden Woche auf die "schweigende Mehrheit", sagte
Kauder der "Süddeutschen Zeitung".
Koch bekräftige derweil in der "Leipziger Volkszeitung"seine
Haltung und forderte, auch bei auffällig gewordenen deutschen
Staatsbürgern auf einen vorhandenen "Migrationshintergrund"
hinzuweisen. Trotz sinkender Umfragewerte geht Koch davon aus, dass die
Hessen-Wahl die Richtung für die Bundestagswahl 2009 vorgeben wird.
(Quelle: afp)
Friedlicher Protest gegen NPD-Kundgebung in Frankfurt - Bündnis
gegen Rechtsextremisten in Magdeburg
So.20.01.08 - Mit Trillerpfeifen, Trommeln und roten Karten haben rund 1.000 Menschen
am Samstag in Frankfurt am Main gegen eine Wahlkampfveranstaltung der
rechtsextremistischen NPD protestiert. Von 14.30 Uhr bis 15.45 Uhr
versammelten sich auf dem von der Polizei abgesperrten Römerberg
etwa 80 NPD-Anhänger zu einer Kundgebung. Auf dem Römerberg
und drum herum protestierten gleichzeitig etwa 1.000 bis 1.500 Menschen
laut Polizei «lautstark und überwiegend friedlich»
gegen die Veranstaltung.
Anzeige
Zu den formlosen Protesten gegen die NPD-Veranstaltung im hessischen
Landtagswahlkampf hatte unter anderem das Römerbergbündnis
aufgerufen, das aus Parteien, Gewerkschaften, Kirchen und anderen
Organisationen besteht. Der Römerberg war abgesperrt, aber
für jeden nach Durchsuchung durch die Polizei zugänglich. Der
Großteil der Gegendemonstranten hielt sich aber jenseits der
Absperrungen auf. Die Demonstranten trugen Schilder mit Aufschriften
wie «Frankfurt: Kein Platz für Neonazis!» und rote
Karten mit dem Schriftzug «Dem Rassismus die rote Karte
zeigen!»
Gegen 14.30 Uhr eröffnete der hessische NPD-Vorsitzende Marcel
Wöll die Kundgebung seiner Partei, zu der laut Polizei etwa 80
Anhänger gekommen waren. Mindestens sieben Neonazis wurden wegen
Verwendens von Kennzeichen verfassungsrechtlicher Organisationen
festgenommen. Meistens hatten sie den sogenannten
Kühnen-Gruß gezeigt, eine Abwandlung des verbotenen
Hitler-Grußes. Die Festgenommenen wurden erkennungsdienstlich
behandelt. Bei den Gegendemonstranten gab es laut Polizei gelegentlich
«kleine Rangeleien», es sei immer wieder Druck gegen die
Polizeikette ausgeübt worden, insgesamt sei die Lage aber ruhig
gewesen. Aus taktischen Gründen wollte die Polizei nicht sagen,
wieviele Polizisten im Einsatz waren.
Am Sonntag wollen die Republikaner ebenfalls auf dem Römerberg
eine Kundgebung veranstalten. Zu dieser Veranstaltung wurde ebenfalls
zu Protesten aufgerufen.
Auch in Goslar und Salzgitter gab es NPD-Veranstaltungen zum
Landtagswahlkampf in Niedersachsen. In Salzgitter versammelten sich
laut Polizei etwa 60 NPD-Anhänger, gegen die rund 800 Menschen
protestierten, in Goslar demonstrierten rund 200 Menschen gegen etwa 50
Anhänger der rechten Szene.
In Magdeburg demonstrierte ein Bündnis von Parteien,
Verbänden und Bürgern mit mehreren Veranstaltungen und einer
Demonstration gegen Rechtsextremismus. Die rund 750 Teilnehmer
protestierten damit gegen einen für den Nachmittag geplanten
Aufmarsch der NPD. Die Rechtsextremisten nehmen seit Jahren das
Gedenken an die Zerstörung der Stadt im alliierten Bombenhagel am
16. Januar 1945 zum Anlass für eine Kundgebung in Magdeburg. Zehn
Hundertschaften der Polizei standen bereit, um Ausschreitungen zu
verhindern.
Der Innenminister von Sachsen-Anhalt, Holger Hövelmann (SPD),
kündigte eine Gesetzesinitiative an, damit «Neonazis
historische Gedenktage künftig nicht mehr missbrauchen
können, um ihre Ideologie zu verbreiten».
Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) sagte, die Magdeburger
dürften es nicht zulassen, dass rechte Gruppierungen auch aus
anderen Teilen Deutschlands das Gedenken an die Zerstörung der
Stadt missbrauchten. Der katholische Bischof Gerhard Feige rief dazu
auf, keine Toleranz gegen Rechts zu zeigen. «Toleranz hat da ihre
Grenzen, wo sich der Ungeist breit macht», sagte er.
(Quelle: ap)
Kampf gegen den Terror - Verfassungsschützer fordern weit
reichende Befugnisse
So.20.01.08 - Verfassungsschützer von Bund und Ländern fordern
zusätzliche weit reichende Befugnisse für den Kampf gegen den
Terror. Die Inlandsdienste verlangen unter anderem das Recht, heimlich
Wohnungen durchsuchen zu dürfen, wie "Focus Online" unter Berufung
auf einen 13-seitigen Bericht meldet. Zudem wollten die Dienste die
hohen Hürden für den Einsatz von Wanzen und Kameras senken.
Bisher dürfen Überwachungsgeräte nur bei
Terrorverdächtigen installiert werden, wenn akute Gefahr droht und
die Polizei nicht rechtzeitig helfen kann.
Über die Möglichkeit der bislang noch nicht zulässigen
Online-Durchsuchung hinaus forderten die Dienste auch Befugnisse
für die Überwachung des Internets und wollen große
Server systematisch nach verdächtigen Inhalten ausforschen. Laut
"Focus Online" reagieren die Verfassungsschützer von Bund und
Ländern mit dem Papier auch auf Kritik aus der Polizei nach der
Aufdeckung der Anschlagspläne einer dreiköpfigen Gruppe um den
deutschen Konvertiten Fritz G.
Informationen der Geheimdienste hätten maßgeblich dazu
beigetragen, dass die drei Verdächtigen identifiziert wurden,
schreiben die Verfassungsschützer und weisen auf Fehler der
Polizeiermittler hin. Am 27. Juni 2007 hatte es demnach "erstmals
konkrete Hinweise" auf eine Anschlagsvorbereitung gegeben. Fünf Mal
habe Fritz G. unbemerkt Fässer mit 35-prozentigem
Wasserstoffperoxid besorgt. Das war "mehr als ein halbes Jahr nach
Übergabe der Observationsmaßnahmen an die Polizei",
heißt es in der Analyse der Verfassungsschützer.
(Quelle: afp)
Bayern will bei Online-Durchsuchungen vorpreschen - Zypris und
Schäuble befehden sich mit Briefwechsel
So.20.01.08 - Bayern will seinem Verfassungsschutz im Alleingang das Ausspähen
von Computern ermöglichen: Innenminister Joachim Herrmann
kündigte in einem am Samstag verbreiteten Interview des Magazins
"Focus" für Februar einen entsprechenden Gesetzentwurf an. Die
bayerischen Sicherheitsbehörden könnten damit
Online-Durchsuchungen gegen Terror-Verdächtige vornehmen. Bayern
wolle ein im Frühjahr erwartetes Urteil des
Bundesverfassungsgerichts zu den umstrittenen Online-Durchsuchungen
nicht abwarten. Die FDP kritisierte die Ankündigung als
Respektlosigkeit gegenüber dem Verfassungsgericht. Die
Online-Durchsuchung sei ein so massiver Eingriff in die Grundrechte,
dass Hau-Ruck-Aktionen und übertriebener Ehrgeiz völlig fehl
am Platz seien, erklärte der FDP-Innenexperte Max Stadler.
Die Gefahr terroristischer Anschlagplanungen im Internet sei "leider
nicht virtuell, sondern sehr real", sagte der CSU-Politiker Hermann. Er
werde jede vom Verfassungsschutz beantragte Ausspähung von
Computern nur bei begründetem Verdacht auf schwerste Straftaten
persönlich genehmigen.
Die auch von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble geplante
Ausspähung von Computern ist ein Dauer-Streitthema in der
Bundesregierung. Der CDU-Politiker liegt mit Justizministerin Brigitte
Zypries (SPD) über weitere Details des Gesetzentwurfs zur Reform
des Bundeskriminalamtes (BKA) im Zwist.
In einem von mehreren Zeitungen am Samstag zitierten Brief an Zypries
beschuldigt Schäuble seine Ministerkollegin indirekt der
Indiskretion. Mit Blick auf das Bekanntwerden neuer
Abhörvorschläge aus seinem Haus sprach Schäuble von
"mutwilligen Verletzungen vereinbarter Verfahren" und "Störungen
des gedeihlichen Miteinanders". In einem Antwortschreiben wies Zypries
dies den Berichten zufolge als "nicht hilfreiche" Unterstellungen
zurück.
Anlass sind Überlegungen im Innenministerium, das
BKA-Sicherheitsgesetz zu verschärfen. Demnach soll in
Ausnahmefällen der besondere Abhörschutz für
Abgeordnete, Verteidiger und Priester fallen. Das Ministerium hatte am
Mittwoch bestätigt, dass der Referentenentwurf eine entsprechende
Passage enthalte. Es betonte aber, der Entwurf sei noch in der
Abstimmung innerhalb der Regierung. Schäuble selbst habe noch
nicht entschieden.
(Quelle: rtr)
Wissenschaft
Streit um US-Klonerfolg - 'Durchbruch' für die Medizin?
So.20.01.08 - An den erfolgreichen Klon-Experimenten der US-Forscher um Andrew French
scheiden sich die Geister.
Während manche die Erschaffung des ersten menschlichen Klonembryos
aus einer erwachsenen Körperzelle am Freitag schon als
«Durchbruch» für die Medizin feierten, lehnten mehrere
Politiker diese Forschung entschieden ab.
«Das therapeutische Klonen ist ethisch nicht hinnehmbar»,
entschied etwa Bundesforschungsministerin Annette Schavan im
Schulterschluss mit Kanzlerin Angela Merkel (beide CDU). Der
SPD-Bioethikexperte Wolfgang Wodarg nannte in der «Berliner
Zeitung» das Klonen von Menschen «ein Horrorszenario»,
sein Parteikollege René Röspel sprach in der
«Frankfurter Rundschau» von einer «unverantwortlichen
Grenzüberschreitung».
Die Forschergemeinde reagierte indes gelassener. «Die Ergebnisse
müssen sorgsam geprüft und reproduziert werden», betonte
etwa der Stammzellforscher Oliver Brüstle von der Universität
Bonn. «Ähnliche Daten wurden bereits 2005
veröffentlicht. Damals wie jetzt ist es letztendlich nicht
gelungen, auf diesem Weg Stammzelllinien für die Medizin zu
etablieren.» Ähnlich zurückhaltend blieb Brüstles
Kollege Jürgen Hescheler von der Universität Köln. Die
Studie sei solide gemacht, aber da keine Stammzellen gewonnen worden
seien, lasse sich auch noch nichts über deren mögliches
Potenzial sagen, erläuterte der Präsident der Deutschen
Gesellschaft für Stammzellforschung.
Die Vision mancher Mediziner ist es, aus geklonten Stammzellen in
Zukunft maßgeschneidertes Ersatzgewebe für schwerkranke
Menschen zu züchten. Dafür müsste aus der
Körperzelle eines Patienten ein Embryo geklont werden, dem
Stammzellen entnommen werden. Diese Alleskönner sollen dann in die
gewünschte Gewebeart gezüchtet werden. Dank des Klonens
hätte dieses Ersatzgewebe dasselbe Erbgut wie der Patient und
würde von dessen Körper nicht abgestoßen.
Nach Ansicht von Kritikern würde der Mensch durch dieses
sogenannte therapeutische Klonen zum Ersatzteillager. Der Klonpionier
Miodrag Stojkovic, dessen Gruppe 2005 den ersten menschlichen Klonembryo
überhaupt der Öffentlichkeit präsentiert hatte,
hält diese Vision derzeit allerdings ohnehin noch für
«Science-Fiction»: «Das Verfahren ist noch längst
nicht ausgereift, ineffizient und wahrscheinlich sehr teuer. Wer kann
sich das schon leisten?», sagte Stojkovic im Gespräch mit
der Deutschen Presse-Agentur dpa.
Der Stammzellforscher vom Prinz-Felipe-Forschungszentrum in Valencia
(Spanien) verspricht sich von geklonten Stammzellen vor allem neue
Erkenntnisse über angeborene Krankheiten. «Es gibt rund 1800
menschliche Erbkrankheiten, bei vielen davon kennen wir nicht die
Ursachen und können nur Symptome behandeln», betonte er. Mit
Stammzelllinien, die Gene für solche Erbkrankheiten enthalten,
ließe sich im Labor die Ursache der Leiden erforschen. Das
könnte auch einmal zu neuen, konventionellen Therapien führen,
sagte Stojkovic.
Weder Stojkovic, dessen Gruppe den 2005 präsentierten Embryo aus
kaum verfügbaren embryonalen Stammzellen geklont hatte, noch French
haben allerdings Stammzellen gewonnen. French hofft nun, die begehrten
Zellen innerhalb eines Jahres präsentieren zu können, wie er
der «Berliner Zeitung» sagte. Für Forscher in
Deutschland ändert sich indes nichts. «Solche Experimente
sind und bleiben in Deutschland verboten», betonte Schavan.
«Das therapeutische Klonen darf bei der Gewinnung von
Stammzellen, an denen in Deutschland gearbeitet werden soll, keine Rolle
spielen.»
(Quelle: dpa)