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Irak am 1398sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Selbstmordattentäter reißt mehrere Menschen in den Tod
Mo.21.01.08 - Ein Selbstmordattentäter hat am Sonntag bei einem Anschlag in der
irakischen Provinz Anbar sechs Menschen mit in den Tod gerissen. Der
Täter zündete nach Angaben der Polizei seinen
Sprengstoffgürtel, nachdem er bei Falludscha von Wachposten an
einem Kontrollpunkt vor dem Anwesen eines sunnitischen Scheichs
gestoppt worden war. Die vier Wachleute und zwei Zivilpersonen seien
getötet worden, sagte ein Polizeisprecher. Vier weitere Menschen
seien verletzt worden.
Ziel des Anschlags war der Polizei zufolge offenbar der Scheich, der
einem sogenannten Erweckungsrat angehört. Diese
Zusammenschlüsse von Sunniten, die sich von der Aufstandsbewegung
losgesagt haben und die US-Streitkräfte bei örtlichen
Sicherungsaufgaben unterstützen, sind in jüngster Zeit immer
häufiger zur Zielscheibe von Attentätern geworden.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2006 bis 21.01.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am neunhundertsechsunddreißigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
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Zahlreiche Tote bei Anschlägen in Afghanistan
Mo.21.01.08 - Der Gewalt in Afghanistan sind am Wochenende wieder zahlreiche Menschen
zum Opfer gefallen. Bei der Explosion einer am Straßenrand
versteckten Bombe wurden in der Provinz Kandahar im Süden des
Landes fünf Zivilpersonen getötet. Drei weitere Menschen
wurden verletzt, wie die Behörden im Bezirk Pandschwaji am Sonntag
mitteilten. Die Sprengfalle habe vermutlich afghanischen oder
NATO-Soldaten gegolten, sagte der Chef der lokalen Verwaltung, Schah
Baran. Sie wurde jedoch ausgelöst, als am Samstagabend ein Taxi
darüber fuhr.
Minen dieser Art würden gewöhnlich von den Taliban ausgelegt,
um afghanische Soldaten oder NATO-Truppen zu treffen, sagte Baran. Aber
dieses Mal habe es Zivilpersonen getroffen. Nach einem Bericht der
afghanischen Nichtregierungsorganisation Safety Office wurden allein im
vergangenen Jahr 1.977 Zivilisten als Folge der Kämpfe in
Afghanistan getötet. Davon gingen mehr als 900 Todesfälle auf
das Konto der Aufständischen.
In Helmand, einer Nachbarprovinz von Kandahar, griffen
Aufständische am Sonntag einen Lkw-Konvoi an, der mit Kies zu
einem NATO-Stützpunkt im Bezirk Sangin unterwegs war. Die
Angreifer töteten vier Fahrer und zwei Sicherheitsleute, wie der
Chef der Sicherheitsfirma mitteilte, für den die beiden
getöteten Begleiter tätig waren. Zwei der Lastwagen seien
durch Sprengsätze zerstört worden, sechs andere seien von den
Angreifern in Brand gesteckt worden.
Amerikanische und afghanische Soldaten töteten bei einem fast
ganztägigen Gefecht im Osten Afghanistans mehr als zwei Dutzend
Taliban-Kämpfer. Das teilte die internationale Schutztruppe ISAF
in Kabul mit. Das Gefecht habe am Freitag begonnen, als eine aus
afghanischen und US-Soldaten bestehende Einheit eine Gruppe
Aufständischer angegriffen habe, die einen ISAF-Stützpunkt in
den Bergen der Provinz Kunar angreifen wollten. Daraus habe sich ein
21-stündiges Gefecht entwickelt, das bis Samstag gedauert habe.
Man habe aus Geheimdienstberichten gewusst, dass die Taliban einen
Großangriff in der Region planten, hieß es weiter. Die
Unzugänglichkeit des Gebiets habe es schwierig gemacht, die genaue
Zahl der getöteten Aufständischen festzustellen. Die
amerikanischen und afghanischen Truppen hätten keine Verluste
erlitten.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt: Präsidentenwahl im Libanon erneut verschoben.
Israelischer Sicherheitsminister warnt vor 'Zusammenbruch' Sderots.
Israelische Blockade löst Stromausfälle im Gazastreifen aus.
Vier Tote in Gaza bei israelischen Luftangriffen
Mo.21.01.08 - Die Präsidentenwahl im Libanon ist am Sonntag erneut verschoben
worden. Parlamentspräsident Nabih Berri erklärte in Beirut,
die für (den heutigen) Montag geplante Sitzung des Parlaments
werde nun am 11. Februar stattfinden. Zuvor war Berri mit dem
Präsidenten der Arabischen Liga, Amr Mussa, zusammengetroffen.
Mussa führt seit der vergangenen Woche Gespräche mit den
rivalisierenden Lagern über einen Plan der Liga zur Lösung
der innenpolitischen Krise im Land.
Der Plan sieht eine Wahl von General Michel Suleiman als
Kompromisskandidaten vor sowie die Bildung einer Regierung der
nationalen Einheit und die Einführung eines neuen Wahlrechts.
Ursprünglich sollt das Parlament schon im September einen
Nachfolger für Präsident Emile Lahoud zu wählen. Dessen
Amtszeit endete am 24. November, seitdem hat das Land kein
Staatsoberhaupt mehr.
Der israelische Sicherheitsminister Avi Dichter hat angesichts des
fortwährenden Raketenbeschusses vor einem
«Zusammenbruch» der Grenzstadt Sderot gewarnt. Ohne passende
Abschreckung in Gaza werde die Stadt zusammenbrechen, sagte er in
Jerusalem. Dichter sagte, die Armee müsse den Raketenbeschuss aus
dem Gazastreifen stoppen, «welchen Preis auch immer» das
für die Palästinenser bedeute. Seit Jahresbeginn hätten
Extremisten 180 Kassam-Raketen in das israelische Grenzgebiet gefeuert.
Drei Tage nach der Abriegelung des Gazastreifens durch Israel ist die
Blockade für die dort lebenden Palästinenser schmerzhaft
spürbar geworden. Wegen der ausbleibenden Rohstofflieferungen
wurde eine der beiden Turbinen des einzigen Elektrizitätswerks
abgeschaltet. Im Gazastreifen gab es deswegen weitreichende
Stromausfälle. Die UN-Agentur für palästinensische
Flüchtlinge (UNRWA) warnte vor "katastrophalen Folgen" für
die ohnehin verarmte Bevölkerung. Israel will die Blockade dennoch
beibehalten. Bei Armeeeinsätzen im Gazastreifen wurden zwei
Mitglieder der radikalislamischen Hamas getötet, zehn
Palästinenser wurden festgenommen.
Nach der jüngsten Eskalation der Kämpfe zwischen radikalen
Palästinensern und israelischer Armee blieben die
Grenzübergänge in dem von der Hamas kontrollierten
Gazastreifen auch am Sonntag geschlossen. Die meisten Tankstellen
hatten keinen Kraftstoff mehr, die Lieferungen von Lebensmitteln und
Hilfsgütern blieben ebenfalls an der Grenze stecken. Große
Teile der 400.000 Einwohner zählenden Stadt Gaza waren von der
Stromversorung abgeschnitten.
Dem einzigen Elektrizitätswerk drohte nach Angaben der Betreiber
die komplette Schließung. "Wenn wir keinen Kraftstoff bekommen,
müssen wir die letzte Turbine heute Abend abschalten", sagte
Werksleiter Rafik Mliha. Ein Produktionsstopp werde fatale Folgen
für Krankenhäuser und die Wasserversorgung haben. Das Werk
versorgt ein Drittel der Haushalte in dem Küstengebiet mit Strom.
UNRWA-Sprecher Christopher Gunness kritisierte die Grenzblockade
scharf. Menschen den Zugang zu Grundlebensmitteln wie Wasser zu
verwehren verletze die Menschenwürde, sagte er. "Es ist schwer,
die Logik nachzuvollziehen, weshalb Hunderttausende ohne Grund leiden
sollen." Im Gazastreifen leben rund 1,5 Millionen Menschen.
Palästinenserpräsident Mahmud Abbas appellierte an
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, an das so genannte Nahostquartett
sowie an die Arabische Liga, sich für die Aufhebung der
Abriegelung des Gazastreifens durch Israel einzusetzen.
Die israelische Regierung kündigte ihr Festhalten an der Blockade
an. Das Kabinett habe in seiner wöchentlichen Runde beschlossen
"den Druck aufrechtzuerhalten", sagte ein ranghoher
Regierungsmitarbeiter in Jerusalem. Israel hatte den Gazastreifen als
Reaktion auf palästinensische Raketenangriffe am Donnerstag
abgeriegelt.
Die israelische Armee drang am Wochenende mehrfach in den Gazastreifen
ein. Am Samstag wurden bei einem Luftangriff zwei Hamas-Kämpfer
getötet, vier weitere Menschen wurden verletzt. Zehn
Palästinenser wurden festgenommen.. Am Sonntagabend
tötete die israelische Luftwaffe bei zwei Angriffen zwei
Palästinenser, wie die Zeitung «Jerusalem Post» in der
Nacht unter Berufung auf die israelischen Streitkräfte berichtete.
boa (Quellen: dpa, afp)
Ägypten sagt wegen Resolutionsstreit Treffen mit EU ab
Mo.21.01.08 - Die diplomatischen Verstimmungen zwischen der Europäischen Union
und Ägypten dauern an.
Als Reaktion auf eine Resolution des Europa-Parlaments zu
Menschenrechtsverstößen in Ägypten sagte die Regierung
in Kairo am Samstag ein Treffen mit EU-Vertretern ab. Angesichts der
aktuellen Spannungen seien politische Konsultationen zwischen beiden
Seiten derzeit unangemessen, erklärte das Außenministerium.
Am Mittwoch und Donnerstag sollten sich eigentlich Vertreter beider
Seiten zu regelmäßigen Gesprächen in Kairo treffen.
In der am Donnerstag verabschiedeten Resolution fordert das
Europa-Parlament das Ende von Folter in Ägypten, eine
vollständige Unabhängigkeit der Justiz und den Verzicht auf
die Verfolgung Oppositioneller. Außerdem wird die Freilassung des
prominenten Dissidenten Ajman Nur verlangt. Die Resolution löste
erboste Reaktion Ägyptens aus. Unter anderem bestellte das
Außenministerium in Kairo die Botschafter aller 27 EU-Staaten ein,
um gegen den Text zu protestieren. Zugleich warf Ägypten der EU
eine wachsende Diskriminierung religiöser und ethnischer
Minderheiten in Europa vor.
(Quelle: rtr)
Neue Unruhen in Kenia trotz Vermittlungsbemühungen - Mindestens 23
Tote
Mo.21.01.08 - Trotz fieberhafter internationaler Bemühungen zur Beilegung der
politischen Krise in Kenia halten die Unruhen in dem afrikanischen Land
an. Dabei kamen am Sonntag erneut mindestens 23 Menschen ums Leben.
Präsident Mwai Kibaki und Oppositionsführer Raila Odinga
wollen unterdessen den früheren UN-Generalsekretär Kofi Annan
als Vermittler akzeptieren. Das teilte EU-Entwicklungshilfekommissar
Louis Michel am Samstag nach Gesprächen mit den beiden Politikern
mit.
Michel bezeichnete die Unterredungen mit Kibaki und Odinga als positiv.
Beide hätten an ihre Landsleute appelliert, die Gewalt zu beenden,
bei der seit der umstrittenen Präsidentenwahl am 27. Dezember
wurden mehr als 600 Menschen getötet wurden. Annan wird am
Dienstag in Kenia erwartet. Auch mehrere ehemalige afrikanische
Präsidenten setzten in Gesprächen mit Kibaki und Odinga ihre
Vermittlungsbemühungen fort.
Odingas Partei Orange-Demokratische Bewegung (ODM) änderte indes
am Samstag erneut ihre Strategie und erklärte, sie wolle nun mit
allen Mitteln den Sturz Kibakis herbeiführen. Der
ODM-Parteivorsitzende Henry Kosgey rief zu «friedlichen
Versammlungen» am kommenden Donnerstag auf. EU-Kommissar Michel
kritisierte dies. Solche Massenkundgebungen könnten zu Gewalt
führen. Noch am Freitag hatte die Opposition nach drei
Protesttagen mit mehr als 24 Toten erklärt, sie wolle Kibaki
künftig mit Boykott-Aktionen und Streiks unter Druck setzen.
Im Rift Valley, rund 300 Kilometer nordwestlich von Nairobi,
bekämpften sich Angehörige der Stämme Kalenjin, Kisii
und Kibakis Kikuyu mit Pfeil und Bogen sowie Macheten. 21 Menschen
wurden getötet, wie die örtlichen Behörden
erklärten. Bei Kämpfen in einer Elendssiedlung der Hauptstadt
Nairobi wurde am Sonntag ein Mann zu Tode geprügelt, wie ein
Augenzeuge berichtete. Mehrere Häuser seien in Brand gesetzt
worden, als sich Angehörige der Volksgruppen von Kibaki und Odinga
stundenlange Auseinandersetzungen lieferten. Die Organisation
Ärzte ohne Grenzen teilte mit, sie habe am Sonntagmorgen zehn
Personen mit Macheten- und Axtwunden behandelt. Am Samstag gab es bei
Zusammenstößen zwischen Angehörigen verschiedener
Volksgruppen fünf Tote, teilte die Polizei mit.
Der US-Botschafter in Nairobi, Michael Ranneberger, verglich die
Unruhen seit der Präsidentenwahl mit den Rassenunruhen 1968 in den
USA. Bei der Wahl hätten beide Seiten betrogen. Odinga hätte
ohne die Manipulationen aber mit einem Vorsprung von 120.000 Stimmen -
das sind 1,5 Prozent - die Wahl gewonnen, sagte David Throup, ein
Mitarbeiter des Washingtoner Instituts für Strategische und
Internationale Studien in einer Konferenzschaltung Ranneberger.
(Quelle: ap)
Die Suche nach Uran in Afrika wird zum großen Geschäft
Mo.21.01.08 - Die vielzitierte Renaissance der Atomenergie hat den den Blick von
Investoren in eine Gegend gelenkt, die im globalisierten
Wirtschaftsgeflecht ansonsten eher im Abseits liegt: das südliche
Afrika. Hier, vor allem in der riesigen Karoo-Senke, werden noch
große Uran-Vorkommen vermutet, und internationale
Minengesellschaft wittern das große Geschäft. Immerhin hat
sich der Preis für Uran seit dem Jahr 2000 fast verzehnfacht.
«Es handelt sich um den größten Schub für die
Uran-Förderung seit Ende der siebziger Jahre», erklärte
Alasdair Cook, Chef des australischen Minenausrüsters African
Energy Resources. Das Unternehmen hat in den letzten drei Jahren
Millionen von Dollar in die Erforschung einer Mine im Süden Sambias
gesteckt. Im Nordwesten Sambias hat die kanadische Equinox Ltd. in der
Lumwana-Kupfermine nach eigenen Angaben hochwertiges Uran entdeckt.
Die sambische Regierung arbeitet an neuen Richtlinien, mit denen sie
die Förderung, Verarbeitung und den Export von Uran-Produkten
regulieren will, wie der stellvertretende Bergbauminister Maxwell Mwale
der Nachrichtenagentur AP erläutert. Angesicht der Sorgen über
die weltweite Klimaerwärmung und der angestrebten CO2-Reuzierung
sei Atomenergie wieder attraktiv. «Wir mussten neue Regeln in
Kraft setzen, die den Standards der Internationalen
Atomenergiebehörde IAEA entsprechen», sagt Mwale.
Namibia war mit 3.067 Tonnen im Jahr 2006 der sechstgrößte
Uran-Produzent der Welt. Die Rossing-Mine ist sogar die
drittgrößte Uran-Mine weltweit. 2006 nahm die Mine Langer
Heinrich die Produktion auf, was die Bedeutung Namibias als
Förderland noch weiter erhöht.
Mit einem Weltmarktanteil von sieben Prozent liegt Südafrika noch
knapp vor Namibia, die Tendenz ist aber leicht fallend. Angesichts von
Energieengpässen im eigenen Land hat sich die südafrikanische
Regierung aber jetzt für den Bau neuer Atomkraftwerke stark gemacht
und will dabei auch die Förderung und Weiterverarbeitung von Uran
intensivieren. Ausländische Minenbetreiber sollen nur noch dann
Förderrechte erhalten, wenn es genügend Uran gibt, um den
inländischen Bedarf zu decken. Im vergangenen Jahr eröffnete
das kanadische Unternehmen Uranium One eine Mine in Südafrika.
Ein Sonderfall ist Kongo. Der zentralafrikanische Staat ist schon seit
langem ein Uran-Produzent. Ein Teil des Materials der Atombomben von
Hiroshima und Nagasaki stammt aus dem Land. In jüngster Zeit sorgen
Berichte über illegale Minen und Umweltvergehen für Alarm. Im
November wurde ein Regierungsbeamter unter dem Verdacht verhaftet, die
Entsorgung von 17 Tonnen radioaktiven Abfalls in einem Fluss angeordnet
zu haben.
Der Run auf Uran in Afrika beschränkt sich aber nicht auf den
Süden des Kontinents. Niger ist größter Uran-Produzent
Afrikas und liegt weltweit an vierter Stelle hinter Kanada, Australien
und Kasachstan.
Weitere Projekte zur Uran-Förderung gibt es in Botswana und in
Malawi. Dort hat die Regierung der australischen Minengesellschaft
Paladin Schürfrechte gewährt, was prompt zu Beschwerden der
malawischen Menschenrechtsorganisation Zentrum für Menschenrechte
und Rehabilitation führte. Die räumt zwar ein, dass das fast
200 Millionen Dollar umfassende Projekt Arbeitsplätze schaffen
kann. Doch sorgen sich die Menschenrechtler um die Auswirkung der
Uran-Förderung auf die Umwelt und melden Zweifel an, ob der
wirtschaftliche Nutzen die sozialen Risiken aufwiegt.
Industrieexperten geben zu, dass das vom Uran freigesetzte Gas Radon
Strahlungsrisiken birgt. Allerdings sei diese Belastung durch moderne
Techniken sowohl im Tagebau als auch bei dem Abbau unter Tage für
die Arbeiter und auch die Umwelt auf ein vernachlässigbares
Maß gesenkt worden, erklärt der weltweite
Atomindustrie-Verband WNA.
Mit Unbehagen verfolgen internationale Antiterrorspezialisten die
Entwicklung. Sie sorgen sich, dass Extremisten sich auf dem schwarzen
Markt radioaktives Material beschaffen könnten. Die verstärkte
Förderung von Uran macht es nach ihrer Ansicht noch dringender,
strikte Sicherheitsvorkehrungen einzuhalten.
(Quelle: ap)
Mindestens zwei Tote bei Kämpfen in Armenviertel von Nairobi
Mo.21.01.08 - Bei neuen Kämpfen von Anhängern der verfeindeten politischen
Lager in Kenia sind in der Hauptstadt Nairobi mindestens zwei Menschen
getötet worden. Im Armenviertel Mathare wurden die Leichen von zwei
Männern gefunden, wie die Polizei mitteilte. Ein Opfer sei mit
einer Machete getötet worden, der zweite Mann wurde nach Angaben
eines AFP-Fotografen offenbar gesteinigt. Angesichts der seit den
Wahlen Ende Dezember andauernden Unruhen rief Oppositionsführer
Raila Odinga zum Dialog auf.
Die jüngsten Kämpfe begannen nach Polizeiangaben in der
Nacht, als Mitglieder des Kikuyu-Stammes von Präsident Mwai Kibaki
versuchten, dem Luo-Stamm zugehörige Anhänger von
Oppositionschef Raila Odinga aus dem Viertel zu vertreiben. In den
vergangenen fünf Tagen kamen bei blutigen Auseinandersetzungen
zwischen Luo und Kikuyu in dem Viertel mindestens 40 Menschen ums Leben.
"Wir wollen die Gelegenheit zum Dialog wahrnehmen. Wir werden siegen",
sagte Odinga bei einem Gottesdienst in einem Vorort von Nairobi. "Die
Menschen in diesem Land müssen zusammenstehen, sie sind alle
Kenianer", betonte er. Ohne Gerechtigkeit werde es keinen Frieden geben.
Odinga wirft seinem Widersacher Kibaki Wahlfälschung vor. Der
umstrittene Urnengang vom 27. Dezember hat das afrikanische Land ins
Chaos gestürzt: In den vergangenen Wochen starben bei Unruhen mehr
als 700 Menschen, mehr als 200.000 Menschen sind auf der Flucht.
(Quelle: afp)
Kanada streicht USA und Israel von Folterliste
Mo.21.01.08 - Nach Protesten aus Washington und Jerusalem hat Kanada die USA und
Israel von einer Liste mit Länder gestrichen, in denen Gefangenen
Folter droht.
Außenminister Maxime Bernier bedauerte am Samstag, dass beide
Länder fälschlicherweise auf dieser Liste in einem Handbuch
für Diplomaten geführt worden seien. Er habe eine
Überarbeitung des Dokuments angeordnet. Bernier betonte, dass darin
nicht die Position der Regierung widergegeben worden sei.
Das Handbuch war Teil eines Lehrgangs für Diplomaten. Es sollte
ihnen Hilfen geben, um Fälle von Folter zu erkennen. Unter anderem
wird darin auf das umstrittene US-Gefangenenlager Guantanamo verwiesen
und einige Verhörmethoden in den USA als Folter eingestuft. Als
Beispiel wurden "erzwungene Nacktheit, Isolierung und Schlafentzug"
genannt.
(Quelle: rtr)
Nationalist gewinnt erste Runde der Präsidentenwahl in Serbien
Mo.21.01.08 - Bei der Präsidentschaftswahl in Serbien liegt ersten Prognosen
zufolge der Ultranationalist Tomislav Nikolic vor dem Amtsinhaber Boris
Tadic. Der Chef der Serbischen Radikalen Partei (SRS) erhielt demnach
39,4 Prozent der Stimmen, sein demokratischer Konkurrent Tadic 35,4
Prozent, wie das unabhängige Zentrum für Freie Wahlen und
Demokratie (CESID) unter Berufung auf Stichproben-Auszählungen
mitteilte. Somit konnte keiner der insgesamt neun Kandidaten die
50-Prozent-Hürde überschreiten und bereits im ersten Wahlgang
gewinnen. Nikolic und Tadic gehen demnach am 3. Februar in die
Stichwahl.
Die Prognosen des CESID stützten sich auf
Stichproben-Auszählungen in 700 Wahllokalen in Serbien. Die
Wahlbeteiligung lag demnach bei 60,6 Prozent. Dies sei die höchste
Wahlbeteiligung seit 2000, teilte die CESID mit. Der Wahl in Serbien
wird große Bedeutung für die künftige Politik des
Landes gegenüber der EU beigemessen.
(Quelle: afp)
Offenbar Entspannung im deutsch-chinesischen Verhältnis
Mo.21.01.08 - Die Bundesregierung hofft auf ein baldiges Ende der Eiszeit in den
Beziehungen zu China: Das Auswärtige Amt habe dafür in
zweimonatiger Geheimdiplomatie die Grundlagen geschaffen, berichtete
das Magazin "Der Spiegel". In einem Briefwechsel hätten sich
Außenminister Frank-Walter Steinmeier und sein chinesischer
Kollege Yang Jiechi über ihre Positionen verständigt. Yang
wird am Dienstag in Berlin zu Beratungen der fünf Veto-Mächte
des UN-Sicherheitsrates und Deutschlands über den Atomstreit mit
Iran erwartet. Ob es ein bilaterales Treffen mit Steinmeier gibt, blieb
offen. Außen-Staatsminister Gernot Erler nannte dies
wünschenswert.
Die Beziehungen zu China hatten sich nach einem Treffen von
Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem tibetischen Dalai Lama im
September im Kanzleramt merklich abgekühlt. China sagte seither
eine Reihe von Treffen mit deutschen Regierungsvertretern ab. Auch das
Verhältnis zwischen den Koalitionspartnern Union und SPD wurde in
Mitleidenschaft gezogen. Steinmeier hatte damals erstmals
öffentlich das Vorgehen der Kanzlerin kritisiert.
Merkel sei über den Briefwechsel, aber nicht über Details
informiert worden, berichtete der "Spiegel". Dem Bericht zufolge
bekannte sich Steinmeier darin zur Ein-China-Politik. Es sei "kein
Preis" für die Wiederannäherung gezahlt worden.
Das Auswärtige Amt wollte den Bericht nicht kommentieren. "Der
Außenminister bemüht sich in intensiver und enger Abstimmung
mit der chinesischen Seite um eine Lösung der in letzter Zeit im
bilateralen Verhältnis aufgetretenen Konflikte", sagte ein
Sprecher.
Erler nannte ein bilaterales Treffen Steinmeiers mit Yang
wünschenswert. "Wir bemühen uns um eine Wiederanknüpfung
an die Normalität, die vor dem Besuch des Dalai Lama bestanden
hat", sagte er dem "Tagesspiegel am Sonntag". Umweltminister Sigmar
Gabriel sagte dem Blatt, China habe großes Interesse an deutscher
Umwelttechnik. Er werde Ende Januar nach Kanton und Peking reisen. Die
Kooperation in Umweltfragen sei eine der stabilsten Faktoren der
Zusammenarbeit.
Die "Süddeutsche Zeitung" berichtete aus Regierungskreisen, die
Bundesregierung sehe in einer positiven Kommentierung jüngster
Äußerungen der Kanzlerin durch das chinesische
Außenministerium und chinesische Medien "ein deutliches Zeichen",
dass China "für die Zukunft auf einen Ausbau der politischen und
wirtschaftlichen Beziehungen setzt".
(Quelle: rtr)
Deutschland
Nach Anti-SPD-Aufruf droht Wolfgang Clement Parteiausschluss - Laut
Umfragen Kopf-an-Kopf-Rennen von CDU und SPD bei der Hessen-Wahl
Mo.21.01.08 - Im Schlussspurt des hessischen Landtagswahlkampfes hat der einstige
SPD-Vizeparteichef Wolfgang Clement mit einem Wahlaufruf gegen die SPD
für Wirbel gesorgt.
Der Chef der SPD-Bundestagsfraktion, Peter Struck, brachte am Sonntag
ein Parteiausschlussverfahren gegen den früheren
Wirtschaftsminister ins Gespräch. SPD-Spitzenkandidatin Andrea
Ypsilanti legte ihm den Parteiaustritt nahe. Clement hatte zuvor die
Energiepolitik Ypsilantis kritisiert und indirekt vor ihrer Wahl
gewarnt. Der Wähler solle genau prüfen, wem er Verantwortung
für das Land "anvertrauen kann - und wem nicht", schrieb Clement
in einer Zeitungs-Kolumne.
Umfragen sehen ein Kopf-an-Kopf-Rennen von CDU und SPD bei der Wahl am
kommenden Sonntag. Ministerpräsident Roland Koch erinnerte seine
CDU auf Wahlkampfveranstaltungen daran, dass sie sich 1999 in einer
ähnlichen Situation befunden, nach der Wahl aber die Regierung mit
deutlichem Vorsprung übernommen habe. Zugleich rief er seine
Anhänger zu einer Kraftanstrengung im Wahlkampf-Endspurt auf, um
ein Linksbündnis in Hessen zu verhindern.
In einem TV-Rededuell mit Koch wies Ypsilanti den Vorwurf der CDU
zurück, sie werde nach der Wahl ein Bündnis mit der Partei
Die Linke eingehen, um an die Regierung zu kommen. "Es bleibt dabei:
Nicht mit der Linken", sagte Ypsilanti bei der Aufzeichnung der Sendung
am Sonntag. Sie setze stattdessen auf ein Bündnis von SPD,
Grünen und FDP, falls es bei einem Einzug der Linkspartei ins
Parlament keine rot-grüne Mehrheit gebe. Die FDP lehnt eine
Ampel-Koalition bislang allerdings ab.
"Wer dazu aufruft, die SPD nicht mehr zu wählen, verdient ein
Parteiausschlussverfahren", zitierte "Spiegel-Online" Struck bei einem
Wahlkampfauftritt in Bad Homburg. Ypsilanti legte Clement den
freiwilligen Austritt nahe. "Ich glaube, man sollte es Herrn Clement
überlassen zu entscheiden, ob er noch in der richtigen Partei
ist", sagte Ypsilanti in Frankfurt.
Die hessische SPD warf Clement vor, im Auftrag der Energiewirtschaft zu
handeln. "Herr Clement steht auf der Gehaltsliste eines großen
Energiekonzerns", sagte Parteisprecher Frank Steibli mit Blick auf
Clements Mitgliedschaft im Aufsichtsrat der RWE Power AG. Die SPD wolle
die Atommeiler Biblis A und B abschalten. "Das stört RWE. Deswegen
mobilisiert der Konzern jetzt Herrn Clement", sagte Steibli. "Clement
entpuppt sich als Lobbyist der Wirtschaft." Die SPD habe gute Argumente
für den Atomausstieg.
In einem Gastbeitrag für die "Welt am Sonntag" warf Clement
Ypsilanti vor, ein Verzicht auf Atommeiler und auf den Neubau
großer Kohlekraftwerke gehe nur um den Preis der industriellen
Substanz Hessens. "Deshalb wäge und wähle genau, wer
Verantwortung für das Land zu vergeben hat, wem er sie anvertrauen
kann - und wem nicht", schrieb Clement.
Nach der Abwahl der rot-grünen Bundesregierung im Herbst 2005 war
Clement aus der Politik ausgeschieden. Seit 2006 gehört er dem
Aufsichtsrat der RWE-Kraftwerkstochter RWE Power an. In der SPD wurden
seine Wortmeldungen zuletzt mit Unverständnis registriert. So
hatte Clement indirekt mit dem Parteiaustritt im Fall einer
Annäherung der SPD an die Linkspartei gedroht.
In jüngsten Umfragen hat die hessische SPD zur regierenden CDU
aufgeschlossen und liegt nur noch einen Punkt hinter ihr. Im direkten
Vergleich hat Ypsilanti Koch deutlich überholt.
SPD-Parteichef Kurt Beck bekräftigte in der "Bild am Sonntag",
dass eine Zusammenarbeit mit der Partei Die Linke im Westen nicht
infrage komme. CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla nannte indes
Ypsilantis Absage an Die Linke unglaubwürdig.
(Quelle: rtr)
Machtgerangel zwischen SPD-Stellvertretern
Mo.21.01.08 - Die drei Stellvertreter von SPD-Chef Kurt Beck rangeln offenbar um
Macht und Einfluss in der Partei. Die Vizevorsitzende Andrea Nahles
wehrt sich gegen den Versuch der Bundesminister Frank-Walter Steinmeier
und Peer Steinbrück, eine strukturelle Mehrheit gegen den linken
Parteiflügel zu organisieren. Nahles sagte der «Frankfurter
Allgemeinen Sonntagszeitung», sie habe nach der Wahl zur
Partei-Vizechefin das Amt als Sprecherin der Partei-Linken abgegeben. Es
sei ein ungeschriebenes Gesetz in der SPD, dass man in der Aufgabe als
stellvertretende Parteivorsitzende für die gesamte SPD spreche.
«Dass nun gleich zwei Kollegen einen anderen Weg beschreiten, ist
zumindest ungewöhnlich», sagte Nahles.
Steinmeier wies die Kritik zurück. «Ich stehe für die
ganze Partei», sagte er der Zeitung. Steinbrück und
Steinmeier hatten sich für eine enge Kooperation des im
«Seeheimer Kreis» organisierten rechten Parteiflügels
und den pragmatisch orientierten «Netzwerkern» eingesetzt,
um in der SPD Positionen gegen die traditionell gut organisierte
Partei-Linke durchzusetzen.
Der Sprecher der «Seeheimer», Johannes Kahrs, schloss eine
Fusion beider Gruppierungen für die Zukunft nicht aus. «Wir
setzen jetzt auf eine strategische Partnerschaft und sehen dann, ob mehr
daraus wird», sagte Kahrs dem Blatt. Der Sprecher der
«Netzwerker», Christian Lange, widersprach: «Es gibt
keinen Zusammenschluss und es wird auch keinen geben.» Die
Kooperation beziehe sich allein darauf, gemeinsame Positionen im
Bundesvorstand der SPD besser durchzusetzen.
(Quellen: ddp)
Verheugen: Staat sollte überhaupt keine Subventionen mehr zahlen -
EU-Kommissar wirft Nokia zudem Managementfehler vor
Mo.21.01.08 - Nach Ansicht des Vizepräsidenten der EU-Kommission, Günter
Verheugen, sollen private Unternehmen künftig keine
öffentlichen Subventionen mehr erhalten. «Nokia gibt Anlass,
über die staatliche Subventionspolitik insgesamt nachzudenken. Ich
denke, es hat keinen Sinn, dass der Staat Subventionen zahlt, um
Unternehmen anzulocken. Sollten sich Investitionen nur dann rechnen,
wenn mit Geld der Steuerzahler nachgeholfen wird, dann ist das immer ein
Risiko», sagte Verheugen der «Welt am Sonntag».
Laut Verheugen haben Subventionen nur in ganz wenigen Fällen, etwa
bei schweren regionalen Entwicklungsschwächen, Sinn. «Statt
Investitionszuschüsse an private Unternehmen zu geben, sollte das
Geld in Bildung, Ausbildung und in den Aufbau einer exzellenten
Infrastruktur gesteckt werden», betonte Verheugen.
Der EU-Industriekommissar kritisierte den finnischen Handyhersteller
Nokia nach Bekanntgabe seiner Rückzugspläne aus Bochum scharf:
«Hektische Standortschleißungen wie in Bochum weisen auf
schwerwiegende Managementfehler hin. Ein leistungsstarkes Management
stellt sich rechtzeitig auf Veränderungen ein und bringt
Umstrukturierungen voran», sagte Verheugen. Das Verhalten von
Nokia sei «Ausfluss einer neuen Religion, die den
Shareholder-Value vergöttert. Das ist der falsche Weg. Wenn, wie im
Fall Nokia, unternehmerische Verantwortung gegenüber den
Arbeitnehmern und dem Standort von reiner Profitmaximierung
abgelöst wird, so wird das Vertrauen in die Zuverlässigkeit
und Gerechtigkeit der sozialen Marktwirtschaft gefährdet»,
sagte der Kommissionsvizepräsident und SPD-Politiker.
(Quelle: ap)
Fast jeder vierte Deutsche sieht Arbeitsplatz in Gefahr
Mo.21.01.08 - Fast jeder vierte Deutsche fürchtet um seinen Arbeitsplatz. 24
Prozent der Beschäftigten hierzulande sehen derzeit ihren Job in
Gefahr, drei Prozent mehr als im November, wie aus einer Emnid-Umfrage
im Auftrag der "Bild am Sonntag" hervorgeht. In den neuen
Bundesländern haben demnach sogar 30 Prozent der Menschen Angst um
ihren Arbeitsplatz, bei den über 50-Jährigen fast jeder
Dritte. 75 Prozent der Arbeitnehmer glauben dagegen, ihr Job sei sicher.
48 Prozent der Deutschen rechneten außerdem entgegen aller
Prognosen mit einem Anstieg der Arbeitslosigkeit bis 2009. Nur 45
Prozent erwarten demnach, die Arbeitslosigkeit werde weiter
zurückgehen.
(Quelle: afp)
Studie: Mangelnde Integration beschert Staat Milliardenverluste
Mo.21.01.08 - Die unzureichende Integration von Zuwanderern kommt den Staat teuer zu
stehen.
Auf etwa 16 Milliarden Euro jährlich summierten sich die
Einnahmeverluste bei Steuern und Sozialbeiträgen, die durch
mangelnde Sprachkenntnisse, fehlende soziale Netzwerke und schlechte
Integration in den Arbeitsmarkt entstünden, teilte die
Bertelsmann-Stiftung am Sonntag in Gütersloh mit. Dies sei das
Ergebnis einer Studie des Büros für Arbeits- und
Sozialpolitische Studien (BASS). "Verstärkte Investitionen vor
allem im Bildungsbereich sind notwendig, weil hier die Weichen für
die aktive Teilnahme am gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben
gestellt werden", forderte das Vorstandsmitglied der Stiftung, Johannes
Meier.
Der Studie zufolge sind weniger integrierte Zuwanderer häufiger
arbeitslos als integrierte. Erwerbstätige Zuwanderer, die
integriert sind, verdienten zudem rund 7500 Euro mehr im Jahr als die
weniger integrierten. Dadurch zahlten sie im Schnitt jährlich 1900
Euro mehr an Einkommensteuern und 1200 Euro mehr an die
Sozialversicherungen. Der Studie zufolge gelten in Deutschland nur rund
30 Prozent der Zuwanderer der ersten Generation als integriert. Von
ihren Kindern - der zweiten Zuwanderergeneration - seien rund 75 Prozent
integriert.
(Quelle: rtr)
Zunehmend Frauen in der rechten Szene
Mo.21.01.08 - Frauen spielen eine zunehmend wichtige Rolle in der rechtsextremen
Szene. Seit gut einem Jahr buhlt die NPD mit einem eigenen Verband, dem
«Ring Nationaler Frauen» (RNF), um weibliche Anhänger -
offenbar mit Erfolg. Innerhalb eines Jahres hat der RNF nach eigenen
Angaben seine Mitglieder auf rund 150 verfünffacht.
Stella Hähnel, Mitinitiatorin der Frauengruppierung und Mitglied
des NPD-Bundesvorstandes berichtet von einem «kontinuierlichen
Zulauf». 13 Regionalgruppen in 9 Bundesländern zähle der
RNF bereits. In Brandenburg soll noch in diesem Jahr eine weitere
Gruppe entstehen, die Kandidatinnen für die Kommunalwahlen stellen
soll.
Die Rechtsextremismus-Forscherin Michaela Köttig von der
Universität Göttingen hält es für möglich, dass
sich der RNF zu einer Art Dachorganisation für rechtsextreme
Frauen entwickelt. Er ziehe Mitglieder konservativer Frauenverbände
und rechter Kameradschaften an und vernetze sie. Dabei fischt der RNF
auch in unberührten Gewässern. Hähnel sagt: «Der
Ring konnte Frauen gewinnen, die sich sonst nicht in der NPD oder
anderen Organisationen anschließen wollen.»
Der Verband versucht, mit aktuellen Themen wie der Kinderbetreuung zu
punkten. Nach Einschätzung des Bundesamtes für
Verfassungsschutz hat sich, auch unter dem Einfluss von Frauen, der
Rechtsextremismus in den vergangenen Jahren «ideologisch
modernisiert». Im Zentrum stünden nun gesellschaftliche und
soziale Themen wie Familienpolitik und «Hartz IV». Dies
spricht Frauen wiederum stärker an, weiß der
Verfassungsschutz.
Die zunehmend aktive Rolle von Frauen verändert laut Köttig
die Wahrnehmung der Szene: Sie baue das «Schläger- und
Gewalt-Image» ab. Frauen suchten vor allem die politische
Auseinandersetzung und nicht wie Männer das Zurschaustellen von
Stärke und die mit der Gruppe verbundene «Coolness».
Das harmlose Auftreten sei «Strategie«, urteilt Köttig.
Rechtsextremisten schleusten sich in szenefremde Gruppen bis hin zum
multikulturellen Verein ein, um diese zu unterwandern.
Frauen könnten dabei neue gesellschaftliche Ebenen
erschließen, wie Elternvertretungen von Kitas und Waldorfschulen.
«Das schockiert natürlich», sagt die Forscherin und
warnt: «Wir sollten uns keinen Bereich vorstellen, der frei von
Rechten ist.» Einige Frauen wählten sogar gezielt Berufe, in
denen sie ihre Gesinnung verbreiten können, sagt Köttig und
zählt Lehrerinnen, Erzieherinnen und Sozialarbeiterinnen auf. Auch
das Jurastudium stehe hoch im Kurs, um die «Kameraden» vor
Gericht zu vertreten.
Hähnel, die vor wenigen Wochen den Szeneliedermacher und
NPD-Funktionär Jörg Hähnel geheiratet hat, tut den
Vorwurf als «Angstmache» ab. Sie findet es
«belustigend», dass man als «nationale Frau»
sein «Bedürfnis nach Vereinsmitgliedschaft oder das seiner
Kinder nicht befriedigen dürfen soll».
Dabei sind die Hähnels ein gutes Beispiel für das, was
Köttig die »erste Generation Rechter« nennt: Paare
gründen jetzt gemeinsam Familien, ihre Kinder wachsen in einer Welt
auf, die von Extremismus durchdrungen ist. Dabei sollen sich
traditionelles Familienleben und politisches Engagement nicht
ausschließen. Hähnel will die Parteiarbeit künftig
§noch mütterfreundlicher" gestalten. Der RNF will wachsen.
(Quelle: ddp)