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Irak am 1400sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Sieben Mitglieder einer Familie erschossen aufgefunden. Erstmals
US-Soldat in minensicherem Fahrzeug im Irak getötet
Mi.23.01.08 - Im Irak haben Sicherheitskräfte die Leichen von sieben Mitgliedern
einer Familie entdeckt: Der Vater, seine fünf Söhne und ein
Neffe seien außerhalb der Stadt Bakuba erschossen aufgefunden
worden, sagte ein Polizeisprecher am Dienstag. Alle hätten Spuren
von Folter ausgewiesen, und die Todesumstände kämen einer
Hinrichtung gleich. Hintermänner und Motiv der Tat seien bislang
völlig unklar.
Die Provinz Diyala, in der Bakuba liegt, ist inzwischen die Region mit
der meisten gewaltsamen Übergriffen, nachdem sich
Al-Kaida-Extremisten aus Anbar und Bagdad dorthin zurückgezogen
haben.
Im Irak ist erstmals ein US-Soldat in einem neuen, als minensicher
geltenden Fahrzeug getötet worden. Der Soldat kam am Samstag
südlich von Bagdad bei der Explosion einer Sprengfalle ums Leben,
wie das Verteidigungsministerium am Dienstag mitteilte. Unklar sei
allerdings, ob er durch die Detonation oder den anschließenden
Überschlag des sogenannten MRAP-Gefährts getötet wurde.
Drei weitere Soldaten überlebten verletzt.
Die US-Streitkräfte haben derzeit mehr als 2.225 der teuren MRAPs
im Irak und in Afghanistan im Einsatz. Die Fahrzeuge haben einen
verstärkten Rumpf, um die Detonation am Straßenrand
versteckter Sprengsätze abzulenken und kosten zwischen 500.000 und
einer Million Dollar. Das Pentagon will für mehr als 22 Milliarden
Dollar 12.000 weitere MRAP-Fahrzeuge anschaffen. An diesen Plänen
werde auch nach dem Tod des Soldaten im Irak festgehalten, sagte ein
Sprecher.
boas (Quellen: rtr, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2006 bis 23.01.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am neunhundertachtunddreißigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
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US-Senat billigt Rüstungshaushalt 2008
Mi.23.01.08 - Der US-Senat hat nach Einwänden aus dem Weißen Haus eine
veränderte Fassung des Verteidigungshaushalts 2008 verabschiedet.
Die Parlamentskammer verzichtete auf eine Bestimmung, wonach Opfer des
Saddam-Hussein-Regimes das Recht haben sollten, die jetzige Regierung
des Iraks zu verklagen. Präsident George W. Bush hatte eine
frühere Fassung des Budget-Gesetzes deswegen dem Kongress
zurückgeschickt.
Der jetzt mit 91 gegen 3 Stimmen verabschiedete Verteidigungshaushalt
hat ein Volumen von 696 Milliarden Dollar (480 Milliarden Euro). Darin
sind die Ausgaben für die Militäreinsätze im Irak und in
Afghanisten mit enthalten. Vorgesehen ist außerdem eine
Solderhöhung für alle Angehörigen der Streitkräfte
um 3,5 Prozent. Zehn Milliarden Dollar sind für Systeme zur Abwehr
strategischer Raketen vorgesehen, darunter auch die geplanten, aber
noch nicht gebilligten Anlagen in Tschechien und Polen. Das
Budget-Gesetz geht jetzt wieder ans Weiße Haus, wobei diesmal die
Unterschrift Bushs erwartet wird.
(Quelle: ap)
Bildungsniveau von Army-Rekruten sinkt - Immer weniger Rekruten mit
Schulabschluss
Mi.23.01.08 - Das Bildungsniveau der Rekruten im US-Heer sinkt seit Beginn des
Irak-Krieges vor knapp fünf Jahren kontinuierlich. Demnach konnten
im vergangenen Jahr nur noch 71 Prozent der Rekruten einen
Highschool-Abschluss vorweisen, wie das Forschungsinstitut National
Priorities Project am Dienstag berichtete. Grundlage der Untersuchung
sind Daten des Verteidigungsministeriums. Alle Soldaten müssen
einen Highschool- oder vergleichbaren Abschluss haben. Ziel der Army
ist es, dass 90 Prozent der Rekruten einen Highschool-Abschluss haben.
Dies wurde zuletzt 2004 erreicht.
Seit Beginn der Kriege in Afghanistan (2001) und Irak (2003) haben die
US-Streitkräfte der Untersuchung zufolge die Nummer von Bonus- und
Befreiungsregelungen ständig erhöht, um Rekruten über
die notwendigen Hürden zu bringen. Zugleich fand das Institut
heraus, dass in den letzten vier Jahren der Anteil der Rekruten, die
aus Mittelstandswohngebieten kamen, immer stärker zurückging.
(Quelle: ap)
Sechser-Gruppe einigt sich auf Entwurf für Iran-Resolution
Mi.23.01.08 - Die fünf Vetomächte des UN-Sicherheitsrates und Deutschland
haben sich auf einen Entwurf für eine neue Iran-Resolution
geeinigt. Der Entwurf solle nun dem Sicherheitsrat unterbreitet werden,
sagte Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD)
nach Gesprächen der so genannten Sechser-Gruppe in Berlin. Nach
Angaben eines US-Diplomaten sieht der Entwurf eine Verschärfung
der gegen Teheran verhängten Sanktionen vor.
Steinmeier fügte hinzu, die sechs appellierten "gemeinsam mit
aller Dringlichkeit an den Iran", den Forderungen nach der Offenlegung
seines Atomprogramms nachzukommen. "Ich erinnere auch daran, dass der
Iran zugesagt hat, mit der internationalen Atomenergiebehörde
zusammenzuarbeiten, um offene Fragen zu klären." Die
Sechser-Gruppe wolle ihre Doppelstrategie weiterfahren, bei der zum
einem Iran die Hand zur Kooperation gereicht und gleichzeitig auf die
Einhaltung der Forderungen gedrungen werde, sagte Steinmeier: "Hier
steht keiner für eine Konfrontation, wir wollen eine friedliche
Lösung."
Steinmeier hatte die Außenminister der USA, Chinas,
Großbritanniens, Frankreichs und Russlands sowie den
EU-Außenbeauftragten Javier Solana zu dem Treffen in Berlin
eingeladen. Im Vorfeld gab es laut US-Außenministerin Condoleezza
Rice bis zuletzt Differenzen vor allem zwischen den Positionen Chinas
sowie Russlands und denen der westlichen Staaten.
China und Russland standen harten Strafmaßnahmen gegen den Iran
bisher ablehnend gegenüber. Sie sehen sich in ihrer Haltung durch
einen Anfang Dezember bekannt gewordenen Bericht des US-Geheimdienstes
bestärkt, wonach die iranische Führung bereits 2003 ihr
heimliches Atomwaffenprogramm aufgegeben hat. Der Iran beteuert, sein
Atomprogramm diene ausschließlich der Stromgewinnung. Die USA und
EU argumentieren, dafür müsse das Land nicht selbst Uran
anreichern. Der UN-Sicherheitsrat hat Teheran bereits in zwei
Resolutionen zu einem Stopp der Urananreicherung aufgefordert.
(Quelle: afp)
Iran will auch im Fall neuer Sanktionen Atomprogramm fortsetzen
Mi.23.01.08 - Kurz vor dem Spitzentreffen zum Atomstreit mit dem Iran in Berlin hat
die Islamische Republik auch für den Fall weiterer Sanktionen die
Fortführung ihres Nuklearprogramms angekündigt: "Eine
mögliche Ratifizierung einer neuen Resolution wird keinen Einfluss
auf das Verhalten unserer Nation haben", sagte ein Regierungssprecher am
Dienstag.
Indes traf im Iran die fünfte Ladung Brennstäbe für sein
Atomkraftwerk Buschehr aus Russland ein. Drei weitere Lieferungen
stünden noch aus, meldete die amtliche Nachrichtenagentur Irna.
(Quelle: rtr)
Islamisten töten bei Angriff fünf pakistanische Soldaten -
Pakistans Präsident Musharraf tritt Sorgen vor Taliban-Offensive
entgegen
Mi.23.01.08 - Militante Islamisten haben am Dienstag bei einem Angriff auf einen
Stützpunkt der pakistanischen Armee an der Grenze zu Afghanistan
fünf Soldaten getötet. Bei den Kämpfen seien 37
Angreifer ums Leben gekommen, teilten die Streitkräfte mit. Es war
bereits der zweite Angriff auf den Posten Lahda in diesem Monat. Auch
andere Stellungen wurden bereits angegriffen, in einem Fall wurden 22
Soldaten vermisst. Beobachter sahen Belege dafür, dass Extremisten
in dem Gebiet immer mehr die Kontrolle übernehmen.
Bei Kämpfen zwischen Soldaten und Aufständischen in
Nord-Waziristan kamen am Dienstag zwei weitere Soldaten ums Leben,
sieben wurden verletzt, wie die Streitkräften mitteilten. Seit
Monatsbeginn kamen in den quasiautonomen Stammesgebieten in den
Provinzen Nord- und Süd-Waziristan bei Kämpfen schon
mindestens 150 Islamisten und Soldaten ums Leben. Die Stammesgebiete
gelten als Rückzugsgebiet von militanten Islamisten und
Kämpfern der Taliban.
Am zweiten Tag seiner Europareise ist der pakistanische Staatschef
Pervez Musharraf Sorgen vor einer Taliban-Offensive in der Grenzregion
zu Afghanistan entgegengetreten. Die jüngsten Angriffe in
Süd-Waziristan seien «Nadelstiche», mit denen seine
Regierung klarkommen müsse, sagte Musharraf am Dienstag vor
Journalisten in Paris. «Es gibt keine neue Offensive.»
Am späten Nachmittag wollte Musharraf mit dem französischen
Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy zusammentreffen. Paris ist die
zweite Station seiner achttägigen Europareise. Am Montag warb er
in Brüssel um Vertrauen in seine Regierung, die dreieinhalb Wochen
nach dem Mordanschlag auf Oppositionsführerin Benazir Bhutto unter
Druck steht. Bei einem Treffen mit dem EU-Außenbeauftragten
Javier Solana versprach er «faire, transparente und friedliche
Wahlen» am 18. Februar.
boa (Quelle: ap)
Nahost-Konflikt: Straßenkämpfe zwischen Sunniten und
Schiiten im Libanon. Israel erlaubt Lieferungen von Treibstoff und
Medikamenten nach Gaza
Mi.23.01.08 - Der seit langem schwelende Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten im
Libanon entlädt sich immer häufiger in
Straßenkämpfen. Zuletzt kam es in der Nacht zum Dienstag in
einem Stadtviertel Beiruts zu Kämpfen zwischen Anhängern der
beiden muslimischen Glaubensrichtungen. Dutzende Schiiten protestierten
wegen Engpässen der Energieversorgung gegen die Regierung,
blockierten Straßen, setzten Müllcontainer in Brand und
warfen mit Steinen, bevor die Polizei die Demonstration auflöste.
Sunniten und Schiiten machen zusammen etwa 60 Prozent der
Bevölkerung aus. Die Gründe des Konflikts zwischen beiden
Gruppen liegen in der seit Jahren andauernden politischen Krise des
Landes. Die Sunniten stehen mehrheitlich zur vom Westen gestützten
Koalitionsregierung von Ministerpräsident Fuad Siniora, die
Schiiten unterstützen hingegen die von Syrien geförderte
Opposition. Die dritte Religionsgruppe, die Christen, die etwa ein
Drittel der vier Millionen Menschen im Land ausmachen, sind in dieser
Frage gespalten.
Am Neujahrstag war es in Beirut zuletzt zu Ausschreitungen zwischen
beiden Gruppen gekommen, bei denen sieben Menschen zum Teil schwer
verletzt wurden, bevor die Polizei die Situation mit dem Abfeuern von
Warnschüssen unter Kontrolle brachte. Im Irak bekämpfen sich
Schiiten und Sunniten zum Teil erbittert. Die Spaltung der beiden
muslimischen Lager geht auf einen jahrhundertealten Streit um die
Erbfolge des Propheten Mohammed zurück.
Israel hat am Dienstag seine Blockade des Gazastreifens für eine
Notlieferung von Brennstoff, Lebensmitteln und Medikamenten gelockert.
Die Europäische Union habe die Erlaubnis erhalten, Diesel für
die Stromgeneratoren des Kraftwerks von Gaza-Stadt zu liefern. Das
Kraftwerk war am Sonntag abgeschaltet worden, nachdem Israel den
Gazastreifen abgeriegelt hatte. Ein Sprecher des israelischen
Verteidigungsministeriums sagte, es werde immer wieder geprüft,
was dringend benötigt werde. Auf dieser Basis würden die
Entscheidungen getroffen. Die Beschränkungen für
Benzinlieferungen blieben aber bestehen.
Israel hat mit der Abriegelung auf den massiven Raketenbeschuss seines
Territoriums durch Extremisten aus dem Gazastreifen reagiert. Die EU
und andere internationale Organisationen haben dies als Kollektivstrafe
kritisiert. US-Außenministerin Condoleezza Rice sagte, sie haben
ihre Bedenken der israelischen Regierung mitgeteilt. "Niemand will,
dass unschuldige Bewohner des Gazastreifens leiden", sagte Rice vor
Journalisten. Die USA hätten daher betont, es sei wichtig, dass es
zu keiner Krise für die Menschen dort komme.
Im besetzten Westjordanland kündigte
Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas an, er werde sich
für eine Fortführung der Friedensgespräche einsetzten
und zugleich darauf dringen, dass die Abriegelung des Gazastreifens
aufgehoben werde. Er bekräftigte seine Position, dass der
Raketenschuss Israels nichts bringe.
Israel erklärte, seine Maßnahmen seien eine berechtigte
Reaktion auf den Beschuss. Die im Gazastreifen regierende radikale
Hamas übertreibe die Situation jedoch und nutze sie für ihre
Propaganda. Am Dienstagmorgen trafen sich palästinensische
Abgeordnete im Gazastreifen bei Kerzenlicht und ließen sich dabei
von eingeladenen Fernsehteams filmen. Um das Tageslicht nicht
hineinzulassen, wurden alle Vorhänge geschlossen. Ein EU-Vertreter
sagte zudem, Israel habe die Stromversorgung des Gazastreifen über
Kabel nicht unterbrochen.
Im Süden des Gazastreifens durchbrachen Dutzende Demonstranten den
Grenzübergang Rafah nach Ägypten, der seit Juni geschlossen
ist. Sie forderten seine Wiedereröffnung und priesen in
Sprechchören die Hamas und ihren Anführer Ismail Hanija. Als
die Menschen durch den Übergang drängten, waren Schüsse
zu hören. Ägypten hatte 300 Polizisten zusätzlich nach
Rafah geschickt, um die Lage dort unter Kontrolle zu halten. Über
verletzte oder Tote bei dem Zwischenfall war zunächst nichts
bekannt.
boa (Quellen: ap, rtr)
Neue Proteste vor Annans Vermittlungsbemühungen in Kenia
Mi.23.01.08 - Die Fronten in Kenia haben sich vor der Vermittlungsmission des
ehemaligen UN-Generalsekretärs Kofi Annan weiter verhärtet.
In der Hauptstadt Nairobi kam es am Dienstag wieder zu gewaltsamen
Ausschreitungen. Die Opposition spricht inzwischen von Verbrechen gegen
die Menschlichkeit und fordert eine Untersuchung durch den
Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag. Nach Regierungsangaben
kostete die Gewalt seit der Präsidentenwahl vom 27. Dezember
bislang 685 Menschen das Leben.
Annan erklärte nach seiner Ankunft, der Konflikt müsse ein
Ende finden, nicht nur um Kenias und seiner Bevölkerung willen,
sondern wegen des gesamten afrikanischen Kontinents. Annan will den
kenianischen Präsidenten Mwai Kibaki und Oppositionsführer
Raila Odinga zu direkten Gesprächen zusammenbringen. Er sei
zuversichtlich, dass man bei den Bemühungen um eine Lösung
des Konflikts «auf den Willen, die Reife, den Einfallsreichtung
und das Urteilsvermögen» der beiden Kontrahenten vertrauen
könne.
Odingas Orangene Demokratische Bewegung (ODM) will wegen
«Missbrauchs der Rechte durch die Polizei im Land» den
Internationalen Strafgerichtshof anrufen, wie ODM-Generalsekretär
Anyang Nyongo erklärte. Die Opposition bezichtigt Präsident
Mwai Kibaki sowie einige Minister und Polizeichefs, Verbrechen gegen
die Menschlichkeit begangen zu haben. Die Staatsanwaltschaft in Den
Haag hielt sich bedeckt und erklärte, alle eingeschickten
Unterlagen würden geprüft. Die Opposition hatte nach den
tödlichen Unruhen, die auch gezielte Gewalt zwischen ethnischen
Gruppen im Land ausgelöst hatte, bereits vereinzelt von
«Völkermord» gesprochen.
Kibaki sprach am Dienstag mit dem ugandischen Präsidenten Yoweri
Museveni, der sich ebenfalls um Vermittlung zwischen den Kontrahenten
bemühte. Odinga fordert eine Wiederholung der seiner Meinung nach
manipulierten Präsidentenwahl, bei der er nach Regierungsangaben
knapp unterlag. Internationale Wahlbeobachter hatten ebenfalls
Unregelmäßigkeiten bei der Auszählung des
Wahlergebnisses festgestellt.
Die Polizei feuerte am Dienstag in Nairobi wieder mit Tränengas
auf protestierende Anhänger der Opposition, um eine Demonstration
aufzulösen. Odinga hat bereits am Montag trotz eines Verbots der
Regierung zu weiteren friedlichen Protesten gegen Kibaki aufgerufen.
«Lasst sie Pistolen bringen, wir werden uns ihnen
entgegenstellen», sagte Odinga vor seinen Anhängern in
Kisumu in Anspielung auf die schwer bewaffneten Polizeieinheiten. Von
Donnerstag an soll es wieder Protestveranstaltungen geben.
(Quelle: ap)
Unicef: Kindersterblichkeit bleibt trotz Fortschritten hoch - Die
meisten Kinder sterben in Sierra Leone, Angola und Afghanistan
Mi.23.01.08 - Die Kindersterblichkeit bleibt Unicef zufolge trotz Fortschritten bei
der Gesundheitsversorgung weltweit hoch.
Jeden Tag sterben mehr als 26.000 Kinder unter fünf Jahren, wie
das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen am Dienstag mitteilte. Viele
kämen bereits bei der Geburt ums Leben, andere durch Krankheiten
wie Lungenentzündung, Malaria und Aids, heißt es im
Jahresbericht der UN-Behörde. Die höchste Kindersterblichkeit
haben demnach die Länder Sierra Leone, Angola und Afghanistan.
"Fortschritte sind nicht allein abhängig von der Wirtschaftskraft
eines Landes, sondern auch von der Entschlossenheit, mit der Politiker
dieses Ziel verfolgen", erklärte ein Unicef-Sprecher in Köln.
Das Kinderhilfswerk vermeldet jedoch auch Positives: Seit 1990 sei die
Kindersterblichkeit in einem Drittel der 50 ärmsten Länder
der Welt um 40 Prozent zurückgegangen. In Mosambik ist die Rate
demnach sogar um mehr als 60 Prozent gefallen. Hintergrund sei eine
stärkere Einbindung der Dorfgemeinschaften bei den
Gesundheitsdiensten und Aufklärungskampagnen, heißt es in
dem Bericht. Die Todesfälle durch Masern gingen demnach dank des
Ausbaus von Impfprogrammen seit 2000 weltweit um knapp 70 Prozent
zurück.
Trotz dieser Erfolge fordert Unicef höhere Investitionen in die
Gesundheitsversorgung und einen besseren Zugang zu Medikamenten
für die ärmsten Bevölkerungsgruppen in den
Entwicklungsländern. Vor allem in Schwarzafrika sei die Situation
ernst: Dort lebten weniger als ein Viertel aller Kinder. Dennoch seien
2006 nahezu die Hälfte aller weltweiten Todesfälle bei
Kindern auf diese Region südlich der Sahara entfallen.
(Quelle: rtr)
Deutschland und China normalisieren Beziehungen
Mi.23.01.08 - Deutschland und China haben ihren schweren Konflikt über den
Empfang des Dalai Lama offiziell beigelegt.
Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier sprach bei
einem Treffen mit seinem chinesischen Kollegen Yang Jiechi am Dienstag
in Berlin von einer Normalisierung der Beziehungen. Auch Yang betonte,
China wolle nun nach vorne blicken. Deutschlands Kanzlerin Angela
Merkel, deren Empfang für den Dalai Lama den Konflikt
auslöste, begrüßte die Entspannung. Dieser war ein
Briefwechsel vorausgegangen, in dem beide Seiten die Grundlagen
für enge Beziehungen betonten. Die Minister vereinbarten die
Wiederaufnahme der eingefrorenen Regierungsbesuche zwischen beiden
Ländern.
Steinmeier verwies bei dem Treffen auf die Konflikte der vergangenen
Monate. "Umso mehr freue ich mich, dass unsere gemeinsame Begegnung
heute das Signal enthalten wird, dass wir mit dem heutigen Tage zur
Normalisierung unserer Beziehungen zurückkehren", sagte er. "Das
ist ein Punkt, von dem wir jetzt nach vorne schauen sollten. Auch Yang
sagte: "Die chinesische Seite hat beschlossen, nach vorne zu blicken.
Wir sind bereit, unsere Beziehungen auf ein höheres Niveau zu
heben."
Beide Minister verwiesen auf zahlreiche Gespräche und einen
Briefwechsel, der die Beilegung des Streits ermöglicht habe. "Vor
kurzem hat die deutsche Seite uns gegenüber deutlich gemacht, ...
dass die Bundesregierung weiter festhält an der Ein-China-Politik,
Taiwan und Tibet als ein Teil des chinesischen Territoriums anerkennt,
sich entschieden gegen das in Taiwan geplante Referendum zu einem
Beitritt zu den UN ausspricht, jegliche
Unabhängigkeitsbestrebungen Tibets unterstützt noch
fördert", sagte er. "Diese Haltung weiß die chinesische
Regierung hoch einzuschätzen."
Steinmeier sagte, es sei gelungen, chinesische Zweifel an der deutschen
Ein-China-Politik auszuräumen, wonach Taiwan und Tibet zu China
gehören. Da der Dalai Lama das geistliche Oberhaupt der Tibeter
ist, hatte China äußerst verärgert reagiert, als Merkel
ihn im vergangenen September im Kanzleramt empfing. China wertete dies
als Unterstützung für die tibetische Kritik an China. Der
Briefwechsel beider Regierungen enthält auch den deutschen Wunsch
nach weiterer Förderung der Kultur und Religion der Tibeter.
Als Konsequenz der Aussöhnung sollen die gegenseitigen Besuche
beider Regierungen wieder stattfinden, die China als Folge des
Konflikts eingefroren hatte. Nach Angaben von Diplomaten soll
Bundesumweltminister Sigmar Gabriel in einigen Wochen den Anfang
machen, aber auch Innenminister Wolfgang Schäuble und seine
Forschungskollegin Annette Schavan seien willkommen. Steinmeier nahm
den Angaben zufolge eine Einladung seines Kollegen zu einem Besuch im
Mai an. Zudem soll sich eine Gruppe deutscher Abgeordneter in China und
Tibet in Bild von der Lage machen.
Merkel begrüßte die Entspannung. Es biete sich jetzt die
Chance, die Gemeinsamkeiten beider Staaten wieder stärker in den
Vordergrund zu rücken, sagte sie im NDR. Sie habe immer darauf
gesetzt, dass die Beziehungen beider Länder "viel zu wichtig"
seien, als dass die Errungenschaften durch einen Empfang des Dalai Lama
im Kanzleramt infrage gestellt würden. Der Konflikt darüber
hatte zu einem heftigen Koalitionsstreit über den Umgang mit China
geführt. Yang kam zum Treffen der fünf Vetomächte im
UN-Sicherheitsrat und Deutschlands über den Atomstreit mit dem
Iran nach Deutschland.
(Quelle: rtr)
US-Notenbank will Rezession mit drastischer Zinssenkung verhindern -
Deutsche Kanzlerin Merkel beschwichtigt: Lage in Europa nicht
vergleichbar
Mi.23.01.08 - Die US-Notenbank will eine Rezession in den Vereinigten Staaten mit
aller Macht verhindern: Die Federal Reserve (Fed) senkte am Dienstag
außerplanmäßig ihren Zielsatz für Tagesgeld
gleich um 75 Basispunkte auf 3,5 Prozent. Eine solche massive Senkung
dieses Zinses ist einmalig in der jüngeren US-Geschichte. Der
Diskont-Satz dagegen war zuletzt 1991 um einen ganzen Prozentpunkt
gesenkt worden. Der Beschluss sei wegen der zunehmend schlechteren
Aussichten für die US-Wirtschaft erfolgt, teilte die Fed mit. Die
Notenbank änderte zum ersten Mal seit den Anschlägen vom 11.
September 2001 den Leitzins zwischen den regulären Sitzungen.
An den Börsen sorgte dieser Überraschungscoup für
Erleichterung. In New York eröffneten Dow Jones und der Index der
Technologiebörse Nasdaq zwar mit Abschlägen von bis zu
fünf Prozent, anschließend verringerten sich die Verluste
aber merklich. Zuvor waren in Europa und Asien wegen der Angst der
Anleger vor einer Rezession in den USA mit unabsehbaren Folgen für
die Weltwirtschaft die Aktienkurse erneut auf breiter Front
eingebrochen.
Die Börsen weltweit befinden sich seit Wochenbeginn im freien
Fall. Alleine der Dax hatte am Montag rund sieben Prozent verloren -
gut 60 Milliarden Euro wurden binnen weniger Stunden vernichtet. Am
Dienstag drehte der deutsche Leitindex nach der Fed-Aktion ins Plus. Am
Devisenmarkt schoss der Euro um einen Cent in die Höhe, der
Goldpreis zog kräftig an.
Wie die Fed mitteilte, gebe es in den USA neue Anzeichen für eine
weitere Verschlechterung der Lage am Immobilienmarkt, von dem die Krise
im vergangenen Sommer ihren Anfang genommen hatte. Auch sei eine
Schwäche am Arbeitsmarkt in den USA zu befürchten. Parallel
zum Leitzins senkte die Fed ihren Diskontsatz, zu dem sich die Banken
bei ihr über Nacht Geld leihen können. Die US-Notenbank
betonte, sie werde notfalls weiter zeitnah handeln, um
größeren Wirtschaftsrisiken zu begegnen. Eigentlich stand
die nächste Zinsentscheidung der Fed in der kommenden Woche an.
Experten hatten aber bereits auf eine vorzeitige Zinssenkung
spekuliert, sogar einen weiteren Schritt nach unten halten einige
Ökonomen nächsten Mittwoch für denkbar.
Andere Notenbanken, darunter die Europäische Zentralbank (EZB) und
die Schweizer Nationalbank, wollten die Zinsentscheidung nicht
kommentieren. Die Bank of Canada folgte dagegen dem Beispiel der Fed
umgehend und reduzierte ihren Leitzins um 25 Basispunkte auf vier
Prozent. Die Bank von Japan hatte ihren Schlüsselzins in der Nacht
nicht angetastet. Die Bank von England erklärte, sie wolle die
nächste für Anfang Februar geplante Sitzung ihres
geldpolitischen Ausschusses nicht vorziehen.
Das Weiße Haus in Washington wollte sich nicht zum Vorgehen der
Fed äußern. US-Präsident Georg W. Bush will mit einem
milliardenschweren Konjunkturprogramm eine drohende Rezession
verhindern. Fed-Chef Ben Bernanke unterstützt diese Pläne. In
Berlin sagten Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Finanzminister
Peer Steinbrück (SPD), die EZB müsse selbst entscheiden, wie
sie auf die Zinssenkung in den USA reagiere. "Wir haben unsere eigene
spezifische Lage in Europa. Und wir haben volles Vertrauen in die
Europäische Zentralbank", sagte Merkel. Es gebe keine Anzeichen
für eine Rezession in Deutschland. Gleichwohl verlangsamt sich
auch hier zu Lande das Wachstum.
Volkswirte schlugen nach dem versuchten Befreiungsschlag der Fed
pessimistische Töne an. Michael Metz von Sal. Oppenheim sagte:
"Die Fed ist offensichtlich panisch, aber leider haben sie nicht die
Macht, abzuwenden, was nach meiner Einschätzung die schlimmste
Rezession der Nachkriegszeit ist." John Tierney von der Deutschen Bank
fasste zusammen: "Die Fed ist sehr, sehr, sehr besorgt."
Die von den USA ausgehende Finanzkrise zieht seit Mitte vergangenen
Jahres immer weitere Kreise. Am Dienstag meldete der
US-Anleihenversicherer Ambac einen Verlust von 3,3 Milliarden Dollar.
Die Bank of America musste ebenso weitere Milliarden abschreiben. Nach
wie vor angespannt ist auch die Lage am Geldmarkt. Hier hatten mehrere
Zentralbanken im Dezember gemeinsam interveniert. Am Dienstag gab es
offenbar keine solche Abstimmung zwischen den internationalen
Währungshütern.
(Quelle: rtr)
Devisen- und Rohstoffmärkte auf Berg- und Talfahrt
Mi.23.01.08 - Die Turbulenzen an den weltweiten Aktienmärkten haben auch die
Rohstoff- und Devisenmärkte auf eine Berg- und Talfahrt geschickt.
Der Euro setzte am Dienstag zunächst den Trend der vergangenen Tage
fort und verlor weiter. Später legte die Europäische
Gemeinschaftswährung aber wieder gegenüber dem Dollar zu. Der
Ölpreis sinkt derweil immer weiter, und selbst der Goldpreis gab zu
Handelsbeginn nach.
Der Euro büßte im morgendlichen Handel auf 1,4386 Dollar
nach 1,4439 Dollar am Vorabend ein, legte im weiteren Verlauf aber zu
und drehte bis zum Mittag kräftig ins Plus. Grund für die
Abschwächung der Gemeinschaftswährung sind Spekulationen, die
Europäische Zentralbank könnte auf die zunächst
erwarteten weiteren Zinserhöhungen verzichten, da angesichts der
Rezessionsgefahr in den USA mit weiteren Leitzinssenkungen in den USA
gerechnet wird.
Rohöl kostete am Vormittag im Computerhandel 87,25 Dollar Barrel
(159 Liter), mehr als einen Dollar weniger als am Montag. Vor drei
Wochen lag der Preis noch bei 100 Dollar.
Schon in den vergangenen Tagen war der Ölpreis Stück für
Stück gefallen. Auslöser des Preisrückgangs war der
Einbruch an den Weltbörsen in Verbindung mit Rezessionssorgen
für die USA. Die USA sind der größte Ölverbraucher
der Welt, ein Wirtschaftseinbruch dort würde auch die
Ölnachfrage senken.
Der Goldpreis konnte zunächst nicht von der weiter herrschenden
Panik an den internationalen Aktienmärkten profitieren. An der
Börse in London kostete Gold zu Handelsbeginn 851,45 Dollar je
Feinunze, das waren rund 15 Dollar weniger als am Montagabend. Im
weiteren Verlauf zog der Goldpreis wieder etwas an.
(Quelle: ap)
Deutsche Experten uneins über Folgen des Kursrutsches an den
Weltbörsen
Mi.23.01.08 - Wirtschaftsexperten sind uneins über die Folgen des Kursrutsches
an den Weltbörsen und der US-Hypothekenkrise.
DIHK-Chef-Volkswirt Volker Treier sagte der "Berliner Zeitung" vom
Dienstag, für Deutschland und Europa müsse mit einer
Wachstumsverlangsamung gerechnet werden, "die aber keine
Überraschung und bereits prognostiziert worden ist". Es werde
keinen Abschwung geben. Der Chef des Kieler Instituts für
Weltwirtschaft, Dennis Snower, sagte der "Bild"-Zeitung: "Die
US-Immobilienkrise weitet sich aus." Die Gefahr einer
Weltwirtschaftskrise steige. Der Chef des Instituts für
Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn, befand
dagegen in der "Berliner Zeitung": "Der Aufschwung ist vorbei."
Horn rechnet wegen der aktuellen Krise denn auch nicht damit, dass in
diesem Jahr noch zusätzliche Arbeitsplätze in Deutschland
geschaffen werden können, "sondern eher welche wegfallen." Er
erwartet zudem Finanzierungsprobleme bei den Unternehmen. "Die EZB muss
versuchen, die Finanzmärkte unter Kontrolle zu halten. Günstig
wäre es, wenn eine Zinssenkung angedeutet würde", sagte Horn
zu den Konsequenzen. Zudem müsse die EZB den Banken erneut
Liquidität zuführen.
Der Chefvolkswirt des Deutschen Industrie- und Handelskammertages
(DIHK) Treier merkte an, der jüngste Kursverfall an den Börsen
sei eine "Korrektur des Börsen-Hypes, die etwas kräftig
ausgefallen" sei. Es sei deutlich geworden, dass sich die Börse
nicht auf Dauer von realwirtschaftlichen Prozessen abkoppeln
könne. Snower befand: "Die aktuelle Lage ist in jedem Fall eine
Bedrohung der Weltwirtschaft." Auch in Deutschland bestehe die Gefahr
eines Abschwungs. "Wenn es in den USA zu einer Rezession kommt, dann ist
davon auch Deutschland mit höchstens einem Jahr Verspätung
betroffen", sagte er.
Die Angst vor einem weltweiten Konjunktureinbruch hatte am Montag an
den europäischen Börsen eine Verkaufswelle und der Folge eines
drastischen Kursrutsches ausgelöst. Diese Entwicklung hatte sich
am Dienstagmorgen an den asiatischen Märkten fortgesetzt.
(Quelle: rtr)
Opposition fordert Konsequenzen aus der Finanzkrise
Mi.23.01.08 - Die Opposition fordert von der Regierung konkrete Schritte, um die
negativen Folgen der Finanzkrise auf die deutsche Wirtschaft
einzudämmen.
Der Finanzexperte der Grünen, Gerhard Schick, sagte am Montag,
Finanzminister Peer Steinbrück müsse klar machen, wie er die
Vertrauenskrise durch Verbesserungen der Finanzaufsicht und der Regeln
für die Finanzmärkte zu überwinden gedenke. Die Linke
kritisierte, mehr Transparenz an den Börsen reiche nicht aus, die
Finanzmärkte müssten stärker reguliert werden. Die FDP
forderte, den Aufschwung durch eine Entlastung der Bürger zu
stützen.
"Seit Monaten hat die Bundesregierung nicht angemessen auf die
internationale Finanzkrise reagiert", monierte Schick. Steinbrück
müsse deutlich machen, was schiefgelaufen sei, und Konsequenzen
ziehen. Aus Furcht vor einem Abschwung in den USA verbuchten die
Börsen am Dienstag den zweiten Tag in Folge heftige
Kurseinbrüche. Wegen geplatzter Hypotheken schieben US-Banken
mittlerweile Milliardenabschreibungen vor sich her.
Der stellvertretende FDP-Fraktionschef Carl-Ludwig Thiele sagte
Reuters, die Bürger müssten jetzt durch Steuersenkungen
entlastet werden, was die Binnenkräfte der Konjunktur stärken
würde. "Mich beschleicht die Sorge, dass in der zweiten
Hälfte der Wahlperiode von der großen Koalition keine
großen Entscheidungen mehr getroffen werden." Auf Antrag der FDP
beschäftigt sich der Bundestags-Finanzausschuss am 13. Februar mit
den Folgen der Finanzkrise für Deutschland.
Die Regierung habe bisher in der Krise vernünftig reagiert, sagte
der Finanzexperte der Linken-Fraktion, Axel Troost, Reuters. Jetzt
müssten aber Konsequenzen gezogen werden. Es reiche nicht,
für mehr Transparenz an den Börsen zu sorgen. Er forderte
eine Börsenumsatzsteuer, die Spekulationen unattraktiver mache.
(Quelle: rtr)
Umfrage - CDU und SPD in Hessen in der Wählergunst gleichauf
Mi.23.01.08 - Wenige Tage vor der hessischen Landtagswahl liegen CDU und SPD in einer
Umfrage erstmals gleichauf. Beide Parteien kommen laut einer
Forsa-Umfrage im Auftrag der "Frankfurter Rundschau" auf 38 Prozent. Die
FDP liegt demnach bei neun Prozent, die Grünen bei sieben Prozent.
Die Linke würde mit fünf Prozent knapp den Einzug in den
Landtag gelingen. Damit würde es weder für Schwarz-Gelb noch
für Rot-Grün eine Mehrheit geben.
Bei einer Direktwahl des Ministerpräsidenten würden sich der
Umfrage zufolge 39 Prozent für die SPD-Herausforderin Andrea
Ypsilanti und 38 Prozent für Ministerpräsident Roland Koch
entscheiden. Ausschlaggebend für die Entscheidung der Wähler
ist im Gegensatz zur vorherigen Wahl im Jahr 2003 vor allem die
Landespolitik. Diese spielt für 68 Prozent die entscheidende Rolle,
die Bundespolitik ist für 25 Prozent wichtiger. Bei der Wahl vor
fünf Jahren räumten 55 Prozent der Bundespolitik die
größere Bedeutung ein, während sich nur 30 Prozent von
der Landespolitik leiten ließen.
Für die Umfrage wurden zwischen dem 14. und 18. Januar 1005
Wahlberechtigte befragt. Damit hatten das TV-Duell zwischen Koch und
Ypsilanti am Sonntag und auch die indirekten Warnungen des früheren
Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) vor einer Wahl der SPD
in Hessen keinen Einfluss auf das Ergebnis.
Falls es bei der Landtagswahl in Hessen nicht für eine Mehrheit
aus SPD und Grünen reicht, setzt SPD-Spitzenkandidatin Ypsilanti
auf eine Ampelkoalition mit den Grünen und der FDP. "Ich bin fest
davon überzeugt, dass sich die Liberalen im Zweifel flexibel zeigen
werden", sagte sie dem "Mannheimer Morgen". Ein Bündnis mit der
Union schloss Ypsilanti aus. Dafür fehle "schlicht die
programmatische Schnittmenge" zwischen der SPD und der CDU. Dies gelte
auch, wenn sich Ministerpräsident Roland Koch im Fall einer
Niederlage aus der Landespolitik zurückziehen sollte.
Ypsilanti sprach sich zugleich gegen einen Parteiausschluss des
früheren Bundeswirtschaftsministers Wolfgang Clement (SPD) aus, der
sie wegen ihrer Energiepolitik scharf kritisiert hatte. Zwar seien
viele in der SPD "sehr, sehr wütend" auf den einstigen
stellvertretenden Bundesvorsitzenden. Aber Clement solle "selbst
entscheiden", ob er in der richtigen Partei sei.
(Quelle: afp)
Fortschritte bei Bahn-Tarifverhandlungen
Mi.23.01.08 - Die Deutsche Bahn und die Gewerkschaften Transnet und GBDA haben bei
ihren Tarifverhandlungen über eine neue Entgeltstruktur
Fortschritte erzielt. «Wir sind auf einem guten Wege und haben
wesentliche Punkte der Entgeltstruktur geklärt», sagte ein
Bahnsprecher am Dienstag nach einer weiteren Verhandlungsrunde in
Hannover. Die Tarifverhandlungen über die neue Eingruppierung von
135.000 Bahn-Beschäftigten sollen am 29. Januar fortgesetzt werden.
Ziel sei, die neue Entgeltstruktur zum 1. Juli einzuführen, sagte
ein Sprecher der Gewerkschaft Transnet. Die Bahn habe in der
Verhandlungsrunde zugesichert, dass der Tarifvertrag zur
Beschäftigungssicherung, der betriebsbedingte Kündigungen
ausschließe, bestehen bleibe, betonte Transnet-Sprecher Michael
Klein. Außerdem habe man sich darauf verständigt, das Thema
Arbeitszeiten anzugehen. Ziel sei, die Arbeitszeiten für das
Personal im Schichtdienst bis Ende des Jahres familienfreundlicher zu
gestalten.
Nach Angaben des Gewerkschaftssprechers sollen die
Bahnbeschäftigten bei der neuen Entgeltstruktur in sechs
Funktionsgruppen, wie Service-Kräfte, Technisches Personal oder
auch Lokführer, aufgeteilt werden. Die Funktionsgruppen sollen
dabei eigene Tarifverträge erhalten. Ein Streitthema sei
weiterhin, ob die Rangierlokführer zur Funktionsgruppe der
Lokführer zu zählen seien, sagte Transnet-Sprecher Klein.
Über das neue Entgeltsystem wird bereits länger als ein Jahr
verhandelt. Die Bahn und die beiden Gewerkschaften hatten sich Ende
November auf Einkommenserhöhungen für die Jahre 2008 bis 2010
von mindestens zehn Prozent verständigt. Eine weitere
Einkommenserhöhung im Volumen von vier Prozent soll für die
neue Einkommensstruktur zur Verfügung stehen.
(Quelle: ap)
Tausende demonstrieren gegen Schließung des Nokia-Werks
Mi.23.01.08 - Tausende Menschen haben in Bochum gegen die Schließung des
dortigen Nokia-Werks demonstriert. Auf der Protestkundgebung im
Stadtteil Riemke kündigte IG-Metall-Chef Berthold Huber einen
harten Kampf der Beschäftigten gegen Nokia an, sollte der
finnische Handyhersteller an seinen Plänen festhalten.
"Unerträglichen Stil" warf Hartmut Schauerte (CDU),
Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium,
dem Unternehmen vor. Unterdessen sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel
(CDU) sagte den von Entlassung bedrohten Nokia-Mitarbeitern die
Unterstützung der Bundesregierung zu. Die Kommunikation von Nokia
kritisierte sie als "nicht akzeptabel".
Gewerkschaftschef Huber warf dem Konzernvorstand vor, das Werk aus
Profitsucht schließen zu wollen. "Wenn Sie noch einen Funken
Anstand haben, dann nehmen Sie ihre Entscheidung zurück", sagte
Huber vor den etwa 15.000 Demonstranten in Bochum, die auf
Transparenten unter anderem forderten: "Nokia muss bleiben".
Schauerte kritisierte, die Nokia-Spitze habe die Entscheidung zur
Schließung des Werks über die Köpfe der Mitarbeiter
hinweg getroffen: "So geht man in Deutschland und in Europa nicht
miteinander um, das sollten auch die Finnen verstehen." Schauerte
bekräftigte bei der Kundgebung zudem, Deutschland sei ein
wettbewerbsfähiges Land. "Das lassen wir uns von niemandem
zerreden und kaputtmachen."
Die Bochumer IG-Metall-Chefin Ulrike Kleinebrahm sagte am Rande der
Kundgebung, das Gespräch von Arbeitnehmervertretern mit der
Nokia-Spitze am Montag habe keine Fortschritte gebracht. Es sei
lediglich deutlich geworden, dass der Konzern den Standort Bochum "so
schnell wie möglich schließen" wolle. Von der
Schließung sind bei Nokia 2700 Mitarbeiter betroffen, hinzu
kommen vermutlich tausende Leiharbeiter und Angestellte in
Zulieferbetrieben.
Merkel sprach im NDR von einer "bitteren Entscheidung" für die
Arbeitnehmer in Deutschland. Wenn der Handyhersteller seine
Entscheidung zur Schließung des Werkes nicht revidiere -
"wofür manches spricht" - müsse alles daran gesetzt werden,
den Betroffenen eine Perspektive zu geben.
Die nordrhein-westfälische SPD-Landtagsfraktion forderte in einer
Resolution den Erhalt des Bochumer Nokia-Werks. Um die dortigen
Arbeitsplätze zu retten, müsse die schwarz-gelbe
Landesregierung "alle Möglichkeiten ausschöpfen". Unter
anderem müsse sie "kurzfristig und umfassend" prüfen, ob
Nokia die Millionen-Subventionen für den Standort "dem
Förderzweck entsprechend verwendet" habe und andernfalls das Geld
zurückfordern
(Quelle: afp)
'Nicht Ohne Kampf In's Aus'
"Wenn das Werk dichtmacht, ist für Bochum alles vorbei", ruft
einer der Demonstranten.
Zum "Kampf gegen den wilden Kapitalismus" wird aufgerufen, Vertreter
der IG Metall geißeln Vorstände als "Nieten in
Nadelstreifen" und "Rambo-Manager". Politiker von Bundes- und
Landesregierung sagen den Bochumer Beschäftigten ihre
Unterstützung zu, Herbert Grönemeyers Hymne "Bochum" hallt
über den Platz.
Das war im Oktober 2004, als die Belegschaft des Bochumer Opel-Werks
erfolgreich um ihre Existenz kämpfte. Knapp dreieinhalb Jahre
später ziehen wieder Tausende von Demonstranten durch Bochum -
aber dieses Mal sind es die Beschäftigten des örtlichen
Nokia-Werks, die um Arbeitsplätze und Zukunft fürchten. Doch
eine Schließung des Werks mit 2300 fest angestellten Mitarbeitern
und etwa 1000 Leiharbeitern wird sich kaum verhindern lassen. Kurz vor
dem Treffen verhandelten Betriebsrat und IG Metall mit der Nokia-Spitze
in Bochum - und diese habe nur die Gründe für ihre
Schließungspläne für das Werk bekräftigt,
berichten Vertreter der IG Metall. Neue Gesprächstermine haben
weder Bundesregierung noch Betriebsräte vereinbaren können.
Es wird ernst für Bochum.
"Ich bin die ganze Zeit wütend", sagt eine Nokia-
Beschäftigte, als sich am Vormittag der Demonstrationszug vor dem
Werk im Stadtteil Riemke formiert. In kleinen Gruppen kommen die
Beschäftigten durch die Tore des Werks, die nach dem Willen des
finnischen Managements im Sommer für immer schließen sollen.
"Ein wenig müssen wir hoffen - deshalb sind wir heute hier", sagt
eine Frau.
Zunächst ruht die Produktion, doch nach der Demonstration habe sie
noch die Nachschicht vor sich, berichtet Nokia-Mitarbeiterin Martina,
die ihren Nachnamen nicht nennen will. Von 22.00 bis 05.30 Uhr
müsse sie dann Handys produzieren - "aber die Qualität ist
unverändert". Und das solle trotz der Schließungspläne
auch so bleiben, denn auf die Produkte sind sie stolz - wenn auch nicht
mehr auf ihr Unternehmen. "Wir lassen uns nichts nachsagen", betont
Martina. Ein paar Meter weiter steht Gesamtbetriebsratschef Werner
Hammer und versucht, Hoffnung zu verbreiten. "Es ist alles offen",
beteuert er.
"Nokia - Disconnecting people" steht auf einem Plakat, und dann setzt
sich der Zug in Bewegung. Rund 15.000 Menschen, berichten Polizei und
Gewerkschaft danach unisono, marschieren für das Werk, darunter
auch Mitarbeiter von ThyssenKrupp und Opel, wo die Produktion ebenfalls
eingeschränkt wird. "Nokia - Nicht Ohne Kampf In's Aus", hat sich
einer der Demonstranten aufs T-Shirt gedruckt. Auf dem Kundgebungsort,
dem Riemker Markt, reden dann Gewerkschafter, Betriebsräte und
Politiker, klagen Nokia an und rufen zum Kampf auf.
Ob dieser etwas bringt, bleibt unklar: Er könne nicht sagen, ob
noch Hoffnung bestehe oder nicht, räumt Staatssekretär
Hartmut Schauerte aus dem Bundeswirtschaftsministerium nach der
Kundgebung ein, der für die Bundesregierung mit Nokia verhandelt
hat. Über die Lautsprecher erklingt wieder "Bochum" und der Platz
leert sich. "Wir wollen kein zweites BenQ sein", sagt einer der
Demonstranten, aber in seiner Stimme klingt Resignation mit.
Quelle: rtr, 22.01.2008
|
IG Metall: - Keine Annäherung bei Gespräch mit Nokia-Spitze
Mi.23.01.08 - Das Gespräch von Arbeitnehmervertretern mit der Spitze des
finnischen Mobilfunkkonzerns in Helsinki am Montag hat nach Angaben der
IG Metall keine Fortschritte gebracht. Im Gespräch sei deutlich
geworden, dass Nokia den Standort Bochum "so schnell wie möglich
schließen" wolle, sagte die Bochumer IG-Metall-Chefin Ulrike
Kleinebrahm am Rande der Nokia-Solidaritätskundgebung in Bochum.
Der Nokia-Vorstand habe sich zwar gesprächsbereit gezeigt,
fügte die Erste Bevollmächtigte der IG Metall Bochum hinzu. Es
sei allerdings offen, ob daraus auch eine Verhandlungsbereitschaft des
Konzerns abzuleiten sei.
Die Nokia-Manager stellten in dem rund dreistündigen Gespräch
am Montag laut Kleinebrahm ihre Pläne nochmals vor. Aufgrund der
knappen Zeit hätten die Gewerkschafter danach aber "kaum die Zeit
gehabt, unsere Gegenvorstellungen vorzutragen", fügte sie hinzu.
Die Bochumer IG-Metall-Chefin ging davon aus, dass kommende Woche
weitere Gespräche mit der Nokia-Spitze stattfinden werden. Ein
Termin dafür stehe allerdings noch nicht fest.
(Quelle: afp)
Mitgliederrückgang bei DGB geht gebremst weiter
Mi.23.01.08 - Der Rückgang der Mitgliederzahlen beim Deutschen Gewerkschaftsbund
(DGB) hat sich im vergangenen Jahr zwar fortgesetzt, aber zugleich
weiter verlangsamt. Wie der DGB mitteilte, sank die Mitgliederzahl
aller DGB-Einzelgewerkschaften 2007 um 145.000 auf 6.440.595. Das
entspricht einem Rückgang um noch einmal 2,2 Prozent. Im Jahr 2006
war ein Rückgang um 2,6 Prozent verzeichnet worden. Der DGB
wertete die Zahlen als Hinweis auf eine bevorstehende Trendwende hin zu
einer wieder positiven Mitgliederentwicklung.
"Einige erfreuliche Tendenzen lassen darauf schließen, dass der
Mitgliederschwund künftig ganz gestoppt werden kann", hieß
es in einer Erklärung. Dazu zähle vor allem die Tatsache,
dass einige Gewerkschaften bundesweit kurz vor einer positiven
Mitgliederentwicklung stünden und diese regional bereits erreicht
hätten. Zudem gebe es Neueintritte von täglich 785
Beschäftigten und eine wachsende Zahl junger Mitglieder bis 27
Jahre.
(Quelle: afp)
Ältere sollen aus Arbeitslosenstatistik fallen
Mi.23.01.08 - Langzeitarbeitslose über 58 Jahren sollen aus der
Arbeitslosenstatistik herausfallen, wenn ihnen innerhalb von zwölf
Monaten keine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung angeboten
werden kann. Dies sieht ein Reformpaket von Union und SPD vor.
Die Betroffenen sollen mit lebenslangen Abschlägen von bis zu 7,2
Prozent mit 63 in Rente geschickt werden. Das Thema wurde am Montag bei
der Expertenanhörung zu Änderungen des Sozialgesetzbuches und
anderer Gesetze im Arbeits- und Sozialausschuss des Bundestages
erörtert.
Die erleichterte Herausnahme von älteren Langzeitarbeitslosen aus
der Statistik stößt auf Kritik: Das Nürnberger Institut
für Arbeits- und Berufsforschung (IAB) sieht «keine
Notwendigkeit» für eine Regelung, mit der die
Arbeitslosigkeit dieser Altersgruppe «künstlich
reduziert» würde. Die Sozialverbände wehren sich, dass
Arbeitslose mit 63 Jahren in «Zwangsrente» geschickt werden
und zuvor aus der Arbeitsmarktstatistik fallen sollen. Die Bundesagentur
für Arbeit (BA), unter deren Dach das IAB arbeitet, erhebt keine
Einwände gegen die Statistik-Bereinigung.
Eine zwangsweise Verrentung vor dem gesetzlichen Rentenalter - derzeit
65 Jahre - sollte «generell vermieden werden», meint das IAB
und verweist dazu auf Vorschläge der Links-Fraktion. Das IAB
befürchtet, dass sich durch das Reformpaket, das auch die
längere Bezugsdauer des Arbeitslosgeldes I für Ältere
umfassen soll, die Arbeitsmarktchancen für diese Altersgruppe
«tendenziell verschlechtern». Für die angestrebte
Wiedereingliederung von älteren Erwerbslosen würden mit den
Reformen «unerwünschte und widersprüchliche
Anreize» geschaffen, urteilt das IAB.
(Quelle: dpa)
Böhmer fordert mehr Investitionen in Integration
Mi.23.01.08 - Die Bundes-Integrationsbeauftragte Maria Böhmer (CDU) hat
angesichts einer neuen Studie zu den Kosten mangelnder Integration mehr
Investitionen gefordert. "Mangelhafte Integration verursacht einen hohen
volkswirtschaftlichen Schaden, den letztlich alle Bürgerinnen und
Bürger unseres Landes tragen müssen", sagte sie am Montag in
Berlin. Zielgerichtetere Investitionen in Integration seien gut
für Deutschland: "Jeder Euro, den der Bund investiert, bringt die
fünffache Rendite", so Böhmer.
Am Wochenende war eine Studie der Bertelsmann Stiftung
veröffentlicht worden, nach der die mangelnde Integration von
Zuwanderern den Staat jährlich bis zu 16 Milliarden Euro kostet.
Durch mangelnde Sprachkenntnisse, fehlende soziale Netzwerke und
schlechte Integration in den Arbeitsmarkt gingen dem Staat
Einkommenssteuern und Beiträge in der Renten- und
Sozialversicherung verloren, erklärte die Stiftung. Verstärkte
Investitionen vor allem im Bildungsbereich seien daher notwendig. 38
Prozent der Migranten gelten laut Studie als integriert, 55 Prozent als
weniger integriert.
Böhmer sagte dazu, Sprache, Bildung und Arbeit seien die
Kernthemen, auf die sich bei der Integration konzentriert werden
müsse. Dies habe die Bundesregierung bereits bei der Erarbeitung
des Nationalen Integrationsplans in den Mittelpunkt der
Integrationspolitik gerückt. Böhmer forderte alle am
Integrationsplan Beteiligten auf, ihre Vorhaben so rasch wie
möglich umzusetzen. An dem im Juli 2007 verabschiedeten
Integrationsplan waren Bund, Länder, Kommunen, Wirtschaft und
Zivilgesellschaft mit rund 400 Selbstverpflichtungen beteiligt. Im
Herbst dieses Jahres soll eine erste Zwischenbilanz gezogen werden.
(Quelle: epd)
Pro Asyl klagt gegen Bundesamt für Flüchtlinge
Mi.23.01.08 - Die Flüchtlingsorganisation Pro Asyl will das Bundesamt für
Migration und Flüchtlinge mit einer Klage zu mehr Transparenz in
seiner Entscheidungspraxis zwingen. Die Behörde solle dazu gebracht
werden, ihre Dienstanweisungen offenzulegen, sagte Pro-Asyl-Referentin
Marei Pelzer am Montag in Frankfurt am Main. Außerdem müsse
das Bundesamt seine Einschätzungen der politischen Lage in den
Herkunftsländern der Flüchtlinge zugänglich machen.
Im vergangenen Jahr habe das Bundesamt etwa die Verfolgung von
Oppositionellen in Birma unzutreffend eingeschätzt und etliche
Asylbegehren von Birmanern abgelehnt. Erst eine Recherche von Pro Asyl
habe die Behörde einlenken lassen. In den Dienstanweisungen
würden Verfahrensfragen geregelt, Zuständigkeiten,
Berichtspflichten und Vorgaben der Amtsleitung festgelegt. Sogenannte
Herkunftsländerleitsätze beschrieben die politische Situation
in den Fluchtländern.
Das Bundesamt behandele die Dienstanweisungen und
Herkunftsländerleitsätze vertraulich, sagte der Sprecher
Enrico Manthey. Die darin enthaltenen Hintergrundinformationen seien nur
für Mitarbeiter vorgesehen. Außerdem seien Erkenntnisse aus
anderen Behörden eingearbeitet, die dort als vertraulich
eingestuft worden seien. Pro Asyl bezeichnete es als einen Verstoß
gegen das Informationsfreiheitsgesetz, dass die Behörde die
Anweisungen und Leitsätze grundsätzlich, unabhängig vom
konkreten Inhalt, zur Verschlusssache erkläre. (00769/21.1.2008)
(Quelle: epd)
Verfassungshüter stärken Presserecht
Mi.23.01.08 - Das Bundesverfassungsgericht hat das Presserecht gestärkt und
insbesondere die Anforderungen für den Abdruck von
Gegendarstellungen bei mehrdeutigen Formulierungen hochgeschraubt.
Ansonsten würde die Presse mit Gegendarstellungsansprüchen
überhäuft und "zu einer starken Zurückhaltung in ihrer
Berichterstattung" veranlasst, heißt es in einem in Karlsruhe
veröffentlichten Beschluss. Dies aber würde dem Ziel der
Medien widersprechen, mit ihrer Berichterstattung "auf ein hohes
Maß an Informiertheit der Öffentlichkeit hinzuwirken".
Im konkreten Fall hatte "Der Spiegel" vor dem Bundesverfassungsgericht
geklagt, weil es zum Abdruck einer Gegendarstellung in einem Fall
gezwungen worden war, der 2004 Rechtsgeschichte gemacht hatte. Damals
war Anneliese B. vom Oberlandesgericht Frankfurt am Main zur
Rückzahlung von 35,7 Millionen Euro an den Staat verurteilt worden,
die sie als Entschädigung für ein im Zweiten Weltkrieg
angeblich verlorenes Aktienvermögen erhalten hatte.
Der "Spiegel" hatte unter anderem geschrieben: "Immer wenn im Hause B.
das Geld knapp wurde, fanden sich auf wundersame Weise neue Belege
für stattliche Wertpapierdepots." Die Verfassungshüter sahen
in dem Artikel aber keinen Anlass für eine von der Frau betriebene
Gegendarstellung. Sie sei erst zulässig, wenn sich aus dem
Zusammenspiel einer offenen und einer verdeckten Aussage dem Leser eine
"unabweisbare Schlussfolgerung" aufdrängt. Das Oberlandesgericht
Hamburg hatte dagegen die Auffassung vertreten, dass sich die Presse bei
Veröffentlichungen "grundsätzlich jede "nicht fern liegende
Interpretationsmöglichkeit" eines Berichtes anrechnen lassen
müsse.
Die Verfassungshüter verwiesen auch auf den "schwer ausgleichbaren
Imageschaden", den der Abdruck einer Gegendarstellung bewirken
könne. Solch ein Abdruck könne bei den Lesern Zweifel und
Misstrauen auch gegenüber einer wahrheitsgemäßen
Berichterstattung wecken, die sich nachträglich kaum mehr
beseitigen ließen, heißt es in dem Beschluss. Nach Ansicht
der Richter dürfen Redaktionen selbst nicht abgeschlossene
Recherche-Ergebnisse veröffentlichen. Deshalb könne auch Raum
für Mutmaßungen bleiben.
(Quelle: afp)
Italien lässt Müll in großem Stil nach Deutschland
bringen - Toxologen warnen vor Gefahren für die Gesundheit
Mi.23.01.08 - Zur Beseitigung des Müllnotstandes in Neapel und Umgebung
lässt die italienische Regierung offenbar Müll aus der Region
Kampanien nach Deutschland exportieren. Täglich würden 1500
Tonnen Hausmüll in zwei Zügen nach Cröbern bei Leipzig
und Bremerhaven gebracht, sagte ein Manager der italienischen
Transportgesellschaft Ecolog der "Süddeutschen Zeitung". Die
Westsächsische Entsorgungs- und Verwertungsgesellschaft sowie die
Remondis AG verdienten bis zu 200.000 Euro am Tag mit den Transporten
aus Italien, schreibt das Blatt unter Berufung auf Branchenkenner.
Im vergangenen Jahr seien insgesamt etwa 18 Millionen Tonnen Müll
nach Deutschland importiert worden, berichtete die "SZ" unter Berufung
auf das Bundesumweltamt weiter. Aufgrund freier Kapazitäten in den
rund 70 deutschen Verbrennungsanlagen und sinkender Preiser boome das
Müll-Geschäft in Deutschland. Weitere 80 Anlagen seien in
Planung. Gleichzeitig warnten Toxikologen laut "SZ" vor Gefahren
für die Gesundheit. Bei der Müllverbrennung würden trotz
des hohen technischen Standards deutscher Verbrennungsanlagen weiterhin
gefährliche Stoffe entweichen, die Krebs auslösen und zu
Fehlbildungen bei ungeborenen Kindern führen könnten.
(Quelle: afp)
Wissenschaft
Ökologische Schäden für arme Länder teurer als
Auslandsschulden
Mi.23.01.08 - Die Industrienationen haben nach einer Analyse von US-Forschern in den
vergangenen vier Jahrzehnten weltweit Umweltschäden im Wert von bis
zu 47 Billionen US-Dollar verursacht.
Diese Zeche zahlten zu einem erheblichen Teil die
Entwicklungsländer, schreiben die Ökonomen in den
«Proceedings» der US-Akademie der Wissenschaften (online
veröffentlicht). Mit geschätzten 2,2 bis 9,5 Billionen Dollar
belasteten die Umweltschäden arme Länder stärker als die
Summe ihrer Auslandsschulden von derzeit 1,8 Billionen Dollar.
Bedeutsamster ökologischer Faktor der Rechnung sei der
Klimawandel, schreiben die Forscher um Thara Srinivasan von der
Universität von Kalifornien in Berkeley. Dies sei umso brisanter,
da er sich - ebenso wie das Ozonloch - global auswirke, mit
häufigeren Extremwetterlagen und Stürmen,
Überschwemmungen und Dürren als kostenträchtige Folgen.
Den Entwicklungsländern würden so Lasten aufgebürdet, die
fast ausschließlich von den reichen und den Schwellenländern
verursacht wurden.
Die Ökonomen hatten Daten zum «ökologischen
Fußabdruck» der Industrie-, Schwellen- und
Entwicklungsländer von 1961 bis 2000 analysiert. In diesem Zeitraum
verdoppelten sich Bevölkerungszahl und Weltwirtschaftsleistung pro
Kopf. Die Forscher nutzten unter anderem Daten der Vereinten Nationen
(UN) und der Weltbank. Berücksichtigt wurde der Einfluss
intensiver Landwirtschaft, der Abholzung und Überfischung sowie
des Verlusts an Mangrovenwäldern, des Ausdünnens der
schützenden Ozonschicht und des Klimawandels.
Der ökologische Raubbau verursachte demnach in den vergangenen
vier Jahrzehnten Kosten von 8,7 bis 47 Billionen US-Dollar (6 bis 32
Billionen Euro). Dabei seien die Auswirkungen weiterer, komplexer
Prozesse wie des Verlustes von Lebensräumen und Artenvielfalt in
diese Rechnung noch gar nicht mit einbezogen, weil sich die Folgekosten
in diesen Bereichen nur schwer berechnen ließen, erläutern
die Autoren. Die genannte Gesamtsumme stelle deshalb nur einen Minimum
dar und liege tatsächlich vermutlich noch viel höher.
(Quelle: dpa)
Experten warnen vor Hunger durch Energiepflanzen-Boom
Mi.23.01.08 - Zum Auftakt einer Konferenz des Weltklimarats (IPCC) haben Vertreter
afrikanischer Länder vor wachsenden Ernährungsproblemen durch
den Anbau von Pflanzen zur Energiegewinnung gewarnt.
Das Hungerproblem müsse parallel zum Klimaproblem gelöst
werden, forderte die sudanesische Wissenschaftlerin Balgis Osman- Elasha
am Montag am Rande der Eröffnungsveranstaltung in Lübeck. An
der Konferenz zum Thema erneuerbare Energien nehmen 120 Wissenschaftler
aus 50 Ländern teil. Sie wollen einen Bericht vorbereiten, der bei
der nächsten Sitzung des IPCC im April in Budapest vorgelegt
werden soll.
Die Herstellung von Biokraftstoffen aus Nahrungspflanzen wird vor allem
in Afrika kritisch betrachtet. «Dabei entsteht eine Konkurrenz um
die wenigen guten Böden und das kostbare Wasser. Deshalb sollten
wir uns auf die Nutzung landwirtschaftlicher Reststoffe, wie Holz- oder
Zuckerrohrabfälle für die Energiegewinnung konzentrieren,
statt extra Pflanzen dafür anzubauen», sagte der aus Sierra
Leone stammende Klimatologe Ogunlade Davidson.
Der von der Arbeitsgruppe III des Klimarats initiierte Bericht werde
eine Grundlage für den fünften Sachstandsbericht des UN-
Gremiums zum Klimawandel bilden, sagte der Leiter der Konferenz, der
Flensburger Forscher Olav Hohmeier. Die Berichte sollen den aktuellen
Stand der Wissenschaft zusammenfassen und eine Entscheidungsgrundlage
für die Politik bilden. In 13 Arbeitsgruppen werden sich die in
Lübeck versammelten Wissenschaftler mit der Energiegewinnung aus
erneuerbaren Quellen wie Wind, Sonne oder Pflanzen und ihrem Effekt auf
den Kohlendioxidgehalt der Atmosphäre sowie den Kosten
beschäftigen.
(Quelle: dpa)
Handy-Strahlung verursacht Schlafstörungen
Mi.23.01.08 - Über den Einfluss der Strahlung von Mobiltelefonen auf den
menschlichen Körper wird immer noch diskutiert. Viele Studien haben
bereits attestiert, dass die Strahlung nicht die Krebsgefahr
erhöht. Nun liegt eine Untersuchung vor, die der Strahlung einen
negativen Effekte auf den menschlichen Körper zuschreibt.
Gemeinsam haben das schwedische Karolinska Institut, die Uppsala
Universität und die US-amerikanischen Wayne State University in
Michigan festgestellt, dass die Verwendung von Mobiltelefonen vor dem
Schlafengehen die Qualität des Schlafs reduziert und Kopfschmerzen,
Konzentrationsstörungen sowie Depressionen nach sich ziehen kann.
Bezahlt wurde die Untersuchung vom Mobile Manufacturers Forum, dem
Repräsentant der namhaftesten Mobiltelefonhersteller. Die
Wissenschaftler untersuchten 35 Männer und 36 Frauen im Alter von
18 bis 45 Jahren. Einige wurden einer Strahlung ausgesetzt, die exakt
jener von Mobiltelefonen entspricht, andere wurden unter denselben
Rahmenbedingungen keiner Strahlung ausgesetzt. Jene, die der Strahlung
von 884 MHz ausgesetzt waren, brauchten länger, um in die erste
Tiefschlafphase zu gelangen und blieben kürzer in der tiefsten
Phase. Die Forscher vermuten, dass die Strahlung das Stresssystem des
Gehirns aktiviert und dadurch Menschen vorübergehend aufmerksamer
werden lässt, was zu Schlafproblemen führt.
(Quelle: gb)