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Irak am 1402ten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mindestens 37 Tote bei Eskalation der Gewalt in Mossul
Fr.25.01.08 - Bei einer schweren Explosion und einem Selbstmordanschlag in der
nordirakischen Stadt Mossul sind am Donnerstag mindestens 37 Menschen
ums Leben gekommen, darunter der Polizeichef der Provinz Niniveh. Die
drittgrößte irakische Stadt wird nach Einschätzung der
US-Streitkräfte zunehmend zu einer Hochburg der
Aufständischen.
Die Eskalation der Gewalt begann am Mittwoch, als irakische Soldaten
einem Hinweis auf ein Waffenversteck in einem leerstehenden
Gebäude nachgingen. Kurz darauf kam es zu einer gewaltigen
Explosion, die zahlreiche Häuser der Nachbarschaft zerstörte.
Mindestens 34 Menschen kamen dabei nach Polizeiangaben ums Leben, 224
wurden verletzt. Der Gouverneur der Provinz Niniveh, Duraid Kashmola,
machte die Al Kaida im Irak für die Explosion verantwortlich. Ziel
sei es gewesen, die Bewohner von Mossul zu terrorisieren. Der
Gouverneur verhängte ein Ausgehverbot über die Innenstadt von
Mossul.
Am Donnerstag besichtigte der Polizeichef der Provinz, Brigadegeneral
Saleh Mohammed Hassan, den Ort der Explosion. Dabei kam es zu einer
Schießerei mit mehreren bewaffneten Männern. Als Hassan in
einem Auto fliehen wollte, stellte sich ihm ein Mann entgegen, der nach
Angaben eines US-Offiziers eine Polizeiuniform und darunter einen
Sprengstoffgürtel trug. Er zündete seine Bombe und riss neben
dem Polizeichef zwei weitere Polizisten mit in den Tod.
Die US-Streitkräfte haben erklärt, dass Mossul die letzte
große Stadt ist, in der das Terrornetzwerk Al Kaida im Irak noch
aktiv ist. Etwa 85 Prozent der zwei Millionen Einwohner sind Kurden,
daneben gibt es aber eine größere Minderheit von Sunniten.
Während die Zahl der Anschläge in Bagdad und Umgebung
zurückgegangen ist, dauert die Gewalt im Norden Iraks weiter an.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 25.01.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am neunhundertundvierzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Do.25.01.07 - US-Präsident warnt bei Niederlage im Irak vor Flächenbrand in
Nahost +++ US-Senatsausschuss erteilt Bushs Irak-Strategie eine Abfuhr +++
Fünf Tote bei Absturz von US-Hubschrauber in Bagdad +++ Minister
für höhere Bildung entgeht Attentatsversuch...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0701250.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
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Einsatz deutscher Kampftruppen in Afghanistan kommt. Kanada
übergibt an afghanische Behörden keine Häftlinge mehr.
US-geführte Soldaten töten angeblich neun Polizisten
Fr.25.01.08 - Die Berliner Regierung hält die Entsendung deutscher Kampftruppen
nach Afghanistan für sicher: "Ich gehe davon aus, dass wir das tun
werden", sagte der parlamentarische Staatssekretär im
Verteidigungsministerium, Thomas Kossendey, am Donnerstag in der ARD.
Voraussetzung sei eine entsprechende Anfrage der Nato, die jedoch als
sicher gilt. "Wenn wir gefordert würden, werden wir diese Aufgabe
übernehmen", sagte Kossendey. Die Bundesregierung hat die
Entsendung der Kampftruppen bisher nicht bestätigt und eine
Entscheidung bis Ende Januar angekündigt.
Die bisher von Norwegen gestellte schnelle Eingreiftruppe
unterstützt die im Norden Afghanistans eingesetzten Nato-Truppen,
die die Bundeswehr führt. Deutschland soll die Eingreiftruppe im
Sommer übernehmen, die bei Unruhen, Zugriffen und zum Schutz von
Konvois eingesetzt werden. Die Regierung betont im Gegensatz zur Kritik
der Opposition, der Einsatz unterscheide sich nicht grundsätzlich
von der bisherigen Aufgabe der deutschen Soldaten. Der Einsatz wird nach
Angaben des Ministeriums innerhalb des vom Bundestag bereits
beschlossenen Afghanistan-Mandats stattfinden.
Bis zur Aufklärung von Foltervorwürfen übergeben die
kanadischen Einheiten der internationalen Afghanistan-Truppe keine
Häftlinge mehr an die dortigen Behörden. Am 5. November 2007
sei die kanadische Regierung "glaubwürdig" über die
Misshandlung eines Gefangenen informiert worden, der von den kanadischen
Einheiten an die afghanischen Sicherheitskräfte übergeben
worden war, heißt es in einem Schreiben des Justizministeriums in
Ottawa an Menschenrechtsgruppen. "Als Konsequenz daraus wurden seither
keine Gefangenen an die afghanischen Behörden ausgeliefert."
Die kanadische Sektion von Amnesty International (ai) und die
Menschenrechtsgruppe British Columbia Civil Liberties Association
(BCCLA) erklärten, sie seien von der Regierung kurz vor einer
gerichtlichen Untersuchung wegen derartiger Vorfälle informiert
worden.
"Bislang hielt die Regierung die Entscheidung geheim", heißt es
in einer Erklärung der beiden Organisationen. Derzeit stehen 2500
kanadische Soldaten in Afghanistan im Einsatz gegen die
radikalislamischen Taliban. Kanadische Medien hatten in den vergangenen
Monaten wiederholt über Vorwürfe berichtet, Gefangene
würden in afghanischen Gefängnissen gefoltert.
Bei einem US-geführten Militäreinsatz haben Soldaten in
Afghanistan nach Angaben der Behörden neun Polizisten und eine
Frau getötet. Die Polizisten seien zu einem Einsatzort der
multinationalen Truppen in der zentralen Provinz Ghasni gefahren. Dort
hätten die Soldaten das Feuer auf sie eröffnet, sagte ein
Sprecher des Provinzgouverneurs. Neun Polizisten, unter ihnen ein Chef
der Distrikt-Polizei, und eine Zivilistin seien dabei ums Leben
gekommen. Die US-geführten Streitkräfte gingen den
Anschuldigungen nach eigenen Angaben nach.
Sie teilten zunächst lediglich mit, bei dem Einsatz, der einem
Anführer der radikalislamischen Taliban gegolten habe, seien
"mehrere Aufständische" getötet worden. Der Sprecher des
afghanischen Innenministeriums, Semarai Baschary, sprach von acht
getöteten Polizisten. Das Ministerium habe eine Delegation zum
Tatort entsandt, um die Umstände des Vorfalls aufzuklären,
der wahrscheinlich Folge eines "Missverständnisses" gewesen sei.
Als er bekannt wurde, zogen rund hundert Demonstranten durch die Stadt
Ghasni und riefen "Tod für Amerika". Bei Kampfeinsätzen der
internationalen Truppen gegen Aufständische in Afghanistan werden
häufig Zivilisten oder eigene Soldaten versehentlich getötet.
boa (Quelle: rtr, afp)
Nahost-Konflikt: Israel erwägt völlige Abtrennung des
Gazastreifens. UN-Menschenrechtsrat verurteilt Israels Blockadepolitik.
Ansturm aus Gazastreifen nach Ägypten hielt auch am Donnerstag an
Fr.25.01.08 - Nach der Sprengung der Grenzbefestigung zwischen Ägypten und dem
Gazastreifen erwägt Israel, seine Verbindungen zu dem
Palästinenser-Gebiet komplett zu kappen.
"Wenn der Gazastreifen nach der anderen Seite offen ist, haben wir
nicht mehr die Verantwortung dafür", sagte der stellvertretende
Verteidigungsminister Matan Wilnai am Donnerstag. "Daher wollen wir uns
davon abtrennen". Ägypten nahm zu der Aussage nicht Stellung. Die
radikal-islamische Hamas, die den Gazastreifen kontrolliert,
verurteilte den Plan. Unterdessen strömten wieder Zehntausende
Palästinenser nach Ägypten, um alles von Lebensmittel bis
Viagra zu kaufen.
Die Abtrennung von Israel bedeutet nach Wilnais Worten, dass die
Versorgung des Gebietes mit Strom, Wasser und Medikamenten aus Israel
eingestellt werden soll. All dies könnte von anderen geliefert
werden. "Wir sind nur dafür verantwortlich, solange wie es keine
Alternative gibt", sagte er. Die Blockade begründet Israel mit den
anhaltenden Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen.
Ein Sprecher der Hamas verurteilte die Überlegungen als Versuch,
das Westjordanland vom Gazastreifen zu trennen. Dort hatte die Gruppe
im Sommer die Macht an sich gerissen. Israel könne sich nicht aus
der Verantwortung stehlen, "da der Gazastreifen noch besetztes Gebiet
ist".
Die letzten israelischen Truppen und Siedler verließen 2005 den
Küstenstreifen. Israel kontrolliert noch die nördliche und
östliche Grenze Gazas sowie den Flugverkehr und die
Küstengewässer. Ägyptische Streitkräfte sind an der
Südgrenze des Gazastreifens stationiert. Dort hatten
Hamas-Kämpfer am Mittwoch den massiven Grenzzaun gesprengt.
Zehntausende Palästinenser strömten daraufhin nach
Ägypten.
Am zweiten Tag in Folge haben am Donnerstag erneut hunderttausende
Palästinenser aus dem Gazastreifen die Grenze nach Ägypten
überquert. Schon in der Nacht seien tausende Menschen in die
ägyptischen Städte Rafah und El Aritsch gependelt, um dort
Lebensmittel und andere Güter zu kaufen, berichteten Augenzeugen.
Der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak forderte Kairo auf,
die Situation unter Kontrolle zu bringen.
In Rafah seien viele Geschäfte bereits leergekauft, berichteten
Augenzeugen. In El Aritsch stockten die Händler ihre Vorräte
auf. Die Palästinenser hätten vor allem Interesse an
Zigaretten, Zement und Elektrogeräten. Auch führten
Palästinensische Händler Waren im Gazastreifen ein, um sie
mit Aufschlägen zu verkaufen.
Nach Angaben des UN-Hilfswerks für palästinensische
Flüchtlinge (UNRWA) pendelten seit Mittwoch mindestens 700.000
Palästinenser nach Ägypten. Am Mittwoch waren es demnach
400.000, am Donnerstag rund 300.000. Das UNRWA forderte die Golfstaaten
auf, 9,8 Millionen Dollar (6,7 Millionen Euro) für
Hilfslieferungen an die Bevölkerung im Gazastreifen bereit zu
stellen. 57 Prozent der Bevölkerung müssten als arm gelten,
34 Prozent litten unter Lebensmittelknappheit, sagte ein UN-Vertreter.
Angesichts der Krise sagte Verteidigungsminiser Barak im israelischen
Armeerundfunk, Kairo sei dafür verantwortlich, was sich an der
Grenze abspiele. Ägypten müsse daher auch das Problem regeln.
Ein Sprecher des israelischen Außenministeriums sagte, Israel sei
nicht so sehr besorgt über diejenigen, die den Gazastreifen
verließen, sondern mehr wegen derjenigen, die zurückkehrten.
Über die Grenze zu Ägypten werden häufig Waffen
geschmuggelt.
Ägyptens Präsident Husni Mubarak beschuldigte indirekt die
den Gazastreifen kontrollierende Hamas-Organisation, Ägypten in
den innerpalästinensischen Konflikt zwischen den
radikalislamischen Kräften und der das Westjordanland
beherrschenden Fatah von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas
hineinziehen zu wollen. Er wies seine Sicherheitskräfte zur
Zurückhaltung an der Grenze an.
Der Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen (UN) verurteilte
unterdessen die israelische Blockade und verlangte, sie sofort
aufzuheben. Die von den muslimischen Staaten vorgelegte Resolution
wurde mit 30 zu 1 Stimme angenommen, 15 Länder - darunter
Deutschland - enthielten sich, eins nahm nicht teil. Nur Kanada stimmte
gegen die Vorlage. Die USA und Israel, die Beobachterstatus in dem
Gremium haben, boykottieren die Debatte.
boa (Quellen: rtr, afp)
Kontrahenten in Kenia haben erstmals direkte Gespräche geführt
Fr.25.01.08 - Vier Wochen nach der umstrittenen Präsidentenwahl in Kenia haben
die beiden Kontrahenten erstmals miteinander gesprochen. Das
Zusammentreffen unter der Vermittlung des ehemaligen
UN-Generalsekretär Kofi Annans in den Amtsräumen des
Präsidenten stellte nach den andauernden gegenseitigen
Vorwürfen der vergangenen Wochen einen Durchbruch dar, auch wenn
zunächst keiner der Kontrahenten auf seine Forderungen
verzichtete. Gewaltsame Unruhen haben seit Dezember mindestens 685
Menschen das Leben gekostet und 255.000 aus ihren Häusern
vertrieben.
Nach dem Treffen gaben sich Kibaki und Odinga demonstrativ die Hand und
versprachen, den Konflikt beilegen zu wollen. Kibaki ließ keinen
Zweifel daran, dass er seinen Wahlsieg als unumstößlich
betrachtete: «Ich werde das Land persönlich führen, um
Einheit, Toleranz, Frieden und Harmonie unter den Kenianern
herbeizuführen». Odinga erklärte vor Journalisten, die
ersten Schritte seien nun gemacht. «Ich verspreche alle
Kenianern, dass mein Team und ich keine Mühe scheuen werden, um
die Krise beizulegen», sagte Odinga. Internationale Beobachter
halten eine Teilung der Macht zwischen beiden Politikern für eine
mögliche Lösung.
Annan war am Mittwoch, dem ersten Tag seiner
Vermittlungsbemühungen, einzeln mit Kibaki und Odinga
zusammengetroffen. Dabei konnte er den Oppositionsführer dazu
bewegen, die für Donnerstag geplanten Demonstrationen abzusagen.
Bei bisherigen Protestmärschen waren zahlreiche Teilnehmer von der
Polizei erschossen worden. «Dies ist ein Krieg zwischen dem
kenianischen Volk und einer sehr kleinen, blutdürstigen Clique,
die sich an die Macht klammert», sagte Odinga am Mittwoch vor
rund 800 Anhängern in Nairobi.
Um Vermittlung bemühte sich auch der ugandische Präsident
Yoweri Museveni. Sein Sprecher Tamale Mirundi teilte am Donnerstag mit,
beide Konfliktparteien hätten der Bildung einer Kommission zur
Untersuchung von Wahlbetrug zugestimmt. Offen sei aber noch die
Zusammensetzung der Kommission.
Das Kenianische Rote Kreuz und die Menschenrechtsorganisation Human
Rights Watch äußerten sich am Donnerstag besorgt über
die anhaltenden ethnischen Spannungen in der Region am Großen
Grabenbruch und anderen Teilen des Landes. Offenbar gebe es
Kräfte, die den Streit über den Ausgang der
Präsidentenwahl vom 27. Dezember als Vorwand benutzten, um gezielt
Angehörige rivalisierender Stämme anzugreifen, sagte die
Afrika-Direktorin von Human Rights Watch, Georgette Gagnon.
(Quelle: ap)
Dichter wegen versteckter Regimekritik in Birma verhaftet
Fr.25.01.08 - In Birma ist ein Schriftsteller verhaftet worden, der in den Zeilen
eines Liebesgedichts eine Protesterklärung gegen das
Militärregime versteckt hat. Der erste Buchstabe jeder Zeile ergibt
den Satz: «General Than Shwe ist verrückt nach Macht»
- Than Shwe steht seit 1992 an der Spitze der Junta, die im September
vergangenen Jahres Demonstrationen der Demokratiebewegung gewaltsam
aufgelöst hat. Dabei wurden mehr als 30 Menschen getötet,
unter ihnen zahlreiche buddhistische Mönche.
Einen Tag nach der Veröffentlichung seines Gedichts «14.
Februar» in dem Unterhaltungsmagazin «A Chit» wurde
der Verfasser Saw Wai am Dienstag festgenommen, wie dessen Freunde und
Schriftstellerkollegen am Donnerstag mitteilten. Offenbar fanden die
Leser des Gedichts, in dem es um die Liebe zu einem Model geht, recht
schnell die versteckte Botschaft. Die Zeitschrift wurde daraufhin von
den Behörden beschlagnahmt, wie Zeitungsverkäufer in Rangun
mitteilten.
(Quelle: ap)
Kosovos Ministerpräsident Thaci: Erklärung der
Unabhängigkeit von Serbien in nächsten Tagen
Fr.25.01.08 - Der Kosovo wird den Worten von Ministerpräsident Hashim Thaci
zufolge seine Unabhängigkeit von Serbien in den kommenden Tagen
erklären: "Es gibt einige Prozeduren und Beratungen, die wir
respektieren müssen, aber es handelt sich um Tage", sagte Thaci am
Donnerstag nach Gesprächen mit EU-Chefdiplomat Javier Solana in
Brüssel. Solana erklärte, er habe mit dem Regierungschef
nicht über einen möglichen Termin für den Schritt
gesprochen. In EU-Kreisen hieß es, es gebe noch keine
Übereinstimmung bei dem Termin.
Die einseitige Loslösung der Provinz von Serbien wird von den USA
und vielen europäischen Staaten unterstützt. Serbien und
Russland haben dagegen davor gewarnt. Am Sonntag in einer Woche findet
in Serbien die Stichwahl um die Präsidentschaft statt. Bislang
wurde erwartet, dass die Kosovo-Albaner ihre Entscheidung zumindest bis
dahin aufschieben, um den serbischen Nationalisten keine
zusätzliche Munition im Wahlkampf zu liefern.
Die Provinz wird seit 1999 von den Vereinten Nationen verwaltet und von
der Nato abgesichert. Deutschland hat dabei rund 2500 Soldaten im
Einsatz.
(Quelle: rtr)
Italiens Ministerpräsident Prodi zurückgetreten - Nach
verlorener Vertrauensabstimmung im Senat
Fr.25.01.08 - Nach 20-monatiger Amtszeit ist das Mitte-links-Bündnis des
italienischen Ministerpräsidenten Romano Prodi gescheitert. Prodi
verlor am Donnerstagabend eine von ihm selbst initiierte
Vertrauensabstimmung im Senat und reichte daraufhin seinen
Rücktritt ein. Staatspräsident Giorgio Napolitano bat Prodi,
vorerst geschäftsführend im Amt zu bleiben. Er wollte noch im
Laufe des (heutigen) Freitags Konsultationen mit führenden
Politikern über die Beilegung der Regierungskrise beginnen.
Im Abgeordnetenhaus hatte Prodi am Mittwoch die Vertrauensabstimmung
noch klar mit 326 gegen 275 Stimmen gewonnen. Im Senat konnte der
68-Jährige jedoch nur die Unterstützung von 156 Senatoren
gewinnen, während 161 gegen ihn stimmten. Auslöser der
jüngsten Regierungskrise war der Austritt der christdemokratischen
Partei UDEUR aus der Regierung am vergangenen Montag. Damit war Prodis
ohnehin schon hauchdünne Mehrheit von nur einer Stimme im Senat
zusammengebrochen.
Napolitano kann nun entweder vorzeitige Neuwahlen anberaumen oder einen
Politiker seiner Wahl mit der Bildung einer neuen Regierung
beauftragen. Die Opposition fordert eine Neuwahl des Parlaments.
Medienmagnat Silvio Berlusconi hofft, auf diese Weise wieder an die
Macht zu kommen, die er 2006 an Prodi verlor. Die größte
Partei in Prodis Koalition, die Demokratische Partei unter Führung
des römischen Bürgermeisters Walter Veltroni, erklärte
indessen, Neuwahlen seien nicht nötig. Diese würden das Land
nur «in die Situation einer dramatischen Krise»
stürzen, sagte Veltroni.
(Quelle: ap)
Internationale Arbeitsorganisation - Finanzkrise könnte weltweit
fünf Millionen neue Jobs kosten
Fr.25.01.08 - Die Finanzkrise und der hohe Ölpreis könnten in diesem Jahr
nach Einschätzung der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO)
weltweit fünf Millionen Arbeitsplätze kosten. Im vergangenen
Jahr seien überall auf der Welt 45 Millionen neue
Arbeitsplätze geschaffen worden, in diesem Jahr würden es nur
40 Millionen sein, erklärte die ILO-Expertin Dorothea Schmidt in
Genf. Damit würden fünf Millionen Menschen weniger in Arbeit
kommen.
Insgesamt waren nach Angaben der ILO im vergangenen Jahr knapp 190
Millionen Menschen weltweit arbeitslos, eine Quote von sechs Prozent.
Das verlangsamte Wachstum werde dafür sorgen, dass diese Quote auf
6,1 Prozent ansteigen werde.
Die ILO erstellte ihre Prognose vor den Börsenturbulenzen dieser
Woche. Deshalb müssten die Voraussagen "ohne Zweifel noch revidiert
werden", erklärte ILO-Experte José Salazar-Xirinachs. Die
Arbeitslosigkeit könnte in diesem Jahr einen historischen Rekord
erreichen, warnte ILO-Generaldirektor Juan Somavia.
Die Entwicklung betreffe vor allem die Industrieländer. In den
Schwellenländern Asiens dagegen rechnet die ILO mit einem weiter
starken Wachstum und einem entsprechend Aufbau von Arbeitsplätzen.
In Südasien seien im vergangenen Jahr am meisten neue Stellen
geschaffen worden, in der Region allein seien 28 Prozent der 45
Millionen neuen Arbeitsplätze entstanden. Allerdings handele es
sich in der Mehrzahl um Jobs ohne Schutz am Arbeitsplatz und ohne
soziale Absicherung.
(Quelle: afp)
Milliarden-Betrug bei französischer Großbank
Société Générale
Fr.25.01.08 - Ein namenloser «kleiner Aktienhändler» hat mit
betrügerischen Scheingeschäften in Milliardenhöhe die
französische Großbank Société
Générale (SG) in eine Krise gestürzt.
Der Verlust übersteigt mit 4,9 Milliarden Euro den
spektakulärsten Fall an Börsenbetrügereien durch den
britischen Händler Nick Leeson aus dem Jahre 1995 um das
Vierfache. Die Société Générale sah sich
gezwungen, ihre Aktionäre um 5,5 Milliarden Euro frisches Kapital
zu bitten. «Die Bank bleibt aber in der Gewinnzone und wird eine
Dividende ausschütten», sagte Konzernchef Daniel Bouton am
Donnerstag in Paris.
Die Milliardenverluste treffen die SG zusätzlich zu einem Schaden
von 2,05 Milliarden Euro wegen der Krise auf dem US-Hypothekenmarkt.
Unter dem Strich bleibt dennoch ein Gewinn von 600 bis 800 Millionen
Euro. 2006 hatte die SG noch 5,22 Milliarden Euro verdient. Bouton wies
Spekulationen zurück, die Bank könne jetzt ihre
Unabhängigkeit verlieren. Die SG müsse nicht auf einen
Scheich als Retter hoffen: «Wir machen eine ganz klassische
Kapitalerhöhung, bei der alle Aktionäre ein Zeichnungsrecht
haben.» Die Erhöhung wird von JP Morgan und Morgan Stanley
garantiert.
«Völlig unverständlich» ist Bouton zufolge, was
den etwa 30jährigen Händler zum Betrug trieb. Der Mann sollte
die Risiken von Spekulationsgeschäften auf europäische
Aktienindizes wie den DAX mit Termingeschäften abfedern.
Allerdings löste er in Verlustphasen 2007 Verträge nicht auf,
sondern glich sie mit fiktiven Buchungen aus. «Er löste
Risikopositionen mit Scheingeschäften auf. Für die
Prüfer sah das vernünftig aus», sagte Bouton.
«Wenn er nach den Positionen gefragt wurde, sprach er nur
über Zeiträume, in denen er Geld verdienen konnte.»
Dadurch schwoll der Bestand von Verträgen mit großen
Kursrisiken gewaltig an. Als früherer Kontrolleur konnte der
Händler die Kontrollabteilung bis Ende Dezember narren.
Das Ausmaß des Schadens wurde angeblich erst jetzt klar.
«Wir hatten null Verdacht vor Freitagabend», versicherte
Bouton. Am Samstag trommelte Bouton 50 Manager zum Krisenrat zusammen.
Am Sonntag beschloss die Bankführung, alle kritischen
Verträge sofort zu lösen. «Es war unsere Pflicht, die
Risikopositionen so schnell wie möglich glattzustellen»,
sagte Bouton. «Es war unsere Pflicht, die Bank zu
schützen.» Die Verkäufe dauerten drei Tage und gerieten
mitten in die Aktienmarktkrise. «Das war Pech», sagte
Bouton. Die Milliardenverluste werden noch 2007 verbucht.
Der Täter und «vier oder fünf» Vorgesetzte und
Manager wurden entlassen. Bouton selbst darf bleiben: Der
Verwaltungsrat habe sein Rücktrittsangebot abgelehnt. Bouton
bezeichnet den Händler als Einzeltäter. «Wir sind
sicher, dass keine anderen betrügerischen Positionen aufgebaut
wurden.» Das Problem sei bereinigt. Etwa 100 Aktionäre
kündigten aber in Paris eine Klage wegen «Betrugs, Untreue,
Dokumentenfälschung und Hehlerei» an. Die Pariser
Aufsichtsbehörden nahmen Ermittlungen auf. Die französische
Zentralbank kündigte eine Untersuchung der Vorgänge an.
Angesichts der garantierten Kapitalerhöhung sieht die Banque de
France aber keinen Grund zur Sorge: Die Kapitaldecke der
Société Générale bleibe groß genug.
Nach der Ankündigung von Société
Générale versuchte der Wettbewerber BNP Paribas, den
Markt zu beruhigen. Man sehe im eigenen Geschäft keine
außerordentlichen Verluste oder Belastungen, die eine Warnung des
Marktes rechtfertigten, teilte BNP Paribas mit. Wegen der Turbulenzen
will das Institut bereits in der kommenden Woche vorläufige Zahlen
bekanntgeben. Die Aktie legte daraufhin am Morgen um rund sechs Prozent
zu.
(Quelle: dpa)
BayernLB muss wegen Kreditkrise mehr abschreiben als bislang bekannt
Fr.25.01.08 - Auch die Bayerische Landesbank wird von der internationalen Kreditkrise
härter getroffen als bislang bekannt. Die BayernLB werde über
die bislang bekannten 100 Millionen Euro hinaus weitere Papiere
abschreiben müssen, sagte Bayerns Finanzminister Erwin Huber (CSU)
am Mittwochabend in München.
Mit Blick auf Berichte über drohende Verluste von bis zu 2
Milliarden Euro verwies Huber lediglich auf die laufende
Bilanzaufstellung. Das im Besitz des Freistaats und der bayerischen
Sparkassen befindliche Institut wird nach Hubers Angaben nicht in die
roten Zahlen rutschen. Die Staatsregierung will die Bank weiter als
unabhängiges Geldinstitut halten.
«Nach unserer Einschätzung wird sich bei der
Bilanzaufstellung wohl ein weiterer Korrekturbedarf ergeben»,
sagte Huber. Zahlen nannte er nicht. «Nach Lage der Dinge
können wir heute sagen, es wird ein positives Jahresergebnis
geben.» Weder die Liquidität noch die
Dividendenausschüttung seien gefährdet. «Wir werden mit
Sicherheit nicht in eine Situation wie die WestLB kommen»,
erläuterte Huber. Die Düsseldorfer Bank muss wegen hoher
Verluste von ihren Eigentümern mit 2 Milliarden Euro gestützt
werden.
Die Kreditkrise hat nach Hubers Angaben keine Auswirkungen auf die
Frage, ob die BayernLB angesichts der Fusionswelle der deutschen
Landesbanken weiter allein stehen oder sich mit einem Partner
zusammenschließen soll. «Die Frage, welches
Geschäftsmodell die Landesbank verfolgt, ist davon
unabhängig», sagte der Minister. «Die Entwicklung der
letzten Wochen hat uns eher in der Einschätzung bestätigt,
dass es einer Klärung vieler Fragen bedarf.» Der Vorstand der
BayernLB werde im März sein Geschäftsmodell vorlegen.
(Quelle: dpa)
GfK: Börsenkrise könnte privaten Konsum drücken
Fr.25.01.08 - Die Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK)
fürchtet als Folge der aktuellen Börsenkrise einen
Dämpfer für den privaten Konsums in Deutschland: "Es ist
überhaupt nicht auszuschließen, dass sich das Konsumklima in
den nächsten Monaten von dieser Entwicklung beeinflussen
lässt", sagte der GfK-Experte Rolf Bürkl der "Thüringer
Allgemeinen" vom Donnerstag. Die Verbraucher hätten "eine
Vertrauenskrise gegenüber den Finanzmärkten." "Wenn die
Unsicherheit an den Börsen anhält, könnte die Sparquote
auch 2008 wieder leicht ansteigen", warnte er. Am heutigen Freitag
stehen die neue Daten der GfK zur Konsumklima in Deutschland zur
Veröffentlichung an.
In ihrer neuen Wirtschaftsprognose, in der sie ihre
Wachstumserwartungen für 2008 auf 1,7 Prozent von zwei Prozent
herunterschraubte, setzt die Bundesregierung in besonderer Weise auf
einer Erholung des privaten Konsums. Der sollte nach ihren
Schätzungen preisbereinigt nach einem leichten Minus 2007 in diesem
Jahr um 1,1 Prozent anziehen. Damit werde der private Konsum zu einem
Wachstumstreiber der deutschen Wirtschaft..
Am Arbeitsmarkt sieht das Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) als
Folge des Kurssturzes an den Börsen aktuell keine Bremsspuren. Der
IZA-Arbeitsmarktexperte Werner Eichhorst sagte der "Neuen
Osnabrücker Zeitung", eine Absenkung der Arbeitslosenzahl auf 3,3
Millionen zum Jahresende sei durchaus noch erreichbar. "Es kommt nach
wie vor zu einem Beschäftigungsaufbau. Auch bei den Einkommen sind
Verbesserungen zu erwarten. Das stabilisiert das Vertrauen",
erklärte er. Im Dezember des vergangenen Jahres lag die
Arbeitslosenzahl bei knapp über 3,4 Millionen. Das war der
niedrigste Stand in einem Dezember seit 15 Jahren. Im Jahresdurchschnitt
lag die Zahl der Erwerbslosen bei knapp 3,8 Millionen.
(Quelle: rtr)
Opposition kritisiert Wirtschaftspolitik - Bundestag berät
über Jahreswirtschaftsbericht - Wirtschaftsminister Glos sieht
Deutschland auf gutem Kurs
Fr.25.01.08 - Die Oppositionsparteien haben die Wirtschaftspolitik der großen
Koalition im Bundestag heftig kritisiert. Die FDP warf der
Bundesregierung am Donnerstag vor, sich zu lange in der guten
Konjunktur gesonnt zu haben. Grünen- und Links-Fraktion beklagten,
der wirtschaftliche Aufschwung sei bislang bei vielen Menschen nicht
angekommen. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) kündigte
derweil an, die Bundesregierung wolle Kurs halten.
Glos sagte bei der Debatte zum Jahreswirtschaftsbericht 2008:
«Deutschland ist insgesamt auf einem guten Kurs.» In dem
Bericht wird die Wachstumsprognose auf 1,7 Prozent gesenkt. Dennoch
geht Glos weiterhin von sinkenden Arbeitslosenzahlen um 330 000 im
Jahresschnitt aus.
Für die Wirtschaftspolitik der Bundesregierung gab Glos die Devise
aus: «Weiter Vorfahrt für Wachstum.» Zum einen gehe es
darum, Kurs zu halten und das Vertrauen der Wirtschaft zu stärken.
Zugleich appellierte der CSU-Politiker an die Tarifparteien, die
«verantwortungsvolle Lohnpolitik» der vergangenen Jahre
fortzusetzen. Auch rief der Minister zu weiteren steuerlichen
Entlastungen auf. «Wo immer Spielraum bleibt, müssen wir den
Spielraum für weitere Entlastungen nutzen.»
Die Auswirkungen der US-Hypothekenkrise auf die deutschen Banken sind
nach Darstellung des Ministers gering. Die bisherigen
Sicherungsinstrumente hätten ausgereicht, die Kreditinstitute zu
stützen, sagte er. Zugleich räumte Glos ein, die Regierung
sehe «mit Sorge», was an den Börsen der Welt geschehe.
«Es gibt aber weder einen Grund zur Panikmache, noch Grund zur
Ignoranz.»
FDP-Wirtschaftsexperte Rainer Brüderle kritisierte mit Blick auf
die Finanzkrise, die große Koalition habe keine Vorsorge
getroffen, um die Volkswirtschaft zu stärken. Stattdessen habe
sich Schwarz-Rot lieber darauf verlassen, «dass andere
Länder unsere Konjunktur in Schwung bringen». Notwendig
wäre eine Senkung von Einkommens- und Lohnsteuer, damit die
Menschen «mehr netto zur Verfügung haben».
Grünen-Fraktionschef Fritz Kuhn sprach im Zusammenhang mit dem
Jahreswirtschaftsbericht von einer «Märchenstunde». In
der Wirtschaftspolitik gebe es keinen gemeinsamen Kurs von Schwarz-Rot,
sondern nur ein «unsystematisches Hin und Her». Damit der
Binnenmarkt gestärkt werde, müssten etwa die Lohnnebenkosten
im unteren Bereich gesenkt werden. Ferner forderte er branchen- und
regionalspezifische Mindestlöhne.
Links-Fraktionschef Oskar Lafontaine warf Glos eine «Verarschung
der Bevölkerung» vor, wenn er von einem Aufschwung für
alle spreche. Die große Mehrheit der Bevölkerung sei vom
wirtschaftlichen Wachstum ausgeschlossen. Wenn man alles tue, dass
Löhne und Renten sinken, bringe man keine Binnennachfrage auf die
Beine.
SPD-Fraktionsvize Ludwig Stiegler hob hervor, Hauptaufgabe der
Bundesregierung sei, nun zu verhindern, dass die
«Spekulationskrise auf die Realwirtschaft» durchschlage.
Die Sozialdemokraten hielten daher den Kurs für gute Arbeit und
soziale Sicherheit. Ein wichtiger nächster Schritt sei die
Aufnahme der Leiharbeit in das Arbeitnehmer-Entsendegesetz. Über
das Regelwerk können tarifliche Mindestlöhne für die
Branche allgemeinverbindlich erklärt werden.
(Quelle: ddp)
Unerwartet gute Ifo-Daten vertreiben Rezessionssorgen
Fr.25.01.08 - Trotz eingetrübter Konjunkturaussichten hat sich die Stimmung der
Unternehmen zu Jahresbeginn überraschend gebessert.
Mit dem unerwarteten Anstieg des Ifo-Geschäftsklimaindex
dürften die Ängste weiter schwinden, dass Deutschland in eine
Rezession rutscht. "Insgesamt präsentiert sich die gewerbliche
Wirtschaft in einer robusten Verfassung", sagte Ifo-Präsident
Hans-Werner Sinn am Donnerstag zur Umfrage unter 7000 Unternehmen. Der
Ifo-Index stieg im Januar um 0,4 auf 103,4 Punkte. Damit bremste das
wichtigste deutsche Konjunkturbarometer seine jüngste Talfahrt.
Auf die jüngsten Börsenturbulenzen reagierten die Firmen
zunächst gelassen.
Der Optimismus deutscher Firmenchefs überrascht vor allem vor dem
Hintergrund zunehmender Konjunkturrisiken und steigender Sorgen, dass
die USA in eine Wirtschaftsflaute gerät. Keiner der 53 von Reuters
befragten Experten hatte mit so positiven Ifo-Daten gerechnet, im
Schnitt hatten sie sogar einen deutlichen Rückgang erwartet.
Die Firmen beurteilten ihre Lage zwar schlechter als zuletzt, blickten
aber erstmals seit Mai wieder etwas optimistischer in die Zukunft. Der
Lageindex fiel auf 107,9 von 108,1 Punkten, während die
Erwartungskomponente um 0,8 auf 99,0 Zähler stieg. Die Stimmung
der Firmen zeigte im Branchenquerschnitt eher nach oben. Das
Verarbeitende Gewerbe blickt zuversichtlich nach vorne und setzt trotz
des starken Euro auf ein fast ungebrochen gutes Exportgeschäft.
Allerdings planen nach Ifo-Angaben nicht mehr so viele Unternehmen neue
Arbeitsplätze zu schaffen wie zuletzt. Im Bau hellte sich die
Stimmung etwas auf, während sie sich wegen der eingetrübten
Lage im Einzelhandel wieder verschlechterte.
Der Börsencrash weltweit spiegelt sich im aktuellen
Geschäftsklima bisher kaum wider, da die Umfrage zu Wochenbeginn
bereits zu drei Viertel abgeschlossen war. Die seither befragten Firmen
hätten gelassen reagiert, sagte Ifo-Konjunkturexperte Hans
Günter Russ zu Reuters. "Es ist keine große Verunsicherung
zu spüren, auch weil die Auftragsbücher weiter prall
gefüllt sind." Bundeswirtschaftsminister Michael Glos
bekräftigte, dass es keinen Grund zur Panik gebe.
Der private Konsum, der 2008 den Export als Schwungrad des Aufschwungs
ablösen soll, dürfte nach Expertenmeinung kaum darunter
leiden. Der Chef der Nürnberger GfK-Marktforscher, Klaus
Wübbenhorst, sieht keine unmittelbaren Auswirkungen von den
Turbulenzen. "Der Deutsche hat weniger Angst vor fallenden
Aktienkursen, sondern mehr um seinen eigenen Arbeitsplatz". Auch der
Einzelhandel befürchtet keinen Dämpfer für den Konsum.
Bundesbank-Präsident Axel Weber bezeichnete das
Ifo-Geschäftsklima im Reuters-Interview als starkes Signal.
Allerdings gebe es in der Euro-Zone auch Indikatoren, die nach unten
deuteten. "Die Ifo-Daten spiegeln noch immer Wachstum wider und geben
keine Nahrung für Rezessionsbefürchtungen", sagte auch Stefan
Schilbe von HSBC Trinkaus. Sein Kollege Andreas Rees von Unicredit
sieht sogar Hoffnung, dass sich Deutschland von der
weltgrößten Volkswirtschaft abkoppeln könnte. "Es sieht
so aus, als hätten wir uns gut freigeschwommen von der
US-Wirtschaft." So könnte das Wachstum im Frühjahr bereits
wieder anziehen. "Wir brauchen absolut keine Angst haben vor einer
Rezession in Deutschland."
Wegen der Immobilien- und Finanzmarktkrise sieht die Bundesregierung
steigende Risiken und erwartet in diesem Jahr nur noch ein
Wirtschaftswachstum von 1,7 Prozent. Anders als die USA plant sie aber
derzeit kein Konjunkturprogramm.
(Quelle: rtr)
Nokia steigerte Nettogewinn 2007 um 67 Prozent - Mitarbeiter
kämpfen um Standort Bochum
Fr.25.01.08 - Der finnische Nokia-Konzern hat seine Gewinne 2007 massiv gesteigert
und die Handy-Konkurrenten in allen Bereichen weit hinter sich gelassen.
Das teilte das in Deutschland wegen der geplanten Schließung
seiner Bochumer Werkes scharf kritisierte Unternehmen in Helsinki mit.
Demnach stieg der Nettogewinn im vergangenen Jahr um 67 Prozent auf 7,2
Milliarden Euro. Im besonders erfolgreichen vierten Quartal konnte der
souveräne Weltmarktführer seinen Marktanteil auf 40 Prozent
erhöhen. Verzückte Börsianer, verhalfen der Nokia-Aktie
am Donnerstag zu einem wahren Höhenflug .
Am von der Schließung bedrohten Bochumer Werk des Handy-Riesen
wurde die Freude indes nicht geteilt. Hier kämpfen die Mitarbeiter
seit Tagen für den Erhalt des Standorts, der aus
Kostengründen verlagert werden soll. Ein Argument, das in Bochum
nicht nachvollzogen werden kann. Auch in der Öffentlichkeit steht
Nokia für seine Schließungspläne in der Kritik.
Nokia teilte mit, von Oktober bis Dezember im Vergleich zum
Vorjahreszeitraum operativ 2,5 Milliarden Euro verdient zu haben - gut
60 Prozent mehr als vor einem Jahr. Auch dank der Probleme des
US-Rivalen Motorola liefen die Geschäfte deutlich besser als von
Experten erwartet. Der Gewinn belief sich abgesehen von Sonderposten
auf 0,47 Euro pro Aktie und lag damit über den Markterwartungen.
Die Aktie sprang an der Börse in Helsinki zeitweise fast 15
Prozent nach oben.
Mittlerweile stammen 40 Prozent aller weltweit verkauften Handys von
Nokia. Der Marktführer setzte zwischen Oktober und Dezember 133,5
Millionen Mobiltelefone ab, mehr als seine drei größten
Rivalen Samsung, Motorola und SonyEricsson zusammen. Der
durchschnittliche Handy-Verkaufspreis kletterte um einen Euro auf 83
Euro.
Besonders in Märkten wie Indien und China hat sich das Unternehmen
einen großen Vorsprung vor der Konkurrenz erkämpft, den es
jetzt hartnäckig verteidigt. Wegen seiner großen Produktion
ist Nokia auch mit Abstand der profitabelste Hersteller. Die operative
Gewinnmarge liegt bei 23,8 Prozent, Sony Ericsson und Samsung kommen
auf 13 und 11,4 Prozent.
Den Umsatz steigerte Nokia innerhalb eines Jahres um ein Drittel auf
15,7 Milliarden Euro. Zudem plant der Konzern, für bis zu vier
Milliarden Euro eigene Aktien zurückzukaufen und damit indirekt
das Geld an seine Aktionäre auszuschütten. Nokia geht zudem
davon aus, dass die gesamte Branche 2008 noch einmal zehn Prozent mehr
Handys verkauft als voriges Jahr.
Die Mitarbeiter in Bochum fühlen sich durch die Vorlage der Zahlen
bestärkt: Alle Argumente sprächen gegen eine Schließung
des Werks, kritisierten Betriebsrat und IG Metall am Donnerstag vor dem
Werkstor. Die Arbeitnehmervertreter hatten hier zu einer "alternativen
Bilanzpressekonferenz" eingeladen.
"Das ist und bleibt eine Riesensauerei", sagte Betriebsratschefin
Gisela Achenbach zu den Schließungsplänen. "Wir haben
wesentlich dazu beigetragen, dass dieses exzellente Ergebnis im Konzern
zu Stande kam", sagte sie. "Wir haben hier eine Rendite von 15 Prozent
erwirtschaftet", sagte Ulrike Kleinebrahm, Bevollmächtigte der IG
Metall Bochum. "Der Standort ist wettbewerbsfähig." Nokia solle
die Zahlen auf den Tisch legen, die den angeblichen Standortnachteil
belegten.
Der Handy-Riese will aus Kostengründen das Werk zur Jahresmitte
schließen und die Produktion hauptsächlich in ein neues Werk
nach Rumänien verlagern. "Wir werden die Pläne nicht
akzeptieren", sagte Kleinebrahm. "Wir sind davon überzeugt, dass
es für Nokia noch nicht zu spät ist, die Geisterfahrt
unfallfrei zu beenden." Betriebsrat und IG Metall seien
gesprächsbereit. "Wir sehen zu, dass wir zeitnah einen Termin mit
der Konzernführung finden." Ein Gespräch in dieser Woche in
Finnland war ohne Annäherung geblieben.
Unterstützung erhalten die Beschäftigten auch von prominenten
Nokia-Kunden. Vodafone habe 10.000 Unterschriften gesammelt, sagte
Kleinebrahm. Wie der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Silvano
Guidone erläuterte, sammelten einige selbstständige
Vertriebsläden in der Region Unterschriften, um ihre
Solidarität mit Nokia zu bekunden. Ein Vodafone-Sprecher sagte,
weder das Unternehmen noch der Betriebsrat sammelten Unterschriften.
Deutsche-Telekom-Betriebsrat Thomas Feilhauer überreichte am
Donnerstag einen offenen Brief. Darin wird der Telekom-Vorstand
aufgerufen, sämtliche Geschäftsbeziehungen mit Nokia
aufzulösen, wenn das Werk in Bochum geschlossen wird.
boa (Quellen: dpa, rtr)
DGB fordert Trendwende hin zu mehr Gerechtigkeit
Fr.25.01.08 - Für den Deutschen Gewerkschaftsbund muss 2008 eine Trendwende zu
mehr Gerechtigkeit bringen. Der DGB-Vorsitzende Michael Sommer sagte am
Donnerstag in Berlin, diese Trendwende müsse sich zu Gunsten der
Arbeitnehmer auswirken. Dazu gehöre, dass sie einen gerechten
Anteil am Aufschwung erhielten.
«Der muss sich in deutlich steigenden Realeinkommen manifestieren
und damit die erwartete Preissteigerungsrate spürbar
übersteigen», verlangte Sommer auf seiner
Neujahrspressekonferenz. Wenn Gewinne, Managergehälter, Dividenden
und Steuereinnahmen seit längerem zweistellig stiegen, könne
es nicht angehen, dass kein Geld da sei für die
Beschäftigten. Nach 15 Jahren stagnierender Realeinkommen sei die
Trendwende bei den Entgelten überfällig.
Die politischen Schwerpunkte des DGB für 2008 und das Wahljahr
2009 sind nach Sommers Worten eng mit der Gerechtigkeitsfrage
verbunden: Ausbau der Mindestlöhne und Einführung des
gesetzlichen Mindestlohns, Bekämpfung der Altersarmut und der sie
mitverursachenden Rente mit 67, Eindämmung der ausufernden
Leiharbeit. Mit diesen Themen werde der DGB die Politik immer wieder
konfrontieren, bis sie «angemessen» reagiere.
Der DGB-Vorsitzende bekräftigte, dass alle Gewerkschaften beim
Mindestlohn tariflichen Lösungen den Vorrang einräumten. Auch
das geplante neue Entsendegesetz und das
Mindestarbeitsbedingungengesetz würden nicht generell Lohndumping
verhindern. «Deshalb brauchen wir darüber hinaus den
flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn, der anfangs mindestens
7,50 Euro betragen, aber schnell darüber hinaus steigen
muss», sagte Sommer.
Ohne diesen Mindestlohn halte er die völlige Freizügigkeit
für Beschäftigte aus den osteuropäischen
Beitrittsländern ab Mai 2009 für unverantwortlich,
erklärte der DGB-Chef. Das würde mittelständische
Dienstleistungsunternehmen und das Handwerk sowie deren Mitarbeiter
«ganz schnell in existenzielle Schwierigkeiten bringen».
Offenbar sei Altersarmut bei aktuell knapp 400.000 Empfängern von
Grundsicherung im Alter kein Thema, das den Politikern auf den
Nägeln brenne, kritisierte der DGB-Vorsitzende. Sie werde aber
künftig auf eine Million Betroffene oder mehr zunehmen. Deshalb
werde der DGB weiter dafür kämpfen, dass die Rente mit 67
gestoppt werde, spätestens wenn ihre Überprüfung 2010
anstehe.
Sommer sagte, die Menschen empfänden es zu Recht als Enteignung,
wenn bei der Grundsicherung im Alter die mühsam ersparte
Riester-Rente, die betriebliche Altersvorsorge oder finanzielle
Vorteile aus einer kleinen Eigentumswohnung mit der Sozialhilfe
verrechnet würden. Die Politik dürfe die Menschen nicht
auffordern, für das Alter privat vorzusorgen, um ihnen dann diese
Vorsorge im Notfall wieder wegzunehmen. «Deshalb müssen
ausreichende Freibeträge her, die zumindest selbst eingezahlte
Beträge und die darauf anfallenden Zinsen für die private
Altersvorsorge vor Anrechnung schützen.»
Bei den bis 2009 anstehenden Landtags- und Bundestagswahlen sowie bei
der Europawahl werde der DGB seine parteipolitische Unabhängigkeit
unter Beweis stellen, kündigte Sommer an. Der Gewerkschaftsbund
lasse sich nicht parteipolitisch vereinnahmen. «Das gilt für
das Thema Familienpolitik und CDU genauso wie für das Thema Hartz
IV und die Linke, Umweltpolitik und die Grünen oder Mindestlohn
und die SPD.»
(Quelle: ap)
Arbeitgeber bieten fünf Prozent mehr Geld im öffentlichen
Dienst - Allerdings zweijährige Laufzeit und
Arbeitszeitverlängerung gefordert - Gewerkschaft lehnt Angebot ab
Fr.25.01.08 - In den Tarifverhandlungen für die rund 1,3 Millionen
Beschäftigten im öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen
haben die Arbeitgeber am Donnerstag ein Angebot vorgelegt. Die in der
zweiten Verhandlungsrunde in Potsdam vorgelegte Offerte sieht im Kern
Einkommenserhöhungen von fünf Prozent vor. Die Gewerkschaft
ver.di und der Deutsche Beamtenbund (dbb) wiesen das Tarifangebot als
unzureichend zurück. Die nächste Verhandlungsrunde soll am
11. und 12. Februar stattfinden.
ver.di und dbb fordern acht Prozent höhere Einkommen für die
Beschäftigten, mindestens aber ein Plus von monatlich 200 Euro.
Bereits vor dem ersten Treffen hatten sie mit Streiks in
Stadtverwaltungen, Krankenhäusern, Nahverkehr oder bei der
Müllabfuhr gedroht.
Im Einzelnen sieht das Angebot eine erste Entgelterhöhung um 2,5
Prozent ab Februar 2008 vor. Eine weitere Anhebung um 1,0 Prozent soll
im Oktober 2008 erfolgen und ab März 2009 eine erneute um 0,5
Prozent. Zusätzlich 0,5 Prozent sollen jeweils 2008 und 2009
leistungsabhängig gezahlt werden.
Als Ausgleich soll die Wochenarbeitszeit ab Juli 2008 wie im Osten auch
in Westdeutschland von 38,5 auf 40 Wochenstunden steigen. «Im
Mittelpunkt der Verhandlungen steht für uns der Erhalt
öffentlicher Dienstleistungen. Deshalb kann es eine solch
signifikante Entgeltsteigerung nur in Verbindung mit
Zugeständnissen bei der Arbeitszeit geben», sagte der
Präsident der Vereinigung der Kommunalen Arbeitgeberverbände
Thomas Böhle.
Im Tarifgebiet Ost werden die Entgeltsteigerungen den Angaben zufolge
ab Juni 2008 wirksam. Zunächst sollen 2,5 Prozent und ab 1.
März 2009 weitere 1,5 Prozent zusätzlich gezahlt werden.
Weitere 0,5 Prozent sollen 2008 und 2009 wie im Westen jeweils
leistungsabhängig gezahlt werden.
Dieses Angebot gilt auch für die kommunalen Krankenhäuser.
Dabei soll der Abschluss 2006 angerechnet werden. Die
Beschäftigten hatten Zulagen in Höhe von 35 Euro (1,3
Prozent) erhalten. Das Leistungsentgelt soll nur an kommunalen
Krankenhäusern gezahlt werden, die ertragsfähig sind.
Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) sagte, die Arbeitgeber
seien mit ihrem Angebot an die Grenze des finanzpolitisch Vertretbaren
gegangen. Die Beschäftigten bekämen dennoch deutliche
Lohnzuwächse. Sie profitierten damit vom Aufschwung.
dbb-Verhandlungsführer Frank Stöhr betonte dagegen, das
Angebot sei «weniger als nichts» und eine
«Provokation» für die Beschäftigten. Durch die
Arbeitszeitverlängerung ergebe sich zum Jahr 2009 ein Minus von
3,75 Prozent. Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Konrad
Freiberg, nannte das Angebot «unverfroren» und
«blanken Zynismus».
(Quelle: ddp)
Bundestag beschließt längere Bezugsdauer des
Arbeitslosengeldes I
Fr.25.01.08 - Rückwirkend zum 1. Januar sollen ältere Erwerbslose
länger als bisher das Arbeitslosengeld I erhalten können.
Eine entsprechende Gesetzesnovelle steht am Freitag (11.00 Uhr) zur
abschließenden Beratung im Bundestag an. Sie sieht eine Zahldauer
von bis zu 24 Monaten vor. Mit einer weiteren Regelung soll die seit
Jahresbeginn drohende Zwangsverrentung älterer Arbeitsloser
über 58 Jahren verhindert werden.
Nach monatelangen Debatten wird ferner die Reform der Bundespolizei
gesetzlich auf den Weg gebracht. Neben der Verschlankung der Strukturen
will Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) erreichen, dass
rund 1000 Bundespolizisten künftig ihre Kollegen in den
Ländern im Kampf gegen die terroristische Bedrohung und illegale
Migration unterstützen können.
Unter dem Tagesordnungspunkt Gentechnikrecht geht es um die
abschließende Beratung von Gesetzentwürfen der
Bundesregierung, in denen Kriterien zur Kennzeichnung von Lebensmitteln
festgelegt sowie eine Neuregelung des Anbaus von gentechnisch
veränderten Pflanzen festgeschrieben wird. Unter anderem ist
vorgesehen, die Mindestabstände auf 150 Metern zu konventionellen
und 300 Metern zu ökologischen Anbauflächen festzulegen.
(Quelle: ddp)
Dubiose Zahlungen in Siemens Medizinsparte
Fr.25.01.08 - Bei Siemens hat es offenbar auch in der Medizinsparte dubiose Zahlungen
gegeben. Finanzvorstand Joe Kaeser wies am Donnerstag in München
allerdings Zeitungsberichte zurück, wonach diese neu entdeckt
wurden. «Das sind keine neuen Zahlungen», sagte er. Sie
seien in den 1,3 Milliarden Euro an dubiosen Verträgen enthalten,
die Siemens bekannt seien, sagte er. Die «Süddeutsche
Zeitung» (Donnerstagsausgabe) berichtet von 140 Millionen Euro,
die in der Medizinsparte in dunkle Kanäle geflossen sein
könnten.
Siemens Chef Löscher sprach seinem Vorstand das Vertrauen aus,
obwohl dieser auf der (am Vormittag beginnenden) Hauptversammlung nicht
zur Entlastung vorgeschlagen werden soll. «Ich vertraue meinem
Vorstand», sagte er. Dass die Entlastung verschoben worden sei,
sei eine reine Vorsichtsmaßnahme. Es gebe keine konkreten
Informationen gegen aktuelle Vorstandsmitglieder. Unterdessen laufe das
Amnestieprogramm zur Klärung der Schmiergeldaffäre sehr gut,
sagte Löscher. Es hätten sich bereits dutzende Mitarbeiter
gemeldet.
Die Schmiergeldaffäre hat Siemens alleine im ersten Quartal 2008
127 Millionen Euro an Honoraren für externe Berater gekostet, die
mit ihrer Aufklärung beschäftigt sind. Inzwischen hat der
Konzern eigenen Angaben zufolge bereits mehr als 500 Millionen für
Aufklärung und Prävention ausgegeben.
(Quelle: ap)
Stiftung Warentest: Besorgniserregende Verspätungen bei der Bahn
Fr.25.01.08 - Die Deutsche Bahn hat bei einem Pünktlichkeits-Test der Stiftung
Warentest schlecht abgeschnitten. Vor allem im Fernverkehr sei das
Ausmaß der Verspätungen besorgniserregend, teilte die
Stiftung am Donnerstag in Berlin mit. Mehr als ein Drittel der Züge
habe sich um vier oder mehr Minuten verspätet, und jeder siebte um
mehr als zehn Minuten. Bei Verspätungen konnte den Angaben zufolge
jeder vierte Anschlusszug im Test nicht mehr erreicht werden. Die Bahn
wies den Bericht als «irreführend» zurück.
Von mehr als 90 000 Zügen überprüften die Tester laut
Stiftung an zehn großen Hauptbahnhöfen im vergangenen Herbst
die Ankunftszeiten. Streiktage seien dabei unberücksichtigt
geblieben. Am unpünktlichsten waren dem Test zufolge die Züge
in Dresden, Hamburg und Köln. Am besten sei der Fahrplan in Leipzig
eingehalten worden. Im abendlichen Berufsverkehr und an Wochenenden
habe es ein besonders hohes Verspätungsrisiko gegeben.
Die Bahn erklärte, der Test erlaube keine allgemein gültigen
Rückschlüsse und sei somit nicht repräsentativ. Im
vergangenen Jahr seien im Schnitt neun von zehn Zügen im
Personenverkehr pünktlich gewesen und Anschlusszüge seien in
rund 93 Prozent der Fälle erreicht worden. Trotz aller
Anstrengungen seien Störungen im Bahnbetrieb und damit
Zugverspätungen nicht immer vermeidbar.
Laut Bahn wurden von den Testern über einen begrenzten Zeitraum
von etwas über 30 Tagen lediglich rund zehn Prozent der
täglich fahrenden Personenverkehrszüge untersucht.
(Quelle: ddp)
Wissenschaft
Durchbruch bei Erschaffung künstlichen Lebens - Synthetisches
Genom eines Bakteriums hergestellt
Fr.25.01.08 - US-Forschern ist ein Durchbruch in Richtung der Schaffung
künstlichen Lebens gelungen: Sie stellten eigenen Angaben zufolge
zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit das synthetische Genom
eines Bakteriums her. Es sei die größte DNA-Struktur, die
jemals von Menschen hergestellt wurde, hieß es in einer Studie
von Forschern des Venter-Instituts, die im US-Wissenschaftsmagazin
"Science" veröffentlicht wurde. Das eigentliche Ziel sei die
Schaffung eines künstlichen Organismus, sagte der
maßgebliche Autor der Studie, Dan Gibson.
"Das ist ein begeisternder Fortschritt für unsere Wissenschaftler
und unsere Disziplin", sagte Gibson. Mit der Herstellung eines
Bakteriumgenoms sei die vorletzte Etappe auf dem Weg zur Schaffung
künstlichen Lebens erreicht. "Gleichwohl arbeiten wir weiter auf
das letztendliche Ziel hin, ein synthetisches Chromosom in eine Zelle
einzusetzen und so die Schaffung des ersten künstlichen Organismus
in Gang zu setzen", betonte Gibson in "Science". Die erste der drei
Etappen auf dem Weg zu künstlichem Leben war dem Bericht zufolge
erst im vergangenen Jahr erreicht worden, als das Einsetzen eines
Genoms von einem Bakterium in ein anderes gelungen war.
Künstlich geschaffene Bakterien könnten für wichtige
Aufgaben wie die Herstellung von Bio-Treibstoff eingesetzt werden,
führte der ebenfalls an der Studie beteiligte Wissenschaftler
Hamilton Smith in dem Wissenschaftsmagazin aus. Außerdem
könnten derartige Organismen gezielt eingesetzt werden, um das
klimaschädliche Gas Kohlendioxid abzubauen oder giftige
Abfälle unschädlich zu machen. Ein Erfolg der Forscher
könnte nach ihrer Einschätzung also ein wichtiger Schritt zur
Bekämpfung des Klimawandels sein.
Während ihrer fünf Jahre langen Forschung hatten die
Wissenschaftler des Venter-Instituts das Bakterium Mycoplasma
genitalium verwendet, das mit rund 580 Genen eines der kleinsten
Zellgenome auf der Erde hat. Im Vergleich zum menschlichen Genom ist
dies winzig: Dieses besteht aus etwa 36.000 Genen.
In der Wissenschaftswelt stieß die Studie auch auf Skepsis. So
sagte der Molekularbiologe Eckard Wimmer von der New York University,
nach der Herstellung eines künstlichen Genoms hätten die
Wissenschaftler eigentlich auch gleich künstliches Leben schaffen
können. Dass dieser letzte Schritt nicht erfolgt sei, spreche
dafür, dass das hergestellte Genom nicht lebensfähig sei.
(Quelle: afp)
89-Jährige in Alaska nimmt die Eyak-Sprache mit ins Grab
Fr.25.01.08 - Mit dem Tod der 89-jährigen Marie Smith Jones ist die Eyak-Sprache
ausgestorben. Wie die Tageszeitung "Anchorage Daily News" berichtete,
starb Smith Jones nach Angaben ihrer Angehörigen am Montag
friedlich in ihrer Wohnung. Sie war der letzte Mensch, der Eyak
beherrschte - eine der 20 Sprachen im Nordwesten Alaskas. Smith Jones
hatte sich für die Rechte der Ureinwohner Alaskas eingesetzt.
Smith Jones habe genau gewusst, welche "einzigartige Position" sie
innehatte, sagte der Sprachwissenschaftler Michael Krauss. Sie sei
emblematisch für das Problem des "massenhaften Sprachensterbens"
und habe dieses Schicksal mit "Würde" getragen. Als Eyak-Sprecherin
sei Smith Jones "ungemein allein" gewesen. Das Aussterben der Sprachen
der Ureinwohner von Alaska werde weitergehen. Die Angehörigen
schilderten Smith Jones als Kettenraucherin, die in extremer Weise ihre
"Unabhängigkeit" gesucht habe.
(Quelle: afp)