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Irak am 1403ten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Irakischer Regierungschef kündigt Offensive in Mossul an. Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Sa.26.01.08 - Der irakische Regierungschef Nuri al-Maliki hat am Freitag eine
Offensive gegen Aufständische in der Stadt Mossul angekündigt.
Nach zwei Anschlägen mit 37 Toten seien Truppen in die
drittgrößte Stadt des Landes geschickt worden, sagte
al-Maliki. «Die Kämpfe dort werden entscheidend sein»,
fügte er hinzu. Die US-Streitkräfte haben Mossul als wichtiges
Zentrum der Al Kaida im Irak bezeichnet.
Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 26.01.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am neunhunderteinundvierzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Fr.26.01.07 - 18 Jahre Haft für US-Soldat wegen Mordes an irakischem Gefangenen +++
Irakische Regierung bereitet Großangriff auf Rebellen vor +++ USA
wollen Geheimaktivitäten Irans im Irak beweisen +++ 25 Tote bei
Autobombenanschlag im Zentrum von Bagdad...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0701260.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
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USA bieten Pakistan Kampftruppen gegen Extremisten an
Sa.26.01.08 - US-Verteidigungsminister Robert Gates hat Pakistan US-Truppen zur
Unterstützung gegen muslimische Extremisten angeboten: "Wir sind
bereit und fähig, den Pakistanern zu helfen, beim Training ihrer
Einsatzkräfte und bei gemeinsamen Einsätzen", sagte Gates am
Donnerstag in Washington. Dabei schloss er die Entsendung von
Kampftruppen ausdrücklich ein. "Wenn die Pakistaner das wollen,
würden wir das machen", antwortete er auf die Frage, ob auch
amerikanische Gefechtsverbände an der Seite pakistanischer
Kräfte in Einsätzen gegen die radikale Organisation Al-Kaida
denkbar wären.
Pakistan ist einer der wichtigsten amerikanischen Verbündeten im
Kampf gegen den Terrorismus. Die USA beteiligen sich bereits an der
Ausbildung der pakistanischen Armee, die vor allem in den Grenzgebieten
zu Afghanistan auf erheblichen Widerstand von muslimischen Extremisten
stößt. Der innenpolitisch stark geschwächte
Präsident Pervez Musharraf hat zuletzt auch das Attentat auf
Oppositionsführerin Benazir Bhutto im Dezember der Al-Kaida
angelastet.
(Quelle: rtr)
Nahost-Konflikt: Anschlag auf Polizeivertreter in Beirut - Sechs Tote.
Ägypten kann Chaos an Gaza-Grenze nicht stoppen. Drei Tote bei
gewaltsamen Auseinandersetzungen im Westjordanland. Vier
Hamas-Mitglieder im südlichen Gazastreifen getötet
Sa.26.01.08 - Bei einem Bombenanschlag auf einen hochrangigen Polizeivertreter in der
libanesischen Hauptstadt Beirut sind laut Sicherheitskreisen mindestens
sechs Menschen getötet worden.
Das Attentat ereignete sich am Freitag im christlich geprägten
Viertel Hasmije, wo sich mehrere diplomatische Vertretungen befinden.
Die Explosion zerstörte zahlreiche Autos, darunter auch ein
Armeefahrzeug. Den Sicherheitsvertretern zufolge war ein
Polizeihauptmann unter den Toten.
Der Libanon befindet sich seit Monaten in einer Krise. Die pro-syrische
Opposition und die westlich orientierte Regierung streiten über die
Aufteilung der politischen Macht. Dadurch musste auch die Wahl des
Präsidenten bereits 13 Mal verschoben werden, obwohl sich beide
Seiten bereits auf den Armeechef Michel Suleiman als Nachfolger des Ende
November aus dem Präsidentenamt geschiedenen Emile Lahoud geeinigt
haben.
Vor zehn Tagen kamen bei einem Anschlag auf den Wagen eines
US-Diplomaten in Beirut drei Menschen ums Leben. 16 weitere Personen
wurden dabei verletzt.
Ägypten hat das Chaos an der Grenze zum Gazastreifen trotz des
Einsatzes von Sondereinheiten auch am Freitag nicht stoppen können.
Nachdem Soldaten die Grenze bei Rafah zunächst wieder geschlossen
hatten, rissen Mitglieder der radikal-islamischen Hamas-Organisation am
Nachmittag mit einem Bulldozer erneut Teile der Grenzanlage nieder.
Hunderte von Palästinensern strömten danach wieder über
die Grenze. Ein ägyptischer Soldat wurde nach Augenzeugenberichten
von einem Palästinenser angeschossen und verletzt. Auch
ignorierten zahllose Palästinenser die von Ägypten gestellte
Frist, bis Freitag 14.00 Uhr MEZ wieder nach Hause zurückzukehren.
Zuvor hatte US-Außenministerin Condoleezza Rice Ägypten
aufgefordert, die Grenze zum Gazastreifen wieder unter Kontrolle zu
bringen. Sie verstehe die schwierige Situation, in der Ägypten
stecke, sagte Rice nach Angaben des US-Außenministeriums.
«Aber es ist eine internationale Grenze, die geschützt
werden muss. Und ich glaube, dass die Ägypter die Bedeutung
verstehen, dies auch zu tun.» Schuld an der gegenwärtigen
Situation sei in erster Linie die Hamas, weil sie nicht bereit sei, die
Raketenangriffe auf Israel zu stoppen, sagte Rice.
Die Grenze zwischen Ägypten und dem Gazastreifen ist seit Mittwoch
offen, nachdem Mitglieder der Hamas 17 Löcher in die Sperranlage
gesprengt hatten. Mehr als eine halbe Million Palästinenser
deckten sich nach UN-Angaben dann in Ägypten unter anderem mit
Lebensmitteln, Benzin, Zigaretten und Hygieneartikeln ein. Wegen des
fortwährenden Beschusses mit Raketen hatte Israel die 1,5
Millionen Palästinenser im Gazastreifen mit der Schließung
aller Grenzübergänge von der Außenwelt abgeschnitten.
Ägyptische Sondereinheiten begannen in der Nacht zum Freitag, die
Löcher in der Grenzanlage mit Stacheldraht zu schließen, um
Palästinenser an der illegalen Einreise nach Ägypten zu
hindern. Jugendliche Palästinenser bewarfen daraufhin die
ägyptischen Sicherheitskräfte mit Steinen. Als Reaktion
setzten Soldaten Wasserwerfer ein und feuerten Warnschüsse ab. An
anderer Stelle hinderten ägyptische Grenzwächter
Palästinenser allerdings nicht daran, über eingestürzte
Mauern und Zäune zu klettern.
Israel befürchtet nach Angaben aus Sicherheitskreisen, dass
militante Palästinenser die Grenzöffnung für
Terroranschläge in Israel oder die Entführung von Israelis
nutzen. Aus Sorge, dass Terroristen über Ägypten nach Israel
eindringen, wurde die wichtigste Straße entlang der
israelisch-ägyptischen Grenze für den Privatverkehr
geschlossen. Darüber hinaus wurden alle israelischen Touristen
aufgefordert, die ägyptischen Badeorte am Roten Meer sofort zu
verlassen.
Im Westjordanland sind am Donnerstag bei verschiedenen
Auseinandersetzungen zwei Palästinenser und ein Israeli
getötet worden.
Bei dem Israeli handelte es sich nach Polizeiangaben um einen
Grenzbeamten. Er sei von Palästinensern nahe dem
Flüchtlingslager Schuafat bei Jerusalem erschossen worden. Seine
Kollegin wurde einer Krankenhaussprecherin zufolge verletzt.
Die beiden Palästinenser starben durch Schüsse jüdischer
Siedler, wie eine Armee-Sprecherin mitteilte. Einem Medienbericht
zufolge waren die beiden Opfer zuvor in die Siedlung Kfar Etsion unweit
von Bethlehem eingedrungen und mit Messern auf Anwohner losgegangen.
Bei zwei israelischen Luftangriffen im südlichen Gazastreifen sind
vier Mitglieder des bewaffneten Arms der Hamas getötet worden. Nach
palästinensischen Angaben schoss ein Flugzeug in Rafah auf einen
Wagen und tötete zwei Hamas-Extremisten. Kurz zuvor waren in
derselben Gegend zwei andere Hamas-Kämpfer in ihrem Auto von einer
Rakete tödlich getroffen worden. Israels Ministerpräsident
Ehud Olmert und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas wollen am
Sonntag bei einem Treffen in Jerusalem die Krise im Gazastreifen
erörtern.
boa (Quelle: rtr, afp, dpa)
Erneut sieben Menschen bei Gewalt in Kenia getötet -
Menschenrechtler: Opposition schürt Gewalt
Sa.26.01.08 - Trotz einer ersten Annäherung zwischen Kenias Präsident Mwai
Kibaki und Oppositionsführer Raila Odinga dauert die Gewalt in dem
ostafrikanischen Land weiter an. Die Polizei teilte am Freitagmorgen
mit, im Westen des Landes seien bei Zusammenstößen erneut
sieben Menschen getötet worden. Am Donnerstag waren Kibaki und
Odinga im Rahmen der Vermittlungsmission von Ex-UN-Generalsekretär
Kofi Annan zu einem ersten Treffen seit dem Beginn der Unruhen
zusammengekommen und hatten einander dabei sogar die Hand
geschüttelt.
Odinga wirft Kibaki Wahlbetrug vor. Bei Kämpfen zwischen
verschiedenen Volksgruppen wurden seit Ende Dezember rund 800 Kenianer
getötet, etwa 250.000 mussten aus ihren Wohnorten fliehen. Die
Aussicht auf eine Einigung wurde bereits kurz nach der Zusammenkunft der
beiden Politiker wieder gedämpft. Ein Sprecher von Odingas Partei
ODM kritisierte schon kurz nach dem Treffen der Kontrahenten, Kibaki
habe das Treffen genutzt, um seinen Wahlbetrug zu legitimieren.
"Entsprechend seinem betrügerischen Charakter hat Mwai Kibaki die
Gelegenheit missbraucht, seine Machtergreifung zu legitimieren", sagte
ODM-Generalsekretär Anyang Nyongo.
Die US-Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hat der Opposition
in Kenia vorgeworfen, ethnische Gewalt zu schüren. Es gebe
Hinweise, dass Oppositionspolitiker und Dorfälteste nach den
umstrittenen Wahlen Übergriffe gegen Angehörige der
Volksgruppe der Kikuyu im Rift Valley organisiert und geplant
hätten, berichtete die Organisation am Donnerstag aus Washington.
Bei den Zusammenstößen in der Region wurden rund 400 Menschen
getötet, Tausende vertrieben. Zu den Kikuyu gehört auch
Präsident Mwai Kibaki, der sich zum Sieger der Wahlen vom 27.
Dezember erklärt hatte.
Nach Angaben von Human Rights Watch wurden in den Dörfern Treffen
einberufen und Gruppen von Jugendlichen gegründet, die Häuser
und Geschäfte von Kikuyu niederbrannten. Ein Oppositionspolitiker
habe einen Lastwagen bereitgestellt, mit dem gewalttätige
Jugendgruppen in Nachbargemeinden transportiert wurden. In Eldoret, wo
mindestens 30 Menschen in einer Kirche verbrannten, hätten mehr als
10.000 Vertriebene in Zelten Zuflucht gefunden, so Human Rights Watch
weiter. Sie bräuchten dringend den Schutz der Polizei.
boa (Quellen: afp, epd)
Amnesty berichtet über fast 100 neue Festnahmen in Birma
Sa.26.01.08 - Die Militärbehörden in Birma haben nach Angaben von Amnesty
International fast 100 weitere Aktivisten der Demokratiebewegung
inhaftiert. Insgesamt gebe es in dem südostasiatischen Land
mindestens 1.850 politische Gefangene, teilte die
Menschenrechtsorganisation am Freitag in Bangkok mit. 96 von ihnen seien
seit Anfang November eingesperrt worden, obwohl die birmanische
Regierung den Vereinten Nationen damals versprochen habe, politische
motivierte Festnahmen einzustellen.
Stattdessen seien die Maßnahmen gegen Oppositionelle jedoch
ausgeweitet und beschleunigt worden, kritisierte Amnesty. Demnach
befinden sich von den tausenden Oppositionellen, die im Zuge der
Protestaktionen buddhistischer Mönche im September festgenommen
wurden, mindestens 700 noch in Haft. Hinzu kämen 1.150 Menschen,
die schon vorher aus politischen Gründen im Gefängnis gesessen
hätten. Gut 80 Personen würden seit den September-Unruhen
vermisst, erklärte Amnesty weiter.
Appelle an Birma, die Menschenrechte zu beachten, gab es am Donnerstag
auch auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Großbritannien,
Frankreich und die USA riefen dazu auf, den Druck auf das
Militärregime in Rangun zu verstärken, um den Übergang
Birmas zur Demokratie sicherzustellen.
(Quelle: ap)
'New York Times' empfiehlt Clinton und McCain als
US-Präsidentschafts-Kandidaten
Sa.26.01.08 - Die "New York Times" hat sich für die Demokratin Hillary Clinton
und den Republikaner John McCain als Kandidaten im Rennen um die
US-Präsidentschaft ausgesprochen.
Für Clinton spreche nicht nur ihr Intellekt und ihr Fachwissen,
sondern vor allem ihre politische Erfahrung, erklärte die Zeitung
am Donnerstag. Dies sei der wichtigste Unterschied zu Clintons
ärgstem parteiinternen Rivalen Barack Obama. Es sei daher
wünschenswert, dass die New Yorker Senatorin die entscheidenden
Vorwahlen am 5. Februar, dem "Super Tuesday", für die Demokraten
gewinne.
Zu McCain äußerte sich die Zeitung zurückhaltender.
Grundsätzlich habe der Redaktionsausschuss mit allen Kandidaten der
Republikanischen Partei seine Schwierigkeiten, hieß es. Unter
ihnen sei der Senator aus Arizona aber eine gute Wahl. Er habe in der
Vergangenheit gezeigt, dass er prinzipientreu sei und
parteiübergreifend Politik gestalten könne. Damit spreche er
breitere Wählerschichten an als seine parteiinternen Konkurrenten.
Am "Super Tuesday" werden in 22 Bundesstaaten Vorwahlen abgehalten.
Dann könnte die endgültige Entscheidung fallen, welcher
Kandidat für die Demokraten und die Republikaner in die Wahl zieht.
Die eigentliche Abstimmung über den künftigen
US-Präsidenten findet im November statt. Amtsinhaber George W. Bush
darf nicht mehr antreten.
(Quelle: rtr)
Venezuelas Präsident Chavez wirft Kolumbien Angriffspläne vor
Sa.26.01.08 - Der venezolanische Präsident Hugo Chavez hat Kolumbien
beschuldigt, einen militärischen Angriff auf sein Land zu planen.
Dabei werde die Regierung in Bogota von den Vereinigten Staaten
unterstützt, erklärte Chavez am Freitag in Caracas. Er drohte
Kolumbien mit der Einstellung sämtlicher Erdöllieferungen,
sollte es zu einer militärischen Auseinandersetzung kommen.
Die Beziehungen zwischen dem Sozialisten Chavez und dem konservativen
kolumbianischen Präsidenten Alvaro Uribe sind seit langem
gespannt, nicht zuletzt wegen ihrer konträren Politik
gegenüber den USA. Chavez hat unlängst eine erfolgreiche
Vermittlerrolle bei der Freilassung von Geiseln der Revolutionären
Streitkräfte Kolumbiens (FARC) gespielt. Allerdings legte er bei
den Verhandlungen mit der FARC nach Auffassung von Uribe zu viel
Eigenmächtigkeit an den Tag, so dass ihm das Verhandlungsmandat
entzogen wurde.
(Quelle: ap)
Brasilien kündigt Maßnahmen gegen Regenwald-Zerstörung
an
Sa.26.01.08 - Angesichts des alarmierenden Zustands des brasilianischen Regenwaldes
hat die Regierung Maßnahmen gegen die zunehmende Rodung
angekündigt. "Wir wollen im Amazonas-Gebiet ein ständiges
Kontrollverfahren einrichten", sagte der Generalsekretär des
Umweltministeriums, Joao Paulo Capobianco. Zuvor hatten Präsident
Luiz Inácio Lula da Silva, die zuständigen Minister und der
Polizeichef des Landes über das Problem beraten. Die Regierung
einigte sich auf eine Verschärfung von Maßnahmen, die bereits
vor einem Monat vorgestellt worden waren.
Vorgesehen sind eine größere Wachsamkeit der Behörden,
die Streichung öffentlicher Mittel für Umweltsünder sowie
die Sperrung gerodeter Gebiete. Regierungsschätzungen zufolge hat
die Rodung im Amazonas-Gebiet in den letzten fünf Monaten des
vergangenen Jahres drastisch zugenommen. Wie Umweltministerin Marina
Silva am Mittwoch bekanntgab, wurden zwischen August und Dezember
insgesamt mehr als 7000 Quadratkilometer Urwald vernichtet, mehr als
die Hälfte davon wurde im November und Dezember gerodet. Das
entspricht ungefähr einer Fläche acht Mal so groß wie
Berlin. Die Gebiete werden für Landwirtschaft, vor allem den
Soja-Anbau, und Viehzucht entwaldet.
(Quelle: afp)
UN-Generalsekretär warnt vor Eskalation im Kosovo
Sa.26.01.08 - UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat vor einer Eskalation im Kosovo
gewarnt. Angesichts der festgefahrenen Fronten im Ringen um eine
mögliche Unabhängigkeit der Krisenprovinz von Serbien drohe
eine gefährliche Eigendynamik, sagte der UN-Generalsekretär
nach einem Gespräch mit dem slowenischen Ministerpräsidenten
und derzeitigen EU-Ratsvorsitzenden Janez Jansa in Brdo nahe der
slowenischen Hauptstadt Ljubljana. Russlands Präsident Wladimir
Putin bekräftigte seinen Widerstand gegen eine einseitige
Unabhängigkeit des Kosovo.
"Der Sicherheitsrat ist immer noch tief gespalten über den
weiteren Weg im Kosovo", sagte Ban. "Das ist gefährlich." Es sei
"nicht wahrscheinlich, dass sich der gegenwärtige Status halten
lässt", warnte der UN-Generalsekretär. Im UN-Sicherheitsrat
ist eine einstimmige Entscheidung über die Zukunft der Provinz
wegen des Widerstands aus Russland blockiert.
Präsident Putin bekräftigte seinen Widerstand gegen eine
einseitige Unabhängigkeit der serbischen Provinz. Dieser Schritt
würde "negative Konsequenzen sowohl für den Balkan als auch
den Rest der Welt" haben, warnte er bei einem Treffen mit seinem
serbischen Kollegen Boris Tadic in Moskau.
Die Kosovo-Albaner wollen in Kürze einseitig die
Unabhängigkeit ausrufen, die Serben lehnen dies entschieden ab.
Die Europäische Union macht Druck, dass der Schritt nicht vor der
zweiten Runde der serbischen Präsidentschaftswahlen am 3. Februar
erfolgt. Mangels einer neuen Resolution im UN-Sicherheitsrat hofft die
EU, Ban möge die geplante Krisenmission der Europäer im
Kosovo ausrufen. Die EU soll mit Hilfe der NATO in der Provinz die
Verantwortung von der UNO übernehmen. Die Vereinten Nationen sind
seit den NATO-geführten Angriffen auf Serbien 1999 vor Ort.
Der EU-Vorsitzende Jansa mahnte, die internationale Gemeinschaft
dürfe nicht erneut eine Situation wie während des
Bosnien-Kriegs der 90er Jahre dulden, als ebenfalls über ein
Eingreifen gestritten wurde. "Damals wurden tausende Menschen
getötet, zehntausende verloren ihre Heimat", sagte der
Ministerpräsident. "Das müssen wir bedenken, wenn wir
über die Rechtsbasis reden." Am Montag wollen die
Außenminister der 27 EU-Staaten in Brüssel über die
Kosovo-Frage beraten.
(Quelle: afp)
Türkei will Wirtschaftsbeziehungen mit Griechenland ausbauen
Sa.26.01.08 - Die Türkei und Griechenland wollen mit einem Ausbau der
wirtschaftlichen Zusammenarbeit ihre langjährigen politischen
Konflikte überwinden. Das hat der türkische Regierungschef
Tayyip Erdogan am Freitag zum Abschluss des historischen
Türkeibesuchs seines griechischen Kollegen Konstantinos Karamanlis
erklärt. Schon jetzt sei Griechenland der
fünftgrößte Handelspartner der Türkei. In den
nächsten Jahren wollten beide Nachbarn ihr Handelsvolumen von
derzeit vier Milliarden Euro verdoppeln, sagte er vor einem
türkisch-griechischen Wirtschaftsforum.
«Wir glauben, dass die Probleme zwischen beiden Ländern
durch Zusammenarbeit gelöst werden können», sagte
Karamanlis. Sein Besuch war der erste eines griechischen
Ministerpräsidenten in der Türkei seit fast 50 Jahren und
hatte vor allem symbolische Bedeutung. Konkrete Abkommen zur
Bereinigung von Streitpunkten wurden nicht geschlossen. Erdogan
besuchte Griechenland 2004.
Die beiden Politiker sprachen sich während des dreitägigen
Besuchs für eine Zusammenarbeit im Zypernkonflikt aus.
Griechenland und die Türkei liegen seit Jahrzehnten wegen der
Mittelmeerinsel und der Grenzziehung in der Ägäis im Streit.
Seit 1974, als sich der Nordteil Zyperns vom griechischen Süden
abspaltete, standen beide NATO-Staaten drei Mal am Rand eines Kriegs.
Nikosia wird von einem Sperrwall in zwei Hälften geteilt.
(Quelle: ap)
Russland und Serbien unterzeichnen Erdgasabkommen
Sa.26.01.08 - Der serbische Präsident Boris Tadic ist am Freitag Zur
Unterzeichnung eines umfassenden Erdgasabkommens in Moskau eingetroffen.
Der Vertrag mit einem geschätzten Volumen von 1,5 Milliarden Euro
sieht den Bau einer Erdgasleitung und einer großen Depotanlage in
Serbien vor. Längerfristig soll der russische Staatsmonopolist
Gazprom eine Mehrheit am serbischen staatlichen Ölunternehmen NIS
übernehmen.
Zu Beginn seines Besuchs dankte Tadic der russischen Regierung für
ihre Unterstützung im Konflikt um den künftigen Status der
Provinz Kosovo. «Wir werden unsere Interessen im Kosovo
verteidigen, auf der Grundlage des Völkerrechts», sagte
Tadic. Die Regierung des Kosovos will im Anschluss an die zweite Runde
der serbischen Präsidentenwahl, die am 3. Februar stattfindet, die
Unabhängigkeit erklären.
(Quelle: ap)
Frankreich und Indien über Kooperation bei Atomenergie einig
Sa.26.01.08 - Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy hat bei einem Staatsbesuch
in Indien seine Gespräche zur Kooperation bei der Atomenergie mit
Schwellenländern fortgesetzt. Die Verhandlungen über ein
geplantes Kooperationsabkommen zur zivilen Nutzung von Atomenergie
zwischen beiden Staaten seien abgeschlossen, sagte Sarkozy nach einem
Treffen mit dem indischen Premierminister Manmohan Singh in Neu Delhi.
Beide Länder wollten außerdem ihre militärische
Zusammenarbeit über Rüstungsgeschäfte hinaus
stärken. Spekuliert wurde darüber, ob Sarkozys
Lebensgefährtin Carla Bruni entgegen den offiziellen
Erklärungen zu einem privaten Kurzbesuch nachreisen würde.
"Wenn wir Indien nicht Zugang zu ziviler Nukleartechnik verschaffen,
wird dies zu mehr Umweltverschmutzung führen", sagte Sarkozy unter
Anspielung auf den Energiebedarf der rasant wachsenden indischen
Wirtschaft. Die Vereinbarung hängt allerdings noch vom Ergebnis
der Verhandlungen zwischen Indien und der Internationalen
Atomenergiebehörde (IAEA) ab. Wegen seiner Atomwaffentests in den
Jahren 1974 und 1988 darf Indien derzeit keine Nukleartechnik kaufen.
Auch die 45 Lieferstaaten von Atomtechnologie, die Nuclear Suppliers
Group (NSG), müssen ihre Zustimmung erteilen.
Sarkozy sagte, er erwarte in dieser Frage einen internationalen Konsens
"binnen Wochen". Singh erklärte dagegen, der Prozess "brauche
Zeit". Der indische Regierungschef steht unter innenpolitischem Druck,
da ein derartiges Abkommen regelmäßige Kontrollen durch die
IAEA nach sich ziehen würde. Der kommunistische Regierungspartner
Singhs sieht dadurch die strategischen Interessen des Landes bedroht.
Indien gilt als inoffizielle Atommacht und verfügt
Schätzungen zufolge über 80 bis 250 Atomwaffen.
Singh betonte, beide Seiten seien sich einig, dass das Verhältnis
zwischen Frankreich und Indien über eine
"Käufer-Verkäufer-Beziehung" hinausgehe. "Wir werden uns
zunehmend auf gemeinsame Forschungs- und Entwicklungsprojekte, den
Technologietransfer und größeren militärischen
Austausch konzentrieren", sagte Singh.
Sarkozy war in der Hoffnung nach Indien gereist, im lukrativen
Rüstungsgeschäft mit dem Schwellenland verlorenen Boden
zurückzugewinnen. Als besonders heikel gilt die indische
Abbestellung von 197 Militärhubschraubern des europäischen
Luftfahrt- und Rüstungskonzerns EADS im vergangenen Monat.
Zum Abschluss des zweitätigen Besuchs steht eine als "privat"
gekennzeichnete Visite des Taj Mahal im nordindischen Agra auf dem
Programm. Aus indischen Regierungskreisen verlautete, Bruni könnte
womöglich kurz einfliegen, um Sarkozy beim Besuch des
Liebes-Denkmals aus dem 17. Jahrhundert zu begleiten. Das
französische Präsidialamt bekräftigte dagegen, die
Sängerin werde nicht nach Indien reisen.
(Quelle: afp)
Italiens Präsident Napolitano sucht Ausweg aus Regierungskrise
Sa.26.01.08 - Einen Tag nach dem Rücktritt des italienischen Regierungschefs
Romano Prodi hat Staatspräsident Giorgio Napolitano Gespräche
über eine Beilegung der Regierungskrise aufgenommen. Erste
Gesprächspartner am Freitagnachmittag waren die Präsidenten
von Senat und Abgeordnetenkammer. Eine von der Opposition geforderte
Neuwahl lehnt Napolitano ab. Das Staatsoberhaupt zieht stattdessen nach
eigenem Bekunden die Bildung einer Regierung von angesehenen und
unabhängigen Fachleuten vor.
Während Prodi auf Wunsch des Präsidenten weiterhin
geschäftsführend im Amt bleibt, fordert die Opposition
Neuwahlen. «Wir müssen schnellstmöglich an die Urnen
gehen», sagte der ehemalige Regierungschef Silvio Berlusconi. Mit
einer schnellen Beilegung der Regierungskrise rechnete in Italien
niemand. Die Gespräche Napolitanos waren bis Dienstag terminiert.
Eine der Hauptaufgaben des vom Präsidenten befürworteten
Kabinetts von Technokraten soll es sein, das Wahlrecht, das bislang die
Zersplitterung des Parlaments in kleinen Fraktionen fördert, zu
reformieren, um mehr politische Stabilität zu ermöglichen.
Derzeit müssen Parteien für einen Einzug ins Parlament
lediglich eine Zwei-Prozent-Hürde überwinden.
Als mögliche Kandidaten einer Übergangsregierung waren am
Freitag der Zentralbankchef Mario Draghi, der ehemalige
EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti und der Senatspräsident Franco
Marini im Gespräch. Sollte die Opposition jedoch auf der Forderung
nach Neuwahlen bestehen, wird eine erfolgreiche Regierungsbildung
schwierig sein. Berlusconi hofft, bei einer Neuwahl wieder an die Macht
zu kommen, die er 2006 an Prodi verlor. Die größte Partei in
Prodis Koalition, die Demokratische Partei unter Führung des
römischen Bürgermeisters Walter Veltroni, erklärte
indessen, Neuwahlen seien nicht nötig. Diese würden das Land
nur in eine dramatische Krise stürzen, sagte Veltroni.
Am späten Donnerstagabend hatte Prodi die Vertrauensfrage im Senat
knapp verloren: Der 68-Jährige bekam nach 20 Monaten im Amt nur
die Unterstützung von 156 Senatoren, während 161 gegen ihn
stimmten. Zuvor hatte Prodi am Mittwoch die Vertrauensabstimmung im
Abgeordnetenhaus noch klar mit 326 gegen 275 Stimmen gewonnen.
Auslöser der jüngsten Regierungskrise war der Austritt der
christdemokratischen Partei UDEUR aus der Regierung am vergangenen
Montag. Damit war Prodis ohnehin schon hauchdünne Mehrheit von nur
einer Stimme im Senat zusammengebrochen.
(Quelle: ap)
Prodi fordert nach Rücktritt Wahlrechtsreform
Sa.26.01.08 - Nach seinem Rücktritt als italienischer Staatschef warb Romano
Prodi eindringlich dafür, vor Neuwahlen das Wahlrecht zu
reformieren.
Prodi sagte in Rom vor einem Spitzentreffen seiner Demokratischen
Partei, bei der nächsten Parlamentswahl solle nicht mehr das
derzeit geltende Wahlrecht angewendet werden. Andernfalls werde das
Land "nur alle italienischen Tragödien und die politische
Zersplitterung von heute wiederholen".
Auch Präsident Giorgio Napolitano hatte sich wiederholt gegen
einen erneuten Urnengang nach dem derzeitigem Wahlrecht ausgesprochen,
das vielen kleinen Parteien den Einzug ins Parlament ermöglicht.
Die Opposition dringt auf baldige Neuwahlen.
Italiens aktuelles Wahlrecht wurde im Dezember 2005 von dem
rechtsgerichteten Lager von Prodis Vorgänger Silvio Berlusconi
beschlossen, um dem gegnerischen Lager das Leben schwer zu machen. Der
ehemalige Reformminister Roberto Calderoli, der das Gesetz entworfen
hatte, bezeichnete es selbst als "Schweinerei". Die Regelung beinhaltet
ein Verhältniswahlrecht sowie eine Siegerprämie für
dasjenige Parteienbündnis, das die Wahl gewinnt.
(Quelle: afp)
Militante Proteste gegen Weltwirtschaftsforum
Sa.26.01.08 - Militante Gegner des Davoser Weltwirtschaftsforums (WEF) haben sich zu
mehreren gewaltsamen Protestaktionen in der Nacht zum Freitag in
Zürich und Winterthur bekannt. In Winterthur war das Gebäude
des Technologiekonzerns Sulzer Ziel eines Anschlags mit
Feuerwerkskörpern, wie die Kantonspolizei Zürich
bestätigte. Der Sachschaden sei aber nicht sehr groß. Zwei
weitere Vandalenakte wurden aus der Stadt Zürich gemeldet. Ziel
waren hier das indische Konsulat und die Niederlassung der
US-Investmentbank Merrill Lynch.
Bereits in der Nacht zum Donnerstag hatten sich militante
Anti-WEF-Aktivisten zu Brandanschlägen und anderen Übergriffen
in Basel bekannt. Hier war ein Sachschaden in Höhe von mehreren
hunderttausend Euro entstanden. Keine Hinweise auf einen Zusammenhang
mit dem WEF hat hingegen die Berner Kantonspolizei im Fall eines
Bombenalarms, der am Donnerstagabend umfangreiche
Sicherheitsmaßnahmen auslöste. Ein verdächtiger Koffer
in einer Straße unweit des Parlamentsgebäudes erwies sich
aber als harmlos.
(Quelle: ap)
EU-Kommissar wirbt für Speicherung von Flugpassagierdaten -
EU-Innenministertreffen in Slowenien - Frattini will System nach
US-Vorbild
Sa.26.01.08 - Zum Auftakt des EU-Innenministertreffens in Slowenien hat EU-Kommissar
Franco Frattini erneut für die Speicherung von Flugpassagierdaten
nach US-Vorbild geworben. «Bislang haben wir uns mit der
Sicherheit der Amerikaner befasst, nun ist es Zeit, sich um die
Sicherheit der Europäer zu kümmern», sagte Frattini bei
seiner Ankunft am Konferenzort Brdo nahe der slowenischen Hauptstadt
Ljubljana.
Die Erfassung aller Flugpassagiere, die in die EU ein- oder aus der
Gemeinschaft ausreisen, sei ein wichtiges Instrument für den Kampf
gegen den Terrorismus, argumentierte der EU-Innenkommissar.
«Terrorismus bleibt die Sicherheitsbedrohung Nummer eins»,
sagte Frattini. Der EU-Kommissar hatte bereits im November
vorgeschlagen, Fluggesellschaften sollten bei Verbindungen zwischen der
EU und anderen Weltregionen bis zu 19 Datensätze der Passagiere an
das betroffene EU-Land übermitteln. Diese Daten sollen dort
insgesamt 13 Jahre lang gespeichert werden.
Der luxemburgische Justizminister Luc Frieden zeigte sich bei seiner
Ankunft indes skeptisch. «Wir müssen erst einmal bewerten,
was die Vorteile wären», sagte Frieden mit Blick auf die
EU-Kommissionspläne. «Ich bin nicht sicher, dass eine so
große Datenmenge überhaupt von jedem einzelnen Mitgliedstaat
bewältigt werden kann...wir müssen wirklich schauen, ob ein
solches System notwendig ist.»
Der gastgebende slowenische Innenminister und amtierende
EU-Ratsvorsitzende Dragutin Mate erklärte, er wolle zunächst
seine Kollegen aus Großbritannien, Dänemark und Frankreich zu
den Erfahrungen mit deren nationalen Flugpassagierdaten-Systemen
befragen. In den übrigen EU-Staaten gibt es bislang keine Systeme
zur langfristigen Speicherung von Fluggastdaten.
Allerdings sind die Fluggesellschaften bereits seit Ende 2006
verpflichtet, selbst bei innereuropäischen Flügen auf Anfrage
der Grenzschutzbehörden des Ziellands bestimmte Angaben über
ihre Passagiere zu übermitteln. Dazu zählen Name, Geburtsdatum
und Pass- beziehungsweise Personalausweisnummer, aber nicht wie bei dem
von Frattini geplanten System umfassende Informationen wie etwa
E-Mail-Adresse oder Sitzplatzwünsche. Zudem müssen nach den
bisherigen Vorschriften die Daten in der Regel nach 24 Stunden
gelöscht werden und dürfen ausschließlich von den
Grenzschutzbehörden verwendet werden.
(Quelle: ap)
Europarat besorgt über Kinderhandel in Osteuropa
Sa.26.01.08 - Der Europarat ist besorgt über das rätselhafte Verschwinden
Neugeborener aus Krankenhäusern in der Ukraine. Es bestehe der
Verdacht, dass die Kinder verkauft und im In- oder Ausland illegal
adoptiert würden, erklärte das Europarats-Parlament am
Donnerstag in Straßburg. Der Bericht des Gremiums stützt sich
auf Zeugenaussagen betroffener Mütter, Ärzte und Pfleger. Die
Interviews hatte die Schweizer Abgeordnete Ruth-Gaby Vermot-Mangold
geführt.
Auch im Nachbarland Moldawien stellte Vermot-Mangold Fälle von
Kinderhandel fest. In der Regel sei den ukrainischen Müttern kurz
nach der Entbindung mitgeteilt worden, dass das Kind verstorben sei,
berichtete sie. Einigen Frauen wurden dabei jedoch Leichen von Kindern
gezeigt, die erkennbar nicht ihre eigenen waren.
In anderen Fällen bekamen die Eltern das angeblich tote Kind gar
nicht zu sehen, auch gab es erhebliche Widersprüche oder
Lücken in den medizinischen Aufzeichnungen. Eine junge Frau in Kiew
habe sogar zwei Kinder nacheinander unter mysteriösen
Umständen verloren, so Vermot-Mangold.
Das Fehlen von Kontrollmechanismen habe zur Bildung internationaler
Kinderschmuggel-Netzwerke geführt, so die
Parlamentarier-Versammlung. Die Öffnung osteuropäischer
Grenzen sei ein Teil des Problems, sagte Vermot-Mangold. Etliche
Länder Europas müssten ihr Familien- und Strafrecht weiter
reformieren. Besonders wichtig sei es, den Adoptionsprozess nach dem
Umzug des Kindes weiter zu überwachen. (00911/24.1.2008)
(Quelle: epd)
Salomon Korn: Aufarbeitung der NS-Verbrechen nicht beendet
Sa.26.01.08 - Die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit ist nach Ansicht
Vizepräsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Salomon
Korn, noch lange nicht abgeschlossen. "Die nationalsozialistischen
Menschheitsverbrechen sind nicht über eine oder zwei Generationen
zu bewältigen", sagte Korn am Donnerstag bei einem
Fachgespräch über Erinnerungskultur im Bundestag. Er rief dazu
auf, bei diesem Thema "bescheidener, geduldiger und auch
demütiger" zu werden.
Wenige Tage vor dem Holocaust-Gedenktag am 27. Januar debattierte Korn
auf Einladung der Grünen-Fraktion mit weiteren Experten über
Wege, die Erinnerung an die NS-Verbrechen wachzuhalten. Kritisch
äußerten sich Teilnehmer der Runde dabei gegenüber dem
neuen Gedenkstättenkonzept der Bundesregierung, dessen
Diskussionsentwurf im Sommer vorgelegt wurde.
Volkhard Knigge, Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald
und Mittelbau-Dora, kritisierte, das Konzept setze zu wenig darauf, wie
historisch-ethische Bildung langfristig gesichert werden könne.
"Weinen allein bildet nicht", unterstrich er. Wer Opfer beweine,
müsse "durch das Weinen hindurch auch nach Tätern und Ursachen
fragen". Sonst verkomme das Gedenken zur Manipulation. Es fehle aber an
starken pädagogischen Abteilungen in den Gedenkstätten, um
dies zu verhindern.
Martin Sabrow vom Potsdamer Zentrum für Zeithistorische Forschung
bemängelte, das Regierungskonzept verkenne die Bedeutung von
Gesellschaft und alltäglichem Handeln. Erinnerungskultur müsse
sich aber gerade damit befassen, wie Diktaturen im Alltag gestärkt
und akzeptiert wurden.
Jörg Skriebeleit von der Gedenkstätte Flossenbürg sagte,
eine bessere finanzielle Ausstattung der KZ-Gedenkstätten allein
reiche nicht aus. Bisher werde zu wenig darüber diskutiert, was
KZ-Gedenkstätten eigentlich tatsächlich leisten könnten.
Der Ruf vieler Politiker, dass Neonazis nur einmal in eine
Gedenkstätte geschickt werden müssten, reiche aber nicht weit.
Notwendig sei ein öffentlicher Diskurs über die
Möglichkeiten solcher Orte des Gedenkens. (00935/24.1.2008)
(Quelle: epd)
Opferverbände beklagen viele Fälle von rechtsextremer Gewalt
Sa.26.01.08 - Opferverbände beklagen zahlreiche Fälle von rechtsextremer
Gewalt in der Region Anhalt. Im vergangenen Jahr seien in den
Landkreisen Anhalt-Bitterfeld, Salzland, Wittenberg und der Stadt
Dessau-Roßlau insgesamt 40 rechtsextreme Gewalttaten
bekanntgeworden. Die registrierten Angriffe bewegten sich auf einem
unverändert hohen Niveau, stellten die Beratungsstelle für
Opfer rechter Gewalt und das Mobile Beratungsteam gegen
Rechtsextremismus (Projekt GegenPart) am Freitag in Dessau fest. Von
einer Entwarnung oder gar spürbaren Senkung der Fälle
könne keine Rede sein.
Die Beratungsstellen erfassten im selben Zeitraum weitere 166 Delikte
mit rechtsextremem Hintergrund wie Fälle von Propaganda. Das sei
eine Steigerung gegenüber 2006 um 65 Fälle. Die Polizei
konnte die Zahlen nicht bestätigen. Die polizeiliche Statistik
für diesen Bereich liege erst Ende Februar vor, sagte ein Sprecher
der Polizeidirektion Ost auf ddp-Anfrage.
Das Projekt GegenPart macht eine Öffnung der rechtsextremen NPD
aus, die mit «erlebnisorientierten Angeboten» junge Leute
auf sich aufmerksam machen wolle. Die Verlegung der
Bundesgeschäftsstelle der Junge Nationaldemokraten nach Bernburg
im Oktober 2007 werde sich nicht nur auf Bernburg, sondern auf die
gesamte Region negativ auswirken, hieß es.
(Quelle: ddp)
Nullrunde im Boomjahr 2007 - Teuerung fraß Lohnerhöhungen auf
Sa.26.01.08 - Wegen der starken Teuerung haben die Arbeitnehmer 2007 trotz
Gehaltssprüngen unter dem Strich eine Nullrunde hinnehmen
müssen.
"Die tariflichen Monatsverdienste stiegen im Schnitt um 2,2 Prozent und
damit genauso stark wie die Verbraucherpreise", hieß es am
Freitag im Statistischen Bundesamt. Trotz des höchsten Anstiegs
der Löhne und Gehälter seit vier Jahren ging somit der
Aufschwung an vielen Beschäftigten vorbei, weil die Teuerung
nichts übrig ließ.
Dies gilt jedoch nicht für die Boombranchen Maschinenbau und
Chemie. Dort sprang im Schnitt ein Plus von 3,6 beziehungsweise 3,1
Prozent für die Angestellten heraus. In diesen Sparten konnten
sich auch die Arbeiter über deutlich mehr Geld in der
Lohntüte freuen: Im Maschinenbau zogen die Stundenlöhne um 4
Prozent an. Die Angestellten bei Bund, Ländern und Gemeinden,
gingen indes leer aus: Sie erhielten keine Tariferhöhung.
In diesem Jahr dürfen die Beschäftigten wieder auf ein reales
Lohnplus hoffen. Die Teuerungsrate wird nach Prognosen von
Wirtschaftsinstituten zwar über zwei Prozent verharren, doch
könnten die Lohnzuwächse diesmal kräftiger ausfallen.
Die Gewerkschaften fordern fünf bis neun Prozent mehr.
Verhandlungen stehen etwa im öffentlichen Dienst, in der Stahl-
und Chemieindustrie, in der Textil- und Bekleidungsbranche, in der
Energieversorgung, im Kfz-Gewerbe sowie in der Landwirtschaft an.
(Quelle: rtr)
Vollzeit-Arbeitnehmer arbeiteten im Schnitt mindestens 39,31 Stunden
Sa.26.01.08 - Deutsche Arbeitnehmer in Vollzeit haben im vergangenen Jahr im Schnitt
mindestens 39,31 Stunden gearbeitet. Das berichtete die
«Bild»-Zeitung unter Berufung auf Zahlen des
Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung
(IAB). Demnach lag die tarifliche oder betriebsübliche Arbeitszeit
bei durchschnittlich 38,29 Stunden pro Woche. Dieser Wert sei zwar der
höchste der vergangenen elf Jahre gewesen, habe sich aber
praktisch auf dem Vorjahresniveau von 38,28 Stunden bewegt.
Zusätzlich fielen bezahlte Überstunden in Höhe von 1,02
Stunden pro Kalenderwoche an, hieß es in dem Bericht.
Wirtschaftsforscher sprachen sich für eine generelle Rückkehr
zur 40-Stunden-Woche aus: «Arbeitszeitverlängerung ohne
Lohnausgleich ist das am wenigsten schmerzhafte Mittel und dient der
Sicherung von Arbeitsplätzen», sagte der Wirtschaftsweise
Wolfgang Franz der «Bild»-Zeitung. Auch der Direktor des
Instituts der deutschen Wirtschaft, Michael Hüther,
begrüßte, dass «die Arbeitgeber für den
öffentlichen Dienst jetzt die Arbeitszeit hochfahren
wollen». Dagegen sagte der Chef der Gastronomie- und
Ernährungsgewerkschaft (NGG), Franz-Josef Möllenberg:
«Arbeitszeitverlängerungen sind eine Mogelpackung. Das ist
mit uns nicht zu machen.»
(Quelle: ap)
Gewerkschaft der Polizei und Beamtenbund drohen mit Warnstreiks
Sa.26.01.08 - Die Gewerkschaft der Polizei und der Deutsche Beamtenbund (dbb) haben
Warnstreiks im Öffentlichen Dienst für den Fall
angekündigt, dass Bund und Kommunen in der nächsten
Verhandlungsrunde kein deutlich verbessertes Angebot vorlegen.
«Wir bereiten Warnstreiks vor. Es gibt genaue Planungen»,
sagte der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Konrad
Freiberg, der Hannoverschen «Neuen Presse». Das Angebot der
Arbeitgeber bezeichnete er als «Frechheit sondergleichen».
Dies lasse man sich nicht gefallen.
Die Arbeitgeber hatten den Beschäftigten im Öffentlichen
Dienst eine Gehaltserhöhung von fünf Prozent in drei Stufen
über zwei Jahre angeboten, bei gleichzeitiger Verlängerung
der Arbeitszeit. Die Gewerkschaften fordern acht Prozent mehr Geld. Die
nächste Verhandlungsrunde ist für den 11. und 12. Februar
angesetzt. Eine Sprecherin des Beamtenbundes sagte der Zeitung, falls
das Angebot bis dahin nicht erheblich nachgebessert werde, seien
Warnstreiks die zwingende Folge. GdP-Chef Freiberg nannte es bereits
jetzt absehbar, dass die Verhandlungen scheiterten und ein
Schlichtungsverfahren eingeleitet werden müsse.
(Quelle: ap)
KarstadtQuelle streicht angeblich 1000 Stellen
Sa.26.01.08 - Die KarstadtQuelle-Versandhandelstochter Primondo will einem Bericht
der "Leipziger Volkszeitung" zufolge ihre Callcenter in Leipzig,
Chemnitz und Essen schließen. Betroffen seien insgesamt knapp
tausend Beschäftigte, berichtete das Blatt aus Betriebsratskreisen.
Ein Primondo-Sprecher bestätigte, dass heute der
Primondo-Wirtschaftsausschuss tage und dass in Chemnitz und Leipzig
Mitarbeiterversammlungen geplant seien. Mehr wollte er demnach nicht
sagen, da Primondo sich bemühe, "immer zuerst die Belegschaft zu
informieren".
(Quelle: afp)
Auf Gerichte kommt laut Bericht Hartz-IV-Klagewelle zu
Sa.26.01.08 - Auf die deutschen Sozialgerichte kommt offenbar eine Klagewelle von
Hartz-IV-Empfängern zu. Wie die «Frankfurter
Rundschau» unter Berufung auf Statistiken des Deutschen
Gewerkschaftsbundes (DGB) berichtete, legten im vergangenen Jahr
760.000 Bezieher von Arbeitslosengeld II sowie abgelehnte Antragsteller
Widerspruch gegen den Bescheid der Arbeitsverwaltung ein, acht Prozent
mehr als 2006. Bereits damals hatte das Anfang 2005 in Kraft getretene
Gesetz einen Höchststand an Klagen bewirkt, wie die Zeitung
schrieb.
Von den Widersprüchen des Jahres 2007 seien rund 40 Prozent zu
Recht eingelegt worden und von den abgelehnten Widersprüchen
durchschnittlich 24 Prozent vor den Sozialgerichten gelandet. Folglich
hätten etwa 100.000 Arbeitslose und sonstige Bezieher von
Grundsicherung Klage eingereicht.
Zu den Hauptgründen für Widersprüche und Klagen
zählen laut DGB die Anrechnung von anderem Einkommen auf das
Arbeitslosengeld sowie die Übernahme der Kosten für Miete und
Heizung. Laut Rechtsprechung stehen einem alleinlebenden
Hartz-IV-Empfänger maximal 45 Quadratmeter Wohnfläche zu.
(Quelle: ap)
Sozialamt darf Hilfen für Behinderte nicht willkürlich
kürzen
Sa.26.01.08 - Sozialämter dürfen Eingliederungshilfen für behinderte
Menschen nicht willkürlich und gegen ärztlichen Rat
kürzen. Das entschied das Hessische Landessozialgericht in
Darmstadt (Beschluss veröffentlicht am 22. Januar 2008, AZ: L 9 SO
162/07 ER). Im konkreten Fall hatte der zuständige Landkreis die
Betreuungsstunden für einen 22-jährigen Behinderten von 13 auf
3 Stunden pro Monat zusammengestrichen. Der junge Mann arbeitete in
einer Werkstatt für behinderte Menschen und hatte bislang
wöchentlich Ausflüge mit einem Betreuer gemacht. Nach dem Ende
der regelmäßigen Betreuung verschlechterte sich das
Sozialverhalten des Mannes auffallend.
Die Richter befanden daraufhin, dass der Kläger mit den vom
Landkreis zugesprochenen Betreuungsstunden offensichtlich nicht
ausreichend versorgt sei und sprachen dem Behinderten 2,5 Stunden pro
Woche zu. Grundsätzlich hätten behinderte Menschen zum
Ausgleich für ihre eingeschränkten Möglichkeiten zur
Teilhabe am sozialen und gesellschaftlichen Leben einen Rechtsanspruch
auf Eingliederungshilfe. Solange die Hilfe einen Beitrag zur Integration
leiste, dürfe diese nicht gekürzt werden, betonten die
Richter.
(Quelle: ddp)
Weniger weibliche Topmanager in deutschen Unternehmen
Sa.26.01.08 - Der Anteil weiblicher Topmanager in größeren deutschen
Unternehmen ist im Jahr 2007 deutlich zurückgegangen. Das geht aus
einer Auswertung des Wirtschaftsinformationsdienstes Hoppenstedt hervor,
über die das «Manager Magazin» am Freitag berichtet.
Demnach betrug der Anteil weiblicher Topmanager in größeren
Unternehmen Anfang 2008 lediglich 5,65 Prozent. Anfang 2007 hatte ihr
Anteil noch bei 7,46 Prozent gelegen. Das entspricht einem Rückgang
um rund ein Viertel. In den Jahren zuvor war der Anteil weiblicher
Topmanagerinnen kontinuierlich gestiegen.
Bei der Auswertung wurden Unternehmen mit mehr als 200 Mitarbeitern
oder 20 Millionen Euro Umsatz berücksichtigt. Als Topmanager gelten
Geschäftsführer, Vorstände oder
Generalbevollmächtigte.
Zu den Ergebnissen der Studie passt laut Bericht eine Umfrage der
Personalberatung Egon Zehnder International unter Personalmanagern
deutscher Großkonzerne. Sie zeige, dass in rund zwei Drittel der
befragten Konzerne starke Vorbehalte gegenüber so genannten
Diversity-Programmen bestehen, die eine stärkere Förderung von
Frauen und Minderheiten zum Ziel haben.
(Quelle: ap)
Nur 'Die Linke' kann im ARD-Deutschlandtrend zulegen
Sa.26.01.08 - Zwei Tage vor den Landtagswahlen in Hessen und Niedersachsen kann auf
Bundesebene nur Die Linke in einer Umfrage zulegen.
Union, SPD, FDP und Grüne verharren dagegen in dem am Freitag
veröffentlichten Deutschland-Trend der ARD auf ihren Werten von
Anfang Januar. Demnach sprachen sich bei der Sonntagsfrage nach dem
Stimmverhalten bei einer Bundestagswahl 39 Prozent für die Union
aus, 30 Prozent für die SPD und je neun Prozent für FDP und
Grüne. Die Linke verbesserte sich um einen Punkt auf zehn Prozent.
Die sonstigen Parteien verloren zusammen einen Prozentpunkt.
Für die Umfrage wurden Tausend Bürger zwischen dem 22. und
23. Januar befragt.
(Quelle: rtr)
Bundestag beschließt umstrittenes Gentechnik-Gesetz
Sa.26.01.08 - Der Bundestag hat eine neue Kennzeichnung für gentechnikfreie
Produkte und schärfere Anbauregeln für Genmais beschlossen.
Für das umstrittene Gesetzespaket zur grünen Gentechnik
stimmten am Freitag die Abgeordneten von Union und SPD nach langen
Verhandlungen. Die Opposition kritisierte das Vorhaben. Der Bund
für Umwelt und Naturschutz monierte, die Koalition habe sich auf
die Seite der Gentechnik-Industrie geschlagen. Der Bundesrat muss der
Neuregelung im Februar noch zustimmen.
Für Produkte gibt es künftig eine Kennzeichnung "ohne
Gentechnik". Tierische Erzeugnisse wie Milch, Fleisch, Eier und
Käse dürfen dieses Etikett tragen, wenn die Tiere kein
genverändertes Futter erhalten haben. Erlaubt bleiben allerdings
Zusätze wie Vitamine und Enzyme, die durch gentechnische Verfahren
gewonnen wurden. Voraussetzung ist, dass es keine Alternativen gibt.
Die schon jetzt mögliche Kennzeichnung von Produkten als
gentechnikfrei wird von den Produzenten kaum genutzt, weil die
Kriterien zu ungenau sind.
Das Gesetz enthält zudem klare Vorgaben für das Nebeneinander
gentechnisch veränderter und unveränderter Pflanzen: Felder
mit Genmais müssen künftig mindestens 150 Meter von
konventionell bewirtschafteten Äckern entfernt sein. Der Abstand
zu Öko-Anbauflächen muss 300 Meter betragen, um eine
Vermischung zu verhindern. Benachbarte Bauern können sich aber
absprechen und die Abstände unterschreiten. Für Auskreuzungen
von Gen-Pflanzen auf andere Felder müssen weiter die Bauern
haften. Mais ist die einzige Pflanze, die bisher außerhalb der
Forschung gentechnisch verändert angebaut wird.
Das öffentliche Standortregister, in dem Felder mit Gen-Pflanzen
aufgeführt sind, wird weiter wie bisher geführt. Dies war auf
Kritik gestoßen, da militante Gentechnik-Gegner wiederholt
Forschungsfelder zerstört hatten. Das Gesetz erleichtert zudem die
Zulassungsverfahren für die gentechnische Forschung an Pflanzen.
Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer sagte, die Koalition zeige
beim Umgang mit dieser noch jungen Technologie einen
verantwortungsvollen Umgang und sage Ja zu Forschung und Entwicklung.
Oberstes Prinzip bleibe der Schutz von Mensch und Umwelt. Die
Grünen kritisierten, die neuen Regelungen führten zu einer
Ausweitung des Anbaus von Genpflanzen. Agrarexpertin Ulrike Höfken
sagte, vor allem die möglichen Privatabsprachen zwischen Bauern
seien geradezu "ein Freibrief für Verunreinigungen". Bei der
grünen Gentechnik handele es sich um eine aggressive Technologie.
Kirsten Tackmann von der Linkspartei warnte vor Gefahren für die
gentechnikfreie Landwirtschaft. "Ein bisschen Agro-Gentechnik gibt es
ebenso wenig wie ein bisschen schwanger", sagte sie. Die FDP verwarf
das neue Gesetz als innovationsfeindlich. Der Bauernverband hatte zuvor
bereits vom Gen-Anbau abgeraten, da die Landwirte wegen der
Haftungsrisiken trotz gesetzeskonformen Verhaltens einem
unkalkulierbaren Risiko ausgesetzt seien.
Forschungsministerin Annette Schavan sagte, die vereinfachten
Zulassungsverfahren sorgten dafür, dass die Wissenschaftler besser
arbeiten könnten. Die Forschung in Deutschland werde
gestärkt, ebenso die Sicherheit der Verbraucher.
Die Verbraucherzentralen fordern Nachbesserungen am neuen
Gentechnikgesetz und warnen vor einer Verunreinigung von Lebensmitteln.
«Ich habe Zweifel, ob die geplante Abstandsregelung zu Genmais
ausreicht», sagte der Vorstand des Bundesverbands der
Verbraucherzentralen, Gerd Billen, der Deutschen Presse-Agentur dpa in
Berlin. Der Abstand von Genmais zu konventionellem Mais soll
künftig 150 Meter betragen, zu Öko-Mais 300 Meter. «Man
hätte von vornherein sagen können, wir gehen auf 300 Meter,
damit man auf der sicheren Seite ist», sagte Billen.
Die Verbraucherzentralen warnen davor, dass die Abstandsregeln durch
Absprachen benachbarter Bauern unter bestimmten Bedingungen
unterschritten werden können. «Dann besteht die Gefahr, dass
Lebensmittel in großem Stil verunreinigt werden», sagte
Billen. «Die Preisfrage ist, ob insbesondere große
Agrokonzerne, die mit Genprodukten auf den Markt wollen, den Nachbarn
den Sicherheitsabstand abkaufen.» Dies könne er aus
Gründen des Verbraucherschutzes aber nicht akzeptieren. Er sehe
auch Risiken für die Umwelt, wenn sich genveränderte
Organismen im Boden befänden. Seehofer sieht dagegen keine Risiken
für Verbraucher und Umwelt.
Der Verbraucherschützer begrüßt die geplante
Kennzeichnung gentechnikfreier Lebensmittel. «Da Gentechnik in
immer weitere Lebensbereiche eindringt, brauchen wir eine
zusätzliche Information, um die Verbraucher darüber
aufzuklären», sagte Billen. Milch, Fleisch und Eier sollen
mit der Aufschrift «ohne Gentechnik» gekennzeichnet werden,
auch wenn sie Futtermittel mit Zusätzen bekommen haben, die durch
gentechnische Verfahren hergestellt wurden. Wichtig sei, dass es einen
Markt für gentechnikfreie tierische Produkte gebe, sagte Billen.
«Die Verbraucher gehen im Moment davon aus, dass bei der Milch,
die sie trinken oder bei der Bratwurst, die sie essen, die Futtermittel
gentechnikfrei sind.» Diese Sicherheit müsse aber erst
hergestellt werden»
boa (Quellen: rtr, dpa)
Wissenschaft
Stammzellen in Bauchspeicheldrüsen von Mäusen
entdeckt
Sa.26.01.08 - Nach langjähriger Suche haben Wissenschaftler in der
Bauchspeicheldrüse von Mäusen Stammzellen entdeckt und damit
möglicherweise die Grundlage für neue Behandlungsmethoden von
Diabetes gelegt. Wie die Fachzeitschrift "Cell" berichtet, gelang es
einem Team um Harry Heimberg von der Freien Universität
Brüssel, die Stammzellen in Bauchspeicheldrüsen erwachsener
Mäuse zu isolieren. Stammzellen haben die Fähigkeit, sich in
alle möglichen Zellarten weiterzuentwickeln. So könnte es
gelingen, mit ihrer Hilfe so genannte Beta-Zellen der
Bauchspeicheldrüse zu bilden, die über zur Insulin-Produktion
befähigt sind.
Dies ist erforderlich, um den Zuckerspiegel auf natürlichem Wege
im Gleichgewicht zu halten. "Eine der wichtigsten Eigenschaften dieser
Zellen besteht darin, dass sie mit embryonalen Stammzellen nahezu
identisch sind", erklärte Heimberg. Nun liege die große
Herausforderung darin, aus der Entdeckung eine Möglichkeit
herzuleiten, wie Diabetes-Kranke behandelt werden können. Dies sei
allerdings erst in "ferner Zukunft" zu erwarten.
(Quelle: afp)
Internet
Anonymes Surfen leicht gemacht
Sa.26.01.08 - Daten von Internet-Surfern lassen sich leicht ohne deren Wissen
speichern. So können beispielsweise Benutzerprofile erstellt
werden, ohne dass der Anwender sein Einverständnis hierzu gegeben
hat.
Wer dies verhindern möchte, kann auf spezielle Software,
sogenannte "Anonymizer", zurückgreifen. Diese Software klinkt sich
bildlich gesprochen zwischen den Rechner des Anwenders und den
Zielrechner ein, sodass keine direkte Kommunikation mehr zwischen den
beiden Systemen erfolgt. Somit ist kein Rückschluss auf den Rechner
des Anwenders möglich.
Entsprechende, teils kostenlose Programme sind im Internet unter dem
Stichwort "Anonymizer" zu finden.Allerdings sollte sich der Benutzer
eines solchen Tools bewusst sein, dass die Anonymisierung nicht immer
ganz unproblematisch ist.
Wer etwa seine Internet-Spuren am Arbeitsplatz verwischen möchte,
sollte seinen Vorgesetzten oder den zuständigen Administrator um
Erlaubnis bitten. Denn rasch könnte sonst ein falscher Eindruck
entstehen, der mindestens einen Vertrauensbruch nahelegt. Ob und wie die
Verwendung solcher Programme in Zukunft zu bewerten ist, wenn
verschärfte Überwachungsregeln seitens der Regierung gelten,
ist ebenfalls nicht aus den Augen zu lassen.
(Quelle: gp)