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Irak am 1404ten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Studenten aus Deutschland möglicherweise für Al Kaida im Irak
So.27.01.08 - Im Irak kämpfen nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins
«Der Spiegel» möglicherweise mehrere Studenten aus
Deutschland für das Terrornetzwerk Al Kaida. Das Blatt berichtete
am Samstag vorab, auf Listen mit Namen ausländischer Rekruten
fänden sich die Personalien von vier Männern aus
Niedersachsen. Die Unterlagen seien von amerikanischen Soldaten in
einem Zeltlager im Irak beschlagnahmt worden. Alle vier hätten
sich freiwillig für den Dschihad gemeldet. Zumindest zwei von
ihnen hätten an der TU Braunschweig studiert.
Die beiden 25 und 30 Jahre alten Tunesier seien im Frühjahr 2007
plötzlich aus einem Braunschweiger Studentenwohnheim verschwunden.
Der eine von ihnen habe seit zehn Jahren, der andere seit 2003 in
Deutschland gelebt. Noch unklar ist dem Bericht zufolge der Hintergrund
bei den anderen zwei Männern.
Wie der «Spiegel» weiter schreibt, prüfen deutsche
Ermittler nun, wer die Vier in Deutschland rekrutiert und den Kontakt
vermittelt habe. Das Bundeskriminalamt (BKA) wollte den Bericht auf
Anfrage der Nachrichtenagentur AP am Samstag nicht kommentieren.
BKA und Verfassungsschutz gehen laut «Spiegel» davon aus,
dass seit 2003 bundesweit mehr als 80 Freiwillige aus Deutschland in
den Irak gereist seien, von denen etwa die Hälfte aktiv auf Seiten
von Al Kaida gekämpft hätten.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 27.01.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am neunhundertzweiundvierzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Vetomächte wollen Iran-Sanktionen verschärfen
So.27.01.08 - Im Streit um das iranische Atomprogramm haben sich die fünf
Vetomächte im Sicherheitsrat und Deutschland auf eine moderate
Verschärfung der Sanktionen gegenüber dem Iran geeinigt.
Die Vorschläge entsprechen der Linie, auf die sich die USA,
Russland, China, Frankreich, Großbritannien und Deutschland bei
ihrem Außenministertreffen am Dienstag in Berlin verständigt
hatten. Einem BBC-Bericht zufolge sind weitere
Handelsbeschränkungen und ein Reiseverbot für
Atomwissenschaftler vorgesehen.
«Elemente» für eine entsprechende Resolution wurden am
Freitag den zehn nichtständigen Mitgliedern des höchsten
UN-Gremiums übermittelt. Voraussichtlich am Montag wird sich der
Sicherheitsrat damit erstmals befassen, hieß es in diplomatischen
Kreisen.
Mit den Sanktionen soll Teheran zur Aussetzung der Urananreicherung
bewegt werden. Die Vereinten Nationen befürchten, dass der Iran
unter dem Deckmantel eines zivilen Nuklearprogramms an der Entwicklung
von Atomwaffen arbeitet. Der Sicherheitsrat hat bereits zweimal
Sanktionen verhängt.
Ungeachtet der Bemühungen um neue Sanktionen will Teheran in
Kürze mit dem Test neuer Hochgeschwindigkeits-Zentrifugen zur
Anreicherung von Uran beginnen. Wie am Freitagabend aus diplomatischen
Kreisen in Wien bekannt wurde, hat die iranische Regierung dies der
Internationalen Atomenergiebehörde IAEA mitgeteilt.
Unklar ist noch, ob die Gaszentrifugen vom Typ P2 im
Atomforschungszentrum Natans aufgestellt werden, wo bereits 3000
Zentrifugen des älteren Typs P1 teilweise in Betrieb sind. Nach in
Wien vorliegenden Informationen wurde IAEA-Chef Mohammed el Baradei bei
seinem jüngsten Besuch in Teheran über die geplanten Tests
informiert. P2-Zentrifugen sind etwa 2,5-mal schneller als die
veralteten Vorgänger, die der Iran ursprünglich von Pakistan
erhielt.
(Quelle: dpa)
USA besorgt über Todesurteil wegen Blasphemie in Afghanistan
So.27.01.08 - Die USA haben sich besorgt über ein Todesurteil gegen einen
afghanischen Journalisten geäußert, der der Blasphemie
schuldig gesprochen worden war.
Der US-Botschafter in Kabul werde wegen des Falls mit der afghanischen
Regierung Kontakt aufnehmen, sagte ein Sprecher des
Außenministeriums am Freitag. Zudem werde man das
Berufungsverfahren genau verfolgen.
Der 23-jährige Perwis Kambachsch von der Zeitung "Dschana-e Now"
war am Dienstag zum Tode verurteilt worden. Unter anderem soll er einen
Artikel verbreitet haben mit der Behauptung, Mohammed habe die Rechte
der Frauen ignoriert. Mitstudenten zufolge soll er zudem über den
Islam lustig gemacht haben. Die Vereinten Nationen und Reporter ohne
Grenzen hatten Afghanistan am Donnerstag aufgefordert, den Fall erneut
zu prüfen.
(Quelle: rtr)
Nahost-Konflikt: Ägypten lässt Palästinenser weiter
über die Grenze. - Bilaterale Gespräche zur Lösung der
Gazakrise - 2000 Israelis demonstrieren gegen Abriegelung des
Gazastreifens
So.27.01.08 - Wegen des anhaltenden Andrangs hat Ägypten die Grenze zum
Gazastreifen für die Palästinenser wieder geöffnet. Die
Menschen aus dem von Israel abgeriegelten Gebiet könnten sich in
Ägypten mit dem Lebensnotwendigen eindecken, sagte der Gouverneur
von Nord-Sinai, Achmed Abdel Hamid. Die Regierung in Kairo
kündigte an, die im Gazastreifen herrschende Hamas und die
Autonomiebehörde von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas
zu getrennten Gesprächen einzuladen. Bei seinem Gespräch mit
Israels Ministerpräsident Ehud Olmert will Abbas laut seinem
Chefunterhändler dafür werben, die Kontrolle über die
Grenzen des Gazastreifens zu übernehmen.
Die ägyptischen Sicherheitskräfte hatten am Freitag versucht,
den Massenansturm von Palästinensern aus dem Gazastreifen zu
stoppen. Doch Mitglieder der radikalislamischen Hamas rissen am Abend
mit Bulldozern erneut Teile der Grenzmauern bei Rafah nieder. Die
ägyptischen Sicherheitskräfte erhielten laut Abdel Hamid
daraufhin den Befehl, die Palästinenser passieren zu lassen.
Der ägyptische Außenminister Ahmed Abul Gheit teilte mit,
bei Zusammenstößen entlang der Grenze zwischen Ägypten
und dem Gazastreifen seien seit Mittwoch etwa 40 ägyptische
Sicherheitskräfte verletzt worden. Einige von ihnen schwebten in
Lebensgefahr, sagte er in Kairo.
Abbas will am Sonntag in Jerusalem mit dem israelischen Regierungschef
Olmert zusammenkommen. Dabei solle es nicht nur um Fragen zu einem
Nahost-Friedensvertrag gehen, sagte der palästinensische
Unterhändler Sajeb Erakat. Abbas wolle bei Olmert dafür
eintreten, dass seine im Westjordanland herrschende
Autonomiebehörde die Kontrolle über die Grenzen zwischen dem
Gazastreifen und Ägypten sowie zu Israel übernehme.
Am Grenzübergang Eres demonstrierten unterdessen rund 2000
Israelis gegen die Abriegelung des Gazastreifens. Die Demonstranten,
unter ihnen arabische Israelis, Friedensaktivisten und Abgeordnete,
forderten ein Ende der seit zehn Tagen anhaltenden Blockade. Das
Oberste Gericht in Israel soll am Sonntag in einer
Dringlichkeitssitzung über eine Petition beraten, die mehrere
israelische Organisationen aus Protest gegen die Blockade eingereicht
hatten, wie die Sprecherin einer der Gruppen sagte.
Wegen des anhaltenden Raketenbeschusses hatte Israel am 17. Januar den
Gazastreifen fast vollständig abgeriegelt und nur noch Medikamente
und Treibstoff für ein Elektrizitätswerk passieren lassen.
Der UN-Sicherheitsrat konnte sich am Freitag erneut nicht auf eine
gemeinsame Erklärung zur Lage im Gazastreifen einigen.
(Quelle: afp)
Kenia: Mindestens 25 Tote nach Unruhen im Rift Valley
So.27.01.08 - In der Hauptstadt der kenianischen Provinz Rift Valley haben am Samstag
den zweiten Tag in Folge schwere Unruhen angedauert. Die Zahl der Toten
der mit Macheten sowie Pfeil und Bogen ausgetragenen Kämpfe
zwischen Angehörigen der Kikuyu von Präsident Mwai Kibaki und
anderen Volksgruppen in Nakuru stieg auf 25: Polizisten luden 16
verkohlte, teilweise verstümmelte Leichen vor der Leichenschauhaus
ab. In der Stadt war gelegentlich Gewehrfeuer zu halten.
Am Freitag waren nach den ersten Zusammenstößen in Nakuru
neun Leichen ins Leichenschauhaus gebracht worden, wie aus
Polizeikreisen verlautete. Hunderte von Menschen suchten in der
katholischen Kirche der 300.000 Einwohner zählenden
Provinzhauptstadt Zuflucht, nachdem ihre Häuser niedergebrannt
worden waren. Die Polizei verhängte ein nächtliches
Ausgehverbot.
Kenia wird seit der nach Angaben internationaler Beobachter
fehlerhaften Präsidentenwahl vom 27. Dezember von Unruhen
erschüttert. Präsident Kibaki und Oppositionsführer Raila
Odinga haben aber bislang auch unter Vermittlung des früheren
UN-Generalsekretärs Kofi Annan keine Lösung für die
politische Krise gefunden. Annan besuchte am Samstag einige der
Brennpunkte der Unruhen in der Region am Ostafrikanischen Grabenbruch.
(Quelle: ap)
EFTA-Freihandelsabkommen mit Kanada unterzeichnet
So.27.01.08 - Die EFTA-Staaten Schweiz, Norwegen, Liechtenstein und Island haben am
Samstag das Freihandelsabkommen mit Kanada unterzeichnet. An der
feierlichen Unterzeichnung beim Weltwirtschaftsforum in Davos nahm auch
der kanadische Minister für internationalen Handel, David Emerson,
teil. Nach Angaben der kanadischen Regierung ist es das erste,
transatlantische Freihandelsabkommen des Landes.
Das Abkommen beseitigt oder reduziert die Zölle auf
Industrieerzeugnissen und verarbeiten Agrarprodukten für die
Vertragspartner. Gleichzeitig wurde mit Kanada ein Agrarabkommen
ausgehandelt.
Die Schweizer Volkswirtschaftsministerin Doris Leuthard bezeichnete die
Verhandlungen mit Kanada in verschiedenen Zeitungsinterviews als
langwierig. Der nun erreichte Kompromiss zeige, dass selbst mit Staaten
mit großem Landwirtschaftssektor Freihandelsverträge
möglich seien. «Das wird man auch in den USA zur Kenntnis
nehmen, die sich in diesem Dossier bislang kompromisslos gezeigt
haben», erklärte Leuthard.
(Quelle: ap)
Friedliche Demonstrationen gegen Weltwirtschaftsforum
So.27.01.08 - Rund 700 Menschen haben am Samstag in Bern und Davos friedlich gegen
das Weltwirtschaftsforum (WEF) demonstriert. In Zürich setzte die
Polizei am Freitagabend bei einer nicht genehmigten Demonstration
Gummischrot ein und nahm Dutzende Personen fest.
In Bern zogen die WEF-Gegner am Samstagnachmittag durch die Innenstadt.
Die Polizei gab die Zahl der Teilnehmer mit 500 an, die Organisatoren
sprachen von mehr als 1.000 Menschen. Die Demonstranten trugen
Transparente mit Aufschriften wie: «UBS-Milliarden im Sand,
WEF-Milliarden im Schnee - Die Zukunft in unsere Hand».
Die rund 100 Demonstranten in Davos, dem traditionellen
Veranstaltungsort des Weltwirtschaftsforums, hatten Ballons und
Transparente dabei mit Inschriften wie «Yes we are in
Davos», «I am the Boss», «Make Love not
WEF» oder «Deine Sicherheit geht über meine».
Sie zogen in einer Entfernung von rund 150 Metern am Kongresszentrum
vorbei. Rund 80 globalisierungskritische, meist junge Menschen
demonstrierten auch in Delsberg im Kanton Jura. Diese Kundgebung
verlief laut Polizei ebenfalls ohne Zwischenfälle.
In Zürich hatte die Stadtpolizei am Abend zuvor bei der nicht
genehmigten Demonstration gegen das WEF 48 Personen vorübergehend
festgenommen. Um die Kundgebung aufzulösen, setzte die Polizei
Gummigeschosse gegen die Demonstranten ein.
(Quelle: ap)
Türkeis Außenminister warnt EU vor Abschottung als
'Christenclub'
So.27.01.08 - Der türkische Außenminister Ali Babacan hat die
Europäische Union beim Weltwirtschaftsforum in Davos davor
gewarnt, sich als "Christenclub" gegen andere Staaten abzuschotten.
"Wenn die EU sich selbst als Club von Christen empfindet (...),
widerspricht das dem eigentlichen Geist Europas", sagte Babacan, dessen
Land einen EU-Beitritt anstrebt, vor Journalisten. "Religiöse
Trennlinien sollten niemals wie eine Grenze dargestellt werden."
Zwischen den 27 EU-Mitgliedstaaten bestünden bereits "große
Unterschiede" in Hinblick auf ihre Religion, Kultur und Sprache,
unterstrich Babacan.
Letztendlich müsse entschieden werden, "ob die Türkei der EU
neuen Reichtum bringt, so dass die EU eine wirklich umfassende Stimme
und eine wirklich repräsentative Stimme hat". Die Türkei
könne als Mitglied der EU als Brücke zwischen dem Westen und
der islamischen Welt fungieren, stellte Babacan in Aussicht. Zugleich
betonte er, dass Ankara die Demokratie weiter ausbauen wolle. Die
beiden großen EU-Staaten Deutschland und Frankreich widersetzen
sich einer EU-Vollmitgliedschaft der Türkei und bieten ihr
stattdessen eine privilegierte Partnerschaft an. Der französische
Präsident Nicolas Sarkozy hatte seine Ablehnung damit
begründet, dass die Türkei als überwiegend muslimisches
Land nicht zu Europa gehöre.
(Quelle: afp)
EU-Kommissionspräsident Barroso ruft zu Reformen angesichts der
Finanzkrise auf
So.27.01.08 - EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso hat die
europäischen Regierungen angesichts der internationalen Finanzkrise
zu weiteren Reformanstrengungen aufgerufen. «Dank der Reformen
der letzten Jahre stehen wir besser da als zuvor», sagte Barroso
der «Bild am Sonntag». «Wir müssen aber weiter
modernisieren, die in Lissabon beschlossene Strategie der EU für
Wachstum und Beschäftigung auch künftig vorantreiben. Dann
verringern wir die Arbeitslosigkeit, machen durch
Produktivitätssteigerung auch Lohnzuwachs möglich.»
Außerdem müssten die Europäer «die Transparenz
der Finanzmärkte verstärken», wurde er zitiert. Barroso
äußerte sich zuversichtlich über weiteres
Wirtschaftswachstum. «Die wirtschaftlichen Grunddaten der EU sind
gesund. Wir haben die niedrigste Arbeitslosenrate seit 25 Jahren»,
sagte er. «Wir sind nicht immun gegen Turbulenzen, vor allem aus
den USA. Aber wir bleiben auf Wachstumspfad.» Der Präsident
erinnerte an das Wort von Bundeskanzlerin Angela Merkel, wonach es
keine Rezession in Deutschland gebe. Dies sei «richtig».
(Quelle: ap)
EU-Justizminister einig über Verurteilung in Abwesenheit
So.27.01.08 - Wer sich in Italien, Frankreich oder Spanien aufhält, soll bei
einem Rechtsverstoß künftig keine bösen
Überraschungen mehr erleben. Die europäischen Justizminister
einigten sich im slowenischen Brdo im Grundsatz auf einen besseren
Schutz bei einer Verurteilung in Abwesenheit. Während solche
Strafrechts-Urteile in Deutschland nur im Ausnahmefall möglich
sind, sind sie in südlichen EU-Staaten Praxis. "Die Grundsatzidee
ist, dass Menschen die Möglichkeit haben, sich zu verteidigen",
sagte Deutschlands Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) nach dem
informellen Treffen.
Nach Angaben des slowenischen Justizministers und amtierenden
EU-Ratsvorsitzende Lovro Sturm sind die Bedingungen für eine
Verurteilung in Abwesenheit in den Südländern "nicht sehr
streng". Wer etwa in Italien widerrechtlich Antiquitäten kauft,
sich des Betrugs schuldig macht oder im Streit jemanden
niederschlägt, wird laut EU-Kreisen zum Teil verurteilt, ohne
davon zu erfahren. In Deutschland kann dann bei der Rückkehr ein
Haftbefehl oder eine saftige Strafe auf ihn warten.
Künftig müssen Bürger nach dem Willen der Justizminister
möglichst frühzeitig in ihrer Heimatsprache über die
Vorwürfe und den Rechtsbeistand informiert werden. Sind die
Auflagen erfüllt, kann das Urteil nach Angaben Zypries' auch in
Deutschland vollstreckt werden. Während EU-Diplomaten ein
weitverbreitetes Problem sehen, geht es der Justizministerin zufolge
eher um "Einzelfälle". Formal wollen die Justizminister im Juni
entscheiden. Die EU-Staaten haben dann drei Jahre Zeit zur Umsetzung.
Die Regeln würden also voraussichtlich 2011 greifen.
Auf Eis liegen dagegen wegen schwedischen Widerspruchs Pläne
für Erleichterungen bei der Ehetrennung. Nach einem EU-Vorhaben
sollten binationale Paare oder solche, die im Ausland leben, mehr
Freiheit bei der Wahl des Scheidungsrechts haben. So sollte etwa ein
deutsch-französisches Paar bei einer einvernehmlichen Trennung
wählen können, ob es nach deutschem oder französischem
Recht geschieden werden will. Auch das Recht des Wohnorts kann zur
Anwendung kommen. Profitieren könnten theoretisch viele
Bürger: In Deutschland entfallen nach Zypries' Angaben 13 Prozent
der Scheidungen auf binationale Ehen. EU-weit liegt die Rate sogar bei
20 Prozent.
Auf einem guten Weg sieht Zypries Pläne, wonach sich
Unterhaltsansprüche besser durchsetzen lassen. Über die
geplante Verordnung wollen die Justizminister ebenfalls im Juni
entscheiden.
(Quelle: afp)
Deutschenfeindliche Sprüche kein Extremismus
So.27.01.08 - Verfassungsschutzchef Heinz Fromm sieht keine Notwendigkeit dafür,
dass sein Amt wegen der Gewalttaten ausländischer Jugendlicher
gegen Deutsche tätig wird. "Ich sehe bislang den Verfassungsschutz
hier nicht als zuständig an", sagte From der "Frankfurter
Allgemeinen Sonntagszeitung". "Dass deutschenfeindliche Sprüche
als politischer Extremismus zu bewerten sind, bezweifle ich, denn es
müssen ja Anhaltspunkte für politisch-extremistische
Bestrebungen erkennbar sein", sagte der Präsident des Bundesamtes
für Verfassungsschutz weiter.
Kürzlich hatte Baden-Württembergs Bundesratsminister Wolfgang
Reinhart (CDU) einen Vorstoß seines Bundeslandes
angekündigt, wonach deutschenfeindliche Parolen künftig als
Volksverhetzung bestraft werden sollen.
(Quelle: afp)
NPD steckt in Geldnöten
So.27.01.08 - Die rechtsextreme NPD ist nach Einschätzung des
Verfassungsschutzes in schweren Geldnöten.: "Die Finanzlage der
NPD ist desolat. Alle Vermutungen, sie hätten geheime Geldquellen,
sind unbegründet", sagte der Präsident des Bundesamtes
für Verfassungsschutz, Heinz Fromm, der "Frankfurter Allgemeinen
Sonntagszeitung" laut Vorabbericht.
Die Frage, ob "reiche Alt-Nazis" im Exil die Partei finanzierten, habe
sich "biologisch erledigt", fügte Fromm hinzu. Das Aufkommen durch
Beiträge der rund 7000 Mitglieder sei nicht so hoch. "Der Einzige,
der immer mal aushilft, ist der Anwalt Rieger, der über die Mittel
einer Stiftung verfügt, die in Großbritannien ansässig
ist." Der Hamburger Anwalt Jürgen Rieger wird von
Verfassungsschützern als rechtsextrem eingeschätzt. Er hatte
unter anderem für Schlagzeilen gesorgt, als er im Jahr 2006 ein
leerstehendes Hotel in Delmenhorst kaufen und dort ein Tagungszentrum
für die rechte Szene einrichten wollte.
Ein Verbot der NPD hält Fromm derzeit kaum für machbar, auch
wenn dieses Vorteile hätte. "Ich habe große Zweifel, ob ein
NPD-Verbot durchsetzbar wäre." Um vor Gerichten bestehen zu
können, "müsste man die V-Leute aus der NPD herausziehen,
eine zeitlang abwarten und dann prüfen, ob das offene Material
für ein Verbot ausreicht", erläuterte Fromm. "Ich warne
davor. Wir sollten schon weiterhin über die Situation der NPD und
ihre Ausrichtung genau Bescheid wissen."
Ein Verbotsantrag war im Jahr 2003 vor dem Verfassungsgericht
gescheitert. Die Länder wollen bis März neue Informationen
über einen möglichen Verbotsantrag sammeln.
(Quelle: rtr)
An kommunalen Krankenhäusern drohen baldige Streiks
So.27.01.08 - An den kommunalen Krankenhäusern könnte es schon bald zu
Streiks kommen.
Auch bei der nächsten Verhandlungsrunde am Montag erwarte er kein
Angebot der Arbeitgeber, sagte der Vorsitzende des
Klinikärzteverbandes Marburger Bund, Rudolf Henke, der
Nachrichtenagentur Reuters. Dies werde seine Gewerkschaft den Kommunen
nicht durchgehen lassen, sagte er. Am Dienstag werde die Tarifkommission
zusammenkommen und den Stand der Verhandlungen bewerten. Dabei werde
auch über Warnstreiks gesprochen.
"Man darf die angespannte Erwartungshaltung der Ärzte nicht
unterschätzen. Die Geduld wird nicht unendlich sein", drohte Henke.
Mit einem Angebot, wie es bei den Verhandlungen des öffentlichen
Dienstes für das Klinikpersonal vorgelegt worden sei, werde sich
der Marburger Bund nicht abspeisen lassen. Dieses beläuft sich
nach Gewerkschaftsberechnungen auf rund 2,5 Prozent für 2008 und
0,41 Prozent für 2009. "Damit kriegt man bei uns den Unmut nicht
gestillt." Seine Gewerkschaft bereite sich auf
Arbeitskampfmaßnahmen für den Fall vor, dass die Arbeitgeber
weiter kein Angebot vorlegten und es zu keiner Einigung komme. "Wir sind
dabei, uns systematisch aufzustellen."
Die erste Gesprächsrunde war vor zwei Wochen ohne Einigung
geblieben. Die Arbeitgeber hatten zu verstehen gegeben, sie würden
den rund 55.000 Medizinern an den Kliniken der Städte und Gemeinden
auch in der zweiten Runde kein Angebot unterbreiten. Der Marburger Bund
fordert für die Ärzte im Schnitt eine Gehaltssteigerung um
10,2 Prozent.
(Quelle: rtr)
Nokia hat gegen Subventionsauflagen verstoßen. DGB droht mit
massiven Protesten gegen Werksschließung
So.27.01.08 - Der Handykonzern Nokia hat in seinem Bochumer Werk gegen
Subventionsauflagen verstoßen. Der Sprecher des
nordrhein-westfälischen Wirtschaftsministeriums, Joachim Neuser,
sagte am Samstag der Nachrichtenagentur AP, das finnische Unternehmen
habe die Zahl der an öffentliche Fördermittel gebundenen
Dauerarbeitsplätze in den Jahren 2002 bis 2005 um 200 bis 400
unterschritten. Die rechtlichen Konsequenzen würden derzeit
geprüft. Endgültige Zahlen sollen demnach im Laufe der
kommenden Woche vorliegen.
Zuvor hatte das Magazin «Focus» über den Verstoß
berichtet. Dem Bericht zufolge prüft auch die Staatsanwaltschaft
Bochum, ob sie Ermittlungen wegen Subventionsbetrug im Zusammenhang mit
den Arbeitsplätzen aufnimmt. Die Fördermittel von 58 Millionen
Euro waren demnach an die Schaffung von 2.860 Dauerarbeitsplätzen
gebunden. Das Bundesforschungsministerium untersuche ebenfalls, ob es
Fördermittel für Forschung und Entwicklung zurückfordern
könne. Von 1998 bis 2007 hat Nokia dem Bericht zufolge
hierfür insgesamt zehn Millionen Euro erhalten.
Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat derweil massiven Widerstand
gegen die Schließung des Nokia-Werkes in Bochum angekündigt.
«Wir erleben eine Mobilisierung wie seit langem nicht mehr»,
sagte der nordrhein-westfälische DGB-Vorsitzende Guntram Schneider
der «Rheinischen Post» zufolge. Er forderte Nokia auf, die
Entscheidung zu revidieren. Statt den Standort nach Rumänien zu
verlagern, solle der Konzern Wege finden, um die Produktivität des
Standorts Bochum zu erhöhen.
Außerdem forderte Schneider striktere Regelungen, um
künftige Schließungen zu verhindern. «Ich erwarte, dass
das Land NRW eine Bundesratsinitiative einbringt, die die
Schließung von Standorten erschweren soll. Für
Standortschließungen sollte eine Zweidrittelmehrheit im
Aufsichtsrat gesetzlich vorgeschrieben werden.» Auch die Kosten
für Sozialpläne müssten höher werden, wurde
Schneider zitiert. Er gehe zudem davon aus, dass sich Nokia mit dem
neuen Standort Rumänien verrechne: «Dort herrscht
Vollbeschäftigung. Die Qualifizierten arbeiten fast alle im
Ausland.»
boa (Quellen: dpa, ap)
Allianz meldet acht Milliarden Euro Gewinn
So.27.01.08 - Die Allianz hat im vergangenen Jahr erneut einen deutlichen
Gewinnsprung erzielt. Der Versicherer verbuchte unterm Strich acht
Milliarden Euro und damit 14 Prozent mehr als im Vorjahr, wie der
Münchener Konzern auf Basis vorläufiger Zahlen mitteilte.
Während das Versicherungsgeschäft erfreulich verlief, war die
Dresdner Bank erneut das Sorgenkind des Konzerns. Die Banktochter musste
wegen Fehlspekulationen mit faulen US-Immobilienkrediten im vierten
Quartal rund 900 Millionen Euro abschreiben und rutschte zum Jahresende
tief in die roten Zahlen.
Die Verluste konnten jedoch mit Gewinnen aus den Vormonaten
ausgeglichen werden, so dass die Dresdner Bank im Gesamtjahr einen
Gewinn beisteuerte.
(Quelle: afp)
Unternehmen dürfen Wertverlust von Aktien abschreiben
So.27.01.08 - Firmen dürfen Kursverluste bei Aktien, die als Geldanlage gehalten
werden, unter bestimmten Voraussetzungen abschreiben und so Steuern
sparen. Das entschied der Bundesfinanzhof (BFH) in München. Damit
widersprachen die obersten deutschen Finanzrichter der Praxis der
Finanzämter, die im Börsenkurs eine bloße Wertschwankung
sehen und Verluste bislang nicht bei der Berechnung der Steuer
berücksichtigten.
Nach Auffassung der Münchener Richter ist eine so genannte
Teilwertabschreibung aber zulässig, wenn der Börsenkurs zum
Bilanzstichtag unter dem Kaufpreis liegt und "keine konkreten
Anhaltspunkte für ein alsbaldiges Ansteigen" erkennbar sind.
Der aktuelle Börsenkurs spiegelt nach Auffassung des BFH die
Einschätzung der Marktteilnehmer über den künftigen Wert
der Aktien zutreffender wider als der ursprüngliche
Anschaffungspreis. Im vorliegenden Fall waren die Infineon-Aktien einer
GmbH zum Stichtag am 31.12.2001 nur noch rund die Hälfte ihres
Kaufpreises wert. Daraufhin bewertete das Unternehmen den Aktienbestand
mit dem aktuellen Börsenkurs und schrieb die Verluste ab. Der BFH
billigte dies. (AZ: I R 58/06)
(Quelle: afp)
Umweltminister Gabriel wirbt für Tempolimit
So.27.01.08 - Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) will im Bundestag zusammen
mit der SPD-Fraktion einen Vorstoß für ein Tempolimit von 130
Stundenkilometern auf deutschen Autobahnen starten. Das gelte vor
allem, nachdem die EU Deutschland noch schärfere
Klimaschutzauflagen gesetzt habe, sagte Gabriel dem Hamburger
Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» laut Vorabbericht.
«Kleinvieh macht auch Mist», fügte der Ressortchef
hinzu. In der großen Koalition sei das Tempolimit zwar kaum
durchzusetzen, aber es werde kommen. «Da bin ich sicher»,
betonte der SPD-Politiker.
Scharf kritisierte er die Ministerpräsidenten der
unionsgeführten Bundesländer. Sonntags lobten sie die
Klimapolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), aber
«während der Woche versuchen sie im Bundesrat, Löcher in
den Dampfer zu schießen», monierte der Minister. Merkel
könne «froh sein, dass sie die SPD hat».
Auf die deutsche Autoindustrie kommen nach Ansicht Gabriels große
Umstellungen zu. «Wenn sie auf den Märkten der Zukunft
präsent bleiben will, muss sie neue ökologische Modelle
entwickeln und zwar schnell», sagte er. Forderungen nach einer
Verlängerung der Laufzeiten für Atomkraftwerke wies der
Minister zurück. Er halte «die Technologie einfach nicht
für beherrschbar».
(Quelle: ddp)
Umweltbundesamt rät zu weniger Fleischkonsum - Im Interesse des
Klimaschutzes - Für massiven Ausbau des Ökolandbaus in
Deutschland
So.27.01.08 - Der Präsident des Umweltbundesamtes, Andreas Troge, hat die
Bundesbürger aufgerufen, weniger Fleisch zu essen und damit auch
das Klima zu schützen. «Verzicht ist nicht notwendig, aber
Mäßigung beim Fleischkonsum wäre auch für das Klima
gut», sagte Troge der «Neuen Osnabrücker
Zeitung». Etwas weniger Fleisch pro Woche helfe, den gesamten
Stoffumsatz und damit auch die Luftverunreinigungen der Landwirtschaft
zu reduzieren.
Der Umweltbundesamtspräsident verwies auf positive Vorbilder in
anderen EU-Staaten: «Die Menschen aus den südlichen
Ländern, etwa die Italiener, nehmen rund 25 Prozent ihrer Kalorien
über tierische Produkte wie Fleisch auf, die Deutschen mehr als 39
Prozent. Und ich sehe nicht, dass die Italiener deshalb wesentlich
unglücklicher wären.» Im übrigen wäre die
Mäßigung beim Fleischkonsum «durchaus bei dem einen
oder anderen auch für die Gesundheit gut», betonte Troge.
Zur Stärkung des Klimaschutzes forderte Troge zudem einen massiven
Ausbau der Ökolandwirtschaft. 20 Prozent der landwirtschaftlichen
Flächen und damit vier Mal mehr als jetzt für den
Ökolandbau zu nutzen, sei ein gutes Ziel. Auf jeden Fall müsse
eine «Ausweitung der Produktion erreicht werden, um die steigende
Nachfrage zu befriedigen». Bei der staatlichen Förderung des
Ökolandbaus werde «nach wie vor nicht genug getan»,
kritisierte Troge. Vor allem müsse das finanzielle Risiko bei
Betriebsumstellungen auf Ökolandbau abgefedert werden. In der
Umstellungsphase unterliege der Landwirt zwar schon den
Öko-Beschränkungen, könne seine Produkte aber noch nicht
als Öko vermarkten, sagte der UBA-Präsident.
Troge forderte die Bundesregierung auf, sich im Rahmen des
«Gesundheitschecks» der EU-Agrarpolitik für
Nachbesserungen bei der Förderung des Ökolandbaus stark zu
machen. Dieser sei wesentlich klimafreundlicher als der konventionelle.
Ökolandbau produziere viel weniger Treibhausgase, führe zu
einer Humusanreicherung des Bodens und zu geringeren Stickstoff- und
Phosphateinträgen in die Gewässer.
(Quelle: ap)
Vorratsdatenspeicherung wird umgangen
So.27.01.08 - Die zum 1. Januar eingeführte Vorratsdatenspeicherung wird bereits
umgangen. Ein Unternehmen aus Garbsen bei Hannover nutzt eine Lücke
im Telekommunikationsgesetz und bietet anonyme Prepaid-Karten an, wie
das Bielefelder «Westfalen-Blatt» (Samstagausgabe)
berichtet. Die Firma habe bereits mehr als 1000 dieser Karten verkauft
haben. Die ursprünglichen Besitzer seien irgendwann von Prepaid
auf eine Vertragskarte umgestiegen und hätten die alte Karte beim
Händler gelassen. Diese Prepaid-Karten seien noch im Netz
angemeldet, aber auf keine Person mehr zugelassen. Die
Rechtmäßigkeit seines Angebotes habe er prüfen lassen,
sagte der Firmeninhaber dem Blatt.
Der stellvertretende Vorsitzende des Bundes deutscher Kriminalbeamter
(BdK), Wilfried Albishausen, kritisierte das Angebot als
»unmoralisch und für die Polizeiarbeit fatal«. Der
Kriminalbeamte sagte dem Blatt, Gesetzgeber und Ermittler wollten mit
der Vorratsdatenspeicherung nicht den gläsernen Bürger,
sondern den gläsernen Straftäter. Dieses zu erreichen werde
mit den anonymen Handykarten erschwert.
Seit 1. Januar müssen Telekommunikationsfirmen die Daten von
Telefonverbindungen aller Bürger und ab 2009 auch die Daten von
Internetverbindungen sechs Monate lang speichern. Protokolliert wird
damit, wer mit wem per Telefon, Handy oder E-Mail in Verbindung
gestanden hat. Bei Handys wird zudem der Standort des Benutzers
festgehalten. Die Daten können für die Strafverfolgung an
Polizei und Staatsanwaltschaft weitergegeben werden.
(Quelle: ddp)
Wissenschaft
Künstliches Leben nicht in den kommenden Jahren
So.27.01.08 - Der Chef des Labors für Genomanalyse an der Uni Göttingen,
Gerhard Gottschalk, hat die in den USA gelungene künstliche
Herstellung von Bakterien-Erbgut als Durchbruch bezeichnet. Er erwartet
den entscheidenden Schritt zur Herstellung künstlichen Lebens aber
nicht in naher Zukunft.
Die Vorgehensweise des amerikanischen Biotechnikunternehmers Craig
Venter und seines Forscherteams sei eine historische Leistung bei der
Synthese großer DNA-Moleküle, hob Gottschalk am Freitag im
Deutschlandradio Kultur hervor.
Der Präsident der Union der Deutschen Akademien der Wissenschaften
wandte dennoch ein, dass das hergestellte Erbgut nur ein
Informationsspeicher sei. DNA sei ein elementar wichtiger Baustein
für das Leben, aber nicht der einzige. Gottschalk erwartet den
entscheidenden Schritt des Forscherteams zur Herstellung
künstlichen Lebens daher nicht in naher Zukunft.
Das Ziel, künstlich Bakterien mit besonderen Eigenschaften zu
erschaffen, hält Gottschalk für abwegig. Es gebe 1,1 Millionen
Bakterienarten. «Die Variationsbreite der Eigenschaften in diesen
Bakterien ist riesig groß.» Es sei schwer vorstellbar, dass
ein synthetisch hergestelltes Bakterium mehr leisten könnte als
die existierenden Bakterienarten. Diese sollten nach Gottschalks
Einschätzung gezielt eingesetzt werden: «Da steckt
genügend Potenzial drin.»
(Quelle: dpa)