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Irak am 1404ten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität

Studenten aus Deutschland möglicherweise für Al Kaida im Irak

So.27.01.08 - Im Irak kämpfen nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins «Der Spiegel» möglicherweise mehrere Studenten aus Deutschland für das Terrornetzwerk Al Kaida. Das Blatt berichtete am Samstag vorab, auf Listen mit Namen ausländischer Rekruten fänden sich die Personalien von vier Männern aus Niedersachsen. Die Unterlagen seien von amerikanischen Soldaten in einem Zeltlager im Irak beschlagnahmt worden. Alle vier hätten sich freiwillig für den Dschihad gemeldet. Zumindest zwei von ihnen hätten an der TU Braunschweig studiert.

Die beiden 25 und 30 Jahre alten Tunesier seien im Frühjahr 2007 plötzlich aus einem Braunschweiger Studentenwohnheim verschwunden. Der eine von ihnen habe seit zehn Jahren, der andere seit 2003 in Deutschland gelebt. Noch unklar ist dem Bericht zufolge der Hintergrund bei den anderen zwei Männern.

Wie der «Spiegel» weiter schreibt, prüfen deutsche Ermittler nun, wer die Vier in Deutschland rekrutiert und den Kontakt vermittelt habe. Das Bundeskriminalamt (BKA) wollte den Bericht auf Anfrage der Nachrichtenagentur AP am Samstag nicht kommentieren.

BKA und Verfassungsschutz gehen laut «Spiegel» davon aus, dass seit 2003 bundesweit mehr als 80 Freiwillige aus Deutschland in den Irak gereist seien, von denen etwa die Hälfte aktiv auf Seiten von Al Kaida gekämpft hätten.

(Quelle: ap)


 

 

Blick ins Archiv:

Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003

Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.

US-Präsident Bush hatte Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen. Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in einer Fernsehansprache (19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....

Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan. Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen", "Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale Konflikte" zu verhindern.

1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld, Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker in der Bush-Administration... Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html

Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg
#Politische_Vorgeschichte






Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/
irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news



Chronologie des Irak-Kriegs

Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news

Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news

Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news

Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news

Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news

Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news

Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news

Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news

Teil 9: 01.01.2007 bis 27.01.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news

... wird fortgesetzt...
 
 


 

Vor einem Jahr:
 
Irak am neunhundertzweiundvierzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität

Sa.27.01.07 - Mindestens 14 Tote bei Anschlag auf Tiermarkt in Bagdad +++ USA geben grünes Licht für Tötung iranischer Agenten im Irak... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv9/k0701270.htm#news

 
 

 

Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a

Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b

... Lügen und Täuschungen, die in London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
 

Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net

Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in der Studie heißt, die auf der Website der renommierten britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com] veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
 

Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi: 10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5 Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
 

18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
 

Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote gemeldet (Stand Sonntagabend).

Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens 3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der US-Streitkräfte hervorgeht.

Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155 Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr zuvor. (Quelle: afp)
 

«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
 
 

'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'

»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.

Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den Straßen des Irak herumirren... «

Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
 
 
 

US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak

Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg: Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung, erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f

 
 

Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren

Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr. US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.

Quellen: ap, afp

Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt

Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar (1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar (425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office am Mittwoch in Washington mitteilte...

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
 
 

'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg

Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung - er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der 38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch Steuerverweigerung aus.... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv9/k0707210.htm#07072101

 
 

Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'

Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen. Niemals

Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig alle hassen".

Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen. "Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"

Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht: Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter, Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind sie - Helden.

Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007

'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
 


 

Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'

Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in Afghanistan in den 80er Jahren.

Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die westlichen Länder müssten die Gründe dafür analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.

Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.

(Quelle: ap)
 


 

Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar

Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...

Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten Irakkrieg. ..

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
 


 

Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen

Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein "Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde, warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.

Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115 Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million. Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)

Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten - würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.

An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne gehen...

Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
 


 

Saddam Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis

Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt, dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit, dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am Sonntagabend ausgestrahlt werden.

Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms Klarheiten zu schaffen.

Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann dazustehen, der den USA trotzt.»

Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff zu nehmen.

boa (Quelle: ap)
 
 
 
 

 


 


 

Vetomächte wollen Iran-Sanktionen verschärfen

So.27.01.08 - Im Streit um das iranische Atomprogramm haben sich die fünf Vetomächte im Sicherheitsrat und Deutschland auf eine moderate Verschärfung der Sanktionen gegenüber dem Iran geeinigt.

Die Vorschläge entsprechen der Linie, auf die sich die USA, Russland, China, Frankreich, Großbritannien und Deutschland bei ihrem Außenministertreffen am Dienstag in Berlin verständigt hatten. Einem BBC-Bericht zufolge sind weitere Handelsbeschränkungen und ein Reiseverbot für Atomwissenschaftler vorgesehen.

«Elemente» für eine entsprechende Resolution wurden am Freitag den zehn nichtständigen Mitgliedern des höchsten UN-Gremiums übermittelt. Voraussichtlich am Montag wird sich der Sicherheitsrat damit erstmals befassen, hieß es in diplomatischen Kreisen.

Mit den Sanktionen soll Teheran zur Aussetzung der Urananreicherung bewegt werden. Die Vereinten Nationen befürchten, dass der Iran unter dem Deckmantel eines zivilen Nuklearprogramms an der Entwicklung von Atomwaffen arbeitet. Der Sicherheitsrat hat bereits zweimal Sanktionen verhängt.

Ungeachtet der Bemühungen um neue Sanktionen will Teheran in Kürze mit dem Test neuer Hochgeschwindigkeits-Zentrifugen zur Anreicherung von Uran beginnen. Wie am Freitagabend aus diplomatischen Kreisen in Wien bekannt wurde, hat die iranische Regierung dies der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA mitgeteilt.

Unklar ist noch, ob die Gaszentrifugen vom Typ P2 im Atomforschungszentrum Natans aufgestellt werden, wo bereits 3000 Zentrifugen des älteren Typs P1 teilweise in Betrieb sind. Nach in Wien vorliegenden Informationen wurde IAEA-Chef Mohammed el Baradei bei seinem jüngsten Besuch in Teheran über die geplanten Tests informiert. P2-Zentrifugen sind etwa 2,5-mal schneller als die veralteten Vorgänger, die der Iran ursprünglich von Pakistan erhielt.

(Quelle: dpa)
 


 

USA besorgt über Todesurteil wegen Blasphemie in Afghanistan

So.27.01.08 - Die USA haben sich besorgt über ein Todesurteil gegen einen afghanischen Journalisten geäußert, der der Blasphemie schuldig gesprochen worden war.

Der US-Botschafter in Kabul werde wegen des Falls mit der afghanischen Regierung Kontakt aufnehmen, sagte ein Sprecher des Außenministeriums am Freitag. Zudem werde man das Berufungsverfahren genau verfolgen.

Der 23-jährige Perwis Kambachsch von der Zeitung "Dschana-e Now" war am Dienstag zum Tode verurteilt worden. Unter anderem soll er einen Artikel verbreitet haben mit der Behauptung, Mohammed habe die Rechte der Frauen ignoriert. Mitstudenten zufolge soll er zudem über den Islam lustig gemacht haben. Die Vereinten Nationen und Reporter ohne Grenzen hatten Afghanistan am Donnerstag aufgefordert, den Fall erneut zu prüfen.

(Quelle: rtr)
 


 

Nahost-Konflikt: Ägypten lässt Palästinenser weiter über die Grenze. - Bilaterale Gespräche zur Lösung der Gazakrise - 2000 Israelis demonstrieren gegen Abriegelung des Gazastreifens

So.27.01.08 - Wegen des anhaltenden Andrangs hat Ägypten die Grenze zum Gazastreifen für die Palästinenser wieder geöffnet. Die Menschen aus dem von Israel abgeriegelten Gebiet könnten sich in Ägypten mit dem Lebensnotwendigen eindecken, sagte der Gouverneur von Nord-Sinai, Achmed Abdel Hamid. Die Regierung in Kairo kündigte an, die im Gazastreifen herrschende Hamas und die Autonomiebehörde von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas zu getrennten Gesprächen einzuladen. Bei seinem Gespräch mit Israels Ministerpräsident Ehud Olmert will Abbas laut seinem Chefunterhändler dafür werben, die Kontrolle über die Grenzen des Gazastreifens zu übernehmen.

Die ägyptischen Sicherheitskräfte hatten am Freitag versucht, den Massenansturm von Palästinensern aus dem Gazastreifen zu stoppen. Doch Mitglieder der radikalislamischen Hamas rissen am Abend mit Bulldozern erneut Teile der Grenzmauern bei Rafah nieder. Die ägyptischen Sicherheitskräfte erhielten laut Abdel Hamid daraufhin den Befehl, die Palästinenser passieren zu lassen.

Der ägyptische Außenminister Ahmed Abul Gheit teilte mit, bei Zusammenstößen entlang der Grenze zwischen Ägypten und dem Gazastreifen seien seit Mittwoch etwa 40 ägyptische Sicherheitskräfte verletzt worden. Einige von ihnen schwebten in Lebensgefahr, sagte er in Kairo.

Abbas will am Sonntag in Jerusalem mit dem israelischen Regierungschef Olmert zusammenkommen. Dabei solle es nicht nur um Fragen zu einem Nahost-Friedensvertrag gehen, sagte der palästinensische Unterhändler Sajeb Erakat. Abbas wolle bei Olmert dafür eintreten, dass seine im Westjordanland herrschende Autonomiebehörde die Kontrolle über die Grenzen zwischen dem Gazastreifen und Ägypten sowie zu Israel übernehme.

Am Grenzübergang Eres demonstrierten unterdessen rund 2000 Israelis gegen die Abriegelung des Gazastreifens. Die Demonstranten, unter ihnen arabische Israelis, Friedensaktivisten und Abgeordnete, forderten ein Ende der seit zehn Tagen anhaltenden Blockade. Das Oberste Gericht in Israel soll am Sonntag in einer Dringlichkeitssitzung über eine Petition beraten, die mehrere israelische Organisationen aus Protest gegen die Blockade eingereicht hatten, wie die Sprecherin einer der Gruppen sagte.

Wegen des anhaltenden Raketenbeschusses hatte Israel am 17. Januar den Gazastreifen fast vollständig abgeriegelt und nur noch Medikamente und Treibstoff für ein Elektrizitätswerk passieren lassen. Der UN-Sicherheitsrat konnte sich am Freitag erneut nicht auf eine gemeinsame Erklärung zur Lage im Gazastreifen einigen.

(Quelle: afp)
 


 

Kenia: Mindestens 25 Tote nach Unruhen im Rift Valley

So.27.01.08 - In der Hauptstadt der kenianischen Provinz Rift Valley haben am Samstag den zweiten Tag in Folge schwere Unruhen angedauert. Die Zahl der Toten der mit Macheten sowie Pfeil und Bogen ausgetragenen Kämpfe zwischen Angehörigen der Kikuyu von Präsident Mwai Kibaki und anderen Volksgruppen in Nakuru stieg auf 25: Polizisten luden 16 verkohlte, teilweise verstümmelte Leichen vor der Leichenschauhaus ab. In der Stadt war gelegentlich Gewehrfeuer zu halten.

Am Freitag waren nach den ersten Zusammenstößen in Nakuru neun Leichen ins Leichenschauhaus gebracht worden, wie aus Polizeikreisen verlautete. Hunderte von Menschen suchten in der katholischen Kirche der 300.000 Einwohner zählenden Provinzhauptstadt Zuflucht, nachdem ihre Häuser niedergebrannt worden waren. Die Polizei verhängte ein nächtliches Ausgehverbot.

Kenia wird seit der nach Angaben internationaler Beobachter fehlerhaften Präsidentenwahl vom 27. Dezember von Unruhen erschüttert. Präsident Kibaki und Oppositionsführer Raila Odinga haben aber bislang auch unter Vermittlung des früheren UN-Generalsekretärs Kofi Annan keine Lösung für die politische Krise gefunden. Annan besuchte am Samstag einige der Brennpunkte der Unruhen in der Region am Ostafrikanischen Grabenbruch.

(Quelle: ap)
 


 

EFTA-Freihandelsabkommen mit Kanada unterzeichnet

So.27.01.08 - Die EFTA-Staaten Schweiz, Norwegen, Liechtenstein und Island haben am Samstag das Freihandelsabkommen mit Kanada unterzeichnet. An der feierlichen Unterzeichnung beim Weltwirtschaftsforum in Davos nahm auch der kanadische Minister für internationalen Handel, David Emerson, teil. Nach Angaben der kanadischen Regierung ist es das erste, transatlantische Freihandelsabkommen des Landes.

Das Abkommen beseitigt oder reduziert die Zölle auf Industrieerzeugnissen und verarbeiten Agrarprodukten für die Vertragspartner. Gleichzeitig wurde mit Kanada ein Agrarabkommen ausgehandelt.

Die Schweizer Volkswirtschaftsministerin Doris Leuthard bezeichnete die Verhandlungen mit Kanada in verschiedenen Zeitungsinterviews als langwierig. Der nun erreichte Kompromiss zeige, dass selbst mit Staaten mit großem Landwirtschaftssektor Freihandelsverträge möglich seien. «Das wird man auch in den USA zur Kenntnis nehmen, die sich in diesem Dossier bislang kompromisslos gezeigt haben», erklärte Leuthard.

(Quelle: ap)
 


 

Friedliche Demonstrationen gegen Weltwirtschaftsforum

So.27.01.08 - Rund 700 Menschen haben am Samstag in Bern und Davos friedlich gegen das Weltwirtschaftsforum (WEF) demonstriert. In Zürich setzte die Polizei am Freitagabend bei einer nicht genehmigten Demonstration Gummischrot ein und nahm Dutzende Personen fest.

In Bern zogen die WEF-Gegner am Samstagnachmittag durch die Innenstadt. Die Polizei gab die Zahl der Teilnehmer mit 500 an, die Organisatoren sprachen von mehr als 1.000 Menschen. Die Demonstranten trugen Transparente mit Aufschriften wie: «UBS-Milliarden im Sand, WEF-Milliarden im Schnee - Die Zukunft in unsere Hand».

Die rund 100 Demonstranten in Davos, dem traditionellen Veranstaltungsort des Weltwirtschaftsforums, hatten Ballons und Transparente dabei mit Inschriften wie «Yes we are in Davos», «I am the Boss», «Make Love not WEF» oder «Deine Sicherheit geht über meine». Sie zogen in einer Entfernung von rund 150 Metern am Kongresszentrum vorbei. Rund 80 globalisierungskritische, meist junge Menschen demonstrierten auch in Delsberg im Kanton Jura. Diese Kundgebung verlief laut Polizei ebenfalls ohne Zwischenfälle.

In Zürich hatte die Stadtpolizei am Abend zuvor bei der nicht genehmigten Demonstration gegen das WEF 48 Personen vorübergehend festgenommen. Um die Kundgebung aufzulösen, setzte die Polizei Gummigeschosse gegen die Demonstranten ein.

(Quelle: ap)
 


 

Türkeis Außenminister warnt EU vor Abschottung als 'Christenclub'

So.27.01.08 - Der türkische Außenminister Ali Babacan hat die Europäische Union beim Weltwirtschaftsforum in Davos davor gewarnt, sich als "Christenclub" gegen andere Staaten abzuschotten. "Wenn die EU sich selbst als Club von Christen empfindet (...), widerspricht das dem eigentlichen Geist Europas", sagte Babacan, dessen Land einen EU-Beitritt anstrebt, vor Journalisten. "Religiöse Trennlinien sollten niemals wie eine Grenze dargestellt werden." Zwischen den 27 EU-Mitgliedstaaten bestünden bereits "große Unterschiede" in Hinblick auf ihre Religion, Kultur und Sprache, unterstrich Babacan.

Letztendlich müsse entschieden werden, "ob die Türkei der EU neuen Reichtum bringt, so dass die EU eine wirklich umfassende Stimme und eine wirklich repräsentative Stimme hat". Die Türkei könne als Mitglied der EU als Brücke zwischen dem Westen und der islamischen Welt fungieren, stellte Babacan in Aussicht. Zugleich betonte er, dass Ankara die Demokratie weiter ausbauen wolle. Die beiden großen EU-Staaten Deutschland und Frankreich widersetzen sich einer EU-Vollmitgliedschaft der Türkei und bieten ihr stattdessen eine privilegierte Partnerschaft an. Der französische Präsident Nicolas Sarkozy hatte seine Ablehnung damit begründet, dass die Türkei als überwiegend muslimisches Land nicht zu Europa gehöre.

(Quelle: afp)
 


 

EU-Kommissionspräsident Barroso ruft zu Reformen angesichts der Finanzkrise auf

So.27.01.08 - EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso hat die europäischen Regierungen angesichts der internationalen Finanzkrise zu weiteren Reformanstrengungen aufgerufen. «Dank der Reformen der letzten Jahre stehen wir besser da als zuvor», sagte Barroso der «Bild am Sonntag». «Wir müssen aber weiter modernisieren, die in Lissabon beschlossene Strategie der EU für Wachstum und Beschäftigung auch künftig vorantreiben. Dann verringern wir die Arbeitslosigkeit, machen durch Produktivitätssteigerung auch Lohnzuwachs möglich.»

Außerdem müssten die Europäer «die Transparenz der Finanzmärkte verstärken», wurde er zitiert. Barroso äußerte sich zuversichtlich über weiteres Wirtschaftswachstum. «Die wirtschaftlichen Grunddaten der EU sind gesund. Wir haben die niedrigste Arbeitslosenrate seit 25 Jahren», sagte er. «Wir sind nicht immun gegen Turbulenzen, vor allem aus den USA. Aber wir bleiben auf Wachstumspfad.» Der Präsident erinnerte an das Wort von Bundeskanzlerin Angela Merkel, wonach es keine Rezession in Deutschland gebe. Dies sei «richtig».

(Quelle: ap)
 


 

EU-Justizminister einig über Verurteilung in Abwesenheit

So.27.01.08 - Wer sich in Italien, Frankreich oder Spanien aufhält, soll bei einem Rechtsverstoß künftig keine bösen Überraschungen mehr erleben. Die europäischen Justizminister einigten sich im slowenischen Brdo im Grundsatz auf einen besseren Schutz bei einer Verurteilung in Abwesenheit. Während solche Strafrechts-Urteile in Deutschland nur im Ausnahmefall möglich sind, sind sie in südlichen EU-Staaten Praxis. "Die Grundsatzidee ist, dass Menschen die Möglichkeit haben, sich zu verteidigen", sagte Deutschlands Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) nach dem informellen Treffen.

Nach Angaben des slowenischen Justizministers und amtierenden EU-Ratsvorsitzende Lovro Sturm sind die Bedingungen für eine Verurteilung in Abwesenheit in den Südländern "nicht sehr streng". Wer etwa in Italien widerrechtlich Antiquitäten kauft, sich des Betrugs schuldig macht oder im Streit jemanden niederschlägt, wird laut EU-Kreisen zum Teil verurteilt, ohne davon zu erfahren. In Deutschland kann dann bei der Rückkehr ein Haftbefehl oder eine saftige Strafe auf ihn warten.

Künftig müssen Bürger nach dem Willen der Justizminister möglichst frühzeitig in ihrer Heimatsprache über die Vorwürfe und den Rechtsbeistand informiert werden. Sind die Auflagen erfüllt, kann das Urteil nach Angaben Zypries' auch in Deutschland vollstreckt werden. Während EU-Diplomaten ein weitverbreitetes Problem sehen, geht es der Justizministerin zufolge eher um "Einzelfälle". Formal wollen die Justizminister im Juni entscheiden. Die EU-Staaten haben dann drei Jahre Zeit zur Umsetzung. Die Regeln würden also voraussichtlich 2011 greifen.

Auf Eis liegen dagegen wegen schwedischen Widerspruchs Pläne für Erleichterungen bei der Ehetrennung. Nach einem EU-Vorhaben sollten binationale Paare oder solche, die im Ausland leben, mehr Freiheit bei der Wahl des Scheidungsrechts haben. So sollte etwa ein deutsch-französisches Paar bei einer einvernehmlichen Trennung wählen können, ob es nach deutschem oder französischem Recht geschieden werden will. Auch das Recht des Wohnorts kann zur Anwendung kommen. Profitieren könnten theoretisch viele Bürger: In Deutschland entfallen nach Zypries' Angaben 13 Prozent der Scheidungen auf binationale Ehen. EU-weit liegt die Rate sogar bei 20 Prozent.

Auf einem guten Weg sieht Zypries Pläne, wonach sich Unterhaltsansprüche besser durchsetzen lassen. Über die geplante Verordnung wollen die Justizminister ebenfalls im Juni entscheiden.

(Quelle: afp)
 


 

Deutschenfeindliche Sprüche kein Extremismus

So.27.01.08 - Verfassungsschutzchef Heinz Fromm sieht keine Notwendigkeit dafür, dass sein Amt wegen der Gewalttaten ausländischer Jugendlicher gegen Deutsche tätig wird. "Ich sehe bislang den Verfassungsschutz hier nicht als zuständig an", sagte From der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". "Dass deutschenfeindliche Sprüche als politischer Extremismus zu bewerten sind, bezweifle ich, denn es müssen ja Anhaltspunkte für politisch-extremistische Bestrebungen erkennbar sein", sagte der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz weiter.

Kürzlich hatte Baden-Württembergs Bundesratsminister Wolfgang Reinhart (CDU) einen Vorstoß seines Bundeslandes angekündigt, wonach deutschenfeindliche Parolen künftig als Volksverhetzung bestraft werden sollen.

(Quelle: afp)
 


 

NPD steckt in Geldnöten

So.27.01.08 - Die rechtsextreme NPD ist nach Einschätzung des Verfassungsschutzes in schweren Geldnöten.: "Die Finanzlage der NPD ist desolat. Alle Vermutungen, sie hätten geheime Geldquellen, sind unbegründet", sagte der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Heinz Fromm, der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" laut Vorabbericht.

Die Frage, ob "reiche Alt-Nazis" im Exil die Partei finanzierten, habe sich "biologisch erledigt", fügte Fromm hinzu. Das Aufkommen durch Beiträge der rund 7000 Mitglieder sei nicht so hoch. "Der Einzige, der immer mal aushilft, ist der Anwalt Rieger, der über die Mittel einer Stiftung verfügt, die in Großbritannien ansässig ist." Der Hamburger Anwalt Jürgen Rieger wird von Verfassungsschützern als rechtsextrem eingeschätzt. Er hatte unter anderem für Schlagzeilen gesorgt, als er im Jahr 2006 ein leerstehendes Hotel in Delmenhorst kaufen und dort ein Tagungszentrum für die rechte Szene einrichten wollte.

Ein Verbot der NPD hält Fromm derzeit kaum für machbar, auch wenn dieses Vorteile hätte. "Ich habe große Zweifel, ob ein NPD-Verbot durchsetzbar wäre." Um vor Gerichten bestehen zu können, "müsste man die V-Leute aus der NPD herausziehen, eine zeitlang abwarten und dann prüfen, ob das offene Material für ein Verbot ausreicht", erläuterte Fromm. "Ich warne davor. Wir sollten schon weiterhin über die Situation der NPD und ihre Ausrichtung genau Bescheid wissen."

Ein Verbotsantrag war im Jahr 2003 vor dem Verfassungsgericht gescheitert. Die Länder wollen bis März neue Informationen über einen möglichen Verbotsantrag sammeln.

(Quelle: rtr)
 


 

An kommunalen Krankenhäusern drohen baldige Streiks

So.27.01.08 - An den kommunalen Krankenhäusern könnte es schon bald zu Streiks kommen.

Auch bei der nächsten Verhandlungsrunde am Montag erwarte er kein Angebot der Arbeitgeber, sagte der Vorsitzende des Klinikärzteverbandes Marburger Bund, Rudolf Henke, der Nachrichtenagentur Reuters. Dies werde seine Gewerkschaft den Kommunen nicht durchgehen lassen, sagte er. Am Dienstag werde die Tarifkommission zusammenkommen und den Stand der Verhandlungen bewerten. Dabei werde auch über Warnstreiks gesprochen.

"Man darf die angespannte Erwartungshaltung der Ärzte nicht unterschätzen. Die Geduld wird nicht unendlich sein", drohte Henke. Mit einem Angebot, wie es bei den Verhandlungen des öffentlichen Dienstes für das Klinikpersonal vorgelegt worden sei, werde sich der Marburger Bund nicht abspeisen lassen. Dieses beläuft sich nach Gewerkschaftsberechnungen auf rund 2,5 Prozent für 2008 und 0,41 Prozent für 2009. "Damit kriegt man bei uns den Unmut nicht gestillt." Seine Gewerkschaft bereite sich auf Arbeitskampfmaßnahmen für den Fall vor, dass die Arbeitgeber weiter kein Angebot vorlegten und es zu keiner Einigung komme. "Wir sind dabei, uns systematisch aufzustellen."

Die erste Gesprächsrunde war vor zwei Wochen ohne Einigung geblieben. Die Arbeitgeber hatten zu verstehen gegeben, sie würden den rund 55.000 Medizinern an den Kliniken der Städte und Gemeinden auch in der zweiten Runde kein Angebot unterbreiten. Der Marburger Bund fordert für die Ärzte im Schnitt eine Gehaltssteigerung um 10,2 Prozent.

(Quelle: rtr)
 


 

Nokia hat gegen Subventionsauflagen verstoßen. DGB droht mit massiven Protesten gegen Werksschließung

So.27.01.08 - Der Handykonzern Nokia hat in seinem Bochumer Werk gegen Subventionsauflagen verstoßen. Der Sprecher des nordrhein-westfälischen Wirtschaftsministeriums, Joachim Neuser, sagte am Samstag der Nachrichtenagentur AP, das finnische Unternehmen habe die Zahl der an öffentliche Fördermittel gebundenen Dauerarbeitsplätze in den Jahren 2002 bis 2005 um 200 bis 400 unterschritten. Die rechtlichen Konsequenzen würden derzeit geprüft. Endgültige Zahlen sollen demnach im Laufe der kommenden Woche vorliegen.

Zuvor hatte das Magazin «Focus» über den Verstoß berichtet. Dem Bericht zufolge prüft auch die Staatsanwaltschaft Bochum, ob sie Ermittlungen wegen Subventionsbetrug im Zusammenhang mit den Arbeitsplätzen aufnimmt. Die Fördermittel von 58 Millionen Euro waren demnach an die Schaffung von 2.860 Dauerarbeitsplätzen gebunden. Das Bundesforschungsministerium untersuche ebenfalls, ob es Fördermittel für Forschung und Entwicklung zurückfordern könne. Von 1998 bis 2007 hat Nokia dem Bericht zufolge hierfür insgesamt zehn Millionen Euro erhalten.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat derweil massiven Widerstand gegen die Schließung des Nokia-Werkes in Bochum angekündigt. «Wir erleben eine Mobilisierung wie seit langem nicht mehr», sagte der nordrhein-westfälische DGB-Vorsitzende Guntram Schneider der «Rheinischen Post» zufolge. Er forderte Nokia auf, die Entscheidung zu revidieren. Statt den Standort nach Rumänien zu verlagern, solle der Konzern Wege finden, um die Produktivität des Standorts Bochum zu erhöhen.

Außerdem forderte Schneider striktere Regelungen, um künftige Schließungen zu verhindern. «Ich erwarte, dass das Land NRW eine Bundesratsinitiative einbringt, die die Schließung von Standorten erschweren soll. Für Standortschließungen sollte eine Zweidrittelmehrheit im Aufsichtsrat gesetzlich vorgeschrieben werden.» Auch die Kosten für Sozialpläne müssten höher werden, wurde Schneider zitiert. Er gehe zudem davon aus, dass sich Nokia mit dem neuen Standort Rumänien verrechne: «Dort herrscht Vollbeschäftigung. Die Qualifizierten arbeiten fast alle im Ausland.»

boa (Quellen: dpa, ap)
 


 

Allianz meldet acht Milliarden Euro Gewinn

So.27.01.08 - Die Allianz hat im vergangenen Jahr erneut einen deutlichen Gewinnsprung erzielt. Der Versicherer verbuchte unterm Strich acht Milliarden Euro und damit 14 Prozent mehr als im Vorjahr, wie der Münchener Konzern auf Basis vorläufiger Zahlen mitteilte. Während das Versicherungsgeschäft erfreulich verlief, war die Dresdner Bank erneut das Sorgenkind des Konzerns. Die Banktochter musste wegen Fehlspekulationen mit faulen US-Immobilienkrediten im vierten Quartal rund 900 Millionen Euro abschreiben und rutschte zum Jahresende tief in die roten Zahlen.

Die Verluste konnten jedoch mit Gewinnen aus den Vormonaten ausgeglichen werden, so dass die Dresdner Bank im Gesamtjahr einen Gewinn beisteuerte.

(Quelle: afp)
 


 

Unternehmen dürfen Wertverlust von Aktien abschreiben

So.27.01.08 - Firmen dürfen Kursverluste bei Aktien, die als Geldanlage gehalten werden, unter bestimmten Voraussetzungen abschreiben und so Steuern sparen. Das entschied der Bundesfinanzhof (BFH) in München. Damit widersprachen die obersten deutschen Finanzrichter der Praxis der Finanzämter, die im Börsenkurs eine bloße Wertschwankung sehen und Verluste bislang nicht bei der Berechnung der Steuer berücksichtigten.

Nach Auffassung der Münchener Richter ist eine so genannte Teilwertabschreibung aber zulässig, wenn der Börsenkurs zum Bilanzstichtag unter dem Kaufpreis liegt und "keine konkreten Anhaltspunkte für ein alsbaldiges Ansteigen" erkennbar sind.

Der aktuelle Börsenkurs spiegelt nach Auffassung des BFH die Einschätzung der Marktteilnehmer über den künftigen Wert der Aktien zutreffender wider als der ursprüngliche Anschaffungspreis. Im vorliegenden Fall waren die Infineon-Aktien einer GmbH zum Stichtag am 31.12.2001 nur noch rund die Hälfte ihres Kaufpreises wert. Daraufhin bewertete das Unternehmen den Aktienbestand mit dem aktuellen Börsenkurs und schrieb die Verluste ab. Der BFH billigte dies. (AZ: I R 58/06)

(Quelle: afp)
 


 

Umweltminister Gabriel wirbt für Tempolimit

So.27.01.08 - Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) will im Bundestag zusammen mit der SPD-Fraktion einen Vorstoß für ein Tempolimit von 130 Stundenkilometern auf deutschen Autobahnen starten. Das gelte vor allem, nachdem die EU Deutschland noch schärfere Klimaschutzauflagen gesetzt habe, sagte Gabriel dem Hamburger Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» laut Vorabbericht. «Kleinvieh macht auch Mist», fügte der Ressortchef hinzu. In der großen Koalition sei das Tempolimit zwar kaum durchzusetzen, aber es werde kommen. «Da bin ich sicher», betonte der SPD-Politiker.

Scharf kritisierte er die Ministerpräsidenten der unionsgeführten Bundesländer. Sonntags lobten sie die Klimapolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), aber «während der Woche versuchen sie im Bundesrat, Löcher in den Dampfer zu schießen», monierte der Minister. Merkel könne «froh sein, dass sie die SPD hat».

Auf die deutsche Autoindustrie kommen nach Ansicht Gabriels große Umstellungen zu. «Wenn sie auf den Märkten der Zukunft präsent bleiben will, muss sie neue ökologische Modelle entwickeln und zwar schnell», sagte er. Forderungen nach einer Verlängerung der Laufzeiten für Atomkraftwerke wies der Minister zurück. Er halte «die Technologie einfach nicht für beherrschbar».

(Quelle: ddp)
 


 

Umweltbundesamt rät zu weniger Fleischkonsum - Im Interesse des Klimaschutzes - Für massiven Ausbau des Ökolandbaus in Deutschland

So.27.01.08 - Der Präsident des Umweltbundesamtes, Andreas Troge, hat die Bundesbürger aufgerufen, weniger Fleisch zu essen und damit auch das Klima zu schützen. «Verzicht ist nicht notwendig, aber Mäßigung beim Fleischkonsum wäre auch für das Klima gut», sagte Troge der «Neuen Osnabrücker Zeitung». Etwas weniger Fleisch pro Woche helfe, den gesamten Stoffumsatz und damit auch die Luftverunreinigungen der Landwirtschaft zu reduzieren.

Der Umweltbundesamtspräsident verwies auf positive Vorbilder in anderen EU-Staaten: «Die Menschen aus den südlichen Ländern, etwa die Italiener, nehmen rund 25 Prozent ihrer Kalorien über tierische Produkte wie Fleisch auf, die Deutschen mehr als 39 Prozent. Und ich sehe nicht, dass die Italiener deshalb wesentlich unglücklicher wären.» Im übrigen wäre die Mäßigung beim Fleischkonsum «durchaus bei dem einen oder anderen auch für die Gesundheit gut», betonte Troge.

Zur Stärkung des Klimaschutzes forderte Troge zudem einen massiven Ausbau der Ökolandwirtschaft. 20 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen und damit vier Mal mehr als jetzt für den Ökolandbau zu nutzen, sei ein gutes Ziel. Auf jeden Fall müsse eine «Ausweitung der Produktion erreicht werden, um die steigende Nachfrage zu befriedigen». Bei der staatlichen Förderung des Ökolandbaus werde «nach wie vor nicht genug getan», kritisierte Troge. Vor allem müsse das finanzielle Risiko bei Betriebsumstellungen auf Ökolandbau abgefedert werden. In der Umstellungsphase unterliege der Landwirt zwar schon den Öko-Beschränkungen, könne seine Produkte aber noch nicht als Öko vermarkten, sagte der UBA-Präsident.

Troge forderte die Bundesregierung auf, sich im Rahmen des «Gesundheitschecks» der EU-Agrarpolitik für Nachbesserungen bei der Förderung des Ökolandbaus stark zu machen. Dieser sei wesentlich klimafreundlicher als der konventionelle. Ökolandbau produziere viel weniger Treibhausgase, führe zu einer Humusanreicherung des Bodens und zu geringeren Stickstoff- und Phosphateinträgen in die Gewässer.

(Quelle: ap)
 


 

Vorratsdatenspeicherung wird umgangen

So.27.01.08 - Die zum 1. Januar eingeführte Vorratsdatenspeicherung wird bereits umgangen. Ein Unternehmen aus Garbsen bei Hannover nutzt eine Lücke im Telekommunikationsgesetz und bietet anonyme Prepaid-Karten an, wie das Bielefelder «Westfalen-Blatt» (Samstagausgabe) berichtet. Die Firma habe bereits mehr als 1000 dieser Karten verkauft haben. Die ursprünglichen Besitzer seien irgendwann von Prepaid auf eine Vertragskarte umgestiegen und hätten die alte Karte beim Händler gelassen. Diese Prepaid-Karten seien noch im Netz angemeldet, aber auf keine Person mehr zugelassen. Die Rechtmäßigkeit seines Angebotes habe er prüfen lassen, sagte der Firmeninhaber dem Blatt.

Der stellvertretende Vorsitzende des Bundes deutscher Kriminalbeamter (BdK), Wilfried Albishausen, kritisierte das Angebot als »unmoralisch und für die Polizeiarbeit fatal«. Der Kriminalbeamte sagte dem Blatt, Gesetzgeber und Ermittler wollten mit der Vorratsdatenspeicherung nicht den gläsernen Bürger, sondern den gläsernen Straftäter. Dieses zu erreichen werde mit den anonymen Handykarten erschwert.

Seit 1. Januar müssen Telekommunikationsfirmen die Daten von Telefonverbindungen aller Bürger und ab 2009 auch die Daten von Internetverbindungen sechs Monate lang speichern. Protokolliert wird damit, wer mit wem per Telefon, Handy oder E-Mail in Verbindung gestanden hat. Bei Handys wird zudem der Standort des Benutzers festgehalten. Die Daten können für die Strafverfolgung an Polizei und Staatsanwaltschaft weitergegeben werden.

(Quelle: ddp)
 


 

Wissenschaft

Künstliches Leben nicht in den kommenden Jahren

So.27.01.08 - Der Chef des Labors für Genomanalyse an der Uni Göttingen, Gerhard Gottschalk, hat die in den USA gelungene künstliche Herstellung von Bakterien-Erbgut als Durchbruch bezeichnet. Er erwartet den entscheidenden Schritt zur Herstellung künstlichen Lebens aber nicht in naher Zukunft.

Die Vorgehensweise des amerikanischen Biotechnikunternehmers Craig Venter und seines Forscherteams sei eine historische Leistung bei der Synthese großer DNA-Moleküle, hob Gottschalk am Freitag im Deutschlandradio Kultur hervor.

Der Präsident der Union der Deutschen Akademien der Wissenschaften wandte dennoch ein, dass das hergestellte Erbgut nur ein Informationsspeicher sei. DNA sei ein elementar wichtiger Baustein für das Leben, aber nicht der einzige. Gottschalk erwartet den entscheidenden Schritt des Forscherteams zur Herstellung künstlichen Lebens daher nicht in naher Zukunft.

Das Ziel, künstlich Bakterien mit besonderen Eigenschaften zu erschaffen, hält Gottschalk für abwegig. Es gebe 1,1 Millionen Bakterienarten. «Die Variationsbreite der Eigenschaften in diesen Bakterien ist riesig groß.» Es sei schwer vorstellbar, dass ein synthetisch hergestelltes Bakterium mehr leisten könnte als die existierenden Bakterienarten. Diese sollten nach Gottschalks Einschätzung gezielt eingesetzt werden: «Da steckt genügend Potenzial drin.»

(Quelle: dpa)
 
 
 
 

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