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Irak am 1405ten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Iraks Ministerpräsident Maliki drängt Sunniten zu
Rückkehr in Regierung
Mo.28.01.08 - Der irakische Regierungschef Nuri al-Maliki hat sunnitische Minister
darauf gedrängt, in ihre seit August offenen Ämter
zurückzukehren: Er habe vom Präsidialrat noch eine Woche Zeit
bekommen, um die Regierungskrise zu lösen, sagte Maliki am Samstag
dem irakischen TV-Sender Al-Furat. Dabei gebe es zwei Lösungen: Die
sunnitische Einigungsfront und die anderen Parteien kehrten in die
Regierung zurück, oder er bilde ein neues Kabinett.
Die Sunniten hatten sich im August aus dem Kabinett zurückgezogen,
seither besteht die Regierung fast nur noch aus Schiiten und Kurden. Der
sunnitische Boykott verdeutlichte die tiefe Spaltung zwischen den
irakischen Spitzenpolitikern. Vor kurzem wurde aber ein Gesetz
verabschiedet, das zahlreichen Sunniten die Rückkehr in das
öffentliche Leben ermöglicht. Daraufhin hatten Vertreter der
Einigungsfront angekündigt, bereit für eine Rückkehr in
die Regierung zu sein.
(Quelle: rtr)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 28.01.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am neunhundertdreiundvierzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
So.28.01.07 - 23 Tote durch Anschläge - 40 Ermordete gefunden +++ Mindestens 73
US-Soldaten kamen im Januar im Irak ums Leben +++ Türkischer
Ministerpräsident Erdogan warnt vor Bürgerkrieg bei Abspaltung
Kirkuks vom Irak +++ Zehntausende bei Demonstration gegen Irak-Krieg in
Washington...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0701280.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Türkei: US-Nuklearpolitik stärkt Iran
Mo.28.01.08 - Die Türkei haben den USA vorgeworfen, mit ihrer
Isolationsstrategie den Iran zu stärken und die Reformer in dem
Land zu schwächen: Dies habe auch dazu geführt, dass die
Islamische Republik in der Region an Macht gewonnen habe, sagte der
türkische Außenminister Ali Babacan am Samstag am Rande des
Weltwirtschaftsforums in Davos. Er rief zu Dialog und Diplomatie in dem
Konflikt auf.
Der Westen wirft dem Iran vor, unter dem Deckmantel einer zivilen
Nutzung der Nuklearenergie nach Atomwaffen zu streben. Die Regierung in
Teheran weist dies zurück. Vor wenigen Tagen hatten sich die
fünf UN-Vetomächte und Deutschland auf einen neuen
UN-Resolutionsentwurf verständigt, der weitere Sanktionen gegen die
Islamische Republik vorsieht. Allerdings mussten die westlichen Staaten
dem Druck Russlands und Chinas nachgeben, die sich gegen allzu harte
Strafmaßnahmen gewehrt hatten.
(Quelle: rtr)
Nahost-Konflikt: Israel sagt Versorgung des Gazastreifens wieder zu -
Deutscher Außenminister: Bei Nahost- Friedensbemühungen
'für naiven Optimismus kein Anlass'
Mo.28.01.08 - Nach heftigem internationalen Druck hat Israels Regierungschef Ehud
Olmert versprochen, eine "humanitäre Katastrophe" im Gazastreifen
zu vermeiden. Bei einem mehrstündigen Treffen in Jerusalem machte
Olmert Palästinenserpräsident Mahmud Abbas nach Angaben eines
israelischen Regierungssprechers eine entsprechende Zusage. Israel
verpflichtete sich zudem, Treibstofflieferungen in den Gazastreifen zur
Erzeugung von Strom zu ermöglichen. Am fünften Tag in Folge
strömten tausende Palästinenser nach Ägypten, um sich
mit lebensnotwendigen Gütern einzudecken.
Olmert und Abbas berieten in Jerusalem unter anderem über die
Grenzsicherung zwischen dem Gazastreifen und Ägypten. Nach Angaben
eines hochrangigen israelischen Regierungsvertreters, der anonym
bleiben wollte, diskutierten Abbas und Olmert einen Vorschlag der
palästinensischen Autonomiebehörde, die Kontrolle über
die Grenze zwischen dem Gazastreifen und Ägypten zu
übernehmen. Dazu wäre allerdings eine Einigung mit der
radikalislamischen Hamas notwendig, die nach heftigen Kämpfen
Mitte Juni die Kontrolle im Gazastreifen übernommen hatte. Die
Hamas kündigte bereits an, ohne ihre Beteiligung werde es keine
Regelung geben.
Israels Regierung sagte dem Obersten Gerichtshof des Landes zu, trotz
der Abriegelung des Gazastreifens dem Elektrizitätswerk in Gaza
wöchentlich 2,2 Millionen Liter Heizöl zu liefern, verlautete
aus Justizkreisen. Dies entspreche dem Umfang der Lieferungen im
November. Zehn israelische und palästinensische
Menschenrechtsorganisationen hatten vor dem Obersten Gerichtshof eine
Beschwerde eingelegt, da die Einschränkung der
Heizöl-Lieferungen eine "Kollektivstrafe" sei, die internationalem
Recht zuwiderlaufe.
Israel hatte den Gazastreifen am 17. Januar wegen des anhaltenden
Raketenbeschusses seines Territoriums komplett abgeriegelt. Daraufhin
hatten zwischen dem Gazastreifen und Ägypten militante
Palästinenser am Mittwoch Breschen in den Grenzzaun geschlagen.
Seither strömten hunderttausende Bewohner des Gazastreifens nach
Ägypten, um sich mit Gütern zu versorgen. Am Wochenende
ließ der Andrang zwar nach, aber erstmals fuhren auch hunderte
Autos aus dem Gazastreifen über den Grenzübergang.
Der ägyptische Außenminister Ahmed Abul Gheit versicherte in
Kairo, sein Land werde alle geeigneten Maßnahmen ergreifen, um
die Grenze zum Gazastreifen zu kontrollieren, ohne jedoch genauere
Angaben zu machen.
Unterdessen besteht nach den Worten des deutschen Außenministers
Frank-Walter Steinmeier (SPD) bei den Nahost-Friedensbemühungen
"für naiven Optimismus kein Anlass". Jeder, der sich mit den
Friedensbemühungen in den letzten 20 Jahren befasst habe, wisse
dies, sagte Steinmeier im Deutschlandfunk. Die US-Regierung sei nach dem
Amtsantritt von Präsident George W. Bush "vielleicht ein bisschen
spät" an diese Aufgabe herangegangen, fügte der
Außenminister hinzu. "Vielleicht hätte man viele der
Amtsjahre von Präsident Bush früher nutzen können, um das
Engagement dort zu zeigen". Die Konferenz von Annapolis im November sei
jedoch "ein wichtiger Einstieg" gewesen.
"Die großen Fragen sind bisher einer Lösung noch nicht
wesentlich näher gekommen", sagte Steinmeier, verbunden mit dem
Hinweis, dass er dazu vor allem die Schaffung zweier Staaten zähle,
in den Palästinenser und Israelis "friedlich miteinander und
nebeneinander leben" könnten. Die Hamas-Bewegung, die den
Gazastreifen kontrolliert, wolle sich "in den Friedensprozess nicht
einbringen", sagte Steinmeier.
boa (Quellen: , afp)
Gründer der Volksfront zur Befreiung Palästinas gestorben
Mo.28.01.08 - Der Gründer der radikalen Volksfront zur Befreiung Palästinas
(PFLP), George Habasch, ist mit 82 Jahren in Jordanien gestorben.
Habasch sei am Samstagabend in einem Krankenhaus in Amman verstorben,
sagte der Vertreter der palästinensischen Autonomiebehörde in
Amman, Atallah Chairi, der Nachrichtenagentur AFP. Habasch hatte die
PFLP Ende 1967 gegründet und mehr als 30 Jahre als
Generalsekretär angeführt. In Deutschland wurde die militante
Palästinenserorganisation vor allem durch die Entführung der
Lufthansa-Maschine "Landshut" im Herbst 1977 bekannt.
Palästinenserpräsident Mahmud Abbas würdigte Habasch als
einen "historischen Führer" und ordnete eine eintägige
offizielle Trauer an. "Der Tod dieses historischen Führers ist ein
großer Verlust für die palästinensische Sache und
für das palästinensische Volk, für das er 60 Jahre lang
gekämpft hat", sagte Abbas nach Angaben seines Sprechers, Nabil Abu
Rudeina. Zum Zeichen der Trauer sollten die Flaggen drei Tage lang auf
Halbmast wehen.
Der gelernte Kinderarzt Habasch hatte die PFLP nach der arabischen
Niederlage gegen Israel im Sechstagekrieg 1967 gegründet.
Friedensabkommen mit Israel lehnte er kategorisch ab. Der christliche
Palästinenser gab die Parole aus, der israelische Feind müsse
überall in der Welt angegriffen werden. Die PFLP verübte
zahlreiche Anschläge auf israelische Botschaften, Ölpipelines
und Flugzeuge der Airline El Al. Mehrere Flugzeuge entführte sie in
die jordanische Wüste. Ein vierköpfiges PFLP-Kommando
entführte im Oktober 1977 die deutsche Urlaubermaschine "Landshut",
um die Freilassung von elf Terroristen der "Roten Armee Fraktion" zu
erpressen.
Habasch sei vor zehn Tagen wegen Herzproblemen ins Krankenhaus
eingeliefert worden, teilte der Palästinenservertreter in Amman
weiter mit. Der PFLP-Gründer, der sich lange im Exil in Syrien
aufhielt, wo die PFLP auch ihren Sitz hat, lebte bereits seit einigen
Jahren in Jordanien, dem Geburtsland seiner Frau. Sein Amt als
Generalsekretär gab er im Juli 2000 Amt ab.
Die marxistisch-leninistische Peoples Front of Liberation of Palestine
(el Jabha asch-Scha'abija el Tahrir Pilastin) gehört seit 1968 zu
den Mitgliederorganisationen der PLO, wo sie zweitstärkste Fraktion
ist. Habaschs Nachfolger wurde Abu Ali Mustafa, der 2001 gezielt von
der israelischen Armee getötet wurde.
(Quelle: afp)
Tote bei Protesten gegen Stromrationierung in Beirut
Mo.28.01.08 - Bei Protesten gegen Stromabschaltungen in der libanesischen Hauptstadt
Beirut ist es am Sonntag zu Zusammenstößen zwischen
schiitischen Demonstranten und Soldaten gekommen. Dabei wurden
mindestens sieben Menschen getötet, wie Sicherheitskreisen und
Krankenhausärzte mitteilten. An den Protesten beteiligten sich
mehrere hundert Anhänger der oppositionellen Amal-Partei von
Parlamentspräsident Nabih Berri. Sie blockierten wichtige
Verkehrsbindungen in Beirut mit brennenden Reifen, darunter die
Straße zum Flughafen. Die Amal rief ihre Anhänger
später zur Ruhe auf. Stromrationierungen gibt es im Libanon immer
wieder, weil das Energieversorgungsnetz auch fast 20 Jahre nach dem
Bürgerkrieg von 1975 bis 1990 immer noch nicht voll
wiederhergestellt ist. Erstmals war von den vorübergehenden
Stromabschaltungen aber auch die Hauptstadt betroffen.
(Quelle: ap)
Stammeskämpfe in Kenia mit Machete, Pfeil und Bogen
Mo.28.01.08 - Bei den blutigen Stammeskämpfen in Kenia sind erneut mehr als 60
Menschen getötet worden. Dabei wird immer deutlicher, dass die
anhaltenden Zusammenstöße rivalisierender Stämme kaum
noch etwas mit der umstrittenen Präsidentenwahl vom Dezember zu
tun haben.
Das Zentrum der Kämpfe war am Wochenende Nakuru: In der Hauptstadt
der Provinz Rift Valley gingen bis Samstagmorgen Kikuyu und
Angehörige anderer Stämme aufeinander los. In zwei Tagen
wurden 60 Menschen getötet, die in eine Leichenhalle gebracht
wurden. In der nahegelegenen Ortschaft Naivasha griffen rund 100
Angehörige des Kikuyu-Stammes am Sonntag Luo-Bewohner mit Macheten
sowie Pfeil und Bogen an. Sie setzten zahlreiche Häuser in Brand.
Mindestens 14 Menschen wurden getötet.
Ein Reporter der Nachrichtenagentur AP sah, wie Menschen mit
Hackmessern getötet wurden oder bei lebendigem Leibe in ihren
Häusern verbrannten. Am Sonntagnachmittag rückten Soldaten in
die rund 90 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Nairobi gelegene
Stadt ein, außerdem wurden die Polizeikräfte verstärkt.
Die Sicherheitskräfte gingen mit Tränengasgeschossen und
scharfer Munition gegen die rivalisierenden Gruppen vor.
Die Kikuyu sind der Stamm des Präsidenten Mwai Kibaki, der Ende
Dezember in einer höchst umstrittenen Wahl für eine zweite
Amtszeit bestätigt wurde. Oppositionsführer Raila Odinga
gehört dem Stamm der Luo an.
Der frühere UN-Generalsekretär Kofi Annan zeigte sich bei
einer Reise durch die Provinz Rift Valley betroffen vom Ausmaß
der Zerstörungen. «Man sollte sich nichts vormachen und
sagen, dass dies ein Wahlproblem ist», sagte Annan, der zwischen
Kibaki und Odinga vermittelt. «Dies reicht sehr viel
tiefer.» Annan besuchte am Samstag die Region am Ostafrikanischen
Grabenbruch, zu der auch Naivasha gehört. Annan sprach von
jahrzehntelangen Ressentiments gegen die Dominanz der Kikuyu in Politik
und Wirtschaft sowie alten Konflikten um Landbesitz.
Seitdem Kibaki zum Sieger der Präsidentenwahl vom 27. Dezember
erklärt wurde, wurden mehr als 700 Menschen bei
Zusammenstößen mit der Polizei oder in den
Stammeskämpfen getötet. Anfangs waren vor allem Kikuyu unter
den Opfern. Jetzt sind sie offenbar zur Offensive übergegangen.
Annan wollte am Sonntagabend zu einem weiteren Treffen mit Odinga
zusammenkommen. Oppositionssprecher Salim Lone sagte, seine Partei ODM
sei gebeten worden, drei Unterhändler für Gespräche mit
der Regierung zu benennen, die innerhalb einer Woche beginnen sollten.
Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier erörterte
in einem Telefonat mit Annan die aktuelle Lage in Kenia, wie das
Auswärtige Amt in Berlin mitteilte. Steinmeier sicherte den
Vermittlungsbemühungen unter Leitung Annans die volle
Unterstützung Deutschlands und seiner Partner in der EU zu. Der
Außenminister brachte den Angaben zufolge außerdem die
Sorge der Bundesregierung über die anhaltende Gewalt in Kenia zum
Ausdruck.
(Quelle: ap)
Indonesiens Ex-Präsident Suharto gestorben
Mo.28.01.08 - Indonesiens ehemaliger Präsident Suharto ist tot: Der umstrittene
langjährige Machthaber des südostasiatischen Landes starb am
Sonntag im Alter von 86 Jahren in einem Krankenhaus der Hauptstadt
Jakarta. Dort war er Anfang Januar in kritischem Zustand eingeliefert
worden. Ärzten zufolge hatte Suharto zuletzt ein multiples
Organversagen erlitten und war ins Koma gerutscht.
Präsident Susilo Bambang Yudhoyono sprach den Angehörigen
Suhartos im Namen des Volkes sein Beileid aus. "Suharto hat der Nation
treu gedient", sagte er. Den Behörden zufolge soll der Leichnam des
Ex-Präsidenten am Montag für die Beerdigung in die
Königsstadt Solo gebracht werden. Vor dem Krankenhaus hatten sich
zahlreiche Anhänger Suhartos versammelt.
Suharto kam im Herbst 1965 nach einem fehlgeschlagenen Putschversuch,
der den Kommunisten zugeschrieben wurde, an die Macht und hielt sich 32
Jahre an der Spitze des Landes. Direkt nach seinem Amtsantritt ging die
Regierung unerbittlich gegen Kommunisten vor, bis zu 500.000 Menschen
wurden in wenigen Monaten getötet. In den Jahren seiner
Präsidentschaft wurde Suhartos Militär für zahlreiche
Menschenrechtsverletzungen verantwortlich gemacht.
Seine Anhänger halten ihm jedoch zu Gute, dem Land zu einem
erheblichen Wirtschaftswachstum und Stabilität verholfen zu haben.
1998 wurde er schließlich zum Rücktritt gezwungen, nachdem
eine Finanzkrise das Land in chaotische Verhältnisse gestürzt
hatte. Kurz nach seinem Rücktritt wurden Bestechungsvorwürfe
gegen ihn und seine Familie laut. Ein erstes Verfahren gegen Suharto
wurde wegen seines Gesundheitszustandes eingestellt. Im vergangenen Jahr
erhob die Staatsanwaltschaft jedoch erneut Anklage.
(Quelle: rtr)
Vorwahl der Demokraten in South Carolina: Obama triumphiert über
Clinton
Mo.28.01.08 - Barack Obama hat im Vorwahlrennen der Demokratischen Partei mit einem
zweiten Sieg seine Position verbessert. Er gewann am Samstag mit 55
Prozent der Stimmen die Vorwahl in South Carolina und profitierte dabei
von einer massiven Unterstützung der schwarzen Wähler in
diesem Südstaat. Seine insgesamt weiter vorn liegende Rivalin
Hillary Clinton kam mit 27 Prozent auf den zweiten Platz.
Die Frau von Expräsident Bill Clinton rief Obama an, um ihm zu
gratulieren. Der Vorwahlkampf war in den vergangenen Wochen zunehmend
ruppiger geworden, wobei es auch um die Unterschiede in Hautfarbe und
Geschlecht ging. Mit Blick auf die anstehenden Entscheidungen in
US-Staaten mit weit geringeren Bevölkerungsanteilen der Schwarzen
sagte Obama nach seinem Wahlsieg: «Es geht nicht um Schwarz gegen
Weiß. Es geht um die Wahl zwischen Vergangenheit und
Zukunft.»
Weiter auf die Verliererbahn geriet am Samstag Exsenator John Edwards,
der auch in seinem Geburtsstaat South Carolina keine neuen Impulse in
seinem Wahlkampf setzen konnte und sich mit 18 Prozent begnügen
musste. Alle weiteren Bewerber blieben unter einem Prozent: Bill
Richardson, Joe Biden, Chris Dodd und Mike Gravel.
Obama erhielt mit seinem zweiten Wahlsieg nach dem Auftakt am 3. Januar
in Iowa 25 Delegiertenstimmen hinzu, Clinton vergrößerte ihr
Lager beim Nominierungsparteitag im August um zwölf Delegierte.
Damit entfallen bislang 249 Delegiertenstimmen auf Clinton und 167 auf
Obama. Für die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten sind
2.025 Delegierte erforderlich.
Eine mögliche Vorentscheidung wird am 5. Februar erwartet: An
diesem «Super Tuesday» stehen bei den Demokraten Vorwahlen
und Wählerversammlungen in 23 Staaten an - von New York im Osten
bis Kalifornien und Alaska im Westen sind mehr als 1.600
Delegiertenstimmen zu vergeben. Clinton flog bereits am Samstag nach
Nashville, Tennessee, um sich dort in den Wahlkampf zu stürzen.
Obama konnte sich am Samstag über die Unterstützung von
Caroline Kennedy freuen: Die Tochter von Präsident John F. Kennedy
verglich ihn in einem Beitrag für die «New York Times»
mit ihrem Vater.
Bei den Republikanern wird es am Dienstag spannend, wenn sich die
Bewerber in Florida zur Vorwahl stellen. In South Carolina hatten die
Anhänger der Partei von Präsident George W. Bush bereits vor
einer Woche gewählt, damals gewann der 71-jährige Senator John
McCain. In Florida liegt er etwa gleichauf mit dem ehemaligen
Gouverneur von Massachusetts, Mitt Romney. Hoffnungen machen sich in
Florida aber auch noch der ehemalige New Yorker Bürgermeister
Rudolph Giuliani und der vor allem im Lager der konservativen Christen
beliebte Baptist Mike Huckabee.
(Quelle: ap)
Russland: Kreml-Kritiker Kasjanow von Präsidentenwahl
ausgeschlossen
Mo.28.01.08 - Die russische Wahlkommission hat am Sonntag den Kreml-Kritiker Michail
Kasjanow von der Präsidentschaftswahl am 2. März
ausgeschlossen. Das Gremium begründete seine Entscheidung damit,
dass ein großer Teil der Unterschriften zur Unterstützung
der Kandidatur des ehemaligen Ministerpräsidenten gefälscht
seien. Kasjanow wies dies zurück und warf Präsident Wladimir
Putin vor, persönlich für seinen Ausschluss gesorgt zu haben.
Kandidaten, die nicht von einer politischen Partei aufgestellt werden,
müssen die Unterschriften von zwei Millionen Unterstützern
einreichen, um bei der Präsidentschaftswahl zugelassen zu werden.
Kasjanow hat nach Angaben seines Wahlkampfteams 2,067 Millionen
Unterschriften eingereicht. Die Wahlkommission erklärte am
vergangenen Donnerstag mehr als 80.000 Unterschriften für
ungültig. Zuvor hatte das Büro des Generalstaatsanwalt ein
Betrugsverfahren gegen das Wahlkampfbüro Kasjanows eingeleitet.
Kasjanow sagte auf einer Pressekonferenz, die Entscheidungen machten
aus der Präsidentenwahl eine Farce. «Ich habe keinen Zweifel
daran, dass Putin persönlich die Entscheidung getroffen hat, meine
Kandidatur nicht zuzulassen», fügte er hinzu.
Betrugsvorwürfe der Behörden wies er zurück. «Es
hat keinen Betrug gegeben. Die Behörden fürchten den Willen
des Volkes. Sie verweigern uns die Chance auf einen ehrlichen
politischen Kampf», sagte Kasjanow, der bis 2004 Putins erste
Ministerpräsident war. Auch andere Oppositionspolitiker wie der
frühere Schachweltmeister Garri Kasparow haben dem Kreml
vorgeworfen, ihre Kandidatur verhindert zu haben.
Nach Putins öffentlicher Empfehlung ist der bisherige Erste
stellvertretende Ministerpräsident Dmitri Medwedew Favorit bei der
Präsidentenwahl am 2. März. Umfragen sehen ihn bei rund 80
Prozent. Mit Medwedew wurden der kommunistische Parteichef Gennadi
Sjuganow, der Ultranationalist Wladimir Schirinowski und Andrej
Bogdanow, ein weitgehend unbekannter Führer einer kleinen Partei,
zur Wahl zugelassen.
(Quelle: ap)
Mehr als 200 russische Soldaten nahmen sich 2007 das Leben
Mo.28.01.08 - Mehr als 200 Soldaten der russischen Armee haben sich im vergangenen
Jahr das Leben genommen. Wie das russische Verteidigungsministerium auf
seiner offiziellen Website http://www.mil.ru
mitteilte, begingen 2007 insgesamt 224 Armeeangehörige Selbstmord.
Insgesamt starben 442 Soldaten, 126 von ihnen bei Unfällen, 41 im
Straßenverkehr. 15 Soldaten starben nach offiziellen Angaben bei
Mutproben, während nach Angaben russischer
Nichtregierungsorganisationen jedes Jahr mehrere hundert Soldaten bei
den gefürchteten Mutproben ums Leben kommen.
Nach Angaben von Menschenrechtsgruppen übt die russische
Militärführung derzeit massiven Druck auf "hunderte"
Wehrpflichtige aus, um sie zum Eintritt in die Berufsarmee zu bewegen.
Für Soldaten, die sich langfristig verpflichten, wurde der
Grundwehrdienst mit Beginn dieses Jahres von zwei Jahren auf ein Jahr
verkürzt. Die erhoffte Zunahme der Rekrutierungen blieb bislang
jedoch aus.
(Quelle: afp)
Acht hochrangige Nationalisten in der Türkei inhaftiert
Mo.28.01.08 - Die türkischen Sicherheitskräfte haben nach einem Einsatz
gegen eine nationalistische Gruppierung, die angeblich
Mordanschläge auf den Literatur-Nobelpreisträger Orhan Pamuk
und mehrere Kurden planten, acht Verdächtige inhaftiert. Wie die
Agentur Anadolu berichtete, befinden sich unter den Festgenommenen der
General im Ruhestand Veli Kucuk und der Jurist Kemal Kerincsiz. Dieser
hatte Prozesse gegen Pamuk und den armenischen Journalisten Hrant Dink
angestrengt, der im vergangenen Jahr ermordet wurde. Unter den sechs
anderen Inhaftierten befinden sich den Angaben zufolge ein Oberst im
Ruhestand und ein weithin bekannter Krimineller.
Die Behörden teilten zunächst nicht mit, was den Inhaftierten
zur Last gelegt wird. In der Türkei gelten Sicherheitsgesetze,
nach denen die Berichterstattung über solche Vorgänge stark
eingeschränkt werden kann. Gegen Ex-General Kucuk bestehen
Vorwürfe, er habe die Ermordung von Kurden in den 90er Jahren zu
verantworten. Er wurde jedoch deswegen nie angeklagt.
Am Mittwoch waren Zeitungsberichte erschienen, nach denen bei einem
Einsatz gegen Rechtsnationalisten mehr als 30 Verdächtige
vorläufig festgenommen worden seien. In den Zeitungen
"Hürriyet" und "Milliyet" hieß es, es bestehe der Verdacht,
dass sie die Kurdenpolitikerin Leyla Zana und den Kolumnisten Fehmi
Koru im Visier hatten.
(Quelle: afp)
Mehr als 60 Prozent der Italiener für Wahlen
Mo.28.01.08 - 61 Prozent der Italiener sind für vorgezogene Wahlen zur
Lösung der Krise nach dem Sturz der Mitte-Links-Koalition von
Ministerpräsident Romano Prodi.
Lediglich 33 Prozent der Befragten hätten sich für eine
Übergangsregierung ausgesprochen, wie sie von Präsident
Giorgio Napolitano favorisiert wird, berichtete die italienische
Tageszeitung "Corriere della Sera" am Sonntag weiter.
Der Umfrage zufolge würde eine vorgezogene Wahl von der Rechten
unter Führung von Prodis Vorgänger Silvio Berlusconi
gewonnen. Sie kann demnach mit 54,5 bis 57,6 Prozent der Stimmen
rechnen. Die Linke käme auf 42,4 bis 45 Prozent. Eine zweite
Umfrage sagte Berlusconi einen Vorsprung von bis zu 35 Sitzen im Senat
voraus, wo Prodi nur eine hauchdünne Mehrheit hielt.
Napolitano will bis Dienstagabend über einen Ausweg aus der Krise
entscheiden. Prodi hatte nach nur 20 Monaten im Amt am Freitag im
Oberhaus eine Vertrauensabstimmung verloren.
(Quelle: rtr)
Landtagswahlen in Hessen und Niedersachsen:
Herbe Wahlschlappe für
Koch.
Linke in Hessens Landesparlament - keine klaren Mehrheiten.
Niedersachsens Ministerpräsident Wulff
bestätigt.
Linke mit rund sieben Prozent im
niedersächsischen Landtag
Mo.28.01.08 - Die CDU ist der große Verlierer der Landtagswahl in Hessen und
kann sich auch in Niedersachsen nur mit Verlusten an der Regierung
halten.
Nach einem polarisierenden Wahlkampf schnitt die CDU von Hessens
Ministerpräsident Roland Koch zwar als stärkste Partei ab,
jedoch nur mit einem Vorsprung von 0,1 Prozentpunkten vor der SPD. Das
anvisierte Bündnis von CDU und FDP hat keine Mehrheit,
zunächst blieb offen, wer eine Regierung in Wiesbaden bilden kann.
Großer Gewinner war die Linkspartei, die in Niedersachsen, wo
sich die schwarz-gelbe Koalition unter Christian Wulff trotz Verlusten
behauptete, und in Hessen erstmals in westdeutschen
Flächenländern den Sprung ins Parlament schaffte.
In Hessen verlor die CDU nach dem vorläufigen Endergebnis
erdrutschartig zwölf Prozentpunkte von ihrem bislang besten
Ergebnis vor fünf Jahren und erreichte 36,8 Prozent. Die SPD
verbesserte sich mit 36,7 Prozent um 7,6 Prozentpunkte gegenüber
2003. Die FDP konnte auf 9,4 Prozent zulegen, die Grünen verloren
auf 7,5 Prozent. Die Linkspartei erhielt 5,1 Prozent.
Damit war zunächst offen, wer in Hessen die Regierung bildet. CDU
und FDP verfügen über 42 beziehungsweise elf Sitze und
können keine Mehrheit in dem 110 Abgeordnete zählenden
Landtag bilden. Das gilt auch für SPD und Grüne, die 42
beziehungsweise neun Mandate erhalten haben. Die Linkspartei kann sechs
Abgeordnete ins hessische Parlament schicken. Die FDP lehnte
unmittelbar nach der Wahl erneut eine Ampelkoalition mit SPD und
Grünen ab. Allerdings sprachen sich auch Ypsilanti und SPD-Chef
Kurt Beck gegen eine Zusammenarbeit der Linken aus.
Rechnerisch ist auch eine große Koalition möglich. Ypsilanti
erklärte jedoch in mehreren Interviews, sie wüsste nicht, wo
sich bei den derart unterschiedlichen Programmen die Einigung mit der
CDU ergeben könnte. "Wir haben für eine andere politische
Kultur in diesem Land gekämpft und wir haben gewonnen", rief
Ypsilanti jubelnden Anhängern zu. Dies sei auch ein Zeichen
für die Bundesebene.
Koch räumte Fehler bei der Mobilisierung der CDU-Anhänger
ein. Die CDU sei einem Angriff von drei linken Parteien ausgesetzt
gewesen, sagte er. "Natürlich ist das Ergebnis, das wir erzielen,
in dem Rückgang nicht einfach für uns und auch für mich
persönlich nicht einfach."
In Niedersachsen bestätigten die Wähler die Koalition aus CDU
und FDP. Zwar musste auch Ministerpräsident Wulff deutliche
Verluste hinnehmen und kam mit der CDU auf 42,5 Prozent (minus 5,8),
kann aber weiter regieren mit der FDP, die sich bei 8,2 (8,1) Prozent
behauptete. Die SPD erzielte mit ihrem Spitzenkandidaten Wolfgang
Jüttner das schlechteste Ergebnis ihrer Geschichte dort und bekam
30,5 (2003: 33,4) Prozent. Die Wahlbeteiligung war bei schlechtem
Wetter in beiden Ländern niedrig.
Union und SPD bekräftigten, dass ihre Koalition auf Bundesebene
bis zum Ende der Wahlperiode 2009 halten werde. Kurz nach der Halbzeit
der großen Koalition im Bund hat die Wahl jedoch auch große
Bedeutung für die Position von SPD und CDU im Kabinett unter
Angela Merkel, die sich hinter Kochs Forderung im Kampf gegen
Jugendkriminalität gestellt hatte. Vor allem der Koalitionsbildung
in Hessen wird auch eine Signalwirkung für Konstellationen nach
der Bundestagswahl 2009 zugesprochen.
SPD-Generalsekretär Hubertus Heil sah deutlichen Rückenwind
für Rot-Grün. "Wir schaffen es möglicherweise, heute
deutlich zu machen: Rot-Grün ist wieder da." Das Ergebnis zeige:
"Rechtspopulistischer Wahlkampf zahlt sich nicht aus." Zugleich
kündigte er an, das von der Bundes-SPD voran getriebene Thema
Mindestlohn bleibe auf der Tagesordnung. Die Landtagswahl war der erste
Test für SPD nach dem von Parteichef Kurt Beck im vergangenen Jahr
durchgesetzten Linkskurs.
Der Bundesgeschäftsführer der Partei Die Linke, Dietmar
Bartsch, sieht seine Partei in ganz Deutschland gestärkt. Da ihr
selbst im vergleichsweise konservativen Niedersachsen der Einzug in den
Landtag gelungen sei, sei dies nun überall möglich.
(Quelle: rtr)
Wirtschaftsexperten befürchten Linksruck - Politik müsse
aufhören, nur über Gerechtigkeit und Umverteilung zu reden
Mo.28.01.08 - Die Ergebnisse der beiden Landtagswahlen haben in der Wirtschaft und
unter Wissenschaftlern Kritik und Sorge vor einem Linksruck
ausgelöst. Der Präsident des Instituts für
Wirtschaftsforschung Berlin (DIW), Klaus Zimmermann, sagte der
«Bild»-Zeitung (Montagausgabe): «Der SPD-Erfolg in
Hessen ist ein endgültiges Signal hin zu mehr Verteilungspolitik
in Deutschland.»
Die Regierung in Berlin werde sich noch stärker auf
Leistungsempfänger konzentrieren und die Leistungsträger noch
stärker vernachlässigen, meinte er. «Das ist eine
gefährliche Politik, da sie Wirtschaftswachstum kosten kann und
dauerhaft nicht zu mehr Wohlstand führt.»
Der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI),
Jürgen Thumann, erklärte, er betrachte die aktuelle
Entwicklung «mit allergrößter Sorge». Die
Politik müsse aufhören, nur über Gerechtigkeit und
Umverteilung zu reden. Sie müsse statt dessen dafür sorgen,
«dass die Wirtschaft Arbeit schaffen kann. Das ist sozial»,
sagte Thumann dem Blatt.
Der Chefvolkswirt der Allianz, Michael Heise, befürchtet
angesichts des Wahlergebnisses eine Ausweitung von Mindestlöhnen
auf weitere Branchen. «Durch den SPD-Erfolg in Hessen wird das
Thema Mindestlohn weiter an Bedeutung gewinnen», sagte Heise der
Zeitung. Es sei zu befürchten, dass Mindestlöhne in noch mehr
Branchen eingeführt werden. «Das geht zu Lasten der
Geringqualifizierten und Arbeitslosen, die es noch schwerer haben,
einen Job zu finden.»
Gleichzeitig warnte der Präsident des Bundesverbands Groß-
und Außenhandel (BGA), Anton Börner, in der vor einer
Verschlechterung des Investitionsklimas. Es sei zu befürchten,
dass sich ausländische Firmen bei einem Linksruck mit
Investitionen in Deutschland künftig stärker
zurückhielten.
(Quelle: ap)
Koalitionspolitiker wollen Beobachtung der Linkspartei beenden
Mo.28.01.08 - Führende Koalitionspolitiker haben sich dafür ausgesprochen,
die Beobachtung der Linkspartei durch den Verfassungsschutz zu beenden.
«Eine generelle Beobachtung der Linkspartei durch den
Verfassungsschutz ist nicht angebracht und auch gesetzlich nicht mehr
gedeckt. Ich halte sie deshalb für rechtswidrig», sagte der
SPD-Innenpolitiker Dieter Wiefelspütz der «Frankfurter
Allgemeinen Sonntagszeitung».
Auch der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag,
Wolfgang Bosbach, äußerte sich in dem Blatt kritisch:
«Ich frage mich, ob die Erkenntnisse, die man bisher über die
Linkspartei hat, eine flächendeckende Beobachtung notwendig
machen», wurde er zitiert.
Verfassungsschutzpräsident Heinz Fromm sagte der Zeitung, die
Grundsatzpapiere der Linkspartei enthielten zwar Hinweise auf das Ziel,
das politische System zu überwinden. «Man muss sich dennoch
immer fragen, ob es noch verhältnismäßig ist, die Linke
zu beobachten», fügte er den Angaben zufolge hinzu.
Nach Informationen der Zeitung will das Bundesinnenministerium die
Beobachtung der Linkspartei im Zuge einer Verfassungsschutzreform
beenden. Fromm sagte, die Fusion von Linkspartei und WASG sei Anlass
gewesen, die Beobachtungspraxis zu überprüfen. Das Saarland
hatte Mitte Januar als erstes westliches Bundesland verkündet, die
Beobachtung einzustellen.
Der Vorsitzende des Innenausschusses des Bundestages, der SPD-Politiker
Sebastian Edathy, sagte der Blatt, es sei offensichtlich, dass Teile der
Linkspartei verfassungsfeindliche Ziele verfolgten. Ob das aber
prägend für die Partei sei, halte er für fraglich.
«Wenn das Saarland unter CDU-Führung entscheidet, die
Beobachtung einzustellen, sollte das Anlass für den
Bundesinnenminister sein, die bisherige Praxis zu
überdenken», wurde Edathy zitiert.
Die rheinland-pfälzische Landesregierung will die Linkspartei nach
einem «Spiegel»-Vorabbericht unterdessen weiter vom
Verfassungsschutz überwachen lassen. Begründet werde dies mit
dem starken Einfluss der ehemaligen PDS in der
rheinland-pfälzischen Linkspartei, berichtete das Magazin unter
Berufung auf das Innenministerium. Etwa jedes fünfte der rund 1.500
Mitglieder stammt demnach aus der PDS.
Der rheinland-pfälzische Bundestagsabgeordnete Alexander Ulrich
hatte in einem Brief an Ministerpräsident Kurt Beck gefordert, die
Beobachtung zu beenden. Er wies darauf hin, dass «ein nicht
unerheblicher Teil der Mitgliedschaft ursprünglich aus der
SPD» komme.
(Quelle: ap)
Verkauf der Leipziger Stadtwerke scheitert Bürgerentscheid
Mo.28.01.08 - Der umstrittene Verkauf der Leipziger Stadtwerke ist am Votum der
Einwohner gescheitert. Bei einem Bürgerentscheid stimmten am
Sonntag laut vorläufigem Endergebnis rund 149 000 Menschen gegen
den Verkauf von 49,9 Prozent des stadteigenen Betriebs. Um die
Veräußerung zu stoppen, wären rund 104 000 Nein-Stimmen
notwendig gewesen. Mit dem Ergebnis des Bürgerentscheids, das
für drei Jahre bindend ist, ist zugleich auch der Verkauf von
Anteilen an den weiteren stadteigenen Betrieben nicht mehr
möglich. Die Wahlbeteiligung lag bei 41 Prozent und damit
höher als bei der Oberbürgermeisterwahl 2006.
Rund 416 000 Wahlberechtigte waren zu dem Bürgerentscheid
aufgerufen, der von einer Bürgerinitiative mit der Sammlung von
rund 42 000 Unterschriften im Herbst 2007 erzwungen worden war. Mit dem
Ergebnis des Bürgerentscheids muss Leipzigs Oberbürgermeister
Burkhard Jung (SPD) eine herbe Niederlage hinnehmen. Er hatte den
Verkauf der Stadtwerke-Anteile an den Konzern Gaz de France
favorisiert, um die Verschuldung der Stadt von knapp einer Milliarde
Euro spürbar zu drücken. Die Franzosen hatten 520 Millionen
Euro geboten.
Jung sagte, für die Stadt Leipzig werde es nach dem
Bürgerentscheid in den nächsten Jahren sehr viel schwieriger
werden. Der Haushalt für dieses Jahr könne nun nicht
verabschiedet werden, kündigte Jung an. Alle Ausgaben
gehörten auf den Prüfstand. «Wir werden jetzt sehr
heftig rudern müssen», fügte er hinzu. Das Votum zeige,
dass die Menschen eine Privatisierung von kommunalen Unternehmen nicht
wollten. Nach dem jetzigen Ergebnis «wird Privatisierung in
Leipzig in den kommenden Jahren keine Rolle spielen», sagte der
SPD-Politiker.
Der Sprecher der Bürgerinitiative, Mike Nagler, sagte, die
Bürger hätten mit dem Ergebnis gezeigt, dass sie ihre
Mitsprache in der Stadtpolitik erfolgreich einfordern könnten. Er
sehe für den Haushalt der Stadt keine akute Gefahr. Die Kommunen
sollten jetzt mehr denn je darauf drängen, dass sie finanziell von
Bund und Ländern langfristig besser gestellt werden.
(Quelle: ddp)
Landesbanken halten angeblich fast 80 Mrd Risikoanlagen
Mo.28.01.08 - Die Landesbanken LBBW, BayernLB, WestLB und HSH Nordbank haben einem
Magazinbericht zufolge fast 80 Milliarden Euro in riskante Wertpapiere
investiert.
Wegen der US-Kreditkrise seien damit allein bei den Bayern
Abschreibungen von mehr als zwei Milliarden Euro zu erwarten, meldete
das Nachrichtenmagazin "Focus" am Samstag vorab ohne Angabe von Quellen.
Angeblich prüfen die öffentlichen Banken die Ausgliederung
ihrer riskanten Wertpapiere in eine separate Gesellschaft.
Ein Sprecher der Bayerischen Landesbank lehnte einen Kommentar zu dem
Bericht ab. Es gebe noch keine Zahlen, sagte er lediglich. Diese
würden erst mit der Jahresbilanz im April veröffentlicht.
Bayerns Finanzminister Erwin Huber hatte den Abschreibungsbedarf in der
vergangenen Woche mit bisher 100 Millionen Euro beziffert und weitere
Wertberichtigungen darüber hinaus angekündigt.
Für die angebliche Gesamtinvestitionssumme der vier Landesbanken
war keine Bestätigung zu erhalten. Allein das einschlägige
Engagement der WestLB wird in Eignerkreisen jedoch mit 20 Milliarden
Euro angegeben. Die WestLB hatte am Montag erklärt, sie erwarte
einen Jahresverlust von einer Milliarde Euro. Zudem entstünden in
der Bilanz Wertminderungen in einer Höhe von einer weiteren
Milliarde Euro. Die Eigner der Bank - Land, Sparkassen und
Landschaftsverbände - hatten sich bereiterklärt, zwei
Milliarden Euro zuzuschießen.
Einen Bericht des "Spiegel", wonach Rating-Agenturen bis zu vier
Milliarden Euro frisches Kapital für die WestLB fordern, wies eine
Sprecherin des nordrhein-westfälischen Finanzministeriums am
Samstag zurück: "Die Forderung der Rating-Agenturen gibt es nicht."
Im Umfeld der Bank hieß es ebenfalls, diese Zahl sei nicht
genannt worden.
Zurückgewiesen wurden auch "Focus"-Angaben über Sondierungen
für eine gemeinsame Zweckgesellschaft der Landesbanken, in denen
die von der US-Immobilienkrise belasteten Papiere gebündelt werden
sollen. In Finanzkreisen hieß es am Samstag zwar, es gebe
Überlegungen zu einer bundesweiten Risikogesellschaft für die
Landesbanken. Auch das Bundesfinanzministerium sei mit diesen
Gedankenspielen befasst worden. Dort sagte ein Sprecher jedoch: "Das ist
kein Thema des Bundes, das ist ein Thema der Länder." Man habe
sich damit auch nicht befasst. "Derartige Pläne gibt es nicht",
sagte ein Sprecher des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV).
Auch die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) und die HSH Nordbank
erklärten, ihnen seien solche Überlegungen nicht bekannt.
Nordrhein-Westfalens Finanzminister Helmut Linssen hatte am Donnerstag
vor dem Haushalts- und Finanzausschuss des Landtags gesagt, es werde
darüber nachgedacht, "ob man alles, was mit Subprime zu tun hat,
ausgliedern kann". Offen sei aber, wie die Garantien für die
Risiken gestellt werden könnten. Deshalb könne es keine
schnelle Einigung geben: Eine Lösung "wie Kai aus der Kiste" sei
nicht zu erwarten.
(Quelle: rtr)
EU stellt Bochumer Nokia-Mitarbeitern Hilfen in Aussicht
Mo.28.01.08 - EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso hat den
Bochumer Nokia-Mitarbeitern die Unterstützung der Europäischen
Union zugesichert. "Ich verstehe die Sorgen der Beschäftigten,
versichere ihnen unsere Solidarität", sagte Barroso der "Bild am
Sonntag". "Wo es erforderlich ist, helfen wir, zum Beispiel bei
Umschulungen." Barroso verwies darauf, dass Deutschland bis 2015 mehr
als neun Milliarden Euro aus dem EU-Sozialfonds erhalten werde. Die
Verlagerung des Nokia-Werks nach Rumänien werde nicht mit Geld aus
Brüssel gefördert, betonte Barroso.
In Brüssel werde darauf geachtet, dass es keinen "unfairen
Wettlauf um nationale Förderungen" gebe. Die
nordrhein-westfälische Landesregierung hält nach Informationen
der "Bild am Sonntag" einen Erhalt des Nokia-Werks in Bochum für
möglich. Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU),
die Bochumer Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz (SPD) und der
Nokia-Gesamtbetriebsrat hätten sich bei einem Treffen am
vergangenen Freitag auf den Erhalt des Standorts als oberstes
gemeinsames Ziel festgelegt, heißt es in der jüngsten
Ausgabe des Blattes unter Berufung auf die Düsseldorfer
Staatskanzlei. Der finnische Konzern habe die Reaktionen in der
deutschen Öffentlichkeit und den damit verbundenen Markenschaden
falsch eingeschätzt und sei jetzt offenbar zur Zusammenarbeit
bereit.
Nokia will das Bochumer Werk nach den bisherigen Planungen aus
Kostengründen zur Jahresmitte aufgeben und die Produktion unter
anderem nach Rumänien verlagern. Dagegen hatte sich eine Welle der
Proteste erhoben.
(Quelle: afp)
IG Metall sieht keinen Grund für Lohnzurückhaltung
Mo.28.01.08 - Die IG Metall hat Appelle von Arbeitgebern und Wirtschaftsexperten zu
einer maßvollen Lohnrunde 2008 zurückgewiesen. «Es gibt
keinen Grund zur Bescheidenheit», sagte
IG-Metall-Vorstandsmitglied Helga Schwitzer dem Wirtschaftsmagazin
«Euro am Sonntag» zufolge. Die Kapazitäten in der
Metall- und Elektroindustrie seien ausgelastet, in mehr als 60 Prozent
der Betriebe würden Überstunden geleistet, 15 Prozent der
Betriebe litten sogar unter Kapazitätsengpässen.
«Die Geschäfte laufen hervorragend», wurde die
Gewerkschafterin zitiert. Trotz der Finanzkrise und anderer Risiken
bleibe die Konjunktur auch 2008 robust. Konkrete Lohnforderungen sollten
deshalb am Produktivitätsanstieg und der Inflationsrate
festgemacht werden, forderte sie. «Angemessene Beteiligung der
Beschäftigten an der guten wirtschaftlichen Lage ist nicht nur eine
Frage der Gerechtigkeit, sondern stärkt auch die
Binnenkonjunktur», sagte Schwitzer dem Magazin.
(Quelle: ap)
Minijobs kosteten Staat 2007 Milliarden Euro
Mo.28.01.08 - Minijobs haben den deutschen Staat im vergangenen Jahr knapp vier
Milliarden Euro gekostet. Zu diesem Ergebnis kommt der Deutsche
Gewerkschaftsbund (DGB) in seinen Berechnungen zu den Subventionen
für die geringfügige Beschäftigung, wie die "Frankfurter
Rundschau" berichtet. Demnach gingen den Sozialversicherungen durch
Minijobs rechnerisch zwischen 2,2 Milliarden und 2,4 Milliarden Euro an
Beiträgen verloren. Die öffentlichen Haushalte verzichteten
darüber hinaus auf Steuerzahlungen von einer bis 1,3 Milliarden
Euro.
"Mit gewaltigen Subventionen für Minijobs hilft der Staat
Arbeitgebern, ihre Arbeitskosten zu Lasten der Allgemeinheit zu
drücken", kritisierte DGB-Arbeitsmarktexperte Wilhelm Adamy.
Für die Mini-Jobber hingegen sei die soziale Absicherung
völlig unzureichend. Obwohl die Bundesregierung die Förderung
Mitte 2006 leicht eingeschränkt habe, breiten sich Minijobs laut
DGB weiter aus. So sei ihre Zahl bis Ende Oktober 2007 um gut ein
Prozent auf 6,9 Millionen gestiegen. In einigen Branchen sei die
geringfügige Beschäftigung zum Regelfall geworden, etwa bei
den Gebäudereinigern oder im Gastgewerbe. Auf dem Vormarsch seien
vor allem Minijobs, die Arbeitnehmer als Nebenjob zusätzlich zu
einer regulären Arbeitsstelle ausüben. Ihr Volumen hat sich
gemessen an den Arbeitsstunden laut DGB seit 2002 verdoppelt.
(Quelle: afp)
Experte fordert Steuer- und Abgabensenkung - Zur Stabilisierung der
Konjunktur
Mo.28.01.08 - Der Chef des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI), Thomas
Straubhaar, hat angesichts der Finanzmarktkrise eine Senkung der Steuern
und Abgaben in Deutschland gefordert. «Um die Binnenkonjunktur
von morgen zu stärken, müssen heute schon die Steuern und
Abgaben gesenkt werden», schrieb Straubhaar in einem Gastbeitrag
für «Bild am Sonntag». Der Direktor des Instituts der
deutschen Wirtschaft (IW) in Köln, Michael Hüther, sieht
«keine Gründe für Sorgenfalten» in Bezug auf die
Wirtschaftsentwicklung.
Straubhaar schrieb, nach einer Steuersenkung «werden die Menschen
mehr Netto vom Brutto haben. Das stimuliert den Konsum und damit die
Investitionen.» 2008 werde Deutschland von einer Konjunkturkrise
verschont bleiben, meinte Straubhaar, «2009 aber wird es
kritischer.» Zugleich warnte der Wissenschaftler davor, angesichts
des Absturzes der Börsen in Panik zu verfallen. Die deutsche
Wirtschaft habe ein durchschnittliches Jahr vor sich. Die
Arbeitslosigkeit werde weiter sinken, die Beschäftigung weiter
wachsen.
Hüther sagte der Wochenzeitung «Das Parlament», es sei
«nicht ungewöhnlich, dass ein Aufschwung nach längerer
Dauer eine Moderierung erlebt». Wahrscheinlicher sei, dass es sich
um einen «Zwischenhänger» der Konjunktur handele, als
um den Anfang vom Ende des Aufschwungs. Unverändert hätten
die Unternehmen die Absicht, auch 2008 neue Arbeitsplätze zu
schaffen. «Im Jahresdurchschnitt sollte es gelingen, die
Arbeitslosigkeit unter 3,5 Millionen zu halten.» Damit werde die
Basis für die Binnenwirtschaft deutlich breiter.
(Quelle: ap)
Rund 270 Kurden demonstrieren in Berlin
Mo.28.01.08 - Rund 270 Kurden haben am Samstag in Berlin gegen türkische
Militärangriffe auf kurdische Dörfer im Nordirak demonstriert.
Der Protestmarsch vom Neuköllner Herrmannplatz zum Kottbusser Tor
in Kreuzberg verlief nach Angaben der Polizei ohne Zwischenfälle.
Das Kurdistan-Solidaritätskomitee Berlin hatte zu der
Demonstration aufgerufen. Anlass waren laut Veranstalter die
fortgesetzten Angriffe der türkischen Armee und Luftwaffe auf
Dörfer und Stellungen von PKK-Kämpfern im kurdisch dominierten
Nordirak.
Das Komitee hatte angekündigt, bei der Demonstration auch die
Freilassung des in der Türkei inhaftierten Führers der
verbotenen kurdischen Arbeiterpartei, Abdullah Öcalan, zu fordern.
Die Berliner Polizei untersagte aber, Bilder oder Fahnen mit dem
Konterfei Öcalans zu zeigen. Verstöße dagegen habe es
nicht gegeben, sagte eine Polizeisprecherin.
In Kreuzberg und Neukölln war es am 28. Oktober 2007 wegen der
drohenden Militärintervention zwischen Türken und Kurden zu
Ausschreitungen gekommen, bei der 18 Polizisten Verletzungen erlitten.
15 Personen wurden festgenommen. Vorangegangen war eine Kundgebung
türkischer Nationalisten auf dem Herrmannplatz mit rund 2000
Teilnehmern. Mehrere später abgehaltene kurdische Demonstrationen
verliefen weitgehend friedlich.
(Quelle: ddp)
Evangelischer Landesbischof: 'Kirche mitschuldig am Holocaust'
Mo.28.01.08 - Zum Holocaust-Gedenktag hat der bayerische Landesbischof Johannes
Friedrich ein Schuldbekenntnis für die evangelische Kirche in der
Zeit des Nationalsozialismus abgegeben. «Unsere Landeskirche ist
schuldig geworden, weil sie unzähligen Verfolgten und
Unterdrückten nicht die Hand gereicht hat», sagte Friedrich
am Sonntag bei einem Gottesdienst in der Dachauer Versöhnungskirche
auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte. Die
Kirchenverantwortlichen hätten sich damals schuldig gemacht,
«weil sie den millionenfachen Tod Unschuldiger in Kauf
genommen» und geschwiegen hätten, «wo klare Worte
hätten gesprochen werden müssen».
Friedrich machte auch seinem Vorvorgänger als Landesbischof, Hans
Meiser, Vorwürfe. Zwar habe Meiser zu den Wenigen gehört, die
den Probst Heinrich Grüber unterstützten, der mehr als 1000
Juden die Ausreise aus Deutschland ermöglicht hatte. Doch Meiser
habe auch geschwiegen zu den Judenverfolgungen und den anderen
Verbrechen der Nazis. Das Geschehene lasse sich nicht mehr
rückgängig machen. Umso mehr bestehe die Verpflichtung,
«heute und in Zukunft alles Menschenmögliche zu tun, dass
diese Geschichte sich nicht wiederholt», sagte Friedrich.
Der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland
(EKD), Bischof Wolfgang Huber, mahnte, die Erinnerung an die Gewalttaten
der Nationalsozialisten müsse wach gehalten werden. «Unser
Erinnern an diese Zeit muss sich immer wieder erneuern. Das bloße
Bewahren von Gedenkstätten reicht nicht. Sie müssen auch mit
Leben erfüllt werden», sagte Huber beim Gottesdienst in
Dachau. Die heutige Generation könne nicht für das
verantwortlich gemacht werden, was in der Zeit der
nationalsozialistischen Herrschaft geschah. «Aber wir sind
verantwortlich für das, was heute und morgen geschieht»,
betonte Bischof Huber.
Friedrich beklagte, dass Juden auch heute in Deutschland noch mit
Einschränkungen leben müssten. «Leider sind wir noch
weit davon entfernt, dass Juden sich überall frei bei uns bewegen
können.» Er verwies als Beispiel darauf, dass die neue
Synagoge am Münchner St. Jakobs-Platz rund um die Uhr bewacht
werden müsse. Rechtsextremistische Straftaten seien keine
Seltenheit in Deutschland. «All diese Verbrechen müssen von
uns heute aufs Schärfste verurteilt werden», betonte der
Bischof.
Der Präsident des Deutschen Fußballbundes (DFB), Theo
Zwanziger, verwies auf die Verantwortung der Fußballfans im Kampf
gegen Ausländerfeindlichkeit und Diskriminierung. Er erinnerte im
Gottesdienst an den deutschen Nationalspieler jüdischen Glaubens
Julius Hirsch, der von den Nationalsozialisten im Konzentrationslager
Auschwitz ermordet wurde. «Wir dürfen diese Zeit nicht
vergessen und wollen das Gelernte heute in Taten umsetzen», sagte
der DFB-Chef. «Wachsam sein, das ist unser Auftrag»,
fügte er hinzu.
(Quelle: ddp)