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Irak am 1406ten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Fünf US-Soldaten bei Kämpfen in Mossul getötet. Irak
zieht Truppen für 'Entscheidungsschlacht' zusammen. Dänemark
gewährt 367 irakischen Helfern Asyl
Di.29.01.08 - Bei Kämpfen mit mutmaßlichen Aufständischen der Al
Kaida sind im Nordirak fünf US-Soldaten ums Leben gekommen. Die
Soldaten wurden am Montag von den Angreifern in der Stadt Mosul mit
Gewehren beschossen, kurz danach explodierte eine am Straßenrand
platzierte Bombe, wie eine Sprecherin der US-Streitkräfte
mitteilte. Bei dem anschließenden Bombardement von Häusern
im Stadtteil Sumar durch die US-Streitkräfte wurden Polizeiangaben
zufolge drei Zivilpersonen verletzt.
Die drittgrößte irakische Stadt Mossul wird nach
Einschätzung der US-Streitkräfte zunehmend zu einer Hochburg
der Aufständischen. Bei einem Selbstmordanschlag und mehreren
Explosionen in der Stadt waren in der vergangenen Woche nach
Behördenangaben mindestens 40 Menschen ums Leben gekommen und rund
200 verletzt worden. Das irakische Rote Kreuz teilte unterdessen mit,
dass es insgesamt 60 Tote und 280 Verletzte gegeben habe.
In den obersten vier Stockwerken der irakischen Zentralbank in Bagdad
brach in der Nacht zum Montag Feuer aus. Dabei wurden nach
Polizeiangaben ein Raum mit den Unterlagen der Bank und mehrere
Büros von Mitgliedern der Geschäftsführung
verwüstet. Das Feuer brach im Büro des Zentralbankgouverneurs
aus. Die Feuerwehr brachte den Brand nach vier Stunden unter Kontrolle.
Die Behörden nahmen Ermittlungen zur Ursache auf.
Der Irak zieht im Norden Truppen für eine von der Regierung
angekündigte Entscheidungsschlacht gegen die radikal-muslimische
Al-Kaida zusammen.
Panzer- und Hubschraubereinheiten sowie Bodentruppen seien am
Sonntagabend in der Umgebung der Stadt Mossul eingetroffen, sagte der
Kommandeur in der Provinz Niniwe, Generalmajor Rijad Dschalal Taufik.
Weitere Truppen seien in den kommenden Tagen zu erwarten. Nähere
Einzelheiten nannte er nicht. Mossul ist die Hauptstadt der Provinz, die
als Rückzugsgebiet der Al-Kaida gilt, seit die Extremisten aus
Bagdad und den Gebieten nördlich davon vertrieben wurden.
Dänemark hat 367 Irakern Asyl gewährt, die den dänischen
Truppen bei ihrem Einsatz im Irak geholfen haben. Das gab ein Sprecher
der dänischen Einwanderungsbehörde am Montag in Kopenhagen
bekannt. Dänemark hatte seine 480 Soldaten im August aus dem Irak
abgezogen. Kurz zuvor waren 376 irakische Helfer und Angehörige
nach Dänemark gebracht worden, die aus Angst vor Anschlägen
das Land verlassen wollten.
Nach Angaben der Einwanderungsbehörde wurden bisher alle
Asylanträge positiv beschieden. Die noch ausstehenden würden
bis Ende Januar bearbeitet.
boa (Quellen: rtr, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 29.01.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am neunhundertvierundvierzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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US-Regierung will weitere 70 Milliarden Dollar für Kriege
Di.29.01.08 - Die US-Regierung will kommende Woche beim Kongress weitere 70
Milliarden Dollar für die Kriege im Irak und Afghanistan
beantragen.
Der Antrag für das Fiskaljahr 2009 werde dem Kongress kommenden
Woche zugeleitet, sagte ein Sprecher des US-Verteidigungsministeriums
am Montag. Die Mittel sollen zusätzlich zum regulären
Pentagon-Haushaltsplan genehmigt werden, den das Ministerium kommenden
Woche vorstellen will. Seit den Anschlägen vom 11. September 2001
hat der US-Kongress für die Finanzierung des sogenannten "Kriegs
gegen den Terror" im Irak und Afghanistan 691 Milliarden Dollar
genehmigt.
(Quelle: rtr)
US-Präsident Bush bittet Amerikaner um Ausdauer und Geduld -
Wirtschaftsflaute und Irak-Krieg im Blick - Letzte Rede zur Lage der
Nation
Di.29.01.08 - US-Präsident George W. Bush hat von den Amerikanern angesichts der
schlechten Lage der Wirtschaft Ausdauer und Vertrauen verlangt. Er
nehme die Sorgen der Menschen zur wirtschaftlichen Entwicklung ernst
und werde entsprechende Gegenmaßnahmen ergreifen, erklärte
Bush am Montag in seiner letzten Rede zur Lage der Nation. Zugleich
versicherte er, dass im Irak seine Politik und die angeordnete
Truppenverstärkung nach einem fünfjährigen kostspieligen
Krieg Wirkung zeigten. «Al Kaida ist auf der Flucht», sagte
Bush.
Die Popularität des US-Präsidenten befindet sich weiter auf
einem Tiefstand und auch angesichts des absehbaren Endes seiner
Amtszeit versuchte Bush erst gar nicht, neue weitreichende Pläne
vorzustellen. Der Kampf um seine Nachfolge ist schon voll im Gange.
Angesichts der Krise der Wirtschaft kann er aber noch einmal beweisen,
dass er handlungsfähig ist.
«Während wir heute Abend hier zusammenkommen, macht unsere
Wirtschaft eine Phase der Ungewissheit durch», sagte Bush. Die
Menschen überall im Land machten sich Sorgen über die
wirtschaftliche Zukunft. Mit Bezug auf die in der vergangenen Woche vom
Weißen Haus vorgeschlagenen Maßnahmen zur Belebung der
Konjunktur rief er den Kongress auf, allen Versuchen zu widerstehen,
das Paket noch zu vergrößern. Das Paket zur Stimulierung der
Wirtschaft habe genau den richtigen Umfang, sagte Bush. Er forderte die
Abgeordneten und Senatoren auch noch einmal auf, die von ihm schon
früher vorgeschlagene Reform des Renten- und
Krankenversicherungssystems für Ältere wieder aufzugreifen.
Die Kosten drohten aus dem Ruder zu laufen, sagte Bush. Hier sei jetzt
parteiübergreifendes Handeln gefragt.
Beim umstrittenen Krieg im Irak stellte Bush den Amerikanern keinen
Truppenabzug in Aussicht. Aber es habe Fortschritte gegeben, von denen
vor einem Jahr noch keiner zu träumen wagte, sagte Bush. Die
zusätzlichen 30.000 US-Soldaten und der Ausbau der irakischen
Streitkräfte zeigten Wirkung. Auch wenn dies in den USA noch
mancher bestreite, bei den Terroristen aber sei klar, dass sie schwer
getroffen seien, sagte Bush. Dem Krieg im Irak sind bislang schon fast
4.000 US-Soldaten und noch viel mehr Iraker zum Opfer gefallen.
(Quelle: ap)
Weiterer Einsatz kanadischer Soldaten in Afghanistan gefährdet
Di.29.01.08 - Kanada wird den Afghanistan-Einsatz seiner rund 2.500 Soldaten nur
verlängern, wenn andere NATO-Partner mindestens 1.000
zusätzliche Soldaten in den umkämpften Süden des Landes
entsenden. Das erklärte der kanadische Ministerpräsident
Stephen Harper am Montag in Toronto. Vor dem nächsten
NATO-Gipfeltreffen im April wolle er mit anderen Staaten darüber
verhandeln. Die zusätzlichen Truppen sollten wie die kanadischen
in Kandahar stationiert werden.
Eine Untersuchungskommission hatte der kanadischen Regierung in der
vergangenen Woche empfohlen, den Einsatz nur über das Jahr 2008
hinaus zu verlängern, wenn andere NATO-Partner mehr Truppen in den
gefährlichen Süden des Landes schicken würden. Seit
Beginn des Afghanistan-Einsatzes kamen 78 kanadische Soldaten ums Leben.
Die USA, Kanada, Großbritannien und die Niederlande haben
Soldaten in den gefährlichen Provinzen des Südens. Andere
europäische NATO-Staaten, darunter Deutschland, haben sich
wiederholt Forderungen verwehrt, Soldaten in den Süden und
Südosten des Landes zu schicken. Insgesamt sind in Afghanistan
rund 42.000 Soldaten unter dem Kommando der NATO im Einsatz.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt: Ägypten und Hamas richten geregelten Grenzverkehr
ein
Di.29.01.08 - Die Grenze des Gazastreifens nach Ägypten bleibt vorerst offen.
Fünf Tage nach der gewaltsamen Öffnung richteten die
islamistische Hamas und Ägypten am Montag gemeinsam einen
geregelten Grenzverkehr ein. Die EU sagte unterdessen zu, eine
Rückkehr ihrer Beobachter in die Grenzregion zu prüfen.
Ägyptische Sicherheitskräfte und Hamas-Kämpfer riegelten
die beiden größten Breschen in den Sperranlagen mit
Betonwällen und Stacheldraht ab. Zwei weitere Durchbrüche
wurden unter gemeinsamer Bewachung für die Aus- und Einreise
über den einzigen nicht-israelischen Ausgang präpariert.
Israels Blockade in Reaktion auf den anhaltenden Raketenbeschuss durch
die Hamas ist damit weiter hinfällig.
Die Hamas stellte in Aussicht, den Übergang zu schließen,
sollten ihre Gespräche mit der Regierung in Kairo am Mittwoch
zufriedenstellend enden. Die Extremisten verlangen eine Mitsprache bei
der Grenzregelung, die bislang von Palästinenser- Präsident
Mahmud Abbas und Ägypten vereinbart wurde. Auch Abbas wird am
Mittwoch in Kairo erwartet. EU-Chefdiplomat Javier Solana trifft am
Wochenende den ägyptischen Staatschef Husni Mubarak.
Ägypten rief die EU und die USA auf, Israel zur Zusammenarbeit zu
bewegen. Die Grenze solle von Kräften der
Palästinenser-Regierung und EU-Beobachtern geschützt werden,
erklärte Außenminister Ahmed Abul Gheit. Ägypten sei
seinerseits bereit, "Schritt für Schritt die Kontrolle zu
übernehmen und die Lage zu akzeptablen Bedingungen
zurückzuführen". Nachdem die Regierung in Kairo am Sonntag
den Nachschub für die wilden Märkte im Grenzgebiet radikal
gestoppt hatte, waren Tausende Palästinenser freiwillig nach Hause
zurückgekehrt.
"Die Europäische Union ist bereit, ihre Rolle zu übernehmen",
sagte Solana in Brüssel. Als Voraussetzung für die
Rückkehr der Beobachter verlangten die EU-Außenminister eine
Vereinbarung zwischen der von Abbas geführten Regierung,
Ägypten und Israel, in der der Personenverkehr geregelt werden
müsse. Die EU brauche die Zusicherung, dass es keine Angriffe auf
ihre Beobachter geben werde, sagten Diplomaten. "Die Lage muss mit der
Hamas geklärt werden. Die Hamas muss zustimmen."
Die militante Gruppe, die eine Anerkennung des Existenzrechts Israels
ablehnt, wird von den USA und der EU als Terror-Organisation eingestuft
und boykottiert. Ägypten hielt deswegen seine Grenze zum
Gazastreifen weitgehend geschlossen, nachdem die Hamas im Juni in dem
Gebiet die Macht an sich gerissen hatte. Die EU-Beobachter zogen sich
in der Folge zurück. Nachdem Israel vor mehr als eine Woche eine
fast vollständige Blockade des Gazastreifens verhängt hatte,
hatten die Extremisten am Mittwoch Breschen in die Grenze gesprengt und
die Schlupflöcher seit Freitag gegen ägyptische Versuche
verteidigt, das Gebiet wieder abzuriegeln.
(Quelle: rtr)
EU gibt Startschuss für EUFOR-Einsatz in Afrika
Di.29.01.08 - Nach vier Monate langen Vorbereitungen will die Europäische Union
heute grünes Licht für den größten
Militäreinsatz ihrer Geschichte geben. Diplomaten zufolge wollen
die 27 Außenminister bei ihrem Treffen in Brüssel die
Entsendung der Friedenstruppe EUFOR in den Tschad und die
Zentralafrikanische Republik bestätigen. Demnach soll die Verlegung
der rund 3.700 Soldaten aus 14 Ländern Anfang Februar beginnen, so
dass die EUFOR-Truppe spätestens im Juni voll einsatzfähig
ist.
Die von Irland geführte Truppe soll hunderttausende
Flüchtlinge aus der sudanesischen Krisenregion Darfur
schützen. Wegen fehlender Soldaten und mangelnder Ausrüstung
war der ursprünglich für November geplante Einsatz mehrfach
verschoben worden.
(Quelle: afp)
Zahl der Toten bei Unruhen in Kenia fast bei 800
Di.29.01.08 - Die Zahl der Toten bei Unruhen nach der Präsidentenwahl in Kenia
ist bis zum Montag auf fast 800 gestiegen. Mit Macheten, Prügeln
und Steinen gingen auch zum Wochenbeginn hunderte Anhänger
rivalisierender Stämme in der Stadt Naivasha nordwestlich von
Nairobi aufeinander los. Polizisten trennten beide Lager, indem sie
Warnschüsse in die Luft abgaben.
In Naivasha wurden am Wochenende nach offiziellen Angaben mindestens 22
Menschen getötet. Mindestens fünf von ihnen wurden in ihren
Häusern verbrannt, wie ein Polizeisprecher erklärte. Andere
wurden nach Angaben eines örtlichen Reporters mit Macheten
erschlagen. In die Leichenhalle von Nakuru, der Hauptstadt der Provinz
Rift Valley, wurden nach Kämpfen zwischen Kikuyu und Mitgliedern
anderer Stämme am Sonntag rund 60 Tote in die Leichenhalle
eingeliefert.
Die Kikuyu sind der Stamm des Präsidenten Mwai Kibaki, der Ende
Dezember in einer höchst umstrittenen Wahl für eine zweite
Amtszeit bestätigt wurde. Oppositionsführer Raila Odinga
gehört dem Stamm der Luo an. Seitdem Kibaki zum Sieger der Wahl vom
27. Dezember erklärt wurde, kommt es zu Zusammenstößen
mit der Polizei und Stammeskämpfen. Anfangs waren vor allem Kikuyu
unter den Opfern. Jetzt sind sie offenbar zur Offensive
übergegangen. Derzeit bemüht sich der frühere
UN-Generalsekretär Kofi Annan um Vermittlung in dem Konflikt.
(Quelle: ap)
Brasilien will mit Frankreichs Hilfe Atom-U-Boot bauen
Di.29.01.08 - Brasilien will mit technologischer Hilfe Frankreichs ein Atom-U-Boot
konstruieren. Das erklärte das Verteidigungsministerium am Montag.
Minister Nelson Jobim war erst in der vergangenen Woche nach Paris
gereist, um den Kauf eines dieselbetriebenen U-Bootes zu verhandeln.
Dies solle jedoch nur als Modell für die Entwicklung eines eigenen
Atom-U-Bootes dienen, hieß es am Montag. Eine Vereinbarung mit
Frankreich müsse auch den Technologietransfer für ein
Atom-U-Boot mit einschhließen. Brasilien verfügt über
Atomkraftwerke und verfügt über die Technologie, Uran
anzureichern. Bereits seit 1979 gibt es in dem südamerikanischen
Land den Plan, ein Atom-U-Boot zu entwickeln. Es wäre das erste in
ganz Südamerika.
(Quelle: ap)
Amtliches Wahlergebnis in Kuba - Kommunisten holen 91 Prozent
Di.29.01.08 - Bei der Parlamentswahl vom Sonntag vor einer Woche in Kuba hat die
kommunistische Partei nach dem amtlichen Endergebnis 91 Prozent der
Stimmen erhalten. Das teilte die Wahlbehörde am Freitag (Ortszeit)
mit. Die Wahlbeteiligung lag demnach bei 96,89 Prozent. Kubas
Justizministerin María Esther Reus, zugleich Präsidentin der
Wahlbehörde, sprach im staatlichen Fernsehen von einem "vollen
Erfolg" des Urnengangs. Das Ergebnis der Kommunisten sei "eine bewusste
Rückenstärkung für die revolutionäre Führung".
Am 24. Februar wählt das Parlament die neue Regierung, den
Staatsrat. Dabei wird auch über die zukünftige Rolle Fidel
Castros (81) entschieden, der als Präsident des Gremiums bislang
Staatschef ist. In den kommenden Tagen sollen nach einer Befragung der
614 Parlamentsabgeordneten die Kandidaten für den 31-köpfigen
Staatsrat bestimmt werden.
Staatsratspräsident ist seit 1979 Fidel Castro. Nach einer
schweren Darmerkrankung im Juli 2006 trat er die Amtsgeschäfte
vorübergehend an seinen 76-jährigen Bruder Raúl Castro
ab und ist seither nicht mehr in der Öffentlichkeit aufgetreten.
Andeutungen zur kommenden Regierungswahl machte vor wenigen Tagen Kubas
bisheriger Parlamentspräsident Ricardo Alarcón. In einem
Interview mit der "New York Times" schlug er vor, Fidel Castro als
Staatsratspräsident wiederzuwählen, ihm aber die Entscheidung
über die Annahme der Wahl zu überlassen.
Fidel Castro hat sich zu seiner politischen Zukunft bisher nicht
konkret geäußert. In einem Artikel vom vergangenen Dezember
schrieb der Revolutionsführer allerdings, er hänge nicht an
der Macht.
(Quelle: epd)
Russische Denkfabrik will Mängel in westlicher Demokratie aufdecken
Di.29.01.08 - Angesichts ständiger Kritik aus dem Westen an der
Menschenrechtssituation in Russland, an manipulierten Wahlen und einer
immer autoritäreren Regierungsform will der Kreml nun den
Spieß umkehren. Mit Segen des Kremls wurde am Montag in Moskau
eine russische Denkfabrik mit dem Namen Institut für Demokratie
und Zusammenarbeit gegründet, das Demokratie und Menschenrechte in
den USA und Europa unter die Lupe nehmen soll. «Kein Land hat ein
Monopol bei der Definition von Standards für Demokratie und
Menschenrechte», erklärte der Gründer der Organisation,
der Rechtsanwalt Anatoli Kutscherena, der dem Kreml nahesteht.
Die russische Denkfabrik will Büros in New York und Paris
eröffnen. Der Kreml habe seine Zustimmung zu der Gründung des
Instituts gegeben, finanziere es aber nicht, sagte der künftige
Leiter des New Yorker Büros, Andranik Migranian. Das Geld stamme
von Spendern aus der Wirtschaft, hieß es lediglich. Weder
Kutscherena noch Migranian wollten Namen von Geldgebern nennen.
(Quelle: ap)
EU-Staaten uneins über Umgang mit Serbien
Di.29.01.08 - Die Annäherung Serbiens an die EU bleibt zwischen den 27
EU-Regierungen heftig umstritten. Die EU-Außenminister zeigten
sich zu Beginn eines Treffens in Brüssel uneinig in der Frage, ob
die Union ein «Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen»
mit Belgrad unterzeichnen soll.
Sechs Tage vor der Präsidentenwahl in Serbien, bei der der
pro-europäische Amtsinhaber Boris Tadic gegen den
Ultranationalisten Tomislav Nikolic antritt, forderten mehrere Minister
ein klares Zeichen für die «europäische
Perspektive» Serbiens.
Dagegen sagte der niederländische Europaminister Frans Timmermans:
«Wir werden kein Abkommen unterzeichnen, solange es keine
uneingeschränkte Zusammenarbeit (Serbiens) mit dem Tribunal in Den
Haag gibt». Nach Angaben von Diplomaten wird die
niederländische Haltung auch von Belgien unterstützt.
«Andere Länder mögen andere Positionen haben»,
sagte Timmermans. «Aber wir sind ein Land, in dem wir die
deutliche Aussprache schätzen.»
EU-Erweiterungskommissar Olli Rehn forderte, «der serbischen
Bevölkerung ein starkes Signal für ihre europäische
Zukunft dadurch zu geben, dass wir heute entscheiden, das SAA in
Kürze zu unterzeichnen». Die Bedingung der
uneingeschränkten Zusammenarbeit mit dem UN-Tribunal könne
«für die Ratifizierung und für andere Schritte der
EU-Integration» aufrechterhalten werden.
EU-Chefdiplomat Javier Solana sagte: «Ich bin mehr dafür,
das SAA zu unterzeichnen. Ich hoffe, dass wir unsere Entschlossenheit
zeigen, Serbien so nahe wie möglich an die Europäische Union
heranzubringen.»
«Das ist nicht nur eine Frage des Prinzips, es ist auch eine
Frage der politischen Opportunität», sagte Luxemburgs
Außenminister Jean Asselborn. Er halte eine Einigung über die
Unterzeichnung des Abkommens, das den Weg z
(Quelle: dpa)
Türkischer Politik-Professor wegen Beleidigung Atatürks
verurteilt
Di.29.01.08 - Ein türkischer Politik-Professor ist am Montag wegen Beleidigung
des Staatsgründers Mustafa Kemal Atatürk zu 15 Monaten Haft
auf Bewährung verurteilt worden. Atilla Yayla, der an der Gazi-
Universität in Ankara lehrt, hatte die Regierungszeit
Atatürks in einer Rede als «in gewisser Hinsicht
rückschrittlich» bezeichnet. Er kritisierte außerdem,
dass die zahlreichen Statuen und Porträts des Staatsgründers
auf Europäer befremdlich wirkten. Gegen das Urteil eines Gerichts
in Izmir will Yayla in Berufung gehen.
Atatürk war der erste Präsident der nach dem Ersten Weltkrieg
aus dem Osmanischen Reich hervorgegangenen türkischen Republik.
Auch fast 70 Jahre nach seinem Tod hängen Bilder von ihm in allen
Amtsstuben. Mehrere prominente türkische Journalisten und
Schriftsteller - darunter Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk -
mussten sich bereits zuvor wegen Verleumdung des Türkentums vor
Gericht verantworten.
Ein Sprecher des Verbands für Liberales Denken, dessen
Vorsitzender Yayla ist, kündigte an, dass der
Politikwissenschaftler das Urteil anfechten wird. Yayla selbst hatte
sich bereits zuvor in Interviews gegen die Vorwürfe verteidigt. Er
habe Atatürk nicht beleidigen, sondern nur sein Erbe in Frage
stellen wollen. «Als ein Akademiker muss ich die Freiheit haben,
zu denken, zu forschen und Erkenntnisse zu teilen», sagte er.
«Wenn die Türkei ein zivilisiertes Land sein will,
müssen Akademiker die Möglichkeit haben, Atatürks Ideen
wissenschaftlich zu kritisieren und zu beurteilen.»
(Quelle: ap)
Grenzkontrollen zur Schweiz könnten im November fallen
Di.29.01.08 - Bundesbürger können voraussichtlich im November erstmals ohne
Passkontrollen in die Schweiz reisen. Die EU-Außenminister
billigten in Brüssel formell die Ratifizierung des
Schengen-Abkommens mit dem Alpenland. Die endgültige Entscheidung
soll in den kommenden Monaten auf Grundlage des Berichts einer
EU-Beobachtermission fallen.
Bisher gehören 24 Staaten zum Schengen-Raum ohne Grenzkontrollen.
Darunter sind neben 22 EU-Ländern auch Norwegen und Island. Die
Passkontrollen an den Landgrenzen der meisten neuen EU-Staaten waren am
21. Dezember gefallen, die auf Flughäfen sollen zum 30. März
folgen. Neben der Schweiz könnte auch Zypern dem Schengen-Raum
Ende 2008 beitreten.
(Quelle: afp)
CDU und SPD streiten um Regierungsanspruch in Hessen
Di.29.01.08 - CDU und SPD streiten um die Macht in Hessen und stellen sich auf eine
lange Suche nach Koalitionspartnern ein.
Die CDU-Vorsitzende und Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte am Montag
in Berlin, es gebe einen Regierungsauftrag für Roland Koch, weil
die Union stärkste Partei sei. Die CDU schnitt nach dem
vorläufigen Endergebnis mit 36,8 Prozent nur 0,1 Prozentpunkt
besser ab als die Sozialdemokraten unter Andrea Ypsilanti, die fast
acht Prozentpunkte zulegten. Für die SPD beanspruchte Parteichef
Kurt Beck ebenfalls die Führung der Regierung. Ypsilanti sagte,
sie werde mit Koch nur dann über eine Regierung reden, wenn die
CDU ihre Wahlniederlage anerkennt.
Koch bekam trotz des dramatischen Stimmenverlustes von zwölf
Prozentpunkten vor den Kameras Rückendeckung der Parteispitze,
doch seine politische Zukunft blieb ungewiss. Merkel bekräftigte,
es sei richtig gewesen, auf das Thema innere Sicherheit zu setzen. Koch
selbst stellte klar, dass er zumindest vorerst keinen Rückzug
plant: "Solange es den Roland Koch in der Politik gibt, gibt es den,
den Sie kennen", sagte er. "Und der wird in der Politik, wenn ich mir
Hessen anschaue, noch einen Augenblick gebraucht." Doch im
CDU-Präsidium wurde Teilnehmern zufolge darüber nachgedacht,
die Hessen-Union könne doch noch auf eine große Koalition
mit der SPD setzen und dafür Koch opfern.
Zunächst aber kündigten beide große Parteien eine
langwierige Suche nach einer Mehrheit an. "Wir werden jetzt
komplizierte Tage erleben", sagte Koch. Er machte deutlich, Hessen
notfalls zunächst auch ohne eigene Mehrheit weiter regieren zu
wollen. Die hessische Verfassung sorge auch in einer solchen Lage
für Stabilität. "Es gibt einen sehr klaren Willen der
hessischen CDU, die nächsten, sehr schwierigen Monate unter meiner
Führung zu bestehen." Die Koalitionsbildung ist auch deshalb
kompliziert, weil ihr eine Signalwirkung für die Bundestagswahl im
kommenden Jahr zugesprochen wird.
Eine Lösung noch vor der Wahl in Hamburg am 24. Februar erschien
unwahrscheinlich. Die SPD setzte darauf, die FDP danach doch noch zu
einer Ampelkoalition mit den Grünen zu bewegen. Beck wandte sich
gegen eine große Koalition und lehnte jede Kooperation mit der
Linken ab. Damit wäre unter SPD-Führung nur eine Ampel
möglich. Dabei setzen die Sozialdemokraten darauf, dass das Nein
der FDP nach der Hamburger Wahl kippt. "Nach Hamburg kann man über
alles reden", sagte der SPD-Landeschef von Schleswig-Holstein, Ralf
Stegner.
Die FDP blieb dagegen bei ihrer Absage. "SPD und Grüne suchen
einen nützlichen Idioten, der ihnen eine linke Mehrheit
ermöglicht", sagte Parteichef Guido Westerwelle. "Mit der FDP wird
es keine Ampel geben", unterstrich auch Hessens FDP-Chef Jörg-Uwe
Hahn die Koalitionsaussage seiner Partei im Wahlkampf. Allerdings
zeigte sich die FDP offen für Gespräche mit den Grünen
und der CDU. Wenn die Grünen bereit seien, sich in der Energie-
und Bildungspolitik sowie beim Ausbau des Frankfurter Flughafens zu
bewegen, "dann kann man sich gerne zu einem Treffen verabreden", sagte
Hahn.
Eine schwarz-gelb-grüne "Jamaika"-Koalition wurde bisher in
Deutschland nicht probiert. Sie gilt auch in Hessen als kaum
möglich, weil CDU und FDP mit den Grünen etwa im Streit um
eine Abschaltung der Atomkraftwerke in Biblis auseinander liegen.
Zu einer großen Koalition äußerte sich auch die CDU
skeptisch. Allerdings zeigte sie sich zugleich für alle Modelle
offen, bei denen die Linkspartei keine Rolle spielt. Merkel
kündigte an, Koch werde mit allen demokratischen Parteien
sprechen, "also mit allen außer der Linken". CDU und FDP seien
stärker als Rot-Grün. Damit sei der Regierungsauftrag
für Koch klar. "Eine große Koalition ist mit diesen
Programmen fast nicht vorstellbar", sagte Koch. Beck betonte,
inhaltliche Gegensätze und Kochs populistische Kampagne gegen
Jugend- und Ausländerkriminalität verhinderten ein
Bündnis.
In der Wirtschaft sorgte das Wahlergebnis für Enttäuschung.
Die Aktien des Flughafenbetreibers Fraport sowie des Kasseler
Dünger- und Salzspezialisten K+S fielen zeitweilig um mehr als
acht Prozent. Industrie-Präsident Jürgen Thumann sprach wegen
des Einzugs der Linken in die Landtage in Hannover und Wiesbaden von
einem "Linksrutsch", der ihm Sorgen bereite. DIHK-Präsident
Ludwig-Georg Braun warf Politikern der etablierten Parteien vor, mit
"populistischen Forderungen" der Linkspartei geholfen zu haben.
(Quelle: rtr)
CDU und FDP in Niedersachsen verhandeln über Koalition
Di.29.01.08 - Nach dem Wahlsieg der CDU von Ministerpräsident Christian Wulff in
Niedersachsen streben Christdemokraten und Liberale nun zügige
Koalitionsverhandlungen an. Wie Vertreter der beiden Parteien in
Hannover sagten, soll der neue niedersächsische Landtag
voraussichtlich am 26. Februar zusammentreten und Wulff im Amt
bestätigen. Wolfgang Jüttner, der bei der Wahl als
SPD-Spitzenkandidat mit 30,3 Prozent das schlechteste Ergebnis in der
Geschichte der Landespartei erzielte, soll auch in den kommenden Jahren
die Landtagsfraktion führen.
SPD-Landeschef Garrelt Duin räumte in Hannover auch mit Blick auf
die Partei Die Linke, die mit 7,1 Prozent in den Landtag einzieht,
einen "tiefen Vertrauensverlust" ein. Jüttner sei gleichwohl "der
Richtige, um den Neuanfang mit zu organisieren, den wir jetzt brauchen".
Duin kündigte außerdem an, eine eigene Arbeitsgruppe werde
inhaltliche, aber auch organisatorische Konsequenzen der verlorenen
Wahl prüfen. Der eigentlich für Ende Februar geplante
Landesparteitag soll nun erst kurz vor der Sommerpause stattfinden und
dann bereits über Konsequenzen entscheiden. Duin kündigte an,
er werde dann auch erneut für den Landesvorsitz kandidieren.
Dem vorläufigen amtlichen Endergebnis zufolge kam die CDU auf 42,5
Prozent und die FDP auf 8,2 Prozent. Damit verfügen die beiden
Parteien im Landtag über eine Mehrheit von 81 der insgesamt 152
Mandate. Die SPD stellt künftig 48 Abgeordnete, die Grünen
verfügen über zwölf Sitze, die Linke über elf.
(Quelle: afp)
Türken in CDU verlangen Kursänderung von Merkel
Di.29.01.08 - Nach den drastischen Stimmenverlusten für die CDU in Hessen
fordert das christdemokratische Deutsch-Türkische Forum (DTF)
Parteichefin Angela Merkel auf, sich stärker Einwanderern
zuzuwenden. «Wir müssen uns festlegen: Wollen wir in Zukunft
eine Partei sein, die nur die Deutschstämmigen anspricht, oder
binden wir die Wählergruppe der Menschen mit Migrationshintergrund
bewusst mit ein?», schreibt der DTF-Vorsitzende Bülent
Arslan laut «Frankfurter Allgemeine Zeitung»
(Dienstagausgabe) in einem Brief an Kanzlerin Merkel.
Roland Kochs (CDU) «polarisierender Wahlkampf» habe
Migranten vor den Kopf gestoßen und «entscheidend zu den
großen Stimmverlusten der CDU in Hessen beigetragen»,
heißt es in dem Brief. Ohne Kurskorrektur laufe die CDU Gefahr,
künftig keine bürgerlichen Mehrheiten mehr zu erlangen. Die
Partei stünde an einem «Scheideweg».
Das DTF spricht nach eigenen Angaben für die etwa 3000
türkischstämmigen Mitglieder der CDU. Arslan gehört
darüber hinaus dem CDU-Landesvorstand in Nordrhein-Westfalen an.
(Quelle: ddp)
Wulff erklärt seinen Kurs zum Vorbild für Unions-Wahlkampf
Di.29.01.08 - Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff hat seinen
zurückhaltenden Landtagswahlkampf zum Vorbild für die Kampagne
der Union bei der Bundestagswahl im nächsten Jahr erklärt.
Für 2009 könne die Union von Niedersachsen lernen, dass eine
Regierung auf ihre Erfolge hinweisen und einen sachlichen und
argumentativen Stil zeigen müsse, um wiedergewählt zu werden,
sagte Wulff am Montag in Berlin. "Das ist, glaube ich, eine Konsequenz
für die Bundestagswahl." Wulff war am Sonntag bei deutlichen
Stimmenverlusten mit seiner schwarz-gelben Koalition bestätigt
worden.
Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust will bei seinem Wahlkampf
Wulffs Kurs verfolgen. "Von der Lebensart und der Charakterart sind wir
sehr nah an Niedersachsen dran", sagte der CDU-Politiker. "Das gibt uns
Mut und Kraft." Bis zur Bürgerschaftswahl in vier Wochen wolle er
Bilanz seiner bisherigen Arbeit ziehen und vor Experimenten warnen. Mit
Blick auf den stark polarisierenden Wahlkampf des hessischen
Regierungschefs Roland Koch, der mit massiven Stimmenverlusten
abgestraft worden war, sagte von Beust, jeder habe eben seinen eigenen
Stil. Von Beust, der mit einer absoluten CDU-Mehrheit in der Hansestadt
regiert, muss sich am 24. Februar zur Wahl stellen. Nach den Umfragen
verliert er seine absolute Mehrheit.
(Quelle: rtr)
Linke will Zusammenarbeit mit der SPD im Westen
Di.29.01.08 - Nach den Landtagswahlen in Hessen und Niedersachsen ruft Linke-Chef
Lothar Bisky die SPD auf, ihre Vorbehalte gegen seine Partei auch im
Westen aufzugeben. «Die Mauer zur Linken muss fallen»,
sagte Bisky am Montag in Berlin. Auch in Hessen, wo die Landtagswahl
vom Sonntag eine linke parlamentarische Mehrheit gebracht habe, sei
eine Zusammenarbeit beider Parteien möglich.
Co-Parteichef Oskar Lafontaine sprach von einem «großen
Erfolg» der Linken sowohl in Hessen als auch in Niedersachsen.
Damit sei der Vorwurf von Union und SPD widerlegt, bei der im Sommer
vergangenen Jahres aus PDS und WASG neugegründeten Partei handle
es sich nur um eine Protestpartei. Mit dem Einzug der Linken in die
Parlamente zweier westdeutscher Flächenländer ändere
sich vielmehr stetig die politische Landschaft.
Für die hessische Linke gab der parteilose Spitzenkandidat Willi
van Ooyen das Ziel aus, den noch amtierenden Ministerpräsidenten
Roland Koch (CDU) abzuwählen. Die Frage sei, ob die
SPD-Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti «wirklich für eine
andere linke Mehrheit» stehen werde. «Wir sind
gesprächsbereit», versicherte Ooyen trotz erneuter Absage
der SPD an jede Art von Kooperation mit den Linken.
(Quelle: ddp)
VdK verlangt bei Gesundheitsreform Entlastung für Geringverdiener
Di.29.01.08 - Bei der Gesundheitsreform hat der Sozialverband VdK Entlastung für
Rentner und Geringverdiener gefordert. «Gesetzlich
Krankenversicherte mit einem Einkommen bis zu 800 Euro müssen vom
geplanten Zusatzbeitrag befreit werden», verlangte
VdK-Präsident Walter Hirrlinger am Montag in Berlin.
Für Kleinrentner und Geringverdiener entstünden künftig
erhebliche Probleme, erklärte er unter Hinweis auf die Debatte
über Altersarmut. «Der vorgesehene Zusatzbeitrag wird diese
noch verstärken.»
Der Zusatzbeitrag an die Krankenkasse ist für den Fall vorgesehen,
dass diese mit ihrer Zuweisung aus dem für 2009 geplanten
Gesundheitsfonds nicht auskommt. Bis zu acht Euro im Monat soll jeder
zahlen müssen, darüber gilt eine Begrenzung auf ein Prozent
des Einkommens.
(Quelle: ap)
Finanzmarktkrise - Creditreform erwartet Kreditprobleme bei vielen
Firmen
Di.29.01.08 - Viele Firmen in Deutschland werden nach Einschätzung von
Creditreform die restriktivere Kreditvergabe der Banken wegen der
Finanzmarktkrise deutlich zu spüren bekommen. Nach Angaben eines
Sprechers der Wirtschaftsauskunftei haben ein Drittel aller
Mittelständler in Deutschland zu wenig Eigenkapital. Insbesondere
diesen Unternehmen werde es wegen der Krise schwerer fallen, Geld von
den Banken zu bekommen. «Der Korridor wird enger.»
«Nach unseren Erkenntnissen haben derzeit rund eine Million
Firmen eindeutig Schwierigkeiten, die Kreditkonditionen zu halten oder
überhaupt an Kredite heranzukommen», hatte «Euro am
Sonntag» Creditreform-Vorstandsmitglied Helmut Rödl zitiert.
Der Präsident der Bundesverbandes der mittelständischen
Wirtschaft, Mario Ohoven, rechnet dem Blatt zufolge in den kommenden
Monaten ebenfalls mit einer weiteren Verschärfung der
Kreditkonditionen.
(Quelle: ap)
Bayern erwägt GPS-Überwachung für entlassene
Sexualstraftäter
Di.29.01.08 - Als erstes Bundesland erwägt Bayern eine Kontrolle entlassener
Sexualstraftäter per GPS-Ortungsgerät. Justizministerin Beate
Merk (CSU) sagte dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel", ihr Ministerium
prüfe derzeit, wie Aufenthaltsverbote durchgesetzt werden
könnten, mit denen eine Reihe von Sexualstraftätern nach der
Haft belegt würden. "Ziel ist nicht die Totalüberwachung." Man
wolle niemanden auf Schritt und Tritt beobachten.
"Wir wollen nur besonders rückfallgefährdete Gruppen wie
Pädophile von bestimmten Sicherheitszonen, zum Beispiel
Kindergärten, fern halten", sagte Merk. Die technische Umsetzung
sei noch nicht geklärt. Diskutiert werde ein elektronisches
Armband, in dem das satellitengestützte Navigationssystem GPS
installiert sei. So wäre die Position der Person ermittelbar. Bei
der Annäherung an einen Kindergarten würde das Gerät per
SMS Alarm auslösen.
(Quelle: epd)
Kriminologe: Computerspiele verstärken Gewaltbereitschaft
Di.29.01.08 - Brutale Computerspiele erhöhen nach den Worten des Kriminologen
Christian Pfeiffer die Gewaltbereitschaft von Jugendlichen. Allerdings
setze Gewaltbereitschaft auch ein entsprechendes soziales Umfeld voraus,
sagte der Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts
Niedersachsen am Samstag in Münster. "Am schlimmsten ist, wenn man
gewalttätige Freunde hat."
Computerspiele verschlechterten die Leistungen in der Schule, mahnte
Pfeiffer. Er warnte besonders vor dem Spiel "World of Warcraft". "Das
ist der Suchtfaktor Nummer Eins, das allerhöchste Risiko, dass Ihr
Sohn in der Schule Schwierigkeiten bekommt", sagte der Kriminologe.
Selbst wenn die Jugendlichen aufhören wollten, könnten sie es
oft nicht.
Gerade in Familien mit Eltern, die einen Hauptschulabschluss
hätten, und bei ausländischen Familien gebe es häufig in
den Kinderzimmern Spielkonsolen und Fernseher. So habe jeder vierte
Sechsjährige ein eigenes TV in seinem Zimmer. Hoher Medienkonsum
habe auch mit finanziellen Problemen zu tun. Ein gebrauchter Fernseher
oder eine Spielkonsole seien günstiger als ein Musikinstrument, bei
dem noch der Musiklehrer bezahlt werden müsse.
Kinder, die wenig fernsehen, seien meist besser als der
Klassendurchschnitt. "Vielseher" lägen dagegen oft unter dem
Durchschnitt. In anderen Ländern wiege das Problem nicht so schwer,
da die Kinder in Ganztagsschulen beschäftigt würden. "Schule
muss begreifen, dass sie nachmittags dem Medienkonsum etwas
entgegenstellen kann", meinte der Experte für
Jugendkriminalität weiter.
(Quelle: epd)
Scientology-Website von Hackern in die Knie gezwungen
Di.29.01.08 - Eine Hackergruppe hat sich an der Internet-Seite der
Scientology-Vereinigung zu schaffen gemacht. Ziel des Angriffs soll es
gewesen sein, die Menschen vor den Machenschaften und der
Gehirnwäsche-Taktik der religiösen Gruppe zu schützen.
Der Internet-Auftritt soll von der Gruppe, die sich als "Anonymous"
(anonym) bezeichnet, mit einer als Denial-of-Service-Attacke bekannten
Technik manipuliert worden sein. Bei einem solchen Angriff wird ein
Server meist durch Überlastung dazu gebracht, dass er sein Angebot
nicht länger bereithalten kann.
Auslöser für die Aktion waren offenbar die Pläne von
Scientology, ein umstrittenes Video aus dem Netz zu nehmen. Dieser Film
zeigt den Hollywood-Schauspieler Tom Cruise bei einer Rede. Dieser
Mitschnitt hat in den vergangenen Tagen in den Medien für viel
Wirbel gesorgt und es wurden Parallelen zu extremen Regimen aus der
Vergangenheit gezogen.
(Quelle: gp)
Billige Auktionen, teuere Galerien - Forscher der Uni Witten-Herdecke
untersuchten Ökonomie des Kunsthandels
Di.29.01.08 - Die großen Auktionshäuser machen zwar immer wieder mit
Rekordpreisen für zeitgenössische Kunst Schlagzeilen, trotzdem
ist es in der Regel billiger, Kunst bei Auktionen als in Galerien zu
erwerben. Das geht aus einer groß angelegten Studie der
Universität Witten/Herdekce zur Ökonomie des Kunsthandels
hervor. Deren Fazit: Die Preise in Galerien sind im Durchschnitt doppelt
so hoch wie bei Auktionen.
Rund zwei Jahre dauerte das Forschungsprojekt der Wittener
Ökonomen Michael Hutter, Gunnar Pietzner, Christian Knebel und
Maren Schäfer. Die Wissenschaftler untersuchten, welche Preise die
Werke von 100 führenden Künstlern im Zeitraum von 1970 bis
2004 erzielten. Konkret ging es um den Vergleich des Preisniveaus
zwischen Auktionen und Galerien für Arbeiten derselben
Künstler.
Das Ergebnis: Ende der 80er Jahre zu Zeiten des Kunstmarktbooms
bezahlte man für Bilder oder Skulpturen ein und desselben
Künstlers in Galerien rund 25 Prozent mehr als bei Auktionen.
Wenige Jahre später nach dem Platzen der Spekulationsblase waren
die erzielten Preise in den Galerien kurzfristig sogar vier Mal
höher. Im Durchschnitt des Untersuchungszeitraums pendelte sich der
Unterschied zwischen den beiden Kunstmärkten auf den Faktor zwei
ein. Zu deutsch: Galerien sind doppelt so teuer wie Auktionen.
Die Forscher sehen mehrere Gründe für die Preisunterschiede.
So biete der Erwerb von Kunst über Galerien mehr Sicherheit in Form
von Wertbeständigkeit. Denn Galeristen sicherten ihren Kunden
oftmals zu, das Werk zu einem bestimmten Preis zurückzukaufen, wenn
der Kunde seine Kaufentscheidung später bereuen sollte. Galeristen
kümmerten sich außerdem aktiv um die Weiterentwicklung der
Künstler und damit um eine Steigerung des Marktwerts.
Ein weiterer Grund, warum Kunden bereit sind, den relativ hohen
Galeriepreis zu bezahlen, liegt der Studie zufolge in einer sozialen
Komponente: Der Preisaufschlag könne als eine Art
«Mitgliedschaftsgebühr» für den exklusiven Zirkel
der Kunstliebhaber gewertet werden. Als aktiver Kunde einer Galerie
erhalte der Kunde Einladungen zu Vernissagen, Ausstellungen und anderen
exklusiven Veranstaltungen, von denen man ohne den Kunstkauf
ausgeschlossen wäre.
Wenn sich die Galeriepreise ändern, dann fast ausschließlich
nach oben, berichteten die Forscher. Es sei verpönt, die Preise zu
senken, weil dies einer Brandmarkung des Künstlers als
unverkäuflich gleichkäme, berichteten die Forscher. Bei
Auktionen regierten dagegen die freien Kräfte des Marktes, mit der
Folge großer Preisschwankungen, an deren einem Ende dann die
schlagzeilenträchtigen Rekorderlöse stehen.
Das Wittener Forscherteam untersuchte in seiner Studie auch, welchen
Einfluss das Lebensalter eines Künstlers auf die Preise seiner
Werke hat. Grundsätzlich gilt danach für das
Alters/Preis-Profil in Galerien und bei Auktionen: Je älter ein
Künstler ist, desto teurer sind seine Werke. Auch dieser Effekt sei
bei Galerien ausgeprägter.
(Quelle: ap)