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Irak am 1410ten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mehr als 90 Tote bei zwei Bombenanschlägen in Bagdad - Blutigster
Terrorakt seit einem halben Jahr
Sa.02.02.08 - Zwei verheerende Bombenanschläge mit über 90 Toten haben den
Freitag in Bagdad zum blutigsten Tag seit der Aufstockung der
US-Truppen in der Hauptstadt vor knapp einem Jahr gemacht. Nach Angaben
der Polizei vom Samstagmorgen sind bei den Explosionen auf den beiden
beliebten Kleintiermärkten 91 Menschen ums Leben gekommen, mehr
als 160 Menschen sind verletzt worden.
Die Anschläge wurden nach Angaben der Sicherheitskräfte von
zwei geistig behinderten Frauen ausgeführt. Sie wurden als
Bombenträgerinnen eingesetzt und dann auf den Märkten in die
Luft gesprengt. Die beiden Frauen hätten möglicherweise nicht
einmal gewusst, zu welchem Zweck sie unterwegs gewesen seien, sagte der
Sprecher der irakischen Streitkräfte in der Hauptstadt,
Brigadegeneral Kassim al Mussawei. Die Sprengsätze, die die Frauen
am Körper trugen, wurden den Angaben zufolge im Abstand weniger
Minuten auf zwei Tiermärkten mittels Fernzündung zur
Explosion gebracht.
Die US-Regierung macht das Terrornetzwerk Al Kaida für die Bluttat
verantwortlich. An dem perfiden Anschlag lasse sich erkennen, dass Al
Kaida «die brutalste und heruntergekommendste aller
Bewegungen» sei, sagte US-Außenministerin Condoleezza Rice
in Washington.
Der erste Anschlag ereignete sich auf dem Al-Ghasi-Markt im Zentrum der
irakischen Hauptstadt. Auf dem mit Käufern dicht gefüllten
Platz kamen laut Angaben der Polizei vom Freitag mindestens 46 Menschen
ums Leben, mehr als 100 Passanten wurden verletzt. Nur 20 Minuten
später explodierte auf einem Geflügelmarkt im Südosten
von Bagdad eine zweite Bombe, die ebenfalls eine Frau an ihrem
Körper trug. Die Anschläge ereigneten sich kurz vor Beginn
der islamischen Freitagsgebete.
Am Freitagabend hatten die Behörden noch von über 70 Toten
bei beiden Anschlägen gesprochen. Die Polizei konnte am Samstag
noch nicht genau sagen, welcher Anschlag wie viele Menschenleben
gekostet hatte, sprach aber von insgesamt 91 Opfern.
Die irakische Hauptstadt war in den vergangenen Monaten von derart
schweren Anschlägen verschont geblieben. Nachdem die USA im
Februar vergangenen Jahres 30.000 zusätzliche Soldaten in den Irak
geschickt hatten, konnte die Sicherheitslage in Bagdad spürbar
verbessert werden. Der letzte große Anschlag in der Hauptstadt
mit mehr als 50 Toten wurde am 1. August mit einem Tanklastzug
verübt.
Die US-Truppen haben ihre Aktionen gegen Aufständische zuletzt auf
den Norden des Landes konzentriert. Im Januar wurden mindestens 39
US-Soldaten getötet, nachdem es im Dezember 23 waren. Seit dem
Einmarsch im März 2003 kamen im Irak mindestens 3.943 US-Soldaten
ums Leben.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 02.02.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am neunhundertachtundvierzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Berlin sagt 'Nein' zu US-Bitte nach Kampftruppen
Sa.02.02.08 - Trotz erneuter Aufforderung aus Washington will Deutschland auch
künftig keine Soldaten für Kampfeinsätze im
gefährlichen Süden Afghanistans zur Verfügung stellen.
Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und führende Regierungspolitiker
wiesen am Freitag eine entsprechende Bitte der USA strikt zurück.
Merkel habe wiederholt deutlich gemacht, dass das geltende
Bundestagsmandat für den Einsatz der Soldaten «nicht zur
Diskussion steht», erklärte Regierungssprecher Ulrich
Wilhelm in Berlin. Dies sei «feste Haltung» der
Bundesregierung. Die US-Regierung machte umgehend deutlich, dass sie
auf ihrer Position beharrt.
Berlin reagierte auf einen Brief von US-Verteidigungsminister Robert
Gates an alle NATO-Mitglieder. Darin hatte er eine deutliche
Aufstockung der Truppenkontingente um 3200 Soldaten im besonders
umkämpften Süden verlangt. Ausdrücklich appellierte
Gates an Deutschland, ein neues Bundestags-Mandat in Erwägung zu
ziehen. Nach dem geltenden Mandat kann die Bundeswehr mit bis zu 3500
Soldaten nur im relativ ruhigen Norden des Landes eingesetzt werden -
im Süden ist allenfalls «Nothilfe» für
Verbündete möglich.
Auch Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) lehnte eine
Ausweitung der deutschen Einsätze klar ab. «Ich denke, dass
es weiter bei unserem Schwerpunkt im Norden bleiben muss.»
Ähnlich äußerte sich Außenminister Frank-Walter
Steinmeier (SPD). Deutschland habe sein Engagement bereits mehrfach
verstärkt. Dies werde auch in Washington anerkannt. Daher mache er
sich keine Sorgen über die neue Debatte.
Gates hatte in dem Brief insbesondere die Entsendung von mehr
Hubschrauber-Einheiten und Kampfverbänden wie Fallschirmjäger
gefordert. Den US-Plänen zufolge sollen diese Kräfte noch in
diesem Jahr amerikanische Marine-Infanteristen ablösen. Nach
Angaben der «Süddeutschen Zeitung» (Freitag) warnte
Gates sogar vor einer Spaltung der Allianz. Auf die ablehnende Haltung
der Bundesregierung erwiderte US-Generalstabschef Michael Mullen am
Freitag in Washington: «Wir brauchen die Unterstützung
anderer Länder, das schließt Deutschland ein.» Die USA
würden gerne sehen, «dass so viele Hindernisse wie
möglich aus dem Weg geräumt werden, um diese Mission
fortzuführen».
Derzeit ist die Bundeswehr am Hindukusch mit rund 3200 Soldaten im
Einsatz. Erst diese Woche ging in Berlin eine Bitte der NATO ein,
für den Norden des Landes eine Schnelle Eingreiftruppe (Quick
Reaction Force/QRF) zur Verfügung zu stellen. Der Kampfverband mit
etwa 250 Mann soll in diesem Sommer eine norwegische Truppe
ablösen. Der Afghanistan-Einsatz wird auch kommende Woche bei
einem Treffen der NATO-Verteidigungsminister in Vilnius eine wichtige
Rolle spielen.
Aus den Parteien kam deutliche Kritik an den USA. Der
CSU-Außenpolitiker Karl-Theodor zu Guttenberg warnte Washington
davor, die Solidarität innerhalb der NATO durch eine
«unnötige Verschärfung der Tonlage zu
strapazieren». Die FDP-Verteidigungsexpertin Birgit Homburger
bezeichnete es als «ausgesprochen ungewöhnlich, dass ein
NATO-Partner alle anderen auffordert, mehr Truppen zu stellen».
Grünen-Fraktionschef Fritz Kuhn sagte der Deutschen Presse-Agentur
dpa: «Ein Einsatz der Bundeswehr im Süden des Landes ist mit
keiner Regierung in Deutschland durchsetzbar.» Die
Bundesregierung müsse aber ihre Erfolgsbilanz im zivilen Bereich
verbessern, «so dass sie nicht vorgeführt werden
kann». Linke-Fraktionschef Oskar Lafontaine erklärte, jetzt
räche sich, dass die NATO in ein «weltweites
Interventionsbündnis» verwandelt worden sei.
Bundeswehr-Verbandschef Bernhard Gertz sagte dem «Kölner
Stadt-Anzeiger», eine Verstärkung der militärischen
Komponente sei sinnlos. Die Bundesregierung ist in diesem Zusammenhang
zu einem deutlichen Ausbau der derzeitigen polizeilichen Ausstattungs-
und Ausbildungshilfe in Afghanistan bereit. «Wir planen für
dieses Jahr weiter voranzuschreiten mit den seit 2002 begonnenen
Bemühungen», sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums
am Freitag in Berlin. Mit 35,7 Millionen Euro seien 2008 insgesamt rund
dreimal so hohe Mittel vorgesehen wie jeweils in den Jahren zuvor.
Der französische Verteidigungsminister Hervé Morin
bezeichnete den Wortlaut des Briefs von Gates an die NATO-Staaten als
«sehr höflich». Laut Medien wurde das Schreiben in
Kreisen des Verteidigungsministeriums dagegen als
«Unverschämtheit» bezeichnet. Belgien will sein
Militärengagement in Südafghanistan unterdessen ausbauen. So
sollen dort vier Kampfflugzeuge vom Typ F-16 und etwa 100 Techniker
stationiert werden, teilte die Regierung in Brüssel mit.
(Quelle: dpa)
Frankreich verstärkt Truppen im Tschad
Sa.02.02.08 - Frankreich hat wegen einer Rebellenoffensive seine Truppen im Tschad um
rund 150 Mann verstärkt, wie das Verteidigungsministerium am
Freitag bekannt gab. Es handle sich um eine Vorsichtsmaßnahme.
Geheimdienstberichten zufolge haben sich tausende Rebellen in Richtung
der tschadischen Hauptstadt N'Djamena auf den Weg gemacht, um
Präsident Idriss Déby zu stürzen.
Die Verstärkung für die bereits 1.100 französischen
Truppen im Tschad traf am Freitagmorgen mit zwei Militärflugzeugen
in N'Djamena ein. Die Soldaten sollten «auf die Entwicklung der
Situation reagieren», teilte Ministeriumssprecher Thierry Burkhard
mit. Die US-Botschaft in N'Djamena hatte am Donnerstag ihre Bürger
zur Vorsicht aufgerufen, die Lage im Osten des Tschads sei instabil.
Panzer hätten vor dem Präsidentschaftspalast Stellung bezogen.
(Quelle: ap)
Kenias Konfliktparteien einigen sich auf Weg aus der Krise
Sa.02.02.08 - Nach wochenlangen Unruhen mit rund tausend Toten haben sich Regierung
und Opposition in Kenia auf einen Weg aus der Krise verständigt.
"Wir haben uns auf einen Zeitplan geeinigt, der sowohl kurzfristige als
auch langfristige Fragen umfasst", sagte der frühere
UN-Generalsekretär Kofi Annan in Nairobi. Annan vermittelt im
Streit um das Ergebnis der Präsidentschaftswahl von Ende Dezember.
Die kenianische Opposition begrüßte den Zeitplan zur
Beendigung der Krise.
Sowohl Staatschef Mwai Kibaki als auch Oppositionsführer Raila
Odinga beanspruchen den Sieg der Präsidentschaftswahl für
sich. Der Konflikt löste schwere Unruhen aus und trieb
Hunderttausende in die Flucht. Der erste Punkt des Plans sehe
"unverzügliches Handeln zur Beendigung der Gewalt und die
Wiederherstellung der Grundrechte und Freiheiten vor", erläuterte
Annan. Ein zweiter Punkt betreffe "Sofortmaßnahmen zur
Lösung der humanitären Krise", der dritte die Beilegung der
"aktuellen politischen Krise". Die Konfliktparteien kamen demnach
überein, diese drei Aspekte in einem Zeitraum von sieben bis 15
Tagen ab dem Auftakt der Gespräche am 28. Januar zu regeln. Punkt
vier sehe langfristige Maßnahmen vor, fügte Annan hinzu.
Annan verhandelte mit je drei Mitarbeitern Odingas und Kibakis.
Gespräche am Donnerstag waren abgebrochen worden, nachdem ein
Abgeordneter der Odinga-Partei Orange Democratic Movement (ODM) in der
westlichen Stadt Eldoret erschossen wurde.Vor dem Durchbruch bei den
Vermittlungen hatte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon die
verfeindeten Lager aufgerufen, die Krise im Land friedlich beizulegen.
Ban war nach Kenia gereist, um die Vermittlungsmission Annans zu
unterstützen.
Angesichts der großen Differenzen zwischen den Konfliktparteien
handele es sich "um einen sehr wichtigen Durchbruch", sagte ein
ODM-Sprecher. Das Abkommen werde die Krise aber nicht beenden. "Das ist
eine Vereinbarung über die Themen, die wir diskutieren werden".
Der Abgeordneten-Mord heizte unterdessen die Unruhen weiter an. Acht
Menschen starben demnach bei Kämpfen zwischen verfeindeten
Volksgruppen im Bezirk Nyamira. Die Opfer seien zu Tode gehackt worden
oder durch vergiftete Pfeile gestorben. Bei einem Sturm bewaffneter
Dorfbewohner auf ein Verwaltungsgebäude im Bezirk Kericho wurde
ein Polizist getötet. In der Oppositionshochburg Kisumu erschossen
Polizisten einen Demonstranten. Zudem wurden 50 Häuser
angezündet.
(Quelle: afp)
Tansanias Präsident Kikwete zum neuen AU-Präsidenten
gewählt
Sa.02.02.08 - Tansanias Präsident Jakaya Kikwete (57) ist am Donnerstag zum
neuen Präsidenten der Afrikanischen Union (AU) gewählt worden.
Er löst Ghanas Präsident John Kufuor ab, der das Amt ein Jahr
lang innehatte. Die ostafrikanischen Staaten, die
turnusgemäß den Vorsitzenden nominieren, hatten die
umstrittene Kandidatur von Sudans Staatschef Omar Hassan el Baschir
erneut abgelehnt. Vor allem wegen der Krise in Darfur hatten sich
zahlreiche Regierungen gegen Baschir ausgesprochen.
Kikwete regiert Tansania seit 2005. Zuvor war er zehn Jahre
Außenminister. Bundespräsident Horst Köhler gratulierte
dem neuen AU-Präsidenten. Kikwete übernehme das Amt in einer
schwierigen Zeit. "Besonderst gefragt ist das Engagement der
Afrikanischen Union bei Krisen", so Köhler. Er äußerte
die Hoffnung, die Vermittlungsbemühungen der AU in Kenia
führten zu einem Ende der Gewalt. In dem ostafrikanischen Land sind
bei Unruhen seit der umstrittenen Präsidentenwahl Ende Dezember
700 Menschen ums Leben gekommen.
Am zehnten AU-Gipfel in Addis Abeba nehmen mehr als 40 Staats- und
Regierungschefs teil. Das Treffen endet am Samstag. Bis dahin soll unter
anderem über die Lage in Somalia und die gemeinsame Einsatztruppe
von UN und AU in Darfur verhandelt werden. (01231/31.1.2008)
(Quelle: epd)
Zwanzig Menschen bei Bombenanschlag auf Bus in Sri Lanka getötet
Sa.02.02.08 - In Sri Lanka sind bei der Explosion einer Bombe in einem Bus mindestens
zwanzig Zivilpersonen getötet worden. 50 weitere Menschen wurden
bei der Explosion verletzt, wie die Streitkräfte am Samstag
mitteilten. Der Anschlag ereignete sich am frühen Morgen im
Zentrum des Inselstaats in der Stadt Dambulla, rund 150 Kilometer
nordöstlich der Hauptstadt Colombo. Die Streitkräfte machten
tamilische Rebellen für den Anschlag verantwortlich.
Die Region um Dambulla war bislang von den Kämpfen der tamilischen
Rebellen mit den Streitkräften verschont geblieben. Dambulla ist
ein beliebtes Touristenziel, die dortigen Höhlentempel sind auch
UNESCO-Weltkulturerbe. Kämpfe und Anschläge waren bisher auf
den Norden und Osten des Landes konzentriert. Auch in der Hauptstadt
Colombo gab es vereinzelt Anschläge.
Seit dem offiziellen Ende des Waffenstillstands am 16. Januar kamen in
dem Bürgerkrieg bereits bereits mehr als 700 Menschen ums Leben.
Immer mehr Landesteile werden in den Konflikt verwickelt. Die
Tamilenorganisation LTTE kämpft seit 1983 für einen eigenen
Staat im Nordosten der Insel Ceylon. Die Tamilen werfen der
Mehrheitsbevölkerung der Singhalesen jahrzehntelange
Diskriminierung vor.
Erst am Donnerstag war es im Norden des Landes zu einem Anschlag auf
einen Schulbus gekommen, bei dem nach Angaben tamilischer Rebellen 18
Menschen getötet wurden, unter ihnen elf Kinder.
(Quelle: ap)
China will prominenten Menschenrechtler vor Gericht stellen
Sa.02.02.08 - China will dem prominenten Menschenrechtler Hu Jia wohl vor den
Olympischen Spielen im Sommer wegen angeblich umstürzlerischer
Absichten den Prozess machen.
Die Familie des inhaftierten 34-jährigen sei von den
zuständigen Behörden über ein bevorstehendes
Gerichtsverfahren informiert worden, teilte die Menschenrechtsgruppe
Reporter ohne Grenzen unter Berufung auf chinesische Bürgerrechtler
am Freitag mit. Hus Anwalt Li Jinsong indes sagte der
Nachrichtenagentur Reuters, ihm seien keine entsprechenden Pläne
bekannt. Hu wurde Ende vergangenen Jahres verhaftet. Das renommierte
"Time Magazine" hatte ihn 2007 zu den 100 einflussreichsten Menschen in
der Welt gezählt.
Mit seinen Aktivitäten befindet er sich auf Konfrontationskurs zur
Kommunistischen Partei, die ihre Beschränkungen für
nichtstaatliche Organisationen, Medien, das Internet, Anwälte,
Akademiker und Menschenrechtler verstärkt hat, um ihre Macht zu
erhalten. Hu wurde bekannt, als er sich für Aids-Kranke im
ländlichen China einsetzte.
(Quelle: rtr)
Tausende mexikanische Bauern protestieren gegen Freihandel
Sa.02.02.08 - Aus Protest gegen billige Einfuhren aus den USA sind in Mexiko-Stadt
Tausende Bauern auf die Straße gezogen.
Die Demonstranten blockierten am Donnerstag zeitweise die mexikanische
Börse mit einer Herde von Kühen und setzten einen Traktor in
Flammen. Die Landwirte forderten die Regierung von Präsident Felipe
Calderon auf, das bereits vor 14 Jahren in Kraft getretene
Freihandelsabkommen mit den USA und Kanada (Nafta) nachzubessern. Vor
allem ärmere Mais-Bauern müssten vor der hoch
industrialisierten Konkurrenz aus dem reichen Norden und deren
subventionierten Agrarimporten besser geschützt werden, forderten
die Demonstranten. Einige Bauern trugen auch schwarze Kreuze und
Pappsärge durch die Straßen als Symbol für den Tod der
mexikanischen Landwirtschaft.
Zu Beginn des Jahres waren durch das Nafta-Abkommen die letzten
Handelsbarrieren für Agrarprodukte gefallen, womit erstmals in der
jüngeren mexikanischen Geschichte US-Bauern nun vollkommen zollfrei
Futtermittel wie Mais oder Bohnen in Mexiko verkaufen dürfen. Die
Opposition fordert den Rücktritt von Landwirtschaftsminister
Alberto Cardenas, weil er ihrer Ansicht nach zu wenig für den
Schutz kleinerer Bauern unternimmt.
(Quelle: rtr)
USA und Polen verständigen sich auf Raketenabwehrsystem
Sa.02.02.08 - Polen und die Vereinigten Staaten haben sich grundsätzlich auf die
Stationierung eines Raketenabwehrsystems geeinigt. Der polnische
Außenminister Radek Sikorski sagte am Freitag in Washington, er
sei zufrieden, dass Washington Sicherheitsprobleme angehen wolle.
Einzelheiten nannte er nicht.
Sikorski und US-Außenministerin Condoleezza Rice deuteten auf
einer gemeinsamen Pressekonferenz an, die USA könnten die
Luftverteidigung in Polen unterstützen. Sikorski erklärte,
die Einzelheiten würden die Unterhändler beider Seiten
vereinbaren.
Vor Gesprächen mit Rice und Verteidigungsminister Robert Gates
wies Sikorski auf die Risiken für Polen angesichts russischer
Drohungen hin. «Das ist etwas, das wir berücksichtigen
müssen», sagte er der Nachrichtenagentur AP. «Das
Projekt birgt ein Risiko, und nicht nur ein politisches Risiko.»
Die USA wollen ein Raketenabwehrsystem in Polen und Tschechien
stationieren. Russland hat scharf dagegen protestiert und gedroht,
seine Raketen gegen die Stellung in Polen auszurichten. Das Projekt
sollte eigentlich in diesem Jahr in Angriff genommen werden. Die neue
polnische Regierung von Ministerpräsident Donald Tusk nimmt aber
eine deutlich kritischere Haltung dazu ein als der frühere
Regierungschef Jaroslaw Kaczynski.
Warschau dringt nun auf stärkere Unterstützung der USA im
Sicherheitsbereich. Dabei könnte es nach Angaben polnischer
Regierungsvertreter um Abwehrraketen für kürzere Strecken
gehen, die zur Abwehr russischer Raketenangriffe geeignet wären.
(Quelle: ap)
OPEC lehnt Ausweitung der Ölförderung ab
Sa.02.02.08 - Die OPEC will nichts gegen die hohen Ölpreise unternehmen. Auf
einer Sonderkonferenz der Organisation Erdölexportierender Staaten
in Wien lehnten die Ölminister eine Erhöhung der
Fördermenge ab. Begründet wurde dies mit der Erwartung, dass
eine Abschwächung der globalen Wirtschaft die Nachfrage nach
Rohöl ohnehin drosseln werde.
Die Sonderkonferenz wurde im Dezember angesetzt, als der Ölpreis
die 100-Dollar-Schwelle in den Blick nahm. Inzwischen hat sich die
Preisentwicklung etwas entspannt, am Freitag wurde das Barrel (159
Liter) Rohöl mit 91 Dollar gehandelt.
Der Beschluss bedeutet, dass die OPEC-Staaten weiterhin 29,67 Millionen
Barrel Rohöl am Tag fördern. Der Ölminister von Katar,
Abdullah bin Hamad Al Attijah, signalisierte, bei der nächsten
regulären OPEC-Konferenz am 5. März könnte je nach
Konjunkturentwicklung sogar eine Kürzung der Produktion denkbar
sein. Der irakische Ölminister Hussein al Schahristani hat
Spekulanten für die Preisausschläge verantwortlich gemacht.
Auch Saudi-Arabien, das weltgrößte Ölförderland,
trug die Entscheidung vom Freitag mit. US-Präsident George W. Bush
hatte bei seinem Riad-Besuch im Januar eine Erhöhung der Produktion
gefordert.
Einschließlich der irakischen Förderung, die nicht der
OPEC-Quotenregelung unterliegt, wird die OPEC-Produktion auf 31,5
Millionen Barrel am Tag geschätzt. Das sind etwa 40 Prozent der
Nachfrage, die auf täglich 85,5 Millionen Barrel geschätzt
wird.
(Quelle: ap)
Industrie in Euroraum trotz US-Rezessionsgefahr im Aufwind
Sa.02.02.08 - Trotz Börsencrash und Rezessionsängsten in den USA haben die
Industriefirmen im Euro-Raum im Januar leichten Aufwind verspürt.
Der RBS/NTC-Einkaufsmanagerindex für den Sektor stieg auf 52,8 von
52,6 Punkten, wie das britische Forschungsinstitut NTC am Freitag zu
seiner Umfrage unter rund 3000 Unternehmen mitteilte. Der Wert lag damit
leicht über vorläufigen Berechnungen des Instituts. Das
Barometer signalisiert weiter Wachstum, dessen Dynamik gegenüber
dem Vormonat etwas zulegte. Insbesondere die Firmen in Deutschland und
Frankreich zeigten sich weiter in robuster Verfassung, während der
Sektor in Italien und Spanien schwächelt.
"Die Daten zeigen insgesamt, dass es weiter ein schleppendes, wenn auch
noch ordentliches Wachstum gibt", sagte der für die Euro-Zone
zuständige Chefvolkswirt der Royal Bank of Scotland (RBS), Jacques
Cailloux.
In Deutschland ging das robuste Wachstums mit einem starken
Beschäftigungaufbau einher. Zwischen Rhein und Oder wurden so viele
Stellen in der Industrie geschaffen, wie seit Mitte der 90er Jahre
nicht mehr. Keine Aufhellung am Arbeitsmarkt zeigte sich hingegen in
Frankreich, wo seit nunmehr vier Monaten in Folge per Saldo Stellen in
der Industrie abgebaut werden.
Die Produktion zog in der Euro-Zone im Januar nur leicht an. Der
entsprechende Wert stieg auf 54,0 von 53,5 Punkten im Dezember. Die Zahl
der Neuaufträge war unverändert. Zugleich zogen die
Erzeugerpreise so stark an wie seit zehn Monaten nicht mehr. Besonders
heftig fiel der Teuerungsschub bei Konsumgütern aus, die sich ab
Werkstor so stark verteuerten wie seit Jahren nicht mehr.
(Quelle: rtr)
Niedriglohnbeschäftigung in Deutschland drastisch gestiegen - Rund
drei Viertel aller Niedriglohnbeschäftigten haben eine
abgeschlossene Berufsausbildung oder einen akademischen Abschluss
Sa.02.02.08 - Die Niedriglohnbeschäftigung in Deutschland hat einer Untersuchung
zufolge drastisch zugenommen. Von 1995 bis 2006 stieg der Anteil gering
bezahlter Beschäftigter um rund 43 Prozent, wie die Auswertung des
Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität
Duisburg-Essen ergab. Insgesamt arbeiteten demnach 6,5 Millionen
Menschen und somit fast jeder vierte Beschäftigte in Deutschland
für Niedriglöhne. Als niedrig galten Bruttostundenlöhne
von weniger als 9,61 Euro in Westdeutschland und 6,81 Euro in
Ostdeutschland.
Die Schwelle zum Niedriglohn liege nach internationalen Standards bei
zwei Dritteln des mittleren Stundenlohns eines Landes, hieß es in
der Mitteilung. Im Durchschnitt verdienten die
Niedriglohnbeschäftigten in Westdeutschland Bruttostundenlöhne
von 7,12 Euro und 5,43 Euro in Ostdeutschland. Teilzeit- und Minijobs
machten der Studie zufolge mit knapp 54 Prozent mehr als die
Hälfte der Niedriglohnbeschäftigung in Deutschland aus. Der
Anteil der Minijobs hat sich zwischen 1995 und 2006 demnach von 15
Prozent auf knapp 30 Prozent verdoppelt.
«Das Argument, dass niedrige Löhne bei Minijobs kein Problem
seien, weil die Betroffenen häufig anderweitig abgesichert sind,
greift aber zu kurz», kritisierten die IAQ-Arbeitsmarktexperten
Claudia Weinkopf und Thorsten Kalina. Das Lohngefüge sei wegen
billiger Minijobs, Zeitarbeit und die Ausgliederung von Tätigkeiten
in Bereiche ohne Tarifbindung unter Druck geraten. Zudem habe die
Politik hat mit Deregulierungen die Schleusen für eine weitere
Ausdehnung der Niedriglohnbeschäftigung geöffnet.
Der Vergleich mit Ländern wie Dänemark, Frankreich und den
Niederlanden zeige, dass Deutschland inzwischen den höchsten
Niedriglohnanteil unter den kontinental-europäischen Ländern
habe, erklärten die Wissenschaftler. Dabei sei auffällig, dass
ein hoher Anteil der Niedriglohnbeschäftigten in Deutschland nicht
aus dem Kreis der gering Qualifizierten stamme. Rund drei Viertel aller
Niedriglohnbeschäftigten haben demnach eine abgeschlossene
Berufsausbildung oder sogar einen akademischen Abschluss. «Das
zeigt, dass Niedriglöhne den Kern der Beschäftigung erreicht
haben», erklärten die Experten.
Grundlage der Auswertung sind die Daten des Sozio-ökonomischen
Panels (SOEP) von 2006. Das SOEP ist eine repräsentative
Wiederholungsbefragung von 12.000 Privathaushalten in Deutschland, die
das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) jährlich
vornimmt.
(Quelle: ap)
CDU will für Leistungsträger und Schwache sorgen
Sa.02.02.08 - Die CDU muss nach Ansicht ihrer Vorsitzenden Angela Merkel auch
künftig für die Leistungsträger und die Schwachen sorgen.
«Es wird auch in Zukunft nicht so sein, dass die SPD für
soziale Gerechtigkeit zuständig ist und die Union dafür zu
sorgen hat, dass genug zum Verteilen da ist», erklärte die
Kanzlerin im Gespräch mit der «Frankfurter Allgemeinen
Zeitung» (Freitagausgabe). «Beides gehört zusammen und
ist die Substanz unserer ureigenen Politik der Sozialen
Marktwirtschaft.»
Merkel räumte ein, dass dieser Zusammenhang noch besser vermittelt
werden müsse. Zum Beispiel müsse offensiv mit den Fragen der
Rentner umgegangen werden, die klagten, dass ihre Rente langsamer steige
als die Inflation, und den Nachhaltigkeitsfaktor in der
Rentenversicherung in Frage stellten. Diesen Menschen müsse gesagt
werden, dass die demographische Entwicklung gemeinsam bewältigt
werden müsse. Leistungsträger dürften nicht wegen zu
hoher Abgaben das Land verlassen und Familien nicht überfordert
werden. «Deshalb warne ich davor, jede Forderung, mehr zu
verteilen, mit 'gerecht' gleichzusetzen», sagte die Kanzlerin.
Auf die Frage nach den wesentlichen Unterschieden zur CDU antwortete
Merkel, die SPD sei noch sehr stark von der Industriegesellschaft
geprägt. Diese Gesellschaft mit einer relativ homogenen und um ihre
Rechte kämpfenden Arbeitnehmerschaft gebe es aber heute nicht
mehr. «Die SPD muss also ihren Standpunkt neu bestimmen.»
Dieses Ringen habe die rot-grüne Regierungszeit geprägt.
«Wenn sie zum Schluss nur noch für die
Transferhilfeempfänger spricht, dann verliert sie ihre gesamte
Stammklientel», erklärte die Kanzlerin.
Auch die CDU müsse sich damit auseinandersetzen, dass unter den
Bedingungen der Globalisierung traditionelle Milieus an Bindekraft
verloren hätten. Es gebe eine viel stärkere Vereinzelung des
Individuums in der Gesellschaft. «Aber für uns ist es unter
dem Strich leichter, die Soziale Marktwirtschaft für das 21.
Jahrhundert zu definieren als für die SPD», sagte Merkel.
(Quelle: ap)
CSU verlangt mehr soziale Gerechtigkeit
Sa.02.02.08 - Bayerns Landtagspräsident Alois Glück (CSU) hat die Union
eindringlich vor «einem neoliberalen Kurswechsel» gewarnt
und dazu aufgerufen, eigene Antworten in der Debatte um soziale
Gerechtigkeit zu finden. Die Gerechtigkeitsfrage werde auch die
nächsten Wahlen entscheiden, sagte Glück der
«Süddeutschen Zeitung» (Freitagausgabe). Wenn die Union
nur auf Wirtschaftskompetenz setze, sei dies «der Weg in die
Opposition».
(Quelle: ddp)
Bundespräsident kritisiert beschlossene Änderungen an der
Agenda 2010 massiv
Sa.02.02.08 - Bei einem vertraulichen Treffen von Bundespräsident Horst
Köhler mit den Mitgliedern des Ältestenrats des Bundestags ist
es nach Informationen des Nachrichtenmagazins «Spiegel» zu
einer heftigen Auseinandersetzung über die Verlängerung des
Arbeitslosengeldes gekommen. Bei einer Begegnung am vorvergangenen
Mittwoch im Schloss Bellevue habe das Staatsoberhaupt massiv die
beschlossenen Änderungen an der Agenda 2010 attackiert. Der SPD
habe er unter Bezug auf Politikwissenschaftler vorgehalten, in erster
Linie machtpolitisch agiert zu haben, um die Linke einzudämmen.
Sachpolitisch sei die längere Auszahlung des Arbeitslosengeldes I
an Ältere aber falsch, habe er hinzugefügt. Dies wies laut
Bericht Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) mit scharfen
Worten zurück: Es gebe massive Ungerechtigkeitserfahrungen, auf
die die Politik reagieren müsse. Auch der CDU-Abgeordnete Norbert
Röttgen habe die Änderungen beim Arbeitslosengeld verteidigt.
Unter Berufung auf Teilnehmer beschreibt das Magazin die Stimmung des
Treffens als eisig. Es gebe deutliche Zeichen der Entfremdung zwischen
Präsident und Parlament. Besonders verärgert hätten sich
die Sozialdemokraten gezeigt.
(Quelle: ddp)
Millionensummen zur Eingliederung Arbeitsloser nicht genutzt
Sa.02.02.08 - Millionensummen zur Wiedereingliederung von Langzeitarbeitslosen werden
nach einer Studie nicht abgerufen. Nach einer Untersuchung des Bremer
Instituts für Arbeitsmarktforschung und Jugendberufshilfe haben
die Arbeitsgemeinschaften und Arbeitsagenturen 2007 von den
verfügbaren knapp 4,8 Milliarden Euro etwa 570 Millionen Euro oder
rund zwölf Prozent nicht oder für andere Zwecke ausgegeben.
Das für die Wiedereingliederung von ALG II-Empfängern
vorgesehene Geld sei unmittelbar in Arbeitslosengeld II oder unter
Umständen auch in Verwaltungsausgaben geflossen, erklärte
Paul Schröder vom Bremer Institut am Freitag. Zudem waren laut der
Studie die Länderunterschiede groß. Während in Bremen
das Geld praktisch komplett für Eingliederung zur Arbeit
ausgegeben worden sei, sei es in Hessen nur zu rund 77 Prozent und in
Bayern zu 75 Prozent verbraucht worden.
(Quelle: ap)
Streit in der CDU um Kochs Wahlkampf wird schärfer
Sa.02.02.08 - Der Streit innerhalb der CDU nach dem umstrittenen Wahlkampf von
Hessens Ministerpräsident Roland Koch gewinnt an Schärfe:
Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm griff die
Unterzeichner des offenen Briefs zur Integrationspolitik an, der auch
als Kritik an Koch verstanden worden war. "Dieser Brief empört
mich", sagte Schönbohm. SPD-Fraktionschef Peter Struck und
Generalsekretär Hubertus Heil forderten für Hessen erneut
eine Ampelkoalition aus SPD, Grünen und FDP.
Noch am 5. Januar hätten Präsidium und Bundesvorstand
einstimmig die Wiesbadener Erklärung verabschiedet, sagte
Schönbohm der "Bild"-Zeitung. Die CDU hatte sich darin für
ein schärferes Jugendstrafrecht ausgesprochen und sich damit auch
hinter Koch gestellt. Da seien alle dabei gewesen, die jetzt den
offenen Brief unterschrieben hätten, kritisierte Schönbohm.
Mehrere Unterzeichner hatten allerdings am Donnerstag versichert, mit
dem Brief habe Koch nicht attackiert werden sollen.
Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte den Wahlkampf
verteidigt. SPD und Grünen griffen sie dafür scharf an. Koch
sei nicht allein verantwortlich "für die geschmacklosen Kampagnen
in Hessen", sagte SPD-Chef Kurt Beck der "Hamburger Morgenpost".
Grünen-Chefin Claudia Roth erklärte, Merkel wolle bei den
"Ultra-Konservativen" in ihrer Partei punkten.
Struck nannte Kochs Verhalten in der "Wirtschaftswoche" "nicht
tragbar". Die Menschen in Hessen wollten ihn nicht mehr. Struck sprach
sich wie die hessische SPD für eine Ampelkoalition mit FDP und
Grünen aus, die von den Liberalen in Hessen aber strikt abgelehnt
wird. SPD-Generalsekretär Hubertus Heil zeigte sich in der
Zeitschrift "Super Illu" zuversichtlich, dass es in Hessen eine
Mehrheit geben wird, "die sozialer, liberaler und ökologischer ist
als Koch".
CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla betonte, dass die CDU in Hessen
als stärkste Partei den Auftrag zur Regierungsbildung habe. Die
Union lag bei der Wahl äußerst knapp vor der SPD. Im Landtag
verfügen aber beide Parteien über 42 Sitze.
(Quelle: afp)
Unions-Debatte über Umgang mit Linkspartei
Sa.02.02.08 - Die Union denkt über einen Strategiewechsel im Umgang mit der
Linkspartei nach. Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU) warb am
Freitag für Sachlichkeit und mahnte: «Ohne Antworten auf die
Fragen, die die Linke aufwirft, können wir uns nicht
davonstehlen.» CSU-Chef Erwin Huber warf derweil der SPD Versagen
in der Auseinandersetzung mit der Linkspartei vor.
Kauder betonte, man solle zwar darauf hinweisen, «dass es die
Linke war, die den Menschen in der DDR die Freiheit geraubt hat».
Die Union müsse aber die Linkspartei nicht «mit Polemik
beschimpfen, sondern bekämpfen, indem wir die Probleme lösen,
die sie benennt - oder erklären, warum die Sache nicht so einfach
ist, wie die Linke tut».
Auch Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) sagte:
«Wir müssen die Linkspartei mit Argumenten bekämpfen.
Sie nur plakativ unter Feuer zu nehmen, funktioniert nicht.» Mit
Blick auf frühere Wahlkämpfe seiner Partei fügte
Schönbohm hinzu: «Alle ´Rote-Socken-Kampagnen´,
mit denen es die Union in der Vergangenheit versucht hat, haben nicht
funktioniert.»
Der Vorsitzende der CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus,
Friedbert Pflüger, mahnte: «So eindeutig die Linkspartei als
SED-Nachfolgerin bekämpft werden muss, so sehr müssen wir uns
davor hüten, die Menschen aus der ehemaligen DDR pauschal zu
verunglimpfen.» Hier hätten alle Parteien in der
Vergangenheit Fehler gemacht. Pflüger betonte: «Die DDR
bestand nicht nur aus Tätern und Mitläufern.» Die
Mehrheit der Menschen habe «Anspruch darauf, dass ihre Biografie
gewürdigt wird».
CSU-Chef Huber sagte: «Fürs Ausputzen am linken Rand ist die
SPD zuständig - und da hat sie in Hessen und Niedersachsen
kläglich versagt.» Der «Linksruck» von SPD-Chef
Kurt Beck habe den Sozialdemokraten nicht geholfen, «aber
dafür die Linkspartei in die Landtage gebracht». Huber riet
der SPD, sie «sollte im eigenen Interesse keinen Wahlkampf
machen, bei dem nur die Linkspartei den Profit einstreicht».
Zuvor hatte bereits Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die SPD zu
verstärkten Anstrengungen gegen eine weitere Ausbreitung der
Linkspartei aufgefordert. Allerdings sei «ein
Überbietungswettbewerb im Versprechen von staatlichen
Allheilmitteln» sicher die falsche Strategie.
Auch SPD-Fraktionschef Peter Struck mahnte, seine Partei dürfe
nicht «populistischen Rufern folgen». Er betonte mit Blick
auf die Erfolge der Linkspartei in Hessen und Niedersachsen:
«Durch eine noch linkere Politik kriege ich sie nicht weg.»
Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) sagte: «Mit einem
Anpassungskurs nach links gewinnt man deutlich weniger Stimmen, als man
in der Mitte der Gesellschaft verliert.» Die soziale
Gerechtigkeit sei zwar «ein notwendiges Thema, aber nicht
hinreichend für Wahlsiege - sonst hätte die SPD in
Niedersachsen mehr Erfolg haben müssen».
(Quelle: ddp)
Sinn und Rürup plädieren für Konjunkturprogramm -
Niedrige Steuern oder Abgabensenkungen
Sa.02.02.08 - Führende Ökonomen haben die Bundesregierung aufgefordert, im
Falle einer drohenden Rezession ein Konjunkturprogramm nach dem Vorbild
der USA aufzulegen. «Sie sollte mit aller Macht gegenhalten und
die Steuern senken», sagte Hans-Werner Sinn, Präsident des
Münchner Ifo-Instituts, dem Nachrichten-Magazin der
«Spiegel». Niedrige Steuern hätten den Vorteil,
«dass sie auf breiter Front wirken».
Zusätzlich sollten Abschreibungsmöglichkeiten für
Unternehmen verbessert werden. «Die Entlastung sollte über
Kredite finanziert werden», wurde Sinn weiter zitiert. Spielraum
für neue Schulden sei vorhanden, schließlich habe Deutschland
im vergangenen Jahr einen ausgeglichenen Haushalt vorgelegt.
Auch Bert Rürup, der Vorsitzende des Sachverständigenrats,
plädiert dem Bericht zufolge für niedrigere Abgaben, falls die
Konjunktur einbrechen sollte. Er fände es allerdings sinnvoller,
die Lohnnebenkosten zu senken. Mehr als ein Drittel der Arbeitnehmer
zahle keine Steuern mehr. «Besser wäre es deshalb, wenn man
die Beiträge zur Sozialversicherung senken würde. Dadurch
würden besonders die niedrigen und mittleren Arbeitseinkommen
entlastet.»
Unterdessen bekommt Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU)
Unterstützung aus der SPD, im Falle eines Abschwungs die Steuern zu
senken. «Das würde mit Sicherheit zu einem
Maßnahmenmix gehören», mit dem der Abschwung
bekämpft werden würde, wurde SPD-Fraktionsvize Ludwig Stiegler
zitiert. Bei der Aufstellung des Bundeshaushalts für 2009 soll die
Bundesregierung nach der Vorstellung Stieglers gleich einen
Eventualhaushalt mitbeschließen, wie das Magazin berichtete. Er
würde es Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) sozusagen auf
Vorrat erlauben, bei Bedarf die Neuverschuldung auszuweiten.
(Quelle: ap)
WestLB will angeblich 1.700 Arbeitsplätze abbauen
Sa.02.02.08 - Die angeschlagene WestLB will nach Medieninformationen 1.700
Arbeitsplätze abbauen. Das Nachrichtenmagazin «Focus»
berichtete am Freitag, der Aufsichtsrat werde einen entsprechenden
Restrukturierungsplan am kommenden Donnerstag absegnen. Die WestLB
lehnte eine Stellungnahme zu dem Bericht ab. «Wir kommentieren
keine Zahlen und Spekulationen», sagte ein Sprecher.
Der WestLB-Sprecher fügte hinzu: «Hier läuft ein
geordneter Prozess.» Zunächst würden die Pläne zur
Restrukturierung erarbeitet, dann dem Aufsichtsrat vorgestellt und erst
anschließend den Mitarbeitern und der Öffentlichkeit
präsentiert.
Laut «Focus» dringen die Eigentümer der Bank auf eine
schnelle Sanierung, um die Fusionsverhandlungen mit der Helaba zu
beschleunigen. Riskante Investments von etwa 22 Milliarden Euro sollen
demnach in eine Zweckgesellschaft ausgelagert und durch eine
«staatliche Bürgschaft» des Landes in Höhe von
drei Milliarden Euro gesichert werden, Investmentbänker seien
gerade damit beschäftigt die Risiken zu bewerten, berichtete das
Magazin.
Die Düsseldorfer Bank war durch Fehlspekulationen und die
Auswirkungen der internationalen Finanzmarktkrise tief in die roten
Zahlen gerutscht. Für das Geschäftsjahr 2007 muss das
Geldinstitut nach eigenen Angaben einen Verlust von rund einer Milliarde
Euro ausweisen.
(Quelle: ap)
Geschäftsmodelle der Geldinstitute in der Kritik
Sa.02.02.08 - Mit größerer Vorsicht hätte dem Deutschen
Aktieninstitut (DAI) zufolge das Ausmaß der weltweiten Finanzkrise
verringert werden können. In Deutschland seien beispielsweise die
Geschäftsmodelle bei einigen Geldinstituten nicht tragend, sagte
DAI-Leiter Rüdiger von Rosen am Freitag im Deutschlandradio
Kultur. Das müsse jetzt «alles ausgekehrt werden». Er
hoffe, dass die Schieflage der WestLB durch Fehlspekulationen und
Auswirkungen der Finanzmarktkrise dazu führt, dass notwendige
Umstrukturierungen im deutschen Bankenapparat angestoßen werden.
Dazu gehört Rosen zufolge auch die Durchmischung der bisher strikt
voneinander getrennten Sektoren der Sparkassen, der Genossenschaft und
der privaten Banken. Aufgrund wirtschaftlicher Zwänge werde dieses
Drei-Säulen-Modell künftig abgeschafft.
Als weiteren Kritikpunkt nannte Rosen die Ratingagenturen, die die
Kreditwürdigkeit von Unternehmen bewerten. «Sich als
verantwortlicher Bankvorstand auf die Ratingagenturen zu verlassen, das
ist eine gewisse Blauäugigkeit», kritisierte Rosen. Diese
Agenturen hätten beispielsweise auch nicht die große
Währungskrise in Südostasien sowie die in Russland Ende der
90er Jahre vorausgesagt.
(Quelle: ddp)
Historiker Benz warnt vor stillschweigendem Antisemitismus
Sa.02.02.08 - Der Antisemitismus-Forscher Wolfgang Benz hat davor gewarnt, den
"stillschweigenden Antisemitismus" in Deutschland zu ignorieren. Dieser
Antisemitismus, "der sich nicht sprachlich artikuliert", dürfe
angesichts des Radau-Antisemitismus der Rechtsradikalen nicht aus dem
Blick verloren werden, sagte der Leiter des Berliner Zentrums für
Antisemitismusforschung dem "Tagesspiegel" (Donnerstagsausgabe).
Gleichzeitig warnte der Historiker vor Überreaktionen auf
Umfragewerte zum Antisemitismus. Wenn ein Meinungsforschungsinstitut
feststelle, dass bei 20 Prozent der Deutschen Vorurteile gegenüber
Juden bestehen, "dann heißt das nicht, die wollen jetzt die Juden
verjagen, oder sie sind in der Wolle gefärbte Neonazis", so Benz.
Sie reagierten lediglich "auf Fragen, die manchmal auch suggestiv sein
können".
"Mit einem gewissen Prozentsatz von Leuten, die Vorbehalte gegen
Minderheiten und insbesondere gegenüber der Minderheit der Juden
haben, müssen wir leben", sagte Benz.
(Quelle: epd)
Internet
Rund 40 Millionen Deutsche sind online
Sa.02.02.08 - In Deutschland sind 41 Millionen Menschen online. Demnach surfen 64
Prozent der Bevölkerung im Internet oder schreiben E-Mails. Bei den
Einwohnern ab 14 Jahren (64,82 Millionen) liegt der Anteil bei 63,7
Prozent. Zu diesem Ergebnis ist die Arbeitsgemeinschaft Online Forschung
(AGOF) in der Studie "internet facts 2007-III" gekommen.
(Quelle: gp)
Microsoft will Internet-Ikone Yahoo übernehmen
Sa.02.02.08 - Der weltgrößte Softwarekonzern Microsoft will die
schwächelnde Internet-Ikone Yahoo übernehmen. Microsoft will
mit dem Kaufangebot über 44,6 Milliarden Dollar (knapp 30
Milliarden Euro) seine Position in dem von Google dominierten Markt der
Internet-Werbung ausbauen.
Microsoft-Chef Steve Ballmer sprach von einem Meilenstein in der
Entwicklung des Unternehmens. Yahoo habe vor einem Jahr ein erstes
Kaufangebot mit der Begründung abgelehnt, dass man mit besseren
Geschäften rechne. «Ein Jahr ist vorbei und die
Wettbewerbssituation hat sich nicht verbessert», begründete
Ballmer den überraschenden Vorstoß. Yahoo will die Offerte
«sorgfältig und rasch» prüfen.
In einer Telefonkonferenz sagte Ballmer: «Ich bin sehr
zuversichtlich, dass dies der richtige Weg für Microsoft und Yahoo
ist.» Die Verbindung beider Unternehmen biete ein großes
Potenzial für die Entwicklung neuer Online-Dienste und
Werbemöglichkeiten. Das Angebot sei «ein sehr guter Deal
für die Yahoo-Aktionäre».
Microsoft bietet 31 Dollar pro Yahoo-Aktie, was einen Aufschlag von 62
Prozent auf den Schlusskurs vom Donnerstag bedeutet. Die
Yahoo-Aktionäre können zwischen einer Barauszahlung oder
Microsoft-Aktien wählen. Die Yahoo-Aktie, die in den vergangenen
Monaten an den Börsen kräftig unter die Räder gekommen
war, schoss im morgendlichen Handel um 49 Prozent nach oben.
Der Internet-Pionier gilt seit einiger Zeit als Übernahmekandidat.
Das Onlineunternehmen war zwar bald nach der Gründung durch Jerry
Yang und seinen Kommilitonen David Filo im Jahr 1995 die Nummer eins im
Internet. Inzwischen aber ist Yahoo bei den Werbeeinnahmen längst
von Google überholt worden. Google nimmt in zwei Monaten so viel
Geld ein wie Yahoo in einem ganzen Jahr und dominiert den Markt in den
USA klar mit einem Anteil von 60 Prozent. Trotz aller Anstrengungen der
zweit- und drittplatzierten, Yahoo und Microsoft, hat Google seine
Position kontinuierlich ausgebaut. Laut dem Analyse-Institut comScore
Media Metrix kämen Microsoft und Yahoo zusammen immerhin auf einen
Marktanteil von 33 Prozent in dem wichtigen Zukunftsmarkt der
Internet-Werbung.
Yahoo hatte erst diese Woche einen massiven Gewinneinbruch im vierten
Quartal bekanntgegeben und angekündigt, rund 1.000 der bislang
14.300 Jobs zu streichen. Auch die Aussichten für das laufende
Jahr beurteilte das Unternehmen verhalten. Verwaltungsratschef Terry
Semel trat zurück. Im Sommer hatte er auf Druck der Aktionäre
bereits den Vorstandsvorsitz an Yahoo-Mitbegründer Yang abgeben
müssen.
Microsoft hatte dagegen Ende Januar glänzende Zahlen für das
zweite Geschäftsquartal vorgelegt, die besser ausfielen als von
Analysten erwartet. Der Gewinn stieg um 79 Prozent auf 4,7 Milliarden
Dollar (3,2 Milliarden Euro). Die Einnahmen kletterten um 31 Prozent
auf 16,4 Milliarden Dollar (11,2 Milliarden Euro). Der Verlust im
Online-Geschäft weitete sich allerdings auf 245 Millionen Dollar
aus.
Der Softwarekonzern rechnet damit, dass Yahoo seine frühere
Haltung überdenken wird. Zugleich setzt Microsoft mit seinem Bar-
und Aktienangebot auf die Unterstützung der Yahoo-Aktionäre,
um dem Management des Online-Konzerns eine Ablehnung der Offerte zu
erschweren. Der erste Vorstoß von Microsoft war noch unter dem
Management des ausgeschiedenen Semel abgelehnt worden.
Microsoft erwartet bei einem Zusammenschluss mit Yahoo
Kosteneinsparungen von rund 1 Milliarde Dollar. Zu einem möglichen
Stellenabbau äußerte sich Microsoft nicht. Kartellrechtliche
Probleme sieht Microsoft nicht und möchte die Übernahme in
der zweiten Hälfte 2008 abschließen. Das
US-Justizministerium erklärte, es sei daran interessiert, die
Auswirkungen einer möglichen Übernahme auf den Wettbewerb zu
prüfen.
(Quelle: ap)
Wissenschaft
Klimawandel führt laut Studie bis 2030 zu
drastischen Ernteeinbrüchen
Sa.02.02.08 - Die Auswirkungen der globalen Klimaerwärmung können in den
nächsten zwei Jahrzehnten gerade in den ärmsten Regionen der
Welt zu drastischen Ernteausfällen führen. Zu diesem Schluss
kommt eine im US-Fachmagazin «Science» veröffentlichte
Studie von Forschern der Universität Stanford. Die
Veränderungen der Temperatur könnte beispielsweise zu einem
Minus von 30 Prozent bei der Maisernte im südlichen Afrika
führen, «mit möglicherweise verheerenden Folgen für
den Hunger in der Region», heißt es in der Studie vom
Donnerstag.
Besonders die rund eine Milliarde Menschen, die weltweit in Armut lebt
und oft von der Landwirtschaft als einziger Einnahmequelle zehrt,
müsste daher auf die Veränderungen vorbereitet werden, fordert
der Wissenschaftler David Lobell vom Institut für
Nahrungsmittelsicherheit und Umwelt der kalifornischen Universität
Stanford. Regierungen und internationale Organisationen sollten
frühzeitig auf entsprechende Anpassungsmaßnahmen setzen,
darunter zum Beispiel den Einsatz von neuem Saatgut oder eine
Änderung der Pflanzperiode.
Besonders die Landwirtschaft Südasiens und des südlichen
Afrikas werden der Studie zufolge von den klimatischen
Veränderungen betroffen sein. «Wir waren überrascht zu
sehen, wie sehr und wie schnell diese Regionen betroffen sein werden,
wenn wir uns nicht darauf vorbereiten», sagte der Koautor des
Berichts, Marshall Burke. Die Studie geht von einem Temperaturanstieg
von einem Grad Celsius bis 2030 aus und führte Berechnungen
aufgrund verschiedener Modelle durch.
(Quelle: ap)
Religion
Papst betont Alleinvertretungsanspruch
Sa.02.02.08 - Papst Benedikt XVI hat den Anspruch der katholischen Kirche
bekräftigt, als einzige die Nachfolge von Jesus Christus zu
vertreten. Bei einer Audienz für Mitglieder der römischen
Glaubenskongregation stellte er sich am Donnerstag Vatikanangaben
zufolge hinter die jüngsten entsprechenden vatikanischen Dokumente.
In Übereinstimmung mit der katholischen Tradition und dem Zweiten
Vatikanischen Konzil bestätigten die Publikationen der
Vatikanbehörde nach Benedikts Worten, dass "die eine und einzige
Kirche Jesu Christi ihr Bestehen, ihre Fortdauer und ihre
Stabilität in der katholischen Kirche hat". Mit dem Dokument
"Antworten auf Fragen über einige Aspekte der katholischen Doktrin"
werde "die Einheit, die Untrennbarkeit und Unzerstörbarkeit der
katholischen Kirche durch Spaltungen unter den Christen nicht
aufgehoben".
Die darin herausgestellten Unterschiede im Kirchenverständnis
verschiedener Konfessionen behinderten den ökumenischen Dialog
nicht, sondern förderten ihn durch mehr Realismus. Eine
Vorstellung, nach der die eine Kirche in verschiedenen Gemeinschaften
fortbesteht "könnte nur zur Verlangsamung und am Ende zur
Lähmung der Ökumene führen", betonte der Papst vor
Mitgliedern der Glaubenskongregation, der er selbst mehr als zwanzig
Jahre vorstand.
Benedikt stellte sich bei der Audienz anlässlich der
Vollversammlung der obersten Glaubenshüter auch hinter die
Forderung in der "Lehrmäßigen Note zu einigen Aspekten der
Evangelisierung", auch beim ökumenischen und interreligiösen
Dialog Mission zu betreiben. Die "Anerkennung einiger Elemente der
Wahrheit" in anderen Religionen dürfe nicht als "Beschränkung
des missionarischen Auftrags der Kirche" verstanden werden. Als
Präfekt der Glaubenskongregation hatte der damalige Kardinal Joseph
Ratzinger selbst entsprechende Dokumente wie das Schreiben "Dominus
Iesus" veröffentlicht, die durch die neuerliche Betonung bekannter
katholischer Positionen zu Verstimmungen im Dialog geführt hatten.
(Quelle: epd)
Habermas fordert Kirchen zu mehr Einmischung auf
Sa.02.02.08 - Die Kirchen sollten sich nach Auffassung des Sozialphilosophen
Jürgen Habermas stärker in gesellschaftliche Debatten
einmischen. In den westlichen Ländern hätten sich die Kirchen
vielfach auf die Seelsorge zurückgezogen und andere Kompetenzen
aufgegeben, sagte Habermas am Mittwochabend in Münster. Dabei
könnten sie einen festen Platz in der Gesellschaft haben, wenn sie
sich als "Interpretationsgemeinschaft" sehen würden. Als Beispiele
für Themen der Kirche nannte Habermas Sterbehilfe, Klimawandel,
Bioethik und Tierschutz.
Er habe keinen Zweifel daran, dass auch in der multikulturellen Welt
der Zukunft Religionen ihre Relevanz behalten würden, sagte der
78-jährige Philosoph vor rund 1.500 Zuhörern in der
Universität Münster. Die Religionen gehörten zu den
kulturellen Grundbausteinen der Zivilisation, die sich bis in die
Moderne gehalten hätten. "Religion wird ernst genommen", betonte
Habermas. Besonders wichtig sei für alle Gesellschaften der Dialog
zwischen den gläubigen und nicht-gläubigen Menschen. Nur so
könne das gegenseitige Verständnis wachsen und würden
weltweite Konflikte vermieden.
In armen Gesellschaften sei das Bedürfnis nach Religion
ausgeprägter als in wohlhabenden Gesellschaften mit
funktionierenden sozialen Sicherungssystemen. Wenn reiche Staaten aber
ein "ungezähmtes kapitalistisches Wirtschaftssystem" hätten,
bildeten sich auch dort sehr vitale Religionsgemeinschaften. Als
Beispiel nannte Habermas die USA. Nach Auffassung des Philosophen
gewinnen in allen Weltreligionen zunehmend Fundamentalisten und
Orthodoxe an Einfluss.
(Quelle: epd)