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Irak am 1411ten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
US-Botschafter sieht wegen Irak-Invasion Stärkung Teherans.
Opferzahl der Bombenanschläge in Bagdad steigt auf rund 100. Irak
stoppt Exporte an österreichischen Konzern
So.03.02.08 - Die Invasionen der USA in Afghanistan und im Irak haben nach Ansicht
von Botschafter Zalmay Khalilzad die Position des Irans im Mittleren
Osten gestärkt. Mit dem Sturz von Saddam Hussein im Irak sei ein
bedeutender Konkurrent ausgeschaltet worden, sagte der US-Botschafter
bei den Vereinten Nationen am Freitagabend vor Studenten der New Yorker
Columbia University. Deshalb sei die Regierung in Teheran auch nicht
daran interessiert, den Irak als regionaler Gegenspieler wieder
hochkommen zu lassen. Auch der Wandel in Afghanistan habe dem Iran
genutzt.
US-Präsident George W. Bush hat dem Iran mehrfach vorgeworfen,
schiitische Milizionäre im Irak sowie die Taliban in Afghanistan
mit Waffen zu beliefern, um die Stabilität der beiden Länder
zu untergraben. Laut Khalilzad erfolgte die politische Stärkung des
Irans jedoch als unbeabsichtigter Nebeneffekt der US-Invasionen - ganz
unabhängig vom Kampf der Aufständischen. Er habe seinen
iranischen Kollegen bei den UN schon häufig scherzhaft ermahnt, er
solle sich dafür erkenntlich zeigen, dass die USA so viel für
sein Land getan hätten.
Der Iran hat auch wirtschaftlich von der neuen Lage im Mittleren Osten
profitiert. So liefert er dem Irak Elektrizität, Lebensmittel und
andere Versorgungsgüter. Laut Khalilzad dürfte es dem Iran
jedoch kaum gelingen, den Irak künftig ganz zu dominieren - trotz
einer schiitisch geprägten Regierung in Bagdad.
Einen Tag nach den beiden verheerenden Bombenanschlägen in Bagdad
ist die Zahl der Toten auf rund 100 gestiegen. Nach Behördenangaben
wurden bis Samstagmorgen mindestens 99 Todesopfer und 88 Verletzte
registriert. Dutzende Leichen waren vor der Leichenhalle eines
Krankenhauses aufgebahrt, weinende Verwandte bereiteten sich auf die
Beisetzung ihrer Angehörigen vor.
Die gewaltigen Sprengsätze, die zwei geistig behinderte Frauen am
Körper trugen, wurden am Freitag im Abstand von 20 Minuten auf zwei
Kleintiermärkten mittels Fernzündung zur Explosion gebracht.
Die vom Down-Syndrom betroffenen Frauen waren sich
höchstwahrscheinlich nicht darüber im Klaren, dass sie als
Selbstmordattentäterinnen eingesetzt wurden.
Beobachter befürchteten deshalb eine mögliche neue Taktik der
Terrorgruppe Al Kaida im Irak, die für die Anschläge
verantwortlich gemacht wurde. In letzter Zeit wurden mehrere Attentate
von Frauen verübt, da diese in der Regel weniger kontrolliert
werden. Behinderte wurden bislang allerdings nur selten eingesetzt. An
dieser perfiden Bluttat lasse sich erkennen, dass Al Kaida «die
brutalste und heruntergekommenste aller Bewegungen» sei, sagte
US-Außenministerin Condoleezza Rice in Washington.
Der irakische Ministerpräsident Nuri al Maliki verurteilte die
Anschläge als Versuch, ein normales Leben in der Hauptstadt zu
verhindern. Die Täter stellten damit ihren «Hass auf die
Menschheit und auf alle Iraker» unter Beweis, hieß es in
einer Erklärung des Regierungschefs.
Es war der blutigste Tag in Bagdad seit dem 18. April 2007, als bei der
Detonation einer Autobombe 116 Menschen in den Tod gerissen wurden. Die
Zahl der schweren Anschläge ging deutlich zurück, seit die USA
im Februar vergangenen Jahres 30.000 zusätzliche Soldaten in den
Irak schickten.
Bei einer Razzia im Norden des Landes töteten irakische
Sicherheitskräfte drei Terrorverdächtige und nahmen drei
weitere fest. Unter den Verhafteten befindet sich nach Polizeiangaben
auch ein ranghohes Mitglied von Al Kaida in Irak. Der Mann soll im Raum
Mossul Aktionen von Extremisten organisiert haben. Die Razzia erfolgte
am frühen Samstagmorgen im Dorf Pola Pasch, rund 40 Kilometer
nordöstlich der Stadt Tal Afar.
Aus Protest gegen einen Vertrag mit der kurdischen Regionalregierung
hat der Irak die Ölexporte an den österreichischen Öl-
und Gaskonzern ÖMV gestoppt. Diese Entscheidung des
Ölministeriums gelte schon seit dem 1. Januar, erklärte am
Samstag ein Mitarbeiter, der seinen Namen nicht nennen wollte. Das
irakische Ölministerium betrachtet die Verträge mit der
faktisch autonomen Kurdenregion im Nordirak als illegal.
ÖMV hatte im vergangenen November zwei Verträge über die
Ausbeutung von Ölfeldern in Erbil unterzeichnet. Der Konzern
wollte sich in Wien nicht zu dem Lieferstopp äußern.
ÖMV-Sprecher Thomas Huemer erklärte jedoch, die Verträge
seien im Einklang mit der irakischen Verfassung geschlossen worden. Der
Gewährsmann im irakischen Ölministerium sagte, bisher habe
ÖMV 10.000 Barrel Öl pro Tag erhalten. Zuvor hatte das
Ministerium aus dem gleichen Grund die Lieferungen an den
südkoreanischen Konzern SK Energy gestoppt.
Im Irak wird seit April über die Kontrolle der Öl- und
Gasfelder gestritten. Wegen des Konflikts verzögert sich ein
Gesetz, das ausländische Investitionen in diesem Gebiet regeln
soll. Die Kurden unterzeichneten bisher 15 Verträge mit 20
internationalen Ölkonzernen. Das Ölministerium in Bagdad
kündigte im Dezember an, man werde die Kooperation mit den
betroffenen Konzernen einstellen.
boa (Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 03.02.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am neunhundertneunundvierzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Sa.03.02.07 - US-Geheimbericht sieht wachsende Gefahrenlage im Irak +++ Zahlreiche
Aufständische bei Kämpfen in Ramadi getötet +++ UNHCR hofft
auf Neuansiedlung tausender irakischer Flüchtlinge +++
US-Präsident Bush will weitere Gelder für Einsätze im
Irak und in Afghanistan...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0702030.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Auch NATO fordert mehr deutschen Einsatz in Afghanistan
So.03.02.08 - Nach den USA hat auch Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer
Deutschland zu einer Ausweitung des Afghanistan-Einsatzes gedrängt.
"Ich nehme zur Kenntnis, dass es bei vielen Nationen
Einsatzbeschränkungen gibt. Deshalb lasse ich nicht nach in dem
Bemühen, diese so weit wie möglich reduziert zu sehen", sagte
er der "Bild am Sonntag" laut Vorabbericht. Deutschland leiste als
Führungsnation im Norden vorbildliche Arbeit. "Aus meiner Sicht
könnte die Internationale Schutztruppe natürlich auch
anderswo in Afghanistan mehr davon gebrauchen." Ein schnelles Ende der
Kämpfe in dem Land sei nicht in Sicht: "Die Nato wird auf
absehbare Zeit in Afghanistan bleiben müssen."
Auch aus Kanada kamen Forderungen nach mehr Leistungen Deutschlands.
Rick Casson, Leiter des Verteidigungsausschusses des Parlaments, sagte
dem "Tagesspiegel am Sonntag": "Wir wünschen uns ein
stärkeres Engagement Deutschlands auf allen Ebenen." Kanada hatte
bereits mit dem Abzug seiner Truppen gedroht, falls Nato-Partner nicht
mehr Truppen stellten.
US-Verteidigungsminister Robert Gates hatte die Bundesregierung vor
kurzem in einem ungewöhnlich scharf formulierten Brief
aufgefordert, auch Soldaten für Kampfeinsätze im besonders
gefährlichen Süden Afghanistans zur Verfügung zu
stellen. Bundeskanzlerin Angela Merkel und führende
Regierungspolitiker lehnten dies strikt ab. Verteidigungsminister Franz
Josef Jung betonte in der "Welt am Sonntag" erneut, er halte es
für einen Fehler, die Bundeswehr durch verschiedene Regionen des
Landes rotieren zu lassen. Am Mittwoch war in Berlin bereits eine Bitte
der Nato eingegangen, für den Norden des Landes einen Kampfverband
mit etwa 250 Mann zur Verfügung zu stellen, dem die
Bundesregierung voraussichtlich nachkommen wird.
Der Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Gernot Erler, nannte
den Brief von US-Verteidigungsminister Gates im Deutschlandradio
"schroff". Deutschland gehe bereits jetzt mit der Bundeswehr an die
Grenze dessen, was verantwortbar ist, sagte der SPD-Politiker.
SPD-Vize-Fraktionschef Walter Kolbow sagte, Gates verkenne die
politischen Wirklichkeiten, wenn er versuche, Druck auf die
Bundesregierung auszuüben. Mittelfristig sei zwar eine leichte
Aufstockung der Truppe denkbar. Militärisch allein sei die Aufgabe
dort aber nicht zu lösen, sagte er der "Passauer Neuen Presse".
Der Koordinator für die deutsch-amerikanischen Beziehungen,
Karsten Voigt, verwies auf die innenpolitischen Probleme der USA. Sie
hätte gerade die Truppenzahl erhöht und da komme jetzt die
Frage auf, was denn die Verbündeten täten. "Der Wunsch, dass
wir Europäer und auch die Deutschen mehr tun, der ist allgemein
verbreitet und wird ganz sicher nach den amerikanischen Wahlen noch
lauter", sagte Voigt im NDR.
(Quelle: rtr)
Nahost-Konflikt: Hamas will Grenze zwischen Ägypten und
Gazastreifen schließen
So.03.02.08 - Die radikal-islamische Hamas will die gewaltsam geöffnete Grenze
zwischen dem Gazastreifen und Ägypten schließen.
"Wir werden die Kontrolle über die Grenze wiederherstellen", sagte
Hamas-Vertreter Mahmud al-Sahar nach einem Besuch in Kairo. Dies werde
schrittweise und in Zusammenarbeit mit der ägyptischen Regierung
erfolgen.
Die Grenze zwischen dem Gazastreifen und Ägypten ist offen,
seitdem die Hamas vor mehr als einer Woche Löcher in den Grenzwall
gesprengt hatte, um eine israelische Blockade des Gebiets zu
durchbrechen. Seitdem strömten Tausende Palästinenser in das
Nachbarland, um sich dort mit Waren einzudecken.
(Quelle: rtr)
Gewalt in Kenia geht trotz 'Friedensfahrplans' weiter
So.03.02.08 - Die Stammeskämpfe in Kenia gehen trotz des
«Friedensfahrplans» weiter, auf den sich Regierung und
Opposition geeinigt haben. Am Samstag feuerte die Polizei in der Stadt
Keroka im Westen des Landes Tränengas in ein Handgemenge aus
Jugendlichen, die den verfeindeten Stämmen der Kisii und Kalenjin
angehören. Junge Kisii hatten nach Angaben eines Polizeisprecher
brennende Straßensperren errichtet und gerufen, dass die Kalenjin
die Gegend verlassen sollen, sonst würden sie getötet. In der
Stadt Kericho wurden laut Polizei dutzende Häuser in der Nacht in
Brand gesteckt.
Die Polizei schien trotz einer Verstärkung der Einsatzkräfte
der Gewalt nicht Herr zu werden. In Kericho sollen bei den
jüngsten Ausschreitungen vier Menschen getötet worden sein.
Am Freitag hatten Regierung und Opposition eine Agenda unterzeichnet,
nach der die Gespräche über ein Ende der politischen Krise
innerhalb von 15 Tagen abgeschlossen werden sollen. Auslöser der
Unruhen war der umstrittene Ausgang der Präsidentenwahl vom 27.
Dezember. Die Agenda deckt sowohl kurzfristige als auch langfristige
Ziele ab, wie der ehemalige UN-Generalsekretär Kofi Annan
erklärte, der in Nairobi zwischen beiden Seiten vermittelt hat.
Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier
begrüßte unterdessen den vereinbarten
«Friedensfahrplan» und rief zu einem schnellen Ende der
Gewalt in Kenia auf. Das Auswärtige Amt teilte am Samstag mit,
Steinmeier habe mit Annan telefoniert. Er habe Annan gedankt und ihm
die volle Unterstützung der Bundesregierung versichert.
Der «Friedensfahrplan» lasse hoffen, «dass die Gewalt
in Kenia nun umgehend ein Ende findet. Oberste Priorität hat der
Schutz der Zivilbevölkerung.» Die vereinbarten
Sofortmaßnahmen müssten jetzt entschlossen umgesetzt werden.
Gewalttaten müssten verfolgt werden, es dürfe keine
Straflosigkeit mehr geben, erklärt Steinmeier. Er rief Regierung
und Opposition auf, den Gesprächsfahrplan unter Leitung von Annan
weiter zu verfolgen und alle Chancen auf eine langfristige und
tragfähige Lösung für Kenia zu nutzen.
(Quelle: ap)
Ugandas Wirtschaft schwer von Unruhen in Kenia betroffen
So.03.02.08 - Die anhaltenden Unruhen im Nachbarland Kenia haben Ugandas Wirtschaft
schwer getroffen. Dem Land entgingen täglich Einnahmen von 500.000
Dollar (330.000 Euro), erklärten Beamte in der Hauptstadt Kampala.
Zusätzlich sind die Gas- und Benzinpreise in Uganda wegen
Nachschubmangels stark angestiegen, einige Unternehmen mussten die
Produktion einstellen, da keine Rohmaterialien mehr geliefert wurden.
Das ostafrikanische Land verfügt über keinen Zugang zum Meer
und wickelt seinen Handel daher zumeist über Kenia ab.
Die nach der umstrittenen Präsidentschaftswahl in Kenia Ende
Dezember ausgebrochenen Unruhen haben wichtige Transitstrecken aus
Sicherheitsgründen unpassierbar gemacht. Das tägliche
Handelsvolumen ging seither von zwei Milliarden ugandischen Schillingen
(800.000 Euro) auf 800 Millionen Schilling (320.000 Euro) zurück,
wie das Handelsministerium mitteilte. Der Anstieg bei den
Treibstoffkosten hat bei einzelnen Taxi- und Bustarife in Kampala
innerhalb kurzer Zeit zu einer Verdoppelung des Preises geführt.
(Quelle: ap)
Rebellen in tschadische Hauptstadt eingerückt
So.03.02.08 - Nach tagelangem Marsch auf die Hauptstadt des Tschad im Norden
Zentralafrikas sind Rebellen nach Medienberichten in N'Djamena
eingedrungen und auf den Präsidentenpalast vorgerückt.
Der Gefechtslärm sei im Laufe des Vormittags immer lauter
geworden, berichtete eine Korrespondentin des Nachrichtensenders
Al-Dschasira aus der Nähe des Präsidentenpalastes. Nach
französischen Medienberichten befinden sich bereits rund 2000
Rebellen in der Stadt.
Französische Soldaten hätten offenbar noch nicht in die
Kampfhandlungen eingegriffen, berichtete die Journalistin. Frankreich
hat etwa 150 zusätzliche Soldaten zur Verstärkung seiner
Truppen im Tschad entsandt. Die Al-Dschasira-Korrespondentin
bestätigte, dass das staatliche Fernsehen seinen Sendebetrieb
eingestellt hat und die Mobilfunknetze abgeschaltet wurden.
Angesichts der Lage in der Hauptstadt stellt sich auch die deutsche
Regierung auf eine mögliche Rettungsaktion für die in dem
Land lebenden Deutschen ein. «Wir beobachten die Situation mit
größter Aufmerksamkeit», sagte ein Sprecher des
Auswärtigen Amtes in Berlin. Gemeinsam mit den europäischen
Partnern sei man auf eine mögliche Evakuierung vorbereitet.
Frankreich hatte seine Staatsbürger in N'Djamena zuvor aufgerufen,
sich für eine mögliche Evakuierung bereitzuhalten. Es seien
drei Sammelpunkte für Menschen eingerichtet worden, die das Land
verlassen wollen. Auch eine Hotline wurde eingerichtet. Franzosen im
Rest des Landes seien aufgerufen, zu Hause zu bleiben, hieß es in
einer Mitteilung.
Die Rebellen hatten sich seit Tagen mit etwa 300 Fahrzeugen auf die
Hauptstadt zubewegt. Am Freitag waren in der Nähe N'Djamenas
heftige Kämpfe mit den Regierungstruppen entbrannt. Man sein
bereit, über eine Regierungsbeteiligung zu verhandeln, sagte
Rebellenführer Timan Erdimi. Vor gut zwei Jahren war in der
früheren französischen Kolonie mit Hilfe französischer
Truppen ein Staatsstreich verhindert worden. Tschads Präsident
Idriss Déby hatte sich selbst 1990 an die Macht geputscht. Im
Mai vergangenen Jahres war er in einer umstrittenen Wahl zum zweiten
Mal im Amt bestätigt worden. Déby halte sich weiterhin in
N'Djamena auf, hieß es.
Der französische Präsident Nicolas Sarkozy kam am
Freitagabend und erneut am Samstag zu einer Lagebesprechung mit
Verteidigungsminister Hervé Morin und Außenminister
Bernard Kouchner zusammen. Nach Ansicht von Verteidigungsminister Morin
ist der Vormarsch der Rebellen eine Reaktion auf den geplanten
EU-Einsatz im Grenzgebiet zur Krisenregion Darfur, der dadurch weiter
behindert werden könnte.
Die EUFOR-Truppe soll mit etwa 3700 Mann für den Schutz der
Flüchtlinge sorgen. An EUFOR beteiligen sich 14 Staaten.
Deutschland entsendet mehrere Soldaten in das Hauptquartier bei Paris,
aber nicht in den Tschad. Frankreich stellt nach einigem Zögern
mit 2100 Soldaten den größten Teil der Truppe. Die Soldaten
sollen insbesondere die Lage an der Grenze zur sudanesischen
Bürgerkriegsregion Darfur stabilisieren helfen. Dort sind
hunderttausende Menschen auf der Flucht.
Unabhängig von EUFOR hat Frankreich in der ehemaligen Kolonie im
Rahmen eines bilateralen Abkommens mehr als 1100 Soldaten stationiert,
die die tschadische Armee unterstützen. Ein Teil von ihnen soll
allerdings künftig zur EU-Truppe zählen.
(Quelle: dpa)
Sudan: Fünf Tote bei Rebellenangriff in Darfur
So.03.02.08 - Aufständische in der sudanesischen Krisenprovinz Darfur haben nach
Regierungsangaben bei einem Angriff fünf Menschen getötet.
Unter den Toten seien zwei Polizisten und drei Zivilisten, sagte ein
Beamter am Samstag. Demnach ereignete sich der Vorfall am Donnerstag in
der nördlichen Stadt Kalamandu.
Die Rebellenorganisation SLA Unity bestritt, dass sie Zivilisten
getötet habe. Die Armee habe bei ihrem Rückzug aus dem Ort
die Aufständischen angegriffen, erklärte SLA-Unity-Chef
Abdullah Jehia. Seine Leute hätten das Militär nach Kalamandu
zurückgedrängt. Die Armee dementierte jedoch, dass sie
Truppen in dem Gebiet habe.
In dem Darfur-Konflikt sind in den vergangenen fünf Jahren
Experten zufolge etwa 200.000 Menschen ums Leben gekommen. 2,5
Millionen sind geflohen. Die Kämpfe begannen nach einem Aufstand
der Rebellen 2003. Sie werfen der Regierung in Khartum vor, Darfur zu
vernachlässigen.
(Quelle: rtr)
Ehemaliges Folterzentrum in Argentinien wird zu Kulturzentrum
So.03.02.08 - In einem ehemaligen Folterzentrum von Argentiniens Militärdiktatur
(1976-1983) hat die Menschenrechtsorganisation "Mütter der Plaza de
Mayo" am Donnerstag (Ortszeit) eine Kulturwerkstatt eröffnet. Mit
einem symbolischen Marsch über das Gelände der ehemaligen
Mechanikerschule der Marine nahmen die Mütter die
Räumlichkeiten in Besitz. "Ein Ort des Grauens verwandelt sich in
reines Leben," sagte die Präsidentin der Organisation, Hebe de
Bonafini. Die Marineschule werde zu einem Ort des Erinnerns.
Auf dem 17 Hektar großen Gelände war eines der
größten geheimen Haft- und Folterzentren der
Militärdiktatur. Menschenrechtsorganisationen schätzen, dass
hier mehr als 5.000 Menschen gefoltert wurden und später
verschwanden. Die Kinder, die schwangere Gefangene dort zur Welt
brachten, wurden illegal zur Adoption gegeben. In den Gebäuden
waren neben Militärschulen auch zivile Ausbildungsstätten
untergebracht.
Am 24. März 2004, dem Jahrestag des Putsches, wurde das
Gelände zum ersten Mal für die Öffentlichkeit
geöffnet. In einer Rede entschuldigte sich der ehemalige
Präsident Néstor Kirchner bei den Opfern "für 20 Jahre
staatliches Schweigen." Im Oktober 2007 war das Gelände
schließlich an die Gründer der Gedenkstätte
übergeben worden. Zehn Jahre zuvor hatte ein Gericht den Abriss der
Gebäude verhindert.
(Quelle: epd)
US-Vorwahlkampf: 'Los Angeles Times' unterstützt Obama und McCain
So.03.02.08 - Im Vorwahlkampf in den USA hat sich die "Los Angeles Times" bei den
Demokraten auf die Seite von Barack Obama gestellt, bei den
Republikanern unterstützt sie die Präsidentschaftskampagne von
Senator John McCain. In ihrem Leitartikel lobte die Internetausgabe der
renommierten Westküstenzeitung Obama als "vorbildlichen Chef", der
mit seinem Verzicht auf die wahlkampftypische Polemik all die
Amerikaner anspreche, "die der Politik der Spaltung schon lange
müde sind".
Obamas Konkurrentin Hillary Clinton bescheinigte das Blatt, eine
"erfahrene Staatsdienerin" zu sein. Doch seien nach ihrem Votum für
den Irak-Krieg und ihrer späteren Kritik an diesem Krieg Zweifel
an ihrem Urteilsvermögen und an ihrer Fähigkeit zu
führen angebracht.
Über McCain hieß es in dem Kommentar, auch wenn die
konservative Haltung des Senators von Arizona "nicht immer nach unserem
Geschmack ist", so sei sie zumindest "ehrlich". Ausdrücklich
würdigte das Blatt auch McCains moralische Integrität: "Als
einziger der republikanischen Kandidaten würde er das
Gefangenenlager von Guantanamo schließen, das international zum
Symbol der amerikanischen Arroganz geworden ist".
Der Abstand zwischen Obama und Clinton verringerte sich unterdessen auf
wenige Prozentpunkte. Laut einer wenige Tage vor dem Wahlmarathon am
kommenden Dienstag veröffentlichten Umfrage des Gallup-Instituts
konnte Obama nach dem Ausstieg von John Edwards aus dem Kandidatenrennen
der Demokraten fünf Punkte, die ehemalige First Lady dagegen nur
einen Punkt dazugewinnen. Am Freitag lag Clinton mit 44 Prozent in der
Wählergunst nur noch knapp vor Obama mit 41 Prozent.
(Quelle: afp)
Arbeitsmarkt in den USA bricht zu Jahresbeginn ein
So.03.02.08 - Die Angst vor einer Rezession in den USA hat durch einen massiven
Einbruch des Arbeitsmarktes neue Nahrung bekommen.
Wie aus dem am Freitag von der Regierung veröffentlichten
monatlichen Arbeitsmarktbericht für Januar hervorgeht, baute die
US-Wirtschaft erstmals seit viereinhalb Jahren Stellen ab. Der Bericht
fiel mit einem kräftigen Minus von 17.000 Jobs deutlich schlechter
aus, als von vielen Analysten erwartet. Die Experten hatten im Schnitt
prognostiziert, dass etwa 80.000 neue Stellen in der
weltgrößten Volkswirtschaft geschaffen wurden.
Stattdessen meldeten sowohl Bau als auch verarbeitendes Gewerbe
weiteren Stellenabbau. Auch der Dienstleistungssektor scheint nun
infiziert. Dort wurden nur noch 34.000 Stellen geschaffen. Bei der
Zeitarbeit, die als leicht vorlaufender Indikator gilt, kam es zum
dritten Mal nacheinander zu einem Jobabbau. Unter dem Strich entstanden
in der Privatwirtschaft im Januar nur noch 1.000 neue Jobs, im
öffentlichen Dienst fielen 18.000 Stellen weg.
Parallel zur Veröffentlichung der Januar-Zahlen revidierte das
Arbeitsministerium in Washington allerdings den Dezemberwert deutlich
nach oben auf 82.000 neue Arbeitsplätze. Zunächst waren magere
18.000 zusätzliche Stellen außerhalb der Landwirtschaft
gemeldet worden. Die Arbeitslosenquote sank nun leicht auf 4,9 Prozent
von fünf Prozent.
Trotz der Revision hat sich damit das Beschäftigungswachstum zum
Ende vergangenen Jahres abgekühlt. Der Arbeitsmarktbericht für
Dezember war wesentlicher Auslöser für die Ängste vor
einer US-Rezession, die seitdem die Finanzmärkte in Atem
hält. Die Arbeitsmarktentwicklung ist zentral für die
Konsumausgaben, die wiederum gut zwei Drittel der Wirtschaftsleistung in
den USA ausmachen. Das Wirtschaftswachstum in den Vereinigten Staaten
war in Folge der Immobilien- und Kreditkrise bereits im vierten Quartal
2007 auf 0,6 Prozent abgesackt und lag damit weit unter dem Wert des
Vorquartals von 4,9 Prozent.
Analysten reagierten entsetzt auf die neuen Daten vom Arbeitsmarkt.
"Wir sind an der Schwelle zur Rezession", sagte Chefvolkswirt Daniel
North von Euler Hermes in Maryland. "Eventuell sind wir auch schon in
der Rezession. Der Arbeitsmarkt hinkt als Indikator immer etwas
hinterher." David Kelly von JP Morgan sagte: "Die Wirtschaft ist
offenbar in echten Schwierigkeiten."
An den Finanzmärkten sorgte der Arbeitsmarktbericht ebenfalls
für gedrückte Stimmung. Analysten sagten, die Daten zeigten,
dass die Finanzkrise mittlerweile die Realwirtschaft erreicht habe. Der
Dollar fiel zum Euro zunächst kräftig. Die
Gemeinschaftswährung zog zeitweise bis auf 1,4952 Dollar an. Die
Aktienmärkte erhielten einen Dämpfer. An der New Yorker Wall
Street startete der Dow Jones mit leichten Abschlägen in den
Handel, obwohl ein Übernahmeangebot von Microsoft für Yahoo
für Fantasie bei den Anlegern sorgte. Der Index der
Computerbörse Nasdaq gab ebenfalls leicht nach. In Frankfurt fiel
der Dax wieder unter 7000 Punkte. Die Daten vom Arbeitsmarkt in der
Vereinigten Staaten waren für die Märkte eine um so
stärkere Negativüberraschung, als erst vor wenigen Tagen vom
Dienstleister ADP veröffentlichte Zahlen auf ein Job-Plus
hingedeutet hatten.
Für Analystin Fabienne Riefer von der Postbank ist der
Arbeitsmarktbericht ein klares Signal für die US-Notenbank Fed, die
Zinsen in den USA weiter zu kappen. "Die Wahrscheinlichkeit, dass die
US-Notenbank den Leitzins von aktuell drei Prozent noch weiter senken
wird, ist (...) gestiegen", schrieb sie in einem Kommentar. Dadurch
könnte allerdings der Dollar weiter unter Druck geraten. Zudem
könnten weitere Jobs wegfallen. Die Fed hatte zuletzt den Leitzins
für die USA innerhalb von nur acht Tagen um insgesamt 125
Basispunkte gesenkt um eine Rezession zu verhindern. Zudem plant die
Regierung ein milliardenschweres Konjunkturprogramm.
(Quelle: rtr)
Präsidentschaftskandidat Medwedew verspricht Russen 80 Milliarden
Dollar für mehr Bildung
So.03.02.08 - Der russische Präsidentschaftskandidat Dmitri Medwedew will in den
kommenden zwei Jahren mehr als 80 Milliarden Dollar für Bildung
ausgeben.
"Vor nur wenigen Jahren konnten wir nicht einmal davon träumen",
sagte der persönliche Wunschkandidat des scheidenden
Präsidenten Wladmir Putin am Freitag bei einem gemeinsamen
Auftritt. Putin erklärte, die Investitionen für mehr Bildung
seien wichtig, um aus Russland eine innovative Volkswirtschaft zu
gestalten. Davon würden langfristig alle Russen profitieren.
Das russische Bildungssystem gilt als reformbedürftig. Mehr als
Zweidrittel aller Schüler müssen nach Regierungsangaben mit
veralteten Büchern lernen. Eine aktuelle Vergleichzahl für die
russischen Bildungsausgaben lag zwar zunächst nicht vor. Das
Bruttosozialprodukt des Landes beträgt jedoch 1,3 Billionen Dollar.
Als erster Vize-Ministerpräsident ist Medwedew auch für die
staatliche Förderung von Bildung, Gesundheit, Wohnungen und
Landwirtschaft zuständig.
Seit sich Putin Ende vergangenen Jahres für Medwedew als
Nachfolger ausgesprochen hat, gilt die Wahl des 42-jährigen
Politikers zum nächsten Präsidenten als sichere Sache.
Umfragen sehen Medwedew, der bisher auch den Aufsichtsrat des
staatlichen Gasmonopolisten Gazprom leitete, mit mehr als 70 Prozent
vorn. Er verzichtet daher auf klassische Wahlkampfauftritte und will
auch nicht an TV-Duellen teilnehmen.
Putin darf nicht ein drittes Mal kandidieren, will aber die russische
Politik als Ministerpräsident unter Medwedew weiter beeinflussen.
Beobachter vermuten, dass Putin auch nach der Wahl am 2. März die
Strippen ziehen dürfte.
(Quelle: rtr)
Türkei: Zehntausende protestieren in Ankara gegen Kopftuch-Gesetz
So.03.02.08 - In Ankara haben mehr als 100.000 Menschen gegen die geplante Aufhebung
des Kopftuchverbots an türkischen Hochschulen protestiert. Das
geplante Gesetz verstößt nach Ansicht der Demonstranten
gegen das laizistische Grundprinzip der Republik. Die Regierungspartei
AKP hatte am Freitag im Parlament einen Gesetzesentwurf vorgelegt, der
das Tragen von Kopftüchern an Hochschulen wieder erlaubt. Der
türkische Außenminister Ali Babacan bezeichnete die
Gesetzesreform als notwendig im Hinblick auf einen EU-Beitritt seines
Landes.
Die Demonstranten trafen sich vor dem Mausoleum des Staatsgründers
Kemal Atatürk, schwenkten die rote Nationalflagge der Türkei
und forderten den Rücktritt der Regierung. Das Militär, das
die Grabstätte bewacht, zählte 126.500 Menschen, die
zeitweise die Gedenkstätte betraten. Rund 35 Organisationen hatten
zu der Protestkundgebung aufgerufen, darunter mehrere
Frauenorganisationen. Auch das Militär, dass sich traditionell als
Hüter der Trennung von Staat und Religion versteht, hat bereits
Protest gegen den Gesetzesentwurf eingelegt. Hochschulrektoren
fürchten Chaos und Zusammenstöße an ihren
Universitäten, sollte das Kopftuchverbot fallen.
Das Gesetz, dass die AKP am Freitag im Parlament vorstellte, sieht die
Abschaffung des strikten Kopftuchverbots an türkischen
Universitäten vor. Demnach darf künftig das traditionelle
türkische Kopftuch, das unter dem Kinn geknotet wird, an den
Hochschulen getragen werden. Ganzkörperverschleierungen sollen
aber verboten bleiben. Das Parlament soll in der kommenden Woche
über den Text abstimmen.
Die AKP und die nationalistische Oppositionspartei MHP wollen
dafür die Artikel 10 und 42 der türkischen Verfassung
ändern, in denen das Gleichheitsprinzip und das Recht auf Bildung
behandelt wird. Die Verfassungsänderungen sollen klarstellen, dass
niemand aufgrund seiner Kleidung von der Hochschulbildung
ausgeschlossen werden darf. Die AKP und die MHP verfügen im
Parlament über die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit, um die
Gesetzesreform durchzusetzen.
Der türkische Außenminister Ali Babacan warb mit Blick auf
einen möglichen EU-Beitritt seines Landes für die
Gesetzesreform. "Die Türkei ist ein Land, das vorwärts gehen
sollte im Bereich der Rechtsprechung und der Meinungsfreiheit", sagte
Babacan vor Journalisten. Die Demonstrationen würden dem Ansehen
der Türkei im Ausland hingegen nur schaden. Ankara hat 2005
Beitrittsverhandlungen mit der EU aufgenommen.
(Quelle: afp)
Hessen: SPD-Spitzenkandidatin Ypsilanti wirbt weiter um die FDP -
Absage an Linke steht
So.03.02.08 - Die hessische SPD-Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti wirbt weiter
für ein Bündnis mit der FDP.
Es gebe eine Reihen von Anknüpfungspunkten mit den Liberalen,
sagte Ypsilanti der "Bild am Sonntag" laut Vorabbericht. "Nur ein
Beispiel: Unser Energieprogramm hilft dem Mittelstand und schafft
Zehntausende von Arbeitsplätzen." Die FDP müsse sich
überlegen, ob sie Ministerpräsident Roland Koch (CDU) zu einer
Verlängerung seiner Amtszeit verhelfen wolle. Eine Allianz mit der
Linkspartei lehnte sie erneut ab: "Ich bleibe dabei, dass es kein
Bündnis mit der Linken geben wird", betonte Ypsilanti.
Aus der Hessen-Wahl sind CDU und SPD fast gleich stark hervorgegangen.
Die SPD setzt auf eine Ampelkoalition mit Grünen und FDP, die die
Liberalen aber bislang abgelehnt haben. Koch könnte ebenfalls mit
FDP und Grünen regieren, was aber die Grünen nicht machen
wollen. Eine große Koalition trifft bei CDU und SPD auf
große Vorbehalte.
(Quelle: rtr)
Sager hält bei Patt in Hamburg auch Schwarz-Grün für
denkbar
So.03.02.08 - Die stellvertretende Fraktionschefin der Grünen im Bundestag,
Krista Sager, hat ein schwarz-grünes Bündnis nach der
Landtagswahl in Hamburg nicht ausgeschlossen. Sie gehe zwar "fest" von
Rot-Grün aus, sagte Sager der "Berliner Zeitung". "Sollten in
Hamburg aber entgegen meiner Erwartung ähnlich wie jetzt in Hessen
keine klaren politischen Verhältnisse herrschen, dann darf es
keinen Automatismus hin zu einer großen Koalition geben." Einem
Gespräch mit CDU-Bürgermeister Ole von Beust würden sich
die Grünen dann nicht verweigern. "Das ist eine Frage des
Demokratieverständnisses", sagte Sager.
Sager stellte klar, dass ein solches Bündnis wegen Differenzen
etwa in der Umwelt- oder Bildungspolitik "sehr, sehr schwierig" sei. "Es
liegt in unserer Verantwortung, zukünftig auch auf komplizierte
Wahlergebnisse eine Antwort zu finden", sagte sie weiter. "Auf immer
nur einmauern wie in Hessen geht nicht."
Auf Bundesebene befürwortet die Grünen-Politikerin eine
Öffnung ihrer Partei für neue Bündnisse. "Die Ampel ist
als Dreierbündnis am realistischsten", sagte sie. Allerdings
müsse sich die FDP dazu bewegen und sich stärker auf ihre
bürgerrechtliche Tradition besinnen. Auch die Linken dürften
auf Dauer nicht als "Schmuddelkinder" behandelt werden. Die
Möglichkeit von Bündnissen mit den Linken müssten in
jedem Einzelfall geprüft werden.
(Quelle: afp)
Koch: Habe der CDU mit meinem Wahlkampf geschadet
So.03.02.08 - Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) hat erstmals offen
eingestanden, der CDU mit seinen Wahlkampf-Äußerungen zur
Jugendkriminalität geschadet zu haben. "Dass ich Teile der
Wähler, die der Union zugeneigt sind, irritiert habe, weil sie
glauben konnten, dass ein Thema nur zu Wahlkampfzwecken genutzt wurde,
hat mir persönlich geschadet, und es hat auch der CDU geschadet",
sagte Koch der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Gleichzeitig
bekräftigte Koch seinen Regierungsanspruch, zur Not werde er auch
ohne Mehrheit weiterregieren.
Koch führte die großen Stimmenverluste für seine Partei
bei der Landtagswahl am vergangenen Sonntag auch auf eigene Fehler
zurück. So habe er die Reaktion der SPD falsch eingeschätzt.
Ihr sei es gelungen, "den Eindruck zu erwecken, der Koch redet nur
über dieses Thema, weil Wahlkampf ist". Gleichwohl
bekräftigte Koch, es müsse über die "Gewaltbereitschaft"
ausländischer Jugendlicher gesprochen werden. Überlegungen,
sein Amt niederzulegen, wies Koch zurück.
Der CDU-Politiker erhob erneut Anspruch auf die Regierungsbildung und
forderte die SPD zu Gesprächen auf. Zugleich kündigte der
49-Jährige an, notfalls auch ohne eigene parlamentarische Mehrheit
weiterzuregieren. Wenn keine Mehrheit jenseits der CDU zustande komme,
sei er "derjenige, der einen aus der Verfassung erwachsenen Dienst
leistet und dieses Land für eine Übergangszeit
weiterführt". Anfang der 80er Jahre hatte Holger Börner (SPD)
als geschäftsführender Ministerpräsident Hessen fast
zwei Jahre ohne eigene Mehrheit regiert.
Der stellvertretende CDU-Vorsitzende Christian Wulff forderte die
hessische SPD-Vorsitzende Andrea Ypsilanti auf, in eine große
Koalition unter Koch einzuwilligen. Es sei "unverantwortlich, wenn die
hessische SPD eine große Koalition ausschließt und
stattdessen auf eine irgendwie geartete Zusammenarbeit mit der
Linkspartei spekuliert", sagte Wulff der "Bild am Sonntag". Ypsilanti
habe "eine Wahrnehmungsblockade wie Gerhard Schröder nach seiner
verlorenen Bundestagswahl 2005".
(Quelle: afp)
Union auf Profilsuche
So.03.02.08 - Die Union streitet nach den zum Teil erheblichen Verlusten bei den
Landtagswahlen in Hessen und Niedersachsen über die künftige
politische Ausrichtung. Nachdem CDU-Politiker ein schärferes
soziales Profil ihrer Partei als Reaktion auf die Gewinne der Linken
angemahnt hatten, sah CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer
«keinerlei Korrekturbedarf beim Kurs der CSU». Allerdings
zeigten die Ergebnisse von Wiesbaden und Hannover nach Ansicht von
Ramsauer auch, dass sich das bürgerliche Lager in der Union nicht
hinreichend wiederfinde.
Der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) warnte indes
seine Partei vor einem Identitätsverlust. Die CDU müsse
darauf achten, aus Verzweiflung über Wahlergebnisse nicht jegliche
Identität zu verwischen, sagte er.
Das Wahldebakel in Hessen und der Streit um Kochs Wahlkampf hat die
Union deutlich an Zustimmung in der Bevölkerung gekostet. So
kämen einer am Samstag veröffentlichten Forsa-Umftrage
zufolge CDU und CSU nur noch auf 35 Prozent, wenn an diesem Wochenende
ein neuer Bundestag gewählt würde. So schlecht stand die
Union nach Angaben von RTL, das die Umfrage in Auftrag gegeben hatte,
seit März 2007 nicht mehr da.
Auch vor diesem Hintergrund sprach sich Bayerns Europaminister Markus
Söder (CSU) für klare Worte ohne Überspitzung aus. Bei
der «Richtungswahl» im kommenden Jahr sei es
«zentrale Aufgabe», den Bürgern den Unterschied
«zwischen der Mitte der Vernunft und dem neo-sozialistischen
Block klar zu machen». Doch taugten weder der Wahlkampf in Hessen
noch der in Niedersachsen als «Lehrstück für die
Bundestagswahl 2009». Ziel sei es, im Bund ohne die SPD zu
regieren.
CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer erteilte jedoch Söders
Überlegungen eine klare Absage, auch für ein Bündnis mit
den Grünen offen zu sein. Auf ihrem letzten Parteitag hätten
die Grünen ein 60-Milliarden-Sozialprogramm und die Abkehr von
einer pragmatischen Außenpolitik beschlossen, sagte Ramsauer.
«Solche Grünen halte ich auf ganz lange Dauer für uns
als Union für koalitionsunfähig.»
Niedersachsen Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) sieht nicht
die Union, sondern die SPD in der Pflicht, auf die Erfolge der
Linkspartei zu reagieren. Mit dem Linksruck von Parteichef Kurt Beck
habe die Sozialdemokratie bei den Landtagswahlen «in
Niedersachsen ihr schlechtestes und in Hessen ihr zweitschlechtestes
Ergebnis seit Gründung der Bundesrepublik eingefahren»,
sagte er. Daher wäre die SPD gut beraten, nicht den Reformkurs des
früheren Bundeskanzlers Gerhard Schröder (SPD) aufzugeben.
(Quelle: ddp)
Union blockiert Wahl Dreiers zum Vizepräsidenten des
Bundesverfassungsgerichts
So.03.02.08 - Der von der SPD als neuer Vizepräsident des
Bundesverfassungsgerichts vorgeschlagene Rechtsprofessor Horst Dreier
wird aller Voraussicht nach nicht gewählt. Ein entsprechender
Bericht der «Welt» wurde der Deutschen Presse-Agentur dpa am
Freitag von Länderseite bestätigt.
Bei den unionsgeführten Ländern stoße der
Würzburger Hochschullehrer wegen seiner relativierenden Haltung zum
Folterverbot sowie seinem Eintreten für eine Liberalisierung beim
Embryonenschutz auf einhellige Ablehnung, hieß es. Wegen der
erforderlichen Zwei-Drittel-Mehrheit bei der Wahl im Bundesrat kann der
Kandidat nicht gegen den Widerstand der Unionsländer durchgesetzt
werden.
Dreier sollte Mitte Februar zum Nachfolger des Ende des Monats
ausscheidenden Winfried Hassemer gewählt werden. In zwei Jahren
wäre er - nach dem Ausscheiden von Hans-Jürgen Papier - aller
Voraussicht nach zum Präsidenten des Karlsruher Gerichts
aufgerückt.
Auslöser der ungewöhnlichen Intervention der Union ist
Dreiers Haltung zur in Artikel 1 Grundgesetz geschützten
Menschenwürde - ein Grundrecht, das nach herrschender Meinung nicht
gegen andere Grundrechte abgewogen werden kann. In seinem
Grundgesetzkommentar hält Dreier beispielsweise bei
Entführungsfällen, in denen der Täter in Polizeigewalt
ist und den Aufenthalt des Opfers verschweigt, eine
«rechtfertigende Pflichtenkollision» für möglich -
was einer Aufweichung des Folterverbots gleichkommt. Als Mitglied im
Nationalen Ethikrat hat er sich zudem für eine Liberalisierung des
Embryonenschutzgesetzes eingesetzt.
Der für Bioethik zuständige CDU-Abgeordnete Hubert Hüppe
warnte deshalb am Donnerstag von einem «radikalen
Kurswechsel». Kritik kam am Freitag auch von der Linken.
«Wer wie Dreier das Folterverbot relativiert, hat sich für
das Amt eines Verfassungsrichters disqualifiziert und in diesem nichts
zu suchen», sagte der Rechtspolitiker Wolfgang Neskovic.
Ähnlich äußerte sich Amnesty International, ein Richter,
der den Schutz der Menschenwürde nicht eindeutig verteidige, sei
für das Amt nicht geeignet.
(Quelle: dpa)
Mysteriöser Einbruch bei Bundesjustizministerin Zypries
So.03.02.08 - Unbekannte Diebe haben aus der Berliner Wohnung von Brigitte Zypries
(SPD) zwei Laptops gestohlen. Wie die "Berliner Morgenpost" berichtet,
entdeckte das Landeskriminalamt keine Spuren eines gewaltsamen
Einbruchs. Den Einbruch habe die Ministerin deshalb auch erst Tage
später bemerkt. Ein Ermittler sprach von einer "chirurgischen Tat",
bei der es Profis offenbar gezielt auf die elektronischen Daten der
Politikerin abgesehen hatten. Allerdings sollen sich auf den beiden
Computern keine brisanten Daten befunden haben.
"Ein Einbruch bei einer solch einflussreichen Frau wird nicht aus einer
Laune heraus begangen", sagte ein Beamter dem Blatt. Er schloss nicht
aus, "dass es sich um eine politisch motivierte Tat handelt". Die
Ermittler rechneten nicht damit, dass die beiden Geräte wieder
auftauchen.
Zum Zeitpunkt des Einbruchs soll die Wohnung von Brigitte Zypries
unbewacht gewesen sein, die Ministerin befand sich laut dem Blatt nicht
zu Hause. Die Ermittlungen der Kriminalpolizei dauerten an.
(Quelle: afp)
Mieterbund: Deutsche zahlen 250 Millionen Euro Miete zu viel
So.03.02.08 - Mieter zahlen einem Medienbericht zufolge jedes Jahr rund 250 Millionen
Euro zu viel an ihre Vermieter. Das berichtet die
«Bild»-Zeitung (Samstagausgabe) unter Berufung auf
Berechnungen des Deutsche Mieterbundes (DMB). «Zu viele Mieter
akzeptieren die Mieterhöhungsforderungen der Vermieter anstandslos,
anstatt sie vorher auf Rechtmäßigkeit zu
überprüfen», sagte Mieterbund-Sprecher Ulrich Ropertz.
Und das könne teuer werden. Denn jede dritte der jährlich drei
Millionen verschickten Mieterhöhungen sei nach den Erhebungen der
örtlichen Mietervereine fehlerhaft.
(Quelle: ddp)
Klimaschutz
Erster Start von Passagierjet mit Öko-Sprit
So.03.02.08 - Zum ersten Mal hat ein Passagierjet mit Biotreibstoff abgehoben. Ein
Airbus-Superjumbo A380 flog am Freitag in drei Stunden von Filton in
Großbritannien ins französische Toulouse. Im Tank: Ein aus
Erdgas gewonnener synthetischer Flüssigkraftstoff, sogenanntes GTL,
Gas-to-Liquids (dt. gasförmig zu flüssig).
Der Test sei der erste Schritt zur Erforschung synthetischer
Kraftstoffe als Alternative für Kerosin, teilte Airbus mit.
US-Konkurrent Boeing plant einen vergleichbaren Test für kommenden
Monat. Wegen des Klimawandels ist die Luftfahrtindustrie unter
erheblichen Druck geraten, ihre CO2-Emissionen zu senken. GTL ist
umweltfreundlicher Kraftstoff und kann auch aus nachwachsenden
Rohstoffen erzeugt werden.
Eines der vier A380-Triebwerke wurde am Freitag mit dem synthetischen
Kraftstoff gefüllt, die übrigen mit herkömmlichem Kerosin
aus Mineralöl. Schon in naher Zukunft könnten GTL-Treibstoffe
als Alternative für Kerosin an bestimmten Orten zur Verfügung
stehen, teilte Airbus mit. Einer der Vorteile: Sie sind frei von
Schwefel.
«Die Kraftstoff- und Umweltfrage ist für die Luftfahrt heute
eine wesentliche Herausforderung», sagte Airbus-Chef Thoma
(Quelle: ap)