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Irak am 1413ten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Türkei bombardiert kurdische Rebellen im Nordirak. US-Armee hat
nach eigenen Angaben neun irakische Zivilisten versehentlich
erschossen. UN buchen Millionen aus
Öl-für-Lebensmittelprogramm für Irak um
Di.05.02.08 - Die türkische Luftwaffe hat am Montag mutmaßliche Stellungen
kurdischer Rebellen im Nordirak bombardiert.
Der gut 13 Stunden währende Einsatz sei gegen 70 Ziele gerichtet
gewesen, teilte der türkische Generalstab mit. Es war die seit
Wochen größte Angriffswelle auf Ziele im Nachbarland. Das
Militär erklärte, es seien nur bestätigte Stellungen von
Kämpfern der Arbeiterpartei PKK angegriffen worden. Die Luftwaffe
sei bestrebt gewesen, die Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung so
gering wie möglich zu halten.
Ein ranghoher irakischer Grenzschützer berichtete, fünf
Kampfjets hätten Angriffe auf drei Dörfer geflogen. Über
das Ausmaß der Zerstörung machte der Sicherheitsbeamte keine
Angaben. Der Angriff habe den Dörfern Chunera, Chwa Kurk und
Berkum direkt hinter der irakischen Grenze gegolten. Die Türkei
vermutet rund 3000 Kämpfer der PKK in der Bergregion im Norden des
Nachbarlandes.
In den vergangenen Monaten hat die Türkei wiederholt Ziele im
Nordirak angegriffen. Bis zu 100.000 türkische Soldaten sind in
Grenzregion zusammengezogen. Ankara macht die Rebellengruppe, die seit
1984 für einen eigenständigen Staat im Südosten der
Türkei kämpft, für den Tod von rund 40.000 Menschen
verantwortlich.
Die US-Armee hat bei einem Einsatz im Irak eigenen Angaben zufolge
versehentlich neun Zivilisten erschossen, darunter ein Kind.
Zwei weitere Kinder sowie ein Erwachsener wurden bei dem Zwischenfall
40 Kilometer südlich der Hauptstadt Bagdad verletzt und zur
Behandlung in ein US-Militärkrankenhaus gebracht, wie das
US-Militär am Montag erklärte. Demnach ereignete sich der
Vorfall bereits am Samstag bei einem Einsatz gegen
Al-Kaida-Kämpfer. Nach Polizeiangaben feuerte dabei ein
US-Kampfhubschrauber auf einen Kontrollpunkt lokaler
Sicherheitskräfte.
Die Vereinten Nationen haben 161 Millionen US-Dollar (108 Millionen
Euro) aus dem Programm Öl für Lebensmittel an das
Irak-Entwicklungsprogramm übertragen. Die Summe sei bereits im
Januar umgebucht worden, erklärte UN-Generalsekretär Ban Ki
Moon. Dem Irak-Programm sollten weitere «lastenfreie Fonds»
zugute kommen, kündigte Ban in einem Schreiben an den
Weltsicherheitsrat am Montag an. Das
Öl-für-Lebensmittelprogramm mit einer Laufzeit von 1996 bis
2003 sollte es dem Regime von Saddam Hussein ermöglichen, trotz
der nach dem Golfkrieg 1991 erhängten Sanktionen begrenzte Mengen
von Öl zu exportieren, um Lebensmittel und Medikamente für
die irakische Bevölkerung zu kaufen. Dabei kam es jedoch zu
massiver Korruption.
boa (Quellen: rtr, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 05.02.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am neunhunderteinundfünfzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Bush will 2009 eine halbe Billion Dollar für
US-Militär - Fast alle Sozialprogramme sollen eingefroren und
einige gekürzt werden
Di.05.02.08 - US-Präsident George W. Bush will den Verteidigungshaushalt seines
Landes um 7,5 Prozent auf mehr als eine halbe Billion Dollar
erhöhen.
Darin seien noch nicht die Kosten für die Konflikte in Afghanistan
und dem Irak erhalten, hieß es in dem am Montag vorgelegten
Entwurf. Für die Kriege beantragt der Präsident zunächst
70 Milliarden Dollar für einen Teil von 2009. Fast alle
Sozialprogramme des Bundes sollten im Gegenzug eingefroren und einige
gekürzt werden. Das Defizit dürfte etwas mehr als 400
Milliarden Dollar betragen. Insgesamt hat der Entwurf einen Umfang von
drei Billionen Dollar.
Der Entwurf des Präsidenten bildet in den USA den Auftakt zu den
Haushaltsverhandlungen. Die Finanzhoheit hat jedoch der Kongress. Da
dieser von den Demokraten beherrscht wird, wird erwartet, dass viele -
wenn nicht alle - der Prioritäten Bushs abgelehnt werden. In den
USA erheben Bund, Land und Kommune getrennt von einander Steuern. Ein
großer Teil der Sozial- und Bildungsprogramme wird von den
Bundesstaaten finanziert.
Insgesamt ist in Bushs Vorlage ein Grundbetrag von 515,4 Milliarden
Dollar für das Militär vorgesehen. Davon sollten 184
Milliarden in eine Modernisierung der Streitkräfte und 20
Milliarden in eine Vergrößerung des Heeres und der
Marineinfanterie fließen. Diese beiden Teile der Armee sind in
Afghanistan und dem Irak den schwersten Belastungen ausgesetzt.
Das Defizit würde mit 410 Milliarden Dollar mehr als doppelt so
groß sein wie 2007, als es 163 Milliarden Dollar betrug. Er
bliebe damit jedoch unter den 413 Milliarden Dollar im Jahr 2004, der
nach der Summe bislang höchst Wert der Geschichte. Die Regierung
hat betont, dass die Defizite in den kommenden Jahren etwa 2,8 Prozent
des Bruttoinlandsprodukts (BIP) entsprechen und damit nahe dem
historischen Durchschnitt liegen dürften.
(Quelle: rtr)
Kontroverse Debatte in Deutschland um Afghanistaneinsatz
Di.05.02.08 - Die Debatte um eine Ausweitung des Bundeswehreinsatzes in Afghanistan
geht kontrovers weiter. Nach Meinung des SPD-Politikers Hans-Ulrich
Klose müssen Kampfeinsätze der Bundeswehr in ganz Afghanistan
möglich sein.
Klose, der stellvertretender Vorsitzender des Auswärtigen
Ausschusses im Bundestag ist, sagte der «Bild»-Zeitung:
«Deutschland sollte die Quick Reaction Force übernehmen und
sie stark genug machen, dass sie im Notfall in ganz Afghanistan
eingesetzt werden kann - auch im Süden. Es kann durchaus
Situationen geben, in denen es unvermeidbar ist, zu kämpfen.»
Die NATO sei eine Allianz, die auf Solidarität aufbaue, so Klose
weiter: «Das bedeutet: Jeder trägt das gleiche Risiko.»
Die Forderung von NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer nach
einer Ausweitung des Bundeswehreinsatzes auf den Süden Afghanistans
stößt in der Union weiterhin auf Ablehnung. «Um eine
Überdehnung und Überforderung der Bundeswehr
auszuschließen, muss der Einsatz auf den Norden begrenzt
bleiben», sagte der Vize-Fraktionsvorsitzende Andreas Schockenhoff
(CDU) der «Berliner Zeitung». Zwar müsse sich die NATO
stärker in Afghanistan engagieren. «Das gilt nicht nur
für den Süden, sondern auch für den Norden»,
betonte der CDU-Politiker.
Gleichzeitig sagte er Unterstützung für die Entsendung eines
Kampfverbandes zu: «Die Bundeswehr ist bereit, sich im Norden
stärker zu engagieren.» Sie sei dort auf Kampfeinsätze
vorbereitet.
Die FDP-Verteidigungspolitikerin Birgit Homburger warf in der
«Berliner Zeitung» de Hoop Scheffer vor, die Debatte
anzuheizen. Eine Ausdehnung des Bundeswehrmandats auf den Süden
lehnte auch sie ab. «Ich erwarte, dass die Bundesregierung auf der
NATO-Tagung die Forderung selbstbewusst zurückweist.»
Homburger verwies darauf, dass die Bundeswehr den ISAF-Einsatz über
den Norden hinaus bereits mit Tornados und mit Lufttransporten
unterstützt. Homburger bezeichnete Hinweise auf
Ausrüstungsmängel der Bundeswehr in Afghanistan als ernst zu
nehmen. «Ich erwarte, dass (Verteidigungsminister Josef) Jung im
Verteidigungsausschuss klare Antworten gibt», sagte sie der
Zeitung.
Die «Bild»-Zeitung zitierte einen ehemaligen General des
deutschen Heeres, der anonym bleiben will. Er sagte nach Angaben des
Blattes: «Wir konsumieren hier Sicherheit, die uns die Amerikaner
mit Ihrem Machtanspruch garantieren. Mir wird schlecht, wenn ich sehe,
wie Deutschland sich in Afghanistan drückt!»
(Quelle: dpa)
Zehn Tote bei Angriffen in Afghanistan
Di.05.02.08 - Bei Angriffen afghanischer und ausländischer Truppen auf
Wohnhäuser mutmaßlicher Talibankämpfer sind am Montag
nach Polizeiangaben zehn Menschen getötet worden, darunter Frauen
und Kinder. Allein bei einem Angriff auf ein Haus im Bezirk Bakwa in der
westafghanischen Provinz Farah kamen neun Menschen ums Leben. Unter den
Toten waren zwei Frauen und zwei Kinder, wie Polizeichef Chan Agha
sagte. Der mutmaßliche Talibankämpfer Mullah Manan, dem die
Aktion galt, entkam. In der Provinz Helmand in der Nähe der Stadt
Laschkar Gah stürmten ausländische Truppen das Haus eines
weiteren Taliban-Verdächtigen. Der Mann wurde nach Angaben von
Polizeichef Mohammad Hussein Andiwal getötet, seine
achtjährige Tochter verletzt.
(Quelle: ap)
Neun Tote bei Anschlag in Pakistan
Di.05.02.08 - Zwei Wochen vor der Parlamentswahl in Pakistan hat ein
Selbstmordattentäter in der Nähe des Armee-Hauptquartiers in
Rawalpindi mindestens acht Menschen mit in den Tod gerissen.
Mehr als 30 Menschen wurden am Montag in der Garnisonsstadt verletzt,
als ein Attentäter auf einem Motorrad einen Bus der
Streitkräfte rammte und sich in die Luft sprengte. Ein
Polizeioffizier, der nicht namentlich genannt werden wollte, sagte,
unter den Toten seien drei Armeeoffiziere, drei Soldaten und zwei
Zivilisten. Rawalpindi liegt neben der Hauptstadt Islamabad. In Pakistan
soll am 18. Februar ein neues Parlament gewählt werden.
Sicherheitskräfte riegelten den Tatort am Haupteingang zum
Gelände einer Teileinheit des Pionierkorps wenige hundert Meter vom
Armee- Hauptquartier weiträumig ab. Innenminister Hamid Nawaz
machte den Taliban-nahen Extremistenführer Baitullah Mehsud
für die Tat verantwortlich. Mehsud wird von der Regierung auch der
Mord an Oppositionsführerin Benazir Bhutto angelastet, die am 27.
Dezember bei einer Kundgebung ebenfalls in Rawalpindi getötet
worden war. Die Armee begann nach dem Mord an Bhutto eine Offensive
gegen Mehsuds Milizen im halbautonomen Stammesgebiet an der Grenze zu
Afghanistan, bei der zahlreiche Menschen ums Leben kamen.
(Quelle: dpa)
Nahost-Konflikt: Tote bei erstem Selbstmordanschlag in Israel seit
langem - Israelische Soldaten töten zwei Palästinenser im
Westjordanland
Di.05.02.08 - Beim ersten Selbstmordanschlag in Israel seit einem Jahr hat ein
Attentäter am Montag eine Frau mit in den Tod gerissen.
Ein Komplize wurde nach Angaben der Polizei von Sicherheitskräften
in einem Einkaufszentrum in der südisraelischen Wüstenstadt
Dimona erschossen, bevor er seine Sprengladung zünden konnte.
Rettungsdiensten zufolge wurden zehn Menschen verletzt. Zuletzt hatte
im Januar 2007 ein Selbstmordattentäter in Eilat drei Menschen
getötet.
Einer der Palästinenser erklärte in einem Abschiedsvideo, er
wolle mit seiner Aktion gegen die Abriegelung des Gazastreifens durch
Israel protestieren. Das Küstengebiet wird seit dem Sommer von der
radikal-islamischen Hamas beherrscht. Er hoffe, mit seiner Tat "die
Würde des palästinensischen Volkes wiederherstellen" zu
können, sagte der 20-jährige Loai Al-Aghwani und rief zur
Einheit zwischen der Hamas und der gemäßigten Fatah von
Präsident Mahmud Abbas auf.
Zu dem jüngsten Anschlag bekannten sich Palästinenserkreisen
aus dem Gazastreifen zufolge die "Armee von Palästina" der
Al-Aksa-Brigaden der Fatah und die Volksfront für die Befreiung
Palästinas (PFLP). Ein Fatah-Vertreter im Westjordanland bestritt
jedoch, dass die Al-Aksa-Brigaden in den Anschlag verwickelt seien. In
Rafah im Gazastreifen verteilten junge Fatah-Anhänger als Zeichen
der Freude über den Anschlag Blumen und Süßigkeiten.
Die radikalen Gruppen Hamas und Islamischer Dschihad würdigten des
Attentat als Schlag gegen die Besatzungsmacht Israel. In einem Vorort
von Dimona betreibt Israel seinen streng geheimen Atomreaktor, in dem
auch Kernwaffen hergestellt worden sein sollen.
Palästinenser-Präsident Abbas, der seit Januar
Friedensverhandlungen mit Israel führt, verurteilte den Anschlag,
äußerte sich aber auch kritisch zu israelischen
Militäraktionen in den den Palästinenser-Gebieten. Stunden
nach dem Attentat wurde bei einem israelischen Luftangriff im
Gazastreifen ein führender Vertreter der Volkswiderstands-Komitees
lebensgefährlich verletzt. Israel macht die militante Gruppe
für den fortdauernden Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen
verantwortlich.
Israelische Soldaten haben im besetzten Westjordanland zwei bewaffnete
Palästinenser erschossen.
Wie die Armee am Montag mitteilte, wurde ein weiterer
Palästinenser bei dem Vorfall in einem Dorf nahe der Stadt Dschenin
verletzt. Offenbar handelt es sich bei den Toten um zwei lokale
Anführer der Extremistenorganisation Islamischer Dschihad.
Israelische Truppen führen häufig Militäraktionen im
Westjordanland durch, um mutmaßliche Extremisten aufzuspüren.
boa (Quellen: afp, rtr)
Tausende flüchten nach Kämpfen aus Hauptstadt des Tschad
Di.05.02.08 - Nach den heftigen Kämpfen zwischen Rebellen und Regierungstruppen
im Tschad sind am Montagmorgen Tausende Zivilisten aus der Hauptstadt
N'Djamena geflüchtet.
Viele Menschen überquerten die Grenze nach Kamerun. Nach den
zweitägigen Gefechten um die Kontrolle über die Hauptstadt
blieb es am Montag zunächst ruhig. Einige Bewohner trauten sich
wieder auf die Straßen. Militärfahrzeuge fuhren durch die
Stadt. In einigen Straßen lagen Leichen. Die Regierung
erklärte, loyale Truppenverbände hätten die Rebellen aus
der Stadt getrieben. Die Aufständischen sprachen von einem
taktischen Rückzug. Demnach erwarten die Rebellen
Unterstützung durch weitere Kämpfer und Waffen.
(Quelle: rtr)
UN-Sicherheitsrat erlaubt militärische Hilfe für Tschads
Di.05.02.08 - Der UN-Sicherheitsrat hat den Rebellenangriff auf die Hauptstadt des
Tschads verurteilt und Mitgliedsländern erlaubt, der Regierung
N'Djamenas auch militärische Hilfe zu gewähren. Frankreich
erklärte jedoch am Montagabend, nicht direkt in die
Kampfhandlungen eingreifen zu wollen. «Wir wollen die
französischen Truppen nicht in einen höheren Alarmzustand
versetzen. Sie sollen auch keinen Militäreinsatz beginnen»,
sagte Außenminister Bernard Kouchner. Frankreich unterhält
in der ehemaligen Kolonie einen eigenen Militärstützpunkt.
Die wesentlichen Teile der Hauptstadt N'Djamena seien bereits wieder
unter der Kontrolle der Regierungstruppen, sagte Kouchner. Die
Kämpfe dauerten in dem zentralafrikanischen Land unterdessen den
dritten Tag in Folge an, wie eine Sprecherin des
UN-Flüchtlingshilfswerks in Genf, Helene Caux, mitteilte. Tausende
von Menschen flohen aus der Hauptstadt.
Am Wochenende wurden nach Angaben des Auswärtigen Amts in Berlin
auch 50 Deutsche aus dem zentralafrikanischen Land evakuiert. Auch der
deutsche Botschafter habe das Land verlassen und sei in die Hauptstadt
von Gabun, Libreville, ausgereist, erklärte ein Sprecher. Die USA
haben ihre diplomatische Vertretung im Land auch vorübergehend
aufgelöst. Bis auf vier zurückbleibende Mitarbeiter, darunter
der Botschafter Louis Nigro selbst, wurden alle Angestellten
ausgeflogen, die Flagge wurde eingeholt. Die Botschaft war am
Wochenende beschossen worden.
Die tschadische Regierung warf dem benachbarten Sudan vor, die
Rebellenoffensive zu unterstützen. Auch die USA und Frankreich
vermuteten eine sudanesische Verwicklung. «Warum passiert diese
Intervention jetzt?» fragte ein Berater des französischen
Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy, Claude Gucant, im
Rundfunksender Europe-1. «Es war der letzte Moment für den
Versuch des Sudans, vor der Ankunft der (EU-Schutztruppe) EUFOR das
Regime von (Präsident) Idriss Déby zu liquidieren.»
Kouchner sagte hingegen am Abend, er hoffe, dass die Truppe schon in
wenigen Tagen mit der Stationierung beginnen könne.
Die Rebellen hatten am Freitag von der sudanesischen Grenze kommend
N'Djamena erreicht. Am Samstag drangen sie in der Hauptstadt ein. Am
Sonntag gingen die Regierungstruppen zum Gegenangriff über. Ein
französischer Militärsprecher, Hauptmann Christophe Prazuck,
sagte, die Kämpfe seien sehr heftig und es würden schwere
Waffen eingesetzt. «Vermutlich wurden sehr viele Menschen
getötet und verwundet.»
Genaue Zahlen gab es nicht. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne
Grenzen teilte mit, sie habe 70 Verletzte behandelt, darunter sei nur
einer ein Kämpfer gewesen. Das tschadische Rote Kreuz habe ihr
mitgeteilt, Krankenhäuser in der Hauptstadt hätten rund 200
Verwundete aufgenommen.
Die EU verschob unterdessen die Stationierung der EUFOR-Truppe im
Tschad bis auf weiteres. Die Rebellen haben erklärt, sie
hätten am Sonntag den Grenzort Adre eingenommen, in dem die EUFOR
stationiert werden soll. Die tschadische Regierung erklärte, der
Angriff sei zurückgeschlagen worden. General Mahamat Ali Abdallah
Nassour sagte, sudanesische Soldaten seien bei dem Angriff auf Adre
beteiligt gewesen. Dies komme einer Kriegserklärung gleich. Der
tschadische Außenminister Amad Alla-Mi sagte: «Sudan will
nicht diese (EUFOR-) Truppe, weil diese ein Fenster zum Völkermord
in Darfur öffnen würde.»
Der sudanesische Außenamtssprecher Ali al Sadek wies eine
Beteiligung sudanesischer Truppen bei den Kämpfen im Tschad
zurück. «Wir betonen, dass der Sudan keine Seite in
irgendeiner Art unterstützt», sagte er am Sonntag.
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief alle Staaten in der Region
auf, die Unverletzlichkeit internationaler Grenzen zu respektieren. Er
sei sehr besorgt über die Entwicklung, die die ohnehin schon
schlechte humanitäre Lage von 285.000 Flüchtlingen und
180.000 Binnenvertriebenen im Tschad noch zu verschlimmern drohe.
(Quelle: ap)
Friedensverhandlungen in Kenia fortgesetzt
Di.05.02.08 - In Kenia haben Regierung und Opposition am Montag ihre
Friedensgespräche fortgesetzt. Beide Seiten kamen unter Vermittlung
des früheren UN-Generalsekretärs Kofi Annan in Nairobi
zusammen, nachdem sie sich am Freitag auf einen Friedensplan zu
Beilegung der Unruhen im Land geeinigt hatten. Ein Unterhändler der
Opposition von Raila Odinga erklärte, am Montag solle es um das
Schicksal der Menschen gehen, während am (morgigen) Dienstag der
Streit um den Ausgang der Präsidentenwahl im Mittelpunkt stehen
sollte.
Unterhändler William Ruto erklärte, seine Partei habe
Vertrauen in die Vermittlungsarbeit von Annan. «Wir haben die
Hoffnung, dass Annans Mission erfolgreich verlaufen wird, weil sie die
Unterstützung der internationalen Gemeinschaft hat.» Seine
Partei sei entschlossen, den Gesprächen eine Chance zu geben. In
der Nacht zum Montag wurden bei Gefechten im Westen des Landes wieder
sieben Menschen getötet. Angehörige der Volksgruppen Kisii und
Kalenjin hätten sich rund 250 Kilometer westlich von Nairobi
Gefechte geliefert, erklärten die Behörden.
Angesichts der anhaltenden Gewalt hatte Oppositionsführer Odinga
am Sonntag die Afrikanische Union zum Eingreifen aufgefordert.
«Die AU sollte Friedenstruppen schicken, weil die Gewalt in Kenia
entsetzlich ist», sagte Odinga am Sonntag in seinem Heimatdorf
Bondo der Nachrichtenagentur AP. Auslöser der Unruhen war der
umstrittene Ausgang der Präsidentenwahl vom 27. Dezember, die nach
offiziellen Angaben Amtsinhaber Mwai Kibaki für sich entschied.
(Quelle: ap)
Anschlagsserie in Sri Lanka reißt nicht ab
Di.05.02.08 - Bei einem erneuten Anschlag auf einen Bus mit Zivilisten sind am 60.
Unabhängigkeitstag Sri Lankas nach Angaben der Armee mindestens 14
Menschen getötet worden.
Mehrere Zivilisten seien am Montag bei der Explosion eines Sprengsatzes
am Straßenrand rund 280 Kilometer nördlich der Hauptstadt
Colombo verletzt worden, sagte Militärsprecher Udaya Nanayakkara.
Das Verteidigungsministerium machte die Tamilen-Rebellen der
Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) für die Tat verantwortlich.
Die Opfer gehörten der singhalesischen Bevölkerungsmehrheit
an.
Am Samstag waren in der Stadt Dambulla rund 150 Kilometer nördlich
von Colombo bei einem Anschlag auf einen Bus 20 Zivilisten getötet
worden. Am Sonntag hatte sich eine Selbstmordattentäterin auf dem
Hauptbahnhof in Colombo in die Luft gesprengt. Die Zahl der Toten
erhöhte sich am Montag auf 15, zwei Studenten sind ihren
Verletzungen erlegen. Mehr als 100 Menschen waren bei dem Anschlag
verletzt worden. Auch für die beiden Anschläge am Wochenende
hatte die Regierung die LTTE verantwortlich gemacht. Die
Tamilen-Rebellen äußerten sich wie üblich zu keiner der
Taten.
Nach den jüngsten Gewaltakten kündigte die Regierung erneut
einen militärischen Sieg über die LTTE an. Präsident
Mahinda Rajapakse sagte in seiner Ansprache zum 60.
Unabhängigkeitstag Sri Lankas am Montag in Colombo, die
«Terroristen» stünden vor einer beispiellosen
Niederlage in dem seit drei Jahrzehnten andauernden Konflikt.
«Die Niederlage der stärksten Terrororganisation der Welt
wäre auch ein Sieg für die Internationale
Gemeinschaft.» Der Unabhängigkeitstag wurde unter strengsten
Sicherheitsvorkehrungen begangen.
Um Anschlagsplanungen zu erschweren, waren am Montagvormittag die
Kurzmitteilungsdienste auf Handys ausgesetzt worden. Wenige Stunden vor
Beginn der Feierlichkeiten explodierte an einem Transformatorkasten
außerhalb der Hauptstadt Colombo ein kleinerer Sprengsatz. Nach
Angaben der Polizei wurde niemand getötet oder verletzt. In der
Nacht zu Montag hatte die Polizei außerhalb Colombos eine Mine an
einer Telefonzelle entdeckt und entschärft.
Die EU-Kommission reagierte schockiert auf die Anschlagserie.
EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner sagte in Brüssel:
«Ich verurteile diese Terroranschläge auf das Schärfste
(...).»
(Quelle: dpa)
Kroatien will EU-Beitritt bis Mitte 2009 aushandeln
Di.05.02.08 - Die Regierung Kroatiens will ihre Reformen vorantreiben, um Mitte
nächsten Jahres die Verhandlungen über einen Beitritt zur
Europäischen Union abzuschließen.
Alle Minister müssten mit Hochdruck an Reformen arbeiten, sagte
Ministerpräsident Ivo Sanader am Montag in Zagreb. "Ich bleibe
dabei, dass wir die Gespräche in der ersten Hälfte 2009
abschließen können." Mit dem Beitritt zur Union rechnet er
dann im Jahr 2011.
Kroatien verhandelt derzeit aber erst über 16 der insgesamt 33
Themenfelder, über die eine Einigung notwendig ist. Unter anderem
das Justizwesen, der öffentliche Sektor sowie die Renten- und
Sozialsysteme müssen angepasst werden. Auch hatte die EU in der
Vergangenheit kritisiert, die Korruption müsse stärker
bekämpft werden. Justizministerin Ana Lovrin sagte Reuters, sie
wolle bis zum Sommer einen Entwurf für die Justizreform vorlegen.
Doch die Gespräche mit Kroatien werden derzeit auch von dem
Konflikt über die Fischereischutzzone in der Adria
überschattet, die Zagreb im Januar verhängt hatte. Kroatien
hat diesen Schritt damit begründet, eine Überfischung des
Meeres verhindern zu wollen. Das soll vor allem Fischer aus Italien und
Slowenien fern halten. Die slowenische EU-Ratspräsidentschaft
bremse derzeit deshalb die Beitrittsgespräche hinter den Kulissen,
deutete Sanader an.
(Quelle: rtr)
EU-Rechtsstaatsmission für Kosovo ist auf dem Weg
Di.05.02.08 - Die Europäische Union hat kurz nach der Präsidentenwahl in
Serbien Diplomaten zufolge einen weiteren Schritt zur Entsendung von
Polizei- und Rechtsexperten in das Kosovo beschlossen.
Die 27 EU-Mitgliedsländer hätten dies in einem schriftlichen
Abstimmungsverfahren entschieden, hieß es von EU-Diplomaten am
Montag in Brüssel. Geplant ist, rund 1800 Polizisten, Juristen und
Verwaltungsfachleuten in das kurz vor der Unabhängigkeit stehende
Kosovo zu schicken. Sie sollen beim Aufbau rechtsstaatlicher Strukturen
helfen.
EU-Diplomaten sagten, es stehe noch kein Datum fest, ab wann die
Kräfte mobilisiert würden. Dazu muss zunächst der
Einsatzplan aufgestellt und ein endgültiger Beschluss über
den Start der Mission getroffen werden. Dies wäre möglich
beim nächsten Ratstreffen der EU-Außenminister oder
jederzeit per schriftlicher Abstimmung.
Das Kosovo will innerhalb der kommenden Wochen seine
Unabhängigkeit von Serbien gegen den Widerstand der Regierung in
Belgrad erklären. Die Abspaltung der mehrheitlich von Albanern
bewohnten Region war das wichtigste Thema im Wahlkampf um das
Präsidentenamt. Amtsinhaber Boris Tadic gewann die Stichwahl am
Sonntag mit knapper Mehrheit gegen den nationalistischen
Gegenkandidaten Tomislav Nikolic. Beide sind gegen die Loslösung
des Kosovo. Doch setzt die EU darauf, dass Tadic die zu erwartenden
politischen Spannungen besser im Zaum halten wird.
Während die EU-Länder die Polizei- und Justizmission auf
ihrem Gipfel im Dezember bereits einmütig unterstützten, sind
sie gespalten darüber, ob sie ein unabhängiges Kosovo
anerkennen. Die Mehrheit der Regierungen, darunter auch die deutsche,
haben Zustimmung signalisiert. Eine Handvoll EU-Staaten ist gegen
diesen Schritt, da sie es zum Teil mit nach Autonomie strebenden
Volksgruppen im eigenen Land zu tun haben. So bekräftigte der
Präsident Rumäniens, Traian Basescu, am Montag, sein Land
sage dazu Nein. Er hatte Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy zu
Gast, der erklärte, die Unabhängigkeit sei unvermeidlich.
Europa müsse vereint bleiben in dieser Frage.
Der CDU-Außenpolitiker Andreas Schockenhoff forderte erneut eine
rasche Anerkennung eines unabhängigen Kosovo. "Auch Serbien hat
ein Interesse, dass im Kosovo endlich ein zumindest einigermaßen
funktionierender Rechtsstaat entsteht", sagte er. Der
SPD-Außenexperte Walter Kolbow warnte dagegen vor einer
übereilten Unabhängigkeit. "Die Kosovo-Albaner sollten jetzt
Sensibilität im Umgang mit dem für sie günstigen
Wahlergebnis zeigen", sagte der Fraktionsvize der Nachrichtenagentur
Reuters. "Konkret bedeutet das, die Unabhängigkeit nicht im
Hauruckverfahren durchzusetzen."
(Quelle: rtr)
Knapper Sieg Tadics stellt Serbiens Koalition infrage
Di.05.02.08 - Der knappe Wahlsieg des pro-westlichen Präsidenten Boris Tadic in
Serbien gefährdet möglicherweise die dortige
Regierungskoalition und damit die Annäherung des Landes an die
Europäische Union.
Tadic entschied die Stichwahl gegen den Ultranationalisten Tomislav
Nikolic zwar mit 50,5 zu 47,8 Prozent für sich. Experten zufolge
ist sein geringer Vorsprung aber Ausdruck einer tiefen Spaltung der
serbischen Bevölkerung im Kosovo-Konflikt. Die Europäische
Union und Deutschland begrüßten am Montag den Erfolg des
Amtsinhabers. Ministerpräsident Vojislav Kostunica könnte nun
aber mit seinem Nein zu einem Abkommen mit der EU das
Regierungsbündnis in Belgrad zum Platzen bringen.
"Für die internationale Gemeinschaft ist es im Vorfeld der
Unabhängigkeit des Kosovo besser, dass Tadic gewonnen hat", sagte
der kroatische Experte Davor Gjenero zum Ergebnis der Stichwahl vom
Sonntag. Sehr problematisch sei dagegen die inner-serbische Situation.
"Dort gibt es wenig Reformkräfte, und eine Regierungskrise ist
damit so gut wie sicher." Tadics Demokratische Partei könne mit
vorgezogenen Parlamentswahlen, Kostunica mit einer Koalition mit
Nikolics Radikaler Partei drohen, ergänzte der Politikexperte
Djordje Vukadinovic.
Tadic lehnt zwar ebenso wie der für ein enges Bündnis mit
Russland eintretende Nikolic die Unabhängigkeit des Kosovo ab, in
dem die Serben die Wiege ihrer Nation sehen. Beide sind sich allerdings
uneins, wie sie auf die für die kommenden Wochen erwartete
Unabhängigkeitserklärung der südserbischen Provinz
reagieren sollen. Tadic hat wiederholt erklärt, er sehe trotz
Meinungsverschiedenheiten in der Kosovo-Frage die Zukunft des Landes in
der EU, die mehrheitlich ein unabhängiges Kosovo befürwortet.
Regierungschef Kostunica, der die Wiederwahl Tadics nicht
unterstützt hatte, befürwortet dagegen harte Reaktionen
einschließlich wirtschaftlicher Strafmaßnahmen gegen die
abtrünnige Provinz, die seit dem Krieg von 1999 von den Vereinten
Nationen verwaltet wird.
Ungeachtet der ungewissen Aussichten nahm Europa den Wahlsieg Tadics
mit großer Erleichterung auf. Der EU-Außenbeauftragte
Javier Solana sagte in Brüssel, Europa sei "sehr glücklich"
darüber, dass die Mehrheit der Serben offenkundig den Weg nach
Europa weitergehen wolle. Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso
erklärte: "Wir wollen Serbiens Fortschritt in Richtung
Europäische Union beschleunigen." Bundeskanzlerin Angela Merkel
schrieb in einem Glückwunschschreiben an Tadic, mit seiner Wahl
habe das serbische Volk "unterstrichen, dass es die Zukunft Serbiens in
Europa sieht". Außenminister Frank-Walter Steinmeier versprach,
Serbien bei seinem Reformkurs weiterhin aktiv zu unterstützen.
Die EU will nun nach Angaben von Erweiterungskommissar Olli Rehn am
Donnerstag ein Übergangsabkommen mit Serbien unterzeichnen. Mit
dem Angebot dieser Vereinbarung über Visa-Erleichterungen und
Freihandel hatte die Union wenige Tage vor der Wahl Tadic zu
unterstützen versucht. Das wichtigere Stabilisierungs- und
Assoziierungsabkommen (SAA), mit dem die Verhandlungen über einen
EU-Beitritt Serbiens offiziell starten würden, liegt aber weiter
auf Eis. Sein Abschluss hängt davon ab, ob das Land aus Sicht der
EU vollständig mit dem Internationalen Kriegsverbrechertribunal
für das ehemalige Jugoslawien zusammenarbeitet. Rehn sagte, das
SAA solle bald unterschrieben werden, zumindest noch im Laufe dieses
Jahres.
(Quelle: rtr)
Neuwahlen in Italien wahrscheinlich
Di.05.02.08 - In Italien zeichnen sich nach den gescheiterten
Vermittlungsbemühungen von Senatspräsident Franco Marini
Neuwahlen ab. Er habe im Parlament keine Mehrheit für die Bildung
einer Übergangsregierung gefunden, sagte Marini nach einem Treffen
mit Staatschef Giorgio Napolitano. Napolitano muss nun entscheiden, ob
er das Parlament auflöst und die Wähler vorzeitig an die
Urnen ruft. Nach dem Sturz der Mitte-links-Regierung von Romano Prodi
hatte Napolitano Marini damit beauftragt, eine Übergangsregierung
zu bilden, die eine Wahlrechtsreform ausarbeiten und umsetzen sollte.
Wann Napolitano seine Entscheidung über einen Weg aus der
politischen Krise in Italien bekannt geben wollte, wurde zunächst
nicht bekannt. Der Staatschef danke Marini für sein
"Verantwortungsbewusstsein" und habe dessen Bericht zur Kenntnis
genommen, hieß es in einer Erklärung aus dem
Präsidialamt. Der italienische Fernsehsender Sky TG 24 sprach von
einer mehrstündigen Bedenkzeit. Marini hatte in den vergangenen
vier Tagen in Beratungen mit allen politischen Parteien und zahlreichen
Vertretern der Zivilgesellschaft über die Bildung einer
Übergangsregierung gesprochen.
Der rechte Oppositionsführer Silvio Berlusconi lehnte die Bildung
einer Übergangsregierung im Gespräch mit Marini am Montag
jedoch erneut ab. Die beste Lösung sei, Italien durch vorgezogene
Neuwahlen eine Regierung zu geben, die sich "auf den Volkswillen
stützen und sofort handlungsfähig sein" könne, sagte er.
Eine Einigung mit Prodis Mitte-links-Bündnis sei "unmöglich".
Außerdem habe das derzeitige Wahlrecht, das seine Regierung 2005
verabschiedet habe, "gute Ergebnisse" erzielt. Jüngste Umfragen
sehen bei Neuwahlen die italienische Rechte mit 16 Prozentpunkten vor
den linken Parteien.
Der Chef der linksliberalen Demokratischen Partei, Walter Veltroni,
sprach sich dagegen für eine Übergangsregierung aus, die
binnen drei Monaten eine Wahlrechtsreform durchsetzen solle.
Rückendeckung erhielten Marini und Veltroni für diese
Forderung von Gewerkschaftern und Unternehmern.
Die Wahlrechtsreform soll die bisherige Zwei-Prozent-Hürde zum
Einzug ins Abgeordnetenhaus auf vier Prozent heraufsetzen. Im Senat
würde sie von vier auf acht Prozent verdoppelt. Derzeit sind im
Parlament 22 Parteien vertreten, was die Bildung stabiler Mehrheiten
erschwert. Wegen schwindender Mehrheiten war auch Prodi am 24. Januar
nach 20 Monaten Amtszeit zurückgetreten, nachdem er eine
Vertrauensabstimmung im Senat verloren hatte.
(Quelle: afp)
Frankreich will nach SocGen-Fall Banken stärker regulieren
Di.05.02.08 - Als Folge des Skandals bei der französischen Großbank
Societe Generale hat die französische Regierung eine stärkere
Regulierung des Sektors gefordert.
In einem am Montag vorgelegten Bericht hieß es, die
Banken-Kommission sollte härtere Strafen verhängen
können. Die Beziehungen zwischen den Banken und den
Überwachungsgremien müssten genauer ausgearbeitet werden.
Zudem müssten die internen Kontrollmechanismen bei Banken
gestärkt werden, erklärte das Wirtschaftsministerium.
In dem Bericht werde keine Schuld zugewiesen, hieß es. Die
Handelspositionen von SocGen seien professionell abgebaut und der Markt
sei ordnungsgemäß informiert worden.
(Quelle: rtr)
Deutschland
Manager kaufen verstärkt Aktien des eigenen Unternehmens
Di.05.02.08 - Zahlreiche Top-Manager in Deutschland haben die Börsenturbulenzen
der vergangenen beiden Wochen genutzt, um sich günstig mit Aktien
ihrer Unternehmen einzudecken.
Wie das «Handelsblatt» (Montag) berichtet, standen in dem
Zeitraum 133 Käufen von Vorständen, Aufsichtsräten sowie
deren Angehörigen aus den 160 Unternehmen des DAX, MDAX, TecDAX und
SDAX lediglich drei Verkäufe gegenüber.
Das gehe aus der neuesten Auswertung des Insider-Barometers hervor, das
vom Forschungsinstitut für Asset Management (Fifam) an der RWTH
Aachen alle zwei Wochen in Zusammenarbeit mit Commerzbank Private
Banking berechnet wird. Damit ist die Zahl der Insider-Käufe auf
den höchsten Stand seit der erstmaligen Veröffentlichung des
Insider-Barometers im Juni 2006 gestiegen.
Mit ihrem Kaufdrang stünden die Unternehmensinsider in deutlichem
Widerspruch zu den Aktienstrategen der Banken, schreibt das
«Handelsblatt» weiter. So hätten beispielsweise die
Analysten der WestLB erst am vergangenen Freitag ihre Gewinnerwartungen
für deutsche Unternehmen nach unten revidiert. Für Olaf Stotz,
der das Insider-Barometer beim Fifam berechnet, ist dies ein Beleg
dafür, dass die Manager vor allem auf die Entwicklung in ihren
Unternehmen und weniger auf konjunkturelle oder geopolitische Aspekte
schauen. «Stattdessen setzen sie auf ihren Wissensvorsprung
gegenüber gewöhnlichen Aktionären», sagte Stotz.
Mit dem Kauf eigener Aktien solle der Öffentlichkeit aber auch
Vertrauen in das Unternehmen signalisiert werden, hieß es in dem
Bericht weiter. Nach Commerzbank, E.ON, RWE und Hypo Real Estate
hätten so gleich sieben Siemens-Vorstände für insgesamt
5,5 Millionen Euro eigene Aktien erworben. Allein Vorstandschef Peter
Löscher kaufte in der vergangenen Woche für über vier
Millionen Euro Siemens- Papiere.
(Quelle: dpa)
Wirtschaftsverband VDMA fordert drastische Rentenkürzung
Di.05.02.08 - Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) fordert laut
einem Zeitungsbericht die drastische Kürzung der Renten auf ein
Grundniveau. Dies gehe aus einem Brief des Verbandes an Abgeordnete des
Deutschen Bundestags hervor, schreibt die «Bild»-Zeitung.
Der VDMA fordere darin «den Rückbau der gesetzlichen Rente
zu einer Grundsicherung». Der Staat müsse sich generell auf
die «Abdeckung von Grundrisiken» beschränken, zitiert
die Zeitung aus dem Schreiben.
Außerdem spreche sich der Verband für eine
«grundlegende Reform des Ökosteuerkonzepts» aus: Die
Steuer solle nicht mehr in die Rentenkasse fließen. Der VDMA
fordere die Große Koalition «mit Nachdruck» auf, die
günstige Wirtschaftslage für weitere, grundlegende Reformen
zu nutzen, heißt es laut dem Bericht in dem Brief.
(Quelle: ap)
SPD-Staatssekretär: Deutschland braucht einen Linksruck
Di.05.02.08 - In der Richtungsdebatte der SPD hat Umweltstaatssekretär Michael
Müller einen Linksrutsch gefordert.
"Unser Land braucht einen Linksruck, denn weltweit sind die
konservativen Konzepte gescheitert", erklärte Müller am Montag
in Berlin. Allerdings müsse es vor allem um eine stärkere
inhaltliche Auseinandersetzung gehen. "Die ganze Debatte der letzten
Tage zeigt, dass es um Vorurteile und alte Schablonen geht." Statt
über Inhalte zu sprechen, "werden falsche Kampflinien aufgemacht".
Nach der Landtagswahl in Hessen ist bei der SPD die Richtungsdebatte
wieder neu entbrannt. Parteivize und Außenminister Frank-Walter
Steinmeier sagte dem "Handelsblatt": "Unsere Wähler verlangen ein
Gesamtkonzept, nicht nur Sozialpolitik." Nur wenn die SPD auch für
die Millionen Leistungsträger in der Mitte der Gesellschaft Politik
macht, werde sie Erfolg haben. Zuvor hatten bereits Finanzminister Peer
Steinbrück und Brandenburgs Regierungschef Matthias Platzeck davor
gewarnt, aus dem Erfolg der Linken die falschen Schlüsse zu ziehen
und der Partei inhaltlich nachzulaufen.
(Quelle: rtr)
Unionsparteien: Weiterhin Kontroverse über künftigen Kurs -
Seehofer attackiert 'Neo-Liberale' in der Union und lehnt 'radikale
Reformen' als nicht mehrheitsfähig ab
Di.05.02.08 - In der Union wird angesichts der Wahlschlappe von Hessen und bundesweit
sinkender Umfragewerte weiterhin kontrovers über den künftigen
Kurs diskutiert.
Der stellvertretende CSU-Vorsitzende Horst Seehofer griff in der
«Süddeutschen Zeitung» Vertreter einer
wirtschaftsorientierten Linie in der Union an und lehnte «radikale
Reformen» als nicht mehrheitsfähig ab. Der
Bundesagrarminister sagte, die «neoliberalen
Radikalreformer» seien die «eigentlichen
Reformverhinderer». Eine stärkere Wirtschafts-Orientierung
gefährde die Mehrheitsfähigkeit der Union. Damit verschenke
die Union ein «riesiges Wählerpotenzial».
In der Medizin wende man Radikaloperationen nur bei schwerkranken
Patienten an, sagte Seehofer. «Aber es wird niemand behaupten
können, dass Deutschland ein schwerkranker Patient ist. Und deshalb
verbieten sich Radikaleingriffe und Totaloperationen.» Vehement
lehnte Seehofer das Kombilohn-Modell der Union als Alternative zum
Mindestlohn ab: «Ein Kombilohn statt eines Mindestlohns
würde aus dem Sozialstaat einen Sozialhilfestaat machen.» Er
wolle nicht, dass generell jeder Arbeitnehmer, der einen Lohn unterhalb
der Sozialhilfe erhalte, vom Staat eine Aufstockung bekomme. Damit seien
Unternehmen, die vernünftige Löhne bezahlten, «am
Schluss die Dummen».
Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) würde
künftig Wirtschaftsthemen in den Mittelpunkt der Wahlkämpfe
stellen. «Für mich ist die Konsequenz aus dem vergangenen
Wahlsonntag: Besonnenheit im Stil und in den Inhalten ein klares
wirtschaftspolitisches Profil - dann können CDU und FDP auch in
einem Fünf-Parteien-Parlament Mehrheiten erringen.»
Der CSU-Ehrenvorsitzende und frühere bayerische
Ministerpräsident Edmund Stoiber warnte die Union vor einem
Linksruck. «Es wäre ein schwerer Fehler, konservativ Denkende
an den Rand der Union zu drängen. Ich warne die Union vor jeder
kurzfristigen Verengung unseres breiten Spektrums», sagte er dem
«Münchner Merkur». Es könne sonst eine neue
Protestpartei rechts von CDU und CSU entstehen. Wenn CDU und CSU nicht
mehr über Ausländerkriminalität und Integrationsprobleme
sprächen, würden es künftig andere tun, sagte Stoiber
mit Blick auf die Wahlschlappe des hessischen
CDU-Ministerpräsidenten Roland Koch.
Stoiber kritisierte den Brief von 17 Unionspolitikern, in dem diese mit
Blick auf Koch gefordert hatten, das Thema Integration aus
künftigen Wahlkämpfen herauszuhalten. «Für mich ist
es feige, nach der Wahl auf Koch einzuhämmern.» Dies sei
«ein neuer Stil in der Union».
Eine Woche nach seinem Wahldebakel hatte Koch erstmals selbst konkrete
Fehler benannt. Zugleich warnte der CDU-Bundesvize seine Partei davor,
«aus Verzweiflung über Wahlergebnisse» jegliche
Identität zu verwischen. Die Union verliert einer Umfrage zufolge
inzwischen auch bundesweit an Unterstützung. Wäre am
Wochenende ein neuer Bundestag gewählt worden, hätten CDU und
CSU laut Forsa nur noch 35 Prozent bekommen. In der Vorwoche war die
Union noch auf 39 Prozent gekommen.
(Quelle: dpa)
SPD erwägt Kürzung der Kinderfreibeträge
Di.05.02.08 - Die SPD erwägt eine Kürzung der steuerlichen
Kinderfreibeträge und will stattdessen mehr Geld etwa in
Schulspeisungen stecken. Der Chef der zuständigen
SPD-Arbeitsgruppe, der niedersächsische Fraktionsvorsitzende
Wolfgang Jüttner, sagte der «Financial Times
Deutschland»: «Wir lassen prüfen, ob es
verfassungsrechtlich möglich ist, die Freibeträge für
Betreuungsleistungen zu modifizieren.»
Die SPD wolle einen Rechtsexperten mit der Prüfung beauftragen.
Die Kinderfreibeträge seien nicht mehr zeitgemäß, da
die Eltern durch den Ausbau der Kinderbetreuung die Eltern weniger
beansprucht würden, sagte Jüttner. Vom Kinderfreibetrag
profitieren eher Besserverdienende. Ab einem bestimmten Einkommen
begünstigt er mehr als das Kindergeld.
SPD-Generalsekretär Hubertus Heil relativierte die
Äußerungen Jüttners und sprach von
«verfrühten Debatten ohne ausreichende und verlässliche
Faktengrundlage». Zunächst müssten die Ergebnisse des
Existenzminimumsberichts abgewartet werden, der im Herbst vorliegen
soll. «Danach wird die Bundesregierung über den
Kinderfreibetrag und das Kindergeld entscheiden», erklärte
er.
Rosemarie Hein aus dem Parteivorstand der Linken monierte, dass in den
Genuss steuerlicher Absetzung ohnehin nur komme, wer genug Einkommen
hat und deshalb auch entsprechend hohe Steuern zahlt. «Damit
werden Kinder aus einkommensschwachen Elternhäusern
benachteiligt», klagte sie. Immerhin lebten heute bundesweit mehr
als 2,5 Millionen Kinder in Armut. Die Linke wolle deshalb alle
Sozialleistungen zusammenfassen und in eine Kindergrundsicherung
umwandeln.
Die familienpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Kerstin
Griese, sagte der «Financial Times Deutschland», eine
Kindergelderhöhung sei Politik mit der Gießkanne. In der
Regierungskoalition plädiert derzeit Familienministerin Ursula von
der Leyen für eine Erhöhung des Kindergeldes, trifft damit
auf den Widerstand von Finanzminister Peer Steinbrück.
Der steuerliche Kinderfreibetrag und das monatliche Kindergeld sind
gesetzlich eng miteinander verbunden. Wie bei Erwachsenen derjenige
Einkommensteil, der ihrem Existenzminimum entspricht, nicht besteuert
werden darf und durch den Grundfreibetrag steuerfrei gestellt wird,
muss elterliches Einkommen auch in der Höhe des Mindestbedarfs
eines Kindes steuerfrei gestellt werden. Dazu gibt es den steuerlichen
Kinderfreibetrag, dessen Höhe von zurzeit 5.808 Euro jährlich
dem Mindestbedarf eines Kindes an Unterhalt, Erziehung, Betreuung und
Ausbildung entspricht.
Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der FDP im Bundestag,
Carl-Ludwig Thiele, sagte, die Kürzung der steuerlichen
Kinderfreibeträge sei für die Politik nicht disponibel.
«Das Bundesverfassungsgericht hat unmissverständlich
klargestellt, dass jeder Bürger ein Anrecht darauf hat, das
Existenzminimum für sich und seine Kinder aus unversteuertem
Einkommen bestreiten zu können. Das ist keine Wohltat des Staates,
sondern ein Verfassungsanspruch der Bürger.» Die
Überlegungen in der SPD seien daher nichts als populistischer
Aktionismus, meinte er.
(Quelle: ap)
Union will Steuersenkungen zum Wahlkampfthema machen
Di.05.02.08 - Der finanzpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Otto
Bernhardt, drängt seine Partei zu einer Steuerreform. «Die
Union muss mit einem Steuersenkungskonzept in die Bundestagswahl 2009
ziehen», sagte der CDU-Politiker der «Rheinischen
Post» vom Montag. Die Entlastung müsse spätestens 2011
bei allen Beziehern mittlerer Einkommen ankommen, darunter besonders
den Facharbeitern.
Der stellvertretende Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Rainer
Brüderle, mahnte hingegen zu mehr Tempo. «Schwarz-Rot muss
jetzt die Steuern und Abgaben senken, bevor der Aufschwung vorbei ist.
Entlastungen am Sankt-Nimmerleins-Tag bringen niemanden etwas»,
sagte er dem «Express» aus Köln. Die Regierung
verspiele die Konjunktur, statt sie zu verstetigen.
«Mysteriöse Steuersenkungspläne in der Schublade sind
nichts anderes als Wählerverdummung», sagte er.
Der Präsident des Bundes der Steuerzahler, Karl Heinz Däke,
sagte zu der Diskussion: «Wir brauchen in der Tat eine
Einkommensteuerreform, die den Bürger entlastet.» Wichtig
sei, dass mehr Netto für den Steuerzahler rauskomme. Dazu
müsse der Steuertarif geändert werden, denn bei steigendem
Einkommen werde den Arbeitnehmern viel zu viel weggenommen, sagte er
dem «Express». «Ferner muss der Grundfreibetrag auf
8.000 Euro und der Betrag, ab dem der Spitzensteuersatz greift, von
52.000 Euro auf 60.000 Euro im Jahr angehoben werden. Diese Reform muss
jetzt vorbereitet und dann in mehreren Schritten realisiert
werden.» Kurzfristig seien allerdings schon jetzt Entlastungen
möglich: Der Solidaritätsbeitrag müsse gesenkt oder ganz
abgeschafft werden.
(Quelle: ap)
Politik pocht auf Entscheidung über Bahn-Privatisierung
Di.05.02.08 - Die Bundesregierung lässt sich beim umstrittenen Börsengang
der Bahn das Heft nicht aus der Hand nehmen.
"Die Entscheidung über eine Teilprivatisierung ist allein Sache
der politische Instanzen", sagte ein Sprecher des
Bundesverkehrsministeriums am Montag in Berlin. Einer Zeitung zufolge
macht der Konzernvorstand im Aufsichtsrat Druck, schon im Oktober die
Transportgesellschaften an die Börse zu bringen. Dem müsste
der Bundestag formal nicht zustimmen.
Der Koalitionsausschuss werde sich möglicherweise im März mit
dem Thema befassen, unterstrich der Ministeriumssprecher. Die Vertreter
des Bundes im Aufsichtsrat hätten sich stets an das Primat der
Politik gehalten und würden dies auch weiter tun.
Die "Financial Times Deutschland" berichtet, Bahn-Chef Hartmut Mehdorn
und Finanzvorstand Diethelm Sack hätten dem Präsidium des
Aufsichtsrates am Freitag einen Plan für eine Teilprivatisierung
im Oktober vorgelegt. "Die beiden machen Druck auf die
Entscheidungsträger", zitierte die Zeitung einen Aufsichtsrat. Ein
Bahn-Sprecher erklärte, zu Vorgängen in dem Kontrollgremium
würden keine Stellungnahmen abgegeben.
Allen politischen Unwägbarkeiten zum Trotz würde die
Teilprivatisierung von der Bahn unter Hochdruck vorbereitet, schrieb
die Zeitung. Bereits in Arbeit sei die Einrichtung eines Datenraumes,
in dem sich potenzielle Investoren detailliert über das
Unternehmen informieren können. Der verkehrspolitische Sprecher
der Grünen, Winfried Hermann, erklärte, einen Börsengang
ohne Einbeziehung des Bundestages dürfe es nicht geben: "Das
wäre eine Blamage für Koalition und Parlament."
Die Zeitung schrieb, Vorstand und Aufsichtsrat seien sich einig,
Bahnanteile nach dem Holding-Modell zu verkaufen. Demnach sollten
lediglich die Personenverkehrs- und die Logistiksparte gebündelt
als Transportkonzern an die Börse gebracht werden - und zwar bis
zu 49 Prozent der Unternehmensanteile. Die Mutterholding, die
Infrastruktur, das Schienennetz und die Bahnhöfe sollen demnach
vollständig in Bundesbesitz verbleiben.
(Quelle: rtr)
PISA-Chef warnt vor übereilten Änderungen an Schulstruktur
Di.05.02.08 - Der scheidende deutsche PISA-Chef Manfred Prenzel hat in der Debatte um
Veränderungen an der deutschen Schulstruktur vor "unüberlegten
Maßnahmen" gewarnt. "Unsere Erfahrungen zeigen, dass wir auch im
bestehenden System an Qualität gewinnen können", sagte
Prenzel der Tageszeitung "Die Welt" mit Blick auf die umstrittenen
Forderungen der hessischen SPD im Landtagswahlkampf. Die SPD will vor
allem die frühe Auswahl nach vier Jahren Grundschule
überwinden und strebt ein längeres gemeinsames Lernen bis zur
zehnten Klasse an.
Es gebe keine Garantie dafür, dass solch grundlegende
Strukturveränderungen allein positive Effekte hätten, sagte
Prenzel. Der Bildungsforscher mahnte zudem, den Leistungsgedanken in der
Bildung beizubehalten. "Wir müssen uns zwingend auf Leistungen und
Ergebnisse der Bildungsprozesse konzentrieren, wenn wir uns verbessern
wollen." Er könne nur davor warnen, sich von dem eingeschlagenen
Kurs zu verabschieden.
Prenzel zeigte sich auch "sehr skeptisch", ob andere Schulstrukturen
soziale Ungleichheiten im deutschen Bildungssystem beheben können.
Viel entscheidender sei, dass Schüler stärker individuell
gefördert würden.
(Quelle: afp)
Deutscher Kulturrat verurteilt 'mediale Brutalität' bei RTL
Di.05.02.08 - Der Deutsche Kulturrat hat scharfe Kritik an dem RTL-Sendeformat
"Deutschland sucht den Superstar" (DSDS) geäußert. Was in
diesen Sendungen an menschenverachtender Häme produziert werde, sei
durch keinen Quotenzwang zu rechtfertigen, erklärte Christian
Höppner vom Vorstand des Kulturrats am Sonntag in Berlin. Die
gezielte Erniedrigung durch eine entsprechende Regie offenbare ein
Maß an medialer Brutalität und gesellschaftspolitischer
Verantwortungslosigkeit, die er als Mitglied des RTL-Programmbeirates
nicht mehr akzeptieren könne, fügte er hinzu.
Fragwürdige Sendeformate seien keine Domäne der Privatsender
in Deutschland, so Höppner. Auch bei RTL gebe es gut gemachte
Sendungen, DSDS gehöre aber eindeutig nicht dazu. Die Lust an
Erniedrigung und grenzenlosem Voyeurismus breite sich in den
unterschiedlichsten medialen Plattfomen wie ein Krebsgeschwür aus,
erklärte Höppner. Solche Formen "medialer Massenverrohung"
blieben nicht ohne gesellschaftliche Folgen. RTL zeige sich in dieser
Frage allerdings beratungsresistent. Deshalb müssten Politik und
Verbände ihren Einfluss geltend machen, um die Entwicklung zu
stoppen.
(Quelle: epd)
Internet
Google attackiert Microsoft nach Mega-Offerte für Yahoo!
Di.05.02.08 - Nach dem milliardenschweren Übernahmeangebot des Softwareriesen
Microsoft für den Internet-Konzern Yahoo! hat der dadurch unter
Druck geratene Suchmaschinenriese Google schwere Bedenken angemeldet.
Die angestrebte Fusion werfe "beunruhigende Fragen" etwa zur Offenheit
des Internets und zu möglicherweise unrechtmäßigem
Einfluss im Web auf, warnte Googles Chef-Jurist David Drummond am
Sonntag. Entscheidungsträger in aller Welt müssten diese
Fragen stellen. Die Verbraucher verdienten befriedigende Antworten.
Microsoft wies die Vorwürfe zurück: Der geplante
Zusammenschluss mit Yahoo! werde bei Internet-Suche und Online-Werbung
für mehr Konkurrenz sorgen. "Die alternativen Szenarien führen
nur zu weniger Wettbewerb im Internet", hieß in einer
Stellungnahme des Konzerns vom Sonntag.
Mit der angestrebten Übernahme von Yahoo! im Wert von rund 45
Milliarden Dollar (30 Mrd Euro) will Microsoft die Dominanz von Google
(Mountain View/Kalifornien) bei der Online-Suche und der
Internet-Werbung brechen. Die Offerte erfolgte nicht einvernehmlich mit
Yahoo!. Entsprechende Vorschläge Microsofts hatte Yahoo! zuvor
abgelehnt. Die Übernahme wäre die bisher größte
innerhalb der Internet-Branche.
In einem in einem Web-Eintrag (Blog) von Google attackierte der oberste
Jurist den Konkurrenten Microsoft ungewöhnlich scharf mit Fragen:
"Könnte Microsoft nun versuchen, den gleichen unangemessenen und
unrechtmäßigen Einfluss über das Internet auszuüben
wie beim PC?", schrieb Drummond. "Könnte der Kauf von Yahoo!
Microsoft - trotz seiner Vorgeschichte von ernsthaften
Verstößen gegen Gesetze und Wettbewerbsrecht - erlauben,
unfaire Praktiken bei Browsern und Betriebssystemen auf das Internet
auszudehnen?"
Zwischen dem Softwareriesen und Wettbewerbshütern in den USA sowie
vor allem in Europa hatte es immer wieder schwere Differenzen gegeben.
Experten rechnen daher bisher am ehesten mit Widerstand in Europa.
Angesichts der Übermacht von Google bei der Online-Suche halten sie
aber grünes Licht der Behörden für gut möglich.
Googles Chef-Jurist warnte zudem, Microsoft und Yahoo! hätten
gemeinsam einen überwältigenden Anteil bei webbasierten
E-Mail- Postfächern sowie Online-Sofortnachrichten ("instant
messaging"). Sie würden auch die am meisten besuchten Web-Portale
betreiben.
Drummond kritisierte: "Microsoft strebte oftmals danach,
geschützte Monopole zu schaffen - und dann seine Dominanz in neuen,
benachbarten Märkten einzusetzen." Bei der geplanten
Übernahme gehe es um "die grundlegenden Prinzipien des Internets:
Offenheit und Innovation".
Yahoo! selbst will zunächst alle Alternativen zu einer
Übernahme eingehend prüfen. Dazu gehöre auch die weitere
Unabhängigkeit, hatte das Unternehmen ausdrücklich betont.
Eine derartige Klärung werde einige Zeit benötigen,
dämpfte Yahoo! zudem Erwartungen auf eine schnelle Entscheidung.
Angesichts der zurückhaltenden Reaktion auf die Offerte spekuliert
die Wall Street über mögliche Gegengebote anderer Investoren.
(Quelle: dpa)
Internet-Kabel im Mittelmeer nicht durch Schiff beschädigt
Di.05.02.08 - Die Beschädigung zweier Internet-Kabel im Mittelmeer ist nicht auf
ein fehlgelaufenes Schiff zurückzuführen. Dies teilte das
ägyptische Telekommunikationsministerium in Kairo mit. Experten
hätten alle Aufnahmen vom Ort des Geschehens in einem Zeitraum von
zwölf Stunden vor der Störung bis zu zwölf Stunden danach
überprüft. "Nicht ein einziges Schiff ist in dieser Zeit
durch das Gebiet gefahren." Außerdem sei das fragliche Gebiet auf
allen Seekarten als verbotene Zone eingezeichnet.
Die These, dass die Untersee-Datenkabel durch ein Schiff oder den Anker
eines Schiffes beschädigt wurden, könne deshalb ausgeschlossen
werden, betonte das Ministerium. Im Mittelmeer waren Mitte vergangener
Woche zwei Datenkabel beschädigt worden. Seitdem ist in weiten
Teilen des Nahen Ostens und Südasiens, vor allem in Indien, der
Internet-Verkehr erheblich gestört. Kurz darauf wurde auch noch
vor der Küste Dubais ein Datenkabel beschädigt, was die noch
verfügbaren Datenleitungen weiter einschränkte.
(Quelle: afp)