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Irak am 1414ten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
US-Soldaten richten Blutbad in irakischer Familie an. Massengrab in
Samarra entdeckt. Irakische Al Kaida nach US-Angaben auch in anderen
Ländern aktiv. Englands Prinz Andrew kritisiert Vorgehen der USA
im Irak. Neue irakische Flagge gehisst
Mi.06.02.08 - US-Soldaten haben bei einer Razzia in der nordirakischen Stadt Adwar
vier Mitglieder einer Familie getötet. Die Soldaten stürmten
nach Berichten von Augenzeugen und irakischen Polizisten am Montagabend
ein aus einem Zimmer bestehendes Haus und erschossen ein Ehepaar und
dessen 19 Jahre alten Sohn, die in ihren Betten lagen. Zwei
Töchter wurden verwundet, eines der beiden Mädchen erlag
später im Krankenhaus seinen Verletzungen. Die
US-Streitkräfte erklärten am Dienstag, die Soldaten seien
beschossen worden.
Ein Verwandter der Familie, der das Geschehen von der anderen
Straßenseite aus verfolgte, sagte dagegen, die Familie sei
unbewaffnet gewesen. Die Soldaten hätten das Feuer sofort
eröffnet.
Die US-Streitkräfte nahmen Ermittlungen auf. Sie erklärten,
ein Informant habe Hinweise auf eine Terrorzelle gegeben. Diese
Erklärung eröffnet Beobachtern zufolge die Möglichkeit,
dass die US-Truppen möglicherweise gezielt auf eine falsche
Fährte gelockt und in einen Familienzwist hineingezogen wurden.
Der getötete Sohn gehörte nach Angaben eines Verwandten einem
sogenannten Erweckungsrat an. Diese Zusammenschlüsse von Sunniten,
die sich von der Aufstandsbewegung losgesagt haben und die
US-Streitkräfte bei örtlichen Sicherungsaufgaben
unterstützen, sind in jüngster Zeit immer häufiger zur
Zielscheibe von Attentätern geworden.
Das US-Militär hatte erst am Vortag eingeräumt, bei einem
Bombardement im Süden des Iraks am Wochenende zuvor
irrtümlich neun irakische Zivilisten getötet zu haben.
Irakische Sicherheitskräfte stießen unterdessen am Dienstag
in der Nähe der Stadt Samarra, 125 Kilometer nördlich von
Bagdad, auf ein Massengrab mit 55 Leichen. Die Opfer - Männer
mittleren Alters in Zivilkleidung - seien von Extremisten des
Terrornetzes El Kaida im Irak umgebracht worden. Das berichteten zwei
Männer, die damals als Geiseln festgehalten und von
Sicherheitskräften befreit worden waren.
Die USA beobachten nach den Worten von Geheimdienstchef Mike McConnell
mit Sorge, dass die Terrororganisation Al Kaida im Irak offenbar auch
Zellen in anderen Ländern der Region etabliert hat. Bislang seien
aber vermutlich nur rund hundert Terroristen vom Irak in andere
Länder gegangen, erklärte McDonnell am Dienstag in einer
Anhörung des Geheimdienstausschusses des Senats.
Zur Lage in Afghanistan berichtete er, dass die Taliban, die schon
weitgehend vertrieben schienen, ihre Operationen inzwischen auf in
bislang friedliche Gegenden im Westen des Landes und um die Hauptstadt
Kabul herum ausgedehnt hätten. Das Netzwerk der Al Kaida im Irak,
in Pakistan und in Afghanistan sei zwar geschwächt, es stelle aber
weiter die größte Bedrohung für die USA dar, sagte
McConnell.
Zufluchtsgebiet habe die Al Kaida nach wie vor in den Stammesgebieten
in Pakistan. Von dort aus könne sie, wenn auch nicht in dem Umfang
und mit der Sicherheit wie früher in Afghanistan, Anschläge
in Pakistan, im Nahen Osten, in Afrika und in den USA planen und
trainieren, erklärte McConnell.
Englands Prinz Andrew kritisierte am Dienstag in einem
ungewöhnlich politischen Interview das Vorgehen der USA im Irak.
Fehler Washingtons im Zusammenhang mit dem Irakkrieg hätten in
Großbritannien zu einer "gesunden Skepsis" gegenüber der
Politik der USA geführt, sagte der zweite Sohn von Königin
Elizabeth II. der Zeitung "International Herald Tribune". Viele Briten
fragten sich, warum niemand in Washington auf gute Ratschläge und
Warnungen gehört habe. Durch das Interview brach der
47-jährige Prinz mit der ungeschriebenen Regel, dass sich
Mitglieder des Königshauses aus politischen Debatten heraushalten.
Als erstaunlich werteten Beobachter auch, dass der Herzog von York sich
unmittelbar im Vorfeld einer zehntägigen US-Reise, bei der er
für britische Unternehmen werben will, zum Irakkrieg
äußerte.
Eine neue irakische Flagge ist am Dienstag erstmals über dem
Gebäude des Kabinetts in Bagdad gehisst worden. Sie enthält
nicht mehr die handschriftlichen Zeichen des gestürzten Staatschefs
Saddam Hussein und die drei grünen Sterne seiner Baath-Partei. Das
Parlament hatte vor kurzem beschlossen, diese Symbole zu entfernen, die
einst für Einheit, Freiheit und Sozialismus stehen sollten. Die
Worte «Allahu Akbar» (Gott ist groß) in arabischer
Schrift sind zwar weiterhin auf der Flagge enthalten, aber nicht mehr
in der Handschrift von Saddam Hussein.
Die Änderungen waren notwendig, weil die kurdische Verwaltung im
Nordirak damit drohte, die alte Flagge über ihren
Regierungsgebäuden nicht mehr aufzuziehen. Bei einer für Ende
des Monats geplanten panarabischen Konferenz im Nordirak hätte dies
für Peinlichkeiten sorgen können. Die neue Flagge ist
allerdings nur für ein Jahr gültig, erst dann soll das
Parlament eine endgültige Entscheidung treffen.
boa (Quellen: ap, dw)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 06.02.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am neunhundertzweiundfünfzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Di.06.02.07 - Acht Tote bei Autobombenanschlag an irakischer Tankstelle +++ Britische
Armee verliert 100. Soldaten bei Einsatz im Irak +++ Amerikanischer Offizier wegen
Kriegsdienstverweigerung vor US-Militärgericht +++ Etat für das
US-Verteidigungsministerium soll um elf Prozent auf rund
481 Milliarden Dollar (369 Milliarden Euro) steigen - Noch für das
laufende Haushaltsjahr fordert Bush zudem weitere 100 Milliarden Dollar
für den Krieg im Irak und den Kampf gegen den Terrorismus...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0702060.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Ex-General Naumann für deutsche Soldaten im Süden
Afghanistans - Teltschik: Scheitern in Afghanistan möglich
Mi.06.02.08 - Der Streit um eine mögliche Ausweitung des Bundeswehr-Einsatzes in
Afghanistan geht in die nächste Runde. Jetzt hat sich der
Ex-Generalinspekteur der Bundeswehr und Ex-Vorsitzende des
Nato-Militärausschusses, Klaus Naumann zu Wort gemeldet. Er setzte
sich in der «Bild»-Zeitung erneut für die Entsendung
von deutschen Truppen in den Süden des Landes ein. Naumann
fürchtet, dass der Einfluss Deutschlands im Bündnis
«gegen Null» tendieren werde, wenn sich das Land weiterhin
den Aufgaben im Süden entziehe.
Der Organisator der Münchner Sicherheitskonferenz, Horst
Teltschik, hält derweil ein Scheitern des NATO-Einsatzes in
Afghanistan für möglich. «Die Befürchtung ist
leider berechtigt», sagte der frühere Politiker und
Industriemanager der in Hannover erscheinenden «Neuen
Presse».
Die Partner müssten sich fragen, ob sie sich nicht auf ein
Abenteuer eingelassen haben, das am Ende das Bündnis in seinen
Grundfesten erschüttert. Wenn sie den Einsatz fortsetzen wollten,
müssten dafür auch die notwendigen Mittel zur Verfügung
gestellt werden. «Es ist völlig klar, dass das internationale
Engagement nicht ausreichend ist - also auch das deutsche nicht»,
sagte der 67-Jährige der Zeitung. Daher solle auch ein deutscher
Einsatz im Süden des Landes erwogen werden.
Die Bundesregierung hatte zuletzt trotz massiven Drängens von NATO
und USA ihr Nein zu Bundeswehr-Einsätzen im umkämpften
Süden Afghanistans bekräftigt. Verteidigungsminister Franz
Josef Jung (CDU) will sich an diesem Mittwoch zu dem Thema
äußern.
Am Donnerstag kommen die NATO-Verteidigungsminister im litauischen
Vilnius zusammen. Am Wochenende diskutieren dann Minister und
Militärexperten auf der weltweit beachteten Münchner
Sicherheitskonferenz, die von Teltschik geleitet wird.
boa (Quelle: dpa)
Britisches Institut warnt vor Zerfall Afghanistans
Mi.06.02.08 - Afghanistan droht nach Ansicht des Internationalen Instituts für
Strategische Studien (IISS) der staatliche Zerfall, sollte die NATO die
radikalislamischen Taliban nicht besiegen. Nach dem in London
veröffentlichten IISS-Jahresbericht gibt es immer mehr Hinweise
darauf, dass sich die Taliban vom umkämpften Süden
Afghanistans auf die nördlichen Regionen zubewegen. Deutschland
und Frankreich werden ausdrücklich dafür kritisiert, dass sie
keine Truppen in die Gebiete entsenden, in denen die Kämpfe am
stärksten sind.
Um die Taliban zu besiegen, müsse sich die internationale
Gemeinschaft auf lange Zeit dem Land am Hindukusch verpflichten,
heißt es in dem Bericht weiter. Scheiterten die
ausländischen Truppen in Afghanistan, würde dies den
Islamismus nicht nur in diesem Land, sondern in vielen anderen
Ländern weiter schüren. Es würde dann "ein gescheiterter
Staat" in einer Region von strategischer Bedeutung entstehen sowie ein
"sicherer Hafen für terroristische Organisationen und
Drogenhandel", heißt es in dem IISS-Bericht. Die
Glaubwürdigkeit der NATO, die sich in Afghanistan in ihrem ersten
großen Einsatz außerhalb ihres Mitgliederbereichs befindet,
würde in diesem Fall beschädigt.
Deutschland und Frankreich werden in dem Bericht neben anderen Staaten
dafür kritisiert, dass sie bisher keine Truppen in die Gebiete
schicken, in denen die Kämpfe gegen die Taliban am intensivsten
sind. Nach Einschätzung von Befehlshabern der ausländischen
Truppen vor Ort werden rund 7500 zusätzliche Soldaten in der
Kampfregion benötigt. Im Rahmen der NATO-geführten
Internationalen Schutztruppe ISAF ist Deutschland vor allem für
den Norden Afghanistans verantwortlich.
Nach und nach breiteten sich "der Aufstand und der Terrorismus"
allerdings auch in den nördlichen Provinzen Afghanistans aus,
heißt es weiter in dem Bericht. Die Kämpfer in Afghanistan
eigneten sich zudem auch Taktik und Technik von Aufständischen aus
dem Irak an.
Deutschland erhöhte derweil seine Nothilfe für Afghanistan
wegen des extremen Winterwetters von einer Million auf 1,5 Millionen
Euro. Mit dem Geld sollten Kleidung, Nahrungsmittel und Heizmaterial
für besonders schutzbedürftige Menschen wie Waisen, Witwen
und Behinderte angeschafft werden, teilte das Auswärtige Amt in
Berlin mit. Auch die norwegische Regierung gab bekannt, sie werde die
Hilfe für das umkämpfte Land aufstocken.
(Quelle: afp)
Nahost-Konflikt: Sechs Tote bei israelischem Luftangriff auf
Hamas-Station in Gaza
Mi.06.02.08 - Einen Tag nach dem Selbstmordanschlag von Dimona hat die israelische
Luftwaffe bei einem Angriff im südlichen Gazastreifen sechs
Milizen der radikal-islamischen Hamas getötet. Fünf weitere
Menschen seien bei dem Raketenangriff auf eine Station der Hamas-
Polizeitruppe verletzt worden, sagte ein Sprecher der
Gesundheitsbehörde in Gaza. Ein israelischer Militärsprecher
bestätigte den Raketenangriff. Zuvor waren bei einem israelischen
Vorstoß in den Gazastreifen zwei Hamas-Mitglieder getötet
worden.
(Quelle: dpa)
Hunderte zivile Opfer bei Kämpfen im Tschad -
UN-Mitarbeiter evakuiert - Frankreich erwägt militärisches
Eingreifen
Mi.06.02.08 - Bei den jüngsten Kämpfen zwischen Regierungstruppen und
Rebellen im Tschad sind nach Angaben des Roten Kreuzes mehrere hundert
Zivilpersonen getötet worden. Die meisten Opfer seien an
Schusswunden gestorben, erklärten Rot-Kreuz-Mitarbeiter, die die
Situation in der Hauptstadt N'Djamena erkundeten. Eine genau Zahl der
Opfer habe man nicht ermitteln können, sagten sie am Dienstag.
Die Vereinten Nationen haben wegen der Kämpfe im Tschad fast alle
Mitarbeiter aus dem afrikanischen Land evakuiert. Die UN könnten
nicht mehr für ihre Sicherheit garantieren, erklärte
Generalsekretär Ban Ki Moon am Dienstag. Mit Hilfe der
französischen Regierung sei der Großteil des Personals in
die Nachbarländer Kamerun und Gabun ausgeflogen worden.
Den Weltsicherheitsrat rief Ban auf, sich dafür einzusetzen,
«diese schreckliche Krise zu beenden».
Wegen der Kämpfe rund um N'Djamena sind zehntausende Menschen
über die Grenze nach Kamerun geflohen. Regierungstruppen wurden am
Dienstagabend dabei beobachtet, wie sie Brücken in Richtung
Kamerun blockierten und damit den Fluchtweg für hunderte Menschen
versperrten. Ein Reporter lokaler Medien berichtete, verängstigte
Zivilpersonen seien von den Soldaten zurückgeschickt worden. Nach
Angaben der UN-Flüchtlingshilfeorganisation haben seit Montag rund
20.000 Bürger das Land in Richtung Kamerun verlassen.
Nach dreitägigen Kämpfen zwischen Rebellen und
Regierungstruppen hatte sich die Lage in der tschadischen Hauptstadt
N'Djamena am Dienstag beruhigt. Nur vereinzelt waren Schüsse zu
hören, neue Gefechte wurden nicht gemeldet. Außenminister
Ahmat Allam-mi sagte nach einem Gespräch mit seinem
französischen Kollegen Bernard Kouchner in Paris, sein Land habe
den Rebellenaufstand erfolgreich bekämpft. «Im Moment
brauchen wir keine Extra-Hilfe.»
Der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy hatte zuvor
erklärt, Frankreich sei zu einem militärischen Eingreifen
gegen die Rebellen bereit. «Wenn Frankreich seine Pflicht tun
muss, wird es das tun», sagte er am Dienstag in La Rochelle auf
die Frage nach einer möglichen Beteiligung an den Kämpfen.
Frankreich hat in der ehemaligen Kolonie etwa 1.250 Soldaten
stationiert und in den vergangenen Tagen mehr als 1.000 Ausländer
aus der umkämpften Hauptstadt evakuiert. «Jetzt, wo es eine
Sicherheitsratsresolution gibt, muss man den Tschad in Ruhe
lassen», sagte Sarkozy. Allerdings «wird Frankreich, wenn es
muss, seine Hausaufgaben machen». Am Montag hatte
Außenminister Bernard Kouchner noch erklärt, die
französischen Truppen sollten keinen Militäreinsatz beginnen.
boa (Quellen: ap, afp)
Rotes Kreuz meldet etwa 1000 Tote durch Gewalt nach Wahlen in Kenia -
Konfliktparteien rufen zu Friedensmärschen auf
Mi.06.02.08 - Bei den Unruhen nach den Wahlen in Kenia sind nach Angaben des
Kenianischen Roten Kreuzes etwa 1000 Menschen ums Leben gekommen. Mehr
als 300 000 Menschen sind auf der Flucht, sagte ein Sprecher der
Hilfsorganisation. Die blutigen Unruhen in dem Vielvölkerstaat
waren Ende Dezember nach dem auch international umstrittenen Wahlsieg
von Präsident Mwai Kibaki gegen Oppositionsführer Raila Odinga
ausgebrochen.
In Kenia haben die Verhandlungsführer der Regierung und der
Opposition zu gemeinsamen Friedensmärschen aufgerufen. "Gemeinsame
Demonstrationen für den Frieden sollten von allen
Führungspersönlichkeiten einberufen werden, um die
Versöhnung voranzutreiben", erklärten die Vertreter beider
Seiten. Sie schlugen außerdem vor, eine "Wahrheits- und
Versöhnungskommission" nach südafrikanischen Vorbild
einzurichten. Sowohl einheimische als auch internationale Juristen
sollten daran mitwirken.
Am Montagabend erlaubte die Regierung auch wieder
Live-Übertragungen von Radio- und Fernsehsendern im Zusammenhang
mit der seit Wochen andauernden politischen Krise. Laut Polizeiangaben
starben bei gewalttätigen Zusammenstößen in der Provinz
Nyanza im Westen des Landes erneut drei Menschen.
Staatspräsident Mwai Kibaki und Oppositionsführer Raila
Odinga setzten am Montag ihre Gespräche zur Beilegung der Krise
fort. Beide hatten sich am vergangenen Freitag unter Vermittlung des
früheren UN-Generalsekretärs Kofi Annan auf einen Zeitplan
für eine Beendigung der gewaltsamen Unruhen zwischen verschiedenen
Volksgruppen verständigt.
boa (Quellen: dpa, afp)
15 Tote bei Granatenangriff im Nordosten Somalias
Mi.06.02.08 - Bei einem Granatenangriff im Nordosten von Somalia sind am Dienstag
mindestens 15 Menschen getötet worden. Die Granate wurde in ein
belebtes Haus in der halbautonomen Region Puntland geworfen, wie ein
Behördenvertreter sagte. 50 Menschen seien verletzt worden. Bei
den meisten Opfern handele es sich offenbar um Äthiopier, die
über den Golf von Aden auf die Arabische Halbinsel gelangen
wollten, um dort Arbeit zu suchen. Ein Motiv für den Angriff war
zunächst nicht bekannt.
In Puntland war es bislang im Vergleich zum Rest des Landes relativ
ruhig, wo seit dem Sturz der letzten stabilen Regierung 1991
verfeindete Klans um die Macht kämpfen. In der Hauptstadt
Mogadischu gehören Kämpfe zum Alltag. Am Dienstag wurden dort
in einem mehrstündigen Feuergefecht mindestens eine Person
getötet und fünf verwundet. In Mogadischu kämpfen
versprengte Anhänger der Ende 2006 gestürzten islamischen
Miliz gegen die von Äthiopien unterstützte
Übergangsregierung.
(Quelle: ap)
Zwei Millionen Menschen demonstrieren gegen FARC-Rebellen
Mi.06.02.08 - Mehr als zwei Millionen Menschen haben in Kolumbien gegen die
FARC-Rebellen protestiert und die Freilassung aller Geiseln gefordert.
Die meist in weiße Kleidung gehüllten Demonstranten riefen
immer wieder Slogans wie "Nein zur Geiselnahme" oder "FARC, es reicht".
Auch in anderen Ländern kam es zu Protesten, insgesamt hatten die
Organisatoren in weltweit 160 Städten zu Aktionen aufgerufen. Es
war die größte Mobilisation gegen die linksgerichteten
Revolutionären Streitkräften Kolumbiens (FARC) in ihrer
Geschichte.
In Bogotá demonstrierten nach Polizeiangaben mehr als eine
Million Menschen gegen die FARC. In Medellín im Nordwesten des
Landes gaben die Behörden die Teilnehmerzahl mit knapp 500.000 an,
auch in Cali im Südwesten gingen laut offiziellen Angaben eine
halbe Million Menschen auf die Straße. Die Veranstalter der
Proteste bezeichneten sich selbst als unabhängig - allerdings
wurden sie massiv von den Behörden unterstützt, im Ausland
organisierten die kolumbianischen Botschaften die Demonstrationen.
Auch die Regierung hatte immer wieder zur Teilnahme an den
Veranstaltungen aufgerufen. Sie sieht in ihnen ein klares Votum gegen
die FARC. "Heutzutage vertrauen die Menschen mehr dem Staat und der
Armee", verkündete Präsident Alvaro Uribe im Fernsehen.
Kritiker der Protestaktion, unter ihnen auch Angehörige von
Geiseln, sprachen von einer Propaganda-Aktion der Regierung in
Bogotá.
Auch im Ausland gingen Menschen gegen die FARC auf die Straße,
unter anderem in den USA, Kanada, Japan und Venezuela. In Paris
versammelten sich 200 Menschen, hauptsächlich Kolumbianer.
Allerdings wurde die Aktion von der Familie der
französisch-kolumbianischen FARC-Geisel Ingrid Betancourt scharf
kritisiert. "Wir verurteilen diese Manipulation. Es ist Propaganda und
komplett von der Regierung organisiert", sagte ihre Schwester Astrid
Betancourt.
Die Revolutionären Streitkräften Kolumbiens (FARC) halten in
Kolumbien zwischen 700 und 1000 Geiseln fest und machen damit Druck auf
die Regierung in Bogotá. Die Rebellen wollen etwa 40 Geiseln im
Austausch gegen rund 500 FARC-Kämpfer freilassen, die in
kolumbianischen Gefängnissen sitzen.
(Quelle: afp)
US-Präsidentschaftskandidatur: 'Super Tuesday' bringt den
Demokraten keine Vorentscheidung - McCain bei den Republikanern klar in
Führung
Mi.06.02.08 - In den USA bleibt das Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der
Demokratischen Partei auch nach dem «Super Tuesday»
spannend. Sowohl Hillary Clinton als auch Barack Obama errangen am
Dienstag wichtige Siege bei den parteiinternen Vorwahlen in mehr als 20
US-Staaten. Bei den Republikanern sieht die Sache klarer aus: Hier
konnte der gemäßigt konservative Senator John McCain seine
Führung deutlich ausbauen.
Clinton gewann in ihrem Heimatstaat New York rund 60 Prozent der
Stimmen. Mit einem Anteil von 37 Prozent sammelte aber auch Obama in
diesem bevölkerungsreichen Staat wichtige Delegiertenstimmen
für den Parteitag der Demokraten, auf dem im August der
Präsidentschaftskandidat für die Wahl am 4. November
nominiert wird. Clinton konnte sich auch im benachbarten New Jersey
sowie in Massachusetts, Oklahoma, Tennessee und Arkansas durchsetzen -
im letzteren Staat profitierte sie vom Ansehen ihres Mannes Bill
Clinton, der dort als Gouverneur regierte.
Obama, der der erste US-Präsident mit dunkler Hautfarbe werden
möchte, gewann vor allem im Süden der USA mit seinem hohen
Bevölkerungsanteil der Schwarzen. Auf dem Konto des Senators von
Illinois standen zunächst die Staaten Georgia, Alabama, Delaware,
Utah, North Dakota, Kansas und sein heimatliches Illinois.
Offenbar gelang es Obama am Dienstag, auch in Wählerkreise
vorzudringen, in denen bislang seine Rivalin Clinton deutlich bevorzugt
war. Das sind vor allem die weißen Wähler und die Frauen.
Bis zu den Wahlen vom Dienstag führte Clinton mit 261 zu 202
Stimmen, einschließlich der sogenannten Superdelegierten. Dabei
handelt es sich um Abgeordnete und Parteifunktionäre, die
außerhalb der Vorwahlen für den Nominierungsparteitag
delegiert werden. Am Dienstag waren bei den Demokraten 1.681 Delegierte
zu bestimmen. Für die Nominierung sind in dieser Partei mindestens
2.025 Stimmen erforderlich.
Bei den Republikanern gewann der 71-jährige McCain zunächst
in sechs Staaten, darunter auch in New York. In diesem
bevölkerungsreichen US-Staat waren 101 Delegiertenstimmen für
den Nominierungsparteitag der Republikaner zu vergeben, die nun alle an
McCain fallen. Der Vietnamkriegsveteran profitierte dabei von der
Wahlempfehlung des ehemaligen New Yorker Bürgermeisters Rudolph
Giuliani. Außerdem siegte McCain in New Jersey, Illinois,
Connecticut, Delaware und Oklahoma.
Exgouverneur Mitt Romney geriet hingegen am Dienstag weiter ins
Hintertreffen. Der dezidiert konservative Politiker war zunächst
nur in seinem Heimatstaat Massachusetts erfolgreich, wo er bis Anfang
vergangenen Jahres Gouverneur war. Der ehemalige Baptistenpfarrer Mike
Huckabee gewann hingegen nicht nur in dem von ihm ehedem regierten
Arkansas, sondern auch in Alabama und West Virginia.
Bei den Republikanern wurden am Dienstag 1.023 Delegierte in 22 Staaten
bestimmt - vor dem «Super Tuesday» entfielen 102 auf
McCain, 93 auf Romney und 43 auf Huckabee. Ebenfalls noch dabei war Ron
Paul mit vier Stimmen. Für die Nominierung sind mindestens 1.191
Delegierte erforderlich.
Wähler beider Parteien gaben die Entwicklung der Wirtschaft als
wichtigstes Thema an. Bei den Demokraten folgten danach der Irak-Krieg
und die Gesundheitsversorgung. Für die Republikaner war die
Einwanderung das zweitwichtigste Thema und erst danach die Entwicklung
im Irak.
(Quelle: ap)
Deutschland
Konjunktur kommt bei Rentnern nicht an
Mi.06.02.08 - Trotz der guten Konjunktur schwindet die Kaufkraft der rund 20
Millionen Rentner. Sie können nach derzeitigem Stand im Juli mit
einer Rentenerhöhung von gut einem Prozent rechnen, wie der
Vorstand der Rentenversicherung, Alexander Gunkel, am Dienstag der AP
sagte. Doch lag die Inflationsrate 2007 bei 2,2 Prozent, und ab Juli
kommen höhere Pflegebeiträge. «Real werden die Rentner
wohl auch in diesem Jahr mit einem Minus nach Hause gehen», sagte
FDP-Rentenexperte Heinrich Kolb.
Ein Sprecher der Deutschen Rentenversicherung verwies offiziell darauf,
dass gesicherte Zahlen zur Rentenerhöhung erst im März
erwartet werden. Noch sei die genaue Entwicklung der Löhne und der
Beschäftigung unklar. Gunkel, Arbeitgebervertreter im Vorstand der
Rentenversicherung, nannte Schätzungen von rund einem Prozent aber
«im Rahmen der Erwartungen».
Auch FDP-Experte Kolb geht von gut einem Prozent Steigerung aus. Er
verwies auf die Lohnentwicklung und die Zahl der sozialversicherten
Arbeitnehmer. Beides spielt eine entscheidende Rolle für die
Rentenerhöhung. Allerdings kommen nach der komplizierten
Rentenformel noch andere Faktoren zum Tragen.
Unter anderem wird die Erhöhung 2008 deshalb niedriger ausfallen,
weil 2007 für Arbeitnehmer und Arbeitgeber die Rentenbeiträge
erhöht wurden. 2007 waren die Altersbezüge um 0,54 Prozent
angehoben worden. In den Jahren 2004 bis 2006 gab es keine
Rentenerhöhungen.
Empörung löste unterdessen der Wirtschaftsverband VDMA mit
der Forderung nach einem «Rückbau der gesetzlichen Rente zu
einer Grundsicherung» aus. Der Verband Deutscher Maschinen- und
Anlagenbau bestätigte, dass diese Position Teil eines aktuellen
politischen Forderungskatalogs sei. Dieser sei jetzt an
Bundestagsabgeordnete versandt worden, sagte eine Verbandssprecherin.
Der Sozialverband VdK nannte die Forderung ungeheuerlich. Der VDMA
wolle offenkundig zurück zum
«Bedürftigkeitsstaat». Die Grünen sprachen von
einem «schlechten Faschingsscherz»: «Die gesetzliche
Rente kann nicht einfach zurückgebaut werden. Die eingezahlten
Beiträge unterliegen einem verfassungsrechtlich garantierten
Eigentumsschutz.»
Die Forderung hat allerdings offenbar auch keinen Rückhalt in der
Wirtschaft oder bei der Politik. Gunkel sagte für die
Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände: «Wir sind
gegen eine radikale Umgestaltung.» Das bestehende Umlagesystem
sei flexibel. Der Reformbedarf sei in den vergangenen Jahre weitgehend
abgearbeitet worden.
Aus Sicht der Arbeitgeber seien nur noch kleinere Korrekturen
nötig. Dazu zählte Gunkel die Reduzierung der Ausnahmen bei
der Rente mit 67 und die Ausrichtung der Hinterbliebenenrenten an der
Bedürftigkeit. Außerdem schlug er angesichts der Warnungen
vor Altersarmut vor, die Förderung Riester-Rente
grundsätzlich für alle Erwachsenen zugänglich zu machen.
Damit könnten davon künftig erstmals auch die so genannten
Solo-Selbstständigen profitieren.
FDP-Rentenexperte Kolb mahnte die Regierung ebenfalls zu Handeln vor
allem mit Blick auf befürchtete Altersarmut im Osten. «Wenn
man es weiter laufen ließe, würden wir mit Sicherheit eine
verbreitete Altersarmut bekommen», sagte Kolb der AP. Er
plädierte für eine Anpassung der Rentenwerte in Ost und West,
was zu höheren Rentenansprüchen in den neuen Ländern
führen würde. Allerdings wäre laut Kolb eine
Übergangsregelung nötig. Die FDP drängt in einer
parlamentarischen Anfrage die Bundesregierung zu einer Stellungnahme.
(Quelle: ap)
Deutsches Weihnachtsgeschäft drückt Einzelhandels-Umsatz in
Eurozone
Mi.06.02.08 - Das Weihnachtsgeschäft in der Eurozone ist im vergangenen Dezember
gegenüber dem Vorjahr um zwei Prozent zurückgegangen. Der
Umsatz des deutschen Einzelhandels brach gegenüber Dezember 2006
sogar um 6,7 Prozent ein, wie das europäische Statistikamt Eurostat
am Dienstag in Brüssel auf Grundlage einer ersten Schätzung
mitteilte. Der Dezember 2006 war in Deutschland allerdings besonders
umsatzstark, weil viele Verbraucher aufgrund der
Mehrwertsteuererhöhung 2007 größere Anschaffungen
vorzogen.
Auf die Entwicklung in der Bundesrepublik als größter
europäischer Volkswirtschaft sind maßgeblich auch die
schlechten Zahlen für die Eurozone zurückzuführen, einen
ähnlich starken Umsatzrückgang wie der deutsche verzeichnete
sonst nämlich nur der belgische Einzelhandel (minus 6,9 Prozent).
In der EU insgesamt lag der Umsatz des Einzelhandels im Dezember um 0,1
Prozent unter dem des Vorjahresmonats. In Frankreich, Finnland, Schweden
und mehreren osteuropäischen Staaten stiegen die Umsätze.
(Quelle: ap)
Regierung hält Konjunkturprogramm für unnötig
Mi.06.02.08 - Die Bundesregierung sieht aktuell keine Notwendigkeit, mit einem
zusätzlichen Konjunkturprogramm auf die internationale
Finanzmarktkrise zu reagieren. Der Staatssekretär im
Finanzministerium, Thomas Mirow, sagte am Dienstag in Berlin, es
lägen dafür auch keine Notfallpläne in der Schublade. Er
wies darauf hin, dass sich die deutsche Wirtschaft weiter in robuster
Verfassung zeige, die Industrieproduktion gut ins neue Jahr gestartet
sei und auch die Kreditnachfrage und -vergabe zufriedenstellend liefen.
Forderungen nach Maßnahmen der Bundesregierung zur Ankurbelung
der Konjunktur konterte Mirow mit dem Hinweis, dass die zu Jahresbeginn
in Kraft getretene Unternehmensteuerreform die hiesige Wirtschaft um
rund 6,5 Milliarden Euro entlaste. Zudem seien Beschäftigte und
Unternehmen durch den gesenkten Beitrag zur Arbeitslosenversicherung im
Vergleich zu 2006 um mehr als 20 Milliarden Euro entlastet worden.
Mirow sagte, diese Entlastung sei im Volumen vergleichbar mit dem neu
aufgelegten Konjunkturprogramm der US-Regierung. Er wies daher den
Vorwurf zurück, die deutsche Regierung kümmere sich zu wenig
um die Stabilisierung der Konjunktur. «Das ist nachweislich nicht
der Fall», sagte er.
Bundesfinanzminister Peer Steinbrück reist Ende der Woche zum
Treffen der Finanzminister und Notenbankgouverneure der
größten Industriestaaten (G-7) nach Tokio, wo der
SPD-Politiker Vorschläge zur Verhütung künftiger Krisen
an den Finanzmärkten machen will. Dabei will Steinbrück unter
anderem die Rolle der internationalen Rating-Agenturen hinterfragen. Den
Agenturen wird vorgeworfen, die Bonität zweitklassiger
«Subprime»-Hypotheken lange zu optimistisch bewertet zu
haben.
Weiteres Thema bei dem Treffen wird neben der Rolle der Staatsfonds bei
grenzüberschreitenden Investitionen die Reform des Internationalen
Währungsfonds (IWF) sein. Die Hauptaufgabe des IWF wird nach den
Worten des Staatssekretärs künftig nicht mehr vorrangig die
Rettung von Entwicklungsländern aus akuten Kreditkrisen sein,
sondern die genaue Beobachtung der Finanzmärkte und die
rechtzeitige Warnung vor drohenden Krisen. Dazu habe die IWF-Leitung
bereits Restrukturierungsmaßnahmen vorgeschlagen,
einschließlich «erheblicher Einschnitte im
Personalbestand».
Japan, das seit Januar die G-8-Präsidentschaft von Deutschland
übernommen hat, setzt seine Schwerpunkte nach den Worten Mirows bei
den Themen Klimaschutz und Afrikapolitik. Das traditionelle
Gipfeltreffen der Regierungschefs ist am 7. bis 9. Juli in Hokkaido.
(Quelle: ap)
Machtgerangel in Hessen geht weiter
Mi.06.02.08 - Anderthalb Wochen nach der Landtagswahl in Hessen dauert das
Machtgerangel zwischen CDU und SPD an. Beide Parteien erneuerten am
Dienstag ihren Anspruch darauf, die Regierung zu bilden. Bei der
hessischen SPD-Fraktion wurde die bisherige Vorsitzende Andrea
Ypsilanti im Amt bestätigt. Die Linke wird voraussichtlich ihren
Spitzenkandidaten Willi van Ooyen zum Fraktionschef wählen.
Wie die «Frankfurter Rundschau» (Dienstagausgabe) unter
Berufung auf den Landesvorsitzenden Ulrich Wilken berichtet, hat sich
die Parteiführung der Linken mit großer Mehrheit für
van Ooyen ausgesprochen. Für weitere Spitzenposten in der Fraktion
seien Janine Wissler und Marjana Schott vorgesehen, hieß es.
Über die Personalien werde der am Samstag geplante
Linken-Landesparteitag in Wiesbaden beraten. Bereits am Mittwoch will
die Linke ihre künftigen Fraktionsräume im Landtag
besichtigen.
Bei der konstituierenden Sitzung der 42-köpfigen SPD-Fraktion
wurde die bisherige Vorsitzende Ypsilanti einstimmig
wiedergewählt. Im Amt bleibt auch der Parlamentarische
Geschäftsführer der Fraktion, Reinhard Kahl. Im
Landtagswahlkampf gehörte er zu Ypsilantis Schattenkabinett und
war für Finanzen zuständig.
Laut Parteisprecher Frank Steibli forderte die SPD-Fraktion Ypsilanti
auf, Sondierungsgespräche mit FDP und Grünen zur Bildung
einer «handlungsfähigen Regierung» zu führen. Das
SPD-Programm biete Grünen wie Liberalen «viele
Anknüpfungspunkte für ein erfolgreiches Miteinander»,
hieß es. Über Ort, Zeit und Inhalt der Treffen mit den
Spitzen von Grünen und FDP sei Stillschweigen vereinbart worden.
Die Ergebnisse der Gespräche werde Ende März ein
SPD-Landesparteitag bewerten.
Der Generalsekretär der Bundes-CDU, Ronald Pofalla,
bekräftigte derweil noch einmal den Führungsanspruch der
Union in Hessen. Ministerpräsident Roland Koch habe mit der CDU
bei der Wahl das beste Ergebnis aller Parteien erreicht. Zugleich
kritisierte Pofalla, dass Ypsilanti Gespräche zur Bildung einer
großen Koalition ablehne. «Hier muss mehr Offenheit
vonseiten der SPD sein», forderte der CDU-Politiker. Koch
müsse mit allen demokratischen Parteien in Hessen Gespräche
führen.
Dabei sei er zuversichtlich, dass Koch bis zur konstituierenden Sitzung
des Landtags Anfang April eine Mehrheit finden könne, sagte
Pofalla. Andernfalls werde Koch entsprechend der Landesverfassung als
geschäftsführender Ministerpräsident im Amt bleiben.
Der aus Hessen stammende frühere Chef der FDP-Bundestagsfraktion,
Wolfgang Gerhardt, hält weiter eine Koalition mit CDU und
Grünen für möglich: «Das haben wir immer noch als
eine Vorstellung, die realistisch erscheint. Das hängt aber nun
von den Grünen ab.»
(Quelle: ddp)
Nach Einzug in die Landtage von Niedersachsen und Hessen: Hoffnung bei
der Linkspartei in Nordrhein-Westfalen
Mi.06.02.08 - Der Düsseldorfer Landtag ist noch ein gutes Stück entfernt
für die Linke in Nordrhein-Westfalen. Mehr als zwei Jahre sind es
noch bis zum nächsten Urnengang im bevölkerungsreichsten
Bundesland. Aber auch räumlich bleibt die Linke auf Distanz.
Eigentlich wollte die Partei in der Landeshauptstadt Düsseldorf ein
größeres Büro in der Nähe des Parlaments beziehen.
Doch aufgrund fehlender Finanzmittel liegt der Umzug auf Eis.
«Wir müssen uns vorerst mit dem alten, etwas zu kleinen
Büro begnügen», sagt Linke-Landeschef Wolfgang
Zimmermann. Im alten PDS-Domizil bereitet die Partei deshalb die
Eroberung des äußersten Westens der Republik vor.
Nach dem Einzug der Linken in die Landtage von Niedersachsen und Hessen
glaubt Zimmermann mehr denn je an zukünftige Erfolge. «Wir
liegen bei mehreren Meinungsforschungsinstituten seit einem halben Jahr
konstant und deutlich über der Fünf-Prozent-Hürde»,
sagt Zimmermann. Der Einzug in das Landesparlament in
Fraktionsstärke sei deshalb «realistisch». «Was
in Hannover und Wiesbaden möglich war, muss auch in
Düsseldorf unser Ziel sein», fügt er hinzu.
Einen Landtagsabgeordneten haben die Linken vom Rhein bereits. Der
Münsteraner Parlamentarier Rüdiger Sagel war im vergangenen
Jahr bei den Grünen ausgetreten und hatte sich dem
NRW-Landesverband der Linken angeschlossen, weil die neue Partei
glaubwürdiger für seine Ideale Pazifismus und soziale
Gerechtigkeit stehe. «Mir gefällt die demokratische
Diskussionskultur bei den Linken», sagt Sagel.
Regelmäßig nehme er an den Landesvorstandssitzungen teil.
«Jetzt geht es darum Strukturen aufzubauen», sagt Sagel.
Der 51-jährige Diplom-Ingenieur hat zehn Jahre Parlamentserfahrung.
Dass die Eroberung des 18-Millionen-Einwohner-Bundeslandes nicht
einfach wird, weiß Sagel als Ex-Grüner. Seine frühere
Partei scheiterte in den 80er Jahren gleich zweimal bei
nordrhein-westfälischen Landtagswahlen. Erst 1990 gelang der
Öko-Partei der Sprung ins Parlament - denkbar knapp mit 5,0
Prozent.
«Wir haben enge Kontakte zu außerparlamentarische
Bewegungen», glaubt der Landesvorsitzende Zimmermann an eine
breite Verwurzelung seiner Partei zwischen Rheinland und Ostwestfalen.
Gleichwohl sei die Linke in Ballungsgebieten wie dem Ruhrgebiet deutlich
stärker als auf dem flachen Land. Bei der Kommunalwahl 2009 werde
man aber in allen 396 Kommunen des Landes antreten. «In
ländlichen Regionen ist auch eine Kandidatur als offene Liste
denkbar», sagt Zimmermann. «Stalinisten» dürften
aber nicht mitmachen.
Bei der Zahl der Mitglieder wolle und könne man noch zulegen, sagt
der Landesvorsitzende. 6000 zahlende Genossen sind es derzeit. Zum
Vergleich: Die Grünen haben 9900 Mitglieder in NRW, die FDP hat
derzeit knapp 15 100 Mitglieder zwischen Rhein und Weser.
Noch ist die nordrhein-westfälische Linke eine «bunte
Truppe» aus enttäuschten Sozialdemokraten, sozialistischen
Gewerkschaftern, Friedensbewegten, Ex-DKP-Mitgliedern, theoriefesten
Langzeitstudenten und schwierigen Einzelgängern. Erst im Oktober
2007 hatte sich die NRW-Linke in Gladbeck offiziell gegründet. Bei
einer Gegenstimme votierten die 310 Delegierten der früheren PDS
und der ehemaligen Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit
(WASG) für die formelle Konstituierung des Landesverbandes.
Die politischen Ziele der Linken sind klar. «Rüttgers muss
weg», sagt Sagel. Die «neoliberale» Koalition aus CDU
und FDP müsse bei der nächsten Landtagswahl abgelöst
werden. Und die Linke? Sagel will sich nicht festlegen, wie man sich im
Falle eines Einzugs in das Parlament verhalten würde. Wie SPD und
Grüne schließen aber auch Zimmermann und Sagel eine
rot-rot-grüne Koalition nicht aus. Bei den Themen Bildungs- und
Sozialpolitik gebe es aber Gemeinsamkeiten.
Einen prominenten Spitzenkandidaten suchen die Linken nicht für
die Wahl im Mai 2010. «Hessen und Niedersachsen haben gezeigt,
dass es auch ohne Promi geht», sagt Zimmermann. Spekulationen
über einen baldigen Parteieintritt des ehemaligen
SPD-Sozialexperten Rudolf Dreßler kann er nicht bestätigen.
«Davon weiß ich nichts», sagt der Parteichef.
Dreßler sei aber wie alle enttäuschten Sozialdemokraten
eingeladen, bei der Eroberung von NRW mitzumachen.
(Quelle: ddp)
Grünen-Streit um Umgang mit Linkspartei
Mi.06.02.08 - Bei den Grünen ist eine offene Kontroverse über den
künftigen Umgang mit der Linkspartei entbrannt.
Grünen-Fraktionschef Fritz Kuhn wies Überlegungen seines
Stellvertreters Jürgen Trittin über rot-rot-grüne
Koalitionen auf Länderebene zurück. «Ich halte nichts
von solchen Spekulationen», sagte Kuhn. Wenn Trittin «am
Spekulieren Freude hat, sollte er es doch mal an der Börse
probieren». Grünen-Chefin Claudia Roth warnte ihre
Parteifreunde davor, sich in »Farbspielchen zu ergehen«.
Trittin betonte, die Linkspartei dauerhaft auszugrenzen, diene nur
»der Konservierung der Machtbeteiligung der Konservativen«.
So könne im Saarland, wo 2009 ein neuer Landtag gewählt wird,
ein Regierungswechsel nur in einer Dreierkonstellation
herbeigeführt werden.
Im Bund sei die Linkspartei noch nicht regierungsfähig, sagte
Trittin. Da sie gegenwärtig sage, »dass sie nur Opposition
will«, sei hier die Regierungsoption der Grünen für
2009 »notgedrungen« eine Ampel-Koalition mit SPD und FDP.
Grünen-Fraktionsvize Christian Ströbele forderte,
Rot-Rot-Grün dürfe »nicht auf ewig ein Tabu
sein«. Die Linke stehe den Grünen in Sachfragen oftmals
näher als Union oder FDP. Er habe den Eindruck, dass bei den
Grünen die Bereitschaft wachse, auf die Linkspartei zuzugehen.
Die stellvertretende Grünen-Fraktionsvorsitzende Krista Sager
sagte mit Blick auf etwaige Koalitionen mit der Linkspartei auf
Länderebene, dies müsse von Fall zu Fall geprüft werden.
Man müsse «genau sehen, haben wir es mit Kräften zu
tun, die nur Opposition und Protest wollen und deshalb für
Mehrheiten nicht zur Verfügung stehen, oder haben wir es mit
Pragmatikern zu tun».
Grünen-Parteiratsmitglied Reinhard Loske warf Trittin vor, die
Linkspartei aufzuwerten. Es sei «falsch, der Linken, die sich
bislang nur durch blanken Populismus hervortut, jetzt die Tür
sperrangelweit zu öffnen», bemängelte der Bremer
Umweltsenator. Bundestagsvizepräsidentin Katrin
Göring-Eckardt (Grüne) betonte, es helfe niemandem, jetzt zu
spekulieren, «wie sich die Linke vielleicht mal in ein paar
Jahren aufgestellt haben könnte».
Roth betonte, ihre Partei kämpfe «ganz klar» für
Rot-Grün in Hamburg. «Wilde Farbdebatten, egal ob
Schwarz-Grün oder Rot-Rot-Grün, bringen uns dabei nicht
weiter, fügte die Grünen-Vorsitzende hinzu. «Die
Chance, einen Unions-Regierungschef stürzen zu können,
rechtfertigt noch keine Zusammenarbeit mit der Linkspartei. Die Inhalte
und Personen müssen stimmen - das tun sie bisher nicht»,
argumentierte sie.
Auch Hamburgs Grünen-Spitzenkandidatin Christa Goetsch
bekräftigte, ihre Partei kämpfe »für eine
rot-grüne Regierung«. Spekulationen um eine
schwarz-grüne Koalition seien »theoretisch und inhaltlich
zurzeit unrealistisch«. Die Debatte über Schwarz-Grün
sei durch die Sorge mit ausgelöst worden, dass es in Hamburg zu
einer großen Koalition kommen könnte. In diesem Fall werde
«man sicherlich sich Gesprächen nicht verweigern». Sie
sehe aber keine inhaltliche Schnittmenge für Schwarz-Grün.
(Quelle: ddp)
Türkei will Großbrand in Ludwigshafen selbst untersuchen
Mi.06.02.08 - Nach dem Tod von neun Türken bei dem Wohnhausbrand von
Ludwigshafen schickt die Türkei eigene Experten nach Deutschland,
die an den Ermittlungen der Brandursache teilnehmen sollen.
Staatsminister Murat Yazicioglu werde am Abend zusammen mit Fachleuten
der Polizei nach Deutschland reisen, sagte Ministerpräsident Recep
Tayyip Erdogan vor der Parlamentsfraktion seiner Regierungspartei AKP in
Ankara. Erdogan selbst will im Rahmen seines geplanten
Deutschland-Besuches am Donnerstagabend den Brandort besuchen.
Bei dem Großbrand kamen am Sonntag neun Menschen ums Leben. Acht
der neun Todesopfer von Ludwigshafen gehörten zu einer Familie, die
aus dem südostanatolischen Gaziantep stammte. Bei dem Unglück
wurden Kinder unter dramatischen Umständen gerettet: Bewohner
warfen Kleinkinder aus dem brennenden Gebäude, die von
Rettungskräften aufgefangen wurden. Bei dem Brand waren auch rund
60 Menschen verletzt worden, davon drei schwer.
Erdogan forderte bei einem Treffen mit Bundesinnenminister Wolfgang
Schäuble (CDU) in Ankara eine rasche Aufklärung der
Brandursache. "Wir fordern eine Untersuchung, bei der allen
Möglichkeiten nachgegangen wird, und die Bestrafung der
Verantwortlichen, falls es sich um ein Verbrechen handelt", heißt
es in einer Erklärung des Außenministeriums in Ankara. Auch
Justizminister Mehmet Ali Sahin verlangte, die deutschen Behörden
müssten klären, ob "Sabotage" vorliege.
Die Ursache für den Brand ist vorerst weiter unklar. Alle Aussagen
zur Ursache seien "totale Vermutungen", sagte ein Sprecher der Polizei.
Die Ermittler prüfen auch Presseberichte, wonach zwei Mädchen
gesagt haben sollen, ein deutsch sprechender Mann habe im Hauseingang
Feuer gelegt. Der Sprecher sagte dazu, es werde allem nachgegangen. Die
Mädchen äußerten sich demnach aber noch nicht
gegenüber der Polizei.
Die Mädchen sagten nach türkischen Zeitungsberichten, sie
hätten kurz vor dem Ausbruch des Feuers einen Mann im Hauseingang
gesehen, der Papier, ein Feuerzeug und Kienspan bei sich trug. Der
schwarzhaarige Mann habe Deutsch gesprochen. Mit dem Papier und dem
Kienspan habe er in einem Kinderwagen im Hauseingang das Feuer gelegt
und sei weggelaufen.
(Quelle: afp)
Türkischer Unternehmerverband will Bildungsstiftung gründen
Mi.06.02.08 - Ahmet Güler, Vorstandsvorsitzender des in Hannover ansässigen
Bundes Türkisch-Europäischer Unternehmer, ist besorgt:
«Nur etwa zehn Prozent der türkischen Schüler erreichen
die Hochschulreife, 19 Prozent haben gar keinen Abschluss und 57,7
Prozent schaffen gerade mal den Hauptschulabschluss», sagt der
türkische Geschäftsmann, der sich seit Jahren für eine
bessere Bildung von Migrantenkindern engagiert. Auch innerhalb der
Gruppe der Zuwanderer sei die Bilanz wenig schmeichelhaft, weiß
Güler, denn: Unter allen Migrantenkindern schnitten türkische
am schlechtesten ab.
«Wir müssen endlich handeln», fordert der erfolgreiche
Kaufmann deshalb. Im März will er deshalb in Hannover eine Stiftung
für Migrantenkinder gründen, die bundesweit wirken will. Aus
den Erlösen der sogenannten Atev-Bildungsstiftung sollten
künftig benachteiligte Migrantenkinder bessere Bildungschancen
erhalten. Eine Initiative, die auch Ministerpräsident Christian
Wulff (CDU) begrüßt: «Die Ziele der Stiftung decken
sich genau mit den bildungspolitischen Maßnahmen der
Landesregierung.»
Der Pisa-Studie 2007 zufolge sind die Schulleistungen der in
Deutschland geborenen, sogenannten zweiten Migrantengeneration deutlich
schlechter als die von Ausländerkindern, die zusammen mit ihren
Eltern nach Deutschland eingewandert sind. Demnach liegen die
schulischen Kenntnisse von jugendlichen Migranten im Schnitt drei
Klassenstufen hinter denen von Jugendlichen deutscher Herkunft
zurück.
«Das dürfen wir so nicht stehen lassen», sagt auch
Moslum Ince, der sich seit vier Jahren in Lehrte im Verein
«Elterninitiative der Migranten», engagiert. Die
Elterninitiative ist landesweit an 43 Standorten präsent, darunter
in Hannover, Braunschweig und Osnabrück. «Wir sammeln Gelder
von Sponsoren, um benachteiligten Schülern Nachhilfe zu
finanzieren», sagt Ince. Der Verein suche aber auch den Kontakt zu
Migrantenfamilien, um ihnen deutlich zu machen, dass Bildung für
die Kinder wichtig sei und der Kontakt zu Kindergärten und Schulen
nicht vernachlässigt werden dürfe.
«Aber auch die Politiker müssen mehr für
Migrantenkinder tun», fügt Ince gleich hinzu. Eine
Untersuchung an den Lehrter Schulen habe ergeben, dass dort nicht
genügend Lehrer vorhanden seien und an den Realschulen der
Förderunterricht komplett gestrichen worden sei. Es dürfe
nicht zulassen werden, dass Migrantenkindern im späteren
Berufsleben Aufstiegschancen verwehrt blieben. «Meine Tochter hat
derzeit einen Notendurchschnitt von 1,8.« Er frage sich, warum sie
dennoch nur eine Realschul- und keine Gymnasialempfehlung erhalte, sagt
Ince.
Niedersachsens Integrationsbeauftragte Honey Deihimi ergänzt, dass
der Stellenwert der Bildung gerade für Zuwandererkinder in der
Praxis immer noch unterschätzt werde. Viele sehr intelligente
Kinder von ausländischen Familien litten, weil sie keine
außerschulische Förderung erhielten. Das müsse Eltern
und Politikern bewusst sein.
»Derzeit«, sagt Güler, »befindet sich die
Atev-Stiftung noch in der Gründungsphase, aber sie hat bereits 40
Mitglieder, darunter große türkische und deutsche
Unternehmen«. Ein Grundkapital von rund einer Million Euro sei
bereits vorhanden. »Wir hoffen in zwei Jahren mithilfe von
Sponsoren auf fünf Millionen aufstocken zu können«, sagt
Güler.
Ziel der Stiftung sei es, zweisprachige Kindergärten zu
eröffnen sowie Projekte zu unterstützen, die sich um
benachteiligte Migrantenkinder kümmerten. »Wir haben in
Deutschland rund 1600 Moscheen durch Spenden finanziert«, sagt
Güler. Es gebe genug Moscheen, »nun müsse endlich in
Bildung investiert werden«. Er fügt hinzu: »Beten kann
man überall, aber Bildung gibt es nicht an jeder Ecke.«
Vorbild für Atev ist Güler zufolge eine ähnliche
Stiftung in der Türkei, die sich seit 35 Jahren erfolgreich
für die Qualifizierung von Schülern und Studenten engagiert.
Dort seien viele vermögende Künstler, Unternehmen und
Medienpartner Mitglied. Für das deutsche Atev-Projekt möchte
er Ministerpräsident Wulff als Schirmherrn gewinnen, sagt
Güler.
(Quelle: ddp)
Uni Osnabrück erleichtert Zugang zum Fach islamische Religion
Mi.06.02.08 - Die Universität Osnabrück hat den Zugang zum Fach Islamische
Religionspädagogik erleichtert. Der Bedarf an islamischen
Religionspädagogen sei enorm, teilte die Universität am Montag
mit. Bundesweit gebe es 750.000 muslimische Schüler. Ab sofort
seien für das Studium auch Bewerber zugelassen, die in ihrem
Herkunftsland ein Lehramtsstudium in nur einem Fach abgeschlossen
haben. Zudem könne auch zum Sommersemester mit dem Studium begonnen
werden.
Den bundesweit einzigartigen Masterstudiengang Islamische
Religionspädagogik bietet die Universität Osnabrück als
Erweiterungsstudium für das Lehramt seit dem Wintersemester
2007/2008 an. Alle Teile der Ausbildung erfolgen unter staatlicher
Aufsicht in Abstimmung mit islamischen Verbänden und in deutscher
Sprache. Bislang hatte das niedersächsische Kultusministerium wie
in Lehramtsstudiengängen üblich zusätzlich zur
islamischen Religion zwei weitere Fächer gefordert.
(Quelle: epd)
Radio & Fernsehen: Wenn der Gebührenbeauftragte klingelt
Mi.06.02.08 - Sind Fernsehgerät, Radio oder Computer nicht bei der
Gebühreneinzugszentrale angemeldet, muss man mit dem Besuch eines
Beauftragten der Landesrundfunkanstalten rechnen. Die Stiftung Warentest
hat in ihrer Zeitschrift «Test» (Februar-Ausgabe) einige
Tipps zusammengestellt und klärt über häufige
Irrtümer auf:
- Zuerst sollte man sich den Ausweis des Beauftragten zeigen lassen.
Der Kontrolleur ist nicht im Auftrag der GEZ unterwegs, sondern der
Rundfunkanstalt.
- Niemand muss den Mitarbeiter in die Wohnung lassen. Auch nach
Terminabsprache hat er kein Recht, in den Zimmern nach
anmeldepflichtigen Geräten zu suchen.
- Auch muss man dem Kontrolleur nicht sofort Rede und Antwort stehen.
Es ist durchaus möglich, sich die Unterlagen für eine
schriftliche Äußerung aushändigen zu lassen oder einen
späteren Termin zu vereinbaren.
- Irrtümliche Angaben können im Nachhinein noch
verändert werden.
- Sollte mit der Polizei gedroht werden, empfiehlt die Stiftung eine
Anzeige wegen Nötigung.
- Eine weit verbreitete Legende ist, dass die GEZ mit Peilwagen
unterwegs ist, um nicht angemeldete Geräte aufzuspüren. Das
sei zwar mit großem technischen Aufwand möglich, die
Abstrahlung herkömmlicher Geräte sei aber minimal,
erklärte Warentest.
(Quelle: ap)
Wissenschaft
Grönlandeis bis Amazonaswald - Neun
Schlüsselstellen fürs Klima
Mi.06.02.08 - Der Grönländische Eisschild und der Amazonas-Regenwald
gehören nach Ansicht führender Klimaforscher zu den neun
Schlüsselstellen des Klimawandels. In diesen Bereichen könnten
schon kleine Veränderungen riesige Auswirkungen haben - die
Systeme könnten leicht kippen.
Das schreiben der Leiter des Potsdam-Instituts für
Klimafolgenforschung, Prof. Hans Joachim Schellnhuber, sein Mitarbeiter
Prof. Stefan Rahmstorf und britische Wissenschaftler.
Der Grönländische Eisschild und das arktische Meereis seien
besonders anfällige «Kippelemente», berichtet die
Gruppe in den «Proceedings» der US-Akademie der
Wissenschaften («PNAS», online vorab veröffentlicht).
Sie hatte die Ergebnisse eines Workshops mit 36 führenden
Klimaforschern, der Befragung von 52 Experten und wissenschaftliche
Literatur berücksichtigt. Die neun «Kippelemente»
sollten in der Klimapolitik besonders berücksichtigt werden.
Wenn das arktische Meereis schmelze, komme darunter die dunklere
Wasseroberfläche hervor. Da sie mehr Sonnenstrahlen aufnehme als
weiße Eisflächen, werde die Erwärmung verstärkt.
Das übrige Eis schmelze schneller. Die kritische Grenze könnte
bei 0,5 bis 2 Grad Celsius Erwärmung liegen, so dass die Arktis
bereits in wenigen Jahrzehnten im Sommer eisfrei sein könne.
Beim Grönländischen Eisschild trügen schmelzende
Gletscher zunächst den Rand des Schildes ab, was zu weiterer
Erwärmung und Eisverlust führe. Steige die Temperatur dort um
mehr als drei Grad Celsius, könnte der Eisschild bereits innerhalb
von 300 Jahren abschmelzen und der Meeresspiegel um sieben Meter
steigen. Auch der Westantarktische Eisschild könnte in dieser Zeit
abtauen, dessen «Kipppunkt» liege bei einer Erwärmung
der Region von fünf bis acht Grad.
Die Borealwälder im Norden der Erde werden nach Forscheransicht
bei drei bis fünf Grad Erwärmung durch Trockenheit und Hitze
im Sommer und Krankheiten innerhalb von 50 Jahren großenteils
absterben. Der Amazonasregenwald werde durch Entwaldung und
Erwärmung derart geschädigt, dass er nach Modellaussagen in
dieser Zeitspanne ebenfalls großflächig zerstört sein
könne. Für die Sahara, die Sahelzone und die Region
südlich davon sei noch unklar, ob sie trockener oder feuchter
werden als bislang.
Weitere Kippelemente seien das Klimaphänomen El Niño, der
indische Sommermonsun und der große Wasserkreislauf im Atlantik,
die sogenannte Thermohaline Atlantikzirkulation.
(Quelle: dpa)
Sparfuß hilft der Umwelt
Es geht längst nicht mehr nur um die Belastung des häuslichen
Budgets. Da könnte man salopp sagen, wer schneller fahren will,
muss mehr zahlen. Doch nicht nur weil Benzin immer teurer wird, ist ein
Umdenken angesagt. Viel wichtiger ist inzwischen der Umweltfaktor. Das
zeigt die Diskussion um die Kohlendioxidemissionen. «Praktische
Tests haben ergeben, dass durch verändertes Fahrverhalten beim
Spritverbrauch ein allgemeines Einsparpotenzial von 25 Prozent ohne
spürbare Einschränkungen der Fahrfreude möglich
ist», sagt Helmut Blümer vom Zentralverband Deutsches
Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK). Und wer Sprit spart, reduziert die
Umweltbelastung.
Mehr als jede ausgefeilte Technik hat der Autofahrer den entscheidenden
Einfluss auf seine Tank- und Ökobilanz. Der Umwelt und dem
Portemonnaie beispielsweise hilft es, den Motor nicht im Stand
warmlaufen zu lassen, sondern gleich loszufahren. Beim Anfahren sollte
man das Gaspedal weit durchtreten und frühzeitig in den
nächsthöheren Gang wechseln. Je höher der eingelegte
Gang, desto niedriger ist der Kraftstoffverbrauch. Gleichzeitig senkt
man mit dieser Fahrweise den Geräuschpegel und erfreut somit die
Anwohner. Wenn sich unruhiger Lauf des Motors oder Ruckeln im Antrieb
bemerkbar machen, sollte man zurückschalten. Dann erst fährt
man untertourig.
Zu einem ökonomischen Fahrstil gehört zudem Vorausschau. Zur
optimalen Nutzung der Bewegungsenergie bei Kraftfahrzeugen sollte man
vor Hindernissen frühzeitig vom Gas gehen und das Fahrzeug mit
eingelegtem Gang und eingekuppelt ausrollen lassen. So wird kein Sprit
in den Zylinder eingespritzt (Schubabschaltung - Kraftstoffzufuhr gleich
null). Erst kurz vor dem Halten sollte man auskuppeln. Durch defensives
Fahren und genügend Abstand werden Ungleichmäßigkeiten
im Straßenverkehr ausgeglichen und spritfressende Brems- und
Beschleunigungsvorgänge vermieden. Vor geschlossenen
Bahnschranken, an Ampeln mit langer Schaltung und im Stau lohnt es
sich, den Motor abzustellen. Schon bei Wartezeiten ab einer Minute kann
man Sprit und damit Kosten sparen.
Jedes Kilogramm Mehrgewicht im Auto schluckt Sprit. Ein
regelmäßiger Kofferraumcheck und dessen Entrümpelung
verhindern, dass unnötige Lasten durch die Gegend transportiert
werden. Spätestens zu Ostern gehört keine
Winterausrüstung mehr ins Auto. Fahrrad- oder
Skigepäckträger steigern - auch unbeladen - den Luftwiderstand
und erhöhen somit den Spritverbrauch. Ein Mittelklassewagen
verbraucht bei mittlerem Tempo mit Ski-Dachträger bis zu einem,
mit Fahrrädern auf dem Dach sogar bis zu fünf Liter mehr
Sprit auf 100 km.
Bei jeder zweiten Tankfüllung sollte man den Reifendruck
prüfen. Er sollte 0,2 bar über dem zugelassenen Wert für
ein vollbeladenes Fahrzeug liegen. Zu niedriger Reifenfülldruck
erhöht den Rollwiderstand und damit den Spritverbrauch und
gefährdet obendrein die Sicherheit.
Quelle: ddp, 05.02.2008
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Pavian-Mädchen gedeihen bei väterlicher Fürsorge besser
Mi.06.02.08 - Unter väterlicher Fürsorge werden Pavian- Mädchen
schneller erwachsen. Das haben Forscher um Jeanne Altmann von der
Universität Princeton (US-Staat New Jersey) bei wildlebenden Affen
am Kilimandscharo beobachtet.
Vom Vater behütete Weibchen bekommen später auch mehr
Nachwuchs, wie die Biologen in den «Proceedings» der
US-Akademie der Wissenschaften berichten («PNAS»; online
vorab veröffentlicht). Bislang waren Verhaltensforscher davon
ausgegangen, dass der Vater in Tiergesellschaften ohne feste
Paarbindungen keine große Rolle für den Nachwuchs spielt.
Paviane paaren sich gewöhnlich mit mehreren Artgenossen.
Die Forscher um Altmann werteten Beobachtungsdaten von 118
afrikanischen Steppenpavianen (Papio cynocephalus) aus drei Jahrzehnten
aus. Überraschenderweise wurden Pavian-Mädchen, die unter der
Obhut ihres Vaters heranwuchsen, schneller geschlechtsreif und hatten
mehr Nachkommen. Bei Pavian-Jungen wirkte sich die Anwesenheit ihres
biologischen Vaters nur dann positiv aus, wenn der einen hohen Rang in
der Gruppe innehatte.
Die Biologen erklären ihre Beobachtung damit, dass der Vater
seinem Nachwuchs in Auseinandersetzungen beisteht und bei der
Futtersuche unterstützt. Dies sei besonders für Töchter
hilfreich, die vor allem mit anderen Weibchen der Gruppe konkurrierten.
Gegen Weibchen könne der größere und stärkere Vater
seinen Nachwuchs gut verteidigen. Söhne hingegen haben als Rivalen
die Männchen der Gruppe, vor denen sie nur ein ranghöherer
Vater effektiv beschützen könne.
Die Biologen hatten schon früher gezeigt, dass
Pavian-Männchen trotz ihrer wechselnden Paarungen den eigenen
Nachwuchs erkennen können und ihm in Auseinandersetzungen helfen.
Der Effekt dieses Beistands war bislang jedoch unerforscht. Die
Wissenschaftler um Altmann halten es für wahrscheinlich, dass es
ein ähnliches Verhaltensmuster auch bei anderen Affenarten gibt.
(Quelle: dpa)