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Irak am 1415ten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Angebliches El-Kaida-Video zeigt Training von Kindersoldaten im Irak.
'Deutsche Lebenshilfe': Fassungslos über Missbrauch geistig
behinderter Frauen bei Selbstmordattentaten
Do.07.02.08 - Das Terrornetz El Kaida im Irak bildet nach einem Video auch
Kindersoldaten aus. Auf den Bildern, die im arabischen Fernsehsender
Al-Arabija gezeigt wurden, ist zu sehen, wie Jungen im Alter von zehn
bis zwölf Jahren ein Haus stürmen und einen Mann auf einem
Fahrrad festnehmen. Der Sender machte allerdings keine Angaben
darüber, wie er in den Besitz des Videos gelangt ist. Auch dessen
Echtheit war zunächst nicht geklärt.
Die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet in ihrer Ausgabe vom 4.
Februar 2008 darüber, dass die Sprengsätze der schweren
Anschläge im Irak vom 1. Februar von zwei geistig behinderten
Frauen am Körper getragen wurden: "Die vom Down-Syndrom
betroffenen Frauen waren sich wahrscheinlich nicht darüber im
Klaren, dass sie als Selbstmordattentäterinnen eingesetzt wurden."
Beobachter befürchten darin eine mögliche neue Taktik der
Terrorgruppe Al Qaida. Die Sprengsätze, die 99 Menschen
töteten, waren offenbar mittels Fernzündung zur Explosion
gebracht worden.
"Wir stehen fassungslos vor diesen Abgründen der Menschheit",
kommentiert Robert Antretter, Bundesvorsitzender der Lebenshilfe
für Menschen mit geistiger Behinderung diese Nachricht. Sie zeige
einmal wieder, wie dünn das Eis der Menschlichkeit und
Zivilisation ist: "Es geht immer schlimmer. Wir müssen uns stets
bewusst bleiben: Der Weg in die Barbarei beginnt dort, wo die
Würde eines Menschen abgestuft in Frage gestellt und relativiert
wird."
Gerade daraus leitet Antretter seinen in die Zukunft gerichteten Aufruf
ab, das Leben und die Würde jedes einzelnen Menschen mit
besonderem Engagement zu schützen.
boa (Quellen: dpa, ots)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 07.02.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am neunhundertdreiundfünfzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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US-Regierung verteidigt 'Waterboarding'
Do.07.02.08 - Das Weiße Haus hat die umstrittene Verhörmethode
«Waterboarding» verteidigt, bei der die Gefangenen das
Gefühl haben zu ertrinken. Es handele sich um eine legale
Verhörmethode, mit deren Hilfe das Leben von Amerikanern gerettet
worden sei, und keine Folter, sagte ein Regierungssprecher am Mittwoch.
Präsident George W. Bush könne «Waterboarding»
für künftige Verdächtige genehmigen, wenn das Risiko
eines Anschlags unmittelbar bevorstehe.
Der UN-Sonderberichterstatter für Folter, Manfred Nowak,
verurteilte die Haltung der US-Regierung. «Das ist nach den
internationalen Gesetzen zum Schutz der Menschenrechte völlig
inakzeptabel», sagte Nowak telefonisch aus Wien der
Nachrichtenagentur AP. Es sei an der Zeit, dass das Weiße Haus
diese Methode nicht länger verteidige. Die US-Regierung müsse
endlich zugeben, dass sie etwas falsches gemacht habe, forderte Nowak.
Tags zuvor hatte die US-Regierung erstmals eingeräumt, dass die
Verhörmethode bei drei Häftlingen angewendet wurde. Die
Regierung sei der Meinung gewesen, dass es weitere Anschläge wie
die Terrorangriffe vom 11. September 2001 geben werde, «und wir
wussten kaum etwas über Al Kaida und seine
Tätigkeiten», sagte CIA-Direktor Michael Hayden am Dienstag
vor dem Geheimdienstausschuss des Senats.
«Waterboarding» sei in den Jahren 2002 und 2003 beim
Verhör von Khalid Sheik Mohammed, Abu Zubayda und Abd al Rahim al
Nashiri angewendet worden, erklärte Hayden. Mohammed gilt als
Drahtzieher der Anschläge vom 11. September. Hayden verbot die
Verhörmethode im Jahr 2006. So lang sie vom Justizminister nicht
als gesetzeswidrig eingestuft und von Bush gebilligt werde, bleibe sie
der CIA aber als Möglichkeit erhalten, hieß es.
Nowak stellte die Zahl von nur drei Fällen jedoch in Frage. Es
gebe Hinweise auf wesentlich mehr Fälle. Da die USA ihm aber den
Zugang zu den wichtigsten Terrorverdächtigen und den
US-Geheimgefängnissen sowie dem Gefangenenlager in Guantanamo Bay
verweigern, sei es nicht möglich, die Fälle eindeutig zu
belegen, erklärte Nowak.
(Quelle: ap)
US-Außenministerin Rice erhöht vor Nato-Treffen Druck auf
Alliierte - Deutscher Wehrbeauftragter verteidigt Absage an Kampftruppe
im Süden Afghanistans
Do.07.02.08 - Die USA haben den Druck auf ihre Verbündeten zur Beteiligung an
Kampfeinsätzen in Afghanistan haben die USA vor einem Nato-Treffen
nochmals erhöht.
Außenministerin Condoleezza Rice sagte am Mittwoch auf dem Flug
nach London, einige Länder setzten ihre Soldaten in wesentlich
gefährlicheren Landesteilen in Afghanistan ein. "Wir glauben fest
daran, dass diese Belastung von der gesamten Nato-Allianz getragen
werden muss." Die Bundesregierung lehnt eine Entsendung deutscher
Kampftruppen in den umkämpften Süden ab und will stattdessen
eine kleine Kampftruppe für Einsätze im ruhigeren Norden
anbieten.
Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD)
kündigte im "Hamburger Abendblatt" an, mit
US-Verteidigungsminister Robert Gates über dessen Forderung nach
einem Bundeswehreinsatz im Süden Afghanistans zu sprechen. Die
Zukunft der Afghanistan-Einsätze wird Thema auf der Tagung der
Nato-Verteidigungsminister am Donnerstag und Freitag in der litauischen
Hauptstadt Vilnius sowie auf der Münchner Sicherheitskonferenz am
Wochenende sein.
Der Wehrbeauftragte des Bundestages, Reinhold Robbe, verteidigte die
Absage an die USA für den Süden. Deutschland habe in der
Region schon in Teilen Verantwortung übernommen, etwa durch die
Tornado-Einsätze, durch Transporte und den Einsatz von Fernmeldern,
sagte der SPD-Politiker in der ARD. Eine Ausweitung des Einsatzes in
den Süden komme nicht infrage. "Das ist Konsens in fast allen
Parteien." Auch der Einsatz der neuen Kampftruppe im Norden werde mit
großen Gefahren für die Soldaten verbunden sein. "Dieser
spezielle Auftrag bedeutet auch, dass in speziellen Situationen
gekämpft werden muss."
Rice forderte zudem die Einsetzung eines Gesandten, um die
internationale Hilfe für Afghanistan zu koordinieren. Die Nato
müsse in ihre Rolle als Bekämpferin von Aufständen noch
hineinwachsen, sagte sie. "Es holpert, und die Nato muss noch einen
großen Reifeprozess durchlaufen", sagte sie. Die Bekämpfung
von Aufständischen sei schwierig für traditionelle Armeen,
"von der Nato ganz zu schweigen". Sie wolle damit den derzeitigen
Beitrag der Verbündeten aber nicht klein reden. In London wollte
sich Rice mit britischen Regierungsvertretern treffen, um die
Afghanistan-Strategie zu besprechen.
Gegen die radikal-islamischen Taliban kämpfen derzeit vorwiegend
Soldaten aus Kanada, Großbritannien, den USA und den Niederlanden.
Der von der Nato geführte Isaf-Truppe hat 42.000 Soldaten in
Afghanistan. Das Bundeswehr-Mandat erlaubt die Entsendung von 3500
Soldaten einschließlich der Besatzungen von
Tornado-Aufklärungsjets. Von den 29.000 US-Soldaten in dem Land
gehört die Hälfte der Isaf an, die übrigen stehen unter
nationalem US-Kommando und werden für den offensiveren Kampf gegen
Taliban eingesetzt. Die USA haben angekündigt, 3200
zusätzliche Soldaten zu schicken und hoffen, dass andere
Länder nachziehen.
(Quelle: rtr)
BND bewertet Sicherheitslage in Afghanistan als instabil
Do.07.02.08 - Der deutsche Bundesnachrichtendienst (BND) hat vor einer sich
verschlechternden Sicherheitslage in Afghanistan gewarnt. Den
radikalislamischen Taliban gelinge es zunehmend, Kämpfer mit
regionaler Verwurzelung anzuwerben, sagte der Vizepräsident
für militärische Angelegenheiten des BND, Georg Brandis, in
Berlin. So könnten die hohen Verluste, die bei den Kämpfen mit
den NATO-Truppen entständen, schnell aufgefangen werden. Die
Taliban hatten zuvor häufig Kämpfer aus dem pakistanischen
Grenzgebiet rekrutiert. In fast allen Provinzen, also auch im
vergleichsweise ruhigen Norden und Westen, seien mittlerweile "militante
Zellen aktiv", sagte Brandis.
Besondere Sorge bereite Brandis die zunehmende Zahl der
Selbstmordattentate, die die Sicherheit nachhaltig gefährdeten.
Neben Kandahar und Khost sei insbesonders die Haupstadt Kabul ein Ziel
"mit hoher Symbolkraft". In Afghanistan hätten sich zwar politische
Institutionen etabliert, sie arbeiteten jedoch weiter sehr ineffizient.
Der afghanischen Zentralregierung gelinge es nicht, bereits befriedete
Räume nachhaltig zu kontrollieren. Wenn es nicht gelinge, mehr
Einfluss in den Provinzen zu bekommen, dann seien "bislang erzielte
Erfolge gefährdet".
(Quelle: afp)
Deutschland schickt Kampfverband mit 200 Soldaten nach Nordafghanistan
Do.07.02.08 - Die Bundeswehr wird erstmals eine Kampfeinheit nach Nordafghanistan in
Marsch setzen. Trotz massiven Drucks der USA und der NATO werden aber
keine Soldaten in den umkämpften Süden des Landes geschickt.
Verteidigungsminister Franz Josef Jung kündigte an, die schnelle
Eingreiftruppe werde etwa 200 Soldaten umfassen. Sie soll im Sommer den
von Norwegen gestellten Verband ablösen, der seit zwei Jahren
operiert. Jung wird sie seinen Kollegen beim
Verteidigungsministertreffen der NATO am Donnerstag in Vilnius
offiziell mitteilen.
(Quelle: dpa)
Afghanistan bleibt größter Heroin-Rohstofflieferant
Do.07.02.08 - Afghanistan bleibt nach Angaben der UNO in diesem Jahr weltweit
größter Heroin-Rohstofflieferant und auch einer der
größten Cannabis-Produzenten. Während die Produktion des
Heroin-Grundstoffs Opium im Vergleich zum Rekordjahr 2007
voraussichtlich leicht zurückgehen werde, steige die
Cannabis-Produktion, hieß es in der UN-Studie zum Drogenanbau in
dem Land am Hindukusch.Aus Afghanistan kommen mehr als 90 Prozent des
weltweiten Opiums. Bei Cannabis sei in den untersuchten Gebieten eine
Steigerung von 13 auf 18 Prozent zu erwarten. Die Cannabis-Studie
basiert auf Umfragen in 469 Dörfern.
Die Opium-Prokution werde auch 2008 "erschreckend hoch" sein, sagte der
Leiter des UN-Büros für Drogenkontrolle und
Verbrechensbekämpfung (UNODC), Antonio Maria Costa. Drogenanbau und
Drogenhandel sind eine Haupteinnahmequelle der Taliban. Nach Angaben
von UNODC-Chef Costas verdienen die radikalislamischen Rebellen bis zu
100 Millionen Dollar allein aus "Steuern", die sie von den Opiumbauern
erheben. Weitere Einnahmequellen seien Abgaben von Heroin-Laboren und
der Drogenexport. Auch Stammesführer und korrupte staatliche
Sicherheitsbeamte seien beteiligt.
Die größte Steigerung der Opium-Produktion sei im
umkämpften Süden des Landes zu verzeichnen, wo die Taliban
wieder erstarkt sind und die Regierung in Kabul wenig oder keinen
Einfluss habe. Auf die höchten Zuwachsraten kam laut UNO die
südwestliche Grenz-Provinz Nimros, die an den Iran und Pakistan
grenzt. Die Region gilt als eine Hochburg des Drogenhandels.
Das vergangene Jahr war mit 8200 Tonnen nach UN-Angaben das Rekordjahr
beim Opiumanbbau in Afghanistan. Das entsprach den Angaben zufolge einem
Plus von 34 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Zwar sei 2008 eine
Verkleinerung der Gesamtanbaufläche um etwa tausend Hektar zu
erwarten, dennoch sei das Anbaugebiet noch rund 192.000 Hektar
groß. Wie hoch die Jahres-Produktion ausfalle, hänge vom
Erfolg bei der Zerstörung der Pflanzungen und dem Angebot von
Alternativen für Opium-Bauern ab, hieß es in dem UN-Bericht
weiter.
In diesem Jahr sollten rund 50.000 Hektar Drogen-Anbaufläche
zerstört werden, kündigte Polizei-Chef Mohammad Sarfar an.
Eine Informationskampagne des Ministeriums für
Drogenbekämpfung sei im Gange.
Die Drogenbarone im Land böten den verarmten Bauern bislang
größere Unterstützung als die Regierung in Kabul,
erklärte UNODC-Vertreterin Christina Oguz in einer weiteren
Erklärung. Mit schnellen Krediten als Gegenleistung für die
Verpflichtung, Opium anzubauen, machten sie die Bauern abhängig.
Zudem stellten sie billige Samen und Dünger zur Verfügung.
(Quelle: afp)
Taliban-Kämpfer in Pakistan erklären Waffenruhe
Do.07.02.08 - Eine Koalition von Taliban-Kämpfern in den Stammesgebieten im
Nordwesten Pakistans hat am Mittwoch eine unbegrenzte Waffenruhe
ausgerufen. Die Kämpfe mit den Regierungstruppen seien nach
Gesprächen mit der Regierung eingestellt worden, sagte ein
Sprecher der Organisation Tehrik-e-Taliban, eines Dachverbandes von
Milizen, die im Grenzgebiet zu Afghanistan aktiv sind.
Ein Militärsprecher erklärte dazu, er wisse nichts von
Gesprächen. Die Kämpfer in Süd-Waziristan hätten
aber das Feuer eingestellt und sich etwas zurückgezogen. Er
kündigt an, die Einsätze gegen die Milizen würden
fortgesetzt, bis alle ihre Verstecke und Waffenlager zerstört
seien. Tehrik-e-Taliban wird angeführt von Baitullah Mehsud, der
für zahlreiche Selbstmordanschläge verantwortlich gemacht
wird, darunter auch das Attentat auf Oppositionsführerin Benazir
Bhutto am 27. Dezember.
Beim Absturz eines pakistanischen Heereshubschraubers in
Süd-Waziristan wurden am Mittwoch drei Generäle und fünf
weitere Soldaten getötet. Als Ursache wurde ein technischer Defekt
vermutet. Der Pilot habe vor dem Absturz über Probleme berichtet,
sagte ein Sprecher.
(Quelle: ap)
Regierung im Tschad nach Rebellenoffensive geschwächt
Do.07.02.08 - Die Regierung im Tschad ist nach der Rebellenoffensive erheblich
geschwächt. Präsident Idriss Déby erklärte zwar
in seinem ersten öffentlichen Auftritt seit Beginn der Kämpfe
am Freitag, seine Truppen hätten «das ganze Land unter
Kontrolle». Allerdings musste er am Mittwoch einräumen, dass
vier Fünftel seiner Minister verschwunden seien, er sprach von
Verrat. Nach französischen Geheimdienstangaben scheinen sich die
Rebellen östlich der Hauptstadt N'Djamena zu sammeln und
könnten bald Verstärkung bekommen.
«Wir kontrollieren nicht nur die Hauptstadt, sondern das ganze
Land», sagte Déby in seinem Präsidentschaftspalast.
Er wies Spekulationen, er selbst sei bei den heftigen Gefechten um
N'Djamena verletzt worden, zurück. «Sehen Sie, mir geht es
gut», sagte er zu Reportern. Der Umsturzversuch bedroht jedoch
seine Macht. «Ich arbeite mit weniger als einem Fünftel
meiner Minister», erklärte er. «Ich weiß nicht,
wo die übrigen sind. Wenn die Zeit dafür kommt, werde ich
mich darum kümmern.»
Der französische Verteidigungsminister Hervé Morin stattete
Déby einen Blitzbesuch ab, um ihm die Unterstützung von
Paris zuzusichern. Seinen Angaben zufolge ist der Aufstand noch nicht
komplett niedergeschlagen. Nach Geheimdienstinformationen sei eine
Fahrzeugkolonne zur Unterstützung der Rebellen unterwegs, sagte er
dem Sender France Inter. «Sie bewegt sich langsam», sagte
er, ohne nähere Angaben zu machen.
Außenminister Bernard Kouchner sagte dem Sender Europe-1, die
Rebellen würden sich offenbar östlich der Hauptstadt sammeln.
«Zur Zeit hält Déby N'Djamena, aber 100 bis 200
Rebellenfahrzeuge scheinen östlich der Stadt zusammengezogen
worden zu sein.» In der Stadt herrschte am Mittwoch eine
geisterhafte Ruhe.
Die Kämpfe zwischen Rebellen und Regierungstruppen begannen am
Freitag und kosteten bis zum Montag nach Angaben des Roten Kreuzes
mehrere hundert Menschen das Leben. Bis zu 20.000 Menschen flohen ins
benachbarte Kamerun. Die Regierung rief die Flüchtlinge zur
Rückkehr auf.
Bei der Evakuierung der deutschen Botschaft am Wochenende gaben
französische Truppen nach Kouchners Angaben Schüsse ab.
«Es war sehr schwierig und sehr gefährlich», sagte er.
Insgesamt 50 Deutsche wurden aus dem zentralafrikanischen Land
gerettet. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hatte sich
«sehr erleichtert über den erfolgreichen Verlauf der
Evakuierung» gezeigt und die französische Führung bei
der Rettungsaktion hervorgehoben.
Papst Benedikt XVI. rief am Mittwoch im Vatikan zu einem Ende der
Kämpfe und zum Dialog der Konfliktparteien auf. «Ich
appelliere dazu, die Waffen niederzulegen und den Weg des Dialogs und
der Versöhnung einzuschlagen.» Die internationale
Gemeinschaft forderte der Papst auf, den Flüchtlingen die
notwendige Hilfe zukommen zu lassen.
(Quelle: ap)
Australische Regierung entschuldigt sich bei Aborigines
Do.07.02.08 - Die australische Regierung hat für kommende Woche eine formelle
Entschuldigung für staatliches Unrecht gegen die Aborigines
angekündigt. Entschädigungszahlungen an die Ureinwohner
schließt Ministerpräsident Kevin Rudd allerdings aus, wie aus
dem am Mittwoch veröffentlichen Antrag ans Parlament in Canberra
hervorgeht. Demnach sollen die Abgeordneten einer Entschuldigung in
insgesamt sieben Punkten zustimmen.
Vor allem räumt die Regierung ein, dass es ein Unrecht war, Kinder
der Aborigines zwangsweise der staatlichen Fürsorge zu
überstellen. Statistiken zufolge wurden zwischen 1910 und den 70er
Jahren des vorigen Jahrhunderts etwa 100.000 Kinder ihren Eltern
weggenommen. Es wird also eine Entschuldigung für diese
«gestohlenen Generationen» geben, wie es in dem vorgelegten
Dokument heißt. Damit verbunden ist die Zusage, dass so etwas nie
wieder passieren werde.
Rudd misst der Angelegenheit jedoch solche Bedeutung zu, dass er
bereits für die konstituierende Parlamentssitzung am 13. Februar
eine Abstimmung plant. Der sozialdemokratische Sieger der Parlamentswahl
vom 24. November hat auch die oppositionellen Liberaldemokraten um
Unterstützung gebeten. Deren neuer Chef Brendan Nelson hat eine
formelle Entschuldigung bislang abgelehnt, die Parteimehrheit ist
inzwischen aber dafür.
(Quelle: ap)
Türkisches Parlament beschließt Ende des Kopftuchverbots
Do.07.02.08 - Das türkische Parlament hat am Mittwoch in erster Lesung ein Ende
des Kopftuchverbots an Universitäten beschlossen. 401 Abgeordnete
stimmten für die Aufhebung des Verbots, 110 dagegen. Nach der
ersten Lesung soll es eine zweite und letzte Lesung am Samstag geben.
Das Kopftuchverbot, das die Regierung der islamischen AKP abschaffen
will, ist ein politisch heißes Eisen in der Türkei. Das
Tragen eines Kopftuchs wird von liberalen Türken als politische
Aussage zugunsten eines islamischen Staates gewertet. Die Partei
für Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP) kann im Parlament mit der
Unterstützung der oppositionellen Nationalistischen Aktionspartei
(MHP) vom rechten Rand des politischen Spektrums rechnen. Die beiden
Parteien verfügen im Parlament über genügend Sitze
für eine Verfassungsänderung.
Die Vorlage sieht vor, dass Studentinnen künftig ein Kopftuch
tragen dürfen, sofern es unter dem Kinn zusammengebunden wird und
nicht das Gesicht verdeckt. Tschadors, Schleier und Burkas sollen nicht
erlaubt sein.
In der Nähe des Parlamentsgebäudes versammelten sich rund 200
Demonstranten, die gegen das Vorhaben demonstrierten. Am vergangenen
Samstag hatten mehr als 125.000 Menschen, zumeist Frauen, gegen das
Ende des Kopftuchverbots demonstriert. Das einflussreiche Militär,
das sich als Wächter einer weltlichen Staatsform versteht, hat
sich bislang aus dem Streit herausgehalten.
Die derzeit gültige und das Kopftuch verbietende Verfassung wurde
nach einem Militärputsch 1980 erlassen. Seit die Streitkräfte
1997 die Regierung einer streng islamischen und inzwischen verbotenen
Partei verdrängten, wird das Verbot streng beachtet.
«Bedeckt» arbeitende Frauen dürfen laut Gesetz auch
nicht für Regierungsbehörden tätig sein.
(Quelle: ap)
Italiener werden im April vorzeitig zur Wahlurne gerufen
Do.07.02.08 - In Italien wird am 13. und 14. April ein neues Parlament gewählt.
Nach der Auflösung des Parlaments durch Staatspräsident
Giorgio Napolitano am Mittwochvormittag einigte sich das Kabinett auf
diesen Termin. Umfragen sehen dabei die von Silvio Berlusconi
geführte Mitte-rechts-Opposition in Führung.
Napolitano machte mit der Auflösung des Parlaments den Weg
für eine vorgezogene Abstimmung frei. Diese muss laut der
Verfassung binnen 70 Tagen stattfinden. Die Bestimmung des genauen
Termins oblag der Regierung des zurückgetretenen
Ministerpräsidenten Romano Prodi, der die Amtsgeschäfte bis
zur Wahl noch kommissarisch weiterführt. Der Termin Mitte April
lässt den Parteien noch möglichst viel Zeit für den
Wahlkampf. Bemühungen zur Bildung einer Übergangsregierung,
die vor der Neuwahl noch eine Wahlrechtsreform auf den Weg bringen
sollte, waren zuvor am Widerstand der konservativen Opposition
gescheitert.
«Es wird jetzt so viel über Generationswechsel geredet, da
ist es notwendig, dass einer ein Beispiel setzt», sagte der
scheidende Regierungschef Prodi. Der 68-Jährige spielte dabei
offenbar auf die Kandidatur seines Erzrivalen Berlusconi an: Der
Milliardär und Medienunternehmer ist bereits 71 Jahre alt. Der
Spitzenkandidat der bislang regierenden Mitte-links-Koalition wird
voraussichtlich der römische Bürgermeister Walter Veltroni
sein. Der 52-Jährige führt die Demokratische Partei, die
neugegründete Sammelbewegung der italienischen Linken.
Napolitano hatte am vergangenen Mittwoch nach dem Scheitern Prodis bei
einer Vertrauensabstimmung zunächst Senatspräsident Franco
Marini mit der Bildung einer Übergangsregierung zur Durchsetzung
einer Wahlrechtsreform beauftragt. Das bisherige Wahlrecht
begünstigt kleinere Parteien und damit die Zersplitterung des
Parlaments. Marini biss aber auf Granit bei Berlusconis
Mitte-rechts-Opposition, die gestärkt von guten Umfragewerten
Neuwahlen verlangte.
«Solche Neuwahlen stellen eine Ausnahme dar»,
begründete Napolitano am Mittwoch seine vorherigen Versuche, die
Auflösung des Parlaments zu verhindern. Er habe nun aber keine
andere Wahl. Es sei bedauerlich, dass nun Wahlen stattfänden, ohne
dass zuvor das Wahlrecht geändert worden sei. Prodis nach 20
Monaten gescheitertes Bündnis war bereits die 61. Regierung
Italiens seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs.
Berlusconi war zuletzt von 2001 bis 2006 Ministerpräsident, wurde
dann jedoch nach einer verlorenen Parlamentswahl von Prodis
Mitte-links-Bündnis abgelöst. Prodi verlor Ende Januar nach
dem Rücktritt eines kleinen Koalitionspartners eine
Vertrauensabstimmung im Senat und trat daraufhin zurück.
(Quelle: ap)
Polen und Deutsche beraten über Erinnerungsprojekte
Do.07.02.08 - Nach der Annäherung im deutsch-polnischen Streit über das
geplante Zentrum gegen Vertreibungen setzen beide Seiten die
Verhandlungen über Erinnerungsprojekte zur Kriegszeit fort: Der
polnische Sonderbeauftragte für Deutschland, Wladyslaw
Bartoszewski, reiste zu zweitägigen Gesprächen nach Berlin.
"Wir stehen am Anfang des Weges", sagte Bartoszewski der polnischen
Tageszeitung "Gazeta Wyborcza". Auf deutscher Seite sehe er "das
Bemühen, die polnischen Vorbehalte zu verstehen und den Wunsch
nach Unterstützung der polnischen Projekte".
Am Dienstag hatten Bartoszewski und der deutsche
Kulturstaatssekretär Bernd Neumann (CDU) eine erste
Verständigung im jahrelangen Streit um den deutschen Wunsch nach
einem Zentrum gegen Vertreibungen erreicht. Neumann hatte Bartoszewski
in Warschau die Pläne der Bundesregierung für ein "Sichtbares
Zeichen gegen Flucht und Vertreibung" erläutert, das in Berlin als
Dokumentationszentrum geschaffen werden soll.
Anschließend erklärten beide Seiten, die polnische Regierung
wolle sich an dem Projekt zwar nicht formell beteiligen, schließe
aber eine Beteiligung polnischer Historiker nicht aus. Bisher hatte
Polen alle deutschen Projekte für ein Zentrum gegen Vertreibungen
in Berlin grundsätzlich abgelehnt aus der Befürchtung heraus,
die Deutschen wollten die Geschichte neu interpretieren und sich von
Tätern zu Opfern machen. Für Polen sind die im kommenden Jahr
anstehenden Gedenkfeiern zum 70. Jahrestag des Kriegsbeginns von
besonderer Bedeutung. "Wir müssen daran erinnern, dass der Krieg
mit dem Angriff auf Polen begann", sagte Bartoszewski.
Mit Neumann erörterte Bartoszewski bereits eine Zusammenarbeit bei
der Renovierung des Mahnmals auf der Westerplatte und zur Vorbereitung
des Projekts eines "Museums von Krieg und Frieden im 20. Jahrhundert"
in Danzig. Mit dem deutschen Angriff auf einen polnischen Wachposten
auf der Westerplatte in Danzig hatte 1939 der Zweite Weltkrieg begonnen.
Laut "Gazeta Wyborcza" sprachen Neumann und Bartoszewski auch über
ein Museum der polnischen Geschichte in Berlin, ein Denkmal zu Ehren
der antikommunistischen polnischen Gewerkschaft und Freiheitsbewegung
Solidarnosc in der Nähe des Reichstags und über eine
Ausstellung über polnische Kriegsopfer. Beide Seiten wollen das
2005 gegründete Europäische Netzwerk "Erinnerung und
Solidarität" wiederbeleben.
(Quelle: afp)
Union im Sinkflug - Rüttgers warnt seine Partei vor zu radikalen
Wirtschaftskurs
Do.07.02.08 - Der Richtungsstreit in der Union hat zu einem Vertrauensverlust bei den
Wählern geführt. Binnen einer Woche verloren CDU und CSU in
der wöchentlichen Forsa-Umfrage für das Magazin
«Stern» und den TV-Sender RTL vier Prozentpunkte und kommen
nun auf 35 Prozent. Das entspricht dem Abschneiden bei der
Bundestagswahl 2005. Forsa-Chef Manfred Güllner sagte, die
Strategiedebatte in der CDU habe offenbart, «dass der Partei eine
klare Linie fehlt». Unterdessen geht die Debatte um die
Ausrichtung in der Union weiter.
CDU-Bundesvize Jürgen Rüttgers warnt seine Partei vor einem
zu radikalen Wirtschaftskurs. Wer einen Gegensatz zwischen Wirtschafts-
und Sozialpolitik aufmache, gefährde nicht nur die
Mehrheitsfähigkeit, sondern auch die Identität der Union,
sagte der nordrhein-westfälische Ministerpräsident. Es sei
immer »die Stärke der CDU gewesen, durch die soziale
Marktwirtschaft die Erfordernisse der Wirtschaft mit den
Bedürfnissen der Menschen in Einklang gebracht zu haben«.
Diese »grundlegende Haltung« habe die CDU immer sowohl von
der reinen Marktgläubigkeit der Neoliberalen als auch von der
Staatsgläubigkeit der linken Parteien unterschieden.
CSU-Chef Erwin Huber kritisierte die nach den Landtagswahlen in Hessen
und Niedersachsen entbrannte Debatte über den Kurs der Union.
»Alle, die jetzt eine Strategiedebatte betreiben, verwischen eher
die Konturen unserer Politik, als sie zu schärfen«, sagte
Huber. Er sehe »keinen grundsätzlichen
Korrekturbedarf«. Huber warnte davor, wirtschaftliche Stärke
und soziale Politik gegeneinander auszuspielen. Wirtschaftliches
Wachstum sei die Grundvoraussetzung dafür, dass man Politik
für sozial Schwache machen und finanzieren könne. «Eine
Volkspartei müsse auch beides ansprechen, um Erfolg zu
haben», betonte der CSU-Chef.
Für die CSU nahm Huber in Anspruch, «die Vertretung der
Wertkonservativen in ganz Deutschland» zu sein.
CSU-Generalsekretärin Christine Haderthauer sieht ihre Partei als
«konservative Speerspitze für ganz Deutschland».
Haderthauer machte wie auch Huber deutlich, dass Wirtschaft und Soziales
keine Widersprüche seien. «Soziale Gerechtigkeit ist nicht
links», betonte die CSU-Generalsekretärin.
In der Forsa-Umfrage musste neben der Union auch die SPD Federn lassen.
Sie fiel im Vergleich zur Vorwoche um 2 Punkte auf 25 Prozent. Dagegen
legten die drei kleineren Parteien um jeweils zwei Prozentpunkte zu. Die
Linke kommt nun auf 14 Prozent, die FDP auf 11 und die Grünen auf
10 Prozent.
(Quelle: ddp)
Stegner glaubt an Zusammenarbeit mit Linken auf lange Sicht
Do.07.02.08 - Der schleswig-holsteinische SPD-Partei- und Fraktionschef Ralf Stegner
hält langfristig eine Zusammenarbeit seiner Partei mit den Linken
auch im Westen für möglich. "Man kann ja auch nicht sagen, die
Linkspartei ist für die nächsten zwanzig Jahre tabu", sagte
Stegner der "Süddeutschen Zeitung". Die SPD werde auf Dauer eine
linke Mehrheit nicht ungenutzt lassen.
SPD-Chef Kurt Beck habe erkannt, dass in einem Kurs der SPD als linke
Volkspartei die Chance liegt, die sogenannte Linke möglichst klein
zu halten, fügte Stegner hinzu. "Polarisierung nützt der SPD."
Er bezweifle daher, "dass wir uns schon dauerhaft auf ein
Fünf-Parteien-System im Westen einzurichten haben, wie ich
ständig lese".
(Quelle: afp)
Cohn-Bendit für mehr Offenheit der Grünen zur Linkspartei
Do.07.02.08 - Der Fraktionschef der Grünen im Europaparlament, Daniel
Cohn-Bendit, hat von seiner Partei mehr Offenheit für politische
Bündnisse auch mit den Linken gefordert. «Es kann nicht
sein, dass der politische Gegner definiert, mit wem wir Grünen
Gespräche führen dürfen», sagte Cohn-Bendit beim
politischen Aschermittwoch der nordrhein-westfälischen Grünen
in Köln. Er träume von einer politischen Führung, die
den Mut zu einer Debatte mit den Linken habe. Das künftige
Fünf-Parteien-System zwinge zu «einer
politisch-intellektuellen Flexibilität, vor der wir Angst
haben».
In Hessen wird es nach Einschätzung von Cohn-Bendit zu einer
rot-grünen Minderheitsregierung kommen, die zumindest von den
Linken toleriert wird. «Das wird nicht jedem gefallen, aber das
wird so kommen», sagte der Grünen-Politiker.
(Quelle: ddp)
Arbeitsminister Scholz hält Vollbeschäftigung für
möglich
Do.07.02.08 - Bundesarbeitsminister Olaf Scholz hält Vollbeschäftigung in
Deutschland für erreichbar. «Ich möchte, dass kein
Bürger im Land länger als ein Jahr arbeitslos ist»,
sagte der SPD-Politiker den «Ruhr Nachrichten». Der
Aufschwung müsse genutzt werden, um diejenigen, die schon lange auf
einen Arbeitsplatz warteten, in den Arbeitsprozess zu integrieren. Die
deutsche Konjunktur halte er trotz aller Turbulenzen an den
Börsen, der Entwicklung der Ölpreise und des Wechselkurses
zwischen Euro und Dollar für robust, sagte Scholz.
«Auch wenn wir nicht so ein großes Wachstum wie im letzten
Jahr haben werden, wird die Arbeitslosigkeit weiter zurückgehen.
Ich halte 300.000 Arbeitslose weniger als 2007 für
möglich», wird der Minister zitiert. Für eine weitere
Senkung des Beitrags zur Arbeitslosenversicherung sieht Scholz aber
keine Spielräume. Im Vordergrund müsse nun die Vermittlung der
Arbeitslosen stehen. Sowohl beim Entsendegesetz als auch beim
Mindestarbeitsbedingungsgesetz peilt der Minister ein Inkrafttreten
Mitte des Jahres an. «Beide Gesetze werden von der Jahresmitte an
vielen Arbeitnehmern ein würdiges Arbeiten ermöglichen»,
wird der SPD-Politiker zitiert.
(Quelle: ap)
Arbeitgeber mahnen zum Maßhalten bei Lohnforderungen
Do.07.02.08 - Trotz des robusten Aufschwungs und sinkender Arbeitslosigkeit sieht die
deutsche Wirtschaft weiter keinen Spielraum für kräftige
Tariferhöhungen. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt verwies am
Mittwoch in Berlin auf wachsende Risiken in der Weltwirtschaft und warf
den Gewerkschaften vor, aktuell in einigen Branchen weit
überhöhte Lohnforderungen zu stellen. Dies gefährde
Arbeitsplätze.
«Streiks, Streikdrohungen und abstruse Lohnforderungen helfen in
dieser Situation niemandem», meinte Hundt mit Blick auf die
heftigen Tarifkonflikte bei der Bahn, im Einzelhandel und der
Stahlindustrie. «Was wir brauchen, sind Verlässlichkeit und
Vertrauen, damit Investoren Arbeitsplätze schaffen», sagte er.
3,7 Millionen Erwerbslose warteten weiterhin auf Arbeit. «Dies
sind 3,7 Millionen überzeugende Argumente für eine
vernünftige, für eine moderate Tarifpolitik», sagte der
Funktionär. Für die Lohnfindung gebe es eine «einfache
Rechnung», die oft und gern vergessen werde: Lohnerhöhungen
müssten unterhalb des Produktivitätszuwachses bleiben.
Gleichwohl deuten die Zeichen der angelaufenen Tarifverhandlungen nach
seinen Worten aber in die andere Richtung: Die IG Metall fordere acht
Prozent mehr Lohn in der Stahlindustrie, doch sei die Prognose
schlechter als noch vor zwei Jahren, als die IG Metall eine
Lohnforderung von sieben Prozent gestellt habe.
Ähnliches gelte für die chemische Industrie. Und in der
Textil- und Bekleidungsindustrie sei die IG Metall mit einer Forderung
von 5,5 Prozent in die Tarifrunde gegangen, obwohl der Aufschwung in
dieser Branche bisher nur bedingt ankomme, klagte Hundt. Für den
kriselnden Einzelhandel gehe die Forderung von ver.di nach einer
Erhöhung um 4,5 bis 6,5 Prozent gänzlich an der Realität
vorbei. «Die Branche befindet sich bestenfalls in einer
Stagnation, wenn nicht sogar in einer Rezession», sagte er.
Im gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt sind die tariflichen
Grundvergütungen 2007 um 2,2 Prozent gestiegen - exakt genauso wie
die Lebenshaltungskosten. Im Durchschnitt wurde also lediglich die
Preissteigerungsrate ausgeglichen. Ähnlich verlief die Entwicklung
in den vergangenen Jahren.
Hundt sagte hingegen, ebenso kontraproduktiv wie überhöhte
Lohnforderungen seien «vermeintliche sozialen Wohltaten,
gefährliche Beschäftigungsbremsen im Gewand
überhöhter Mindestlöhne sowie teure, aber nutzlose
staatliche Beschäftigungsprogramme», sagte er.
Abschließend sagte der Arbeitgeberpräsident: «Im
Interesse der Wirtschaft und der Menschen, die Arbeit suchen, appelliere
ich an die Bundesregierung: Laufen Sie nicht linken
Sprücheklopfern hinterher, sondern gehen Sie den eingeschlagenen
erfolgreichen Weg der Reformen entschlossen weiter.»
(Quelle: ap)
Deutscher Maschinenbau im Dezember wieder mit zweistelligem Plus
Do.07.02.08 - Die Aufträge für die deutschen Maschinen- und Anlagenbauer
haben im letzten Monat von deren viertem Rekordjahr in Folge mit
zweistelligen Zuwachsraten angezogen.
Die Bestellungen seien im Dezember um 14 Prozent gestiegen, teilte der
Branchenverband VDMA am Mittwoch mit. Die Aufträge aus Deutschland
legten um neun Prozent, aus dem Ausland um 16 Prozent zu. Die
Entwicklung deute weiter auf eine Wachstumsverlangsamung hin,
erklärte VDMA-Chefvolkswirt Ralph Wiechers. Im November waren die
Order wegen einer schwächeren Inlandsnachfrage nur um sieben
Prozent gestiegen.
Wegen des starken Euro und der Krise an den Finanzmärkten hatte
der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) seine Latte
für 2008 schon tiefer gehängt. Die Experten gehen nun von
einem Zuwachs des Produktionsvolumens von fünf Prozent aus, 2007
waren es noch elf Prozent.
In dem von kurzfristigen Schwankungen weniger beeinflussten
Dreimonatsvergleich von Oktober bis Dezember wuchs der Auftragseingang
um 13 Prozent. Im Inland lag das Wachstum bei sechs Prozent, im Ausland
bei 18 Prozent.
(Quelle: rtr)
BA macht Druck auf Arbeitslose: 58 Prozent mehr Sanktionen
Do.07.02.08 - Jobcenter haben im vergangenen Jahr 58 Prozent mehr Sanktionen
ausgesprochen als im Jahr zuvor und damit den Druck auf
arbeitsunwillige Hartz-IV-Empfänger deutlich erhöht.
Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) vom Mittwoch wurden
im September 2006 rund 87 500 Erwerbslosen die Hartz-IV-Leistungen
gekürzt. Ein Jahr später habe die Zahl der Sperrzeiten
bereits 138 700 betragen, geht aus Internet-Daten der BA hervor. Der
Anteil der Leistungsempfänger, die Sanktionen hinnehmen mussten,
sei damit binnen Jahresfrist von 1,9 auf 2,7 Prozent gestiegen.
Eine BA-Sprecherin führt dies darauf zurück, dass die
Jobcenter inzwischen konsequenter gegen arbeitsunwillige
Langzeitarbeitslose vorgehen. «Die Vermittler haben dank der
guten Arbeitsmarktlage mehr Möglichkeiten, zumutbare
Stellenangebote zu unterbreiten», sagte die Sprecherin. Zudem
arbeiteten die Vermittler in den kommunalen Arbeitsgemeinschaften nach
Schwierigkeiten in der Anfangsphase inzwischen professioneller.
Nach Angaben der BA hat der Umfang der Sperrzeiten im Laufe des Jahres
kontinuierlich zugenommen. Am häufigsten würden sie in den
wirtschaftsstarken süddeutschen Bundesländern verhängt.
So erreiche die Sanktionsquote in Bayern den Spitzenwert von 3,8
Prozent; in Rheinland-Pfalz liege der Anteil der Sanktionierten bei
3,4, in Baden-Württemberg bei 3,2 Prozent.
Die BA-Sprecherin betonte zugleich, nicht bei jedem Verstoß
treffe Langzeitarbeitslose die volle Härte des Gesetzes. Wer
beispielsweise nur einen Gesprächstermin mit einem Vermittler
versäume, dem werde die Hartz-IV-Leistung unter bestimmten
Umständen für einen Zeitraum von drei Monaten lediglich um
zehn Prozent gekürzt. Wer dagegen eine zumutbare Arbeit ablehne,
dem drohten abstriche von 30 Prozent. Wer innerhalb eines Jahres erneut
ablehne, sich auf eine angebotene Stelle zu bewerben, müsse mit
einer Kürzung von 60 Prozent rechnen.
(Quelle: dpa)
NRW fordert von Nokia 41 Millionen Euro Subventionen zurück
Do.07.02.08 - Das Land Nordrhein-Westfalen fordert vom finnischen Handykonzern Nokia
41 Millionen Euro an Subventionen zurück. Nokia habe die Auflagen
der Subventionen an das Bochumer Werk nicht erfüllt, erklärte
das nordrhein-westfälische Wirtschaftsministerium in
Düsseldorf. Eine Prüfung habe ergeben, dass die Zahl der
vorgeschriebenen dauerhaften Arbeitsplätze in dem Werk seit 2002
unterschritten worden sei.
Das Ministerium habe daher die für Subventionen zuständige
NRW-Bank angewiesen, die in den Jahren 1998 und 1999 gezahlten
Investitionshilfen zurückzufordern. Diese Rückforderung habe
die Bank inzwischen an Nokia weitergeleitet. Das Land hatte bereits nach
der Ankündigung von Nokia, das Werk in Bochum zur Jahresmitte zu
schließen, an der Rechtmäßigkeit der Subventionen
gezweifelt. Nokia will die Arbeit von Bochum unter anderem nach
Rumänien verlagern, da das Kostenniveau in Deutschland zu hoch sei.
(Quelle: afp)
Ermittlung der Brandursache in Ludwigshafen hat begonnen
Do.07.02.08 - Drei Tage nach dem verheerenden Brand in einem von Türken
bewohnten Haus in Ludwigshafen hat die Ermittlung der Brandursache
begonnen.
Fachleute von Landes- und Bundeskriminalamt hätten in dem
einsturzgefährdeten Haus die Spurensicherung aufgenommen, sagte
eine Polizeisprecherin am Mittwoch. Dabei würden auch speziell
ausgebildete Spürhunde eingesetzt. Durch den Brand waren am
Sonntagabend neun Menschen getötet worden, darunter fünf
Kinder.
Am Mittag wurden der für die Auslandstürken zuständige
türkische Staatsminister Mustafa Said Yazicioglu und die
Integrationsbeauftragte von Bundeskanzlerin Angela Merkel, Maria
Böhmer, am Unglücksort erwartet. Yazicioglu begleitet
türkische Brandexperten, die sich an den Ermittlungen beteiligen
wollten. Die Ursache des Feuers ist noch unklar. Die Polizei ermittelt
in alle Richtungen und geht auch den Aussagen zweier Mädchen nach,
die einen Mann im Treppenhaus gesehen haben wollen, der Feuer legte. Auf
das türkische Kulturzentrum im Erdgeschoss des Hauses war nach
Angaben der Staatsanwaltschaft im Sommer 2006 ein Brandanschlag
verübt worden.
(Quelle: rtr)
GEW gegen weitere Senkung der Mindeststundenzahl an Gymnasien
Do.07.02.08 - Im Streit um eine Reform der Gymnasien hat die Gewerkschaft Erziehung
und Wissenschaft (GEW) die Kultusminister davor gewarnt, die
Mindeststundenzahl bis zum Abitur weiter abzusenken. «Innerhalb
der Europäischen Union erhalten nur Schüler in Polen noch
weniger Unterricht als in Deutschland«, sagte die GEW-Vizechefin
Marianne Demmer der »Neuen Osnabrücker Zeitung»
(Mittwochausgabe). Es drohe ein weiterer Qualitätsverlust. Die
Gymnasiasten würden dagegen nicht entlastet.
Demmer widersprach damit Niedersachsens Ministerpräsidenten
Christian Wulff (CDU), der die Unterrichtsstunden weiter verringern
will. Hintergrund sind Klagen von Eltern, Schülern und Lehrern,
das Lernpensum sei nach der Verkürzung des Abiturs auf zwölf
Jahre wegen der bundesweit geltenden Mindestgrenze von 265
Jahreswochenstunden zu groß.
Dieser Kritik schloss sich die GEW an. Als «unausgegorene und
völlig verhunzte Reform« bezeichnete Demmer die Reduzierung
der Schulzeit in den meisten Bundesländern. »Die
Kultusminister wollten nach dem PISA-Schock beweisen, dass sie schnell
handeln können», sagte die Schulexpertin. Allerdings habe
die Maßnahme die bei PISA deutlich gewordenen Probleme sogar noch
vergrößert: "Das Gymnasium ist so noch selektiver
geworden.« Folglich werde künftig die Zahl der Sitzenbleiber
mit großer Wahrscheinlich weiter ansteigen.
Problematisch sei vor allem, dass die Kultusminister die ganze Last der
Schulzeitverkürzung der 5. bis 9. Klasse aufgeladen hätten.
Der Unterricht in der Unter- und Mittelstufe reiche jetzt bis tief in
den Nachmittag hinein. Es fehle ein Wechsel zwischen Anspannung und
Entspannung, zwischen Lernen und Freizeit. Viele Schulen könnten
nicht einmal eine vernünftige Mittagsverpflegung anbieten.
(Quelle: ddp)
Oettinger fordert weniger Naturwissenschaften im Gymnasium
Do.07.02.08 - Der baden-württembergische Ministerpräsident Günther
Oettinger (CDU) will bundesweit die Lehrpläne an Gymnasien
entrümpeln. Nicht jede Formel in Biologie, Chemie und Physik sei
für das spätere Leben notwendig, sagte Oettinger am Mittwoch
in Fellbach. Er schlug vor, den Unterricht in diesen Fächern zu
straffen und die eingesparte Zeit für die Erledigung von
Hausaufgaben zu verwenden.
Oettinger reagiert damit auf Klagen über eine Überlastung der
Schüler im Zuge der Einführung des achtjährigen
Gymnasiums (G8). Seinen Angaben zufolge wurde unter Beteiligung der
Kultusministerkonferenz (KMK) und Bundesbildungsministerin Annette
Schavan (CDU) bereits eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die auch
über eine Entrümpelung der Lehrpläne beraten soll. Nach
den Vorstellungen Oettingers sollen die Schüler die durch
Lehrplanverkürzungen gewonnene Zeit innerhalb der Schule
verbringen, um dort ihre Hausaufgaben zu erledigen.
(Quelle: ddp)
Wissenschaft
Zeitmessung mit 'Optischer Atomuhr'
Do.07.02.08 - Wissenschaftler der Physikalisch Technischen Bundesanstalt (PTB) wollen
die Zeitmessung noch genauer machen, als es bisher möglich ist.
Dies soll nach Angaben der PTB mit einer «optischen Atomuhr»
gelingen. Anders als bei gängigen Cäsium-Atomuhren, bei denen
die Zeit über Mikrowellenschwingungen gemessen wird, sollen
optische Atomuhren die Zeit über Schwingungen im Bereich des
sichtbaren Lichts messen. Weil die Frequenz des Lichtes höher ist
als die der Mikrowellen, rechnen die Physiker mit einer Steigerung bei
der Genauigkeit, Stabilität und Zuverlässigkeit der
Zeitmessung.
Bei einer der möglichen Varianten einer optische Uhr, die derzeit
in der PTB entwickelt wird, werden Strontiumatome im Interferenzmuster
zweier Laserstrahlen festgehalten. In diesem sogenannten optischen
Gitter kann dann die Absorptionsfrequenz der Atome genau gemessen
werden. Mit dieser Methode soll die Zeit-Basiseinheit Sekunde noch
genauer bestimmt werden können. Ob dies tatsächlich gelingt,
müssen allerdings noch weitere Untersuchungen und internationale
Vergleiche zeigen, teilten die Braunschweiger Forscher weiter mit.
Auf den täglichen Zeitdruck vieler Menschen wird die neue, noch
genauere Atomuhr aber keine Auswirkungen haben. Schon die jetzigen
Cäsium-Atomuhren messen die Zeit so genau, dass sie in 30 Millionen
Jahren nur etwa eine Sekunde von der tatsächlichen Zeit abweichen.
(Quelle: ddp)
Körperwärme als Energiequelle für Handys und Co
Do.07.02.08 - Ein neuartiger Chip wandelt Körperwärme in Energie um. Das
leistungsstarke Bauteil ist von den Forschern des Massachusetts
Institute of Technology (MIT) entwickelt worden.
Bereits in fünf Jahren will das Unternehmen Texas Instruments die
niedervoltigen Bauteile beispielsweise in Handys und PDAs sowie in
medizinische Implantate einbauen und auf den Markt bringen. Das hat
jetzt das Magazin "Computerworld" berichtet.
Für den Endverbraucher bietet die Technik den Vorteil, dass die
Geräte auch unterwegs oder beim Gebrauch aufgeladen werden
könnten. Die Akku-Laufzeiten wären damit unabhängiger von
festen Ladestationen, die an Steckdosen angeschlossen sind. Die
Stromkosten für das Aufladen und der damit verbundene
CO2-Ausstoß werden gesenkt.
Aufgrund der speziellen Bauweise verbrauchen diese Chips laut der
MIT-Erfinder zehnmal weniger Energie als gewöhnliche integrierte
Schaltkreise. Sie sind deshalb so konzipiert worden, dass die
Körperwärme ausreicht, um sie mit Energie zu versorgen.
(Quelle: gp)
Drei Milliarden Euro für Vogelfutter - Gefütterte Tiere
bekommen im Frühjahr mehr Nachwuchs
Do.07.02.08 - Tierfreunde in Europa und den USA streuen im Winter Vogelfutter im Wert
von insgesamt knapp drei Milliarden Euro aus. Für die Vögel
lohnt sich dieser Einsatz, wie die britische Royal Society berichtet:
Gefütterte Tiere bekommen im Frühjahr mehr Nachwuchs.
Das hat eine Gruppe um Gillian Robb von der Queen's University in
Belfast festgestellt. Nach dem Vorbild vieler ums Tierwohl besorgter
Menschen versorgten die Forscher einige Wildvögel-Populationen in
verschiedenen Regionen Nordirlands mit zusätzlichem Futter. Die
Kontrollgruppen in ähnlich gestalteter ländlicher Umgebung
erhielt keine zusätzlichen Futternetze ins Geäst gehängt.
Die Netze - eines pro Hektar - wurden stets nachgefüllt. Im
Durchschnitt wurden vom 1. November 2005 bis 8. März 2006 etwa 66
Kilogramm Körner an einer Futterstelle herausgepickt.
Vögel an den derart unterstützten Standorten legten ihre Eier
im Frühjahr 2006 etwa 2,5 Tage früher als die unversorgten
Tiere, schreiben Robb und ihre Kollegen in den «Biology
Letters» der Royal Society (online vorab veröffentlicht). Die
gefütterten Eltern hatten zudem ein flügge werdendes Junges
mehr im Nest. Der Gesundheitszustand der Küken aus beiden Gruppen
unterschied sich indes nicht. Zufüttern erhöhe also die
Produktivität der Eltern, schließen die Forscher.
Nach Angaben der Royal Society geben Tierfreunde in Europa und den USA
jährlich 4,16 Milliarden Dollar (2,8 Milliarden Euro) für
Meisenringe und ähnliches Wildvogelfutter aus. Damit ließen
sich rund 500 000 Tonnen Futter finanzieren - das reiche als alleinige
Nahrungsquelle für mehr als 30 Millionen Vögel von der
Größe einer Meise, erklärt Robb.
(Quelle: dpa)