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Irak am 1416ten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Fr.08.02.08 - Es liegen keine neuen Nachrichten zum Thema Irak vor.
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 08.02.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am neunhundertvierundfünfzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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NATO-Verbündete verstärken Druck auf Deutschland
Fr.08.02.08 - Deutschland steht mit seinem Nein zu Kampfeinsätzen in
Südafghanistan in der NATO zunehmend unter Druck. Beim
Bündnistreffen in Litauens Hauptstadt Vilnius drängte
US-Verteidigungsminister Robert Gates zögerliche Partner wie
Berlin, wenigstens Soldaten zur Sicherung von Kampftruppen zu
entsenden. Kanada, die Niederlande und Litauen erneuerten ihren Ruf
nach Hilfe gegen die radikalislamischen Taliban. Frankreich will Kanada
auf dem NATO-Gipfel Anfang April ein konkretes Angebot machen.
Hauptthema des informellen NATO-Verteidigungsrates in Vilnius war die
künftige Afghanistan-Strategie. Hierüber ist das Bündnis
tief zerstritten. Nach Angaben der Militärführung fehlen rund
7000 Soldaten. Pentagonchef Gates rief die NATO-Staaten auf, "kreative
Wege" zum Füllen der Lücken zu gehen. Wenn Partner aus
innenpolitischen Gründen keine Kampftruppen in den Süden
schicken könnten, sollten sie dort wenigstens für die
"stationäre Sicherheit" sorgen. Vor dem Treffen hatte Gates vor
einer "Allianz der zwei Geschwindigkeiten" gewarnt, in der einige zu
Kampfeinsätzen bereit seien und andere nicht.
Die Bundesregierung lehnt die Entsendung deutscher Truppen nach
Südafghanistan weiter ab. "Unser Schwerpunkt bleibt im Norden, und
das ist auch sinnvoll und notwendig", sagte Bundesverteidigungsminister
Franz Josef Jung (CDU) in Vilnius. Eine Änderung des
Bundeswehr-Mandats gilt derzeit als mit der SPD nicht machbar. Die 3200
deutschen Soldaten haben das Regionalkommando im vergleichsweise
ruhigen Norden. Zusätzlich will Deutschland ab dem Sommer erstmals
einen 200 Mann starken Kampfverband als schnelle Eingreiftruppe stellen.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) warnte davor, Afghanistan "in
einzelne Gefährungskategorien" einzuteilen. Jeder am Einsatz
Beteiligte gebe sein Bestes, und Deutschland leiste einen wichtigen
Beitrag, betonte sie in Berlin. Jung zufolge haben neben Frankreich
auch Polen und Rumänien für Afghanistan "Verstärkung
signalisiert". Konkrete Zusagen werden aber erst beim NATO-Gipfel am 2.
bis 4. April in Bukarest erwartet.
Erstmals äußerte sich Gates in Vilnius auch zu dem Streit um
seinen in Berlin als scharf empfundenen Brief an Jung. Darin hatte
Gates einigen Bündnispartnern Versagen vorgeworfen und deutsche
Truppen für den Süden gefordert. Gates nannte seinen Brief
"sachlich und höflich". Mit Blick auf die Kritik in den deutschen
Medien sagte er: "Die ganze Sache war aufgeblasen."
(Quelle: afp)
Nahost-Konflikt: Israelische Vergeltungsangriffe auf den Gazastreifen -
Mindestens sieben Tote . Human Rights Watch (HWR) protestiert
gegen Blockade des Gazastreifens durch Israel
Fr.08.02.08 - Als Reaktion auf fortgesetzten palästinensischen Raketenbeschuss
hat die israelische Armee Luftangriffe mit unbemannten Drohnen auf den
Gazastreifen geflogen. Dabei starben nach Angaben von Ärzten nahe
Dschabalija und Tuffah im nördlichen Gazastreifen sechs militante
Palästinenser. Laut der im Gazastreifen herrschenden Hamas drangen
israelische Streitkräfte bei Tuffah auch auf dem Landweg in den
Gazastreifen ein. Durch Schüsse eines israelischen Panzers bei
Beit Hanun starb ein weiterer Palästinenser.
Von den sechs Todesopfern der Luftangriffe waren fünf Mitglieder
der Brigaden der Märtyrer von El Kassam, des bewaffneten
Hamas-Flügel. Außerdem starb ein Mitglied der
Palästinenserorganisation Islamischer Dschihad. Vier Menschen
wurden nach Angaben der Ärzte bei den Luftangriffen verletzt, drei
von ihnen schwer. Ein israelischer Armeesprecher bestätigte, dass
ein Militäreinsatz im Gange sei, nannte aber keine Einzelheiten.
Ungeachtet der israelischen Angriffe feuerten militante
Palästinenser weiter selbst gebaute Kassam-Raketen auf
südisraelisches Territorium ab. Zwei Menschen wurden dadurch
leicht verletzt. Der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak
erklärte, die Armee werde ihre Einsätze verstärken, um
dem anhaltenden Raketenbeschuss ein Ende zu setzen.
Palästinenserpräsident Mahmud Abbas bot sich als Vermittler
für einen Waffenstillstand zwischen Israel und der
radikalislamischen Hamas an.
Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HWR) protestierte
gegen die Blockade des Gazastreifens durch Israel und die geplante
weitere Drosselung der Stromzufuhr. Die von Israel verhängten
Sanktionen bedeuteten eine "kollektive Bestrafung" der 1,5 Millionen
Menschen, die das schmale Küstengebiet bevölkern. Laut HWR
sollte die von Israel an den Gazastreifen verkaufte Strommenge um
weitere 1,5 Megawatt verringert werden.
Schon jetzt hätten die Sanktionen "schlimme Auswirkungen" für
die Zivilbevölkerung, erklärte die Organisation weiter. Unter
anderem seien die Krankenhäuser in Gaza, die Wasserversorgung und
die Kanalisation betroffen. Israel verschärfte seine Blockade des
Gazastreifens Mitte Januar in Reaktion auf den palästinensischen
Raketenbeschuss und lässt nur noch eine begrenzte Menge von Waren,
Treibstoff und Elektrizität durch. Die radikalislamische Hamas
hatte Mitte vergangenen Jahres die Macht im Gazastreifen
übernommen.
(Quelle: afp)
Tschadischer Präsident fordert schnellstmögliche
EUFOR-Stationierung
Fr.08.02.08 - Der von der Rebellenoffensive geschwächte tschadische
Präsident Idriss Déby hat die «schnellstmögliche
Stationierung» der EU-Friedenstruppe EUFOR in seinem Land
gefordert. Die EU will rund 3.700 Soldaten im Laufe des Monats in der
Grenzregion zur sudanesischen Krisenprovinz Darfur stationieren, um
Flüchtlingslager zu sichern. Wegen der Gefechte um die tschadische
Hauptstadt N'Djamena am Wochenende hat sich die Entsendung
verzögert.
Wäre die Truppe bereits in seinem Land, hätte ihm dies im
Kampf gegen die Rebellen geholfen, sagte Déby am Donnerstag dem
französischen Radiosender Europe-1. Denn dann hätte er seine
Soldaten, die sich um den Schutz der Flüchtlinge kümmerten,
gegen die Aufständischen einsetzen können, erklärte der
Präsident.
(Quelle: ap)
UN-Sicherheitsrat fordert Ende der Gewalt in Kenia
Fr.08.02.08 - Angesichts der anhaltenden Gewalt in Kenia hat der UN-Sicherheitsrat
die Konfliktparteien zu Verhandlungen aufgerufen. In einer
Erklärung äußern sich die 15 Mitgliedstaaten "tief
besorgt" darüber, dass trotz der Einigung auf einen Fahrplan zur
Beendigung der Ausschreitungen weiter Zivilisten "getötet,
sexueller Gewalt ausgesetzt und aus ihren Häusern vertrieben
würden". Die Stellungnahme war die erste des Sicherheitsrats seit
Beginn der Unruhen nach der Präsidentenwahl in Kenia am 27.
Dezember. Sie hat keine bindende Wirkung.
Der Sicherheitsrat unterstütze die Vermittlungsbemühungen des
ehemaligen UN-Generalsekretärs Kofi Annan, sagte der britische
UN-Botschafter John Sawers. Die politischen Führer des Landes seien
aufgefordert, das nationale Interesse über den Vorteil einzelner
Gruppen zu stellen. Der Sicherheitsrat zeigte sich gleichzeitig besorgt
über mögliche negative Auswirkungen der Krise in Kenia auf
die Region und rief zum Schutz von Flüchtlingen auf.
Bei den Wahlen am 27. Dezember war Präsident Mwai Kibaki zum
Sieger erklärt worden, Oppositionsführer Raila Odinga erkennt
das Ergebnis jedoch nicht an. Seither wurden bei politisch und ethnisch
motivierten Unruhen an die tausend Menschen getötet.
Hunderttausende verließen aus Furcht vor Verfolgung ihre
Heimatorte. Annan äußerte nach ersten Verhandlungen mit
Delegationen der verfeindeten Gruppen die Hoffnung, dass die
größten politischen Konflikte innerhalb von vier Wochen
beigelegt sein könnten.
(Quelle: afp)
Amnesty international: Anschläge in Sri Lanka treffen Zivilisten
Fr.08.02.08 - Amnesty international hat die steigende Zahl ziviler Opfer im
Bürgerkriegsland Sri Lanka angeprangert. Beide Kampfparteien - die
Regierung in Colombo und die tamilische Rebellenbewegung LTTE -
missachteten das Recht auf Leben der Bevölkerung, erklärte die
Menschenrechtsorganisation am Dienstag in London. In den vergangenen
Tagen seien über 50 Menschen, darunter mindestens elf Kinder bei
Anschlägen getötet worden.
Amnesty international zeigte sich alarmiert über die Pläne
der Regierung für eine Großoffensive gegen die Rebellen im
Norden der Insel. Das Muster bisheriger Armee-Angriffe, bei denen nicht
zwischen Rebellen und Zivilbevölkerung unterschieden worden sei,
werde sich fortsetzen und zu weiteren unbeteiligten Opfern führen,
so die Organisation. Da die Verantwortlichen laut amnesty nicht zur
Rechenschaft gezogen werden, breite sich ein Klima der Straflosigkeit
aus.
Die Feierlichkeiten zum 60. Jahrestag der Unabhängigkeit Sri
Lankas am Wochenende wurden von Anschlägen überschattet. Am
Bahnhof der Hauptstadt Colombo waren 14 Menschen getötet worden,
als sich eine Selbstmordattentäterin in die Luft sprengte. Bei
einem Attentat auf einen Bus im Norden der Insel waren zudem mindestens
zwölf Menschen getötet und nach Militärangaben 17
Fahrgäste verletzt. Die LTTE-Rebellen kämpfen seit 1983
für einen eigenen tamilischen Staat. Mehr als 70.000 Menschen
starben bislang in dem Konflikt.
(Quelle: epd)
USA: Republikaner Romney gibt Kandidatur für Präsidentschaft
auf
Fr.08.02.08 - Der republikanische Senator John McCain hat die Nominierung als
Präsidentschaftskandidat seiner Partei so gut wie sicher: Sein
schärfster Rivale, der frühere Gouverneur Mitt Romney, setzte
am Donnerstag seine Bewerbung aus, was praktisch das Ende seiner
Bemühungen um die Spitzenkandidatur bedeutet.
Der frühere Gouverneur von Massachusetts hatte bei dem
Vorwahlmarathon am Dienstag schlechter als erwartet abgeschnitten.
McCain hingegen konnte seinen Vorsprung auf Romney und den zweiten
Rivalen Mike Huckabee weiter deutlich ausbauen und war danach klarer
Favorit. Der dürfte damit nun Kandidat der Republikaner bei der
Präsidentenwahl am 4. November werden.
In einer vorbereiteten Erklärung von Romney hieß es, die
Entscheidung sei ihm nicht leicht gefallen, ich hasse es zu
verlieren». Aber um zu verhindern, dass einer der demokratischen
Kandidaten im November gewinnen, werde er nun seinen Wahlkampf beenden.
«Ich muss jetzt zur Seite treten, für unsere Partei,
für unser Land.»
Dem demokratischen Präsidentschaftskandidaten Barack Obama haben
die Erfolge bei den Vorwahlen am «Superdienstag» nicht nur
moralisch Auftrieb gegeben, auch die Spenden sprudeln kräftig
weiter. Von der Schließung der Wahllokale am Dienstag bis
Donnerstag gingen 7,2 Millionen Dollar (4,94 Millionen Euro) bei ihm
ein, wie sein Wahlkampfteam erklärte. Das Geld könnte ihm
entscheidend dabei helfen, seine Kontrahentin Hillary Clinton in den
bevorstehenden Vorwahlen zu überholen.
Bei der Anzahl der Delegierten für den Nominierungsparteitag im
August liegt Clinton derzeit noch knapp in Führung: Die New Yorker
Senatorin sicherte sich bislang mindestens 1.045 Delegiertenstimmen,
Obama 960. Für die Nominierung sind bei den Demokraten mindestens
2.025 Stimmen notwendig.
Obama hat aber für das weitere Duell mit Clinton eine gut
gefüllte Wahlkampfkasse. Er sammelte allein im Januar 32 Millionen
Dollar Spenden. Clintons Spendenaufkommen für diesen Monat lag
lediglich bei 13,5 Millionen Dollar. Sie verschickte am Mittwoch eine
E-Mail, in denen sie um Spenden in den nächsten drei Tagen in
Höhe von drei Millionen Dollar bat. Wie ihr Wahlkampfteam
mitteilte, gingen vier Millionen Dollar seitdem ein.
Clinton räumte am Mittwoch ein, dass sie vor dem
Abstimmungsmarathon am Dienstag ihrer Wahlkampfmannschaft fünf
Millionen Dollar (3,4 Millionen Euro) aus ihrem Vermögen geliehen
habe. Die Investition habe sich gelohnt, sagte Clinton mit Blick auf
die Ergebnisse der Vorwahlen vom «Superdienstag». Bei den
parteiinternen Abstimmungen in 22 US-Staaten gewann sie in acht,
darunter in den bevölkerungsreichen Staaten Kalifornien und New
York, was ihr insgesamt die meisten Delegiertenstimmen einbrachte.
Die Wahlkampfauseinandersetzung zwischen Clinton und Obama ging
unterdessen vor den nächsten Abstimmungen in Louisiana, Nebraska
und im Staat Washington am kommenden Samstag weiter. Obama
erklärte am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Chicago, er
rechne mit einer Schmutzkampagne der Republikaner gegen Clinton, falls
diese für die Demokraten bei der Wahl im November als
Präsidentschaftskandidatin antrete. Die Republikaner würden
eine ganze «Lkw-Ladung mit Schmutz» gegen sie verwenden,
sagte der Senator aus Illinois. Gegen ihn seien dagegen Angriffe
schwerer. Clinton wies die Aussagen Obamas zurück. In ihrer
Vergangenheit gebe es nichts, was sie zu verbergen habe. Dazu
zählten auch ihre Jahre als Anwältin im Staat Arkansas.
Ihre Aussichten sind im Februar nicht ganz so gut, da bei diesen
Vorwahlen Obama favorisiert ist, stattdessen blickt sie schon auf den
4. März, wenn in Texas und Ohio gewählt wird. Die beiden
großen Staaten entsenden viele Delegierte zum Parteitag. Der
Vorschlag von Clintons Wahlkampfteam, jede Woche eine Debatte zwischen
den beiden Kandidaten abzuhalten, wurde aber von Obamas Mannschaft
zunächst zurückgewiesen.
(Quelle: ap)
Schwedische Regierung will Einwanderungspolitik verschärfen
Fr.08.02.08 - Schweden will seine Einwanderungspolitik verschärfen. Nach den
Plänen der Mitte-rechts-Regierung von Ministerpräsident
Fredrik Reinfeldt sollen Immigranten bei geplanten
Familienzusammenführungen künftig nachweisen, dass sie
über einen Wohnsitz und Arbeit verfügen und in der Lage sind,
für ihre Angehörigen zu sorgen. Ein Sonderberichterstatter
solle bis zum 1. Oktober Vorschläge für eine entsprechende
Gesetzesänderung vorlegen, teilten Reinfeldt und
Einwanderungsminister Tobias Billström in Stockholm mit.
Schweden und Belgien sind derzeit die einzigen EU-Länder ohne
entsprechende Bedingungen für eine Familienzusammenführung.
Im vergangenen Jahr hatte Schweden von allen EU-Mitgliedern die meisten
Flüchtlinge aus dem Irak aufgenommen, doch einige Gemeinden
stoßen inzwischen nach Angaben der Behörden an ihre Grenzen.
Mit den neuen Bestimmungen will die Regierung in Stockholm die
Einwanderer davon abhalten, sich in Städten niederzulassen, in
denen Arbeit und Wohnungen knapp sind. Die verschärften Regeln
sollen jedoch nicht für Flüchtlinge gemäß der
UN-Konvention sowie für Einwanderer gelten, die schon mehr als
vier Jahre im Land leben.
(Quelle: afp)
Französisches Parlament billigt EU-Reformvertrag
Fr.08.02.08 - Nach der Nationalversammlung hat auch der französische Senat den
Vertrag von Lissabon zur Reform der Europäischen Union mit
überwältigender Mehrheit angenommen. 265 Abgeordnete stimmten
am Freitag mit Ja, 42 waren dagegen. Nach Angaben des
Élysée-Palastes will Präsident Nicolas Sarkozy den
Vertrag schnell ratifizieren.
Das grüne Licht aus Frankreich ist von großer Bedeutung: Vor
zwei Jahren brachte das Land in einem Referendum die umstrittene
EU-Verfassung zu Fall und stürzte die Union in eine tiefe Krise.
Nun ist Frankreich das erste EU-Schwergewicht und der fünfte
EU-Staat, der den Reformvertrag ratifiziert - nach Ungarn, Slowenien,
Malta und Rumänien.
In 22 EU-Staaten steht die Ratifizierung noch aus, in Deutschland ist
sie für Mai vorgesehen. Nur in Irland wird eine Volksbefragung
stattfinden. Der Ratifizierungsprozess soll vor der nächsten
Europawahl im Juni 2009 abgeschlossen sein.
(Quelle: ap)
Neuer Ärger für Société Générale
durch Geldwäsche-Affäre
Fr.08.02.08 - Nach den Milliardenspekulationen eines Händlers steht der
französischen Großbank Société
Générale neuer juristischer Ärger ins Haus.
Kontrolleure der Bank seien auf ein Netz von hunderten Konten
gestoßen, über die möglicherweise Schwarzgeld aus
Russland gewaschen worden sei, berichtet die Zeitung "Le Parisien". Es
gehe um "dutzende oder gar hunderte Millionen Euro". Die
französische Regierung fand sich derweil wegen einer möglichen
Milliardenrückzahlung von Unternehmenssteuer in der
Zwickmühle: Das Institut kann einen Teil des Spekulationsverlustes
ihres Händlers Jérôme Kerviel von der Steuer absetzen.
Die Geldwäsche-Einheit des Finanzministeriums habe umgehend
Ermittlungen aufgenommen, nachdem sie vergangene Woche von der
Société Générale über die
möglichen Schwarzgeldkonten informiert worden sei, berichtete der
"Parisien". Demnach wurde über die Bank vermutlich seit 2006 Geld
gewaschen, das teilweise in große Immobilienprojekte in Paris
geflossen sein soll. Es gehe um mindestens 800 Konten, die von
Strohmännern oder Scheinfirmen eröffnet worden seien. Mehrfach
hätten Nachforschungen ergeben, dass hinter ihnen zwei reiche
Brüder aus Russland stehen, die in London leben. Wie schon in der
Spekulationsaffäre könnten die internen Kontrollen der Bank
damit erneut in Frage gestellt werden. Die Bank wollte sich zu dem Fall
auf Anfrage allerdings nicht äußern.
Mit dem Fall kam die Société Générale zudem
schon zum zweiten Mal in dieser Woche wegen Geldwäsche in die
Schlagzeilen. Seit Montag steht Bankchef Daniel Bouton in einer anderen
Geldwäsche-Affäre aus den 90er Jahren vor Gericht. Dabei soll
ein Pariser Betrügerring im großen Stil in Frankreich
gestohlene Schecks in Israel eingelöst haben. Die
Société Générale wird wie mehrere andere
Geldinstitute in dem Verfahren beschuldigt, vor der Geldwäsche die
Augen verschlossen zu haben.
Eine Rückzahlung der Unternehmenssteuer wegen des vor zwei Wochen
bekannt gemachten Spekulationsverlustes von 4,82 Milliarden Euro wurde
durch das Finanzministerium geprüft. Die Beamten untersuchten, ob
der Verlust schon für das Steuerjahr 2007 oder erst für 2008
geltend gemacht werden könne, berichtet der "Figaro".
(Quelle: afp)
Türkischer Ministerpräsident Erdogan betont in Ludwigshafen
Freundschaft zu Deutschland
Fr.08.02.08 - Nach der Brandkatastrophe von Ludwigshafen haben führende
Vertreter der Türkei und Deutschlands dazu aufgerufen, die
Freundschaft beider Länder nicht zu gefährden. Der
türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan sagte bei
einem Besuch an dem Wohnhaus in der rheinland-pfälzischen Stadt,
er hoffe, dass aus dem Schmerz über die Toten und Verletzten ein
neuer Beginn für den Frieden erwachse. Der
rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) sagte:
"Wir sind in Trauer vereint."
Erdogan sagte, Polizei und Feuerwehr hätten alles in ihrer Kraft
Stehende getan, um zu helfen. Es sei nun der Wunsch der Türkei,
dass die Ermittlungen zur Brandursache sehr schnell und sorgfältig
geführt würden. Er rief zugleich die Medien in Deutschland
und der Türkei zur Zurückhaltung auf. Sie sollten nicht in
großen Buchstaben etwas schreiben, was den Frieden zerstören
könnte, mahnte der Ministerpräsident. "Wir sind alle
Menschen. Das ist unser gemeinsamer Nenner", sagte Erdogan bei dem
Ortstermin, bei dem rund 2500 zumeist türkischstämmige
Bürger anwesend waren.
Beck sagte bei der Begegnung, die Bürger sollten als Konsequenz
aus dem Ereignis ihr Miteinander und die Solidarität stärken.
Der SPD-Chef versicherte zugleich, die Ermittlungsbehörden
würden alles in ihren Kräften Stehende tun, um den Brand
aufzuklären. "Unsere Herzen sind bei Ihnen", sagte die
Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU),
die auch im Namen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei der
Begegnung in Ludwigshafen sprach.
Zuvor hatte sich bereits Beck gegen Kritik an der Arbeit der Feuerwehr
verwahrt. Er werde eine Diffamierung der Einsatzkräfte, die Leib
und Leben eingesetzt hätten, nicht akzeptieren, Beck in Mainz.
Feuerwehr und Polizei seien in dem "kürzest denkbaren Zeitraum" an
dem Haus gewesen, erste Feuerwehrleute bereits zwei Minuten nach dem
Alarm, sagte Beck. Ausgelöst durch die Vorwürfe gegen den
Einsatz war ein Feuerwehrmann in Ludwigshafen angegriffen und verletzt
worden.
Der Deutsche Feuerwehrverband wies "vage Vorwürfe" und
inakzeptable Übergriffe ebenfalls zurück. Diesen müsse
"durch bessere Integration der Nährboden entzogen werden",
erklärte Verbandspräsident Hans-Peter Kröger. Die
Feuerwehren bräuchten mehr Migranten in ihren Reihen, etwa "um in
Notsituationen die Kommunikation mit Betroffenen zu verbessern".
(Quelle: afp)
Deutsche Unternehmen verlagern vor allem in neue EU-Staaten
Fr.08.02.08 - Deutsche Unternehmen haben in den vergangenen Jahren Jobs vor allem die
als Billigstandorte geltenden neuen EU-Länder verlagert. Nach
Angaben des Statistischen Bundesamtes vom Donnerstag haben rund 18
Prozent der Firmen mit 100 und mehr Beschäftigten zwischen 2001 bis
2006 Teile ihrer wirtschaftlichen Aktivitäten in andere Staaten
ausgelagert oder wollten dies tun. Ziel für 60 Prozent der 20.000
Befragten waren die zwölf neuen EU-Mitglieder, gefolgt von China
mit 36 Prozent und den 15 bisherigen EU-Staaten.
Gut 188.000 Arbeitsplätze gingen dadurch verloren, zugleich wurden
von den verlagernden Unternehmen in Deutschland 105.000 neue Jobs
geschaffen. Dazu zählen die Statistiker auch Stellen von
Mitarbeitern, die andere Funktionen übernahmen.
Am stärksten war der Trend zur Verlagerung ins Ausland in der
Industrie mit 26 Prozent und hier insbesondere im Hochtechnologiebereich
mit 33 Prozent. Von den Firmen, die wissensintensive Dienstleistungen
anbieten, zum Beispiel Unternehmensberatung oder Softwareentwicklung
zog es nur 19 Prozent ins Ausland.
Die Erfahrungen der Unternehmen mit Verlagerungen waren den Angaben
zufolge überwiegend positiv. Als Vorteile wurden eine bessere
Positionierung im Wettbewerb (73 Prozent), geringere Lohnkosten (67
Prozent) und der leichtere Zugang zu neuen Märkten genannt (55
Prozent). Als Nachteil nannten 14 Prozent den gestiegenen
Logistikaufwand.
(Quelle: ap)
Trotz AKW-Abschaltungen - Vattenfall konnte Betriebsergebnis steigern
Fr.08.02.08 - Die Vattenfall-Gruppe hat im vergangenen Jahr ihr Betriebsergebnis
gesteigert. Wie das Unternehmen mit Sitz in Stockholm am Donnerstag auf
einer Telefonkonferenz bekannt gab, stiegen die Nettoumsatzerlöse
2007 um 5,8 Prozent auf 15,2 Milliarden Euro. Das Betriebsergebnis
verbesserte sich um 2,7 Prozent auf 3,0 Milliarden Euro.
Trotz der Abschaltung der Kernkraftwerke Brunsbüttel und
Krümmel konnte auch Vattenfall Deutschland auf eine positive Bilanz
verweisen. Das Betriebsergebnis für Deutschland erhöhte sich
2007 auf 1,6 Milliarden Euro (2006: 1,5 Milliarden Euro).
Wann die beiden Atomkraftwerke wieder ans Netz gehen, konnte
Konzernchef Lars Göran Josefsson nicht sagen. Die Vorschläge
aus dem Expertenbericht würden umgesetzt, sagte er.
Das AKW Krümmel steht seit dem Brand eines Transformators am 28.
Juni 2007 still. Auch der ebenfalls von Vattenfall betriebene Meiler
Brunsbüttel ist seit vergangenem Sommer vom Netz. In beiden Anlagen
wurden seither immer neue Mängel festgestellt. Die Atomaufsicht
beanstandet nach eigenen Angaben weiterhin falsche Dübel und Risse
in Armaturen.
(Quelle: ap)
2,2 Milliarden Euro Mietschulden
Fr.08.02.08 - Die Mieter in Deutschland stehen nach Schätzung des
Eigentümerverbandes Haus und Grund bei ihren Vermietern mit 2,2
Milliarden Euro in der Kreide. Rückständige Betriebskosten
seien dabei noch nicht berücksichtigt, hieß es am Donnerstag
in einer Erklärung.
Als Ursache für die hohen Rückstände nannte
Verbandspräsident Rolf Kornemann die zunehmende Verschuldung
privater Haushalte und Arbeitslosigkeit. «Außerdem belasten
die rasant gestiegenen Energiepreise die Mieter zusätzlich.»
Die Mietschulden betrügen knapp zwei Prozent der jährlichen
Mietzahlungen von 114 Milliarden Euro.
(Quelle: ap)
Deutschen Krankenhäusern droht angeblich Milliardenloch
Fr.08.02.08 - Die deutschen Krankenhäuser erwartet einem Gutachten zufolge im
laufenden Jahr eine Finanzierungslücke von mindestens 1,3
Milliarden Euro. Würden sich Marburger Bund und Verdi mit ihren
Tarifforderungen für die Klinikmitarbeiter durchsetzen, lägen
die Gesamtkosten sogar um 2,2 Milliarden Euro über den
Gesamterlösen, erklärte das Rheinisch-Westfälische
Institut für Wirtschaftsforschung (RWI). Neben den Personalkosten
trügen steigende Sachkosten besonders für Energie und
Lebensmittel sowie ein verhältnismäßig geringes
Erlöswachstum zu der Finanzierungslücke bei.
Sollten sich die Arbeitgeber mit ihrem Angebot einer mehrstufigen
Lohnerhöhung auf fünf Prozent durchsetzen, fehlten ihnen im
laufenden Jahr 1,3 Milliarden sowie 1,5 Milliarden Euro bis 2009,
heißt es in dem RWI-Gutachten. Akzeptierten sie die Forderung des
Marburger Bundes nach einem gut zehnprozentigen Lohnplus für die
Klinikärzte und jene von Verdi nach acht Prozent mehr Lohn
für den nichtärztlichen Dienst an, läge die
Finanzierungslücke 2008 bei 2,2 Milliarden und bis 2009 bei drei
Milliarden Euro.
Das RWI erstellte das Gutachten im Auftrag der Deutschen
Krankenhausgesellschaft.
(Quelle: afp)
Kanzleramt und Wirtschaftsminister Glos bremsen Mindestlohngesetze
Fr.08.02.08 - Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) ist mit seinen Plänen zur
Ausweitung von Mindestlöhnen in der Bundesregierung auf Widerstand
gestoßen. Kanzleramt und Bundeswirtschaftsministerium meldeten
nach Angaben aus Regierungskreisen «grundsätzliche
Bedenken» an.
Der Einspruch gegen die Entwürfe zur Ausweitung des
Entsendegesetzes und zur Novellierung des Gesetzes über
Mindestarbeitsbedingungen werde zu einer Verzögerung der Vorhaben
führen, verlautete am Donnerstag in Berlin.
SPD-Generalsekretär Hubertus Heil warf der Union vor, «Sand
ins Getriebe zu streuen».
In einem der Deutschen Presse-Agentur dpa vorliegenden Schreiben
verlangt das Wirtschaftsministerium, die Frist zur Abgabe von
Stellungnahmen über diesen Freitag hinaus um vier Wochen zu
verlängern. Die Entwürfe aus dem Scholz-Ministerium befinden
sich derzeit in der Ressortabstimmung. Durch den Einspruch wurde die
Versendung der Gesetzentwürfe an die Verbände gestoppt.
Wirtschaftsstaatssekretär Walther Otremba hatte schon im Januar
bemängelt, dass die Entwürfe von Scholz
«erheblich» von den Vereinbarungen der Koalitionsspitzen
vom Juni 2007 abweichen. Er bezweifelte auch, ob der «tiefe
Eingriff in die Tarifautonomie durch Verdrängung konkurrierender
Tarifverträge» verfassungsrechtlich zulässig sei.
Heil betonte, Scholz habe die kritisierten Gesetzentwürfe
entsprechend der Koalitionsvereinbarung vorgelegt. Mit Blick auf die
Einwände aus der Union kritisierte er, es gebe Anzeichen
«für den gleichen Affenzirkus wie beim
Postmindestlohn».
Scholz selbst zeigte sich im Südwestrundfunk optimistisch:
«Wir kommen bis zum Sommer zu mehr Mindestlöhnen. Das ist
dann auch der Durchbruch für einen gesetzlichen
Mindestlohn.» Niemand mit politischem Sachverstand zweifle noch
daran, «dass wir in wenigen Jahren einen allgemeinen gesetzlichen
Mindestlohn haben».
Der Minister strebt an, dass es künftig in keiner Branche mehr
«weiße Flecken» bei Lohnuntergrenzen gibt. Mit der
Neuregelung des Entsendegesetzes sollen daher weitere Branchen die
Möglichkeit erhalten, tarifvertraglich vereinbarte
Mindestlöhne für allgemeinverbindlich erklären zu
lassen. Dies soll mit dem novellierten Gesetz über
Mindestarbeitsbedingungen auch in Branchen mit niedriger Tarifbindung
erreicht werden.
Die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Grünen, Brigitte
Pothmer, kritisierte, die Forderung nach Fristverlängerung
für die Ressortabstimmung diene offensichtlich nur dazu, das Nein
von Kanzlerin Angela Merkel und Glos zum Mindestlohn bis nach der
Hamburg-Wahl in gut zwei Wochen zu kaschieren. Der Vorsitzende der
Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, Franz-Josef
Möllenberg, sagte in einer Mitteilung: «Nach den
Landtagswahlen in Hessen und Niedersachsen bekommt die Union
offensichtlich kalte Füße und versucht, die
wirtschaftspolitische Debatte zu dominieren.»
Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt dagegen forderte die komplette
Überarbeitung der Mindestlohn-Pläne. «Ich
begrüße sehr, dass das Kanzleramt die Gesetzesnovellen
gestoppt hat», sagte er der «Rheinischen Post»
(Freitag). Scholz' Entwürfe nannte er eine
«Ermächtigung zur Abschaffung der Tarifautonomie».
(Quelle: dpa)
Von der Leyens Gesetz zu Krippenausbau offenbar gestoppt
Fr.08.02.08 - Das Gesetzesverfahren zum Ausbau von Krippenplätzen und zur
Einführung eines Rechtsanspruchs auf einen Krippenplatz ab 2013 ist
nach einem Zeitungsbericht vorerst gestoppt. Gegen den Gesetzentwurf,
den Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) bereits im Oktober
vorlegte, hätten sowohl das SPD-geführte Finanz- als auch das
Arbeitsministerium offiziell Einspruch eingelegt, berichtet die
"Hannoversche Allgemeine Zeitung". "Das Vorhaben liegt auf Eis",
bestätigte die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Christel
Humme dem Blatt.
Die Koalition streitet vor allem um das Betreuungsgeld für die
häusliche Erziehung, das im Gesetzentwurf ausdrücklich
erwähnt wird - nach Darstellung der SPD entgegen der
Koalitionabsprache. Die SPD hält diese sogenannte Herdprämie
für "bildungspolitisch hochproblematisch". Humme forderte die
Familienministerin auf, den ursprünglich vereinbarten Kompromiss
umzusetzen. "Wir sollten unseren Streit beenden, den die Eltern ohnehin
nicht verstehen."
Sollte das Gesetz nicht bis Jahresende im Bundesgesetzblatt stehen,
könnte nach dem Bericht die ohnehin nicht abschließend
geklärte Finanzierung der Krippenplätze gefährdet sein.
Der Bundestag hatte zur Finanzierung ein Sondervermögen von 2,1
Milliarden Euro als Unterstützung für die Kommunen bewilligt.
Mit einer Klausel wurde allerdings festgehalten, dass bis Ende 2008 das
eigentliche Gesetz die Finanzierungsfrage regeln müsse. Insgesamt
werden die Kosten für die Verdreifachung des Krippenangebots auf
750.000 Plätze bis 2013 auf zwölf Milliarden Euro
geschätzt.
(Quelle: afp)
CSU will Bürger schon 2009 entlasten
Fr.08.02.08 - Die CSU will die Bürger möglichst noch vor der Bundestagswahl
im nächsten Jahr finanziell besser stellen. «Unser Ziel ist
es, bereits 2009 mit der Entlastung der Steuerzahler zu beginnen»,
sagte der Vorsitzende des Finanzausschusses im Bundestag, Eduard Oswald
(CSU), in einem Interview der Nachrichtenagentur AP in Berlin.
«Wir wollen Leistung ermutigen und die mittleren und unteren
Einkommen entlasten», sagte der Abgeordnete. Vorrangiges Ziel
bleibe aber zunächst die Konsolidierung des Bundeshaushalts.
Oswald sprach sich wie zuvor wie auch CSU-Chef Erwin Huber für
eine Anhebung und Ausweitung des Grundfreibetrags aus. «Die CSU
wird noch vor dem Sommer an einer verfeinerten Konzeption arbeiten und
aufzeigen, wie eine gerechte Entlastung der Steuerzahler erreicht werden
kann», sagte er.
Huber hatte konkret vorgeschlagen, für jede Person im
steuerpflichtigen Haushalt 8.000 Euro Grundfreibetrag einzuräumen.
Das heiße, dass bei zwei Kindern bis zu einem Jahreseinkommen von
32.000 Euro null Steuern fällig würden. Schon zum 1. Januar
2009 will der CSU-Chef eine Erhöhung des Kindergelds und die
Erhöhung des steuerlichen Kinderfreibetrags durchsetzen.
Auch Oswald verlangte, durchschnittliche Arbeitnehmer müssten
wieder mehr Netto nach Hause bringen. Bereits Anfang der Woche hatte der
Vorsitzende der Mittelstands-Union, Hans Michelbach, verlangt, den
Solidaritätszuschlag rasch abzubauen, den Eingangssteuersatz von 15
auf 12 Prozent zu senken sowie den steuerlichen Grundfreibetrag um gut
300 Euro auf 8.000 Euro jährlich anzuheben.
Angegangen werde müsste auch die sogenannte «kalte
Progression» bei den mittleren Einkommen. Ein Prozent
Lohnerhöhung führe derzeit zu zwei Prozent mehr
Steuerbelastung.
(Quelle: ap)
SPD-Vorsitzender Beck lehnt große Koalition in Hessen erneut
strikt ab
Fr.08.02.08 - SPD-Chef Kurt Beck hat eine große Koalition in Hessen erneut
ausgeschlossen. Nach den "bewussten Diffamierungen" im
Landtagswahlkampf gebe es "keine Grundlage zur Zusammenarbeit", sagte
Beck in Mainz. Er verwies dazu vor allem auf CDU-Wahlplakate, auf denen
unter Anspielung auf die Spitzenkandidaten von SPD und Grünen,
Andrea Ypsilanti und Tarek Al-Wazir, sowie die Partei Die Linke
gestanden hatte: "Ypsilanti, Al-Wazir und die Kommunisten stoppen!"
Danach gehe es mit der CDU "klar und eindeutig" nicht. Dies sei auch
eine Frage der Selbstachtung.
Eine Zusammenarbeit sei "unvorstellbar" mit den jetzigen Personen - und
wenn sich die CDU nicht "sehr deutlich anders positioniert", betonte
Beck. Die hessische SPD strebt eine Ampelkoalition mit Grünen und
FDP an, die die Liberalen allerdings strikt ablehnen. Beck sagte dazu,
es sollten jetzt zunächst die geplanten Gespräche abgewartet
werden. Es bestehe kein Zeitdruck. Beck sieht durch die schwierige
Koalitionssuche in Hessen und die Wahl am 24. Februar in Hamburg die
große Koalition in Berlin nicht in Gefahr. Die SPD wolle diese
Legislaturperiode "für Deutschland anständig zu Ende
führen." Er sehe auch bei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU)
keinen Anhaltspunkt, dass sie ein vorzeitiges Ende der Koalition
anstrebe, sagte der rheinland-pfälzische Ministerpräsident.
(Quelle: afp)
Grünen-Politiker Trittin bleibt bei rot-rot-grünen
Gedankenspielen
Fr.08.02.08 - Der Grünen-Politiker Jürgen Trittin verteidigt seinen
Vorstoß, wonach seine Partei über rot-rot-grüne
Bündnisse nachdenken sollte. 2009 werde die SPD ihre
«Quarantäne» gegenüber der Linkspartei aufheben,
«das ist so sicher wie das Amen in der Kirche», sagte
Trittin am Donnerstag im Deutschlandfunk. Darauf müssten sich die
Grünen einstellen. Spätestens bei der Landtagswahl im Saarland
könne dies der Fall sein. Dann sollten die Grünen «eine
aktive Rolle spielen, und nicht am Rande des Geschehens stehen».
Trittin war mit seinen Überlegungen bei anderen Spitzenpolitikern
der Grünen auf scharfen Widerspruch gestoßen. Der
Bundestags-Fraktionsvize entgegnete, mit dem Einzug der Linken in
mehrere Landtage in den alten Bundesländern scheine sich auch im
Westen Deutschlands ein Fünf-Parteien-System zu etablieren. Daher
sollten es die Grünen mit den Linken «genauso halten wie mit
allen anderen Parteien» und nach Wahlen bei Notwendigkeit
abklopfen, ob es gemeinsame Inhalte gebe.
Zugleich bescheinigte Trittin der Partei Die Linke in Bund und auch in
Hamburg, wo Ende des Monats gewählt wird, Regierungsunwilligkeit.
Angesichts der Aussagen für Europa sei sie zudem auf Bundesebene
«nicht regierungsfähig». «Ich glaube, dass das im
Saarland anders sein wird», fügte der Grünen-Politiker
hinzu. Im übrigen sollte nicht vergessen werden, dass es in der
Bundeshauptstadt Berlin bereits ein rot-rotes Bündnis gebe.
(Quelle: ddp)
Unions-Fraktionschef Kauder wirft 68er-Bewegung
«totalitäres» Politikverständnis vor
Fr.08.02.08 - Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU) hat der 68er-Bewegung ein
«totalitäres» Politikverständnis vorgeworfen. Die
Selbstbeschreibung der 68er, sie seien «antiautoritär»
gewesen, sei ein «Treppenwitz», schrieb Kauder in einem
Beitrag für die «Stuttgarter Nachrichten»
(Donnerstagausgabe). Die allgemeinen Ziele der Studentenbewegung
erschienen zwar zunächst attraktiv und ungefährlich, seien
aber für die «Außerparlamentarische Opposition«
(APO) und den Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) die
Grundlage für ein »geradezu totalitäres Verständnis
politischer Auseinandersetzung« geworden.
Den damaligen »Chefanklägern« der Bewegung warf Kauder
mit Ausnahme des Grünen-Politikers Daniel Cohn-Bendit
Unfähigkeit zur Selbstkritik vor. Wer Kritik am »Steine
werfenden, Polizisten prügelnden Jugend-Joschka« übe,
begehe aus Sicht der 68er eine »ungeheuerliche
Majestätsbeleidigung«, so Kauder mit Blick auf
Ex-Außenminister Joschka Fischer (Grüne). Erklärungen
wie »Man war doch damals jung, die Situation war anders«
verglich der CDU-Politiker mit den Rechtfertigungen der vorangegangenen
Generation zur NS-Zeit. »Man hört die gleichen
Rechtfertigungen wie bei der ach so schrecklichen Elterngeneration eine
Generation früher», schrieb Kauder in dem Beitrag.
(Quelle: ddp)
NPD-Schatzmeister verhaftet
Fr.08.02.08 - Der Bundesschatzmeister der rechtsextremen NPD, Erwin Kemna, ist wegen
des Verdachts der Geldwäsche verhaftet worden. Der Beschuldigte
stehe in Verdacht, Gelder aus dem Parteivermögen veruntreut und
sich daran persönlich bereichert zu haben, teilte Oberstaatsanwalt
Wolfgang Schweer am Donnerstag in Münster mit. Die Ermittler
durchsuchten in diesem Zusammenhang auch den NPD-Verlag «Deutsche
Stimme» in Riesa. Auslöser für die bereits seit
März vergangenen Jahres laufenden Ermittlungen sei eine
Geldwäscheverdachtsanzeige eines Geldinstituts gegen den
57-jährigen Mann aus Ladbergen (Kreis Steinfurt) gewesen.
Kemna soll regelmäßig Gelder von Konten der NPD über
Umwege in eine von ihm als Geschäftsführer betriebene
Küchen GmbH geleitet und dort ausgegeben haben. Auf diese Weise
soll er von Januar 2004 bis Anfang Juni 2007 durch mindestens 65
konkret festgestellte finanzielle Transaktionen insgesamt 627 000 Euro
von Konten der NPD abgezweigt haben. Wegen Flucht- und
Verdunkelungsgefahr wurde Kemna in Ladbergen festgenommen.
Unter Beteiligung von bundesweit acht Staatsanwaltschaften und des
Landeskriminalamts NRW wurden auch Geschäftsräume und
Privatwohnungen in den nordrhein-westfälischen Gemeinden Ladbergen
und Lengerich sowie in Osnabrück durchsucht. Auch die
«Deutsche Stimme» sei durchsucht worden, weil der Verlag
nach bisherigen Erkenntnissen in die Geldflüsse einbezogen sei.
Das Verfahren richtet sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft
ausschließlich gegen den Beschuldigten Kemna wegen des Verdachts
der gewerbsmäßigen Untreue zum Nachteil der NPD. Am
Vormittag war unter anderem die Parteizentrale der NPD in Berlin
durchsucht worden.
Ein NPD-Sprecher sagte lediglich, nachdem versucht worden sei, der
Partei «politisch den Garaus zu machen», werde dies nun auf
finanziellem Wege versucht. Das werde aber «nicht gelingen».
Seit Monaten schwelt in der rechtsextremen Partei eine
Spendenaffäre. Die Bundestagsverwaltung hatte Bundesschatzmeister
Kemna Ende November 2007 schriftlich aufgefordert, rückwirkend bis
1996 die Abrechnung von Spenden anzugeben. Kemna wies die Vorwürfe
damals zurück und kündigte an, die NPD werde auf die
Aufforderung der Bundestagsverwaltung reagieren.
Wegen falscher Spendenquittungen in Thüringen hatte die
Bundestagsverwaltung Ende 2006 die Rückzahlung staatlicher
Zuschüsse in Höhe von 870 000 Euro gefordert. Da die NPD dazu
nicht in der Lage war, wurden die Zahlungen für ein Jahr drastisch
gekürzt.
Die Innenminister der Bundesländer sind sich derzeit über ein
Verbotsverfahren gegen die rechte Partei nicht einig. Ein erstes
NPD-Verbotsverfahren vor dem Bundesverfassungsgericht war 2003 unter
anderem am möglichen Einfluss staatlicher Verfassungsschutz-Leute
auf die NPD gescheitert.
(Quelle: ddp)
Gremien der GDL billigen Lokführer-Tarifvertrag
Fr.08.02.08 - Die Gremien der Lokführergewerkschaft GDL haben der nach
monatelangen Konflikt mit der Bahn ausgehandelten Tarifeinigung am
Donnerstag zugestimmt. «Die wesentlichen Forderungen der GDL
wurden erfüllt», erklärte der Gewerkschaftsvorsitzende
Manfred Schell in Frankfurt am Main. «Die Lokomotivführer
werden demnach künftig deutlich mehr als bisher verdienen.»
Die Frage, ob für die Lokrangierführer der GDL-Tarifvertrag
gilt, müsse aber noch in einem Spitzengespräch geklärt
werden. Ein Termin steht noch nicht fest. Mit der Bahn AG stehe zudem
die Einigung darüber aus, ob der Vertrag beispielsweise auch
für die DB Zeitarbeit Gültigkeit habe.
Nach der Billigung durch Hauptvorstand und Tarifkommission der
Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) sollen nun die
Mitglieder in einer Urabstimmung befragt werden. Die Gremien erteilten
der GDL-Verhandlungsdelegation den Auftrag, mit der DB und den anderen
Bahngewerkschaften Transnet und GDBA über die Grundsätze der
künftigen Tarifpolitik zu verhandeln.
Die Lokführer erhalten dem Vertrag zufolge ab 1. März acht
Prozent mehr Gehalt und eine Einmalzahlung von 800 Euro für die
Zeit vom 1. Juli 2007 bis Februar 2008. Ab 1. September kommen weitere
drei Prozent zum Gehalt hinzu. Darüber hinaus wird laut GDL bei
gleichem Entgelt ab Februar 2009 die Wochenarbeitszeit um eine auf 40
Stunden reduziert.
(Quelle: ap)
Ver.di droht mit Streiks im öffentlichen Dienst
Fr.08.02.08 - Im Tarifstreit des öffentlichen Diensts hat die Gewerkschaft
Ver.di mit Warnstreiks gedroht. Verhandlungsführer Achim Meerkamp
sagte der «Passauer Neuen Presse» (Freitagausgabe):
«Ohne Signale für eine Verbesserung des Angebots werden wir
in der Sitzung der Tarifkommission über Aktionen und Warnstreiks
beraten.»
In den Verhandlungen werde «getrickst und beschönigt»,
kritisierte der Gewerkschafter die öffentlichen Arbeitgeber:
«Man hat uns nicht fünf Prozent angeboten, sondern weit
weniger: 2,15 Prozent für eine Laufzeit von 24 Monaten, nicht
mehr. Die Arbeitgeber fordern außerdem eine Verlängerung der
Arbeitszeit um eineinhalb Stunden. Wenn es nach ihnen geht, sollen die
Beschäftigten ihre Lohnerhöhungen selbst bezahlen.»
Ver.di fordert für die gut 1,3 Millionen Beschäftigten beim
Bund und in den Kommunen acht Prozent mehr Geld. Die Verhandlungen
werden am 11. Februar fortgesetzt.
(Quelle: ap)
Warnstreiks in Stahlindustrie ausgeweitet
Fr.08.02.08 - Im Tarifstreit der nordwestdeutschen Stahlindustrie hat die IG Metall
ihre Warnstreiks am Donnerstag ausgeweitet. Rund 1.000 Beschäftigte
hätten im Duisburger ThyssenKrupp Stahlwerk die Arbeit
niedergelegt, teilte die Gewerkschaft mit. Auch in zehn weiteren
Städten waren am Vormittag kurzzeitige Ausstände der
Belegschaft geplant.
Mit den Warnstreiks will die IG Metall nach zwei ergebnislosen
Verhandlungsrunden den Druck auf die Arbeitgeber erhöhen. Die
Gewerkschaft fordert für die 85.000 Beschäftigten in
Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Bremen eine Anhebung der
Einkommen um acht Prozent. Seit dem 1. Februar sind bereits rund 1.000
Mitarbeiter in den befristeten Ausstand getreten. Kurz vor Beginn der
dritten Verhandlungsrunde sollen die Warnstreiks auch am (heutigen)
Freitag und Montag in über zehn Städten fortsetzen.
Neben der Einkommenserhöhung will die IG Metall auch eine Anhebung
der Ausbildungsvergütungen um 100 Euro sowie verkürzte
Arbeitszeiten für Ältere durchsetzen. Die Arbeitgeber legten
bislang kein Angebot vor. Die
(Quelle: ap)
Bochumer Nokia-Werk droht Arbeitskampf
Fr.08.02.08 - Im Streit um die geplante Schließung des Bochumer Nokia-Werks hat
der Betriebsrat mit Streiks gedroht. «Sobald eine Entscheidung
fällt, ist es mit der Ruhe vorbei», sagte der Bochumer
Betriebsrat Wolfgang Siebert der «Frankfurter Rundschau».
Sollte der finnische Konzern auf seiner Aufsichtsratssitzung am 28.
Februar tatsächlich das Ende des Werks beschließen, sei ein
Streik nicht mehr ausgeschlossen.
Bislang würden die Mitarbeiter versuchen, die Konzernleitung von
ihrer guten Arbeit zu überzeugen. «Aber ich kann mir kaum
vorstellen, dass wir mit der Kündigung vor der Brust noch Handys
zusammenschrauben werden», sagte Siebert. Das würden die mehr
als 2.300 betroffenen Mitarbeiter psychisch gar nicht verkraften.
Zwischen der Landesregierung und dem Nokia-Konzern bahnt sich
unterdessen ein Rechtsstreit über die Rückzahlung der
Subventionen in Höhe von 41 Millionen an. Die NRW-Bank werde sich
Rechtsbeistand von außen holen, berichtet die «Westdeutsche
Allgemeine Zeitung».
Weiter auf die Rettung des Bochumer Werks setzt die IG Metall.
«Klares Ziel ist der Erhalt von Standort und
Arbeitsplätzen», sagte der Bezirkschef Oliver Burkhard der
«Rheinische Post». Mit einer Investition von 14 Millionen
Euro in neue Produktionslinien könne Nokia Bochum weltweit
konkurrenzfähig bleiben. «Das Geld reicht für zwei
hochmoderne Produktionslinien. Mit 50 Millionen Euro sind sogar acht
Linien möglich.» Dies sei immer noch billiger als die
Verlagerung ins Ausland.
Einen Käuferstreik gegen Nokia lehnte Burkhard ab: «Wir
rufen ganz bewusst nicht zum Boykott auf. Die Menschen in Bochum wollen
ja auch künftig mit ihren guten Produkten sichere
Arbeitsplätze behalten.»
(Quelle: ap)
Studenten kündigen Proteste gegen sächsisches Hochschulgesetz
an
Fr.08.02.08 - Dass Sachsens Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD) im
wichtigsten Punkt Wort gehalten hat, geht fast unter in den zahlreichen
Protestresolutionen der Studenten gegen das neue Hochschulgesetz. Keine
Studiengebühren bis zum ersten Masterabschluss - so steht es in
dem Ende Januar vorgestellten Gesetzentwurf.
Die Studenten machen dennoch mobil: Besonders der Zeitpunkt der
Vorstellung des Entwurfs zehn Tage vor den Semesterferien sorgt
für Unmut. Die Konferenz Sächsischer Studierendenschaften
(KSS) wirft der Staatsregierung vor, es mit der Mitsprache nicht
wirklich ernst zu meinen: «Für derartige Stellungnahmen sind
derzeit noch die Konzile zuständig. Doch diese während der
prüfungs- und vorlesungsfreien Zeit einzuberufen, ist faktisch
unmöglich», kritisiert KSS-Sprecher Gerald
Eisenblätter. Die Anhörungsfrist läuft bis 10.
März, das Gesetz soll nach dem Willen von Stange bereits zum
kommenden Wintersemester in Kraft treten.
Die Sprecherin des Studentenrats der Universität Leipzig, Christin
Melcher, sagt, aus Regierungssicht sei es «natürlich
geschickt», brisante Regelungen in den Semesterferien zu
behandeln. Zugleich sieht sie dadurch aber auch eine Chance, da zur
«Kritik zum Hochschulgesetz nun auch Kritik an der
Verfahrensweise» hinzukomme. Dies solle bei den künftigen
Protesten zur Sprache kommen.
Auch die Grünen im Landtag kritisieren das Timing der
Staatsregierung. Ihr Parlamentarischer Geschäftsführer
Karl-Heinz Gerstenberg nannte es am Donnerstag eine «Zumutung des
Ministeriums», den Hochschulen lediglich eine sechswöchige
Anhörungsfrist einzuräumen. Damit werde «den eigentlich
Betroffenen nur noch eine Pro-forma-Stellungnahme»
ermöglicht.
Protest hatte es schon vor der Präsentation des Gesetzentwurfs am
29. Januar gegeben. Am 13. Dezember demonstrierten mehr als 8000
Studenten vor dem Landtag. Das etwa sechs Wochen später
vorliegende Papier stellte aus Sicht des Studentenrates der TU Dresden
«keine positive Überraschung» dar. Das Gremium macht
sich auch Sorgen um die Gesundheit des «mit Kompetenzen und
Pflichten überladenen» Rektors: «Um all die ihm
übertragenen Aufgaben adäquat erledigen zu können,
müsste es sich um einen Menschen mit chronischer Schlaflosigkeit
und unermesslichen Zeit- und Energieressourcen handeln».
Für das Sommersemester sind erneute Proteste gegen die
«faktische Abschaffung der studentischen Mitbestimmung»
angekündigt. Dabei ist der geplante Wegfall des Konzils, das an
Universitäten manchmal nur einmal pro Jahr tagt, aber dennoch
nicht immer beschlussfähig ist, weil mehr als die Hälfte der
Mitglieder fehlt, gar nicht mehr der Hauptstreitpunkt. Laut KSS sollte
es zwar immer noch ein beschlussfassendes Gremium geben, welches
Professoren, Studenten, Angestellte und wissenschaftliche Mitarbeiter
repräsentiert. Aber «ob dieses Gremium nun unter dem Namen
Konzil tagt oder ein in allen Kompetenzen erweiterter Senat ist, bleibt
dabei unerheblich», sagt KSS-Sprecher Eisenblätter.
Dass bei der Besetzung von Hochschulgremien noch etwas modifiziert
wird, gilt indes als unwahrscheinlich, gingen dem Papier doch lange
koalitionsinterne Verhandlungen zwischen CDU und SPD voraus. Das
Wissenschaftsministerium versichert dennoch, dass Änderungen am
Entwurf prinzipiell noch möglich seien. Innerhalb der
nächsten beiden Wochen werde es sowohl mit Vertretern der KSS als
auch mit den einzelnen Studentenräten Gespräche geben,
kündigte Ministeriumssprecherin Eileen Mägel an.
Oppositionspolitiker Gerstenberg setzt derweil auf die Hochschulen: Sie
sollten in der Anhörungsphase noch Änderungsbedarf anmelden.
Wichtig sei, dass dafür nicht nur die Meinung der Rektoren
eingeholt werde.
(Quelle: ddp)
Telekom ließ offenbar zehntausende Kundenbeschwerden liegen
Fr.08.02.08 - Wegen Überlastung hat die Deutsche Telekom offenbar zehntausende
Kundenbeschwerden nicht bearbeitet. Die Anfragen der Kunden seien in
einem toten Briefkasten auf den Rechnern des Unternehmens gelandet,
berichtet das Magazin "Stern". Die Gewerkschaft Verdi bestätigte,
dass sich eine Reihe Telekom-Mitarbeiter über ein solches Vorgehen
von Vorgesetzten beschwert hätten. Grund für die
Überlastung waren demnach der Streik gegen die Ausgliederung der
Servicesparte im vergangenen Jahr und die wiederholte Umstrukturierung
des Konzerns. Die Telekom wies die Vorwürfe kategorisch zurück.
Stellte ein Kunde mehrere Anfragen bei der Telekom, wurden offenbar
alle Vorgänge im System als "erledigt" gekennzeichnet, sobald eine
der Anfragen erledigt war, und zwar egal zu welchem Thema. Der "Stern"
berichtete, das Unternehmen habe sich angesichts der großen Zahl
von Kundenanfragen für einen so genannten "systembedingten
Abschluss" entschieden. Damit seien die übrigen Beschwerden nicht
gelöscht, aber auch nicht bearbeitet worden. Allein in den acht
nordwestdeutschen Betreuungszentren der Telekom landeten laut "Stern"
zehntausende Reklamationen in einem toten Briefkasten.
Der für den Kundendienst zuständige Telekom-Vorstand Thomas
Berlemann sagte, während der Streikphase sei "zur schnellen
Bearbeitung der eiligen Themen das Prinzip 'last in first out'
angewendet" worden: Bei mehrfachen Anfragen vom selben Kunden zum selben
Thema wurde demnach immer nur die letzte Anfrage beantwortet. Ein
Telekom-Sprecher ergänzte, dieses Verfahren sei nur bei absolut
identischen Anfragen eines Kunden angewandt worden.
Verdi-Fachmann Martin Wolff bezeichnete dieses Vorgehen aber als
unwahrscheinlich: Dafür hätten auch die vorherigen Anfragen
genau geprüft werden müssen - angesichts dieses
Arbeitsaufwandes wäre dann aber eine systematische Löschung
nicht mehr sinnvoll gewesen. Zudem seien offenbar teils auch ältere
Anfragen gelöscht worden - in der Annahme, Kunden würden sich
bei weiter bestehenden Problemen noch einmal melden.
Der Telekom-Sprecher betonte, nach einer Anfrage des "Stern" sei der
Konzern den Anschuldigungen nachgegangen. Es seien allerdings keinerlei
Hinweise auf ein solches Vorgehen von führenden Mitarbeitern
entdeckt worden. Das Unternehmen hätte dadurch "auch nichts
gewonnen", betonte er. "Die Kunden würden sich ja wieder bei uns
melden."
(Quelle: afp)
Troge fordert von Autobauern mehr Anstrengung beim Klimaschutz
Fr.08.02.08 - Der Präsident des Umweltbundesamtes, Andreas Troge, fordert von
den Autobauern in Deutschland noch mehr Anstrengungen beim Klimaschutz.
Noch sei der CO2-Ausstoß viel zu hoch, sagte Troge der
«Berliner Zeitung». «Von den EU-Klimaschutzzielen sind
die Hersteller weit entfernt.» Die Autobauer müssten
verbrauchsarme Wagen noch offensiver verkaufen: «Die Nachfrage ist
ja da», betonte Troge und verwies dabei unter anderem auf die
neuesten Zahlen des Branchenverbandes VDA.
Troge fordert außerdem eine schnellere Entwicklung
verbrauchsarmer Motoren und eine drastische Reduktion des Hubraums.
Außerdem müssten Autos besser gekennzeichnet werden:
«Der Käufer muss die jährlichen Kosten und die
Klimabilanz klar erkennen können.» Troge hielt den deutschen
Herstellern aber auch erste Anfangserfolge beim Klimaschutz zu Gute:
«Die neuen Zahlen der Branche weisen ja sehr deutlich in diese
Richtung.»
Längere Laufzeiten für deutsche Atomkraftwerke lehnt der Chef
des Umweltbundesamtes strikt ab, weil sie «die Klimapolitik der
Bundesregierung behindern». Der Verzicht auf Atomkraft bis zum
Jahr 2020 sei ein zentraler Punkt dieser Politik, sagte Troge der
«Nordwest-Zeitung» in Oldenburg. Längere Laufzeiten
für abgeschriebene Atomkraftwerke machten es den erneuerbaren
Energien viel schwieriger, konkurrenzfähig zu werden.
Man dürfe nicht riskieren, dass eine vermeintliche
Versorgungssicherheit mit erhöhten Gesundheits- und Umweltrisiken
einhergehe, sagte Troge. Bis 2050 könne der Energieverbrauch in
Deutschland mit deutlich mehr Energieeffizienz auf die Hälfte des
Werts von 1990 gedrückt werden. Die Hälfte der dann
benötigten Menge könne aus erneuerbaren Energien gewonnen
werden.
(Quelle: ap)
Medien lassen brisante Themen unter den Tisch fallen
Fr.08.02.08 - Die deutschsprachigen Medien haben nach Meinung der Initiative
Nachrichtenaufklärung (INA) 2007 brisante Themen unter den
Tisch fallen lassen. Herausragendes Beispiel seien
Gebührenabsprachen der vier Handynetzbetreiber bei Anrufen in
Fremdnetze gewesen, so eine Jury aus 18 Journalisten und
Wissenschaftlern in Darmstadt. Auch über die Abneigung von
Politikern gegen Ombudsstellen oder die Bundestagsdebatte über die
Entschädigung für deutsche Kolonialverbrechen sei nicht oder
kaum berichtet worden.
Rangliste der wichtigsten von den Medien vernachlässigten Themen
und Nachrichten des vergangenen Jahres::
1. Absprachen über Terminierungsentgelte im deutschen Handynetz
2. Politiker behindern Einrichtung von Ombudsstellen
3. Qualitätsverluste im Journalismus
4. Chemikalien gefährden die Fruchtbarkeit – eine „tickende
Zeitbombe“
5. Städte kippen den Baumschutz
6. Die Schweiz beschließt neue Atomkraftwerke
7. Fragwürdige Auslandsgeschäfte der WestLB
8. Bundestag debattiert erstmals über Entschädigung für
deutsche Kriegsverbrechen in Afrika – und keiner berichtet
boa (Quellen: dpa, ina)
Raumfahrt:
'Atlantis' startet mit deutschem Astronaut Schlegel ins All
Fr.08.02.08 - Zwei Monate nach dem ursprünglichen Starttermin ist die
US-Raumfähre Atlantis mit dem deutschen Astronauten Hans Schlegel
an Bord zur Internationalen Raumstation (ISS) gestartet. Bis zuletzt
hatte das wechselhafte Wetter den insgesamt sieben Raumfahrern Sorge
bereitet, dichte Wolken stellten den Start in Frage. Doch dann riss die
Wolkendecke über dem Raumfahrtzentrum Cape Canaveral in Florida
rechtzeitig auf und gab den Weg ins All frei. Der Start hatte seit
Dezember mehrmals verschoben werden müssen, weil es Probleme mit
der Tankanzeige gab.
Diesmal spielten Technik und Wetter mit. Pünktlich um 14.45 Uhr
Ortszeit (20.45 Uhr MEZ) hob die Raumfähre ab, neun Minuten
später ereichte sie ihre Umlaufbahn hoch über dem blauen
Planeten. Die Atlantis und ihre sieben Besatzungsmitglieder erreichten
dabei eine Geschwindigkeit von bis zu 6000 Stundenkilometern. Sie
sollen während der elftägigen Mission unter anderem das
europäische Forschungslabor Columbus an der ISS anbringen.
Mit von der Partie sind zwei Europäer, der Deutsche Schlegel und
der Franzose Léopold Eyharts. Mit ihren NASA-Kollegen sollen sie
Columbus an der ISS montieren und in Betrieb nehmen. Schlegel und
Eyharts sollen damit ein Kapitel europäischer Raumfahrtgeschichte
schreiben, denn Columbus ist Europas erstes Raumlabor für
Langzeitforschung unter Weltraumbedingungen. Bisher hatten nur die USA
und Russland ein eigenes Labor in der ISS. Zur Besatzung der Atlantis
zählen neben Schlegel und Eyharts fünf US-Astronauten.
Während der elftägigen Mission sind insgesamt drei
Außenbordeinsätze geplant, um das 12,7 Tonnen schwere
Columbus-Modul an der Raumstation zu installieren und
anschließend zu aktivieren. Dabei wird auch der 56-jährige
Schlegel, der nach Thomas Reiter der zweite Deutsche an Bord der ISS
sein wird, rund 400 Kilometer über der Erde seine beiden ersten
Arbeitseinsätze im All absolvieren. Forschungsgebiete werden die
Material- und Lebenswissenschaften, die Flüssigkeitsforschung und
die Entwicklung neuer Technologien sein.
Nach seiner Ankoppelung an die ISS soll das Weltraumlabor
Hauptarbeitsplatz für die ESA-Astronauten sein. Columbus ist fast
acht Meter lang und hat einen Durchmesser von 4,5 Metern. In dem Labor
können bis zu drei Astronauten auf 25 Kubikmetern an
wissenschaftlichen Versuchen arbeiten.
(Quelle: afp)
Kunstmarkt
Bacon-Gemälde für 35 Millionen Euro in London versteigert
Fr.08.02.08 - Ein Gemälde des Künstlers Francis Bacon ist bei einer
Versteigerung im Londoner Auktionshaus Christie's für 26,34
Millionen Pfund (35,24 Millionen Euro) unter den Hammer gekommen. Das
aus drei Teilen bestehende "Triptych 1974 - 1977" verfehlte damit nur
knapp den Rekord für den höchsten je für einen Bacon auf
einer Auktion gezahlten Preis. Christie's hatte gehofft, für das
Bild noch mehr einzunehmen als die 26,58 Millionen Pfund, die im
vergangenen Mai für Bacons "Study from Innocent X" gezahlt worden
waren.
Das Bild ist damit weiter das teuerste eines britischen oder irischen
Künstlers, das je auf einer Auktion verkauft wurde. Der 1992
gestorbene Bacon verarbeitete in dem düsteren "Triptych 1974 -
1977" den Selbstmord seines Freundes George Dyer. Ein Triptychon sei
schwerer verkäuflich als ein Einzelgemälde, begründete
Christies Expertin für Nachkriegskunst, Pilar Ordovas, das
Verfehlen des Rekords.
Insgesamt nahm das Auktionshaus am Mittwochabend 72,9 Millionen Pfund
(97,7 Millionen Euro) ein. 17 von 54 Kunstwerke wurden jedoch nicht
verkauft, laut Ordovas waren einige Einstiegsgebote zu hoch angesetzt.
Christie's hofft für die seit Montag laufende Auktionswoche von
Werken des Impressionismus und der modernen Kunst auf einen
Rekorderlös von umgerechnet rund 383 Millionen Euro.
(Quelle: afp)