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Aktuelle Nachrichten
Irak am 1418ten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Fortschritte bei Gesprächen mit Sunniten-Bündnis im Irak.
Republikanischer US-Präsidentschaftskandidat McCain macht Irak vor
neuer Vorwahlrunde zum Thema. Erdogan: Türkische
Militäroperationen im Nordirak gehen weiter. Al-Kaida-Führer
im Irak getötet
So.10.02.08 - Das größte sunnitische Parteienbündnis im Irak hat nach
eigenen Angaben Fortschritte bei den Verhandlungen über eine
Rückkehr in die Regierung erzielt: Eine endgültige
Entscheidung sei aber noch nicht gefallen, sagte der Chef der
Einigungsfront, Adnan al-Dulaimi, am Samstag. Damit relativierte er
frühere Äußerungen, die Einigungsfront habe sich schon
bereiterklärt, der Regierung von Ministerpräsident Nuri
al-Maliki wieder beizutreten. Die Regierung müsse zunächst
mehrere Bedingungen der Bewegung erfüllen, hieß es nun. Ein
Sprecher der Einigungsfront bestätigte, dass die Verhandlungen
noch andauerten. Es seien jedoch gute Fortschritte erzielt worden.
Die Gruppierung hatte ihre sechs Minister im August aus dem schiitisch
dominierten Kabinett von Ministerpräsident Nuri al-Maliki
zurückgezogen und die Regierung damit in eine schwere Krise
gestürzt. Nachdem im Januar ein Gesetz verabschiedet wurde, das
vielen Sunniten die Rückkehr in den Staatsdienst ermöglichen
soll, hatte sie Gesprächsbereitschaft über eine Rückkehr
an den Kabinettstisch signalisiert.
Bei zwei gegen ausländische Truppen gerichteten Anschlägen
kamen im Irak fünf US-Soldaten ums Leben. Wie das US-Militär
am Samstag mitteilte, wurden vier Soldaten nordwestlich von Bagdad bei
der Explosion eines am Straßenrand versteckten Sprengsatzes
getötet. Ein weiterer Soldat starb bei einem ähnlichen
Anschlag nahe der nordirakischen Stadt Tikrit.
Vor einer neuen Runde der US- Vorwahlen hat der republikanische Favorit
John McCain versucht, den Irak-Krieg wieder in der Vordergrund zu
rücken.
Während eines Pressegesprächs in Virginia warf der Senator
aus Arizona den demokratischen Kandidaten Hillary Clinton und Barack
Obama vor, einen festen Abzugstermin aus dem Irak festlegen zu wollen.
Die Al-Kaida würde dies als Sieg für sich verbuchen und den
US- Truppen nach Hause folgen, sagte er. Obama und Clinton wiesen dies
bei Wahlkampfveranstaltungen im Bundesstaat Washington zurück.
Bislang war der Irak-Krieg als Thema hinter der Wirtschaft
zurückgeblieben.
McCain ist nach dem Ausscheiden seiner wichtigsten Konkurrenten die
Kandidatur der Republikaner kaum noch zu nehmen. Clinton und Obama
liegen dagegen faktisch gleichauf. Am Wochenende finden in einzelnen
Bundesstaaten wie Louisiana und Washington Vorwahlen statt. Auch sie
dürften jedoch keinen klaren Favoriten bei den Demokraten
hervorbringen. Möglicherweise fällt erst bei dem Parteitag im
Sommer eine Entscheidung. Die eigentliche Präsidentenwahl findet im
November statt.
Der türkische Ministerpräsident Tayyip Erdogan hat eine
Fortsetzung der Militäraktionen seines Landes im Nordirak
angekündigt: "Wir werden diese Operationen fortsetzen, bis der
Terrorismus ausgeräumt ist", sagte Erdogan am Samstag in
München mit Blick auf die kurdische Organisation PKK. Das
türkische Militär geht seit Monaten im Nachbarland gegen
Stellungen der PKK vor, der die Regierung in Ankara eine eine
Destabilisierung der Türkei wie des Irak vorwirft. Erdogan betonte,
sein Land taste die territoriale Integrität des Irak nicht an und
gehe auch nicht gegen die Zivilbevölkerung vor. Er appellierte an
die EU, die die PKK als Terrororganisation betrachtet, deren
Tarnorganisationen und Finanzquellen zu blockieren.
Irakische Polizisten haben am Samstag nach eigenen Angaben einen
Führer der Terrorgruppe Al Kaida im Irak getötet. Abu Omar al
Dori habe bei einer nächtlichen Razzia in Samarra eine Stunde lang
Widerstand geleistet, bevor er getötet worden sei, sagte ein
Polizeisprecher. Den Angaben zufolge hatte Al Dori erst eine Woche zuvor
die Zuständigkeit für Al-Kaida-Aktivitäten in Samarra
übertragen bekommen. Die Stadt liegt rund 95 Kilometer
nördlich von Bagdad.
boa (Quellen: rtr, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 10.02.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am neunhundertsechsundfünfzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Sa.10.02.07 - Führende Pentagon-Beamte manipulierten Geheimdienstinformationen
vor dem Irak-Krieg +++ Anzeige in Spanien gegen Rumsfeld wegen
Kriegsverbrechen erstattet +++ Extremisten töten elf Dorfbewohner
im Irak +++ USA verhandeln mit Syrien über irakische Flüchtlinge...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0702100.htm#news
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Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Deutsche Regierung dementiert Ausweitung von Afghanistan-Einsatz
So.10.02.08 - Die deutsche Regierung hat Pläne für eine massive Ausweitung des
Afghanistan-Einsatzes der Bundeswehr dementiert.: "Es gibt keine
solchen Überlegungen im Kanzleramt", sagte Regierungssprecher
Ulrich Wilhelm Reuters bei der Münchner Sicherheitskonferenz am
Samstag. Auch vom Verteidigungsministerium kam ein Dementi: Eine
Aufstockung der Truppenstärke auf bis zu 4500 Soldaten und eine
Ausdehnung des Einsatzgebietes in den Westen Afghanistans seien nicht
geplant, erklärte das Ministerium zu einem entsprechenden Bericht
des "Spiegel".
Nach dem aktuellen Mandat, das im Oktober ausläuft, können
bis zu 3500 Bundeswehr-Soldaten am Hindukusch eingesetzt werden. Unter
dem Druck der Nato-Verbündeten und vor allem der USA hatte
Deutschland erst vor einigen Tagen zugesagt, einen Kampfverband mit
etwa 200 Soldaten in den Norden des Landes zu entsenden. Da derzeit
bereits rund 3300 deutsche Soldaten in Afghanistan sind,
manövriert die Bundeswehr nur noch knapp unterhalb der
Mandatsgrenze.
Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung bestätigte den
Bericht in München nicht, er ließ aber eine Aufstockung des
Mandats grundsätzlich offen. "Ich bitte Sie um Verständnis,
dass ich im Hinblick auf zukünftige Mandate jetzt keine
Ausführungen mache", sagte er.
Der "Spiegel" berichtete außerdem, das bislang auf ein Jahr
befristete Mandat solle auf 15 oder 18 Monate ausgedehnt werden, um den
Afghanistan-Einsatz aus dem Bundestagswahlkampf herauszuhalten.
Bundeskanzlerin Angela Merkel wolle dieses Paket beim Nato-Gipfel im
April in Bukarest verkünden und damit die US-Forderung nach einem
deutschen Kampfeinsatz im Süden Afghanistans abwehren.
Die USA hatten in scharfen Worten eine Zweiklassengesellschaft in der
Nato kritisiert, in der nur einige Verbündete den Blutzoll
zahlten. Neben den USA tragen Großbritannien, Kanada und die
Niederlande die Hauptlast der Kämpfe am Hindukusch.
Dem "Spiegel"-Bericht zufolge gibt es auch Überlegungen, die
westliche Provinz Baghdis, für die bisher Italien zuständig
ist, dem deutschen Kommando zuzuschlagen. In dieser Gegend hatten
Isaf-Truppen unter deutschen Kommando sich Ende 2007 Kämpfe mit
radikal-islamischen Taliban geliefert, die in den Norden eingesickert
waren. Daran war die norwegische Eingreiftruppe beteiligt, die die
Bundeswehr im Sommer ablösen wird.
Die Grünen-Verteidigungsexperten Winfried Nachtwei und Alexander
Bonde warnten vor einer längeren Mandatslaufzeit und einer
Diskussion, die sich nur auf Truppenzahlen konzentriere. Die Regierung
müsse der Bevölkerung den Einsatz plausibel machen und
dürfe sich nicht mit einer längeren Laufzeit über den
Wahlkampf hinwegretten, sagte Nachtwei. Dies wäre das "falscheste,
was es gibt", und käme einer Kapitulation gleich.
(Quelle: rtr)
760 Kältetote durch strengen Winter in Afghanistan
So.10.02.08 - In Afghanistan sind durch den ungewöhnlich strengen Winter bislang
bereits 760 Menschen ums Leben gekommen. Wie ein Vertreter des
Notfallministeriums in Kabul erläuterte, war fast die Hälfte
der Dörfer eine Zeit lang von der Umwelt abgeschnitten. Viel Vieh
sei erfroren: mindestens 230.000 Tiere. Er rechne damit, dass es noch
mehr Tote geben werde. Viele seien in den Schneemassen erfroren, die in
den vergangenen vier Wochen fast pausenlos auf das Land niedergegangen
seien.
(Quelle: afp)
Zwanzig Tote bei Anschlag in Pakistan
So.10.02.08 - Mindestens 20 Menschen sind am Samstag in Pakistan bei einem
Selbstmordanschlag während einer Wahlkundgebung im Nordwesten des
Landes getötet worden.
Nach Behördenangaben wurden außerdem mehr als 40 Menschen
verletzt, als sich der Attentäter während einer Versammlung
der links-nationalistischen Awami-Partei (ANP) in einem Dorf im
Distrikt Charsadda in die Luft sprengte.
Erst am 21. Dezember war in diesem Distrikt nahe der afghanischen
Grenze ein Selbstmordanschlag auf Ex-Innenminister Aftab Sherpao
verübt worden. Während der Politiker unbeschadet
überlebte, starben bei dem Anschlag während des
Freitagsgebets in einer Moschee mindestens 50 Menschen.
Sechs Tage später waren Oppositionsführerin Benazir Bhutto
und mehr als 20 ihrer Anhänger während einer Wahlkundgebung
ihrer Pakistanischen Volkspartei PPP in Rawalpindi ums Leben gekommen.
Die ursprünglich für Anfang Januar geplante Parlamentswahl
wurde daraufhin auf den 18. Februar verschoben.
(Quelle: dpa)
Nahost-Konflikt: Libanesische Präsidentenwahl erneut verschoben -
Ein Toter bei israelischen Luftangriffen auf Ziele im Gazastreifen
So.10.02.08 - Im Libanon ist die Wahl des neuen Staatsoberhaupts zum 14. Mal
verschoben worden. Der Generalsekretär des Arabischen Liga, Amr
Mussa, verließ nach dem Scheitern seiner
Vermittlungsbemühungen am Samstag Beirut. Er erklärte, es
bestehe dennoch Hoffnung, dass sich die Parteien auf einen Kompromiss
einigen könnten.
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Mussa hatte seine angekündigte Abreise am Freitagabend
verzögert, um die Vermittlungsgespräche fortzusetzen. Auch
diese Verhandlungen blieben jedoch erfolglos. Kurz nach Mussas Abreise
verschob Parlamentspräsident Nabuh Berri die für Montag
geplanten Wahl auf den 26. Februar. Mussa war am Freitag mit dem
Mehrheitsführer Saad Hariri, dem christlichen
Oppositionsführer Michel Aoun und mit Expräsident Amin
Gemayel zusammengetroffen. Er erläuterte ihnen einen Plan der
Arabischen Liga zur Beilegung der Krise. Dieser sieht die Wahl von
General Michel Suleiman zum neuen Staatspräsidenten, die Bildung
einer Regierung der nationalen Einheit und ein neues Wahlrecht vor.
Die Amtszeit des bisherigen Staatspräsidenten Emile Lahoud endete
am 23. November vergangenen Jahres, ohne dass zuvor ein Nachfolger im
Parlament gewählt werden konnte. Für Montag ist ein 14.
Versuch zur Wahl eines Präsidenten angesetzt. Es wird aber
erwartet, dass dieser Termin erneut verschoben wird.
Mindestens ein Mitglieder der radikalislamischen Hamas ist am
späten Abend bei einer Serie von israelischen Luftangriffen auf
Ziele im Gazastreifen ums Leben gekommen. Nach Angaben
palästinensischer Augenzeugen und Rettungssanitäter wurden
etwa zehn Menschen verletzt. Zudem seien schwere Schäden an
Gebäuden entstanden. Palästinensische Extremisten hatten
gestern erneut Südisrael mit selbst gebauten Raketen beschossen.
Dabei wurden nach Berichten des israelischen Rundfunk zwei Menschen
verletzt.
boa (Quellen: dpa, ap)
Birmas Militärregierung kündigt Verfassungsreferendum und
Wahlen an
So.10.02.08 - Birmas Militärregierung hat am Samstag eine Volksabstimmung
über die künftige Verfassung und eine Parlamentswahl
angekündigt. Das Verfassungsreferendum soll bereits im Mai
abgehalten werden, freie Wahlen sollen 2010 stattfinden, wie die
Militärjunta in den Abendnachrichten des staatlichen Radios und
Fernsehens ankündigte. Damit wurden erstmals konkrete Termine
genannt für das, was die Junta als weitere Schritte auf dem Weg
zur Demokratie bezeichnet.
Ein erster Verfassungsentwurf war in diesem Jahr von einem
regierungstreuen Konvent beschlossen worden. Die Beratungen dazu hatten
bereits 1993 begonnen, waren aber immer wieder unterbrochen worden.
Eine Regierungskommission bereitet derzeit einen endgültigen
Entwurf des Dokuments vor. Die Partei der seit Jahren unter Hausarrest
stehenden Oppositionsführerin und Friedensnobelpreisträgerin
Aung San Suu Kyi boykottierte den Verfassungskonvent.
«Die Zeit ist gekommen, von der Herrschaft des Militärs zu
einer demokratischen Regierungsform zu wechseln», hieß es
in der knapp gehaltenen Erklärung. Ein Sprecher von Suu Kyis
Partei, der Nationalen Liga für Demokratie (NLD), reagierte
skeptisch. «Die Ankündigung ist vage, unvollständig und
seltsam», sagte Nyan Win. So sei sich die Junta offenbar bereits
sicher, dass eine Mehrheit ihre Verfassungsentwurf zustimmen werde,
sonst könnten nicht bereits Wahlen angekündigt werden.
Die letzten freien Wahlen gewann Suu Kyi 1990 haushoch, das
Militär weigerte sich aber ihren Sieg anzuerkennen. Ein Referendum
im Mai wird der Opposition kaum Zeit lassen, einen Wahlkampf
durchzuführen - falls die Junta es überhaupt erlauben
würde.
Das südostasiatische Land wird seit 1962 von Generälen
regiert. Die Verfassung wurde nach der gewaltsamen Niederschlagung von
Massenprotesten 1988 außer Kraft gesetzt. Im vergangen Jahr hatte
die Junta von Mönchen angeführte Massenproteste erneut blutig
niedergeschlagen. Zeitweise hatten in dem bitterarmen Land täglich
mehr als 100.000 Menschen gegen die Regierung protestiert.
(Quelle: ap)
USA: Demokratische Präsidentschaftskandidatur - Obama triumphiert
über Clinton in drei Staaten
So.10.02.08 - Großer Erfolg für Barack Obama: Im Rennen um die
demokratische Präsidentschaftskandidatur in den USA hat der
Senator am Samstag seine Konkurrentin Hillary Clinton in den Staaten
Washington, Nebraska und Louisiana geschlagen. Bei den Republikanern
konnte sich der frühere Baptistenprediger Mike Huckabee in Kansas
mit 60 Prozent klar gegen den Favoriten John McCain durchsetzen und
kündigte an, weiter um die republikanische Kandidatur zu ringen.
Die Ergebnisse der Republikaner in Washington und Louisiana standen am
frühen Sonntagmorgen noch aus.
Die Siege in Washington und Nebraska fielen für den Demokraten
Obama mit etwa zwei Dritteln der Stimmen deutlich aus. Auf den
Jungferninseln, wo es drei Delegiertenstimmen gibt, bekam er sogar fast
90 Prozent. Etwas knapper war das Rennen in Louisiana: Nach der
Auszählung von einem Drittel der Stimmen konnte der Senator aus
Illinois 53 Prozent holen. Wie bereits in Alabama, Georgia und South
Carolina bekam der schwarze Politiker breite Unterstützung von
afroamerikanischen Wählern.
Bei den Demokraten konnten sich am «Superdienstag» weder
Clinton noch Obama klar absetzen. Weil der Abstand zwischen beiden so
gering ist, ist jede Vorwahl von Bedeutung. Am Samstag waren in den
drei Staaten insgesamt 158 Delegiertenstimmen der Demokraten zu
erringen. Im Staat Washington allein waren es 78. Am (heutigen) Sonntag
folgt eine weitere Abstimmung in Maine. Am Dienstag wird an der
Ostküste gewählt: in der Hauptstadt Washington, in Maryland
und Virginia.
Nach einer Zählung der Nachrichtenagentur Associated Press
entfallen auf Clinton derzeit 1.064 Delegiertenstimmen und 1.029 auf
Obama. Für die Kandidatur sind 2.025 nötig. Mit den Erfolgen
konnte Obama seinen Rückstand weiter verringern.
Trotz der Niederlage in Kansas führt McCain bei den Republikanern
mit 719 Delegiertenstimmen fast uneinholbar vor Huckabee mit 234
Stimmen, nachdem sich Mitt Romney am Donnerstag aus dem Rennen
zurückzog. Um Präsidentschaftskandidat der Republikaner zu
werden, sind 1.191 Stimmen nötig. Huckabee will sich dennoch nicht
zurückziehen. Er glaube noch immer an Wunder, sagte er auf einer
Wahlkampfveranstaltung. Der Sieg in Kansas brachte ihm 36
Delegiertenstimmen.
Die Niederlage McCains in Kansas veranschaulicht nach Ansicht von
Experten McCains Schwierigkeiten, die Unterstützung des
rechtskonservativen Flügels der Partei für sich zu finden.
Huckabee vertritt auf vielen Feldern einen deutlich konservativeren
Kurs und verwies am Wochenende erneut auf seinen Glauben und seine
strikte Ablehnung von Abtreibungen.
(Quelle: ap)
Deutsche Konzerne spenden eine Million Euro im US-Wahlkampf
So.10.02.08 - US-Töchter deutscher Konzerne haben umgerechnet fast eine Million
Euro im US-Wahlkampf gespendet. Insgesamt seien 1,39 Millionen Dollar
(rund 950.000 Euro) an Parteien und Kandidaten geflossen, berichtet die
die "Welt am Sonntag" unter Berufung auf eine Untersuchung des Center
for Responsive Politics (CRP), einer unabhängigen US-Organisation,
die auf Wahlkampfbeobachtung spezialisiert ist. Von den Spenden der
deutschen Tochterfirmen gingen demnach 776.000 Dollar - also rund 56
Prozent - an die oppositionellen Demokraten. Die Republikaner bekamen
612.000 Dollar.
In den USA dürfen nur Bürger, aber keine Unternehmen direkt
Geld an Parteien oder Politiker spenden. Dennoch werden Unternehmen die
Spenden ihrer Mitarbeiter üblicherweise zugerechnet. Ein Grund
dafür ist, dass viele Firmen eigens hochrangig besetzte Komitees
schaffen, die Mitarbeiterspenden einsammeln und dann gebündelt
weiterleiten.
Das Unternehmen mit dem bisher höchsten Spendenaufkommen ist laut
der Analyse die Deutsche Bank (421.000 Dollar), gefolgt von Daimler
(246.000 Dollar), T-Mobile (192.000 Dollar), Siemens (127.000 Dollar)
und Bayer (126.000 Dollar).
Von den Präsidentschaftsbewerbern bekam die Demokratin Hillary
Clinton mit 113.000 Dollar das meiste Geld aus deutschen
US-Tochterfirmen. Dahinter folgen ihre innerparteilichen Konkurrenten
Barack Obama (98.000 Dollar) und der inzwischen ausgeschiedene John
Edwards (59.000 Dollar). Bei den Republikanern liegt der seit
Donnerstag ebenfalls ausgeschiedene Mitt Romney (47.000 Dollar) vor
John McCain (46.000) und Mike Huckabee (5000 Dollar).
(Quelle: afp)
Präsidentschaftswahl in Tschechien erneut gescheitert
So.10.02.08 - Der tschechische Präsident Vaclav Klaus hat auch im dritten
Durchgang seine Wiederwahl verpasst. Auf Klaus entfielen nach
offiziellen Angaben 139 Stimmen - eine weniger als erforderlich. Sein
Konkurrent, der seit Jahrzehnten in den USA lebende
Wirtschaftsprofessor Jan Svejnar, erhielt 113 Stimmen. Für den
kommenden Freitag wurde eine weitere Wahlrunde angesetzt. Der
66-jährige Klaus kündigte an, er werde dann wieder antreten.
Das Scheitern der Kür des Präsidenten gefährdete nach
Meinuing von Beobachtern auch die Regierungskoalition unter
Ministerpräsident Mirek Topolanek.
Klaus, der wie Topolanek der konservativen Demokratischen
Bürgerpartei (ODS) angehört, versuchte die drei
fehlgeschlagenen Anläufe zu seiner Wiederwahl mit einem
Lächeln zu überspielen. Er habe bereits 2003 erlebt, wie
knapp die Abstimmungen im tschechischen Parlament ausgingen, sagte
Klaus. Immer aber habe er die meisten Simmen erhalten. "Ich mache
weiter, das ist gerechtfertigt", sagte er. Klaus mischte schon in der
Prager Politik mit, als Tschechien und Slowakei noch eine Einheit
bildeten. Zunächst wurde er 1989 zum tschechoslowakischen
Finanzminister bestellt. Anschließend war er von 1992 bis 1997
Regierungschef und von 1998 bis 2002 Präsident des
Abgeordnetenhauses.
Svejnar kam im dritten Durchgang auf 113 Stimmen, zuvor waren es zum
Teil sogar mehr gewesen. Der Ökonomie-Professor von der
Universität Michigan war von den oppositionellen Sozialdemokraten
(CSSD) aufgestellt worden. Er wurde auch von den an der Regierung
beteiligten Grünen unterstützt. Allerdings fehlte ihm im
dritten Wahlgang die Unterstützung der Kommunisten, um sich gegen
Klaus durchzusetzen. Im Gegensatz zu dem erklärten EU-Skeptiker
Klaus verfolgt Svejnar einen EU-freundlichen Kurs und empfiehlt einen
möglichst raschen Beitritt zur Euro-Zone.
Die Schwierigkeiten bei der Mehrheitsfindung riefen in der Prager
Öffentlichkeit bissige Kommentare hervor. Es war von "Schande" und
einer "Farce" die Rede. Da bereits die Wahl vor fünf Jahren extrem
schleppend vonstatten ging, verstärken sich die Rufe nach einer
Direktwahl des Präsidenten durch die Bevölkerung.
(Quelle: afp)
Erdogan besteht auf EU-Vollmitgliedschaft der Türkei
So.10.02.08 - Der türkische Regierungschef Recep Tayyip Erdogan hat auf der
Münchner Sicherheitskonferenz seine Forderung nach einer
Vollmitgliedschaft seines Landes in der Europäischen Union (EU)
bekräftigt. Die sogenannte privilegierte Partnerschaft mit der EU
als Alternative lehnte Erdogan kategorisch ab. Auch beim Fußball
könnten schließlich die Regeln nicht im letzten Moment
geändert werden, sagte er. Im Konflikt mit der verbotenen
Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) kritisierte er, in vielen
europäischen Ländern könnten Tarnorganisationen der
kurdischen Rebellen weiter agieren und die PKK finanziell
unterstützen.
Die Türken hörten den Begriff der privilegierten
Partnerschaft überhaupt nicht gern, sagte Erdogan. Sein Land
befinde sich in dem nach EU-Regeln laufenden Verfahren hin zur
Vollmitgliedschaft, da sei es unfair, eine Partnerschaft anzubieten.
Die im Beitrittsprozess noch ausstehenden Kapitel müsten nun
unverzüglich geöffnet werden. Es sei der Türkei zugesagt
worden, dass sie gleichberechtigt mit anderen Kandidaten behandelt
werde. Die Kopenhagener Beitrittskriterien - Rechtsstaatlichkeit, eine
funktionierende Marktwirtschaft und die Übernahme des
EU-Regelwerks - seien erfüllt, und auch die
wirtschaftsorientierten Maastricht-Kriterien seien auf Kurs.
Erdogan hob die strategische Bedeutung seines Landes nicht nur für
die EU, sondern auch für die Anrainerstaaten der Türkei
hervor. So stelle die Türkei die viertgrößte
Importroute für Energie in der EU und sei zudem ein wichtiger
Transportkorridor. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte Erdogan am
Freitag die Fortsetzung der Verhandlungen über einen Beitritt
zugesagt, dabei aber gewarnt, es sei noch "eine lange Wegstrecke zu
gehen". Deutschland und Frankreich widersetzen sich der türkischen
Vollmitgliedschaft und verfechten die privilegierte Partnerschaft.
Im Konflikt mit der PKK forderte Erdogan, als nächstes
müssten die Tarnorganisationen der Arbeiterpartei geschlossen und
ihre Geldhähne zugedreht werden. Zwar erkenne die EU an, dass die
PKK eine Terrororganisation sei, dennoch gebe es weiter Organisationen
in vielen europäischen Ländern, die unter Decknamen die PKK
finanziell unterstützten.
Erdogan bekräftigte den harten Kurs seiner Regierung gegen die
PKK. Die türkische Armee hat seit Mitte Dezember mit
Unterstützung der USA mehrfach Angriffe auf mutmaßliche
PKK-Stellungen im Nordirak geflogen. Laut Augenzeugenberichten wurden
dabei auch Zivilisten getötet.
(Quelle: afp)
Türkisches Parlament erlaubt Kopftuch an Universitäten
So.10.02.08 - Mit einer Verfassungsänderung hat ein Bündnis aus islamischen
und rechtsgerichteten Parteien im türkischen Parlament das
Kopftuch-Verbot an Universitäten aufgehoben. Die größte
Oppositionspartei kündigte Verfassungsbeschwerde an. In Ankara
gingen erneut zehntausende Menschen auf die Straße und forderten
den Rücktritt der islamisch geprägten Regierung. Sie sehen in
der Aufhebung des Kopftuch-Verbots eine schleichende Islamisierung der
Türkei und einen Schritt zur Auflösung des säkularen
Staatsprinzips.
Die beiden Verfassungsänderungen sehen ein Recht auf
Gleichbehandlung in staatlichen Institutionen vor sowie ein Recht auf
höhere Bildung. Sie wurden im abschließenden Votum mit 411
zu 103 Stimmen angenommen. Die regierende Partei für Gerechtigkeit
und Entwicklung (AKP) hat die Vorlage mit der rechtsgerichteten
oppositionellen Nationalistischen Aktionspartei (MHP) abgestimmt.
Demnach soll das Tragen eines Kopftuchs auf dem
Universitätsgelände künftig zulässig sein, sofern
es unter dem Kinn zusammengebunden wird und nicht das Gesicht verdeckt.
Die Zustimmung von Staatspräsident Abdullah Gül gilt nur noch
als reine Formsache.
Die Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan will mit
der Gesetzesänderung nach eigenen Angaben Demokratie und Freiheit
in der Türkei stärken, um damit den erhofften EU-Beitritt zu
beschleunigen. Viele Türkinnen fürchten jedoch, dass sie mit
dem Fall des Kopftuch-Verbots unter Druck gesetzt werden, ihren ganzen
Körper zu verhüllen.
«Wir werden niemals zulassen, dass unser Land ins finstere
Mittelalter zurückfällt», erklärte der Abgeordnete
Canan Aritman von der Republikanischen Volkspartei (CHP) und betonte,
das Kopftuch sei ein politisches Symbol. Die republikanische
Abgeordnete Nesrin Baytok warf der Regierung vor, die Türkei in
ein zweites Afghanistan verwandeln zu wollen. Die
Verfassungsänderung führe nicht zu mehr Freiheiten, sondern
zu mehr Zwängen. «Die Köpfe vieler Mädchen werden
von ihren Brüdern geschoren, um sie zu zwingen, ein Kopftuch zu
tragen», sagte sie.
Die Abstimmung im Parlament wurde begleitet von einem Massenprotest in
der Hauptstadt Ankara, wo Zehntausende ihre Stimme gegen das Ende des
Kopftuchverbots erhoben. «Die Türkei ist säkular und
wird es immer bleiben», riefen sie. Viele Demonstranten
schwenkten türkische Fahnen oder trugen Porträts von Mustafa
Kemal Atatürk mit sich, der die Türkei 1923 als weltlichen
Staat gegründet hatte. Vor einer Woche waren mehr als 125.000
Menschen, zumeist Frauen, auf die Straße gegangen. Das
einflussreiche Militär, das sich als Wächter einer weltlichen
Staatsform versteht, hat sich bislang aus dem Streit herausgehalten.
Die derzeit gültige und das Kopftuch verbietende Verfassung wurde
nach einem Militärputsch 1980 erlassen. Seit die Streitkräfte
1997 die Regierung einer streng islamischen und inzwischen verbotenen
Partei verdrängten, wird das Verbot streng beachtet.
«Bedeckt» arbeitende Frauen dürfen laut Gesetz auch
nicht für Regierungsbehörden tätig sein.
(Quelle: ap)
Serbiens Präsident Tadic warnt EU vor übereilten Schritten im
Kosovo
So.10.02.08 - Im Streit über die Zukunft des Kosovo hat der serbische
Präsident Boris Tadic die EU vor übereilten Schritten gewarnt:
Serbien könne nicht zulassen, dass sein Staatsgebiet
verstümmelt werde, warnte Tadic am Freitagabend zum Auftakt der
Münchner Sicherheitskonferenz. Zugleich sprach Tadic der geplanten
Polizeimission der EU im Kosovo die rechtliche Grundlage ab.
Grundsätzlich begrüße Serbien zwar das Bemühen der
Europäer, ihre Präsenz im Kosovo zu verstärken. Jedes
neue internationale Engagement dort müsse aber vom
UN-Sicherheitsrat gebilligt werden, anders sei eine Legitimation nicht
möglich.
"Die Alternative ist ein gefährlicher Sprung ins dunkle Ungewisse
in Zeiten großer weltweiter Umwälzungen", sagte Tadic. Im
UN-Sicherheitsrat stützt Russland seit langem die serbische
Position und will eine Unabhängigkeit des Kosovo verhindern. Ohne
Aussicht auf eine Verhandlungslösung will die EU nun die Verwaltung
des Kosovo von der UN übernehmen. Es wird erwartet, dass die
EU-Außenminister bei ihrem Treffen am 18. Februar die Polizei-
und Justizmission offiziell auf den Weg bringen. Bereits am Tag zuvor
könnte das Kosovo nach Einschätzung politischer Kreise seine
Unabhängigkeit erklären.
Die UN hatte die Verwaltung des Kosovo 1999 übernommen, nachdem
die Nato die serbischen Truppen dort vertrieben hatte.
(Quelle: rtr)
Deutschlands Außenminister drängt Russland zu Fortschritten
bei Abrüstung
So.10.02.08 - Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier fordert von
Russland mehr Kompromissbereitschaft zur Rettung des
KSE-Abrüstungsvertrags: "Jetzt ist Russland am Zug", sagte der
SPD-Politiker bei der Münchner Sicherheitskonferenz am Samstag.
Russland hatte sich Ende vergangenen Jahres aus dem Vertrag zur
Begrenzung konventioneller Streitkräfte in Europa (KSE)
zurückgezogen und will damit nach eigener Darstellung die
Vereinbarung eines überarbeiteten, neuen Vertrags erreichen. "Wir
hoffen auf ein konstruktives Signal, das den Weg zu weiteren
Gesprächen möglich macht und uns die Ratifikation langfristig
sichert", sagte Steinmeier an die Adresse Russlands gerichtet. Der
scheidende russische Präsident Wladimir Putin hatte dem Westen
einen neuen Rüstungswettlauf vorgeworfen.
Steinmeier forderte auch die USA auf, einen Beitrag zur nuklearen
Abrüstung zu leisten. "Bei der Nicht-Weiterverbreitung von
Nuklearwaffen wird es keine wirklichen Fortschritte geben, ohne dass
die klassischen Nuklearwaffenstaaten hierzu die Initiative ergreifen",
sagte er. Er sei froh, dass die Programme der
US-Präsidentschaftkandidaten auch entsprechende Aussagen
enthielten. Der Atomwaffen-Sperrvertrag, der die weitere Verbreitung
nuklearer Waffentechnik verhindern soll, wird derzeit
überprüft. Er ist ein wichtiger Baustein für die
Bemühungen, eine atomare Bewaffnung des Iran zu verhindern.
Steinmeier sprach sich erneut für weiteren Druck auf die
Führung in Teheran aus und drohte indirekt mit weiteren
Sanktionen. Die internationale Gemeinschaft sei bereit, den Druck auf
den Iran weiter zu erhöhen, wenn ihre Forderungen nicht klar
erfüllt würden. Die fünf ständigen Mitglieder des
UN-Sicherheitsrats und Deutschland hatten sich im Januar in Berlin auf
eine neue Resolution mit moderat verschärften Sanktionen geeinigt,
die sie in den nächsten Wochen dem 15er-Gremium zur Abstimmung
vorlegen wollen.
(Quelle: rtr)
Italien: Berlusconi in den Startlöchern
So.10.02.08 - Der frühere italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi
hat am Samstag seine Kampagne zur Rückkehr an die Regierungsspitze
gestartet. Während einer Rede in Mailand kündigte er an, die
während seiner letzten Amtszeit begonnen Reformen
abzuschließen. Der 71-Jährige kandidiert bei der
vorgezogenen Parlamentswahl Mitte April für einen neuen
Mitte-rechts-Block. «Die Linken haben Italien in die Knie
gezwungen», sagte Berlusconi. Umfragen zufolge kann er die Wahl
gewinnen, die nach dem Zusammenbruch der Regierung von Romano Prodi im
Januar angesetzt wurde. Berlusconi war der einzige italienische
Regierungschef der Nachkriegszeit, der fünf Jahre hintereinander
im Amt war.
(Quelle: ap)
G-7 sehen solide Eckdaten der Weltwirtschaft - Maßnahmen zur
Stabilisierung der Märkte angekündigt
So.10.02.08 - Die sieben führenden Industrieländer (G-7) haben angesichts
der Bankenkrise Maßnahmen zur Stabilisierung der globalen
Märkte angekündigt. Konkrete Pläne nannten die
Finanzminister und Notenbankchefs nach einer Konferenz in Japan am
Samstag allerdings nicht. Die Eckdaten der Weltwirtschaft seien noch
immer solide, hieß es in einem Kommuniqué. Allerdings gebe
es Unsicherheit wegen der Schwäche der US-Konjunktur, der Unruhe an
den Finanzmärkten, hohen Rohstoffpreisen und
Inflationsängsten.
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Bei dem Treffen tauschen sich Finanzminister und Notenbankchefs
über die Finanzmarktkrise und die Gefahr einer Rezession aus. Sie
forderten die ölproduzierenden Länder auf, ihren Ausstoß
zu erhöhen, und verlangten von China eine schnellere Aufwertung
seiner Währung. Vertreter von Frankreich, Japan und
Großbritannien zerschlugen die Hoffnung, dass bedeutende
gemeinsame Schritte geben könnte, um die Märkte zu
stabilisieren. «Die wirtschaftlichen Bedingungen in den USA,
Europa und Japan sind unterschiedlich», sagte etwa der japanische
Finanzminister Fukushiro Nukaga am Freitag.
Die französische Finanzministerin Christine Lagarde sagte nach
einem Treffen mit ihrem US-Kollegen Henry Paulson, die USA hätten
von den anderen G-7-Mitgliedern keine Konjunkturprogramme gefordert.
Paulson habe sich besorgt über die Lage der amerikanischen
Wirtschaft und den Immobilienmarkt gezeigt. Das Wort Rezession habe er
nicht verwendet. Paulson erklärte in einer Stellungnahme, er habe
Vertrauen in die langfristige Gesundheit der US-Wirtschaft. Er forderte
seine Kollegen auf, «entschlossen und proaktiv» zu
reagieren. Dabei verlangte er jedoch keine konkreten Maßnahmen von
den Partnern.
(Quelle: ap)
Deutschland
Allianz meldet acht Milliarden Euro Gewinn
So.10.02.08 - Die Allianz hat im vergangenen Jahr erneut einen deutlichen
Gewinnsprung erzielt. Der Versicherer verbuchte unterm Strich acht
Milliarden Euro und damit 14 Prozent mehr als im Vorjahr, wie der
Münchener Konzern auf Basis vorläufiger Zahlen mitteilte.
Während das Versicherungsgeschäft erfreulich verlief, war die
Dresdner Bank erneut das Sorgenkind des Konzerns. Die Banktochter musste
wegen Fehlspekulationen mit faulen US-Immobilienkrediten im vierten
Quartal rund 900 Millionen Euro abschreiben und rutschte zum Jahresende
tief in die roten Zahlen.
Die Verluste konnten jedoch mit Gewinnen aus den Vormonaten
ausgeglichen werden, so dass die Dresdner Bank im Gesamtjahr einen
Gewinn beisteuerte.
(Quelle: afp)
Autohersteller Opel hat 2007 Gewinn eingefahren
So.10.02.08 - Der Autobauer Opel hat 2007 trotz eines Absatzrückgangs in
Deutschland erneut einen Gewinn eingefahren. Nach dpa-Informationen hat
die Tochter von General Motors (GM) im zweiten Jahr in Folge schwarze
Zahlen geschrieben.
Dagegen belastete die schwedische Schwestermarke Saab das Ergebnis von
GM Europa unverändert mit roten Zahlen. Die Bilanz für das
abgelaufene Jahr weltweit gibt GM an diesem Dienstag bekannt.
Opel-Chef Hans Demant hatte jüngst mit Aussagen über Verluste
auf dem wichtigsten deutschen Markt Befürchtungen über neue
Schwierigkeiten bei Opel geweckt. Doch der Autohersteller profitiert
auch drei Jahre nach der harten Sanierung und dem Abbau von rund 9000
Stellen von der Kostenersparnis. 2006 hatte Opel erstmals seit sieben
Jahren wieder einen operativen Gewinn erzielt.
Der Gewinn von GM Europa falle allerdings kleiner aus als im Vorjahr,
verlautet aus Konzernkreisen in Rüsselsheim. Somit werde das Ziel,
das Vorjahresergebnis von 227 Millionen US-Dollar zu übertreffen,
nicht erreicht. GM-Europa-Chef Carl-Peter Forster hatte
ursprünglich angepeilt, GM in Europa noch profitabler zu machen.
Der US-Konzern weist keine Ergebnisse mehr für Marken aus, sondern
nur für den Bereich Europa. Dazu gehört neben Opel/Vauxhall
auch Saab. Die Marke Opel steht dabei für rund 80 Prozent des
Europa- Geschäfts. In Deutschland verkaufte Opel 2007 in einem
schrumpfenden Markt deutlich weniger Autos, der Marktanteil sank laut
Kraftfahrt- Bundesamt von 9,6 auf 9,1 Prozen
(Quelle: dpa)
Bauernpräsident Sonnleitner will Kampfpreise für Lebensmittel
verhindern
So.10.02.08 - Der Deutsche Bauernverband kündigt Widerstand gegen die
Preispolitik von Discountern bei Lebensmitteln an. Es sei
unverantwortlich, wenn hochwertige Nahrungsmittel zu Kampfpreisen
verkauft würden, nur um die Menschen in ihre Läden zu locken,
sagte Bauernpräsident Gerd Sonnleitner der «Neuen
Osnabrücker Zeitung» (Samstagausgabe). Die Discounter
fügten sich selbst den größten Imageschaden zu, wenn sie
auf dem Rücken der Bauern und letztendlich auch der Verbraucher so
handelten.
Sonnleitner nannte als Beispiel den Discounter Netto, der zuletzt den
150-Gramm-Joghurtbecher für 18 Cent verkauft habe. »Ein
solcher Verkauf unter Einstandspreis darf nicht sein,» sagte er.
Der Bauernverband habe dies beim Bundeskartellamt angezeigt und werde
die Discounter weiter unter Druck setzen. Für die kommende Woche
sei ein Gespräch mit dem Vorstand der Netto-Muttergesellschaft
Edeka über eine solche Preisstrategie geplant.
Der Bauernpräsident wies den Vorwurf zu hoher Lebensmittelpreise
in Deutschland zurück. «Nach wie vor sind Nahrungsmittel in
Deutschland im EU-Vergleich äußerst preisgünstig«,
betonte er. Die Preiserhöhungen lägen objektiv im Rahmen
einer durchschnittlichen Inflationsrate, bei rund 2,7 Prozent. Neben
Preiserhöhungen habe es aber auch Preissenkungen gegeben, zum
Beispiel bei Kartoffeln, Obst und Fleisch. »Man darf nicht
vergessen, dass wir Landwirte in den vergangenen 30 Jahren die
Inflationsbremse Nummer eins waren. Die Kosten für Ernährung
sind immer nur halb so hoch gestiegen wie die Inflationsrate»,
betonte der Bauernpräsident.
(Quelle: ddp)
Umfrage: Unions-Anhänger wollen liberalere und sozialere CDU
So.10.02.08 - Die CDU soll nach Ansicht einer klaren Mehrheit ihrer Wählerschaft
liberaler und sozialer werden. In einer Umfrage von TNS Forschung
für das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» wünschen
72 Prozent der befragten Unions-Anhänger, dass sich die CDU
stärker als soziale Partei profiliert. 88 Prozent fordern eine
größere Aufgeschlossenheit für die Veränderungen
der modernen Gesellschaft. 90 Prozent sind der Meinung, die CDU solle
sich stärker für die Gleichberechtigung von Müttern und
Vätern in Beruf und Familie einsetzen.
Dagegen schwindet der Rückhalt für christlich-konservative
Positionen unter den Unions-Anhängern. 50 Prozent wollen eine
stärkere Hinwendung zu konservativen Werten, 40 Prozent fordern ein
stärkeres Engagement für die traditionelle Familie, in der
sich vor allem die Frau um die Kinder kümmert. Unter den Befragten
gilt die CDU derzeit vor allem als Vertreterin konservativer Werte (71
Prozent), als wirtschaftsfreundliche (70 Prozent) und als christliche
Partei (65 Prozent). Nur 40 Prozent sehen die CDU als soziale Partei.
Befragt wurden 1000 Unions-Anhänger am 5. und 6. Februar.
(Quelle: ddp)
Union will Linke nicht verteufeln - Beckstein fordert stärkere
Auseinandersetzung mit sozialen Fragen
So.10.02.08 - Die jüngsten Wahlerfolge der Linkspartei haben offenbar auch in
der Union zu einem Umdenken geführt. Unions-Fraktionschef Volker
Kauder (CDU) sagte, die Union solle die Linkspartei nicht verteufeln,
sondern sich inhaltlich mit ihr auseinandersetzen. Bayerns
Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) forderte seine
Partei auf, sich stärker mit sozialen Fragen auseinanderzusetzen.
«Wir als CSU müssen die zugrundeliegenden Fragen ernst
nehmen», sagte Beckstein der Zeitung «Die Welt»
(Samstagausgabe) laut Vorabbericht. Auch in Bayern diskutierten die
Bürger über Mindestlöhne und Managergehälter. Viele
beklagten, dass der wirtschaftliche Aufschwung nicht bei ihnen ankomme.
«Ich habe dafür großes Verständnis», sagte
Beckstein.
Er verwies dabei auf stagnierende Renten und steigende
Lebenshaltungskosten. Viele Arbeitnehmer müssten auch mehr
arbeiten, verdienten aber nicht entsprechend mehr. Die CSU müsse
«solche Themen wahrnehmen, damit nicht eines Tages die Linken im
Landtag sitzen, die dort wirklich nichts zu suchen haben».
Beckstein warnte davor, die Linkspartei in Bayern zu
unterschätzen. Derzeit liege die Partei in Umfragen bei drei bis
vier Prozent. «Da muss man selbstverständlich aufpassen, dass
sie nicht plötzlich auf fünf Prozent kommt. In Hessen und
Niedersachsen haben wir ja gesehen, wie schnell das geht», sagte
Beckstein.
Kauder betonte: «Wir müssen die Linken inhaltlich stellen
und deutlich machen, dass sie mit ungedeckten Schecks handeln. Die
Sorgen der Menschen, die hinter dem Erfolg der Linken stehen, muss man
ernst nehmen.» Die Antwort könnten aber nicht noch mehr
Sozialleistungen sein. Die Union wolle stattdessen für «mehr
Arbeit und mehr Netto» für die Menschen sorgen.
Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) warnte seine
Partei vor einem Linksruck. «Die CDU darf der SPD nicht nach
links hinterherlaufen», sagte Milbradt. Er betonte: «Die
CDU ist eine Volkspartei - sie darf an keinem Flügel Federn
lassen. Sonst droht ihr irgendwann dasselbe Schicksal wie der SPD, und
es bilden sich innerhalb ihres Wählerspektrums neue
Parteien.»
Kauder warf der SPD vor, mit einer unklaren Abgrenzung zur Linkspartei
deren Aufstieg beschleunigt zu haben. Führende SPD-Politiker
wiesen dies zurück. SPD-Vize Frank-Walter Steinmeier sagte, es sei
kein Linksruck, wenn die SPD Politik für bessere Bildung und gegen
sittenwidrige Löhne mache. Die SPD stehe in der Mitte der
Gesellschaft und da werde sie auch bleiben. Die Linke bezeichnete der
Außenminister als «Chaostruppe», mit der man keine
stabile Regierung bilden könne.
FDP-Chef Guido Westerwelle wertete «die Schwäche der SPD und
der Grünen» als Ursache für das Erstarken der Linken.
Wirtschaftliche Vernunft spiele in beiden Parteien kaum noch eine
Rolle. «Dafür versuchen beide, mit Umverteilungsversprechen
die Linken noch zu überbieten. Und das endet, wie wir sehen, bei
der Geschichte vom Hasen und Igel», sagte Westerwelle. Auch die
Union laufe dem Linksrutsch hinterher, fügte er hinzu.
boa (Quelle: ddp)
SPD sieht sich nicht als Stoßtrupp gegen die Linkspartei
So.10.02.08 - Die SPD weist Kritik an ihrem Kurs gegenüber der Linkspartei
zurück. SPD-Vizechef Frank-Walter Steinmeier sagte dem
Nachrichtenmagazin «Focus» laut Vorabbericht, es sei kein
Linksruck, wenn seine Partei für besser Schulen streite. «Es
ist auch kein Linksruck, wenn wir Politik gegen sittenwidrige Löhne
machen», fügte er hinzu.
Die SPD stehe in der Mitte der Gesellschaft und da werde sie auch
bleiben, betonte Steinmeier. Sie zeige in der Regierung, dass sie sich
nicht nur als Rot-Kreuz-Wagen der Republik verstehe. «Unsere
Politik steht auf zwei Säulen: für eine starke Wirtschaft und
hohe Beschäftigung - und für hohe Standards in der
Sozialpolitik», sagte Steinmeier. Eine Koalition mit der
Linkspartei lehnte er ab. «Mit einer Chaostruppe kann es keine
stabile Regierung geben», sagte er.
Berlins Regierender Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD) sagte, die
CDU-Vorsitzende Angela Merkel habe den Linkstrend in der deutschen
Politik ausgelöst. Sie habe nach ihrem schlechten Abschneiden bei
der Bundestagswahl 2005 als erste ihren Kurs geändert, sagte
Wowereit der «Berliner Zeitung» (Samstagausgabe) laut
Vorabbericht.
Wowereit wies Merkels Forderung zurück, es sei Aufgabe der SPD,
die Linkspartei klein zu halten. «Es ist Aufgabe der SPD, alle
anderen Parteien klein zu halten. Auch die CDU», sagte er. In
Deutschland habe es noch nie so deutliche Mehrheiten links von der Mitte
gegeben, die sich allerdings auf drei Parteien verteilten. Ob die
Linkspartei regierungsfähig sei, lasse sich nicht pauschal nicht
beurteilen. «Ich würde in Hessen auch nicht mit denen
koalieren, im Bund sehe ich es bisher genauso wenig», sagte
Wowereit, der in Berlin eine rot-rote-Koalition führt. Wowereit
riet seiner Partei, nicht so viel über Abgrenzung zur Linkspartei
zu reden, sondern über das eigene politische Profil.
Steinmeier kritisierte die Weigerung der FDP, mit der SPD in Hessen
über eine Koalition zu verhandeln. FDP und CDU versuchten, die
Sozialdemokraten in ein Bündnis mit der Linkspartei zu treiben. Die
hessische SPD-Vorsitzende Andrea Ypsilanti habe darauf jedoch
«eine klare Antwort gegeben».
Der Außenminister bezweifelte, dass die FDP ihre Position
durchhalten wird. Ob es die FDP «auf Dauer aushält, zur
Festigung ihrer Liebesschwüre an die CDU auf Regierungsbeteiligung
zu verzichten, das warten wir mal ab», sagte er. «Die FDP
ist meines Wissens nicht gegründet worden, weil sie partout in der
Opposition sitzen wollte», sagte er. Wenn es in Hessen zu
Neuwahlen käme, so Steinmeier, wäre dies «ein
Bärendienst an der demokratischen Kultur».
(Quelle: ddp)
Linke in Hessen wirbt für Mehrheit ohne CDU und FDP
So.10.02.08 - Hessens Linke zeigt sich zu einer Zusammenarbeit mit SPD und
Grünen im neuen Landtag bereit. Mit großer Mehrheit sprachen
sich die Delegierten eines außerordentlichen Landesparteitags am
Samstag in Wiesbaden dafür aus, die Mehrheit im Land «links
von CDU und FDP» zu nutzen. Die SPD müsse sich jetzt
entscheiden, ob aus der rechnerischen Mehrheit eine politische werde.
Dabei komme es für die Linke auf die Inhalte an. An
«Koalitions-Gerangel» wolle man sich nicht beteiligen.
Der Chef der Linksfraktion im Bundestag, Gregor Gysi, sagte, die Linke
sei zu Gesprächen mit der SPD bereit. Wenn SPD-Landeschefin Andrea
Ypsilanti es mit der Linken «versuche», könne sie viel
von ihrem politischen Programm durchbringen. In diesem Fall müsse
Ypsilanti zwar ihr Wahlversprechen brechen, nicht mit der Linken
zusammenzuarbeiten. Sie bleibe aber, anders als im Fall einer
großen Koalition oder eines Ampelbündnisses, inhaltlich
glaubwürdig.
Die Möglichkeit von Neuwahlen in Hessen nannte Gysi eine absurde
Vorstellung. Wenn es dazu komme, werde seine Partei davon profitieren.
Der Landesvorsitzende Ulrich Wilken betonte, die Linke werde eine
Zusammenarbeit an Sachfragen entscheiden. Seine Partei sei gewählt
worden, «um das Land zu verändern und nicht, um es sich in
den Ministersesseln bequem zu machen».
Der Spitzenkandidat für die Landtagswahl, Willi van Ooyen, sagte,
für die Linke gehe es darum, für ihre politischen Inhalte
jetzt Mehrheiten zu gewinnen. Dabei werde man nicht einknicken. Die
Landtagsabgeordnete Janine Wissler warnte ihre Partei vor, sich von der
SPD für eine Zusammenarbeit «vereinnahmen zu lassen».
Die Inhalte, die die Linke vertrete, dürften nicht auf dem
«Altar einer Regierungsbeteiligung» geopfert werden.
Ferdinand Hareter vom Kreisverband Main-Kinzig hob
«Schnittmengen» zwischen Linkspartei und SPD hervor.
Forderungen wie die Abschaffung der Studiengebühren oder die
Rückkehr Hessens in die Tarifgemeinschaft deutscher Länder
könne die SPD nur mit der Linken durchsetzen.
Der Außenexperte der Linken-Bundestagsfraktion, Wolfgang Gehrcke,
sagte, wenn Ypsilanti antrete, «um ihr Programm zu
verwirklichen», werde die Linke sie zur Ministerpräsidentin
wählen. Dies bedeute aber nicht, dass die Linke Bestandteil einer
Regierung sein müsse.
Auf dem Parteitag fällten die 150 Delegierten noch eine
Vorentscheidung über die Spitze der sechsköpfigen
Landtagsfraktion. Mit Mehrheit folgten sie einer Empfehlung des
Landesvorstands, wonach van Ooyen Fraktionschef und Wissler seine
Stellvertreterin werden soll. Als Parlamentarische
Geschäftsführerin ist Marjana Schott vorgesehen. Die
endgültige Entscheidung über ihre Spitze fällt die
Fraktion selbst.
(Quelle: ddp)
Tausende demonstrieren gegen Sicherheitskonferenz
So.10.02.08 - Tausende Demonstranten haben am Samstag weitgehend friedlich gegen die
Münchner Sicherheitskonferenz protestiert. Am Demonstrationszug
des «Aktionsbündnisses gegen die
NATO-Sicherheitskonferenz» beteiligten sich nach Angaben der
Polizei rund 1.800 Teilnehmer. Die Organisatoren sprachen von 8.000 bis
10.000 Demonstranten. Der Zug wurde von starken Polizeikräften
begleitet.
Am Rande einer Kundgebung kam es zu mehreren Festnahmen und kleineren
Rangeleien auf der Residenz, wo ein Empfang des bayerischen
Ministerpräsidenten für die Konferenzteilnehmer stattfand. Es
wurden zwei Leuchtkugeln abgeschossen.
Bei der Startkundgebung am Marienplatz hatten die Redner scharfe Kritik
an den Teilnehmern der Konferenz und der deutschen Regierung
geübt. Organisator Claus Schreer vom Aktionsbündnis hatte die
Polizei aufgerufen, die Teilnehmer der Sicherheitskonferenz
festzunehmen. Sie seien verantwortlich für Angriffskriege und
Folter, sagte Schreer.
Ulla Jelpke, innenpolitische Sprecherin der Linken im Bundestag,
kritisierte den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan und für die
innere Sicherheit. «Unsere Sicherheit wird weder am Hindukusch
verteidigt noch mit mehr Olivgrün auf unseren
Straßen», sagte sie.
Die Demonstration endete mit einer Abschlusskundgebung auf dem
Odeonsplatz. Zum Schutz der Sicherheitskonferenz, die am (heutigen)
Sonntag endet, sind in München 3.700 Polizisten im Einsatz.
(Quelle: ap)
Kritik an Erdogan-Vorstoß zu türkischen Schulen hält an
So.10.02.08 - Der Vorstoß des türkischen Ministerpräsidenten Recep
Tayyip Erdogan, türkische Gymnasien und Universitäten in
Deutschland einzurichten, stößt weiter auf Kritik. Dies sei
"Gift für die Integration" und führe zu "zu Ghettos und zu
einer Klein-Türkei in Deutschland", sagte CSU-Chef Erwin Huber der
"Bild am Sonntag". Unionsfraktionsvize Wolfgang Bosbach (CDU) sagte dem
"Tagesspiegel", dies würde die Integration "eher bremsen". Erdogan
hatte angeregt, in Deutschland Schulen und Universitäten zu
gründen, die auf Türkisch unterrichten. Sein Land wäre
bereit, Lehrer zu entsenden.
Auf Ablehnung stieß der Vorschlag auch beim Berliner
CDU-Fraktionschef Friedbert Pflüger. Rein türkische
Bildungseinrichtungen würden die Integration nicht befördern,
sondern vielmehr parallele Strukturen hervorrufen, erklärte
Pflüger. Pflüger wiederholte seinen Vorschlag, einzelne
deutsch-türkische Elite-Bildungseinrichtungen zu schaffen.
Auch die deutsche Europaabgeordnete Renate Sommer (CDU) kritisierte
Erdogan. Sie sagte im Deutschlandradio Kultur, sein Vorstoß sei
gegen "jegliche Integration" und bedeute die "Etablierung einer
Parallelgesellschaft." Die Vorsitzende des Paritätischen
Wohlfahrtsverbandes und ehemalige Ausländerbeauftragten des
Berliner Senats, Barbara John (CDU), sagte im RBB-Inforadio, Erdogan
habe sich damit "vollkommen vertan." Wer in Deutschland lebe und Erfolg
haben wolle, müsse die deutsche Sprache in Wort und Schrift
beherrschen.
Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde Deutschland (TGD), Kenan
Kolat, machte sich für mehr Türkischunterricht an deutschen
Schulen stark. Es sei sinnvoll, mehr Angebote für Türkisch zu
schaffen, sagte Kolat dem "Hamburger Abendblatt". Türkisch
müsse an deutschen Schulen den Stellenwert von Sprachen wie
Englisch, Spanisch oder Französisch bekommen.
Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) rief derweil dazu auf,
den Brand von Ludwigshafen mit neun Toten zum Anlass für ein
stärkeres Miteinander von Türken und Deutschen zu nehmen. Es
habe viel Solidarität mit den Opfern gegeben, sagte Schäuble
im RBB-Inforadio. Dies sollten auch die türkischen Mitbürger
anerkennen und mehr Gemeinsamkeiten mit den Deutschen suchen.
Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Renate Künast forderte
dagegen angesichts der Reaktionen auf die Brandkatastrophe Konsequenzen
für die Integrationspolitik. Das heftige Misstrauen nach dem
Unglück sei dringende Mahnung, "dass wir mit den
Integrationsbemühungen nicht nachlassen dürfen", sagte
Künast der "Rheinpfalz am Sonntag".
(Quelle: afp)
Verwaltungsgerichtshof: Junger Afghane darf abgeschoben werden
So.10.02.08 - Junge, arbeitsfähige afghanische Männer ohne familiäre
Bindungen können in ihre Heimat abgeschoben werden, sofern für
ihn keine besonderen persönlichen Risiken bestehen. Mit dieser
Begründung änderte am Donnerstag der 8. Senat des Hessischen
Verwaltungsgerichtshofs in Kassel eine anders lautende Entscheidung des
Verwaltungsgerichts Gießen ab (8 UE 1913/06.A). Die Revision
wurde nicht zugelassen.
Das Gießener Gericht hatte in erster Instanz das Nürnberger
Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zur Feststellung eines
generellen Abschiebungsverbots verpflichtet. Die Berufung der
Behörde gegen diese Entscheidung war erfolgreich. Die
Innenministerkonferenz hatte bereits 2005 einen solchen generellen
Abschiebestopp für volljährige, allein stehende,
männliche afghanische Staatsangehörige ohne mindestens
sechsjährigen Aufenthalt im Bundesgebiet aufgehoben.
Geklagt hatte nach Angaben des Verwaltungsgerichtshofs ein heute
19-jähriger Afghane, der 2005 nach Deutschland eingereist war. Nach
dem Scheitern seines Asylantrags habe er einen kollektiven
Abschiebungsschutz wegen der "extremen Gefahrenlage" in seiner Heimat
verlangt. Davon könne aber nur ausgegangen werden, wenn er
"gleichsam sehenden Auges dem sicheren Tod oder schwersten Verletzungen
ausgeliefert würde". Dies sei nicht der Fall, so die Kasseler
Richter.
(Quelle: epd)
Forschungsprojekt zum Umgang mit jugendlichen Intensivtätern
läuft
So.10.02.08 - In Brandenburg läuft derzeit ein Forschungsprojekt über
jugendliche Intensivtäter. Das Projekt habe bereits im September
und damit lange vor der öffentlichen Debatte über härtere
Strafen für junge Kriminelle begonnen, antwortete Justizministerin
Beate Blechinger (CDU) auf eine parlamentarische Anfrage. Sie erhoffe
sich davon «wesentliche Erkenntnisse für den Umgang mit
dieser Gruppe straffälliger Jugendlicher und
Heranwachsender».
Das Projekt wird nach Angaben von Blechinger von einer
Wissenschaftlerin betreut, die sich bereits an einem Forschungsbericht
zu wirksameren Strafen bei jungen Straftätern mit rechtsextremer
Motivation beteiligte. Nach der Vorlage des Berichts hätten
Brandenburg und Sachsen-Anhalt eine Bundesratsinitiative für eine
härtere Ahndung rechtsextremistischer Gewalttaten eingebracht.
Auch bei jugendlichen Intensivtätern gehe das Strafrecht
möglicherweise nicht weit genug, sagte die Ministerin. Der
Gesetzgeber müsse sich fragen, was besser gemacht werden
könne. Das solle bei dem Forschungsprojekt des Justizministeriums
untersucht werden.
Blechinger fügte hinzu, für die Mehrheit der jugendlichen
Straftäter reichten die Vorgaben im Jugendstrafrecht aus. Es
müsse nicht «vollständig reformiert» werden.
Hilfreich könnten allerdings Ergänzungen wie ein
Warnschussarrest oder ein Fahrverbot als eigenständige Strafe sein.
Bei den meisten Jugendlichen seien kriminelle Neigungen
«episodenhaft und auf einen bestimmten Entwicklungsabschnitt
beschränkt». Im Übrigen sei die absolute Zahl
jugendlicher Tatverdächtiger in den vergangenen Jahren stetig
zurückgegangen.
(Quelle: ddp)
Gesetzentwurf gegen Import embryonaler Stammzellen eingebracht
So.10.02.08 - Bundestagsabgeordnete von Union, Grünen, Linken und FDP haben
einen Gesetzentwurf gegen den Import menschlicher embryonaler
Stammzellen eingebracht. "Die Tötung menschlicher Embryonen ist
Voraussetzung menschlicher embryonaler Stammzellen. Dies ist unvereinbar
mit der Würde des Menschen", erklärte der CDU-Bioethikexperte
Hubert Hüppe am Donnerstag in Berlin. Mit dem Antrag fallen die 52
Unterstützer des Entwurfs noch hinter das geltende Stammzellgesetz
von 2002 zurück.
Derzeit ist die Einfuhr embryonaler Stammzelllinien erlaubt, wenn diese
vor dem 1. Januar 2002 entstanden sind und ein höherwertiges
Forschungsinteresse besteht. In dem Entwurf wird gefordert, den
Genehmigungsvorbehalt für Einfuhr und Verwendung menschlicher
embryonaler Stammzellen ganz entfallen zu lassen.
Unterzeichnet wurde der Antrag überwiegend von Unionsabgeordneten.
Hüppe unterstrich, in zehn Jahren weltweiter Forschung mit
embryonalen Stammzellen sei keine einzige neue Therapie entwickelt
worden. Zugleich gebe es heute mit der Forschung an den ethisch
unbedenklichen adulten Stammzellen Alternativen.
Die Unterzeichner gaben ihren schwerwiegenden ethischen Bedenken gegen
embryonale Stammzellforschung Ausdruck. Indem das bestehende Gesetz
Einfuhr und Verwendung von embryonalen Stammzellen unter bestimmten
Bedingungen zulasse, könne es dem Verständnis Vorschub
leisten, die Achtung der Würde des Embryos habe gegenüber den
mit der Forschung verbundenen Interessen zurückzutreten,
heißt es im Entwurf.
Am 14. Februar soll in erster Lesung über eine mögliche
Änderung des Stammzellgesetzes beraten werden. Insgesamt kursieren
jetzt vier verschiedene Anträge. Einer davon, der auch von
Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) unterstützt wird,
schlägt die einmalige Verschiebung des Stichtags zur Einfuhr
embryonaler Stammzellen vom 1. Januar 2002 auf den 1. Mai 2007 vor. Ein
weiterer fordert die Erhaltung der bestehenden Regelung, ein dritter
setzt sich für die Aufhebung des Stichtags und eine
Einzelfallprüfung der Importanträge ein.
Forscher kritisieren, dass die vor dem 1. Januar 2002 gewonnenen
Stammzellen sich aufgrund ihres Alters und Verunreinigungen nicht mehr
für die Forschung eignen.
(Quelle: epd)
Wie der Fiskus Steuersünder im Internet sucht
So.10.02.08 - Steuersündern will die deutsche Steuerbehörde im Internet auf
die Schliche kommen. Was kaum jemand weiß: Täglich durchsucht
die spezielle Software "Xspider" rund 100 000 Internet-Seiten.
Wie die "F.A.Z." jetzt berichtet, hat dies die Bundesregierung
erklärt und damit auf eine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion
geantwortet.
Das selbstlernende, intelligente Programm ist darauf ausgerichtet,
steuerrelevante Informationen aufzuspüren und zu erfassen. Offenbar
werden vor allem die Aktivitäten der Nutzer in Online-Portalen wie
Ebay oder Amazon überprüft und mit vorhandenen Steuerdaten
abgeglichen. So sollen Betrüger überführt werden, die
mehr verkaufen, als sie in der Steuererklärung angeben.
(Quelle: gp)
Die meisten Spam-E-Mails kommen aus Europa
So.10.02.08 - Spitzenreiter im Versand unerwünschter Werbe-E-Mails sind
europäische Spam-Netzwerke. Den dritten Monat in Folge
übertrumpfen sie nun schon die US-Netzwerke, die bisher die
Führungsposition in Sachen Spam-Versand gehalten hatten. Das hat
jetzt Sicherheitssoftware-Hersteller Symantec berichtet.
E-Mails mit unerwünschter Werbung werden zumeist von gekaperten
Computern verschickt. Beispielsweise indem die Anwender auf
gefälschte Internet-Seiten gelockt werden, infizieren sie ihre
Rechner mit schadhaften Codes, die einen Zugriff von außen
ermöglichen.
Die betroffenen PC werden von Kriminellen zu Spam-Netzwerken
verschaltet und dazu missbraucht, massenhaft Werbe-E-Mails zu versenden.
Wie ein Unternehmenssprecher gegenüber dem Magazin "Silicon.com"
geäußert hat, ist in Europa offenbar vor allem die enorme
Zunahme der Breitband-Zugänge zum Internet für den
Trendwechsel verantwortlich. Je mehr Menschen ans Internet angeschlossen
sind, desto mehr Rechner werden Opfer der Kriminellen.
(Quelle: gp)