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Aktuelle Nachrichten
Irak am 1419ten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mindestens 23 Tote und 45 Verletzte bei Anschlag - 22 Tote bei
Gefechten zwischen Aufständischen und Sicherheitskräften.
US-Verteidigungsminister Gates sieht Fortschritte im Irak.
US-Scharfschütze wegen Mordes schuldig gesprochen
Mo.11.02.08 - Bei einem neuen schweren Selbstmordattentat im Irak sind am Sonntag
nördlich von Bagdad mindestens 23 Menschen in den Tod gerissen
worden. Etwa 45 weitere wurden verletzt, als eine Autobombe in der
Nähe eines Marktes bei Balad explodierte. Unter der Wucht der
Explosion stürzten die Markthallen zusammen. Stunden später
dauerte die Suche nach möglichen Verschütteten weiter an
Im Nordwesten des Iraks stürmten Aufständische am Sonntag
zwei Dörfer und lieferten sich heftige Gefechte mit
Sicherheitskräften. Mindestens 22 Menschen wurden getötet,
wie die örtlichen Behörden erklärten. Am frühen
Morgen seien die Kämpfer in 25 Autos in die Dörfer Chams Tlol
und Al Madina westlich von Mossul gefahren, sagte der sunnitische
Abgeordnete Scheik Fauas al Dscharba. Die Dorfbewohner hätten den
Angriff mit Hilfe irakischer Soldaten zurückgeschlagen.
Trotz einer Aufstockung der Truppen um rund 30.000 Mann hat die Zahl
der Angriffe auf US-Soldaten in den vergangenen Wochen wieder deutlich
zugenommen. Allein in diesem Monat starben bereits 13 Soldaten, im
Januar waren es 40. Die Angriffe konzentrieren sich vor allem auf die
Provinzen Dijala, Tamim, Salaheddin und Ninive, den jüngsten
Hochburgen des irakischen El Kaida-Ablegers.
Die Volksgruppen im Irak bewegen sich nach Einschätzung von
US-Verteidigungsminister Robert Gates aufeinander zu. Vor den
Politikern lägen jedoch schwierigen Entscheidung bei der
Stabilisierung des Landes, sagte Gates am Sonntag nach seiner Ankunft
in Bagdad. Gates kam aus Deutschland, wo er an der Sicherheitstagung in
München teilgenommen hatte. In Bagdad traf der Minister mit
Regierungschef Nuri al-Maliki und US-Botschafter Ryan Crocker zum
Abendessen zusammen.
Ein Scharfschütze der US-Streitkräfte im Irak wurde am
Sonntag schuldig befunden worden, ein unbewaffneten Iraker getötet
zu haben. Er hatte danach versucht, die Tat zu vertuschen. Das Urteil
der Geschworenen lautete auf Totschlag. Er wurde zu zehn Jahren Haft
verurteilt.
boa (Quellen: dpa, ap, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 11.02.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am neunhundertsiebenundfünfzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Bin Laden und Al Kaida verlieren in Pakistan laut Umfrage Rückhalt
Mo.11.02.08 - Angesichts der Gewalt in Pakistan schwindet in der Bevölkerung
offenbar die Unterstützung für den Terroristenführer
Osama bin Laden und die Taliban. In einer Umfrage im Auftrag einer
US-Organisation sprachen 24 Prozent der Befragten Bin Laden ihre
Zustimmung aus, während es im August noch 46 Prozent waren. Das
Terrornetzwerk Al Kaida kam auf 18 Prozent, die Taliban erreichten 19
Prozent.
Aus der Umfrage der Organisation Terrorfreies Morgen, die im
vergangenen Monat mehr als 1.000 Pakistaner befragte, ging hervor, dass
die Bevölkerung nach den Unruhen der vergangenen Monate auf
friedliche Oppositionsgruppen setzt. Beliebteste Partei wurde die
Volkspartei der getöteten Benazir Bhutto. Auf Platz zwei kam die
Partei des früheren Ministerpräsidenten Nawaz Sharif mit 36,7
Prozent. Der amtierende Regierungschef Pervez Musharraf und seine PML-Q
landeten mit 25,3 Prozent abgeschlagen auf Rang drei.
Der Präsident ist beim Volk besonders unbeliebt: 70 Prozent der
Befragten sprachen sich in der Umfrage für seinen Rücktritt
aus. Würde die Al Kaida bei der Parlamentswahl am 18. Februar
antreten, käme sie lediglich auf ein Prozent der Stimmen. Die
Taliban kämen auf drei Prozent.
(Quelle: ap)
US-Verteidigungsminister warnt erneut vor Spaltung der NATO
Mo.11.02.08 - US-Verteidigungsminister Robert Gates hat im Streit um die
Lastenteilung beim Afghanistan-Einsatz erneut eindringlich vor einer
drohenden Spaltung der NATO gewarnt. "Wir dürfen nicht - und wir
können nicht - zu einer zweigeteilten Allianz jener werden, die
bereit sind zum Kämpfen, und jener, die es nicht sind",
bekräftigte der Pentagon-Chef bei der internationalen
Sicherheitskonferenz in München. Gates kritisierte fehlenden
Rückhalt für den Einsatz in der europäischen
Bevölkerung. Zugleich würdigte er das deutsche Engagement am
Hindukusch.
Anzeige
Einige der Alliierten "sollten nicht den Luxus genießen, sich
für Stabilität und zivilen Einsatz zu entscheiden und damit
andere Verbündete zu zwingen, eine überproportional hohe Last
am Kämpfen und Sterben zu tragen", mahnte Gates. Die NATO-Partner
müssten "kreativer" als bisher nach Möglichkeiten suchen,
ihren Beitrag in Afghanistan zu leisten und die Lasten zu teilen.
Sollte sich die NATO in kampfbereit und nicht kampfbereit aufspalten,
werde dies die Allianz zerstören.
Bei seiner Forderung nach einem stärkeren Engagement der
NATO-Partner habe er im übrigen "nicht auf Deutschland zeigen
wollen", betonte Gates. Deutschland sei hier "ein wenig
überempfindlich gewesen", es sei "überhaupt nicht
erwähnt" worden. Es gebe aber eine Reihe anderer Länder, die
nicht kämpfen wollten. "Wir wollen also in keiner Weise auf
Deutschland mit dem Finger zeigen", sagte Gates in der Diskussion im
Anschluss an seinen Redebeitrag.
Gates würdigte auf eine Frage von FDP-Chef Guido Westerwelle hin
den Bundeswehr-Einsatz im Norden Afghanistans. Dieser Beitrag sei
äußerst wichtig. Deutschland habe eines der
größten Kontingente, und er denke, die Deutschen sollten das
tun, "was sie am besten können". "Wir sind alle dankbar für
den Beitrag, den Deutschland leistet", fügte Gates hinzu.
Die USA hatten in jüngster Zeit den Druck auf Deutschland und
andere NATO-Partner erhöht, sich stärker in Afghanistan zu
engagieren. Die USA sind der größte Truppensteller in
Afghanistan, Deutschland ist der drittgrößte - die
Obergrenze des deutschen Mandats für die NATO-geführte
Schutztruppe ISAF liegt bei 3500 Mann.
(Quelle: afp)
EU und Nato suchen Wege zur Einbindung der Balkanstaaten
Mo.11.02.08 - Im Streit um die Zukunft des Balkan suchen EU und Nato weiter nach
Möglichkeiten, die Region an den Westen zu binden.
Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer machte Kroatien,
Albanien und Mazedonien bei der Münchner Sicherheitskonferenz am
Wochenende neue Hoffnung auf eine Aufnahme in die Allianz. Die
slowenische EU-Präsidentschaft setzte sich für den
schnelleren Abschluss von Verträgen mit Staaten des westlichen
Balkan ein als bisher geplant. Russland und Serbien warnten unterdessen
die Europäische Union erneut vor der Anerkennung der Krisenprovinz
Kosovo, deren Unabhängigkeitserklärung demnächst
erwartet wird.
Der Balkan rückt wegen der anstehenden Konflikte über den
Kosovo-Status wieder in die internationale Aufmerksamkeit. Zudem galt
die Präsidentschaftswahl in Serbien Anfang Februar als
Richtungsentscheidung zwischen einer Bindung an die EU oder an
Russland. Wegen der serbischen Ablehnung eines unabhängigen Kosovo
gibt es Sorgen vor neuer Instabilität der Region.
Nato-Generalsekretär de Hoop Scheffer sagte, das Bündnis
müsse angesichts dieser Lage in der Region eine neue Dynamik
schaffen. Er hoffe daher, dass die Nato die Tür für Kroatien,
Albanien und Mazedonien bei ihrem Gipfel in Bukarest Anfang April
öffnen werde. Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung sagte,
er sei zumindest für Kroatien optimistisch.
Slowenien, das derzeit die EU-Präsidentschaft führt, warb
für seine umstrittene Forderung, weitere Balkanstaaten durch neue
Verträge an Europa zu binden. "Wir sollten die Region während
unserer und der nächsten Präsidentschaft mit Vereinbarungen
abdecken, entweder mit Stabilisierungsabkommen oder mit Vereinbarungen
über eine Beitrittskandidatur", sagte Außenminister Dimitrij
Rupel. Er nannte keine Einzelheiten, welche Staaten dafür in Frage
kämen.
Derzeit sind die Balkanstaaten mit der EU in unterschiedlicher Weise
verbunden. Kroatien führt bereits Beitrittsgespräche,
Mazedonien hat Kandidatenstatus. Mehrere Staaten haben Stabilisierungs-
und Assoziierungsabkommen (SAA) mit der EU geschlossen. Mit Serbien
wollte die EU eine Vereinbarung als Vorstufe zu einem Stabilisierungs-
und Assoziierungsabkommen schließen, die aber an einem internen
Streit in Serbien vorerst scheiterte. Dort hatte der
pro-europäische Kandidat Boris Tadic die Präsidentenwahl
gewonnen.
Serbien und Russland erneuerten ihre Absage an die Unabhängigkeit
des Kosovo. Tadic sagte, Serbien könne nicht zulassen, dass sein
Staatsgebiet verstümmelt werde. Zugleich sprach er der geplanten
Polizeimission der EU im Kosovo die rechtliche Grundlage ab.
Grundsätzlich begrüße Serbien zwar das Bemühen der
Europäer, ihre Präsenz im Kosovo zu verstärken. Jedes
neue internationale Engagement dort müsse aber vom
UN-Sicherheitsrat gebilligt werden, anders sei eine Legitimation nicht
möglich. Russland unterstützt Serbien und blockiert als
Vetomacht eine Einigung des Sicherheitsrats zur Kosovo-Frage.
Der russische Vizepremier Sergej Iwanow sagte, eine Anerkennung des
Kosovo wäre völkerrechtlich nicht gedeckt. "Wenn es zu einer
einseitigen Unabhängigkeitserklärung kommt, wird das ein
Präzedenzfall sein und eine Büchse der Pandora öffnen."
(Quelle: rtr)
Nahost-Konflikt: Kassam-Raketenangriffe auf Israel - Israelischer
Minister ruft zu Tötung der Hamas-Führer auf
Mo.11.02.08 - Angesichts dauernder Raketenangriffe militanter Palästinenser auf
das israelische Grenzgebiet mehren sich in Israel die Forderungen nach
einem breiten Militäreinsatz im Gazastreifen.
Der israelische Rundfunk meldete am Sonntag, Ministerpräsident
Ehud Olmert habe am Morgen eine Dringlichkeitssitzung mit
Verteidigungsminister Ehud Barak und Generalstabschef Gabi Aschkenasi
sowie mit Sicherheitsexperten abgehalten. Am Samstag waren bei einem
Raketenangriff in der Grenzstadt Sderot zwei Brüder im Alter von 19
und acht Jahren schwer verletzt worden. Die Ärzte mussten ein Bein
des Achtjährigen amputieren. Am Freitag und Samstag schlugen
insgesamt etwa 40 Kassam-Raketen im israelischen Grenzgebiet ein.
Einwohner Sderots wollten am Sonntag einen Protest-Konvoi organisieren
und forderten einen Rücktritt Olmerts. Seine Sicherheitspolitik sei
gescheitert, warfen ihm hunderte Demonstranten in der Stadt am Samstag
vor. Die israelische Zeitung «Maariv» berichtete am
Sonntag, der Generalstabschef habe die Armee angewiesen, eine
Bodenoffensive im Gazastreifen vorzubereiten. Die Zeitung
«Haaretz» meldete hingegen, Olmert wolle dem Druck
gegenwärtig nicht nachgeben und strebe keine größere
Offensive an. Minister seiner Kadima-Partei und der Opposition forderten
von ihm, seine dreitägige Reise nach Deutschland angesichts der
Lage in Sderot abzusagen. Seine Abreise nach Berlin, wo er unter
anderem Kanzlerin Angela Merkel treffen wollte, war für
Sonntagabend geplant.
Der israelische Wohnungsbauminister Seev Boim hat derweil dazu
aufgerufen, führende Vertreter der palästinensischen
Hamas-Bewegung gezielt zu töten. Im Gazastreifen müsse eine
"kriegerische Sprache" gesprochen werden, sagte Boim im israelischen
Militärfunk. Die Angriffe müssten "den Köpfen der Hydra"
gelten, dazu zähle auch der frühere palästinensische
Ministerpräsident Ismail Hanija. Bei einem israelischen Angriff
mit einer ferngesteuerten Drohne wurde ein Kämpfer der
Essedin-el-Kassam-Brigaden der Hamas getötet.
Wohnungsbauminister Boim erinnerte daran, dass Israel in der
Vergangenheit Hamas-Führer gezielt getötet hatte, so im Jahr
2004 den Hamas-Gründer Scheich Ahmed Jassin. Am Samstag war bei
einem palästinensischen Raketenangriff aus dem Gazastreifen in der
israelischen Stadt Sderot ein achtjähriges Kind so schwer verletzt
worden, dass ihm ein Bein amputiert werden musste. Olmert wollte die
"gezielte Liquidierung" von führenden Palästinensern nicht
ausschließen. "Wir werden weiter alle Terroristen angreifen",
sagte der Ministerpräsident.
Mohammed Mutar von den Essedin-el-Kassam-Brigaden wurde nach
Krankenhausangaben von einer Rakete getroffen, die von einer Drohne
abgefeuert worden war. Bei einem zweiten Luftangriff in Chan Junis gab
es nach Angaben der Organisation keine Opfer. Ein israelischer
Armeesprecher bestätigte den Angriff auf Mutar, der Waffen von
Ägypten in den Gazastreifen geschmuggelt habe. Als Reaktion auf
fortgesetzten palästinensischen Raketenbeschuss hatte die
israelische Armee am Donnerstag im Gazastreifen mindestens sieben
Palästinenser getötet. Die Hamas hatte Mitte vergangenen
Jahres die Macht im Gazastreifen übernommen.
Die israelische Regierung protestierte bei den Vereinten Nationen gegen
den anhaltenden Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen. In einem an
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und den UN-Sicherheitsrat
adressierten Schreiben habe der israelische UN-Botschafter David
Gillerman die anhaltenden Angriffe als "schwere Terrorakte" bezeichnet,
teilte das israelische Außenministerium mit. Darin bezeichnete
Gillerman den Beschuss als "Teil einer Kampagne der Hamas-Führer
mit dem Hauptziel, Israelis zu töten".
boa (Quellen: dpa, afp)
Tschad: Rotes Kreuz hat über 130 Leichen in N'Djamena geborgen
Mo.11.02.08 - Das Rote Kreuz hat in der tschadischen Hauptstadt N'Djamena bislang 137
Leichen geborgen - Opfer der Kämpfe zwischen Rebellen und
Regierungstruppen in der vergangenen Woche. Doch inzwischen beginne
sich die Situation wieder zu beruhigen; immer mehr Flüchtlinge
kehrten nach N'Djamena zurück, berichtete die Hilfsorganisation am
Sonntag.
Die Regierung hatte am Samstag das nächtliche Ausgehverbot in der
Hauptstadt etwas gelockert. Die Bewohner dürfen sich wieder bis
Mitternacht frei bewegen. Im Nachbarland Kamerun begannen
UN-Mitarbeiter unterdessen damit, Lebensmittel an Flüchtlinge aus
dem Tschad zu verteilen, die ihre Heimat wegen der Kämpfe
verlassen haben.
Aus der Region Mongo nordöstlich von N'Djamena gab es noch am
Freitag Berichte über einzelne Gefechte zwischen
Regierungssoldaten und Rebellen. Am Samstag sei es jedoch zunächst
ruhig gewesen, erklärte ein französischer
Militärsprecher. Frankreich hat in der früheren Kolonie
Truppen stationiert und stützt die Regierung von Präsident
Idriss Déby.
(Quelle: ap)
12.000 Sudanesen fliehen vor Kämpfen in Darfur in den Tschad
Mo.11.02.08 - Nach zweitägigen Bombenangriffen und Attacken von Armee und
arabischen Reitermilizen sind rund 12.000 Sudanesen aus der
Krisenprovinz Darfur ins Nachbarland Tschad geflohen. Dort hätten
sie Zuflucht in der südöstlichen Region Birak gesucht, sagte
eine Sprecherin des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) in Genf. Doch
auch dort sei die Lage ungewiss. Wegen der schweren Kämpfe im
Tschad, durch die Rebellen eine Machtteilung mit der Regierung
erzwingen wollten, hatte das UNHCR vor einer Woche sein Büro in
dem zentralafrikanischen Land evakuiert.
Die geflohenen Menschen hätten "schon das Schlimmste
durchgemacht", sagte die UNHCR-Sprecherin. Das UNHCR wolle nun ein Team
von Beobachtern in die Region schicken, um die Lage besser beurteilen
zu können. Die Gruppe solle bereits am Montag versuchen, die
Flüchtlinge in schon bestehende Auffanglager für Menschen aus
Darfur zu leiten. Bereits jetzt sind rund 240.000 Sudanesen aus Darfur
in den Tschad geflohen, wo sie in zwölf großen Lagern leben.
Seit Februar 2003 kämpfen in Darfur Aufständische gegen
regierungstreue Milizen.
Die sudanesische Armee hatte am Samstag einen Militäreinsatz gegen
Rebellen im Westen Darfurs bestätigt. Dabei hätten die
Soldaten die Kontrolle über drei Gemeinden wiedererlangt und
Rebellen in den Tschad zurückgedrängt, sagte ein
Armeesprecher der Nachrichtenagentur Suna. Nach Angaben der
Rebellenbewegung für Gerechtigkeit und Gleichheit (JEM)
töteten die sudanesischen Truppen, die von arabischen
Reitermilizen unterstützt wurden, bei den Kämpfen Dutzende
Zivilisten. Demnach waren rund 600 Reitermilizen und Soldaten in 65
Fahrzeugen beteiligt.
Nach Angaben aus Armeekreisen machten sich die seit ihrem Rückzug
aus der tschadischen Hauptstadt N'Djamena in der südlichen Region
um die Stadt Mongo versammelten Rebellen in Richtung Süden auf.
Demnach war ein Konvoi aus bis zu 200 Fahrzeugen auf dem Weg nach Am
Timan in das Grenzgebiet zwischen dem Tschad, dem Sudan und der
Zentralafrikanischen Republik. Nach Militärangaben gilt diese
Region als rechtsfreier Raum, in dem die Grenzübergänge
zwischen den drei Ländern teilweise nicht kontrolliert werden.
(Quelle: afp)
46 Tote bei Kämpfen in Sri Lanka
Mo.11.02.08 - Bei Gefechten zwischen Regierungstruppen und tamilischen Rebellen in
Sri Lanka sind nach Militärangaben 46 Menschen getötet worden.
Zu den Kämpfen kam es am Samstag in den Bezirken Vavuniya und
Mannar sowie auf der Halbinsel Jaffna im Norden des Landes, wie ein
Militärsprecher am Sonntag mitteilte. Unter den Toten sind sechs
Soldaten. Die Rebellen der Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE)
kämpfen seit 1983 für einen eigenen Staat im Nordosten der
Insel. Der Bürgerkrieg hat mehr als 70.000 Menschen das Leben
gekostet.
(Quelle: ap)
Kältewelle in China hat ein Zehntel des Waldes zerstört
Mo.11.02.08 - Die starken Schneefälle und die enorme Kältewelle haben in
den vergangenen drei Wochen rund ein Zehntel der Waldfläche in
China zerstört. Insgesamt seien 17,3 Millionen Hektar ernsthaft von
den Unwettern beschädigt worden, berichtete die chinesische
Tageszeitung "China Daily" unter Berufung auf die zuständige
Behörde. 18 Provinzen seien von dem heftigsten Winter seit 50
Jahren betroffen. In einigen Gebieten sind laut der Zeitung bis zu 90
Prozent des Waldes von den Schneestürmen und dem
übermäßigem Frost zerstört worden.
Nach Angaben der chinesischen Behörden drohen nun in den
kommenden, wärmeren Monaten Waldbrände auf den
beeinträchtigten Flächen, da die abgestorbenen Bäume
leicht entflammbar seien. Anfang April will China deshalb mit der
Wiederaufforstung der am schlimmsten betroffenen Waldgebiete beginnen
und insgesamt 2,5 Milliarden neue Bäume anpflanzen.
(Quelle: afp)
US-Präsidentschaftskandidatur der Demokratischen Partei - Obama
gewinnt auch Abstimmung in Maine
Mo.11.02.08 - Barack Obama hat am Sonntag im Rennen um die
US-Präsidentschaftskandidatur der Demokratischen Partei erneut
über seine Rivalin Hillary Clinton triumphiert. Nach seinem
vierfachen Sieg am Vortag gewann der Senator aus Illinois eine weitere
Abstimmung im Staat Maine. Clinton setzte unterdessen ihre
Wahlkampfmanagerin Patti Solis Doyle ab und betraute stattdessen ihre
langjährige Vertraute Maggie Williams mit der Führung ihres
Wahlkampfs.
Obama kam in Maine nach Auszählung der Ergebnisse in 79 Prozent
der Wahlbezirke auf einen Stimmenanteil von 59 Prozent. Auf Clinton
entfielen 41 Prozent. In 420 Städten und Gemeinden in Maine waren
am Sonntag Wählerversammlungen angesetzt. Insgesamt vergeben die
Demokraten in dem Staat im Nordosten der USA 24 Delegiertenstimmen
für den Nominierungskongress Ende August.
Obama hatte am Samstag bei den Vorwahlen in Louisiana, Nebraska,
Washington und dem US-Territorium Jungferninseln fast doppelt so viele
Delegierte wie die noch knapp führende New Yorker Senatorin
Clinton errungen.
Clintons neue Wahlkampfmanagerin Williams tritt noch in dieser Woche
ihr Amt an. Die New Yorker Senatorin dankte Solis Doyle für ihre
«Freundschaft und die herausragende Arbeit». Sie werde auch
in den kommenden Wochen weiter auf ihren Rat hören.
In einer E-Mail informierte Solis Doyle ihren Mitarbeiterstab von dem
Wechsel an der Spitze des Wahlkampfteams. Sie sei stolz, diese Kampagne
geleitet zu haben. «Noch stolzer bin ich, Hillary nach über
16 Jahren noch meine Freundin nennen zu können.» Ihre
Nachfolgerin sei eine bemerkenswerte Person und werde ihre Aufgabe
hervorragend erfüllen, schrieb Solis Doyle weiter. Sie selbst
werde weiter dem Wahlkampfteam angehören und von Zeit zu Zeit auch
mit Clinton unterwegs sein.
(Quelle: ap)
US-Bundesstaat Nebraska: Elektrischer Stuhl ist verfassungswidrig
Mo.11.02.08 - Der Oberste Gerichtshof des US-Staates Nebraska hat Hinrichtungen mit
dem elektrischen Stuhl für verfassungswidrig erklärt. Die
Methode verursache starke Schmerzen und qualvolle Leiden, urteilten die
Richter. «Verurteilte Häftlinge dürfen nicht zu Tode
gefoltert werden, egal welche Verbrechen sie begangen haben»,
erklärte Richter William Connolly nach der mit sechs gegen eine
Stimme ergangenen Entscheidung am Freitag. Allerdings erklärte das
Gericht die Todesstrafe nicht grundsätzlich für
verfassungswidrig.
Nebraska war der einzige US-Staat, in dem der elektrische Stuhl die
einzige Hinrichtungsmethode war. Sie ist auch in neun weiteren Staaten
erlaubt: Alabama, Arkansas, Florida, Illinois, Kentucky, Oklahoma, South
Carolina, Tennessee und Virginia. In diesen Staaten wird aber
normalerweise die Giftspritze verwendet.
Die Staatsanwaltschaft in Nebraska kündigte an, gegen die
Gerichtsentscheidung vom Freitag vorgehen zu wollen. Das Büro von
Gouverneur Dave Heineman teilte mit, möglicherweise werde ein
Gesetzesvorschlag zur Einführung der Giftspritze vorgelegt. Dieser
Versuch ist in der Vergangenheit allerdings schon mehrfach gescheitert.
Zuletzt wurde am 12. September vergangenen Jahres ein verurteilter
Mörder in Tennessee auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet. Er
hatte sich selbst für diese Hinrichtungsmethode entschieden.
(Quelle: ap)
Europarat besorgt über Folter in Griechenland
Mo.11.02.08 - In Griechenland sind Folter-Praktiken nach Angaben des Europarats nach
wie vor weit verbreitet. Die Situation sei Besorgnis erregend,
heißt es in einem Untersuchungsbericht, den das Komitee gegen
Folter des Europarats am Freitag in Straßburg
veröffentlichte. Es gebe zahlreiche Hinweise darauf, dass Menschen
von Polizisten oder anderen Sicherheitskräften geschlagen, getreten
oder auf andere Weise misshandelt worden seien.
Der Bericht führt unter anderem den Fall eines Mannes aus
Bangladesch an, der im Flughafen von Athen bewusstlos geprügelt
worden war, nachdem er sich gegen seine Abschiebung gewehrt hatte. Zuvor
sei der Häftling nach eigenen Angaben gewürgt worden, so der
Europarat. Die Sicherheitskräfte hätten ihre Finger auf seine
Augen gepresst und seine Hände hinter seinem Rücken verdreht.
Ein Arzt habe anschließend erhebliche Verletzungen festgestellt.
Die griechische Regierung müsse Zeugenaussagen dieser Art mehr
Glauben schenken, forderte der Europarat. Die bisher ergriffenen
Maßnahmen seien von sehr begrenztem Umfang. Auch sei eine bessere
Koordination zwischen den einzelnen Ministerien nötig, um
wirkungsvoll gegen Folter vorzugehen. Die griechische Regierung
versicherte in einer formellen Stellungnahme, die Empfehlungen des
Europarats würden sehr ernst genommen.
(Quelle: epd)
Islamkritikerin Hirsi Ali bittet Frankreich um Schutz
Mo.11.02.08 - Die niederländische Islamkritikerin Ayaan Hirsi Ali will
angesichts ihrer bedrohlichen Lage nach Frankreich ziehen. Sie hoffe,
mit der Hilfe französischer Intellektueller die
Staatsbürgerschaft des Gastlandes zu erhalten, sagte sie der
Zeitung "Journal du Dimanche" in Paris. Seit der Ermordung des
Filmemachers Theo van Gogh 2004 steht die 38-Jährige unter
ständigem Polizeischutz, doch muss sie derzeit außerhalb der
Niederlanden selbst dafür aufkommen.
Ihre persönliche Situation sei "immer gefährlicher geworden",
sagte Hirsi Ali. Mehrere französische Zeitungen sowie der
Philosoph Bernard-Henri Levy machen sich seit einiger Zeit für die
Ehrenbürgerschaft der in Somalia geborenen Frauenrechtlerin stark.
In Paris war ein Treffen zu ihrer Unterstützung geplant. Zudem
sollte sie mit dem Simone-de-Beauvoir-Preis für die Freiheit der
Frauen ausgezeichnet werden.
Hirsi Ali hatte das Drehbuch zu Van Goghs Islam-kritischen Film
"Submission" geschrieben. Seitdem drohen ihr islamische
Fundamentalisten mit dem Tod. Nach einem heftigen Streit innerhalb der
Koalitionsregierung in Den Haag um falsche Angaben in ihrem Asylantrag
und der kurzzeitigen Aberkennung ihrer niederländischen
Staatsbürgerschaft ging sie im Mai 2006 in die USA, um beim
konservativen "American Enterprise Institute" in Washington zu arbeiten.
Derzeit versucht Hirsi Ali, finanzielle Hilfe für ihren Schutz zu
bekommen. Am Donnerstag reist sie nach Brüssel, wo sie auf
Unterstützung durch einen besonderen EU-Fonds hofft. An ihrer
provozierenden Kritik am Islam und am Propheten Mohammed hält sie
weiter fest. In einem Interview mit der britischen Zeitung "The
Independent" bezeichnete sie den Islam kürzlich als "neuen
Faschismus".
(Quelle: afp)
Erdogan warnt Türken in Deutschland vor zu weitgehender Anpassung
Mo.11.02.08 - Der türkische Regierungschef Recep Tayyip Erdogan hat die in
Deutschland lebenden Türken am Sonntag in einer Rede in der
Kölnarena vor einer zu starken Anpassung gewarnt.
«Assimilierung ist ein Verbrechen gegen die
Menschlichkeit», sagte er vor etwa 16 000 überwiegend
türkischen Zuhörern, die aus ganz Deutschland, aber auch aus
Frankreich, Belgien und den Niederlanden angereist waren. «Ich
verstehe sehr gut, dass ihr gegen die Assimilierung seid. Man kann von
euch nicht erwarten, euch zu assimilieren.»
Es sei zwar wichtig, Deutsch zu lernen, aber die türkische Sprache
dürfe darüber nicht vernachlässigt werden. Die
Türken stünden in Europa vor der Herausforderung, ihre
Identität und ihre Kultur zu bewahren. Im übrigen betonte er
die Friedfertigkeit aller im Ausland lebenden Türken: «Wir
haben mit Hass überhaupt nichts zu tun, wir haben mit Feindschaft,
mit Streit und Gewalt überhaupt nichts zu tun.»
Der Brand in Ludwigshafen mit neun Toten habe nicht nur die Türken
erschüttert, sondern auch die deutsche Regierung und das deutsche
Volk. «Das muss aufgeklärt werden», verlangte Erdogan.
Er hoffe, dass Vorfälle wie in Ludwigshafen nun ein Ende
fänden, und wies darauf hin, dass die Türkei auch einige
eigene Ermittler zur Aufklärung nach Deutschland geschickt habe.
Das weitere Vorgehen werde von der Türkei ganz genau verfolgt.
Erneut betonte Erdogan den Anspruch seines Landes auf eine volle
EU-Mitgliedschaft. «Es gibt einige Länder, die unseren
EU-Beitritt verhindern wollen. Die Türkei hat keine Alternative
als die Vollmitgliedschaft.» Eine privilegierte Partnerschaft,
wie sie Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) statt einer
Vollmitgliedschaft anstrebt, lehnte er ab. «Die Türkei wird
ein solches Szenario nicht mitspielen», sagte er. «Bitte
verzögert diese Angelegenheit nicht mit fadenscheinigen
Vorwänden. Lasst es uns endlich hinter uns bringen.» Im
Gegensatz zu einigen EU-Mitgliedern werde die Türkei sogar die
Maastricht-Kriterien für die Aufnahme in die Währungsunion
erfüllen können.
Die Türken müssten im Ausland besser und selbstbewusster
für ihre Interessen eintreten, forderte Erdogan. «Seit
über 40 Jahren tragen Türken zur wirtschaftlichen Entwicklung
in Deutschland bei.» Vor diesem Hintergrund frage man sich, warum
es noch keinen türkischen Bürgermeister gebe. Auch in den
nationalen Parlamenten Deutschlands und anderer EU-Länder und im
Europaparlament sollten mehr türkische Abgeordnete sitzen.
Ausführlich schilderte Erdogan in seiner einstündigen Rede
die Erfolge seiner Regierung. Seine älteren Zuhörer
erinnerten sich noch an das wirtschaftlich rückständige Land,
das sie einst verlasen hätten, sagte er. Nun sei die Türkei
nicht mehr zu bremsen.
Erdogans Auftritt in der Kölnarena war von der Union
Europäisch-Türkischer Demokraten organisiert worden, die
seiner Regierungspartei AKP nahesteht. Die Veranstaltung erinnerte in
weiten Teilen an eine Wahlkampfveranstaltung, bei der Erdogans Erfolge
auch von seinen Ministern und von Abgeordneten seiner Partei
herausgestellt wurden. Erdogan sicherte den in Deutschland lebenden
Türken zu, dass sie bald das Wahlrecht in der Türkei bekommen
würden.
(Quelle: dpa)
Tausende nehmen Abschied von Opfern der Brandkatastrophe in
Ludwigshafen
Mo.11.02.08 - Mehrere tausend Menschen haben in Ludwigshafen Abschied von den
türkischen Opfern der Brandkatastrophe vor einer Woche genommen.
Zur Trauerfeier auf dem Platz vor dem ausgebrannten Wohnhaus
versammelten sich am Sonntag Türken und Deutsche. Vor großen
Gebinden und Kränzen aus roten und weißen Blumen waren die
Särge der Opfer aufgebahrt. Sie waren mit der türkischen
Flagge und Blumen bedeckt. Unter den neun Toten sind fünf Kinder.
Rund 60 Menschen waren bei dem Brand verletzt worden, der
möglicherweise auf einen technischen Defekt zurückgeht.
Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer,
übermittelte den Hinterbliebenen das Beileid der Regierung.
"Unsere Gedanken sind bei Ihnen." Sie dankte Polizei, Feuerwehr,
Ärzten und Sanitätern für ihren Einsatz. Vor allem den
Ludwigshafenern wolle sie für ihre große Anteilnahme ihren
Dank aussprechen. Von Ludwigshafen solle eine Botschaft ausgehen, sagte
Böhmer: "Die Botschaft des Brückenbaus, des gegenseitigen
Vertrauens und der Verbundenheit."
Der rheinland-pfälzische Innenminister Karl Peter Bruch sagte:
"Fremdenfeindlichkeit hat in diesem Land keinen Raum. Trauer und
Mitgefühl haben das ganze Land ergriffen."
Mehrere türkische Redner äußerten auf der
interreligiösen Trauerfeier die Hoffnung, es werde sich bald
klären, ob es sich bei dem Brand um einen Unfall handele. Die
Ermittlungen könnten die Toten nicht zurückgeben, sie
könnten aber die Gemüter besänftigen, sagte ein Redner.
Unmittelbar nach dem Brand vor einer Woche waren Vermutungen laut
geworden, es könne sich um einen Anschlag aus Ausländerhass
gehandelt haben. Vor allem türkische Medien hatten diese
Spekulationen verbreitet.
Mittlerweile verdichteten sich aber Hinweise, der Brand könnte
durch einen technischen Defekt ausgelöst worden sein. Zweifel
über einen Brandstifter im Flur des Hauses mehrten sich. Die
Polizei kündigte an, die Staatsanwaltschaft wolle Anfang der Woche
neue Erkenntnisse bekannt geben.
Die Polizei vermute inzwischen den Brandherd im Keller des von
Deutsch-Türken bewohnten Gebäudes, berichtete das Magazin
"Der Spiegel" unter Berufung auf Brandermittler. Sie stützten sich
auf Angaben eines älteren Bewohners, der von seinen beiden
Enkeltöchtern auf Brandgeruch aufmerksam gemacht worden und im
Erdgeschoss auf eine brennende Kellertür gestoßen sei. Eine
Angehörige der Opfer und ein früherer Mieter berichteten von
einer seit Jahren maroden Haus-Elektrik.
Die Aussagen des Großvaters nähren dem "Spiegel" zufolge
erhebliche Zweifel an der bisherigen Darstellung der beiden
Mädchen, sie hätten einen unbekannten Mann im Hausflur dabei
beobachtet, wie er einen Kinderwagen angezündet habe. Der
Großvater habe angegeben, seine Enkelinnen hätten ihm davon
nichts erzählt, als sie ihn wegen des Brandgeruchs alarmiert
hätten. Nach Erkenntnissen der Polizei habe der ältere Mann
den einzigen Schlüssel zum Untergeschoss gehabt und den Keller
gewöhnlich verschlossen gehalten. Dort hätten weder
Spürhunde noch Messgeräte Spuren eines Brandbeschleunigers
entdeckt.
Die Mädchen hätten nur vage Angaben gemacht und sich bei der
Beschreibung des angeblich beobachteten Mannes widersprochen,
berichtete der "Focus" unter Bezug auf ein Vernehmungsprotokoll.
Dagegen geriet der Zustand der Elektrik im Haus ins Visier der
Ermittler: Die elektrischen Leitungen in dem Altbau seien
"unsachgemäß verlegt worden", hieß es unter Berufung
auf einen Brandfachmann. Der Polizei liege außerdem eine
Zeugenaussage vor, dass im Keller illegal Strom abgezapft worden sei.
(Quelle: rtr)
Staatseinnahmen in Deutschland um fast fünf Prozent gestiegen
Mo.11.02.08 - Die Staatseinnahmen sind im vergangenen Jahr um fast fünf Prozent
auf 1064,77 Milliarden Euro gestiegen. Das sei der größte
Zuwachs seit 1994, berichtet die «Welt am Sonntag» unter
Berufung auf vorläufige Berechnungen des Statistischen Bundesamtes.
Wichtigste Quelle waren demnach die Zusatzeinnahmen aus der
Erhöhung der Mehrwertsteuer. Das Aufkommen aus der Einkommen- und
Vermögensteuer habe mit einem Plus von rund neun Prozent ebenfalls
überproportional zugelegt.
«Der Staat ist der große Aufschwunggewinner, da er durch
die Steuern überproportional an den steigenden Einkommen der
Bürger mitverdient hat», sagt der Präsident des
Steuerzahlerbundes, Karl Heinz Däke, der Zeitung. Forderungen nach
Steuersenkungen wies Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD)
zurück: «Wir werden die Steuern nicht senken, bevor dieser
Staat nicht seine exzessive Verschuldung gestoppt hat.»
(Quelle: dpa)
Discounter haben ihre Preise 2007 kräftig erhöht
Mo.11.02.08 - Die Discounter haben ihre Preise im vergangenen Jahr deutlich
stärker erhöht als Super- und Drogeriemärkte. Wie das
Magazin «Focus» unter Berufung auf das
Marktforschungsunternehmen GfK berichtet, steigerten Aldi, Lidl &
Co. das Preisniveau allein im Dezember um knapp zehn Prozent
gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die Supermärkte schlugen
demnach knapp sechs Prozent auf, Drogeriemärkte drei Prozent. Der
Preisschub hinderte die Kunden allerdings nicht, wieder stärker bei
den Discountern einzukaufen.
(Quelle: dpa)
CDU will Kindergeld zum 1. Januar 2009 erhöhen
Mo.11.02.08 - Die CDU will die SPD zu einer Erhöhung des Kindergelds zum 1.
Januar 2009 drängen. Am (heutigen) Montag will das
Parteipräsidium eine Erklärung beschließen, nach der
die Höhe des Anstiegs im Herbst verbindlich festgelegt werden
soll. «Das Geld muss direkt bei den Familien ankommen»,
heißt es in dem Papier. Die SPD nannte den Plan unseriös.
Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) will einen für Herbst
erwarteten Bericht zum Existenzminimum abwarten, bevor er eine
Entscheidung trifft.
Das CDU-Präsidium kommt am Montag wegen der bevorstehenden
Bürgerschaftswahl in Hamburg zusammen. In einer «Hamburger
Erklärung», die am Wochenende als Entwurf an die
Präsidiumsmitglieder verschickt wurde und der AP vorliegt, nimmt
die Familienpolitik eine prominente Rolle ein.
Die CDU bekräftigt in dem Papier ihren Willen, ein Betreuungsgeld
für Eltern einzuführen, die ihre Kinder vom vollendeten
ersten bis zum dritten Lebensjahr zu Hause betreuen und keinen Platz in
einer Kindertagesstätte beanspruchen. Forderungen des
Koalitionspartners zur Familienpolitik werden in der Erklärung
zurückgewiesen: «Vorschläge aus der SPD, die
Kindergelderhöhung auszusetzen und die Kinderfreibeträge zu
kürzen, um damit teure Staats-Programme zu finanzieren, lehnen wir
ab», heißt es.
Die CDU bekräftigt auch ihre Forderung, für typische
Kinderprodukte des täglichen Bedarfs den ermäßigten
Mehrwertsteuersatz einzuführen. Sie warnt gleichzeitig vor einer
unsoliden «Wünsch-Dir-was-Politik» und kündigt
für das Frühjahr 2009 Eckpunkte für ein Steuerkonzept
nach dem Motto «einfach, niedrig, gerecht» an.
Der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Joachim Poß
kritisierte die Union. «Was in der Koalition als finanzierbar
beschlossen wurde, wird von der CDU/CSU auf den Marktplätzen in
Frage gestellt», kritisierte er. Die CDU-Chefin und
Bundeskanzlerin Angela Merkel müsse «endlich Ordnung in
ihren Reihen schaffen und das Durcheinander beenden».
Ein Sprecher des Finanzministeriums betonte, dass eine Erhöhung
des Kindergelds derzeit nicht zur Diskussion stehe. Auch die von der
Union debattierte Senkung der Einkommensteuer sei jetzt kein Thema:
«Steuersenkungen sind ausgeschlossen für diese
Legislaturperiode.»
In der fünf Punkte umfassenden «Hamburger
Erklärung» werden neben der Familienpolitik die Themen
Bildung, Arbeitslosigkeit, Wirtschaftswachstum und Schuldenabbau
angesprochen. Die Kriminalitätsbekämpfung, die im hessischen
Wahlkampf noch CDU-Spitzenthema war, wird nur kurz am Ende des Papiers
erwähnt. «Die CDU steht für einen starken Staat, der
seine Bürger vor Gewalt und Kriminalität schützt»,
heißt es dort. Anschließend wird auf die «Wiesbadener
Erklärung» verwiesen, in der die CDU im Januar ihre
Standpunkte zur Kriminalitätsbekämpfung bereits
festgeschrieben hatte.
(Quelle: ap)
VW-Betriebsratschef legt sich mit Großaktionär Porsche an -
Droht mit massivem Widerstand der Belegschaft
Mo.11.02.08 - VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh hat den Großaktionär
Porsche massiv angegriffen. In einem Interview des Nachrichtenmagazins
«Focus» warf er Porsche-Chef Wendelin Wiedeking vor, sich
nicht an Absprachen zu halten und drohte für den Fall von
Entscheidungen gegen die VW-Belegschaft mit «massivem
Widerstand».
«Porsche braucht uns. Wir brauchen Porsche nicht
unbedingt», wird Osterloh zitiert. Den Chef des Stuttgarter
Großaktionärs ging er mit den Worten an: «Mir fehlt
zurzeit jegliches Vertrauen zu Porsche, insbesondere zum
Vorstandsvorsitzenden.» Wiedeking habe ja den Ruf, Geschäfte
per Handschlag zu tätigen und dabei sehr verlässlich zu sein.
Er habe aber ganz andere Erfahrungen gemacht, fügte der
Betriebsratsvorsitzende hinzu: «Da galten Absprachen auf einmal
über Nacht nicht mehr.»
Weiter warf er Wiedeking vor, den Konsens mit der VW-Belegschaft nicht
zu suchen. «Er bevorzugt anscheinend aus Prinzip die
Konfrontation. Ich bin aber keiner, der aus Angst vor dem
Porsche-Vorstandsvorsitzenden die Hacken zusammenschlägt»,
sagte Osterloh laut Vorabmeldung.
Nach Informationen des Magazins sind inzwischen die monatelangen
Verhandlungen zwischen dem Porsche-Konzern und dem VW-Betriebsrat um die
Mitbestimmung geplatzt. Demnach entschied der Stuttgarter Autobauer
Ende vergangener Woche, die Gespräche umgehend abzubrechen. Damit
sei eine mögliche außergerichtliche Einigung vom Tisch.
Hintergrund ist die Verschiebung des Prozesses vor dem Arbeitsgericht
Stuttgart auf den 29. April. Ursprünglich hätten die Richter
bereits am kommenden Mittwoch über die Klage des VW-Betriebsrates
gegen die Mitbestimmungsregelung bei der Porsche-Holding entscheiden
wollen.
In dem Interview warnte Osterloh den Großaktionär: «In
Richtung Porsche kann ich nur sagen: Wenn dort Entscheidungen gegen die
VW-Belegschaft getroffen werden, gibt es massiven Widerstand.» Die
IG Metall habe in den VW- und Audi-Werken einen Organisationsgrad von
90 Prozent.
Porsche agiere wie ein Finanzinvestor, kritisierte Osterloh. «Es
gibt massive Unterschiede in der Unternehmensführung. Das
VW-Prinzip lautet: Schöne Autos bauen und Geld verdienen.»
Bei Porsche falle ihm eher ein: «Geld verdienen, wenn es sein muss
auch ohne Autos.»
(Quelle: ap)
6500 Menschen protestieren gegen Aus für Bochumer Nokia-Werk
Mo.11.02.08 - Rund 6500 Menschen haben am Sonntag in Bochum gegen die geplante
Schließung der Handy-Fabrik des finnischen Nokia-Konzerns
protestiert. Sie bildeten eine Menschenkette um das Werk, wie eine
Betriebsrätin von Nokia Bochum mitteilte. Später schlossen
die Demonstranten mit Fackeln und Lichtstäben einen symbolischen
Ring um das Nokia-Werk - "damit denen in Finnland ein Licht aufgeht",
wie es hieß. Bei Protestkundgebungen in der Stadt hatten zuvor
mehrere Vertreter der Gewerkschaft IG Metall und des Nokia-Betriebsrats
gesprochen.
Ende Januar hatten bereits rund 15.000 Menschen in Bochum gegen die
Schließung protestiert. Nokia hatte vor wenigen Wochen
verkündet, das Bochumer Werk mit mehr als 2300 Mitarbeitern
schließen zu wollen und die Produktion nach Osteuropa zu
verlagern. Die nordrhein-westfälische Landesregierung fordert an
Nokia gezahlte Subventionen zurück. IG Metall und
Nokia-Betriebsrat wollen am Dienstag nach Finnland reisen, um dort mit
der Konzernspitze über die Rettung des Werks zu sprechen. Der
finnische Konzern will das Aus für das Werk auf seiner
Aufsichtsratssitzung am 28. Februar beschließen. Die IG Metall
hat für diesen Fall einen Streik der Mitarbeiter angekündigt.
(Quelle: afp)