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Irak am 1423sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Irans Präsident Ahmadinedschad reist im März erstmals in den
Irak. Jordanien verschärft Visa-Bestimmungen für Iraker.
Bewaffnete töten neunköpfige Familie
Fr.15.02.08 - Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad wird am 2. März
erstmals das Nachbarland Irak besuchen. Die zweitägige Visite in
Bagdad wird der erste Besuch eines iranischen Staatsführers
überhaupt sein, wie die irakische Regierung am Donnerstag
mitteilte. Ahmadinedschad wird dabei mit Ministerpräsident Nuri
al-Maliki und mit Staatspräsident Dschalal Talabani zu politischen
Gesprächen zusammentreffen. Die Nachbarländer hatten sich in
den 80er-Jahren in einem acht Jahre langen blutigen Stellungskrieg
bekämpft.
Ahmadinedschads Reise war bereits im vergangenen Monat im
Gespräch, es gab jedoch noch keinen Termin dafür. Die
Bevölkerung des Irans ist mehrheitlich schiitischen Glaubens. Im
Irak gibt es rund 60 Prozent Schiiten, die unter dem Regime Saddam
Husseins von der sunnitischen Minderheit unterdrückt wurden. Seit
dem Sturz Husseins 2003 haben sich die Beziehungen der ehemaligen
Erzfeinde verbessert. Die USA werfen dem Iran jedoch vor, schiitische
Milizen im Irak zu unterstützen und die Zentralregierung in Bagdad
schwächen zu wollen. Teheran bestreitet dies.
Der Iran hat unterdessen für Freitag anberaumte Gespräche mit
amerikanischen und irakischen Diplomaten über die Sicherheit im
Irak abgesagt. Die USA hätten ihre Bereitschaft zum Dialog seit
Wochen erklärt, nun sei klar, dass Teheran nicht wirklich dazu
bereit sei, erklärte ein Sprecher der US-Botschaft in Bagdad. Das
Treffen vom Freitag wäre die vierte Gesprächsrunde gewesen.
Offiziell unterhalten die USA und der Iran keine diplomatischen
Beziehungen, die Gespräche zur Verbesserung der Sicherheitslage im
Irak stellen die Ausnahme dar.
Der Iran ist seit dem Sturz Saddam Husseins und der Taliban im
östlichen Nachbarland Afghanistan die neue starke Macht im Nahen
und Mittleren Osten. Der Westen verdächtigt Teheran, Atomwaffen
entwickeln zu wollen. Darüber hinaus soll der Iran die schiitische
Hisbollah-Miliz finanzieren, die den Libanon politisch destabilisiert.
Bei dem Krieg von 1980 bis 1988 zwischen dem Irak und dem Iran, der von
Saddam Hussein angezettelt wurde, weil er die Kontrolle über die
Ölreserven im Südiran bekommen wollte, kamen eine Million
Menschen ums Leben oder wurden schwer verletzt.
Im Irak haben bewaffnete Männer nach Polizeiangaben ein Wohnhaus
überfallen und alle neun Mitglieder einer Familie getötet
worden.
Die Täter seien am frühen Morgen in das Haus der Familie im
Dorf Auja nördlich von Bagdad eingedrungen und hätten das
Feuer eröffnet, sagte ein Polizist am Donnerstag. "Sie haben den
Vater, die Mutter und ihre sieben Söhne getötet. Wir wissen
noch nicht warum." Unter den Toten habe sich auch ein
siebenjähriger Junge befunden.
Awja ist der Geburtsort des früheren Machthabers Saddam Hussein.
Zur Eindämmung des Flüchtlingsstroms aus dem Irak hat
Jordanien die Einreisebestimmungen verschärft. Demnach muss ein
Visum jetzt vorab im Irak beantragt werden und ist nicht mehr an der
Grenze erhältlich, wie der jordanische Innenminister Eid al Fajes
am Donnerstag in Amman mitteilte. Die Anträge würden dann per
Kurierpost in die jordanische Hauptstadt gebracht und dort bearbeitet.
Die Ankündigung erfolgte während des Besuchs von
UN-Flüchtlingskommissar Antonio Guterres im Nachbarland Syrien. Er
appellierte an die Staaten der Region, irakischen Flüchtlingen,
die nicht mehr nach Hause zurückkehren könnten, bei der
Eingliederung zu helfen.
boa (Quellen: rtr, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 15.02.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am neunhunderteinundsechszigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Do.15.02.07 - US-Präsident Bush weist Iran Mitschuld am Tod von US-Soldaten im
Irak zu +++ Erneut sechs amerikanische Soldaten im Irak ums Leben
gekommen +++ USA bestätigen Abschuss eines Hubschraubers im Irak +++
Seit Beginn des Irak-Kriegs mindestens 3.132 US-Soldaten getötet +++
Razzia gegen Schleuserring für Irak-Kämpfer in Frankreich +++
US-Streitkräfte akzeptieren immer mehr Soldaten mit Vorstrafen...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0702150.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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US-Senat verabschiedet Gesetz zum Folter-Verzicht
Fr.15.02.08 - Der US-Senat hat einen Gesetzentwurf verabschiedet, der die
US-Geheimdienste zum Verzicht auf Folter verpflichtet. Für die
Initiative stimmten 51 Senatoren, dagegen 45. Das Gesetz sieht vor, dass
auch für den US-Auslandsgeheimdienst CIA die vom US-Militär
entwickelten Regeln für Verhöre gelten sollen. Dem
Senatsbeschluss fehlt allerdings die Zwei-Drittel-Mehrheit, die
erforderlich ist, um das von US-Präsident George W. Bush
angekündigte Veto gegen das Gesetz abzuwenden. Das
Repräsentantenhaus hatte dem Gesetz bereits im vergangenen Dezember
zugestimmt.
Die Bush-Regierung hatte nach den Anschlägen vom 11. September
2001 ein geheimes Inhaftierungs- und Verhörprogramm entwickelt, das
den Geheimdiensten anders als dem Militär den Gebrauch von
härteren Methoden bei Verhören von Terrorverdächtigen
erlaubt. Die CIA sieht sich dem Verdacht ausgesetzt, Videoaufnahmen von
Verhören mit möglichen Beweisen für Misshandlungen oder
gar Folter von Terrorverdächtigen in US-Gewahrsam vernichtet zu
haben.
Das Weiße Haus hatte Bushs Veto gegen das neue Gesetz bereits
nach der Abstimmung im Dezember angekündigt. "Legale Verhöre
von El-Kaida-Terroristen" zum Schutz vor Anschlägen würden
durch das Gesetz verhindert, hieß es zur Begründung. Anfang
Februar hatte das Weiße Haus bekräftigt, dass die
Verhörmethode des so genannten "Waterboarding" nicht als Folter
anzusehen sei. Dabei wird den Betroffenen das Gefühl des
unmittelbar bevorstehenden Ertrinkens vermittelt, indem sie lange Zeit
unter Wasser gedrückt werden.
Am Mittwochnachmittag hatten sich die Abgeordneten des
US-Repräsentantenhauses gegen den Präsidenten gestellt und die
Debatte über ein neues Abhörgesetz um drei Wochen
verlängert. Die gültige Gesetzgebung läuft am Freitag aus
und Bush hatte eine rasche Verabschiedung des Gesetzes verlangt, das
das Anzapfen von Anrufen und E-Mails aus dem Ausland ermöglicht.
Dennoch stimmten die Abgeordneten für eine Verlängerung der
Beratungen.
"Die Zeit für Debatten ist um. Ich werde keine befristete
Verlängerung akzeptieren. Die Abgeordneten hatten reichlich Zeit,
ein gutes Gesetz zu verabschieden", hatte Bush gedrängt. Der Senat
verabschiedete daraufhin das umstrittene Gesetz.
(Quelle: afp)
Koalitions-Spitze in Deutschland will Änderungen von
Afghanistan-Mandat
Fr.15.02.08 - Führende Koalitionspolitiker in Deutschland sollen nach einem
Zeitungsbericht Veränderungen des Bundeswehrmandats in Afghanistan
vorbereiten.
Dafür sei ein Treffen der Fraktionsvorsitzenden von CDU/CSU und
SPD, Volker Kauder und Peter Struck, mit Außenminister
Frank-Walter Steinmeier (SPD) und Verteidigungsminister Franz Josef Jung
(CDU) geplant, berichtete die "Frankfurter Rundschau" in ihrer
Donnerstagausgabe. Es werde ausgeschlossen, dass die aktuelle Obergrenze
von 3500 Soldaten zu halten sein werde, hieß es unter Berufung
auf Koalitions-Kreise. Gerechnet werde mit einer Aufstockung um
mindestens 500 Mann.
Die deutsche Regierung hatte am Wochenende einen Medienbericht
über Planungen dementiert, die deutsche Truppenstärke in
Afghanistan auf bis zu 4500 Soldaten zu erhöhen und das
Einsatzgebiet auf den Westen auszudehnen.
(Quelle: rtr)
Nahost-Konflikt: Hisbollah droht Israel mit Krieg
Fr.15.02.08 - Nach dem Anschlag auf einen ihrer Anführer droht die
südlibanesische Hisbollah-Miliz Israel mit Krieg.: "Zionisten,
wenn Ihr diese Art von offenem Krieg wollt, dann soll es die ganze Welt
hören: Lasst uns offen Krieg führen", rief der per Video
zugeschaltete Hisbollah-Chef Sajjed Nasrallah am Donnerstag
Zehntausenden Anhängern zu, die sich zur Beerdigung von Imad
Mughnija im Süden Beiruts versammelt hatten. Israel hat
bestritten, für den Bombenanschlag auf den als Terrorist auch von
den USA gesuchten Extremisten verantwortlich zu sein.
Nasrallah machte das Recht auf Selbstverteidigung geltend und
kündigte an, alles Notwendige für die Sicherheit seiner
Bewegung in die Wege zu leiten. Ohne Einzelheiten zu nennen sagte er,
erste Ermittlungen der Hisbollah hätten die Verantwortung Israels
für das Attentat in Damaskus bestätigt. Mughnija wird unter
anderem für die Entführung eines Passagierflugzeugs sowie
für mehrere Geiselnahmen westlicher Ausländer in den 80er
Jahren verantwortlich gemacht.
Israel lastet dem Extremisten zudem die Entführung zweier Soldaten
an, die 2006 den knapp fünfwöchigen Libanon-Krieg
ausgelöst hat. Nasrallah bestätigte in seiner Rede, dass
Mughnija in dem Krieg eine wichtige Rolle eingenommen habe. An der
UN-Friedenstruppe, die den Waffenstillstand seit eineinhalb Jahren
sichert, ist auch Deutschland mit 635 Soldaten beteiligt.
Wegen der vom Iran und der palästinensischen Hamas-Bewegung
unterstützten Racheschwüre versetzte Israel seine Botschaften
weltweit in Alarmbereitschaft. Zudem verstärkte es
Sicherheitskreisen zufolge seine Einheiten an der Grenze zum Libanon.
Israel wisse, was es angesichts der Umstände zu tun habe, betonte
Sicherheitsminister Awi Dichter im Radio Israel.
Der Anschlag auf Mughnija verschärfte auch die inner-libanesischen
Spannungen. Anlässlich des dritten Jahrestags des Attentats auf
den anti-syrischen Spitzenpolitiker Rafik al-Hariri demonstrierten
wenige Stunden vor dem Hisbollah-Trauerzug Zehntausende Anhänger
der Regierung auf dem Märtyrerplatz im Zentrum der Hauptstadt. Der
Machtkampf zwischen dem anti-syrischen Regierungslager und der von der
Hisbollah angeführten Opposition lähmt den Zedernstaat seit
Monaten.
(Quelle: rtr)
Ausnahmezustand im Tschad verhängt - Nach jüngster
Rebellenoffensive
Fr.15.02.08 - Im Tschad gilt vom (heutigen) Freitag an ein landesweiter
Ausnahmezustand. Präsident Idriss Déby erklärte am
Donnerstagabend in einer Radio- und Fernsehansprache, die staatlichen
Kontrollen müssten verschärft werden, um nach der
Rebellenoffensive vor zwei Wochen die Ordnung wiederherzustellen. Der
Notstand solle gemäß dem von ihm unterzeichneten Erlass
für 15 Tage gelten, sagte Déby. Dies stehe voll und ganz im
Einklang mit der Verfassung.
Die Regierung hat damit vorübergehend größere
Machtbefugnisse. Sie kann den Menschen Reisebeschränkungen
auferlegen, Fahrzeuge jederzeit kontrollieren oder ganz stoppen und
fast alle öffentlichen Versammlungen verbieten. Ferner gilt von
Mitternacht bis 06.00 Uhr morgens ein Ausgehverbot. Rebellen waren am
2. und 3. Februar in die Hauptstadt N'Djamena eingerückt und bis
zum Präsidentenpalast vorgedrungen. Die Regierung erhielt jedoch
Unterstützung von den im Tschad stationierten französischen
Truppen, auch wenn diese nicht direkt eingriffen.
(Quelle: ap)
Neue Verfassung für Kenia geplant
Fr.15.02.08 - Die Konfliktparteien in Kenia wollen die Verfassung des Landes neu
schreiben. Das neue Dokument solle innerhalb eines Jahres vorliegen,
sagte ein Unterhändler der Regierung, Mutula Kilonzo, am
Donnerstag der Nachrichtenagentur AP. Weitere Einzelheiten nannte er
nicht. Die derzeit gültige Verfassung Kenias stammt noch aus der
Zeit vor der Unabhängigkeit und gewährt dem Präsidenten
weitreichende Machtbefugnisse.
Zuvor hatte ein UN-Sprecher erklärt, Regierung und Opposition
hätten ein Abkommen unterzeichnet. Der in dem Streit vermittelnde
frühere UN-Generalsekretär Kofi Annan werde am Freitag
Einzelheiten mitteilen. Annan hält sich mit den Unterhändlern
beider Seiten seit zwei Tagen an einem unbekannten Ort auf. Die
Gespräche wurden bis Montag vertagt.
Nach der Präsidentenwahl am 27. Dezember war es in Kenia zu
wochenlangen Unruhen gekommen, die mehr als 1.000 Menschen das Leben
kosteten. Oppositionsführer Raila Odinga wirft Präsident Mwai
Kibaki, der nach offiziellen Angaben in der Wahl bestätigt wurde,
Wahlbetrug vor. Beide standen zuletzt unter wachsendem internationalen
Druck, sich friedlich zu einigen.
Am Donnerstag erklärte US-Präsident George W. Bush, er werde
Außenministerin Condoleezza Rice nach Kenia schicken, um Annans
Vermittlungsbemühungen zu unterstützen. Rice wird Bush auf
seiner Afrikareise begleiten, die ihn ab Samstag nach Benin, Tansania,
Ruanda, Ghana und Liberia führen wird. Bush forderte einen
umgehenden Stopp der Gewalt in Kenia, Gerechtigkeit für die Opfer
und eine Rückkehr zur Demokratie.
(Quelle: ap)
Iran bestellt im Karikaturenstreit dänischen Botschafter ein
Fr.15.02.08 - Aus Protest gegen den erneuten Abdruck umstrittener
Mohammed-Karikaturen in dänischen Zeitungen hat der Iran den
dänischen Botschafter in Teheran einbestellt. Wie das staatliche
Fernsehen am Donnerstag berichtete, verurteilten iranische
Regierungsvertreter den Abdruck bei dem Treffen mit dem Diplomaten
scharf. Sie forderten, dass die Regierung in Kopenhagen in dem Fall eine
«ernste Haltung» einnehme und eine Wiederholung verhindere.
Führende dänische Zeitungen hatten nach Bekanntwerden eines
mutmaßlichen Anschlagsplans gegen einen Karikaturisten am Mittwoch
erneut die Zeichnungen abgedruckt, die vor zwei Jahren zu
Massenprotesten in der islamischen Welt geführt hatten. Sie wollten
zeigen, dass sie weiter für das Recht auf Meinungsfreiheit
einträten, erklärten die Zeitungen.
(Quelle: ap)
Parlament in Guatemala führt Todesstrafe wieder ein
Fr.15.02.08 - Das Parlament in Guatemala hat am Dienstag (Ortszeit) die Todesstrafe
wieder eingeführt. Der Gesetzesinitiative der rechtsgerichteten
Opposition stimmte auch die sozialdemokratische Partei des regierenden
Präsidenten Álvaro Colom zu. Der Präsident wird nun in
letzter Instanz über Gnadengesuche entscheiden. Gegenwärtig
sind 34 Häftlinge in dem mittelamerikanischen Land zum Tode
verurteilt.
Im Wahlkampf im vergangenen Jahr hatte sich Colom noch gegen die
Todesstrafe ausgesprochen. Neben Guatemala wenden auf dem amerikanischen
Kontinent nur noch die USA und Kuba die Todesstrafe an. Guatemalas
oberstes Gericht hatte Hinrichtungen im Jahr 2002 ausgesetzt. Zuvor
hatte das Fernsehen eine dilettantisch ausgeführte Exekution
übertragen.
In der Bevölkerung ist die Todesstrafe populär. Grund ist die
extreme Alltagsgewalt, durch die im vergangenen Jahr durchschnittlich 17
Menschen täglich umkamen. Rechtsgerichtete Politiker machen
gewalttätige Jugendbanden für die vielen Morde verantwortlich.
Menschenrechtsgruppen sehen hingegen die Sicherheitskräfte des
Landes als Urheber der Gewalt.
(Quelle: epd)
USA: Demokratische Präsidentschaftsbewerberin Clinton gewinnt
Vorwahl New Mexico
Fr.15.02.08 - Neun Tage nach dem «Superdienstag» steht fest: Die
demokratische Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton hat die
Vorwahl im US-Staat New Mexico gewonnen. Dies teilte der regionale
Vorsitzende ihrer Partei am Donnerstag in Albuquerque mit. Die Wahl
fand bereits am 5. Februar statt, doch hat sich die Auszählung
wegen des äußerst knappen Ergebnisses immer wieder
hingezogen.
Bei den Republikanern klärt sich die Lage unterdessen immer
weiter. Der Favorit für die Präsidentschaftskandidatur, John
McCain, hat für seine Kampagne neuen Auftrieb erhalten. Der
ausgeschiedene Bewerber Mitt Romney stellte sich am Donnerstag hinter
seinen früheren Rivalen. Er fühle sich geehrt, dem Senator
aus Arizona seine volle Unterstützung bekunden zu dürfen,
sagte Romney in Boston. Die rund 280 Delegierten, die er sich
während seiner eigenen Kandidatur gesichert hat, rief er dazu auf,
auf dem Nominierungsparteitag im Sommer für McCain zustimmen.
Damit ist der 71-jährige Vietnamkriegsveteran der
Präsidentschaftskandidatur einen entscheidenden Schritt näher
gekommen.
Im Rennen der Demokraten erhielt Clinton in New Mexico nach mehreren
Nachzählungen nach Parteiangaben schließlich 14
Delegiertenstimmen, ihr Rivale Barack Obama 12. Zuvor hatten beide
gleichauf gelegen. Zum Schluss hatte Clinton 1.709 Stimmen mehr als
Obama. Damit kommt Obama in der US-weiten Wertung nun auf 1.276
Delegiertenstimmen und Clinton auf 1.220.
Clinton, die zuletzt eine Serie von Niederlagen einstecken musste,
sagte, sie sei stolz und froh über die Unterstützung aus New
Mexiko. Die Bewohner dort «wollen wirkliche Lösungen
für die Herausforderungen, vor der unsere Nation steht.» Ein
Sprecher Obamas erklärte, man werde den Wahlausgang akzeptieren
und keine Neuauszählung verlangen. «Wir schauen lieber auf
die Rennen, die noch vor uns liegen», sagte er.
(Quelle: ap)
Putin will russische Politik weiter entscheidend beeinflussen
Fr.15.02.08 - Der russische Präsident Wladimir Putin hat auf seiner letzten
Jahrespressekonferenz eine positive Bilanz seiner Regierungszeit
gezogen und gleichzeitig angekündigt, dass er weiter eine
machtvolle Rolle in der Politik des Landes spielen will. Auch als
Ministerpräsident unter dem nächsten Präsidenten werde
er für lange Zeit ausreichend Einfluss haben, erklärte Putin
am Donnerstag in Moskau. Die über viereinhalbstündige
Pressekonferenz wurde vom russischen Fernsehen übertragen,
über 1.000 Journalisten waren in den Kreml gekommen.
«Ich werde an denselben Aufgaben teilhaben wie in der Zeit als
Präsident», sagte Putin. Er verwies darauf, dass er den Kurs
für die Entwicklung Russlands bis 2020 vorgegeben habe. Wenn er
sehe, dass er diese Ziele als Ministerpräsident verwirklichen
könne, dann werde er so lange wie möglich weiterarbeiten. Der
Präsident betonte in seiner positiven Bilanz seiner Regierungszeit
vor allem den wirtschaftlichen Aufschwung der vergangenen Jahre.
Putin hat den stellvertretenden Ministerpräsidenten Dimitri
Medwedew zu seinem Nachfolger bestimmt, seine Wahl Anfang März
gilt als sicher. Putin erklärte, er habe nie erwogen, eine dritte
Amtszeit anzustreben. «Von meinem ersten Tag als Präsident
an habe ich für mich beschlossen, dass ich niemals gegen die
Verfassung verstoßen würde.»
Putin wies Spekulationen zurück, er habe während seiner
Amtszeit ein Milliardenvermögen angehäuft. «Sie haben
sich das aus der Nase gezogen und auf Papier geschmiert», sagte
der Präsident. Ein politischer Beobachter mit engen Verbindungen
zum Kreml, Stanislaw Belkowski, hatte erklärt, Putin kontrolliere
Anteile an russischen Öl- und Gasunternehmen im Wert von 40
Milliarden Dollar (27,42 Milliarden Euro). Diese Anteile würden
über ein Netzwerk von Offshore-Gesellschaften verschleiert. Putin
wäre damit der reichste Mann Europas. Der Präsident
erklärte jedoch, die Unterstützung durch das russische Volk
sei sein größtes Vermögen.
Putin bezeichnete eine Anerkennung der bevorstehenden
Unabhängigkeitserklärung des Kosovos durch das Ausland als
«unmoralisch und illegal». Der Präsident
bekräftigte auch in deutlichen Worten seine Warnungen vor der
Stationierung eines US-Raketenabwehrsystems in Osteuropa. Mit Bezug auf
die in Polen geplante Stationierung von Abfangraketen und das
Radarsystem in Tschechien sagte Putin, «unsere Experten
betrachten dieses Systems als Bedrohung unserer nationalen Sicherheit,
und es scheint, als ob wir darauf angemessen reagieren
müssten». Russland werde seine Raketen auf dieses System
richten, drohte er.
«Wir warnen die Menschen rechtzeitig», sagte Putin. Und
sollte die prowestliche Regierung der Ukraine eine
Raketenabwehreinrichtung aufbauen, dann werde Russland seine Raketen
auch auf dieses Land richten. Im Gespräch mit dem ukrainischen
Präsidenten Viktor Juschtschenko bei einem Treffen zu Beginn der
Woche hatte Putin mit der Ausrichtung von Atomsprengköpfen auf das
Nachbarland gedroht. Die USA haben betont, dass Raketenabwehrsystem
richte sich nicht gegen Russland, sondern gegen eine mögliche
Gefahr durch Raketen aus dem Iran.
Putin kritisierte in seiner Erklärung auch die Organisation
für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), die sich
geweigert hat, Beobachter zur Präsidentenwahl in Russland am 2.
März zu schicken. Die Wahlbeobachter sollten lieber «ihren
Ehefrauen beibringen, wie man Kohlsuppe kocht» anstatt Russland
Lektionen zu erteilen, mokierte sich der Präsident.
(Quelle: ap)
Russland droht Ukraine mit Raketenstationierung
Fr.15.02.08 - Für den Fall einer engeren Anbindung der Ukraine an die NATO hat
der russische Präsident Wladimir Putin dem Nachbarland mit der
Stationierung von Raketen gedroht. Sollte die Ukraine dem
Militärbündnis beitreten oder militärische Anlagen
westlicher Länder auf seinem Territorium errichten lassen, sei
Russland gezwungen, "Raketen auf solche Ziele auszurichten, von denen
wir unsere nationale Sicherheit bedroht sehen", sagte er in Moskau. Der
Kreml-Chef kritisierte, dass die Regierung in Kiew die bisherigen
Schritte in Richtung NATO gemacht habe, obwohl die Bevölkerung
dagegen sei.
Putin bekräftigte zugleich seine Raketen-Drohung gegen Polen und
Tschechien, wo ein US-Raketenabwehrsystem gegen mögliche Angriffe
etwa aus dem Iran entstehen soll. Russland sehe darin eine Bedrohung
seiner nationalen Sicherheit und sei verpflichtet "in angemessener
Weise zu reagieren", sagte er auf seiner letzten Jahrespressekonferenz
als Staatschef.
(Quelle: afp)
Machtkampf um das Kosovo spitzt sich zu
Fr.15.02.08 - Die Machtprobe um das Kosovo spitzt sich zu: Serbien bezeichnete die
für Sonntag erwartete einseitige
Unabhängigkeitserklärung der abtrünnigen Provinz bereits
im Vorfeld als null und nichtig. Russlands Präsident Putin
kündigte massiven Widerstand gegen den Schritt Pristinas an.
Der UN-Sicherheitsrat wollte auf Antrag Serbiens am Donnerstagabend MEZ
nochmals zu einer Dringlichkeitssitzung in New York zusammenkommen.
Beobachter rechnen nach einem UN-Bericht damit, dass die Regierung der
fast nur noch von Albanern bewohnten Provinz ihre Unabhängigkeit
einen Tag vor einem für Montag angesetzten
EU-Außenministertreffen verkünden wird.
Bei der Sitzung des Weltsicherheitsrats wurde angesichts der
verhärteten Fronten zwischen den westlichen Staaten und Russland
nicht mit einem Beschluss gerechnet. Serbien sieht in einer einseitigen
Unabhängigkeitserklärung eine Verletzung der UN-Resolution
1244 und eine Gefahr für Frieden und Sicherheit auf dem Balkan.
Der serbische Regierungschef Vojislav Kostunica bekräftigte in
Belgrad, die von der EU geplante Rechtsmission für die
abtrünnige serbische Provinz sei illegal und widerspreche
internationalem Recht. Die rund 1800 Mann starke EU-Mission
«Eulex» soll beim Aufbau eines funktionsfähigen
Staatswesens im Kosovo helfen. Ihr Einsatz könnte nur vom
Weltsicherheitsrat beschlossen werden, sagte Kostunica. Serbien werde
«entsprechende Maßnahmen» gegen jene Staaten
ergreifen, die die Unabhängigkeit des Kosovos anerkennen, sagte
Kostunica, ohne Einzelheiten zu nennen.
Putin kündigte bei einer Pressekonferenz in Moskau in scharfem Ton
an: «Wir werden die Angelegenheit vor den Weltsicherheitsrat
bringen». Sollten die Kosovo-Albaner ihre Unabhängigkeit
erklären, sei jegliche Unterstützung des Westens dafür
«unmoralisch und ungesetzlich». Auf die Frage, ob Russland
als Reaktion auf die Unabhängigkeitserklärung des Kosovos im
Gegenzug abtrünnige Gebiete vor seinen Grenzen wie
Südossetien oder Abchasien anerkennen werde, entgegnete Putin:
«Wir müssen doch nicht jede idiotische Entscheidung sofort
nachäffen». Er verwies auf eine Vielzahl separatistischer
Bestrebungen in Europa und bezeichnete die Position, wonach die Lage im
Kosovo ein Sonderfall sei, als «Lüge».
Der UN-Sicherheitsrat war wegen der Differenzen zwischen Ost und West
nicht in der Lage gewesen, selbst über den zukünftigen Status
der abtrünnigen Provinz zu entscheiden. Umstritten ist auch das
künftige Schicksal der bisherigen UN-Mission im Kosovo (UNMIK).
Die EU und die USA gehen davon aus, dass UN-Generalsekretär Ban Ki
Moon deren Aufgaben an die geplante, etwa 2000 Mann starke
«Rechtsstaatsmission» der EU übergeben kann. Die
Vetomacht Russland besteht aber darauf, dass jede Änderung bei
UNMIK vom Sicherheitsrat beschlossen werden muss.
(Quelle: dpa)
EU will Justizmission für Kosovo deutlich aufstocken
Fr.15.02.08 - Die EU-Polizeimission im Kosovo soll offenbar deutlich
größer ausfallen als bisher geplant. Anstelle der
ursprünglich vorgesehenen 1800 will die Europäische Union
jetzt 2200 Polizisten, Richter, Staatsanwälte und Zollbeamte zum
Aufbau von Justiz und Verwaltung in das Kosovo schicken. Das berichtet
die Zeitung "Die Welt" unter Berufung auf ranghohe EU-Diplomaten, die
mit den Verhandlungen vertraut sind. Grund für die Aufstockung ist
demnach der Bedarf an Polizei-Sondereinheiten zur Bekämpfung
plötzlich auftretender Unruhen.
Anzeige
Nach Informationen des Blattes hat Brüssel Schwierigkeiten,
ausreichend Richter und Zollbeamte für den Einsatz mit dem Namen
EULEX zu finden, weil das Angebot aus den Mitgliedsstaaten bisher zu
knapp ist. Deutschland stellt mit 150 bis 200 Beamten nach Italien das
stärkste Kontingent.
Wie die Zeitung weiter berichtet, streiten die Mitgliedstaaten hinter
verschlossenen Türen über eine gemeinsame
Grundsatzerklärung zum Kosovo, die sie am kommenden Montag
während des Treffens der EU-Außenminister in Brüssel
verabschieden wollen. Die Erklärung soll eine rechtliche Grundlage
für weitreichende EU-Befugnisse bei der Annullierung von Gesetzen
und der Ernennung von Beamten im Kosovo bilden und zugleich die
allgemeine Anerkennung eines unabhängigen Kosovo darstellen. Vor
allem Spanien hat heftigen Widerstand angekündigt.
(Quelle: afp)
Bosnische Serben drohen wegen Kosovo mit Abspaltung
Fr.15.02.08 - Serbische Nationalisten in Bosnien haben vor der für Sonntag
erwarteten Unabhängigkeitserklärung des Kosovo ihrerseits mit
einer Abspaltung gedroht: "Wenn Kosovo seine Unabhängigkeit
erklärt, dann sollten wir auch für die Serbische Republik
Unabhängigkeit fordern", erklärte ein Verband mehrerer
Gruppen von bosnisch-serbischen Kriegsveteranen am Donnerstag. Das
Friedensabkommen von Dayton sieht für Bosnien und Herzegowina zwei
lose miteinander verbundene autonome Regionen vor, die Serbische
Republik und die muslimisch-kroatische Föderation. Während
die Muslime und Kroaten einen starken gemeinsamen Staat
befürworten, wollen die Serben die Eigenständigkeit ihrer
Region bewahren.
(Quelle: rtr)
Deutschland
Razzia bei Postchef Zumwinkel - Verdacht auf Steuerhinterziehung
Fr.15.02.08 - Post-Chef Klaus Zumwinkel steht im Verdacht, Steuern in
Millionenhöhe hinterzogen zu haben.
Der 64-jährige Topmanager soll am deutschen Fiskus vorbei Geld in
Stiftungen in Liechtenstein angelegt haben, wie die Staatsanwaltschaft
Bochum am Donnerstag mitteilte. Ermittler und Steuerfahnder
durchsuchten seine Privatvilla in Köln sowie die
Büroräume des Vorstandschefs im Bonner Post-Tower. Ein
Haftbefehl wurde auf Antrag der Staatsanwaltschaft gegen Auflagen
außer Vollzug gesetzt. Zumwinkel habe sich zu den Vorwürfen
geäußert und eine Sicherheitsleistung in nicht unerheblicher
Höhe angeboten.
Die Post teilte am frühen Abend mit, der gesamte Vorstand
inklusive Zumwinkel sei vollständig handlungsfähig und
führe die Geschäfte fort. Ferner hieß es in der knappen
Stellungnahme: "Dr. Klaus Zumwinkel hat ausführlich mit den
zuständigen Behörden über die gegen ihn erhobenen
Vorwürfe gesprochen und ist wieder zu Hause."
Die Ermittlungen der in Nordrhein-Westfalen für Steuerdelikte
zuständigen Staatsanwaltschaft Bochum richten sich gegen mehrere
Beschuldigte. Zu den anderen Betroffenen machten die Ermittler keine
Angaben. Nach Informationen des ZDF und "Spiegel online" wird der
Post-Chef verdächtigt, im großen Stil Geld aus einem
privaten Firmenverkauf auf einem Bankkonto in Liechtenstein deponiert
zu haben, das dann nicht versteuert wurde. Wie die "Süddeutsche
Zeitung" (Freitag-Ausgabe) berichtete, wandte sich bereits im vorigen
Jahr ein Informant mit Interna über Zumwinkels Steuersparmodell in
Liechtenstein an den Bundesnachrichtendienst (BND). Dieser habe dann
die Steuerfahndung eingeschaltet.
Die Ermittler und Steuerfahnder rückten am Morgen in
Köln-Marienburg und in der Bonner Post-Zentrale an. Neben den
Durchsuchungsbeschlüssen war vom Haftrichter vorsorglich bereits
ein Haftbefehl ausgestellt worden. Am Mittag wurde Zumwinkel zur
Staatsanwaltschaft nach Bochum gebracht, die er jedoch nach der
Entscheidung über die Aussetzung des Haftbefehls wieder auf freiem
Fuß verlassen konnte.
Zumwinkel ist einer der profiliertesten deutschen
Unternehmensführer mit einem exzellenten Netzwerk in Wirtschaft
und Politik. Seit 18 Jahren führt er die Post und ist damit
länger als jeder andere Chef eines deutschen Dax-Unternehmens. Die
Post bestätigte zunächst nur das Ermittlungsverfahren gegen
ihren Chef und die Durchsuchungen in der Zentrale. Zumwinkels Vertrag
läuft Ende dieses Jahres aus. Als designierter Nachfolger gilt
Vorstandsmitglied Frank Appel. Der 46-Jährige verantwortet die
Logistiksparte.
Konzernkreisen zufolge wollte Zumwinkel an die Spitze des
Post-Aufsichtsrates rücken. Für den Fall, dass die
Steuervorwürfe zutreffen, dürfte er allerdings keine Zukunft
mehr bei der Post haben, hieß es in Branchenkreisen. Auch in den
Aufsichtsräten anderer Unternehmen, in denen Zumwinkel sitzt,
seien dann seine Tage wohl gezählt.
Der mehrfach ausgezeichnete Manager war im Dezember wegen des Verkaufs
eigener Postaktien in die Kritik geraten. Kurz nach der Einigung
über den von ihm maßgeblich geforderten Mindestlohn in der
Postbranche nutzte er den folgerichtigen Kursanstieg der Post-Aktie und
erlöste aus 200.000 Aktienoptionen rund 2,24 Millionen Euro.
Nachträglich bedauerte er sein Handeln. Er sei sich der Tragweite
seines Handels nicht bewusst gewesen.
Der Fall Zumwinkel zeigt nach Ansicht der Deutschen Steuergewerkschaft,
"dass Steuerhinterziehung in Deutschland zum Volkssport geworden ist".
Jedes Jahr würden schätzungsweise rund 30 Milliarden Euro
Steuern hinterzogen, sagte Verbandschef Dieter Ondracek der "Leipziger
Volkszeitung" (Freitag-Ausgabe). Das Positive an den Ermittlungen gegen
Zumwinkel sei, dass auch der prominente Name nicht vor der
Steuerfahndung schütze.
Am Aktienmarkt gewann die Post-Aktie am Donnerstag deutlich hinzu und
war mit einem Plus von mehr als vier Prozent Tagessieger im Dax. Mit
einem nun wahrscheinlich früheren Wechsel auf dem Chefsessel sei
neuer Schwung bei der Post zu erwarten, sagten Händler.
(Quelle: rtr)
Grüne fordern Hubers Rücktritt - Lüge zu BayernLB
vorgeworfen - Finanzminister reagiert empört
Fr.15.02.08 - Im Zusammenhang mit der Milliardenbelastung der Bayerischen Landesbank
haben die Grünen den Rücktritt von Finanzminister Erwin Huber
gefordert. Er habe den Landtag angelogen, sagte der
Grünen-Abgeordnete Eike Hallitzky am Donnerstag im Parlament. Huber
wies den Vorwurf als ungeheuerlich und unredlich zurück.
Überraschend hatte die BayernLB am Mittwoch bekanntgegeben, dass
sie wegen der US-Subprimekrise Zahlungsausfälle von 150 Millionen
Euro habe und weitere Abschreibungen und Rückstellungen über
1,75 Milliarden vornehmen müsse. Deshalb sinke der Betriebsgewinn
auf eine Milliarde Euro. Noch am Dienstag hatten die Landesbank und
Huber von Ausfällen über 100 Millionen Euro gesprochen.
Der bayerische SPD-Fraktionschef Franz Maget sagte, CSU-Chef Huber habe
entweder gelogen, oder er sei ahnungslos und damit ungeeignet als
Finanzminister. Huber und Ministerpräsident Günther Beckstein
hätten als Verwaltungsratsmitglieder der Landesbank
«katastrophale Versäumnisse» zu verantworten:
«Ich werfe ihnen vor, dass sie nicht aufgepasst haben»,
sagte Maget und bezweifelte die Aussage der Bank, dass sie kein frisches
Kapital brauche.
Huber sagte: «Ich habe nach bestem Wissen und Gewissen die
verfügbaren Zahlen mitgeteilt.» Dass der Bankvorstand, der
die Zahlen erst für den 28. April angekündigt hatte,
plötzlich doch Zahlen vorlegen könne, habe er am Dienstag noch
nicht gewusst. Der Gewinnrückgang sei schmerzlich, aber die
BayernLB sei bei weitem nicht so betroffen wie andere Banken. Im
übrigen führe der Vorstand die Geschäfte, und der
Verwaltungsrat sei nicht klüger als die internationale Bankenwelt,
die 400 Milliarden Euro verloren habe, verteidigte sich Huber.
(Quelle: ap)
Commerzbank fährt trotz Finanzkrise Rekordgewinn ein -
Nachhaltiges Interesse an Postbank
Fr.15.02.08 - Die Commerzbank hat im vergangenen Jahr trotz einer Milliardenbelastung
wegen der Finanzkrise einen Rekordgewinn eingefahren.
Bankchef Klaus-Peter Müller machte allerdings deutlich, dass 2008
alles andere als einfach für Banken werde und es zu weiteren
Abschreibungen kommen könnte. Bei seiner letzten
Jahrespressekonferenz als Commerzbank-Chef zeigte er sich am Donnerstag
dennoch betont selbstbewusst und steckte seinem Nachfolger Martin
Blessing ein äußerst ehrgeiziges Ziel: "Es bleibt unsere
Herausforderung, die Commerzbank zur echten Nummer eins auf dem
deutschen Bankenmarkt zu machen", sagte er. Allerdings enttäuschte
das Institut Aktionäre mit einem stark gesunkenen Ergebnis im
Schlussquartal, das von Zusatzkosten für die Tochter Essen Hyp
belastet wurde.
2007 steigerte Deutschlands zweitgrößte Bank den
Überschuss um knapp 20 Prozent auf 1,92 Milliarden Euro. Das
entsprach einer Eigenkapitalrendite nach Steuern von 15,4 (2006: 14,2)
Prozent. Diese Rendite müsse die Bank nachhaltig erreichen, um in
der ersten Liga in der internationalen Finanzbranche mitspielen zu
können. Allerdings ist das Geldhaus damit aber immer noch deutlich
vom deutschen Branchenprimus Deutsche Bank entfernt, der 2007 auf eine
vergleichbare Rendite von 18 Prozent kam.
In diesem Jahr soll der Gewinn bei der Commerzbank weiter steigen:
"Wenn die Märkte es zulassen, können wir das Ergebnis
übertreffen", sagte Müller. Er gibt den Chefposten im Mai an
Blessing ab, der derzeit als Vorstand das Mittelstandsgeschäft
verantwortet. Allerdings werde 2008 ein volatiles und kein einfaches
Jahr für Banken und Börsen. "Die letzten Schockwellen aus der
Finanzkrise dürften in diesem Jahr aber ausgestanden sein."
Auf Blessing dürften neben den operativen Risiken auch zahlreiche
strategische Herausforderungen zukommen. Müller betonte den Willen
zu Zukäufen. "Es gibt Adressen in Europa, die wir auf dem
Radarschirm haben", sagte er. Auch an der Postbank meldete Müller
- wie sein Branchenkollege Josef Ackermann vergangene Woche -
ungewöhnlich deutlich Interesse an. "Die Commerzbank ist an einem
Erwerb der Postbank nachhaltig interessiert", sagte er mehrmals.
Auf ihr Engagement im US-Markt für bonitätsschwache
Hypothekendarlehen (Subprime) musste die Commerzbank im vergangenen
Jahr 583 Millionen Euro abschreiben, die sich direkt im Ergebnis
niederschlugen. Zudem wurden Wertkorrekturen auf Subprime-Anlagen von
rund 290 Millionen Euro und weitere 100 Millionen Euro auf andere
forderungsbesicherte Wertpapiere über die
Neubewertungsrücklage mit dem Eigenkapital verrechnet. Ein
Großteil dieser Wertberichtigungen sei allerdings temporär,
betonte Müller. Er schloss nicht aus, dass noch mehr
Abschreibungen nötig seien, wenn sich die Märkte nicht
erholen. Dies sei aber überschaubar für das Institut, da der
Großteil des Engagements in Subprime-Papiere von insgesamt 1,2
Milliarden Euro bereits abgeschrieben sei.
Analysten zeigten sich vor allem von dem um 44 Prozent gesunkenen
Schlussquartalsgewinn von 201 Millionen Euro enttäuscht. Der
Aktienkurs sackte um 3,7 Prozent auf 20,43 Euro ab.
Neben der Finanzkrise belasteten Kosten für den Umbau des
Staatsfinanzierungsgeschäfts sowie ein Verlust der Tochter Essen
Hyp, die mit der weiteren Commerzbank-Tochter Eurohypo verschmolzen
werden soll. Der Geschäftsbereich Staatsfinanzierung wies deshalb
2007 einen Verlust aus. Bis 2010 soll aber wieder ein Gewinn von bis zu
300 Millionen Euro in den Büchern stehen.
(Quelle: rtr)
Wirtschaftliche Zukunft der Pflegeheime ungewiss
Fr.15.02.08 - Die wirtschaftliche Zukunft von vielen Pflegeheimen bleibt nach Ansicht
von Experten ungewiss. Zwar habe sich die Lage zwischen 2003 und 2005
verbessert, doch sei von knapp 9.500 Einrichtungen jedes siebte Heim von
einer Insolvenz bedroht, sagte der Mitautor des "RWI-Pflegeheim Rating
Reports 2007", Sebastian Krolop, am Dienstag in Hannover. Trotz der
geplanten Erhöhung des Beitrages zur gesetzlichen
Pflegeversicherung werde sich nach 2018 eine gewaltige
Finanzierungslücke auftun, warnte er zum Auftakt der Messe
"Altenpflege plus ProPflege" vor Journalisten.
Bis 2020 werde der Bedarf an Heimplätzen um 160.000 wachsen, so
der Fachmann. Weil Pflegebedürftige künftig immer seltener von
Angehörigen betreut werden, empfehlen die Autoren der Studie die
Einführung einer zusätzlichen privaten Vorsorge nach dem
Modell der "Riester-Rente" auch für die Pflege. Zugleich
plädierten sie für eine Freigabe der Preise für die
Pflegeangebote, sagte Krolop. Es genüge, wenn der Gesetzgeber
Mindestnormen für die Qualität vorgebe und vor
übermäßigen Preiserhöhungen nach Abschluss des
Pflegevertrages schütze.
Bei der Altenpflegemesse in Hannover stellen noch bis Donnerstag 741
Aussteller aus 17 Ländern aus. Sie gilt nach Veranstalterangaben
als Leitmesse der Branche.
(Quelle: epd)
Rund 20.000 Beschäftigte des öffentlichen Dienstes im
Warnstreik
Fr.15.02.08 - Gut 20.000 Beschäftigte des öffentlichen Dienstes haben zum
Auftakt der bundesweiten Warnstreiks am Donnerstag die Arbeit
niedergelegt. Allein in Nordrhein-Westfalen beteiligten sich nach
Angaben der Gewerkschaft ver.di mehr als 5.000 Beschäftigte von
Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen am Arbeitskampf. In Bayern
gingen rund 4.500 Mitarbeiter kommunaler Gesundheitseinrichtungen in
den Ausstand. Die Arbeitgeber äußerten dennoch Hoffnung auf
einen Kompromiss in den Tarifverhandlungen. Krankenhäuser warnten
indes vor Personalabbau.
Die nordrhein-westfälische ver.di-Landesleiterin Gabriele Schmidt
sagte: «Man kann eben nicht massenweise Stellen vernichten, den
Verbliebenen die zusätzliche Arbeit aufbürden und ihnen dann
auch noch die Arbeitszeit verlängern wollen.» Gerade in
Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen habe die Arbeitsverdichtung
ein unerträgliches und gefährliches Maß angenommen.
Wegen des Ausstands mussten laut ver.di in vielen Kliniken Operations-
und Untersuchungstermine verschoben werden. Auch bei der
Essensversorgung sei es zu Verzögerungen gekommen.
In Hessen gingen nach Angaben der Gewerkschaft bis zu 4.000
Beschäftigte kommunaler Gesundheitseinrichtungen in den Ausstand.
Im Saarland legten rund 2.000 Mitarbeiter kommunaler Kliniken,
Kindertagesstätten, Verwaltungen, Entsorgungs- und
Verkehrsbetriebe die Arbeit nieder. Auch in Nordrhein-Westfalen
beteiligten sich tausende Beschäftigte an dem Warnstreik. In
Niedersachsen und Bremen traten insgesamt 3.000 Mitarbeiter kommunaler
Krankenhäuser in den Ausstand, in Baden-Württemberg waren es
1.500. In Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein beteiligten
sich hunderte Krankenhausbeschäftigte an der Aktion.
Die Gewerkschaft fordert für 1,3 Millionen Beschäftigte,
darunter rund 160.000 beim Bund und 1,15 Millionen bei den Kommunen,
acht Prozent mehr Geld. Die kommunalen Arbeitgeber wollen nach eigenen
Angaben einen Aufschlag von fünf Prozent bei Aufstockung der
Arbeitszeit im Westen auf 40 Wochenstunden gewähren. Die
Gewerkschaften lehnen dies ab: «Die ominösen fünf
Prozent sind nämlich 2,5 Prozent in diesem und 0,4 im
nächsten Jahr plus Arbeitszeitverlängerung. Das ist eine
Minusrunde», sagte der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der
Polizei, Konrad Freiberg, im RBB. Die Vorschläge könne man
nur als unverschämt bezeichnen.
Der Chef der kommunalen Arbeitsgeberverbände, Thomas Böhle,
äußerte dennoch die Hoffnung auf einen Kompromiss. Er setze
darauf, dass die Gewerkschaften ihre Forderungen modifizierten.
«Wir werden bei unserem Angebot natürlich auch
gesprächsbereit sein», sagte Böhle im ZDF.
Krankenhausbetreiber warnten angesichts der ver.di-Forderungen vor
Personalabbau und sinkender Versorgungsqualität. Die Politik
friere die Vergütungen nahezu ein, beklagte die Deutsche
Krankenhausgesellschaft (DKG). Deswegen seien die Kliniken nicht in der
Lage, den geforderten Einkommenssteigerungen auch nur annäherend
nachzukommen. «Streiks sind kein adäquates Mittel zur
Lösung der massiven Finanzprobleme in den
Krankenhäusern», erklärte
DKG-Hauptgeschäftsführer Georg Braun.
Die baden-württembergische ver.di-Landesbezirksvorsitzende Leni
Breymaier zeigte sich unterdessen unversöhnlich: Die Lohnquote
sinke seit 20 Jahren, während die Reichen verschont würden,
kritisierte die Gewerkschafterin im SWR. Die Folge sei unter anderem,
dass 50.000 Pflegekraftstellen in Krankenhäusern gestrichen worden
und die Gebühren für Kindertagesstätten exorbitant
gestiegen seien.
(Quelle: ap)
Linke fordert bessere Beratung von Arbeitslosen
Fr.15.02.08 - Die Linke sieht erhebliche Mängel bei der Betreuung von
Arbeitslosen. Vor allem fehle es in den Jobcentern an einschlägig
qualifiziertem Personal, kritisierte die sozialpolitische Sprecherin
der Linksfraktion, Katja Kipping, im Bundestag. Deshalb müssten
die Fallzahlen gesenkt und die Fallmanager weitergebildet werden - etwa
um auf die speziellen Bedürfnisse von Behinderten vorbereitet zu
sein. Auch die getrennte Beratung von Langzeitarbeitslosen und
Empfängern von ALG I müsse aufgehoben werden.
(Quelle: dpa)
Wissenschaft
Junge Türken sind laut Studie immer besser integriert
Fr.15.02.08 - Junge Türken integrieren sich einer Studie zufolge immer besser in
die Gesellschaft. Eine am Dienstag veröffentlichte Langzeitstudie
der Universität Würzburg ergab, dass 62 Prozent der
türkischen Jugendlichen mit ihren Eltern nicht nur türkisch,
sondern auch deutsch sprechen. 2005 habe der Anteil noch knapp 56
Prozent betragen. Der Anteil der Befragten, denen es wichtig ist, sich
in ihrer Herkunftssprache und auf Deutsch gut verständigen zu
können, sei deutlich gestiegen.
Es habe ihn sehr überrascht, dass im vergleichsweise kurzen
Zeitraum von zwei Jahren deutliche Veränderungen in Richtung
Integration stattgefunden haben, sagte der Projektleiter Professor Heinz
Reinders. So sei der Anteil junger Türken, deren Freundeskreis aus
türkischen und deutschen Jugendlichen besteht, von 57,2 Prozent im
Jahr 2005 auf 62,9 Prozent im Jahr 2007 gestiegen. Die Wissenschaftler
hatten zwischen 2005 und 2007 insgesamt 1.099 junge Türken
befragt.
(Quelle: epd)
Streit über Zukunft der Stammzellforschung
Fr.15.02.08 - Im Streit über die Zukunft der Forschung an embryonalen
Stammzellen geht eine tiefe Kluft durch alle Fraktionen des Bundestags.
Dies wurde am Donnerstag in einer Grundsatzdebatte über das
Stammzellgesetz deutlich. Das Parlament soll Mitte März
entscheiden, ob mehr embryonale Stammzellen für Wissenschaftler
nach Deutschland importiert werden sollen - mit der Hoffnung,
Möglichkeiten zur Heilung schwerer Krankheiten wie Multiple
Sklerose oder Parkinson zu finden.
Der SPD-Politiker René Röspel warb für eine
entsprechende Gesetzesänderung. Dafür soll der darin
enthaltene Stichtag «einmalig» verschoben werden:
Dürfen bislang nur Stammzelllinien aus der Zeit vor dem 1. Januar
2002 nach Deutschland eingeführt werden, so soll künftig der
1. Mai 2007 gelten. Damit hätten deutsche Forscher Zugriff auf
deutlich mehr Forschungsmaterial.
«Das würde für viele Jahre reichen», sagte
Röspel. Die einmalige Verschiebung des Stichtags würde den
Kompromiss des Stammzellgesetzes von 2002 aufrecht erhalten. Dort sei
zwischen dem Schutz des Lebens und der Forschungsfreiheit abgewogen
worden. Der Antrag auf einmalige Verschiebung des Stichtags hat bislang
im Bundestag die meisten Unterstützer aus allen Fraktionen. Die
Abgeordneten dürfen sich dabei völlig frei entscheiden.
Für die zweitgrößte Gruppe von Parlamentariern warb die
Grünen-Forschungspolitikerin Priska Hinz für eine Beibehaltung
des Stichtags. Grundlagenforschung bleibe in Deutschland auch mit den
noch vorhandenen alten Stammzelllinien aus der Zeit vor 2002
möglich. Eine einmalige Verschiebung des Stichtags hingegen
würde zu einer «Rutschbahn» hin zu weiterer
Öffnung.
Dabei hätten die Ergebnisse der Forschung an embryonalen
Stammzellen die Hoffnungen bislang nicht erfüllt. «Der
Wunsch, dass man mit der embryonalen Stammzellforschung schwere
Krankheiten heilen kann, bleibt ein Wunsch.» Diese Position
vertrat auch die CDU-Abgeordnete Julia Klöckner.
Die FDP-Abgeordnete Ulrike Flach, die zusammen mit 100 Abgeordneten
für eine Aufhebung des Stichtags plädiert, stimmte dem zu.
Noch gebe es nicht die erhofften Therapiemöglichkeiten. Doch
müssten auch deutsche Forscher die Chance erhalten, weiter danach
zu suchen. «Wir bekennen uns eindeutig zur Ethik des
Heilens», sagte sie. «Geben Sie diesem Land die Chance etwas
zu tun auf diesem Forschungsgebiet.» Die CDU-Politikerin
Katherina Reiche pflichtete bei und betonte, würden die
Importauflagen nicht gelockert, liefe dies auf ein Forschungsverbot in
Deutschland hinaus. Denn Wissenschaftler beklagen, dass die alten
Zelllinien aus der Zeit vor 2002 unbrauchbar seien.
Ihr CDU-Kollege Hubert Hüppe forderte hingegen einen völligen
Importstopp für embryonale Stammzellen. Er argumentierte, dass auch
die Embryonen, die für die Gewinnung der Zelllinien getötet
werden, eine Menschenwürde hätten. In dem Stadium, wo sie
zerstört würden, sei zum Beispiel bereits das Geschlecht der
Embryonen festlegt. «Man kann nicht sagen, es ist irgendeine
Zellmasse, Müll, der übrig bleibt, deshalb habe ich ein
Problem damit, dass dieses menschliche Leben getötet wird»,
sagte Hüppe. Der FDP-Abgeordnete Konrad Schily argumentierte ganz
ähnlich.
(Quelle: ap)
Weg zur sicheren Stammzellen-Herstellung aus Haut gefunden
Fr.15.02.08 - Japanische Forscher haben einen Weg zur sicheren Herstellung von
Stammzellen aus menschlicher Haut gefunden. Wie die Online-Ausgabe der
Zeitschrift "Science" berichtet, konnten Wissenschaftler der
Universität Kyoto Stammzellen gewinnen, ohne dabei Krebs oder
genetische Veränderungen zu verursachen. Dem gleichen Forscherteam
war es vor einigen Monaten gelungen, Hautzellen so verändern, dass
sie sich wie Stammzellen zu verschiedenen Zellarten des menschlichen
Organismus entwickeln können. Die damals verwendete Methode war
für den therapeutischen Gebrauch bei Menschen wegen des
Krebsrisikos allerdings noch ungeeignet.
Mit weiterführenden Experimenten an Zellen aus Leber und
Magenschleimhaut von Mäusen lösten die Forscher dieses
Problem. Auch wenn die Ergebnisse vielversprechend seien, bleibe den
Forschern noch viel Arbeit, schrieb der Leiter der Studie, Shinya
Yamanaka. Es brauche noch Jahre von Grundlagenforschung, bevor
Patienten mit Stammzellen behandelt werden könnten, erklärte
er.
Wissenschaftler hoffen, dass sie Labor-gezüchtete Stammzellen
eines Tages so programmieren können, dass sie jede erwachsene
Zelle ersetzen und so organisches Gewebe erneuern können, das von
Krankheiten zerstört wurde.
Die Stammzellenforschung birgt große Hoffnungen in der Medizin -
etwa bei der Behandlung bisher unheilbarer Krankheiten wie Alzheimer
oder Parkinson. Bislang werden in der Wissenschaft Stammzellen aus
Embryonen verwendet, was ethisch hoch umstritten ist. Mit der Methode
der Japaner können Stammzellen ohne den Rückgriff auf
Embryonen gewonnen werden.
(Quelle: afp)
Energie aus Gras und Gülle - Jühnde ist Deutschlands erstes
Bioenergiedorf - Wissenschaftler werben für weitere Projekte
Fr.15.02.08 - Von weitem erinnern die weiße Kuppel und der Schornstein auf dem
Hügel bei Jühnde an ein Atomkraftwerk. Doch mit Kernenergie
will der kleine Ort im Kreis Göttingen nichts zu tun haben. Im
Gegenteil: Jühnde ist Deutschlands erstes Bioenergiedorf. Vor mehr
als zwei Jahren stellte die Gemeinde ihre Energieversorgung komplett auf
Biomasse um, und produziert dabei sogar doppelt so viel Strom, wie die
knapp 800 Einwohner verbrauchen.
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«Wir machen Strom und Wärme aus dem, was Felder, Wiesen und
Wälder hergeben», sagt Eckhard Fangmeier von der kommunalen
Betreibergesellschaft. Auf den Äckern rund um Jühnde bauen die
Landwirte des Dorfes Energiepflanzen an: Sonnen- und Kornblumen, Raps
und Mais. Auch Kuhfladen, Gülle, Schweinemist und Speisereste
seien als «Futter» für die Biogasanlage geeignet,
erläutert Fangmeier.
Den zähen Brei zersetzen Millionen Bakterien zu dem Gas Methan,
das in einem Blockheizkraftwerk verbrannt wird. Der dabei erzeugte
Strom, jährlich rund vier Millionen Kilowattstunden, fließt
in das Netz des regionalen Energieversorgers. Für die eingespeiste
Energie erhalten die Jühnder eine Vergütung, im vergangenen
Jahr rund 700 000 Euro. Damit werden die Kredite für die Anlagen
getilgt.
Zugleich leitet das Blockheizkraftwerk freiwerdende Wärme
über ein unterirdisches Leitungssystem direkt in die
angeschlossenen Häuser - immerhin rund drei Viertel der
Jühnder Haushalte. Ein weiteres Kleinkraftwerk sorgt mit der
Verbrennung von Restholz aus den umliegenden Wäldern dafür,
dass die Einwohner auch bei strengem Frost nicht frieren müssen.
Technisch habe die Wärmeversorgung bislang gut geklappt, berichtet
Fangmeier. Das Wasser erreicht die Gebäude mit einer Temperatur von
rund 80 Grad Celsius. Auch die Öko-Bilanz kann sich sehen lassen:
In Jühnde werden nach Berechnungen der Betreibergesellschaft in
jedem Jahr rund 300 000 Liter Heizöl durch umweltfreundliche
Wärme ersetzt. Gleichzeitig werde das Klima um etwa 3000 Tonnen
Kohlendioxid entlastet.
Die Göttinger Forscher, die das Projekt wissenschaftlich
begleiten, sind davon überzeugt, dass es einen wichtigen Beitrag
zum Umweltschutz leisten kann. Die bisher zur Energieerzeugung genutzten
Rohstoffe wie Öl, Gas oder Uran würden immer knapper, sagt
der Sprecher der Wissenschaftlergruppe, Volker Ruwisch. Holz und
Biomasse seien dagegen «neutrale Ressourcen».
Die Bioenergie hat in Jühnde auch den Tourismus angekurbelt.
Tausende Interessierte besuchten allein im vergangenen Jahr das Dorf.
Die Gruppen und Einzelpersonen kamen aus ganz Deutschland und sogar dem
Ausland, berichtet ein neu gegründeter Förderverein. Um den
Ansturm zu bewältigen, hat der Verein 14 Gästeführer
ausbilden lassen, die den Besuchern das Dorf und die Anlagen zeigen.
Inzwischen gibt es auch erste Nachahmer. Nach dem Vorbild von
Jühnde sollen im Landkreis Göttingen weitere
Bioenergie-Dörfer entstehen. Die Kreisverwaltung gab kürzlich
für sieben weitere Orte Machbarkeitsstudien in Auftrag. Auch in
anderen Regionen Deutschlands entstanden derartige Initiativen.
Am Freitag und Samstag wollen die Göttinger Wissenschaftler die
Ergebnisse ihrer Begleitforschung bei einer Tagung vorstellen. Themen
der Konferenz, zu der auch Vertreter aus Politik und Kommunen kommen,
sind Energiepflanzenanbau, Umweltverträglichkeit, ökonomische
Faktoren und soziale Aspekte. Nach Angaben von Projektleiter Hans
Ruppert profitieren die Jühnder nämlich auch von einer guten
Dorfgemeinschaft und neuen Einkommensperspektiven für Landwirte.
(Quelle: ddp)
Mehr zum Thema unter:
http://bioenergiedorf.de
Die Weltmeere sind vom Menschen massiv geschädigt
Fr.15.02.08 - Der Zustand der Weltmeere und der mit ihnen verbundenen Ökosysteme
ist nach Erkenntnissen von US-Wissenschaftlern besorgniserregend -
schuld ist demnach der Mensch. Rund 41 Prozent der Ozeane seien in
irgendeiner Form durch menschliches Eingreifen stark geschädigt,
nur 3,7 Prozent der Gewässer noch unberührt, heißt es
in der ersten Studie zum Einfluss des Menschen auf die
Meeres-Ökosysteme weltweit. Die Forschungsergebnisse zeigten, dass
die Folgen menschlicher Aktivitäten "viel verhängnisvoller"
seien als angenommen, sagte Ben Halpern von der Universität von
Kalifornien. "Das war eine Überraschung."
Am stärksten betroffen sind der Studie zufolge unter anderem die
Nordsee, der Süden und der Osten des Chinesischen Meeres, die
nordamerikanische Ostküste, das Mittelmeer und der Persische Golf.
Am besten erhalten dagegen seien die Ökosysteme am Nord- und
Südpol - auch, weil die dicken Eisschichten dort das ganze Jahr
über oder wenigstens einige Monate lang Menschen fernhielten.
"Leider verschwinden mit der Erderwärmung aber die Eiskappen an
den Polen, und menschliche Aktivitäten weiten sich auch in diese
Gebiete aus - deshalb droht auch diesen relativ unberührten
Ökosystemen die Zerstörung", warnte Co-Autorin Carrie Kappel
vom Nationalen Zentrum für Ökologische Analyse und Synthese
in den USA.
Den größten Schaden richtet demnach der Klimawandel an.
Zwischen 1995 und 2005 wurde ein deutlicher Anstieg der
Wassertemperatur im Nordatlantik festgestellt, der mit dem
Fortschreiten der Erderwärmung künftig auch in anderen
Gewässern in unterschiedlichem Ausmaß festzustellen sein
dürfte. Eine Wassererwärmung fördert das
Planktonwachstum, was wiederum Auswirkung auf andere Tier- und
Pflanzenarten unter Wasser hat. Zugleich werde das Meerwasser saurer,
weil die Ozeane durch den vom Menschen verursachten CO2-Anstieg immer
größere Mengen des Treibhausgases absorbieren müssten.
Direkten Einfluss auf die Meeres-Ökosysteme nimmt der Mensch mit
der Fischerei: In achtzig Prozent der Weltmeere werde gefischt; die
Fische könnten sich nirgends mehr zurückziehen. Auch der
Schiffsverkehr insgesamt bedrohe das Leben im Meer. Die Schiffsrouten
von besonders sensiblen Gebieten wie etwa Korallenriffen wegzuleiten,
könne die negativen Auswirkungen auf die Ökosysteme bereits
deutlich verringern.
Die Studie, an der sich verschiedene
Universitäts-Forschungszentren, Nichtregierungsorganisationen und
US-Behörden beteiligten, erscheint in der aktuellen Ausgabe des
Wissenschaftsmagazins "Science".
(Quelle: afp)