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Irak am 1424sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Sa.16.02.08 - Es liegen keine neuen Nachrichten zum Thema Irak vor
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 16.02.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am neunhundertzweiundsechszigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Fr.16.02.07 - Britische Truppen im Südirak riegeln Grenze zum Iran ab +++
Rätselraten um Aufenthaltsort von Al-Sadr +++ Caritas warnt vor
Flüchtlingskatastrophe nach Massenexodus aus Irak +++ US-Institut:
'Völlig unrealistische Annahmen' vor Irak-Krieg...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0702160.htm#news
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Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Nahost-Konflikt: Syrien und Iran wollen Anschlag auf
Hisbollah-Kommandeur Mughnijeh gemeinsam untersuchen - Hamas: Sind zu
Waffenstillstand mit Israel bereit - Mindestens acht Tote bei Explosion
im Gaza-Streifen
Sa.16.02.08 - Syrien und Iran wollen den tödlichen Anschlag auf den
Hisbollah-Kommandeur Imad Mughnijeh gemeinsam untersuchen. Das
berichtete die amtliche iranische Nachrichtenagentur am Freitag.
Teherans Außenminister Manutschehr Mottaki traf unterdessen in
Damaskus mit dem syrischen Vizepräsidenten Faruk al Scharaa
zusammen. Die Hisbollah und der Iran haben Israel für den Tod von
Mughnijeh verantwortlich gemacht. Hisbollah-Führer Hassan
Nasrallah drohte Israel Vergeltung an. Der frühere Sicherheitschef
der Organisation gehörte zu den weltweit meistgesuchten
Terroristen. Die US-Bundespolizei FBI hatte ein Kopfgeld in Höhe
von fünf Millionen Dollar (3,4 Millionen Euro) auf seine
Ergreifung ausgesetzt. Er wurde am Dienstagabend bei einem
Bombenanschlag in Damaskus getötet.
Die schiitische Hisbollah-Miliz hat bereits einen Nachfolger für
Mughnijeh ernannt. Das verlautete am Freitag aus libanesischen
Sicherheitskreisen. Die Führung der Hisbollah habe den Nachfolger
schon kurz nach der Nachricht vom Tod Mughnijehs berufen, sagte ein
Gewährsmann, der anonym bleiben wollte, der Nachrichtenagentur AP.
Den Namen des neuen Kommandeurs nannte er nicht.
Die den Gazastreifen kontrollierende Hamas-Bewegung hat
ägyptischen Vermittlern einen Waffenstillstand mit Israel
angeboten.
Als Voraussetzung habe man ein Ende der israelischen Blockade des
Küstenstreifens und der Militäreinsätze in den gesamten
Palästinenser-Gebieten verlangt, sagte Sami Abu Suhri, ein
führender Vertreter der radikal-islamischen Miliz am Freitag. Auch
ein Gefangenenaustausch sei vorgeschlagen worden. Im Gegenzug für
den seit bald zwei Jahren festgehaltenen israelischen Rekruten Gilad
Schalit fordere die Hamas die Freilassung von mehreren hundert
palästinensischen Häftlingen.
Die Miliz hat die Herrschaft im Gazastreifen im Sommer an sich gerissen
und die Fatah unter Führung von Präsident Mahmud Abbas
vertrieben. Während Abbas inzwischen mit Israel über einen
Nahost-Frieden verhandelt, lehnt die Hamas bislang jeden Kompromiss mit
dem jüdischen Staat ab und beschießt Südisrael
regelmäßig mit Raketen.
Bei einem israelischen Luftangriff im Gazastreifen sind mindestens
fünf Palästinenser getötet und mindestens 40 weitere
verletzt worden. Nach Angaben von Ärzten war unter den Toten
mindestens ein Aktivist der radikalen Palästinensergruppe
Islamischer Dschihad. Die israelische Luftwaffe habe eine Rakete auf
das Haus von Aiman el Fajed im Flüchtlingslager El Bureidsch nahe
der Stadt Gaza gefeuert. Ein israelischer Armeesprecher konnte
zunächst keine Angaben machen.
Die meisten der Verletzten seien Angehörige des Aktivisten, unter
ihnen seien zwei Kinder, hieß es von den Ärzten. El Fajeds
Haus sei völlig zerstört worden, auch Nachbarhäuser
seien beschädigt.
boa (Quellen: ap, rtr)
UN-Krisensitzung zur Blauhelmmission in Eritrea
Sa.16.02.08 - Der UN-Sicherheitsrat ist am Freitag zu einer Dringlichkeitssitzung zur
Situation der Blauhelmmission im Grenzgebiet zwischen Eritrea und
Äthiopien zusammengetreten. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon
wirft der eritreischen Regierung vor, die Arbeit der UN-Friedensmission
zu behindern. So hätten die eritreischen Behörden die Zahl
der UN-Fahrzeuge, die über die Grenze nach Äthiopien fahren
dürfen, auf maximal sechs beschränkt. Zudem seien die
Treibstoff- und Lebensmittelversorgung für die Blauhelmsoldaten
eingeschränkt worden.
Der stellvertretende russische UN-Botschafter Konstantin Dolgow sprach
von einem beispiellosen Vorgang. Der indonesische UN-Boschafter Marty
Natalegawa warf Eritrea mangelnde Zusammenarbeit vor und sprach von
einer «sehr beunruhigenden Situation».
Kern des Konflikts zwischen Eritrea und Äthiopien ist immer noch
die Zugehörigkeit der Stadt Badme. Eine UN-Grenzkommission befand
2002, dass Badme zu Eritrea gehören soll. Badme stand 1998 im
Mittelpunkt des Kriegs zwischen beiden Nachbarstaaten, der nach
eineinhalb Jahren mit einem Waffenstillstand beigelegt wurde. Eritrea
hatte ersst 1993 nach 30-jährigem Guerillakrieg die
Unabhängigkeit von Äthiopien erlangt.
(Quelle: ap)
Südafrika: Millionen Hektar Land an Schwarze - Enteignungen
möglich
Sa.16.02.08 - Die südafrikanische Regierung will ihre Landreform vorantreiben.
Bis Ende 2009 sollen fünf Millionen Hektar Land an 10.000 schwarze
Farmer übergehen, wie die südafrikanische
Landwirtschaftsministerin Lulu Xingwana am Donnerstag in Kapstadt
erklärte. Wenn der Staat dieses Land nicht von weißen Farmern
erwerben könne, seien auch Enteignungen möglich. Ein
entsprechendes Gesetz werde vorbereitet.
Die Regierung plant, bis zum Jahr 2014 rund 30 Prozent der
südafrikanischen Agrarfläche an Schwarze zu übergeben.
Bisher ist erst 4,7 Prozent des Landes von weiße in schwarze
Hände gewechselt. Zudem erwägt die Regierung nach Angaben
Xingwanas eine Abänderung des Prinzips, wonach der Staat Farmen zum
Marktpreis übernehmen muss.
In den kommenden Monaten soll es auch einen Entscheid zum Landbesitz
von Ausländern geben. Vor allem in den Küstengebieten und im
Westkap sei es für viele Einheimische wegen der hohen Preise
schwierig, Land zu erwerben, so die Ministerin.
Die Landfrage ist in Südafrika ein heikles Thema. Infolge der
Kolonialisierung und der Zeit der Apartheid befinden sich etwa 85
Prozent des Farmlandes in weißem Besitz. In den vergangenen Jahren
konzentrierte sich die Regierung in der Landfrage auf den sogenannten
Restitutionsprozess. Dieser sieht vor, dass Nichtweiße, die aus
rassischen Gründen zwischen 1913 und 1994 von ihrem Land
vertrieben wurden, dieses zurückfordern oder sich dafür
entschädigen lassen können. Dieses Klagerecht nutzten etwa
80.000 Familien und Gemeinschaften.
(Quelle: epd)
Pakistanische Opposition droht mit Massenprotesten
Sa.16.02.08 - Wenige Tage vor der Parlamentswahl in Pakistan hat die Opposition mit
Massenprotesten gedroht, sollte es bei der Abstimmung zu
Unregelmäßigkeiten kommen. «Wir wissen, dass
(Präsident Pervez) Musharraf die Wahlen manipulieren will»,
sagte ein Sprecher der Partei des früheren Ministerpräsidenten
Nawaz Sharif am Freitag. Bei Wahlbetrug werde Musharraf mit
Demonstrationen aus dem Amt getrieben, kündigte Sadiq ul-Farooq an.
Die Partei der ermordeten Oppositionsführerin Benazir Bhutto
erklärte, sie werde die Wahl am Montag gewinnen, «wenn sie
nicht in großem Stil manipuliert wird». Sobald Musharraf
nicht mehr im Amt sei, werde Pakistan sich wieder «wirklicher
Demokratie» annähern, sagte Parteisprecher Babar Awan.
Umfragen zufolge liegt Bhuttos Pakistanische Volkspartei (PPP) vor dem
Lager Musharrafs. Bereits in den vergangenen Tagen wurden die
Sicherheitsvorkehrungen in Pakistan entschieden verschärft,
tausende Soldaten wurden über das ganze Land verteilt.
(Quelle: ap)
IWF-Chef erwartet Wachstum in China von zehn Prozent
Sa.16.02.08 - Der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) erwartet trotz
einer weltweiten Konjunkturabkühlung in diesem Jahr ein Wachstum in
China von zehn Prozent.
Die gegenwärtige Finanzkrise, die auf dem US-Wohnimmobilienmarkt
begonnen habe, breite sich aus und beeinträchtige die Wirtschaft in
den USA und anderswo, sagte Dominique Strauss-Kahn am Freitag in
Peking. Auswirkungen dürften auch in China zu spüren sein.
Über das Thema habe er mit dem chinesischen
Ministerpräsidenten Wen Jiabao und Zentralbankchef Zhou Xiaochuan
gesprochen.
In den vergangenen fünf Jahren war die chinesische Wirtschaft
jeweils um einen zweistelligen Prozentsatz gewachsen. 2007 lag der
Zuwachs bei 11,4 Prozent.
(Quelle: rtr)
Human Rights Watch kritisiert mexikanische Menschenrechtsbehörde
Sa.16.02.08 - Die US-Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hat schwere
Vorwürfe gegen den mexikanischen Ombudsmann für
Menschenrechte, José Luis Soberanes, erhoben. Seine Behörde
schütze Regierungsfunktionäre statt der Opfer, heißt es
in einem 136-seitigen Bericht, der am Mittwoch in Mexiko-Stadt
veröffentlicht wurde. Angesichts eines Jahresbudgets von 79
Millionen Dollar und rund 1.000 Angestellten sei die Wirkung der von ihm
geführten Menschenrechtsbehörde "sehr beschränkt" und
"enttäuschend".
Die mexikanische Ombudsstelle ist Lateinamerikas größte
staatliche Institution zur Verteidigung der Menschenrechte. Insbesondere
kritisiert Human Rights Watch die Gleichgültigkeit der
Behörde gegenüber der Armee des Landes. Ihr werden
regelmäßig Vergewaltigungen, Folter, Verschwindenlassen von
Menschen und willkürliche Festnahmen vorgeworfen.
(Quelle: epd)
US-Senat wirbt für NATO-Mitgliedschaft der Ukraine und Georgiens
Sa.16.02.08 - Der US-Senat hat mit einer einstimmig verabschiedeten Resolution
für die NATO-Mitgliedschaft der Ukraine und Georgiens geworben.
Die NATO solle beide Staaten an eine künftige Mitgliedschaft
heranführen, forderten die Senatoren in ihrer nichtbindenden
Entschließung vom Donnerstag.
Für einen Beitritt zur NATO brauchen die beiden Staaten das
einstimmige Plazet der 26 Mitglieder des Verteidigungsbündnisses.
Erste Schritte zu einer Mitgliedschaft sollen bei einem
NATO-Gipfeltreffen in Rumänien im April besprochen werden.
Russland ist vehement gegen die NATO-Mitgliedschaft der beiden Staaten
aus dem Machtbereich der ehemaligen Sowjetunion und hatte zuletzt
wiederholt Drohungen ausgesprochen.
(Quelle: ap)
Russland: Präsidentschaftskandidat Medwedew stellt umfassende
Reformen in Aussicht
Sa.16.02.08 - Knapp zwei Wochen vor der Präsidentenwahl in Russland hat der
wahrscheinliche Gewinner Dmitri Medwedew seinen Landsleuten umfassende
Reformen in Aussicht gestellt.
Freiheit, Schutz des Privateigentums und eine unabhängige Justiz
würden die Eckpunkte seines Regierungsprogramms, kündigte der
42-Jährige am Freitag auf einem Wirtschaftsforum im sibirischen
Krasnojarsk an. Außerdem versprach der vom scheidenden
Präsidenten Wladimir Putin als Kandidat ausgewählte Medwedew
zur Stimulierung des Wirtschaftswachstums eine Steuerreform.
Eine der Kernaufgaben in den nächsten vier Jahren werde es sein,
die Rechtsprechung von Parlament und Regierung unabhängig zu
machen, sagte Medwedew, der laut Umfragen haushoher Favorit bei der
Präsidentenwahl am 2. März ist. Es müsse Schluss gemacht
werden mit der Korruption. "Wir müssen die Praxis gesetzwidriger
Entscheidungen 'auf Anforderung' oder für Geld ausmerzen." Erneut
versprach Medwedew seinen Landsleuten größere Freiheiten.
"Wir reden über Freiheit in allen Formen - persönliche
Freiheit, wirtschaftliche Freiheit und am Ende die Meinungsfreiheit",
sagte Medwedew. Der Schutz des Privateigentums müsse eine der
Grundlagen des Regierungshandelns sein.
Medwedew, der zurzeit Erster Stellvertretender Ministerpräsident
ist, forderte ein international konkurrenzfähiges Steuersystem mit
niedrigen Sätzen. Steuersenkungen seien auch erforderlich, damit
die russische Wirtschaft, deren Leistung 2007 um 8,1 Prozent zugelegt
hatte, weiter wachsen könne. So müssten die Mehrwertsteuer
und die Steuer auf Öl-Exporte sinken, damit die Unternehmen in
moderne Technik investieren könnten.
Zugleich setzte sich Medwedew für eine enge Zusammenarbeit mit den
USA ein, wobei er im Gegensatz zu Putin am Vortag vor allem das
Gemeinsame hervorhob. "Es ist notwendig, dass die Vereinigten Staaten
und die Russische Föderation kooperieren. Das ist unvermeidlich",
sagte Medwedew später vor Journalisten.
(Quelle: rtr)
Vaclav Klaus erneut zum Präsidenten Tschechiens gewählt
Sa.16.02.08 - Der tschechische Präsident Vaclav Klaus ist am Freitag mit knapper
Mehrheit für eine zweite fünfjährige Amtszeit
wiedergewählt worden. Im dritten und letzten Wahlgang stimmten
beide Kammern des Parlaments in Prag mit 141 Stimmen für den
Amtsinhaber. Für die Wiederwahl brauchte der konservative
Politiker die Zustimmung von 140 Abgeordneten und Senatoren. Sein
Herausforderer Jan Svejnar bekam nur 111 Stimmen.
Eine dritte Kandidatin, die von der Kommunistischen Partei
vorgeschlagene Politikerin Jana Bobosikova, zog ihre Kandidatur wegen
mangelnder Unterstützung vor der entscheidenden Abstimmung am
Freitag zurück. Klaus hatte vergangenen Samstag im Zweikampf mit
Svejnar zuletzt nur noch eine Stimme zur einfachen Mehrheit gefehlt, es
waren nur 139. Daraufhin wurde eine Wiederholung der Wahl angesetzt.
«Ich werde der Präsident aller Tschechen sein», sagte
Klaus nach seiner Wiederwahl. Der unterlegene Kandidat Svejnar dankte
allen Abgeordneten, die ihm ihre Stimme gegeben haben. «Auch wenn
ich nicht gewählt worden bin, so war Ihre Unterstützung nicht
umsonst», sagte er.
Der 66-jährige Klaus ist wie sein unterlegener Herausforderer
Svejnar Wirtschaftswissenschaftler. Die beiden Politiker unterscheiden
sich aber deutlich in ihrer Haltung zur EU. Der Konservative Klaus
kritisiert die EU in ihrer jetzigen Form als zentralistischen Apparat.
Er war nach dem Sturz des sozialistischen Regimes Finanzminister, dann
ab 1993 Ministerpräsident, später Parlamentspräsident
und seit 2003 ist er Staatspräsident.
Der 55 Jahre alte Svejnar ist Wirtschaftsprofessor an der
Universität von Michigan in den USA. Der politische Neuling wurde
von Sozialdemokraten und Grünen unterstützt und trat für
eine rasche Einführung des Euros ein. Klaus erhielt seine Stimmen
weitgehend von der regierenden Demokratischen Bürgerpartei (OSD)
und deren christdemokratischem Koalitionspartner.
Das Präsidentenamt in Tschechien ist weitgehend
repräsentativer Natur. Das Staatsoberhaupt ernennt jedoch den
Ministerpräsidenten, Verfassungsrichter und die Mitglieder des
Direktoriums der Zentralbank. Das Land übernimmt Anfang 2009
turnusgemäß die EU-Präsidentschaft.
(Quelle: ap)
Griechenlands Ministerpräsident Karamanlis warnt vor Zusammenbruch
der Sozialsysteme
Sa.16.02.08 - Der griechische Ministerpräsident Kostas Karamanlis hat am Freitag
vor einem Zusammenbruch der Sozialsysteme gewarnt. Karamanlis
kündigte an, er werde trotz Protesten der Gewerkschaften an seinem
Plan zur Reform der Rentenkassen festhalten. Die Gewerkschaften hatten
am Mittwoch zu einem 24-stündigen Generalstreik aufgerufen. Der
Flugbetrieb wurde im gesamten Land eingestellt, der Fährverkehr zu
den Inseln ruhte, Schulen und Ämter blieben geschlossen.
«Es gibt keinen Spielraum für Verzögerungen»,
sagte Karamanlis im Parlament. «Wir müssen jetzt
handeln.» Seine Regierung verfügt nach einer Serie von
Skandalen nur noch über eine Mehrheit von einer Stimme.
Einzelheiten seines Reformplans nannte der Regierungschef nicht. Er
versicherte jedoch, er werde die «chaotischen
Zustände» beenden, indem er die Zahl der Rentenkassen
deutlich reduziere. Die Gewerkschaften befürchten, dass Rentner
und Arbeitnehmer einen Teil ihrer Ansprüche verlieren
könnten. Karamanlis sagte, dass ohne eine Reform die staatlichen
Zuschüsse für die Rentenkassen innerhalb der nächsten 40
Jahre auf 25 Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigen würden.
(Quelle: ap)
Deutschland
Finanzminister Steinbrück: Bankenkrise noch lange nicht
ausgestanden
Sa.16.02.08 - Die internationale Finanzkrise ist nach Einschätzung von
Finanzminister Peer Steinbrück noch nicht bewältigt: "Die
Bankenkrise ist noch lange nicht zu Ende", sagte der SPD-Politiker in
einer Regierungserklärung am Freitag im Bundestag. Er rechtfertigte
die Rettungsaktion für die ins Schlingern geratene
Mittelstandsbank IKB, die entgegen ersten Ankündigungen doch den
Bundeshaushalt belasten könnte. Damit werde Schaden vom deutschen
Finanzplatz abgewendet. Als Ursache für die Krise ortete
Steinbrück die "Jagd nach der schnellen Rendite" bei den
Finanzmarktakteuren, aber auch Unfähigkeiten und Versagen bei
vielen Bankenmanagern. Eine fragwürdige Doppelrolle hätten
zudem die internationalen Rating-Agenturen gespielt.
Steinbrück sprach von einer "ernsten Finanzkrise", die die
weltweite Konjunktur- und Wachstumsentwicklung erheblich
beeinträchtigen könnte. Gleichzeitig warnte er vor Hysterie
und politischen Schnellschüssen. Das bisherige Risikomanagement
habe funktioniert, sagte er und würdigte die positive Rolle der
Europäischen Zentralbank sowie von Bundesbank und Bundesanstalt
für Finanzaufsicht.
Auf die deutsche Wirtschaftsentwicklung habe die Krise bislang keine
gravierenden Einflüsse gehabt. Schon gar nicht stehe Deutschland in
der Gefahr einer Rezession, sagte Steinbrück. Die deutsche
Wirtschaft werde nach Einschätzung der Regierung dieses Jahr um 1,7
Prozent wachsen, die grundlegenden Wirtschaftsdaten seien nach wie vor
solide. Insofern sei die Konjunktur für ihn nicht das bestimmende
Risiko.
Zu den Folgen der Finanzkrise führte Steinbrück aus: "Alle
Kreditinstitute, die mit Subprime-Papieren gehandelt haben, sind von der
Krise betroffen." Welches Institut in welchem Ausmaß betroffen
sei, bleibe noch offen.
Zugleich wiederholte Steinbrück, er sehe in Deutschland und Europa
keinerlei Anlass für Konjunkturprogramme. Die wären vielmehr
mit Risiken belastet, etwa dem von Zinserhöhungen. Andererseits sei
die Zeit vorbei, wo man mit immer neuen Steuermehreinnahmen rechnen
konnte. Daher sei für die Haushaltsplanung 2009 Disziplin angesagt.
Spätestens 2011 will Steinbrück einen Etat ohne neue Schulden
vorlegen.
Den IKB-Rettungsplan verteidigte Steinbrück als richtig. Sie
könnte aber den Bundeshaushalt entgegen ersten Bekundungen doch
belasten. Der zugesagte Hilfsbeitrag des Bundes von einer Milliarde Euro
komme aus Dividendenerträgen, berühre den aktuellen Haushalt
also nicht. Allerdings fehlten beim Rettungspaket in Höhe von 1,5
Milliarden Euro, zu dem die Privatbanken 300 Millionen Euro beitragen
würden, noch 200 Millionen Euro. "Für die restlichen 200
Millionen Euro wird es eine Lösung geben, die im Zweifelsfall im
laufenden Haushalt eingesammelt werden muss", räumte der Minister
ein. Dennoch sei die Rettungsaktion richtig, dadurch solle eine
Verschärfung der Krise und Schaden für den Finanzplatz
verhindert werden.
Der Minister ergänzte, die Rettungsaktion diene auch dazu, die IKB
verkaufsfähig zu machen. Dieser Verkaufsprozess solle nun "so
schnell wie möglich abgeschlossen" werden. Sie sei zudem ein klares
Signal an den Markt. Es werde verhindert, dass noch mehr Banken in
Mitleidenschaft gezogen würden und Einlagen bei der IKB in
zweistelliger Milliardenhöhe verloren gingen.
Die Opposition warf der Bundesregierung erhebliches Versagen bei der
Aufsicht über die IKB und die Staatsbank KfW vor. Der
Finanzminister entziehe sich seiner Verantwortung. Keiner könne
sagen, die Investments der IKB seien geheimnisvoll gewesen, sagte
FDP-Experte Hermann Otto Solms. Bereits jetzt seien sechs Milliarden
Euro Steuergeld verbraucht. Die Verantwortung dafür müsse
geklärt werden.
Der Fraktionschef der Linken, Gregor Gysi, sagte, erst versage die
staatliche Aufsicht, dann pumpe der Staat Milliarden in die IKB. Am Ende
zahle der Bürger die Zeche. Grünen-Fraktionschef Fritz Kuhn
schloss sich der Kritik an. Das Finanzministerium, das Vertreter im
IKB-Aufsichtsrat hat, müsse Rechenschaft ablegen.
Steinbrück müsse die privaten Banken dazu bringen, mehr als
nur 300 Millionen Euro bereitzustellen, da die IKB ein Privat-Institut
sei. Grundsätzlich sei die Rettung aber richtig, sagte Kuhn.
SPD-Fraktionsvize Ludwig Stiegler attackierte den Bundesverband
deutscher Banken (BdB). Deutsche Bank oder Commerzbank blähten ihre
Gewinne auf. Bei der privaten IKB hingegen laute das Motto: «Wir
haben nichts, wir geben nichts.»
Die IKB hatte sich mit US-Immobilienkrediten verspekuliert. Im Sommer
und Ende 2007 wurden bereits zwei Rettungspakete für die Bank
geschnürt. Am Mittwoch vereinbarten Bund und die Staatsbank KfW als
größte IKB-Aktionärin weitere Hilfen von 1,5 Milliarden
Euro. Davon steuern die privaten Banken laut Steinbrück letztmals
300 Millionen Euro bei. Bislang kostete die IKB-Rettung rund 7,6
Milliarden Euro. Davon trägt die KfW mit gut sechs Milliarden die
Hauptlast. Die Sparkassen und Genossenschaftsbanken lehnen weitere
Hilfen ab.
boa (Quellen: rtr, dpa)
Postchef Zumwinkel tritt auf Druck der Politik zurück
Sa.16.02.08 - Der unter dem Verdacht der Steuerhinterziehung stehende Post-Chef Klaus
Zumwinkel tritt nach massivem Druck der Politik zurück.
Nach mehr als 18 Jahren an der Spitze der ehemaligen Bundespost
kündigte Zumwinkel am Freitag seinen Rückzug als
Vorstandschef der Post und als Aufsichtsratschef der Tochter Postbank
an. Der 64-Jährige macht damit den Weg für einen
Generationenwechsel im Management des größten
Logistikkonzerns der Welt frei. Als designierter Nachfolger gilt der
46-jährige Frank Appel, der als Vorstand bislang für Logistik
und das internationale Briefgeschäft zuständig ist.
Zumwinkel ziehe sich nach eigener Aussage im Interesse des Unternehmens
zurück, teilte der Konzern mit. Der Manager selbst
äußerte in einem Interview mit der "Bild"-Zeitung"
(Samstagausgabe) sein Bedauern über die Umstände seines
Rücktritts. "Ich wollte eine neue Ära einleiten, aber mit
einem anderen Übergang, als es jetzt geschieht", sagte er. "An der
Aufklärung der Fragen zu meinen privaten Finanzverhältnissen
werde ich mich aktiv beteiligen", fügte Zumwinkel hinzu.
Noch am Abend zuvor hatte die Post erklärt, der Vorstandschef
führe die Geschäfte wie gewohnt fort. Zu laut wurden jedoch
die Forderungen von Bundespolitikern nach einem sofortigen Abgang des
Managers, dessen Vertrag noch bis November läuft. Der Bund ist
über die staatliche KfW-Bank mit 31 Prozent größter
Einzelaktionär der Post. Außerdem zieht sich der
Spitzenmanager aus dem Aufsichtsrat der Telekom zurück, dessen
Vorsitz er innehat, wie die Telekom am Abend mitteilte.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bezeichnete den Rücktritt
Zumwinkels als "unausweichlichen" Schritt. Der Fall bewege sich
jenseits dessen, was viele und auch sie selbst sich hätten
vorstellen können, sagte sie in Berlin. Nach Worten von
Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) hat Zumwinkel die
Steuerhinterziehung gestanden. Er könne sich "nicht vorstellen,
dass jemand der den Tatbestand der Steuerhinterziehung bestätigt
hat, zugegeben hat, in so wichtigen Funktionen in Unternehmen
verweilt", sagte Steinbrück. Er sprach von einem erheblichen
moralischen Schaden, der bereits entstanden sei. SPD-Chef Kurt Beck
hatte bereits am Morgen den sofortigen Rücktritt Zumwinkels
gefordert, dessen Villa in Köln und Büro im Bonner Post-Tower
die Staatsanwaltschaft am Donnerstag durchsucht hatte.
Zumwinkel soll mit Geldanlagen in liechtensteinische Stiftungen Steuern
in einer Größenordnung von rund einer Million Euro
hinterzogen zu haben. Die Ermittlungen könnten den Anstoß
zur Aufdeckung Hunderter weiterer Fälle von teils erheblichem
Steuerbetrug geben. In Kreisen der Ermittler war von über 1000
Verdächtigen und über 100 geplanten Razzien allein bis Montag
die Rede. Laut "Süddeutscher Zeitung" (Samstagausgabe) richten
sich die Steuerfahndungen nicht gegen weitere Topmanager deutscher
Großkonzerne. "Ein weiterer Vorstand eines Dax-Unternehmens ist
nicht darunter", wurde der Bochumer Oberstaatsanwalt Bernd
Bienioßek zitiert. Bei den Beschuldigten handele es sich vielmehr
zum Teil um mittelständische Unternehmer und "regionale
Größen", berichtete das Blatt unter Berufung auf
Ermittlerkreise.
Zur Nachfolge Zumwinkels äußerte sich die Post nicht.
Zumwinkel bleibe in den nächsten Tagen noch im Amt.
Regierungskreisen zufolge wird der Aufsichtsrat auf seiner Sitzung am
Montag sich noch nicht endgültig auf einen Nachfolger festlegen.
Die Entscheidung werde zügig und mit der notwendigen Sorgfalt
entschieden, sagte eine mit den Vorgängen vertraute Person der
Nachrichtenagentur Reuters. Als Nachfolger war bereits im vergangenen
Jahr Appel in Stellung gebracht worden, als er zusätzlich die
Verantwortung für das Briefgeschäft außerhalb
Deutschlands übernommen hatte. Er gilt als Ziehsohn Zumwinkels.
Die Aktienkurse der Post und der Postbank reagierten mit Gewinnen auf
das Rücktrittsangebot. Die Anleger warten auf Perspektiven
für das Briefgeschäft und erhoffen sich klare Aussagen zur
Postbank. Zumwinkel hatte angekündigt, sich in diesem Jahr zur
Zukunft der umworbenen Bank zu äußern. Die Deutsche Bank und
die Commerzbank haben großes Interesse.
(Quelle: rtr)
Deutschland vor Massen-Razzien wegen Steuerhinterziehung - Hunderte
Personen im Visier der Fahnder - 3,4 Milliarden Euro am Fuiskus
vorbeigeschleust
Sa.16.02.08 - Deutschland steht vor der Aufdeckung einer der größten
Fälle von Steuerbetrug in seiner Geschichte: Nachdem Post-Chef
Klaus Zumwinkel über die Vorwürfe von Steuerhinterziehung in
Millionenhöhe stürzte, müssen Hunderte weiterer
Verdächtiger mit Razzien rechnen. Die Regierung sprach am Freitag
von Hinweisen auf "sehr, sehr viele Fälle" und forderte
Steuersünder zur Selbstanzeige auf. In Kreisen der Ermittler war
von über 1000 Verdächtigen und über 100 geplanten
Razzien allein bis Montag die Rede. Darunter sollen viele Prominente
sein. Medien berichteten von über drei Milliarden Euro, die am
Fiskus vorbeigeschleust wurden.
Politiker nannten den Fall Zumwinkel nur die Spitze eines Eisberges: Es
gehe um asoziales Verhalten einer selbst ernannten Wirtschaftselite.
Hier müsse härter vorgegangen werden, um eine Bedrohung der
Gesellschaft abzuwenden. Kanzlerin Angela Merkel warnte eindringlich
vor einem Vertrauensverlust: "Verantwortliches Handeln von Unternehmen
ist eine elementare Voraussetzung dafür, dass soziale
Marktwirtschaft funktioniert."
Die Bundesregierung gab am Freitag in einem ungewöhnlichen Schritt
selbst den Abschied von Post-Chef Zumwinkel bekannt, bevor sich das
Unternehmen äußerte. Zumwinkel war wegen angeblicher
Steuerhinterziehung in Millionenhöhe über das Fürstentum
Liechtenstein ins Visier der Fahnder geraten. Dabei hatten diese auch
einen Haftbefehl ausgestellt. Kanzlerin Merkel kritisierte Zumwinkels
Reaktion auf die Vorwürfe als stillos: "Die Bundeskanzlerin
hätte sich durchaus auch gewünscht, dass Herr Zumwinkel sich
öffentlich zu den Vorwürfen äußert", ließ
sie über ihren Sprecher mitteilen.
Bundesfinanzminister Peer Steinbrück nannte das Verhalten der
Steuerhinterzieher verheerend: "Ich glaube, dass es einen
schwerwiegende politisch-moralischen Schaden anrichtet." Der
Steuerehrliche fühle sich als der Dumme. "Die müssen wissen,
dass Sie damit zur Erschütterung des Gesellschaftssystems
beitragen."
SPD-Chef Kurt Beck verlangte eine Überprüfung des
Strafmaßes für Steuervergehen schwerster Art. "Von der
Justiz erwarte ich, dass kein Deal gemacht wird." Dies würde dem
Gerechtigkeitsempfinden der Bürger widersprechen. Nach seinen
Informationen habe Zumwinkel die Hinterziehung zugegeben.
SPD-Generalsekretär Hubertus Heil ergänzte: "Wir müssen
feststellen, dass einige, die ich die neuen Asozialen der Gesellschaft
nennen möchte, sich offensichtlich auf Kosten der Gemeinschaft aus
der Verantwortung Steuern zu zahlen, von Recht und Gesetz abgesetzt
haben."
Auch der bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU)
warnte vor einem Vertrauensverlust. Die sei ein Bereich, "wo ich
verstehe, dass die Menschen in Deutschland das Vertrauen zur
Führungselite der Wirtschaft verlieren. Das enttäuscht
Menschen zutiefst." Dies treffe auch die Politik. "Die Linken werden
sich die Hände reiben drüber."
Merkel hatte am Donnerstagmorgen zunächst ungläubig auf die
Nachricht von der Hausdurchsuchung bei Zumwinkel reagiert, wie es in
ihrem engen Umfeld hieß. Sie habe mit ihrem Beraterkreis
zusammengesessen, als die Nachricht hereingeplatzt sei. Die Runde habe
sich aber kaum vorstellen können, dass ein Topmanager wie
Zumwinkel seinen Spitzenjob tatsächlich mit Steuerhinterziehung
aufs Spiel setzen würde. Der Fall bewege sich jenseits dessen, was
viele und auch sie selbst sich hätten vorstellen können,
sagte sie am Freitag.
Die "Süddeutsche Zeitung" (Onlineausgabe) berichtete von 3,4
Milliarden Euro, die an Staat vorbei über Stiftungen nach
Liechtenstein geflossen seien. Es gebe mehr als 1000 Verdächtige.
Sie seien vor allem Kunden der Liechtensteiner LGT Bank. Liechtenstein
ist bei Steuersündern beliebt, da das Land als wenig kooperativ
mit deutschen Behörden gilt.
Regierungssprecher Ulrich Wilhelm kündigte an, dass der Fall
Zumwinkel und weitere ähnliche Fälle auch beim Besuch des
Regierungschefs des Fürstentums, Otmar Hasler, am Mittwoch in
Berlin zur Sprache kommen könnten. Hasler trifft auch mit
Bundesfinanzminister Peer Steinbrück zusammen.
Der Steuerzahlerbund verlangte mehr Fahnder, um Steuersündern auf
die Schliche zu kommen. Würden mehr eingesetzt, so könnten
zumindest Teile der geschätzten 30 Milliarden Euro eingetrieben
werden, die dem Staat durch Steuerhinterziehung verloren gingen.
(Quelle: rtr)
Regierung ruft Manager zur Ordnung
Sa.16.02.08 - Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Topmanager in Deutschland zu
verantwortlichem Handeln aufrufen und vor einem Vertrauensverlust
gewarnt.
Soziale Marktwirtschaft bedeute immer, dass den Unternehmen auch eine
gewisse Verantwortung zukomme, sagte Merkel am Freitag auf einer
Veranstaltung der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung in Berlin.
"Verantwortliches Handeln von Unternehmen ist eine elementare
Voraussetzung dafür, dass soziale Marktwirtschaft funktioniert."
Angesichts der Verlagerung des Bochumer Nokia-Werkes und der
Vorgänge um den zurückgetretenen Post-Chef Klaus Zumwinkel
stelle sich die Frage nach der Verantwortung jedes Einzelnen.
Bundesfinanzminister Peer Steinbrück nannte den Fall Zumwinkel ein
Beispiel für die Gefährdung der sozialen Marktwirtschaft
durch Wirtschaftsführer. "Ein Mann dieser Güteklasse muss
wissen, was eine eingestandene Steuerhinterziehung in der Wahrnehmung
der Bürger bedeutet", sagte der SDP-Politiker am Freitag "Zeit
Online". "Es sind die Eliten, die das System zum Einsturz bringen." Ein
solches Verhalten berühre die Legitimationsgrundlagen des
deutschen Wirtschaftssystems. Es sei nicht verwunderlich, wenn nun
Gegenreaktionen einsetzten, die der Wirtschaft nicht gut täten.
"Solche Ereignisse provozieren protektionistische, strukturkonservative
und staatsfixierte Reflexe. Alles das können wir uns nicht
leisten", sagte der Minister.
SPD-Fraktionschef Peter Struck sagte, durch ein Verhalten wie das
Zumwinkels würden die politischen Ränder links und rechts
gestärkt. "Ich habe überhaupt kein Verständnis für
diese Gier, diese Raffgier-Mentalität, die da deutlich wird",
sagte er dem rbb-inforadio in einem für Samstag aufgezeichneten
Interview. Der Elite seien die Maßstäbe verloren gegangen.
Merkel bemängelte, im Verhältnis zwischen Politik und
Wirtschaft gebe eine "gewisse Eindimensionalität, wer wen
kritisieren darf". Es sei inzwischen gang und gäbe, dass die
Wirtschaft unablässig Forderungen an die Politik richte. Aber
umgekehrt sei es immer noch weniger üblich, dass die Politik
regelmäßig Anforderungen an die Unternehmen stelle. "Ich
glaube, dass wir darüber doch ein bisschen reden müssen."
Nicht nur die Politik müsse den Menschen klar machen, dass die
Ordnung der sozialen Marktwirtschaft eine gerechte Ordnung sei -
"zumindest eine, die nach Gerechtigkeit strebt".
Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages
(DIHK), Ludwig Georg Braun, warnte vor einer allgemeinen Managerkritik.
"Ich halte generelle Managerschelte genau so verfehlt wie pauschale
Politikerschelte", sagte er der "Bild"-Zeitung (Samstagausgabe). Er
verstehe gut, warum Bürger bei Gehältern und Verhaltensweisen
einzelner Manager den Kopf schüttelten. Das ärgere ihn auch
persönlich, weil es das Ansehen der Unternehmer insgesamt
schädige. Dies geschehe zu Unrecht, da die große Mehrheit
der Familienunternehmer und auch der Manager sich gemeinsam mit den
Mitarbeitern für den Unternehmenserfolg engagierten.
(Quelle: rtr)
DGB-Vorstand fordert komplette Offenlegung aller Managerbezüge
Sa.16.02.08 - Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) fordert angesichts der Debatte
über das Fehlverhalten von Managern schärfere
Offenlegungsvorschriften für Managerbezüge. «Wir
brauchen eine weitergehende Transparenz bei den
Managergehältern», sagte das DGB-Vorstandsmitglied Dietmar
Hexel der in Düsseldorf erscheinenden «Rheinische
Post» (Samstagausgabe) laut Vorabbericht. Die Vergütungen
der Vorstände müssten einzeln aufgelistet werden und für
alle Unternehmen gelten.
Hexel warnte die Managerelite vor einer Abspaltung von der übrigen
Gesellschaft. «Ich sehe einen neuen Managerfeudalismus, in dem
sich eine bestimmte Managergruppe völlig von dem Leben der
normalen Menschen abkoppelt», sagte er. Wenn Manager kein Vorbild
seien, gebe es ein gesellschaftliches Problem. «Es kann nicht
sein, dass die Bürger in Deutschland denken, dass es ein reales
Zweiklassenrecht gibt», sagte Hexel, der auch Mitglied der
Regierungskommission «Deutscher Corporate Governance Kodex»
ist.
Hexel forderte auch ein Einschreiten des Gesetzgebers bei
Firmengründungen im Ausland. «Ist es richtig, wenn
Unternehmen im Ausland Firmen nur zum Zweck der Steuerersparnis
gründen? Hier sollte der Gesetzgeber prüfen, wie das zu
verhindern ist», sagte er.
(Quelle: ddp)
Bundestag lehnt Rechtsanspruch für Bedürftige auf
Mieterberatung ab
Sa.16.02.08 - Die Links-Fraktion ist am Freitag im Bundestag mit der Forderung nach
einem Rechtsanspruch auf kostenlose Mieterberatung für
Bedürftige und Geringverdiener gescheitert. Mieterhöhungen
und Betriebskostenabrechnungen würden von den Kostenträgern
häufig nicht überprüft und unkritisch übernommen,
heißt es in dem von den anderen im Parlament vertretenen Parteien
abgelehnten Antrag. Der Anspruch auf eine Mietrechtsberatung könne
hingegen zu einer Entlastung der Träger, die Sozialleistungen
für Menschen mit geringem oder keinem Einkommen erbringen,
führen.
(Quelle: ddp)
Ältere bekommen länger ALG I
Sa.16.02.08 - Die umstrittene Verlängerung der Bezugsdauer beim Arbeitslosengeld
(ALG) I für Ältere ist unter Dach und Fach. Der Bundesrat
stimmte am Freitag in Berlin einem entsprechenden Gesetzesbeschluss des
Bundestages zu.
Ältere Erwerbslose können demnach rückwirkend zum 1.
Januar bis zu 24 Monate Arbeitslosengeld I erhalten. Bislang bekommen
über 55-Jährige ALG I nur bis zu 18 Monate lang. Der
Arbeitslosengeldbezug war 2004 im Zuge der Agenda 2010 gekürzt
worden. Mit der Neuregelung wird ferner die seit Jahresbeginn drohende
Zwangsverrentung Arbeitsloser über 58 Jahren verhindert.
Langzeitarbeitslose müssen demnach erst ab 63 eine Altersrente mit
Abschlägen in Kauf nehmen.
In der Debatte begrüßte SPD-Chef Kurt Beck die Neuregelung.
Es sei nie Ziel der Reformpolitik der vergangenen Jahre gewesen,
«soziale Unsicherheiten zu schaffen». Bei großen
Reformen müsse immer geprüft werden, ob Auswirkungen
«über das Gewünschte hinaus gehen», und
gegebenenfalls entsprechende Änderungen vorgenommen werden. Der
rheinland-pfälzische Ministerpräsident warb zugleich für
verstärkte Einstellungen älterer Menschen. Ziel müsse
eine Beschäftigungsquote von 55 Prozent der Menschen ab 55 Jahren
bis zum Jahr 2010 sein. Derzeit liege man bei 52 Prozent.
Nordrhein-Westfalens Regierungschef Jürgen Rüttgers (CDU)
wertete die ALG-I-Verlängerung als «großen Fortschritt
für den solidarischen Sozialstaat». Er plädierte
zugleich dafür, die private Altersvorsorge zu stärken. Es sei
nicht richtig, dass hierfür angespartes Vermögen im Fall von
Arbeitslosigkeit bis auf 16 250 Euro aufgezehrt werden müsse.
Deshalb sollten die Freibeträge zur Altersvorsorge bis zu einem
Betrag von 700 Euro pro Lebensjahr für alle Anlageformen
erhöht werden.
(Quelle: ddp)
Ver.di-Chef Bsirske kündigt harte Auseinandersetzung an
Sa.16.02.08 - Ver.di-Chef Frank Bsirske hat den Arbeitgebern von Bund und Kommunen
eine harte Auseinandersetzung angekündigt. Die erste
Warnstreikwelle in den Krankenhäusern sei nur der Anfang gewesen,
sagte Bsirske am Freitag bei einer Kundgebung in Worms. «Entweder
die Arbeitgeber finden Anschluss an die Realität oder sie bekommen
es mit uns zu tun.»
Der Bundesvorsitzende der Dienstleistungsgewerkschaft sagte, das
Angebot der Arbeitgeber gleiche nicht einmal die Preissteigerung aus.
«Das ist eine Provokation.» Es gebe praktisch keine
Pflegekraft, keinen Busfahrer und keinen Müllwerker, der bis 65
Jahre arbeitsfähig sei. Vor diesem Hintergrund sei eine
Arbeitszeitverlängerung unsinnig.
Die Arbeitgeber hätten keinen Bezug mehr zur Situation der
Beschäftigten, sagte Bsirske. Seit 1996 seien 48.000 Stellen in den
Kliniken abgebaut worden. Zugleich sei die Zahl der Patienten um eine
Million gestiegen. Die Arbeitsbelastung jeder Pflegekraft sei um 25 bis
26 Prozent gestiegen. «Jetzt muss Schluss sein», sagte der
ver.di-Chef. «Es muss sich etwas ändern.»
In Rheinland-Pfalz traten nach Angaben der Gewerkschaft insgesamt rund
800 Mitarbeiter von kommunalen Kliniken sowie Stadtverwaltungen in den
Ausstand, darunter etwa 500 in Worms sowie 300 in Idar-Oberstein. In
Worms versammelten sich die Streikenden vor dem Lutherdenkmal und zogen
anschließend in einem Protestzug durch die Innenstadt. «Wir
stehen hier, wir können nicht anders», sagte der
ver.di-Landesvorsitzende Uwe Klemens. Auf Transparenten war zu lesen:
«Genug gelacht, wir brauchen acht!» oder «Acht
Prozent, denn wir sind ja bescheiden».
Die Personalratsvorsitzende der Stadt Worms, Henni Philipp, sagte, die
von den Arbeitgeber angebotenen fünf Prozent seien angesichts der
Inflation nicht akzeptabel. «Wir müssen auf die Gasse»,
sagte Philipp unter dem Applaus der Beschäftigten. «Wir
kriegen keine Sonderpreise, wenn wir Brot kaufen.» Die aktuelle
Situation führe zu einer enormen Mobilisierung unter den
kommunalen Beschäftigten und treibe der Gewerkschaft neue
Mitglieder zu: «Es geht derzeit ein Ruck durch die
Verwaltung.»
(Quelle: ap)
Stahl-Warnstreiks ausgeweitet: 9000 Arbeiter im Ausstand
Sa.16.02.08 - Im Tarifkonflikt der westdeutschen Stahlindustrie hat die IG Metall am
Freitag ihre Warnstreiks massiv ausgeweitet und fast 9000 Arbeiter in
den Ausstand geschickt. In der dritten Tarifrunde hatten die
Arbeitgeber am Dienstag 3,5 Prozent mehr Lohn für 16 Monate
Laufzeit geboten.
Die IG Metall nannte das Angebot in Düsseldorf völlig
unzureichend. Sie fordert ein Einkommensplus von acht Prozent für
eine Laufzeit von zwölf Monaten. Für Montag hat die
Gewerkschaft Aktionen in Bochum, Bremen, Peine, Remscheid,
Witten,Dortmund, Herborn, Lüdenscheid und Olpe angekündigt.
Am Dienstag kommen die Tarifparteien zur vierten Verhandlungsrunde
für die 85 000 Beschäftigten in Nordrhein-Westfalen, Bremen
und Niedersachsen in Ratingen zusammen.
Die IG Metall weitet ihre Warnstreiks auch in Ostdeutschland aus und
droht mit einem unbefristetem Arbeitskampf. An diesem Montag und
Dienstag soll in fünf Werken in Sachsen, Brandenburg und
Sachsen-Anhalt die Arbeit niedergelegt werden, wie die Gewerkschaft
mitteilte. Bezirksleiter Olivier Höbel sagte, falls es in der
dritten Runde für die rund 8000 Ost-Stahlkocher am Donnerstag zu
keinem «akzeptablen Ergebnis» komme, seien Urabstimmung und
Arbeitskampf unvermeidlich.
(Quelle: dpa)
Schäuble verteidigt türkischen Ministerpräsidenten
Sa.16.02.08 - Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat den
türkischen Ministerpräsidenten Tayyip Erdogan gegen massive
Kritik in Deutschland verteidigt. Erdogan habe nach der Brandkatastrophe
in Ludwigshafen "einen großen Beitrag zur Deeskalation
geleistet", sagte Schäuble der "Süddeutschen Zeitung".
"Erdogan arbeitet nicht gegen uns." Er kritisierte Unionspolitiker wie
CSU-Chef Erwin Huber, die nach Erdogans Besuch in Deutschland die
EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei aussetzen wollten: "Das
darf man nicht vermengen." Schäuble hob hervor, dass Erdogans
Wunsch, in Köln zu Türken zu reden, "der Offenheit unserer
Demokratie" entspreche.
Schäuble nahm Erdogan auch gegen Verdächtigungen in Schutz,
er sei ein Islamist. "Mein Eindruck ist, dass er von der Grundordnung
der freiheitlichen Demokratie völlig überzeugt ist", sagte
Schäuble. "Er ist ein gläubiger Muslim. Und davor habe ich
großen Respekt."
Auf Ablehnung stieß bei Schäuble allerdings Erdogans
Vorschlag, Schulen mit Unterricht auf Türkisch einzurichten.
"Deutsch als Fremdsprache ist in diesem Land einfach nur Quark."
Zugleich warnte Schäuble davor, als Schutz vor der Ghettoisierung
die Schulen in Problemvierteln mit besonders viel Geld zu fördern.
"Wir sind eine Gesellschaft, in der man schnell den Neid der Mehrheit
auf die Minderheit provozieren kann. Also rate ich ab, die Debatte so zu
führen", betonte der Innenminister.
(Quelle: afp)
Interkultureller Rat will 20 Islamforen gründen
Sa.16.02.08 - Der Interkulturelle Rat in Deutschland will in den nächsten drei
Jahren 20 kommunale Islamforen gründen. Der Dialog zwischen
Muslimen und Nichtmuslimen sei mancherorts eingeschlafen, sagte die
Projektleiterin, die Diplompädagogin Hasibe Özaslan, am
Donnerstag in Darmstadt dem Evangelischen Pressedienst (epd). Die
Islamforen sollten neue Impulse für den interkulturellen Dialog
geben und helfen, Probleme im Zusammenleben zu lösen.
An der Initiative beteiligen sich den Angaben zufolge die
Bundesländer Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen
und Rheinland-Pfalz. Auf Initiative des Interkulturellen Rates seien
seit 2002 das Deutsche Islamforum und Islamforen in mehreren
Bundesländern entstanden, hieß es weiter. Finanziert wird die
Arbeit durch die Groeben-Stiftung, die Türkisch-Deutsche
Gesundheitsstiftung und das Bundesfamilienministerium.
Die Islamforen hätten die verschiedenen islamischen Verbände
in Deutschland an einem Tisch zusammengeführt und mit staatlichen,
kirchlichen und anderen Vertretern ins Gespräch gebracht, sagte der
Vorsitzende des Interkulturellen Rates, Jürgen Micksch. Daraus sei
der Koordinationsrat der Muslime in Deutschland oder die Deutsche
Islamkonferenz des Bundesinnenministers erwachsen.
(Quelle: epd)
Mutmaßlicher Al-Kaida-Unterstützer in Germersheim
festgenommen
Sa.16.02.08 - Die Polizei hat im pfälzischen Germersheim einen
mutmaßlichen Unterstützer des Terrornetzwerkes Al Kaida
festgenommen. Der 45 Jahre alte Deutsche pakistanischer Herkunft soll
der Terrorgruppe Geld und Ausrüstungsgegenstände beschafft
haben, wie die Bundesanwaltschaft am Freitag in Karlsruhe mitteilte.
Ein Richter am Bundesgerichtshof erließ Haftbefehl gegen Aleem N.
wegen Unterstützung einer ausländischen terroristischen
Vereinigung. Der rheinland-pfälzische Innenminister Karl Peter
Bruch sprach von einem «wichtigen Fang».
Nach Angaben der Ermittler durchsuchten Beamte des Landeskriminalamtes
Rheinland-Pfalz am Donnerstag die Wohnung von Aleem N. in Germersheim
und nahmen ihn fest. Er reiste demnach zwischen April 2005 und Juni
2007 vier Mal in das pakistanisch-afghanische Grenzgebiet, übergab
dort jeweils mindestens 4.000 Euro und in drei Fällen auch
Ausrüstungsgegenstände wie Ferngläser, Funkgeräte
und Nachtsichtgeräte an Al Kaida.
«Spätestens bei seiner vierten Reise in das
pakistanisch-afghanische Grenzgebiet soll der Beschuldigte sich selbst
als Kämpfer für Al Kaida angeboten und in ein dortiges
Ausbildungslager zur Unterweisung im Umgang mit Sprengstoffen begeben
haben», erklärten die Karlsruher Ermittler. Im Frühjahr
2006 soll Aleem N. zudem einen Kämpfer für Al Kaida gewonnen
haben, der mit einem Empfehlungsschreiben in ein Ausbildungslager nach
Afghanistan reiste.
Innenminister Bruch erklärte, das Landeskriminalamt ermittle seit
der Rückkehr aus Pakistan im August 2007 gegen den Mann. Jetzt
hätten die Beweise für einen Haftbefehl ausgereicht. Hinweise
auf einen konkreten Anschlag gebe es nicht. Es gehe um die
«Demaskierung eines Unterstützers» von Al Kaida. Der
SPD-Politiker geht davon aus, dass es weitere Festnahmen geben werde,
allerdings nicht in Rheinland-Pfalz.
Der Anwalt von Aleem N., Manfred Gnjidic, äußerte sich unter
Verweis auf das Ermittlungsverfahren am Freitag nicht direkt zu den
Vorwürfen. «Er hat die Vorwürfe nicht zugegeben. Wir
müssen uns jetzt die Akten anschauen», sagte Gnjidic der
Nachrichtenagentur Associated Press. Die Entscheidung des
Bundesgerichtshofes sei absehbar gewesen.
Aleem N. hatte die Terrorvorwürfe bereits im September 2007 in
einem Interview von «stern.de» zurückgewiesen. Er sei
in keinem Terrorcamp gewesen, sondern nach Pakistan gereist, um
Edelsteine zu kaufen, sagte er damals. Die Hand habe er sich mit einem
Böller auf der Hochzeit eines Freundes verletzt. Medien
berichteten, N. habe sich seine Hand beim Hantieren mit Sprengstoff
verletzt.
Der studierte Maschinenbauer wurde am 18. Juni 2007 in Islamabad
festgenommen und am 21. August freigelassen. Wenige Tage später
kehrte er nach Deutschland zurück.
Gnjidic erneuerte am Freitag die Foltervorwürfe gegen
pakistanische Behörden: «Er ist dort vom ISI gefoltert
worden, in Verbindung mit Amerikanern und Briten», sagte der
Anwalt der AP und bezog sich dabei auf den pakistanischen
Militärgeheimdienst ISI. Aleem N. sei von Amerikanern und Briten
befragt und von Pakistanern geschlagen worden. «Er hat unter der
Prügel alles zugegeben, was die von ihm hören wollten, damit
sie aufhören.»
Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins «Der Spiegel»
steht Aleem N. auf einer Liste mit etwa einem Dutzend Namen von
Pakistan-Reisenden, die Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble als
Terrorverdächtige einstuft.
(Quelle: ap)
Fremde Bildschirmdaten lassen sich über Kaffeetasse ausspionieren
Sa.16.02.08 - Geheime Daten auf einem Computerbildschirm können mit einfachsten
Hilfsmitteln wie einer Kaffeetasse oder eine Teekanne ausspioniert
werden. Das zeigen Experimente von Experten für
Informationssicherheit und Kryptographie der Universität des
Saarlandes. Die Forscher konnten die Daten lesen, weil sie sich auf den
Gebrauchsgegenständen spiegelten. Als Hilfsmittel verwendeten sie
eine Teleskop-Ausstattung im Wert von rund 1000 Euro, über die sich
die Informationen noch in einer Entfernung von über zehn Metern
rekonstruieren ließen, wie die Hochschule in Saarbrücken
mitteilt.
Das Forscherteam geht davon aus, dass man mit professionelleren
Geräten mühelos aus größerer Entfernung, etwa vom
Fenster eines Nachbargebäudes aus, geheime Daten auf diese Weise
ablesen kann. Findige Kriminelle könnten das nutzen, um
Industriespionage zu betreiben, Bankdaten zu erschnüffeln oder
Politiker und Prominente zu beschatten.
Die Wissenschaftler fanden heraus, dass sich die Daten eines
LCD-Bildschirms auch auf gekrümmten Oberflächen wie Teekannen
oder Tassen gut widerspiegeln. Diese verzerrten Spiegelbilder
können dann auch über größere Entfernungen von
Teleskopen erfasst, fotografiert und mit entsprechender Software
entzerrt werden.
Die besten Ergebnisse erhielten die Forscher mit den
Brillengläsern der Computer-Nutzer und mit einer Teekanne, die auf
dem Schreibtisch neben dem Bildschirm stand. Entzifferbare Daten
lieferten auch die Reflexionen der Augen von Personen, die direkt am
Bildschirm saßen. Hier waren allerdings die schnellen Bewegungen
des Auges vor allem bei größeren Entfernungen ein Hindernis.
Nach Meinung der Wissenschaftler könnte dies jedoch schon bald
durch besseres Equipment und verfeinerte Algorithmen ausgeglichen werden.
Wer sich der beschriebenen Gefahren bewusst sei, könne sich im
Moment nur schützen, indem er beim Umgang mit sensiblen Daten
Rollläden oder Vorhänge schließe und nach versteckten
Teleskopen Ausschau halte, sagen die Wissenschaftler.
(Quelle: ddp)
Suchbegriffe verraten persönliche Vorlieben
Sa.16.02.08 - Auf die persönlichen Vorlieben und Interessen eines Nutzers
lässt sich mit Hilfe seiner Suchbegriffe schließen. Die
Suchanfragen in Online-Portalen können somit zur Erstellung von
Persönlichkeitsprofilen herangezogen werden.
Der Internet-Nutzer wird dadurch noch leichter ausspioniert. Sucht ein
Anwender beispielsweise nach Navigationsgeräten, ruft er
Routenplaner auf, oder surft er im Web Hotel-Seiten an, wird er
verreisen wollen. Findige Werbeleute könnten aus diesen Angaben
maßgeschneiderte Werbe-Newsletter zusammenstellen, sofern sie an
die Suchbegriffe gelangen.
Dass das prinzipiell möglich ist, zeigt das Portal "AndUnite.com",
das sich als eine Art Kontaktbörse versteht. Nach der Registrierung
werden die Suchbegriffe, die ein Anwender bei Google eingibt, in dem
Portal gespeichert. Aus den Wörtern wird auf die Interessen des
Nutzers geschlossen und ihm werden Personen mit ähnlichen
Vorlieben vorgeschlagen. Datenschützern behagen solche Angebote
nicht, da dem Missbrauch der Daten Tür und Tor geöffnet sind.
Allerdings erfolgt die Datensammlung nicht heimlich, die Anwender
entscheiden sich bewusst für den Service.
(Quelle: gp)
Wissenschaft
Schlechte Schulnoten durch zu viel TV und PC-Spiele
Sa.16.02.08 - Fernseher und Computer in Kinderzimmern führen zu schlechteren
Schulnoten. Dies gilt einer aktuellen Studie zufolge meist für
Jungen sowie Kinder aus sozial schwachen Familien und von Migranten.
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Das ist das Ergebnis einer Untersuchung des Kriminologischen
Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN), die am Freitag in
Düsseldorf vorgestellt wurde. Die Studie mit dem Titel «Die
Pisa-Verlierer - Opfer ihres Medienkonsums», untersuchte den
Zusammenhang zwischen dem Medienkonsum von Kindern und Jugendlichen und
ihren Zensuren. Je brutaler die Inhalte von Filmen und Computerspielen
seien, desto schlechter seien auch die Zensuren der Schüler.
Die Analyse belege, dass die untersuchten Kinder mit schlechten
Schulleistungen schon als Viertklässler über eine große
Ausstattung mit Fernsehern, Spielkonsolen und Computern verfügten,
stellte KFN- Leiter Christian Pfeiffer fest. Ein Experiment habe
ergeben, dass Kinder, die eineinhalb Stunden ein brutales Computerspiel
spielten, anschließend erheblich schlechter Mathematikaufgaben
lösen konnten als Kinder, die Tischtennis gespielt hatten.
Besonders drastisch wirke sich der Bildungshintergrund der Eltern aus.
Viertklässler aus Elternhäusern mit geringem Bildungsniveau
gaben laut Studie achtmal häufiger an, Spiele zu spielen, die erst
ab 18 Jahren freigegeben sind; Jungen mehr als doppelt so häufig
wie Mädchen. Spiele, die auf dem Index stehen, fänden sich
dagegen bei den Kindern fast nie. Da für sie keine Werbung gemacht
werde, hätten sie auf dem Schulhof kaum einen Marktwert. Dagegen
machten Spiele mit Altersbeschränkung «die Kinder richtig
scharf», sagte Pfeiffer.
Für die KFN-Studie wurden 5500 Viertklässler und 17 000
Neuntklässler befragt. Auch eine seit 2005 laufende Untersuchung
mit über 1000 Berliner Kindern sowie ein Experiment zum
Zusammenhang zwischen Freizeitbeschäftigung und
Konzentrationsleistung wurden mit einbezogen.
(Quelle: dpa)
Mehr zum Thema unter:
http://www.kfn.de
US-Forscher wollen Computersimulationen statt Tierversuche
Sa.16.02.08 - Tierversuche bei Tests chemischer Substanzen sollen in den USA
zusehends durch Computersimulationen ersetzt werden. Wie zwei
führende staatliche Forschungsinstitute bekanntgaben, soll die
Wirkung von Substanzen und Medikamenten künftig häufiger mit
Computermodellen zur Zellanalyse überprüft werden. Die
Reaktionen der Tiere auf solche Substanzen sei ohnehin für die
Übertragung auf den Menschen nicht sehr aussagekräftig, gab
der Forscher Francis Collins vom Staatlichen Institut zur Erforschung
des menschlichen Genoms (NHGRI) bekannt.
"Es ist umständlich und langsam", mit Tieren zu arbeiten, sagte
Collins am Rande einer Konferenz in Boston. Statt Tests an lebenden
Tieren vorzunehmen, reiche es, einzelne Zellen zu entnehmen und deren
Reaktion auf die Substanzen zu überprüfen, fügte der
Forscher hinzu. Mit den Computermodellen "können pro Tag tausende
und sogar hunderttausende chemische Substanzen auf ihre Giftigkeit
überprüft werden", erläuterte Collins. Mit Ratten oder
Mäusen kämen Forscher auf zehn bis hundert Studien pro Jahr,
mit Informatik und Zellanalyse könnten jeden Tag mehr als 10.000
solcher Studien vorgenommen werden, sagte Samuel Wilson, Direktor des
staatlichen Instituts für Gesundheits- und Umweltforschung (NIHS).
Allerdings können "Tierversuche nicht von einem Tag auf den
anderen aufgegeben werden", schränkte der Direktor der
Gesundheitsinstitute (NIH), Elias Zerhounis, ein.
(Quelle: afp)