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Irak am 1425sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität

UN verstärken Hilfe für heimkehrende Irak-Flüchtlinge

So.17.02.08 - Die Vereinten Nationen wollen der irakischen Regierung verstärkt bei der Rückkehr von Flüchtlingen helfen. Dazu soll ein neuer Beauftragter nach Bagdad entsandt werden, wie der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge, Antonio Guterres, am Samstag nach einem Treffen mit dem irakischen Außenminister Hoschjar Sebari in Bagdad sagte. Der bisherige Beauftragte für die irakischen Flüchtlinge hatte seinen Sitz in der jordanischen Hauptstadt Amman.

Auch das Personal soll zur Bewältigung der neuen Aufgaben aufgestockt werden. Nach Schätzungen des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR flohen wegen des Krieges zwei Millionen Iraker aus ihrem Land, viele davon gingen nach Syrien und Jordanien. Weitere 2,4 Millionen Menschen waren innerhalb des Iraks auf der Flucht. Nachdem in vielen Gegenden die Gewalt abnimmt, kehren viele der Flüchtlinge wieder in ihre Heimatorte zurück.

(Quelle: ap)


 

 

Blick ins Archiv:

Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003

Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.

US-Präsident Bush hatte Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen. Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in einer Fernsehansprache (19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....

Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan. Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen", "Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale Konflikte" zu verhindern.

1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld, Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker in der Bush-Administration... Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html

Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg
#Politische_Vorgeschichte






Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/
irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news



Chronologie des Irak-Kriegs

Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news

Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news

Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news

Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news

Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news

Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news

Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news

Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news

Teil 9: 01.01.2007 bis 17.02.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news

... wird fortgesetzt...
 
 


 

Vor einem Jahr:
 
Irak am neunhundertdreiundsechszigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität

Sa.17.02.07 - US-Parlament stimmt gegen Bushs Irak-Politik +++ 2007 bis zu einer Million Flüchtlinge im Irak befürchtet +++ Schiitenführer Sadr will zu Sicherheit im Irak beitragen +++ Erstes Lebenszeichen von deutschen Irak-Geiseln +++ 30.000 Pistolen aus Österreich in den Irak geliefert... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv9/k0702170.htm#news

 
 

 

Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a

Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b

... Lügen und Täuschungen, die in London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
 

Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net

Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in der Studie heißt, die auf der Website der renommierten britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com] veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
 

Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi: 10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5 Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
 

Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
 

Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet: Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society Studies (IIACSS) zusammengetragen.

Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18 Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr 1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte. (Quelle: afp)

Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote gemeldet (Stand Sonntagabend).

Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens 3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der US-Streitkräfte hervorgeht.

Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155 Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr zuvor. (Quelle: afp)
 

«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
 
 

'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'

»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.

Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den Straßen des Irak herumirren... «

Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
 
 
 

US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak

Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg: Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung, erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f

 
 

Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren

Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr. US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.

Quellen: ap, afp

Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt

Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar (1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar (425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office am Mittwoch in Washington mitteilte...

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
 
 

'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg

Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung - er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der 38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch Steuerverweigerung aus.... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv9/k0707210.htm#07072101

 
 

Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'

Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen. Niemals

Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig alle hassen".

Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen. "Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"

Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht: Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter, Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind sie - Helden.

Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007

'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
 


 

Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'

Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in Afghanistan in den 80er Jahren.

Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die westlichen Länder müssten die Gründe dafür analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.

Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.

(Quelle: ap)
 


 

Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar

Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...

Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten Irakkrieg. ..

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
 


 

Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen

Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein "Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde, warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.

Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115 Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million. Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)

Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten - würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.

An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne gehen...

Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
 


 

Saddam Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis

Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt, dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit, dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am Sonntagabend ausgestrahlt werden.

Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms Klarheiten zu schaffen.

Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann dazustehen, der den USA trotzt.»

Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff zu nehmen.

boa (Quelle: ap)
 
 
 
 

 


 


 

Deutschland erwägt angeblich Ausstieg aus Anti-Terror-Mission in Afghanistan

So.17.02.08 - Die deutsche Regierung  erwägt einem "Spiegel"-Bericht zufolge den Ausstieg aus der US-geführten Anti-Terror-Operation Enduring Freedom (OEF) in Afghanistan.

Das Magazin berichtete am Samstag vorab, dazu habe sie bereits diskret in den USA vorgefühlt. Ein Regierungssprecher sagte dagegen, es gebe keine Überlegungen, die erst Ende 2007 vom Bundestag beschlossenen Bundeswehrmandate zu verändern.

Dem im Herbst auslaufenden OEF-Mandat zufolge dürfen bis zu 100 Elitesoldaten des Kommandos Spezialkräfte (KSK) auch im kriegerischen Süden und Osten des Landes eingesetzt werden. Sie wurden aber seit Jahren nicht mehr von den USA angefordert. Im Rahmen der Schutztruppe ISAF dürfen bis zu 3500 Soldaten im Norden stationiert werden, die beim Aufbau des Landes helfen.

Der Regierungssprecher sagte, über den Inhalt und die Ausgestaltung des OEF- und des ISAF-Mandates werde erst im Sommer entschieden. Dafür würden auch die Ergebnisse der im Juni in Paris stattfindenden Afghanistan-Konferenz von Bedeutung sein.

Kommende Woche wollen Verteidigungsminister Franz Josef Jung, Außenminister Frank-Walter Steinmeier und die Fraktionschefs von Union und SPD, Volker Kauder und Peter Struck, über die auslaufenden Afghanistan-Mandate beraten. Sie sollen möglichst über die Bundestagswahl 2009 hinaus verlängert werden. Jung hatte zuletzt dementiert, dass eine Erhöhung der ISAF-Truppenstärke über die 3500 Soldaten hinaus geplant sei.

Der "Spiegel" berichtete, im Gegenzug für einen deutschen Ausstieg aus der OEF-Mission verlange die US-Regierung ein stärkeres Engagement im Süden. US-Verteidigungsminister Robert Gates hatte kürzlich der Bundesregierung vorgeworfen, sie beschränke sich auf den vergleichsweise sicheren Norden des Landes. Einen Einsatz im Süden hat die Bundesregierung mehrfach und klar abgelehnt. Im Juli soll ein Kampfverband der Bundeswehr die schnelle Eingreiftruppe im Norden des Landes stellen. Die 200 Soldaten würden damit norwegische Truppen ersetzen.

Dem Vorabbericht zufolge soll ein Expertenteam des Technischen Hilfswerk in Kürze erkunden, welche Aufgaben das THW in Afghanistan übernehmen könnte. Nach Vorstellungen des Militärs könnten das THW etwa Soldaten ersetzen, die zum Brandschutz eingeteilt sind.

(Quelle: rtr)
 


 

Blutbad vor Parlamentswahl in Pakistan - Mindestens 37 Tote bei Selbstmordanschlag

So.17.02.08 - Bei einem Selbstmordanschlag vor dem Wahlkampfbüro eines Parlamentskandidaten in Pakistan sind zwei Tage vor der Wahl mindestens 37 Menschen getötet worden. Mehr als 90 Menschen wurden bei der Bluttat am Samstag in der Stadt Parachinar im Nordwestens Pakistans an der Grenze zu Afghanistan verletzt, wie das Innenministerium mitteilte.

Bei den meisten Opfern handelt es sich offenbar um Anhänger der Pakistanischen Volkspartei (PPP) der ermordeten Oppositionsführerin Benazir Bhutto. Diese hatten sich nach einer Wahlversammlung vor dem Haus des unabhängigen Kandidaten getroffen. Der Selbstmordattentäter raste mit einem mit Sprengstoff beladenen Auto in die Menge, wie ein Sprecher des Innenministeriums mitteilte.

Bereits wenige Stunden zuvor hatten mutmaßliche Extremisten ein Wahllokal im Nordwesten des Landes angegriffen. Das Gebäude in der Stadt Khar - ein im Bau befindliches Gefängnis, das am Montag als Wahllokal genutzt werden sollte - wurde nach Polizeiangaben schwer beschädigt. Die Angreifer hätten am frühen Samstagmorgen mehr als ein Dutzend Sprengsätze gezündet, sagte ein Sprecher. Das Gebäude stand leer, verletzt wurde niemand.

In Hyderabad im Süden des Landes verhinderte die Polizei am Samstag offenbar einen Selbstmordanschlag. In der Stadt wurde ein Mann mit einer Sprengstoffweste festgenommen, wie der örtliche Polizeichef Shaukat Shah mitteilte. In der Stadt Karachi griffen die Behörden am Freitag zehn Extremisten auf und beschlagnahmten Sprengsätze.

Die Behörden verschärften vor der Parlamentswahl die Sicherheitsvorkehrungen. Fast 500.000 Sicherheitskräfte wurden zum Schutz der Abstimmung abgestellt. Neben 392.000 Polizisten sind auch 81.000 Soldaten im Einsatz, wie ein Militärsprecher am Samstag mitteilte.

Die staatliche Wahlkommission sicherte unterdessen bestmögliche Voraussetzungen für eine faire Abstimmung zu. Es gebe keine Chance auf Manipulation, sagte Sprecher Kanwar Dilshad am Samstag. Alle Parteien hätten eine faire Chance, unabhängig von ihrer politischen Ausrichtung. «Wir machen unsere Arbeit, um freie, faire, transparente und friedliche Wahlen zu garantieren», sagte Dilshad. Die Opposition und Menschenrechtler fürchten, dass die Behörden die Ergebnisse der Parlamentswahl verfälschen könnten.

Die Volkspartei forderte am Freitag den Sturz von Präsident Pervez Musharraf. Sobald der Staatschef nicht mehr im Amt sei, werde Pakistan sich wieder «wirklicher Demokratie» annähern, sagte Babar Awan von PPP. Die Pakistanische Muslimliga (PML-N) des früheren Ministerpräsidenten Nawaz Sharif drohte mit Massenprotesten, sollte es bei der Abstimmung zu Unregelmäßigkeiten kommen.

Nach dem tödlichen Selbstmordanschlag auf Bhutto am 27. Dezember wurde die ursprünglich für 8. Januar geplante Parlamentswahl auf den 18. Februar verschoben. Umfragen sehen die Volkspartei Bhuttos in Führung. Laut einer Erhebung des von der US-Regierung finanzierten International Republican Institute würde die Hälfte der Wähler der PPP ihre Stimme geben. Weitere 22 Prozent unterstützen die Partei des früheren Ministerpräsidenten Sharif, und nur 14 Prozent würden die Partei PML-Q wählen, die Musharraf nahesteht.

Bhuttos Nachfolger an der Parteispitze, ihr Witwer Asif Ali Zardari, traf sich am Samstag mit Sharif. Erklärungen wurden nach dem Treffen nicht abgegeben.

(Quelle: ap)
 


 

Mindestens 13 Tote bei maoistischen Überfällen in Indien

So.17.02.08 - Bei einer Serie von Angriffen militanter Maoisten auf Polizeiwachen im ostindischen Unionsstaat Orissa sind nach offiziellen Angaben mindestens zwölf Polizisten und eine Zivilperson getötet worden. Zwölf weitere Polizisten wurden verletzt. Die Kämpfer hätten am späten Freitagabend vier Polizeiwachen, eine Ausbildungsakademie und ein Waffenlager angegriffen. Dabei seien den Maoisten mindestens 1.000 Pistolen in die Hände gefallen, teilte die Polizei der Provinz Orissa mit. Rund 400 Rebellen sollen an den Angriffen beteiligt gewesen sein.

Die Waffen sollen in einem Bus abtransportiert worden sein, den die Rebellen zuvor in ihre Gewalt gebracht hatten. Die Rebellen bezeichnen sich als Naxaliten, benannt nach dem Dorf Naxalbari bei Kalkutta, in dem die Bewegung 1967 gegründet wurde. Die Naxaliten sind in mehreren Unionsstaaten aktiv. Sie fordern Landbesitz für Arbeiter und Arme und orientieren sich in ihrem Kampf nach eigenen Angaben an dem chinesischen Revolutionsführer Mao Tse Tung.

(Quelle: ap)
 


 

US-Präsident Bush sichert Afrika Hilfe bei Konfliktlösung zu

So.17.02.08 - US-Präsident George W. Bush hat zum Auftakt seiner Afrikareise den Staaten dort Hilfe bei der Lösung ihrer Krisen zugesichert. Die USA befassten sich aktiv mit den Problemen des afrikanischen Kontinents, auch wenn seine einwöchige Reise nicht in die Konfliktregionen führe, sagte Bush am Samstag auf einer Pressekonferenz mit dem Präsidenten von Benin, Thomas Boni Yayi. Bei seinem Besuch in insgesamt fünf Ländern wolle er jedoch vor allem auf Erfolge verweisen.

«Wenn man Erfolge verkündet, hilft das anderen zu erkennen, was möglich ist», erklärte Bush. Auch wenn «natürlich nicht alles perfekt ist», gebe es in den Ländern Afrikas «viele großartige Erfolgsgeschichten, und die USA freuen sich darüber, an diesen Erfolgsgeschichten beteiligt zu sein».

Nach ihrem Eintreffen in Benin wurden Bush und seine Frau Laura mit militärischen Ehren begrüßt. Der Besuch in dem westafrikanischen Land dauerte nur drei Stunden. Anschließend flog das Präsidentenpaar nach Tansania im Osten des Kontinents weiter. In Daressalam wurden Bush und seine Frau vom tansanischen Präsidenten Jakaya Kiwete begrüßt.

Weitere Stationen der Reise des US-Präsidenten sind Ruanda, Ghana und Liberia. Bush will die USA dort als zuverlässigen Partner im Kampf gegen Armut, Krankheit und Korruption präsentieren.

Die Armut in Afrika zu lindern werde die Rekrutierungsbemühungen von Terroristen unterminieren, sagte Bush am Donnerstag vor Journalisten. Eine hoffnungslose Situation nutze dem Terror. Zudem zeigte er sich enttäuscht über die stockende Stationierung einer gemeinsamen Friedensmission der Afrikanischen Union und der Vereinten Nationen in der sudanesischen Krisenprovinz Darfur. Von den vorgesehenen 26.000 Polizisten und Soldaten sind bislang nur 9.000 eingetroffen.

Zum neue US-Oberkommando für Afrika (AFRICOM) sagte Bush, es sei noch keine baldige Entscheidung über eine mögliche Verlegung von Stuttgart weg geplant. Liberia hat sich offiziell als Standort für das AFRICOM-Hauptquartier angeboten.

(Quelle: ap)
 


 

Startschuss für EU-Krisenmission im Kosovo gefallen

So.17.02.08 - Die Europäische Union (EU) hat grünes Licht für die Entsendung von rund 2000 Polizisten und Juristen in das Kosovo gegeben.

Einen Tag vor der erwarteten Unabhängigkeitserklärung der serbischen Provinz billigte die EU am Samstag den Einsatz der Fachleute, die im Kosovo den Aufbau eines Rechtsstaates unterstützen sollen. Im Kosovo bereitete die albanische Minderheit die Feiern für die Unabhängigkeit vor, für die sie seit Jahren gekämpft hat. Serbien lehnt eine Abspaltung der Provinz ab und wird dabei von Russland unterstützt. Die westlichen Staaten, darunter auch Deutschland, stehen dagegen überwiegend hinter einer Eigenständigkeit des Kosovo.

Keiner der 27 EU-Mitglieder habe bis Ablauf der Frist um Mitternacht Einwände gegen den "Eulex" genannten Einsatz vorgebracht, teilte die EU in Brüssel mit. Sobald die albanischstämmige Mehrheit des Kosovo ihre Unabhängigkeit erklärt habe, werde die EU nach einer Übergangsfrist von 120 Tagen die Polizei-, Justiz- und Verwaltungsaufsicht von den Vereinten Nationen (UN) übernehmen. Die EU-Experten werden sich im Kosovo überwiegend auf die Beratung der örtlichen Behörden beschränken. Beim Kampf gegen Korruption und organisierte Kriminalität sowie bei der Suche nach Kriegsverbrechern haben sie jedoch teilweise auch Exekutivgewalt.

Nach einem Vorabbericht der "Welt am Sonntag" stehen die ersten deutschen Polizisten für den EU-Einsatz im Kosovo schon bereit. Bei einer ersten Ausschreibung des Bundesinnenministeriums seien 63 Beamte ausgewählt worden, berichtet die Zeitung unter Berufung auf Regierungskreise. Weitere Polizisten sollen danach hinzukommen. Die Polizisten müssten von der EU-Einsatzleitung allerdings noch formell angefordert werden.

EU-Repräsentant im Kosovo solle der Niederländer Pieter Feith werden, teilt die EU weiter mit. Es wird erwartet, dass er im Juni die Aufgaben vom höchsten UN-Repräsentanten, dem Deutschen Joachim Rücker, übernimmt. Die EU-Staats- und Regierungschefs hatten auf ihrem Gipfel im Dezember den "Eulex"-Einsatz beschlossen. Die EU geht davon aus, dass die UN-Sicherheitsratsresolution 1244 über das Kosovo von 1999 ihr Handeln legitimiert. Russland hält den Einsatz dagegen für einen Verstoß gegen das Völkerrecht. Die Nato hatte 1999 mit Bombenangriffen serbische Truppen aus dem Kosovo vertrieben, die dort gegen Albaner vorgegangen waren.

"Morgen wird ein Tag des Friedens und des staatlichen Engagements sein, um den Willen der Bürger des Kosovo umzusetzen", sagte der Ministerpräsident des Kosovo, Hashim Thaci, vor Journalisten. Das Parlament des Kosovo will die Unabhängigkeit am Sonntag in einer Sondersitzung erklären, die um 15.00 Uhr in Pristina beginnen soll. Das geht aus einem Zeitplan für die Zeremonie hervor, der der Nachrichtenagentur Reuters am Samstag vorlag. Bereits am Samstag wurden im Kosovo Geschäfte und Autos mit albanischen Flaggen und US-Fahnen geschmückt. In Belgrad war dagegen ein Protestmarsch geplant. Serbien betrachtet das Kosovo als die Wiege des eigenen Staates. Serben versammelten sich im Protest gegen die Abspaltung in orthodoxen Kirchen, so in der Stadt Mitrovica im Norden der Provinz.

Die EU will am Montag über ihre Reaktion auf die Unabhängigkeitserklärung des Kosovo beraten. Diplomaten zufolge könnten Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien unmittelbar nach den Beratungen der Gemeinschaft den neuen Staat anerkennen. Die USA sowie mehrere weitere EU-Staaten könnten ihnen rasch folgen.

Sechs EU-Mitglieder haben jedoch angekündigt, das Kosovo nicht sofort als selbstständigen Staat zu akzeptieren: Zypern, Griechenland, die Slowakei, Spanien, Bulgarien und Rumänien. Spanien fürchtet den Separatismus der Basken. Auch das geteilte Zypern und die anderen Staaten sehen in der Loslösung des Kosovo einen Präzedenzfall für Länder mit ethnischen Minderheiten.

(Quelle: rtr)
 


 

Kosovo-Unabhängigkeit: Deutscher SPD-Außenpolitiker Klose bezweifelt Rechtmäßigkeit

So.17.02.08 - Der SPD-Außenpolitiker Hans-Ulrich Klose hat sich skeptisch zur Rechtmäßigkeit einer Unabhängigkeitserklärung des Kosovo geäußert.

"Ich habe Zweifel an der völkerrechtlichen Legitimität dieses Schrittes. Es fällt schwer, eine solche Sezession zu rechtfertigen", sagte der stellvertretende Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag der "Frankfurter Rundschau" (Samstagausgabe) laut Vorabbericht. Er warnte, "wenn die Grundlage das Selbstbestimmungsrecht einer Volksgruppe innerhalb eines Vielvölkerstaats sein sollte, würden wir die Büchse der Pandora öffnen". Volksgruppen in anderen Ländern könnten sich durch das Vorbild des Kosovo ermutigt sehen.

Eine Alternative zu der Unabhängigkeitserklärung sehe er wegen der "Entwicklung der vergangenen zehn Jahre" aber kaum, sagte Klose. Von allen schlechten Lösungen sei eine überwachte Unabhängigkeit wohl die am wenigsten schlimme. Er erwarte dennoch, dass Deutschland die Unabhängigkeit des Kosovo rasch anerkennen werden.

Die Unabhängigkeitserklärung der südserbischen Provinz wird am Sonntag erwartet.

(Quelle: rtr)
 


 

Dänische Abgeordnete sagen wegen Karikaturenstreits Iran-Besuch ab

So.17.02.08 - Eine Gruppe dänischer Parlamentarier hat im Zusammenhang mit dem neu aufgeflammen Streit wegen des Abdrucks von Mohammed-Karikaturen einen Besuch im Iran abgesagt. Grund dafür ist die Forderung Teherans, sich wegen des erneuten Abdrucks der umstrittenen Karikaturen in dänischen Zeitungen zu entschuldigen.

Zehn Mitglieder des Außenpolitischen Ausschusses, darunter der ehemalige Außenminister Mogens Lykketoft, wollten vom 18. bis 21. Februar den Iran besuchen. Der iranische Botschafter habe den Ausschuss aufgefordert, die Karikaturen zu verurteilen, sagte eine Sprecherin des Parlamentsausschusses. Dies hätten die Ausschussmitglieder abgelehnt.

Führende dänische Zeitungen hatten nach Bekanntwerden eines mutmaßlichen Anschlagsplans gegen einen Karikaturisten am Mittwoch erneut die Zeichnungen abgedruckt, die vor zwei Jahren zu Massenprotesten in der islamischen Welt geführt hatten. Sie wollten zeigen, dass sie weiter für das Recht auf Meinungsfreiheit einträten, erklärten die Zeitungen.

(Quelle: ap)
 


 

Neue Krawalle und Proteste wegen Mohammed-Karikaturen

So.17.02.08 - Der neuerliche Abdruck der umstrittenen Karikaturen des Propheten Mohammed hat neue Krawalle in Dänemark sowie Proteste in muslimischen Ländern ausgelöst. In einem überwiegend von Einwanderern bewohnten Stadtteil Kopenhagens randalierten Jugendliche bereits die sechste Nacht in Folge  und setzten Dutzende Autos und Mülleimer in Brand. Ferner wurden Steine auf Polizisten geworfen..

Beobachtern zufolge waren die Krawalle zunächst eine Reaktion auf als repressiv empfundene Polizeikontrollen. Der Abdruck der Karikaturen habe jedoch noch mehr Öl ins Feuer gegossen. «Nichts wird einfacher, wenn die Karikaturen wieder zurückkommen», sagte ein städtischer Sozialarbeiter, Khalid al Subeihi. Ein Fotograf der Zeitung «Jyllands-Posten», die die zwölf Zeichnungen vor zwei Jahren erstmals veröffentlicht hatte, wurde von den Jugendlichen leicht verletzt. Ob die Angreifer wussten, wer der Mann war, blieb zunächst unklar.

Mit dem neuerlichen Abdruck reagierten dänische Zeitungen am Mittwoch auf die Aufdeckung eines mutmaßlichen Mordkomplotts gegen einen der Zeichner. In diesem Zusammenhang wurden zwei Tunesier und ein Däne marokkanischer Abstammung festgenommen. Der Däne wurde unter Auflagen wieder freigelassen, für die Tunesier wurden 27 Tage Haft unter dem Anti-Terror-Gesetz festgelegt. Während dieser Zeit wollen die Behörden entscheiden, ob die beiden Verdächtigen ohne Gerichtsverfahren des Landes verwiesen werden sollten.

Aus Protest gegen die Karikaturen bestellte der Iran den dänischen Botschafter in Teheran ins Außenministerium ein. Dabei forderten iranische Beamte, dass die Kopenhagener Regierung in dem Fall eine «ernsthafte Haltung» einnehmen und eine Wiederholung verhindern sollte. Botschafter Sören Haslund erklärte später im dänischen Fernsehen, er habe der iranischen Seite zugesagt, deren Bedenken wortgetreu an seine Regierung weiterzuleiten. Er habe aber sich aber weder entschuldigt noch Bedauern bekundet.

In der pakistanischen Hafenstadt Karachi setzten islamische Studenten eine dänische Flagge in Brand. Sie forderten die Todesstrafe für die Karikaturen-Zeichner und warfen Präsident Pervez Musharraf vor, nicht entschlossen gegen Dänemark Stellung zu beziehen.

(Quelle: ap)
 


 

Kanada liefert Ex-SS-Lageraufseher Seifert an Italien aus

So.17.02.08 - Der wegen Mordes und Folter verurteilte frühere SS-Lageraufseher Michael "Misha" Seifert ist von Kanada an Italien ausgeliefert worden. Der inzwischen 84 Jahre alte Seifert sollte vom römischen Flughafen Ciampino in ein Militärgefängnis im Süden des Landes gebracht werden, sagte der Militärstaatsanwaltschaft Bartolomeo Constantini im norditalienischen Verona der italienischen Nachrichtenagentur Ansa.

Seifert war im Jahr 2000 in Italien in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Ein Militärgericht befand den gebürtigen Ukrainer für schuldig, für 18 Fälle von Mord und Folter zwischen Juni 1944 und April 1945 verantwortlich zu sein. Im Oktober 2002 wurde das Urteil rechtskräftig. Seifert lebte seit 1951 in Vancouver in der westkanadischen Provinz British Columbia. Ein kanadisches Gericht ordnete 2003 seine Auslieferung an Italien an, 2007 wurde die Entscheidung in einem Berufungsverfahren bestätigt.

Seifert beging die Taten dem Urteil zufolge in einem Konzentrationslager in Bozen, als Norditalien von deutschen Truppen besetzt war. Während dieser Zeit wurden insgesamt etwa 11.000 Juden, politische Gefangene und Deserteure in dem Lager gefangen gehalten.

(Quelle: afp)
 


 

Deutschland

Steueraffäre - Behörden zahlten angeblich Millionen für geheime Daten

So.17.02.08 - Für die brisanten Daten aus Liechtenstein über hunderte Steuerbetrüger hat der Bund mehrere Millionen Euro bezahlt. Laut Medienberichten flossen zwischen 4,2 und fünf Millionen Euro an einen Informanten, der sich schon 2006 beim Bundesnachrichtendienst gemeldet hatte.

Das Geld für die Daten-CD floss laut ZDF auf Grundlage eines förmlichen Vertrags mit der Steuerfahndung Wuppertal auf ein von einem Notar verwaltetes Konto. In der Folge habe es mehrere Treffen gegeben, an denen auch die Steuerfahnder teilgenommen hätten.

Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) wusste von dem Deal, wie sein Sprecher Torsten Albig erklärte. Das Ministerium habe sichergestellt, dass es beim BND in dessen Etat zu keinen Nachteilen kam - damit könnte eine Kostenübernahme gemeint sein. Details wie Konten und Namen seien Steinbrück aber nicht gesagt worden. Weiter sagte Albig, auch das Bundeskanzleramt sei eingeweiht gewesen. Zur Höhe der gezahlten Summe machte er keine Angaben.

BND-Sprecher Stefan Borchert wollte die Berichte nicht kommentieren; man müsse erst dem zuständigen Gremium des Bundestags Bericht erstatten.

Das Beweismaterial soll mehr als 1.000 Verdächtige betreffen, die insgesamt mehrere Milliarden Euro am Fiskus vorbei ins Ausland geschleust haben sollen. Die möglichen Rück- und Strafzahlungen dürften den Kaufbetrag für die CD-ROM weit übersteigen.

Spitzenpolitiker reagierten am Samstag empört, forderten eine Überprüfung des Strafmaßes bei Steuerhinterziehungen und warnten vor einem Schaden für die soziale Marktwirtschaft. Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) forderte die deutschen Manager auf, sich ihrer Vorbildfunktion für die Gesellschaft bewusst zu werden. Andernfalls werde die soziale Marktwirtschaft unglaubwürdig. Die Wirtschaft hingegen warnte vor einer pauschalen Managerschelte.

Laut «Spiegel Online» lieferte der unbekannte Mann rund tausend Datensätze, «darunter Korrespondenzen, Depotauszüge, Vermerke aus dem Fundus der LGT-Gruppe und die Dienstvorschriften des Fürstentums Liechtenstein über die Verschleierung von Finanzströmen». Nun verlange er umfassenden Personenschutz und wolle keinesfalls als Zeuge auftreten.

Postchef Klaus Zumwinkel, der am Freitag wegen der Steuerhinterziehungs-Affäre zurückgetreten war, wendete eine drohende Untersuchungshaft laut «Focus» mit einer Vermögens-Abtretungserklärung für die Finanzbehörden sowie einer Kautionszahlung in Höhe von einer Million Euro ab.

Anfang kommender Woche soll es dem Magazin zufolge weitere Steuer-Razzien bei prominenten Millionären geben: Schwerpunkte der Aktion sollen Köln und Düsseldorf sein. Mehr als 150 Ermittlungsverfahren seien bereits eingeleitet worden. Die federführende Staatsanwaltschaft Bochum war am Samstag nicht zu erreichen.

Die ins Zwielicht geratene LGT-Gruppe mit Sitz im liechtensteinischen Vaduz hat von den deutschen Steuer-Ermittlungen erst aus den Medien erfahren. «Wir waren völlig überrascht. Bislang hat noch keine Strafverfolgungsbehörde, auch keine aus Liechtenstein, mit uns Kontakt aufgenommen», sagte der Sprecher der LGT Group, Bernd Junkers, der «Welt am Sonntag». Er bestätigte, dass es bei der Bank seit dem Sommer vergangenen Jahres interne Ermittlungen gibt. Zuvor seien Hinweise eingegangen, wonach bei der unabhängigen Tochtergesellschaft LGT Treuhand AG Kundendaten illegal weitergegeben wurden.

(Quelle: ap)
 


 

Politiker nennen Managerverhalten Bedrohung für Staat

So.17.02.08 - Führende Vertreter aus Politik und Gesellschaft haben angesichts des Falls Zumwinkel das Verhalten von Managern als Gefahr für das Gemeinwesen bezeichnet und eine strengere Kontrolle der Wirtschaftsführer gefordert.

Wirtschaftsminister Michael Glos sagte, die Manager müssten sich ihrer Vorbildfunktion für die Gesellschaft bewusstwerden. "Andernfalls wird unsere Soziale Marktwirtschaft unglaubwürdig", sagte er der "Bild am Sonntag". Finanzminister Peer Steinbrück warnte, die Eliten brächten das System zum Einsturz. Ein Verhalten wie das des zurückgetretenen Post-Chefs berühre die Legitimationsgrundlagen des Wirtschaftssystems. SPD, DGB und der saarländische Ministerpräsident Peter Müller (CDU) forderten neue Regeln, um Manager zu mehr Transparenz zu zwingen.

Deutschland steht vor der Aufdeckung einer der größten Fälle von Steuerbetrug. Nachdem Post-Chef Zumwinkel über die Vorwürfe von Steuerhinterziehung in Millionenhöhe stürzte, müssen Hunderte weitere Verdächtige ebenfalls mit Razzien rechnen.

"Ein Mann dieser Güteklasse muss wissen, was eine eingestandene Steuerhinterziehung in der Wahrnehmung der Bürger bedeutet", sagte Steinbrück "Zeit Online". Es sei nicht verwunderlich, wenn nun Gegenreaktionen einsetzten, die der Wirtschaft nicht gut täten. Verdi-Chef Frank Bsirske sagte der "Bild am Sonntag", niemand müsse sich wundern, dass bei den Menschen ein Gefühl tief empfundener Ungerechtigkeit um sich greife. CSU-Chef Erwin Huber sprach von einem tiefen Riss zwischen der Gesellschaft und den Wirtschaftsführern. "Es muss jetzt schleunigst ein Selbstreinigungsprozess in der Wirtschaft einsetzen." CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla erklärte, die Wirtschaft müsse das ramponierte Vertrauen durch geeignete Maßnahmen wiederherstellen: "Die ehrlichen Unternehmer sind aufgerufen, Stellung zu beziehen."

Glos forderte: "Unsere Manager müssen Ethos entwickeln." Ansonsten würde angesichts des drohenden Vertrauensverlustes in die Eliten "unser Land zum Übernahmekandidaten für die Linke". Auch SPD-Fraktionschef Peter Struck warnte vor einer Stärkung der politischen Ränder links und rechts. "Ich habe überhaupt kein Verständnis für diese Gier, diese Raffgier-Mentalität, die da deutlich wird", sagte er dem rbb-inforadio. Der Elite seien die Maßstäbe verloren gegangen.

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt warnte vor Verallgemeinerungen. Schwarze Schafe gebe es überall. "Wir sollten aber nicht von Glaubwürdigkeitsproblemen der Wirtschaft insgesamt sprechen", sagte er der "Stuttgarter Zeitung". Die Verstöße seien gemessen an der Gesamtzahl der Manager und Unternehmer "verschwindend gering".

Schon am Freitag hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel die Topmanager zu verantwortlichem Handeln aufrufen und vor einem Vertrauensverlust in die soziale Marktwirtschaft gewarnt. Angesichts der Verlagerung des Bochumer Nokia-Werkes und der Vorgänge um Zumwinkel stelle sich die Frage nach der Verantwortung jedes Einzelnen.

Der neue Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, forderte ein hartes Vorgehen gegen Steuerhinterziehung, die nicht als Kavaliersdelikt durchgehen dürfe. Auch kritisierte er, dass Manager auch dann noch Millionen-Abfindungen erhielten, wenn sie Unternehmen heruntergewirtschaftet hätten. Es sei schon bedenklich, wenn die Aktien eines Konzerns stiegen und das Management gleichzeitig Menschen in die Arbeitslosigkeit schicke. "Nicht nur Eigentum verpflichtet, es muss der Grundsatz gelten: 'Kapital ist sozialpflichtig'", sagte er der "Bild am Sonntag".

Die SPD kritisierte, die Jagd nach maßlosen Spitzenrenditen führe zur Zerstörung gesunder Betriebe und als sicher geltender Arbeitsplätze. "Dem muss durch neue Regeln Einhalt geboten werden", heißt es in einer Erklärung, die das Parteipräsidium am Montag verabschieden will.

Der DGB forderte die Offenlegung aller Managerbezüge. "Ich sehe einen neuen Managerfeudalismus, in dem sich eine bestimmte Manager-Gruppe völlig von dem Leben der normalen Bürger abkoppelt", sagte DGB-Vorstandsmitglied Dietmar Hexel der "Rheinischen Post". Der Gesetzgeber sollte auch prüfen, wie er verhindern könne, dass Unternehmen im Ausland Firmen nur zum Zweck der Steuerersparnis gründeten.

Auch der saarländische Ministerpräsident Müller forderte eine Verschärfung der Gesetze zur Manager-Kontrolle. "Die Selbstverpflichtung der Wirtschaft im Rahmen der Corporate Governance muss weiter intensiviert werden." Dabei müssten gesetzliche Maßstäbe geprüft werden, sagte er der "Welt am Sonntag".

(Quelle: rtr)
 


 

Mittelstand gut im Geschäft - Blick in Zukunft aber skeptisch

So.17.02.08 - Obwohl die Geschäfte so gut laufen wie seit Jahren nicht mehr, blickt der deutsche Mittelstand skeptisch in die Zukunft. Nur etwa jedes dritte Unternehmen rechnet damit, dass sich seine Lage in den kommenden Monaten weiter verbessern wird.

Das ergab eine Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young. Vor einem Jahr gingen noch 60 Prozent der Firmen von einer Verbesserung ihrer Situation aus. Trotz dieser eingetrübten Aussichten wollen die Mittelständler aber mehr neue Mitarbeiter einstellen und mehr investieren, wie die Befragung von bundesweit 3000 Geschäftsführern und Firmeninhabern ergab.

«Die deutschen Mittelständler stehen derzeit so gut da wie lange nicht mehr», sagte der Mittelstandsexperte von Ernst & Young, Peter Englisch. «Die Auslastung ist hoch, die Auftragsbücher sind voll.» Insgesamt bewertet mehr als die Hälfte der Firmen ihre aktuelle Lage als gut. Vor einem Jahr sagten das nur 38 Prozent der Mittelständler, im Jahr 2005 war es sogar nur jedes fünfte Unternehmen. Besonders gut ist die Stimmung bei den großen Firmen. Nur 7 Prozent der Unternehmen mit mehr als 100 Millionen Euro Jahresumsatz klagten über schlechte Geschäfte, bei den Unternehmen mit weniger als 30 Millionen Euro Jahresumsatz liegt der Anteil bei 15 Prozent.

In diesem Jahr sei im deutschen Mittelstand mit einem Anstieg der Beschäftigtenzahl zu rechnen, schreibt Ernst & Young in dem «Mittelstandsbarometer 2008». Zwar planen 15 Prozent der Unternehmen der Studie zufolge einen Stellenabbau, 29 Prozent wollen aber neue Mitarbeiter in Deutschland einstellen. Viele hätten allerdings Probleme, überhaupt alle offenen Stellen besetzen zu können, sagte Englisch. «Immer mehr Unternehmen suchen händeringend nach qualifizierten und motivierten Arbeitskräften.»

Trotz der etwas trüberen Prognose will der Studie zufolge jedes dritte Unternehmen mehr investieren als im Vorjahr. Nur 13 Prozent der Mittelständler planen dagegen, ihre Investitionen zurückzufahren. Besonders groß ist die Investitionsbereitschaft in Hamburg, Berlin und Hessen.

Insgesamt bewerten die Mittelständler den Angaben von Ernst & Young zufolge ihre eigene Situation optimistischer als die konjunkturelle Entwicklung in Deutschland. Nur noch etwa jedes dritte Unternehmen rechnet in diesem Jahr mit einer positiven Entwicklung der deutschen Wirtschaft, 28 Prozent gehen von einer Verschlechterung der Lage aus. Vor einem Jahr hatten noch etwa drei von vier Unternehmen einen Aufschwung vorhergesagt, nur sieben Prozent glaubten an eine Verschlechterung.

Die Zeichen, dass der Höhepunkt des Booms überschritten sei, mehrten sich, sagte Englisch. «Wir stehen an einem Wendepunkt. Die US-Immobilien- und Finanzkrise scheint größere Auswirkungen auf die Realwirtschaft zu haben als zunächst erwartet.» Die deutsche Wirtschaft sei aber sehr robust. «Viele Unternehmen - gerade im Mittelstand - haben ihre Hausaufgaben gemacht und sind auch international hervorragend aufgestellt.»

Für die Studie befragte das Befragungsinstitut Valid Research aus Bielefeld im Auftrag von Ernst & Young im Dezember 2007 Mittelständler aus allen Bundesländern.

(Quelle: dpa)
 


 

Seehofer für branchenspezifischen Mindestlohn

So.17.02.08 - Der stellvertretende CSU-Chef Horst Seehofer hat branchenspezifische Mindestlöhne gefordert. Den von der Union als Alternative favorisierten Kombilohn lehnte Seehofer in einem Interview des Ingolstädter «Donaukuriers» (Samstagsausgabe) als Geschenk für die Unternehmer ab. Der von der SPD geforderte allgemeine Mindestlohn würde alle Löhne in eine Abwärtsspirale führen, warnte er.

Die CSU dürfe nicht ignorieren, dass die Mehrheit der Deutschen mehr soziale Gerechtigkeit erwarte, sagte der Bundesagrarminister und Vorsitzende der Christlich-Sozialen Arbeitnehmerunion (CSA). Wer Vollzeit arbeite, sollte in der Regel von seinem Lohn leben können. «Dazu braucht es einen branchenspezifischen Mindestlohn», sagte Seehofer. Die Koalition habe vereinbart, dass einzelne Branchen durch das Arbeitnehmer-Entsendegesetz Mindestlöhne festlegen lassen können. «Wo dann noch weiße Flecken bestehen, weil es beispielsweise in bestimmten Branchen oder Regionen keine Tarifverträge gibt, sollen durch eine Aktualisierung des Mindestarbeitsbedingungsgesetzes aus dem Jahr 1952 Regularien für die Findung von Mindestlöhnen festgelegt werden», sagte Seehofer. Dagegen hatte CSU-Chef Erwin Huber Huber kritisiert, dass Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) das Gesetz von 1952 aus der Versenkung holen wolle.

Seehofer lehnte auch den Vorschlag der Union ab, geringe Einkommen durch staatliche Zuschüsse als Kombilohn aufzustocken. «Unternehmer würden damit immer niedrigere Arbeitslöhne bezahlen, weil sie wissen, dass der Staat die Differenz ausgleicht», sagte er. Kombilöhne seien nur für einen eng begrenzten Personenkreis wie beispielsweise Behinderte sinnvoll.

(Quelle: ap)
 


 

BDI-Geschäftsführer sieht in Rot-Rot-Grün ein Schreckgespenst

So.17.02.08 - Gut eine Woche vor den Bürgerschaftswahlen in Hamburg warnt der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) vor Regierungsbeteiligungen der Links-Partei. «Rot-dunkelrot-grün ist das Schreckgespenst für den Wirtschaftsstandort Deutschland», sagte BDI-Hauptgeschäftsführer Werner Schnappauf der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» (Samstagausgabe) laut Vorabbericht. Eine Regierungsbeteiligung der Linken werde die internationale Glaubwürdigkeit und Wettbewerbsfähigkeit zutiefst gefährden.

«Wenn die, die die DDR wirtschaftlich zugrunde gerichtet haben, die die Menschen ausgebeutet und die Natur zerstört haben, wenn die in Deutschland Regierungsverantwortung tragen in Form der Linkspartei, ob in Hessen oder anderen Ländern und erst recht auf Bundesebene, dann würde das für den Standort letzten Endes das Aus bedeuten», sagte der frühere CSU-Politiker. Schnappauf appellierte an Union und SPD vor dem Hintergrund schwächeren Wachstums, mehr für Wachstum und Beschäftigung zu tun. Unter anderem müssten die Arbeitnehmer entlastet werden.

Schnappauf sprach sich zudem für einen Kurswechsel in der Subventionspolitik aus. Ansiedlungsinvestitionen wie im Falle des Handyherstellers Nokia seien überholt. «Da muss man in der Tat die Frage stellen, ob solche Fördermittel für international agierende Großunternehmen überhaupt hilfreich sind», sagte Schnappauf. Letztlich werde die Förderung mitgenommen und «die Karawane zieht weiter.» Besser wäre es dagegen, staatliche Fördermittel auf kleine und mittlere Unternehmen sowie in Forschung, Entwicklung und Bildung zu konzentrieren.

(Quelle: ddp)
 


 

Freiheit der Bahn soll nach Börsengang begrenzt bleiben

So.17.02.08 - Die Deutsche Bahn bleibt einem Magazinbericht zufolge auch nach einer Teilprivatisierung ein Staatsunternehmen mit eingeschränkter unternehmerischer Freiheit.

Die "Wirtschaftswoche" berichtete am Samstag unter Berufung aus dem Entwurf eines Privatisierungsvertrages, die Bahn solle keine ihrer zur Privatisierung vorgesehenen Sparten im Verkehrs- und Logistikbereich jemals zu mehr als 49,9 Prozent an Investoren abgeben dürfen. Die teilprivatisierten Bereiche sollten gezwungen werden, unternehmensübergreifende Dienstleistungen weiterhin bei der Konzernholding einzukaufen.

Der Aufsichtsrat des Unternehmens wird voraussichtlich Ende März die Ausgliederung des Personen- und Güterverkehrs in eine Holding beschließen. Danach könnte diese dann teilprivatisiert werden, würde aber weiter unter dem Dach des Konzern bleiben. Die "Süddeutsche Zeitung" hatte berichtet, der Wert der Verkehrssparte werde auf 20 bis 25 Milliarden Euro geschätzt.

Die "Wirtschaftswoche" berichtete, um die Zustimmung der SPD-Basis und der Bahngewerkschaft Transnet zu erreichen, sehe der Privatisierungsvertrag weitreichende Eingriffe des Staates in das operative Geschäft vor. So solle die Bahn gezwungen werden, den Beschäftigungstarifvertrag mit den Gewerkschaften fortzuführen. Zudem solle das Unternehmen verpflichtet werden, den Gewerkschaften in einem weiteren Tarifvertrag mindestens 15 Jahre lang zu garantieren, dass sie die Mehrheit an den Verkehrs- und Logistikbereichen behalte. Dadurch solle verhindert werden, dass die Bahn die Bereiche unter anderen politischen Mehrheiten doch ganz privatisieren könne.

Der Entwurf sehe einen detaillierten Zeitplan vor, heißt es in dem Bericht weiter. Bis zum 31. März sollten eine Steuerungsgruppe und ein Lenkungskreis gebildet werden, in dem Vertreter von Regierung und Bahn die Privatisierung vorbereiten. Bis zum 6. Juni sollten die Emissionsbanken beauftragt werden. Bis zum 18. Juli solle die Entscheidung über die Angebotsstruktur der Bahn-Aktien fallen und bis zum 30. September der Wertpapierprospekt der Börsenaufsicht BaFin zugeleitet werden. Der Vollzug der Teilprivatisierung sei bis zum 28. November dieses Jahres vorgesehen.

(Quelle: rtr)
 


 

Bauernverband rät weiter vom Genmais-Anbau ab

So.17.02.08 - Der Deutsche Bauernverband rät auch nach Verabschiedung des neuen Gentechnikrechts vom Genmais-Anbau ab. Der Verband erklärte am Freitag in Berlin, da weiterhin die verschuldensunabhängige Haftung gelte, bleibe man bei der ablehnenden Haltung. «Denn Landwirte sind danach trotz gesetzeskonformen Verhaltens einem unkalkulierbaren Risiko ausgesetzt.» Mit der Novelle sei versäumt worden, auch die Saatgutindustrie in die Verantwortung zu nehmen.

Als «Mogelpackung und untaugliches Instrument zur Verbraucheraufklärung» wertete der Bauernverband die Verwässerung der bisherigen strengen Regelung zur Kennzeichnung durch die Aufschrift «Ohne Gentechnik». Nach bisherigem Recht hätten sich die Verbraucher darauf verlassen können, dass bei der Herstellung damit beworbener Produkte keine Gentechnik im gesamten Produktionsprozess zur Anwendung kam. In Zukunft müsse der Verbraucher damit rechnen, dass Lebensmittel mit dem Siegel dennoch unter Verwendung von Gentechnik in einzelnen Produktionsstufen hergestellt wurden.

(Quelle: ap)
 


 

Oberster katholischer Bischof gegen Denkverbote beim Zölibat

So.17.02.08 - Der Freiburger katholische Erzbischof und neugewählte Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, hat sich "gegen Denkverbote" beim Thema Zölibat ausgesprochen. Die Verbindung zwischen Priestertum und Ehelosigkeit sei "nicht theologisch notwendig", sagte Zollitsch dem "Spiegel". Er räumte allerdings ein, dass ein Abschied der katholischen Kirche vom Zölibat für Priester "eine Revolution" wäre, bei der ein Teil der Kirche nicht mitgehen würde. Nötig wäre dafür ein Konzil, weil in das innere Leben der gesamten Kirche eingegriffen werden würde.

Zollitsch sprach sich zugleich für die Öffnung seiner Kirche für neue gesellschaftliche Milieus aus. Dabei ging der 69-jährige Erzbischof auf Distanz zu Äußerungen anderer Bischöfe zum Thema Kinderkrippe. "Begriffe wie 'Gebärmaschinen' oder 'Herdprämie' gehören nicht zu meinem Wortschatz und machen jede Diskussion im Ansatz kaputt. Wir brauchen Kinderkrippen, weil viele Eltern sie einfach benötigen", sagte Zollitsch. Er warb zugleich erneut für einen Ausbau der Beziehungen zur evangelischen Kirche.

Kritisch äußerte sich der Erzbischof zur Entwicklung der CDU. Zwar würden von dieser Partei "viele christliche Werte in unserem Sinne aufgegriffen", doch zugleich habe "die CDU sich stärker neoliberalen Thesen angenähert". Sie stehe damit in der Gefahr, die "soziale Marktwirtschaft" oder das "Soziale" nicht mehr genügend im Blick zu haben. Die Nähe zwischen katholischer Kirche und CDU sei "deshalb geringer geworden". Zugleich griffen andere Parteien wie SPD und Grüne "Dinge, die uns wichtig sind, stärker auf als früher".

(Quelle: afp)
 


 

Hochqualifizierte Zuwanderer meiden offenbar Deutschland

So.17.02.08 - Für hochqualifizierte Ausländer hat Deutschland offenbar weiter an Attraktivität verloren. Im vergangenen Jahr seien nur noch 23.400 Menschen aus Nicht-EU-Staaten nach Deutschland gekommen, um hier einer Arbeit nachzugehen, berichtet der "Spiegel" unter Berufung auf Angaben des Bundesarbeitsministeriums. Dies sei ein Drittel weniger gewesen als im Jahr zuvor. Das Blatt beruft sich auf eine Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage des FDP-Abgeordneten Volker Wissing.

Demnach zog es auch weniger ausländische Hochschüler nach Deutschland. Die Zahl junger Nicht-EU-Bürger, die ein Studium aufnahmen oder einen Sprachkurs besuchten, sank dem Bericht zufolge um rund 3000 auf etwa 31.400. Es sei "traurige Realität", dass internationale Eliten um Deutschland einen Bogen machten, sagte Wissing dazu dem "Spiegel" zufolge.

(Quelle: afp)
 


 

Wi8ssenschaft und Technik

Nationale Amerikanische Ingenieurs-Akademie benennt 14 technologische Herausforderungen für das 21. Jahrhundert

So.17.02.08 - Die Nationale Amerikanische Ingenieurs-Akademie hat 14 technologischen Herausforderungen für das 21. Jahrhundert definiert, durch deren Lösung das Leben der Menschen weiter verbessert werden soll. Die Experten stellten in Boston im US-Staat Massachusetts Aufgaben für die vier Bereiche Nachhaltigkeit, Gesundheit, "Reduzierung der Verwundbarkeit" und Lebensfreude vor. Unter den konkreten Zielen nannten sie unter anderem preisgünstige Solarenergie, die Kernfusion, Zugang zu Trinkwasser rund um den Globus, Schutz vor Atomterrorismus, Sicherung des Cyberspace sowie die verbesserte Nutzung des menschlichen Gehirns.

"Wir haben Herausforderungen gestellt, von denen wir glauben, dass sie durchaus noch zu Beginn dieses Jahrhunderts gelöst werden können, wenn Kreativität und die Mobilisierung von Talenten und Finanzmitteln zusammen kommen," erklärte der Vorsitzende des Expertengremiums und ehemalige US-Verteidigungsminister unter Präsident Bill Clinton, William Perry. Die 18-köpfige Kommission wurde 2006 auf Ersuchen der Nationalen Wissenschaftsstiftung der USA gebildet. Sie traf sich mehrmals zur Diskussion und blieb durch eine interaktive Website über ein Jahr in ständigem Austausch. Ihre Endauswahl wurde von über 50 Spezialisten für die jeweiligen Sachgebiete überprüft.

"Wenn wir uns auf die großen Herausforderungen unserer Zeit fokussieren, können wir die Zukunft ungeheuer verbessern," sagte Kommissionsmitglied und Google-Mitgründer Larry Page. Das Gremium habe sich bei seinen Überlegungen nicht auf Voraussagen über neue Geräte oder Maschinen eingelassen. Das Ziel sei vielmehr, ausfindig zu machen, was getan werden müsse, um den Menschen zu helfen und den Planeten weiter gedeihen zu lassen.

Weitere Ziele, die den Ingenieuren ins Aufgabenbuch geschrieben wurden, sind die Eindämmung und Beherrschung des Kohlenwasserstoffs (CO2), die Kontrolle der Ozonschicht der Atmosphäre, Verbesserung der städtischen Infrastruktur, Fortschritte beim Einsatz von Computer-Technologie in der Medizin, bessere Medikamente, die Weiterentwicklung der virtuellen Realität, die Förderung der personalisierten Bildung und die Entwicklung neuer Werkzeuge für wissenschaftliche Entdeckungen. Der vollständige Bericht ist auf einer Website nachzulesen. Jeder Interessierte wird dort gebeten, seine Stimme abzugeben, welches Ziel er für das Wichtigste erachtet.

(Quelle: afp)
 
 
 
 

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