+++ Mo.18.02.08, 06:30
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Irak am 1426sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Angriffe in Bagdad angeblich um 80 Prozent zurückgegangen.
Fünf Tote und zwölf Verletzte bei zwei Anschlägen
Mo.18.02.08 - Die Zahl der Angriffe von Aufständischen in Bagdad ist dem
irakischen Militär zufolge um 80 Prozent zurückgegangen.
Als ein Maß für das Abflauen der Gewalt führte
General-Leutnant Abbud Kanbar am Samstag die Zahl der Leichen an, die in
den Straßen der Hauptstadt gefunden worden seien. Ende 2006 seien
im Schnitt 43 Tote pro Tag aufgetaucht, sagte er. Anfang Februar 2008
liege dieser Wert bei vier. "Verschiedene Aktivitäten des Feindes"
seien um 75 bis 80 Prozent zurückgegangen. Die Entwicklung
dürfte in den kommenden Monaten den Abbau der Betonmauern
erlauben, die zum Schutz vor Autobomben in der Stadt errichtet worden
waren, sagte Kanbar.
Das US-Militär sieht seit Juni einen Rückgang der Gewalt im
Irak um 60 Prozent. Die amerikanische Regierung hatte als Teil einer
Sicherheitsoffensive 30.000 zusätzliche Truppen in den Irak
geschickt. Als wichtiger Faktor gilt die Entscheidung von sunnitischen
Gruppen, sich gegen die Al-Kaida-Organisation zu stellen.
Bei zwei Anschlägen im Irak sind fünf Menschen getötet
und zwölf verletzt worden. Im Zentrum Bagdads zündete eine
traditionell gekleidete Frau den Sprenggürtel unter ihrem langen
schwarzen Gewand, verlautete aus Sicherheitskreisen. Durch die
Explosion in der Nähe des irakischen Nationaltheaters kamen zwei
Menschen ums Leben, zehn Personen wurden verletzt. In der
nordirakischen Ölstadt Mossul wurden bei einem Autobombenanschlag
ein Polizist und zwei Zivilisten getötet, berichtete die Polizei.
Die Selbstmordattentäterin war im Bagdader Stadtviertel Karrada
zunächst an einer Straßensperre angehalten worden. Sie
konnte fliehen und rannte in einen Elektroladen, wo sie den Sprengsatz
auslöste.
Bei dem Anschlag im 370 Kilometer nördlich der Hauptstadt
gelegenen Mossul hatte die Polizei ein verdächtiges Fahrzeug
untersuchen wollen. Durch die Explosion wurden zwei weitere Zivilisten
verletzt. Mossul gilt inzwischen als "Epizentrum" des Kampfes gegen die
Terrororganisation El Kaida, nachdem in Bagdad und Umgebung die Zahl
der Anschläge durch viele Kontrolle verringert werden konnte. Der
irakische Ministerpräsident Nuri el Maliki hatte Ende Januar
angekündigt, in Mossul den "Endkampf" gegen El Kaida zu
führen.
boa (Quellen: rtr. afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 18.02.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am neunhundertvierundsechszigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
So.18.02.07 - Resolution gegen Bushs Irak-Politik kommt nicht durch den Senat +++
US-Außenministerin Rice zu überraschendem Kurzbesuch in
Bagdad - Mahnt zu Geduld für bessere Sicherheitslage im Irak +++ Zehn
Tote bei Bombenanschlägen im nordirakischen Kirkuk...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0702180.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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80 Tote bei Anschlag in Taliban-Hochburg in Afghanistan
Mo.18.02.08 - Bei einem Selbstmordanschlag in Afghanistan sind 80 Menschen
getötet worden. Dutzende weitere wurden bei dem Anschlag in
Kandahar verletzt. Der Attentäter sprengte sich während eines
Hundekampfes inmitten einer großen Zuschauermenge in die Luft. In
den Krankenhäusern wurden 60 Leichen gezählt, weitere 20 Tote
wurden von Verwandten weggebracht. Die Region Kandahar gilt als Hochburg
der radikal-islamischen Taliban, auch sechs Jahre nach ihrer
Vertreibung von der Macht haben sie hier großen Einfluss.
(Quelle: dpa)
Nahost-Konflikt: Frankreichs Außenminister Kouchner fordert
Israel zum Stopp von Siedlungsbau auf - Vier Tote bei neuem
Militäreinsatz Israels im Gazastreifen -
UN-Nothilfekoordinator 'schockiert' über humanitäre
Situation -- Menschenrechtsorganisation kritisiert israelischen
Streubombeneinsatz im Libanon-Krieg
Mo.18.02.08 - Frankreichs Außenminister Bernard Kouchner hat Israel
aufgefordert, den Bau von jüdischen Siedlungen in
Palästinenser-Gebieten zu stoppen. "Wir sind total gegen die
Siedlungspolitik", sagte Kouchner am Samstag nach einem Treffen mit
Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas im Westjordanland. "So
lange die Siedlungsaktivitäten andauern, kann es zwischen den zwei
Seiten kein Vertrauen geben." Er werde das Thema zum Gegenstand seiner
Gespräche mit mehreren führenden israelischen Politikern
machen.
Bei einem neuen Militäreinsatz der israelischen Armee im
südlichen Gazastreifen sind am Sonntag mindestens vier
Palästinenser getötet und mehr als zehn weitere verletzt
worden.
Nach Angaben von Einwohnern drangen Soldaten mit gepanzerten
Fahrzeugen, die aus der Luft von Hubschraubern unterstützt wurden,
in den Umkreis der Grenzstadt Rafah ein. Eine israelische
Armeesprecherin bestätigte den Einsatz. Die Soldaten hätten
das Feuer eröffnet, nachdem bewaffnete Palästinenser sich
ihnen näherten.
Der palästinensische Chefunterhändler Saeb Erekat
kündigte derweil für Dienstag ein neues Treffen zwischen dem
israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert und
Palästinenserpräsident Mahmud Abbas in Jerusalem an. Bei dem
Gespräch solle es um Kernfragen des
israelisch-palästinensischen Konflikts gehen, sagte Erekat dem
israelischen Rundfunk.
Die radikal-islamische Hamas machte Israel unterdessen für eine
Explosion im Gazastreifen verantwortlich, bei der am Freitagabend
mindestens acht Menschen getötet und 40 weitere verletzt wurden.
Ein Hamas-Sprecher forderte Präsident Abbas am Samstag auf, die
Friedensgespräche mit dem jüdischen Staat sofort abzubrechen.
Am Wochenende feuerten militante Palästinenser erneut zahlreiche
Kassam-Raketen in das israelische Grenzgebiet. Ein Geschoss schlug am
Sonntag in Sderot in einem Hinterhof in der Nähe eines
Kindergartens ein. Mehrere Menschen erlitten einen Schock.
Unter den Opfern der schweren Detonation in einem Wohnhaus im
Flüchtlingslager Al-Bureidsch bei Gaza befanden sich ein
führendes Mitglied der Organisation Islamischer Dschihad sowie
Frauen und Kinder. Augenzeugen berichteten, ein israelisches
Kampfflugzeug habe eine Rakete auf das Haus abgeschossen. Der
Islamische Dschihad kündigte Vergeltungsanschläge gegen
Israel an. Das israelische Militär wies jedoch jede Verantwortung
zurück und erklärte, am Freitag habe es keinen Luftangriff im
Gazastreifen gegeben.
Der UN-Nothilfekoordinator John Holmes zeigt sich
«schockiert» über die humanitäre Situation im
Gazastreifen. Nach einem Besuch in dem von 1,5 Millionen
Palästinensern bewohnten Gebiet sagte Holmes, die Lage der
Menschen dort sei «grauenvoll und elend». 80 Prozent der
Bevölkerung seien auf Lebensmittelhilfe durch internationale
Organisationen angewiesen. Holmes appellierte an Israel, die
Übergänge in den Gazastreifen zu öffnen und die
Versorgung der Zivilbevölkerung zu erleichtern.
Die Organisation Human Rights Watch hat Israel vorgeworfen, mit dem
Einsatz von Streubomben im Libanon-Krieg 2006 gegen internationales
Recht verstoßen zu haben. Die Menschenrechtsorganisation mit Sitz
in New York forderte am Sonntag in Wellington eine internationale
Untersuchung, die darüber entscheiden sollte, ob israelische
Offiziere deswegen «Verantwortung für Kriegsverbrechen»
tragen.
Human Rights Watch (HRW) legte den Bericht einen Tag vor Beginn einer
internationalen Konferenz in der neuseeländischen Hauptstadt vor,
die eine Konvention zum Verbot von Streubomben wegen ihrer inakzeptablen
Gefährdung der Zivilbevölkerung erarbeiten will. Ab Montag
beraten darüber Delegationen aus 120 Staaten in Wellington. Auf
131 Seiten beschreibt HRW den Einsatz von Streumunition im israelischen
Libanon-Feldzug gegen die Hisbollah-Miliz im Juli und August 2006 und
kommt zu dem Schluss, dass Israel gegen die internationalen
Menschenrechte durch hunderte «ziellose und
unverhältnismäßige Angriffe mit Streumunition auf den
Libanon» verstoßen habe. Israel habe Streubomben eingesetzt,
in denen insgesamt 4,6 Millionen Sprengsätze enthalten gewesen
seien, hieß es auf einer Pressekonferenz am Sonntag.
boa (Quellen: ap, rtr, dpa)
Zwei Herausforderer treten gegen Mugabe in Simbabwe an
Mo.18.02.08 - Bei der Präsidentenwahl am 29. März in Simbabwe trifft
Amtsinhaber Robert Mugabe (83) voraussichtlich auf zwei Herausforderer.
Wie der südafrikanische Rundfunk am Freitag berichtete, meldeten
neben Mugabe der ehemalige Finanzminister Simba Makoni und
Oppositionsführer Morgan Tsvangirai kurz vor Ende der Meldefrist
ihre Kandidatur offiziell an.
Arthur Mutambar, Vorsitzender einer weiteren Oppositionsgruppe, will
laut dem britischen Sender BBC nicht selbst ins Rennen gehen, sondern
Ex-Minister Makoni unterstützen. Oppositionsführer Tsvangirai,
Vorsitzender der "Bewegung für demokratischen Wandel", hatte in
der vergangenen Woche ein Bündnis mit Makoni abgelehnt. Makoni war
aus der Regierungspartei ZANU-PF ausgeschlossen worden, als er seine
Bewerbung ankündigte. Tsvangirai sieht ihn dennoch dort verwurzelt.
Wenn sich die Stimmen der Opposition auf zwei Kandidaten verteilen,
vermindert das ihre Chancen, Mugabe zu besiegen. Makoni und Tsvangirai
haben ihre Hochburgen in den großen Städten. Die Bewohner der
meisten ländlichen Gebiete gelten weiter als Anhänger
Mugabes, der seit 1980 regiert. Er steht wegen Übergriffen auf
Journalisten, der Unterdrückung der Opposition und der Vertreibung
weißer Farmer in der Kritik. Simbabwe steckt in einer schweren
Wirtschaftskrise mit Hyperinflation.
(Quelle: epd)
Irans Reformer: 90 Prozent der Spitzenkandidaten für Wahl gesperrt
Mo.18.02.08 - Bei der iranischen Parlamentswahl sind 90 Prozent der wichtigsten
Reformkandidaten nach Angaben ihrer Parteien nicht zur Wahl zugelassen
worden.
Die Koalition der Reformgruppen werde sich nach den Verboten des
Wächterrates nur noch um 67 der 290 zur Wahl stehenden Sitze
bewerben können, sagte ein Sprecher der Gruppe am Samstag. Der Rat
überprüft die Kandidaten nach Kriterien wie Loyalität zum
islamischen Staatssystem. Bei dem ersten Durchgang hatten mehr als 2000
der 7200 registrierten Bewerber keine Zulassung erhalten. Die
islamische Republik wählt am 14. März ein neues Parlament. Die
nächste Präsidentenwahl steht 2009 an.
(Quelle: rtr)
Weltkirchenrat beschließt Friedenskongress für 2011
Mo.18.02.08 - Zum Abschluss der "Dekade zur Überwindung der Gewalt" will der
Weltkirchenrat einen Friedenskongress in Jamaikas Hauptstadt Kingston
einberufen. Darauf einigte sich der Zentralausschuss des
Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) am Freitag in Genf. Das
Treffen soll 2011 stattfinden. Die Dekade war 2001 ausgerufen worden.
"Wir verstehen den Kongress in Kingston nicht als Ende der Dekade,
sondern als Höhepunkt unserer Arbeit", sagte Fernando Enns,
mennonitischer Pastor in Hamburg. Enns gilt als einer der Initiatoren
der "Dekade zur Überwindung der Gewalt". Auch nichtchristliche
Religionen wie der Islam sollten Vertreter nach Kingston entsenden,
hieß es.
Die Mitglieder des Weltkirchenrates setzen sich innerhalb der Dekade
für einen Abbau von Spannungen ein und wandten sich gegen Folter,
Unterdrückung und Kriege. "Wir versuchen schon in Schulen und in
Kindergärten den jungen Menschen einen gewaltfreien Umgang
miteinander näher zu bringen", sagte Geiko Müller-Fahrenholz,
Koordinator der Dekade. Der ÖRK hat 349 Mitgliedskirchen, die rund
560 Millionen Gläubige repräsentieren. Die katholische Kirche
ist nicht Mitglied.
(Quelle: epd)
Kosovo erklärt sich von Serbien unabhängig
Mo.18.02.08 - Neun Jahre nach dem Kosovo-Krieg hat sich die südserbische Provinz
am Sonntag für unabhängig erklärt.
Gegen den Widerstand Russlands und Serbiens rief das Parlament in
Pristina die Gründung des Staates Kosovo aus. "Wir, die
demokratisch gewählten Führer unseres Volkes, erklären
das Kosovo mit dieser Deklaration zu einem unabhängigen und
souveränen Staat", sagte Ministerpräsident Hashim Thaci.
Für die Resolution stimmten alle 109 anwesenden Abgeordneten. Elf
Parlamentarier, darunter auch Serben, boykottierten die Abstimmung.
Die Regierungen in Belgrad und Moskau haben sich wiederholt gegen die
Unabhängigkeit der seit dem Krieg von 1999 unter Verwaltung der
Vereinten Nation stehenden Provinz ausgesprochen. Anerkennen wollen
beide Länder den neuen Staat nicht. Die USA und die meisten
EU-Staaten indes wollen dies tun. Das Kosovo ist nach Slowenien,
Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Montenegro, Mazedonien und Serbien der
sechste Staat, der aus dem ehemaligen Jugoslawien hervorgeht. Etwa 90
Prozent der rund zwei Millionen Menschen im Kosovo sind
albanischstämmig. Die serbische Minderheit lebt überwiegend
im Norden an der Grenze zu Serbien.
"Das Kosovo beginnt ein neues Kapitel in seiner Geschichte", sagte
Parlamentspräsident Jakup Krasniqi. "Wir bekennen uns zu einem
demokratischen Staat für all seine Bürger, in Zusammenarbeit
mit der internationalen Gemeinschaft." Bei der Sondersitzung sollte
auch über die künftigen nationalen Symbole entschieden, sagte
Thaci. "Der Erfolg der Unabhängigkeit des Kosovo als Neuanfang
wird eindeutig am Respekt für die Minderheitenrechte, besonders
der Serben, gemessen werden", sagte auch Thaci mit Blick auf die
serbische Minderheit.
Die serbische Regierung hatte bereits mehrfach erklärt, auf keinen
Fall Land mit einer tausendjährigen serbischen Geschichte abtreten
zu wollen. An Gebieten mit einer mehrheitlich serbischen
Bevölkerung im Kosovo soll festgehalten werden. Damit würde
die Provinz faktisch geteilt. Der erst am Freitag für eine zweite
Amtszeit vereidigte, westlich orientierte serbische Präsident
Boris Tadic hat sich allerdings auch zu einem Gewaltverzicht bekannt.
Ministerpräsident Vojislav Kostunica wollte sich am späteren
Nachmittag an das Volk wenden.
In den Straßen von Pristina feierten Tausende Menschen bereits in
der Nacht zum Sonntag die bevorstehende Unabhängigkeit.
Zunächst blieb es friedlich. Auf Bannern stand geschrieben: "Alles
Gute zur Unabhängigkeit!". US-Präsident George W. Bush
kündigte an, gemeinsam mit den Verbündeten alles dafür
zu tun, dass es nicht zu Gewalt kommt. Die Europäische Union hatte
am Samstag grünes Licht für die Entsendung von 2000
Polizisten und Juristen in das Kosovo gegeben. Die Fachleute sollen das
Kosovo beim Aufbau eines Rechtsstaates unterstützen.
Seit dem Ende des Kosovo-Kriegs im Juni 1999 wird die Provinz von den
Vereinten Nationen (UN) verwaltet. Rund 16.000 Nato-Soldaten der
KFOR-Truppe sorgen für Sicherheit, darunter derzeit knapp 2500
deutsche Soldaten. Die Nato beendete den Kosovo-Krieg mit Luftangriffen
auf Serbien, um die Verfolgung der Albaner durch serbische Soldaten
unter dem damaligen Präsidenten Slobodan Milosevic zu stoppen.
(Quelle: rtr)
Russland fordert Annullierung der Unabhängigkeit Kosovos
Mo.18.02.08 - Wenige Stunden nach der Unabhängigkeitserklärung des Kosovos
hat Russland vor dem Weltsicherheitsrat die Annullierung des Schrittes
gefordert. Im Gegensatz zu Russland erklärten die USA und die
europäischen Mitglieder des Sicherheitsrats in New York ihre
Unterstützung für Pristina. Die EU-Außenminister wollen
heute in Brüssel nach einer gemeinsamen Haltung zum jüngsten
Staat Europas suchen. Eine Anerkennung durch die EU steht nicht zur
Debatte. Diese Frage wird von den nationalen Regierungen entschieden.
(Quelle: dpa)
Zyperns Präsident Papadopoulos abgewählt
Mo.18.02.08 - Über den künftigen Präsidenten Zyperns entscheidet eine
Stichwahl am kommenden Wochenende. In der ersten Wahlrunde am Sonntag
wurde Amtsinhaber Tassos Papadopoulos überraschend abgewählt.
In die Stichwahl gehen der ehemalige Außenminister Ioannis
Kasoulides und Demetris Christofias, Chef der reformierten
kommunistischen Partei AKEL. Papadopoulos räumte in einem
Telefongespräch mit Christofias seine Niederlage ein.
Kasoulides führte in dem knappen Kopf-an-Kopf-Rennen mit 33,51
Prozent, Christofias konnte sich 33,29 Prozent der Stimmen sichern.
Amtsinhaber Papadopoulos, dessen Vorrücken in die zweite Runde
erwartet worden war, kam nach Auszählung aller Stimmen auf 31,79
Prozent und somit nur auf den dritten Platz. Die rund 500.000
Wahlberechtigten haben damit Politiker gestärkt, die sich für
eine Wiedervereinigung der seit 1974 geteilten Mittelmeerinsel
einsetzen.
Der 61-jährige Christofias und der 59-jährige Kasoulides von
der konservativen Demokratischen Sammlung (DISY) hatten den Kurs des
Präsidenten scharf kritisiert und ihm vorgeworfen, Zypern
näher an die permanente Teilung zu führen. «Unser Ziel
ist, dieses unglückliche Land und diese stolzen Menschen
wiederzuvereinigen», sagte Christofias bei seiner Stimmabgabe.
Kasoulides sagte, die Wähler stünden vor der Entscheidung,
Zypern in einen glaubwürdigen europäischen Staat zu
transformieren und sich für eine Wiedervereinigung zu entscheiden.
Papadopoulos stand 2004 an der Spitze einer Kampagne gegen einen
Wiedervereinigungsplan der Vereinten Nationen, der von den
türkischen Zyprern im Norden bereits angenommen worden war. Im
griechischen Teil wurde er in einem Referendum abgelehnt. Der
74-jährige Papadopoulos sagte bei seiner Stimmabgabe, er hoffe auf
eine Wiedervereinigung «wie wir sie wünschen und
verdienen». In einer Rede an das Volk erklärte er nach
seiner Niederlage, er respektiere den Wahlausgang.
Die Abstimmung galt als richtungsweisend für die weiteren
Bemühungen zur Wiedervereinigung der seit 1974 geteilten
Mittelmeerinsel. Es war die erste Wahl mit mehr als zwei Kandidaten
seit der Unabhängigkeit 1960, wahlberechtigt waren rund 516.000
Bürger. Die Wahlbeteiligung lag nach offiziellen Angaben bei mehr
als 89 Prozent.
(Quelle: ap)
Deutschland
Steuerskandal: Informant im Fadenkreuz - Abgeordnete fordern
Aufklärung von BND-Rolle bei Steueraffäre
Mo.18.02.08 - Das Leben des Steuerinformanten aus Liechtenstein ist offenbar akut
bedroht. Nachdem der Unbekannte den größten Steuerskandal in
der Geschichte der Bundesrepublik aufgedeckt hat, habe der Mann
«schon mehrere Todesdrohungen erhalten», erfuhr die
Nachrichtenagentur ddp am Sonntag aus Sicherheitskreisen in
Liechtenstein und Berlin.
Er müsse jetzt untertauchen und eine völlig neue
Identität erhalten. Weil der geheime Informant einen der
mächtigsten Manager Deutschlands, den inzwischen
zurückgetretenen Post-Chef Klaus Zumwinkel, zur Strecke gebracht
hat, habe er aus dem großen Kreis der bedrängten anderen
Steuersünder «Unheil zu befürchten», war von
Fahndern zu erfahren.
Nach ddp-Informationen sollen zu den Hunderten von Steuersündern
auch Künstler und Sportler gehören. Die Fahndungsbehörden
schweigen sich aus, um ihre Arbeit nicht zu gefährden. Fest stehe
nur, dass es in allernächster Zeit «Überraschungen von
bisher unbekanntem Ausmaß geben wird», sagte ein
Staatsanwalt. Es gehe um «weit über drei Milliarden
Euro». Die Ermittlungen werden dadurch erschwert, dass die
LGT-Bank des Liechtensteiner Fürstenhauses, wo das dem deutschen
Fiskus entzogene Geld geparkt ist, unter Bezug auf das Bankgeheimnis
mit aller Macht mauert.
Was den Bundesnachrichtendienst (BND) betreffe, sei «diesmal
alles sehr korrekt gelaufen», berichtete ein Vertreter des BND.
Der Informant, der Anfang 2006 mit seiner brisanten CD-ROM über die
Liechtensteiner «Steuergräber» mit Namen und Daten an
einen BND-Mann herangetreten ist, wurde erst einmal streng unter die
Lupe genommen. «Man stelle sich vor, wir wären einem
Betrüger aufgesessen, hätten dafür Geld bezahlt und die
Geschichte sei hochgegangen, dann hätten wir einen neuen
BND-Skandal unerhörten Ausmaßes gehabt», berichtete ein
BND-Vertreter.
Der Informant verlangte eine Menge Geld. Der BND verfuhr nach dem
Prinzip, bloß nicht die Katze im Sack kaufen und alarmierte die
Staatsanwaltschaft und die Steuerfahnder. Erst nach eingehender
Prüfung wurde man sich über den Preis - an die fünf
Millionen Euro - einig. «Wir haben keine Portokasse, aus der
BND-Präsident Ernst Uhrlau so mal eben Geld an Informanten zahlen
könnte», erläuterte ein BND-Angehöriger. Das
müsse in jedem Fall «von oben» und in einem so
eklatanten Fall wie jetzt, von «ganz oben» abgesegnet
werden. Peinlich genau müsse ein schriftlicher Antrag für die
Genehmigung des Informantengeldes gestellt werden. In diesem Fall hat
nach ddp-Informationen das Kanzleramt und das letztlich Geld gebende
Bundesfinanzministerium abgezeichnet. Erst danach kam es zur
Geldübergabe.
Abgeordnete des Bundestages haben schon moniert, dass alles ohne ihr
Wissen gelaufen sei. Es gehe darum, dass es «im rechtsstaatlichen
Rahmen läuft». So soll umgehend das geheim tagende
Parlamentarische Kontrollgremium (PKG), das die Geheimdienste
überwacht, informiert werden. BND-Sprecher Stefan Borchert wollte
alle Berichte über die brisanten Steuerhinterzieher nicht
kommentieren, bevor nicht die PKG unterrichtet worden ist. Die Fahnder
fragen sich, ob Zumwinkel «den Braten gerochen» hat. Den
Staatsanwälten sollen Papiere in die Hände gefallen sein, die
zeigen, dass er sich mit dem Gedanken getragen hat, sein in
Liechtenstein geparktes Geld in andere Steuerparadiese zu transferieren.
Die Bundesregierung hat den Steuersündern zur Selbstanzeige
geraten. Das könnte das Strafmaß lindern. Wer sich dem
Finanzamt offenbart, kann hoffen, straffrei davonzukommen. Das geht aber
nur, wenn ihm der Fiskus noch nicht auf den Spuren ist. Fahnder
rätseln, was einen so reichen Mann wie den 64-jährigen
Zumwinkel bewogen haben könnte, Steuern zu hinterziehen. Nach
seinem Ausscheiden von der Spitze der Post steht ihm eine Pension von
über einer Million Euro im Jahr zu.
(Quelle: ddp)
Wirtschaft will kriminelle Manager ausgrenzen
Mo.18.02.08 - Die durch die Steueraffäre um Ex-Post-Chef Klaus Zumwinkel
aufgeschreckte Wirtschaft will schwarze Schafe in den eigenen Reihen
ausgrenzen.
"Wer gegen die Spielregeln verstößt, stellt sich gegen die
Wirtschaft", sagte BDI-Präsident Jürgen Thumann der "Bild am
Sonntag". Man werde sich nur vor diejenigen stellen, die nach Recht und
Gesetz, Ehre und Gewissen arbeiteten: "Wer das nicht akzeptiert,
gehört nicht mehr dazu." DIHK-Chef Ludwig Georg Braun mahnte die
Manager, sich als "ehrbare Kaufleute" zu verhalten.
Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt und Braun warnten zugleich vor
Pauschalurteilen.
Führende Vertreter aus Gesellschaft und Politik kritisierten das
Verhalten von Wirtschaftsführern am Wochenende als Gefahr für
das Gemeinwesen. Sie forderten strengere Kontrollen von
Unternehmenslenkern und härtere Strafen für
Steuerhinterzieher.
Thumann sagte, die zunehmenden Berichte über Fehlverhalten von
Managern seien für die Akzeptanz des Wirtschaftssystems
verheerend. Während die Gesellschaft darin einen Systemfehler
sehe, handele es sich aber "eindeutig um individuelles Fehlverhalten",
sagte der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie
(BDI) dem "Handelsblatt" (Montagausgabe). Nur wenn die
Wirtschaftsführer Ethik und Verantwortung hochhielten, werde das
Ausland weiter in Deutschland investieren. Jeder Manager müsse
selbst einen Beitrag leisten, um öffentliches Misstrauen abzubauen.
Das forderte auch Braun in einem Schreiben an die Mitgliedsunternehmen
des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). "Sprechen Sie
in ihren Betrieben offen mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern
über die eigene Unternehmenskultur. Machen Sie klar, dass
Steuerhinterziehung und Bereicherung zulasten der Gemeinschaft der
Steuerzahler oder zulasten des eigenen Betriebs bei Ihnen keinen Platz
haben", rief er die Firmenlenker in dem Reuters vorliegenden Brief auf.
Deutschland steht vor der Aufdeckung einer der größten
Fälle von Steuerbetrug. Nachdem Post-Chef Zumwinkel über die
Vorwürfe von Steuerhinterziehung in Millionenhöhe
stürzte, müssen Hunderte weitere Verdächtige mit Razzien
rechnen.
Wirtschaftsminister Michael Glos sagte, die Manager müssten sich
ihrer Vorbildfunktion für die Gesellschaft bewusstwerden.
"Andernfalls wird unsere soziale Marktwirtschaft unglaubwürdig",
sagte er der "Bild am Sonntag". Wenn Manager sich nicht ethisch
verhielten, würde angesichts des drohenden Vertrauensverlustes in
die Eliten "unser Land zum Übernahmekandidaten für die
Linke". Auch SPD-Fraktionschef Peter Struck warnte vor einer
Stärkung der politischen Ränder links und rechts.
Finanzminister Peer Steinbrück hielt den Eliten vor, sie
brächten das System zum Einsturz. Ein Verhalten wie das von
Zumwinkel berühre die Legitimationsgrundlagen des
Wirtschaftssystems. "Ein Mann dieser Güteklasse muss wissen, was
eine eingestandene Steuerhinterziehung in der Wahrnehmung der
Bürger bedeutet", sagte Steinbrück "Zeit Online". Es sei
nicht verwunderlich, wenn nun Gegenreaktionen einsetzten.
Verdi-Chef Frank Bsirske sagte der "Bild am Sonntag", niemand
müsse sich wundern, dass bei den Menschen ein Gefühl tief
empfundener Ungerechtigkeit um sich greife. Er forderte,
Managergehälter ab zwei Millionen Euro pro Jahr mit einer Steuer
von 80 Prozent zu belegen und die Einnahmen in den Ausbau von Schulen,
Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen zu investieren.
Der neue Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch,
forderte ein hartes Vorgehen gegen Steuerhinterziehung, die nicht als
Kavaliersdelikt durchgehen dürfe. Auch kritisierte er, dass
Manager auch dann noch Millionen-Abfindungen erhielten, wenn sie
Unternehmen heruntergewirtschaftet hätten. Es sei schon
bedenklich, wenn die Aktien eines Konzerns stiegen und das Management
gleichzeitig Menschen in die Arbeitslosigkeit schicke. "Nicht nur
Eigentum verpflichtet, es muss der Grundsatz gelten: 'Kapital ist
sozialpflichtig'", sagte er der "Bild am Sonntag".
Die SPD kritisierte, die Jagd nach maßlosen Spitzenrenditen
führe zur Zerstörung gesunder Betriebe und als sicher
geltender Arbeitsplätze. "Dem muss durch neue Regeln Einhalt
geboten werden", heißt es in einer Erklärung, die das
Parteipräsidium am Montag verabschieden will.
Der saarländische Ministerpräsident Peter Müller und
sein baden-württembergischer Kollege Günther Oettinger
forderten eine Verschärfung der Gesetze zur Manager-Kontrolle.
"Die Selbstverpflichtung der Wirtschaft im Rahmen der Corporate
Governance muss weiter intensiviert werden." Dabei müssten
gesetzliche Maßstäbe geprüft werden, sagte Müller
der "Welt am Sonntag". Oettinger sagte der Zeitung, er werde dem
CDU-Präsidium vorschlagen die Veröffentlichungspflichten von
Managern mit herausgehobener Funktion dramatisch zu erhöhen.
(Quelle: rtr)
Linke legt in Hamburg wegen Zumwinkel-Effekt weiter zu
Mo.18.02.08 - Die Steueraffäre um den zurückgetretenen Post-Chef Klaus
Zumwinkel dürfte einer Umfrage zufolge auch den Ausgang der
Bürgerschaftswahl kommenden Sonntag in Hamburg beeinflussen.
Die Linkspartei habe gegenüber der vorigen Umfrage nochmals einen
Punkt hinzu gewonnen und liege inzwischen bei neun Prozent, teilte der
NDR am Sonntag mit. "Sie profitiert offensichtlich vom Steuerskandal um
den Ex-Postchef Zumwinkel", erläuterte der NDR. Dieser biete der
Diskussion um soziale Ungerechtigkeit zusätzliche Nahrung.
Gut eine Woche vor der Wahl zeichnen sich weiter schwere Verluste
für die CDU und keine klaren Mehrheiten ab. In der von Infratest
dimap erhobenen Umfrage liegt die CDU von Bürgermeister Ole von
Beust bei 39 Prozent. Vor vier Jahren hatte sie mit 47,2 Prozent noch
die absolute Mehrheit der Mandate errungen. Die SPD liegt bei 35
Prozent nach 30,5 Prozent 2004. Die Grünen verschlechtern sich
weiter auf neun (2004: 12,3) Prozent. Die FDP liegt wie in der vorigen
Umfrage unverändert bei fünf Prozent, so dass der Sprung in
die Bürgerschaft weiter fraglich ist. Etwa 40 Prozent der
Wahlberechtigten seien noch unentschlossen. Gut ein Drittel der
Anhänger von Grünen und FDP hätten angegeben, sich bis
zum Wahltag eventuell noch einmal anders zu entscheiden.
Gelinge der FDP der Sprung in die Bürgerschaft, verfügten
rechnerisch neben einer großen Koalition nur Dreierbündnisse
über die notwendige Mehrheit der Sitze. Die Bildung eines
schwarz-grünen Senats wäre nur bei einem Scheitern der FDP an
der Fünf-Prozent-Hürde möglich, hieß es weiter.
Für die Umfrage wurden am Donnerstag und Freitag 1000
Wahlberechtigte per Telefon befragt.
(Quelle: rtr)
Datenvolumen-Klau: - Ärgernis für Internet-Seitenbetreiber
Mo.18.02.08 - Um eine Website zu betreiben mieten viele Anwender Speicherplatz bei
einem Provider an und zahlen für ein begrenztes
Datenübertragungsvolumen. Weitere Kosten entstehen normalerweise
nicht. Flattern plötzlich zusätzliche Rechnungen ins Haus,
könnte Datenvolumen-Klau der Grund dafür sein.
Meist entsteht dieser unsichtbare Diebstahl, weil Bilder in andere
Internet-Seiten unerlaubt eingebettet werden. Denn beim Anzeigen der
Abbildungen entsteht ein Datenstrom, der nicht zu Lasten des Diebes
geht, sondern auf das Volumenkonto des Bestohlenen angerechnet wird.
Vergleichbar hiermit ist das heimliche Anzapfen von Stromleitungen. Wer
etwa beim Nachbarn mit an der Leitung hängt, kann seine
Elektrogeräte betreiben, ohne dafür zu bezahlen. Den Nachbarn
wird es hingegen weniger freuen, denn seine Stromrechnung steigt aus
für ihn unersichtlichen Gründen.
Werden also Bilder eines Website-Betreibers von externen Seiten
fremdverlinkt (so genannte "Hotlinks"), kann dies im schlimmsten Fall zu
einem Überschreiten des bereits im Vorfeld bezahlten
Datenübertragungsvolumens (Traffic) führen. Der Provider
fordert dann eine Nachzahlung für den zusätzlich entstandenen
Traffic. Abgerechnet wird normalerweise pro angefangenem Gigabyte
übertragener Daten. Fließen besonders viele Bytes,
können so pro Monat zwei- bis dreistellige Euro-Beträge
zusammenkommen.
Den Fremdverlinkern auf die Schliche zu kommen, ist nicht immer leicht.
So hat die Betreiberin eines Naturschutz-Portals beispielsweise
plötzlich 40 Euro nachzahlen sollen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte
das Datenübertragungsvolumen ihrer Website stets etwa 40 Prozent
unter der bereits bezahlten Höchstmenge gelegen.
Sie behalf sich mit einem Blick in die so genannten "Logfiles". Diese
Dateien protokollieren Zugriffe auf die Web-Präsenz. In ihnen sind
unter anderem Informationen darüber enthalten, woher die Nutzer
kommen und wie viele Daten abgerufen worden sind.
Logfiles sind über den Provider erhältlich. Die meisten
Anbieter hinterlegen sie in grafisch aufbereiteter Form, etwa als
Torten- oder Balkendiagramme, in den Benutzer-Accounts der
Seiten-Inhaber.Innerhalb dieser Statistiken hat die Portalbetreiberin
diejenige Rubrik betrachtet, die die "Referer" auflistet. Das sind jene
Seiten, von wo aus der jeweilige Zugriff auf die Internet-Präsenz
erfolgt ist. Referer sind als Links hinterlegt, über die man unter
Umständen einen Datenvolumen-Dieb aufspüren kann.
In einem Netzwerk für Kinder und Jugendliche wurde die
Seiten-Betreiberin über die Referer-Links schließlich
fündig. Eine "Susi12" hatte über 60 ihrer Naturfotos
fremdverlinkt. Susi12 ist kein Einzelfall, denn den jungen
Internet-Nutzern ist meist nicht bewusst, dass sie durch die
Fremdverlinkung finanziellen Schaden anrichten können.
Das Mädchen zum Löschen der Fremdlinks zu bewegen, war nicht
möglich. Es gab in ihrem kleinen Internet-Auftritt keinerlei
Kontaktmöglichkeit. Deshalb blieb der geprellten Portal-Inhaberin
nichts anderes übrig, als sich an den Betreiber des Service
für die Kinder zu wenden. Dieser hat schnell und
unbürokratisch die Fremdverlinkungen auf der Homepage von Susi12
gelöscht.
Die Rechtslage ist in Deutschland noch nicht hinreichend ausgegoren,
als dass eine Klage vor Gericht nicht immer den gewünschten Erfolg
bringen würde. Einen Verstoß gegen das Urheberrecht
können die bestohlenen Website-Betreiber zwar oft geltend machen,
auf ihren Traffic-Extrakosten bleiben sie aber häufig
sitzen.Deshalb ist die Prävention ein sinnvoller Weg, der
allerdings einige Programmierkenntnisse voraussetzt.
Über Scripte in Programmiersprachen wie PHP oder Serverbefehle
kann der Datenvolumen-Diebstahl blockiert werden. Unter dem Stichwort
"Fremdverlinkung" finden Suchmaschinen im Internet zahlreiche Tipps und
Tricks. Wer in Sachen Programmierung unbedarft ist, sollte seine
Logfiles regelmäßig analysieren und im Zweifelsfall einfach
ein betroffenes Bild vorübergehend umbenennen, denn dann läuft
der fremde Link ins Leere und der Dieb entfernt ihn.
(Quelle: gp)
Toshiba wohl kurz vor Aufgabe im Kampf um DVD-Format
Mo.18.02.08 - Im Kampf um das DVD-Format der Zukunft steht der japanische
Elektronikkonzern Toshiba offenbar kurz vor der Aufgabe.
Toshiba habe die Planungen für einen Ausstieg aus dem
Geschäft mit seinen HD-DVD-Geräten fast abgeschlossen,
verlautete aus Unternehmenskreisen am Samstag. Damit würde sich
Toshiba nach einem jahrelangen Kampf um die Vorherrschaft im
DVD-Geschäft seinem Erzrivalen Sony geschlagen geben, dessen
konkurrierende Blu-Ray-Technologie jüngst immer mehr Anhänger
fand. Zuletzt hatten sich die US-Elektronikkette Best Buy und der
weltgrößte Einzelhändler Wal-Mart ins Blu-Ray-Lager
geschlagen.
Von Toshiba sei in Kürze mit einer offiziellen Erklärung zu
rechnen, verlautete aus den Kreisen weiter. Der staatliche japanische
Rundfunk NHK hatte zuvor auf seiner Internetseite berichtet, der
geplante Produktionsstopp von HD-DVD-Spielern und -Rekordern werde bei
Toshiba zu Verlusten von umgerechnet Hunderten Millionen Euro
führen. Toshiba wolle aber zunächst weiterhin
HD-DVD-Geräte in Verbrauchermärkten zum Verkauf anbieten. In
die Entwicklung neuer Geräte für hochauflösende Videos
wolle das japanische Elektronikunternehmen aber nicht mehr investieren.
Bei Toshiba war zunächst niemand für eine offizielle
Stellungnahme zu erreichen.
Wal-Mart begründete seine Entscheidung gegen Toshibas
HD-DVD-Geräte mit den Wünschen der Kunden, denen nun
nachgekommen werde. Das Toshiba-Format werde schrittweise aus den
Regalen genommen, teilte Wal-Mart mit. Auch große
Hollywood-Studios wie 20th Century Fox von News Corp, Walt Disney sowie
Warner Bros von Time Warner hatten sich bereits hinter die
Blu-Ray-Technologie gestellt. Im Januar hatte auch der deutsche
Filmproduzent und -verleih Constantin angekündigt, von März an
hochauflösende Heimvideos nur noch im Blu-Ray-Format zu
veröffentlichen.
Die beiden Formate unterscheiden sich äußerlich nicht von
einer CD, können aber große Mengen Daten speichern und
liefern hochauflösende Videobilder. Bei den Verbrauchern hatten die
zwei rivalisierenden Technologien für Verwirrung gesorgt. Der
Kampf um die Vorherrschaft bei den DVDs der nächsten Generation
wurde oft mit der Rivalität zwischen den Videosystemen Betamax und
VHS in den 80er Jahren verglichen.
(Quelle: rtr)
Wissenschaft
Beton als Energiespeicher
Mo.18.02.08 - Beton, Bimsgestein und Paraffin - zusammen verarbeitet könnten sie
zu einem neuen robusten Energiespeicher werden, der den Hausbau
revolutioniert. Das zeigen Forschungsergebnisse an der Technischen
Universität Kaiserslautern. Der promovierte Bauingenieur Jens
Holgar Dieckmann hat dort einen sogenannten
Latentwärmespeicherbeton entwickelt, der mehr als die doppelte
Sonnenenergiemenge wie herkömmlicher Beton speichern kann. Der
Forscher wurde für seine Arbeit mit dem Innovationspreis der
rheinland-pfälzischen Bauindustrie ausgezeichnet.
«Wir benutzen eine Mischung aus porösem Bims, Paraffin und
Beton, die physikalisch besonders aufeinander abgestimmt ist,
erklärt Dieckmann. Durch den Einbau des sich daraus ergebenden
neuartigen Betons könne man mehr als bisher das Heizen von
Räumen im Winter unterstützen, wie auch im Sommer Gebäude
vor Überhitzung schützen. »Das gelte für
Bodenplatten mit integrierten Heizungsrohren wie auch für
Wände, Decken oder Estrich«, betont der Bauphysiker. Das neue
Material speichert demnach je nach Einbauversion gezielt
Sonnenstrahlen, die durch normale Fenster dringen oder stellt sicher,
dass eine vorherbestimmte Temperatur, wie beispielsweise 26 Grad, nicht
überschritten wird.
Hinter Dieckmann, der aus Langweiler (Kreis Kusel) stammt, liegen
fünf Jahre Labor und Feldforschung. »Das Ziel war ein
preiswerter robuster Baustoff und wir haben es offenbar erreicht«,
sagt der 30-Jährige freudestrahlend. Seinen Aussagen zufolge kommt
der Baustoff bereits erfolgreich in einigen Einfamilienhäusern im
Eifel-Mosel-Raum sowie in einem Büroneubau an der Technischen
Universität in Kaiserslautern zum Einsatz. »Die
Grundlagenforschung sei damit zum größten Teil
abgeschlossen«, sagt der Bauingenieur. Jetzt müssten sich
die Ergebnisse nur noch in einem größeren Feldversuch
bestätigen.
Die bisherigen Ergebnisse stellten einen »großen
Fortschritt« in der Grundlagenforschung dar, sagt der
Kaiserslauterner Professor Hermann Heinrich, dessen wissenschaftlicher
Mitarbeiter Diekmann ist. Es gebe zwar noch eine ungelöste Frage
zum Paraffin, das leicht brennbar sei, doch er gehe davon aus,
«dass wir in etwa drei Jahren für den neuartigen Beton
Marktreife erreichen», zeigt sich Heinrich optimistisch. Alles sei
patentrechtlich schon angemeldet. Jetzt werde eine Kooperation mit der
Bims-Industrie und Bauunternehmen angestrebt.
»Wir haben Dieckmann den Innovationspreis verliehen, weil wir
seine Forschung weit über Landesgrenzen hinaus als zukunftsweisend
einstufen«, betont der Hauptgeschäftsführer im
Landesverband der rheinland-pfälzischen Bauwirtschaft, Martin
Dossmann. Der alte Baustoff Beton, der technisch eigentlich als
ausgereizt galt, biete nun völlig neue Möglichkeiten. Auch
zeige dieses Beispiel, dass sich junge Bauingenieure als Forscher in
Deutschland sehen lassen könnten. »Das Ergebnis ist
jedenfalls ein Gewinn für alle künftigen Bauherrn", sagt
Dossmann. Auch Bims für den neuen Baustoff sei genügend
vorhanden. Das Gestein werde in Europa auf einer griechischen Insel, auf
Island und vor allem im Neuwieder Becken in Rheinland-Pfalz abgebaut.
(Quelle: ddp)