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Irak am 1427sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
UN schicken nach fünf Jahren wieder Sondergesandten in den Irak.
Wohnblock für Arbeiter am Flughafen von Bagdad mit Raketen
beschossen
Di.19.02.08 - Fünf Jahre nach dem tödlichen Anschlag auf ihren
Irak-Sondergesandten schicken die Vereinten Nationen wieder einen
Vertreter in den Golfstaat.
Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR werde den Sitz seines obersten
Repräsentanten für den Irak umgehend von Amman nach Bagdad
verlegen, kündigte Flüchtlingskommissar Antonio Guterres am
Montag in der jordanischen Hauptstadt an. Die Organisation werde ihren
Kandidaten für den Posten in den kommenden zwei Wochen der
irakischen Regierung zur Zustimmung vorlegen.
Die Entscheidung sei Teil der verstärkten Bemühungen der
Vereinten Nationen in dem Land, sagte Guterres weiter. Das Hilfswerk
will demnach zudem die Zahl seiner Mitarbeiter in Bagdad von zwei auf
fünf erhöhen. Der Großteil der Teams soll allerdings
weiterhin in Amman bleiben.
2003 waren bei einem Bombenanschlag auf die UN-Vertretung in Bagdad 22
Menschen getötet worden, darunter der UN-Sonderbeauftragte Sergio
Vieira de Mello. Seither haben die Vereinten Nationen ihre Arbeit in
dem Land vor allem vom benachbarten Jordanien aus koordiniert. Rund 2,2
Millionen Iraker sind in den vergangenen zwei Jahren wegen der
anhaltenden Gewalt geflüchtet. Schätzungen des irakischen
Roten Halbmonds zufolge sind davon allein 1,5 bis zwei Millionen
Menschen nach Syrien geflohen, der Rest nach Jordanien. Innerhalb des
Irak sei etwa dieselbe Zahl von Menschen vertrieben worden.
Ein Wohnblock für Arbeiter am Flughafen von Bagdad ist am Montag
mit Raketen beschossen worden. Dabei wurden nach offiziellen Angaben
mindestens fünf Iraker getötet und 16 weitere Menschen
verletzt, darunter zwei US-Soldaten. Demnach schlugen zwölf
Raketen auf dem Flughafen und Umgebung und dem US-Stützpunkt Camp
Victory ein. Sechs Verdächtige wurden in der Gegend festgenommen,
in der die Raketen abgefeuert wurden, wie ein Militärsprecher
sagte.
Rund ein Dutzend weitere Geschosse landeten nach Angaben der irakischen
Polizei am Montagnachmittag in der schwer bewachten Grünen Zone
von Bagdad. Der US-Militärsprecher wies diese Angaben jedoch
zurück.
boa (Quellen: rtr, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 19.02.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am neunhundertfünfundsechszigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mo.19.02.07 - Irakische Regierung bezeichnet Bagdad-Offensive als Erfolg +++
US-Außenministerin Rice mahnt unparteiisches Vorgehen an +++ Streit
ums schwarze Gold schafft neue Konflikte im Irak +++ Mehr als 60 Tote bei
Bombenanschlägen in Bagdad...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0702190.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Konferenz zum Verbot von Streubomben in Neuseeland begonnen
Di.19.02.08 - In Neuseeland hat am Montag eine internationale Konferenz zum
weltweiten Verbot von Streubomben begonnen. Mehr als 500 Delegierte aus
122 Staaten versammelten sich zu dem fünftägigen Treffen, das
die Initiative Cluster Munition Coalition (CMC) in der Hauptstadt
Wellington ausrichtet. Ziel ist es, im Mai in Dublin einen Vertrag zum
weltweiten Verbot der für Zivilisten besonders gefährlichen
Streubomben abzuschließen. Rund 80 Staaten haben bereits ihre
Unterstützung für ein weltweites Streubomben-Verbot zugesagt.
Mit den USA, China und Russland stellen sich jedoch die
Streubomben-Hauptproduzenten gegen eine Ächtung.
Die vom Flugzeug aus abgeworfenen oder zu Land abgefeuerten Streubomben
enthalten eine Vielzahl kleinerer Bomben, die sich über riesige
Flächen ausbreiten. Viele der Mini-Bomben gehen beim Aufprall auf
dem Erdboden nicht sofort hoch, sondern liegen jahrelang als
unentdeckte Gefahr für Zivilisten im Gelände.
"Nach einem Jahr des bemerkenswerten Fortschritts bei der Rettung von
Menschenleben ist das der Moment der Wahrheit, in dem die Länder
ihre Entschlossenheit und Verpflichtung zur Aushandlung eines Vertrags
zeigen müssen", sagte CMC-koordinator Thomas Nash vor den
Delegierten. Der neuseeländische Verteidigungsminister Phil Goff
betonte, der Schutz von Zivilisten müsse ein Schlüsselelement
des Vertrages sein. Es müsse versucht werden, für das
Abkommen die Unterstützung von ausreichend Ländern zu
gewinnen und dabei auch Staaten, die Streubomben besitzen, mit ins Boot
zu holen.
Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Japan übten nach
CMC-Angaben diplomatischen Druck zu einer Abschwächung des
geplanten Abkommens aus. Demnach solle es bestimmte Waffentypen
ausnehmen und eine Übergangsphase bis zum Inkrafttreten des
Verbots vorsehen. Zudem solle der Einsatz von Streubomben in
gemeinsamen Einsätzen mit Staaten, die den Vertrag nicht
unterzeichnet haben, weiter möglich sein. Die Initiative zum
Streubomben-Verbot hatte Norwegen im Februar vergangenen Jahres
gestartet.
(Quelle: afp)
35 Tote bei Anschlag auf Militärkonvoi in Afghanistan - Zahl der
Opfer des Anschlags vom Sonntag in Kandahar auf über 100 gestiegen
Di.19.02.08 - Einen Tag nach dem blutigsten Selbstmordanschlag in Afghanistan mit
mehr als 100 Toten hat ein neues Attentat das Land erschüttert. 35
Zivilisten starben, als ein Attentäter in der Provinz Kandahar
seinen mit Sprengstoff beladenen Wagen in einen kanadischen
Militärkonvoi fuhr.
Dieser passierte gerade den größten Markt der Region in Spin
Boldak. Rund 30 Menschen wurden verletzt, darunter auch mindestens drei
kanadische Soldaten, teilte Provinzgouverneur Assadullah Chalid am
Montag mit.
Erst am Vortag hatte sich nahe der Stadt Kandahar ein
Selbstmordattentäter während eines Hundekampfes inmitten
einer großen Zuschauermenge in die Luft gesprengt.
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte den Anschlag aufs
schärfste. Der afghanische Präsident Hamid Karsai sprach von
einem «unislamischen» und «inhumanen» Akt. Etwa
80 Leichen seien in Krankenhäusern gezählt worden, mehr als
20 seien von Verwandten direkt vom Anschlagsort weggebracht worden,
sagte Chalid. Es war der folgenschwerste Anschlag seit dem Sturz der
radikal-islamischen Taliban Ende 2001.
Die afghanische Polizei setzte ein Ermittlerteam ein, um den
Hintermännern der Bluttat auf die Spur zu kommen. Die
NATO-geführte ISAF sicherte Unterstützung zu, falls dies
gewünscht werde. «Wir beobachten die Situation sehr
aufmerksam», sagte ISAF-Kommandeur, Generalmajor Marc Lessard.
Der Angriff rufe erneut «die Unsicherheit im Süden
Afghanistans» ins Bewusstsein, heißt es in einer von den
Vereinten Nationen in New York veröffentlichten Erklärung.
Der Anschlag untergrabe «die gemeinsamen Anstrengungen der
Internationalen Gemeinschaft und der afghanischen Regierung, das Land
nach Jahrzehnten des Krieges wieder aufzubauen». Der
Weltsicherheitsrat betonte, dass «kein terroristischer Akt den
eingeschlagenen Weg Richtung Frieden, Demokratie und Wiederaufbau in
Afghanistan umkehrbar machen kann».
Das Ermittlerteam soll unter anderem klären, ob der Anschlag dem
früheren Kommandeur Hadschi Hakeem Dschan galt, der dabei
getötet wurde. Er hatte bis 1995 gegen die radikal-islamischen
Taliban gekämpft. Auch Berichte von Augenzeugen, wonach
Leibwächter von Hakeem Dschan aus Panik in die Menge gefeuert
haben sollen, werden überprüft, wie es heißt. Die in
Afghanistan beliebten Hundekämpfe waren unter den Taliban
verboten. Ein Taliban-Sprecher wies Angaben zurück, die
Extremisten seien für den Anschlag verantwortlich.
Unterdessen wurde ein ISAF-Soldat bei einer Patrouillenfahrt in
Südafghanistan getötet, ein weiterer erlitt bei der Explosion
am Sonntag schwere Verletzungen, wie die ISAF am Montag mitteilte. Zur
Nationalität machte sie wie üblich keine Angaben. Im
Süden sind vor allem Briten, Kanadier, Niederländer und
Amerikaner stationiert.
(Quelle: dpa)
Fälschungsvorwürfe bei Wahl in Pakistan - Wenig Gewalt
Di.19.02.08 - Begleitet von Gewalt und Manipulationsvorwürfen ist in Pakistan am
Montag ein neues Parlament gewählt worden.
Erste Einschätzungen deuteten auf eine geringe Wahlbeteiligung
hin. Beobachter bemängelten massive Unregelmäßigkeiten,
die vor allem der Pakistanischen Volkspartei (PPP) der ermordeten
Oppositionsführerin Benazir Bhutto schaden dürften. Umfragen
zufolge war damit zu rechnen, dass die PPP stärkste Kraft werden,
aber einen Koalitionspartner benötigen würde. Die Frage, wer
die künftige Regierung bildet, könnte auch entscheidend
für die politische Zukunft des angeschlagenen Präsidenten
Pervez Musharraf sein. Erste Trendergebnisse wurden in der Nacht
erwartet.
Obwohl die Polizei von mehr als 80.000 Soldaten unterstützt wurde,
blieben viele Menschen offenbar aus Angst vor Anschlägen der
Abstimmung fern. Ein Vertreter der Wahlbehörden in Rawalpindi
schätzte die Beteiligung in seinem Wahllokal auf 35 Prozent. "In
Anbetracht der Sicherheitsbedingungen ist das gut", sagte er. In der
Garnisonsstadt nahe Islamabad war Ende Dezember die kurz zuvor aus dem
Exil zurückgekehrte Bhutto bei einem Anschlag getötet worden,
weshalb die Behörden die ursprünglich für den 8. Januar
geplante Wahl verschoben.
Geheimdienstkreisen zufolge wurden bei Gewalttaten im Zusammenhang mit
der Wahl am Montag elf Menschen getötet und 70 verletzt. In
Bhuttos Heimatprovinz Sindh bezeichnete Innenminister Arif Ali Khan die
Gewalt als bedauerlich, nannte ihr Ausmaß aber "fast
unbedeutend". Im Nordwesten Pakistans explodierten vor Beginn der
Abstimmung in vier Wahllokalen Sprengsätze, die aber niemanden
verletzten. Die Armee flog Anwohnern zufolge später
Hubschrauberangriffe auf mutmaßliche Verstecke von Extremisten.
Musharraf rief nach seiner Stimmabgabe zur Aussöhnung der
verfeindeten politischen Lager auf. "Egal welche politische Partei
gewinnt und wer Ministerpräsident wird, ich gratuliere ihnen und
werde als Präsident vollständig mit ihnen zusammenarbeiten",
sagte der Staatschef, der in den vergangenen Monaten massiv an
Popularität eingebüßt hat. Dazu hatten sein Vorgehen
gegen die Justiz, die Verhängung eines sechswöchigen
Ausnahmezustands sowie Wirtschaftsprobleme wie steigende Preise und
Versorgungsengpässe beigetragen.
Der deutsche Parlamentsabgeordnete Sebastian Edathy bemängelte,
viele Wähler seien in mehreren Stimmlokalen registriert, andere
dagegen von den Wahllisten gestrichen worden. "Es ist davon auszugehen,
dass die Wahlen in erheblichem Maße gefälscht worden sind",
sagte der der SPD-Politiker, der die Abstimmung als Vorsitzender der
deutsch-südasiatischen Parlamentariergruppe vor Ort beobachtete.
Zudem seien weit mehr Stimmzettel im Umlauf gewesen, als es
Wahlberechtigte gebe. Auch die kurzfristige Einrichtung von mehr als
300 "mobilen Wahllokalen" erschwere eine effektiven
Überprüfung. "Das dürfte ein Einfallstor für
Fälschungen werden", sagte der deutsche Abgeordnete. "Die Frage
ist nicht, ob die Wahlen gefälscht worden sind, sondern wie massiv
sie gefälscht worden sind."
Die pakistanische Opposition hat für den Fall allzu
offensichtlicher Manipulationen mit Massenprotesten gedroht, die
Musharraf aber unterbinden will. Daneben fürchtet der
Präsident vor allem ein Bündnis der PPP mit der anderen
großen Oppositionspartei, der Nawaz-Liga von Ex-Regierungschef
Nawaz Sharif. Falls beide Parteien an einem Strang ziehen, könnten
sie ein Amtsenthebungsverfahren gegen Musharraf anstrengen. Auch ein
Bündnis der PPP mit Pro-Musharraf-Kräften wird aber nicht
ausgeschlossen. Beobachtern zufolge wäre dies die vom
Präsidenten bevorzugte Lösung.
(Quelle: rtr)
Kenia kritisiert internationale Einmischung
Di.19.02.08 - Der Aufruf von US-Präsident George W. Bush an die Konfliktparteien
in Kenia, sich die Macht zu teilen, ist bei der Regierung des
umstrittenen Präsidenten Mwai Kibaki auf Widerspruch gestoßen.
«Wir lassen uns nicht von ausländischen Staaten leiten oder
Bedingungen setzen, wie die politische Krise in Kenia zu lösen
ist» zitierten kenianische Medien am Montag Außenminister
Moses Wetangula. Die kenianische Regierung werde keine
Einschüchterungsversuche oder Druck von außen dulden, sagte
er kurz vor dem erwarteten Besuch von US-Außenministerin
Condoleezza Rice in Nairobi.
Rice wurde am Montagvormittag in Kenia erwartet, um die
Vermittlungsbemühungen des ehemaligen UN-Generalsekretärs Kofi
Annan zu unterstützen. Sie wollte sich auch mit Präsident
Kibaki und Oppositionsführer Raila Odinga treffen, der Kibakis
Sieg bei den Präsidentenwahlen im Dezember nicht anerkennt. Auch
internationale Beobachter hatten Zweifel an der korrekten
Auszählung der Stimmen. Annan will mit den Konfliktparteien am
Dienstag neue Gespräche über eine friedliche Lösung des
Machtkonfliktes in dem ostafrikanischen Land führen.
Nach den Wahlen waren in Kenia blutige Unruhen ausgebrochen, bei denen
mehr als tausend Menschen getötet wurden. Rund 350 000 Menschen
flohen vor der Gewalt, viele davon leben noch in Flüchtlingslagern.
(Quelle: dpa)
Entwicklungsländer: Laut Studie kaum Wohlstandsgewinn durch
Globalisierung
Di.19.02.08 - Wegen eines Versagens der Eliten in vielen Entwicklungsländern
profitieren die dort lebenden Menschen kaum vom globalen
Wirtschaftswachstum der vergangenen Jahre. Das ist das Ergebnis einer am
Sonntag veröffentlichten Untersuchung der Bertelsmann Stiftung von
125 Staaten. Massenarmut bleibe vor allem in Afrika und Lateinamerika
das zentrale Problem.
Viele Regierungen hätten sich dazu verleiten lassen, die
Erträge des wirtschaftlichen Erfolges zu konsumieren, statt sich um
Weichenstellungen für die Zukunft zu kümmern. Zu den so
genannten Transformationsstaaten, die in den vergangenen Jahren
erfolgreich regiert wurden, zählt die Stiftung Chile, Estland und
Botswana. Die schlechteste politische Führung wird Somalia, Birma
und Simbabwe bescheinigt.
85 der 125 Länder konnten am Weltwirtschaftswachstum teilhaben,
doch nur wenige nutzten den Spielraum für Armutsbekämpfung,
Bildung oder Umweltschutz. In rund 100 Staaten bewertete die Bertelsmann
Stiftung die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit sowie die
Währungs- und Preisstabilität mit gut oder sehr gut. Doch
wiesen nur 34 eine nachhaltige Bildungs- oder Umweltpolitik auf.
Lediglich 43 Staaten wurde ein gutes sozioökonomisches
Entwicklungsniveau bescheinigt.
Der Globalisierungsexperte der Stiftung, Josef Janning, erklärte:
«Aus der globalen Perspektive betrachtet produziert die
fortgeschrittene Globalisierung zwar insgesamt größeres
Wachstum und Wohlstand, aber ihre Ausgestaltung ist nicht gerecht und
nicht nachhaltig. Ihre positiven Effekte kommen bei der Mehrzahl der
Menschen nicht an.» Das Versagen, aber auch die Lösung der
Probleme sei in den mangelnden Reformen auf der Ebene der einzelnen
Staaten und Regierungen zu suchen.
Auch in Punkto Demokratie brachte die Studie ein zwiespältiges
Bild: Zwar steige die Zahl der formalen Demokratien weiter. Doch
stagniere deren Qualität. So lebten inzwischen knapp vier
Milliarden Menschen in einer Demokratie und lediglich 2,5 Milliarden in
Autokratien und Diktaturen. Allerdings wiesen 52 der 75 untersuchten
Demokratien erhebliche Mängel des Rechtssystems oder bei der
Partizipation auf, bilanzierte die Stiftung.
In nur 13 Ländern gebe es eine funktionsfähige
Gewaltenteilung, in weniger als einem Dutzend Staaten funktionieren
Korruptionsbekämpfung und Ahndung von Amtsmissbrauch. Zudem gebe
einen stabilen Block von ungefähr 40 oft menschenverachteten
Autokratien. Eine Gruppe von 23 Ländern festigte in den
zurückliegenden Jahren ihre demokratische Regierungsform. Dazu
zählen elf europäische Staaten, vier in Lateinamerika, vier in
Afrika und drei in Asien.
(Quelle: ap)
USA erkennen Kosovo an - Meiste EU-Staaten vor Zustimmung
Di.19.02.08 - Einen Tag nach der Unabhängigkeitserklärung des Kosovos haben
die USA den neuen Staat anerkannt.
Deutschland und die meisten EU-Staaten kündigten den Schritt
für die kommenden Tage an. Frankreich war am Montag der erste
europäische Staat, der die Anerkennung formell vollzog,
während Spanien die Abspaltung der Provinz von Serbien als
Verstoß gegen das Völkerrecht verurteilte.
US-Außenministerin Condoleezza Rice erklärte am Abend: "Die
Vereinigten Staaten haben heute das Kosovo formell als souveränen
und unabhängigen Staat anerkannt. Wir gratulieren der
Bevölkerung des Kosovo zu diesem historischen Anlass."
Präsident George W. Bush hatte die Entscheidung bereits
signalisiert, war entsprechenden Fragen während seiner
Afrika-Reise aber zunächst ausgewichen und hatte für Dienstag
eine Erklärung angekündigt.
Unmittelbar nach den USA erkannte auch der Nato-Partner Türkei das
siebte Land aus der Erbmasse Jugoslawiens an sowie der direkte Nachbar
Albanien, der das Unabhängigkeitsstreben der albanischen Mehrheit
in der südserbischen Provinz immer unterstützt hatte.
Insgesamt wollen nach den Worten des deutschen Außenministers
Frank-Walter Steinmeier 17 EU-Länder den neuen Staat akzeptieren,
darunter sind auch Großbritannien und Italien. Spanien und
fünf weitere EU-Länder sind nicht dazu bereit, weil sie neue
Unruhe auf dem Balkan und einen Auftrieb für den Separatismus in
ihren Ländern fürchten.
Die deutsche Regierung soll demnach am Mittwoch die Anerkennung
beschließen, die dann der Bundespräsident übermitteln
muss. Steinmeier sagte, mit der Unabhängigkeit des Kosovo werde
ein Schlussstrich gezogen unter Instabilität und Gewalt auf dem
Balkan. "Ich hoffe, die Gespenster der Vergangenheit liegen hinter
uns." Doch liege noch ein langer Weg vor dem Kosovo zu einem
prosperierenden Land, auf dem es von der EU unterstützt werden
müsse.
Der siebte Staat des Balkans seit dem Zerfall Jugoslawiens leidet unter
massiver Arbeitslosigkeit, maroder Infrastruktur, Korruption und
organisierter Kriminalität. Umso wichtiger sei es, dass die EU
rund 1800 Polizisten, Verwaltungsfachleute und Richter in das Kosovo
schicken werde. Diese sollen helfen, den Rechtsstaat aufzubauen.
Frankreich kam den EU-Partnern zuvor. Präsident Nicolas Sarkozy
habe bereits einen entsprechenden Brief an den kosovarischen Kollegen
geschrieben, sagte Außenminister Bernard Kouchner in
Brüssel. Die Entscheidung löste große Erleichterung in
Pristina aus. "Wir sind Frankreich für die Anerkennung dankbar.
Sie ist für den neuen Staat Kosovo von entscheidender Bedeutung",
erklärte der stellvertretende Ministerpräsident Hajredin
Kuci. Die Regierung hatte am Morgen erklärt, die Anerkennung durch
die USA und EU-Staaten stehe unmittelbar bevor. Bis es so weit war,
vergingen dann aber zähe Stunden.
Für die EU war die Kosovo-Frage die erste große Nagelprobe
der gemeinsamen Außenpolitik. Monatelang hatten die 27
Länder bereits um eine einheitliche Haltung gerungen. Doch
hieß es in einer laut Steinmeier mühsam ausgehandelten
gemeinsamen Erklärung, die EU wolle eine führende Rolle als
Stabilitätshüterin auf dem Balkan spielen.
Über die langfristige Perspektive des Kosovo in der EU bleiben die
Mitgliedsländer weiterhin gespalten. "Eines Tages werden die
Serben und Kosovaren wieder in der Europäischen Union vereint
sein", sagte Kouchner. Bundeskanzlerin Angela Merkel mahnte in Berlin:
"Stabilität in der Region wird es nur geben, wenn es eine ganz
enge Anbindung an die EU gibt." Spaniens Außenminister Miguel
Angel Moratinos sagte dagegen, er sehe derzeit keine Chance für
einen EU-Beitritt des Kosovo.
Den russischen und serbischen Gegnern der Unabhängigkeit schlossen
sich Aserbaidschan, Sri Lanka und Vietnam an. Auch China
äußerte sich "tief besorgt" über den Schritt der
Kosovo-Albaner, der Frieden und Stabilität in der Region
gefährden könne.
Der scheidende Staatssekretär im US-Außenministerium,
Nicholas Burns, sagte auf einer Pressekonferenz in Washington, er
erwarte wegen des Kosovos keine Krise im Verhältnis mit Russland.
«Die Russen werden von unserer Haltung nicht überrascht
sein», sagte Burns. Die nahezu 17.000 Soldaten der NATO
würden weiter im Kosovo bleiben. Burns kündigte auch eine
baldige Geberkonferenz zur Unterstützung des Kosovos an. Die USA
wollten dem Land in diesem Jahr 334 Millionen Dollar (228,2 Millionen
Euro) als Finanzhilfe bereitstellen.
boa (Quelle: rtr, ap)
Serbischer Präsident sagt Gewaltverzicht zu - Vereinte Nationen
ohne gemeinsame Haltung zum Kosovo
Di.19.02.08 - Der serbische Präsident Boris Tadic hat im Sicherheitsrat der
Vereinten Nationen zugesagt, nicht mit Gewalt auf die
Unabhängigkeitserklärung des Kosovos zu reagieren. Die
einseitige Entscheidung werde jedoch «eine irreparable
Störung der internationalen Ordnung» zur Folge haben, sagte
Tadic am Montag in New York.
Der Sicherheitsrat konnte sich auch am zweiten Tag seiner Beratungen
nicht auf eine gemeinsame Haltung zum Kosovo verständigen. Die
Sitzung endete nach zweieinhalb Stunden ohne eine gemeinsame
Erklärung. Während die USA, Großbritannien und
Frankreich die Ausrufung des neuen Staates unterstützten,
bezeichneten Russland und China diesen Schritt als illegal.
«Wir gratulieren dem Kosovo und begrüßen es in der
Familie der Nationen», sagte der UN-Botschafter der USA, Zalmay
Khalilzad. Im Mittelpunkt der Sitzung stand die Interpretation der
UN-Resolution von 1999, mit der das Kosovo nach dem NATO-Krieg unter
internationale Verwaltung gestellt wurde. Der britische UN-Botschafter
John Sawers sagte, damit habe Belgrad die Ausübung seiner
Autorität im Kosovo verloren. Der russische UN-Botschafter Witali
Tschurkin sprach hingegen von einer Verletzung dieser Resolution und
einer Gefährdung des Friedens auf dem Balkan.
Tadic sagte den im Sicherheitsrat versammelten Diplomaten: «Die
Republik Serbien wird keine Gewalt anwenden.» Mit dem Vorgehen
der Führung in Pristina sei aber eine Situation entstanden,
«in der einem friedliebenden Land, in dem ein stolzes
europäisches Volk lebt, ein Teil seiner Identität, Tradition
und Geschichte weggenommen wird». Damit siege das Unrecht
über das Völkerrecht.
(Quelle: ap)
Nach Abwahl des Präsidenten Friedenshoffnung auf Zypern
Di.19.02.08 - Nach der Abwahl des einheits-kritischen Präsidenten Tassos
Papadopoulos sind auf Zypern die Hoffnungen auf eine Annäherung an
den türkischen Nordteil der Mittelmeerinsel gestiegen.
Der Kommunist Demetris Christofias und der Konservative Ioannis
Kassoulides, die nun am Sonntag das Rennen um das Präsidentenamt
unter sich ausmachen, befürworten eine Entspannung gegenüber
dem Norden. Beide haben für den Fall ihrer Wahl direkte
Gespräche mit den Führern der Zypern-Türken über
eine Wiedervereinigung angekündigt.
Papadopoulos schied mit 31,78 Prozent der Stimmen im ersten Wahlgang am
Sonntag aus. Für Christofias stimmten 33,3 Prozent, für
Kassoulides 33,5 Prozent.
Der 74-jährige Papadopoulos regiert das Land seit fünf
Jahren. In seine Amtszeit fielen die im März 2004 gescheiterte
Volksabstimmung über eine Wiedervereinigung mit dem
türkischen Teil der Insel und der EU-Beitritt zwei Monate
später. Kritiker bezeichnen den Juristen als Hardliner und werfen
ihm vor, sich seit den gescheiterten Einheitsverhandlungen vor vier
Jahren in der Zypern-Frage zu passiv verhalten zu haben.
Rund eine halbe Million Menschen des EU-Mitgliedsstaats waren
aufgerufen, ein neues Staatsoberhaupt zu wählen. Die Wahl galt als
entscheidend für die Wiederaufnahme von Friedensgesprächen
auf der geteilten Insel. Der Zypern-Konflikt ist auch ein wichtiger
Punkt in den EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei.
Die Regierung im türkisch-sprachigen Nord-Zypern ist im Gegensatz
zum größtenteils von Griechen bewohnten Süden weltweit
isoliert und wird nur von der Türkei anerkannt. Der
langjährige Zypern-Konflikt belastet immer wieder das
Verhältnis der Nato-Partner Türkei und Griechenland.
(Quelle: rtr)
Britische Hypothekenbank Northern Rock wird verstaatlicht
Di.19.02.08 - Die kriselnde britische Hypothekenbank Northern Rock wird nach
monatelangem Gerangel um einen Privatkäufer verstaatlicht. Das
kündigte Finanzminister Alistair Darling am Sonntag in London an.
Keiner der beiden privaten Interessenten habe «unter den
momentanen Marktbedingungen» ein Angebot vorgelegt, das die
«Interessen der Steuerzahler» wahren würde. Die Bank
werde deshalb vorübergehend in staatlichen Besitz übergehen.
Es ist das erste Mal seit den 70er Jahren, dass ein britisches
Unternehmen verstaatlicht wird. Die Maßnahme bedeutet eine Blamage
für die Regierung von Premierminister Gordon Brown, die seit
Monaten einen Käufer gesucht hatte und deshalb im Kreuzfeuer der
Kritik stand.
Die Bank war im vergangenen September nach der Krise am US-
Immobilienmarkt in die Klemme geraten und musste mit einem Notkredit der
Englischen Notenbank über rund 25 Milliarden Pfund (33,4 Mrd Euro)
gerettet werden. Tausende Kunden standen daraufhin vor den Filialen
Schlange, um ihr Geld in Sicherheit zu bringen. An dem
fünftgrößtem Baufinanzierer des Vereinten
Königreichs waren ein Konsortium um die Virgin-Gruppe des
Milliardärs Richard Branson und das Management der Bank
interessiert. Kunden könnten auch jetzt wie gehabt ihre Zahlungen
machen, sagte Darling.
Über eine Verstaatlichung von «The Rock» war seit
Monaten spekuliert worden. Darling will am Montag das Unterhaus in
London informieren und die nötige Gesetzgebung durchbringen.
«Dies ist eine vorübergehende Maßnahme. Langfristig
muss die Bank im Besitz des privaten Sektors sein», betonte der
Schatzkanzler. Virgin-Chef Branson kritisierte, eine Verstaatlichung sei
«nicht die richtige Antwort». Die Geschäfte wird nun
nach Angaben Darlings Ron Sandler, der ehemalige Chef des Versicherers
Lloyd's of London, führen. Sandler sagte, er sei erfreut und
nervös. Die Bank aus Newcastle werde weiter eine
«Schlüsselrolle» in Nordostengland spielen. Laut
Medienberichten sollten im Falle einer Verstaatlichung zahlreiche
Arbeitsplätze abgebaut werden. Northern Rock hat rund 6500
Beschäftigte.
Nachdem die Bank of England mit dem Notkredit einsprang, ging der
Börsenkurs des Unternehmens auf Talfahrt: So war Northern Rock vor
einem Jahr noch 5,3 Milliarden Pfund wert, nun nur noch 375 Millionen.
Der Handel mit Northern-Rock-Aktien wird am Montag ausgesetzt.
(Quelle: dpa)
Deutschland
Steuer-Razzien in mehreren Großstädten
Di.19.02.08 - In mehreren Großstädten sind am Montag Fahnder auf der Suche
nach weiteren Steuersündern mit Schwarzgeld in Liechtenstein
ausgeschwärmt.
Unter anderem in Frankfurt, München und Hamburg durchsuchten die
Ermittler Wohn- und Büroräume. Auch bei den Privatbanken
Metzler und Hauck & Aufhäuser wurden die Steuerfahnder
vorstellig. Nach Angaben aus Ermittlerkreisen waren die Aktionen nur
der Auftakt. Allein diese Woche seien über 100 Hausdurchsuchungen
geplant. In Berlin zeigte sich die Bundesregierung überzeugt, dass
die Jagd auf die mutmaßlichen Steuerhinterzieher rechtens ist.
Die aus einer Liechtensteiner Bank entwendeten Daten der
Verdächtigen dürften von den Steuerfahndern ausgewertet
werden.
Koordiniert wurden die Aktionen von der Staatsanwaltschaft Bochum, die
vergangenen Donnerstag auch die Razzia beim scheidenden Postchef Klaus
Zumwinkel geleitet hatte. Er steht unter Verdacht, eine Million Euro
Steuern hinterzogen zu haben. In Hessen liefen nach Angaben aus
Ermittlerkreisen Razzien vor allem im Großraum Frankfurt in
Privatwohnungen und Geschäftsräumen. Auch die Fahnder in
München rückten aus. Details wollte eine Sprecherin des
Bayerischen Landesamts für Steuern zunächst nicht nennen. Die
"Bild"-Zeitung berichtete vorab, betroffen seien zwei kleine Banken und
zwei Villen im noblen Viertel Grünwald.
Bedeckt hielt sich auch die Berliner Finanzverwaltung. Eine Sprecherin
erklärte lediglich, in der Hauptstadt gebe es eine zweistellige
Zahl von Verdachtsfällen. Mit Durchsuchungen sei zu rechnen. Wenig
wurde auch in Stuttgart bekanntgegeben. Ein Sprecher des dortigen
Finanzministeriums sagte, in mehreren Städten in
Baden-Württemberg seien Objekte durchsucht worden. In Hamburg
hieß es bei der Finanzbehörde, in fünf Wohnungen habe
es Razzien gegeben.
Der "Spiegel" berichtete in seiner Online-Ausgabe, neben für diese
Woche geplanten 125 Razzien würden weitere Durchsuchungswellen
vorbereitet. Bereits am Sonntagabend hätten sich die
Einsatzkräfte an ihren Einsatzorten eingefunden, um früh am
Montag losschlagen zu können. Der Fahndungsdruck auf die
Steuerhinterzieher scheint nach einem Bericht des "Handelsblatts"
Wirkung zu zeigen. "Es rappelt jetzt Selbstanzeigen", zitierte das
Blatt aus Justizkreisen. Den Ermittlern liegen nach Angaben der
Bundesregierung die Daten von über 1000 weiteren
Steuersündern vor. Das Finanzministerium geht von mehreren 100
Millionen Euro an Steuernachforderungen aus.
Ausgelöst wurde die bisher umfangreichste Steuerfahndung in der
Bundesrepublik durch die Datensammlung einer Liechtensteiner Bank, die
der Bundesnachrichtendienst (BND) nach Angaben aus Regierungskreisen
für 4,2 Millionen Euro gekauft hatte. Der Verkäufer wird
geheimgehalten. Einige Politiker, wie der FDP-Innenexperte Max Stadler,
vermuten, die strikte Trennung von Geheimdienstarbeit und
Steuerfahndung sei möglicherweise nicht eingehalten worden.
"Ich habe keinerlei Zweifel, dass sich die beteiligten Behörden
korrekt aufgeführt haben", betonte dagegen Finanzminister Peer
Steinbrück im Hamburg. Der Informant sei an den BND herangetreten.
"Daraufhin hat der BND getan, was seine Pflicht ist nach der
Abgabenordnung: Er hat die Steuerdaten angezeigt gegenüber der
Steuerverwaltung." Die Finanzverwaltung habe dann den BND um eine
größere Datenprobe gebeten. Der BND sei wieder an den
Informanten herangetreten, habe dies beschafft und an die
Finanzverwaltung weitergegeben. "Er hat sich völlig korrekt
verhalten, indem er es der zuständigen Behörde gegeben hat."
Am Mittwoch soll das Parlamentarische Kontrollgremium über das
Vorgehen des BND informiert werden.
(Quelle: rtr)
Steuergewerkschaft - Abgeltungsteuer erschwert Steuerfahndung
Di.19.02.08 - Als Konsequenz aus dem jüngsten Steuerhinterziehungsskandal hat
die Deutsche Steuergewerkschaft einen Verzicht auf die ab 2009
beschlossene Abgeltungsteuer gefordert.
Durch sie werde die Steuerfahndung erschwert, sagte Gewerkschaftschef
Dieter Ondracek der "Frankfurter Rundschau" vom Montag. "Unter dem
künftigen Recht wäre der Fall Zumwinkel nicht aufgedeckt
worden", sagte er. Zur Begründung führte Ondracek an, dass
wegen der Abgeltungsteuer, die anonym mit einem Pauschalsatz von 25
Prozent erhoben wird, Kapitalerträge nicht mehr in den
Einkommensteuererklärungen auftauchen. "Die Steuerfahndung braucht
aber eine Spur, einen Anfangsverdacht, um überhaupt Ermittlungen
aufnehmen zu können."
Nach einer Razzia von Steuerfahndern war Post-Chef Klaus Zumwinkel
vergangene Woche zurückgetreten. Er hat nach Angaben von
Finanzminister Peer Steinbrück eingestanden, Steuern hinterzogen zu
haben. Den Ermittlern liegen nach Angaben der Bundesregierung die Daten
von über 1000 weiteren Steuersündern vor. Über 100 von
ihnen müssen Ermittlerkreisen zufolge in dieser Woche mit
Hausdurchsuchungen rechnen. Nach einem Bericht der "Süddeutschen
Zeitung" sind täglich 20 bis 25 Razzien geplant. Allerdings werde
in Ermittlerkreisen erwogen, die Durchsuchungen auszusetzen, wenn der
Medienrummel wie im Fall Zumwinkel anhalte. "Wir dürfen doch
niemanden vorführen", zitiert die Zeitung einen Ermittler.
(Quelle: rtr)
Kontrollgremium des Bundestags befasst sich mit Steueraffäre -
Vorsitzender hält BND-Operation für Erfolg - Grüne sehen
Kompetenzen überschritten
Di.19.02.08 - Das für die Geheimdienste zuständige Parlamentarische
Kontrollgremium wird sich am Mittwoch mit der Rolle des
Bundesnachrichtendienstes in der Steueraffäre befassen. «Der
BND wird in dieser Sitzung routinemäßig über diesen
Vorfall berichten», sagte der Vorsitzende des Gremiums, Thomas
Oppermann, am Montag im rbb-Inforadio. «Ich bin ganz sicher, dass
er dabei im Rahmen seiner gesetzlichen Zuständigkeiten gehandelt
hat», fügte der SPD-Politiker hinzu.
Der Bundesnachrichtendienst (BND) soll einem Informanten für 4,2
bis 5 Millionen Euro eine CD mit brisanten Steuer-Daten aus
Liechtenstein abgekauft haben. Bundesinnenminister Wolfgang
Schäuble (CDU) hatte dieses Vorgehen am Wochenende als
«rechtlich in Ordnung und sachlich notwendig» bezeichnet.
Die «Berliner Zeitung» berichtete am Montag, der BND habe
in einer großangelegten Operation über Jahre hinweg
Liechtensteiner Banken ausgespäht. Durch den Einsatz hoher
Geldsummen seien auch leitende Bankmitarbeiter im Fürstentum als
Quelle angezapft worden. Oppermann sagte dazu: «Das ist mir
persönlich nicht bekannt.» Er bewertete die BND-Operation als
Erfolg. «Ich glaube, insgesamt ist das eine Erfolgsgeschichte,
dass wir an Informationen herangekommen sind, die wir anders nicht
bekommen hätten.»
Die Grünen bewertete das Vorgehen des BND dagegen als bedenklich.
«Zwar freue auch ich mich darüber, dass es den
Steuersündern nun endlich an den Kragen geht», sagte der
Grünen-Vertreter im Kontrollgremium, Hans-Christian Ströbele,
der «Berliner Zeitung». «Aber die Frage stellt sich
natürlich: Darf der BND solche Erkenntnisse heranschaffen und
weitergeben? Ich denke nein.»
Das Parlamentarische Kontrollgremium ist für die Kontrolle der
Nachrichtendienste des Bundes zuständig. Dazu zählen neben dem
BND der Bundesverfassungsschutz und der Militärische
Abschirmdienst. Das Gremium tagt geheim. Es kann von der Bundesregierung
eine umfassende Unterrichtung über die allgemeine Tätigkeit
der Geheimdienste verlangen. Wegen der Geheimhaltungspflicht ist sein
Handlungsspielraum allerdings begrenzt. Deswegen hat es in der
Vergangenheit immer wieder Diskussionen über eine Reform der
Geheimdienstkontrolle gegeben.
(Quelle: ap)
Liechtenstein wehrt sich gegen Vorwürfe in Steueraffäre
Di.19.02.08 - Liechtenstein hat Vorwürfe zurückgewiesen, das
Fürstentum lade Vermögende geradezu zur Steuerhinterziehung
ein. Der Botschafter in Deutschland, Prinz Stefan von und zu
Liechtenstein, sagte am Montag dem Sender N24, Steuerhinterziehung sei
auch in Liechtenstein ein Delikt. «Das wird vielleicht in dieser
Debatte, die jetzt sehr hitzig geführt wird, übersehen. Wir
laden auch niemanden aus dem Ausland dazu ein.»
Allerdings werde Steuerhinterziehung in dem Fürstentum anders
behandelt. «Wenn jemand bei uns in Liechtenstein Steuern
hinterzieht, dann ist das so, wie wenn Sie eine Verkehrsübertretung
machen. Das wird einfach abgewickelt», sagte der Botschafter.
«Das Ziel wird dennoch erreicht: Wir haben eine sehr hohe
Steuerzahlmoral in Liechtenstein. Und um die geht es ja
letztendlich.»
Sein Staat bewege sich «in großen Schritten in Richtung auf
eine viel engere Zusammenarbeit mit allen Staaten der Europäischen
Union» zu. Das sei auch der Grund des bevorstehenden Besuchs von
Ministerpräsident Otmar Hasler in Berlin.
«In zehn Tagen unterzeichnen wir die Mitgliedschaft zum
Schengen-Abkommen. Das wird die Möglichkeit der Zusammenarbeit mit
Deutschland, aber auch mit anderen Schengen-Mitgliedsländern extrem
ausweiten, unter anderem auch im Bereich der direkten Steuern, also
auch der Einkommensteuern», sagte der Diplomat. «Auch als
Mitglied des Europäischen Wirtschaftsrats übernehmen wir
ständig Gesetzgebung im Finanzplatzbereich. Das heißt, unser
Niveau wird wirklich auf das europäische angeglichen.»
Grünen-Fraktionschefin Renate Künast hatte Liechtenstein
vorgeworfen, Vermögende in ganz Europa dazu aufzufordern, der
Allgemeinheit Geld zu entziehen «Das grenzt ja an organisierte
Kriminalität, was dieser Kleinstaat da treibt», sagte sie dem
«Tagesspiegel».
(Quelle: ap)
Steuerskandal lässt Aktien der Liechtensteiner Banken
abstürzen
Di.19.02.08 - Die Aktien der Liechtensteinischen Landesbank und der VP Bank sind am
Montag an der Schweizer Börse eingebrochen.
Die Titel wurden nach Angaben von Händlern im Rahmen des in
Deutschland aufgedeckten Steuerskandals in Sippenhaftung genommen. "Die
Leute differenzieren in einem solchen Fall nicht mehr", sagte ein
Börsianer.
Die LLB-Aktien sackten am Montagvormittag um 10,3 Prozent auf 87 sfr ab
und die Titel der VP Bank rutschen 9,4 Prozent ins Minus auf 245 sfr.
"Die deutsch-liechtensteinische Steueraffäre zieht immer weitere
Kreise und das belastet die Liechtensteiner Banken", sagte ein anderer
Händler
Am vergangenen Freitag war der unter dem Verdacht der
Steuerhinterziehung stehende Chef der Deutschen Post, Klaus Zumwinkel,
zurückgetreten. Der deutsche Staat rechnet durch die Aufdeckung des
Steuerskandals mit zusätzlichen Einnahmen von mehreren hundert
Million Euro. Für eine CD mit den Bankdaten aus Liechtenstein
zahlte der Bund nach Reuters-Informationen 4,2 Millionen Euro an einen
Informanten des Bundesnachrichtendienstes (BND).
Betroffen ist in erster Linie die nicht börsennotierte LGT Group,
die sich im Besitz des Fürsten von und zu Liechtenstein befindet.
Diese räumte am Freitag ein, dass vor rund sechs Jahren gestohlene
Kundendaten der Tochterfirma LGT Treuhand AG entgegen dem bisherigen
Wissensstand immer noch im Umlauf sind. Die LGT Treuhand ist unter
anderem für die Errichtung von Stiftungen zuständig.
Vor einer Woche hatte die LLB berichtet, sie sei von einem ehemaligen
Mitarbeiter mit gestohlenen Unterlagen über deutsche Kunden
erpresst worden. Laut einem Bericht des "Spiegel" seien diese Daten wohl
ebenfalls noch in Umlauf.
(Quelle: rtr)
Kastendenken in Wirtschaftselite weit verbreitet
Di.19.02.08 - Unter deutschen Wirtschaftsführern ist Kastendenken offenbar weit
verbreitet. So zähle etwa Leistung nach Ansicht deutscher Manager
nur wenig, um Teil der Elite werden zu können, geht aus einer
Umfrage hervor. Während etwa "öffentlich-bekannte,
herausragende Leistungen" für nur 26 Prozent der befragten Manager
ein zentrales Merkmal von Elite seien, zähle für 28 Prozent
die alleinige Zugehörigkeit zu einer angesehenen Familie. Für
knapp 47 Prozent zähle die bloße Tatsache, dass jemand eine
als "hervorragend" geltende Ausbildung durchlaufen habe.
Diese Einstellungen führten laut der Erhebung der Personalberatung
Lachner Aden Beyer & Company (LAB) dazu, dass die Zugehörigkeit
zu Machteliten eine wichtige Rolle bei Entscheidungen über
Beförderungen spiele. "Elite definiert sich in Deutschland weniger
über den Inhalt und das Tun, sondern mehr über die Position",
merkte einer der befragten Wirtschaftsführer kritisch an. Dazu
zähle etwa die erreichte Position in der Hierarchie, der Name
einer Ausbildungsstätte oder die Zugehörigkeit zu bestimmten
"Zirkeln". Auch seien Loyalität, Berechenbarkeit und
Beeinflussbarkeit zentrale Gründe für Beförderungen.
"Die fachlichen Fähigkeiten reichen für eine berufliche
Karriere bis zur Spitzenposition nicht aus. Vielmehr benötigt man
dazu entsprechende Beziehungen und Kontakte zu einflussreichen
Personen", merkte ein anderer befragter Wirtschaftsführer an. "Das
Kastenwesen der Wirtschaftselite lässt enorme menschliche
Ressourcen ungenutzt", kritisierte ein anderer Spitzenmanager.
Trotz der Kritik aus eigenen Reihen setzen der Umfrage zufolge offenbar
viele Wirtschaftsführer weiter auf solche Mechanismen. So spielt
für 69 Prozent der Befragten die Zugehörigkeit zum Kreis von
Machteliten im beruflichen Umfeld eine wichtige oder sehr wichtige Rolle
bei Beförderungsentscheidungen. 66 Prozent würden auch ihre
Kinder auf Privatschulen und private Universitäten schicken, um
die beruflichen Chancen zu verbessern. LAB befragt für das
sogenannte LAB Managerpanel alle zwei Monate Manager aus einem Kreis von
859 Wirtschaftsführern. Für die aktuelle Umfrage wurden 259
Führungskräfte befragt.
(Quelle: afp)
Metall-Arbeitgeberpräsident Kannegiesser fordert höhere
Nettolöhne
Di.19.02.08 - Der Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Martin
Kannegiesser, fordert die Politik zu Erhöhung der Nettolöhne
der Beschäftigten auf. «Die große Differenz zwischen
Brutto- und Nettoeinkommen ist für viele Menschen ein zunehmendes
Ärgernis», sagte Kannegiesser der «Berliner
Zeitung» (Samstagausgabe) laut Vorabbericht. Das Nettoeinkommen
spiele für Motivation und Leistungsbereitschaft eine ganz
wesentliche Rolle. «Wenn die Politik hier einen konstruktiven
Beitrag leistet, würden sich auch die Tarifparteien leichter tun,
Bruttolöhne zu vereinbaren, die unsere Weltmarktfähigkeit
nicht wieder gefährden», sagte Kannegiesser.
Mindestlöhne lehnte Kannegiesser strikt ab. «Der Mindestlohn
schadet in der Sache, weil er Beschäftigung vernichtet»,
sagte er. Außerdem schade er der Tarifautonomie, weil er die
Kompetenzen der Tarifparteien aushöhle. Natürlich müsse
man sich Gedanken machen, wie Arbeitnehmer ihren Lebensunterhalt
bestreiten können, die auf dem Arbeitsmarkt nur eine Chance auf
schlechter bezahlte Tätigkeiten haben. Dafür gebe es den
Kombilohn. «Der gesetzliche Mindestlohn aber ist die falsche
Antwort, er verteuert Arbeit und nimmt Menschen die Chance, selbst
für ihren Lebensunterhalt zu sorgen», sagte Kannegiesser.
(Quelle: ddp)
Pharma- und Chemiekonzern Merck verdreifacht Nettogewinn
Di.19.02.08 - Der Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern Merck erwartet nach
einer Verdreifachung seines Nettogewinns 2007 für das laufende Jahr
ein solides Wachstum. Der Sondererlös aus dem milliardenschweren
Verkauf der Generika-Sparte an das US-Unternehmen Mylan trug dazu bei,
das Ergebnis nach Steuern von 1,0 auf 3,5 Milliarden Euro zu steigern.
Beim operativen Ergebnis meldete Merck am Montag einen Rückgang im
vierten Quartal.
Im Gesamtjahr steigerte der Konzern das operative Ergebnis um 22,2
Prozent auf 976,0 Millionen Euro. Merck habe im Geschäftsjahr 2007
erfolgreich das Biopharma-Unternehmen Serono integriert, erklärte
Konzernchef Karl-Ludwig Kley. Die Dividende soll um ein Drittel auf 1,2
Euro pro Aktie sowie einen einmaligen Bonus von 2 Euro erhöht
werden. «Selbst in den derzeit unsicheren wirtschaftlichen Zeiten
erwarten wir für 2008 ein weiteres Geschäftsjahr mit solidem
Wachstum», sagte Kley.
Er wies darauf hin, dass Merck fast den gesamten Erlös auf dem
Verkauf des Generika-Geschäfts in Höhe von netto 3,5
Milliarden Euro (brutto 4,9 Milliarden Euro) sowie die Erträge aus
einer Kapitalerhöhung für die Rückzahlung von Krediten
verwendet habe. So konnte das Unternehmen nach eigenen Angaben die
Gesamtverschuldung aus dem Serono-Kauf innerhalb eines Jahres praktisch
zurückführen.
Das EBIT ging im Gesamtjahr um 80 Prozent auf 200,4 Millionen Euro
zurück, im vierten Quartal lag es bei minus 47,5 Millionen Euro.
Kley erklärte, der Erwerb von Serono und der Verkauf der
Generika-Sparte seien die größten Transaktionen der
Unternehmensgeschichte gewesen und hätten das Gesicht der
Merck-Gruppe entscheidend verändert. Sie sollten sich nachhaltig
positiv auf das finanzielle Profil des Konzerns und seiner
Wachstumschancen auswirken.
Die Gesamterlöse stiegen mit der Akquisition von Serono um 58
Prozent auf 7,1 Milliarden Euro. Im Zusammenhang mit dem Kauf wendete
das Unternehmen deutlich mehr Geld für Forschung und Entwicklung
auf, und zwar 1,0 Milliarden Euro.
(Quelle: ap)
Arbeitsministerium schränkt geplanten Ausbildungsbonus ein
Di.19.02.08 - Das Bundesarbeitsministerium will den geplanten Ausbildungsbonus
für schwer vermittelbare Jugendliche an strengere Voraussetzungen
knüpfen als bislang bekannt.
Im neuen Gesetzentwurf von Ressortchef Olaf Scholz (SPD) für die
Kabinettssitzung am Mittwoch wird der Kreis der Berechtigten
stärker eingeschränkt. Einen Förderanspruch haben dem
Reuters am Montag vorliegenden Entwurf zufolge nur noch Altbewerber,
die höchstens über einen Realschulabschluss mit der Note
ausreichend in Deutsch oder Mathe verfügen. Für Altbewerber
mit besseren Noten oder höherem Schulabschluss kann der Zuschuss
von 4000 bis 6000 Euro gezahlt werden, muss es aber nicht. Dies werde
in das Ermessen der Arbeitsagenturen vor Ort gestellt.
Ursprünglich sollten alle Altbewerber mit einem Realschulabschluss
unabhängig von ihren Noten Anspruch auf die Förderung haben.
Mit den Änderungen geht das Ministerium auch auf Kritik der
Wirtschaft und des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) an einer zu
großzügigen Fassung des Förderkreises ein. Scholz will
den Entwurf, der die Ressortabstimmung zwischen den Ministerien
passiert hat, am Mittwoch dem Kabinett vorlegen.
Trotz der neuen Unterscheidung in eine Pflicht- und eine Kann-Leistung
rechnet das Ministerium unverändert damit, dass durch den
Ausbildungsbonus bis 2010 zusätzlich 100.000
Ausbildungsplätze entstehen. Die nun vorgenommene
Präzisierung solle Mitnahmeeffekte und Fehlanreize vermeiden.
Die voraussichtlichen Kosten beziffert das Ministerium auf rund 450
Millionen Euro bis 2012, wenn der letzte geförderte Altbewerber
seine bis zu dreijährige Ausbildung abgeschlossen hätte.
Hinzu kämen etwa 240 Millionen Euro für eine neue
Berufseinstiegsbegleitung. Bezahlt werden soll dies aus dem Haushalt
der Bundesagentur für Arbeit (BA) und somit von Arbeitgebern und
Arbeitnehmern, die in die Arbeitslosenversicherung einzahlen. DGB und
die Spitzenverbände der Wirtschaft hatten eine Finanzierung aus
Steuern verlangt.
Dem Gesetzentwurf zufolge erhalten Arbeitgeber "einen Zuschuss für
die zusätzliche betriebliche Ausbildung besonders
förderungsbedürftiger Auszubildender", die bereits im Vorjahr
oder davor die Schule verlassen haben. Einen Anspruch auf die
Förderung haben demnach zwei Bewerbergruppen. Für sie gilt
entweder, dass sie sich bereits im Vorjahr vergeblich um eine
Ausbildung bemüht haben und zudem allenfalls über "einen
mittleren Schulabschluss mit höchstens der Abschlussnote
ausreichend in den Fächern Deutsch oder Mathematik, einen
Hauptschulabschluss, einen Sonderschulabschluss oder keinen
Schulabschluss" verfügen. Einen Förderanspruch haben zudem
lernbeeinträchtigte oder sozial benachteiligte Altbewerber.
Nach dem Ermessen der Arbeitsagenturen ist eine Förderung als
Kann-Leistung möglich für Altbewerber, die sich seit zwei
Jahren erfolglos um eine Ausbildung bemühen oder die seit einem
Jahr suchen und einen mittleren Schulabschluss mit besseren Noten als
ausreichend in Deutsch oder Mathe haben.
(Quelle: rtr)
Hafenstädte leiden unter Schiffsemissionen
Di.19.02.08 - Immer mehr Waren werden mit dem Schiff transportiert, deshalb nehmen
auch die Schiffsemissionen zu. Vor allem in den küstennahen
Wohngebieten seien aber bereits kritische Werte erreicht worden, sagt
Nadja Ziebarth vom Verein «Aktionskonferenz Nordsee» mit
Sitz in Bremen. 70 Prozent der Schiffsemissionen würden in
küstennahen Gewässern ausgestoßen. Jährlich sterben
einer aktuellen Untersuchung zufolge mehrere 10 000 Menschen, die in
Küstenregionen nahe stark befahrener Schiffsrouten wohnen, an
Herz- und Lungenbeschwerden. 2002 seien es weltweit rund 60 000
Menschen gewesen.
Ziebarth fordert deshalb, dass sich die Schiffe während ihrer
Liegezeit im Hafen mit Landstrom versorgen. Damit könnte die
Situation zumindest in den Hafenstädten verbessert werden. Zudem
sei es notwendig, Schweröl als Treibstoff in der Schifffahrt
weltweit spätestens bis 2015 abzuschaffen. Schweröle sind
Rückstände, die beim Destillieren von Rohöl
übrigbleiben. An Land müssten sie wie Sondermüll
behandelt werden, sagt Ziebarth. Die Verwendung als Schiffstreibstoff
sei dagegen eine völlig legale Entsorgungsmöglichkeit.
«Große Containerschiffe produzieren pro transportierter
Tonne viermal so viel Ruß und Feinstaub wie ein Lkw»,
erläutert die Expertin.
Aus den Schwefelemissionen von Straßen- und Schiffsverkehr
zusammen entfallen ihren Angaben zufolge 92 Prozent auf die Schifffahrt.
Deshalb müsse der Schwefelgehalt in Treibstoffen schrittweise
gesenkt werden. Es wäre deshalb konsequent, wenn die Kosten
für die Gesundheits- und Umweltschäden, die durch die
Schifffahrt entstehen, von den Reedern bezahlt werden müssten, sagt
Ziebarth. Nur so sei neben gesetzlichen Vorgaben eine Einsicht zu mehr
Umweltengagement erreichbar.
(Quelle: ddp)
Ludwigshafen: Elektrik-Defekt könnte Ursache für
Brandkatastrophe sein - Türkische Behörden wollten offenbar
alevitische Geistliche von Beisetzungsfeierlichkeiten für die Opfer
ausschließen
Di.19.02.08 - Die Ermittlungen nach dem Brand von Ludwigshafen konzentrieren sich
offenbar auf einen elektrischen Defekt im Keller. Wie der "Focus" unter
Berufung auf Polizeikreise berichtet, befand sich dort zudem leicht
entflammbarer Hausmüll. Der Generalsekretär der Alevitischen
Gemeinde in Deutschland, Ali Ertan Toprak, warf den türkischen
Behörden vor, sie hätten alevitische Geistliche von den
Beisetzungsfeierlichkeiten für die Opfer ausschließen wollen.
Mehrere CDU-Politiker forderten als Reaktion auf Äußerungen
des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan
erneut eine stärkere Integration in Deutschland lebender
Türken.
Bei dem Brand in Ludwigshafen waren neun Menschen ums Leben gekommen.
Die betroffenen Familien gehören alle der alevitischen
Glaubensgemeinschaft an. Ein Sachverständigengutachten soll laut
"Focus" bis Ende kommender Woche Aufklärung bringen, ob marode
Leitungen das Feuer verursacht haben könnten.
Toprak kritisierte, alevitische Geistliche hätten zunächst
nicht an der Bestattung der Brandopfer in ihrer türkischen
Heimatstadt Gaziantep teilnehmen sollen. "Erst nach massivem Protest
konnten wir das verhindern", sagte Toprak zu "Focus". Wenn Erdogan
aufgezwungene Assimilation als "Verbrechen an der Menschlichkeit"
beklage, müsse er blind gegenüber der Unterdrückung der
Aleviten in der Türkei sein, fügte Toprak dem Magazin zufolge
hinzu.
Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust (CDU) sagte der "Welt am
Sonntag" zu den Äußerungen Erdogans: "Man kann von niemandem
verlangen, seine Kultur aufzugeben". Gleichwohl sei aber eine
Integration der in Deutschland lebenden Türken "unabdingbar".
Zuwanderer müssten "sich selbst offensiv auf den
Integrationsprozess einlassen", sagte auch der saarländische
Ministerpräsident Peter Müller (CDU) dem "Focus". Er warf
Erdogan vor, dieser habe mit seiner Kritik an zwangsweiser Assimilierung
in Wahrheit "ein Signal gegen Integration" gegeben.
NRW-Integrationsminister Armin Laschet (CDU) räumte allerdings im
Sender Phoenix auch Versäumnisse auf deutscher Seite ein: "Wenn so
viele Menschen sich durch den Ministerpräsidenten eines fremden
Landes vertreten fühlen und der ihre Interessen artikulieren muss,
dann müssen wir sagen: Wahrscheinlich ist das der deutschen Politik
nicht gelungen."
Für mehr deutschen und türkischen Sprachunterricht an
deutschen Schulen sprach sich die Präsidentin der
Kultusministerkonferenz (KMK), Annegret Kramp-Karrenbauer, aus. Es sei
ein guter Ansatz, türkischen Kindern die Möglichkeit zu geben,
beide Sprachen zu lernen, sagte Kramp-Karrenbauer dem Deutschlandradio
Kultur.
(Quelle: afp)
Ausländeranteil an Gymnasien sehr gering
Di.19.02.08 - An den Schulen in Deutschland haben im Schuljahr 2006/2007 9,6 Prozent
ausländische Schüler gelernt. Wie das Statistische Bundesamt
am Montag in Wiesbaden mitteilte, blieb die Zahl von 897 700
ausländischen Schülern in den vergangenen zehn Jahren relativ
konstant. Während der Ausländeranteil in Grundschulen bei 10,6
Prozent lag, unterschied er sich zwischen den weiterführenden
Schularten deutlich. 19,2 Prozent der ausländischen Schüler
besuchten die Hauptschule, 13,8 Integrierte Gesamtschulen, 7,7 Prozent
Realschulen. Nur 4,3 Prozent lernten in Gymnasien.
Von den Absolventen/Abgängern allgemeinbildender Schulen
besaßen 9,0 Prozent einen ausländischen Pass. Während
19,2 Prozent der Abgänger ohne Abschluss einen ausländischen
Pass hatten, waren es bei den Absolventen mit
Hochschulzugangsberechtigung lediglich 3,6 Prozent. Bezieht man die
Absolventen aus beruflichen Schulen mit ein, so erhöht sich der
Anteil auf 4,1 Prozent.
Im Wintersemester 2006/2007 waren an deutschen Hochschulen 246 400
Studenten mit ausländischer Nationalität immatrikuliert. Davon
hatten aber nur 58 000 ihre Hochschulzugangsberechtigung in Deutschland
erworben.
Stark zugenommen hat in den vergangenen Jahren dagegen die Zahl der
ausländischen Studenten, die ihre Hochschulzugangsberechtigung
außerhalb Deutschlands erwarben. Ihre Zahl erhöhte sich von
103 700 im Wintersemester 1997/1998 auf 188 400 im Wintersemester
2006/2007.
(Quelle: ddp)
Weltweiter Fachkräftemangel im IT-Bereich
Di.19.02.08 - Unzureichend ausgebildete Arbeitskräfte im Computer-Bereich sind
in rund einem Drittel aller Firmen eines der größten Probleme
für die Unternehmensführung.
Innerhalb der vergangenen zwölf Monate hat ein allgemeiner Mangel
an Fachkräften den Leitern von 58 Prozent der Firmen Kopfzerbrechen
bereitet. Bei knapp einem Viertel der Betriebe ist es zu
Schwierigkeiten mit der elektronischen Archivierung oder mit
Speichermedien gekommen. Vier von zehn Unternehmen beklagen zudem, dass
die IT-Infrastruktur teuer und wenig rentabel ist.
Diese Ergebnisse gehen aus einer Befragung von rund 750 CIOs
(Verantwortlichen für Informations- und Kommunikationsmanagement)
und CEOs (Geschäftsführern) von Unternehmen in 23 Ländern
hervor. Durchgeführt hat die Umfrage das gemeinnützige IT
Governance Institute mit Sitz in den USA für den "IT Governance
Global Status Report 2008".
(Quelle: gp)
Große Mehrheit der Jugendlichen nutzt Internet mehrmals in der
Woche
Di.19.02.08 - Für Jugendliche gehört die Nutzung des Internets inzwischen
zum Alltag. Fünf von sechs jungen Menschen nutzen die Angebote des
World-Wide-Web (WWW) täglich oder zumindest mehrmals in der Woche,
wie der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue
Medien (Bitkom) am Montag in Berlin mitteilte. 85 Prozent der befragten
Jungen sowie 80 Prozent der Mädchen im Alter von 12 bis 19 Jahren
sind regelmäßig online. Die Häufigkeit steigt mit einem
höheren Bildungsgrad noch an.
Mädchen sind dabei laut Bitkom verstärkt auf Kommunikation
aus und die Hilfe bei Hausaufgaben. Jungs hingegen gehen ins Web, um
sich über Musik, Filme und aktuelle Nachrichten zu informieren oder
sie runterzuladen. Am häufigsten gehen die Jugendlichen ins Web,
um Sofortnachrichten, sogenannte Instant Messages, zu verschicken. Das
machen 72 Prozent der Befragten. Mehr als die Hälfte der jungen
Menschen schreiben regelmäßig E-Mails. Jeder Zweite
hört über das Internet Musik und mehr als 40 Prozent
recherchieren im WWW.
Doch nicht nur für die Suche nach Informationen wird das Internet
genutzt. Immer mehr Teenager stellen selbst Daten ins Netz. Vier von
zehn Jugendlichen haben ein Profil in einem Online-Netzwerk. Die
Hälfte der Befragten veröffentlichen Angaben über sich.
«Im Web ist der Nachwuchs führend», sagte
Bitkom-Präsident August-Wilhelm Scheer. Ob es um Nachrichten an
Freunde, um Musik oder Filme gehe - kaum ein Teenager würde heute
noch auf das Internet verzichten wollen.
Die Bitkom-Informationen basieren auf einer Studie des
Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest (MPFS), die
für die Studienreihe «Jim» entstand. Dabei werden
jährlich rund 1000 Jugendliche telefonisch befragt.
(Quelle: ddp)
Wissenschaft
Bundesregierung will Wissenschaftszentren im Ausland gründen
Di.19.02.08 - Die Bundesregierung will im Ausland Deutsche Wissenschaftszentren
gründen. Darin sollen sich Forschungsorganisationen und
Forschungsförderer wie die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
und der Deutsche Akademische Auslandsdienst (DAAD) gemeinsam
präsentieren.
Über das Vorhaben werde das Bundeskabinett am Mittwoch beraten,
berichtet der «Tagesspiegel» (Montag) unter Berufung auf das
Bundesforschungsministerium. Konkrete Pläne für solche
Zentren gebe es bereits für Moskau und Delhi.
Im Zusammenhang mit der von Forschungsministerin Annette Schavan (CDU)
vorgeschlagenen Ernennung der Leopoldina in Halle zur Nationalakademie
der Wissenschaften für Deutschland war bereits über gemeinsame
Repräsentanzen deutscher Forschungsorganisationen im Ausland
nachgedacht worden. Mit der Entscheidung über die Nationalakademie
wird sich die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz von Bund und
Ländern im Februar 2008 erneut befassen. Die DFG unterhält
schon Büros in Indien, China und den USA. Auch der DAAD hat
weltweit mehrere Niederlassungen.
(Quelle: dpa)
Forscher bauen winzige Solarkraftwerke der Pflanzen nach
Di.19.02.08 - US-Forscher haben die Kraftwerke in den grünen Blättern von
Pflanzen nachgebaut, die Sonnenstrahlen zur Energiegewinnung nutzen. Der
Prototyp des künstlichen Energieumwandlers sei zwar noch
ineffizient, berichtete Thomas Mallouk von der Penn State University.,
aber letztlich könnten Systeme möglich sein, die 10 bis 15
Prozent der Sonnenenergie umwandelten. Das entspricht etwa der
Größenordnung heutiger Solarzellen. Das Team stellte das
Mini-Kraftwerk am Sonntag auf der Jahrestagung des US-
Wissenschaftsverbands AAAS in Boston vor.
Das winzige Solarkraftwerk sammelt Sonnenenergie und nutzt die Energie
zur Wasserspaltung wie es auch in Blättern geschieht. In
Blättern, Nadeln und Algen nehmen Farbstoffe die Energie der
Sonnenstrahlen auf. Diese wird über mehrere Stufen auf ein
Reaktionszentrum geleitet, das Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff
spaltet. Genau dieses Prinzip haben Mallouk und Kollegen künstlich
nachgebaut - allerdings in wesentlich einfacherer Ausführung. Zudem
nutzen Pflanzen in ihren Kraftwerken noch viele weitere Reaktionen.
Die Forscher verwendeten orange-rote Farbstoffe, um Lichtenergie
einzufangen. In einem Reaktionszentrum aus Iridiumoxid wird damit Wasser
in Wasserstoff und Sauerstoff gespalten. Zugleich sorgten die Forscher
dafür, dass die beiden Endprodukte nicht sofort wieder miteinander
reagieren.
Das System erreiche eine Effizienz von 0,3 Prozent. «Die Natur
hat nur eine Effizienz von 1 bis 3 Prozent mit der Photosynthese»,
erläuterte Mallouk. Daher seien diese Systeme nicht für
Energieversorgung im Haus oder Autoantriebe zu nutzen. Die Forscher
möchten jedoch noch viel an ihrem winzigen Solarkraftwerk
verbessern: die Farbstoffe, das Reaktionszentrum und die Struktur.
(Quelle: dpa)