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Irak am 1428sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
15 Polizisten bei Explosion von Raketen in Bagdad getötet. Drei
Tote bei Angriff mit Werfergranaten. Irak will Einsatz von Behinderten
als Attentäter verhindern. Türkei: Bodenoffensive gegen
Rebellen im Nordirak möglich
Mi.20.02.08 - Bei der Explosion von zwei Raketen sind in Bagdad 15 irakische
Polizisten ums Leben gekommen und 27 verletzt worden. Die Beamten
sicherten die auf einem Lastwagen entdeckten Geschosse vor ihrer
geplanten Entschärfung, wie die Polizei am Dienstagabend
mitteilte. Zuvor war zum zweiten Mal in zwei Tagen eine US-Kaserne in
Bagdad mit Raketen angegriffen worden. Dabei wurden vier amerikanische
Soldaten verletzt.
Die Polizisten folgten einem Hinweis und fanden die abschussbereiten
Raketen auf einem Lastwagen hinter einer verlassenen Eisfabrik im
überwiegend schiitischen Stadtteil Obeidi. Bevor sie
unschädlich gemacht wurden, explodierten sie kurz nacheinander.
Der Stadtteil Obeidi gilt als Hochburg der Mahdi-Miliz des radikalen
Geistlichen Muktada al Sadr. Dieser hat im August vergangenen Jahres
eine sechsmonatige Waffenruhe erklärt. Kürzlich drohte er
damit, dass der Waffenstillstand nicht verlängert werde, wenn es
weiterhin Razzien gegen seine Anhänger gebe.
Bei einem Angriff mit Werfergranaten auf ein Wohngebiet in der
irakischen Hauptstadt Bagdad sind am Montag drei Menschen getötet
und 15 verletzt worden.
Die Granaten seien in einem mehrheitlich von Sunniten bewohnten
Stadtteil in der Nähe des internationalen Flughafens eingeschlagen,
sagte ein Sprecher des irakischen Militärs. Nach Polizeiangaben
wurden sie von einem überwiegend schiitische bewohnten Gebiet in
der Nähe abgeschossen. Fünf Verdächtige seien
festgenommen worden, sagte der Militärsprecher. Es handelte sich
um einen der schwersten derartigen Zwischenfälle in Bagdad seit
Monaten.
Das US-Militär macht "Spezialgruppen" - radikale Gruppierungen
innerhalb der Mahdi-Milizen des Schiitenführers Moktada al-Sadr -
für Angriffe mit Werfergranaten in Bagdad verantwortlich. Am
Sonntag hatte ein US-Militärsprecher gesagt, diese vom Iran
unterstützten Gruppierungen nutzten zunehmend geheime Waffenlager.
Angriffe mit Mörsergranaten waren im Irak an der Tagesordnung, als
schiitische und sunnitische Milizen sich gegenseitig bekämpften. In
den vergangenen Monaten nach einer Truppenaufstockung der USA ist die
Zahl der Beschüsse jedoch zurückgegangen.
Polizisten im Irak sollen Bettler, Obdachlose und geistig Behinderte
von der Straße holen. Mit einer entsprechenden Anweisung will das
Innenministerium verhindern, dass diese Menschen von
Aufständischen als Selbstmordattentäter eingesetzt werden.
Die Aufgegriffenen sollten Wohlfahrtsinstitutionen und psychiatrischen
Krankenhäusern übergeben werden, wo sie versorgt werden
könnten, erklärte Ministeriumssprecher Abdul Karim Chalaf am
Dienstag. Die Anweisung gelte landesweit und werde ab sofort umgesetzt.
Die US-Streitkräfte und die irakische Regierung haben
erklärt, von Al Kaida im Irak angeführte sunnitische
Aufständische versuchten verstärkt, diese
Bevölkerungsgruppen als Selbstmordattentäter einzusetzen. So
wollten sie Kontrollen umgehen oder verhindern, Aufmerksamkeit zu
erregen. Beispielsweise sollen zwei verheerende Bombenanschläge
auf zwei Kleintiermärkte mit über 90 Toten vor knapp drei
Wochen von zwei geistig behinderten Frauen ausgeführt worden sein.
Sie wurden nach Angaben der irakischen Behörden als
Bombenträgerinnen eingesetzt und dann auf den Märkten in die
Luft gesprengt.
Die türkische Regierung hält sich weiterhin die
Möglichkeit einer Bodenoffensive gegen kurdische Rebellen im
Nordirak offen. Eine solche Option liege auf dem Tisch, sagte
Außenminister Ali Babacan am Dienstag dem Sender CNN-Türk.
Entscheidend sei jedoch das Wetter. Der Winter würde einen
großangelegten Einmarsch derzeit erschweren. Die Türkei
fliegt seit Mitte Dezember Luftangriffe gegen mutmaßliche Lager
der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei (PKK) im Nordirak. Laut einem
Bericht der Nachrichtenagentur Dogan brachen am Dienstag rund 100
Militärfahrzeuge von der Stadt Cizre in Richtung irakische Grenze
auf.
boa (Quellen: rtr, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 20.02.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am neunhundertsechsundsechszigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Unionsparteien in Deutschland weiter gegen Aufstockung der Bundeswehr
in Afghanistan
Mi.20.02.08 - Die Union beharrt darauf, die deutschen Truppen in Afghanistan nicht zu
verstärken: "Ich sehe keine Notwendigkeit nach allen
Äußerungen von den zuständigen Ministern, dass wir die
Präsenz der Bundeswehr erhöhen müssten", sagte der
Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Volker Kauder, am Dienstag
in der ARD. Im Oktober läuft das derzeitige Afghanistan-Mandat der
Bundeswehr aus. Kauder wollte sich im Laufe des Tages mit
Verteidigungsminister Franz Josef Jung, Außenminister Frank-Walter
Steinmeier und SPD-Fraktionschef Peter Struck treffen, um über das
Mandat zu beraten.
Die Debatte über eine Aufstockung der Bundeswehr entstand durch
die Forderung der Nato an ihre Mitglieder, sich in Afghanistan
stärker zu engagieren. Hintergrund ist die unsichere Lage vor allem
im umkämpften Süden des Landes. Die Bundeswehr ist
überwiegend im vergleichsweise ruhigen Norden eingesetzt.
Kauder sprach sich dafür aus, das Mandat derart zu
verlängern, dass es nicht während des Bundestagswahlkampfs
2009 ausläuft. Dann wäre es wegen des Wahlkampfs
möglicherweise schwierig, zu einer sachgerechten Entscheidung zu
kommen, sagte der CDU-Politiker.
(Quelle: rtr)
Absolute Mehrheit der Opposition bei Parlamentswahl in Pakistan
Mi.20.02.08 - Die Opposition in Pakistan hat bei der Parlamentswahl einen triumphalen
Sieg errungen. Nach vorläufigen Prognosen gewann sie mit
mindestens 153 von 272 Mandaten die absolute Mehrheit in der
Nationalversammlung. Die bisherige Regierungspartei von Präsident
Pervez Musharraf (PML-Q), die den Prognosen zufolge auf lediglich 38
Sitze kam, räumte am Dienstag ihre Niederlage ein. «Wir
akzeptieren die Ergebnisse mit offenem Herzen und gehen auf die
Oppositionsbänke», sagte Parteichef Chaudhry Shujaat Hussain
der Fernsehnachrichtenagentur APTN.
Nach inoffiziellen Ergebnissen aus 229 der 268 Wahlkreise entfielen auf
die Pakistanische Volkspartei (PPP) der ermordeten
Oppositionsführerin Benazir Bhutto 33 Prozent der Stimmen, wie der
Privatsender Geo TV berichtete. Die Pakistanische Muslimliga (PML-N)
des ehemaligen Ministerpräsidenten Nawaz Sharif kam demnach auf 27
Prozent. Musharrafs PML-Q lag mit 14 Prozent abgeschlagen auf Platz
drei. Laut ersten Ergebnissen der Wahlkommission aus 124 Wahlkreisen
lag die PML-N mit etwa 30 Prozent vor der PPP mit 26,6 Prozent. Die
PML-Q kam lediglich auf 12,1 Prozent. Auch religiöse Parteien
schnitten schlecht ab.
Sharif erinnerte am Dienstag in Lahore daran, dass Musharraf seinen
Rücktritt für den Fall angekündigt hat, dass das Volk
dies wünsche. «Und jetzt haben die Menschen ihr Urteil
gefällt», sagte er. In Karachi feierten hunderte
Anhänger Bhuttos ihren Sieg vor dem Haus der ermordeten
Politikerin.
Beobachter schlossen nicht aus, dass die beiden großen
Oppositionsparteien zusammen mit kleineren Gruppierungen über eine
Zwei-Drittel-Mehrheit im künftigen Parlament verfügen
könnten. Dies würde die Einleitung eines
Amtsenthebungsverfahrens gegen Musharraf ermöglichen. Vor allem
Exministerpräsident Sharif hat dies stets propagiert. Sein
Parteisprecher Sadiq ul-Farooq betonte am Dienstag abermals:
«Musharraf muss gehen.» Vor allem das Problem des
Terrorismus sei zu 70 Prozent von Musharraf zu verantworten. Sharif hat
sich für einen Dialog mit den Extremisten im Nordwesten des Landes
ausgesprochen.
Die Wahl galt als Abstimmung über die Politik Musharrafs, der im
Konflikt mit der Opposition und der kritischen Justiz Ende vergangenen
Jahres den Ausnahmezustand ausgerufen hatte. Während die
Auszählung der Stimmen noch andauerte, rief der Präsident zu
nationaler Einheit auf und erklärte sich abermals bereit, mit
jedem künftigen Ministerpräsidenten zusammenzuarbeiten.
Bei Anschlägen und anderen Gewalttaten am Wahltag kamen nach
amtlichen Angaben mindestens 24 Menschen ums Leben. Millionen
Stimmberechtigte blieben aus Angst oder politischer Apathie zu Hause.
Die Wahlbeteiligung wurde auf 30 bis 40 Prozent geschätzt. Das
Endergebnis wird für Mittwochabend erwartet.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt: Olmert und Abbas vereinbaren Beschleunigung von
Friedensgesprächen
Mi.20.02.08 - Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert und
Palästinenserpräsident Mahmud Abbas haben bei einem Treffen
in Jerusalem eine Beschleunigung der Friedensgespräche vereinbart.
Israelische Medien berichteten, die beiden hätten sich zudem zu
einem weiteren Treffen in zwei Wochen verabredet. Olmert sagte den
Berichten zufolge humanitäre Hilfe für den Gazastreifen zu.
Abbas habe auch eine Aufhebung der Blockade des von der
radikal-islamischen Hamas kontrollierten Gazastreifens gefordert.
(Quelle: dpa)
UN besorgt wegen neuer Angriffe in Darfur
Mi.20.02.08 - Neue Angriffe der sudanesischen Regierung im Westen Darfurs
gefährden nach UN-Angaben zehntausende Zivilpersonen. Die
Vereinten Nationen riefen alle beteiligten Parteien am Dienstag zur
Zurückhaltung auf. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sei extrem
besorgt über die wieder aufgeflammte Gewalt, erklärte die
stellvertretende UN-Sprecherin Marie Okabe in New York. Insbesondere
verwies sie auf die Bombardierung des Flüchtlingslagers Aro Sharow
am Montag und Dienstag. Berichte aus der sudanesischen Krisenregion,
wonach Regierung und Milizen Kämpfer im Raum Dschebbel Mun
zusammenzögen, deuteten darauf hin, dass die Feindseligkeiten in
der Gegend anhielten, sagte Okabe.
(Quelle: ap)
China: 15000 Menschen müssen wegen Olympischen Spielen umziehen
Mi.20.02.08 - Nach chinesischen Angaben sind weniger Menschen wegen der Olympischen
Spiele umgesiedelt worden als von Kritikern behauptet.
Der Vizedirektor der städtischen Baubehörde in Peking
erklärte, knapp 15.000 Einwohner müssten umziehen, weil
Sportanlagen gebaut würden. Die Menschenrechtsorganisation COHRE
(Centre on Housing Rights and Evictions) war dagegen im letzten Jahr
von 1,5 Millionen Bewohnern ausgegangen, die wegen die Olympischen
Spiele im kommenden August ihre Wohnungen verlören.
Die chinesische Behörde bezieht in ihre Statistik jedoch nur
Gebäude ein, die unmittelbar auf dem Gelände der neuen
Sportstätten liegen. Dagegen zählt COHRE auch Bewohner, die
allen anderen Infrastruktureinrichtungen vor den Spielen im kommenden
August weichen müssen.
(Quelle: rtr)
Lebensmittel treiben Chinas Inflation auf Elf-Jahreshoch
Mi.20.02.08 - Im Boom-Land China sind die Verbraucherpreise so kräftig in die
Höhe geschnellt wie seit Mitte der 90er Jahre nicht mehr.
Der Anstieg um 7,1 Prozent im Januar sei vor allem auf drastisch
verteuerte Nahrungsmittel zurückzuführen, teilte das
Nationale Statistikamt am Dienstag mit. Lebensmittel kosteten 18,2
Prozent mehr. Dabei hat die kommunistische Führung in Peking
Preise für eine Reihe von Lebensmitteln und Brennstoffen
gedeckelt, um die Inflation einzudämmen.
Erst am Montag hatte das Statistikamt mitgeteilt, die Erzeugerpreise
seien im Januar mit 6,1 Prozent so stark gestiegen wie seit drei Jahren
nicht mehr. Schneestürme hatten viele Transporte auf Straßen
und Schienen lahmgelegt, so dass sich die Lieferkosten der Firmen
für Kohle und Lebensmittel kräftig verteuerten. Lebensmittel
machen ein Drittel des Warenkorbs zur Berechung der Verbraucherpreise
aus. Nun deutet auch das Elf-Jahres-Hoch bei den Lebenshaltungskosten
auf verstärkte Inflationsrisiken in der boomenden Volkswirtschaft
hin, die bereits Überhitzungstendenzen zeigt.
Die Landeswährung Yuan ist nach der Veröffentlichung der
Verbraucherpreise bereits auf ein neues Hoch zum Dollar gestiegen.
Experten aus dem Forschungsstab der chinesischen Notenbank warnten
zugleich vor einer weit gefächerten Ausbreitung der Teuerung.
Steigende Preise für Getreide, Energie und anziehende Lohnkosten
heizten die Inflation an, schrieben die Forscher Jiao Jinpu und Liu
Xiangyun in der Fachzeitschrift "Capital Markets". Sie empfahlen, den
Außenwert der Landeswährung zu stützen und die
Zinszügel straffer anzuziehen, um die Teuerung besser in den Griff
zu bekommen. Devisenhändler gehen davon aus, dass die
Volksrepublik ihre Währung in diesem Jahr weiter zügig
aufwerten muss, um den Inflationsdruck abzubauen. Die USA fordern dies
seit langem, auch weil sie den Yuan für unterbewertet halten.
Zugleich werfen sie dem aufstrebenden asiatischen Schwellenland vor,
sich damit Vorteile im Exportgeschäft zu verschaffen.
(Quelle: rtr)
USA: Obama fügt Hillary Clinton weitere Niederlage zu - McCain hat
Präsidentschaftskandidatur nahezu sicher
Mi.20.02.08 - Im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten in den
USA hat der als Außenseiter gestartete Senator Barack Obama seine
Siegesserie weiter ausgebaut. Bei der Vorwahl im US-Staat Wisconsin
fügte Obama seiner Rivalin Hillary Clinton zum neunten Mal in
Folge eine Niederlage zu. Bei den Republikanern gewann Senator John
McCain, der die Präsidentschaftskandidatur damit nahezu sicher hat.
Obama feierte seinen Wahlsieg mit einem Appell zu umfassenden
Änderungen in der Innen- wie in der Außenpolitik. Vor einer
begeisterten Menschenmenge in der texanischen Stadt Houston sagte er:
«Der Wandel, den wir anstreben, ist noch Monate und Meilen
entfernt.» Er rief seine Anhänger in Texas auf, von der
Möglichkeit der vorzeitigen Stimmabgabe vor der Vorwahl am 4.
März Gebrauch zu machen.
Auch Clinton blickte bereits auf die nächsten Vorwahlen in Texas
und Ohio. Die Niederlage in Wisconsin erwähnte sie mit keinem
Wort. Stattdessen übte sie scharfe Kritik an Obama. Es gehe
daraum, «einen Präsidenten zu bestimmen, der nicht nur auf
Worte, sondern auf Arbeit vertraut», sagte sie in Youngstown,
Ohio. Die schönsten Worte seien nutzlos, wenn sie nicht zu Taten
führten. Sie selbst hingegen habe die letzten 35 Jahre damit
verbracht, für diejenigen zu kämpfen, die eine Stimme
brauchten.
Nach Auszählung von 18 Prozent der Stimmbezirke entfielen 56
Prozent der Stimmen auf Obama, 43 Prozent auf Clinton. In Wisconsin
waren 72 Delegiertenstimmen für den Nominierungsparteitag der
Demokraten im August zu vergeben.
Obama gelang es offenbar, in diejenigen Wählergruppen
einzudringen, die bislang Clinton bevorzugt hatten. So erhielt er nach
Ergebnissen von Wählernachfragen mehr Stimmen der weißen
Wähler als Clinton. Bei den Frauen konnte er mit seiner Rivalin
gleichziehen. Von den demokratischen Wählern in Wisconsin nahmen
15 Prozent zum ersten Mal an einer Vorwahl teil. Wichtigstes Thema der
demokratischen Wähler waren Wirtschaft und Handel. Sieben von zehn
Befragten gaben an, dass sie besorgt darüber seien, dass der
Handel mit anderen Ländern auf Kosten der Arbeitsplätze in
Wisconsin gehe.
Zuletzt hat Obama acht Mal in Folge gewonnen, darunter in der
vergangenen Woche in Virginia und Maryland. Der Senator von Illinois
hat bislang 1.281 Delegiertenstimmen gesammelt, bei Clinton sind es
1.218. Für die Wahl zum Präsidentschaftskandidaten sind
mindestens 2.025 Stimmen erforderlich. Am Dienstag wurde auch im
US-Staat Hawaii gewählt, wo weitere 20 Stimmen zu vergeben waren.
Bei den Republikanern baute Senator John McCain seinen großen
Vorsprung bei den Vorwahlen der Republikanischen Partei weiter aus. Mit
seinem Sieg in Wisconsin festigte der Vietnamkriegsveteran seinen
Vorsprung vor Mike Huckabee.
McCain sagte vor Anhängern in Columbus, Ohio, er sei nun sicher,
dass er die Republikanische Partei in die Präsidentschaftswahl am
4. November führen werde. In Anspielung an Obama sagte McCain:
«Ich werde jeden Augenblick an jedem Tag in diesem Wahlkampf
darum kämpfen um sicherzustellen, dass die Amerikaner nicht von
einem eloquenten, aber inhaltsleeren Aufruf zum Wandel getäuscht
werden.» Den Appell zum Wandel hat Obama in den Mittelpunkt
seines Wahlkampfs gestellt.
Bis zur Wahl in Wisconsin hatte McCain 908 Delegiertenstimmen erreicht,
Huckabee 245 Stimmen. Für die Präsidentschaftskandidatur der
Republikaner sind mindestens 1.191 Stimmen auf dem
Nominierungsparteitag Anfang September erforderlich.
(Quelle: ap)
Kuba: Fidel Castro gibt Präsidentenamt auf
Mi.20.02.08 - Fidel Castro hat seinen endgültigen Rückzug aus der
kubanischen Politik angekündigt.
Der erkrankte Revolutionsführer erklärte am Dienstag in einem
Zeitungsbeitrag, er strebe keine weitere Präsidentschaft an und
werde auch nicht eine Wiederwahl akzeptieren. Damit zieht der Maximo
Lider 49 Jahre nach seiner bewaffneten Revolution einen historischen
Schlussstrich.
Die Staatszeitung "Granma" zitierte den 81-jährigen Castro mit den
Worten, er danke seinen Landsleuten für die Wiederwahl in das
kubanische Parlament, was ihm eine große Ehre bedeutet habe.
Dennoch kündigte er aus gesundheitlichen Gründen seinen
offiziellen Rückzug von der Staatsspitze an: "Ich teile Euch mit,
dass ich die Ämter des Präsidenten und des Oberkommandierenden
der Streitkräfte nicht anstrebe und auch nicht annehmen werde."
Die kubanische Nationalversammlung wählt am kommenden Sonntag die
Spitze des Staatsrats, der aus seinen Reihen den nächsten Staats-
und Regierungschef bestimmt.
Gleichzeitig trat Castro dem Eindruck entgegen, er trete von der
politischen Bühne ab: "Das ist nicht mein Abschied. Mein einziger
Wunsch ist es, als Soldat in der Schlacht der Ideen zu kämpfen."
Unter der Rubrik "Gedanken von Kamerad Fidel" werde er weiterhin
Stellung zur politischen Entwicklung in Lateinamerika und der Welt
nehmen. "Es wird einfach eine weitere Waffe sein, auf die Ihr Euch
verlassen könnt."
Castro hatte nach einer Darmoperation im Juli 2006 die
Amtsgeschäfte auf unbestimmte Zeit an seinen fünf Jahre
jüngeren Bruder Raul übergeben. Seitdem hat sich der Maximo
Lider nicht mehr in der Öffentlichkeit blicken lassen, sondern
lediglich über Staatsmedien seine politischen Ansichten
verkündet. Im Dezember deutete er zudem an, er könnte sich
bald endgültig aus der Politik zurückziehen und die
Amtsgeschäfte vollständig an seinen Bruder übergeben. Es
gilt als sicher, dass der als Pragmatiker geltende Raul zum
nächsten Präsidenten gewählt wird.
Die USA lehnten eine Stellungnahme vorerst ab. Präsident George W.
Bush werde sich zu einem späteren Zeitpunkt zu den
Rücktrittsplänen von Fidel Castro äußern, teilte
Sprecher Gordon Johndroe am Rande der Afrika-Reise von Bush in Ruanda
mit.
Fast 50 Jahre lang stand Fidel Castro an der Spitze Kubas. Er war und
blieb das Herz der kommunistischen Revolution von 1959, die den
Karibikstaat für immer veränderte.
Selten war ein Politiker so umstritten wie der charismatische
Revolutionsführer. Castro selbst verstand sich weniger als
Staatsmann, denn als ewiger Guerillero im Kampf für Gerechtigkeit.
Trotz seines autoritären Führungsstils galt er während
seiner gesamten Amtszeit auch weiterhin als moralische Instanz. Seine
zahlreichen Kritiker nannten ihn dagegen einen Despoten, der weder freie
Wahlen noch Meinungs- und Pressefreiheit zulässt.
Mindestens 30 Attentatsversuche, verübt durch den US-Geheimdienst
CIA oder exilkubanische Gruppen, hat er unversehrt überstanden.
Dabei reichte die Palette von Gift in Zigarren über LSD bis hin zu
versuchten Anschlägen mit Schusswaffen.
In der heutigen Geschichtsschreibung gilt die kubanische Revolution von
1959 als das Werk von drei Männern: Fidel Castro war das
«Herz», Raúl Castro die «Faust» und
Ché Guevara das «Gehirn» der Revolution. 1956
landeten diese Männer und 80 weitere Mitkämpfer mit der
«Granma» in einer Nacht- und Nebel-Aktion an der kubanischen
Küste. Zwei Jahre führte Fidel Castro als «Comandante
en jefe» die Rebellenarmee im Kampf gegen Diktator Fulgencio
Batista, der schließlich am 1. Januar 1959 aus Kuba
flüchtete.
Fidel Castro wurde am 13. August 1926 (in manchen Quellen wird auch
1927 angegeben) in einfachen, aber wohlhabenden Verhältnissen
geboren. Er verbrachte fast die gesamte Kindheit in Pflegefamilien und
in einem Jesuitenkolleg. Erste politische Erfahrungen sammelte Castro in
den 40-er Jahren an der Universität von Havanna, wo er Jura
studierte. Schon damals pflegte er sein ausgeprägtes rhetorisches
Talent - sehr zur Unterhaltung seiner Mitstudenten.
Das erste militärische Abenteuer des jungen Rebellen war der
fehlgeschlagene Sturm auf die Moncada-Kaserne in Santiago de Cuba am 26.
Juli 1953. Castro verwandelte den Prozess gegen ihn in eine einzige
Anklage des Batista-Regimes. Unter dem Titel «Die Geschichte wird
mich freisprechen» wurde seine Verteidigungsrede weltbekannt.
Castros Privatleben war immer ein gut gehütetes Geheimnis. Seine
Zurückhaltung war Teil des Mythos einer lebenden Legende. Vier
Lebensgefährtinnen spielten für ihn wohl eine bedeutende
Rolle, zahlreiche Affären wurden ihm angedichtet. Selten gab Castro
Interviews. Eine Ausnahme bildete der Dokumentarfilm
«Comandante» (2003) von Oliver Stone. Erstmals ließ
Castro die Begleitung eines westlichen Kamerateams über einen
längeren Zeitraum zu.
Auch der kolumbianische Schriftsteller und
Literatur-Nobelpreisträger, Gabriel García Márquez,
hält trotz aller Kritik als einer der wenigen Intellektuellen zu
Castro. In seinem Roman «Der General und das Labyrinth», der
melancholisch das Scheitern einer Idee beschreibt, sind die
Ähnlichkeiten zu Kubas Staatschef unverkennbar.
boa (Quelle: rtr, ap)
Mindestens drei Tote bei Bauernprotesten in Peru
Mi.20.02.08 - Bei der Auflösung von Bauernprotesten durch die Polizei in Peru
sind drei Menschen ums Leben gekommen. Zwei Demonstranten seien in
Ayacucho von Polizisten erschossen worden, sagte die oppositionelle
Abgeordnete Juana Huancahuari. Ein dritter Mann sei auf der Flucht vor
Tränengas zu Tode gestürzt, berichteten örtliche Medien.
Die Polizisten hätten die Demonstranten auch mit Steinen beworfen.
Die Polizei teilte mit, dass die Vorfälle untersucht würden.
Anzeige
Die Bauern traten am Montag in den Streik, um gegen ein
Freihandelsabkommen mit den USA zu protestieren. Wegen
Zusammenstößen zwischen Bauern und der Polizei rief
Ministerpräsident Jorge del Castillo in mindestens sieben
Provinzen den Notstand aus. Er habe Polizei und Armee die Befugnis
gegeben, falls nötig auch mit Gewalt gegen die Proteste
vorzugehen, sagte Del Castillo. Mindestens 150 Demonstranten wurden
nach seinen Angaben festgenommen.
(Quelle: ap)
Kosovo: Serbisch-orthodoxe Kirche verurteilt
Unabhängigkeitserklärung als 'Akt der Gewalt'
Mi.20.02.08 - Die Serbisch Orthodoxe Kirche hat die einseitige
Unabhängigkeitserklärung des Kosovo als "Akt der Gewalt
über Recht und Gerechtigkeit" verurteilt. Die Versammlung der
serbischen Bischöfe halte diesen Schritt "für null und
nichtig", heißt es in einer Erklärung des Heiligen Synod, die
am Montag veröffentlicht wurde. Am Sonntag hatte das Kosovo nach
mehr als acht Jahren UN-Verwaltung seine staatliche Unabhängigkeit
erklärt.
Die Abtrennung des Kosovo von Serbien sei die Legitimierung der
"osmanischen, Jahrhunderte langen Gewaltherrschaft" in der Region,
rügten die serbischen Bischöfe. Sie riefen
Diözesanbischof Artemije von Raszien-Prizren, Priester, Mönche
und die serbisch-orthodoxen Christen im Kosovo auf, in ihren
Häusern und Heiligen Stätten zu bleiben "in der Hoffnung auf
Gottes Gerechtigkeit".
Von den mehr als 2,5 Millionen Kosovaren sind 93 Prozent Muslime,
fünf Prozent serbisch-orthodox und zwei Prozent
römisch-katholisch. In ihrer Reaktion auf die
Unabhängigkeitserklärung des Kosovo berief sich die
serbisch-orthodoxe Kirche unter anderem auf die UN-Resolution 1244. In
diesem Dokument des UN-Sicherheitsrates von 1999 ist eine weitgehende
Autonomie für das Kosovo unter Wahrung der territorialen
Integrität Serbiens vorgesehen.
(Quelle: epd)
Angriffe von Serben führen zu KFOR-Einsatz im Kosovo
Mi.20.02.08 - Aus Protest gegen die Unabhängigkeit des Kosovo haben
Angehörige der serbischen Minderheit Grenzposten angegriffen und
in Brand gesteckt. Bei einem offenbar gut vorbereiteten Übergriff
schlugen sie am Dienstag albanische und UN-Polizeikräfte an zwei
Grenzpunkten zu Serbien in die Flucht und zwangen die Nato-Truppen zum
Eingreifen. Es war die schwerste Gewalt, seit die albanische
Bevölkerungsmehrheit am Sonntag einseitig die Abspaltung der
Provinz erklärte. Die Bundeswehr erwartet aber nicht, dass die
Unruhen auf das deutsche Einsatzgebiet im Süden überspringen.
Mehrere hundert Männer, die teils mit Skimützen maskiert
waren, legten Feuer an die Container, in denen UN-Kräfte,
Zollbeamte und Polizisten gemeinsam Dienst tun. Verletzt wurde nach
Polizeiangaben niemand. Die angegriffenen Beamten flüchteten und
riefen die von der Nato gestellte Friedenstruppe Kfor zu Hilfe. Wie
viele Soldaten an dem Einsatz beteiligt waren, gab die Kfor nicht
bekannt. In dem Gebiet sind Truppen aus Frankreich, den Niederlanden,
Belgien und den USA stationiert.
"Nach der Zahl der Busse, die wir heute morgen auf der Fahrt nach
Norden beobachtet haben, wirkte das alles gut organisiert", sagte ein
Kfor-Sprecher. Westlichen Diplomaten zufolge treibt die Gewalt die
serbischen Siedlungsgebiete im Nordwesten an den Rand einer Abtrennung.
"Wir sind nur noch Zentimeter von einer Teilung entfernt", warnte ein
Diplomat. Es sei eine Frage der Zeit, bis die Kfor die Brücken
über den Fluss Inbar schließen müsse und damit
Kosovo-Serben und Albaner voneinander trenne. Ein UN-Vertreter in der
gespaltenen Stadt Mitrovica sah die Lage weniger düster: "Die
Unabhängigkeitserklärung war ein Erdstoß. Das hier sind
die Nachbeben."
In den kommenden Tagen will die EU die internationale Verantwortung in
dem neu gegründeten Staat übernehmen und damit die Vereinten
Nationen ablösen, die die südserbische Provinz neun Jahre
lang verwaltet haben. Russland und Serbien haben sich vehement gegen
die Unabhängigkeit gewehrt und erklärt, ihre schützende
Hand über die serbische Minderheit zu halten.
Im Süden des Kosovo ist die Lage nach Einschätzung des
Sprechers des deutschen KFOR-Kontingents, Siegfried Jooß, ruhig,
wenn auch nicht stabil. Die Bundeswehr-Soldaten seien für
Zwischenfälle gewappnet und fest entschlossen, die
Bewegungsfreiheit aller zu garantieren, sagte Jooß telefonisch
aus Prizren. "Wir sind willens, gegen jeden vorzugehen, der meint, er
müsste hier Unruhe stiften", betonte er. Deutschland hat im Kosovo
etwa 2500 Soldaten im Einsatz.
(Quelle: rtr)
EU mahnt bei Türkei politische Reformen an
Mi.20.02.08 - Die Europäische Union hat die Türkei ermahnt, die für
einen EU-Beitritt nötigen Reformen voranzubringen. Die in
Brüssel tagenden EU-Außenminister verabschiedeten am Montag
eine Prioritätenliste, wie sie die EU-Beitrittsanwärter in
regelmäßigen Abständen erhalten. Die EU fordert von
Ankara unter anderem Verbesserungen bei der Meinungs- und
Religionsfreiheit sowie beim Schutz von Frauen und von Minderheiten.
Auch eine Reihe wirtschaftlicher Kriterien müssen erfüllt
werden.
In den nächsten zwei Jahren erwarte die EU "substanzielle"
Verbesserungen in diesen Feldern, so der Ministerrat. So müsse die
Situation derjenigen Bürger verbessert werden, die wegen
friedlicher Meinungsäußerungen verklagt und verurteilt
würden. Nicht-muslimische Gemeinschaften müssten Geistliche
ausbilden könnten und eine Rechtspersönlichkeit erhalten. Auch
die Rechte von Gewerkschaften müssten weiter gestärkt werden,
hieß es.
EU und Türkei hatten im Oktober 2005 Beitrittsverhandlungen
aufgenommen. Zu einem Beitritt dürfte es allerdings, wenn
überhaupt, erst im nächsten Jahrzehnt kommen. Der im Sommer
2007 angetretene türkische Präsident Abdullah Gül hat
eine Reihe von Reformen in für die EU wesentlichen Bereichen
angekündigt.
(Quelle: epd)
Umstrittene Genkartoffel von BASF steht vor EU-Zulassung
Mi.20.02.08 - Die umstrittene Genkartoffel "Amflora" des deutschen Konzerns BASF
könnte schon bald als Futter- und Lebensmittel freigegeben werden.
Die in Brüssel tagenden EU-Landwirtschaftsminister reichten den
Antrag am Montag an die EU-Kommission weiter. Zuvor waren die Minister
bei einer Abstimmung zu einer Pattsituation gelangt. Die EU-Kommission
hat bereits mehrfach erklärt, dass die Kartoffel keine Gefahren
für Umwelt, Menschen und Tiere mit sich bringe. Ihre Zustimmung
gilt daher als wahrscheinlich.
Deutschland sprach sich im Ministerrat gegen die Zulassung von
"Amflora" als Tierfutter und Lebensmittel aus. Die Kartoffel war
für die Papier- und Textilindustrie entwickelt worden, die
Abfälle aus dieser Produktion sollen aber verfüttert werden.
In Lebensmitteln dürfte die Kartoffel im Fall einer Freigabe in
winzigen Spuren (0,9 Prozent) enthalten sein. Voraussetzung ist, dass
die Verunreinigung zufällig erfolgt ist oder unvermeidlich war.
Die Kartoffel ist umstritten, da sie ein Resistenz-Gen gegen
Antibiotika enthält. Verbraucherschützer fürchten, dass
sich diese Resistenz auf Tiere und Menschen übertragen könnte.
BASF hat nicht nur die Zulassung der "Amflora" als Tierfutter, sondern
auch den Anbau auf europäischen Feldern beantragt. Auch über
letztere Frage soll die EU-Kommission in nächster Zeit entscheiden.
Der deutsche Wirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) hatte im Sommer
erklärt, Deutschland befürworte den Anbau für die
industrielle Produktion, nicht aber die Verwendung als Futter- und
Lebensmittel. Neben dem "Amflora"-Dossier lagen den
Landwirtschaftsministern am Montag vier Anträge über
genveränderte Maissorten vor, die sie ebenfalls an die
EU-Kommission weiterleiteten.
(Quelle: epd)
Deutschland
Höhere Strafen für Steuersünder? - Forderungen aus
nahezu allen Parteien - Streit um Verwertbarkeit der erworbenen
BND-Informationen
Mi.20.02.08 - In der Debatte um Konsequenzen aus der Affäre um
Steuerhinterziehungen mehren sich Forderungen nach strengeren Strafen
für Steuersünder. Baden-Württembergs
Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) sprach sich für
bis zu 15 Jahre Haft bei solchen Delikten aus. Bayerns Bundes- und
Europaminister Markus Söder (CSU) warnte davor, gegen
Steuerhinterzieher lediglich Geldstrafen zu verhängen. Zuvor hatten
bereits andere Spitzenpolitiker von Union, SPD und Grünen eine
Überprüfung des möglichen Strafmaßes bei
Steuerhinterziehungen befürwortet. Dagegen kritisierte der
ehemalige Verfassungsrichter Hans-Joachim Jentsch diese Forderungen.
Söder sprach sich auch dafür aus, der Schweiz und
Liechtenstein bei ihrem Wunsch, dem Schengen-Abkommen beizutreten,
Bedingungen zu stellen. Ein solcher Beitritt sollte davon abhängig
gemacht werden, dass entsprechende Transparenz und Zusammenarbeit auch
in der Steuerfrage möglich sein müsse.
Der Ex-Verfassungsrichter Jentsch lehnt dagegen
Strafverschärfungen ab. «Es kann in diesem Lande passieren,
was will, die Politik wird immer fordern, die Strafrahmen zu
erhöhen. Das ist ein Höchstmaß an
Einfallslosigkeit», sagte Jentsch.
Auch der innenpolitische Sprecher der Union und Mitglied im
Parlamentarischen Kontrollgremium, Hans-Peter Uhl (CSU), hält eine
Erhöhung des Strafmaßes nicht für geboten. »Die
vorhandenen Gesetze sind ausreichend, wenn die Gerichte sie konsequent
anwenden.« Im Fall des zurückgetretenen Post-Chefs Klaus
Zumwinkel dürfe es nicht zu einem Deal kommen. »Das
Strafmaß, das ja bis zu 10 Jahren Haft reicht, muss voll
ausgeschöpft werden«, sagte Uhl.
Unterdessen ist ein Streit um die juristische Verwertbarkeit der vom
Bundesnachrichtendienst (BND) erworbenen Informationen über die
Steuerhinterzieher ausgebrochen. Der SPD-Innenexperte Dieter
Wiefelspütz hält sie für juristisch verwertbar, aber
allein nicht ausreichend. «Ich sehe rechtlich kein Problem»,
sagte er.
Der Ex-Verfassungsrichter Jentsch widersprach der Darstellung des
Bundesfinanzministeriums, wonach die Daten problemlos als Beweismittel
in Strafprozessen verwendet werden könnten. «Bei allem
Respekt vor dem Sachverstand des Ministeriums bin ich mir da nicht so
sicher», sagte Jentsch. Eine mögliche Verwertung sei
keineswegs unproblematisch.
Auch die BND-Amtshilfe für die Steuerbehörden bewertet
Jentsch kritisch. Das Trennungsgebot zwischen Nachrichtendiensten und
Strafverfolgungsbehörden bestehe nicht ohne Grund: «Der BND
ist nicht Teil der Strafverfolgungsbehörden.»
Der Rechtsexperte der Linksfraktion, Wolfgang Neskovic, bezweifelt
ebenfalls, dass die vom BND erworbenen Kontodaten für die
Strafverfolgung genutzt werden dürfen. «Ich habe große
Bedenken», sagte Neskovic. Der BND habe in einer rechtlichen
Grauzone operiert.
(Quelle: ddp)
Berliner Rechtsanwälte stellen Strafanzeige gegen Bundesregierung
- Vorwurf der Untreue und des Ausspähens von Daten
Mi.20.02.08 - Zwei Berliner Rechtsanwälte haben gegen die Bundesregierung und
den Bundesnachrichtendienst wegen des Vorgehens in der Steueraffäre
Strafanzeige gestellt. Sie werfen dem Geheimdienst und der
weisungsbefugten Regierung Untreue und Ausspähen von Daten vor.
Die Bundesregierung sei gesetzlich verpflichtet, die
Vermögensinteressen der Steuerzahler wahrzunehmen, erklärten
Ferdinand von Schirach und Christian Noll in ihrer Anzeige, die der
Nachrichtenagentur AP am Dienstag vorlag. Durch den Kauf einer DVD mit
brisanten Steuerdaten für 4,2 Millionen Euro sei diese Pflicht
verletzt worden.
Ziel der Anzeige sei, eine rechtliche Überprüfung des
Vorgangs zu erreichen, sagte von Schirach der AP. «Ich möchte
nicht, dass unsere Regierung Straftaten begeht», fügte der
renommierte Strafverteidiger hinzu. Die Bundesregierung sei nicht
berechtigt, Geld für die Verübung einer Straftat zur
Verfügung zu stellen.
Die Übergabe der DVD durch einen ehemaligen Liechtensteiner
Bankangestellten an den BND sei nach Liechtensteiner Recht eine schwere
Straftat. Von Schirach sagte, er strebe eine gerichtliche
Überprüfung des Vorwurfs einer besonders schweren
Untreuehandlung an.
Die Bundesregierung habe sich zudem der Straftat des Ausspähens
von Daten strafbar gemacht. «Wer sich unbefugt Daten verschafft,
welche nicht für ihn selbst bestimmt und welche gegen
unberechtigten Zugang besonders gesichert sind, macht sich nach dieser
Vorschrift strafbar», erklären die Anwälte in ihrer
Anzeige.
«Die Bundesregierung darf einem Straftäter kein Geld
bezahlen und sich damit sehenden Auges in die Nähe von Straftaten
rücken.» Es bestünden gute Aussichten, dass das
Bundesverfassungsgericht erklärt, dass ein Staat nicht so handeln
dürfe, sagte von Schirach. «Die Sanktion wäre dann, dass
die DVD wertlos würde.»
(Quelle: ap)
Liechtenstein prüft rechtliche Schritte gegen Deutschland
Mi.20.02.08 - Liechtenstein droht Deutschland wegen des Kaufs gestohlener Bankdaten
mit juristischen Schritten. Erbprinz Alois von und zu Liechtenstein
erklärte am Dienstag nach Angaben seines Presseamtes in Vaduz, er
nehme die jüngsten Vorgänge besorgt zur Kenntnis. «Wir
werden weitere rechtliche Schritte überprüfen, um unsere
Bürger und auch die Anleger ... vor derartigen
Untersuchungsmethoden, die in Liechtenstein gesetzlich nicht gedeckt
sind, zu schützen.»
Deutschland werde «mit seinem Angriff auf Liechtenstein nicht das
Problem mit seinen Steuerzahlern lösen», sagte das
Staatsoberhaupt. Nach einer in deutschen Medien zitierten
internationalen Studie werde das deutsche Steuersystem als das
schlechteste weltweit eingestuft - noch nach Haiti. «Deutschland
sollte seine Steuergelder besser dafür einsetzen, sein Steuersystem
in den Griff zu bekommen, als Millionenbeträge für Daten
auszugeben, deren rechtliche Verwertbarkeit zweifelhaft ist»,
erklärte der Fürst.
Erbprinz Alois nannte das Vorgehen der deutschen Ermittler auf der
Grundlage gestohlener Daten in Liechtenstein rechtlich völlig
undenkbar. In seinem Land könnten «fiskalische Interessen
nicht über rechtsstaatliche Prinzipien gestellt werden».
Die liechtensteinische Justiz habe deshalb auch ein
Ermittlungsverfahren gegen die unbekannte Täterschaft wegen
Verletzung eines Betriebsgeheimnisses zugunsten des Auslandes
eingeleitet. In der liechtensteinischen Verfassung werde dem Schutz der
Privatsphäre ein besonderer Wert beigemessen. Dazu gehöre auch
das Bankkundengeheimnis.
Der Justizminister und stellvertretende Regierungschef Klaus
Tschütscher erklärte, er habe für Rechtssicherheit zu
sorgen, auch für diejenige der Anleger und Geschäftspartner.
«Zur Rechtssicherheit gehört nach unserer Rechtsordnung auch
der Respekt der Privatsphäre. Diese Privatsphäre kann nur bei
begründetem Verdacht auf eine kriminelle Handlung aufgehoben
werden.»
Tschütscher betonte zugleich, Liechtenstein habe seit dem Jahr
2000 zahlreiche Maßnahmen ergriffen, um den Finanzplatz an
internationale Standards heran zu führen, damit Geldwäsche
oder organisierte Kriminalität verhindert werden. Der Minister
erwähnte die Einrichtung einer Finanzmarktaufsicht im Jahr 2005,
das Zinsbesteuerungsabkommen mit der EU aus dem Jahr 2004 sowie gut ein
Dutzend weitere Gesetzesänderungen. Zudem gebe es eine enge
Zusammenarbeit mit den deutschen Behörden. Liechtensteinische
Staatsanwälte und Untersuchungsrichter hätten in den
vergangenen Jahren in unzähligen Fällen eng und erfolgreich
mit ihren deutschen Kollegen zusammengearbeitet.
(Quelle: ap)
Bundestagsabgeordnete weisen Liechtensteiner Vorwürfe scharf
zurück
Mi.20.02.08 - Im Streit um die Verfolgung von deutschen Steuersündern in
Liechtenstein haben Bundestagsabgeordnete empört auf die
Vorwürfe der Regierung in Vaduz reagiert. Das Staatsoberhaupt des
Fürstentums, Erbprinz Alois von und zu Liechtenstein, hatte den
deutschen Behörden ungesetzliches Handeln in seinem Land
vorgeworfen und Deutschland geraten, sein Steuersystem zu ändern.
«Das ist eine Unverschämtheit», sagte der
SPD-Abgeordnete Niels Annen der «Berliner Zeitung»
(Mittwochausgabe). «Ein Land, das sich im internationalen
Finanzwesen Raubrittermethoden bedient, sollte uns keine
Ratschläge erteilen.» Wenn sich herausstellen sollte, dass
Liechtenstein aktiv der Steuerhinterziehung Vorschub leiste, müsse
eher daran gedacht werden, «dass wir gegen das Fürstentum
vorgehen».
Der CSU-Außenpolitiker Karl Theodor zu Guttenberg sagte:
«Bislang war ich der Ansicht, dass das kleine Einmaleins der
Diplomatie auch im Fürstentum nicht unbekannt ist.» Er rate
Vaduz dringend zu mehr Gelassenheit.
Der SPD-Finanzpolitiker Florian Pronold sagte der «Frankfurter
Rundschau» (Mittwochausgabe): «Liechtenstein grenzt sich
aus dem europäischen Recht aus, indem es Steuerhinterziehung nicht
als Straftat verfolgt.» Alle möglichen Verbrecher
könnten sich dort tummeln - «seien es Steuerhinterzieher
oder internationale Finanzkriminelle».
Wie auch Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) hält es
Pronold für «völlig legal», dass der
Bundesnachrichtendienst eine DVD mit brisanten Kundendaten aus Vaduz
erworben und diese ausgewertet habe. Die Liechtensteiner hätten in
dieser Sache «überhaupt keinen Grund, jetzt Klage gegen
Deutschland zu erheben, sondern sollten Asche auf ihr Haupt streuen und
Buße tun».
(Quelle: ap)
Geißler wirft Politik in Debatte um Steuersünder Heuchelei
vor
Mi.20.02.08 - Der frühere CDU-Generalsekretär Heiner Geißler
kritisiert die Debatte um Steuersünder als «heuchlerisch und
unglaubwürdig». In einem Beitrag für die Kölner
Zeitung «Express» (Dienstagausgabe) schreibt Geißler,
die amtliche und mediale Empörung über die
Steuerhinterziehungen von Ex-Post-Chef Klaus Zumwinkel und Genossen
seien «in hohem Maße heuchlerisch und
unglaubwürdig».
Die Demokratie werde schon seit Jahren massiv gefährdet durch die
offensichtliche Unfähigkeit der westlichen Staaten und ihrer
Finanzminister, in den globalen Finanzmarkt Ordnung hineinzubringen und
die Profiteure des »global gambling«, die internationalen
Spekulanten, durch die Einführung einer Steuer auf internationale
Finanztransaktionen, wie zum Beispiel auf den börsentäglichen
Umsatz von zwei Billionen Dollar, wirksam zu bekämpfen.»
Die westlichen Staaten lassen sich, «von multinationalen
Konzernen und Finanzinvestoren erpressen und gegeneinander ausspielen.
Vor allem veranstalten sie ein Trauerspiel, wenn es darum geht, die
Steueroasen zu schließen, ohne die Klaus Zumwinkel und Kompagnie
ihre Straftaten in dieser Form gar nicht hätten begehen
können.»
Die Finanz- und Außenminister sollten sich dazu
äußern, fordert Geißler, «warum
außenpolitisch nahezu jeder Streit mit den Ländern vermieden
wurde, in denen sich diese Steueroasen befinden". Als Beispiele nannte
Geißler die Schweiz, Liechtenstein, Luxemburg, Österreich und
die Kanalinseln. In der Hoffnung, potenzielle Steuerflüchtlinge zu
besänftigen, seien in Deutschland die Steuern auf Zinsen,
Dividenden und Unternehmensgewinne gesenkt worden, während die
Abgaben und Steuern für Arbeitnehmer und Konsumenten angehoben
wurden.
(Quelle: ddp)
SPD-Fraktionsvize Poß stellt Abgeltungsteuer wieder in Frage
Mi.20.02.08 - Angesichts des Skandals um massive Steuerhinterziehungen stellen
führende Sozialdemokraten die beschlossene Abgeltungsteuer
für Kapitalerträge wieder in Frage. «Wir sollten das
Thema Abgeltungsteuer noch einmal grundsätzlich
überprüfen», sagte SPD-Fraktionsvize Joachim Poß
der «Berliner Zeitung» (Mittwochausgabe).
Die für 2009 vorgesehene Einführung einer 25-prozentigen
Pauschalsteuer auf Zinsen, Dividenden und Kursgewinne sei in der
Erwartung beschlossen worden, dass die Abgeltungsteuer die
Steuerehrlichkeit fördere und somit die Einnahmen des Staates
stabilisiert werden könnten. «Wenn sich nun aber zeigen
sollte, dass die Annahmen nicht stimmen und das Gegenteil passiert,
dann müssen wir uns die Abgeltungsteuer erneut genau
anschauen», betonte Poß.
(Quelle: ddp)
Schulden der öffentlichen Hand stiegen auch 2007
Mi.20.02.08 - Die sprudelnden Steuereinnahmen haben im vergangenen Jahr nur die
Kommunen zum Schuldenabbau genutzt.
Dagegen stiegen die Verbindlichkeiten von Bund und Ländern.
Insgesamt wuchs der Schuldenberg der öffentlichen Haushalte zum
Jahresende auf 1501,7 Milliarden Euro, wie das Statistische Bundesamt
am Dienstag mitteilte. Das waren 4,6 Milliarden oder 0,3 Prozent mehr
als 2006. Das entspricht einer Schuldenstand von 18.256 Euro je
Einwohner.
Die Gemeinden und Gemeindeverbände senkten ihre Schulden um 3,1
Milliarden Euro oder 3,6 Prozent. Sie stehen noch mit 81,4 Milliarden
Euro in der Kreise. Beim Bund nahmen die Kreditmarktschulden dagegen um
5,5 Milliarden Euro oder 0,6 Prozent zu. Damit wuchs der Schuldenberg
des Bundes auf 937,6 Milliarden Euro. Bei den Ländern stiegen die
Verbindlichkeiten um 2,2 Milliarden Euro oder 0,4 Prozent auf 482,6
Milliarden Euro. Nur Bayern, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen,
Thüringen und Berlin trugen ihren Schuldenberg etwas ab. Bayern
weist mit 1821 die niedrigste Pro-Kopf-Verschuldung aller 16
Bundesländer auf, Bremen mit 21.568 Euro die höchste.
Neben Schulden am Kreditmarkt mussten die öffentlichen Haushalte
zunehmend auf Kassenkredite zurückgreifen, um kurzfristig
Lücken zwischen laufenden Einnahmen und Ausgaben zu
schließen. Die Kassenkredite lagen am Jahresende bei 50,1
Milliarden Euro. Das waren 3,7 Prozent mehr als vor Jahresfrist.
Der Gesamtstaat war im vergangenen Jahr erstmals seit 1989 ohne neue
Schulden ausgekommen: Einschließlich der Sozialversicherungen
kamen Bund, Länder und Kommunen zusammen auf einen Überschuss
von 70 Millionen Euro.
(Quelle: rtr)
Tausende Beschäftigte im öffentlichen Dienst legen Arbeit
nieder
Mi.20.02.08 - Die Warnstreiks im Tarifkonflikt des öffentlichen Dienstes von
Bund und Kommunen haben am frühen Dienstagmorgen in vielen
Bundesländern begonnen. In Nordrhein-Westfalen legten nach
ver.di-Informationen die ersten Beschäftigten bereits gegen 6.00
Uhr ihre Arbeit nieder. Betroffen waren neben den Bädern in
Wuppertal auch die Kommunalverwaltungen in Oberhausen und Mülheim.
Im Laufe des Tages sollten weitere Warnstreiks in mehr als 150
Verwaltungen und Betrieben mit insgesamt rund 16 000 Beschäftigten
folgen.
In Bayern legten unter anderem Beschäftigte der Münchner
Straßenreinigung die Arbeit nieder. Insgesamt waren für
Dienstag im Freistaat mehr als 2000 Menschen aufgerufen, ihre Arbeit
vorübergehend niederzulegen, darunter Mitarbeiter von Verwaltungen,
Bundeswehreinrichtungen, Sparkassen und Kinderbetreuungseinrichtungen.
Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat zu
Warnstreiks aufgerufen.
Mit Beginn der Frühschicht haben auch die Gewerkschaften in
Rheinland-Pfalz ihre Warnstreiks fortgesetzt. Hauptsächlich in der
Westpfalz und im Norden des Landes sind laut ver.di Mitarbeiter der
kommunalen Verwaltungen und Betriebe, Kliniken, Kindertagesstätten
sowie der dort ansässigen Bundeseinrichtungen zu
Arbeitsniederlegungen aufgerufen.
Im hessischen Marburg bleiben in Folge der Warnstreiks alle
Kindertagesstätten geschlossen. Weitere Warnstreiks sind im
kommunalen Bereich in Marburg, Hanau, sowie in den Landreisen
Hochtaunus, Main-Taunus und Wetterau vorgesehen. Aufgerufen sind jeweils
die Beschäftigten von Stadt- und Landkreisverwaltungen sowie
Beschäftigte aus der Abfallwirtschaft.
Die Warnstreiks sollen bis einschließlich Freitag fortgesetzt
werden. Am kommenden Montag gehen die Tarifverhandlungen weiter. Die
Gewerkschaft fordert für die 1,3 Millionen Beschäftigten acht
Prozent mehr Gehalt, mindestens aber ein Plus von monatlich 200 Euro.
Die Arbeitgeber haben insgesamt fünf Prozent mehr angeboten.
(Quelle: ddp)
Einigung im Tarifstreit der nordwestdeutschen Stahlindustrie - 5,3
Prozent mehr Geld ab März
Mi.20.02.08 - Die Tarifparteien der nordwestdeutschen Stahlindustrie haben sich in
der Nacht zum Mittwoch auf einen Tarifabschluss geeinigt: Nach einer
Einmalzahlung von 200 Euro im Februar soll es ab März 5,3 Prozent
mehr Geld für die Beschäftigten geben, wie IG-Metall-Sprecher
Marc Schlette in Ratingen mitteilte. Für den Vertrag wurde eine
Laufzeit von 13 Monaten vereinbart.
Das erzielte Ergebnis liegt zwischen dem ursprünglichen
Arbeitgeberangebot von 3,5 Prozent und der gewerkschaftlichen Forderung
von acht Prozent. Für die Auszubildenden wurde eine Anhebung der
Vergütung um 70 Euro vereinbart. In einer Absichtserklärung
setzten sich beide Seiten das Ziel, bis zum 30. Juni 2009 ein
Entgeltrahmenabkommen zu schließen.
Das Ergebnis werde am (heutigen) Mittwoch der Tarifkommission vorgelegt
und in den Betrieben diskutiert, sagte der Gewerkschaftssprecher. Eine
endgültige Entscheidung, ob der Abschluss angenommen werde, sei
für Montag zu erwarten.
Für den Fall eines Scheiterns der Verhandlungen hatte die IG
Metall bereits einen unbefristeten Streik angekündigt. Einen
Arbeitskampf in der westdeutschen Stahlindustrie gab es zuletzt im Jahr
1978/79. Unmittelbar vor Beginn der letzten Verhandlungsrunde hatte die
Gewerkschaft den Druck auf die Arbeitgeber erhöht: Mehr als 2.000
Arbeiter beteiligten sich nach Angaben der IG Metall am Dienstag an
Warnstreiks in Dortmund und Mülheim.
(Quelle: ap)
Linke erwägt Ende der Zusammenarbeit mit DKP
Mi.20.02.08 - Als Konsequenz aus der Affäre um die niedersächsische
Abgeordnete Christel Wegner erwägt die Linkspartei, keine
wahlstrategischen Bündnisse mehr mit der DKP einzugehen. «Wir
sollten in Zukunft keine Mitglieder der DKP oder anderer Parteien mehr
auf unsere Listen nehmen», sagte die stellvertretende Vorsitzende
der Linkspartei, Katina Schubert, der «Neuen Presse» in
Hannnover. Sie zeigt sich froh darüber, dass die Linke im
niedersächsischen Landtag DKP-Mitglied Wegner aus der Fraktion
ausgeschlossen hat.
Wegner, die auf der Liste der Linken in den Landtag gewählt worden
war, hatte mit Äußerungen zur Stasi und zum Mauerbau für
Wirbel gesorgt. Als «richtig und konsequent» lobte auch der
Bundeswahlkampfleiter der Linken, Bodo Ramelow, den Rauswurf Wegners.
«Sie hat das Gastrecht missbraucht», sagte er.
Grünen-Chef Reinhard Bütikofer forderte von der Linkspartei
im Umgang mit DKP-Mitgliedern Konsequenzen auch in Hamburg. Die Linke
lege «im Umgang mit ihrer stalinistischen Tradition
Doppelstandards an», sagte Bütikofer der «Passauer
Neuen Presse». «Das beschränkt sich nicht auf die
Person von Frau Wegner. Was ist mit dem Kandidaten Harms in Hamburg -
muss der erst gewählt werden, damit man ihn
ausschließt?»
Der stellvertretende Bundestagsfraktionschef Klaus Ernst sieht nach dem
Fraktionsausschluss Wegners keine Notwendigkeit für weitere
Konsequenzen mehr: «Ich denke, dass die Sache damit bereinigt
ist», sagte der frühere WASG-Chef der «Passauer Neuen
Presse».
Unterdessen attackierte FDP-Generalsekretär Dirk Niebel
Linke-Bundestagsfraktionschef Gregor Gysi, der spekuliert hatte, Wegner
habe mit ihrer Äußerung kurz vor der Hamburg-Wahl der Linken
möglicherweise bewusst schaden wollen und die Aktion sei vom
Verfassungsschutz gesteuert. «Wenn Gregor Gysi dem
Verfassungsschutz die Schuld an Frau Wegners Äußerungen
zuschreibt, dann wird er wohl auch die DDR für eine Simulation der
CIA halten», sagte Niebel.
(Quelle: ap)
Bildungministerin Schavan sieht keine Notwendigkeit für
G8-Schulreform
Mi.20.02.08 - Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) sieht beim
achtjährigen Gymnasium (G8) keinen Änderungsbedarf. Es werde
«nirgendwo in Deutschland eine Rolle rückwärts
geben», sagte Schavan am Dienstag bei der Eröffnung der
Bildungsmesse didacta in Stuttgart. Überlegungen, die
Lehrpläne etwa in den Naturwissenschaften zu entrümpeln, wies
sie zurück. Wer glaube, die Schüler müssten beim G8 den
gesamten Stoff vom neunjährigen Gymnasium lernen, habe die gesamte
Reform nicht verstanden.
Schavan sieht jedoch die Schulen bei der weiteren Umsetzung des G8 in
der Pflicht, die notwendige Logistik zu schaffen und den Weg zur
Ganztagsschule einzuschlagen. Wer das achtjährige Gymnasium
einführe, brauche dazu entsprechende Räume und mehr Personal.
Die Ministerin appellierte an die Länder, trotz des Rückgangs
der Schülerzahlen keine Einsparungen bei den Lehrerstellen
vorzunehmen. Wenn die Ressourcen im System blieben, werde dies zu einem
enormen Schub führen.
Scharfe Kritik äußerte Schavan an der aktuellen Diskussion
um das deutsche Schulsystem. Manche seien der Meinung, die Hauptschule
gehöre abgeschafft, die Realschule womöglich auch und das
Gymnasium sei ohnehin «verkorkst». Dabei werde vermittelt,
dass Schule «schädlich» und ein «Diebstahl von
Kindheit» sei. Wer so über Schule rede, handle
«fahrlässig», betonte die CDU-Politikerin in ihrer
Grundsatzrede.
Schavan rief dazu auf, das Bildungssystem so weiterzuentwickeln, dass
es Kindern und Jugendlichen gerecht werde. Notwendig sei «eine
Atmosphäre wie vor 100 Jahren», als die Reformpädagogik
ihre Geburtsstunde gehabt habe. Der damalige Leitsatz, wonach Kinder
und ihre Erziehung maßgeblich für die Entwicklung einer
Gesellschaft seien, müsse auch heute wieder gelten.
(Quelle: ddp)
Wissenschaft
Leopoldina wird neue Nationale Akademie
Mi.20.02.08 - Die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina in Halle wird die
Nationale Akademie. Das hat die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz der
Länder und des Bundes (GWK) am Montag in Berlin beschlossen. Das
Gremium folgte damit dem Vorschlag von Bundeswissenschaftsministerin
Annette Schavan (CDU), die die Leopoldina im November 2007 als neue
Deutsche Akademie der Wissenschaften vorgeschlagen hatte. Politiker
begrüßten die Entscheidung.
Die Leopoldina soll die deutsche Wissenschaft in den internationalen
Gremien repräsentieren, in denen auch andere Länder durch ihre
Akademien vertreten sind. Darüber hinaus wird sie mit anderen
wissenschaftlichen Einrichtungen, beispielsweise mit Vertretern der
Länderakademien einschließlich der Berlin-Brandenburgischen
Akademie der Wissenschaften (BBAW) und der neu gegründeten
Deutschen Akademie für Technikwissenschaften (acatech) und den
deutschen Wissenschaftsorganisationen eng zusammenarbeiten. Die Akademie
wird durch ein ehrenamtlich tätiges Präsidium geleitet.
«Ich freue mich, dass es nach langer Zeit gelungen ist, auch in
Deutschland eine Nationale Akademie einzurichten,« sagte Schavan.
Politik und Wissenschaft müssten einen kontinuierlichen Dialog
führen. Dafür brauchten sie eine nationale Akademie in
Deutschland. Die Leopoldina habe als Nationale Akademie die
anspruchsvolle Aufgabe, in voller Unabhängigkeit wichtige
gesellschaftliche Zukunftsthemen wissenschaftlich zu bearbeiten und die
Ergebnisse der Öffentlichkeit und Politik in geeigneter Form zu
vermitteln. Schavan bezeichnete die Akademie als die Stimme der
deutschen Wissenschaft in internationalen Zusammenhängen.
Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU) gratulierte der
«altehrwürdigen Leopoldina» zu dieser Entscheidung und
fügte hinzu, die Leopoldina habe in den vergangenen Jahren
erfolgreich Politikberatung betrieben und Gutachten erstellt. Dies werde
sie in Zukunft verstärkt tun. Kultusminister Jan-Hendrik Olbertz
(parteilos) sagte: »Für die Wissenschaft wird sie eine
international wahrnehmbare Ansprechpartnerin sein.»
Die Leopoldina habe sich als unabhängiger und mit
wissenschaftlicher Exzellenz ausgezeichneter Hort
naturwissenschaftlicher Erkenntnis einen internationalen Namen
geschaffen, sagte Halles Oberbürgermeisterin Dagmar Szabados (SPD)
zu der Entscheidung. Auch das universitäre Umfeld der Stadt Halle
habe zu dem Erfolg der Leopoldina beigetragen, zur Nationalen Akademie
der Wissenschaften ernannt worden zu sein.
Der 1652 in Schweinfurt gegründeten Leopoldina, die seit 1878
ihren ständigen Sitz in Halle hat, gehören derzeit weltweit
1250 gewählte Mitglieder an. Darunter sind 33
Nobelpreisträger, etwa der diesjährige Träger des
Chemie-Nobelpreises, Gerhard Ertl. Seit Bestehen der Leopoldina waren
etwa 160 Nobelpreisträger dort aktiv.
(Quelle: ddp)