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Aktuelle Nachrichten
Irak am 1430sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Türkisches Militär bestreitet Gefecht mit Kurden im Irak.
Sunnitische Stämme im Westirak gegen sunnitische Partei. Muktada
al Sadr entscheidet über Verlängerung von Waffenstillstand.
US-Soldat wegen Körperverletzung mit Todesfolge verurteilt
Fr.22.02.08 - Die türkische Armee hat am Donnerstag bestritten, dass es im
Nordirak zu einem Zusammenstoß zwischen türkischen Soldaten
und irakisch-kurdischen Sicherheitskräften gekommen ist.
Das hatte zuvor Fuad Hussein vom Präsidialamt der Kurdenregion im
Irak mitgeteilt. Die Sicherheitskräfte Peschmerga hätten
versucht, die Türken daran zu hindern, mit Panzern
vorzurücken, sagte er. Dabei sei es zu einem Feuergefecht
gekommen. "Diese Berichte sind absolut unwahr und sollen die
öffentliche Meinung manipulieren", erklärte der
türkische Generalstab. Auch ein Sprecher der Peschmerga
dementierte Husseins Darstellung. Es habe keine Kämpfe mit
türkischen Truppen gegeben, sagt er.
Die Türkei geht seit Ende vergangenen Jahres im Norden des
Nachbarlandes gegen Kämpfer der Kurdischen Arbeiterpartei PKK vor,
die für einen eigenständigen Staat im Südosten der
Türkei kämpft.
Dem Irak drohtunterdessen eine neue Front. Die von den USA
aufgerüsteten sunnitischen Stämme im Westen des Landes wollen
die sunnitische Islamische Partei aus ihrem Gebiet vertreiben. Der
oberste Stammesführer der Provinz Anbar, Scheich Ali Hatem, habe
gedroht, die Mitglieder der Partei mit Gewalt zu vertreiben, falls
diese die Region nicht binnen 22 Tagen verlassen sollten. Scheich Ali
war am Aufbau einer Bürgerwehr beteiligt, die mit der US-Armee
gegen die sunnitischen Terroristen der El Kaida kämpft.
Der radikale schiitische Geistliche Muktada al Sadr hat 200 Moscheen im
Irak eine Botschaft geschickt, die seine Entscheidung über eine
Verlängerung des von ihm erklärten Waffenstillstands
enthält. Die Botschaft soll am (heutigen) Freitag zu Beginn der
Gebetsversammlungen verlesen werden, wie ein Mitarbeiter Al Sadrs
mitteilte.
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Trotz entgegengesetzter Drohungen wird erwartet, dass Al Sadr die im
August vergangenen Jahres erklärte Waffenruhe um ein halbes Jahr
verlängern wird. Der Verzicht von Anschlägen seitens der
Mahdi-Miliz Al Sadrs hat mit dazu beigetragen, dass sich das
Ausmaß der Gewalt im Irak deutlich verringert hat. In einer
Demonstration der Stärke marschierten am Donnerstag mehrere
tausend Kämpfer der Mahdi-Miliz durch die Straßen von Sadr
City, der Hochburg der Anhänger Al Sadrs in Bagdad.
Ein Militärgericht auf Hawaii hat einen Soldaten nach einem
Einsatz im Irak wegen Körperverletzung mit Todesfolge verurteilt.
Das Strafmaß wurde noch nicht verkündet. Die
Höchststrafe beträgt acht Jahre Haft.
Christopher Shore war wegen des tödlichen Einsatzes am 23. Juni
vergangenen Jahres bei Kirkuk ursprünglich wegen Mordes angeklagt.
In dem Prozess sagte er aus, dass der Kommandeur seiner Einheit ihm
befohlen habe, den Mann zu töten. Der Iraker wurde von den Soldaten
verdächtigt, auf einen Hubschrauber geschossen zu haben. Der
Kommandeur der Einheit, Oberfeldwebel Trey Corrales, muss sich im April
wegen vorsätzlichen Mordes verantworten.
boa (Quellen: rtr, dpa, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 22.02.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am neunhundertachtundsechszigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Do.22.02.07 - Anzeichen für neue Strategie von Aufständischen im Irak +++ Mehr
als 20 Tote bei Anschlägen +++ Dänemark kündigt
Truppenabzug aus dem Irak an. US-Vizepräsident Cheney: USA wollen
Irak erhobenen Hauptes verlassen...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0702220.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Friedensnobelpreisträgerin Williams wirft USA Druck auf
Streubomben-Konferenz vor
Fr.22.02.08 - Friedensnobelpreisträgerin Jody Williams hat den USA vorgeworfen,
Teilnehmerstaaten der Konferenz für ein internationales Verbot von
Streubomben unter Druck zu setzen. Verbündete der USA stellten
daher gezielt bestimmte Forderungen, um Fortschritte der Konferenz
verhindern, sagte Williams der Nachrichtenagentur AP. Die
US-Bürgerin erhielt 1997 zusammen mit der Internationalen Kampagne
für das Verbot von Landminen den Friedennobelpreis.
Eine Sprecherin der US-Botschaft in Neuseeland, Janine Burns, wies die
Vorwürfe zurück. Washington versuche nicht, die Konferenz zu
bremsen. Die Vereinigten Staaten teilten die humanitären Bedenken
gegen den Einsatz von Streumunition, seien aber «wegen ihrer
erwiesenen militärischen Nützlichkeit» gegen ein Verbot.
Die USA sind auf der am Montag eröffneten Konferenz nur mit
Beobachtern vertreten.
Der Prozess für ein Verbot dieser Waffen wurde vor einem Jahr in
Oslo gestartet. Zu den Initiatoren gehörten neben Norwegen auch
Österreich, Irland, Neuseeland, Mexiko und der Vatikan. Die
Konferenz in Wellington verfolgt das Ziel, die zu verbietende Munition
präzise zu definieren. Die Abschlussverhandlungen der Diplomaten
sollen dann im Mai in Irland stattfinden.
Bei der Streumunition handelt es sich um Pakete mit mehreren hundert
oder tausend einzelnen Sprengsätzen, die über dem Boden
explodieren. Die Explosionswirkung erfasst etwa eine Fläche von der
Größe eines Fußballfeldes ab. Allerdings explodieren
meist 10 bis 40 Prozent der Sprengsätze nicht sofort und stellen
danach eine tödliche Gefahr dar. Bei der kleinsten Berührung
können sie explodieren. Opfer sind häufig Kinder, die sich
wegen Form und Farbe für die Sprengsätze interessieren.
Streumunition wurde auch im Irak, im Kosovo-Krieg und in Afghanistan
eingesetzt.
(Quelle: ap)
Nato: In Afghanistan steht unsere Glaubwürdigkeit auf dem Spiel
Fr.22.02.08 - In Afghanistan steht nach den Worten von Nato-Generalsekretär Jaap
de Hoop Scheffer die Glaubwürdigkeit des
Militärbündnisses auf dem Spiel: "Wenn wir diesen Kampf
verlieren, verliert nicht nur Afghanistan, sondern auch unsere
Gemeinschaft und die Gesellschaft im Westen und anderswo genauso",
sagte der Nato-Chef am Donnerstag in Kabul nach Gesprächen mit
Präsident Hamid Karsai. Der erste große Auslandseinsatz des
Militärbündnisses sei keine Frage der Wahl, sondern notwendig.
Die Worte richteten sich vor allem an Deutschland, Frankreich, Italien
und Spanien. Sie werden von ihren Nato-Partnern dafür kritisiert,
ihre Truppen auf relativ sichere Gebiete im Norden und Westen zu
beschränken. Die USA und die Nato haben zuletzt ihre Forderungen
nach einer Beteiligung dieser Staaten an Kampfeinsätzen im
Süden und Osten verstärkt.
(Quelle: rtr)
UN-Generalsekretär Ban: Lage in Darfur hat sich verschlechtert
Fr.22.02.08 - Die Lage in der sudanesischen Krisenregion Darfur hat sich nach Angaben
der UN verschärft: Auch deshalb seien dringend weitere Soldaten der
internationalen Friedenstruppe in dem afrikanischen Land erforderlich,
sagte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon am Mittwoch bei der Vorlage
des neuesten Darfur-Berichts an den UN-Sicherheitsrat. "Ich bin extrem
besorgt über die Sicherheitslage", sagte Ban. Die Bedingungen
für die Zivilbevölkerung hätten sich verschlechtert und
der Zugang zu den Menschen, die Hilfslieferungen benötigten, werde
schwieriger. Wiederholt hätten Kämpfer aus dem Tschad
Angriffe auf sudanesisches Gebiet gestartet.
Von den bislang geplanten 26.000 Soldaten der Friedenstruppe seien
bislang erst 9126 im Einsatz, sagte der UN-Generalsekretär. Hier
müssten die UN-Mitgliedsstaaten ihren Zusagen schleunigst
nachkommen. Auch würden zusätzliche Hubschrauber benötigt.
Im Darfur-Konflikt sind in den vergangenen fünf Jahren Experten
zufolge etwa 200.000 Menschen ums Leben gekommen. 2,5 Millionen sind
geflohen. Die Kämpfe begannen nach einem Aufstand der Rebellen
2003. Sie werfen der Regierung in Khartum vor, Darfur zu
vernachlässigen.
(Quelle: rtr)
Dritte Runde von Iran-Sanktionen im Weltsicherheitsrat
Fr.22.02.08 - Großbritannien und Frankreich haben im Sicherheitsrat der
Vereinten Nationen einen Resolutionsentwurf für eine dritte Runde
von Sanktionen gegen den Iran eingebracht. Der Vorstoß ist das
Ergebnis monatelanger Beratungen der fünf ständigen
Mitglieder des Rats zusammen mit Deutschland.
Die Strafmaßnahmen sollen den Druck auf die Regierung in Teheran
verschärfen, ihr Programm zur Anreicherung von Uran doch noch
einzustellen. Mit hoch angereichertem Uran können Atomwaffen
hergestellt werden. Die iranische Regierung hat jedoch erklärt,
sie strebe allein die wirtschaftliche Nutzung der Atomenergie an, und
lehnt deswegen Einschränkungen ihres Atomprogramms ab.
Die neuen Sanktionen sehen Einschränkungen der Reisefreiheit, ein
Embargo von nukleartechnischen Gütern, Kontrollen der iranischen
Banken und Inspektionen des gesamten Frachtverkehrs mit dem Iran vor.
«Der Text, den wir heute in Umlauf gebracht haben, trägt
einigen Stellungnahmen Rechnung, die wir von den Delegationen erhalten
haben», sagte der britische UN-Botschafter John Sawers.
Südafrika, Libyen und Indonesien haben Vorbehalte gegen einen
ersten Entwurf geäußert und erklärt, sie wollten erst
einen Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
abwarten, der in nächster Zeit erwartet wird.
Der Iran hat bisher zwei Resolutionen ignoriert, in denen die Regierung
in Teheran zur Einstellung der Urananreicherung aufgefordert wird. Im
Dezember 2006 wurde der der Export von Material und Technik für
das iranische Nuklear- und Raketenprogramm verboten und das
Vermögen von Unternehmen und Einzelpersonen eingefroren, die mit
dem Atomprogramm in Verbindung stehen. Im März 2007 wurden
iranische Waffenexporte untersagt und weitere Konten von Personen und
Organisationen eingefroren.
(Quelle: ap)
Droht im Iran ein parlamentarischer Putsch?
Fr.22.02.08 - Anfang 2008 kritisierte die Menschenrechtsorganisation Human Rights
Watch westliche Staaten wegen ihrer Duldung absolutistischer Regimes.
Eine dieser "demokratisch maskierten" Diktaturen: ist die Islamische
Republik Iran.
Die aktuellen Ereignisse bezüglich der Parlamentswahlen im Iran
legitimieren die Kritik von Human Rights Watch. Die von den
Fundamentalisten dominierten Kontrollorgane haben etwa 30 Prozent der
7100 Bewerber von den Wahlen am 14. März 2008 ausgeschlossen.
Darunter befinden sich ehemalige Minister, Gouverneure und
Ex-Parlamentarier, die dem reformistischen Lager zugeordnet werden.
Ihnen wird "mangelnde Loyalität zum System" vorgeworfen.
Dass die revolutionären Islamisten ihre Gegner und Kritiker
auszuschalten versuchen, ist nichts Neues. Neu an der jetzigen Situation
ist eine Wende innerhalb des Systems, bei der die Militärs eine
wesentliche Rolle spielen. Wie es scheint, sind die Hardliner um den
religiösen Führer bestrebt, selbst die leisen kritischen
Stimmen innerhalb des Systems, allen voran die Reformer, auszuschalten.
Die neue Wende stimmt selbst den reformorientierten Ex-Präsidenten
Mohammad Chatami, der sich bei den Auseinandersetzungen zwischen
Reformern und Fundamentalisten eher zurückhaltend verhält,
bedenklich. Er spricht von einer "Katastrophe, die das islamische
System, aber auch die Gesellschaft gefährdet". Manche seiner
Gefolgsleute vermuten sogar "einen parlamentarischen Putsch".
Der Vorwurf des parlamentarischen Putsches wird unter anderen damit
begründet, dass seit kurzem die Befehlshaber der Streitkräfte
öffentlich für das fundamentalistische Lager Partei ergreifen.
Neben dem Oberbefehlshaber der Revolutionsgarde, Mohammad Ali Djafari,
hat auch der Stabschef der Streitkräfte, Hasan Firoozabadi die
Vorzüge der Fundamentalisten gepriesen.
Die Einmischung der Militärs in die Politik stößt auch
innerhalb des Klerus auf Widerstand. Neben den einflussreichen
Ajatollahs, die die Reformer unterstützen (wie Montazeri und
Taheri), melden sich immer mehr hochrangige Geistliche zu Wort, die sich
bislang wenig in die Tagespolitik eingemischt haben ? zuletzt die
Ajatollahs Bayat Zanjani und Nour Mofidi.
Vor einigen Tagen hat auch der Geistliche Hassan Khomeini - ein Enkel
des Revolutionsführers Ajatollah Khomeini - öffentlich
Stellung bezogen. Er wies darauf hin, dass sein Großvater in
seinem Testament den Militärs verboten hat, sich in die Politik
einzumischen. Wer sich an das Vermächtnis des
Revolutionsführers nicht halte, gefährde die Islamische
Republik, warnte er - und sorgte mit dieser Aussage bei den
Fundamentalisten für Empörung.
Die liberalen und nationalen politischen Kräfte, die im
islamischen Gottesstaat ein halblegales Dasein fristen, sind ebenfalls
empört. Die "Nationale Front" (Jebheh Meli) hat zum Wahlboykott
aufgerufen und die religiös-liberale "Freiheitsbewegung" (Nehzat
Azadi) forderte internationale Wahlbeobachter. Während diese
Forderung von einem kleinen Teil der Reformer unterstützt wird,
lehnt die Mehrheit der Reformer sie ab. Ihr Argument: internationale
Kontrolle sei eine Bevormundung des Volkes.
Die Reformer sind nicht nur in dieser Hinsicht zerstritten - insgesamt
gibt es in Bezug auf die Wahlen keine einheitliche Meinung. Eine kleine
Gruppe bezeichnet die Abstimmung als "Feigenblatt zur Legitimierung
eines absolutistischen Systems", in dem ein einziger Mann - der
religiöse Führer - per Dekret das Parlament auflösen und
den Präsidenten absetzen kann. Sie kritisieren auch den von den
Fundamentalisten dominierten Wächterrat, der jedes Gesetzesvorhaben
des Parlaments zurückweisen kann. Ein anderer Teil der Reformer
möchte aber "unter allen Umständen" an den Wahlen teilnehmen.
Ihr Argument: man dürfe den Fundamentalisten nicht alles
überlassen.
Die Wahlen zum 8. Parlament stehen im Zeichen der Spaltung; sowohl bei
den Reformern als auch bei den Fundamentalisten. Auch letztere sind sich
nicht in allen Punkten einig. Es gibt selbst unter ihnen so genannte
Gemäßigte und Hardliner. Ihr gemeinsames Wahlprogramm mag
verlockernd erscheinen, doch das Ergebnis ihrer vierjährigen
parlamentarischen Praxis ist ernüchternd. Auch die
zweijährige Amtsführung der so genannten Gerechtigkeit
erzeugenden Regierung des Hardliners Mahmud Ahmadinedschad hat nicht
viel zur Gerechtigkeit beigetragen. Trotz der enormen
Erdöleinnahmen verarmen immer mehr Menschen und die Kluft zwischen
Arm und Reich vergrößert sich.
Unter Ahmadinedschads Regierung wurden auch die Belange der jungen
Menschen vernachlässigt. Die meisten staatlichen
Kultureinrichtungen leiden an Geldmangel - manche haben ihre
Aktivität eingestellt. Die islamischen Kleidervorschriften wurden
strenger, die Zensur bei Musik, Film, Theater und Literatur moderner Art
verstärkt. Die Sanktionen der Vereinten Nationen, eine Folge der
Außenpolitik der Regierung Ahmadinedschad, tun ihr übriges
und verunsichern die Menschen mehr denn je.
Fast 50 Prozent der iranischen Bevölkerung sind unter 30 Jahre
alt. Ein Großteil von ihnen hat in den Reformern zwischen 1997 und
2001 eine Möglichkeit der Veränderung gesehen. Der triumphale
Sieg von Präsident Chatami war zum Teil ihnen zu verdanken. Seine
Wahl ließ keinen Zweifel daran, dass die Menschen sich
grundlegende Veränderungen in dem festgefahrenen System
wünschen.
Alsbald aber stießen die Reformer an die Grenzen ihrer
Möglichkeiten. Und so zogen sich die jungen Wählerinnen und
Wähler zurück: 2004 gingen nur noch 30 Prozent der
Stimmberechtigten zu den Urnen, um für die vorausgewählten
Kandidaten zu votieren. Die Kommunalwahlen in den Jahren 2003 und 2007
fanden bei der Bevölkerung kaum Beachtung. Also zogen die
Fundamentalisten ins Parlament und in die Stadträte ein.
In dieser Entwicklung sehen die Regimegegner ein Zeichen der
Unbeliebtheit der Islamischen Republik. Unabhängige Kritiker
diagnostizieren politische Lethargie. Die Machthaber in Teheran dagegen
wollen darin eine Bestätigung des islamischen Systems erkennen. Sie
haben fast immer Wahlen als eine religiöse Pflicht bezeichnet. Bei
den letzten Parlamentswahlen des Gottesstaates waren demnach weniger
als 51 Prozent der Wahlberechtigen "gläubig". Wie sehr sich ihre
Zahl geändert hat, werden die mehr als 43 Millionen
Wahlberechtigte am 14. März zeigen. Ob man den vom Staat bekannt
gegebenen Ergebnissen vertrauen kann, bleibt allerdings fraglich.
(Quelle: dw)
Opposition in Pakistan will nach Wahlsieg gemeinsam regieren
Fr.22.02.08 - Die beiden größten pakistanischen Oppositionsparteien wollen
nach ihrem Sieg bei der Parlamentswahl eine gemeinsame Regierung
bilden. «Wir haben uns auf eine Agenda verständigt»,
sagte der Chef der Pakistanischen Muslimliga (PML-N), Nawaz Sharif, am
Donnerstagabend nach Gesprächen mit der Führung der
Volkspartei (PPP) der ermordeten früheren Ministerpräsidentin
Benazir Bhutto.
«Gemeinsam wollen wir Pakistan stärken», sagte
PPP-Führer Asif Ali Zardari, der Witwer Bhuttos, auf einer
gemeinsamen Pressekonferenz mit Sharif in Islamabad. Als erstes werde
die künftige Regierung die Vereinten Nationen um Hilfe bei der
Aufklärung des Attentats auf seine Frau bitten, kündigte
Zardari an. Beide Parteien hätten sich auch im Prinzip darauf
geeinigt, die im vorigen Jahr von Präsident Pervez Musharraf
entlassenen Richter wieder einzusetzen, sagte Sharif.
Zuvor hatten bereits hunderte Juristen in einem Appell an die
künftige Regierung die Wiedereinsetzung dieser Richter gefordert.
Sie zogen am Donnerstag durch Karachi, Lahore und Qetta und verlangten
vor allem die Aufhebung des Hausarrests gegen Oberrichter Iftikhar
Mohammed Chaudhry. Diesem gelang es, per Mobiltelefon heimlich
Botschaften an die Demonstranten zu verschicken.
«Unser Sieg ist nicht mehr fern», verkündete Chaudhry,
der nach Musharrafs Notstandserklärung am 3. November in seinem
Haus in Islamabad festgesetzt wurde und offiziell auch keine Telefonate
führen darf. Das pakistanische Volk habe dem Präsidenten bei
der Parlamentswahl am vergangenen Montag eine klare Abfuhr erteilt. Nun
müssten alle verfassungswidrigen Maßnahmen der alten
Regierung zurückgenommen werden, einschließlich die
Entlassung zahlreicher hoher Richter.
Die Polizei in Karachi ging mit Tränengas gegen die rund 100 dort
demonstrierenden Juristen vor. Mindestens sechs Personen wurden
festgenommen, nachdem Steine auf die Beamten geflogen waren.
(Quelle: ap)
US-Präsidentschaftskandidatur der Demokraten: Obama und Clinton im
direkten Schlagabtausch - Meinungsunterschiede in der Kuba-Politik -
Unliebsame Schlagzeilen für McCain
Fr.22.02.08 - Im weiterhin offenen Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der
Demokraten in den USA haben sich Hillary Clinton und Barack Obama einen
direkten Schlagabtausch geliefert. In einer live aus Austin in Texas
übertragenen Fernsehdebatte machten sie vor allem Unterschiede in
ihrem politischen Stil deutlich. Am Donnerstag konnte Obama den elften
Sieg in Folge verbuchen: Die im Ausland lebenden Parteianhänger
stimmten über das Internet, per Brief oder in Wahllokalen zu 65
Prozent für den Senator von Illinois.
Während Obama nur vorsichtig Kritik an seiner Rivalin
äußerte, ging Clinton in die Offensive. Sie beschuldigte
Obama erneut des Plagiats und sagte, er stehen für «einen
Wandel, den man kopieren kann». Obama reagierte darauf mit dem
Appell, sie sollten sich nicht gegenseitig niedermachen, «sondern
das Land aufrichten».
Die New Yorker Senatorin Clinton stellte erneut ihre politische Reife
heraus: «Ich biete ein ganze Lebenszeit der Erfahrung und
bewährten Resultate.» Breiten Raum nahm die Debatte
über die von beiden Bewerbern angestrebte Gesundheitsreform ein.
Clinton warf Obama mehrmals vor, sein Plan lasse 15 Millionen
Amerikaner unberücksichtigt. Dieser konterte mit dem Vorwurf,
Clinton habe dieses Thema schon während der Regierungszeit ihres
Mannes Bill falsch angefasst. «Ich werde das anders
machen», rief Obama aus. «Wir können großartige
Pläne haben. Aber wenn wir nicht die Art ändern, in der die
Politik in Washington betrieben wird, dann kann keiner unserer
Pläne verwirklicht werden.»
Unterschiedliche Haltungen wurden auch in der Kuba-Politik deutlich.
Clinton sagte, sie würde sich als US-Präsidentin erst dann
mit dem designierten kubanischen Staatschef Raúl Castro
zusammensetzen, wenn dieser politische Reformen umgesetzt habe. Die New
Yorker Senatorin nannte die Verwirklichung grundlegender
Freiheitsrechte und eine offenere Wirtschaftsordnung als wesentliche
Voraussetzungen. Obama erwiderte, er befürworte Gespräche
ohne Vorbedingungen. Auf der Tagesordnung müsse dann aber die
Frage der Menschenrechte stehen.
Ausweichend reagierte Clinton auf die Frage nach den Superdelegierten
für den Nominierungsparteitag im August. Diese Delegierte mit
einem besonderen Parteiamt, die nicht in den Vorwahlen bestimmt werden,
geben mehrheitlich Clinton den Vorzug. Obama sagte aber, die Vorwahlen
müssten auch für etwas gut sein. «Der Wille der
Wähler ist es, der letztlich bestimmen wird, wer unser
nächster Präsidentschaftskandidat sein wird.»
Bei den Delegierten für den Parteitag hat Obama nach der
Zählung der Nachrichtenagentur AP einen Vorsprung von 1.358 zu
1.264. Für die Präsidentschaftskandidatur werden 2.025
Stimmen benötigt. Die nächsten Vorwahlen der Demokraten
finden am 4. März in Texas, Ohio, Rhode Island und Vermont statt.
Bei den Republikanern gab es unterdessen Schlagzeilen zu einer
angeblichen Liebesaffäre des mutmaßlichen
Präsidentschaftskandidaten John McCain mit einer Lobbyistin.
McCain sprach von einer Schmutzkampagne und betonte, er habe kein
außereheliches Verhältnis gehabt. Medienberichte über
eine enge Beziehung zu der Lobbyistin Vicki Iseman seien unwahr,
erklärte der Senator am Donnerstag auf einer Pressekonferenz an
der Seite seiner Frau Cindy.
(Quelle: ap)
Weitere große US-Gewerkschaft unterstützt Obama
Fr.22.02.08 - Barack Obama hat im Rennen um die US-Präsidentschaftskandidatur
der Demokratischen Partei eine weitere einflussreiche Gewerkschaft auf
seine Seite gezogen. Der Vorsitzende der Fernfahrer-Gewerkschaft
Teamsters, James Hoffa, sprach eine Wahlempfehlung für den Senator
aus Illinois aus. Obama verstehe die alltäglichen Probleme der
Arbeiter, sagte Hoffa. Der Senator werde sich "für bessere
Löhne, eine echte Reform des Gesundheitswesens, eine höhere
Sicherheit der Renten, einen ausgewogenen Handel und den Stopp der
Arbeitsplatzverlagerung" aussprechen, zeigte sich der Gewerkschaftschef
überzeugt.
Die Teamsters sind mit 1,4 Millionen Mitgliedern die drittstärkste
Gewerkschaft in den USA. Bereits vergangene Woche hatten zwei
große Gewerkschaften eine Wahlempfehlung für Obama gegeben:
die Dienstleistungsgewerkschaft SEIU und die Gewerkschaft der Arbeiter
im Lebensmittelsektor (UFCW). Obama hatte am Dienstag in Wisconsin und
Hawaii seinen Siegeszug bei den Vorwahlen fortsetzt. Er gewann
inzwischen zehnmal in Folge gegen seine parteiinterne Rivalin Hillary
Clinton.
Die ehemalige First Lady hat allerdings insgesamt im Gewerkschaftslager
den größeren Zuspruch. Hinter Clinton stehen mit der
Lehrergewerkschaft und der Gewerkschaft der kommunalen Angestellten zwei
große Vereinigungen. In Ohio, wo neben Texas am 4. März
Vorwahlen der Demokraten anstehen, könnte der Zuspruch unter den
Arbeitnehmervertretungen eine große Rolle spielen. Der Bundesstaat
leidet stark unter dem Wirtschaftsabschwung.
(Quelle: afp)
Defekter US-Satellit mit Rakete abgeschossen
Fr.22.02.08 - In einer bislang einmaligen Präzisionsoperation hat die US-Marine
einen defekten Spionagesatelliten kurz vor dem unkontrollierten Absturz
abgeschossen. Der Satellit wurde in der Nacht zum Donnerstag in 210
Kilometer Höhe über dem Pazifik von einer Rakete getroffen,
wie Vizestabschef General James Cartwright auf einer Pressekonferenz
des Pentagons in Washington mitteilte. Dabei sei allem Anschein nach
auch der Treibstofftank mit 450 Kilogramm giftigem Hydrazin
zerstört und eine potenzielle Katastrophe verhindert worden.
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Wenn diese Substanz in einer bewohnten Region niedergegangen wäre,
hätte nach US-Angaben eine hohe Gesundheitsgefahr für die
Bevölkerung bestanden. Cartwright konnte allerdings nicht
völlig ausschließen, dass doch noch gefährliche
Trümmer des Satelliten auf die Erde niederfallen könnten. Man
sei sich jedoch zu 80 bis 90 Prozent sicher, dass das Hydrazin
vollständig im Weltraum verbrannt sei, und werde binnen weniger
Tage endgültige Gewissheit haben. Man habe einen Feuerball
entdeckt, der auf eine Explosion schließen lasse. Andererseits
hätten die Trümmerteile, die in den kommenden Tagen noch auf
die Erde stürzen könnten, höchstens die Größe
eines Fußballs, erklärte Cartwright.
Die Operation war international so umstritten, das
Verteidigungsminister Robert Gates persönlich die Verantwortung
dafür übernahm und die Zerstörung des Satelliten
anordnete, der mit einer Geschwindigkeit von 27.000 Stundenkilometern
die Erde umkreiste. Dazu wurde vom Kreuzer «Lake Erie» im
Pazifik eine Rakete des Typs SM-3 abgeschossen. Diese wurde
ursprünglich zum Abfangen von Angriffsraketen entwickelt. Für
die Sondermission wurde eine kostspielige Anpassung erforderlich, die
das Pentagon mit 30 bis 40 Millionen Dollar (20 bis 27 Millionen Euro)
bezifferte. Zweifellos wurde die Operation auch von der Sorge
angetrieben, dass Teile des streng geheimen Satelliten in die falschen
Hände geraten könnten.
Im Ausland, insbesondere in Russland und China, wurden
Befürchtungen laut, die USA könnten die Mission als Vorwand
für einen Raketentest benutzt haben, um künftig die
Satelliten feindlicher Staaten abzuschießen. China forderte die
USA auf, alle Informationen zu dem Abschuss offenzulegen. Dabei gehe es
vor allem darum, möglichen Gefahren durch herabstürzende
Trümmerteile zu begegnen.
(Quelle: ap)
Serbien: Massenkundgebung gegen die Unabhängigkeit des Kosovo -
Brandanschläge auf westliche Botschaften in Belgrad
Fr.22.02.08 - Nach einer Massenkundgebung gegen die Unabhängigkeit des Kosovo
haben serbische Nationalisten in Belgrad Brandanschläge auf
westliche Botschaften verübt. Die US-Botschaft stand zeitweise in
Flammen, vor der deutschen Botschaft brannte das Wachhäuschen.
Laut dem Fernsehsender B92 wurden dabei mindestens 70 Menschen
verletzt, darunter 19 Polizisten. Nach den Ausschreitungen wurde in der
US-Botschaft ein Leichnam gefunden. Eine Sprecherin des
Auswärtigen Amtes in Berlin sagte, bei den Übergriffen auf
die deutsche Botschaft sei lediglich Sachschaden entstanden.
Nach der Massenkundgebung vor dem Parlament in Belgrad zogen die
gewalttätigen Demonstranten in das Diplomatenviertel, drangen in
die US-Botschaft ein und setzten das Gebäude teilweise in Brand.
Das Erdgeschoss der Botschaft und ein Nebengebäude standen in
Flammen. Mehrere Dutzend Polizisten fuhren in gepanzerten Fahrzeugen
vor und trieben die Menge mit Tränengas auseinander. Mehrere
Randalierer wurden festgenommen. Die Feuerwehr konnte den Brand unter
Kontrolle bringen.
Wie eine Sprecherin der Botschaft der Nachrichtenagentur AFP
versicherte, handelte es sich bei dem Toten in der US-Botschaft nicht
um einen Mitarbeiter der diplomatischen Vertretung. Nach Angaben des
Außenministeriums in Washington befanden sich zum Zeitpunkt des
Angriffs keine Botschaftsmitarbeiter mehr in dem Gebäude.
Die USA wollen wegen der Übergriffe den UN-Sicherheitsrat
einschalten. Die 15 Mitglieder des UN-Sicherheitsrats müssten den
Vorfall klar verurteilen, sagte der US-Botschafter bei den Vereinten
Nationen, Zalmay Khalilzad, in New York. "Ich bin empört über
den Angriff des Mobs", sagte Khalilzad. "Die serbische Regierung ist
völkerrechtlich verpflichtet, diplomatische Einrichtungen und ganz
besonders Botschaften zu schützen."
Augenzeugen sprachen von mehreren hundert jugendlichen, vielfach
betrunkenen Demonstranten. Bei vielen Randalierern habe es sich um
Hooligans gehandelt. Die Randalierer steckten auch das
Wachhäuschen der deutschen Botschaft in Brand. Eine Sprecherin des
Auswärtigen Amtes in Berlin bestätigte die Übergriffe.
"Dabei entstand Sachschaden. Es sind keine Demonstranten in das
Gebäude eingedrungen", sagte sie. Inzwischen sei das Umfeld der
Botschaft wieder unter Kontrolle der serbischen Polizei.
Am Nachmittag hatten rund 150.000 Menschen in Belgrad gegen die
Unabhängigkeitserklärung des Kosovo demonstriert. Die
frühere südserbische Provinz hatte sich am Sonntag gegen den
Willen Belgrads für unabhängig erklärt.
Am Mittwoch hatte Deutschland die frühere serbische Provinz als
eigenständigen Staat anerkannt. Bundespräsident Horst
Köhler schickte nach einem entsprechenden Kabinettsbeschluss am
Mittwoch eine förmliche Note an seinen kosovarischen Amtskollegen
Fatmir Sejdiu. Serbien rief aus Protest seinen Botschafter aus Berlin
zurück. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sprach in
einer von Emotionen über den Jugoslawien-Krieg geprägten
Bundestagsdebatte von «gemischten Gefühlen» und einer
«Güterabwägung».
Die NATO-geführte Schutztruppe KFOR riegelte unterdessen nach
schweren Ausschreitungen im Norden des Kosovos die Grenze zu Serbien ab.
Der UN-Kosovo-Verwalter Joachim Rücker sprach in Pristina von
einem «ernsthaften Zwischenfall». Kosovo-Präsident
Sejdiu rief die Serben zur Ruhe auf. KFOR-Befehlshaber Xavier Bout de
Marnhac warnte: «Niemand sollte Zweifel an meiner Entschlossenheit
haben, ein sicheres Umfeld wieder herzustellen und
aufrechtzuerhalten.»
Hunderte Serben hatten am Mittwoch die von der UN-Kosovo-Verwaltung
(UNMIK) betriebenen Grenzübergänge Jarinje und Zubin Potok
demoliert und in Brand gesteckt. Im Kosovo leben zwei Millionen Albaner
und rund 100 000 Serben. Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU)
hält sich bis Donnerstag im Kosovo auf, um sich über die
Sicherheitslage zu informieren. In Pristina will er mit dem
kosovarischen Regierungschef Hashim Thaci sprechen. Die Bundeswehr
beteiligt sich an der 16 000 Mann starken KFOR mit 2500 Soldaten.
Der russische Außenminister Sergej Lawrow sprach indes von einem
Bruch des Völkerrechts. Die geltende Kosovo-Resolution 1244 des UN-
Sicherheitsrates von 1999 decke keineswegs die geplante rund 1800 Mann
starke zivile EU-Rechtsstaatsmission EULEX, die in den kommenden
Monaten die Aufgaben der bisherigen UN-Kosovo-Verwaltung (UNMIK)
übernehmen soll.
Wie Serbien und mehrere EU-Staaten akzeptiert Moskau die
Unabhängigkeit des Kosovo nicht. Serbiens Außenminister Vuk
Jeremic sagte, Serbien werde mit «allen diplomatischen,
rechtlichen und ökonomischen Mitteln die einseitige und illegale
Trennung des Kosovos bekämpfen». Belgrad hatte zuvor auch
seine Botschafter aus Washington, Paris und Ankara zurückgerufen.
boa (Quellen: afp, dpa)
EU steuert auf Kompromiss über Energiemarktreform zu
Fr.22.02.08 - Im Streit um die Energiemarkt-Reform in der Europäischen Union
zeichnet sich ein Kompromiss ab: Nach einem Vorschlag der
EU-Ratspräsidentschaft sollen die Länder die Wahl bekommen
zwischen drei Möglichkeiten, die Produktion und die Verteilung von
Energie strikt voneinander zu trennen. Das geht aus einem Entwurf
hervor, der Reuters am Donnerstag vorlag und beim Ministerrat am 28.
Februar diskutiert werden soll. Die beiden von der EU-Kommission
vorgeschlagenen Optionen könnten demnach um die von Deutschland,
Frankreich und sechs weiteren Ländern erarbeitete Alternative
ergänzt werden.
Ziel der Energiemarkt-Reform ist es, durch die Trennung von Produktion
und Vertrieb von Strom und Gas für mehr Wettbewerb, eine sichere
Versorgung und sinkende Preise zu sorgen. Die EU-Kommission hatte zwei
Optionen vorgeschlagen. Nach der ersten würden die
Energieproduzenten gezwungen, die Übertragungsnetze zu verkaufen.
Dagegen waren die deutschen Stromkonzerne Sturm gelaufen. Kaum mehr
Anklang fand die zweite, von der Kommission vorgeschlagene Variante: Ein
unabhängiger Systembetreiber würde die Netze managen. Die
Konzerne blieben Eigentümer, hätten aber keinen Einfluss auf
Investitionsentscheidungen.
Die acht Länder lehnen den Kommissionsentwurf ab und favorisieren
einen dritten Weg. Dieser sieht eine rechtliche Trennung von Produktion
und Vertrieb vor, ermöglicht dem Eigentümer aber, über
Investitionen mitzuentscheiden. Die slowenische
EU-Ratspräsidentschaft schlägt nun vor, diese Option um einige
"Sicherheitsvorkehrungen" zu ergänzen, so dass der Netzbetreiber
von der Konzernmutter wirklich unabhängig ist.
Deutchland, Frankreich, Österreich, Bulgarien, Griechenland,
Luxemburg, Lettland und die Slowakei warben unterdessen mit einem
offenen Brief in der "Financial Times" (Donnerstagausgabe) für ihr
Konzept. Dieses gewährleiste zugleich Unabhängigkeit und
Investitionen, ohne die eine sichere Energieversorgung und ein
effektiver Wettbewerb nicht möglich seien. "Die Mitgliedsstaaten
müssen die Wahl bekommen zwischen einer eigentumsrechtlichen
Entflechtung und einer strukturellen Trennung, kombiniert mit
verstärkter Regulierung", forderten die Regierungen.
(Quelle: rtr)
Finanzmarktkrise dämpft Wirtschaftswachstum in Europa
Fr.22.02.08 - Die Finanzmarktkrise und die hohen Ölpreise bremsen das Wachstum
in Deutschland und in ganz Europa. Die EU-Kommission und das
ifo-Institut senkten ihre Prognosen für das Wirtschaftswachstum in
Deutschland im Jahr 2008 am Donnerstag auf 1,6 Prozent.
«Wir leben in einer schwierigen Phase», sagte
EU-Währungskommissar Joaquín Almunia am Donnerstag in
Brüssel. «Die Finanzmarktturbulenzen dauern länger als
von uns erwartet.» Die EU-Kommission hatte bei ihrer Prognose im
November noch mit einem halben Prozentpunkt mehr gerechnet. Das
ifo-Institut war bislang von 1,8 Prozent Wachstum ausgegangen.
Für die Eurozone erwartet die Kommission ein Plus von 1,8 Prozent,
in der gesamten EU mit 27 Staaten von 2,0 Prozent. Brüssel nahm
damit die bisherige Prognose für beide Gebiete um 0,4
Prozentpunkte zurück. Im vergangenen Jahr war die Eurozone noch um
2,7 Prozent gewachsen, die EU um 2,9 Prozent. Besonders kritisch sieht
2008 die Lage in Italien aus; dort wird die Wirtschaft gerade mal um
0,7 Prozent zulegen.
Auf dem Arbeitsmarkt in Deutschland erwartet ifo-Chef Hans-Werner Sinn
durch die eingeleiteten Reformen dennoch eine günstigere
Entwicklung. «Am Arbeitsmarkt ist ein Wunder passiert»,
sagte Sinn in Augsburg. Für 2008 rechne er mit stabil 3,3
Millionen Arbeitslosen in Deutschland und einer Inflationsrate von 2,3
Prozent. EU- Währungskommissar Almunia sieht die hohe Inflation
als Bremse für die Binnennachfrage in Deutschland. Der starke Euro
drücke auf die Ausfuhren. Bei der Export-Wettbewerbsfähigkeit
stehe Deutschland aber vergleichsweise gut da. «Die deutschen
Wirtschaftsdaten bleiben gut und stark.» Er erwarte, dass im
Jahresverlauf das sehr schwache erste Quartal wieder ausgeglichen werde.
«Europa bekommt deutlich die Auswirkungen eines weltweiten
Gegenwinds in Form von weniger Wachstum und mehr Inflation zu
spüren», resümierte der spanische Kommissar. Hohe
Energie- und Nahrungsmittelpreise heizen die Inflation an. In der
Eurozone wird ein Durchschnittswert von 2,6 Prozent erwartet. Damit ist
keine Preisstabilität gewährleistet. Eine Rückkehr auf
normale Werte werde frühestens Ende des Jahres erwartet. Dann soll
auch nach Einschätzung der Brüsseler Experten die für
die Weltwirtschaft wichtige US- Konjunktur wieder anziehen.
Brüssel legt für die Daten einen durchschnittlichen
Ölpreis von 90 US-Dollar für ein Fass (159 Liter) und einen
Euro-Dollar-Wechselkurs von 1,47 zu Grunde.
(Quelle: dpa)
Deutschland
Hinweise auf Verwicklung von Banken in Steueraffäre -
Steuerfahnder haben auch Bank-Mitarbeiter im Visier - OECD kritisiert
Liechtenstein als 'unkooperativ'
Fr.22.02.08 - Die Bochumer Staatsanwaltschaft nimmt jetzt auch Bankmitarbeiter wegen
des Verdachts der Steuerhinterziehung ins Visier.
Die Ermittlungen richteten sich gegen Kunden oder einzelne Angestellte,
aber nicht gegen Banken, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am
Donnerstag. Einem Zeitungsbericht zufolge sollen deutsche Institute
Stiftungen in Liechtenstein verwaltet haben. Das Fürstentum
sicherte seinen Bankkunden auch künftig den Schutz ihrer
Privatsphäre zu. Der Vorsitzende der Schweizerischen
Bankiervereinigung verglich das Vorgehen der Steuerfahnder mit der
NS-Geheimpolizei Gestapo.
Die Steuerfahnder sollen einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung"
zufolge Indizien dafür haben, dass deutsche Institute bei
Steuerhinterziehungen geholfen haben. Kunden seien von Banken gezielt
beraten worden. Im Zuge der Ermittlungen waren auch Bankhäuser
durchsucht worden, darunter eine Filiale der Dresdner Bank in
München. Der Chef des Mutterkonzerns Allianz, Michael Diekmann,
sagte, natürlich habe man nicht bei Steuerhinterziehung geholfen.
Die Dresdner Bank habe keine Stiftungen in Liechtenstein und auch keine
Niederlassung.
Der Vorsitzende der Schweizerischen Bankiervereinigung, Pierre
Mirabaud, verglich das Vorgehen der deutschen Behörden mit
NS-Praktiken: "Das sind Methoden, die leider ein bisschen an Gestapo
würdige Methoden erinnern." Die Geheime Staatspolizei (Gestapo)
war die politische Polizei der Nazis. Sie brachte zahllose Gegner der
NS-Diktatur in Konzentrationslager. Mirabaud vertritt mit 350 Schweizer
Banken alle führenden Institute.
Liechtensteins Regierungschef Ottmar Hasler sagte der "Frankfurter
Allgemeinen Zeitung" (Freitagausgabe), der Schutz der Privatsphäre
werde "ein fundamentales Recht bleiben". Das Land betrachte es als
Tradition, dass Steuerhinterziehung nicht strafrechtlich verfolgt
werde. Es werde weiter die Möglichkeit geben, eine anonyme
Stiftung zu gründen, Rechtshilfe werde nur bei Betrug geleistet.
Es obliege ausländischen Finanzämtern, Steuerhinterzieher
ausfindig zu machen. Insgesamt gibt es in dem Zwergstaat seinen Angaben
zufolge rund 50.000 Stiftungen.
Kanzlerin Angela Merkel hatte Hasler am Mittwoch in Berlin zu mehr
Transparenz gedrängt. Hasler hatte gesagt, sein Land sei bereit,
ein Betrugsbekämpfungsabkommen abzuschließen. Der Zeitung
sagte er, Liechtenstein könne aber nicht für Steuervergehen
in Deutschland verantwortlich gemacht werden.
Die Ermittler des Fürstentums fahnden weiterhin nach dem Maulwurf,
der den deutschen Behörden die Daten zugespielt hatte. Dazu
wollten sie auch ein Rechtshilfeersuchen an die deutsche Justiz
richten, berichtete der Onlinedienst von "Capital". Die
Staatsanwaltschaft in Vaduz ermittelt gegen Unbekannt wegen Verletzung
des Betriebsgeheimnisses. Die Steuerkanzlei Reissner & Junginger in
Augsburg stellte wegen der Beschaffung der Daten Strafantrag gegen die
Bundesregierung.
Weitere Durchsuchungen gab es in Niedersachsen, wie ein Sprecher des
Landesfinanzministeriums bestätigte. Den Bochumer Ermittlern
liegen nach Angaben der Bundesregierung Daten von über 1000
mutmaßlichen Steuersündern vor. Diese waren dem
Bundesnachrichtendienst für 4,2 Millionen Euro von einem
unbekannten Informanten übergeben worden. Der Geheimdienst hatte
sie an die Ermittlungsbehörden weitergereicht. Aus Nachzahlungen
erhofft sich der Bund Einnahmen von Hunderten Millionen Euro.
Am Dienstag waren zudem Wohnung und Büro des bayerischen
Datenschutz-Beauftragten Karl Michael Betzl durchsucht worden, der
daraufhin vom seinem Amt suspendiert wurde. Zu möglichen
Verdächtigen aus der Politik wollte sich der Sprecher der
Staatsanwaltschaft nicht äußern: "Wir haben keine
Erkenntnisse, dass bei Bundestagsabgeordneten durchsucht worden ist."
Nach den Worten des OECD-Steuerexperten Achim Pross gibt es
«international immer weniger Verständnis für eine
Totalverweigerung in puncto Informationsaustausch für
Steuerzwecke». Liechtenstein gehöre mit Andorra und Monaco zu
den letzten «unkooperativen» Steueroasen, die sich der
Zusammenarbeit mit anderen Ländern «offen widersetzen».
Pross empfahl der Bundesregierung, nicht locker zu lassen bei den
Bemühungen, mit Liechtenstein ein bilaterales Abkommen zum
Datenaustausch in Steuerfragen abzuschließen. Käme ein
solches zustande, «müsste der deutsche Fiskus in bestimmten,
begründeten Fällen Zugriff auf Informationen in Liechtenstein
bekommen». Falls sich das Fürstentum weiterhin der
Zusammenarbeit verweigere, sei «die richtige Mischung aus
Diplomatie, Druck und möglichen Vergünstigungen» gefragt.
BND-Präsidenten Ernst Uhrlau hat versichert, dass es sich bei dem
Informanten der Liechtensteiner Steueraffäre nicht um den in
Presseberichten genannten Betrüger «Heinrich K.»
handle, der für die Bank Liechtenstein Global Trust (LGT)
gearbeitet habe, schreibt die «Süddeutsche Zeitung».
Laut Uhrlau hat sich der Informant am 24. Januar 2006 per E-Mail in der
BND-Zentrale in Pullach gemeldet und Informationen über aus dem
Bereich der internationalen Geldwäsche angeboten. Der BND habe den
Hintergrund des Mannes überprüft und sich ein polizeiliches
Führungszeugnis verschafft.
Dennoch gibt es nach Auskunft der LGT-Bank Hinweise darauf, dass die
vom BND beschaffte Steuersünderdatei zumindest Teile der 2002 von
K. geraubten Daten enthält. So betreffen alle bislang
bekanntgewordenen Fälle von Steuerermittlungen im Zusammenhang mit
der Datei Kunden der LGT Treuhand, deren Unterlagen damals entwendet
worden waren, sagte der Sprecher der LGT, Hans-Martin Uehlinger.
Der Wiesbadener Wirtschaftsprofessor Lorenz Jarass fordert derweil eine
strenge Kontrolle der Geldflüsse von Deutschland nach
Liechtenstein. «Das Fürstentum steht wie Monaco und andere
Steueroasen auf einer Schwarzen Liste der OECD. Die Bundesregierung hat
auf dieser Grundlage die Möglichkeit, alle Finanzströme von
Deutschland nach Liechtenstein und umgekehrt unter Beobachtung zu
stellen», sagte Jarass. Bei Beanstandungen könnten diese
Zahlungen für illegal erklärt und eingezogen werden.
boa (Quellen: ddp, rtr)
Konzerne erhalten Millionen-Subventionen trotz hoher Gewinne
Fr.22.02.08 - Deutsche Unternehmen kassieren einem Medienbericht zufolge trotz hoher
Gewinne Subventionen in Millionen-Höhe. Nach Berechnungen der
«Westdeutschen Allgemeinen Zeitung» (Donnerstagausgabe)
erhalten allein die 30 im Deutschen Aktienindex (DAX) vertretenen
Konzerne für laufende Forschungs- und Entwicklungsprojekte
Fördergelder in Höhe von gut 295 Millionen Euro.
Das geht aus dem Förderkatalog des Bundesforschungs- und des
Wirtschaftsministeriums hervor, wie die Zeitung berichtet. Das
Forschungsministerium habe dem Blatt einen Betrag in dieser
Größenordnung bestätigt. Größter
Empfänger von Fördergeldern sei der Münchener
Technologie-Konzern Siemens. Das Unternehmen habe sich für seine
laufende Forschungsarbeit über 90 Millionen Euro staatlicher
Zuschüsse sichern können.
Zweitgrößter Subventionsempfänger ist dem Bericht
zufolge unter den DAX-Konzernen der Chiphersteller Infineon mit knapp 55
Millionen Euro, gefolgt von SAP (18,8 Millionen Euro), Bayer (18,6
Millionen Euro) und BMW (15 Millionen Euro). Subventionen aus der
Staatskasse erhielten die deutschen Großkonzerne seit Jahrzehnten
in Milliarden-Höhe.
Darüber hinaus würden auch ausländische Unternehmen
subventioniert. So bekomme etwa der US-Chiphersteller AMD trotz eines
eigenen milliardenschweren Forschungsetats über seine hiesige
Tochter immer wieder deutsches Fördergeld. Auffallend viele
Subventionen erhalte auch der internationale Industriekonzern Evonik.
Für laufende Projekte kassiere das Unternehmen über 23
Millionen Euro vom Staat.
(Quelle: ddp)
Finanzministerium: Mini-Umsatzsteueranstieg Beleg für
Konsumschwäche
Fr.22.02.08 - Die Einnahmen aus der Umsatzsteuer sind nach Angaben des
Finanzministeriums im Januar nur leicht gewachsen und belegen die
anhaltende Konsumschwäche im Land: Aus der Umsatzsteuer habe der
Staat 1,8 Prozent mehr erlöst als ein Jahr zuvor, teilte das
Ministerium am Donnerstag mit. Dieses Plus sei "sehr schwach". Das sei
bemerkenswert, weil sich eigentlich der Effekt der
Mehrwertsteuererhöhung Anfang 2007 stärker auswirken
müsste. Schließlich bezögen sich die Umsatzsteuerzahlen
von Januar weithin noch auf Vorgänge aus dem Vorjahr. Als eine
Erklärung bot das Ministerium die schwache Umsatzentwicklung zum
Jahresende 2007 an, wie sie gerade im Einzelhandel prägend war.
Insgesamt wuchsen die Einnahmen aus Umsatzsteuern um 5,7 Prozent
gegenüber dem Vorjahr. Der Zuwachs kommt in erster Linie aus dem
Anstieg der Einfuhrumsatzsteuer um 21,1 Prozent und nicht durch die
Entwicklung der Mehrwertsteuer im Inland. Insgesamt erhöhten sich
die Steuereinnahmen von Bund, Ländern und Gemeinden (ohne reine
Gemeindesteuern), wie schon früher bekanntgeworden war, im Januar
um 10,3 Prozent. Im Dezember 2007 hatte das Plus bei 5,8 Prozent gelegen.
Der Bund allerdings partizipierte im Gegensatz zu den Ländern und
vor allem den Gemeinden nicht an dieser günstigen Entwicklung.
Vielmehr blieben seine Einnahmen um 0,7 Prozent hinter dem
Vorjahresergebnis zurück. Maßgebend dafür seien
höhere EU-Abführungen von rund zwei Milliarden gewesen. "Im
Februar wird sich dies weitgehend wieder ausgleichen", sagte das
Ministerium voraus.
Die Entwicklung des Bundeshaushalts wies wegen einer Reihe von
Sonderfaktoren im Januar nur sehr begrenzte Aussagekraft auf. Die
Bundesausgaben lagen danach mit einem Anstieg um 0,6 Prozent erheblich
günstiger als der für das gesamte Jahr geplante Zuwachs von
4,7 Prozent. Andererseits wiesen die Einnahmen mit einem Minus von 0,8
Prozent eine erheblich ungünstigere Entwicklung aus als für
das Gesamtjahr angestrebt. Im Haushaltsplan für 2008 wird von einem
Einnahmezuwachs von sechs Prozent ausgegangen. Als
Finanzierungslücke in der kassenmäßigen Betrachtung wird
einen Wert von 30,6 Milliarden Euro ausgewiesen, die durch Tilgungen
von sieben Milliarden Euro auf netto 23,4 Milliarden Euro gedrückt
wird.
(Quelle: rtr)
Wirtschaftsweiser fordert Lohnsteigerungen für alle
Fr.22.02.08 - Nach dem hohen Tarifabschluss in der Stahlindustrie hat sich der
Wirtschaftsweise Peter Bofinger für deutliche Lohnerhöhungen
auch in anderen Branchen ausgesprochen. "Wir brauchen 2008 deutlich
höhere Lohnsteigerungen als in den letzten Jahren - mindestens drei
Prozent effektiv", sagte Bofinger der "Bild"-Zeitung. Anderenfalls sei
es mit dem Aufschwung vorbei, da der private Verbrauch als
Konjunkturmotor ausfalle. Stahl-Arbeitgeber und IG Metall hatten in der
Nacht zum Mittwoch eine Lohnerhöhung von 5,2 Prozent geeinigt.
(Quelle: afp)
Linke laut Umfrage im Osten weit vor CDU und SPD
Fr.22.02.08 - Die Linke liegt in den neuen Bundesländern laut einer Umfrage mit
deutlichem Abstand vor CDU und SPD. Die «Frankfurter Allgemeine
Zeitung» (Mittwochausgabe) berichtete vorab, nach dem Befund des
Instituts für Demoskopie Allensbach erreiche die Linke in der
«Sonntagsfrage» einen Anteil von 29,7 Prozent. Die CDU
sinkt demnach auf 26,4 Prozent und die SPD auf 23,3 Prozent. Im
Vormonat hatte die CDU im Osten noch 28,6 Prozent erreicht, Linke 27,1
und SPD 25,7 Prozent.
In Westdeutschland liegt der Mittelwert für die Linke dem Blatt
zufolge jetzt bei 8,1 Prozent. Im Bundesdurchschnitt aus Ost- und
Westdeutschland rangiert die Linke bei 11,8 Prozent und ist damit
genauso stark wie die FDP. Die Union ist im Bundesdurchschnitt auf 34,8
Prozent gefallen, nach 37 Prozent im Vormonat. Das ist der niedrigste
Wert seit elf Monaten. Der SPD-Anteil sank von 29,0 auf 28,3 Prozent.
Die Grünen verloren leicht von 9,3 auf 8,9.
Allensbach-Geschäftsführerin Renate Köcher sagte der
Zeitung, das Erstarken der Linken entfalte eine starke Sogwirkung auf
die beiden Volksparteien. Dies gelte nicht nur den Zahlen nach, sondern
auch programmatisch. Gemessen an ihren kaum drei, vier Jahre alten
Standpunkten wandere die SPD nach links, während sich die CDU nun
zur «Partei der Mitte» erkläre.
Die Umfrage wurde den Angaben zufolge unter rund 2000 Bürgern
über 16 Jahren in der Zeit vom 1. bis zum 13. Februar veranstaltet.
(Quelle: ddp)
Becks Pläne mit Hessen-Linkspartei spalten SPD
Fr.22.02.08 - Die Pläne von SPD-Chef Kurt Beck für eine Regierungsbildung
in Hessen mit Hilfe der Links-Partei spalten die Sozialdemokraten.
Beck lehnte am Donnerstag zwar eine "aktive Zusammenarbeit" mit den
hessischen Linken ab, nicht aber eine Wahl der SPD-Kandidatin Andrea
Ypsilanti zur Ministerpräsidentin mit Stimmen der Linkspartei.
Fraktionschef Peter Struck erhob wie die rechten "Seeheimer" und
"Netzwerker" in der SPD umgehend Widerspruch. Sie lehnten jede Form der
Zusammenarbeit mit der Linken ab. Der Hamburger SPD-Kandidat Michael
Naumann schloss für sich aus, mit Stimmen der Linken
Bürgermeister zu werden. Experten erwarten nun schwere Verluste
für die SPD am Sonntag in Hamburg und im Bund 2009.
Parteichef Beck sagte in München zwar: "Es wird keinerlei
Absprachen oder sonstige Vereinbarungen irgendwelcher Art, auch nicht
über eine Tolerierung, mit der Linken geben. Mit dieser so
genannten Linken wird es keinerlei aktive Zusammenarbeit geben." Er
trat damit Berichten entgegen, Ypsilanti strebe für eine
Minderheitsregierung wechselnde Mehrheiten an. Doch ließ er die
Option offen, dass sie sich von den Linken wählen lässt und
andere Formen als eine "aktive Zusammenarbeit" nutzt, etwa Mehrheiten
ohne Absprachen.
Die SPD will damit ihren Regierungsanspruch betonen und verhindern,
dass Ministerpräsident Roland Koch, dessen CDU bei der Wahl Ende
Januar schwere Verluste erlitt, im Amt bleibt. Die Linke will in der
geheimen Ministerpräsidenten-Wahl am 5. April Ypsilanti
küren. Der Linken-Politiker Rüdiger Ettingshausen, der zum
Aufbaustab der hessischen Linksfraktion gehört, sprach in der
"Mitteldeutschen Zeitung" (Freitagausgabe) von einer langfristigen
Unterstützung der SPD.
Weder SPD und Grüne, noch CDU und FDP haben in Hessen eine
Mehrheit. Vor der Hamburg-Wahl am Sonntag war keine Bewegung in Hessen
erwartet worden. In Hamburg droht ein ähnliches Patt.
SPD-Fraktionschef Peter Struck stellte sich offen gegen die Pläne.
Die Linken seien keine verlässlichen Partner, sagte er im
"Handelsblatt". "Ich gehe von der Linie aus, die wir vereinbart haben.
Es gibt die klare Erklärung von Ypsilanti: Wir wollen nicht auf
die Stimmen der Linken angewiesen sein."
Auch der Sprecher der "Seeheimer", Klaas Hübner, protestierte.
"Für die Seeheimer gilt das Wort von Andrea Ypsilanti und Kurt
Beck: Keine wie auch immer geartete Kooperation mit der Linken
einzugehen", sagte er Reuters. Mit derselben Aussage warnte
"Netzwerker"-Sprecher Christian Lange SPD-Chef Beck im Berliner
"Tagesspiegel" (Freitagausgabe) indirekt vor Wortbruch.
Naumann ging ebenfalls auf Distanz. Er schloss jede Form der
Kooperation mit den Linken aus. "Ich werde mich auch nicht mit den
Stimmen der Linkspartei zum Bürgermeister wählen lassen."
Bisher hatte Beck eine Zusammenarbeit mit der Linkspartei im Bund und
in westlichen Ländern klar abgelehnt. Mit Außenminister
Frank-Walter Steinmeier und Finanzminister Peer Steinbrück stehen
zwei SPD-Vize für eine harte Abgrenzung. Der linke Flügel
will dagegen verhindern, dass sich die Sozialdemokraten mit einer zu
scharfen Absage künftige Koalitionsoptionen verbauen.
Naumann betonte zwar, er erwarte keine Belastung für die
Hamburg-SPD. "Das Thema Linkspartei wird mir die Wahl nicht verhageln."
Doch Experten sagten schwere Einbußen voraus. Auch
bundespolitisch wäre der Hessen-Plan ein Wunschergebnis für
CDU, CSU und FDP, betonte der Mainzer Politologe Jürgen Falter.
"Sie könnten im Bundestagswahlkampf Angst machen vor einem
Linksbündnis und auf den Wortbruch der Sozialdemokraten verweisen.
Beck hätte es dann bundespolitisch sehr schwer, seine
Glaubwürdigkeit zu wahren."
Die Union sieht die SPD auf dem Weg zur Zusammenarbeit mit der Linken
über Hessen hinaus. Fraktionschef Volker Kauder sagte der
"Mitteldeutschen Zeitung": "Vieles spricht dafür, dass Herr Beck
und Frau Ypsilanti den programmatischen Linksrutsch der SPD nun auch
politisch vollziehen wollen, und zwar hinter dem Rücken derjenigen
in der SPD, die in der großen Koalition in Berlin Verantwortung
tragen."
(Quelle: rtr)
Ver.di-Chef Bsirske droht mit Eskalation des Tarifkonflikts
Fr.22.02.08 - Viele Pendler müssen sich am (heutigen) Freitag wegen Warnstreiks
bei Nahverkehrsbetrieben auf Behinderungen auf dem Weg zur Arbeit
einstellen. Die Gewerkschaft Ver.di hat allein in Nordrhein-Westfalen
mehr als 21.000 Mitglieder zum Streik aufgerufen, darunter 10.000
Mitarbeiter der Nahverkehrsunternehmen. Betroffen sind auch
Versorgungsbetriebe.
Ver.di-Chef Frank Bsirske drohte mit einer weiteren Ausweitung des
Ausstands, wenn die Arbeitgeber in der kommenden Woche kein neues
Angebot vorlegten. «Wenn die Arbeitgeber ihre Blockadehaltung
nicht schleunigst überdenken, wird dieser Tarifkonflikt
eskalieren», sagte Bsirske dem «Mannheimer Morgen»
(Freitagausgabe). «Wir versuchen, unsere Aktionen so zu
gestalten, dass sie rasch Wirkung zeigen.»
Bei einem Scheitern der Verhandlungen werde es einen lang andauernden
Arbeitskampf geben. «Wie lange diese Tarifkonflikt geht,
hängt allein von den Arbeitgebern ab», erklärte
Bsirske. Die Verhandlungen werden am Montag in Potsdam fortgesetzt.
(Quelle: ap)
Bundestag will Sozial- und Arbeitsgerichte entlasten
Fr.22.02.08 - Sozialgerichtliche Verfahren sollen nach dem Willen des Bundestages
gestrafft werden. Mit den Stimmen der Koalition und der FDP
verabschiedete das Parlament am Donnerstagabend in Berlin einen
Gesetzentwurf der Bundesregierung, mit dem die Sozial- und
Arbeitsgerichte entlastet werden sollen.
Hintergrund ist der deutliche Anstieg von Klagen bei den
Sozialgerichten im Zuge der «Hartz IV»-Reform. Mit der
Neuregelung werden unter anderem die inhaltlichen und zeitlichen
Anforderungen für Prozessbeteiligte verschärft. Unter anderem
soll eine Klage als zurückgenommen gelten, wenn der Kläger
das Verfahren trotz Aufforderung des Gerichts länger als drei
Monate nicht betreibt. Bei mehr als 20 Verfahren, die die gleiche
behördliche Maßnahme betreffen, soll das Sozialgericht einen
Musterprozess ansetzen dürfen und dann über die einzelnen
Verfahren durch Beschluss entscheiden.
Für Landessozialgerichte wird eine erstinstanzliche
Zuständigkeit für bestimmte Verfahren mit übergeordneter
Bedeutung eingeführt. Auch Streitigkeiten, die Landes- und
Bundesverbände von Sozialversicherungsträgern und
Kassenärztlichen Vereinigungen betreffen, sollen in erster Instanz
den Landessozialgerichten zugewiesen werden.
Außerdem wird der Schwellenwert zur Berufung für
natürliche Personen auf 750 Euro und für juristische Personen
auf 10 000 Euro erhöht. Bei arbeitsgerichtlichen Verfahren sollen
ehrenamtliche Richter etwa bei der Verwerfung einer unzulässigen
Berufung nicht mehr hinzugezogen werden.
Auch soll über die nachträgliche Zulassung einer
Kündigungsschutzklage nicht mehr in einem separaten Verfahren,
sondern in Verbindung mit dem Kündigungsschutzprozess entschieden
werden. Ferner sollen Arbeitnehmer ihre Klage wahlweise auch vor dem
Arbeitsgericht erheben können, in dessen Bezirk sie
gewöhnlich arbeiten. Dies soll vor allem
Außendienstmitarbeitern zu Gute kommen, die fern vom Firmensitz
und dem Ort der Niederlassung arbeiten.
Der Bundesrat wird sich voraussichtlich im März mit dem
Gesetzesbeschluss befassen. Die Neuregelung bedarf allerdings nicht der
Zustimmung der Länderkammer.
(Quelle: ddp)
Geld sparen trotz Ölpreisrekords - Tipps von
Verbraucherschützern - Anbieter vergleichen und Sammelbestellung
prüfen
Fr.22.02.08 - Der Rekordpreis beim Rohöl dürfte auch wieder viele Besitzer
von Ölheizungen beunruhigen. Denn sollte demnächst eine
Befüllung anstehen, droht angesichts des Rekordstands eine saftige
Rechnung. Verbraucherschützer mahnen immer wieder an, antizyklisch
einzukaufen und möglichst nicht in der Heizperiode zu ordern.
Wer dennoch jetzt den Tankwagen anrollen lassen muss, sollte nach
Ansicht von Günter Hörmann von der Hamburger
Verbraucherzentrale (http://www.vzhh.de)
einige Tipps beachten, um die Rechnung möglichst klein zu halten.
Zuerst rät der Fachmann zu einem Preisvergleich bei den
örtlichen Anbietern. Das sei zwar mit Arbeit verbunden, die Anrufe
könnten sich aber bezahlt machen. Auch im Internet gibt es
verschiedene Plattformen zum Preisvergleich vor Ort.
Eine Alternative ist die Sammelbestellung gemeinsam mit Freunden,
Bekannten oder Nachbarn, um einen Mengenrabatt zu bekommen. Das kann
aber auch Nachteile haben. Hat der Initiator die Bestellung auf eigene
Rechnung gemacht und springt einer der Mitbesteller ab, gibt es
möglicherweise ein Haftungsproblem. Im schlimmsten Fall bleibt der
ursprüngliche Besteller auf den Kosten sitzen.
Um derlei Klippen zu umschiffen, gibt es nach Ansicht des
Verbraucherschützers noch die Möglichkeit, sich für eine
Sammelbestellung an eine Organisation zu wenden, die versucht, in der
Umgebung genügend Besteller für eine Heizöllieferung zu
finden. Um einem solchen Pool beizutreten, kann man sich etwa auf der
Internetseite http://www.heizoelpool.de
registrieren und eine Bestellung aufgeben, wie Hörmann
erklärt. Die Ersparnis bewegt sich nach Angaben auf der Homepage
des Betreibers zwischen 3 und 5 Prozent. Bei einer Bestellmenge von
2.000 Litern seien zwischen 30 und 60 Euro Ersparnis möglich.
(Quelle: ap)
Digitale Sofortbilder unterwegs drucken
Fr.22.02.08 - Sofortbilder im klassischen quadratischen Format waren einst sehr
beliebt. Jetzt sind die "schnellen Fotos" zurück. Polaroid (http://www.polaroid.de).hat
einen tragbaren, tintenlosen Drucker für die digitale Fotografie
entwickelt.
Bilder aus Mobiltelefonen und Digitalkameras sollen sich laut
Hersteller mit dem "Digital Instant Photo Printer" problemlos zu Papier
bringen lassen. Das Gerät ist etwa so groß wie ein
Kartenspiel. Über USB oder Bluetooth werden die Daten an den
Drucker übertragen. Verkaufsstart ist im zweiten Halbjahr 2008, der
Preis soll bei rund 150 Euro liegen
(Quelle: gp)
Kaum E-Learning-Angebote für ältere Nutzer
Fr.22.02.08 - Angebote für das Lernen mit dem Computer richten sich
überwiegend an junge Menschen. An mangelndem Interesse der Senioren
soll dies nicht liegen, sondern daran, dass kaum entsprechende Produkte
für ältere Lernwillige existieren. Das hat jetzt das
Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI)
bekanntgegeben.
Gemeinsam mit dem Büro für Technikfolgenabschätzung beim
Deutschen Bundestag hat das ISI untersucht, welche Bildungsangebote
ältere Menschen nutzen und welche Ziele sie damit verfolgen.
E-Learning könnte dieser Anwendergruppe einige Vorteile bringen.
Wer nicht mehr sonderlich mobil ist, kann bequem zu Hause lernen. Zudem
wird beim Bearbeiten des Stoffes kein Tempo vorgegeben, jeder kann seine
Lektionen individuell handhaben.
(Quelle: gp)