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Irak am 1431sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Türkei startet Großoffensive gegen kurdische Rebellen im
Nordirak - Laut Medienbericht 10.000 Mann an Bodenoffensive beteiligt. Sechs
Tote bei Selbstmord-Anschlag vor irakischer Moschee.
Schiitenführer Sadr verlängert Waffenstillstand.
US-Verteidigungsminister hofft auf weiteren Abzug amerikanischer Truppen im Irak.
Britische Soldaten sollen irakische Gefangene getötet haben
Sa.23.02.08 - Die türkischen Streitkräfte haben nach eigenen Angaben eine
groß angelegte Bodenoffensive gegen kurdische Rebellen im Nordirak
gestartet. Die Angriffe gegen mutmaßliche Stützpunkte der
verbotenen kurdischen Arbeiterpartei (PKK) begannen am Donnerstagabend,
wie das Militär am Freitag auf seiner Website erklärte. Dem
privaten Fernsehsender NTV zufolge sind an dem Einsatz 10.000 Soldaten
beteiligt. Sie seien rund zehn Kilometer in irakisches Territorium
vorgedrungen.
Die türkische Luftwaffe hatte am Donnerstag bereits
mutmaßliche Lager der PKK im Nordirak beschossen. Die
Streitkräfte fliegen seit Mitte Dezember Luftangriffe gegen
PKK-Stellungen in der Region, das Parlament hat eine
grenzüberschreitende Offensive im Oktober gebilligt. Die PKK
kämpft seit 1984 für eine Autonomie im Südosten der
Türkei und wird von der EU und den USA als Terrororganisation
betrachtet. Der Konflikt hat bereits Zehntausende Menschen das Leben
gekostet.
Die Bodenoffensive werde beendet, «sobald die geplanten Ziele
erreicht sind», hieß es in der Erklärung der
Streitkräfte. Mit dem von der Luftwaffe unterstützten Einsatz
solle verhindert werden, dass der Nordirak zu einem Rückzugsgebiet
für Terroristen werde. Man werde darauf achten, keine Zivilpersonen
in Mitleidenschaft zu ziehen.
Die irakischen Grenztruppen berichteten, mehrere kurdische Dörfer
seien beschossen worden. Es handle sich um Ortschaften in der Gegend von
Sedafan, rund 30 Kilometer von der Grenze entfernt, sagte Oberst
Hussein Tamer. Dschabbar Jawar von den irakisch-kurdischen
Sicherheitskräften zufolge wurden Gebiete im Grenzgebiet
bombardiert. Laut einem Bericht der türkischen Nachrichtenagentur
Dogan wurde der Grenzübergang Habur geschlossen.
Die US-Streitkräfte im Irak erklärten, sie seien darüber
informiert worden, dass die Bodenoffensive zeitlich begrenzt und
ausschließlich gegen kurdische Rebellen gerichtet sei. Die USA und
der Irak haben die Türkei aufgefordert, größere
Militäroperationen im Nordirak zu unterlassen. Sie befürchten,
dass die vergleichsweise ruhige Lage in der Region dadurch
gefährdet werden könnte.
Bei einem Selbstmordanschlag in der irakischen Stadt Falludscha sind am
Freitag sechs Polizisten ums Leben gekommen. Der Attentäter
zündete vor einer Moschee einen Sprengstoffgürtel, wie die
Polizei mitteilte. Neun Menschen seien verletzt worden. Falludscha
liegt 50 Kilometer westlich der Hauptstadt Bagdad in der
überwiegend von Sunniten bewohnten Provinz Anbar.
Der einflussreiche irakische Schiiten-Führer Moktada al-Sadr hat
den seit Ende August für seine Mehdi-Armee bestehenden
Waffenstillstand um weitere sechs Monate verlängert.
Die Entscheidung des Geistlichen wurde am Freitag von einem Mitarbeiter
in einer Moschee im Norden Bagdads verlesen. Sadrs Botschaft sollte
auch in weiteren Gebetshäusern von Imamen verkündet werden,
die mit seiner Bewegung verbunden sind. Führende Vertreter von
Sadrs Bewegung hatten wegen der Festnahme vieler Mehdi-Kämpfer ein
Ende der Waffenruhe gefordert.
Den US-Streitkräften zufolge hat der von Sadr verkündete
Waffenstillstand mit zu einem deutlichen Rückgang der Gewalt
beigetragen. Die Miliz des Geistlichen war in der Vergangenheit
für zahlreiche Auseinandersetzungen mit Sunniten verantwortlich
gemacht worden. Eine Zeit lang galt Sadrs Mehdi-Armee als
größte Gefahr für den Frieden im Irak.
US-Verteidigungsminister Robert Gates hat derweil die Hoffnung
geäußert, den Abbau der amerikanischen Truppen im Irak
nach einer Unterbrechung im Sommer fortzusetzen.
"Meine Hoffnung ist weiterhin, dass wir innerhalb der nächsten
zehn bis zwölf Monate unser Truppenkontingent im Irak weiter
reduzieren können", sagte Gates am Freitag zu Journalisten auf
einem Flug nach Australien. Im Juli oder August sollten aber
vorübergehend keine US-Soldaten abgezogen werden, um zunächst
die Auswirkungen der bis dahin erreichten geringeren Truppenpräsenz
auf die Sicherheit im Irak zu überprüfen.
Nach den bisherigen Planungen will das US-Verteidigungsministerium bis
Mitte Juli fünf seiner 20 Kampfbrigaden aus dem Irak abziehen. Das
entspricht etwa 20.000 Soldaten. Bislang hatte Gates die Erwartung
geäußert, anschließend bis Ende des Jahres etwa eine
weitere Brigade pro Monat abziehen zu können. Der US-Kommandeur im
Irak, David Petraeus, empfahl jedoch, den Abzug zu unterbrechen, um
zunächst die Sicherheitslage zu prüfen. Damit habe der
Kommandeur ihn überzeugt, sagte Gates.
Britische Soldaten sollen Juristen zufolge im Mai 2004 im Südirak
20 einheimische Zivilisten gefoltert, verstümmelt und
anschließend getötet haben. Die Anschuldigungen
stützten sich auf die Aussagen von fünf Irakern, die die
Vorgänge mitangehört haben wollen, als sie mit verbundenen
Augen in britischem Gewahrsam saßen, erklärten zwei
britische Anwälte in London. Die 20 Männer seien aus Madschar
El Kabir auf einen britischen Stützpunkt verschleppt worden. Zum
Beweis zeigten die Anwälte schriftliche Zeugenaussagen, Fotos der
Körper und Totenscheine.
Die Juristen hatten die Vorwürfe bereits im Juni 2004 erhoben.
Anwalt Phil Shiner räumte ein, möglicherweise habe sich
nichts von alldem ereignet, es sei aber auf jeden Fall eine
öffentliche Untersuchung notwendig. Das britische
Verteidigungsministerium wies die Anschuldigungen zurück.
Journalisten der britischen BBC hatten zuvor bereits ein Jahr lang den
Fall recherchiert, fanden aber keine Beweise, dass die Briten die
Iraker töteten. Sie schlossen allerdings eine Misshandlung der
Einheimischen nicht aus. Die fünf Männer, die von den
Vorgängen berichtet hatten, beschrieben, dass sie Angstschreie
anderer Männer und Schüsse gehört hätten.
boa (Quellen: ap, rtr, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 23.02.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am neunhundertneunundsechszigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Fr.23.02.07 - UN-Sicherheitsrat verurteilt Anschläge im Irak +++ Demokraten im
US-Senat bereiten Gesetzentwurf zum Irak-Krieg vor +++ Britische Armee
schickt Prinz Harry in den Irak +++ 100 Jahre Haft wegen Vergewaltigung
und Mord im Irak...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0702230.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Verhandlungen über Verbot von Streubomben gescheitert
Sa.23.02.08 - Ohne greifbares Ergebnis ist am Freitag in Neuseeland eine Konferenz
für ein geplantes Verbot von Streubomben zu Ende gegangen. Die
Delegationen aus mehr als 120 Staaten scheiterten mit dem Versuch, sich
auf die Eckpunkte eines Abkommens zu einigen, das den Einsatz, die
Herstellung und die Lagerung von Streumunition ächtet. Jetzt seien
intensive Verhandlungen auf der Schlusskonferenz im Mai in Dublin
erforderlich, sagte der britische Chefunterhändler John Duncan.
Der neuseeländische Abrüstungsminister Phil Goff bemühte
sich zum Abschluss der fünftägigen Beratungen in Wellington,
die positiven Aspekte herauszustellen. Trotz der fehlenden Einigung
hätten alle beteiligten Parteien vereinbart, den Prozess
fortzusetzen. «Meine Erwartung ist, dass wir in Dublin einen
Vertrag unterschrieben bekommen», sagte Goff. Ungeklärt blieb
in Wellington unter anderem die Frage, wie Streumunition definiert
werden soll und ob es Ausnahmeregelungen geben soll.
An der Konferenz nahmen 41 der 76 Staaten teil, die Streumunition in
ihrem Rüstungsarsenal haben. Der Prozess für ein Verbot dieser
Waffen wurde vor einem Jahr in Oslo gestartet. Zu den Initiatoren
gehörten neben Norwegen auch Österreich, Irland, Neuseeland,
Mexiko und der Vatikan. Die USA waren auf der Konferenz in Wellington
nur mit Beobachtern vertreten. Eine Sprecherin der US-Botschaft sagte,
ihre Regierung sei «wegen der erwiesenen militärischen
Nützlichkeit» gegen ein Verbot.
Bei der Streumunition handelt es sich um Pakete mit mehreren hundert
oder tausend einzelnen Sprengsätzen, die über dem Boden
explodieren. Die Explosionswirkung erfasst etwa eine Fläche von der
Größe eines Fußballfeldes ab. Allerdings explodieren
meist 10 bis 40 Prozent der Sprengsätze nicht sofort und stellen
danach eine tödliche Gefahr dar. Bei der kleinsten Berührung
können sie explodieren. Opfer sind häufig Kinder, die sich
wegen Form und Farbe für die Sprengsätze interessieren.
Streumunition wurde auch im Irak, im Kosovo-Krieg und in Afghanistan
eingesetzt.
(Quelle: ap)
IAEA: Iran hält an Urananreicherung fest
Sa.23.02.08 - Der Iran legt seine umstrittenen Atompläne der Internationalen
Atomenergiebehörde (IAEA) zufolge auch weiter nur
unvollständig offen und hält an der Urananreicherung fest.
Teheran habe zwar neue Informationen vorgelegt, aber "noch immer nicht
in vollständiger und zusammenhängender Form", heißt es
in einem in Wien veröffentlichten IAEA-Bericht. Die führenden
europäischen Staaten brachten am Donnerstag im UN-Sicherheitsrat
einen Resolutionsentwurf für neue Sanktionen gegen das Land ein.
Zwar habe sich die IAEA durch die zusätzlichen Informationen ein
klareres Bild von den aktuellen Atomplänen machen können,
dies geschehe jedoch stets ad hoc, kritisierte die Atombehörde.
Trotz anderslautender UN-Resolutionen halte das Land auch an der
Urananreicherung fest, die sowohl zur Gewinnung von Nuklearbrennstoff
als auch zum Atombombenbau eingesetzt werden kann. Statt dessen habe
der Iran mit der Entwicklung einer neuen Generation von Zentrifugen zur
Urananreicherung begonnen. Westliche Staaten verdächtigen den
Iran, Atomwaffen entwickeln zu wollen. Teheran behauptet, die
Atompläne dienten ausschließlich zivilen Zwecken.
Besorgt zeigte sich die IAEA darüber, dass keine Klarheit
über Tests zu hochexplosivem Material und die Raketenentwicklung
bestehe. Dies sei entscheidend, um eine mögliche militärische
Dimension der Atompläne abschätzen zu können. IAEA-Chef
Mohamed ElBaradei forderte Teheran auf, das Zusatzprotokoll zur
effizienteren Kontrolle der iranischen Atomanlagen umzusetzen. Dies ist
eine der Hauptforderungen der UNO im Atomstreit.
Über den Resolutionsentwurf soll nach Angaben des
französischen UN-Botschafters Jean-Maurice Ripert kommende Woche
abgestimmt werden. Dem britischen Botschafter John Sawers zufolge sieht
der Entwurf Reiseverbote für ranghohe Vertreter des Teheraner
Atomprogramms und Sanktionen in Finanzangelegenheiten vor. Das Prinzip
neuer Sanktionen war von den Vertretern der Sechsergruppe - den
fünf Vetomächten des Sicherheitsrats und Deutschlands - nach
langem Ringen im Januar in Berlin vereinbart worden. Im März und
Oktober 2006 hatte der UN-Sicherheitsrat bereits erste Sanktionen gegen
den Iran verhängt.
Der frühere Atombeauftragte des Iran, Ali Laridschani, warf der
Sechsergruppe Sturheit vor. Die iranischen Atompläne seien
mittlerweile klar, deshalb gebe es im Ausland keinen Grund mehr zur
Sorge, zitierte die iranische Nachrichtenagentur Mehr Laridschani.
Statt eine neue Resolution gegen das Land anzustreben, solle lieber die
vorangegangene aufgehoben werden, forderte Lardischani.
(Quelle: afp)
Mindestens zehn Tote bei Anschlag in Pakistan
Sa.23.02.08 - Bei einem Bombenanschlag im Nordwesten Pakistans sind am Freitag
mindestens zehn Menschen getötet worden. Vier Menschen wurden
verletzt, wie die Polizei mitteilte. Die Bombe sei in der Nähe der
Autos einer Hochzeitsgesellschaft explodiert. Der Bombenanschlag war
der erste seit der Parlamentswahl am Montag. In Pakistan kam es vor
allem im Nordwesten in den vergangenen Monaten zu Dutzenden von
Selbstmordanschlägen und Angriffen.
Zunächst bekannte sich niemand zu dem Anschlag im Swat-Tal, das
etwa 160 Kilometer von der Hauptstadt Islamabad entfernt liegt. In der
Region sind Taliban und militante Gruppen mit Verbindungen zu Al Kaida
aktiv.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt: USA planen millionenschweres Hilfsprogramm für
Palästinenser
Sa.23.02.08 - Die US-Regierung plant neue Finanzhilfen für den Gazastreifen und
das Westjordanland: Das Paket soll mehrere zehn Millionen Dollar
umfassen und in der kommenden Woche offiziell bekanntgegeben werden,
wie US-Regierungsvertreter am Freitag mitteilten. Ein Großteil
des Geldes wird den Palästinensern im Gazastreifen zugutekommen,
der von der radikal-islamischen Hamas kontrolliert wird. Die USA wollen
das Geld den Angaben zufolge über das
Palästinenser-Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen
verteilen und streng überwachen, wohin die Mittel fließen.
Eine wirtschaftliche Blockade durch Israel hat im Gazastreifen in den
vergangenen Monaten zu extremen Versorgungslücken geführt. Im
Januar flüchteten daher Hunderttausende Palästinenser
gewaltsam über die ägyptische Grenze, um sich dort
vorübergehend mit dem Nötigsten zu versorgen. Die Hamas, die
einen Frieden mit Israel ablehnt, hatte im vergangenen Sommer die Macht
im Gazastreifen mit Gewalt an sich gerissen. Seitdem herrscht die
gemäßigtere Fatah-Bewegung von
Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas nur noch im
Westjordanland.
(Quelle: rtr)
Ex-DDR-Ministerpräsident Modrow soll Kubanern Erfahrung des
Übergangs vermitteln
Sa.23.02.08 - Der letzte Ministerpräsident der DDR, Hans Modrow, hält sich
nach Angaben eines deutschen Wissenschaftlers in Kuba auf, um der
Regierung die Erfahrung des Übergangs zu einem offenen
Gesellschaftssystem zu vermitteln. Modrow werde Fidel Castro und seinem
Bruder Raúl wahrscheinlich sagen, sie sollten flexibel sein und
rechtzeitig Reformen einleiten, sagte der deutsche Sozialwissenschaftler
Heinz Dieterich, der Professor an der Universidad Autonoma
Metropolitana in Mexiko-Stadt und ein Freund Modrows ist.
Modrow wolle bis Ende April in Kuba bleiben, sagte Dieterich am
Donnerstag der Nachrichtenagentur AP. Er folge mit seinem Besuch einer
Einladung der Regierung. «Die Einladung bedeutet, dass er
bedeutende kubanische Politiker treffen wird, offensichtlich auch Fidel
und Raúl», sagte Dieterich, der als Mentor des
venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez gilt.
«Die Entscheidungen sind bereits getroffen», sagte der
Adorno-Schüler Dieterich. Die Führung in Havanna wolle ihr
neues Projekt nun offenbar an den «Erfahrungen einer
außergewöhnlichen Persönlichkeit» messen,
fügte er hinzu. Modrow war von November 1989 bis März 1990 der
letzte Vorsitzende des Ministerrats der DDR. Danach wurde er als
Abgeordneter der PDS in den Bundestag gewählt, von 1999 bis 2004
war er Mitglied des Europaparlaments.
Dieterich sagte, Modrow habe in einem Telefongespräch im Januar
gesagt, dass erfolgreiche sozialistische Systeme auf ständige
Reformen und Erneuerung angewiesen seien. Dazu gehörten auch
größere Freiheiten für Kleinunternehmen und in der
Landwirtschaft. Modrow werde Fidel und Raúl Castro wahrscheinlich
sagen, dass «multiple Eigentumsformen» sinnvoll seien.
Raúl Castro hat im Juli 2006 nach der Erkrankung seines Bruders
Fidel die Regierungsgeschäfte übernommen. Er soll Ende April
vom Parlament auch formell zum Nachfolger des 81-Jährigen
gewählt werden. Ohne konkrete Einzelheiten zu nennen, hat
Raúl Castro bereits von «strukturellen
Veränderungen» gesprochen und zu einer offenen Diskussion von
Problemen mit dem System aufgerufen.
(Quelle: ap)
Russland verweigert Leiter von "Human Rights Watch" Einreise
Sa.23.02.08 - Die russischen Behörden haben dem Exekutivdirektor der
Menschenrechtsorganisation "Human Rights Watch", Kenneth Roth, die
Ausstellung eines Visums verweigert. Roth wollte in Moskau einen Vortrag
über die Lage von Nichtregierungsorganisationen in Russland und
deren bürokratische Gängelung halten, wie die Internetzeitung newsru.com am Mittwoch
berichtete.
"Das russische Außenministerium wusste, dass ich zu einer
Pressekonferenz einreisen wollte und hat die Bedingungen für die
Ausstellung eines Visums verändert", erklärte Roth. Es sei das
erste Mal seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion, dass einem Vertreter
von Human Rights Watch die Einreise nach Russland verwehrt worden sei.
Das Außenministerium wollte die Entscheidung nicht kommentieren.
Nach Einschätzung der Menschenrechtsorganisation hat sich die Lage
von NGOs in Russland in den vergangenen Jahren stark verschlechtert.
(Quelle: epd)
Angriffe auf Botschaften in Belgrad weltweit verurteilt
Sa.23.02.08 - Die Angriffe auf Botschaften in Belgrad nach einer Kosovo-Demonstration
sind weltweit verurteilt worden.
Die USA, die Europäische Union und Deutschland protestierten gegen
die Ausschreitungen und warnten Serbien vor negativen Folgen vor allem
für dessen Annäherung an die EU. Nach friedlichen Protesten
von 200.000 Menschen gegen die Unabhängigkeit des Kosovo war die
US-Botschaft am Donnerstag gestürmt und in Brand gesteckt worden.
Auch die Vertretungen Großbritanniens, Kroatiens, der Türkei
und Deutschlands wurden angegriffen.
Das US-Präsidialamt sprach am Freitag von Angriffen von "Hooligans
und Strolchen". "Wir glauben ehrlich gesagt nicht, dass dies das
Gesicht Serbiens ist". Den USA sei zugesichert worden, dass es neue
Übergriffe nicht geben werde. Eine Botschaftssprecherin
ergänzte, Angehörige von Diplomaten und Hilfspersonal
würden abgezogen. Der Botschafter und seine wichtigsten
Mitarbeiter blieben aber in Belgrad. In der US-Vertretung wurde ein
bislang unbekannter Toter gefunden.
Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier nannte die
Angriffe unerträglich. Er hoffe, dass sie sich nicht wiederholten,
sagte der SPD-Politiker in Berlin. Ungeachtet der Krawalle wünsche
er sich Serbien auf dem Weg in die EU. Europa werde dem Land weiter
"die ausgestreckte Hand entgegenhalten". Ähnlich
äußerte sich auch EU-Chefdiplomat Javier Solana.
Das Auswärtige Amt in Berlin bestellte die serbische
Geschäftsträgerin ein, um gegen die Übergriffe zu
protestieren. Die Regierung in Belgrad sei aufgefordert worden,
für die Sicherheit der ausländischen Botschaften zu sorgen,
sagte Ministeriumssprecher Martin Jäger. Der stellvertretende
Regierungssprecher Thomas Steg sagte, bei dem Angriff sei ein deutscher
Sicherheitsbeamter leicht verletzt worden. Zudem sei erheblicher
Sachschaden entstanden.
Der UN-Sicherheitsrat in New York kam noch am Donnerstagabend zusammen
und verurteilte die Übergriffe. Diplomatische Vertretungen seien
unantastbar, hieß es. Die Bemühungen serbischer
Sicherheitskräfte zur Wiederherstellung der Ordnung wurden
allerdings gewürdigt.
Serbiens Ministerpräsident Vojislav Kostunica verurteilte die
Krawalle. Sie hätten dem Kampf des Balkanlandes für den
Schutz seiner nationalen Interessen Schaden zugefügt. Das
russische Außenministerium erklärte, die Befürworter
der Unabhängigkeit des Kosovo sollten die Folgen ihres Tuns
einkalkuliert haben.
In Mitrovia im Kosovo demonstrierten etwa 1000 Menschen für den
Verbleib bei Serbien. UN-Polizisten hinderten sie daran, in den
albanischen Teil der Stadt zu marschieren.
(Quelle: rtr)
Putin: Loslösung des Kosovo 'schrecklicher Präzedenzfall'-
Russischer Nato-Gesandter sieht Notwendigkeit von 'roher
militärischer Gewalt'
Sa.23.02.08 - Der russische Präsident Wladimir Putin hat die
Unabhängigkeitserklärung des Kosovo als einen "schrecklichen
Präzedenzfall" bezeichnet. Dieser werde "de facto das ganze System
der internationalen Beziehungen zerschlagen, die sich nicht in
Jahrzehnten, sondern in Jahrhunderten entwickelt haben", sagte er in
Moskau vor ranghohen Regionalpolitikern. Die Folgen seien vom Westen
nicht durchdacht worden.
Putin warnte, es handele sich bei der
Unabhängigkeitserklärung des Kosovo um ein zweischneidiges
Schwert, das auch dem Westen ins Gesicht schlagen werde.
Zuvor hatte der russische NATO-Botschafter Dmitri Rogosin erklärt,
Moskau könne sich nur noch mit «roher militärischer
Gewalt» internationalen Respekt verschaffen. Falls die NATO auf
dem Balkan ihr Mandat übertrete und in Konflikt mit den Vereinten
Nationen gerate, müsse Russland Gewalt einsetzen, um wieder
respektiert zu werden, sagte Rogosin am Freitag. Die USA wiesen die
Äußerungen des russischen NATO-Botschafters als
«höchst unverantwortlich» zurück und forderten
eine Entschuldigung der russischen Regierung.
Moskau unterstützt als Vetomacht im UN-Sicherheitsrat Serbien und
protestiert vehement gegen die Unabhängigkeit des Kosovo. Moskau
hatte die Vereinten Nationen aufgefordert, die
Unabhängigkeitserklärung für ungültig zu
erklären.
boa (Quellen: afp, ap)
Premierminister Brown: Großbritannien gehört ins Zentrum
Europas
Sa.23.02.08 - Der britische Premierminister Gordon Brown reklamiert für sein
Land eine zentrale Rolle in der EU. Mit Blick auf die weit verbreitete
EU-Skepsis im Vereinigten Königreich erklärte Brown am
Donnerstag in Brüssel: «Großbritannien gehört ins
Zentrum Europas.» Es war der erste Besuch Browns bei der
EU-Kommission seit seinem Amtsantritt vor acht Monaten.
Der britische Premierminister forderte, nach dem Abschluss der
Verhandlungen über den EU-Reformvertrag müsse sich die Union
«den Problemen zuwenden, die unsere Bürger wirklich
beschäftigen: Wohlstand und Arbeitsplätze, Sicherheit, der
Kampf gegen den Klimawandel und das Bemühen um Stabilität und
Sicherheit auf der ganzen Welt». Brown unterstützte auch die
Forderungen der EU-Kommission nach mehr Wettbewerb auf dem Energie- und
Telekommunikationsmarkt, die in Deutschland heftig umstritten sind.
Brown sprach sich ferner für die Schaffung einer
«unabhängigen Bank» für den EU-Emissionshandel
aus. Diese Bank solle die Zahl der für die Industrie
verfügbaren Emissionszertifikate festlegen, sagte der britische
Premierminister. Bislang wird die Zahl der Verschmutzungsrechte von der
EU-Kommission in Verhandlungen mit den einzelnen Mitgliedstaaten
bestimmt.
(Quelle: ap)
EU-Parlament will Rente an Kinderzahl koppeln
Sa.23.02.08 - Das Europaparlament hat vorgeschlagen, bei der Berechnung der Rente die
Zahl der Kinder zu berücksichtigen. Die EU-Staaten sollten "die
Einführung eines Rentenbonus je nach Anzahl der aufgezogenen
Kinder" in Erwägung ziehen, erklärten die Straßburger
Abgeordneten am Donnerstag in einem Initiativbericht. Die Parlamentarier
sehen darin ein wirksames Mittel im Kampf gegen die Überalterung
der Gesellschaft. Die Unterbrechung der Berufstätigkeit wegen
Mutterschaft und Elternurlaube dürften bei der Berechnung der
Rentenansprüche keinen Nachteil mehr darstellen, betonten sie.
Die Geburtenrate in der EU liegt derzeit bei durchschnittlich 1,5
Kindern pro Frau. Sie sei somit "außerordentlich niedrig", so die
Abgeordneten. Für eine Steigerung der Geburtenrate listeten sie
zudem eine Reihe weiterer Maßnahmen auf, etwa die Schaffung
zusätzlicher Krippenplätze und flexiblere
Arbeitsmöglichkeiten. Außerdem müssten die Väter
besser ins Familienleben eingebunden werden. So sollten Männer
unterstützt werden, die einen Vaterschaftsurlaub anstrebten. Auch
beim Sorgerecht sollten die Väter besser gestellt werden.
(Quelle: epd)
Problem mit Familienstiftungen geht Liechtenstein an die Substanz
Sa.23.02.08 - So lange es möglich ist, im Fürstentum Liechtenstein anonyme
Familienstiftungen zu errichten, wird die Mini-Monarchie im Rheintal
weiterhin zu den ersten Adressen bei Steuerhinterziehern gehören
und unter deutschem Beschuss stehen. Daran ändere auch ein neues
Stiftungsrecht nichts, meint ein Kenner des Finanzplatzes.
«Die Familienstiftung dient in Liechtenstein ausschließlich
der Vermögensverwaltung und ist somit geeignet für
Steuerbegünstigung,» sagt Daniel Thelesklaf. Der Schweizer
Spezialist für die Bekämpfung von Geldwäscherei war bis
August 2002 Leiter der Stabsstelle für Sorgfaltspflichten im
Fürstentum und danach Berater der Regierung des Ländles bei
der Reorganisation der Finanzmarktaufsicht. Das total revidierte
liechtensteinische Stiftungsrecht, das am 14. März vom Parlament
beraten wird, sieht neben Anpassungen an die aktuelle Rechtsprechung
keine Aufsichtspflicht über die Familienstiftungen vor und will
dieser Form der Kapitalanlage aus dem Ausland weiter Anonymität
garantieren. Es bleibt daher im Kern das alte Gesetz. Eine Aufsicht und
die Aufhebung der Anonymität bei der Familienstiftung würde
für den Anleger keinen Sinn machen, sein Geld in Liechtenstein
anzulegen, meint Thelesklaf und ergänzt: «Das Problem mit den
Familienstiftungen geht Liechtenstein wirklich an die Substanz, weil
diese Form der Kapitalanlage seine Spezialität ist.»
Die Familienstiftungen sind denn auch das Kernstück des
liechtensteinischen Finanzplatzes, auf dem 70 bis 80 Prozent des
Bruttoinlandsproduktes erwirtschaftet werden. Es gibt
schätzungsweise 50.000 davon, in denen Vermögenswerte von rund
300 Milliarden Franken (knapp 186 Milliarden Euro) geparkt sind.
Hauptsächlich Schweizer Banken und Schweizer Anwälte
würden ihren ausländischen Kunden raten, das Geld im
Fürstentum in einer Stiftung anzulegen, um so Steuern zu sparen,
sagt Thelesklaf. Es könne durchaus sein, dass mit der deutschen
Kampagne gegen Steuerhinterziehung zwar Liechtenstein geschlagen werde,
aber eigentlich die Schweiz gemeint sei.
Ob das total revidierte Stiftungsrecht Liechtenstein aus der deutschen
Schusslinie bringen kann, weiß die Landtagsabgeordnete und
Fraktionssprecherin Andrea Matt von der oppositionellen Freien Liste
(FL) noch nicht. Zwei unabhängige Gutachten stünden hinter dem
Gesetz, wenn auch teilweise mit kritischen Anmerkungen. Vielleicht sei
jetzt sogar ein drittes nötig, sagt die Politikerin, deren Partei
im 25-köpfigen Parlament drei Mandate zählt. Die Lage sei
ernst und Liechtenstein müsste sich bewusst werden, dass im
Rechtsempfinden des benachbarten Auslandes Steuerhinterziehung kein
Kavaliersdelikt sei, sondern ein Verbrechen gegen den Staat.
(Quelle: ap)
Finanzminister Steinbrück will Steuerflucht mit neuen Gesetzen
stoppen
Sa.23.02.08 - Bundesfinanzminister Peer Steinbrück erwägt gesetzliche
Maßnahmen gegen Steuerflucht nach Liechtenstein. Im ZDF nannte er
am Donnerstag als Beispiele eine Quellensteuer für alle
Überweisungen von Deutschland nach Liechtenstein oder eine
Berichtspflicht für alle Transaktionen.
Zwar könne er sich am ehesten eine international abgestimmte
Lösung vorstellen. Mit Blick auf die aktuellen Ermittlungen
müsse man sich aber Gedanken machen, «ob wir uns auf der
bilateralen, nationalstaatlichen Ebene Maßnahmen überlegen,
die zu einer gewissen Belastungsprobe führen können»,
sagte Steinbrück in der Sendung «Maybrit Illner».
«Man muss sich überlegen, ob man hier die Daumenschrauben
stärker ansetzt als bisher».
Steinbrück regte zudem Veränderungen bei der Steuerfahndung
an, etwa Umschichtungen und bessere Absprachen zwischen den
Bundesländern. Man könne auch darüber nachdenken,
«ob es nicht bestimmte Bereiche der Steuerverwaltung gibt, die
eine Art Bundessteuerverwaltung sein sollten».
(Quelle: ap)
Auch Politiker sollen in der Liechtenstein-Datei stehen
Sa.23.02.08 - In der Affäre um Steuerhinterziehungen sollen nun auch deutsche
Politiker ins Visier der Steuerfahnder geraten sein. Wie die
«Berliner Zeitung» (Samstagausgabe) vorab unter Berufung
auf informierte Kreise meldete, sollen sich in dem vom
Bundesnachrichtendienst (BND) beschafften Material über
Steuersünder auch die Namen von mehreren Bundestagsabgeordneten
befinden. Demnach lasse sich die Zahl der betroffenen Abgeordneten
«fast an einer Hand abzählen». Unter ihnen sollen sich
drei Parlamentarier der FDP und einer aus der Union befinden.
Widersprüchliche Informationen gibt es darüber, ob auch zwei
SPD-Abgeordnete betroffen sind.
Die Zeitung machte keine Angaben darüber, ob die in den
Liechtenstein-Unterlagen auftauchenden Abgeordneten dem jetzigen
Bundestag angehören oder einige von ihnen bereits ausgeschieden
sind. Das vom BND aufgekaufte Material über deutsche
Steuersünder stammt aus dem Jahr 2002 und reicht teilweise bis
1977 zurück.
Die Staatsanwaltschaft Bochum erklärte nach einem Vorabbericht der
«Süddeutschen Zeitung» (Samstagausgabe), es
stünden keine Ermittlungen gegen aktive Bundestagsabgeordnete
bevor. Bei den Strafermittlungen gegen 700 beschuldigte
Liechtenstein-Anleger habe sich kein Hinweis auf die Verwicklung von
aktiven Bundestagsabgeordneten ergeben. «In keinem Falle ist die
Aufhebung der Immunität beantragt worden oder geplant»,
sagte Oberstaatsanwalt Hans-Ulrich Krück dem Blatt. Die
Immunität schützt Abgeordnete vor Strafverfolgung und muss
vom Parlament auf Antrag der Staatsanwaltschaft aufgehoben werden.
Der Vorsitzende des Immunitätsausschusses, Thomas Strobl (CDU),
sagte der Düsseldorfer «Rheinischen Post»
(Samstagausgabe) laut Vorabbericht, er habe bisher keine Kenntnis
über Steuersünder in den Reihen der Bundestagsabgeordneten.
«Die Staatsanwaltschaft hat sich bisher nicht an uns
gewandt», sagte er.
Die FDP-Fraktion weis nach eigenen Angaben nichts über betroffene
Abgeordnete in ihren Reihen. «Uns ist von derartigen
Vorwürfen nichts bekannt», erklärte Fraktionssprecher
Christoph Steegmans am Freitag.
(Quelle: ddp)
Bayerns oberster Datenschützer greift Staatsanwaltschaft - Beklagt
'öffentliche Hinrichtung'
Sa.23.02.08 - Der bayerische Datenschutzbeauftragte Karl Michael Betzl sieht sich als
Opfer einer politischen Verschwörung und hat schwere Vorwürfe
an die Staatsanwaltschaft gerichtet. «Ich fühle mich als
Bauernopfer in einem politischen Spiel, in dem es um ganz andere
Größenordnungen geht», sagte Betzl der
«Süddeutschen Zeitung» (Freitagausgabe). Dem Bericht
zufolge soll Betzl erhebliche Summen nach Liechtenstein transferiert
haben. Es ist von etlichen hunderttausend Euro die Rede.
Die Bochumer Staatsanwältin Margrit Lichtinghagen hatte am
Dienstag Wohnung und Diensträume Betzls durchsuchen lassen. Der
Spitzenbeamte steht wie Hunderte andere Deutsche auf der Liste von
Personen, die ihr Vermögen in Liechtenstein vor dem Finanzamt in
Sicherheit gebracht haben sollen. Betzl hatte daraufhin
angekündigt, er lasse sein Amt bis zur Klärung der
Vorwürfe ruhen.
Betzl stammt dem Bericht zufolge aus einer wohlhabenden Familie. Sein
Vater war lange Jahre Bahn-Chef in Augsburg, der Familie gehören
dort mehrere Immobilien und auch ein Grundstück in Breitbrunn am
Ammersee. Diese Immobilien und die Erträge daraus habe Betzl aber
offenbar nicht vor dem Finanzamt verborgen.
(Quelle: ddp)
Ex-VW-Betriebsratschef Volkert muss ins Gefängnis
Sa.23.02.08 - Ex-VW-Betriebsratschef Klaus Volkert muss ins Gefängnis. Im
Volkswagen-Korruptionsprozess verurteilte ihn das Landgericht
Braunschweig wegen Anstiftung und Beihilfe zur Untreue zu zwei Jahren
und neun Monaten Haft. Ex-Personalmanager Klaus-Joachim Gebauer erhielt
wegen Anstiftung zur Untreue und Begünstigung eines Betriebsrates
eine einjährige Bewährungsstrafe. Die Richter blieben mit dem
Strafmaß unter den Forderungen Staatsanwaltschaft. Die Verteidiger
der Angeklagten hatten allerdings in beiden Fällen auf Freispruch
plädiert.
Im ersten VW-Korruptionsprozess war vor rund einem Jahr
Ex-Personalvorstand Peter Hartz zu zwei Jahren auf Bewährung
verurteilt worden. Er hatte Volkert zwischen 1994 und 2005
Sonderbonuszahlungen von knapp zwei Millionen Euro gewährt. Gebauer
hat auf Anweisung von Hartz Lustreisen für Betriebsräte
organisiert und abgerechnet.
(Quelle: afp)
Hohe Strompreise bescheren RWE Milliardengewinn
Sa.23.02.08 - Dank der hohen Strompreise hat Deutschlands zweitgrößter
Energieversorger RWE sein Betriebsergebnis 2007 um fast 15 Prozent auf
6,5 Milliarden Euro gesteigert. Das um Einmaleffekte bereinigte
nachhaltige Nettoergebnis stieg sogar um 21 Prozent auf knapp 3
Milliarden Euro, wie der Konzern bei der Vorstellung der Jahresbilanz am
Freitag in Essen berichtete.
Das in der Bilanz ausgewiesene Nettoergebnis ging dagegen um 31 Prozent
auf rund 2,7 Milliarden Euro zurück. 2006 hatten zwei Steuereffekte
und der Verkauf von Thames Water mit einem Einmaleffekt von rund 1,6
Milliarden Euro zu einem besonders hohen Nettoergebnis geführt.
Der Umsatz des Energiereisen stagnierte 2007 bei 42,5 Milliarden Euro.
Für die Zukunft setzt sich der Konzern ehrgeizige Ziele. Das
betriebliche Ergebnis soll durch organisches Wachstum bis 2012 um
durchschnittlich 5 Prozent pro Jahr gesteigert werden. Das nachhaltige
Nettoergebnis will der Konzern bis 2012 um durchschnittlich 5 bis 10
Prozent erhöhen. Dazu soll nicht zuletzt der Ausbau erneuerbarer
Energien, aber auch die Erschließung neuer Märkte wie der
Türkei beitragen. Auch in Russland prüfe RWE Optionen,
hieß es.
(Quelle: ap)
Harte Fronten im Tarifkonflikt - Trotz anhaltender Warnstreiks lehnen
Arbeitgeber im öffentlichen Dienst ein höheres Angebot ab
Sa.23.02.08 - Im Tarifkonflikt im öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen
bleiben die Fronten auch vor der vierten Verhandlungsrunde am Montag in
Potsdam verhärtet. Es werde kein neues Angebot geben, stellte ein
Sprecher des Bundesinnenministeriums am Freitag in Berlin klar. Der
Chef der Gewerkschaft ver.di, Frank Bsirske, drohte für diesen
Fall weitere Streiks an. Auch am Freitag beteiligten sich erneut
Tausende Beschäftigte an den Warnstreiks. Betroffen waren vor
allem der Nahverkehr sowie Stadtreinigungen und Müllabfuhren.
Die Gewerkschaft fordert für die 1,3 Millionen Beschäftigten
im öffentlichen Dienst bei Bund und Kommunen acht Prozent mehr
Gehalt, mindestens aber ein Plus von monatlich 200 Euro. Die
Arbeitgeber haben bislang eine Anhebung in mehreren Stufen um insgesamt
fünf Prozent angeboten. Als Ausgleich soll die Wochenarbeitszeit
im Westen um 1,5 Stunden auf - wie im Osten - 40 Stunden steigen.
Die Arbeitgeber halten diese Offerte nach wie vor für fair, wie
der Sprecher des Bundesinnenministeriums weiter sagte. Der
Verhandlungsführer des Bundes, Innenminister Wolfgang
Schäuble (CDU) gehe mit der Erwartung in die Runde, dass man sich
einigen könne und ernsthaft verhandele. Es sollte nicht der
Eindruck entstehen, als seien weitere Warnstreiks oder Streiks schon
geplant.
ver.di-Chef Bsirske wies das Angebot als
«Täuschungsmanöver» zurück. Die
Fünf-Prozent-Offerte sei ein von Täuschen und Tricksen
begleitetes «Minusangebot», sagte er in Stuttgart. Er
schließe nicht aus, dass die Arbeitgeber auf ein
Schlichtungsverfahren spekulierten. Als Schlichter vertritt Hannovers
früherer Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg (SPD) die
Gewerkschaftsseite. Allerdings stellen die Arbeitgeber mit dem
früheren Ministerpräsidenten Lothar Späth (CDU) den
stimmberechtigten Schlichter. Dies wäre «bedauerlich»,
sagte Bsirske.
Bsirske betonte, seine Gewerkschaft sei entschlossen, alle
Möglichkeiten zu nutzen, um in freien Verhandlungen zu einem
Ergebnis zu kommen. Von Seiten der Arbeitgeber sei jedoch eine
grundlegende Korrektur ihres eingeschlagenen Kurses notwendig,
ansonsten würden die Warnstreiks ausgeweitet. Zuvor hatte Bsirske
die Arbeitgeber auf einer Kundgebung von mehreren Tausend
Warnstreikenden erneut aufgefordert, ihr Angebot aufzustocken.
Notwendig sei aber eine echte Lohnerhöhung.
Um die durchzusetzen, rief ver.di am Freitag erneut zu Warnstreiks in
fast allen Bundesländern auf. Nachdem am Donnerstag der
Schwerpunkt bei den Kindertagesstätten gesetzt worden war, ruhte
nun die Arbeit vor allem im Nahverkehr, bei Stadtreinigungen und
Müllabfuhren. Unter anderem legten die Müllwerker in Berlin,
in Hamburg sowie in Städten in Sachsen-Anhalt und dem Saarland
zeitweise ihre Arbeit nieder.
In Nordrhein-Westfalen gab es in rund 30 Städten Warnstreiks.
Unter anderem in Düsseldorf und Dortmund blieben Busse sowie
Straßen- und U-Bahnen in den Depots. Das befürchtete
Verkehrschaos blieb nach Angaben der Polizei allerdings aus. Auch in
Rheinland-Pfalz sowie in zahlreichen norddeutschen Städten kam der
Nahverkehr durch die Warnstreiks zum Erliegen. Allein in
Baden-Württemberg beteiligten sich nach ver.di-Angaben ver.di rund
10 000 Menschen an den Warnstreiks. In Stuttgart waren alle Bereiche
des öffentlichen Dienstes betroffen.
(Quelle: ddp)
Siemens will angeblich 3000 Jobs in SEN-Sparte streichen
Sa.23.02.08 - Der Technologiekonzern Siemens will sich angeblich in seiner Sparte
Siemens Enterprise Networks (SEN) von bis zur Hälfte der rund 6200
Mitarbeiter in Deutschland trennen. Die "Frankfurter Allgemeine
Zeitung" berichtet ohne Angabe von Quellen, Siemens wolle so das
Geschäftsfeld mit 17.500 Mitarbeitern weltweit für einen
Käufer attraktiver machen. Siemens sucht seit mehr als anderthalb
Jahren vergeblich einen Käufer für das ausgegliederte
Geschäft der Telekommunikationstechnik für Firmenkunden. Die
genauen Pläne sollen am Dienstag bekanntgegeben werden.
Unter Berufung aus Angaben aus dem Konzern berichtet die "FAZ", Siemens
sei wegen höherer Kosten im Vergleich zu Wettbewerbern wie Cisco,
Nortel oder Avaya im Hintertreffen. Die Kosten von SEN lägen 30
bis 40 Prozent über denen der wichtigsten Konkurrenten. Ein
wesentlicher Nachteil seien die Arbeitskosten. So verdienten die
Mitarbeiter von SEN im Durchschnitt 80.000 Euro im Jahr, während
in der Branche 60.000 Euro üblich seien. Im August vergangenen
Jahres hatte Siemens demnach bereits angekündigt, 600 der 6200
Stellen von Enterprise Networks in Deutschland zu streichen. Die
bayerische IG Metall hatte dem Konzern damals Managementfehler
vorgeworfen.
(Quelle: afp)
Scholz will Arbeitsmarkt erst 2011 für Osteuropäer öffnen
Sa.23.02.08 - Arbeitnehmer aus Osteuropa sollen nach dem Willen von
Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) erst 2011 freien Zugang zum
deutschen Arbeitsmarkt bekommen.
Zwar gebe es noch keine konkreten Absprachen in der großen
Koalition, sagte Scholz dem "Handelsblatt" (Freitagausgabe). "Ich glaube
aber, dass wir im Wesentlichen noch einmal eine Verlängerung bis
2011 anstreben", fügte er hinzu.
"Wir haben noch immer über drei Millionen Arbeitslose. Daher
werden wir die Freizügigkeit in der EU nur Schritt für Schritt
herstellen können", sagte Scholz. Die Beschränkung der
Freizügigkeit für Arbeitnehmer aus den neuen EU-Staaten
Osteuropas läuft im kommenden Jahr aus. Deutschland könnte bei
der EU jedoch eine zweijährige Verlängerung beantragen.
Eine Reihe anderer alter EU-Länder hat die Beschränkungen
bereits aufgehoben. Für bestimmte Fachkräfte aus den
Beitrittsländern hat auch die Bundesregierung bereits zum November
des vergangenen Jahres die Regeln gelockert, um etwas gegen den
Fachkräftemangel in Deutschland zu tun.
(Quelle: rtr)
Bauminister Tiefensee will Wohngeld um zwei Drittel erhöhen
Sa.23.02.08 - Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee (SPD) will das Wohngeld um zwei
Drittel erhöhen. Sein in Berlin vorgestelltes Konzept zur
Erhöhung dieser Sozialleistung sieht eine durchschnittliche
Steigerung von 90 auf 150 Euro vor. Insgesamt soll die Neuregelung
demnach 520 Millionen Euro kosten. "Die Reform des Wohngelds ist
überfällig", erklärte Tiefensee. Es sei zuletzt 2001
erhöht worden. Von der Verbesserung würden ab 2009 rund
850.000 Haushalte profitieren. Eine Familie mit zwei Kindern könne
dann rund 80 Euro mehr im Monat erhalten.
Mit der Neuregelung will Tiefensee der Entwicklung der Mietkosten und
insbesondere der deutlich gestiegenen Nebenkosten für Heizung
Rechnung tragen. Zukünftig sollen die Heizkosten in die Bemessung
des Wohngelds einbezogen werden. Bislang ist die Bruttokaltmiete
Bemessungsgrundlage.
Er wolle die Heizkosten abhängig von der Wohnfläche pauschal
in die Mietkosten einrechnen lassen und die Miethöchstbeträge
um zehn Prozent anheben. Außerdem sollten die Tabellenwerte, aus
denen sich die Höhe des Wohngelds ergibt, um zehn Prozent steigen.
Das Wohngeld wird zur Hälfte von Bund und Ländern finanziert.
Die Kosten der Erhöhung sollten zu je 200 Millionen Euro Bund und
Länder tragen, dazu kämen die im laufenden Verfahren zur
Wohngeldvereinfachung bereits vereinbarten 120 Millionen. Der Bundestag
könnte das Gesetz dann noch vor der Sommerpause verabschieden, so
dass es am 1. Januar 2009 in Kraft treten könnte.
"Die Länder haben sich mehrheitlich positiv zu meiner Initiative
geäußert", erklärte Tiefensee. Er sei deshalb
zuversichtlich, dass unser Vorschlag mitgetragen wird. Kritik an
Tiefensees Plänen hatte allerdings das Bundesfinanzministerium
geübt.
(Quelle: afp)
Integrationspolitik: Grüne sehen 'überall nur Defizite'
Sa.23.02.08 - Die Grünen werfen der Bundesregierung Versagen in der
Integrationspolitik vor. Die Koalition könne Anspruch und
Wirklichkeit nicht in Einklang bringen, kritisierte der Parlamentarische
Geschäftsführer der Grünen-Fraktion, Volker Beck, am
Freitag im Bundestag.
Zwar gebe es Integrationsgipfel und einen Integrationsplan, doch bei
der «Hardware» gebe es «überall nur
Defizite». So habe die Koalition angekündigt, die
Integrationsmittel um 14 Millionen Euro zu erhöhen. Das gleiche
aber noch nicht einmal die Kürzung von 67 Millionen Euro im
Haushalt der vergangenen zwei Jahre aus.
«Sie reden viel, sie handeln nicht», hielt Beck der
Koalition vor. Zugleich nutze die Union die Probleme zur Polarisierung,
wenn sie sich davon Vorteile erhoffe. Scharf attackierte der
Grünen-Politiker die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung,
Maria Böhmer (CDU). Statt sich im hessischen Landtagswahlkampf
schützend vor die Migranten zu stellen, habe sie «noch
Öl ins Feuer» gegossen. Dies habe zurecht viele entsetzt.
Zur umstrittenen Kölner Rede des türkischen
Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan sagte Beck, dieser habe
seine in Deutschland lebenden Staatsbürger aufgefordert, ihre
Kinder in Kindergärten zu schicken und Deutsch lernen zu lassen. In
eine falsche Richtung führe dagegen Erdogans Vorstoß
für türkische Schulen. Darin komme aber auch ein
Bedürfnis nach Wertschätzung der türkischen Sprache zum
Ausdruck. Tatsächlich sei es ein «erhebliches
Qualifikationsmerkmal», mit Deutsch und Türkisch zwei
Sprachen zu beherrschen, fügte Beck hinzu und plädierte
dafür, mit türkischen Lehrern die Zweisprachigkeit an den
Schulen auszubauen.
(Quelle: ddp)
Bundestag beschließt Neuregelung bei Vaterschaftstests
Sa.23.02.08 - Die Frage nach dem biologischen Vater eines Kindes kann künftig
leichter geklärt werden: Der Bundestag beschloss eine Neuregelung
zur Feststellung der Vaterschaft, mit der die Rechtsposition von
Männern gestärkt wird. Sie können künftig bei
begründeten Zweifeln an ihrer Vaterschaft einen Gentest auch gegen
den Willen der Mutter durchsetzen. Frauen müssen in solch einen
Test einwilligen und die Entnahme von DNA-Proben dulden.
Es sei keine Lösung, die Frage der Abstammung mit Hilfe von
heimlichen Gentests zu beantworten, erklärte Bundesjustizministerin
Brigitte Zypries (SPD) in Berlin. "Deshalb bieten wir jetzt ein
einfaches Verfahren an, das aber sicherstellt, dass die Rechte aller
Betroffenen gewahrt bleiben."
Der Bundestag beschloss das Gesetz mit den Stimmen von Union, SPD und
FDP. Die Linksfraktion votierte dagegen, weil sie unter anderem den
Datenschutz als nicht ausreichend gewährleistet sieht. Die
Grünen enthielten sich, da sich das Gesetz ihrer Ansicht nach nicht
ausreichend am Kindeswohl orientiert.
Das Bundesverfassungsgericht hatte eine Neuregelung bis Ende März
2008 gefordert. Ausgangspunkt war die Klage eines Mannes, der nach der
alten Regelung die Kindesmutter gerichtlich nicht zu einem Gentest
zwingen konnte. Ein ausgespuckter Kaugummi des Kindes und eine eigene
Speichelprobe, die er heimlich testen ließ, ergaben dann die
Gewissheit, nicht der Vater zu sein. Gleichwohl wurde der Test von den
Gerichten nicht als Beweismittel zugelassen.
Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar nannte die Neuregelung
einen "vernünftigen Interessensausgleich zwischen den betroffenen
Kindern, Müttern und Vätern". Väter könnten nun in
einem rechtlich klar geregelten Verfahren die Klärung ihrer
Vaterschaft herbeiführen.
Unabhängig von der Neuregelung bleibt das Verfahren zur Anfechtung
der Vaterschaft bestehen. Zweifelnde Männer haben damit die Wahl,
ob sie eines oder zugleich beide Verfahren in Anspruch nehmen. Für
die Anfechtung der Vaterschaft gilt auch in Zukunft grundsätzlich
eine Frist von zwei Jahren. Laut Zypries kam es 2004 zu knapp 23.000
Anfechtungsklagen. In 80 Prozent der Fälle waren die Zweifel der
Männer an ihrer Vaterschaft unbegründet.
(Quelle: afp)
Hessische SPD lässt Wahl Ypsilantis durch Linke weiter offen
Sa.23.02.08 - Die hessische SPD favorisiert nach eigenem Bekunden weiter eine
«Ampel»-Koalition mit FDP und Grünen. Parteisprecher
Frank Steibli sagte am Freitag in Wiesbaden, die ersten Gespräche
hierfür seien bereits geführt worden, weitere seien für
die Zeit nach der Hamburg-Wahl am Sonntag in Planung. Das Ziel einer
«Ampel»-Koalition bleibe bestehen, die Tür zur FDP
stehe weiter offen. Zur Frage einer Wahl Ypsilantis zur
Ministerpräsidentin mit Hilfe der Linken äußerte sich
Steibli nicht.
FDP-Landeschef Jörg Uwe Hahn nannte das Werben der SPD für
eine «Ampel»-Koalition unehrlich. Statt ernsthaft auf ein
solches Bündnis hinzuarbeiten, verfolge die SPD-Landesvorsitzende
Andrea Ypsilanti das Ziel, mit Hilfe der Linken an die Macht zu kommen.
Dieser jetzt bekanntgewordene «Plan B» bedeute einen
«ungeheuerlichen Wortbruch». Schon jetzt sei Ypsilanti die
«Umfallerin des Jahres», sie habe jeden
Glaubwürdigkeitsbonus verspielt. Hahn betonte, das Nein der FDP zu
einer «Ampel» sei jetzt noch deutlicher.
SPD-Sprecher Steibli wies die Kritik Hahns zurück. Dass die SPD
einen «Plan B» verfolge, sei eine
«Unterstellung» und «starker Tobak». Die SPD
habe ernsthafte Gespräche angeboten und geführt, man suche
nach Lösungen in einer sehr komplizierten Lage.
CDU-Landtagsfraktionschef Christean Wagner warf Ypsilanti derweil vor,
sich vor einer klaren Aussage zu einer Unterstützung durch die
Linke zu drücken. Das «Abtauchen» der
SPD-Landesvorsitzenden sei beängstigend. Wagner warnte davor, die
Linke an der Macht zu beteiligen. Eine von «Kommunisten»
getragene Landesregierung wäre eine Katastrophe für die
Zukunft des Landes.
(Quelle: ddp)
Linke macht der SPD nicht nur Wähler abspenstig
Sa.23.02.08 - Nicht nur um Wählerstimmen konkurriert die SPD mit der Linken -
sondern auch um Mitglieder. In ihrem besten Jahr, 1977, zählte die
SPD über eine Million Parteigänger, bei der
Regierungsübernahme 1998 waren es immerhin noch 775.000. Der
letzte Stand vom 31. Januar 2008 vermeldet 537 995. Die
Sozialdemokraten stehen kurz davor, ihre traditionelle Rolle als
größte Volkspartei an die CDU zu verlieren.
Viele der ehemaligen Sozialdemokraten, die ihr Parteibuch
zurückgegeben haben, wechseln zur Linken. So auch Gunnar Zerowsky
aus Berlin-Neukölln. Der 29-jährige arbeitslose
Sozialwissenschaftler war seit seiner Jugend bei der SPD aktiv, im
Bundes- und im Landesvorstand der Jusos für Schulpolitik
verantwortlich. Sein Unmut über die SPD entzündete sich am
rot-grünen Projekt, von dem er sich «einfach mehr
erwartet» habe, wie er es vorsichtig ausdrückt. Besonders
das sozial- und außenpolitische Programm missfielen ihm,
Schröders «Basta»-Stil und die deutsche Beteiligung am
Kosovo-Krieg, wegen der er 2001 aus der SPD austrat.
Als WASG und PDS für die Bundestagswahl 2005 eine gemeinsame Liste
mit dem Spitzenkandidaten Oskar Lafontaine ankündigten, hatte
Zerowsky das Gefühl, «jetzt wird es doch noch was mit der
PDS». Einer ostdeutschen Nischenpartei wäre er nicht
beitreten. Aber Lafontaines Kandidatur habe für den Westen viel
geändert, meint er. Im Sommer 2005 wird Zerowsky PDS-Mitglied.
Ende 2006 hatten WASG und Linkspartei.PDS zusammengerechnet gut 69 000
Mitglieder. Inzwischen steht die Mitgliederzahl der Linken bei rund 72
000. Dieser Ansteig erscheint moderater, als er ist, weil nach der
Fusion der beiden Parteien im Juni 2007 vormals mögliche
Doppelmitgliedschaften wegfielen. Insgesamt wurden 2007 über 7500
Neueintritte verzeichnet.
Die Ergebnisse der Landtagswahlen in Hessen und Niedersachsen scheinen
dieser Entwicklung einen zusätzlichen Impuls gegeben zu haben. Man
verzeichne «wesentlich mehr Eintritte als noch im
Dezember», heißt es aus dem Landesbüro Niedersachsen,
und auch die Landesgeschäftsstelle in Hessen bestätigt, die
Partei habe bei den Mitgliederzahlen «kräftig
zugelegt».
Gunnar Zerowsky kann das gut verstehen. Neben der Programmatik der
Linken sagt ihm vor allem der dort vorherrschende Politikstil mehr zu.
«Wenn man bei der Linken Anträge beschließt, dann
werden die auch umgesetzt - ein großer Unterschied zur
SPD!» Das größere Gehör, das die Basis bei der
Parteispitze finde, sei das Hauptmotiv für seinen Wechsel.
«Die Aussicht auf Erfolge in der anderen Partei hat eher den
Ausschlag gegeben als die Frustration über die SPD», sagt
er. Er kenne ganze Ortsverbände, die von ehemaligen
Sozialdemokraten, «ganz viele junge Leute», besetzt seien.
War die PDS noch als «Rentnerpartei» verschrien, hat sich
die Mitgliederschaft der Linken durch die Neueintritte verjüngt.
Dass die Linke wegen ihres Umgangs mit der SED-Vergangenheit in der
Bundespolitik weiterhin als Schmuddelkind angesehen wird, ficht
Zerowsky nicht an. Die Äußerungen der niedersächsischen
Landtagsabgeordneten Christel Wegner (DKP) zu Mauerbau und Stasi sei
zwar »ein politischer Super-GAU» gewesen. Derlei
DDR-Nostalgiker spielten in der Partei allerdings «null
Rolle». Ihn und die anderen jungen Neumitglieder würde
dieses Thema ohnehin nicht sonderlich betreffen: «Das ist halt
auch eine Generationenfrage. Da bin ich einfach raus.»
(Quelle: ddp)
Bildungsministerin Schavan lehnt Verringerung der Schulstunden für
'Turbo-Abitur' ab
Sa.23.02.08 - Angesichts der anhaltenden Debatte um das achtjährige Gymnasium
lehnt Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) eine Verringerung
der Schulstunden zur Entlastung der Schüler und Lehrer ab.
«Die Zahl der Schulstunden für das Gymnasium ist im
internationalen Vergleich eher Durchschnitt», sagte Schavan der
«Saarbrücker Zeitung» (Freitagausgabe). Eine
Verringerung von Schulstunden würde den Schülern daher Chancen
nehmen.
Die Länder dürften die kritischen Fragen von Eltern,
Schülern und Lehrern zum sogenannten Turbo-Abitur nicht ignorieren.
«Was die Schulen brauchen, ist ein Bildungsplan, der zu der
verkürzten Schulzeit passt.» Wo es keinen passenden
Bildungsplan gebe, müsse er schleunigst geschaffen werden.
Zugleich plädierte die Ministerin dafür, den Schulen mehr
Spielräume für attraktive Lösungen zu geben. «So
halte ich es auch mit dem Samstagsunterricht. Das muss vor Ort
entschieden werden», sagte Schavan.
(Quelle: ddp)
UN-Beauftragter kritisiert abermals deutsches Bildungssystem
Sa.23.02.08 - Der UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Bildung, Vernor
Muñoz, hat seine Kritik am deutschen Bildungssystem
bekräftigt. Wie der Bundestag mitteilte, warf Muñoz der
Bundesregierung vor dem Bundestagsausschuss für Bildung vor, die
UN-Kinderrechtskonvention nicht lückenlos umzusetzen. Die
"perverse Folge" sei, dass die Kinder von Flüchtlingen "in erster
Linie vor ihrem Migrationshintergrund und erst in zweiter als Kinder
betrachtet werden." Die Bundesregierung hatte bei der Ratifizierung der
Konvention 1992 unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen
kein besonderes Schutzrecht zuerkennen wollen.
Damit verstoße Deutschland klar gegen das Menschenrecht auf
Bildung, sagte Muñoz den Angaben zufolge. Bereits vor einem Jahr
hatte der costa-ricanische Rechtsanwalt und Pädagoge ein
vernichtendes Urteil über das deutsche Schulsystem gefällt.
Mit seiner frühen Aufteilung auf verschiedene Schultypen,
überdurchschnittlich vielen Sonderschulen und mangelnder
Chancengleichheit für Kinder aus unterprivilegierten Familien sei
das deutsche Schulsystem selektiv, diskriminierend und ungerecht.
Vor dem Bildungsausschuss sagte Muñoz nun, er warte immer noch
auf eine Antwort der Bundesregierung auf seinen Bericht. Als
Fortschritt wertete er die Ansätze in mehreren Bundesländern,
das mehrgliedrige Schulsystem auf ein zweigliedriges umzustellen. Wenig
Fortschritte gebe es dagegen auch bei der Integration von Behinderten.
(Quelle: afp)
Wissenschaft und Technik
Größte Erbgutstudie - Europäer genetisch gut zu
unterscheiden
Sa.23.02.08 - Die bislang größte genetische Studie ihrer Art zeichnet den
Weg des Menschen von Afrika in alle Welt so detailliert nach wie nie
zuvor. Europa war nach Afrika und den Nahen Osten demnach die dritte
eroberte Region.
Und noch heute unterscheiden die feinen Varianten im Erbgut etwa
Menschen aus der Toskana von jenen im Rest Italiens. Das Genom dividiert
auch Basken und Franzosen auseinander. Die Gruppe um Jun Li von der
Stanford University School of Medicine (US-Staat Kalifornien) hatte
für ihre Studie im Journal «Science» (Bd. 319, S.
1100) das Erbgut von 938 nicht verwandten Menschen aus 51 weltweit
verteilt lebenden Gruppen miteinander verglichen. Damit bestätigten
die Forscher einmal mehr, dass die Welt nach und vom südlichen
Afrika aus besiedelt wurde («Out of Africa»- Theorie).
Die Folge war demnach Südliches Afrika, Nordafrika, Naher Osten,
Europa, Zentral- und Südasien, Ozeanien, Amerika. Nachdem eine
Region besiedelt war, brach jeweils eine kleine Gruppe neuer
Gründerväter zu neuen Ufern auf, schreiben die Wissenschaftler.
Sie fassen ihre Daten der 51 Gruppen in einem neuen Stammbaum zusammen,
den sie in der Region Europa in acht Zweige teilen: Menschen aus der
Toskana, Sardinien, Italien, dem Baskenland, Franzosen, Schotten von den
Orkneyinseln, Russen und die zu den Russen gerechneten Adygei aus dem
westlichen Kaukasus. Es ist aber davon auszugehen, dass es in Europa
weit mehr Gruppen gibt. Viele Europäer ließen sich mit dem
bisherigen Verfahren zudem nicht so genau voneinander unterscheiden.
Die Untersuchung zeigt auch, dass die im Süden Afrikas lebenden
Buschmänner vom Volk der San an der Wurzel des Stammbaumes stehen.
Womöglich hätten sich auch hier noch weitere Gruppen
unterscheiden lassen, aber die Forscher um Li hatten insgesamt nur
Vertreter von weltweit 51 Gruppen zur Verfügung.
Die Forscher nutzten für ihre Untersuchung feine Unterschiede im
Genom. Die Abfolge der rund 3,2 Milliarden Bausteine ähnelt sich
von Mensch zu Mensch fast vollständig. In einigen Fällen aber
entstehen Fehler: Dann ist ein Baustein gegen einen anderen
ausgetauscht. Dieser Austausch (SNP, single nucleotid Polymorphism)
bleibt oft ohne Folgen, wird aber an die Nachkommen weitergegeben.
Über lange Zeit hinweg entsteht in einzelnen Regionen ein Muster
dieser SNPs im Erbgut.
Wandert eine Gruppe schließlich auf einen neuen Kontinent, nimmt
sie auch diese Muster mit und gibt sie weiter. Deren Analyse verrät
daher viel über die Herkunft und Vorfahren eines Menschen -
Asiaten haben eine andere Verteilung von SNPs als Europäer oder
Afrikaner. Die Unterschiede wachsen sowohl mit der zeitlichen als auch
der räumlichen Entfernung zu den Urvätern- und müttern
im Südlichen Afrika.
Die Forschergruppe reiste nicht selbst durch alle Welt um die
nötigen Proben zu sammeln, sondern nutzte für ihre Studie das
genetische Material des Human Genome Diversity Project (HGDP), dem
insgesamt 1064 Menschen aus 51 Regionen ihre genetischen Daten zur
Verfügung gestellt hatten. Die neuen Resultate bestätigen
zahlreiche ähnlich lautende Resultate aus den vergangenen Jahren,
liefert aber viel mehr Details. Erst am Vortag hatten zwei
Forschergruppen im Fachjournal «Nature» ähnliche
Ergebnisse veröffentlicht.
(Quelle: dpa)
Mit Lichtteilchen gegen heimliche Datenabhörer
Sa.23.02.08 - Lichtteilchen können die Anwesenheit von Mithörern in einer
Datenleitung nachweisen. Deshalb wollen Forscher die "Bausteine des
Lichts" nun als Wächter für eine sichere
Datenübertragungen einsetzen.
Unter Fachleuten werden die Lichtteilchen als Photonen bezeichnet. Sie
sind winzig klein und verfügen über exakt definierte
Eigenschaften wie etwa eine bestimmte Wellenlänge. Die jeweiligen
Charakteristika können so gewählt werden, dass sie sich
verändern, sobald ein Photon in einer Datenleitung von einem
heimlichen Spion "berührt" wird.
Weiß der Empfänger einer Nachricht, mit welchen
Eigenschaften das Photon vom Absender zu ihm auf die Reise geschickt
worden ist, fallen ihm Abweichungen sofort auf. Und Abweichungen
bedeuten in diesem Fall, dass sich ein Hacker Zugriff auf den Datenstrom
verschafft hat. Somit könnte die Übertragung der sensiblen
Inhalte sofort gestoppt werden.
Die meisten Lichtquellen senden viele Photonen gleichzeitig aus,
für den Datenschutz wird jedoch jeweils nur ein einziges dieser
Lichtteilchen benötigt. An der technischen Umsetzung dieser
Anforderung arbeiten Physiker der TU Berlin. Ihnen ist es bereits
gelungen, erste Prototypen solcher Einzelphotonen-Emitter zu entwickeln.
Ihr Ziel für die Zukunft ist es, ein massentaugliches Gerät
zu entwerfen.
(Quelle: gp)
Sensible Daten zerstören sich auf gestohlenen Notebooks selbst
Sa.23.02.08 - Durch ein neues Sicherheitssystem zerstören sich sensible Daten
auf gestohlenen Notebooks selbst. Was die meisten Anwender bisher nur
aus James-Bond-Filmen kannten, soll jetzt mit "BackStopp" des britischen
Unternehmens Virtuity möglich sein.
Mit Hilfe von elektromagnetischen Wellen (RFID) wird die Position des
Gerätes verfolgt; auch ausgeschaltete Computer sollen so
aufgespürt werden können. Verlässt das Gerät einen
zuvor festgelegten erlaubten Aufenthaltsbereich, wird im
BackStopp-Kontrollzentrum eine Warnung erzeugt. Bei Bedarf kann dann per
Datenübertragung ein Löschbefehl an das Notebook
übermittelt werden.
Die Löschung soll laut Hersteller des Systems so effizient sein,
dass sich die Daten nicht wiederherstellen lassen. Muss der
Gerätebesitzer den erlaubten Aktionsradius mit seinem Gerät
verlassen, kann er über eine Internet-Seite Ausnahmen festlegen (http://www.backstopp.com).
(Quelle: gp)