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Irak am 1432sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Schwere Kämpfe im Nordirak - Türkische Truppen töten
mindestens 79 kurdische PKK-Rebellen. USA unterstützen
türkische Offensive. Iraks Regierung fordert Türkei zu
nichtmilitärischer Lösung auf. Irakische
Sicherheitskräfte töten elf mutmaßliche
Al-Kaida-Mitglieder. Anschlag auf Chef der irakischen
Journalistengewerkschaft
So.24.02.08 - Bei ihrer Großoffensive im Nordirak haben sich türkische
Truppen schwere Kämpfe mit Rebellen der verbotenen Kurdischen
Arbeiterpartei PKK geliefert. Die türkische Armee rückte am
Samstag weiter in den Irak vor. Türkische Medien
berichteten, es gebe in mehreren Regionen schwere Schießereien
mit PKK-Einheiten. Kampfhubschrauber und türkische Artillerie
beschossen demnach Verstecke der kurdischen Kämpfer. Der
Militäreinsatz verlaufe "wie geplant", teilte die türkische
Armee mit. Wo genau die Kämpfe stattfanden, wurde nicht
mitgeteilt. Das Militär betonte, dass sich der Einsatz
ausschließlich gegen die als Terrororganisation eingestufte PKK
richte und zeitlich begrenzt sei.
Auch die Sicherheitskräfte der drei von den Kurden verwalteten
Autonomieprovinzen des Nordiraks bestätigten, bisher hätten
die Türken weder zivile Ziele noch Stellungen der irakischen
Kurden-Kämpfer ("Peschmerga") angegriffen. "Wir sind nicht Teil
dessen, was entlang der Grenze passiert, aber falls die türkische
Armee zu den Kasernen der Peschmerga marschieren würde, dann
würden wir sie zurückdrängen", sagte ein Armeesprecher
der Nachrichtenagentur Aswat al-Irak.
Mindestens 79 PKK-Kämpfer und sieben Soldaten wurden seit Beginn
des Einmarsches am Donnerstag getötet, wie der türkische
Generalstab am Samstag mitteilte. Die massive Bodenoffensive wurde von
der türkischen Luftwaffe unterstützt, die auch
mutmaßliche PKK-Stellungen in den Kandil-Bergen angriff. An dem
Einsatz sind nach unbestätigten türkischen Medienberichten
mehr als 10.000 Soldaten beteiligt. Nach irakischen Angaben sollen aber
höchstens 1000 türkische Soldaten im Irak im Einsatz sein.
Der Nachrichtensender CNN-Türk berichtete unter Berufung auf
türkische Sicherheitskreise, die Operation solle etwa zwei Wochen
dauern. Nach Angaben aus Militärkreisen soll der Einsatz noch
intensiviert werden. Arabische Medien berichteten, die PKK drohe damit,
"den Kampf in die Türkei hineinzutragen".
Ein Sprecher der Autonomieregierung der nordirakischen Kurdenregion
forderte, die türkischen Truppen sollten sich "sofort aus dem Irak
zurückziehen". Der US-Regierung warf er vor, sie habe Ankara
grünes Licht für diesen "Angriff auf die irakische
Souveränität" gegeben.
Aus Washington hieß es, die Türkei könne im Kampf gegen
die PKK auf die Solidarität der USA zählen. Die PKK sei der
gemeinsame Feind der USA und der Türkei, sagte
US-Außenministerin Condoleezza Rice am Freitagabend in Washington.
Sie sei auch ein Feind des irakischen Volkes. Rice forderte die
Türkei jedoch auf, bei ihrem Vorgehen die Lage im Irak nicht zu
destabilisieren.
Nach irakischer Ansicht wird der türkische Einmarsch nicht zu
einem Ende der Angriffe der Rebellen führen. Bereits in der
Vergangenheit hätten ähnliche Operationen der türkischen
Streitkräfte keinen dauernden Erfolg gehabt, sagte
Regierungssprecher Ali al-Dabbagh in Bagdad.
Die Türkei hat seit Herbst bis zu 100.000 Soldaten an der Grenze
zusammengezogen, unter dem Druck der USA eine Bodenoffensive aber
aufgeschoben. Seit Beginn des Kampfes der PKK für einen eigenen
Staat im Jahr 1984 sind in dem Konflikt 40.000 Menschen getötet
worden.
Irakische Sicherheitskräfte haben bei Einsätzen nordwestlich
von Bagdad nach eigenen Angaben elf mutmaßliche Mitglieder der
Terrorgruppe Al Kaida im Irak getötet. Wie die Polizei am Samstag
mitteilte, fanden die Razzien in Tikrit und Thar Thar, einer Stadt 40
Kilometer nordwestlich der Hauptstadt, statt.
Als Maßnahme gegen Bombenanschläge wurden unterdessen in
Bagdad bis auf weiteres alle Hand- und Pferdekarren von den
Straßen verbannt. Das teilte ein Militärsprecher mit. Am
Freitag wurden in Bagdad bei der Explosion eines Sprengsatzes, der
unter einem Pferdewagen versteckt war, drei Menschen getötet.
Der Vorsitzende der irakischen Journalistengewerkschaft wurde bei einem
Anschlag in der Hauptstadt schwer verwundet. Nach Angaben der Polizei
schossen die Attentäter auf Schihab al Timimi, als dieser im Auto
saß. Al Timimi hatte gerade die Gewerkschaftszentrale in Bagdad
verlassen. Die Attentäter entkamen unerkannt.
Al Timimi, der Mitte 70 ist, wurde 2004 zum Vorsitzenden der
Journalistengewerkschaft gewählt. Im vergangenen Jahr wurden im
Irak nach Angaben der internationalen Organisation Reporter ohne
Grenzen 47 Journalisten getötet, sechs mehr als 2006. Bei den
meisten Opfern handelte es sich um Iraker.
boa (Quellen: ap, afp, dw)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 24.02.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am neunhundertundsiebzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Sa.24.02.07 - Die USA bemühen sich derzeit, den Einfluss des Irans im
Nachbarland Irak einzudämmen. Doch die Fronten dort sind alles
andere als klar: Die von den USA gestützte Regierung in Bagdad hat
Vorstellungen zur Zukunft des Landes, die Teheran näher liegen als
Washington. Eine Schlüsselrolle spielt dabei der radikale
schiitische Prediger Muktada al Sadr...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0702240.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Nahost-Konflikt: Ägypten verhandelt mit Hamas über Grenze zu
Gazastreifen. Drei Tote bei israelischem Raketenangriff im Gazastreifen
So.24.02.08 - Die ägyptische Regierung hat am Samstag mit einer Delegation der
Hamas-Organisation über die Lage an der Grenze zwischen
Ägypten und dem Gazastreifen verhandelt. Ein ägyptischer
Regierungsvertreter, der namentlich nicht genannt werden wollte, warnte
die Hamas davor, noch einmal die Grenze zu öffnen, wie sie dies am
23. Januar getan hatte.
Damals waren hunderttausende Palästinenser aus dem Gazastreifen
mehrere Tage nach Ägypten geströmt und hatten sich dort mit
Vorräten eingedeckt, die in dem von Israel abgeriegelten
Autonomiegebiet knapp geworden waren. Die Hamas hatte im vergangenen
Juni die Macht im Gazastreifen gewaltsam an sich gerissen.
Ägypten verlangt die Wiederinkraftsetzung des internationalen
Grenzabkommens von 2005, das Israel, Beobachter der EU und die
Palästinensische Autonomiebehörde mit der Grenzkontrolle
betraut. Derzeit ist keine dieser drei Gruppen beteiligt.
Bei einem israelischen Raketenangriff in Beit Hanun im Gazastreifen
sind am Samstag drei Menschen getötet worden.
Sanitäter berichteten, bei den Opfern handele es sich um
Zivilisten, die für eine in dem Palästinenser-Gebiet
tätigen jordanische Bank gearbeitet hätten. Das israelische
Militär bestätigte den Angriff. Er sei gegen radikale
Palästinenser gerichtet gewesen, die einen Grantwerferbeschuss
Israels vorbereitet hätten.
boa (Quellen: rtr, ap)
Konfliktparteien in Uganda vereinbaren dauerhafte Waffenruhe
So.24.02.08 - Bei den Verhandlungen um ein Ende des seit 20 Jahren andauernden
Bürgerkriegs in Uganda haben sich Regierung und Rebellen der
Lord's Resistance Army (LRA) auf eine unbefristete Waffenruhe
verständigt. Vertreter beider Seiten unterzeichneten am
Samstagnachmittag im südsudanesischen Juba ein entsprechendes
Abkommen, wie ein Sprecher der Regierungsdelegation, Chris Magezi, der
Nachrichtenagentur AFP sagte. Magezi wertete die Vereinbarung als
"weiteren bedeutenden Durchbruch" und "Wendepunkt" in dem Bemühen
um ein Ende des Konfliktes. Das Abkommen zeige "die Entschlossenheit
beider Seiten, auf ein abschließendes Friedensabkommen
hinzuarbeiten".
Der Waffenstillstand ist der vierte Schritt in einem
Fünf-Stufen-Plan, nach dem LRA und Regierung in ihren
Friedensverhandlungen vorgehen. Als letzter Schritt soll in den
kommenden Tagen die Unterzeichnung eines endgültigen
Friedensabkommens folgen. Zuvor soll nach Angaben eines
Regierungsvertreters ein Abkommen über die Entwaffnung,
Demobilisierung und Wiedereingliederung der Rebellen unterschrieben
werden. Der Waffenstillstand soll dann 24 Stunden nach der
Unterzeichnung des abschließenden Friedensabkommens in Kraft
treten.
Die Friedensverhandlungen hatten im Juli 2006 unter Vermittlung des
Nachbarlands Sudan begonnen. Die christlich-fundamentalistische LRA
kämpft seit 1988 im Norden Ugandas gegen die Regierung von
Präsident Yoweri Museveni mit dem Ziel, ein neues Staatswesen auf
Grundlage der zehn Gebote zu errichten. Der Rebellenorganisation werden
schwere Menschenrechtsverstöße vorgeworfen. Nach Angaben von
Menschenrechtsgruppen verschleppte die LRA seit dem Beginn ihres
Kampfes gegen die ugandische Armee unter anderem zehntausende Kinder
und missbrauchte sie als Kämpfer oder Sexsklaven. LRA-Führer
Joseph Kony ist flüchtig.
(Quelle: afp)
Irans Präsident Ahmadinedschad verlangt Entschuldigung für
Atomwaffenvorwurf
So.24.02.08 - Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad hat von den USA und
ihren Verbündeten eine Entschuldigung für den Vorwurf
gefordert, sein Land strebe den Besitz von Atomwaffen an. Er reagierte
damit am Samstag auf einen Bericht der Internationalen
Atomenergiebehörde (IAEA), wonach einige Fragen zum iranischen
Atomprogramm beantwortet worden seien. Es bleibe aber eine Sorge wegen
der fortgesetzten iranischen Weigerung, die Anreicherung von Uran zu
beenden.
Ahmadinedschad sagte in einer Fernsehansprache, die USA und ihre
Verbündeten sollten sich nun «für ihre Fehler»
entschuldigen und dem Iran zudem Schadenersatz zahlen. Zu einem ganz
anderen Schluss kam die amerikanische Außenministerin Condoleezza
Rice: Nach dem IAEA-Bericht gebe es gute Gründe, auch eine dritte
Runde von Sanktionen gegen Teheran zu verhängen, sagte sie am
Freitag in Washington.
In dem neuen IAEA-Bericht werde festgestellt, dass die iranische
Regierung nicht umfassend mit den Inspektoren der Organisation
zusammengearbeitet und Fragen zu früheren Atomprojekten nicht
beantwortet habe, sagte Rice. Es gebe weiterhin Anlass zur Sorge
über eine «Zukunft, in der der Iran damit beginnen
könnte, die Technologien zu vervollkommen, die zu Atomwaffen
führen könnten».
Rice sprach kurz vor einem Treffen von Diplomaten der fünf
ständigen Mitgliedsstaaten des Weltsicherheitsrats und
Deutschlands. Die sechs Staaten haben sich auf einen Entwurf für
eine Resolution mit weiteren Sanktionen gegen den Iran
verständigt. Der Sicherheitsrat soll nach dem Willen der USA in
der kommenden Woche über die Entschließung beraten. Es ist
vorgesehen, die in den vergangenen zwei Jahren beschlossenen Sanktionen
auszuweiten und zu verschärfen.
Der am Freitag in Wien vorgelegte IAEA-Bericht stellt fest, dass der
Iran die Anreicherung von Uran ausgeweitet und die Arbeiten an
Atomanlagen fortgesetzt hat. Bei einer Fertigstellung könnte dort
Plutonium produziert werden, ein möglicher Ausgangsstoff für
die Herstellung von nuklearen Sprengköpfen.
(Quelle: ap)
Pakistan: Volkspartei will nach Wahlsieg Musharrafs Vollmachten
beschneiden
So.24.02.08 - Die pakistanische Volkspartei (PPP) will nach ihrem Sieg bei der
Parlamentswahl die Vollmachten von Präsident Pervez Musharraf
beschneiden. So solle dem Staatsoberhaupt unter anderem das Recht
genommen werden, das Parlament aufzulösen, teilte die PPP in einer
Erklärung am Samstag mit. Die Parteiführung beriet in einer
Klausur über die Regierungsbildung und den künftigen
Ministerpräsidenten.
Die Partei der im Wahlkampf ermordeten Oppositionsführerin Benazir
Bhutto hatte bei der Wahl am Montag mindestens 87 der 269
Parlamentssitze gewonnen. Die Muslimliga des von Musharraf 1999
abgesetzten früheren Ministerpräsidenten Nawaz Sharif gewann
67 Mandate, Musharrafs Partei PML-Q kam nur auf 40 Sitze. Bhuttos Mann
Asif Ali Zardari und Sharif vereinbarten am Donnerstag die Bildung
einer Koalitionsregierung.
Als Favorit für das Ministerpräsidentenamt zeichnete sich in
den nichtöffentlichen Beratungen offenbar der 68-jährige
Makhdoom Amin Fahim ab, der wie Bhutto aus der Provinz Sindh stammt.
Der frühere PPP-Sprecher Shafqat Mahmood sagte, Fahim habe die
Unterstützung der Bhutto-Familie. Zudem gelte er als Politiker,
der Konsens herstellen und damit Differenzen in einer Koalition
überbrücken könne.
Das Recht auf Auflösung des Parlament stammt aus der Verfassung
des 1988 verstorbenen autoritär regierenden Präsidenten Zia
ul-Haq. Der Artikel wurde nach seinem Tod gestrichen, Musharraf setzte
ihn nach seinem Putsch gegen Sharif 1999 wieder ein.
(Quelle: ap)
Solana sieht 'Schlüsselrolle' für Deutschland auf dem Balkan
So.24.02.08 - Der EU-Außenbeauftragte Javier Solana erwartet von Deutschland
langfristig einen zentralen Beitrag zur Stabilisierung der Lage auf dem
Balkan. Deutschland leiste dort schon jetzt einen wesentlichen Beitrag
zu den Einsätzen der NATO und der Europäischen Union, sagte
der frühere NATO-Generalsekretär der Zeitung "Bild am
Sonntag". Solange der Kosovo noch nicht alleine für seine
Sicherheit sorgen könne, sei Deutschlands Beitrag zur
Kosovo-Stabilisierungstruppe KFOR "sehr wichtig", fügte Solana
hinzu.
Darüber hinaus leiste Deutschland mit Polizisten und Juristen auch
einen "unverzichtbaren Beitrag zum zivilen Aufbau des Kosovo". Wichtig
sei zudem das "starke Engagement deutscher Firmen auf dem westlichen
Balkan". Ohne wirtschaftliches Wachstum könne es keine dauerhafte
Stabilität in der Region geben.
Der außenpolitische EU-Koordinator verteidigte zugleich die
Unabhängigkeitserklärung des Kosovo gegen scharfe Kritik aus
Russland und Serbien. "Die Entscheidung über den künftigen
Status des Kosovo war unausweichlich und bringt langfristig mehr
Stabilität für die Region und damit für uns alle",
betonte Solana.
(Quelle: afp)
Deutsche Industrie: Handel mit Mittel-/Osteuropa ist Wachstumslokomotive
So.24.02.08 - Der deutsche Handel mit den Ländern Mittel- und Osteuropas wird
nach Angaben der deutschen Industrie 2007 auf nahe Sicht die
stärkste Wachstumslokomotive des deutschen Exports bleiben: "Wir
gehen davon aus, dass der Handel mit dieser Region auch in diesem Jahr
überproportional zunimmt", sagte ein Sprecher des Ost-Ausschusses
der Deutschen Wirtschaft am Freitag. Im vergangenen Jahr habe der
Warenaustausch mit diesen Ländern mit rund 280 Milliarden Euro ein
neues Rekordniveau erreicht. Der Zuwachs sei mit 14 Prozent doppelt so
stark ausgefallen wie der des Handelsumsatzes insgesamt. Der Anstieg war
zudem stärker als der im deutschen Geschäft mit China, der
2007 bei 10,8 Prozent gelegen hatte.
Insgesamt nahm damit das deutsche Handelsvolumen mit Mittel- und
Osteuropa in den letzten fünf Jahren um über 87 Prozent oder
130 Milliarden Euro zu, erklärte der Ost-Ausschuss.
Besonders stark fiel dem Ausschuss zufolge die Expansion im
Geschäft mit Polen aus. Die Exporte deutscher Firmen dorthin seien
2007 um ein Viertel gewachsen, die Einfuhren aus Polen nahmen um knapp
17 Prozent zu. Ebenfalls einen drastischen Anstieg mit über 20
Prozent auf 28,2 Milliarden Euro wiesen die deutschen Ausfuhren nach
Russland aus. Damit erhöhten sie sich fast doppelt so stark wie die
ins prosperierende China. Auch im Volumen liegen die Exporte nach
Russland nur noch wenig hinter denen nach China. Allerdings sackte das
Einfuhrvolumen aus Russland dem Ausschuss zufolge vor allem bedingt
durch den schwachen Dollar und eine geringere Nachfrage nach Energie um
4,6 Prozent auf 28,7 Milliarden Euro ab.
(Quelle: rtr)
Kluft zwischen Arm und Reich wächst weiter
So.24.02.08 - Die Einkommenskluft zwischen Arm und Reich in Deutschland reißt
immer weiter auf.: Besserverdiener sichern sich nach einer Untersuchung
des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin
einen immer größeren Anteil am Gesamteinkommen aller
Haushalte. Die Gruppe mit dem geringsten Einkommen fiel dagegen weiter
zurück, wie der "Tagesspiegel am Sonntag" unter Berufung auf das
beim DIW angesiedelte Sozio-Ökonomische Panel (SOEP) vorab
berichtete.
Nach den SOEP-Zahlen, die auf einer Befragung von fast 11.000
Haushalten beruhen, sicherten sich die zehn Prozent der Haushalte mit
dem höchsten Einkommen im Jahr 2006 24,9 Prozent des
Gesamteinkommens, nach 21,6 Prozent im Jahr 2000. Die Gruppe der
obersten 2,5 Prozent der Haushalte habe ihren Anteil von 7,5 auf 9,8
Prozent gesteigert. Die zehn Prozent mit dem geringsten Einkommen
rutschten dagegen von 2000 bis 2006 weiter ab: Ihr Anteil am
Gesamteinkommen fiel von 3,6 auf 2,9 Prozent.
"Die Unternehmensgewinne und die Einkommen aus Vermögen haben in
den letzten Jahren drastisch zugenommen", erklärte SOEP-Forscher
Markus Grabka die Entwicklung.
(Quelle: rtr)
Ungeachtet der Hamburg-Wahl streitet SPD weiter über Linke -
Union warnt SPD vor Belastung der Koalition
So.24.02.08 - Ungeachtet der Wahl in Hamburg hat die SPD am Wochenende weiter
über eine mögliche Wahl der hessischen SPD-Spitzenkandidatin
Andrea Ypsilanti zur Ministerpräsidentin gestritten.
SPD-Bundesvorstandsmitglied Hermann Scheer sagte der "Bild am Sonntag",
wenn die SPD-Kandidatin ohne inhaltliche Absprachen mit der Linkspartei
antrete, sei dies "kein Wortbruch" gegenüber der früheren
Haltung der Sozialdemokraten. Demgegenüber warnte
Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) seine Partei vor einem
solchen Schritt. In der Union wuchs der Unmut über die SPD.
CSU-Chef Erwin Huber sprach von einem "Spiel mit dem Feuer".
Es sei der "Appell an das Parlament", die "eigentliche Wahlsiegerin"
Ypsilanti zur Regierungschefin zu wählen, betonte Scheer. Sollte
Ypsilanti nicht zur Wahl antreten, käme dies der "Selbstaufgabe
der SPD als gestaltende Kraft" gleich. Scheer ist als Minister in einer
Regierung unter Ypsilanti im Gespräch. Steinbrück, der auch
SPD-Vize ist, sagte der "Bild am Sonntag: "Es gilt auch nach der Wahl,
was der SPD-Parteivorsitzende Kurt Beck und Andrea Ypsilanti vor der
hessischen Landtagswahl gesagt haben." Die SPD "darf und wird hier
nicht ihre Glaubwürdigkeit aufs Spiel setzen".
Auch der Sprecher des konservativen Seeheimer Kreises, Klaas
Hübner, sagte der in Dresden erscheinenden "Sächsischen
Zeitung": "Ich gehe fest davon aus, dass das Wort gilt, das Andrea
Ypsilanti selber und auch Kurt Beck immer gegeben haben: Die SPD wird
keine wie auch immer geartete Kooperation mit den Linken eingehen."
CSU-Chef Erwin Huber sagte der "Bild-Zeitung", sollte sich Ypsilanti
mit den Stimmen der Linken zur hessischen Ministerpräsidentin
wählen lassen, drohe "eine schwere Belastung der Großen
Koalition". Auch der wirtschaftspolitische Sprecher der
Unionsfraktion, Laurenz Meyer, sprach von einer Gefährdung der
Berliner Koalition: "Wenn die SPD in so einer Frage Wortbruch begeht,
dann macht das die Vertrauensbasis für eine Zusammenarbeit auch in
Berlin kaputt."
Der frühere Vorsitzende der CDU-CSU-Fraktion, Friedrich Merz,
bezeichnete dem Blatt zufolge in einer E-Mail an die CDU-Mitglieder
seines Wahlkreises eine Fortsetzung der Koalition als "unvorstellbar",
sollte die SPD in Hessen mit Unterstützung oder Duldung der Linken
eine Regierung bilden.
Auch FDP-Chef Guido Westerwelle forderte die Union in einem
Gespräch mit der "Bild-Zeitung" auf, die Große Koalition zu
beenden, sollte sich Ypsilanti mit den Stimmen der Linkspartei zur
Ministerpräsidentin in Wiesbaden wählen lassen.
Linken-Partei- und Fraktionschef Oskar Lafontaine forderte hingegen die
SPD eindringlich zu einer rot-roten-Zusammenarbeit in Hessen auf.
Unterdessen zeigten sich die Grünen zu Gesprächen mit der
Linken in Hessen bereit.
boa (Quelle: afp)
CDU und FDP in Niedersachsen billigen Fortsetzung der Koalition
So.24.02.08 - CDU und FDP haben dem Koalitionsvertrag zur Fortsetzung der gemeinsamen
Regierung in Niedersachsen gebilligt.
Auf Parteitagen am Samstag stimmten die Abgeordneten dem Vertragswerk
einstimmig zu. Einzige Veränderung im Kabinett ist der
Ämtertausch von Justizministerin Elisabeth Heister-Neumann und
Kultusminister Bernd Busemann (beide CDU). Die FDP will ihre beiden
Posten - den für Wirtschaft und den für Umwelt - wie bisher
besetzen, mit Walter Hirche und Hans-Heinrich Sander. Bei der
konstituierenden Sitzung des Niedersächsischen Landtags am
Dienstag soll Ministerpräsident Christian Wulff (CDU)
wiedergewählt werden.
Im Koalitionsvertrag haben sich CDU und FDP unter anderem auf ein
Neuverschuldungsverbot vereinbart. Für zusätzliche Einnahmen
sollen auch Verkäufe von Landesbeteiligungen sorgen.
(Quelle: rtr)
Brandenburgs SPD fordert 'Leitern für Aufstieg'
So.24.02.08 - Knapp sieben Monate vor den Brandenburger Kommunalwahlen hat die
SPD-Spitze mehrere sozialpolitische Initiativen beschlossen. Parteichef
Matthias Platzeck sagte am Samstag in Potsdam: «Es geht um
Bausteine für mehr soziale Gerechtigkeit.» Die SPD wolle
weiter daran arbeiten, den vorsorgenden Sozialstaat zu realisieren.
Dazu müssten «Leitern angelegt werden für den
gesellschaftlichen Aufstieg von Menschen mit geringen Einkommen».
Diese werden das Land insgesamt zwölf Millionen Euro kosten. Die
Vorschläge diskutierte Platzeck bei einer zweitägigen Klausur
des Landesvorstandes mit den Vorsitzenden der Unterbezirke und den
SPD-Landräten. Linke-Landesvorstand Thomas Nord
begrüßte den Beschluss, die CDU dagegen kritisierte das
Vorgehen.
Die SPD setzt sich für die Einführung eines
Schüler-BAföG und eines Sozialfonds für Schüler aus
sozial schwachen Familien ein. Mit dem Schüler-BAföG sollen
mehr Jugendliche aus sozial schwachen Familien das Abitur machen
können. Der Zuschuss soll monatlich mit etwa 100 Euro die
Mehrkosten der Familien für die Bildung ihrer Kinder abdecken.
Derzeit kämen nur fünf Prozent der Abiturienten aus
«Hartz IV»-Haushalten. Die Quote solle auf 20 Prozent
steigen, sagte Platzeck vor der Klausur. Die Landes-SPD will dazu im
laufenden Jahr eine Bundesratsinitiative starten.
Der Sozialfonds für Schüler soll bei den Schulträgern
eingerichtet werden und jährlich mit rund 2,2 Millionen Euro vom
Land gefüllt werden. Mit dem Geld sollen beispielsweise die Kosten
für Mittagessen oder Klassenfahrten finanziert werden, wenn sich
Schüler das nicht leisten können.
Außerdem sollen die Landkreise von der Pflicht entbunden werden,
Elternbeiträge für die Schülerbeförderung zu
erheben. Wenn die Landkreise Beiträge kassieren wollen,
müssen diese nach den Einkommen der Eltern staffeln. Das Land
würde die Schülerbeförderung dann mit rund zwei
Millionen Euro jährlich bezuschussen.
Zudem lehnt die SPD zwar weiter ein Sozialticket für den
Nahverkehr ab. Dafür soll es im Rahmen des Verkehrsverbundes
Berlin-Brandenburg (VBB) ein in ganz Brandenburg nutzbares Monatsticket
für Bus und Bahn zum Preis von maximal 30 Euro geben. Die Nutzung
öffentlicher Verkehrsmittel in Berlin ist dabei jedoch nicht
eingeschlossen. Die einzelnen Landkreise können bei Bedarf den
Berlin-Verkehr gegen Aufschlag mit anbieten, sagte Platzeck.
Die Tickets sollen für Anspruchsberechtigte wie «Hartz
IV»-Empfänger, Bezieher von Arbeitslosengeld sowie für
die Brandenburger angeboten werden, die neben ihrem Arbeitseinkommen
noch aufstockende Maßnahmen beziehen müssen.
Für die Einführung des Sozialtickets kämpfen seit
Monaten Linke, Grüne, Gewerkschaften sowie Wohlfahrts- und
Umweltverbände. Eine von ihnen ins Leben gerufene Volksinitiative
scheiterte im Landtag am Widerstand der SPD/CDU-Koalition. Am Montag
wollen die Initiatoren den Antrag für ein Volksbegehren im Landtag
abgeben.
Linke-Landeschef Thomas Nord sagte, die SPD bewege sich endlich in die
richtige Richtung. «Das zeigt, dass der
außerparlamentarische Druck wirkt». Er forderte eine
schnelle Einigung der Koalitionspartner. Der Vize-Landesvorsitzende der
CDU, Sven Petke, bezeichnete die Beschlüsse der SPD dagegen
«als Anschlag auf die Leistungsträger» in Brandenburg.
Zudem seien sie «unausgegoren». CDU-Generalsekretär
Rolf Hilke kritisierte, dass die Mehreinnahmen durch die
Haushaltskonsolidierung gleich wieder ausgegeben werden sollen.
«Die SPD lässt sich von den Linken treiben»,
fügte er hinzu.
(Quelle: ddp)
Gesundheitsfonds benachteiligt offenbar Hartz-IV-Empfänger
So.24.02.08 - Die Einführung des Gesundheitsfonds mit einem einheitlichen
Krankenkassenbeitrag benachteiligt nach einem Bericht der "Hannoverschen
Allgemeinen Zeitung" Empfänger von Arbeitslosengeld II. Wenn ihre
Kasse mit den Beiträgen nicht auskomme und deshalb einen
Zusatzbeitrag von ihren Mitgliedern erhebe, müssten die
Hartz-IV-Empfänger diesen von ihrem Arbeitslosengeld II bezahlen,
berichtete das Blatt unter Berufung auf die Antwort der Bundesregierung
auf eine Anfrage der Grünen. Die Grünen-Arbeitsmarktexpertin
Brigitte Pothmer sprach in diesem Zusammenhang in der Zeitung von einem
"Skandal".
Im umgekehrten Fall dagegen, wenn also eine Kasse Überschüsse
erzielt und ihren Versicherten deshalb eine Prämie auszahlt, gingen
Arbeitslosengeld-II-Bezieher demnach leer aus, da die Prämie auf
die staatliche Unterstützung angerechnet werde.
Einen Zusatzbeitrag müssen Krankenkassen erheben, die mit der
Zuteilung der Gelder aus dem künftigen Gesundheitsfonds nicht
auskommen. Vom Gesamtaufkommen nach dem bundesweit einheitlichen
Krankenkassenbeitrag wird ab Januar künftig jeder Krankenkasse
für einen Versicherten ein einheitlicher Grundbetrag und ein
Zuschlag nach der Krankenstruktur der Kasse ausgezahlt. Muss eine Kasse
darüber hinaus einen Zusatzbeitrag erheben, können die
Versicherten zu einer anderen Kasse wechseln.
(Quelle: afp)
Arbeitsminister Scholz will Eintrittsalter für Altersteilzeit
anheben
So.24.02.08 - Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) plant nach einem Bericht des
Magazins «Der Spiegel» ein neues Modell zur Altersteilzeit.
Danach soll der früheste Beginn der Altersteilzeit von 55 Jahre
auf 57 Jahre angehoben und mit dem Bezug einer Teilrente ab dem 60.
Lebensjahr kombiniert werden, wie es in einer Vorabmeldung vom Samstag
hieß.
Arbeitnehmer könnten dann zum Beispiel zwischen 57 und 60
zunächst voll weiterarbeiten, um anschließend ganz aus dem
Berufsleben auszusteigen. Mit 63 würden sie dann mit Abstrichen in
die reguläre Altersrente wechseln. Während dieser sechs Jahre
würden sie aus der Kombination von halbem Arbeitsentgelt,
Aufstockungsbeträgen ihrer Arbeitgeber und vorgezogener Teilrente
rund 70 Prozent ihres bisherigen Nettos verdienen.
Der Staat fördere das Modell, indem er wie bisher die
Aufstockungszahlungen der Arbeitgeber von Steuern und Sozialabgaben
freistelle. Dennoch würden die künftigen Vorruheständler
finanziell schlechter dastehen, da die heutig
(Quelle: ap)
Ex-VW-Betriebsratschef Volkert belastet Piech - Ungleichbehandlung in
der juristischen Aufarbeitung der VW-Affäre kritisiert
So.24.02.08 - Der am Freitag zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun
Monaten verurteilte Ex-VW-Betriebsratschef Klaus Volkert hat in der
VW-Affäre um Lustreisen und Bonuszahlungen für
Betriebsräte den früheren Vorstandschef Ferdinand Piech
belastet. «Wer die damalige Gesamtkonstellation im Unternehmen
kennt, kann sich schwer vorstellen, dass all das ohne Piech gelaufen
ist», sagte Volkert dem Nachrichtenmagazin «Der
Spiegel».
Im VW-Konzern habe es «nur wenig gegeben, was er nicht
wusste», sagte Volkert über den heutigen
VW-Aufsichtsratschef. Er selbst habe Piech «nie gefürchtet.
Aber man ist gut beraten, ihn sich nicht zum Feind zu machen».
Volkert kritisierte zugleich die Ungleichbehandlung in der juristischen
Aufarbeitung der VW-Affäre. Ex-Personalvorstand Peter Hartz habe
eine Bewährungsstrafe erhalten und bekomme weiterhin seine volle
Betriebsrente von 16 000 Euro monatlich, während seine
Altersbezüge um 50 Prozent gekürzt worden seien. Wenn das
keine Vorzugsbehandlung sei, «dann weiß ich nicht
mehr», sagte Volkert. Im Gegensatz zu Hartz habe die
Staatsanwaltschaft ihm aber «nie einen Deal angeboten».
Nach dem Prozess ist Volkert offenbar finanziell ruiniert und
erwägt, Privatinsolvenz anzumelden. Unter anderem fordere das
Finanzamt von ihm 470 000 Euro. Er solle das Geld, das seine damalige
Geliebte von VW bekommen hat, nachversteuern. Er sehe sich bereits
«mit dem Hut in der Fußgängerzone».
«Das Schlimmste ist wirklich, was ich meiner Familie angetan
habe», sagte Volkert über seine Rolle in der VW-Affäre.
Allerdings hätten doch alle profitiert. «Der Konzern brummte,
nie gab es bessere Tarifverträge für die
Beschäftigten», ergänzte der frühere
VW-Betriebsratschef. Volkert räumte ein, «wahrscheinlich
vielen geschadet» zu haben, auch dem Mitbestimmungsgedanken.
Zugleich klagte Volkert die IG Metall an, keine Lehren aus der
Affäre gezogen zu haben. Da werde «doch alles
totgeschwiegen». Und die Mitbestimmung erfordere «einen
derart großen Spagat, dass es einen irgendwann zerreißt,
egal wie charakterfest man ist».
(Quelle: ddp)
Grüne fordern Aufklärung über in Steueraffäre
verwickelte Abgeordnete
So.24.02.08 - Die Grünen fordern unverzügliche Aufklärung
darüber, welche ehemaligen oder amtierende Bundestagsabgeordneten
in die Liechtensteiner Steueraffäre verwickelt sind. Die
Fraktionsspitze erklärte am Samstag, der Bundestag habe
außerdem das Recht und die Pflicht herauszufinden, ob im
Parlament vertretene Parteien an Steuerhinterziehung und illegalen
Transaktionen beteiligt sind oder waren. Kirchenvertreter vermuteten
unterdessen Verlogenheit hinter der Debatte über die Steuerflucht.
Die Vorsitzende Renate Künast und ihr Stellvertreter
Hans-Christian Ströbele verwiesen auf konkrete Fälle in der
Vergangenheit, in denen etwa die CDU Spendengelder in Liechtenstein
verborgen hatte. Die Vorgängerorganisation der Linkspartei soll an
der Verschleierung von ehemaligen SED-Geldern im Ausland beteiligt
gewesen sein. Parlament und Bevölkerung hätten zudem ein
Recht darauf zu erfahren, wer sich nur verbal für das Gemeinwohl
engagiere und wer sich unter Missachtung selbstgeschaffener Gesetze
bereichert.
Der oberste Repräsentant des Benediktinerordens kritisierte
unterdessen die Debatte über massenhafte Steuerflucht aus
Deutschland als verlogen. Er denke dabei an das Bibel-Wort Wer steht,
sehe zu, dass er nicht falle», sagte Abtprimas Notker Wolf dem
«Tagesspiegel am Sonntag». Viele, die heute über den
zurückgetretenen Post-Chef Klaus Zumwinkel herzögen,
«hätten vermutlich genauso gehandelt, falls sie die
Möglichkeit gehabt hätten». Geld verlocke, und viele
könnten der Versuchung nicht widerstehen.
(Quelle: ap)
Bahn leitet Fahrpreiserhöhung in die Wege
So.24.02.08 - Die Bahn hat nach einem Magazinbericht Fahrpreiserhöhungen und
Sparmaßnahmen in die Wege geleitet.
Bereits am 1. Februar habe Bahnchef Hartmut Mehdorn dem Aufsichtsrat
entsprechende Vorschläge gemacht, berichtete das Magazin "Focus"
am Samstag vorab. Ziel sei es, die Kosten für die
Lohnerhöhung der Lokführer um elf Prozent teilweise
auszugleichen. Deswegen sollten die Fahrpreise erhöht und
Zusatzgeschäfte akquiriert werden. Nach Mehdorns Plänen sei
unter anderem die Auslagerung von Arbeit in Billiglohnländer und
der Abstoß unprofitabler Geschäftsfelder vorgesehen. Ein
Unternehmenssprecher wollte am Samstag den Bericht nicht kommentieren.
Mehdorn hatte bereits Mitte Januar erklärt, die Bahn müsse in
den kommenden fünf Jahren rund eine Milliarde Euro Mehrkosten
wettmachen, und Einschnitte angekündigt. Dies war bei
Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee und Koalitionspolitikern auf
Kritik gestoßen.
Die "Wirtschaftswoche" berichtete unter Berufung auf die im Dezember
verabschiedete "geheime Mittelfristplanung" des Konzerns, der Umsatz
solle in den nächsten fünf Jahren von 31,4 auf 39,6
Milliarden Euro steigen. Im selben Zeitraum solle das operative
Betriebsergebnis nach Abzug der Zinsbelastung um zwei Drittel auf 2,7
Milliarden Euro zulegen. Die Kapitalrendite soll demnach von 8,7
Prozent 2007 auf 11,0 Prozent 2012 anwachsen. Auch zu diesem Bericht
wollte der Konzernsprecher nichts sagen.
Nach einem "Spiegel"-Beitrag will Mehdorn bei der angestrebten
Teilprivatisierung des Konzerns sowohl die staatliche Holding als auch
die künftige Betriebsgesellschaft leiten. Das in der Regierung
favorisierte Holding-Modell sieht die Ausgliederung von Personenverkehr
und Gütertransport vor. Schienennetz, Bahnhöfe und
Energieversorgung würden danach weiter vollständig im
Staatsbesitz bleiben. Die Koalition hat sich darauf verständigt,
eine Entscheidung erst nach der Bürgerschaftswahl in Hamburg am
Sonntag treffen.
(Quelle: rtr)
Umweltbundesamt: Besseres Klima durch schmalere Autoreifen
So.24.02.08 - Das Umweltbundesamt fordert die Automobilindustrie auf, Fahrzeuge nur
noch mit schmalen Reifen auszustatten. Dadurch könnten Lärm
und Schadstoffe drastisch reduziert werden, sagte der Präsident des
Amtes, Andreas Troge, der «Westfälischen Rundschau»
(Samstagausgabe). Komme ein Tempolimit, benötigten die Autos auch
nicht mehr so breite Reifen für hohe Geschwindigkeiten.
«Nicht alles, was wir heute machen, ist schon das Beste, was wir
tun können», betonte Troge. Sein Kalkül: Wer weniger
schnell fährt, verbraucht weniger Kraftstoff und hilft, den
CO2-Ausstoß zu senken - um drei Millionen Tonnen pro Jahr.
Troge fügte hinzu: «Ein Tempolimit hilft, nicht nur, weil es
die Zahl der Verkehrstoten und Verletzten senkt, sondern auch, weil sich
bei Tempo 120 rund neun Prozent des CO2-Ausstoßes aus Pkw
einsparen ließen.»
(Quelle: ddp)
Spiegel': Spülung der Ostsee-Pipeline mit Umweltgift geplant
So.24.02.08 - Die geplante Ostseepipeline soll offenbar vor ihrer Inbetriebnahme 2011
mit einem starken Umweltgift gespült werden. Die Chemikalie werde
danach vermutlich in die Ostsee geleitet, berichtete das Magazin
«Spiegel» am Samstag vorab. Diese Pläne des vom
russischen Energiekonzern Gazprom geführten Nord-Stream-Konsortiums
seien den deutschen Behörden grundsätzlich bekannt,
heißt es in einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage
der Grünen-Bundestagsabgeordneten Sylvia Kotting-Uhl.
Demnach soll die Pipeline mit 2,3 Milliarden Litern einer Lösung
aus giftigem Glutaraldehyd gespült und das Gemisch
anschließend in die Ostsee entsorgt werden. Glutaraldehyd wird als
Bakterien-Killer verwendet und hat insbesondere auf Wasserorganismen
eine stark giftige Wirkung. Nord Stream wolle die Chemikalie verwenden,
um die Pipeline-Innenseiten zu säubern, schreibt das Blatt.
In dem vom Bundesumweltministerium verfassten Papier heißt es
laut Magazin, Fauna und Flora in der Ostsee seien ohnehin schon stark
durch Schadstoffe belastet. «Die Einleitung von Glutaraldehyd
würde somit in ein besonders empfindliches und besonders
gefährdetes Ökosystem erfolgen», zitiert der
«Spiegel». Allerdings prüfe Nord Stream auch
Alternativen zur Giftlauge.
Im Aufsichtsgremium von Nord Stream sitzt neben Vertretern des
Energiekonzerns E.ON und des Chemie-Konzerns BASF auch Ex-Kanzler
Gerhard Schröder (SPD). Kotting-Uhl forderte die Bundesregierung
dem Bericht zufolge auf, die Einleitung von Glutaraldehyd in die Ostsee
auf jeden Fall zu verbieten.
Die 1200 Kilometer lange Erdgastrasse soll ab Sommer 2009 verlegt und
2010 bereits in Probebetrieb genommen werden. Jährlich bis zu 55
Milliarden Kubikmeter sibirisches Erdgas sollen den Plänen zufolge
nach Deutschland und Westeuropa gepumpt werden. Das würde rund ein
Zehntel des europäischen Gasbedarfs decken.
(Quelle: ddp)
Wissenschaft
Überfischung - Meeresverschmutzung - Erwärmung:
UN-Umweltprogramm warnt vor Aussterben von Fischbeständen
So.24.02.08 - Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) hat eindringlich vor
dem Aussterben von Fischbeständen innerhalb weniger Jahrzehnte
gewarnt. Dies gefährde auch eine zentrale Nahrungsquelle für
2,6 Milliarden Menschen, heißt es in einem am Freitag
veröffentlichten Bericht der Organisation.
Drei Ursachen sind verantwortlich für das düstere Szenario:
Die Überfischung der Bestände, die Meeresverschmutzung und die
globale Erwärmung. «Wenn man all dies zusammennimmt, wird
ein tödlicher Nagel in den Sarg der globalen Fischerei
getrieben», sagte UNEP-Exekutivdirektor Achim Steiner bei der
Vorstellung des Berichts.
Die Studie führt neue wissenschaftliche Erkenntnisse an, wonach
die Erneuerung der Fischbestände auf einen Strömungskreislauf
der Meere angewiesen ist, der von den Auswirkungen der globalen
Erwärmung gestört wird. «Wenn dieser Mechanismus beendet
wird, könnten wir einen Kollaps wichtiger Fischgründe
riskieren», sagte der Autor des Berichts, Christian Nellemann. Die
Studie betrachte erstmals das Zusammenwirken mehrerer negativer
Einflussfaktoren auf die Fischbestände.
«Wir sehen Verschiebungen des Meereslebens, wie sie niemals zuvor
beobachtet wurden», sagte Nellemann. Der Bericht führt das
Beispiel bestimmter Krebsarten an, die in warmen Regionen des Atlantiks
zuhause waren und in den vergangenen Jahrzehnten bis zu 1.000 Kilometer
weit nach Norden gewandert sind.
(Quelle: ap)
Schnellster ziviler Computer der Welt freigeschaltet - Knapp knapp 167
Teraflops Rechenleistung
So.24.02.08 - Das Ungetüm füllt eine halbe Werkshalle, der Lärm der
Klimaanlage übertönt seinen surrenden Herzschlag, doch das
Riesenhirn aus Silizium scheint genügsam vor sich hin zu arbeiten:
JUGENE, der zurzeit schnellste zivile Super-Computer der Welt, ist
offiziell ans Netz gegangen.
Von der kommenden Woche an soll der 65 536 Prozessoren umfassende
Rechenkoloss am Forschungszentrum Jülich einige der komplexesten
Simulationen in den modernen Naturwissenschaften ausführen. Und die
«Großmaschine» - so nennen ihn die Jülicher
Forscher mit einer Mischung aus Ehrfurcht und Nüchternheit - ist
für die große Aufgabe offenbar bestens gerüstet.
In Gebäudetrakt E.1 jagen die digitalen Datenströme in 16
mannshohen Schränken von der Größe einer Telefonzelle
durcheinander und fügen sich am Ende zu einem Gesamtbild. Dies
alles geschieht mit rasender Geschwindigkeit: Die JUGENE-Plattform, die
auf dem Typ «Blue Gene/P» des US-Computerherstellers IBM
basiert, stemmt eine Rechenleistung von knapp 167 Teraflops (Billionen
Rechenoperationen pro Sekunde). Das entspricht der Rechenleistung von
rund 20 000 durchschnittlichen PCs. Wird das Elektronen-Gehirn mit
Volllast gefahren, kommt es in der Spitze sogar auf 223 Teraflops.
Es werde nur noch übertroffen von einer Maschine am Lawrence
Livermore National Lab in Kalifornien, die auch militärische
Forschung betreibe und rund 500 Teraflops erreiche, sagt der Physiker
Stefan Krieg. Der Nachwuchsforscher von der Universität Wuppertal
untersucht an der Jülicher Anlage kernphysikalische Modelle zur
sogenannten Starken Wechselwirkung. «Wir arbeiten mit einem Team
von zehn Leuten aus drei Staaten. Die Möglichkeiten von JUGENE sind
schon prima.»
Tatsächlich gibt es kaum eine Disziplin, die in den vergangenen
Jahren nicht in den Bann der Teraflops geraten ist. Zu den Haupt-
Anwendungsgebieten der Simulationswissenschaft zählen nach wie vor
die Astro-, Teilchen- und Plasmaphysik sowie die Materialforschung. Seit
langem modellieren Wissenschaftler aber auch den Protein-Stoffwechsel
in Zellen, das Strömungsverhalten von Flugzeug-Tragflächen
oder Magma-Bewegungen im Erdinneren am Computer. Langfristige
Klimaprognosen, ökologische Frühwarnsysteme oder robuste
Karosserie-Tests kommen ebenso wenig ohne Simulationsergebnisse aus.
Damit bei JUGENE ungeachtet des immensen Rechenstresses nicht die
Drähte heiß laufen, sorgt ein 4 Megawatt starkes
Belüftungssystem für eine angemessene Frischluftversorgung.
Die Kosten der auf rund 1700 Quadratmetern Stellfläche
untergebrachten Anlage bewegen sich im zweistelligen Millionenbereich.
«Über die genaue Summe dürfen wir leider nichts
sagen», heißt es aus der Pressestelle des
Forschungszentrums. Sicher ist aber, dass der Bund mit knapp 13
Millionen Euro den Löwenanteil übernommen hat. «Wir
werden in Deutschland weiterhin die Voraussetzungen dafür schaffen,
im europäischen Supercomputer-Ökosystem die führende
Rolle zu spielen», sagt Thomas Rachel (CDU), Parlamentarischer
Staatssekretär im Bundesforschungsministerium.
Bis Ende 2009 wollen die Jülicher Experten mit Kollegen aus 14
europäischen Ländern einen Rechner-Prototypen entwickeln, der
die Schallmauer von einem Petaflop (einer Billiarde Rechenschritte pro
Sekunde) knacken soll. Doch bei so viel geballter Rechenkraft darf auch
der Mensch nicht zu kurz kommen. «Wir bauen in erster Linie auf
kreative Köpfe, nicht auf Prozessoren», meint Mathematiker
Achim Bachem, Vorstandschef des Forschungszentrums Jülich. Will
heißen: Nur, wer die Datensuppe am Ende zu durchschauen
weiß, kann auch die nötigen Ergebnisse erzielen.
(Quelle: dpa)
Akademische Theologie in der Krise
So.24.02.08 - Die Theologischen Fakultäten in Deutschland sind nach Ansicht des
Münchner Hochschullehrers Friedrich Wilhelm Graf in einer Krise. In
einem Beitrag für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung"
(Donnerstagsausgabe) kritisiert der evangelische Professor für
Systematische Theologie und Ethik an der
Ludwig-Maximilians-Universität in München mangelnde
Reformbereitschaft, zu viel Spezialistentum und zu wenige neue
Denkansätze. Auch gebe es einen Mangel an geeignetem
wissenschaftlichen Nachwuchs. Darüber könne auch der weltweite
Ruhm einzelner Theologen nicht hinwegtäuschen.
Zwar sei Religion derzeit ein akademisches Modethema mit hoher medialer
Aufmerksamkeit, so Graf: "Aber die konfessionellen Theologien
profitieren davon nur zu einem geringen Teil." Diese hätten in "den
letzten dreißig Jahren erheblich an religionsanalytischer
Deutungskraft eingebüßt". Die große Tradition streng
wissenschaftlicher Theologie in Deutschland werde sich nur
fortführen lassen, wenn die Theologen wieder mehr Deutungskompetenz
für Christenrum und Kultur erlangen.
Die Zahl der Studierenden habe sich in den letzten zwanzig Jahren
halbiert, auch wenn sie gegenwärtig wieder steigt, fügte Graf
hinzu. "Darunter sind durchaus gebildete, ja brillante Köpfe. Aber
sie schlagen nach exzellenten Examina oder Rigorosa keine akademische
Laufbahn ein. Noch weniger gehen sie in die Kirchen." Intelligente
Jüngere suchten vielmehr ein berufliches Umfeld, das Chancen freier
Kreativität eröffnet sowie Experimentierlust und
Innovationsfreude prämiert.
Die Kirchen seien für sie daher keine attraktiven Arbeitgeber,
"weil hier über Karrieren weniger nach Kriterien von Kompetenz und
Leistung, sondern primär im kirchenpolitischen Stellungskrieg und
klerikalen Dschungelkampf entschieden wird." Viele junge Theologen
wanderten daher in die Wirtschaft, etwa in Personalabteilungen global
agierender Unternehmen, in die Medienindustrie, aber auch in
Werbeagenturen ab. Graf: "Den Kirchen bleiben die weniger
Denkfleißigen und leider auch nicht wenige Glaubensenge."
(Quelle: epd)