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Irak am 1435sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Erdogan verteidigt türkische Militäroffensive im Nordirak.
Britische Regierung muss Irak-Protokolle veröffentlichen.
Prominenter irakischer Journalist vom US-Militär festgenommen. Al
Arabija zeigt Video mit britischer Geisel. Acht Millionen Pilger zu
Feiern in Kerbela erwartet. Bewaffnete Männer entführen in
der Provinz Dijala 21 Menschen. Neun Tote bei Selbstmordanschlag
in Mossul
Mi.27.02.08 - Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat die
Militäroffensive seines Landes im Nordirak verteidigt. Mit dem
Einsatz gegen die Stützpunkte der verbotenen Arbeiterpartei
Kurdistans (PKK) nutze die Türkei ihr "Recht auf
Selbstverteidigung", sagte er in Ankara. Die irakische Regierung
verurteilte den türkischen Einmarsch als Verletztung der
irakischen Souveränität. Bagdad sei jedoch bereit, mit Ankara
gegen die PKK vorzugehen. Die türkischen Truppen und kurdische
Rebellen lieferten sich heftige Gefechte um einen PKK-Stützpunkt
im Nordirak.
Die Türkei befinde sich in einem "rechtmäßigen Kampf"
gegen die PKK, die den Frieden und die Stabilität der Grenzregion
bedrohe, sagte Erdogan vor der Parlamentsfraktion seiner
Regierungspartei AKP. Er bekräftigte, die Intervention im Nordirak
gelte ausschließlich der PKK und nicht den nordirakischen Kurden
oder dem irakischen Staat.
Um der PKK die Unterstützung zu nehmen, stellte Erdogan in seiner
vom Fernsehen übertragenen Rede Wirtschafts- und Sozialreformen in
Ost- und Südostanatolien in Aussicht. Mit Blick auf die Forderung
nach mehr Rechten für die Kurden betonte er die Freiheitsrechte
aller Bürger in der Türkei. Auf der Grundlage der gemeinsamen
Zugehörigkeit zum türkischen Staat könne über alle
Probleme gesprochen werden, sagte Erdogan.
Bagdad verurteilte den Einmarsch der türkischen Truppen als
"Verletzung der Souveränität" des Landes. Das Vorgehen sei
"inakzeptabel" und bedrohe das Verhältnis der Nachbarländer,
hieß es in einer Erklärung der irakischen Regierung. Bagdad
erlaube keiner Rebellengruppe, den Irak als Stützpunkt für
Angriffe auf das Ausland zu nutzen.
Nach Angaben der kurdischen Sicherheitskräfte im Nordirak
versuchten türkische Bodentruppen und Luftstreitkräfte seit
Sonntagabend ohne Pause, den Stützpunkt Sap zu erobern. Das Lager
in einem Tal rund sechs Kilometer von der türkischen Grenze
entfernt dient nach Angaben der Armee den Rebellen als wichtige
Durchgangsstation auf dem Weg in die Türkei. Auch in der
gebirgigen Hakurk-Region nahe der irakisch-iranischen Grenze dauerten
die Gefechte an. Den Angaben zufolge beschossen Kampfhubschrauber dort
Rebellen-Stützpunkte.
Die türkische Armee war am Donnerstagabend in das Nachbarland
einmarschiert, um dort gegen PKK-Stützpunkte vorzugehen. Ankara
wirft der autonomen Kurdenregierung im Nordirak vor, nicht entschieden
genug gegen die PKK-Rebellen vorzugehen.
Die britische Regierung soll entscheidende Protokolle von
Kabinettssitzungen zum Irak-Krieg veröffentlichen. Der Leiter der
nationalen Datenschutzbehörde, Richard Thomas, erklärte am
Dienstag, er habe einem entsprechenden Antrag stattgegeben.
Veröffentlicht werden sollen damit Protokolle der Sitzungen vom 7.
und 17. März 2003, als die rechtliche Grundlage für ein
militärisches Vorgehen gegen den Irak diskutiert wurde.
Die Regierung kann gegen die Anordnung innerhalb von fünf Wochen
Widerspruch einlegen. Das Kabinettsbüro teilte in einer ersten
Reaktion mit, die Regierung prüfe den Beschluss der
Datenschutzbehörde.
Thomas erklärte in einer Stellungnahme, die Veröffentlichung
sei im nationalen Interesse. Die Dokumente ermöglichten es der
Öffentlichkeit, die Entscheidungen des Kabinetts zum Irak
nachzuvollziehen. Er akzeptiere das Argument des Kabinetts, dass
Details aus den Protokollen die internationalen Beziehungen
beschädigen könnten, hieß es weiter. Diese Einzelheiten
sollten daher gestrichen werden.
Bei den beiden Sitzungen im März 2003 diskutierte das Kabinett des
damaligen Premierministers Tony Blair über die Einschätzung
des Rechtsberaters der Regierung, Lord Goldsmith, zur
Rechtmäßigkeit eines militärischen Vorgehens im Irak.
In einem vom 7. März 2003 datierten Memorandum äußerte
Goldsmith noch Zweifel an der rechtlichen Grundlage ohne eine
entsprechende UN-Resolution. In der Kabinettssitzung vom 17. März
kam Goldsmith dagegen zu dem endgültigen Schluss, dass ein Krieg
gegen den Irak auch auf Grund einer bereits bestehenden UN-Resolution
gerechtfertigt sei. Opposition und Kriegsgegner äußerten den
Verdacht, Goldsmith habe seine Meinung unter politischem Druck
geändert.
Die US-Streitkräfte haben einen bekannten irakischen
Fernsehjournalisten unter dem Verdacht festgenommen, wichtige
Informationen über vom Iran gesteuerte kriminelle Aktivitäten
in seinem Land zu besitzen: Hafedh al-Beschara solle zu seinem
mutmaßlichen Wissen zwei bis drei Tage lang vernommen werden,
teilte das Militär am Dienstag mit. Sollte man ihm keine
Verbindungen zu kriminellen Aktivitäten nachweisen können,
werde der Journalist so schnell wie möglich wieder freikommen. Die
USA werfen dem Iran vor, irakische Extremistengruppen zu finanzieren, zu
bewaffnen und auszubilden.
Al-Beschara, der Chefredakteur des größten irakischen
Fernsehsenders al-Furat ist, wurde der Mitteilung der
US-Streitkräfte zufolge zusammen mit seinem Sohn bereits in der
vergangenen Woche festgenommen. Der ursprüngliche Vorwurf lautete
auf unerlaubten Waffenbesitz. Al-Bescharas Sohn soll Informationen
für pro-iranische Gruppen gesammelt und Anschläge gegen
irakische und US-Streitkräfte unterstützt haben.
Die größte Journalistengewerkschaft forderte die Freilassung
al-Bescharas und kritisierte die Polizeiaktion, bei der auch das Studio
von al-Furat im Zentrum Bagdads durchsucht wurde.
Der Fernsehsender Al Arabija hat am Dienstag Auszüge eines Videos
ausgestrahlt, auf dem ein vor knapp einem Jahr im Irak entführter
Brite zu sehen ist. Peter Moore, der für eine US-Beraterfirma
arbeitet, war im Mai vorigen Jahres zusammen mit seinen vier britischen
Leibwächtern von bewaffneten Männern in Polizeiuniform aus
dem irakischen Finanzministerium verschleppt worden. Das Video sei dem
Sender von einer schiitischen Gruppierung zugespielt worden, teilte Al
Arabija auf seiner Website mit. Im Austausch gegen die fünf
Geiseln verlangen die Entführer laut Al Arabija die Freilassung
von neun ihrer Männer, die von den britischen Streitkräften
festgehalten werden.
Die irakische Polizei und die US-Streitkräfte haben die
Sicherheitsvorkehrungen südlich von Bagdad seit Wochenbeginn
deutlich verschärft: Für heute und morgen erwarteten sie,
dass sich acht Millionen Pilger auf den Weg nach Kerbela machen
würden. In der Stadt 80 Kilometer südlich von Bagdad seien
inzwischen 40.000 Polizisten und Soldaten zusammengezogen und
Scharfschützen auf den Dächern positioniert worden,
erklärte Polizeichef Raid Schakir Dschawdat.
Über 60 Menschen kamen in den vergangenen Tagen bereits bei
Anschlägen auf Pilger ums Leben. Millionen Iraker begeben sich
alljährlich auf Wallfahrt, um des Todes eines bedeutenden
schiitischen Religionsgelehrten aus dem siebten Jahrhundert, Imam
Hussein, in Kerbela zu gedenken. Zahlreiche Gläubige peitschen
sich bei der Wallfahrt als Zeichen der Demut selbst den Rücken aus.
Bewaffnete Männer entführten unterdessen in der Provinz
Dijala 21 Menschen. Sie hatten laut Polizei eine Sicherheitskontrolle
inszeniert und damit einen Reisebus rund 70 Kilometer nördlich von
Bakuba gestoppt. Drei Frauen wurden am Dienstag wieder freigelassen,
das Schicksal der übrigen Geiseln blieb unklar.
Nahe der Stadt Mossul kamen neun Menschen bei einem Selbstmordanschlag
auf einen Reisebus ums Leben. Drei weitere der rund 45 Fahrgäste,
die auf dem Weg nach Syrien waren, wurden verletzt. Fünf Menschen
waren sofort tot, die übrigen erlagen kurze Zeit später im
Krankenhaus ihren Verletzungen. Mossul ist nach Angaben der
US-Streitkräfte eine der letzten verbliebenen Hochburgen der Al
Kaida im Irak.
boa (Quellen: rtr, afp, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 27.02.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am neunhundertdreiundsiebzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Di.27.02.07 - Mindestens 20 Tote bei Anschlägen +++ USA: Neue Beweise für
iranische Waffen im Irak +++ Bericht: Minderheiten im Irak werden auf
vielfältige Art verfolgt +++ Irakische Regierung legt Ölgesetz
vor +++ Kriege im Irak und in Afghanistan schwächen US-Streitkräfte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0702270.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Bundeswehr an Militärausbildung Minderjähriger in Afghanistan
beteiligt
Mi.27.02.08 - Die Bundeswehr ist in Afghanistan an der militärischen Ausbildung
Minderjähriger beteiligt. Ein Sprecher des
Einsatzführungskommandos in Potsdam bestätigte auf Anfrage
entsprechende Berichte; er wies aber zugleich darauf hin, dass deutsche
Soldaten die Ausbildung nicht selbst vornähmen und auch nicht an
der Auswahl der afghanischen Rekruten beteiligt seien. Der
verteidigungspolitische Sprecher der Linken, Paul Schäfer, warf
der Bundeswehr ein "Training afghanischer Kindersoldaten" vor. Er
berief sich auf einen Bericht über die Ausbildung eines
16-Jährigen, den die Bundeswehr im Internet veröffentlicht
hatte.
Der Sprecher des Einsatzführungskommandos wies den Vorwurf
zurück, die Bundeswehr selbst bilde in Afghanistan
minderjährige Soldaten aus. In den afghanischen Einheiten, in
denen die Bundeswehr ausbilde, seien alle mindestens 18 Jahre alt. Der
Bericht über den 16-Jährigen beziehe sich auf eine Einheit,
bei der ein deutscher Offizier nur als "Mentor" dabei sei, der
Hilfestellung leiste. Hier habe die Bundeswehr keinen Einfluss auf die
Auswahl der jungen Männer.
Im Zusammenhang mit dem Text auf der Bundeswehr-Homepage war allerdings
von der Ausbildung der afghanischen Streitkräfte durch die
Bundeswehr die Rede. "So ist die Altersspanne breit. Der Jüngste
ist gerade 16 Jahre alt, die Älteren bereits Mitte Dreißig",
heißt es in dem Bericht. "Die älteren Soldaten sind vor
allem ruhiger und beherrschter als ihre jungen Kameraden", wird ein
deutscher Offizier zitiert.
"Mit dem Training afghanischer Kindersoldaten reißt die
Bundeswehr eine der wenigen verbliebenen moralischen Hürden im
Afghanistan-Krieg ein", erklärte dazu Schäfer. Er wies darauf
hin, dass sich sowohl Deutschland als auch Afghanistan mit ihrem
Beitritt zum UN-Fakultativprotokoll von 2000 verpflichtet hätten,
keine Minderjährigen an Kampfhandlungen teilnehmen zu lassen. Wenn
sich nun die Bundeswehr damit brüste, 16-Jährige auszubilden
und dazu auf ihrer Homepage erkläre, "in nicht allzu ferner
Zukunft" würden diese "an vorderster Front stehen", offenbare "auf
drastische Art die Verrohung, die die Kriegsteilnahme bereits jetzt
über die Truppe gebracht hat".
(Quelle: afp)
Nahost-Konflikt:
Israels Ministerpräsident Olmert zweifelt an
Nahost-Friedensabkommen bis Ende 2008. UN-Gesandte besorgt über
Nahost-Friedensprozess - Sichtbare Fortschritte bei
Friedensgesprächen angemahnt - Entsetzt über die
humanitäre Situation im Gazastreifen
Mi.27.02.08 - Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert hat Zweifel an dem
angestrebten Abschluss eines Nahost-Friedensabkommens bis Ende des
Jahres geäußert. "Wir sind entschlossen, während des
Jahres 2008 ein Abkommen zu vereinbaren. Aber ich bin nicht sicher, ob
wir das schaffen", sagte Olmert während eines Besuchs in Tokio. Es
gebe allerdings "keine bessere Gelegenheit" für einen
Friedensschluss zwischen Israelis und Palästinensern mit einer
Zwei-Staaten-Lösung. Um diese Gelegenheit zu nutzen, wolle seine
Regierung "jede mögliche Anstrengung" unternehmen.
"Wir sind entschlossen, einen riesigen Schritt vorwärts zu machen,
um diesen Streit ein für allemal zu beenden", sagte Olmert weiter.
Olmert und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hatten Ende
November bei der Nahost-Konferenz in Annapolis nach sieben Jahren des
Stillstands Friedensgespräche vereinbart. Dabei setzten sie sich
ein Abkommen bis Ende 2008 zum Ziel.
Zwei UN-Gesandte haben sich unterdessen besorgt über den Fortgang
des Friedensprozesses zwischen Israelis und Palästinensern
geäußert. Der UN-Beauftragte für den
Nahost-Friedensprozess, Robert Serry, kritisierte am Dienstag im
Weltsicherheitsrat, dass Israel nach wie vor die jüdischen
Siedlungen im Westjordanland ausbaue und sich weigere,
palästinensische Einrichtungen im Ostteil Jerusalems
wiederzueröffnen.
Serry mahnte sichtbare Fortschritte bei den nach der Nahost-Konferenz
von Annapolis in den USA im November wieder aufgenommenen
Friedensgesprächen zwischen Israelis und Palästinensern an.
Bei Besuchen im Gazastreifen, dem Westjordanland und im Süden
Israels habe er festgestellt, dass die Bevölkerung kaum an
Fortschritte glaube. Der Prozess von Annapolis könne nur
nachhaltig sein, wenn es am Boden tatsächliche Veränderungen
gebe.
Der UN-Koordinator für humanitäre Hilfe, John Holmes,
berichtete dem Sicherheitsrat über einen Besuch im Gazastreifen
Mitte Februar. Er zeigte sich entsetzt über die humanitäre
Situation in dem Gebiet, im dem rund 1,4 Millionen Palästinenser
leben. Holmes hatte bereits während des Besuchs dort erklärt,
die seit acht Monaten bestehende Abriegelung des Gazastreifens durch
Israel und Ägypten habe zu «trostlosen und elenden»
Lebensbedingungen geführt. Beide Staaten haben den Zugang zum
Gazastreifen stark eingeschränkt, nachdem die militante Hamas dort
im Juni die Kontrolle übernommen hat.
boa (Quelle: afp)
Israels Ex-Präsident Katzav entgeht Vergewaltigungs-Prozess
Mi.27.02.08 - Der israelische Ex-Präsident Mosche Katzav muss sich nicht wegen
angeblicher Vergewaltigung vor Gericht verantworten.
Das Oberste Gericht des Landes stimmte am Dienstag dem Vorschlag zu,
dass Katzav im Gegenzug für den Verzicht auf diesen Vorwurf vor
Gericht weniger schwere sexuelle Vergehen einräumt. Damit entgeht
der Ex-Präsident auch einer Haftstrafe.
Frauenrechtlerinnen hatten an das Gericht appelliert, einer solchen
Vereinbarung nicht zuzustimmen. Katzav war im Juni wegen Vorwürfen
zurückgetreten, er habe Mitarbeiterinnen sexuell genötigt und
vergewaltigt.
(Quelle: rtr)
Vergewaltigungen als Waffe in Kenias ethnischem Konflikt
Mi.27.02.08 - Plünderungen, Brandstiftung und Morde sind die Merkmale der
Unruhen in Kenia geworden, die von dem Konflikt um die
Präsidentschaftswahl ausgelöst wurden. Doch die ethnischen
Zusammenstöße tragen einen weiteren Wesenszug, über den
allerdings weniger geredet wird: Vergewaltigungen.
Dr. Joseph Osoo, der eine kleine Klinik im Elendsviertel Mathare in
Nairobi leitet, ist schockiert über das Ausmaß der sexuellen
Gewalt und über die Brutalität der Verbrechen. «In den
Tagen unmittelbar nach den Wahlen habe ich bis zu 45
Vergewaltigungsopfer am Tag behandelt» berichtet er. Normalerweise
hat er einen einzigen derartigen Fall in der Woche.
Unter den Opfern, von deren Schicksal Dr. Osoo berichtet, war ein zehn
Jahre altes Mädchen, das infolge der Vergewaltigung einen Riss
ihrer Gebärmutter erlitt. Einer Frau wurde mit einer Machete der
Oberschenkel gespalten. Die Täter ließen ihr Opfer verbluten.
«Ungewöhnlich ist, dass es sich in den meisten Fällen
um Massenvergewaltigungen handelt, was ich vorher nie erlebt
habe», erklärt der Arzt.
Lucy Kiama leitet die Station für Vergewaltigungsopfer an der
Frauenklinik in Nairobi. Auch sie berichtet von einer «riesigen
Zunahme an Fällen sexueller Gewalt». In den drei Wochen nach
den Wahlen vom 27. Dezember behandelte das Krankenhaus 135 Frauen und
Kinder. Das jüngste Opfer war gerade einmal zwei Jahre alt. Die
Dunkelziffer der Vergewaltigungen ist vermutlich weitaus höher, wie
Kiama erklärt. In dem allgemeinen Chaos hätten es zahlreiche
Opfer wahrscheinlich überhaupt nicht geschafft, zu einer Klinik zu
gelangen.
In der Gewaltorgie nach der Wahl wurden über 1.000 Menschen
getötet, rund 600.000 Kenianer flohen angesichts des Chaos aus
ihren Häusern. Aus dem politischen Konflikt wurde schnell ein
ethnischer: Mitglieder der Volksgruppe von Oppositionsführer Raila
Odinga, die Luo, kämpfen seither gegen die Kikuyus von
Präsident Mwai Kibaki, der in der umstrittenen Wahl zum Sieger
ausgerufen wurde. Die Kikuyus stellen mit rund 20 Prozent der
Bevölkerung die größte der insgesamt 42 Volksgruppen im
Land. Regierung und Opposition beschuldigen sich gegenseitig ethnischer
Säuberungen.
Viele der Flüchtlinge werden vermutlich nicht wieder in ihre
Dörfer zurückkehren, was bedeutet, dass die ethnische
Landkarte Kenias sich gravierend geändert hat und die
Stabilität ausgehöhlt wurde. Auch die Vergewaltigungen werden
voraussichtlich einen langen Schatten auf die Zukunft des
ostafrikanischen Landes werfen. «Die Täter zielen auf Frauen
anderer Stämme, um deren Würde zu verletzen»,
erklärt Kiama. «Das Leben wird für eine Frau, die
vergewaltigt wurde, nie wieder so sein wie früher. Sie ist
stigmatisiert, und ihre Ehe kann daran zerbrechen.» Sorge macht
auch die mögliche sprunghafte Ausbreitung von Aids.
Nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks UNICEF sind seit Beginn der
Unruhen immer häufiger auch Kinder zu Opfern sexueller Gewalt
geworden. Vor allem in den überfüllten Flüchtlingslagern
sei die Lage schlimm. Frauen und Kinder würden beispielsweise
nachts beim Gang auf die Latrinen vergewaltigt, berichten
UNICEF-Mitarbeiter. In anderen Fällen seien Frauen und Mädchen
gezwungen worden, sexuelle Handlungen im Austausch für Schutz und
Transport anzubieten oder sie bieten sie gegen Süßigkeiten
selbst an. Konkrete Zahlen sind nach Einschätzung des
Kinderhilfswerks aber schwer zu bekommen, da die Opfer viele Fälle
sexueller Gewalt aus Scham gar nicht erst melden.
(Quelle: ap)
UN starten Kampagne gegen Gewalt gegen Frauen
Mi.27.02.08 - UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat eine weltweite Kampagne
gestartet, die Gewalt gegen Frauen zu Kriegs- und Friedenszeiten stoppen
will. «Mindestens eine von drei Frauen weltweit wird
wahrscheinlich in ihrem Leben geschlagen, zu Sex gezwungen oder auf eine
andere Art missbraucht», erklärte Ban am Montag bei der
Eröffnungssitzung der Kommission für den Status von Frauen.
Durch die Praxis, vor der Geburt ein Kindes anhand dessen Geschlechtes
zu selektieren, werde zudem zahlreichen Mädchen das Recht auf Leben
verweigert.
Ban kündigte an, ein weltweites Netzwerk von Männern aus den
Bereichen Politik, Wirtschaft, Religion, Sport und Kunst zu
mobilisieren, um gegen die Gewalt gegen Frauen die Stimme zu erheben.
«Ich rufe die Männer in aller Welt auf, mit gutem Beispiel
voranzugehen und deutlich zu machen, dass Gewalt gegen Frauen ein Akt
ist, der nur von einem Feigling verübt wird, und dass Widerspruch
dagegen ein Ehrenabzeichen ist», sagte der UN-Generalsekretär.
(Quelle: ap)
Friedensgespräche in Kenia abgebrochen
Mi.27.02.08 - Die Friedensbemühungen in Kenia haben einen Rückschlag
erlitten: Der Chefvermittler und frühere UN-Generalsekretär
Kofi Annan brach die Gespräche am Dienstag wegen mangelnder
Fortschritte ab. Er wolle jetzt persönlich mit Präsident Mwai
Kibaki und Oppositionsführer Raila Odinga sprechen und versuchen,
die Verhandlungen neu anzustoßen, erklärte Annan auf einer
Pressekonferenz in Nairobi.
Zuletzt hatte die oppositionelle Orange-Demokratische Bewegung (ODM)
der Regierung Verzögerungstaktik vorgeworfen und mit neuen
Massenprotesten am Donnerstag gedroht. Die Opposition unter
Führung Odingas wirft der Regierung Betrug bei der
Präsidentenwahl vom 27. Dezember vor, die Kibaki nach amtlichen
Angaben gewann. Bei Unruhen im Anschluss an die Abstimmung wurden mehr
als 1.000 Menschen getötet und 600.000 in die Flucht getrieben.
Hauptstreitpunkt zwischen Regierung und Opposition ist die Teilung der
Macht. Unterhändler beider Seiten haben sich bereits
grundsätzlich auf die Schaffung eines neuen
Ministerpräsidentenpostens für die Opposition
verständigt. Offen ist jedoch, mit wie viel Kompetenzen er
ausgestattet werden soll.
Annan hatte bereits am Montag mangelnde Fortschritte beklagt.
«Ich muss feststellen, dass sie (die Konfliktparteien) nicht in
der Lage sind, die offenen Fragen zu klären», sagte Annan.
Das Vermittlerteam habe seine Arbeit getan. Jetzt fordere er die
Parteiführer auf, das Ihrige zu tun.
Der internationale Druck auf die Konfliktparteien zur Beilegung ihres
Streits hat in den vergangenen Wochen zugenommen. Die US-Regierung
äußerte sich enttäuscht über den vorläufigen
Abbruch der Friedensgespräche. Zuvor hatte bereits
Außenministerin Condoleezza Rice eine rasche Einigung angemahnt.
Das künftige Verhältnis der USA sowohl zur Regierung als auch
zur Opposition hänge von deren Bereitschaft ab, den Konflikt
beizulegen.
(Quelle: ap)
Laut UN 60.000 Menschen auf der Flucht in Darfur
Mi.27.02.08 - Fast 60.000 Menschen sind nach UN-Angaben auf der Flucht vor neuen
Kämpfen in Sudans Krisenregion Darfur. Bewohner von Dörfern im
Westen Darfurs seien durch Angriffe von Milizen vertrieben worden,
sagte die Sprecherin des UN-Büros zur Koordinierung
humanitärer Hilfe (OCHA) in Khartum, Orla Clinton, am Montag dem
epd. Es bestehe die Gefahr weiterer Angriffe auf die Bevölkerung,
so die Sprecherin.
Die Menschen brauchen der UN-Organisation zufolge dringend Lebensmittel
und andere Hilfe. Clinton erklärte, dass die Angreifer Häuser
abgebrannt hätten. Sudans Luftwaffe habe zudem Zivilisten
angegriffen, dies jedoch mittlerweile eingestellt. In Darfur
bekämpfen sich die Armee, regierungstreue Milizen und verschiedene
Rebellengruppen seit fünf Jahren.
Die UN und die Afrikanische Union (AU) wollen insgesamt 26.000 Soldaten
und Polizisten in der umkämpften Region einsetzen, um sie zu
befrieden. Da die sudanesische Regierung sich jedoch gegen die
Stationierung wehrt, kommt sie kaum voran. Offiziell löste die
gemischte Mission zum Jahreswechsel eine AU-Friedenstruppe ab, die mit
7.000 schlecht ausgerüsteten Soldaten der Lage nicht Herr wurde.
Seit Ausbruch des Konflikts starben nach UN-Angaben mehr als 200.000
Menschen durch Gewalt, Hunger und Erschöpfung. Mehr als 2,5
Millionen Menschen wurden zu Flüchtlingen.
(Quelle: epd)
Deutschland auf der Suche nach neuen Partnern in Asien
Mi.27.02.08 - Auf der Suche nach neuen Einflussmöglichkeiten auf die islamische
Welt ist Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier am Dienstag
in Indonesien eingetroffen. Der SPD-Politiker sagte, das
bevölkerungsreichste muslimische Land stehe oft zu Unrecht im
Schatten der asiatischen Wachstumsriesen China und Indien. Mit seinem
gemäßigten Islam übe Indonesien als Meinungsbildner
einen deutlichen Einfluss auch auf die arabische Welt aus.
Die politischen Beziehungen zu Indonesien sollen nach den Worten
Steinmeiers auf das Niveau der bereits bestehenden
Wirtschaftsbeziehungen gebracht werden. Das Land weist seit der Krise
der asiatischen Tigerstaaten 1998 jährliche Wachstumsraten zwischen
3,8 und 6,1 Prozent auf. Wachstumsmotoren sind unter anderen die
Kommunikationstechnik mit einem Plus von 20,6 Prozent. Zusammengelegt
mit den Sektoren Öl- und Gaswirtschaft ergeben sich 25,1 Prozent
Wachstum. Handel, Gastgewerbe und Tourismus wuchsen um 8,6 und Bau- und
Finanzwirtschaft um je über sieben Prozent.
Als wichtiger Anhaltspunkt für die Bewertung Indonesiens gilt der
EU-ASEAN-Gipfel im März 2007 in Nürnberg. Die EU startete mit
der Vereinigung Südostasiatischer Staaten (ASEAN) erstmals eine
engere Zusammenarbeit in fünf konkret definierten Bereichen. Dazu
gehören politische und sicherheitspolitische Zusammenarbeit, die
Wirtschaft und Zusammenarbeit in Fragen der Energie und des
Klimaschutzes. Indonesien war auch der Ausrichter der Weltklimakonferenz
in Bali im Dezember.
Weitere Stationen auf Steinmeiers sechstägiger
Südostasienreise sind Singapur und Vietnam. Eine geplante Visite
Indiens musste verschoben werden.
(Quelle: ap)
Indien testet atomwaffenfähige U-Boot-Rakete
Mi.27.02.08 - Indien hat eine atomwaffenfähige Rakete getestet, die von einem
U-Boot gestartet werden könnte. Es war aber zunächst nicht
klar, ob der Test erfolgreich war, wie ein Militärsprecher am
Dienstag erklärte. Man warte immer noch auf Informationen vom
Testgelände, sagte General Umang Kapoor. Die Rakete habe eine
Reichweite von 700 Kilometern und sei von einer Unterwasserplattform
gestartet worden. Indien baut derzeit ein atomgetriebenes U-Boot, das
eine solche Rakete starten könnte. Erste Tests auf See sollen noch
in diesem Jahr beginnen.
(Quelle: ap)
Chameni erklärt Iran zum Sieger im Atomstreit
Mi.27.02.08 - Irans geistlicher Führer hat sein Land zum Sieger im Atomstreit
mit der Weltgemeinschaft erklärt: Ein Beispiel für den Erfolg
des islamischen Systems sei die Atomfrage, "in der die Iraner ehrenvoll
und ernsthaft einen großen Sieg errungen haben", sagte Ajatollah
Ali Chamenei einem Rundfunkbericht zufolge am Dienstag. Zugleich
würdigte Chamenei die Rolle von Präsident Mahmud
Ahmadinedschad, der in dem Konflikt Kompromisse ausgeschlossen hat. Die
oberste Instanz des Landes habe die Leistung des Präsidenten in
dem Konflikt als herausragend bezeichnet, berichtete der Rundfunk.
Die fünf ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats und
Deutschland beraten seit Montag über neue Sanktionen der Vereinten
Nationen gegen den Iran. Die Weltgemeinschaft beschuldigt die
Islamische Republik, unter dem Deckmantel der Stromerzeugung nach
Atomwaffen zu streben. Der Iran bestreitet das. Die IAEA hatte dem Land
vorige Woche vorgeworfen, es an Kooperation fehlen zu lassen und weiter
an der Anreicherung von Uran zu arbeiten.
(Quelle: rtr)
China und USA wollen Menschenrechtsdialog wieder aufnehmen
Mi.27.02.08 - China und die USA wollen ihren 2004 abgebrochenen Dialog über die
Menschenrechte wieder aufnehmen. Das teilte Außenminister Yang
Jiechi nach einem Treffen mit seiner US-Kollegin Condoleezza Rice am
Dienstag in Peking mit. Rice sagte, sie habe der chinesischen Seite die
US-Sorgen über Menschenrechte und religiöse Freiheit im
bevölkerungsreichsten Land der Erde mitgeteilt. Für die USA
sei die Wiederaufnahme des Dialogs von besonderer Bedeutung.
China brach die Gespräche vor vier Jahren ab, nachdem die USA die
UN aufgefordert hatten, das Beschneiden von Bürgerrechten durch
die Führung in Peking zu verurteilen.
(Quelle: rtr)
US-Vorwahlen: Obama legt in Umfragen weiter zu - Clinton betont ihre
außenpolitische Erfahrung - Foto sorgt für Zwist bei den
Demokraten
Mi.27.02.08 - Nach elf gewonnenen Vorwahlen hat Barack Obama in Umfragen
gegenüber seiner parteiinternen Rivalin Hillary Clinton weiter
zugelegt. Unter weißen Männern liegt der Senator aus Illinois
mit 23 Prozentpunkten in Führung, unter Liberalen mit 17
Prozentpunkten. Noch Anfang Februar waren in diesen Gruppen die
Sympathien gleichmäßig auf beide demokratischen Bewerber um
die Präsidentschaftskandidatur verteilt. Vor den wichtigen Wahlen
in Texas und Ohio in der kommenden Woche versuchte Clinton zuletzt, vor
allem mit ihrer politischen Erfahrung zu Punkten.
Deutlich besser als Obama schneidet die Senatorin aus New York derzeit
nur bei Menschen über 65 Jahren, bei weißen Frauen und bei
Menschen ab, deren Jahreseinkommen unter 50.000 Dollar jährlich
liegt. Insgesamt liegt Obama laut der am Montag veröffentlichten
Umfrage der Nachrichtenagentur AP und des Meinungsforschungsinstituts
Ipsos mit 46 Prozent vor Clinton mit 43 Prozent. Anfang Februar lag
Clinton noch mit fünf Punkten Abstand vor Obama.
Clinton beschrieb ihren Konkurrenten Obama bei einem Wahlkampfauftritt
als unbeständigen Politiker, der ein Handbuch brauche, um mit den
Krisen der Welt umgehen zu können. Die Amerikaner wüssten,
dass sie selbst ein solches «außenpolitisches
Handbuch» nicht brauche, um für die Sicherheit des Landes zu
sorgen. Und kaum verhohlen verglich sie die außenpolitische
Unerfahrenheit Obamas mit der von George W. Bush bei seinem Amtsantritt
2001. Das «tragische Ergebnis» eines Präsidenten mit
wenig Erfahrung in nationaler Sicherheit hätten die Wähler ja
gesehen, sagte Clinton. «Das dürfen wir nicht noch einmal
zulassen. Das ist schon einmal zu viel passiert.»
Obamas außenpolitische Berater verwiesen umgehend darauf, dass
Clinton selbst einige Fehler in der Außenpolitik gemacht habe. So
habe sie als Senatorin der Invasion im Irak und auch dem Gesetz
zugestimmt habe, mit dem die iranische Nationalgarde zu einer
Terrororganisation erklärt worden sei.
Ein im Internet zirkulierendes Foto von Obama in traditioneller
kenianischer Kleidung löste unterdessen einen Streit zwischen den
rivalisierenden Wahlkampflagern aus. Die Klatsch-Seite The Drudge Report
stellte das Foto am Montag ins Internet und erklärte, es sei von
«Clinton-Mitarbeitern» in Umlauf gebracht worden. Es zeigt
Obama während eines Besuchs in Kenia 2006 in einem weißen
Turban und weißem Wickeltuch. Die Kleidungsstücke waren ihm
von Dorfältesten übergeben worden. Obamas Wahlkampfleiter
David Plouffe warf dem Team von Clinton «beleidigende
Panikmache» vor. Der Sprecher der Senatorin von New York
erklärte, das Team Clintons habe mit dem Foto nichts zu tun.
Obamas Vater kam aus Kenia.
(Quelle: ap)
Amnesty International besorgt über Meinungsfreiheit in Russland
Mi.27.02.08 - Vor der Präsidentschaftswahl am Sonntag hat Amnesty International
Sorge über fehlende Meinungs-, Presse- und Versammlungsfreiheit in
Russland geäußert. AI-Russlandexpertin Friederike Behr sagte
am Dienstag in Berlin, es gebe immer weniger Rechtssicherheit in
Russland. Kritiker der Regierung des Amtsinhabers Wladimir Putin
hätten kaum eine Chance, ihre Meinung zu äußern.
Besonders Journalisten würden von der Polizei angegriffen,
festgenommen und misshandelt.
Das Recht auf freie Meinungsäußerung werde zwar von der
russischen Verfassung geschützt, aber durch Gesetze wie das
«zur Bekämpfung extremistischer Aktivitäten»
aufgeweicht, sagte Behr. Das Gesetz könne willkürlich gegen
Journalisten oder Menschenrechtler ausgelegt werden.
Ihnen werde beispielsweise vorgeworfen, extremistische Straftaten
begangen oder zum Hass gegen bestimmte Bevölkerungsgruppen
aufgerufen zu haben. Darüber hinaus sei das Fernsehen fast
durchweg staatlich kontrolliert. Unabhängige Informationen gebe es
meist nur über das Internet oder aus einigen wenigen Zeitungen.
Aus dem Ausland finanzierte, unabhängige Organisationen (NGOs)
seien ebenfalls Opfer von Verfolgungen, Einschüchterungen und
Restriktionen, erklärte die AI-Moskau-Beauftragte. Ein so
genanntes NGO-Gesetz mache es vielen Organisationen wegen zahlreicher
Auflagen nahezu unmöglich, ihrer Arbeit nachzugehen.
Die Nichtregierungsorganisation «Citizens' Watch», musste
beispielsweise den kompletten Schriftverkehr von drei Jahren offen
legen, um nicht von der Regierung geschlossen zu werden, wie die
Expertin weiter berichtete. Eine der Forderungen von Amnesty
International ist deswegen, das «NGO-Gesetz» zu
reformieren, das nach einer Zählung vom 29. Dezember 2006
insgesamt 196 Nichtregierungsorganisationen in Russland betrifft.
(Quelle: ap)
EU will Abspaltung des von Serben bewohnten Kosovo-Nordens verhindern
Mi.27.02.08 - Die Europäische Union will eine Abspaltung des serbisch bewohnten
Nordteils des Kosovo um jeden Preis verhindern. "Das wäre eine
Niederlage", sagte der Chef der europäischen Krisenmission im
Kosovo (EULEX), Yves de Kermabon, der Nachrichtenagentur AFP in
Brüssel. "Die internationale Gemeinschaft hat mehrfach die
Unteilbarkeit des Kosovo unterstrichen", sagte der 59-jährige
Franzose.
Die bisher größte zivile Krisenmission der EU soll dem
Kosovo mit rund 1800 Polizisten, Staatsanwälten und Zollbeamten
beim Aufbau staatlicher Strukturen und einer multi-ethnischen Verwaltung
helfen. Deutschland und Italien stellen die größten
Kontingente.
Auch die Serben hätten ein Interesse an der Entsendung der
Europäer in den Norden des Kosovo, sagte der frühere General,
der zwischen 2004 und 2005 die NATO-Truppen im Kosovo kommandierte. "Die
Mission soll die Minderheiten schützen", sagte Kermabon. "Sie soll
sicherstellen, dass alle im Kosovo in Frieden leben können." Im
Notfall kann der Einsatz nach seinen Worten auf bis zu 2200 Mann
aufgestockt werden.
Nach gewaltsamen Protesten der serbischen Minderheit gegen die
Unabhängigkeit des Kosovo hatte die EU am Wochenende ihr
Vorbereitungsteam für EULEX aus dem Norden des Kosovo abgezogen.
Kermabon sagte dazu, wenn die Mission in knapp vier Monaten ihre volle
Einsatzstärke erreicht habe, werde sie auch im Norden eingesetzt.
Zuvor müsse sich allerdings die angespannte Lage beruhigen. Die EU
wolle im Dialog mit der serbischen Regierung in Belgrad und den
Kosovo-Serben für den Einsatz die "bestmöglichen Bedingungen"
schaffen.
Unterdessen beschloss die polnische Regierung, die frühere
serbische Provinz Kosovo als unabhängigen Staat anzuerkennen. Die
Anerkennung sei Ausdruck der Solidarität mit den anderen
EU-Staaten. Die Unabhängigkeit des Kosovos stelle aber keinen
Präzedenzfall für andere separatistische Tendenzen dar, sagte
Außenminister Radoslaw Sikorski in Warschau. Der polnische
Präsident Lech Kaczynski will nach Angaben eines Sprechers trotz
Bedenken die Entscheidung respektieren. Die Kosovo-Anerkennung werde
allerdings Polens Prestige unter den Slawen auf dem Balkan nicht
verbessern, sagte er.
boa (Quellen: afp, dpa)
Ausschreitungen in Nordbosnien bei Protest gegen Unabhängigkeit
Kosovos
Mi.27.02.08 - Im nordbosnischen Banja Luka ist es am Dienstag bei einer Demonstration
von mehr als 10 000 Serben gegen die Unabhängigkeit des Kosovo
erneut zu schweren Ausschreitungen gekommen.
Nach der Kundgebung, an der auch die Führung der bosnischen
Serbenrepublik teilgenommen hatte, versuchten mehrere hundert
Jugendliche das geschlossene US-Konsulat zu stürmen. Starke
Polizeieinheiten versperrten ihnen unter Einsatz von Tränengas den
Weg. Die Demonstranten bewarfen die Beamten mit Steinen und
Molotow-Cocktails. Mehrere Polizisten wurden verletzt. Die Randalierer
zerstörten zahlreiche Geschäfte in der Innenstadt.
(Quelle: dpa)
Neue Flüchtlingswelle auf Lampedusa
Mi.27.02.08 - Trotz des Winterwetters in der Mittelmeer-Region hat eine neue Welle
von Bootsflüchtlingen die italienische Insel Lampedusa erreicht. In
den vergangenen drei Tagen landeten rund 700 Menschen auf der Insel,
wie italienische Tageszeitungen am Montag berichteten. Die mehrheitlich
aus afrikanischen Ländern stammenden Flüchtlinge waren von
libyschen Häfen aus aufgebrochen.
Wie aus Kreisen des italienischen Innenministeriums verlautete, hat die
libysche Regierung in den vergangenen Tagen vermutlich ihre
Grenzkontrollen gelockert. Die Staatsführung in Tripolis wolle
damit den Druck auf die Regierung in Rom erhöhen, um finanzielle
Zugeständnisse zu erhalten.
Italien und Libyen hatten zwar kürzlich gemeinsame
Grenzpatrouillen vereinbart, die in den kommenden Wochen starten sollen.
Bisherige finanzielle Zusagen der italienischen Regierung reichten der
Staatsführung in Tripolis aber offenbar nicht aus, hieß es.
Bislang hat Rom der libyschen Regierung Mittel für den Bau einer
Autobahn und Entschädigungszahlungen für die Kolonialzeit
zugesichert.
Lampedusa liegt südlich von Sizilien und ist der libyschen
Küste vorgelagert. Die Insel ist ein häufiges Ziel
afrikanischer Bootsflüchtlinge. Im Winter sinkt üblicherweise
die Zahl der Flüchtlinge aufgrund der schlechten Witterung.
(Quelle: epd)
Armut bedroht jedes fünfte Kind in Europa
Mi.27.02.08 - Fast jedes fünfte Kind in Europa ist akut von Armut bedroht. Die
Kinderarmut liege damit seit sechs Jahren auf unverändert hohem
Niveau, erklärte die EU-Kommission bei der Vorlage ihres
jüngsten Sozialschutz-Berichts am Montag in Brüssel.
Rasche Besserung ist nach Angaben von Experten nicht in Sicht: Die
Sozialminister der 27 EU-Staaten seien bislang nicht bereit, gemeinsame
Zielwerte zur Armutsbekämpfung zu beschließen.
Im Jahr 2006 lebten laut EU-Bericht 19 Prozent aller europäischen
Kinder in Familien, die weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens
in ihrem Land zur Verfügung hatten. Unterhalb dieser Schwelle
beginnt für die EU das Armutsrisiko. Bis in die 90er Jahre seien
vor allem alte Menschen von Armut bedroht gewesen, erläuterte ein
Kommissionsbeamter. Seither seien besonders Kinder betroffen.
In Deutschland liegt die Kinderarmut den Angaben zufolge mit 12 Prozent
unter dem EU-Durchschnitt. Nur in Dänemark, Finnland und Zypern ist
die Lage der Kinder besser. Diese vier Staaten und Belgien sind
zugleich die einzigen EU-Länder, in denen Kinder beim Thema Armut
etwas besser dastehen als der Rest der Bevölkerung. Im
EU-Durchschnitt seien 16 Prozent aller Bürger von Armut bedroht,
während der Anteil bei Kindern 19 Prozent beträgt.
Die Sozialminister wollen sich an diesem Freitag in Brüssel mit
dem Bericht befassen. Das Papier enthält auch Angaben zur
Beschäftigung älterer Arbeitnehmer und zum Zugang armer
Menschen zur Gesundheitsversorgung. Bürger mit geringem Einkommen
gaben demnach häufiger als Besserverdienende an, dass sie nicht die
nötige ärztliche Versorgung bekamen. Deutschland habe bei
dieser Untersuchung nicht mitmachen wollen, hieß es aus der
Kommission.
(Quelle: dpa)
Deutschland
Ifo-Geschäftsklima für Februar überraschend gestiegen
Mi.27.02.08 - Trotz der weltweiten Konjunkturabkühlung hat sich die Stimmung in
den deutschen Unternehmen im Februar den zweiten Monat in Folge
aufgehellt.
Der Ifo-Geschäftsklimaindex kletterte überraschend auf 104,1
Punkte von 103,4 Zählern im Januar, wie das Münchner Institut
für Wirtschaftsforschung (Ifo) am Dienstag mitteilte. Die Firmen
beurteilten ihre Lage deutlich besser als zu Jahresbeginn, während
sie ihre Erwartungen zurückschraubten. "Insgesamt befindet sich die
gewerbliche Wirtschaft in einer robusten Verfassung", sagte
Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn zu der Umfrage unter 7000
Unternehmen. "Die Erwartungen deuten aber weiterhin auf eine
konjunkturelle Abkühlung hin."
Die Stimmungsaufhellung ist vor allem dem Einzelhandel zu verdanken.
Hier verbesserte sich das Geschäftsklima deutlich, während es
sich in Industrie und Bauwirtschaft eintrübte. Das stärkt die
Zuversicht, dass der private Konsum sich vom konjunkturellen Bremsklotz
zum Wachstumstreiber entwickelt. "Dies macht Hoffnung, dass es im ersten
Quartal einen positiven Gegeneffektauf zum schwachen privaten Konsum
Ende 2007 geben könnte", sagte Analystin Fabienne Riefer von der
Postbank.
In der Umfrage beurteilten die Unternehmen ihre Lage deutlich besser
als im Januar: Der Index kletterte überraschend auf 110,3 von 107,9
Punkten. Allerdings trübten sich die Erwartungen an die
künftigen Geschäfte etwas stärker als erwartet ein.
Dieser Teilindex sank auf 98,2 Punkte von 99,0 Punkten.
Die Konjunktur in den USA sowie in der Euro-Zone hatte sich zuletzt
deutlich abgekühlt - nicht zuletzt wegen der Folgen der
Hypothekenkrise. Die deutsche Wirtschaft wuchs im vierten Quartal 2007
nur noch um 0,3 Prozent. In diesem Jahr hält sie sich bislang aber
besser als erwartet. "Amerika ist weit weg für deutsche
Unternehmen", sagte Ifo-Experte Hans Günter Russ zu Reuters. Die
Auftragsbücher seien prall gefüllt.
Angesichts der robusten konjunkturellen Lage in der größten
Volkswirtschaft der Euro-Zone warnte Ifo-Chef Sinn die Europäische
Zentralbank (EZB) vor einer raschen Zinssenkung. Ein solcher Schritt
wäre voreilig, sagte Sinn in Brüssel. Auch viele
Finanzmarktexperten teilen diese Einschätzung. "Im Augenblick
müssen wir keinen Konjunktureinbruch fürchten", sagte
WestLB-Analyst Jörg Lüschow. "Damit nimmt die
Wahrscheinlichkeit baldiger Leitzinssenkungen der EZB ab."
Die Aktienmärkte reagierten positiv auf die Daten. Der Leitindex
DAX legte zu. Auch der Eurokurs stieg.
(Quelle: rtr)
Staatshaushalt erstmals seit 1990 wieder leicht im Plus
Mi.27.02.08 - Deutschland hat das Jahr 2007 mit einem größeren
Überschuss beim Staatshaushalt abgeschlossen als zunächst
errechnet, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Dienstag
aufgrund aktualisierter Daten mitteilte.
Anzeige
Mit rund 200 Millionen Euro Finanzierungsüberschuss schaffte der
Staat erstmals seit der deutschen Wiedervereinigung 1990 wieder aus
eigener Kraft einen leicht positiven Staatshaushalt. Mitte Januar waren
die Statistiker in einer ersten Schätzung von 70 Millionen Euro
Mehreinnahmen bei Bund, Ländern und Kommunen ausgegangen.
Das deutsche Staatsdefizit schrumpfte im vergangenen Jahr auf 0,0
Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) nach 1,6 Prozent im Vorjahr.
Dank des Wirtschaftsaufschwungs und sprudelnder Steuereinnahmen
erfüllte Deutschland damit wie im Vorjahr das Maastricht-Kriterium,
das ein Defizit von drei Prozent des BIP erlaubt.
In den Jahren 2002 bis 2005 hatte Deutschland das Maastricht-Kriterium
überschritten, 2006 war erstmals seit fünf Jahren wieder die
zulässige Obergrenze eingehalten worden. Brüssel hatte das
Defizitverfahren gegen Deutschland im Juni 2007 eingestellt.
Bund, Länder und Kommunen nahmen im vergangenen Jahr mehr Geld ein
(1064,0 Mrd Euro) als sie ausgaben (1 063,8 Mrd Euro). 2006 hatten sie
noch einen Fehlbetrag von 36,96 Milliarden Euro. Für das laufende
Jahr rechnet die Bundesregierung wieder mit einem leichten Staatsdefizit.
Im vergangenen Jahr profitierte der Staat von Ländern, Kommunen
und Sozialkassen, die sämtlich mehr Geld einnahmen als sie
ausgaben. Dagegen überstiegen beim Bund die Ausgaben die Einnahmen
um 19,6 Milliarden Euro.
Lediglich im Jahr 2000 hatte es in Deutschland wegen eines
Sondereffekts ebenfalls einen Finanzierungsüberschuss des Staates
gegeben: Damals hatte der Bund die milliardenschweren Lizenzen für
den neuen Mobilfunkstandard UMTS versteigert.
(Quelle: dpa)
Siemens bestätigt Abbau von 6800 Arbeitsplätzen
Mi.27.02.08 - Mit dem Abbau von 6800 Arbeitsplätzen bereitet Siemens seinen
endgültigen Rückzug aus dem einstigen Stammgeschäft
Telekomtechnik vor.
Mit den Stellenstreichungen und -auslagerungen soll die verlustreiche
Telefonanlagensparte SEN attraktiv für einen Käufer gemacht
werden. Die Einschnitte sollen verhindern, dass die Problemtochter ein
ähnliches Schicksal erleidet wie die Handysparte, die der neue
Eigner BenQ nur ein Jahr nach dem Kauf mit 3000 Mitarbeitern in die
Pleite schickte.
"Ein zweites BenQ wird es nicht geben", machte Siemens-Finanzchef Joe
Kaeser am Dienstag deutlich. Der Konzern nehme den Umbau von SEN selbst
in die Hand. Das Unternehmen werde auf die Finanzkraft und die
Pläne des Käufers achten. In der Sparte sollen 3800 Stellen
gestrichen werden, davon bis zu 2000 in Deutschland. Weitere 3000
Arbeitsplätze fallen über Weitergabe an Partner oder
Auslagerungen weg, davon 1200 in Deutschland. Der Siemens-Konzern, der
in den vergangenen Jahren insgesamt sein Personal aufgestockt hat,
hält diese Schritte wegen des Technologiewandels in der Branche
für Firmentelefonnetze unumgänglich. SEN müsse sich
rascher von einem Geräte- zu einem Softwareanbieter werden.
Die Vorbereitungen für den lange angestrebten SEN-Verkauf sollen
umgehend starten. "Wir wollen in Deutschland die Verhandlungen
über einen Interessensausgleich mit der Arbeitnehmerseite
unverzüglich beginnen und hoffen auf einen möglichst
schnellen Abschluss, um den Mitarbeitern größtmögliche
Sicherheit über ihre Zukunft zu geben", erklärte Personalchef
Siegfried Russwurm. Die Restrukturierungskosten lägen im niedrigen
dreistelligen Millionenbereich, ergänzte Kaeser.
Seinen Worten zufolge könnte Siemens mit dem Käufer
vorübergehend ein Gemeinschaftsunternehmen gründen, um einen
geregelten Übergang zu garantieren. Verhandelt werde sowohl mit
SEN-Konkurrenten als auch mit Finanzinvestoren. Einen konkreten
Zeitplan für die Trennung nannte Kaeser nicht. Er deutete
allerdings an, dass die Verträge bis Ende Juni unter Dach und Fach
sein könnten. In konzernnahen Kreisen war zuletzt von
Alcatel-Lucent, Nortel und dem Finanzinvestor Cerberus als
Interessenten die Rede. SEN hatte zuletzt bei einem Umsatz von rund 3,2
Milliarden Euro einen Jahresverlust vor Steuern von 602 Millionen
gemacht, wie Kaser erläuterte.
Bei einem Verkauf an einen Finanzinvestor werde darauf geachtet, dass
dieses finanziell solide und in der Führung von Industriefirmen
erfahren sei. "Wir werden SEN gut ausfinanziert und schuldenfrei
übergeben", kündigte Kaeser an. Siemens werde es nicht
zulassen, dass die Sparte mit Schulden überfrachtet werde, um das
vorhandene Kapital abzuziehen."
Die Telekommunikationstechnik war vor 160 Jahren der Ursprung von
Siemens. Mit einem Verkauf von SEN würde der Traditionskonzern
einen weiteren Bereich aus dem Geschäft loswerden. Vor zweieinhalb
Jahren war die Handysparte an BenQ verkauft worden. Den Bereich
für Telefonnetze legte Siemens Mitte 2006 mit dem der finnischen
Nokia zusammen.
(Quelle: rtr)
Pin will Stellen 'in größerem Ausmaß' abbauen
Mi.27.02.08 - Der insolvente Postdienstleister Pin Group will offenbar zahlreiche
Stellen abbauen. Bei der Gruppe sollten Arbeitsplätze "in
größerem Ausmaß" wegfallen, teilte Insolvenzverwalter
Bruno Kübler in Köln mit. Betroffen seien die meisten der
insolventen Pin-Töchter. Das Unternehmen bleibe dennoch "weiterhin
funktionsfähig". Auch werde die Post der Pin-Kunden weiterhin
bundesweit zugestellt. Dies würden "externe Dienstleister"
erledigen.
Insolvenzverwalter Kübler wandte sich gegen Berichte, Pin solle
zerschlagen werden. Er suche weiterhin für das gesamte Unternehmen
die "große Lösung" und verhandele darüber mit
potenziellen Investoren. In den vergangenen Monaten hatten viele
regionale Pin-Töchter die Insolvenz angemeldet, nachdem der
Hauptaktionär Axel Springer der Gruppe den Geldhahn zugedreht hatte.
(Quelle: afp)
Migrationsamt: Zahl der hochqualifizierten Zuwanderer stagniert
Mi.27.02.08 - Obwohl viele Firmen dringend Fachkräfte suchen, stagniert die Zahl
der hochqualifizierten Zuwanderer nach Deutschland. Dies geht aus Zahlen
des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge hervor, die der
«Süddeutschen Zeitung» vorliegen. Das Bundesamt in
Nürnberg, das dem Bundesinnenministerium untersteht, zählte
im vergangenen Jahr gerade einmal 466 Hochqualifizierte aus
Nicht-EU-Ländern, zehn Fälle mehr als im Vorjahr.
Die Regelung ist für Wissenschaftler, Professoren und
Führungskräfte der Wirtschaft aus Ländern wie Indien,
Russland oder China gedacht. Angestellte müssen ein Jahresgehalt
von mindestens 85.000 Euro nachweisen, um in den Genuss der Regelung zu
kommen. Mit einer lediglich befristeten Arbeitserlaubnis kamen laut
Bundesamt 2007 rund 22.700 Menschen ins Land, fast ein Drittel weniger
als im Vorjahr, als noch 32.600 Menschen einreisten. Diese Gruppe
umfasst in der Regel Arbeitnehmer mit einer weiten Bandbreite an
Qualifikationen, die vom thailändischen Spezialitätenkoch bis
hin zum Diplomingenieur reicht. Lediglich bei den Selbstständigen
gab es einen Anstieg auf niedrigem Niveau von 2.370 (2006) auf 2.850
(2007) Fälle.
(Quelle: ap)
Liechtensteiner Steueraffäre - BND gerät in die Bredouille
Mi.27.02.08 - Der Bundesnachrichtendienst (BND) gerät in der Liechtensteiner
Steueraffäre zusehends in die Bredouille. «Nicht jeder Zweck
heiligt die Mittel», heißt es in den Reihen von
Rechtsexperten. Angelpunkt ist die Frage, ob der BND
rechtmäßig beim Umgang mit dem Informanten gehandelt hat,
der das brisante Material über deutsche Steuersünder
lieferte. Das Mitglied des geheimen Parlamentarischen Kontrollgremiums
(PKG), der Abgeordnete der Linke-Fraktion Wolfgang Neskovic, sagte am
Dienstag in Berlin in einem ddp-Gespräch: «Ich bin der
Meinung, dass die Weitergabe von steuerbedeutsamen Daten an die
Steuerfahndung nach den einschlägigen Vorschriften des
BND-Gesetzes rechtswidrig ist».
«Die Vorschriften des Steuerrechts über die Weitergabe von
Daten kommen hier nicht zur Anwendung, weil die Normen des BND-Gesetzes
Vorrang haben», erklärte Neskovic. Der BND darf
grundsätzlich nur Aufklärung im Ausland betreiben, aber keine
Strafverfolgung. Der Geheimdienst hält dem entgegen, dass der BND
nur mit nachrichtendienstlichen Mitteln Informationen für die
Bundesregierung beschafft habe. Das sei im BND-Gesetz vorgesehen. Der
Nachrichtendienst sei also «völlig aus dem Schneider».
Die Juristen berufen sich auf Paragraph 116 der Abgabenordnung. Danach
müssen Behörden «Tatsachen, die sie dienstlich erfahren
und die auf eine Straftat schließen lassen», den
zuständigen Finanzbehörden mitteilen. Der BND war vorsichtig,
als der Informant mit der Datensammlung auf ihn zukam. Er wies die
Steuerfahnder darauf hin, dass der «Deal nur funktioniert, wenn
sie ihn um Amtshilfe zur Übergabe der DVDs bitten». Hier
liegt «der Hund begraben», unterstrich ein Jurist. Es sei
immer noch nicht ganz klar, ob der Informant aus freien Stücken
auf den BND zugekommen sei, oder ob der Dienst nach ihm sozusagen
«gefahndet» hat, was er nicht gedurft hätte.
Der Verfassungsrechtler Erhard Denninger erläuterte, nicht jede
Behörde dürfe alles im Namen der Amtshilfe tun. Dies sei nur
in Einzelfällen vorgesehen. BND-Präsident Ernst Uhrlau hat in
der geheimen Sitzung des PKG am Mittwoch vergangener Woche nach Aussage
von Teilnehmern in einer Weise argumentiert, dass Abgeordnete der
Opposition Zweifel angemeldet haben, ob der Bundesnachrichtendienst bei
der Beschaffung der Informationen aus Liechtenstein korrekt gehandelt
hat. Wenn sich die Wogen in der Liechtensteiner Affäre einmal
gelegt haben, würden bestimmt die obersten Karlsruher Gerichte das
«letzte Wort haben», betonte Verfassungsjuristen.
Inzwischen füllen die Fahndungen nach Steuersündern und das
Rätselraten um den oder möglicherweise die Informanten
täglich die Zeitungen und Fernsehnachrichten. Der vom BND mit 4,2
Millionen Euro bezahlte und mit neuer Identität ausgestattete
Heinrich K. soll nach neuesten Informationen im asiatischen Raum
untergetaucht sein. Er sei zuvor in Australien gewesen, hieß es.
Die Fahnder aus Liechtenstein seien ihm auf den Fersen. Liechtenstein
ermittelt gegen den Informanten. In der PKG-Geheimsitzung hätten
es die BND-Leute offen gelassen, ob Heinrich K. wirklich der Informant
des BND sei. Die in der Schweiz lebende Mutter des Informanten
beteuert, dass ihr Sohn unschuldig sei.
Die neun Mitglieder des PKG haben in dieser Woche Gelegenheit, in der
Geheimschutzstelle des Gremiums Einsicht in die Akten zu nehmen. Am
Mittwoch nächster Woche wollen sie erneut über den brisanten
Fall beraten, der für die Bundesrepublik den größten
Steuerskandal in ihrer Geschichte gebracht hat.
(Quelle: rtr)
Steuersünder sind geständig - Über 200 Mio Euro entdeckt
- Steuerskandal greift auf immer mehr Staaten über
Mi.27.02.08 - In der Affäre um massenhafte Steuerhinterziehung über
Liechtensteiner Stiftungen haben nach Angaben der Staatsanwaltschaft
bereits 91 Verdächtige gestanden.
Seit Beginn der Razzien vor knapp zwei Wochen seien bundesweit
Wohnungen und Büros von rund 150 Beschuldigten durchsucht und dabei
Hinweise auf weit über 200 Millionen Euro verdächtiges
Vermögen entdeckt worden. Es seien Steuern in "immenser Höhe"
hinterzogen worden, teilte am Dienstag die Staatsanwaltschaft Bochum
mit, die bei den Ermittlungen die Federführung hat.
Den Ermittlern lägen bereits zahlreiche Geständnisse vor,
sagte Oberstaatsanwalt Hans-Ulrich Krück. 91 Personen hätten
"den Sachverhalt eingeräumt und zum Teil bereits Abschlagszahlungen
in Höhe von insgesamt 27,8 Millionen Euro geleistet". Die Summe
erhöhe sich täglich. Auch seien 72 Selbstanzeigen
eingegangen. Auch deren Zahl erhöhe sich ständig. Ob die
Selbstanzeigen die Steuersünder vor Strafen bewahren werde,
müsse in jedem Einzelfall geprüft werden.
Die Staatsanwaltschaft Bochum hatte am 14. Februar mit ihren Razzien
begonnen. Damals durchsuchten die Fahnder auch das Haus des damaligen
Post-Chefs Klaus Zumwinkel, der kurz darauf seinen Hut nahm.
Ausgelöst wurde die Steuerfahndung auch durch die Datensammlung
einer Liechtensteiner Bank, die der Bundesnachrichtendienst (BND)
Regierungskreisen zufolge für 4,2 Millionen Euro gekauft hatte. Die
Verwertung der Unterlagen ist nach Ansicht der Bochumer
Staatsanwälte rechtlich zulässig.
Die deutschen Ermittlungen hatten auch in vielen europäischen
Ländern Folgen. Der britische Fiskus hatte ebenfalls Daten
über mutmaßliche Steuerhinterzieher in Liechtenstein gekauft.
Die Niederlande hatten Steuersünder zu Selbstanzeigen
aufgefordert. Auch die französischen Behörden prüfen
Hinweise auf Steuerbetrüger, die über Liechtensteiner
Stiftungen Gelder hinterzogen haben könnten. Frankreichs
Europaminister Jean-Pierre Jouyet sagte in Brüssel, angesichts des
Ausmaßes der Steuerhinterziehung sei das harte Durchgreifen der
deutschen Behörden verständlich. "Ich habe da überhaupt
kein Mitleid", sagte er. Der Kampf gegen Steueroasen wie Liechtenstein
sei ein sehr wichtiges Ziel, das die EU geschlossen verfolgen müsse.
Damit wächst der internationale Druck auf das Fürstentum
weiter, dem mangelnde Transparenz am Finanzplatz vorgeworfen wird. Die
Beziehungen zwischen Deutschland und Liechtenstein sind durch die
Razzien belastet.
Die Ermittler verdächtigen die Beschuldigten, über
Liechtensteiner Stiftungen Gelder am Fiskus vorbei geschleust und so
Steuern hinterzogen zu haben. Die Staatsanwaltschaft verfügt
über Unterlagen zu Geldanlagen mehrerer hundert Personen. Nach
Angaben aus Ermittlerkreisen können sich die Untersuchungen noch
über Monate hinziehen.
Ins Visier der Ermittler sind auch zwei Banken mit Niederlassungen in
Liechtenstein und Mitarbeiter deutscher Geldhäuser geraten. In den
Kreisen wurde die Liechtensteiner LGT Bank als eines der Institute
genannt. Nun teilte die Behörde mit, auch der Name einer zweiten
Auslandsbank sei "auffällig" geworden. Einen Bericht der
"Süddeutschen Zeitung", nach dem es sich bei dem Institut um die
Vontobel Treuhand AG handeln soll, wollte Staatsanwaltschafts-Sprecher
Eduard Güroff "weder bestätigen noch bestreiten". Vontobel
Treuhand teilte in Liechtenstein mit, bei dem Institut seien "weder
Kundendaten entwendet noch missbräuchlich verwendet" worden. Ein
Vontobel-Sprecher betonte, es habe keinen Kontakt mit deutschen
Behörden gegeben. Der Aktienkurs der Bank war durch den
Pressebericht eingebrochen.
Die Fahnder hatten auch Filialen von drei deutschen Banken aufgesucht.
Beschuldigte hätten dort Konten oder Schließfächer
unterhalten. Zudem stünden "einzelne Mitarbeiter" der
Geldhäuser im Verdacht, "ausgesuchten Kunden Beihilfe zur
Steuerhinterziehung mit deren Geldanlagen über Liechtensteiner
Stiftungen geleistet zu haben".
(Quelle: rtr)
Deutsche sparen so viel wie seit 1994 nicht mehr
Mi.27.02.08 - Die Deutschen haben ihre Sparanstrengungen Ende 2007 erheblich
verstärkt: Im vierten Quartal legten die privaten Haushalte im
Schnitt 9,7 Prozent ihres verfügbaren Einkommens auf die hohe
Kante, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Das ist die
höchste Sparquote seit 1994. Im Sommer 2007 hatte sie noch 9,2
Prozent betragen.
Experten führen diese Entwicklung auf den kräftigen Anstieg
der Lebenshaltungskosten zurück. "Die Leute sind verunsichert wegen
der Preisentwicklung und legen das Geld lieber auf die Seite", sagte
Analystin Ulrike Kastens von Sal. Oppenheim. Dem lange
schwächelnden privaten Konsum könnte das hohe Sparvolumen in
diesem Jahr auf die Sprünge helfen. "Denn das Geld für den
Verbrauch ist offensichtlich da", sagte Kastens. Steige die
Beschäftigung weiter, dürfte die Sparquote wieder sinken und
der Konsum anziehen.
Das verfügbare Einkommen setzt sich aus Löhnen und
Gehältern, Einnahmen aus Vermögen sowie Transferleistungen wie
Kindergeld oder Altersrenten zusammen, während unter anderem
Einkommens- und Vermögenssteuern sowie Sozialabgaben abgezogen
werden. Die Vermögen und Unternehmensgewinne stiegen im vierten
Quartal um 6,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Dagegen
legten die Arbeitnehmerentgelte nur um 2,4 Prozent zu. Das gesamte
Volkseinkommen erhöhte sich damit um 3,7 Prozent.
(Quelle: rtr)
Justizministerin Zypries will Hürden für
Zwangsvollstreckungen erhöhen
Mi.27.02.08 - Bundesjustizministerin Brigitte Zypries will Hausbesitzer bei einem
Verkauf ihrer Kredite an einen Finanzinvestor besser vor
Zwangsvollstreckungen schützen.
Die Ministerin kündigte in der "Berliner Zeitung" vom Dienstag an,
sie wolle das anstehende Maßnahmenpaket für einen besseren
Schutz von Kreditnehmern um zwei Punkte erweitern. "Mit unseren weiteren
Vorschlägen heben wir die Hürden für eine
Zwangsvollstreckung aus der Grundschuld deutlich an", sagte sie. Damit
werde besonders die Position von Hausbesitzern verbessert. "Sie
können noch mehr als bisher darauf vertrauen, nicht mit einer
unberechtigten Zwangsversteigerung ihres Eigenheims konfrontiert zu
werden", erklärte die Ministerin.
Bei dem einen neuen Punkt geht es der Zeitung zufolge um eine
Beweislastumkehr in Verbindung mit der Sicherungsabrede. In dieser
Abrede wird vereinbart, dass die kreditgebende Bank eine
Zwangsvollstreckung aus der Grundschuld nicht betreiben darf, wenn die
Raten wie vereinbart bezahlt werden. Daran hatte sich nach geltender
Rechtslage auch der Aufkäufer eines solchen Kredits zu halten, auch
wenn die Abrede nicht übertragen wird. Nach der Beweislastumkehr
soll nunmehr ein Investor bei einem Rechtsstreit belegen müssen,
dass er die Abrede nicht kannte. Auch die zweite Ergänzung
beinhaltet, dass sich der Kreditnehmer besser gegen eine
Zwangsvollstreckung wehren kann.
Die Koalitionspartner ringen seit Monaten um einen besseren Schutz von
Kreditnehmern, insbesondere privaten Hausbauern, beim Verkauf ihrer
Kredite an aggressive Finanzinvestoren. Anfang Januar waren erste
Gesetzespläne der Regierung bekanntgeworden, in denen es um
Spielregeln für solche Kreditverkäufe geht. Justiz- und
Finanzministerium hatten erste Vorschläge erarbeitet. Das Thema
soll noch im Frühjahr in einem sogenannten Risikobegrenzungsgesetz
geregelt werden.
(Quelle: rtr)
Ostdeutsche SPD-Politiker begrüßen neuen Umgang mit der
Linken
Mi.27.02.08 - Das SPD-Forum Ostdeutschland begrüßt den Beschluss der
Parteiführung zum neuen Umgang mit der Linken. Mit den Wahlen in
Hessen, Niedersachsen und Hamburg sei «eine neue Situation
für die Bildung parlamentarischer Mehrheiten entstanden»,
betonten die ostdeutschen SPD-Politiker Jens Bullerjahn und Wolfgang
Tiefensee am Dienstag in Berlin. Die beiden Vorstandsmitglieder des
Forums unterstrichen, es gehe um einen souveränen Umgang mit der
Linkspartei. Das SPD-Präsidium hatte am Montag beschlossen, die
Entscheidungen über eine mögliche Zusammenarbeit mit der
Linken ihren Landesverbänden zu überlassen.
Kriterien für den Umgang mit der Linken müssten Programmatik
und das Handeln ihrer gewählten Vertreter sein, hoben Bullerjahn
und Tiefensee hervor. Dabei gehe es darum, den Wählerwillen im
Osten und im Westen ernst zu nehmen. Schließlich entwickle sich
«die ostdeutsche Realität« zu einer
»gesamtdeutschen Erscheinung». Hier habe die ostdeutsche
Sozialdemokratie Erfahrung im Umgang mit der Linkspartei und ihrer
Politik auf allen Ebenen.
(Quelle: ddp)
SPD-Spitzen warnen vor Kooperation mit Linken in Hessen
Mi.27.02.08 - Führende SPD-Politiker warnen trotz der Öffnung zur
Linkspartei vor einer Kooperation beider Parteien in Hessen.
Mit Generalsekretär Hubertus Heil und Fraktionschef Peter Struck
wandten sich zwei führende Genossen gegen den Plan, die hessische
SPD-Kandidatin Andrea Ypsilanti mit Linken-Stimmen zur
Ministerpräsidentin zu machen. Ypsilanti selbst hielt sich das
Vorgehen weiter offen. In der Hessen-SPD werden Abweichler aus den
eigenen Reihen nicht ausgeschlossen, wenn Ypsilanti sich auf die Linke
stützt. Die SPD will die FDP weiter zu einer "Ampel" mit den
Grünen drängen.
Ypsilanti wollte sich am Tag nach der Freigabe aus Berlin zur Frage der
Linkspartei nicht festlegen. Es gebe dazu noch keine Entscheidung, sagte
sie nach Beratungen ihrer Fraktion in Wiesbaden. "Das ist auch in mir
selbst nicht entschieden." Ziel bleibe weiter eine Ampelkoalition. "Wir
erwarten, dass sich die FDP nicht weiter verweigert", sagte sie. Die
SPD hofft, dass die FDP nach dem Scheitern bei der Hamburg-Wahl offener
wird. Diesem Ziel sollte auch das Votum der Bundes-SPD am Montag dienen.
Nur wenige Stunden nach dem Beschluss der SPD-Spitze wurden in der
Partei die Vorbehalte gegen die Öffnung zu den Linken in Hessen
deutlich. "Ich persönlich hielte eine Zusammenarbeit oder
Tolerierung oder Wahl für eine ziemlich gewagte Sache", sagte Heil
am Montagabend der ARD. Auch Struck wandte sich gegen die Wahl
Ypsilantis mit Hilfe der Linken: "Ich halte das nicht für gut",
sagte er dem ZDF. Nach Angaben aus SPD-Kreisen hatte die ganze engere
SPD-Spitze Ypsilanti bei einem internen Treffen am Sonntag von einer
Wahl mit Linken-Hilfe abgeraten.
Dies und die öffentlichen Warnungen Strucks und Heils wurden in
der SPD auf Sorge um die Glaubwürdigkeit und auf taktische
Gründe zurückgeführt. Offenbar setzt die Bundes-SPD
darauf, CDU-Ministerpräsident Roland Koch
geschäftsführend weiter regieren zu lassen und durch
Beschlüsse mit Hilfe von FDP, Grünen und Linkspartei unter
Druck zu setzen. Doch gilt Struck auch ohne taktische Motive als Gegner
der Öffnung zur Linken.
SPD-Präsidium und -Vorstand hatten Montag zwar auf Vorschlag von
Parteichef Kurt Beck einen Beschluss gefasst, der Hessen und anderen
Landesverbänden entgegen der bisherigen Linie freie Hand für
eine Zusammenarbeit mit der Linkspartei gibt. Nach Angaben aus der
Partei wollten die Kritiker dieser Linie, darunter mit Finanzminister
Peer Steinbrück und Außenminister Frank-Walter Steinmeier
sogar zwei Parteivize, damit vor allem eine weitere Beschädigung
von Becks Autorität und des Ansehens der SPD vermeiden. Beck selbst
hatte sich am Sonntag indirekt für die Debatte entschuldigt, die
in weiten Teilen der SPD kurz vor der Wahl in Hamburg als
desaströs kritisiert wurde.
In Kreisen der hessischen SPD hieß es, eine Tolerierung durch die
Linke sei auch intern umstritten. Sollte Ypsilanti auf die Stimmen der
Linken setzen, sei nicht auszuschließen, dass in geheimer Wahl
Abweichler aus der SPD nicht für die eigene Kandidatin stimmten.
Zusammen liegen SPD, Grüne und Linkspartei nur vier Stimmen vor CDU
und FDP.
Der stellvertretende Fraktionschef und frühere Rivale Ypsilantis,
Jürgen Walter, kritisierte den Beschluss der Bundes-SPD. Er
fürchte, dass Beck auch unglaubwürdig werde mit Aussagen, er
werde sich nicht mit Linken-Stimmen zum Kanzler wählen lassen,
sagte er im Deutschlandfunk. Der Sprecher der konservativen "Seeheimer",
Johannes Kahrs, griff Beck offen an. "Ich glaube nicht, dass Kurt Beck
sich damit ein überragendes Zeugnis ausgestellt hat", sagte er im
NDR.
(Quelle: rtr)
CSU lehnt schwarz-grüne Bündnisse ab
Mi.27.02.08 - Die CSU lehnt Bündnisse zwischen Union und Grünen ab. Bayerns
Europaminister Markus Söder (CSU) sagte der «Passauer Neuen
Presse» (Dienstagausgabe) laut Vorabbericht: «Zwischen uns
und den Grünen gibt es nach wie vor große inhaltliche
Differenzen. Denken Sie an die Integrationspolitik, den EU-Beitritt der
Türkei oder Kernenergie. Wie sollen wird da zusammenkommen?»
Zudem seien die Realpolitiker bei den Grünen auf dem Rückzug.
Der CSU-Sozialexperte Max Straubinger nannte die Grünen eine
Gefahr für den Wirtschaftsstandort Deutschland. «Unsere
Standpunkte und die der Grünen stehen sich diametral
gegenüber, auch in Hamburg», sagte er. Daher sei eine
Koalition nicht möglich. Auch im Bund gebe es mit den Grünen
keine Schnittmengen in der Wirtschafts-, Energie- und Gesundheitspolitik.
Der CSU-Bundestagsabgeordnete Peter Gauweiler sagte dem Blatt, der
natürliche Partner der Hamburger CDU sei jetzt die SPD. "Die CDU
ist, wie die CSU auch, eine Weltanschauungs-Partei, nicht nur eine
Mehrheitssucherin. Diese Funktion darf sie nicht verlieren»,
mahnte er.
Der CSU-Rechtspolitiker Norbert Geis sagte, Schwarz-Grün in
Hamburg wäre kein Modell für andere Länder oder den Bund.
«Die Grünen sind noch linker als die SPD. Im Bund sind sie
weit weg von unseren Vorstellungen, ich sehe kaum
Gemeinsamkeiten», sagte er der Zeitung.
(Quelle: ddp)
Gewerkschaften setzen Warnstreiks fort - Verhärtete Fronten beim
Tarifstreit im öffentlichen Dienst - Kein neues Angebot von Bund
und Kommunen
Mi.27.02.08 - Die Gewerkschaften rufen angesichts der stockenden Tarifverhandlungen
im öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen erneut zu Warnstreiks
auf. «In der nächsten Woche werden an mehreren Tagen
bundesweit Warnstreiks stattfinden», kündigte ver.di-Chef
Frank Bsirske am Dienstag in Potsdam an. In «sensiblen
Bereichen» würden die Aktionen vorher angekündigt. Die
Gewerkschaft der Polizei (GdP) will bereits am Donnerstag zu Warnstreiks
beim Bundeskriminalamt (BKA) in Wiesbaden aufrufen. Zuvor hatte es in
der vierten Runde der Tarifverhandlungen keine Annäherung gegeben.
Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) betonte als
Verhandlungsführer des Bundes nach der zweitägigen
Verhandlungen am Dienstag, auch in der nächsten für den 6. und
7. März festgelegten Runde kein neues Angebot vorlegen zu wollen.
Der Spielraum für eine Einigung sei «eher gering». Er
wolle zwar, dass «die Beschäftigten ihren Anteil an einer
insgesamt besser gewordenen wirtschaftlichen Situation bekommen»,
müsse jedoch auf die Nachhaltigkeit der tarifpolitischen
Maßnahmen achten.
Der Präsident der Vereinigung der Kommunalen Arbeitgeber, Thomas
Böhle, unterstrich, die Arbeitgeberseite setze weiterhin auf eine
«maßvolle Lohnsteigerung, die Angleichung der Arbeitszeit
und die Fortführung der Tarifrechtsreform». Diese sieht auch
die Einführung einer leistungsbezogenen Bezahlungskomponente vor,
die von Gewerkschaftsseite besonders scharf kritisiert wurde.
«Hier wird ein Teil der allgemeinen Lohnerhöhung abgezweigt,
um das Leistungsentgelt für wenige zu erhöhen«, sagte
Bsirske.
Das Angebot der Arbeitgeber, das eine stufenweise Lohnerhöhung um
insgesamt fünf Prozent vorsieht, bezeichnete Bsirske als
»Minus-X-Angebot«, weil die finanzielle Besserstellung auch
mit einer Anhebung der Arbeitszeit einhergehen soll. Ab Juli 2008 solle
wie im Osten auch in Westdeutschland 40 statt 38,5 Wochenstunden
gearbeitet werden. »Das ist ein Angebot, das nicht einmal die
voraussichtliche Preissteigerungsrate ausgleicht«, sagte Bsirske.
Das Vorgehen der Arbeitgeberseite sei ein «ziemlich dreistes und
plumpes Manöver».
ver.di fordert für die rund 1,3 Millionen Beschäftigten im
öffentlichen Dienst bei Bund und Kommunen acht Prozent mehr Gehalt,
mindestens aber ein Plus von monatlich 200 Euro. Der Tarifabschluss
soll anschließend auch auf die rund 600 000 Beamten bei Bund und
Kommunen übertragen werden, weshalb auch der Deutsche Beamtenbund
(dbb) mit am Verhandlungstisch sitzt.
Bsirske warf den Arbeitgebern vor, sie hätten »nicht
verarbeitet, was in den breit getragenen Warnstreiks der letzten Woche
zum Ausdruck gekommen ist.« Die Gewerkschaften hatten mit massiven
Warnstreiks im gesamten Bundesgebiet Druck auf die Arbeitgeberseite
aufgebaut. Bsirske sagte, die Stimmung in den Betrieben sei
«aufgeladen, klar und eindeutig».
«Es hat den Anschein, als setze die Arbeitgeberseite darauf, sich
in die Schlichtung zu retten», sagte Bsirske. Für den Fall,
dass auch die nächste Verhandlungsrunde scheitert, wurden der
frühere Lothar Späth (CDU) und der ehemalige Hannoveraner
Oberbürgermeister Holger Schmalstieg (SPD) als Schlichter bestimmt.
(Quelle: ddp)
DGB verlangt Stopp des geplanten Gesundheitsfonds
Mi.27.02.08 - Nach den Krankenkassen fordern auch die Gewerkschaften einen Stopp des
für kommendes Jahr geplanten Gesundheitsfonds: In der jetzigen
Ausgestaltung sei er nichts anderes als ein Programm zur Entlastung der
Arbeitgeber und zur Verlagerung der wachsenden Gesundheitsausgaben auf
die Versicherten, sagte DGB-Bundesvorstandsmitglied Annelie Buntenbach
dem "Handelsblatt" (Mittwochausgabe) laut Vorabbericht.
Der Einheitsbeitrag zum Fonds, der ab 2009 die unterschiedlichen
Krankenkassenbeiträge ersetzen soll, solle langfristig nur 95
Prozent der Kassenausgaben decken, argumentierte Buntenbach. Damit
würden die Kassen gezwungen, immer höhere, allein von den
Versicherten zu tragende Zusatzbeiträge zu erheben. Immer mehr
Gesundheitskosten würden so privatisiert. Wenn am Fonds
festgehalten werde, müsse er völlig neu gestaltet werden,
verlangte Buntenbach. So müsse etwa die Beitragspflicht auf alle
Einkommen, also auch Zinsen und Dividenden, ausgedehnt und die private
Krankenversicherung einbezogen werden.
Auch die Krankenkassen haben bereits gegen den Gesundheitsfonds Front
gemacht. Er soll ab Januar die Beiträge von Arbeitnehmern und
Arbeitgebern unter den Kassen verteilen. Sie erhalten eine Pauschale pro
Versichertem plus einen Zuschlag je nach Gesundheitszustand des
Mitglieds. Die Regierung muss den Beitrag im Herbst dazu einheitlich
festsetzen.
(Quelle: rtr)
Amnesty International lehnt Dreier als Verfassungsrichter ab
Mi.27.02.08 - Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International lehnt die Wahl des
Staatsrechtlers Horst Dreier zum Bundesverfassungsrichter ab. Dreiers
Kommentar zum Grundgesetz laufe auf eine Aufweichung des Folterverbots
hinaus, schrieb die die Generalsekretärin der deutschen Sektion von
Amnesty, Barbara Lochbihler, laut Vorabbericht in einem Beitrag für
die «Frankfurter Rundschau» (Dienstagausgabe).
«Sollten solche Überlegungen höchstrichterliche Weihen
erhalten, wäre das aus menschenrechtlicher Sicht fatal»,
schrieb sie.
Dreier lasse in seiner Abwägung zwischen der Menschenwürde
eines Terror- oder Kriminalitätsopfers und der eines Täters
die Antwort auf die Frage nach der Anwendung von Folter offen,
kritisierte Lochbihler. Diese Antwort dürfe aber nur
«Nein» lauten. «Ein Rechtsstaat darf sich nicht auf
einen Wettlauf der Barbarei einlassen. Denn ein bisschen Folter gibt es
dabei nicht. Wird die Verletzung der Menschenwürde in
Einzelfällen zugelassen, ist eine prinzipielle Hürde
genommen», argumentierte sie.
Dreier soll auf Vorschlag der SPD-Bundesländer zum
Verfassungsrichter gewählt werden. Die Union lehnt Dreier aber
wegen Äußerungen zum Folterverbot und zur Stammzellforschung
ab. Für die Wahl Dreiers, die dem Bundesrat obliegt, wäre eine
Zwei-Drittel-Mehrheit nötig
(Quelle: ddp)
Neue Vorwürfe gegen Polizei in Sachsen-Anhalt - Offenbar
Versäumnisse bei Bekämpfung rechtsextremistischer
Kriminalität
Mi.27.02.08 - Erneut werden der Polizei in Sachsen-Anhalt Versäumnisse bei der
Bekämpfung rechtsextremistischer Kriminalität vorgeworfen. Der
Leiter der staatlichen geförderten Netzwerkstelle gegen
Rechtsextremismus, Steffen Andersch, hat die Polizeidirektion Dessau auf
ein Schmerzensgeld in Höhe von 500 Euro verklagt, wie
Gerichtssprecher Frank Straube am Dienstag mitteilte. Er bestätigte
damit einen Bericht der «tageszeitung» (Mittwochausgabe).
Anzeige
Der «taz» zufolge wird die Polizeidirektion in der
Klageschrift bezichtigt, «beinahe wie ein Rechtsbeistand»
für Rechtsextremisten agiert zu haben. Ende 2006 habe die Polizei
aus eigenem Antrieb gegen Andersch ein Verfahren wegen übler
Nachrede angestoßen, weil er bei einer Veranstaltung bestimmte
Personen als «Rechtsextreme» bezeichnet habe. Dagegen
reichte Andersch eine Dienstaufsichtsbeschwerde ein. Die
Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren ein. Die Polizeidirektion
entschuldigte bei Andersch, weigerte sich aber, ihm die entstandenen
Anwaltskosten in Höhe von 900 Euro zu erstatten.
Mit der Klage von Andersch befasst sich nun die 2. Zivilkammer des
Landgerichts, wie der Justizsprecher sagte. Zunächst werde die
Stellungnahme der Polizeidirektion abgewartet.
Die Polizei von Sachsen-Anhalt steht seit Monaten wegen
Versäumnissen und Pannen bei der Bekämpfung rechter Gewalt in
der Kritik. Im September vergangenen Jahres beschloss der Landtag, einen
Parlamentarischen Untersuchungsausschuss einzurichten, der
rechtsextremistischen und fremdenfeindliche Vorgänge bei der
Polizei des Landes klären soll.
(Quelle: ap)
Umweltschützer: Schädliche Großprojekte nicht
finanzieren
Mi.27.02.08 - Umweltschützer haben die EU-Kommission und die Europäische
Investitionsbank davor gewarnt, umstrittene Infrastruktur-Projekte in
Osteuropa mitzufinanzieren. Insbesondere Polen und Tschechien setzten
auf EU-Hilfe für ökologisch fragwürdige Vorhaben,
erklärten "Friends of the Earth" und das Osteuropa-Netzwerk
"Bankwatch Network" am Montag in Brüssel. Sie verwiesen auf den
geplanten Bau von neun Müllverbrennungsanlagen in Polen sowie das
polnische Autobahn-Projekt Via Baltica und die Autobahn R52 in
Tschechien.
Die Regierungen wollen dafür Mittel aus den EU-Regionalfonds
einsetzen, die für die Entwicklung strukturschwacher Gebiete
bestimmt sind. So sollen die polnischen Verbrennungsanlagen insgesamt
1,05 Milliarden Euro kosten und etwa zur Hälfte aus
europäischen Mitteln finanziert werden. Die EU-Kommission muss die
Projekte noch einzeln genehmigen. Polen müsse mehr Gewicht auf das
Recycling legen, sagte Martin Konecny von "Friends of the Earth".
Derzeit würden nur drei Prozent des Mülls aus polnischen
Kommunen wiederverwertet, in Deutschland seien es rund 50 Prozent.
Mit Blick auf die beiden Autobahnen verlangten die Umweltaktivisten,
die EU müsse auf der Ausarbeitung alternativer Routen bestehen.
Beide Fernstraßen führen den Plänen zufolge durch
Naturschutzgebiete. Der Europäische Gerichtshof hatte den Bau der
Via Baltica auf polnischem Gebiet im vergangenen Jahr teilweise
gestoppt.
(Quelle: epd)
Demonstranten klettern bei Protest gegen Klimapolitik auf Flugzeug
Mi.27.02.08 - Bei einer Protestaktion gegen die Klimapolitik sind Mitglieder der
Umweltschutzorganisation Greenpeace am Montag auf dem Londoner Flughafen
Heathrow auf ein Flugzeug geklettert. Sie entrollten am Heck des Airbus
A320 ein Transparent, auf dem sie gegen den geplanten Ausbau des
Flughafens protestierten. Greenpeace erklärte, vier ihrer
Mitglieder seien über das Rollfeld zu der Maschine der British
Airways gegangen, die gerade aus Manchester gekommen war. Die
Betreibergesellschaft von Heathrow, BAA PLC, sprach von einem
«ungesetzlichen und unverantwortlichen» Protest. Die vier
Demonstranten wurden nach 90 Minuten festgenommen und zur Polizeiwache
auf dem Flughafen gebracht. Der Flugbetrieb war den Angaben zufolge
durch die Protestaktion nicht betroffen.
(Quelle: ap)
Wissenschaft
inter in Deutschland erneut deutlich zu warm
Mi.27.02.08 - Auch dieser Winter fällt in Deutschland deutlich zu warm aus. Um
gut zwei Grad über dem Mittelwert der Jahre 1961 bis 1990 liege die
durchschnittliche Temperatur wenige Tage vor dem Ende des
meteorologischen Winters (29. Februar).
Das sagte Gerhard Lux vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach am
Montag. Der meteorologische Winter - er umfasst die Monate Dezember,
Januar und Februar - endet am kommenden Freitag. Der Rekord des Winters
2006/2007 mit einem Plus von über vier Grad werde trotz der
frühlingshaften Temperaturen am vergangenen Wochenende nicht
gebrochen, sagte Lux.
Nach Angaben des DWD waren alle drei Wintermonate zu warm. Der Dezember
wich mit einem Plus von 0,6 Grad am wenigsten vom langjährigen
Durchschnitt ab. Der Januar war 4,1 Grad zu warm, und der Februar liegt
gut zwei Grad über dem Mittelwert. «Gefühlten
Frühling» gab es am letzten Februar-Wochenende 2008 in
Süddeutschland: Der DWD registrierte am Sonntagnachmittag zwischen
Oberrhein und Alpenvorland und im südlichen Sachsen Temperaturen
von über 20 Grad.
(Quelle: dpa)
Solarstrom fast 90 Prozent umweltfreundlicher als Normalstrom
Mi.27.02.08 - Strom aus Solarzellen erspart der Atmosphäre im Vergleich zum
Normalstrom fast 90 Prozent der schädlichen Emissionen.
Das berichtet ein Forscherteam um Vasilis Fthenakis vom Brookhaven
National Laboratory der US-Regierung im Fachblatt «Environmental
Science & Technology» (online vorab) der Amerikanischen
Chemikalischen Gesellschaft ACS.
Die Wissenschaftler hatten in einer Ökobilanz untersucht, wie viel
Treibhausgase, Schwermetalle, Stickoxide und Schwefeldioxid bei
Produktion und 30 Jahren Betrieb verschiedener Photovoltaikmodule
entstehen. Sie berücksichtigten auch die Gehäuse und
Verkabelung der Module. Dabei stützen sie sich auf Abgasdaten 13
europäischer und amerikanischer Solarzellenhersteller aus den
Jahren 2004 bis 2006.
Am besten schnitten in der Untersuchung Dünnschicht-Solarzellen
aus Cadmium-Tellurid (Cd-Te-Zellen) ab. Über die Produktion und die
auf 30 Jahre veranschlagte Lebensdauer gerechnet verursachen die Module
beispielsweise 90 bis 300 Mal weniger giftiges Cadmium pro
Kilowattstunde als ein Kohlekraftwerk mit optimal funktionierenden
Filtern. Generell hätten Dünnschichtzellen trotz ihrer
geringeren Stromausbeute eine bessere Bilanz als herkömmliche
Silizium-Module, weil sie weniger Energie bei der Herstellung
benötigten.
Die Unterschiede zwischen den einzelnen Photovoltaik-Techniken seien
jedoch klein im Vergleich zu dem, was sie an Emissionen einsparen
könnten. Mindestens 89 Prozent der Luftschadstoffe aus der
gegenwärtigen Elektrizitätsproduktion könnten mit der
Photovoltaik vermieden werden, schreiben die Autoren. Da die Techniken
zur Solarzellenproduktion sowie die Energieausbeute der Module sich
ständig verbessere, müsse diese Ökobilanz
regelmäßig erneuert werden.
(Quelle: dpa)
Internationale Bank für Pflanzensamen auf Spitzbergen
eröffnet - Schutz der Artenvielfalt vor dem Wandel des Weltklimas -
Eine grüne Arche Noah
Mi.27.02.08 - Alle Pflanzensamen der Welt sollen im arktischen Permafrostboden
für die nächsten 1.000 Jahre gesichert werden und damit den
Gefahren des globalen Klimawandels trotzen. Dazu eröffneten der
norwegische Ministerpräsident Jens Stoltenberg,
EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso und die
kenianische Friedensnobelpreisträgerin Wangari Maathai am Dienstag
die globale Samenbank Spitzenbergen. Der 130 Meter tief in einen Hang
versenkte Stollen soll sogar Erdbeben und Atomschlägen widerstehen.
«Angesichts des Klimawandels und anderen Kräften, die die
biologische Vielfalt auf unserem Planeten bedrohen, ist Norwegen stolz,
eine zentrale Rolle zu spielen», sagte Stoltenberg. Dabei gehe es
nicht nur um den Schutz von Pflanzensamen, sondern um die Bewahrung der
Grundpfeiler der menschlichen Zivilisation, erklärte der
Regierungschef. Die zur Arche Noah für Pflanzensamen apostrophierte
Einrichtung kann bis zu 4,5 Millionen Samen aufnehmen. Alle Regierungen
können sie einreichen, sie werden dann bei Minus 18 Grad im Boden
aufbewahrt. Der symbolische Anfang wurde am Dienstag mit einer Kiste von
Reissamen aus 104 Ländern gemacht.
Die einem Bunker nicht unähnliche Anlage liegt rund 1.000
Kilometer vom Nordpol entfernt, auf dem norwegischen Archipel Svalbard
(Spitzbergen). Die norwegische Regierung ist formell der Eigentümer
der Einrichtung und hat auch die rund neun Millionen Dollar (sechs
Millionen Euro) Baukosten finanziert. Betrieben wird die Samenbank vom
Welttreuhandfonds für Kulturpflanzenvielfalt, der von der
Welternährungsorganisation (FAO) und einer römischen
Forschungseinrichtung, Internationale Biodiversität, gegründet
wurde.
(Quelle: ap)
Internet
Blogs als Informationsquelle immer beliebter
Mi.27.02.08 - Bei der Suche nach Informationen werden Blogs immer beliebter. In ihnen
werden oft spezielle Themengebiete aufgegriffen, die in gängigen
Medien fehlen. Die einzelnen Einträge in "Online-Tagebüchern"
sind deshalb häufig eine Fundgrube für Wissenshungrige, sofern
sie die Blogs überhaupt aufspüren.
In den Weiten des Internet haben vor allem die kleinen Angebote, die
Spartenwissen vermitteln, das Nachsehen. "Große" Blogs sind
hingegen in vielen Medien verlinkt und deshalb nicht so sehr auf
Mundpropaganda angewiesen. Auch Suchmaschinen haben die Bedürfnisse
der Anwender erkannt und bieten inzwischen die Möglichkeit zur
Blog-Suche an, zum Beispiel unter http://www.google.com/blogsearch.
Ob den gegebenen Informationen Glauben geschenkt wird, hängt
maßgeblich von den Machern des jeweiligen Blogs ab. In
Unternehmens-Blogs vermuten 26,4 Prozent der Leser mehr oder minder gut
versteckte Werbeaussagen. Privaten Blogs misstrauen 12,1 Prozent der
Leser. 7,2 Prozent der Nutzer glauben nicht alles, was in
journalistischen Blogs steht, Medien-Blogs erzeugen bei 4,4 Prozent der
Seiten-Besucher Misstrauen. Am glaubwürdigsten sind Fach-Blogs. Die
darin gegebenen Informationen halten nur 2,1 Prozent der Leser für
potenziell falsch. Das hat die "Blogstudie 2007" der Universität
Leipzig ergeben, im Rahmen derer 605 Online-Nutzer befragt worden sind.
(Quelle: gp)