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Irak am 1436sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Schwerste Kämpfe im Nordirak seit türkischem Einmarsch -
Viele Tote. USA fordern schnelles Ende türkischer Irak-Offensive.
Türkei will Einsatz zeitlich nicht begrenzen
Do.28.02.08 - Die Türkei hat am Mittwoch ihre Angriffe auf Stützpunkte der
verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) im Nordirak verstärkt.
Innerhalb weniger Stunden seien 77 kurdische Rebellen getötet
worden, teilte der türkische Generalstab in Ankara mit. Ein
Brennpunkt der Kämpfe war demnach das PKK-Lager in Sap, rund zehn
Kilometer südlich der Grenze.
Der türkische Nachrichtensender NTV meldete, seit der Nacht zum
Mitwoch seien wieder viele Hubschrauber und Kampfflugzeuge in das
Gefechtsgebiet im Nordirak geflogen. Zudem würden Bodentruppen ins
Kampfgebiet verlegt. An den Tagen zuvor hatte dichter Schneefall den
Vormarsch der Türken gebremst. Berichten türkischer Zeitungen
zufolge standen die Truppen kurz vor der Einnahme des Stützpunktes
in Sap, das als wichtige Basis für die Vorbereitung von
PKK-Anschlägen in der Türkei gilt.
Der türkische Generalstab sprach von den "schwersten Kämpfen"
seit dem Beginn der Offensive am Donnerstag vergangene Woche. Insgesamt
kamen türkischen Angaben zufolge seit dem Einmarsch in das
Nachbarland 230 kurdische Rebellen und 27 Soldaten und Milizionäre
ums Leben. Die PKK gab dagegen an, mehr als 90 türkische
Kämpfer getötet zu haben. Die türkische Armee
zerstörte nach eigenen Angaben bislang insgesamt 312
PKK-Stellungen und beschoss 523 Ziele, darunter Luftabwehr-Stellungen,
logistische Stützpunkte sowie Kommandozentralen der Rebellen.
Der wichtigste außenpolitische Berater des türkischen
Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan, Ahmet Davutoglu, sagte
in Bagdad, es werde keinen Zeitplan für den Abzug türkischer
Truppen aus dem Nordirak geben, so lange die PKK dort präsent sei.
"Unser Ziel ist eindeutig, unser Einsatz ist klar, und es gibt keinen
Zeitplan."
Der Irak hatte den türkischen Einmarsch am Dienstag verurteilt und
den sofortigen Abzug der Soldaten gefordert.
Auch US-Verteidigungsminister Gates drängte die TürkeI, die
Offensive so schnell wie möglich zu beenden und aus dem
Nachbarland abzuziehen. "Unter schnell verstehe ich Tage, ein oder zwei
Wochen oder so, nicht Monate", sagte Gates in Neu-Delhi. Die
Türkei dürfe sich in der Auseinandersetzung mit der PKK nicht
auf militärische Mittel beschränken, sondern müsse auch
auf politische und wirtschaftliche Initiativen setzen. Gates wird am
Donnerstag in Ankara mit der türkischen Führung
zusammenkommen.
boa (Quellen: afp, rtr)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 28.02.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am neunhundertvierundsiebzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Zwei polnische Soldaten in Afghanistan von Landmine getötet
Do.28.02.08 - In Afghanistan sind zwei polnische Soldaten von einer Landmine
getötet worden. Ein weiterer wurde verletzt, wie die polnische
Armee in Warschau bekanntgab. Die Mine explodierte am
Straßenrand, als ein Konvoi der Streitkräfte vorbeifuhr. Der
Zwischenfall ereignete sich in der östlichen Provinz Paktika rund
drei Kilometer vom Militärstützpunkt Scharana entfernt.
Damit wurden in Afghanistan in diesem Jahr bereits 21 ausländische
Soldaten getötet. Im vergangenen Jahr fielen der Gewalt mehr als
6.500 Menschen zum Opfer, darunter 222 ausländische Soldaten.
Eine in Afghanistan entführte amerikanische Mitarbeiterin einer
Hilfsorganisation ist nach Einschätzung ihrer Gruppe vermutlich
getötet worden. Die 50-jährige Cyd Mizell und ihr Fahrer
wurden vor rund einem Monat in der südafghanischen Stadt Kandahar
verschleppt. Informationen, die in den vergangenen Tagen eingegangen
seien, deuteten darauf hin, dass beide von den Entführern
getötet wurden, hieß es am Mittwoch in einer Erklärung
der Asian Rural Life Development Foundation (ARLDF). Der Gouverneur von
Kandahar, Assadullah Chalid, und die US-Botschaft in Kabul konnten dies
zunächst nicht bestätigen. Im vergangenen Jahr wurden mehrere
Ausländer - darunter zwei Deutsche - in Afghanistan entführt.
Wie die ISAF weiter mitteilte, wurde im Süden Afghanistans Opium
mit einem Straßenverkaufswert von 400 Millionen Dollar
beschlagnahmt. Das Rauschgift wurde vernichtet. Zudem wurde eine
«bedeutende Menge» an Material zur Herstellung der Droge
gefunden. Die südafghanische Provinz Helmand gilt als weltweit
größte Region der Opium-Herstellung.
boa (Quellen: afp, ap)
Nahost-Konflikt: Israelische Luftwaffe tötet mindestens fünf
Hamas-Kämpfer - Israeli durch Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen
getötet
Do.28.02.08 - Die israelische Luftwaffe hat am Mittwoch bei einem Angriff im
Gazastreifen mindestens fünf Kämpfer der radikalislamischen
Hamas getötet. Ein weiterer wurde nach Berichten von Augenzeugen
und Krankenhausmitarbeitern verletzt. Demnach galt der Angriff einem
Auto, das in Chan Junes im Süden des Gazastreifens unterwegs war.
Die Opfer seien Mitglieder der Essedin-El-Kassam-Brigaden, des
bewaffneten Arms der Hamas, die in dem Palästinensergebiet an der
Macht ist. Die israelische Armee äußerte sich zunächst
nicht zu dem Vorfall.
In der Nacht zum Mittwoch war bereits ein Mitglied der ebenfalls zur
Hamas gehörenden El-Kuds-Brigaden bei einem israelischen
Luftangriff umgekommen. Nach Angaben palästinensischer Ärzte
richtete sich der Angriff gegen ein Flüchtlingslager im
Gazastreifen.
Durch eine aus dem Gazastreifen abgefeuerte Rakete ist ein Israeli
getötet worden. Die Rakete schlug laut Ärzten in das
Sapir-College an der nördlichen Ausfahrt der Stadt Sderot ein.
Insgesamt wurden vom palästinensischen Gazastreifen aus mindestens
15 Raketen nach Israel abgefeuert, von denen vier in Sderot
explodierten. Eine Rakete traf die Kantine eines Unternehmens, in der
sich kurz zuvor noch die Beschäftigten aufgehalten hatten. Israel
hat wiederholt gegen den Raketenbeschuss protestiert und schon mehrfach
Zwangsmaßnahmen gegen den Gazastreifen verhängt.
Die radikalislamische Hamas bekannte sich in einem Kommuniqué zu
den Raketenangriffen. In den vergangenen sieben Jahren wurden 14
Israelis durch Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen getötet.
boa (Quelle: afp)
Russland will neue Sanktionen gegen Iran unterstützen
Do.28.02.08 - Im Atomsstreit mit dem Iran hat Russland seine Unterstützung
für neue Sanktionen gegen die Islamische Republik angekündigt.
Falls der Iran in den nächsten Tagen nicht die Anreicherung von
Uran stoppe, werde Russland neuen Strafmaßnahmen zustimmen,
zitierte die Nachrichtenagentur Interfax den russischen UN-Botschafter
Vitali Tschurkin am Mittwoch.
Die fünf ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats und
Deutschland beraten seit Montag über neue Sanktionen der Vereinten
Nationen gegen den Iran. Die Weltgemeinschaft beschuldigt die
Islamische Republik, unter dem Deckmantel der Stromerzeugung nach
Atomwaffen zu streben. Der Iran bestreitet das. Die IAEA hatte dem Land
vorige Woche vorgeworfen, es an Kooperation fehlen zu lassen und weiter
an der Anreicherung von Uran zu arbeiten.
(Quelle: rtr)
Pakistan warnt nach indischem Raketentest vor Wettrüsten
Do.28.02.08 - Nach dem erfolgreichen Test einer neuen Rakete hat Pakistan das
Nachbarland Indien vor einem Wettrüsten gewarnt. "Das ist der
Beginn eines neuen Rüstungswettlaufs in der Region", sagte der
pakistanische Marinechef Muhammad Afzal Tahir am Mittwoch der
staatlichen Nachrichtenagentur APP. Indien hatte am Dienstag aus einem
aufgetauchten U-Boot eine atomwaffenfähige Raketen abgefeuert.
Pakistan verfügt ebenso wie das Nachbarland Indien über
Atomwaffen. Beide Staaten haben seit 1947 drei Kriege gegeneinander
geführt, 2004 aber einen Friedensprozess begonnen. Dennoch
erproben sie regelmäßig Raketen.
(Quelle: rtr)
TV-Debatte: US-Präsidentschaftsbewerber Clinton und Obama geraten
bei Gesundheitsplänen aneinander
Do.28.02.08 - Die US-Präsidentschaftsbewerber Barack Obama und Hillary Clinton
sind bei der letzten Fernseh-Debatte vor einer wichtigen Vorwahl-Runde
bei der Gesundheitsvorsorge heftig aneinandergeraten.
Clinton griff am Dienstag Obama gleich zu Beginn der Debatte an der
Cleveland State University scharf an. Unglücklicherweise habe Obama
behauptet, sie würde Menschen zu einer Krankenversicherung
zwingen, ob sie es sich leisten können oder nicht, sagte sie. Das
jüngste Vorgehen von Obama bei ihrer Einstellung zu Gesundheit oder
der Freihandelszone NAFTA beunruhige sie sehr.
Obama warf Clinton wiederum vor, sie habe seine Pläne zur
Gesundheitsvorsorge falsch dargestellt. Die Kritik der Senatorin passe
jedoch in ein Muster regelmäßiger Angriffe. "Wir haben uns
deswegen nicht beschwert, weil ich verstehe, dass dies die Natur dieser
Kampagne ist", sagte er.
Der 46-Jährige liegt mittlerweile laut einer Umfrage der "New York
Times" und von "CBS News" in der Gunst der meisten Anhänger der
Demokraten vor Clinton. Mehr Wähler trauen Obama demnach inzwischen
zu, bei der eigentlichen Präsidentschaftswahl im November den
Kandidaten der Republikaner schlagen zu können. Außerdem ist
eine Mehrheit inzwischen auch der Ansicht, Obama könne eine
internationale Krise klüger meistern. In der kommenden Woche
stehen unter anderem in Texas und Ohio Vorwahlen an, wo es um besonders
viele Delegiertenstimmen für die Kandidatennominierung geht. Die
zuletzt von einer Niederlagenserie gebeutelte Clinton benötigt
hier dringend einen Erfolg.
(Quelle: rtr)
Eskimo-Ort in Alaska klagt gegen mehr als 20 Energieunternehmen -
Firmen sollen zum Klimawandel beigetragen haben
Do.28.02.08 - Eine Eskimogemeinde im US-Staat Alaska hat wegen der
Klimaerwärmung mehr als 20 Energieunternehmen verklagt. Das Dorf
Kivalina drohe ins Polarmeer abzurutschen, hieß es in der Klage,
die am Dienstag vor einem Bundesgericht in San Francisco eingereicht
wurde. Exxon Mobil und acht weiteren Ölfirmen sowie 14
Elektrizitätsunternehmen und einem Kohleunternehmen wird
vorgeworfen, mit ihrem Beitrag zur globalen Erwärmung die Existenz
der Gemeinde zu gefährden.
«Wir sehen eine beschleunigte Erosion, weil das Meereis verloren
geht», erklärte die Verwaltungsmitarbeiterin Janet Mitchell
in einer Stellungnahme. Normalerweise bilde sich das Eis im Oktober,
jetzt liege der Ort auf einem Riff jedoch bis Dezember ungeschützt.
Das Eis schützt Kivalina vor Sturm und hohen Wellen. In dem Ort
1.000 Kilometer nordwestlich von Anchorage leben rund 390 Menschen.
Eine Umsiedlung würde 400 Millionen Dollar (270 Millionen Euro)
kosten, heißt es in der Klage. Darin wird den Energieunternehmen
außerdem vorgeworfen, die Öffentlichkeit über die
Ursachen und Folgen der Klimaerwärmung in die Irre zu führen.
(Quelle: ap)
Nato erhöht Alarmbereitschaft für Kosovo-Verbände
Do.28.02.08 - Die Nato hat zwei für den Einsatz im Kosovo vorgesehene Bataillone
in höhere Alarmbereitschaft versetzt. In Kreisen des
Bündnisses hieß es am Mittwoch, für den britischen und
den deutsch-österreichischen Verband bestehe Marschbereitschaft.
Beide Bataillone seien derzeit nicht im Kosovo stationiert, das sich am
17. Februar gegen den Willen der Regierung in Belgrad von Serbien
unabhängig erklärt hatte. Weiter hieß es, mehrere
Kompanien der Kfor-Truppe seien in Erwartung von Unruhen in den Norden
des Kosovo verlegt worden.
Die Nato wollte die Angaben nicht kommentieren. Ein Sprecher verwies
darauf, dass das Bündnis seine Präsenz im Norden nach den
Krawallen der vergangenen Woche verstärkt habe.
Die serbische Minderheit verlangte die Rückkehr russischer Truppen
in das Kosovo. Die Russen sollten zur Stabilisierung in den
überwiegend von Serben bewohnten Gebieten beitragen, erklärte
der Nationalrat der Kosovo-Serben. Russland hatte sich bis 2003 an der
Kfor-Truppe beteiligt, die von der Nato befehligt wird.
(Quelle: rtr)
Russischer Präsidentschaftskandidat Medwedew: Unabhängigkeit
des Kosovo gefährdet Stabilität in Europa
Do.28.02.08 - Der russische Präsidentschaftskandidat Dmitri Medwedew hat
angesichts der Unabhängigkeit des Kosovos vor einer
Destabilisierung Europas gewarnt. Der derzeitige Erste stellvertretende
Ministerpräsident sagte am Mittwoch in einer Wahlkampfrede im
russischen Nischni Nowgorod, die Unabhängigkeit habe «die
Sicherheit und Stabilität der ganzen Region aufs Spiel
gesetzt».
«Die USA sind weit weg und tragen kein Risiko, aber Europa
könnte in Flammen aufgehen», sagte Medwedew. Die USA haben
wie mehrere europäische Staaten das Kosovo anerkannt. Medwedew
versprach, dass Moskau Serbien weiter politische Unterstützung
anbieten werde. Am Montag war Medwedew zur Unterzeichnung eines
Pipeline-Projekts in Serbien gewesen, das Serbiens Stellung als
wichtiger Verteiler für russisches Erdgas aufwertet. Der von Putin
ausgewählte Nachfolger wird die Präsidentschaftswahl am
Sonntag allen Umfragen zufolge haushoch gewinnen. Es gibt keine
ernsthaften Gegenkandidaten.
(Quelle: ap)
USA und Tschechien erzielen keine Einigung zu Raketenschild
Do.28.02.08 - Bei ihrem Treffen in Washington haben Tschechiens
Ministerpräsident Mirek Topolanek und US-Präsident George W.
Bush entgegen den Erwartungen noch keine Einigung über die
Stationierung der umstrittenen US-Raketenabehr erzielt. Es müssten
"nur noch drei Worte abschließend geklärt werden", sagte
Topolanek nach dem Gespräch im Weißen Haus. Es hake noch an
"kleineren Details" bei den Umweltschutzbestimmungen. Topolanek und
Bush zeigten sich aber zuversichtlich, die Verhandlungen über den
Aufbau eines US-Radarsystems in Tschechien bald zum Abschluss bringen
zu können.
Bush griff die Einschätzung seines Gastes auf. "Drei Worte sind
wirklich sehr nah" am Ziel, sagte der Präsident. Zu den
verbliebenen Differenzen äußerte er sich nicht. Topolanek
erklärte, bei den offenen Fragen in Hinblick auf die Stationierung
gehe es darum, "dass die Standards zum Schutz der Umwelt so streng wie
möglich eingehalten werden". Ein Scheitern der Verhandlungen sei
nicht zu erwarten: "Manchmal können ganze Abkommen an einem
einzigen Wort scheitern, aber das ist hier nicht der Fall. Ich bin
sicher, dass wir bald ein Ergebnis haben", sagte der Tscheche.
Die Regierung in Prag hatte noch vor dem Treffen Topolanek-Bush
angekündigt, dass sie mit dem Abschluss einer
Grundsatzvereinbarung rechne. Die USA wollen in Tschechien eine
Radarstation für ihre Raketenabwehr aufbauen, im benachbarten
Polen sollen die zugehörigen Raketen stationiert werden. Polens
Regierungschef Donald Tusk wird am 10. März zu Gesprächen
über das Projekt in Washington erwartet. In beiden Ländern
ist das Vorhaben innenpolitisch stark umstritten. Besonders scharfer
Widerstand gegen das Rüstungsprojekt kommt aus Russland, das die
USA vor einem neuen Rüstungswettlauf warnt.
Bush bemühte sich nach dem Treffen mit Topolanek erneut, Russlands
Bedenken zu zerstreuen. "Die Leute fragen sich: 'Ist das gegen Russland
gerichtet?' Die Antwort lautet: 'Natürlich nicht.'" Bush wies auf
das Angebot Tschechiens hin, russische Beobachter auf dem geplanten
Stützpunkt zuzulassen. Die USA wollen mit dem Raketenschild nach
eigenen Angaben Schutz vor Angriffen aus Staaten wie dem Iran bieten.
(Quelle: afp)
EU will für mehr Transparenz am Finanzmarkt sorgen
Do.28.02.08 - Die EU-Kommission dringt auf mehr Transparenz und Aufsicht der
europäischen Finanzmärkte.
Als Lehre aus der Finanzkrise sollten unter anderem Bilanzierungs- und
Bewertungsregeln auf den neuesten Stand gebracht werden, mahnte die
Brüsseler Behörde am Mittwoch. So sollten künftig auch
Engagements der Banken in Finanzanlagen erfasst werden, die bisher
nicht bilanziert werden müssen. Diese und andere
Gesetzesänderungen sollten bis April nächsten Jahres erreicht
werden. Dafür müssten die EU-Staats- und Regierungschefs beim
Gipfel am 13./14. März die Weichen stellen.
Handlungsfelder sind auch Rating-Agenturen, Staatsfonds und die
Finanzaufsicht in der EU. Die Rating-Agenturen sollen dazu bewegt
werden, ihre Kreditbewertungen selbst transparenter zu machen.
Andernfalls behält sich die EU eine Regulierung vor. Die Agenturen
liegen bisher keiner Finanzaufsicht. Als Richter über die
Qualität von Kreditprodukten haben Moody's oder Standard &
Poor's großen Einfluss auf Anlageentscheidungen. Ihnen wird
vorgeworfen, zu spät vor den großen Risiken der schlecht
besicherten US-Hypotheken gewarnt zu haben. Kritisiert wird
außerdem, dass sie selbst als Berater an der Schaffung von
Finanzprodukten beteiligt sind, die sie dann später zu beurteilen
haben.
Gegenüber Staatsfonds brauchen die 27 EU-Länder eine
gemeinsame Linie, forderte EU-Kommissionspräsident Jose Manuel
Barroso. Die Staaten sollten nicht im Alleingang Regeln für
Staatsfonds einführen, die den europäischen Binnenmarkt
zersplittern würden. So will die Bundesregierung eine
Eingriffsmöglichkeit des Staates bei Beteiligungen
ausländischer Investoren von mehr als 25 Prozent an Unternehmen
einführen, wenn öffentliche Sicherheit und Ordnung
gefährdet wären. Auch in Frankreich oder Großbritannien
gibt es Regeln für ausländische Beteiligungen.
Vor allem Ölexportländer wie Russland und die aufstrebenden
asiatischen Volkswirtschaften wie China stecken ihre enorm hohen
Deviseneinnahmen aus dem Handel mit westlichen Industrieländern in
staatliche Anlagegesellschaften. Das massive Wachstum der Fonds
schürt in vielen Ländern die Sorge, dass diese Regierungen
auf Kernbranchen Einfluss nehmen könnten - zum Schaden der
jeweiligen Volkswirtschaft. Da es keine globale Aufsicht gibt, liegen
die Strategien und Anlagemotive der Fonds, die schon mehr als 2,5
Billionen Dollar verwalten, weitgehend im Dunkeln.
Die EU-Kommission schlägt vor, durch einen weltweiten freiwilligen
Kodex das Verhalten der Fonds durchschaubarer zu machen. "Wir wollen
verhindern, dass einige Staatsfonds in einer Grauzone operieren und zu
anderen als wirtschaftlichen Zwecken genutzt werden", erklärte
Barroso. Die Fonds sollten sich dazu verpflichten, über
Anlagestrategie sowie Herkunft und Höhe ihrer Mittel zu
informieren. Die EU will jedoch Protektionismus verhindern, denn die
Staatsfonds hätten gerade in der Finanzkrise stabilisierend
gewirkt. EU-Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy sagte, bisher habe
sich kein Staatsfonds verantwortungslos verhalten.
(Quelle: rtr)
EU verhängt neues Rekordbußgeld gegen Microsoft
Do.28.02.08 - Im jahrelangen Kartellstreit mit Microsoft hat die EU-Kommission eine
neue Rekordstrafe von 899 Millionen Euro gegen den US-Software-Giganten
verhängt.
Microsoft habe die von den europäischen Wettbewerbshütern im
März 2004 festgelegten Auflagen bis Oktober 2007 nicht
erfüllt, begründete die Brüsseler Behörde am
Mittwoch das Bußgeld. Mit dem neuen Zwangsgeld hat die Kommission
Microsoft inzwischen mit Geldbußen von insgesamt 1,68 Milliarden
Euro belegt.
EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes bezeichnete die höchste
Strafe, die die Kommission je gegen ein einzelnes Unternehmen
verhängt hat, als angemessen und vernünftig. "Es ist ein
Signal an Microsoft, dass wir bei unserer Linie bleiben." Es wäre
auch eine Strafe von bis zu 1,5 Milliarden Euro möglich gewesen.
"Reden ist billig, sich über Regeln hinwegsetzen ist teuer", sagte
Kroes.
Zur Begründung ihrer Entscheidung erläuterte Kroes, Microsoft
habe unangemessen hohe Preise für Schnittstelleninformationen
verlangt, die andere Hersteller zur Vernetzung ihrer Produkte mit
Microsoft-Programmen brauchten. Dabei geht es um Computer-Software
für Arbeitsgruppen-Server, mit denen etwa Drucker oder
betriebsinterne Kommunikationssysteme betrieben werden. Microsoft
kündigte an, den Beschluss zu prüfen. Die bemängelten
Punkte seien inzwischen aber ausgeräumt.
"Microsoft ist das erste Unternehmen seit Einführung der
EU-Wettbewerbspolitik vor 50 Jahren, gegen das die Kommission eine
Geldbuße wegen Nichteinhaltung einer Kartellentscheidung
verhängen muss", sagte Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes. "Ich
hoffe, dass mit der heutigen Entscheidung das dunkle Kapitel der
Verstöße Microsofts gegen die Kommissionsentscheidung vom
März 2004 abgeschlossen wird."
Die Kommission hatte von Microsoft vor vier Jahren gefordert, seine
beherrschende Marktstellung nicht länger auszunutzen und die Daten
zu akzeptablen Bedingungen bereitzustellen. Nach Ansicht der Kommission
war diese Auflage erst mit der Preissenkung vom 22. Oktober 2007
erfüllt, als Microsoft die Lizenzgebühr auf eine
Einmalgebühr von 10.000 Euro reduzierte.
Bereits 2004 hatte die Kommission wegen des Missbrauchs einer
marktbeherrschenden Stellung Microsoft mit einer Geldbuße von
knapp einer halben Milliarde Euro belegt. Mitte Juni kamen nochmals 280
Millionen Euro dazu, weil Microsoft die Auflagen nicht erfüllt
habe. Im vergangenen September bestätigte das EU-Gericht Erster
Instanz in Luxemburg das Vorgehen der Kommission. Die neue Strafe
betrifft den Zeitraum vom 21. Juni 2006 bis 21. Oktober 2007.
Microsoft verwies auf seine jüngste Ankündigung, eine bessere
Zusammenarbeit mit der Software anderer Firmen zu ermöglichen.
"Wir konzentrieren uns auf Maßnahmen, damit die Dinge
künftig besser werden." In dem Wissen einer drohenden neue
EU-Geldbuße hatte das Unternehmen vergangene Woche zugesagt,
wichtige Software-Schnittstellen für Programme wie die
Betriebssysteme Windows und Vista offenzulegen. Die EU-Kommission
reagierte darauf aber abwartend. Microsoft habe bereits mehrmals
ähnliche Versprechen gemacht, die allerdings ohne großen
Effekt geblieben seien.
Microsoft sieht sich zudem seit Januar mit zwei weiteren
Kartelluntersuchungen der EU-Kommission konfrontiert. Die
Brüsseler Behörde geht dem Verdacht nach, das Unternehmen
habe seine Marktdominanz erneut missbraucht, um seinen Internet-Browser
und seine Büro-Software branchenweit durchzusetzen.
(Quelle: rtr)
Euro knackt 1,50 Dollar - Rekorde bei Gold und Öl
Do.28.02.08 - Der Euro hat am Mittwoch erstmals die Marke von 1,50 Dollar
übersprungen.
Aus Angst vor einer Rezession in den USA flohen die Anleger in Scharen
aus dem Dollar. Viele legten ihre Gelder nun in Euro sowie Gold an. Der
Euro kletterte in der Spitze auf 1,5087 Dollar, dem höchsten Stand
seit seiner Einführung 1999. Die Feinunze Gold verteuerte sich um
ein Prozent auf ein Rekordhoch von 964,70 Dollar. Der Verfall des Dollar
trieb auch den Ölpreis auf Rekordniveau. Der Preis für ein
Fass (159 Liter) US-Leichtöl stieg erstmals über 102 Dollar.
"Nachdem der Euro aus seiner Handelsspanne ausgebrochen ist, hat er
charttechnisch noch Luft bis 1,55 Dollar", sagte Analyst Rainer Sartoris
von HSBC Trinkaus. Seit Monaten schien der Euro in einer Spanne von
1,43 bis 1,49 Dollar einbetoniert zu sein. Die meisten Analysten hatten
kaum mehr mit einem nachhaltigen Anstieg gerechnet. "Die Bewegung jetzt
kam überraschend und könnte dem Euro neue Dynamik geben",
hieß es. Allerdings rechnen viele Banken bislang noch mit einer
Erholung der US-Wirtschaft im Jahresverlauf und sagen für das
Jahresende einen Eurokurs von um 1,40 Dollar voraus.
Auslöser des Kursanstiegs waren am Vortag veröffentlichte
Konjunkturdaten aus Deutschland und den USA. Während die Daten
für die Euro-Zone eine eher robuste Konjunktur und damit stabile
Zinsen suggerierten, deuteten sie für die USA auf eine schwache
Konjunktur mit steigenden Preisen hin. Der stellvertretende Fed-Chef
Donald Kohn schüttet noch Öl in das Feuer, als er
erklärte, die Wachstumsrisiken in der weltgrößten
Volkswirtschaft seien höher als die Inflationsgefahren. Die
US-Notenbank (Fed) habe das Instrumentarium und stehe bereit, zu tun,
was notwendig sei, sagte Kohn. Die US-Notenbank ist - anders als die
Europäische Zentralbank (EZB) - neben der Preisstabilität auch
dem Wirtschaftswachstum verschrieben. "Die schlechten Neuigkeiten
für den Dollar reißen nicht ab", kommentierte
Commerzbank-Analystin Antje Praefcke.
Mit einer Serie von Zinssenkungen hat die Fed bereits der Wirtschaft
unter die Arme gegriffen. Analysten rechnen damit, dass sie Mitte
März erneut die Zinsen um 50 Basispunkte auf 2,50 Prozent senken
wird. Im Sommer hatten die US-Zinsen noch bei 5,25 Prozent gelegen. In
der Euro-Zone liegt der Leitzins derzeit bei 4,0 Prozent, was den Euro
sehr viel attraktiver für Anleger macht als den Dollar.
Von der unsicheren Aussicht über die Entwicklung der US-Wirtschaft
profitierte Gold. "Niedrige Zinsen, steigende Preise und wegbrechendes
Wachstum - das ist Gift für eine Währung. Deshalb sehen einige
Anleger im Gold einen sicheren Hort", sagte ein Händler. "Sagen
wir mal, 970 Dollar sind vorstellbar. Und ich vermute 1000 Dollar sind
auch vorstellbar", fasste Darren Heathcote von Investec Australia in
Sydney die Prognosen für den Goldpreis zusammen. Es gebe einfach
keine Gründe, Gold zu verkaufen.
Die Dollarschwäche führte dazu, dass viele Anleger am
Ölmarkt zukauften, wo in Dollar abgerechnet wird. Dies trieb den
Ölpreis weiter in die Höhe. Mit über 101 Dollar blieb der
Preis für US-Leichtöl aber vorläufig unter dem
errechneten inflationsbereinigten Rekordhoch von 102,53 Dollar aus den
1980er Jahren. Ein Fass der Nordseesorte Brent erreichte in der Spitze
100,53 Dollar. Dazu trugen Händlern zufolge auch Wetterkapriolen in
den USA bei, dem weltgrößten Ölkonsumenten. "Eine
Kaltfront im Nordosten der USA und die Annahme, dass die Opec ihre
Ölförderung nächste Woche nicht erhöhen wird,
stützen den Ölpreis zusätzlich", sagte David Moore,
Rohstoffstratege bei der Commonwealth Bank of Australia in Sydney.
(Quelle: rtr)
Deutschland
US-Finanzkrise und Inflationsängste bremsen Kauflust der
Verbraucher
Do.28.02.08 - Die Finanzkrise in den USA und die Angst vor weiter steigenden Preisen
haben die Verbraucher in Deutschland auch im Februar verunsichert. Wie
das Nürnberger Marktforschungsinstitut GfK in seiner
Konsumklimastudie am Mittwoch mitteilte, stabilisierte sich die
Verbraucherstimmung auf niedrigem Niveau. Der Konsumklima-Index
verharrte bei 4,5 Punkten. Von Frühlingsgefühlen könne
noch keine Rede sein, erklärt GfK-Autor Rolf Bürkl.
Hinsichtlich der Konjunkturerwartung und ihrer Bereitschaft zu
größeren Anschaffungen zeigten sich die Menschen wieder
zurückhaltender als im Vormonat. Entsprechend verschlechterten sich
die beiden Indikatoren wieder deutlich: Der Index der
Konjunkturerwartung büßte um 14,1 auf 14,6 Punkte ein und
erreichte damit das Niveau von Ende 2006. Der Indikator, der Aufschluss
über die Bereitschaft zu größeren Käufen gibt,
verlor 6,2 auf minus 15,0 Punkte.
Lediglich was ihre persönliche Einkommensentwicklung angeht,
zeigten sich die Menschen wieder zuversichtlicher. Vor dem Hintergrund
der Verbesserung auf dem Arbeitsmarkt und in der Hoffnung auf gute
Tarifabschlüsse konnte der Index 4,2 auf minus 0,5 Punkte gutmachen.
Weil sich die Einzelindikatoren im gegenläufigen Zick-Zack-Kurs
bewegen, gehen die GfK-Forscher beim Konsumklima-Index von einer
Stagnation aus. Für März werden wie in den beiden Vormonaten
unverändert 4,5 Punkte erwartet.
«Zwar kommt der Aufschwung in Form steigender Löhne
inzwischen bei den Verbrauchern an. Die Angst, dass dies durch deutliche
Preissteigerungen jedoch wieder zunichte gemacht wird, ist nach wie vor
spürbar», schreibt der GfK-Autor
Zudem würden die Menschen von der US-Finanzkrise und der
instabilen US-Konjunkturentwicklung weiter verunsichert. So könnten
sie nach wie vor nur schwer erkennen, inwieweit die deutsche Wirtschaft
von einer eventuellen Rezession in den USA in Mitleidenschaft gezogen
würde. Zwar gebe es mit der Entwicklung am Arbeitsmarkt und den
Konjunkturprognosen durchaus auch gute Nachrichten. Dennoch seien die
Verbraucher vorsichtig und legten ihr Vermögen lieber auf die hohe
Kante, statt es auszugeben. «Die Sparquote ist zuletzt wieder
gestiegen», erklärt Bürkl.
Damit sich das Konsumklima entscheidend verbessert, müssten die
Rahmenbedingungen wieder eindeutig nach oben zeigen. «Der private
Verbrauch ist nicht auf dem Niveau, das wir für dieses Jahr
erwarten und auch benötigen, damit der Konsum zur Stütze der
Konjunktur wird», warnt Bürkl. Voraussetzung für eine
Verbesserung seien neben einer weiter guten Lage am Arbeitsmarkt auch
Energie-, Benzin- und Lebensmittelpreise auf einem
«akzeptablen» Niveau. «Hier sollten keine merklichen
Anstiege mehr erfolgen», sagt der Marktforscher. Gleichwohl sei
davon auszugehen, dass es bei den Energiepreisen keine spürbare
Entspannung geben werde.
Für die jüngste GfK-Studie wurden 2.000 Verbraucher befragt.
Die nächste Studie wird am 27. März veröffentlicht.
(Quelle: ap)
Trotz Rekordgewinn - Henkel reagiert mit Stellenabbau auf steigende
Kosten
Do.28.02.08 - Der Konsumgüterkonzern Henkel startet ungeachtet eines
Rekordgewinns im Jahr 2007 ein massives Programm zum Abbau von Stellen.
Bis 2011 sollen weltweit rund 3000 der etwa 53.000 Arbeitsplätze
wegfallen, teilte das Unternehmen am Mittwoch in Düsseldorf mit.
Henkel reagiere mit dem Sparprogramm auf steigenden Wettbewerbsdruck und
steigende Rohstoffkosten. Um den größten Zukauf der
Unternehmensgeschichte - die Übernahme von Geschäften des
Konkurrenten National Starch - zu finanzieren, leitete Henkel einen
Verkaufsprozess für eine zumindest teilweise Veräußerung
seiner rund 2,5 Milliarden Euro teuren US-Beteiligung Ecolab ein.
"Wir (..) sichern aus einer Position der Stärke die
Zukunftsfähigkeit des Unternehmens", betonte der scheidende
Konzern-Chef Ulrich Lehner. Für das weltweite Programm sollen den
Angaben zufolge noch in diesem Jahr rund 500 Millionen Euro investiert
werden. Ab 2011 sollen die Maßnahmen dann jährliche
Einsparungen von etwa 150 Millionen Euro abwerfen. Der Stellenabbau
solle "sozialverträglich erfolgen", versprach Lehner. Henkel hatte
bereits 2004 ein Sparprogramm eingeleitet, durch das rund 2500 Stellen
wegfielen. Steigende Rohstoffkosten hatten dem Hersteller von Pritt,
Pattex und Persil nun schon seit Monaten Sorge bereitet. Zudem arbeiten
Rivalen wie Procter & Gamble oder L'Oreal profitabler als der
Düsseldorfer Konzern. Henkel versucht deshalb, die operative
Umsatzrendite auf zwölf Prozent zu steigern. 2007 lag diese
Kennziffer mit 10,3 Prozent aber noch weit entfernt von dieser Marke.
Im abgelaufenen Geschäftsjahr habe der Konzern einen operativen
Gewinn (Ebit) von 1,344 (Vorjahr: 1,298) Milliarden Euro verbucht. Dank
der regen Nachfrage der Kunden nach Klebstoffen, Kosmetika und
Waschmittel kletterte der Umsatz auf auf 13,074 (12,7) Milliarden Euro,
wie Henkel weiter mitteilte. Unter dem Strich erzielte Henkel einen
Rekordgewinn nach Minderheiten von 921 (855) Millionen Euro. Im vierten
Quartal stagnierte das Ebit bei 323 (323) Millionen Euro. Henkel blieb
damit leicht unter den Erwartungen von Analysten, die ein Ebit von 1,370
Milliarden Euro für das Gesamtjahr und 349 Millionen Euro für
das vierte Quartal erwartet hatten.
Die Anteilseigner sollen am Wachstum beteiligt werden und für 2007
eine erhöhte Dividende von 0,53 Euro je Vorzugsaktie und 0,51 Euro
für die Stämme erhalten.
Für 2008 steckte sich der Vorstand wie bereits im Vorjahr
vorsichtige Ziele, die unter den Marken von 2007 liegen. 2008 wolle
Henkel den organischen Umsatz um drei bis vier Prozent steigern. Das
Ebit und das Ergebnis je Vorzugsaktie sollen stärker zulegen. Der
Ausblick umfasst weder Zukäufe noch die Trennung von Ecolab. 2007
hatte Henkel den organischen Umsatz um 5,8 Prozent gesteigert. Auch in
das vergangene Jahr war Henkel mit einem verhaltenen Ausblick ins Jahr
gestartet, hatte ihn aber in den Folgemonaten mehrfach in die Höhe
geschraubt.
(Quelle: rtr)
BMW streicht mindestens 8100 Stellen - Rendite soll zulegen
Do.28.02.08 - Auf der Jagd nach höheren Gewinnmargen streicht der BMW-Konzern
mindestens 8100 Stellen.
In Deutschland seien 5000 Zeitarbeiter und 2500 fest angestellte
Beschäftigte betroffen, teilte Personalvorstand Ernst Baumann am
Mittwoch in München mit. Im Ausland fallen demnach 600 Jobs weg.
Bleibt der Dollar nachhaltig schwach, könnten laut Baumann weitere
Stellenstreichungen folgen. BMW beschäftigt insgesamt knapp
108.000 Mitarbeiter, davon 80.000 in Deutschland.
Die Münchner verbuchen zwar immer neue Spitzenwerte bei Gewinn,
Umsatz und Verkaufszahlen, leiden aber stark unter dem schwachen Dollar
und hohen Rohstoffpreisen. Bei der Rendite liegt BMW weit hinter
Konkurrenten wie Audi oder Mercedes.
Baumann führte aus, von den 5000 betroffenen Zeitarbeitern
hätten 2500 das Unternehmen bereits im vergangenen Quartal
verlassen. Die zweite Hälfte folge bis Jahresende. Dann werde BMW
noch 3200 Zeitarbeiter beschäftigen.
Von den fest angestellten Beschäftigten hätten mehrere
Hundert Auflösungsverträge unterzeichnet, sagte Baumann. BMW
setze zudem auf natürliche Fluktuation und Altersteilzeit. Der
Stellenabbau erfolgt auf freiwilliger Basis, denn in einem Abkommen zur
Beschäftigungssicherung hat der Konzern betriebsbedingte
Kündigungen bis Ende 2013 ausgeschlossen. Die IG Metall Bayern
pochte auf die Vereinbarung und warf dem Vorstand Kulturbruch und
"kurzsichtiges Renditedenken" vor.
Wie viele Arbeitsplätze konkret in den Werken München,
Dingolfing und Regensburg wegfallen, wollte der Personalchef nicht
sagen. Die Reduzierung der Stammbelegschaft von rund drei Prozent gelte
für alle Standorte außer Leipzig. In dem 2005
eröffneten Werk "wird es weder bei den Zeitarbeitskräften
noch bei der Stammbelegschaft zu einschneidenden Maßnahmen
kommen".
Für den größten Stellenabbau seit den 1990er Jahren
muss der Konzern hohe Rückstellungen bilden: "Das wird sicher ein
dreistelliger Millionenbetrag sein", sagte Baumann. Ab 2009 würden
aber die Personalkosten um 500 Millionen Euro pro Jahr sinken. BMW will
bis 2012 insgesamt sechs Milliarden Euro sparen und die operative
Umsatzrendite im Auto-Segment auf acht bis zehn Prozent steigern.
Um die Personalkosten zu senken, müssen auch die verbleibenden
Mitarbeiter einen Beitrag leisten. Die Erfolgsbeteiligung für 2007
wird laut Baumann nicht höher ausfallen als die für 2006.
"Auch der Vorstand ist betroffen." Für 2006 hatten die
Beschäftigen bis zu 156 Prozent eines Monatsgehalts als
Prämie erhalten. Zudem sollen Vereinbarungen über
Zeitarbeitskonten, kürzere Pausen und veränderte
Schichtzulagen sparen helfen.
Bis 2012 werde BMW konzernweit wieder die Belegschaftsstärke von
2007 erreichen, sagte Baumann. Vor allem hoch qualifizierte Fach- und
Führungskräfte wie Ingenieure oder Maschinenbauer würden
eingestellt, allein in diesem Jahr 500. Auch in den USA baut BMW
Stellen auf. "Wir werden auch in Zukunft den größten Teil
der Mitarbeiter in Deutschland beschäftigen, aber den
größten Teil der Produkte außerhalb verkaufen", sagte
der Personalchef. Voraussetzung seien Fortschritte in der
Produktivität, weil der Absatz künftig langsamer wachse als
in den vergangenen Jahren. BMW will die Zahl der verkauften Autos bis
2012 auf 1,8 von 1,5 Millionen im Jahr 2007 steigern.
(Quelle: rtr)
Bayerische SPD schließt Zusammenarbeit mit Linken aus
Do.28.02.08 - Der bayerische SPD-Fraktionschef Franz Maget hat wenige Tage vor der
Kommunalwahl in Bayern eine Zusammenarbeit der SPD im Freistaat mit der
Linken ausgeschlossen. «Ich kann auch Brief und Siegel geben, dass
die SPD in allen bayerischen Städten und die SPD auf Landesebene
eine solche Kooperation weder suchen noch anstreben, noch eingehen
wird», sagte Maget am Mittwoch dem Bayerischen Rundfunk.
Die Frage nach einer Zusammenarbeit mit der Linken werde sich in Bayern
auch gar nicht stellen, meinte der SPD-Politiker. «Wir versuchen,
die SPD so stark zu halten und zu machen, dass es einer Linkspartei gar
nicht bedarf.» Zugleich verteidigte Maget die Öffnung der SPD
zur Linkspartei. «Einige Landesverbände arbeiten ja schon
zusammen mit der Linkspartei wie in Berlin. Und dort ist der
Kommunismus ja nicht ausgebrochen», erklärte er. Im
SPD-Bundesvorstand sei jedoch klar gemacht worden, dass es auf
Bundesebene zu keiner Zusammenarbeit mit der Linkspartei kommen
könne.
(Quelle: ap)
SPD und Linke verlieren in Forsa-Umfrage
Do.28.02.08 - Der Linksschwenk von SPD-Chef Kurt Beck hat die Partei einem
Vorabbericht des "Stern" zufolge Wählersympathien gekostet.
In der wöchentlichen Forsa-Umfrage für den "Stern" und RTL
büßten sowohl die SPD als auch die Linkspartei je einen Punkt
gegenüber der Vorwoche ein. Laut den am Mittwoch
veröffentlichten Zahlen erreichte die SPD bei der sogenannten
Sonntagsfrage 28 Prozent, die Linkspartei liegt bei zwölf Prozent.
Dagegen erholte sich die Union und legte einen Punkt auf 36 Prozent zu.
Auch die FDP konnte sich um einen Punkt auf zehn Prozent verbessern. Die
Grünen erreichten unverändert neun Prozent. Damit kommen die
links orientierten Parteien zusammen auf 49 Prozent, Union und FDP auf
46 Prozent.
Die Umfrage wurde in der vergangenen Woche noch vor der Hamburg-Wahl
erhoben, nachdem die Diskussion um eine mögliche Wahl der
hessischen SPD-Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti zur
Ministerpräsidentin mit den Stimmen der Linkspartei bekanntgeworden
war. Nach der Hamburg-Wahl hatte die SPD-Spitze Ypsilanti offiziell
freie Hand für die Wahl gegeben, allerdings rieten führende
SPD-Politiker ihr anschließend umgehend davon ab.
(Quelle: rtr)
Koalition zeigt sich in vielen Reformfeldern einig - Kompromiss beim
Betreuungsgeld - Mehr Geld für die Pflege
Do.28.02.08 - Mit einer Reihe von Beschlüssen haben Union und SPD ihren Willen
zu konstruktiver Zusammenarbeit unterstrichen und die Verstimmungen der
vergangenen Monate für beendet erklärt.
Die geschäftsführenden Fraktionsvorstände
verständigten sich am Mittwoch zum Abschluss ihrer
zweitägigen Klausur in Königswinter nach langem Streit auf
einen Kompromiss bei der Pflegeversicherung. Zudem soll für
Bedürftige das Wohngeld erhöht und ein Kinderzuschlag
eingeführt werden. In einer Erklärung forderten Union und SPD
die Banken angesichts der internationalen Finanzkrise zu
größerer Offenheit über Wertberichtigungen und Verluste
auf.
SPD-Fraktionschef Peter Struck sagte, das Klima bei der Tagung sei
außerordentlich positiv gewesen. Die Atmosphäre sei durch
den Streit über den Umgang der SPD mit der Linkspartei in Hessen
nicht beeinträchtigt worden. "Das Vertrauen zwischen den
Koalitionsspitzen ist ungetrübt." Sein Unions-Kollege Volker
Kauder betonte, die Koalition habe bewiesen, dass sie auch im
schwierigen Umfeld handlungsfähig sei.
Symbolträchtig hatten die Fraktionsspitzen für den zweiten
Teil ihrer Konferenz den Petersberg bei Bonn ausgewählt, der
Kulisse für viele wegweisende Konferenzen war. Jedoch blieben
viele besonders konfliktträchtige Themen bei der Zusammenkunft
unangetastet - so etwa die Erbschaftsteuerreform, die
Bahn-Privatisierung, der Mindestlohn und das Präventionsgesetz.
Aufgrund der eigenen Profilierungsversuche in den Wahlkämpfen in
Hessen, Niedersachsen und Hamburg lagen die Nerven zwischen den
Koalitionspartnern in den zurückliegenden Monaten mehrfach blank.
Viele wichtige Reformvorhaben lagen auf Eis, da keine Seite
Zugeständnisse machen wollte. Zusätzlich sorgte der Kurs der
SPD gegenüber der Linkspartei für Unmut.
Bei der Pflegereform sollen die Länder nun selbst entscheiden
können, ob sie die von der Union kritisierten
Pflegestützpunkte einrichten wollen. Über die genaue
Ausgestaltung dieser Anlaufstellen für Betroffene und ihre
Angehörigen soll laut Kauder in den parlamentarischen Beratungen
gesprochen werden. Noch im März werde die zweite und dritte Lesung
stattfinden.
In einer "Petersberger Erklärung" segneten Union und SPD das
milliardenschwere Rettungspaket für die Mittelstandsbank IKB ab.
CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer sagte, die Runde habe das
Einspringen des Bundes "sehr, sehr schweren Herzens" gebilligt. Die
Hilfsgelder fehlten dem Bundeshaushalt zwar an anderer Stelle, anders
wäre die IKB aber insolvent geworden. National und in
grenzüberschreitender Kooperation müsse geprüft werden,
wie die Arbeit der Aufsichtsbehörden verbessert werden
könnten, um ähnliche Krisen künftig zu vermeiden,
heißt es in dem Papier.
Für die Erhöhung des Wohngeldes wird der Bund laut Kauder 250
Millionen Euro im Bundeshaushalt zur Verfügung stellen.
Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) hatte eine Erhöhung der
Leistung im Durchschnitt von 90 auf 150 Euro vorgeschlagen. Die
Verdoppelung der Renten für Contergan-Geschädigte wird dem
Beschluss zufolge ab 2009 pro Jahr 15 Millionen Euro kosten. Bereits am
Vortag hatten sich die Koalitionäre auf ein Konzept für eine
bessere Integration von Migranten sowie auf die Förderung von
Wohneigentum über die staatlich geförderte Riester-Rente
verständigt. Einig waren sich Union und SPD auch, nach dem Urteil
des Verfassungsgerichts zu Online-Durchsuchungen in den von Karlsruhe
vorgegebenen engen Grenzen in einem neuen Entwurf für das
BKA-Gesetz zu verankern. Außerdem sollen Opfer von Gewalttaten
besser entschädigt werden.
"Es bewegt sich was in der Koalition auf allen Ebenen", kommentierte
Kauder die Beschlüsse. Ramsauer fügte hinzu: "Wir haben im
übertragenen Sinn die Reset-Taste gedrückt und jetzt geht es
wieder von vorne los."
(Quelle: rtr)
Hartz-IV-Empfänger ohne Anspruch auf Erstattung von
Warmwasserkosten
Do.28.02.08 - Arbeitslosengeld-II-Empfänger haben keinen Anspruch auf die
Erstattung von Warmwasserkosten. Die Unterstützung dafür ist
bereits im Regelsatz des ALG II enthalten, wie das Bundessozialgericht
am Mittwoch entschied. Damit bestätigten die Kasseler Richter die
Praxis der zuständigen Arbeitsgemeinschaften (ARGE),
zusätzlich gezahlte Unterkunftskosten zu kürzen. Die
Regelungen zu den Warmwasserkosten hatten nach der Einführung des
Arbeitslosengelds II immer wieder zu Streitigkeiten geführt.
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Im verhandelten Fall setzte sich ein Arbeitsloser gegen die
Kürzung seiner Leistungen zur Wehr. Die zuständige ARGE des
Landkreises Konstanz hatte von dem Monatsbetrag insgesamt 28 Euro mit
der Begründung abgezogen, die Kosten für Haushaltsenergie
seien bereits in der Regelleistung enthalten. Zunächst bekam der
Kläger teilweise recht, seine Berufung wies das
Landessozialgericht jedoch zurück.
Das BSG kam nun zu dem Schluss, dass der Abzug rechtens sei und
verhinderte damit, dass die Leistungsträger künftig die
Warmwasserkosten in voller Höhe übernehmen müssen.
Zusätzlich zum ALG-II-Regelsatz bekommen Arbeitslose auch die
Kosten für die Unterkunft erstattet. Diese umfassen die Kaltmiete
und Nebenkosten - etwa die Kosten fürs Heizen, allerdings nicht
jene für Strom. Wird Wasser über die Zentralheizung
erwärmt, kürzen die Leistungsträger bislang die
Unterkunftskosten um einen bestimmten Betrag, was die Richter in Kassel
im Grundsatz billigten.
Im konkreten Fall verwiesen sie den Rechtsstreit aber an das
Landessozialgericht zurück. Der bei dem Kläger vorgenommene
Abzug von 28 Euro - neun Euro für Warmwasser und 19 Euro für
Stromkosten - war nach Auffassung des Bundessozialgerichts zu hoch.
Für Haushaltsenergie sei ein Abzug von 20,74 Euro pro Monat
zulässig, davon entfalle ein Anteil von 6,22 Euro auf die Kosten
der Warmwasserbereitung.
Darüber hinaus hatte der Kläger aus gesundheitlichen
Gründen mehr Geld von der ARGE für eine
Vollwerternährung verlangt. Bei ihm seien Schluckbeschwerden
diagnostiziert worden, die eine teurere Ernährung nötig
machen würden. Der ihm zugestandene Mehrbedarf von 25,56 Euro
monatlich sei zu gering, hatte er argumentiert. Diesen Streit
ließ das Gericht aber offen, weil die Vorinstanz dazu nur
unzureichende Feststellungen getroffen habe.
(Aktenzeichen: Bundessozialgericht B 14/7b AS 64/06 R)
(Quelle: ap)
Koalition gelingt Durchbruch bei Pflegereform
Do.28.02.08 - Nach monatelangen Auseinandersetzungen haben Union und SPD sich beim
Thema Pflegereform geeinigt.
In der Nacht sei der Durchbruch gelungen, verlautete am Mittwoch von
Teilnehmern der Klausur der Fraktionsspitzen auf dem Petersberg bei
Bonn. Der Streit um die von der SPD und Gesundheitsministerin Ulla
Schmidt geplanten Pflegestützpunkte sei ausgeräumt. Details
wollen Unions-Fraktionschef Volker Kauder und sein SPD-Amtskollege Peter
Struck am Mittag bekanntgeben.
Als Anlaufstellen in den Wohnquartieren sollen die Stützpunkte den
bisherigen Plänen zufolge Betroffenen Beratung und Hilfe unter
einem Dach bieten. Die Union will die Beratung federführend bei den
Pflegekassen belassen, die aber auch über die Angebote anderer
Träger informieren und notfalls Berater nach Hause entsenden sollen.
Die Details der Pflegereform sind ein Dauer-Streitpunkt in der
Koalition. Die Leistungen für die ambulante und stationäre
Pflege sollen verbessert, mehr Angebote für Demenzkranke geschaffen
und die Kontrollen in Heimen intensiviert werden. Zur Finanzierung
sollen die Beiträge um 0,25 Prozentpunkte steigen.
(Quelle: rtr)
Kriminologe: Armut und Kindstötung im Osten hängen zusammen
Do.28.02.08 - In der Diskussion um Kindstötungen in den neuen Ländern sieht
der Kriminologe Christian Pfeiffer einen Zusammenhang zwischen den
Lebensumständen und der hohen Zahl von Kindstötungen in
Ostdeutschland. Junge Frauen in den östlichen Bundesländern
gerieten aufgrund der dort nach wie vor herrschenden Armut häufiger
in soziale Notlagen, sagte der Direktor des Kriminologischen
Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN) der "Berliner Zeitung". Im Fall
einer ungewollten Schwangerschaft erwüchsen daraus für sie in
vielen Fällen untragbare Situationen.
Die Armut allein könne allerdings nicht dafür verantwortlich
gemacht werden, dass Kindstötung im Osten der Republik anscheinend
häufiger vorkomme als im Westen, betonte Pfeiffer. Auch das soziale
Netzwerk der Täterinnen müsse bei der Forschungsarbeit
mitberücksichtigt werden.
Der Kriminologe Fritz Sack, emeritierter Professor der Universität
Hamburg, bezeichnete die Debatte im Gespräch mit der Zeitung als
"unsägliche Geschichte". Er glaube nicht daran, dass Unterschiede
in der Häufigkeit von Kindstötungen auf das Konto
unterschiedlicher Ost- oder West-Mentalitäten gebucht werden
könnten.
(Quelle: afp)
Studie - Junge Türken wollen sich integrieren
Do.28.02.08 - Die meisten türkischstämmigen Jugendlichen wollen sich nach
einer Langzeitstudie in die deutsche Gesellschaft integrieren. Junge
Türken seien der "Motor der Integration", sagte Heinz Reinders,
Professor für empirische Bildungsforschung der Universität
Würzburg, am Dienstag in einem epd-Gespräch. Für seine
Studie befragte der Erziehungswissenschaftler in den Jahren 2005 und
2007 mehr als 1.000 türkischstämmige Hauptschüler in
Mannheim und Ludwigshafen.
Vor allem der Wunsch nach Kontakt zu Deutschen und die Bereitschaft,
deutsch zu sprechen, sind laut der Studie in den vergangenen Jahren
deutlich gewachsen. Immer mehr türkische Jugendliche sprächen
mit ihren Eltern zu Hause auch deutsch. Für Reinders ist das ein
Beleg dafür, dass die meisten Jugendlichen eine Balance zwischen
der deutschen und der türkischen Kultur finden möchten.
Zugleich zeige die Studie, dass sich die türkischstämmigen
Jugendlichen mittlerweile weniger benachteiligt fühlten. Im Jahr
2005 betrachteten sich rund ein Viertel der Befragten als benachteiligt,
2007 sei dieser Anteil auf ein Fünftel gesunken. Reinders
vermutet, dass junge Türken die deutsche Gesellschaft als offener
erlebten und deshalb eher bereit seien, sich zu integrieren. Fast die
Hälfte der Befragten erklärte 2007 außerdem, sie
hätten gerne mehr deutsche Freunde und könnten sich
vorstellen, sich stärker an der deutschen Gesellschaft zu
orientieren. Dies seien knapp vier Prozent mehr als zwei Jahre zuvor.
Die Untersuchung im Jahr 2007 zeige aber auch, dass sich rund ein
Viertel der Jugendlichen in die türkische Kultur zurückziehen
wolle. Dabei handle es sich aber um eine Minderheit, sagte Reinders.
Jugendliche zögen sich vor allem dann auf die Kultur des
Herkunftslandes zurück, wenn sie sich diskriminiert oder
ausgegrenzt fühlten. Diskussionen wie sie während des
hessischen Wahlkampfes über kriminelle Jugendliche geführt
wurden, hält er für kontraproduktiv.
Türkischstämmige Jugendliche fühlten sich dadurch
diskriminiert und kriminalisiert.
(Quelle: epd)
Zweisprachige Grundschule für türkische Kinder in Frankfurt
geplant
Do.28.02.08 - Türkische Geschäftsleute planen eine bilinguale Grundschule
für türkische Kinder in Frankfurt am Main. Die
Unterrichtssprache werde aber Deutsch sein, sagte Initiator Ismail
Özkan am Mittwoch auf ddp-Anfrage. In der ersten Klasse soll dem
Konzept zufolge Türkisch und Deutsch, ab der zweiten Klasse
zusätzlich Englisch unterrichtet werden.
Der SPD-Politiker Özkan wies ausdrücklich darauf hin, dass
mit dem Konzept keine türkische Schule nach der Vorstellung des
türkischen Ministerpräsidenten Tayyip Erdogan geplant sei.
«Wir wollen türkischen Eltern und ihren Kindern die Angst
vor der Schule nehmen», sagte Özkan. Dafür sei es
zunächst notwendig, den Kindern auch das Lesen und Schreiben auf
Türkisch beizubringen. Nach Einschätzung Özkans besuchen
derzeit 15 Prozent der türkischstämmigen Kinder in Frankfurt
eine Sonderschule, weil sie weder Türkisch noch Deutsch richtig
gelernt hätten.
Das Modell soll bereits ab dem kommenden Schuljahr starten und sei
zunächst für 40 bis 50 Kinder geplant. Bereits im vergangenen
Dezember sei das Konzept dem staatlichen Schulamt in Frankfurt
vorgestellt worden.
Eine Justiziarin des Schulamts bestätigte auf ddp-Anfrage den
Eingang des Antrags, wollte dazu aber keine Stellung nehmen, da das
Konzept noch «in den Kinderschuhen stecke». Der Antrag
werde derzeit juristisch und pädagogisch geprüft. Ein Start
des Modells bereits ab dem kommenden Schuljahr schloss die Juristin
wegen des langwierigen Genehmigungsverfahrens allerdings aus.
(Quelle: ddp)
AKW-Laufzeit-Verlängerung für Biblis A vor Gericht gescheitert
Do.28.02.08 - Der Hessische Verwaltungsgerichtshof (VGH) hat eine Verlängerung
der Laufzeit für das Atomkraftwerk Biblis A abgelehnt. Die vom
Betreiber RWE geforderte Übertragung von 30 Milliarden
Kilowattstunden des so genannten Reststrommengen-Kontingents des
Atomkraftwerks Mülheim-Kärlich auf Biblis A sei gesetzlich
nicht vorgesehen, urteilte das Gericht in Kassel. Wann Biblis A
stillgelegt werden müsste, ist nach RWE-Angaben noch offen. Zudem
kündigte RWE eine Revision beim Bundesverwaltungsgericht an.
Biblis A ist das älteste noch laufende Atomkraftwerk in
Deutschland.
RWE hatte die Reststrommengen-Übertragung von
Mülheim-Kärlich auf Biblis A im September 2006 beantragt.
Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) lehnte dies aber im Mai
vergangenen Jahres mit dem Hinweis ab, die Übertragung stehe im
Widerspruch zum Atomkompromiss und zum Atomgesetz.
Dies habe der VGH nun bestätigt, erklärte das
Bundesumweltministerium in Berlin. Der Abteilungsleiter
Reaktorsicherheit, Wolfgang Renneberg, warf in Kassel RWE vor, mit
seiner Klage habe sich der Energiekonzern von dem 2000 zwischen
Energiewirtschaft und rot-grüner Bundesregierung geschlossenen
Atomkompromiss verabschiedet. Dem widersprach in Essen RWE-Vorstand
Gerd Jäger. Die kohlendioxidfreie Atomenergie müsse
"wichtiger Bestandteil des Energiemixes bleiben".
Zur Restlaufzeit von Biblis A sagte der Leiter des Akw Biblis, Hartmut
Lauer, nach der Urteilsverkündung, die ursprünglich für
2008 vorgesehene Stilllegung sei durch den einjährigen Stillstand
ab Herbst 2007 hinfällig geworden. Auch ohne neue Kontingente
dürfe RWE mit Biblis A noch 13 Milliarden Kilowattstunden
produzieren. Das reiche "bis Ende nächsten Jahres oder sogar noch
darüber hinaus". Der gleichzeitige Betrieb der
Kraftwerksblöcke Biblis A und B führe zu großen
wirtschaftlichen Vorteilen. Das Bundesumweltministerium prüft
derzeit noch einen weiteren RWE-Antrag, Stromkontingente aus dem
Emsland auf Biblis A zu übertragen.
Das Atomgesetz sieht vor, dass die Energiekonzerne für ein
Atomkraftwerk vereinbarte Strommengen auf neuere Kraftwerke
übertragen können; andere Kontingent-Verschiebungen sind nur
mit Zustimmung des Bundesumweltministeriums möglich.
Der stellvertretende Grünen-Fraktionsvorsitzende und frühere
Bundesumweltminister Jürgen Trittin bezeichnete Biblis A als
"Schrottmeiler". Die Ablehnung des "dreisten RWE-Antrags" sei "so
begrüßenswert wie selbstverständlich", erklärte
Trittin. Auch die Energiekonzerne müssten sich an die Gesetze
halten.
(Quelle: afp)
Wissenschaft
Münchner Forscher schaffen stammzellähnliche Hirnzellen
Do.28.02.08 - Münchner Forscher haben Zellen aus dem Mäusehirn zu einer Art
Stammzellen umgewandelt. Nach einer Verletzung im Gehirn wachsen
bestimmte Zellen heran, die im Labor Eigenschaften von Stammzellen
annehmen können.
Das berichtet das Team in den «Proceedings» der US-Akademie
der Wissenschaften («PNAS», online vorab). Die Forscher
hoffen, so einmal zerstörte Hirnzellen zu ersetzen.
Das Team um Prof. Magdalena Götz vom Helmholtz Zentrum
München (früher GSF Forschungszentrum) schädigte
zunächst Mäusehirne. Daraufhin vermehrten sich wie
gewöhnlich an dieser Stelle sogenannte Astrozyten, die unter
anderem als Nähr- und Stützzellen im Gehirn dienen. Einige der
neu gebildeten Astrozyten setzten die Forscher in ein Nährmedium,
wo sie sich zu Nervenzellen und weiteren Zellarten des Gehirns
entwickelten.
Das frühere GSF-Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit
heißt seit dem 1. Januar 2008 Helmholtz Zentrum München.
(Quelle: dpa)
Neue Krebsstudie könnte Epo-Herstellern Probleme bereiten
Do.28.02.08 - Eine neue Studie über negative Wirkungen blutbildender Medikamente
für Krebskranke hat möglicherweise erhebliche Folgen für
Hersteller wie den US-Konzern Amgen.
Viele Krebspatienten leiden unter Blutarmut und erhalten deshalb das
Medikament Epo, das die Bildung von roten Blutkörperchen anregt.
Eine Studie der Northwestern University in den USA und des
Universitätsklinikums Freiburg sei nun zu dem Ergebnis gekommen,
dass Epo-Präparate die Sterblichkeit bei Krebspatienten
erhöhe, teilte die Uniklinik Freiburg am Mittwoch mit. Das Risiko
für Blutgerinnsel in den Beinen oder in der Lunge nehme bei diesen
Patienten deutlich zu. Auch könnten solche Präparate
möglicherweise das Wachstum von Krebszellen anregen. Die Daten
sollten allerdings gegenwärtig nicht verallgemeinert werden, da sie
von der Art der Tumorerkrankung abhängen könnten.
Negative Studienergebnisse, die erhebliche Risiken für Patienten
aufzeigen, können die Arzneimittelbehörden auf den Plan rufen.
Der Markt für solche Epo-Präparate ist ein Milliardenmarkt.
Der US-Konzern Amgen beispielsweise kam 2007 mit seinem Präparat
Epogen auf einen Umsatz von 2,49 Milliarden Dollar.
Nach Angaben der Uniklinik wurde bei 13.000 Krebspatienten eine um zehn
Prozent erhöhte Sterblichkeit festgestellt, wenn sie Epo-Mittel
erhielten. Das Risiko für Blutgerinnsel in den Beinen oder in der
Lunge könne sich um 57 Prozent vergrößern. Die Studie
sei eine sogenannte Meta-Untersuchung gewesen, die die Ergebnisse von 51
Studien ausgewertet habe.
"Obwohl Epos für Tumorpatienten zugelassen und empfohlen werden,
weisen unsere und Befunde anderer darauf hin, dass sie das Krebswachstum
anregen und Patienten gefährden können", erklärte
Michael Henke von der Klinik für Strahlenheilkunde des
Uniklinikums und Mitautor der Studie. Die Untersuchung soll an diesem
Mittwoch im Fachblatt "Journal of the American Medical Association"
veröffentlich werden.
(Quelle: rtr)
Computer
Bundesverfassungsgericht setzt hohe Hürden für
Onlinedurchsuchung - - Grundrecht auf Gewährleistung der
Vertraulichkeit und Integrität informationstechnischer Systeme
Do.28.02.08 - Das Bundesverfassungsgericht hat hohe rechtliche Hürden für
Online-Durchsuchungen gesetzt. Das heimliche Ausspähen der
Computerfestplatte ist nur zulässig, «wenn tatsächliche
Anhaltspunkte einer konkreten Gefahr für ein überragend
wichtiges Rechtsgut bestehen».
So heißt es in einem Urteil vom Mittwoch. Unabdingbar ist eine
vorherige richterliche Anordnung. Eine entsprechende Befugnis des
nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzes verletzt den
Verhältnismäßigkeitsgrundsatz und ist damit nichtig.
Damit gab der Erste Senat den Verfassungsbeschwerden einer
Online-Journalistin, eines Mitglieds der Partei Die Linke und dreier
Rechtsanwälte statt, darunter der FDP-Politiker Gerhart Baum (Az: 1
BvR 370/07, 595/07 vom 27. Februar 2008). Die Fraktionsvorsitzenden von
SPD und Union äußerten sich zuversichtlich hinsichtlich
einer raschen gesetzlichen Regelung.
Weil mit dem heimlichen Zugriff auf den Computer aber besonders
intensiv in das Grundrecht eingegriffen werde, sei er nur bei drohenden
Gefahren für Leib, Leben und Freiheit zulässig sowie bei
Bedrohungen, die den Bestand des Staates oder die Grundlagen der
menschlichen Existenz berührten, heißt es in dem Urteil.
Jenseits solcher «existenzieller Bedrohungslagen» sei
«eine staatliche Maßnahme grundsätzlich nicht
angemessen, durch die - wie hier - die Persönlichkeit des
Betroffenen einer weitgehenden Ausspähung preisgegeben wird»,
sagte Gerichtspräsident Hans-Jürgen Papier.
Mit seinem Grundsatzurteil habe das Karlsruher Gericht erstmals ein
«Grundrecht auf Gewährleistung der Vertraulichkeit und
Integrität informationstechnischer Systeme» geschaffen, sagte
Papier bei der Verkündung in Karlsruhe. Dieses neue Grundrecht sei
aber nicht schrankenlos. «Eingriffe können sowohl zu
präventiven Zwecken als auch zur Strafverfolgung gerechtfertigt
sein.» Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) plant zur
Terrorbekämpfung eine Befugnis des Bundeskriminalamts für
Online-Durchsuchungen. Er hält nach dem Urteil eine schnelle
Einigung innerhalb der Koalition für möglich.
Der Erste Senat - federführend war der Richter Wolfgang
Hoffmann-Riem - leitet das neue Computer-Grundrecht aus dem allgemeinen
Persönlichkeitsrecht des Artikels 2 her, wie bereits vor 25 Jahren
das Recht auf «informationelle Selbstbestimmung»
(Datenschutz). Das Eindringen in einen Computer eröffne staatlichen
Stellen einen Zugang zu Daten, «der herkömmliche
Informationsquellen an Umfang und Vielfältigkeit bei weitem
übersteigen kann», so das Gericht.
Computernutzer speicherten auf der Festplatte persönliche,
sensible Daten. «Ein staatlicher Zugriff auf einen derart
umfassenden Datenbestand ist mit dem naheliegenden Risiko verbunden,
dass die erhobenen Daten in einer Gesamtschau weitreichende
Rückschlüsse auf die Persönlichkeit des Betroffenen bis
hin zu einer Bildung von Verhaltens- und Kommunikationsprofilen
ermöglichen.» Daraus folge ein «erhebliches
Schutzbedürfnis», das nach der bisherigen Lesart der
Grundrechte noch nicht abdeckt sei.
Danach ist die heimliche Infiltration sogenannter
«Trojaner»-Programme zum Kopieren der Festplatte oder zur
Komplettüberwachung der Computernutzung nur bei konkreten - wenn
auch nicht notwendig unmittelbar bevorstehenden - Gefahren für
wichtige Rechtsgüter erlaubt. Außerdem muss der
«Kernbereich privater Lebensgestaltung» - etwa
Tagebuchaufzeichnungen - geschützt sein. Zwar räumte das
Gericht ein, dass Erhebung solcher sensibler Informationen bei einer
Online-Durchsuchung «praktisch unvermeidbar» sei. Allerdings
müssten solche Daten unverzüglich wieder gelöscht werden.
Deutlich mehr Spielraum lässt das Gericht den
Sicherheitsbehörden bei der Überwachung der
Internet-Telefonie. Die sogenannte
«Quellen-Telekommunikationsüberwachung»
(«Quellen-TKÜ») - bei der Telefonate nicht in der
Leitung, sondern vor ihrer Verschlüsselung an der
«Quelle» im Computer abgehört werden - unterliegt damit
nicht den hohen Hürden des neuen Grundrechts. Wenn technisch und
rechtlich sichergestellt ist, dass ausschließlich laufende
Telefonate abgehört werden, dann gilt dafür das - deutlich
niedrigere - Schutzniveau des Fernmeldegeheimnisses. Ähnliches gilt
für die Aufklärung zugangsgesicherter Internetkommunikation.
Die Fraktionsvorsitzenden von SPD und Union, Peter Struck (SPD) und
Volker Kauder (CDU), sind zuversichtlich, dass es nun zu einer schnellen
gesetzlichen Regelung kommt. «Wir haben die Zusage der
Bundesregierung, dass jetzt so schnell wie möglich ein
Gesetzentwurf vorgelegt wird», sagte Kauder am Rande einer
Klausurtagung der Fraktionsspitzen der Koalitionsparteien in
Königswinter bei Bonn.
Struck sagte, es sei richtig gewesen, dass die SPD bei den Diskussionen
darauf gedrungen habe, das Karlsruher Urteil abzuwarten. Er verwies
darauf, dass das höchste deutsche Gericht strenge Voraussetzungen
an die Online-Durchsuchungen geknüpft habe. «Ich gehe davon
aus, dass Innenminister Schäuble und Justizministerin Zypries sich
jetzt sehr schnell einig werden», sagte Struck.
(Quelle: dpa)