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Irak am 1437sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Kurdistan: Türkei nimmt autonome Region ins Visier.
US-Verteidigungsminister Gates drängt Türkei zu rascher
Beendigung der Offensive gegen PKK-Rebellen im Nordirak. Neun Millionen
Gläubige bei Pilgerfest in Kerbela
Fr.29.02.08 - Die nordirakischen Kurden werfen der Türkei vor, bei der
Bodenoffensive auch ihre autonome Region ins Visier zu nehmen: Die
Angriffe richteten sich offensichtlich nicht allein gegen
Stützpunkte der kurdischen Rebellenorganisation PKK, sagte
Nechirwan Barsani, Ministerpräsident des einzigen Gebiets, in dem
die Kurden weitgehende Unabhängigkeit genießen.
Als Beispiel nannte Barsani die Zerstörung von Brücken im
Grenzgebiet, die für die einheimische Bevölkerung wichtig
seien. "Das macht uns Angst", betonte er in einem Interview der
Nachrichtenagentur Reuters. Er forderte die USA auf, ihren Druck auf
die Regierung in Ankara zu erhöhen und einen Rückzug der
türkischen Armee durchzusetzen. "Amerika hat viel Verantwortung
für die Stabilität des Irak als Ganzes", sagte er. Das
irakische Kurdistan gilt als Keimzelle für einen kurdischen Staat,
den die Türkei strikt ablehnt und für den die PKK kämpft.
US-Verteidigungsminister Robert Gates forderte derweil die Türkei
auf, ihre seit acht Tagen anhaltende Offensive so bald wie möglich
zu beenden. Anders als am Tag zuvor im indischen Neu-Delhi nannte er
bei seinen Gesprächen in Ankara aber keinen zeitlichen Rahmen. Die
USA würden auch nicht damit drohen, die Geheimdienst-Hilfe
für die Türkei zu beenden und damit den Druck auf sie zu
erhöhen.
Die Offensive solle so kurz und gezielt wie möglich gehalten
werden, sagte Gates, der unter anderem Ministerpräsident Tayyip
Erdogan und Generalstabschef Yasar Büyükanit traf. "Eine
kurze Zeit ist ein relatives Konzept, das kann ein Tag oder ein Jahr
sein", sagte Büyükanit einem Fernsehbericht zufolge.
Die USA liefern ihrem Nato-Verbündeten seit Herbst
Geheimdiensterkenntnisse über PKK-Stellungen im Nordirak. Damit
sollten der zweitgrößten Armee der Allianz gezielte
Luftangriffe ermöglicht und ein Einmarsch überflüssig
gemacht werden.
Verteidigungsminister Vecdi Gönül bekräftigte, die
Truppen blieben solange im Nordirak, bis die PKK-Verbände dort
keine Bedrohung mehr darstellten. Gates forderte die Regierung in
Ankara zu wirtschaftlichen und politischen Reformen auf, um die PKK zu
isolieren und die große kurdische Minderheit zu fördern.
"Militärische Maßnahmen allein werden diese terroristische
Bedrohung nicht beenden", sagte er.
Unter massiven Sicherheitsvorkehrungen sind Millionen Schiiten in die
heilige Stadt Kerbela im Irak gepilgert. Es seien neun Millionen
Gläubige in die rund hundert Kilometer südlich von Bagdad
gelegene Stadt gekommen, sagte Polizeichef Raed Schakir Dschaudat. Der
Gouverneur der Provinz Kerbela, Achil El Chasali, bestätigte diese
Zahl und nannte die Beteiligung einen Rekord. Im Zentrum der Stadt
befindet sich das Mausoleum des Imams Hussein. Die Feiern gehören
zu einer Reihe von Ritualen rund um die Ermordung des von den Schiiten
verehrten Imams im Jahr 680.
Auch Ministerpräsident Nuri el Maliki, ebenfalls ein Schiit, sei
nach Kerbela gereist, um im Mausoleum zu beten, sagte ein
Polizeisprecher. Aus Furcht vor anti-schiitischen Anschlägen
wurden 40.000 Soldaten und Polizisten sowie 10.000 Mitglieder einer
Spezialeinheit in der Stadt stationiert. 750 Scharfschützen hatten
Stellung bezogen. "Die Sicherheitsvorkehrungen funktionieren wie
gehofft", sagte der Polizeichef Dschauat. In der Umgebung der Stadt
seien drei Katjuscha-Raketen und sechs Bomben beschlagnahmt worden. An
allen Einfahrtstraßen in die Stadt waren die Menschen mit
Metalldetektoren kontrolliert worden.
boa (Quelle: rtr, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 29.02.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am neunhundertvierundsiebzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
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Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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29 Taliban-Kämpfer in Afghanistan getötet - Karsai
kontrolliert laut US-Geheimdienst nur 30 Prozent des Landes
Fr.29.02.08 - Bei Kämpfen in der südafghanischen Provinz Helmand sind nach
Polizeiangaben vom Donnerstag 29 Taliban-Kämpfer ums Leben
gekommen. Auslöser war ein Bombenanschlag auf eine Polizeieinheit,
die im Bezirk Mardscha gegen Opium-Produzenten vorgehen sollte. Dabei
wurde ein Polizist getötet. Die Polizei griff danach die
Aufständischen an, dabei kamen 25 Rebellen ums Leben. An einem
anderen Ort der Region kamen am Donnerstag bei der vorzeitigen Explosion
einer Straßenbombe vier Untergrundkämpfer ums Leben.
Die südafghanische Provinz Helmand gilt als weltweit
größte Region der Opium-Herstellung. Nach Schätzungen
fließen bis zu 40 Prozent der Einnahmen aus dem Drogenhandel in
die Finanzierung des Aufstands.
Die Regierung des afghanischen Präsidenten Hamid Karsai
kontrolliert nach Worten von US-Geheimdienstchef Michael McConnell
lediglich etwa 30 Prozent des Landes. Die wiedererstarkten Taliban
hätten mehr als sechs Jahre nach ihrer Vertreibung von der Macht
etwa zehn Prozent Afghanistans unter ihre Kontrolle gebracht, sagte der
Direktor der obersten US-Geheimdienstbehörde am Mittwoch vor dem
Streitkräfteausschuss des Senats. Die restlichen 60 Prozent
würden von regionalen Stämmen beherrscht. In internationalen
diplomatischen Kreisen wird Karsai manchmal auch als
«Bürgermeister von Kabul» bezeichnet.
Der Chef des militärischen Geheimdienstes, Generalleutnant Michael
Maples, sagte ebenfalls vor dem Ausschuss, die pakistanische Regierung
versuche, in den Stammesgebieten entlang der afghanischen Grenze
durchzugreifen, in denen Ausbildungslager des Terrornetzwerks Al Kaida
und der Taliban vermutet werden. Die Grenzgebiete gelten auch als
Rückzugsgebiet für Kämpfer der Taliban und Al Kaida.
Der stellvertretende Al-Kaida-Führer Ajman al Sawahri
würdigte unterdessen in einem neuen Video den Anfang des Jahres in
Pakistan getöteten Al-Kaida-Kommandeur Abu Laith al Libi. Er galt
als einer der strategischen Planer des Kampfes der Taliban in
Afghanistan. Er war getötet worden, als eine von einer US-Drohne
abgefeuerte Rakete das Haus traf, in dem er Unterschlupf gesucht hatte.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Wachsende Spannungen mit Syrien - USA verlegen
Kriegsschiff vor libanesische Küste. Gewalt zwischen Israel und
Hamas eskaliert - 21 Tote
Fr.29.02.08 - Inmitten wachsender Spannungen mit Syrien verlegen die Vereinigten
Staaten ein Kriegsschiff in den Nahen Osten. Die «USS Cole»
werde künftig vor der Küste des Libanons Patrouille fahren,
erklärte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats, Gordon
Johndroe, am Donnerstag in Washington. Mit der Entsendung wollen man
«Unterstützung für die regionale Stabilität»
demonstrieren. US-Präsident George W. Bush sei sehr besorgt
angesichts der politischen Spannungen im Libanon. Dort wurde die
Präsidentenwahl bereits 15 Mal verschoben, weil sich die Parteien
nicht auf einen Kompromisskandidaten einigen können. Die USA haben
Syrien vorgeworfen, für die Blockade verantwortlich zu sein.
Die Gewalt zwischen Israel und der radikal-islamischen Hamas im
Gazastreifen eskaliert. Binnen weniger Stunden töteten israelische
Soldaten bei einer Angriffsserie 21 Palästinenser, darunter ein
sechs Monate altes Baby und vier Jugendliche.
Elf Tote waren Kämpfer extremistischer Gruppen. Zuvor war erstmals
seit einem dreiviertel Jahr ein Israeli durch eine
palästinensische Rakete ums Leben gekommen. Die Hamas
rechtfertigte ihre verstärkten Angriffe auf Südisrael als
Vergeltung für den Tod mehrerer Führungsmitglieder bei einem
Luftangriff am Mittwochmorgen.
Ministerpräsident Ehud Olmert kündigte am Donnerstag an,
Israel werde dafür sorgen, "dass die Terroristen einen sehr
schmerzhaften Preis bezahlen". "Wir befinden uns auf dem Höhepunkt
der Schlacht", erklärte er in Tokio nach einem Treffen mit
US-Außenministerin Condoleezza Rice. "Wir erhalten schmerzhafte
Schläge und schlagen noch härter zurück."
Der Regierungschef stellte auch den jüngst wiederbelebten
Nahost-Friedensprozess infrage. "Der ständige Abschuss von
Kassam-Raketen auf unbeteiligte, unschuldige Zivilisten gefährdet
die Stabilität der Gespräche in hohem Maße", sagte er.
Israel zerstöre den Friedensprozess mit seinem harten
militärischen Vorgehen, entgegneten die Verhandlungspartner unter
Führung des gemäßigten Präsidenten Mahmud Abbas.
Die USA wollen noch vor dem Ende der Amtszeit von Präsident George
W. Bush in elf Monaten eine Einigung erreichen. Rice kommt nächste
Woche zu einer weiteren Gesprächsrunde in den Nahen Osten.
Das israelische Militär zählte am Donnerstag 21 Raketen und
Werfergranaten, die vom Gazastreifen aus abgefeuert wurden. Drei
Menschen seien verletzt worden, teilte es mit. Nach dem Luftangriff auf
ihre Führungsmitglieder hatte die Hamas eigenen Angaben zufolge am
Mittwoch 40 Raketen abgeschossen, "um den Märtyrertod von
fünf unserer besten Kämpfer zu sühnen". Dabei wurde in
Sderot ein 47-jähriger Vater von vier Kindern getötet.
Die vier palästinensischen Jugendlichen wurden Sanitätern
zufolge beim Fußballspielen von einer israelischen Rakete
getroffen. Das Baby kam durch Splitter und Trümmer ums Leben, als
die Armee das leerstehende Innenministerium in Gaza aus der Luft
beschoss. Mindestens 14 weitere Menschen wurden nach Angaben von
Kliniken verletzt. Hunderte Palästinenser schlossen sich dem
Trauerzug für den Säugling an, der von seinem Vater
persönlich zu Grabe getragen wurde. Der Leichnam war in eine
grüne Hamas-Flagge gehüllt.
boa (Quellen: ap, rtr)
Kompromiss beendet blutigen Machtkampf in Kenia
Fr.29.02.08 - Kenias Präsident Mwai Kibaki und Oppositionsführer Raila
Odinga haben am Donnerstag mit einer Vereinbarung zur Teilung der Macht
die Weichen für ein Ende des zweimonatigen blutigen Konflikts
gestellt.
Danach erkennt die Opposition Kibaki als Präsidenten an und stellt
im Gegenzug den künftigen Premierminister, der nur durch ein
Misstrauensvotum seinen Posten verlieren kann. Das Parlament solle die
gesetzlichen Grundlagen für diese Lösung der politischen
Krise schaffen, sagte der ehemalige UN-Generalsekretär Kofi Annan,
der seit mehr als einem Monat zwischen den Konfliktparteien in dem
ostafrikanischen Land vermittelt hatte.
Kibaki und Odinga betonten in ersten Stellungnahmen ihren Willen zur
Zusammenarbeit und zum Dialog. Es sei nun notwendig, das ethnisch tief
gespaltene und durch die Unruhen auch wirtschaftlich schwer
geschädigte Land wieder aufzubauen, erklärten sie. «Ich
bin zuversichtlich, dass wir Erfolg haben werden», sagte Kibaki.
Odinga sprach von einem «neuen Kapitel in der Geschichte dieses
Landes».
Die Vereinbarung sei ein «Kompromiss, der für das
Überleben dieses Landes notwendig war», sagte Annan. Er rief
zur Versöhnung der Parteien und ethnischen Gruppen auf:
«Lasst uns mit der Versöhnung heute beginnen.»
Zugleich warnte er, der Weg zur Einigung sei noch nicht zu Ende. Als
nächstes werde über die langfristigen Schritte zur
Wiederherstellung von Frieden und Normalität zu diskutieren sein.
Die Verhandlungsteams sollten bereits am Freitag erneut zusammentreten,
um über diesen Punkt zu sprechen.
Annans Nachfolger Ban Ki Moon begrüßte in einer
Stellungnahme die Einigung. Sie sei ein «Durchbruch zur
Lösung der Krise und gibt den Menschen in Kenia Hoffnung, dass
demokratische Stabilität in ihr Land zurückkehrt»,
hieß es in einer Stellungnahme. Die EU-Kommission in Brüssel
begrüßte die Einigung auf eine Koalitionsregierung in Kenia.
Don McKinnon, der Generalsekretär des Commonwealth, sprach von
einem «Signal für einen Neuanfang».
EU-Entwicklungskommissar Louis Michel erklärte am Donnerstag in
Brüssel: «Ich freue mich, dass Kibaki und Odinga die
Weisheit und Weitsicht hatten, um sich für den Weg des
Kompromisses und der Aussöhnung zu entscheiden.» Die
Einigung bedeute, dass Kenia sich wieder auf einem Weg zu Frieden und
gegenseitigem Verstehen befinde. «Das ist ein großer Tag
für Kenia und das kenianische Volk», betonte Michel.
Die Opposition hatte Kibaki die Anerkennung des Wahlsiegs bei den
Präsidentenwahlen im Dezember 2007 versagt und von Wahlbetrug
gesprochen. Kibaki wiederum hatte sich geweigert, Odinga den Posten
eines Premierministers einzuräumen, der nun durch eine
Verfassungsänderung eine echte Machtposition erhalten soll. Das
gegenseitige Misstrauen der rivalisierenden Parteien hatte eine
politische Einigung lange verhindert. Bei Unruhen waren in den
vergangenen zwei Monaten rund 1500 Menschen getötet worden und
Hunderttausende vor auch ethnischer Gewalt geflohen.
(Quelle: dpa)
Frankreich will nicht mehr der Gendarm Afrikas sein
Fr.29.02.08 - Frankreich will seine historische Rolle in Afrika neu definieren.
Frankreich werde alle militärischen Abkommen mit afrikanischen
Staaten neu verhandeln, sagte Präsident Nicolas Sarkozy
während eines Besuchs bei Südafrikas Präsident Thabo
Mbeki in Kapstadt. Zugleich kündigte Sarkozy ein Hilfspaket
für Afrikas wirtschaftliche Entwicklung im Umfang von zweieinhalb
Milliarden Euro an. Mbeki begrüßte Sarkozys Ankündigung
zu den Militärabkommen als Teil des "Entkolonialisierungsprozesses
in Afrika". Während ihrer ersten Auslandsreise als Frankreichs
First Lady besuchte Carla Bruni ein Armenviertel Kapstadts.
"Frankreich hat nicht die Berufung, unendlich lang Truppen in Afrika zu
haben. Afrika muss selbst Verantwortung für seine
Sicherheitsprobleme übernehmen", sagte Sarkozy vor dem
südafrikanischen Parlament. Derzeit beruhe Frankreichs
Militärpräsenz in Afrika auf Abkommen, die vor 50 Jahren,
kurz nach der Kolonialzeit, abgeschlossen worden seien. Diese seien
veraltet. Nun müsse zwar nicht alles umgestoßen werden, ein
Hineinziehen französischer Truppen in interne Konflikte solle aber
verhindert werden. Zuvor hatte Sarkozy auf einer Pressekonferenz
gesagt, die Staatschefs aller betroffenen Länder seien informiert,
dass er alle Militärabkommen Frankreichs mit Afrika neu verhandeln
wolle.
Sarkozy hatte bereits im Mai 2006 ein neues, ausgeglichenes
Verhältnis zwischen der früheren Kolonialmacht Frankreich und
Afrika angekündigt. Kritiker warfen ihm vor, diesem Ziel habe
Frankreichs Eingreifen im Tschad Anfang Februar widersprochen.
Französische Soldaten hatten die Truppen des tschadischen
Präsidenten Idriss Deby bei der Abwehr eines Rebellenangriffs
unterstützt.
Frankreich hat derzeit rund 9000 Soldaten im Senegal, in
Elfenbeinküste, in Gabun, im Tschad, in Zentralafrika und
Dschibuti stationiert. Französische Truppen griffen in der
Vergangenheit häufig in innere Konflikte ein, um verbündete
afrikanische Staatschefs an der Macht zu halten. Sarkozy war mit einer
großen Wirtschaftsdelegation angereist. Der französische
Energiekonzern Alstom soll am Freitag einen Vertrag über den Bau
eines Kohlekraftwerks mit einem Umfang von 1,36 Milliarden Euro
unterzeichnen. Auch ein Energieabkommen zwischen den französischen
Unternehmen Bouygues und EDF mit der südafrikansichen Firma Aveng
ist geplant. Südafrika hat derzeit unter einer schwerwiegenden
Energiekrise zu leiten.
(Quelle: afp)
Nach Erhöhung der Benzinpreise - Tote bei Unruhen in Kamerun
Fr.29.02.08 - In Kamerun ist es nach einer Erhöhung der Benzinpreise zu
gewalttätigen Protesten gekommen. Wie die BBC berichtet, kamen
dabei mindestens sieben Menschen ums Leben. Jugendliche errichteten
Barrikaden, die Polizei setzte Tränengas ein. Präsident Paul
Biya gab in einer Fernsehansprache der Opposition die Schuld an der
Eskalation der Gewalt in dem westafrikanischen Staat. Biya, der bereits
seit 25 Jahren an der Macht ist, versucht derzeit, seine Amtszeit durch
eine Verfassungsändarung zu verlängern.
(Quelle: dpa)
Tausende demonstrieren gegen erstes Atomkraftwerk in Indonesien
Fr.29.02.08 - Etwa 3.000 Menschen haben am Donnerstag in Indonesien gegen Pläne
für den Bau des ersten Atomkraftwerks auf der Hauptinsel Java
protestiert. Einige errichteten eine Betonmauer vor der nahegelegenen
Nationalen Atomenergiebehörde, um sie symbolisch zu
schließen. Die größte islamische Organisation des
muslimisch geprägten Landes hatte sich bereits im September
vergangenen Jahres gegen den Bau ausgesprochen. Sie hat Bedenken wegen
der häufigen Erdbeben auf Java und dem anfallenden radioaktiven
Abfall. Nach Regierungsangaben soll das Kraftwerk ab 2010 gebaut werden
und 2016 in Betrieb gehen.
(Quelle: ap)
Kolumbianische Rebellen lassen vier Geiseln frei
Fr.29.02.08 - Nach mehr als sechs Jahren in der Gewalt linksgerichteter Rebellen sind
am Mittwoch in Kolumbien vier Geiseln freigekommen. Die Freilassung der
zwischen Juni 2001 und Februar 2002 entführten ehemaligen
kolumbianischen Abgeordneten wurde vom venezolanischen Präsidenten
Hugo Chavez in Verhandlungen mit der Guerillaorganisation FARC erreicht.
Die vier von Tropen- und anderen Krankheiten gezeichneten Geiseln
bedankten sich bei ihrer Ankunft in der venezolanischen Hauptstadt
Caracas bei Chavez als ihrem Lebensretter.
«Sie haben mir die Chance gegeben, wieder zu leben», sagte
Gloria Polanco bei der Übergabe der vier Geiseln an das Rote Kreuz
im Dschungel. Sie wurden dann mit venezolanischen Hubschraubern nach
Caracas geflogen, wo sie mit ihren Familien zusammentrafen. Neben
Polanco wurden die Exsenatoren Jorge Gechem und Luis Eladio Perez sowie
der Exabgeordnete Orlando Beltran freigelassen. Am 10. Januar hatte
Chavez die Freilassung von zwei weiteren Politikern, Clara Rojas und
Consuelo Gonzalez, erreicht.
Perez berichtete nach der Freilassung, er sei ein halbes Jahr mit drei
US-Gefangenen der FARC zusammen gewesen. Den Amerikanern gehe es
gesundheitlich noch schlechter, weil ihre Verletzungen kaum medizinisch
behandelt worden seien, die sie beim Absturz ihres Flugzeugs im
Dschungel vor fünf Jahren erlitten hatten. Der älteste, der
54-jährige Pilot Thomas Howes, habe bei dem Absturz eine
Kopfverletzung davongetragen. Er habe deshalb immer wieder schwere
Kopfschmerzen. Außerdem leide er unter Bluthochdruck. Medikamente
gebe es kaum. Auch die anderen beiden litten unter Verletzungen -
«und all den Krankheiten, die wir auch hatten, wie (die
Tropenkrankheit) Leishmaniase und Malaria».
Ein schwerer Schlag für die US-Geiseln sei im vergangenen Monat
die Verurteilung eines kolumbianischen Rebellen in den USA zu 60 Jahren
Gefängnis gewesen. Ein Rebellenkommandeur habe daraufhin
erklärt, die US-Geiseln würden «60 Jahre im
Dschungelgefängnis festgehalten», sagte Perez im Radiosender
Caracol.
Die Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC) wollen mehr
als 40 Geiseln, darunter die ehemalige kolumbianische
Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt, gegen hunderte
inhaftierte Kämpfer austauschen.
(Quelle: ap)
Serbien schneidet Kosovo auf internationaler Balkan-Konferenz
Fr.29.02.08 - Auf einer internationalen Balkan-Konferenz in Sofia hat sich Serbien um
eine Isolierung des Kosovos bemüht. Bei dem
Außenministertreffen am Donnerstag gehörte der neue Staat
zwar zu den Teilnehmern, aber nur unter dem Mantel der UN-Verwaltung.
Zur UN-Delegation aus Pristina gehörte der Vorsitzende der
Handelskammer des Kosovos, Besim Beqaj. Während seiner Rede
verließ der serbische Außenminister Vuk Jeremic den Saal.
Beqaj sagte, er spreche im Namen der Republik Kosovo. Daher ersuche er
die Konferenzteilnehmer, «von nun an die Republik Kosovo an allen
regionalen, bilateralen wie multinationalen Vorgängen zu
beteiligen». Das Kosovo strebe die volle Mitgliedschaft in
internationalen Organisationen an.
Der serbische Außenminister Jeremic sagte den Delegierten, das
Kosovo werde weder den Vereinten Nationen noch der Organisation
für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) angehören.
«Und daher gehört es nicht zur globalen Gemeinschaft
souveräner Staaten», fügte Jeremic hinzu. Er
kündigte an, dass sich seine Regierung an den Internationalen
Gerichtshof in Den Haag wenden werde, um die Legitimität der
Unabhängigkeitserklärung überprüfen zu lassen.
Bis zu einem Beschluss des Gerichtshofs sollten insbesondere alle
Nachbarstaaten ihre Entscheidung hinsichtlich einer Anerkennung des
Kosovos aufschieben, forderte Jeremic. Eine Anerkennung komme einem
Angriff auf Serbien gleich, sagte der Belgrader Außenminister.
In Belgrad kündigte Wirtschaftsminister Mladjan Dinkic an, dass
die Regierung erwäge, den Schuldendienst für das Kosovo
einzustellen. Dies hat allerdings einen Streit mit den Nationalisten im
Kabinett ausgelöst, die in einer weiteren Schuldenrückzahlung
einen Ausdruck für den Anspruch auf das Kosovo sehen. Serbien hat
seit dem Krieg von 1999 insgesamt 1,2 Milliarden Dollar an
internationalen Schulden zurückgezahlt, die im Kosovo angefallen
sind.
In Wien trat am Donnerstag zum ersten Mal die Internationale
Lenkungsgruppe (International Steering Group) für das Kosovo
zusammen. Zum zivilen Repräsentanten im Kosovo wurde der
niederländische Diplomat Pieter Feith ernannt, der eine Teilung
des neuen Staates ausschloss. Seine Aufgabe sei es, die Rechte aller
Volksgruppen und besonders die der serbischen Minderheit
sicherzustellen. Die Lenkungsgruppe will die demokratische Entwicklung
im Kosovo unterstützen und sich für eine gute
Regierungsführung einsetzen. Die Mitglieder sind Deutschland,
Österreich, Tschechien, Finnland, Italien, Schweden, die
Türkei, die USA, Belgien, Dänemark, Frankreich, Ungarn,
Slowenien, die Schweiz und Großbritannien.
In der geteilten kosovarischen Stadt Kosovska Mitrovica gingen am
Donnerstag die Proteste gegen die Unabhängigkeit weiter.
Zahlreiche serbische Richter und Mitarbeiter der Justizbehörden
gingen auf die Straßen und forderten eine Wiederzulassung bei den
örtlichen Gerichten. Sie hatte ihre Posten nach dem Kosovo-Krieg
räumen müssen. Die Demonstration endete ohne
Zwischenfälle.
(Quelle: ap)
USA warnen Serbien vor Teilungsversuch des Kosovos
Fr.29.02.08 - Die USA haben Serbien ihre entschiedene Ablehnung von
Überlegungen übermittelt, der serbischen Minderheit im Kosovo
ein eigenes Heimatland abzuspalten. «Wir werden keine Form von
Teilung unterstützen», sagter der Staatssekretär im
US-Außenministerium, Nicholas Burns, am Donnerstag in Washington.
Auch die große Mehrheit in der internationalen Gemeinschaft denke
so.
Die ehemalige serbische Provinz hat Mitte des Monats mit großer
Unterstützung der USA ihre Unabhängigkeit erklärt. Die
große Mehrheit der Bewohner sind Albaner. Die Serben betrachten
das Kosovo als Wiege ihrer Kultur und des orthodoxen christlichen
Glaubens. Burns erinnerte Serbien daran, dass die internationale
Gemeinschaft 1998 und 1999 gegen den serbischen Versuch eingeschritten
sei, eine Million Albaner aus dem Kosovo zu vertreiben. Aus diesem
Grund hätten die Vereinten Nationen die Kontrolle der Provinz
übernommen. «Wir haben das nicht vergessen», sagte er.
(Quelle: ap)
Zyperns Präsident: Wiedervereinigung hat Priorität
Fr.29.02.08 - Zyperns neuer Präsident Demetris Christofias will die
Wiedervereinigung der Mittelmeerinsel auf den Weg bringen. "Das
Zypern-Problem zu lösen, ist oberste Priorität meiner
Regierung", kündigte der 62-jährige Kommunist am Donnerstag
bei seiner Antrittsrede im Parlament an. Er forderte die Türkei
zur Zusammenarbeit auf und erklärte: "Der Schlüssel für
eine Lösung liegt in den Händen der Regierung in Ankara."
Christofias hat die Wahl am Sonntag gewonnen, weil er sich klar vom
Konfrontationskurs seines Vorgängers Tassos Papadopoulos
gegenüber der Türkei distanziert hatte. Die Türkei ist
1974 in Nord-Zypern einmarschiert und hat als einziges Land die dort
ausgerufene Republik diplomatisch anerkannt. Mehrere Anläufe
für eine Wiedervereinigung sind gescheitert. Der Konflikt belastet
zudem die Bemühungen der Türkei um eine Aufnahme in die EU.
Zypern ist Mitglied der Union. EU-Gesundheitskommissar Markos Kyprianou
übernimmt im neuen Kabinett das Außenministerium.
(Quelle: rtr)
Weitergabe von Passagierdaten: Ärger über Abkommen zwischen
Tschechien und den USA
Fr.29.02.08 - In der EU gibt es Ärger über eine von den USA und Tschechien
unterzeichnete Vereinbarung über die Weitergabe von Passagierdaten.
Zum Auftakt von Beratungen der EU-Innenminister in Brüssel
verteidigte der tschechische Ressortchef Ivan Langer das sogenannte
Memorandum of Understanding, das tschechischen Bürgern die
visumsfreie Einreise in die USA ermöglichen soll. Anders als
Westeuropäer brauchen die meisten Bürger aus Osteuropa heute
selbst für Kurzbesuche in den Vereinigten Staaten ein Visum.
Bei Beratungen der EU-Botschafter der 27 Mitgliedstaaten am Mittwoch
wurde Tschechien nach Angaben aus Diplomatenkreisen scharf dafür
kritisiert, ohne Absprache mit den EU-Partnern mit den USA verhandelt zu
haben. Die EU-Kommission bemüht sich seit Jahren um ein
koordiniertes Vorgehen, um zu vermeiden, dass Washington einzelne
europäische Regierungen bei Verhandlungen über den Tisch zieht.
Der tschechische Innenminister Langer zeigte sich über die Kritik
äußerst verärgert. «Ich bin ein freier
Europäer und kein Sklave der EU-Kommission», sagte er vor
Journalisten. Indirekt warf er der Brüsseler Behörde vor, sich
gegenüber den USA nicht genug für die Belange der
osteuropäischen Staaten eingesetzt zu haben. «Wir warten seit
Jahren, und es ist nichts passiert», sagte er mit Blick auf die
Visa-Vorschriften. «Darum haben wir beschlossen, unseren eigenen
Weg zu gehen.»
Nach der zu Wochenbeginn unterzeichneten Vereinbarung mit Washington
soll die tschechische Regierung den US-Behörden künftig mehr
Informationen über Bürger übermitteln, die in die
Vereinigten Staaten einreisen. Im Gegenzug stellte Washington Tschechien
eine Befreiung von der Visumspflicht in Aussicht. Zwar gebe es vorher
«noch einiges zu tun», sagte US-Präsident George W.
Bush am Mittwoch in Washington. «Aber ich bin zuversichtlich,
dass wir es schaffen.»
Die Kritik innerhalb der EU speist sich aus der Befürchtung,
Tschechien könnte den USA bei der Passagierdaten-Übermittlung
weit reichende Zugeständnisse machen. Beim Innenministertreffen
sollten nun gemeinsame Leitlinien für Verhandlungen mit Washington
beschlossen werden.
(Quelle: ap)
EU-Länder zerstritten über Energiemarktreform -
Energiekonzerns E.ON will sein Übertragungsnetz verkaufen
Fr.29.02.08 - Im Streit um die Reform des Energiemarktes sind die Fronten zwischen
Anhängern und Gegnern einer eigentumsrechtlichen Spaltung der
Energiekonzerne verhärtet.
Deutschland, Frankreich und sechs weitere Länder bestanden am
Donnerstag in Brüssel darauf, den Gesetzentwurf der EU-Kommission
um ihre mildere Variante einer Trennung von Energieproduktion und
-verteilung zu ergänzen. Die überraschende Ankündigung
des Energiekonzerns E.ON, sein Übertragungsnetz zu verkaufen,
stärkte unterdessen die Argumente der Mehrheit der EU-Länder,
die für eine radikale Entflechtung der Konzerne sind.
Die Diskussion habe gezeigt, dass die Meinungen über den
Gesetzentwurf der EU-Kommission auseinander gingen, erklärte der
slowenische Wirtschaftsminister und Ratspräsident Andrej Vizjak
nach den Beratungen der 27-EU-Länder. Doch strebe die
Präsidentschaft weiterhin eine Einigung bis Juni an.
Der deutsche Wirtschaftsstaatssekretär Peter Hintze und
Frankreichs Umweltminister Jean-Louis Borloo bewerteten die Debatte als
Erfolg für ihren Vorschlag. Hintze sagte, das Modell der acht
Länder sei offiziell als Verhandlungsgrundlage zum Vorschlag der
Kommission hinzugekommen. Die Länder stünden fest zu ihrem
Konzept und hätten Unterstützung von einigen anderen
gefunden. Nach Worten Borloos haben die acht, die sich mit einer
Sperrminorität querstellen können, eine "psychologische
Schlacht" gewonnen. Nur Dänemark, Schweden, die Niederlande und
Großbritannien seien dagegen. Doch auch die Briten
erklärten, einen Sieg errungen zu haben. Der Alternativvorschlag
sei vom Tisch gewischt worden, sagte eine Sprecherin.
Wie eine Bombe schlug mitten in die Verhandlungen die Zusage des
Energiekonzerns E.ON an die EU-Kommission ein, seine Netze zu
verkaufen, um die Einstellung eines Kartellverfahrens der EU zu
erreichen. Hintze sagte, Minister beider Lager seien verblüfft und
merkwürdig berührt gewesen. Es könne kein Zufall sein,
dass die Kommission dies gerade dann bekannt gebe, wenn sie ihren
Gesetzentwurf gegen eine starke Minderheit im Ministerrat durchzusetzen
wolle.
EU-Energiekommissar Andris Piebalgs sagte, er hoffe, dass andere
Energiekonzerne dem Beispiel E.ONs folgen würden. "Das hat
definitiv einen großen Einfluss auf die Debatte", sagte er. Die
EU-Kommission sieht die Aufspaltung der Unternehmen als besten Weg,
mehr Wettbewerb und sinkende Preise am Markt für Strom und Gas zu
erreichen. Nur so sei zu gewährleisten, dass Konkurrenten Zugang
zu den Netzen erhalten könnten. Als zweite Option schlug die
Kommission vor, den Konzernen das Eigentum am Netz zu lassen, aber ein
unabhängiges Betreiberunternehmen über die Investitionen
entscheiden zu lassen.
Die Konzerne hätten nach beiden Varianten keinen Einfluss mehr auf
Investitionsentscheidungen. Der dritte Weg der acht EU-Länder
würde der Muttergesellschaft den Einfluss auf das Budget einer
rechtlich unabhängigen Netztochter lassen. Nach Ansicht der
EU-Kommission geht dieser Vorschlag aber kaum über die geltende
rechtliche Trennung von Netz und Produktion hinaus. Sie legte einen
Katalog von Bedingungen vor, um den das Modell ergänzt werden
müsse. Der Gruppe der acht gehen diese Verschärfungen
wiederum zu weit. Diese liefen auf eine eigentumsrechtliche Trennung
hinaus, sagte ein EU-Diplomat.
Hintze betonte, die Bundesregierung würde sich selbst dann weiter
für den dritten Weg einsetzen, wenn noch andere deutsche Konzerne
ihre Netze verkaufen sollten. Der Stromkonzern Vattenfall Europe
schließt einen Verkauf seines Strom-Übertragungsnetzes nicht
aus. Andere deutsche Energieversorger könnten folgen, sagte
Colette Lewiner, Energieexpertin vom Beratungsunternehmen Capgemini.
Wenn sie sich alle Konzerne dazu entschieden, wäre Deutschland in
einer sehr merkwürdigen Verhandlungsposition. "Die Regierung
müsste sich geschlagen geben."
(Quelle: rtr)
Deutschland
Arbeitslosenzahl sinkt im Februar um 42 000 auf 3,617 Millionen - Eine
Million offene Stellen - Beschäftigung wächst aber langsamer
Fr.29.02.08 - Die gute Entwicklung am Arbeitsmarkt hält an. Wie die
Bundesagentur für Arbeit (BA) am Donnerstag mitteilte, sank die
Zahl der Arbeitslosen im Februar um 42 000 auf 3,617 Millionen. Die
Quote reduzierte sich um 0,1 Punkte auf 8,6 Prozent. «Die
sozialversicherungspflichtige Beschäftigung und die Nachfrage der
Unternehmen nach Arbeitskräften bleiben auf hohem Niveau»,
erklärte BA-Chef Frank-Jürgen Weise. Als Gründe nannte er
neben dem bisher milden Winter das Saisonkurzarbeitergeld für
Bauberufe. Beides habe dazu geführt, dass sich der Rückgang
der Arbeitslosigkeit in den Wintermonaten noch verstärkt habe.
Üblicherweise gab es sonst im Februar mit Ausnahme des vergangenen
Jahres jeweils leichte Zunahmen bei der Zahl der Jobsuchenden.
Auch in den nächsten Monaten sei noch mit einem
Beschäftigungsaufbau zu rechnen, allerdings flache sich das
Wachstum ab, betonte Weise. Sein Vorstandskollege Heinrich Alt
ergänzte: «Es wird eine Frühjahrsbelebung geben, aber
der Ausschlag wird nicht so deutlich sein, weil wir die hohe
Winterarbeitslosigkeit nicht haben.»
Im Westen Deutschlands nahm die Arbeitslosigkeit um 36 000 auf 2,347
Millionen ab (Quote: 7,0 Prozent), in den neuen Bundesländern um 6
000 auf 1,27 Millionen (Quote: 14,8 Prozent). Damit bleibt die
Arbeitslosenquote im Osten der Republik mehr als doppelt so hoch. Weise
warnte daher vor Euphorie. «Die Zahl der Arbeitslosen ist immer
noch sehr hoch und wir sollten jetzt, in guten Zeiten, unsere
Anstrengungen verstärken, um Menschen in Arbeit zu bringen»,
mahnte der BA-Chef.
Mit Ausnahme des öffentlichen Dienstes, der Bau- und der
Finanzdienstleistungsberufe profitieren derzeit alle Branchen und alle
Bundesländer von der günstigen Entwicklung. Auch die
Zeitarbeitsbranche wächst weiter, hat aber an den neu geschaffenen
Jobs nur noch einen Anteil von 16 Prozent - zu Beginn des Aufschwungs
waren rund drei Viertel aller neuen Stellen Zeitarbeitsverhältnisse.
An der Spitze des Beschäftigungsaufbaus steht nach Angaben der BA
Hamburg mit einem Stellen-Plus von 2,9 Prozent, Schlusslicht ist
Sachsen-Anhalt mit einem Plus von 0,8 Prozent. Die
sozialversicherungspflichtige Beschäftigung lag im Dezember nach
der Hochrechnung der Bundesagentur für Arbeit bei 27,22 Millionen,
das ist ein Zuwachs im Vergleich zum Vorjahr um 588 000. Mehr als die
Hälfte des Zuwachses sind danach Vollzeitstellen.
Im Februar standen der Nürnberger Behörde alles in allem rund
eine Million Stellen zur Vermittlung zur Verfügung - 146 000 mehr
als vor einem Jahr. 81 Prozent davon sind Stellen am ersten
Arbeitsmarkt. Neu in die Top Ten der gesuchten Berufe rückten
pünktlich zum Start der Computermesse CeBIT
Datenverarbeitungskaufleute mit 12 000 zu besetzenden Stellen auf. Neben
Verkäufern und Warenkaufleuten (23 000 Stellen), Werbe- und
Dienstleistungskaufleuten (18 000 Stellen) sowie
Bürofachkräften (20 000 Stellen) hat das Handwerk 22 000
Stellen für Elektriker und 18 000 Stellen für Schlosser zu
vergeben. Außerdem werden 12 000 Kraftfahrer und 13 000
Mitarbeiter im Lager- und Transportbereich benötigt. In der
Gastronomie werden 16 000 Kellner und 10 000 Köche gesucht,
für Krankenschwestern, Sprechstundenhilfen und Masseure sind 15 000
offene Stellen gemeldet.
(Quelle: ddp)
Politiker kritisieren Stellenabbau in Großkonzernen
Fr.29.02.08 - Angesichts des massenhaften Stellenabbaus bei einigen
Großkonzernen werden in der SPD Änderungen im Aktienrecht
und bei der Manager-Bezahlung gefordert. Kritik kommt auch aus den
Reihen der Union.
Fraktionsvize Michael Meister nannte es nicht «vermittelbar, wenn
gleichzeitig Gewinne und Entlassungen verkündet werden.»
Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) forderte die Unternehmen auf,
ihre gute Auftragslage zu nutzen und ihrer Verantwortung gerecht
werden. Statt Beschäftigung trotz einer guten Geschäftslage
abzubauen, sollten sie Menschen einstellen und qualifizieren,
erklärte Scholz am Donnerstag in Berlin.
Die Linke nannte die jüngsten Stellenstreichungen bei BMW, Henkel
und Siemens trotz guter Geschäftszahlen Folge eines
ungezügelten Raubtierkapitalismus'. Sie warf der Koalition aus
Union und SPD vor, nichts dagegen zu tun. Der Deutsche
Gewerkschaftsbund (DGB) sieht wegen der Entlassungen den zuletzt
positiven Trend auf dem Arbeitsmarkt wieder auf der Kippe. Hintergrund
ist, dass sich seit Jahresbeginn trotz Rekordgewinnen von Unternehmen
Ankündigungen massiver Stellenstreichungen häufen.
Der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Rainer Wend,
plädierte in der «Berliner Zeitung» dafür, die
Bezahlung von Managern mit Aktienoptionen zu begrenzen. Zudem
müsse überlegt werden, die Spekulationsfrist für Aktien
zu verlängern und das Stimmrecht für Aktionäre an die
Haltefrist zu knüpfen. «Wir müssen Anreize setzen, um
kurzfristige Spekulationen zu reduzieren», sagte Wend. Es sei
problematisch, dass Unternehmen immer mehr dazu übergingen, sich
nur an der nächsten Aktionärsversammlung zu orientieren,
statt sich mittel- und langfristig aufzustellen.
Im ZDF-Morgenmagazin sagte Wend am Donnerstag: «Es kann nicht
sein, dass ein Unternehmen eine Rendite von 20 Prozent macht und
gleichzeitig in großem Umfang Arbeitsplätze abbaut.»
Das werde eine Gesellschaft nicht hinnehmen können. Wend
räumte aber ein, es sei gleichwohl schwierig für die Politik,
ein Instrument zu finden, um die Unternehmen auch mit den sozialen
Folgekosten zu belasten.
Der Ökonom Klaus Zimmermann vom Deutschen Institut für
Wirtschaftsforschung verwies in der selben Sendung auf die Folgen der
angekündigten Entlassungen trotz Rekordergebnissen der Firmen.
«Das bedeutet weniger Beschäftigungsaufbau, das bedeutet
weniger Abbau von Arbeitslosigkeit», sagte er. Das sei aber der
globale Trend. «In diesem Prozess gibt es immer Entlassungen, aber
immer auch Neueinstellungen, und wir hoffen, dass eben noch lange die
Neueinstellungen überwiegen, aber das wird in ein, zwei Jahren
spätestens zu Ende sein», fügte der Wirtschaftsforscher
hinzu.
DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach nannte es einen
«Skandal, dass ausgerechnet die Konzerne, die fette Gewinne
einstreichen, auf Kosten der Beschäftigten nach Extra-Profiten
streben». Hier sei offenbar Maßlosigkeit die Leitlinie
unternehmerischen Handels. Buntenbach warnte, dass der bisher positive
Trend auf dem Arbeitsmarkt trotz eingetrübter Konjunkturaussichten
angesichts der angekündigten Massenentlassungen nicht mehr lange
andauern werde.
Partei- und Fraktionschefs der Linken, Oskar Lafontaine, kritisierte
die massenhaften Stellenstreichungen als eine «Folge des
ungezügelten Raubtierkapitalismus». Er warf der Koalition
unter Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Untätigkeit vor.
«Die Regierung Merkel setzt dem keinerlei Schranken. Sie ist
deshalb mitverantwortlich, wenn führende deutsche Unternehmen
Tausende auf die Strasse setzen.» Dass Leiharbeiter die ersten
Opfer der Rotstiftpolitik sind, offenbare die Verantwortung von Union
und SPD. Die hätten Vorstöße zur Einschränkung der
Leiharbeit abgelehnt.
Nach Einschätzung der Bundesagentur für Arbeit (BA) wird der
geplante Stellenabbau bei BMW und Henkel allerdings keine gravierenden
Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt haben. Der Verlust ihrer Arbeit sei
sicherlich für die Betroffenen ein harter Schlag. Den Arbeitsmarkt
insgesamt dürfte der Stellenabbau wegen der derzeit guten Lage
aber nicht belasten, sagte der BA-Vorstandschef Frank-Jürgen Weise
am Donnerstag in Nürnberg. «Der Stellenabbau bei einigen
Großunternehmen ist immer noch kleiner als der
unspektakuläre Aufbau an Beschäftigung in kleinen und
mittleren Betrieben», fügte Weise hinzu. Der Autohersteller
BMW hatte den Abbau von 8100 Arbeitsplätzen angekündigt,
davon 7500 in Deutschland. 5000 Betroffene seien
Zeitarbeitskräfte. Der Waschmittel- und Klebstoffhersteller Henkel
will weltweit 3000 Stellen streichen.
boa (Quellen: dpa, ap)
Entlassungswelle deutscher Konzerne - Die Pläne im Einzelnen
Zahlreiche deutsche Konzerne haben in den vergangenen Tagen und Wochen,
zum Teil trotz erheblicher Gewinne, einen deutlichen Stellenabbau
angekündigt. Weitere Unternehmen sind aus anderen Gründen zum
Stellenabbau gezwungen. Die ddp/Dow Jones Wirtschaftsnachrichten
führen die wichtigsten Entlassungen auf:
-- BMW
Der Autokonzern will weltweit 8100 Stellen abbauen, davon 7500 in
Deutschland.
-- Siemens
Der Technologiekonzern will sich weltweit von 6800 der 17 600
Mitarbeiter im Telefonanlagengeschäft SEN trennen. In Deutschland
sind 3200 Angestellte betroffen.
-- Henkel
Der Waschmittel- und Kosmetikkonzern will 3000 Arbeitsplätze
abbauen, wieviel Stellen in Deutschland wegfallen ist noch nicht klar.
-- Nokia
-- Der finnische Handyhersteller will sein Bochumer Werk mit rund 2300
Mitarbeitern zur Jahresmitte schließen.
-- Continental
Der Hannoveraner Autozulieferer will im Zusammenhang mit der
Übernahme der Siemens-Automobilzuliefersparte VDO weltweit rund
2500 Stellen streichen. Unter anderem soll ein Werk in Wetzlar mit 450
Mitarbeitern geschlossen werden.
-- RAG Deutsche Steinkohle
Falls nach dem jüngsten Erdbeben der Bergbau im Saarland
eingestellt wird, könnten rund 4800 Beschäftigte ihren
Arbeitsplatz verlieren. 5000 Jobs sollen bei Zulieferern bedroht sein.
-- WestLB
Die Landesbank hatte sich am US-Immobilienmarkt verspekuliert. Die
Sanierung sieht den Abbau von 1300 bis 1500 der rund 6000
Arbeitsplätze vor.
-- Alcatel-Lucent
Der französische Konzern will in Deutschland bis zum Jahresende
750 Stellen streichen.
-- Deusche Telekom
Wie bereits bekannt, baut der Telekommunikationskonzern bis zum
Jahresende rund 32 000 Arbeitsplätze ab. Jüngst schloss der
Vorstandschef René Obermann einen weiteren Stellenabbau nicht aus.
-- Karmann
Der Osnabrücker Cabriobauer entlässt rund 600 Mitarbeiter,
weil ihm Aufträge aus der Autoindustrie fehlen.
Quelle: ddp, 29.02.2008
|
Viele Tarifabschlüsse im zweiten Halbjahr 2007 bei rund drei
Prozent
Fr.29.02.08 - Zahlreiche Tarifabschlüsse haben auch in der zweiten Hälfte
des vergangenen Jahres die Drei-Prozent-Marke übertroffen. Damit
fielen sie erneut deutlich höher aus als in den Vorjahren, wie das
Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mitteilte.
Erhöhungen von drei Prozent und mehr erhielten die
Beschäftigten beispielsweise in der Druckindustrie (plus 3,0
Prozent), im Groß- und Außenhandel (plus 3,0 bis 3,3
Prozent) und in der holz- und kunststoffverarbeitenden Industrie (plus
3,6 bis 4,5 Prozent).
Niedrigere Tariferhöhungen wurden den Angaben zufolge insbesondere
im Dienstleistungsbereich abgeschlossen: So lagen die Abschlüsse im
Privaten Verkehrsgewerbe in Nordrhein-Westfalen bei plus 1,8 Prozent
und im Hotel- und Gastgewerbe in Sachsen bei plus 1,5 Prozent.
Niedrigere Tarifabschlüsse gab es demnach auch im
Ernährungsgewerbe, beispielsweise der Nährmittelindustrie in
Bayern (plus 2,5 Prozent) und der Fleischwarenindustrie in Hessen (plus
1,0 Prozent).
Der Anstieg der Verbraucherpreise lag im zweiten Halbjahr zwischen 1,9
Prozent (Juli, August) und 3,1 Prozent (November) gegenüber dem
Vorjahresmonat. Insgesamt stiegen die Tarifgehälter in Deutschland
2007 so stark wie seit drei Jahren nicht mehr, wie das Bundesamt bereits
im Januar mitgeteilt hatte. Angestellte verbuchten demnach ein Plus von
2,0 Prozent, Arbeiter erzielten einen Zuwachs von 2,5 Prozent.
Nicht alle Tarifverträge werden am Ende ihrer Laufzeit nahtlos neu
abgeschlossen, wie das Bundesamt berichtete: Im Einzelhandel wird seit
Frühjahr 2007 bundesweit erfolglos über einen neuen Abschluss
verhandelt. Auch im Handwerk und im Dienstleistungssektor, zum Beispiel
im Elektro-, Heizungs-, Sanitär-, Fleischer-, Bäcker- und
Konditorenhandwerk, im Friseurgewerbe oder im Hotel- und Gastgewerbe,
konnten in vielen Regionen seit mehr als einem Jahr keine aktuellen
Vergütungstarife vereinbart werden.
(Quelle: ap)
Finanzminister Steinbrück erinnert Eliten an soziale Verantwortung
- Aktuelle Fälle von Steuerbetrug angeprangert
Fr.29.02.08 - Bundesfinanzminister Peer Steinbrück hat die aktuellen Fälle
von Steuerbetrug angeprangert und die Wirtschaftseliten an ihre
Verantwortung für die soziale Balance erinnert. «Nur wenn
die Menschen die Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung, in der sie
leben, als fair und gerecht empfinden, verfügt dieses System
über die notwendige breite Akzeptanz», sagte der
stellvertretende SPD-Chef am Donnerstag laut Redetext beim
Unternehmertag des Bundesverbands Junger Unternehmer in Frankfurt am
Main.
Gehe diese Akzeptanz verloren, «dann werden Reflexe wie
Protektionismus, Staatsfixierung und Strukturkonservatismus
stärker», warnte der Minister. Mit Blick auf die
Ermittlungsverfahren gegen hunderte reiche Steuerbetrüger mit
Millionen-Vermögen in Liechtenstein sagte Steinbrück, diese
Fälle von Betrug und Gesetzesbruch gingen über das Strafrecht
weit hinaus. «Denn sie vermitteln den ehrlichen Bürgerinnen
und Bürgern eine klare Botschaft: Wer mehr Geld hat als die
anderen, der bestimmt die Regeln», monierte er.
Wenn die ehrlichen Bürger den Eindruck gewännen, für
einen bestimmten Teil der Bestverdiener wären Gehaltsscheck und
Kontoauszug ein Freibrief dafür, Regeln missachten zu können,
«dann ist das verheerend für die Mentalität in unserem
Land», sagte Steinbrück.
Ebenso verheerend wirkt es nach seinen Worten auf die Menschen, wenn
genau aus diesem Umfeld immer schärfere Reformen gefordert
würden, verbunden mit tiefen Einschnitten bei Einkommen,
Arbeitszeiten und sozialer Absicherung. «Wenn von ihnen Opfer
gefordert und gleichzeitig auf Bilanzpressekonferenzen mehrstellige
Milliardengewinne und steigende Vorstandsgehälter verkündet
werden, dann müssen die Beschäftigten zu dem Schluss kommen,
dass Lasten und Chancen unter dem Etikett des globalen Wettbewerbdrucks
sehr ungerecht verteilt werden.»
Dies alles sei auch politisch hochproblematisch, sagte der
SPD-Politiker. «Es diskreditiert jede Reformpolitik, weil
Globalisierung billigend mit Ungerechtigkeit, mit Lohndumping, mit dem
Abschmelzen sozialer Sicherheit gleichgesetzt wird. Das ist das genaue
Gegenteil von dem, was zur sozialen Marktwirtschaft gehört: dass
möglichst viele Menschen am erwirtschafteten Wohlstand beteiligt
werden.»
Zu der milliardenschweren Rettungsaktion für die Mittelstandsbank
IKB mit Steuergeldern sagte Steinbrück: «Bei der IKB sind
aus Unvermögen und blanker Gier dramatische Fehler gemacht worden,
die der Staat ausbügeln muss, damit diese Krise nicht andere
Unternehmen oder ganze Branchen infiziert.» Das ärgere ihn
sehr. Doch habe die Regierung aus Verantwortung für den
Finanzplatz nicht anders handeln können - auch wenn dies den
Bürgern nicht oder nur schwer zu vermitteln sei. «Das ist
mir sehr bewusst», sagte Steinbrück.
(Quelle: ap)
SPD auf 'Geisterfahrt' - Konflikt um Verhältnis zur Linken
eskaliert zum Richtungsstreit
Fr.29.02.08 - Der Konflikt in der SPD um das Verhältnis zur Linken eskaliert zum
offenen Richtungsstreit. Während Parteichef Kurt Beck grippekrank
das Bett hütet, brechen in der Partei alte Gräben auf, der
linke und der rechte Flügel fallen übereinander her und die
Landesverbände wettern gegen die Bundespartei.
Hamburgs SPD-Spitzenkandidat Michael Naumann warf Beck am Donnerstag
eine politische «Geisterfahrt» vor. SPD-Vize Peer
Steinbrück nannte den Vorwurf des Wortbruchs nachvollziehbar.
Schleswig-Holsteins SPD-Chef Ralf Stegner verwahrte sich daraufhin
wütend dagegen, dass es «weise Staatsmänner nur auf
Bundesebene gebe, auch wenn der Bundesfinanzminister natürlich der
allerklügste ist«.
Niedersachsens SPD-Chef Garrelt Duin behielt damit Recht. Als Einziger
hatte er am Montag im Parteivorstand gegen den neuen Öffnungskurs
zu Linken gestimmt. «Unausgesprochen» sei der Widerstand
gegen Becks neue Linie aber viel größer, sagte Duin danach
und prophezeite: «Ich gehe jedenfalls davon aus, dass uns dieses
Thema noch lange beschäftigen wird.«
Der Parteichef hatte bereits am Wahlabend bedauert, dass seine
Äußerungen «Irritationen» ausgelöst haben
könnten. Beck sah allerdings keine Anzeichen dafür, dass sich
dies auf das mittelgute Ergebnis in Hamburg ausgewirkt habe. Naumann
ist da ganz anderer Ansicht. In einem dreiseitigen Schreiben, das er
laut stern.de in die SPD-Parteizentrale faxte, beklagte er, dass Becks
Spekulationen über mögliche Bündnisse mit der Linken die
Hamburger SPD mindestens drei Prozentpunkte gekostet hätten.
Andere bewerten nicht nur den Zeitpunkt der Äußerungen des
Parteivorsitzenden als schweren Fehler, sondern den ganzen Kurswechsel.
Dass derselbe Beck, der eben noch die politische
Unzurechnungsfähigkeit der Linken beschwor und Vorstöße
des früheren Vizekanzlers Franz Müntefering, die rot-rote
Frage auch im Westen von den Landesverbänden entscheiden zu
lassen, entschieden bekämpfte, nun die Glaubwürdigkeit der
SPD in die Hände der linken hessischen Spitzenkandidatin Andrea
Ypsilanti legen will, das treibt die konservativen Genossen nun doch
auf die Barrikaden.
Steinbrück, der dem Öffnungsbeschluss angeblich nur deshalb
zugestimmt hatte, um den angeschlagenen Beck nicht weiter zu
beschädigen, betonte nun, der Fehler sei nicht gewesen, dass sich
die SPD mit verschiedenen Optionen nach der Wahl befasst habe. Der
entscheidende Punkt sei, »dass sich alle entscheidenden
Persönlichkeiten vor der Wahl eindeutig geäußert haben
und nun ein Strategiewechsel zumindest nicht definitiv ausgeschlossen
ist». Glaubwürdigkeit sei aber ein sehr hohes Gut in der
Politik.
Der SPD-Linke Stegner konterte daraufhin umgehend, Ypsilanti sei
«klug genug um zu wissen, was sie tut». Außerhalb des
Willy-Brandt-Hauses gebe es keineswegs nicht «nur
Provinztrottel», die sich sagen lassen müssten, was für
Deutschland richtig sei. Berlins rot-rot Regierender Bürgermeister
Klaus Wowereit ging noch einen Schritt weiter und forderte die
Hessen-SPD auf, eine Koalition mit der Linken zu prüfen. Er setze
sich dafür ein, «endlich mal dieses blöde Tabu
wegzukriegen», das die Linke im Westen als Partner
ausschließe. Auch der linke SPD-Abgeordnete Niels Annen stellte
nüchtern fest, «dass der Versuch, die Linkspartei zu
dämonisieren, sie zu entzaubern, in den letzten Jahren nicht
gelungen» sei. Beck, habe daher «die richtige
Antwort» auf die neue Fünf-Parteien-Landschaft gefunden.
Der konservative Seeheimer Kreis übernahm dagegen die Speerspitze
des Widerstandes gegen den Vorsitzenden. In einem gemeinsamen Papier
der «Prätorianer»-Garde der SPD hieß es am
Donnerstag, Becks Öffnungskurs sei «Wortbruch» und ein
«strategischer Fehler». Seeheimer-Sprecher Johannes Kahrs
forderte den Vorsitzenden via «Bild»-Zeitung gar auf, den
Vorstandsbeschluss zum Umgang mit der Linken zurückzunehmen.
Fortsetzung folgt damit spätestens beim SPD-Parteirat am kommenden
Montag. Das wichtigste Gremium der SPD zwischen den Parteitagen ist
allerdings weitgehend mit namenlosen Funktionären besetzt und gilt
daher parteiintern als eher links bis unberechenbar.
(Quelle: ddp)
In Hessen keine Bewegung bei Suche nach neuer Regierung - FDP
erklärt 'Ampel'-Gespräche für beendet
Fr.29.02.08 - Fünf Wochen vor dem Zusammentritt des neuen Landtags in Hessen
kommen CDU und SPD bei der Suche nach einer Regierungsmehrheit nicht
voran.
Während beide großen Parteien am Donnerstag in Wiesbaden
ihren Führungsanspruch bekräftigten, lehnte die FDP eine
Ampelkoalition mit SPD und Grünen ebenso ab wie die Grünen
eine Beteiligung an einem schwarz-gelb-grünen Bündnis unter
dem bisherigen Ministerpräsidenten Roland Koch. Infolge des
Einzugs der Linkspartei ins Parlament haben weder CDU und FDP noch SPD
und Grüne eine Mehrheit. Die SPD hielt sich eine Zusammenarbeit
mit der Linken offen.
Die CDU stellte sich demonstrativ hinter ihren Landesparteichef Koch
und beanspruchte auch das Amt des Landtagspräsidenten. "Eine
Regierung mit der CDU in Hessen wird in dieser Legislaturperiode nur
unter Roland Koch denkbar sein", sagte der CDU-Fraktionsvorsitzende
Christean Wagner. Fraktion und Landesparteiführung hätten
Koch einmütig das Vertrauen ausgesprochen. Koch sagte, er nehme
den Auftrag der Partei an. Es dabei nicht um die Frage, "ob ich das
persönlich will."
Trotz eines leichten Stimmenvorsprungs der CDU bei der Landtagswahl
sind die Fraktionen von CDU und SPD künftig gleich stark. Solange
das Parlament keinen neuen Ministerpräsidenten wählt, bleibt
die bisherige CDU-Alleinregierung unter Koch nach der Landesverfassung
geschäftsführend im Amt.
Koch bot FDP, SPD und Grünen Gespräche auf Grundlage eines
von Fraktion und Landesvorstand verabschiedeten Positionspapiers an.
Die Grünen machten jedoch erneut deutlich, dass für sie ein
Ministerpräsident Koch nicht akzeptabel sei.
Die hessische SPD bekräftigte indes, ihre Parteichefin Andrea
Ypsilanti müsse neue Ministerpräsidentin werden. "Den
Führungsanspruch hat derjenige, der ihn realisieren kann", sagte
Generalsekretär Norbert Schmitt. "Die CDU hat anscheinend nicht
kapiert, dass Schluss ist mit Herrn Koch." Die SPD setze weiter auf
eine Ampelkoalition und hoffe dafür auf ein Einlenken der FDP.
Hessens FDP-Chef Jörg-Uwe Hahn wies dies erneut zurück. Das
von der SPD vorgelegte Eckpunktepapier für Gespräche sei das
Programm "einer linken Partei". Die SPD habe damit die Tür
für eine Zusammenarbeit mit den Liberalen zugeschlagen.
Die SPD hielt sich eine Zusammenarbeit mit der Linkspartei offen, was
Ypsilanti jedoch vor der Wahl ausdrücklich ausgeschlossen hatte.
Schmitt wies Kochs Forderung nach einer Festlegung in dieser Frage
zurück: "Das entscheiden wir zum gegebenen Zeitpunkt." Der
Landesvorstand werde sich am Dienstag damit beschäftigen:
"Natürlich wird diese Frage, die Frage der Fragen, dort auch
erörtert werden."
(Quelle: rtr)
Gerichte schaffen Kontrollen von Online-Durchsuchungen nicht
Fr.29.02.08 - Die Strafgerichte können nach Einschätzung des Richterbundes
derzeit nicht die vom Bundesverfassungsgericht geforderten strengen
Kontrollen von Online-Durchsuchungen leisten.
"Die Ermittlungsrichter sind schon heute teilweise bis an die
Schmerzgrenze belastet", sagte der Vorsitzende des Deutschen
Richterbundes, Christoph Frank, der "Neuen Osnabrücker Zeitung" vom
Donnerstag. "Es wäre illusorisch zu glauben, dass sie künftig
auch noch die riesigen Datenmengen sichten könnten, die bei
Online-Durchsuchungen in Deutschland anfallen würden."
Das Bundesverfassungsgericht hat das Ausspähen von privaten
Computern unter strengen Auflagen zugelassen. Voraussetzung sei, dass
ein Richter dies anordne und intime Daten geschützt blieben oder
sofort gelöscht würden, hieß es in dem Urteil von
Mittwoch. Das bedeutet, dass die kopierten Dateien im Nachhinein
ausgewertet werden müssen. "Wenn die Justiz das zusätzlich
leisten soll, muss die Politik sie dazu auch in die Lage versetzen",
verlangte Frank. Derzeit würden in Deutschland aber 4000 Richter
und Staatsanwälte fehlen. "Die Länder und der Bund
müssten daher schon kräftig in die Gerichte investieren",
sagte Frank.
(Quelle: rtr)
Grüne erwarten Stopp der Vorratsdatenspeicherung
Fr.29.02.08 - Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zu Online-Durchsuchungen
rechnet Grünen-Fraktionsvize Hans-Christian Ströbele damit,
dass die Karlsruher Richter die Vorratsdatenspeicherung zu Fall bringen.
Im Südwestrundfunk (SWR) sagte Ströbele am Donnerstag, die
gerade erst in Kraft getretene Novelle sei von den neuen Vorgaben des
Gerichts «Lichtjahre entfernt». Auf der Grundlage dieses
Gesetzes würden die Daten aller, «die irgendwie
Telekommunikation betreiben, gespeichert, und zwar ohne jeden
Verdacht», sagte Ströbele. Er könne sich nicht
vorstellen, dass die Verfassungsrichter das durchgehen ließen.
Seit Anfang des Jahres sind Telekommunikationsfirmen verpflichtet, die
Daten von Telefonverbindungen aller Bürger und ab 2009 auch die
Daten von Internetverbindungen sechs Monate lang zu speichern. Die Daten
können für die Strafverfolgung an Polizei und
Staatsanwaltschaft weitergegeben werden. Das Verfassungsgericht will im
März über den anhängigen Eilantrag zur
Vorratsdatenspeicherung entscheiden.
(Quelle: ddp)
Private Internet-Nutzung im Büro motiviert Mitarbeiter
Fr.29.02.08 - Viele Berufstätige nutzen den dienstlichen Internet-Anschluss
heimlich für private Zwecke. Im schlimmsten Fall kann dies zu einer
fristlosen Kündigung führen.
Anstatt die Mitarbeiter unter Druck zu setzen und sich über die
privaten Online-Ausflüge zu ärgern, kann der Arbeitgeber das
nicht-berufliche Surfen auch billigen. Klare Absprachen, die dem
Arbeitnehmer beispielsweise die nicht geschäftlich orientierte
Web-Nutzung während der Pausenzeiten gestatten, sorgen oft für
mehr Motivation und Zufriedenheit.
Sobald die Mitarbeiter das Internet nicht mehr heimlich etwa für
persönliche Recherchen oder den Austausch von E-Mails mit Freunden
verwenden müssen, sind sie weniger angespannt und häufig sogar
konzentrationsfähiger. Darüber hinaus kann sich das
Einführen von Zeitkontingenten bewähren. So können die
Angestellten etwa während einer festgelegten wöchentlichen
Zeitspanne eigenen Interessen im Web nachgehen.
Realistisch betrachtet hat jeder Arbeitnehmer während eines Tages
einige Tiefpunkte, in denen etwa Online-Ausflüge ins eigene
E-Mail-Postfach die Stimmung wieder heben. Zudem planen viele
Arbeitnehmer im Büro gern ihre Reisen, was ebenfalls für eine
Aufhellung des Gemüts und somit eine verbesserte Arbeitsleistung
nach dem privaten Surfen sorgen kann.
(Quelle: gp)
Deutschland
Mehr Ausgaben für außeruniversitäre Forschung
Fr.29.02.08 - Außeruniversitäre Forschungseinrichtungen haben für
Forschung und Entwicklung 2006 insgesamt 8,2 Milliarden Euro ausgegeben.
Das waren 3,7 Prozent mehr als im Jahr zuvor, wie das Statistische
Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mitteilte. Zu den
außeruniversitären Forschungseinrichtungen gehören neben
den Einrichtungen von Bund, Ländern und Gemeinden auch
öffentlich geförderte, private Einrichtungen ohne Erwerbszweck.
Auf private Forschungseinrichtungen, die von Bund und Ländern
gemeinsam gefördert werden, entfielen mit 6,1 Milliarden Euro 74,6
Prozent und damit nahezu drei Viertel der Forschungsausgaben dieses
Bereichs. Hier gaben die Helmholtz-Zentren 2,6 Milliarden Euro, die
Institute der Max-Planck-Gesellschaft 1,3 Milliarden Euro, die
Einrichtungen der Fraunhofer-Gesellschaft 1,2 Milliarden Euro und die
Einrichtungen der Leibniz-Gemeinschaft 0,9 Milliarden Euro aus. Auf die
Akademien der Wissenschaften entfielen 0,1 Milliarden Euro.
Die öffentlichen Forschungseinrichtungen von Bund, Ländern
und Gemeinden hatten mit 0,9 Milliarden Euro einen Anteil von 11,1
Prozent an den gesamten Ausgaben der außeruniversitären
Einrichtungen für Forschung und Entwicklung. Die sonstigen
öffentlich geförderten Forschungseinrichtungen,
einschließlich der wissenschaftlichen Bibliotheken und Museen,
gaben 2006 für Forschung und Entwicklung 1,2 Milliarden Euro (14,3
Prozent) aus.
Die Ausgaben der außeruniversitären Forschungseinrichtungen
machen den Angaben zufolge zusammen mit den Forschungsausgaben der
Hochschulen rund 30 Prozent der gesamten Ausgaben für Forschung und
Entwicklung in Deutschland aus. Gut 70 Prozent der
Forschungstätigkeiten finden im Unternehmenssektor statt.
In den drei Sektoren wurden 2006 zusammen 59 Milliarden Euro für
Forschung und Entwicklung ausgegeben. Dies entspricht - wie im Vorjahr -
einem Anteil von 2,5 Prozent am Bruttoinlandsprodukt (BIP). Die
EU-Mitglieder hatten sich im Rahmen der sogenannten Lissabon-Strategie
auf das Ziel verständigt, bis 2010 einen Anteil von drei Prozent am
BIP zu erreichen.
(Quelle: ddp)
Kreatives Arbeiten aktiviert bestimmte Hirnregion
Fr.29.02.08 - Wenn Jazzmusiker improvisieren, spiegelt sich das in ihrer
Hirnaktivität wider: Die für die Selbstzensur zuständige
Hirnregion, in der das eigene Handeln und dessen Folgen bedacht und
bewertet werden, wird abgeschaltet, während die für die
Darstellung der eigenen Persönlichkeit verantwortliche Region
dagegen eine besondere Aktivität entwickelt. Auf diese Weise werden
Hemmungen unterdrückt und der Kreativität freien Lauf
gelassen, haben Charles Limb und Allen Braun von der
Johns-Hopkins-Universität in Baltimore herausgefunden. Die
Wissenschaftler berichten über ihre Ergebnisse im Fachmagazin
«PLoS One» (Bd. 3, e1679).
Limb und Braun rekrutierten für das Forschungsprojekt sechs
Jazzpianisten, die sich bereit erklärten, in einem
Magnetresonanztomographen (MRT) zu musizieren. Mit Hilfe dieses
Geräts hielten die Forscher die Gehirnaktivität der Musiker
während normalen Spielens aus dem Gedächtnis und während
einer Improvisation fest. Sie wiesen dazu die Probanden an, vier
verschiedene Aufgaben zu erfüllen: Zuerst spielten alle zum Takt
eines Metronoms die C-Dur-Tonleiter. Danach improvisierten sie zum
gleichen Takt mit den Noten dieser Tonleiter. Im dritten Teil spielten
alle eine auswendig gelernte Blues-Melodie und zuletzt improvisierte
jeder ein eigenes Stück.
Die Wissenschaftler analysierten anschließend die vom MRT
aufgenommenen Bilder des Gehirns und betrachteten zunächst die
während des normalen Musizierens aktiven Gehirnregionen. Um der
Kreativität auf die Spur zu kommen, zogen sie diese dann von den
Aufnahmen des improvisierenden Gehirns ab. Auf diese Weise konnten Limb
und Braun die für das Improvisieren einzigartigen Gehirnregionen
isolieren: Bei allen Musikern war zu sehen, dass die Aktivität im
sogenannten dorsolateralen präfrontalen Cortex deutlich
zurückging. Dieses Areal ist für geplante Aktionen und
Selbstzensur verantwortlich und zum Beispiel während eines
Bewerbungsgesprächs sehr aktiv. Eine deutlich erhöhte
Aktivität zeigte hingegen der mediale präfrontale Cortex, in
dem Selbstdarstellung und individuelle Handlungen ihren Ursprung haben.
«Wir denken, dass man beim Improvisieren eine Geschichte
über sich selbst erzählt und alle hindernden Elemente
dafür ausschaltet», fasst Limb die Ergebnisse der
Untersuchung zusammen. Die gleichen Mechanismen könnten nicht nur
bei Jazzmusikern, sondern bei allen Menschen zu finden sein, meinen die
Forscher. Spontan neue Gedanken zu haben, beispielsweise aus dem
Stegreif ein Problem zu lösen, sei eine integrale Fähigkeit
des Menschen.
(Quelle: ddp)
Analytiker warnen vor ADHS-Medikamenten
Fr.29.02.08 - Das Sigmund-Freud-Institut warnt vor einem allzu sorglosen Umgang mit
Medikamenten gegen das sogenannte Zappelphilipp-Syndrom. Die Verordnung
von Ritalin oder ähnlichen Medikamenten gegen die
Aufmerksamkeits-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) habe
«dramatisch» zugenommen.
Das kritisierte Prof. Rolf Haubl, einer der Leiter des Frankfurter
Instituts am Mittwoch. Der Verbrauch von Mitteln wie Ritalin sei seit
1993 um das 36-fache gestiegen, berichtete Haubl unter Berufung auf eine
Statistik des Bundesinstituts für Arzneimittel und
Medizinprodukte, die der «Spiegel» veröffentlicht
hatte. 1993 seien 34 Kilogramm verbraucht worden, 2006 bereits 1221
Kilogramm.
Eltern, Lehrer und Ärzte machten es sich mit der Diagnose ADHS oft
zu leicht, befand Haubls Kollegin Prof. Marianne Leuzinger-Bohleber.
Wenn Kinder zappelig, unkonzentriert oder aggressiv seien, könne
das ganz verschiedene Ursachen haben. «Medikamente verdecken das
nur.»
Wer schwierige Kinder ausschließlich medikamentös behandle,
verpasse die Chance, «herauszufinden, woran es wirklich
liegt» und damit einen Weg zu finden, dem Kind dauerhaft zu
helfen. Eine Frankfurter Studie habe ergeben, dass psychosoziale und
psychoanalytische Angebote auch ohne Medikamente zu einem
«statistisch signifikanten Rückgang von Aggression,
Ängstlichkeit und Hyperaktivität» führen
könnten, vor allem bei Mädchen.
Von heute bis Sonntag findet in Frankfurt eine internationale Konferenz
über «Psychoanalytische Perspektiven zur Entwicklung von ADHS
und anderen Psychopathologien» statt. Dabei werden nach
Einschätzung der Veranstalter die verschiedenen Auffassungen
über den richtigen Umgang mit hyperaktiven Kindern
aufeinanderprallen. Die eine Schule sieht in der häufig gestellten
Diagnose ADHS eine angeborene Störung des
Neurotransmitter-Haushalts; die andere Seite hält die Krankheit
eher für eine Regulationsstörung, bei der Umwelteinflüsse
wie Gesellschaft, Eltern und Schule eine große Rolle spielen.
(Quelle: dpa)
Gigantische Meeresechse auf Spitzbergen entdeckt
Fr.29.02.08 - Norwegische Forscher haben eine der größten Meeresechsen
ausgegraben, die je in den Weltmeeren schwamm. Das fast 15 Meter lange
Tier zog vor 150 Millionen Jahren durch die nördlichen Meere. Das
Fossil auf Spitzbergen, das die Experten «Monster» tauften,
gehört zu den gewaltigsten Exemplaren der Pliosaurier, die einen
riesigen Schädel, imposante Zähne und vier Flossen hatten.
Pliosaurier erreichten normalerweise nur eine Länge von fünf
bis sechs Metern, bislang war als einer mit zehn bis elf Metern bekannt.
(Quelle: dpa)
Kostenlose Enzyklopädie des Lebens gestartet
Fr.29.02.08 - Ein neues kostenloses Internet-Angebot über die Lebewesen der Erde
ist jetzt online gegangen.
In der englischsprachigen "Encyclopedia of Life" werden über 30
000 Tier- und Pflanzenarten in Wort und Bild porträtiert. Der Start
war so fulminant, dass der Server gleich unter dem enormen
Besucheransturm zusammengebrochen ist.
Innerhalb der nächsten zehn Jahre soll das Projekt wachsen.
Ehrgeiziges Ziel: Die Datenbank soll in Zukunft Einträge zu 1,8
Millionen Arten enthalten. Demnächst sollen die Nutzer wie bei
Wikipedia selbst Beschreibungen der Spezies verfassen können (http://www.eol.org).
(Quelle: gp)