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Irak am 1439sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zahl der Zivilopfer steigt erstmals seit sechs Monaten. Iranischer
Präsident Ahmadinedschad sieht Dialog mit USA zur Lage im Irak als
Erfolg. Iran stellt Irak Milliardenkredit zur Verfügung.
US-Präsident Bush: 2008 kein weiterer Truppenrückzug aus dem
Irak. Nach Beendigung der türkischen Bodenoffensive im Nordirak:
Erdogan fordert PKK-Rebellen zum Aufgeben auf
So.02.03.08 - Zum ersten Mal seit sechs Monaten sind im Irak wieder mehr Zivilisten
gewaltsam ums Leben gekommen.
Im Februar starben der offiziellen Statistik zufolge 633 Zivilisten
eines gewaltsames Todes, über ein Drittel mehr als im Januar.
Grund seien mehrere schwere Bombenanschläge, die der
Terrororganisation Al-Kaida angelastet würden, teilte die
irakische Regierung am Samstag mit. Allein 99 Menschen wurden
getötet, als Anfang des Monats Selbstmordattentäterinnen ihre
Bomben auf zwei belebten Märkten in Bagdad zündeten. Bei
einem weiteren Selbstmordanschlag auf Pilger starben Ende des Monats 63
weitere Menschen.
Trotz des drastischen Anstiegs im Februar lag die Zahl der
getöteten Zivilisten deutlich unter der Vergleichszahl vom Februar
vor einem Jahr, als 1645 Zivilisten getötet wurden. Die
Militärs des Irak und der USA führen den Rückgang darauf
zurück, dass die neue, seit Juni verfolgte Strategie im Kampf
gegen Extremisten Erfolg hat. Im Juni wurden 30.000 zusätzliche
US-Soldaten im Irak stationiert. Zudem sind immer mehr von den USA
unterstützte Freiwilligen-Verbände im Einsatz. Seit Juni ist
die Zahl der Anschläge im Irak offiziellen Zahlen zufolge um 60
Prozent gesunken.
Die Gespräche zwischen Washington und Teheran über den Irak
haben nach Worten des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad
zu einer Verbesserung der Sicherheitslage in dem Land beigetragen.
«Die Gespräche haben sehr dabei geholfen, die Lage im Irak
zu stabilisieren», sagte Ahmadinedschad am Vorabend eines
Irak-Besuchs zu irakischen Journalisten in Teheran. Vertreter des Irans
und der USA haben seit Mai vergangenen Jahres in drei
Gesprächsrunden die Sicherheitslage im Irak erörtert.
Ahmadinedschad wies am Samstag zugleich Vorwürfe der USA
zurück, sein Land schüre die Unruhen im Irak. Der Iran habe
es nicht nötig, sich im Irak einzumischen, zitierte die iranische
Nachrichtenagentur IRNA den Präsidenten. Die Spannungen im Irak
seien die Folge der andauernden amerikanischen Besatzung. Die USA haben
dem Iran wiederholt vorgeworfen, schiitische Extremisten im Irak zu
unterstützen.
Der Iran stellte unterdessen dem Irak eine Milliarde Dollar (660
Millionen Euro) an Krediten für Infrastrukturprojekte bereit. Der
Kredit sei eines der Hauptthemen bei seinen Gesprächen mit
irakischen Regierungsvertretern in Bagdad gewesen, sagte der
stellvertretende Außenminister Ali Resa Scheich Attar der
Nachrichtenagentur IRNA am späten Freitagabend. Attars Besuch
bereitete die Reise Ahmadinedschads in den Irak vor. Der Kredit stehe
für Projekte bereit, die von iranischen Firmen mit iranischer
Ausrüstung ausgeführt würden, sagte Attar.
Der Besuch Ahmadinedschads wird als historisch betrachtet: Die beiden
Nachbarländer sind seit Jahrzehnten verfeindet und kämpften
noch vor zwanzig Jahren einen blutigen Krieg gegeneinander. Der
sogenannte erste Golfkrieg dauerte von 1980 bis 1988 und kostete
Schätzungen zufolge eine Million Menschen das Leben. Saddam
Hussein hatte den Krieg angezettelt, weil er die Kontrolle über
die Ölreserven im Südiran bekommen wollte. Seit dem Sturz
Husseins 2003 haben sich die Beziehungen der ehemaligen Erzfeinde
verbessert. Die Bevölkerung des Irans ist mehrheitlich
schiitischen Glaubens. Im Irak gibt es rund 60 Prozent Schiiten, die
unter dem Regime Husseins von der sunnitischen Minderheit
unterdrückt wurden.
US-Präsident George W. Bush hat es abgelehnt, einen weitergehenden
Rückzug der US-Truppen aus dem Irak noch in diesem Jahr in Aussicht
zu stellen. Trotz enormer Spekulationen könne er einen solchen
Schritt nicht versprechen, sagte Bush auf seiner Ranch im texanischen
Crawford vor Journalisten am Samstag. Prinzipiell müssten die
Generäle entscheiden, ob mehr Truppen als bislang geplant
abgezogen werden könnten, es sei jedoch unwahrscheinlich, dass
dies vor den Provinzwahlen im Irak im Oktober passieren könne,
sagte Bush.
Bei ihrem Vorschlag über einen weitere Truppenabzug sollten die
Generäle bedenken, dass die Wahlen so gut und sicher
durchgeführt werden sollten, dass die irakische Demokratie
gestärkt daraus hervorgeht, sagte Bush. Damit wird das Thema des
Abzugs der Soldaten aus dem Irak auch weiter eine große Rolle im
US-Wahlkampf spielen.
Nach dem Ende der einwöchigen türkischen Bodenoffensive im
Nordirak hat der türkische Regierungschef Recep Tayyip Erdogan die
Kämpfer der verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) zum Aufgeben
aufgerufen. "Mit Terror kann nichts erreicht werden. Gebt diesen
falschen Weg auf", sagte er in einer Fernsehansprache. Damit solle noch
"mehr Schmerz für Eure Mütter und Väter" verhindert
werden. Bei den Gefechten wurden nach Angaben des Generalstabs mehr als
240 PKK-Kämpfer und 27 türkische Soldaten getötet. Die
USA sagte der Türkei weitere Unterstützung im Kampf gegen die
PKK zu.
In seiner Fernsehansprache wies Erdogan zugleich den Kurden den Weg,
mit legalen Mitteln für ihre Belange zu kämpfen. "Unsere
Demokratie ist reif genug, alle Arten von Differenzen und alle Arten
politischer Meinungen aufzunehmen, so lange sie auf legaler Grundlage
stehen." Nach einem Ende der Gewalt könnten "Rechte und
Lösungen" vereinbart werden, betonte Erdogan.
Der türkische Ministerpräsident betonte zugleich, dass seine
Regierung Terrorismus weiter "mit Entschiedenheit" bekämpfen werde.
An das Nachbarland Irak gerichtet sagte Erdogan, beide Länder
dürften nicht zulassen, dass die PKK "unsere Beziehungen
vergiftet". Ankara und Bagdad müssten dieses Problem gemeinsam
bekämpfen, unterstrich Erdogan.
"Es ist klar, dass die Vereinigten Staaten, die Türkei und der
Irak zusammen die PKK weiterhin als terroristische Organisation sehen,
mit der umgegangen werden muss", sagte ein Sprecher des Weißen
Hauses in Washington. Die USA hatten den NATO-Verbündeten
Türkei mehrfach aufgefordert, die Offensive so kurz wie
möglich zu halten.
Die Truppen waren am Freitagmorgen in ihre Heimatstützpunkte
zurückgekehrt, wie der türkische Generalstab in Ankara
mitteilte. Den PKK-Kämpfern sei gezeigt worden, "dass der Nordirak
für sie keine sichere Region ist". Die "Ziele des Einsatzes" seien
erreicht worden, teilte der türkische Generalstab weiter mit.
Zugleich kündigte er an, die Armee werde die "terroristischen
Aktivitäten" im Norden des Nachbarlandes auch künftig genau
beobachten.
Nach Berichten türkischer Medien waren zeitweise bis zu 10.000
Soldaten in den Nordirak einmarschiert. Ankara wirft der autonomen
Kurdenregierung im Nordirak vor, nicht entschieden genug gegen die
PKK-Rebellen vorzugehen. Die Türkei vermutet rund 4000
PKK-Kämpfer im Nachbarland.
boa (Quellen: rtr, ap, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 02.03.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am neunhundertsechsundsiebzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Nahost-Konflikt: 58 Tote bei israelischem Armeeeinsatz im Gazastreifen --
Israel reagiert mit dem Einsatz auf anhaltenden Raketenbeschuss durch
radikale Palästinenser aus dem Gazastreifen
So.02.03.08 - Beim härtesten Vorgehen der israelischen Armee im Gazastreifen
seit ihrem Abzug im Sommer 2005 sind 58 Menschen getötet worden.
Nach Angaben von Rettungskräften wurden bei
Militäreinsätzen mindestens 150 Menschen verletzt.
Augenzeugen zufolge kamen die meisten Menschen bei Luftangriffen auf
das Flüchtlingslager Dschabalija ums Leben. Zudem rückten die
Streitkräfte mit Bodentruppen und Panzern in den Norden des
Gazastreifens vor. Israel reagierte mit dem Einsatz auf den anhaltenden
Raketenbeschuss durch radikale Palästinenser. Der
palästinensische Chefunterhändler Sajeb Erekat sieht den
Nahostfriedensprozess am Ende.
Unter den mindestens 49 palästinensischen Opfern waren zahlreiche
Zivilisten. Außerdem seien mindestens 16 Angehörige
radikaler Palästinenserorganisationen getötet worden, die
Mehrzahl von ihnen Mitglieder der Hamas, die den Gazastreifen
kontrolliert. Nach Angaben der israelischen Armee starben auch zwei
ihrer Soldaten. Auslöser der jüngsten Armeeoffensive war der
Tod eines israelischen Studenten durch einen palästinensischen
Raketenangriff auf den Süden Israels am Mittwoch.
Israels Vizeverteidigungsminister Matan Vilnai wies im Armeerundfunk
Berichte zurück, dass es sich bei dem Einsatz um die
großangelegte Bodenoffensive handele, mit der israelische
Politiker mehrfach gedroht hatten. Die Aktion sei lediglich ein
"erweiterter Einsatz". Die israelische Armee sei im Gazastreifen
"ständig" präsent.
Erakat sieht angesichts der Gewalt den Friedensprozess am Ende: "Die
Verhandlungen wurden begraben unter den Häusern, die in Gaza
zerstört wurden", sagte der palästinensische
Chefunterhändler. "Durch die Aggressionen und Verbrechen, die
begangen wurden, ist der Friedensprozess zerstört worden."
Der im syrischen Exil lebende Hamas-Chef Chaled Meschaal beschuldigte
Israel, den Holocaust "als Ausrede" zu benutzen, "um zu machen, was es
will". Das Land betreibe selbst einen "regelrechten Holocaust" gegen
die Palästinenser. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas
warf er vor, diesen zu "decken, freiwillig oder unfreiwillig". Abbas
selbst hatte zuvor ebenfalls gesagt, die Offensive sei "mehr als ein
Holocaust". Er forderte eine Dringlichkeitssitzung des
UN-Sicherheitsrats.
Jordanien verurteilte das Vorgehen Israels scharf und forderte ein
sofortiges Ende der Angriffe. Ungeachtet der Offensive feuerten
radikale Palästinenser erneut mehr als 50 Raketen auf
Südisrael ab, wie der israelische Militärrundfunk berichtete.
In der Stadt Aschkalon im Süden des Landes seien drei Zivilisten
verletzt worden, darunter zwei Kinder.
(Quelle: afp)
Nummer zwei der FARC-Rebellen in Kolumbien getötet
So.02.03.08 - Die kolumbianischen Streitkräfte haben den Vizechef der
marxistischen Guerillagruppe FARC getötet. Raul Reyes, der auch
als Sprecher der Rebellen agierte, wurde bei einem Gefecht mit Soldaten
im ecuadorianischen Grenzgebiet nahe der kolumbianischen Provinz
Putumayo getötet, wie Verteidigungsminister Juan Manuel Santos vor
Journalisten in Bogota am Samstag erklärte. Der Anführer und
16 weitere Rebellen seien bei den Kämpfen getötet worden.
Auch ein Soldat kam ums Leben.
«Das ist der stärkste Schlag, den wir der Terrorgruppe
bislang verpasst haben», sagte Santos. Reyes war nach
Regierungsangaben die Nummer zwei in der Hierarchie der FARC. Er
verfasste die Erklärungen der Gruppe, traf sich mehrfach mit
Journalisten und galt als aussichtsreicher Nachfolger für die
Führung der FARC (Revolutionären Streitkräfte
Kolumbiens), denen bislang Manuel Marulanda vorsteht. Mit
bürgerlichem Namen hieß der 59-jährige Reyes Luis Edgar
Devia Silva.
Als ein Reporter der Nachrichtenagentur AP Reyes 2001 nach dem Ziel der
FARC bei den damaligen Friedensgesprächen mit der Regierung
fragte, dachte er eine Sekunde nach und sagte dann: «Die FARC hat
das Ziel, die Macht in Kolumbien zu übernehmen, nie aufgegeben und
wird das auch nie tun.»
Für Präsident Alvaro Uribe, der den Kampf gegen die FARC bei
seinem Amtsantritt 2002 als eine seiner Prioritäten bezeichnet
hatte, ist die Tötung von Reyes ein großer Erfolg. Das
US-Außenministerium hatte für Informationen, die zur
Ergreifung von Reyes und von sechs weiteren Rebellen führen, eine
Belohnung von fünf Millionen Dollar (3,3 Millionen Euro)
ausgesetzt. Die USA unterstützen Kolumbien mit Milliarden Dollar
im Kampf gegen die FARC, die auch in Drogengeschäfte verwickelt
ist.
Die FARC ist die größte kolumbianische Rebellengruppe. Sie
sollen insgesamt mehr als 700 Menschen in ihrer Gewalt haben, entweder
um Lösegeld zu erpressen oder aus politischen Gründen.
Zuletzt wurden sechs Geiseln unter der Vermittlung des venezolanischen
Präsidenten Hugo Chávez freigelassen.
Die bekannteste Geisel der Gruppierung ist die franko-kolumbianische
Politikerin Ingrid Betancourt, die während ihres
Präsidentschaftswahlkampfes 2002 von der FARC verschleppt wurde.
Nach Angaben der inzwischen freigelassenen Geiseln soll es Betancourt
gesundheitlich sehr schlecht gehen. Es schien zunächst
möglich, dass weitere Geiselbefreiungen durch den Schlag gegen
Reyes schwierig würden. Der französische Staatspräsident
Nicolas Sarkozy bekräftigte am Samstag jedoch seine Forderung,
Betancourt unverzüglich freizulassen.
(Quelle: ap)
Anhaltende Massenproteste nach der Präsidentenwahl -
Notstand in Armenien verhängt
So.02.03.08 - Der armenische Präsident Robert Kotscharjan hat am Samstagabend
wegen anhaltender Massenproteste nach der Präsidentenwahl den
Ausnahmezustand über das Land verhängt. Die Maßnahme
gilt zunächst 20 Tage, wie das Büro des Präsidenten
mitteilte.
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Zuvor war die Polizei in der Hauptstadt Eriwan mit Tränengas und
Warnschüssen gegen 15.000 Demonstranten vorgegangen. Seit der Wahl
vom 19. Februar protestierten täglich Tausende gegen das Ergebnis,
das sie als gefälscht betrachteten. Bei den
Zusammenstößen am Samstag wurden nach Berichten von
Augenzeugen mehrere Menschen verletzt.
Laut amtlichem Ergebnis gewann der bisherige Regierungschef und
Kotscharjan-Vertraute Serge Sarkisjan die Wahl mit fast 53 Prozent, der
frühere Präsident und Oppositionspolitiker Lewon
Ter-Petrosjan kam auf 21,5 Prozent. Der unterlegene Kandidat hat
geltend gemacht, die Behörden hätten Wahlzettel
gefälscht, Stimmen gekauft und seine Anhänger
eingeschüchtert. Die Organisation für Sicherheit und
Zusammenarbeit in Europa (OSZE) hat bei der Wahl
Unregelmäßigkeiten festgestellt, sprach aber insgesamt von
einer gelungenen Abstimmung.
Schon nach der Wiederwahl des scheidenden Präsidenten Kotscharjan
im Jahr 2003 hatte es in Eriwan wochenlange Proteste gegeben.
(Quelle: ap)
Indische Regierung will Kleinbauern alle Schulden erlassen
So.02.03.08 - Die indische Regierung will den Kleinbauern des Landes mit einem 15
Milliarden Dollar (knapp 10 Milliarden Euro) umfassenden Hilfspaket
für den Agrarsektor alle Schulden erlassen. Davon würden rund
30 Millionen Kleinbauern mit bis zu zwei Hektar Land profitieren.
Das sagte Finanzminister Palaniappan Chidambaram am Freitag in Neu
Delhi bei der Vorlage des Haushalts für das am 1. April beginnende
Finanzjahr 2008/2009. Etwa 10 Millionen weitere Bauern, die mehr als
zwei Hektar Ackerland besäßen, würden ihre Schulden
durch das Hilfspaket um ein Viertel ermäßigt bekommen.
Selbstmorde von Kleinbauern, die sich aus eigener Kraft nicht mehr aus
der Schuldenfalle befreien konnten, sind ein seit Jahren verbreitetes
Phänomen in Indien und machen immer wieder Schlagzeilen. Die von
der Kongresspartei geführte Regierung war 2004 angetreten, die Not
der Bauern zu lindern. Im kommenden Jahr wird in Indien eine neue
Regierung gewählt. Die Dutzenden Millionen Bauern sind eine
wichtige Wählerschicht.
Nach Angaben Chidambarams sagt das indische Statistikamt für das
am 31. März endende Finanzjahr ein Wirtschaftswachstum von 8,7
Prozent voraus. Der Finanzminister betonte, er sei aber zuversichtlich,
dass der Durchschnittswert der drei Jahre zuvor von 8,8 Prozent erreicht
werde. Im Finanzjahr 2006/2007 hatte das Wachstum bei 9,6 Prozent
gelegen. Enttäuschend nannte der Minister das Wachstum im
Agrarsektor, das im auslaufenden Finanzjahr auf nur 2,6 Prozent
geschätzt werde.
Chidambaram sagte, die staatlichen Ausgaben im Bildungsbereich sollten
um 20 Prozent und die im Gesundheitssektor um 15 Prozent erhöht
werden. Im Verteidigungsbereich plant die südasiatische Atommacht
eine Erhöhung um zehn Prozent. Der von der Regierung der
aufstrebenden Wirtschaftsmacht für 2008/2009 eingebrachte
Gesamthaushalt umfasst 61,08 Milliarden Dollar (40,38 Milliarden Euro),
ein Plus von rund 18,67 Prozent.
(Quelle: dpa)
Jeder 100. US-Amerikaner sitzt im Gefängnis
So.02.03.08 - Erstmals in der Geschichte der USA befinden sich ein Prozent der
erwachsenen Bevölkerung im Gefängnis. Zu Beginn des Jahres
saßen rund 2,32 Millionen Menschen in den USA in Haft, berichtete
das unabhängige Wissenschaftsinstitut PEW (http://www.pewcenteronthestates.org)
in Washington.
Im vergangenen Jahr stieg demnach die Gesamtzahl aller US-Gefangenen um
rund 25 000. Dem Bericht zufolge haben die USA weltweit den
höchsten Anteil von Gefangenen an der Gesamtbevölkerung.
Jeder neunte schwarze Amerikaner im Alter zwischen 20 und 34 Jahren sei
im Gefängnis, verweist die PEW-Studie auf jüngste Angaben des
US-Justizministeriums. Bei weißen US-Bürgern dieser
Altersgruppe befinde sich nur einer von 30 in Haft. Derzeit seien 13 mal
so viele Männer im Gefängnis wie Frauen. Deren Zahl steige
aber stetig.
Die Kosten für die 50 US-Bundesstaaten zum Unterhalt der Haft- und
Justizvollzugsanstalten belaufen sich auf 49 Milliarden Dollar (32
Milliarden Euro) jährlich, heißt es in der Studie. Vor 20
Jahren hätten die Kosten nur 11 Milliarden Dollar betragen. Damit
seien die Haftkosten sechsmal so stark gestiegen wie die Ausgaben
für Bildung.
Die Rückfallquote von entlassenen Strafgefangenen ist der Studie
nach in den vergangenen Jahrzehnten etwa gleichgeblieben. Etwa jeder
zweite Gefangene werde binnen drei Jahren nach seiner Entlassung wieder
straffällig. Die ständig wachsende Zahl von
Gefängnisinsassen belaste die ohnehin finanziell gebeutelten
US-Bundesstaaten und beschränke ihre Möglichkeiten im Kampf
gegen die Kriminalität.
«Trotz der vielen Gelder für den Strafvollzug gibt es keine
überzeugende Ergebnisse für die öffentliche
Sicherheit», schreibt der PEW-Direktor Adam Gelb. Deshalb
überlegten mehr und mehr Staaten, alternative - und vor allem
billigere - Strafmaßnahmen gegen Personen zu verhängen, die
keine schweren Straftaten verübt haben. Viele
Gefängnisinsassen seien heute wegen relativ harmloser Straftaten
oder wegen der Verstöße gegen ihre Bewährungsauflagen
wieder im Gefängnis.
(Quelle: dpa)
Airbus gewinnt Milliardenauftrag für Tankflugzeuge in USA
So.02.03.08 - Der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern EADS hat zusammen mit
einem amerikanischen Partner einen 35 Milliarden Dollar (23 Milliarden
Euro) schweren Auftrag zum Bau von 179 Tankflugzeugen für die
US-Streitkräfte gewonnen. Das teilte die US-Luftwaffe am Freitag in
Washington mit. EADS hatte sich zusammen mit dem in Los Angeles
ansässigen Konzern Northrop Grumman um den Auftrag beworben.
Damit ist dem Mutterkonzern des Flugzeugbauers Airbus offenbar ein
entscheidender Schlag im Kampf mit dem Wettbewerber Boeing gelungen -
noch dazu auf dessen amerikanischen Heimatmarkt. Seit rund 50 Jahren
lieferte Boeing die Tankflugzeuge der US-Luftwaffe, die andere Flugzeuge
in der Luft betanken können.
Das in Los Angeles ansässige Unternehmen Northrop Grumman stand
zusammen mit EADS im Wettbewerb um den Zuschlag für das
Geschäft, das auf eine Sicht von 10 bis 15 Jahren bis zu 40
Milliarden Dollar (26 Milliarden Euro) wert sein soll. Es ist die erste
von drei Auftragstranchen, die über die nächsten 30 Jahre
vergeben werden sollen, um alle rund 600 Tankflugzeuge der US-Luftwaffe
zu ersetzen. Analysten gaben dem Unternehmen gute Chancen, damit auch
die Folgeaufträge zu sichern.
EADS hatte bereits Mitte Januar erklärt, dass der Konzern im Fall
eines positiven Zuschlags eine Flugzeugfabrik in den USA bauen wollte.
Auch einen Standort im US-Staat Alabama hat sich die EADS-Führung
schon ausgeguckt. Die Fabrik in der Stadt Mobile wäre die erste
Flugzeugfabrik seit mehr als 40 Jahren, die in den USA neu errichtet
wird. Dort sollen rund 2.000 Arbeitsplätze neu entstehen.
«Diese beträchtliche Investition würde EADS und Airbus
effektiv zu einem zweiten US-basierten Hersteller und Exporteur
großer kommerzieller Flugzeuge machen», sagte Airbus-Chef
Thomas Enders im Januar.
Eine Fabrikation in den USA scheint für den Konzern aus zwei
Gründen nötig zu sein: Zum einen kann damit das
Wechselkursrisiko ausgeschaltet werden. Zum anderen ist die
US-Fabrikation ein politisches Argument, dabei geht es sowohl um
Arbeitsplätze als auch um Bedenken der US-Streitkräfte,
schließlich handelt es sich um strategisch wichtiges
militärisches Gerät. Boeing galt lange Zeit als Favorit, nicht
zuletzt weil der Konzern starke Lobbyarbeit in Washington betrieben
hatte.
EADS bemühte sich zuletzt intensiv darum, das
Rüstungsgeschäft weiter auszubauen, um neben dem zivilen
Geschäft mit den Airbus-Flugzeugen ein weiteres starkes Standbein
aufzubauen. Die USA sind der größte Rüstungsmarkt,
deswegen wurde der Auftrag für die Tankflugzeuge als entscheidend
für die Konzernstrategie betrachtet.
(Quelle: ap)
Deutschland
Schwere Kritik an SPD-Chef Beck wegen Verhalten im Linkspartei-Streit
So.02.03.08 - Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) hat seine Kritik am
Verhalten von SPD-Chef Kurt Beck im Umgang mit der Linkspartei erneuert.
"Eine solche Entwicklung" müsse "intern besser kommuniziert und
vorbereitet werden", sagte Steinbrück der "Frankfurter Rundschau".
Der SPD-Vize hatte die Entscheidung für eine vorsichtige
Öffnung zur Linkspartei am vergangenen Montag in den
Spitzengremien mitgetragen. Er bekräftigte jedoch, dass er es im
konkreten Fall "aus Bundessicht und nach den prominenten Bekundungen
vor der Landtagswahl für falsch" halte, "sich in Hessen von der
Linkspartei auch nur dulden zu lassen".
Das Hamburger Nachrichtenmagazin "Spiegel" berichtete vorab,
Steinbrück, der brandenburgische Ministerpräsident Matthias
Platzeck und der ehemalige Parteivorsitzende Franz Müntefering
wollten SPD-Vize und Außenminister Frank-Walter Steinmeier als
nächsten Kanzlerkandidaten durchsetzen. Ihrer Ansicht nach habe
Beck seinen Anspruch auf die Kanzlerkandidatur verwirkt, weil er der
Zusammenarbeit mit der Linkspartei das Tor geöffnet habe,
berichtete das Magazin.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bekräftigte im "Spiegel" ihren
"Wortbruch"-Vorwurf an Beck. Dass Beck seine "Haltung in einem so
entscheidenden Punkt nach der Hessen-Wahl geändert hat, war schon
bemerkenswert und bedeutet für die SPD eine sehr schwierige Lage",
betonte die CDU-Chefin.
Unterdessen wird in der SPD eine Mitgliederbefragung erwogen, um die
grundsätzliche Haltung zur Linkspartei zu klären. Die
SPD-Vorsitzende des baden-württembergischen Alb-Donau-Kreises,
Heidi Ankner, sagte der "Bild"-Zeitung, sie werde beim Bundesvorstand
den Vorschlag zu einer solchen Befragung einreichen. Der frühere
Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) warnte indes die SPD
vor einer Annäherung an die Linkspartei. Die "PDS-gesteuerte
Kaderpartei" könne für Sozialdemokraten kein Partner sein.
Die SPD sei nur regierungsfähig, "wenn sie zur politischen Mitte
hin offen ist". Das hätten bereits die Kanzler Willy Brandt, Helmut
Schmidt und Gerhard Schröder deutlich gemacht, sagte Clement.
Die stellvertretende SPD-Chefin von Niedersachsen, Swantje Hartmann,
sagte der "Bild"-Zeitung, der Parteirat müsse am Montag
diskutieren, ob "eine Mitgliederbefragung, ein Bundesparteitag oder
Landesparteitage das richtige Instrumentarium" sind, um eine Position
der SPD gegenüber der Linkspartei zu finden.
(Quelle: afp)
Union streitet über künftige Bündnisse mit den
Grünen
So.02.03.08 - Eineinhalb Jahre vor der nächsten Bundestagswahl streitet die
Union immer vehementer über ihr Verhältnis zu den Grünen.
Führende Politiker von CDU und CSU betonten am Samstag, das sich
abzeichnende schwarz-grüne Bündnis in Hamburg könne als
Testlauf für die Bundestagswahl 2009 dienen. Kanzlerin Angela
Merkel nannte die Unterschiede zwischen beiden Parteien jedoch zu
groß als dass von einem bundesweiten Zukunftsmodell die Rede sein
könne. Die CDU-Chefin bekräftigte, die meisten
Überschneidungen sehe sie mit der FDP.
Demokratische Parteien müssten untereinander koalitionsfähig
sein, sagte Innenminister Wolfgang Schäuble der "Bild am Sonntag".
Wenn Schwarz-Gelb keine Mehrheit mehr habe, "muss man sich eben nach
anderen Koalitionen umschauen". Der Parlamentarische
Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe, Hartmut Koschyk, sagte
dem Magazin "Focus": "Wenn es einen Feldversuch geben kann, ist nichts
so gut geeignet wie Hamburg." Niemand könne eine Jamaika-Koalition
von Union, FDP und Grünen nach der Bundestagswahl
ausschließen. Der Chef der Jungen Union, Philipp Missfelder,
sagte dem Magazin, gerade bei modernen Konservativen gebe es eine
Präferenz für eine Kooperation mit den Grünen, weil
niemand über 2009 hinaus die Zusammenarbeit mit der SPD wolle.
Auch CDU-Präsidiumsmitglied Hildegard Müller kann sich nach
eigenen Worten einen Testlauf auf Landesebene vorstellen. Der
"Markenkern" der Union dürfe dabei aber nicht leiden.
Merkel sagte dagegen in Berlin, in der Außenpolitik wie auch in
der Wirtschafts- und Umweltpolitik seien die Positionen von Union und
Grünen "sehr unterschiedlich". Aus ihrer Sicht gebe es die
größten Gemeinsamkeiten mit der FDP. In Hamburg seien die
Beratungen zwischen CDU und Grünen aber gerechtfertigt, um eine
stabile und erfolgreiche Regierung zu bilden. CSU-Landesgruppenchef
Peter Ramsauer warnte im "Focus" vor voreiligen Schlüssen aus der
Hamburger Situation: "Das ist ein lokales politisches Experiment, eine
hanseatische Absonderlichkeit ohne jede Signalwirkung für den
Bund."
Grünen-Fraktionschefin Renate Künast zeigte sich offen
gegenüber schwarz-grünen Bündnissen in den Ländern.
"Wir sind nicht mehr auf Rot-Grün fixiert schon deshalb, weil es
rein rechnerisch nicht mehr reicht", sagte sie der "Wirtschaftswoche".
Die Grünen brauchten künftig mehrere Optionen. Im Bund
bezeichnete sie ein Bündnis mit der Union 2009 als
unwahrscheinlich, schloss es aber auch nicht aus. Fraktionsvize
Jürgen Trittin sagte, die Grünen ständen SPD und
Linkspartei näher als der CDU. Als Beispiele führte er den
Atomausstieg, die Kohlekraftwerke sowie die Felder Mindestlohn und
Integration an.
FDP-Chef Guido Westerwelle gerät derweil zunehmend unter Druck,
sich anderen Koalitionsoptionen - etwa einer Jamaika-Variante mit CDU
und Grünen - zu öffnen. Der "Spiegel" zitiert Parteivize
Andreas Pinkwart mit den Worten, die Liberalen sollten in
künftigen Wahlkämpfen zwar Präferenzen für
Schwarz-Gelb benennen, Bündnisse mit anderen Parteien dürften
aber nicht strikt ausgeschlossen werden. Vizechef Rainer Brüderle
sagte: "In einem Fünf-Parteien-System müssen wir beweglicher
werden und uns auf auf neue Konstellationen einstellen."
(Quelle: rtr)
Die Grauen beschließen Parteiauflösung
So.02.03.08 - Die Seniorenpartei Die Grauen hat den Weg für eine
Selbstauflösung frei gemacht. Ein Sonderparteitag votierte am
Samstag in Wuppertal mit großer Mehrheit für das Ende der
Partei. 42 Delegierten stimmten nach Angaben von Teilnehmern
dafür, 12 Delegierte lehnten die Auflösung ab. Die Mitglieder
können diesen Beschluss allerdings noch bis Mitte März in
einer Urabstimmung zurücknehmen. Unterdessen kündigte
Ex-Grauen-Bundeschef Norbert Raeder die Gründung einer neuen
Seniorenpartei an.
Als Grund für die Auflösung der Seniorenpartei gibt der
amtierende Bundesvorstand Zahlungsunfähigkeit an. Wegen Verdachts
auf Spendenbetrug fordert die Bundestagsverwaltung 8,5 Millionen Euro
zurück, die aufgrund des Parteienfinanzierungsgesetzes in den
letzten Jahren an die Grauen geflossen sind. Die 1989 von der
ehemaligen Bundestagsabgeordneten Trude Unruh gegründete Partei
hat noch rund 3500 Mitglieder.
Auch nach dem Auflösungsbeschluss fordert die Bundestagsverwaltung
weiter die Millionengelder zurück. «Sollte sich die Partei
auflösen, wird zunächst eine Art Schlussrechnung gemacht - es
werden also die Aktiva und die Passiva gegenübergestellt - und
daraus werden die Rückzahlungsforderungen der Bundestagsverwaltung
befriedigt», sagte eine Bundestagssprecherin. Dabei sei zu
berücksichtigen, dass die Staatsanwaltschaft bereits rund 1,3
Millionen Euro bei den Grauen beschlagnahmt habe.
Die Staatsanwaltschaft Wuppertal ermittelt seit Monaten gegen mehrere
Mitglieder der Grauen. «Das Verfahren gegen die Grauen Panther
wächst noch», sagte Oberstaatsanwalt Wolf Baumert der
«Frankfurter Rundschau» (Samstagausgabe). Inzwischen werde
gegen fünf Personen ermittelt. Auslöser war ein
Ermittlungsverfahren gegen ein Mitglied des früheren
Bundesvorstands der Partei. Der Mann soll Spendenzahlungen erfunden und
so Zuschüsse des Bundes in Millionenhöhe erschlichen haben.
Unterdessen kündigte der frühere Bundesvorsitzende der
Grauen, Norbert Raeder, die Formierung einer neuen Altenpartei an. Man
werde noch an diesem Wochenende eine Partei «Die Grauen -
Generationspartei» gründen, sagte der Vorsitzende des
Berliner Landesverbandes der Grauen. Vier Grauen-Landesverbände
hätten zugesagt, sich der neuen Partei anzuschließen. Raeder
hatte erst im Oktober 2007 den Vorsitz von Parteigründerin Unruh
übernommen und war Ende Januar von seinem Amt zurückgetreten.
(Quelle: ddp)
Kanzlerin Merkel erwartet von Ländern Änderungen beim
Turbo-Abitur
So.02.03.08 - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erwartet von den Bundesländern
Änderungen beim umstrittenen Turbo-Abitur. Die Verkürzung der
Schulzeit bis zum Abitur von 13 auf 12 Jahre sei grundsätzlich
richtig gewesen.
Das sagte die Kanzlerin am Samstag bei einem Kongress des Ringes
Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS). Falsch sei es aber, es beim
gleichen Unterrichtsvolumen und auch bei den Lehrinhalten zu belassen,
ohne auf die kürzere Gymnasialzeit einzugehen, sagte Merkel. Sie
finde es richtig, dass jetzt über diese Frage eingehend diskutiert
werde.
Dabei hoffe sie, dass bis zu ihrem Spitzengespräch mit den
Länder-Regierungschefs über die Bildungspolitik im Herbst
bereits die Grundlagen für ein bundesweit akzeptiertes Schulsystem
gelegt worden seien, sagte Merkel. Die Kanzlerin will Ende Oktober mit
den Ministerpräsidenten über eine nationale
Qualifizierungsinitiative, den zunehmenden Fachkräftemangel vor
allem bei Ingenieuren und Naturwissenschaftlern und über weitere
Verbesserungen bei der Bildung verhandeln.
Das Nachrichtenmagazin «Focus» berichtet indes unter
Berufung auf einen Entwurf der Präsidentin der
Kultusministerkonferenz (KMK), Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), dass
es nicht zu einer Reduzierung der Stundenzahl im Gymnasium kommen
werde. Die KMK empfiehlt «Focus» zufolge den Ländern
Erleichterungen für Schüler durch weniger Hausaufgaben und
den Umbau der Gymnasien zu Ganztagsschulen. Die KMK tagt am kommenden
Donnerstag in Berlin.
Die Bundeskanzlerin plädierte erneut für ein bundesweites,
vergleichbares Zentralabitur. Gleiche Aufgaben, etwa in Mathematik,
bedeuteten «nicht das Ende des Kulturföderalismus».
Ein bundeseinheitliches Abitur ist auf Länderseite auch innerhalb
der Union umstritten.
Merkel bekannte sich zur Einführung der neuen Bachelor- und
Masterabschlüsse an deutschen Hochschulen. Nicht nachvollziehen
könne sie die Distanz vieler Juristen zum Bachelor. Ein
Jura-Studium, in dem man immer noch kaum eine Prüfung machen
könne, ohne nebenher einen Repetitor aufzusuchen, halte sie
für «nicht zukunftsfähig», sagte Merkel zu den
Studenten. Union und SPD hatten in ihrem Koalitionsvertrag
ausdrücklich festgelegt, dass beim Jura-Studium an der
Studienstruktur nicht gerüttelt werden soll.
Zurückhaltend äußerte sich die Kanzlerin zur Forderung
des RCDS, die Bildungsinvestitionen bis 2015 zu verdoppeln und die
Ausgaben für Forschung und Entwicklung auf fünf Prozent des
Brutto-Inlandsproduktes zu erhöhen. «Lassen Sie uns erst
einmal das anspruchsvolle Ziel drei Prozent schaffen», sagte die
Kanzlerin mit Blick auf die Lissabon-Erklärung der
EU-Regierungschefs. Darin wird das Ziel gesetzt, Europa bis 2010 zu
forschungsstärksten Region der Welt zu machen.
Neuer RCDS-Vorsitzende wurde der Berliner Volkswirtschafts-Doktorand
Gottfried Ludewig (25). Er folgt Matthias Kutsch (Heidelberg). Vize
wurde Steffen Liebendörfer (Halle), Schatzmeister Konstantin Zell
(Ulm).
(Quelle: dpa)
Grüne werfen Bundesregierung Behinderung von
EU-Klimaschutzplänen vor - - Künast: Berlin muss 'vom Bremser
wieder zum Treiber' werden
So.02.03.08 - Die Grünen haben der Bundesregierung eine Behinderung der
ehrgeizigen EU-Klimaschutzpläne vorgeworfen. Die Große
Koalition «verhindert in Brüssel eine effektive
Klimaschutzpolitik», erklärten die Grünen-Fraktionschefs
aus Europaparlament, Bundestag und Landtagen am Freitag nach einer
gemeinsamen Sitzung in der EU-Hauptstadt. Zur Begründung verwiesen
sie auf die Kritik der Bundesregierung an den geplanten CO2-Grenzwerten
für Autos und weitere Streitpunkte mit der EU-Kommission.
Die vor einem Jahr unter Federführung von Bundeskanzlerin Angela
Merkel beschlossenen EU-Klimaschutzziele entpuppten sich «mehr und
mehr als Lippenbekenntnis», heißt es in der Erklärung.
«Von der 'Klima-Kanzlerin' Merkel ist nicht viel übrig
geblieben. Stattdessen lernten wir die 'Auto-Kanzlerin' kennen.»
Merkel hat die von der EU-Kommission vorgeschlagenen CO2-Grenzwerte
für Autos kritisiert, weil sie darin eine einseitige Belastung
großer Fahrzeuge sieht. Nach dem Kommissionsvorschlag
müssten die deutschen Premium-Hersteller Daimler und BMW die
Emissionen ihrer Neufahrzeuge bis 2012 um rund ein Viertel reduzieren,
der französische Hersteller Peugeot dagegen nur um ein Zehntel.
Die Grünen kritisierten zudem, dass die Bundesregierung bei der
geplanten Verschärfung des Emissionshandels ab 2013 Ausnahmen
für energieintensive Branchen fordert. «Beim
Zertifikatehandel muss auch die energieintensive Industrie ihren Beitrag
leisten», heißt es in dem Positionspapier. Die grüne
Bundestagsfraktionsvorsitzende Renate Künast erklärte:
«Wir verlangen, dass die Bundesregierung vom Bremser wieder zum
Treiber wird.»
(Quelle: ap)
Sachverständigenrat senkt Prognose für 2008 -
Wirtschaftsweise rechnen nur noch mit 1,9 Prozent Wachstum - Deutlich
gestiegene Konjunkturrisiken
So.02.03.08 - Der Wirtschafts-Sachverständigenrat der Bundesregierung senkt
seine Wachstumsprognose für 2008 von 1,9 auf 1,7 Prozent. Grund sei
das vierte Quartal 2007, das schwächer als erwartet verlief, sagte
das Sachverständigenrats-Mitglied Peter Bofinger laut
«Rheinischer Post». Bofinger verwies auf «deutlich
gestiegene Konjunkturrisiken» vor allem aufgrund des starken Euro:
«Die Rendite von BMW sinkt von 25 auf 10 Prozent, wenn der Dollar
wie jetzt rund 1,50 Euro statt 1,30 Euro kostet.»
Zur Vermeidung einer weltweiten Konjunkturflaute forderte der
Wirtschaftsweise «eine internationale Kooperation der Länder
mit hohen Leistungsbilanzüberschüssen und teilweise riesigen
Devisenreserven» mit Staaten wie Deutschland, Japan, Russland,
China und den Ölexporteuren.
«Diese Länder haben in den letzten Jahren von der
Verschuldungsbereitschaft vor allem der USA profitiert. Es liegt jetzt
bei ihnen, durch einen stärkeren privaten Verbrauch sowie im Fall
Chinas und Russlands durch massive Investitionen in den Umweltschutz und
die Infrastruktur die Weltkonjunktur am Laufen zu halten», sagte
Bofinger. Auch bei der Wechselkurspolitik sei eine enge internationale
Zusammenarbeit gefordert, was auch Interventionen der Europäischen
Zentralbank einschließe, wird der Würzburger Ökonom
zitiert.
(Quelle: ap)
Grüne: Teilhabe und Gerechtigkeit sind zentrale Herausforderungen
So.02.03.08 - Die Grünen sehen in den Themen Teilhabe und Gerechtigkeit derzeit
die größten Herausforderungen für die Gesellschaft.
Ziel eines zukunftsfähigen Sozialstaates müsse sein, dass
alle Menschen Zugang zu Bildung, Arbeit und demokratischer Teilhabe
bekämen, sagte Grünen-Bundesvorsitzender Reinhard
Bütikofer auf einem Zukunftskongress der Partei am Samstag in
Remscheid.
Eine der zentralen Baustellen des Sozialstaats sieht Bütikofer in
der Kinderarmut. Auch der Zugang zu Bildung in Deutschland sei immer
noch zu sehr vom sozialen und wirtschaftlichen Hintergrund der Eltern
abhängig. Mit diesem «klassenspezifischen»
Bildungssystem stehe die Bundesrepublik im Vergleich mit anderen
europäischen Ländern hinten an, kritisierte Bütikofer.
Nachbesserungsbedarf sehen die Grünen auch bei der Finanzierung
der sozialen Sicherungssysteme, die nicht länger nur über den
Faktor Arbeit bezahlt werden dürften, so Bütikofer weiter.
Auch beim Umbau der Alterssicherung müsse dringend gehandelt
werden, da ansonsten schon in zehn Jahren mit einem
«drastischen» Ansteigen der Altersarmut zu rechnen sei.
Bütikofer bekräftige zugleich die Forderung der Grünen
nach Einführung eines Mindestlohns, damit es nicht länger
«Armut trotz Arbeit» in Deutschland gebe.
Unterdessen sehen die nordrhein-westfälischen Grünen für
eine Zusammenarbeit mit der CDU auch nach der nächsten
Landtagswahl 2010 keine Grundlage. «Die inhaltlichen
Gemeinsamkeiten zwischen Grünen und CDU in Nordrhein-Westfalen
sind ausgesprochen gering und fast nicht vorhanden», sagte der
zum Realo-Flügel zählende Landesvorsitzende Arndt Klocke. Die
CDU habe sich im Landtag «voll und ganz an die marktradikale und
kommunalfeindliche FDP gekettet».
«Die schwarz-gelbe Landesregierung macht eine Schul- und
Bildungspolitik von Vorgestern, sie ist ein Totalausfall beim
Klimaschutz und setzt die völlig falschen Rahmenbedingungen in der
Kinder- und Jugendpolitik», sagte Klocke weiter. «Deshalb
arbeiten wir Grüne engagiert und mit Elan an einer Abwahl dieser
Konstellation im Jahre 2010." Die CDU in NRW müsste sich
«dramatisch verändern», um ein möglicher Partner
für die Grünen zu werden, betonte Klocke.
Ob die inhaltliche Substanz für eine erste schwarz-grüne
Koalition auf Länderebene in Hamburg ausreiche, werde sich in den
anstehenden Gesprächen zeigen. «Klar ist, dass eine
deutliche grüne Handschrift erkennbar sein muss und die Hamburger
CDU sich in zahlreichen Fragen bewegen muss», sagte Klocke.
Grundsätzlich halte er es für richtig, «dass die
Grünen im veränderten Parteiensystem gesprächsfähig
mit allen demokratischen Parteien sind».
(Quelle: ddp)
SPD will Trend zu steigenden Managergehältern stoppen
So.02.03.08 - Die SPD will den Trend zu immer höheren Managergehältern
offenbar mit Änderungen im Steuerrecht stoppen.
Die Zahlungen sollten nicht mehr komplett bei der Steuer absetzbar
sein, berichtete der "Spiegel" am Samstag unter Berufung auf Papiere
der SPD-Arbeitsgruppe unter Leitung von Fraktionsvize Joachim
Poß. Vorstandsgehälter und Abfindungen sollten künftig
aus versteuertem Gewinn gezahlt werden müssen. Dann würden
sie nicht mehr so üppig ausfallen wie bisher.
Schon jetzt beschränke das Körperschaftsteuergesetz die
Abzugsfähigkeit von Aufsichtsratsgeldern, um "einem
ungezügelten Anstieg entgegenzuwirken", zitiert das Magazin aus
einem Schreiben von Poß. Gleiches könne auch bei
Vorstandsbezügen gelten. Justizministerin Brigitte Zypries habe
die Verfassungstauglichkeit des Vorschlags bereits geprüft.
Die Expertenrunde soll im Auftrag der SPD-Spitze Schlüsse aus der
Debatte über hohe Managergehälter ziehen. Die Vorschläge
sollen noch im Frühjahr in die große Koalition eingebracht
werden. Auch Zypries und Finanz-Staatssekretärin Nicolette Kressl
gehören dem Gremium an.
DGB-Chef Michael Sommer wertete den Stellenabbau bei
Großunternehmen wie Nokia trotz eingefahrener Gewinne als
"Kriegserklärung an die soziale Marktwirtschaft". Der "Neuen
Osnabrücker Zeitung" sagte er: "Hier wird gnadenlose
Renditesteigerung um jeden Preis zelebriert, die Zehntausende ins
Unglück stürzen." Dem müsse Einhalt geboten werden, etwa
durch stärkere Mitbestimmung der Arbeitnehmer in Unternehmen und
Aufsichtsrat.
Auch Bundesfinanzminister Peer Steinbrück warnte vor einem
Vertrauensverlust in die soziale Marktwirtschaft. Die Elite der
Gesellschaft mahnte er, ihrer besonderen Verantwortung gerecht zu
werden. "Wenn die breite Mehrheit das Gefühl hat, dass sie in
diesem schwierigen Anpassungsprozess die Dummen sind, dann geht der
Demokratie und sozialen Marktwirtschaft Zustimmung und Legitimation
verloren", sagte der SPD-Politiker der "BZ am Sonntag".
(Quelle: rtr)
Umfrage: Viele Berechtigte verstehen Riester-Rente nicht
So.02.03.08 - Sechs Jahre nach dem Start der Riester-Rente wissen laut einer
repräsentativen Umfrage noch immer fast drei Viertel der
Berechtigten nichts mit dem Produkt anzufangen.
70 Prozent der Menschen in Deutschland, die Anspruch auf die staatlich
geförderte Altersvorsorge hätten, verzichten darauf, wie die
Deutsche Bank mitteilte. Ein Viertel davon versteht das Modell nicht und
macht deswegen keinen Gebrauch von dieser Form der Vorsorge. Weitere 28
Prozent verzichten, weil sie zu wenig über das Produkt wissen.
Befragt wurden deutschlandweit 1145 Menschen.
Selbst unter den Riester-Sparern sieht die Deutsche Bank noch
Aufklärungsbedarf: Fast jeder sechste beantrage die staatlichen
Zulagen nicht und verliere damit bares Geld. Zudem gaben 13
Prozent an, sie wüssten gar nicht, ob sie die Förderung
überhaupt erhielten.
Die nach dem früheren Bundesarbeitsminister Walter Riester (SPD)
benannte Rente ist eine private Altersvorsorge auf freiwilliger Basis.
Die staatliche Förderung über Zuschüsse und
Steuervergünstigungen begann 2002. Versicherte können
monatlich ab fünf Euro in eine private Rentenversicherung, einen
Banksparplan oder einen Fonds einzahlen. Nach den Mitte Januar 2008
veröffentlichen Zahlen des Bundesarbeitsministeriums stieg die Zahl
der Riester-Verträge inzwischen auf 9,7 Millionen. Nach
Branchenschätzungen haben bundesweit 30 Millionen Menschen Anspruch
auf die Riester-Förderung.
(Quelle: dpa)
Riester-Sparer können Geld bald auch in Immobilien stecken
So.02.03.08 - Riester-Sparer können ihr eingezahltes Geld künftig auch
für den Kauf eines Hauses oder einer Wohnung nutzen. Die
Fraktionsspitzen von Union und SPD einigten sich auf das lange
umstrittene so genannte Wohn-Riester. Menschen, die mit einem
Riester-Vertrag privat für ihr Alter vorsorgen, können das
angesparte Geld nun komplett entnehmen und es in den Kauf einer
Immobilie stecken. Zudem kann mit dem Geld ein Darlehen für den Bau
oder Kauf einer Immobilie abbezahlt werden. Die Koalitionspartner
einigten sich auch auf ein System, um die komplizierten Fragen der
Besteuerung von Wohn-Riester-Vermögen zu klären.
Riester-Sparer können pro Jahr bis zu vier Prozent ihres Lohns in
einen Vertrag einzahlen. Das Geld wird dann je nach gewählter
Vertragsart in Aktienfonds, auf einem Bankkonto oder in einer
klassischen Rentenversicherung angelegt. Jeder Sparer erhält
derzeit vom Staat eine Zulage von 154 Euro, für jedes Kind nochmals
185 Euro jährlich. Außerdem sind die Einzahlungen in den
Vertrag steuerfrei. Die spätere Rente aus dem Riestervertrag wird
dann allerdings versteuert.
Bisher haderten die Koalitionsexperten vor allem mit einem Problem, das
sich durch die Verwendung des Geldes für eine Immobilie ergibt:
Weil die Einzahlungen in den Riester-Vertrag steuerfrei sind,
müssen auf die Auszahlungen Steuern gezahlt werden -
gemäß dem Prinzip der nachgelagerten Besteuerung von Renten.
Dies soll nun gelöst werden, indem für Wohn-Riester-Sparer
ein fiktives Förderkonto angelegt wird. Dort werden die
Einzahlungen so verbucht, als würde ein herkömmlicher
Riester-Vertrag bespart. Bei Beginn der Rente ist dort dann auch die
steuerliche Förderung ausgewiesen, obwohl das Kapital dann in einer
Immobilie steckt. Diese auf dem Konto ausgewiesenen Steuern müssen
dann vom Riester-Sparer während seiner Rente wieder
zurückgezahlt werden. Rentner können die Steuern abstottern
oder auch mit einem Nachlass von 30 Prozent sofort bei Rentenantritt
komplett zurückzahlen.
Die Wohn-Riester-Förderung soll erklärtermaßen die
Eigenheimförderung ersetzen, mit der Bauherren und
Immobilienkäufer bis 2006 vom Staat gefördert worden waren.
Der Wegfall der Eigenheimzulage hatte die Zahl der Neubauten einbrechen
lassen .Das deutsche Handwerk begrüßte dann auch den
Kompromiss der Fraktionen.
(Quelle: afp)
Deutscher Mittelstand hat flexibelste Arbeitszeit
So.02.03.08 - In keinem anderen der großen Industrie-Staaten können
Angestellte von mittelständischen Firmen ihre Arbeitszeit einer
Studie zufolge so flexibel gestalten wie in Deutschland.
Bei einer repräsentativen Umfrage hätten 90 Prozent der
mittelständischen Unternehmer in Deutschland angegeben, ihren
Mitarbeitern sowohl bei der Arbeitszeit als auch bei der Wahl des
Arbeitsortes entgegenzukommen, teilte die
Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Grant Thornton am Freitag in
München mit.
Auf dem zweiten Platz bei der Flexibilität liegt Neuseeland mit 86
Prozent, gefolgt von Dänemark mit 84 Prozent. Schlusslichter sind
die asiatischen Länder, etwa Thailand mit 24 Prozent oder Japan mit
29 Prozent.
Für den sogenannten «International Business Report»
waren nach Angaben der Gesellschaft 7800 Unternehmen in 34 Ländern
zur Arbeitszeitgestaltung ihrer Mitarbeiter befragt worden.
Grant-Thornton-Geschäftsführer Christian Kirnberger
bezeichnete das Ergebnis als nicht überraschend. So beklage der
deutsche Mittelstand schon länger einen Mangel an Fach- und
Führungskräften und müsse sich deshalb besonders flexibel
zeigen.
«Da zudem die Infrastrukturen für Kinderbetreuung
bekanntermaßen ausbaufähig sind, zeigen die Unternehmen
hierzulande einen gesunden Pragmatismus», sagte Kirnberger laut
Mitteilung.
(Quelle: dpa)
Sicherheitsgesetze sollen auf den Prüfstand
So.02.03.08 - Die Sicherheitsgesetze geraten unter Druck. Ermutigt durch das
Grundsatzurteil des Bundesverfassungsgerichts zur Online-Durchsuchung
wehren sich Datenschützer gegen den staatlichen Zugriff in die
Privatsphäre der Bürger. «Sämtliche
Sicherheitsgesetze müssen jetzt endlich auf den
Prüfstand», sagte die Datenschutzbeauftragte des Landes NRW,
Bettina Sokol, in Düsseldorf auf ddp-Anfrage. Dies sei notwendig,
um den von Karlsruhe gebotenen «Kernbereichsschutz
ausdrücklich festzuschreiben und auszugestalten». Als
Beispiel nannte Sokol das nordrhein-westfälische Polizeigesetz.
«Es wäre schön, wenn künftig die Grundrechte
stärker Beachtung fänden», fügte Sokol hinzu.
«Keinesfalls sollten Maßnahmen getroffen werden, die die
Bevölkerung flächendeckend und ohne Anlass in ihrem Verhalten
erfassen und sie gleichsam unter einen Generalverdacht stellen»,
forderte die Datenschutzbeauftragte.
Das Bundesverfassungsgericht hatte die in Nordrhein-Westfalen geltende
Regelung zu Online-Durchsuchungen privater Computer am Mittwoch für
grundgesetzwidrig und damit nichtig erklärt. Die Vorschrift im
NRW-Verfassungsschutzgesetz verletze das allgemeine
Persönlichkeitsrecht. Geklagt hatte in Karlsruhe unter anderem der
frühere Bundesinnenminister Gerhart Baum (FDP).
Innenminister Ingo Wolf (FDP) deutete wegen des Karlsruher
Grundsatzbeschlusses bereits Korrekturen an anderen Gesetzen an. Nach
dem «historischen Urteil» werde man neben dem beanstandeten
Verfassungsschutzgesetz eine «gründliche Prüfung»
weiterer Gesetze vornehmen, sagte Wolf im Landtag. Die Prüfung
erfolge «parallel» zu anderen Bundesländern und
möglichen Gesetzen im Bund.
«Grundsätzlich» will Grünen-Innenexpertin Monika
Düker über die Notwendigkeit von Überwachungsmethoden
nachdenken. «Das Karlsruher Urteil betrifft die gesamte
Gesetzgebung zur inneren Sicherheit», sagte die
Landtagsabgeordnete. Die Verfassungsrichter hätten die
Freiheitsrechte der Bürger umfassend geschützt. Die
Rechtsnormen des Grundsatzbeschlusses müssten nun leitend für
alle weiteren Entscheidungen in Bund und Land sein.
Die Frage nach dem Ausmaß staatlicher Überwachung
dürfte sich im Düsseldorfer Landtag schon bald erneut stellen
- beim Thema Videoüberwachung im Polizeigesetz. Die schwarz-gelbe
Koalition will öffentliche Straßen und Plätze bis 2013
unter Auflagen von der Polizei mit Videokameras kontrollieren lassen.
Datenschützer sehen auch hierin einen Eingriff in die
Freiheitsrechte der Bürger.
(Quelle: ddp)
Zehntausende klagen gegen Speicherung von Telefondaten
So.02.03.08 - Mit einer Massenverfassungsbeschwerde wollen zehntausende Betroffene
die Speicherung von Telefon- und Internetverbindungsdaten in Karlsruhe
zu Fall bringen.
Am Freitag reichten Bürgerrechtler zwölf Kisten mit einem
Beschwerdeschriftsatz und 34 443 Vollmachten beim
Bundesverfassungsgericht ein. Aus ihrer Sicht verletzt die sechsmonatige
Pflicht zur Speicherung sämtlicher Verbindungsdaten - Inhalte sind
davon nicht betroffen - den Datenschutz. Laut «Arbeitskreis
Vorratsdatenspeicherung» ist dies die zahlenmäßig
größte Verfassungsbeschwerde in der Geschichte - was das
Gericht aber nicht bestätigen konnte.
Den Verfassungsrichtern liegen bereits mehrere Klagen gegen die seit
Jahresanfang geltende Regelung vor. Die FDP-Rechtspolitiker Burkhard
Hirsch, Gerhart Baum und Sabine Leutheusser-Schnarrenberger haben mit
elf weiteren Klägern - darunter Politiker, Juristen und
Journalisten - einen eigenen Antrag eingereicht.
Zudem haben die meisten Mitglieder der Grünen-Bundestagsfraktion
Organklage sowie Verfassungsbeschwerde eingelegt. Der Berliner
Rechtsanwalt Meinhard Starostik - juristischer Vertreter der schon seit
Monaten medienwirksam angekündigten Massenbeschwerde - hatte
Jahresanfang acht Beschwerden eingereicht und zusätzlich einen
Eilantrag gestellt, über den der Erste Senat noch im März
entscheiden will.
Burkhard Hirsch, der unabhängig vom «Arbeitskreis»
klagt und selbst keinen Eilantrag eingereicht hat, sieht seine
verfassungsrechtliche Kritik an der Datenspeicherung durch das
jüngste Karlsruher Urteil zur Online-Durchsuchung bestätigt.
Danach müsse ein gravierender Grundrechtseingriff immer durch eine
konkrete Gefahr gerechtfertigt sein, eine allgemeine
Gefährdungslage genüge dafür nicht.
Bei der Vorratsdatenspeicherung würden dagegen ohne konkreten
Anlass sechs Monate lang sämtliche Verbindungs- und
Handystandortdaten aufgezeichnet. «Die Zusammenführung derart
vieler Verbindungsdaten über einen so großen Zeitraum
ermöglicht Bewegungs- und Persönlichkeitsprofile», sagte
Hirsch der Deutschen Presse- Agentur dpa. Eine solche allgemeine
Vorfeldspeicherung von Daten sei nach der Rechtsprechung des Karlsruher
Gerichts nicht zulässig.
(Quelle: dpa)
Wissenschaft und Technik
Schritt in Richtung Quanten-Computer geglückt
So.02.03.08 - Bei der Entwicklung eines Quanten-Computers ist deutschen Forschern
jetzt ein wichtiger Schritt gelungen.
In einem Experiment konnten Wissenschaftler von Siemens Corporate
Technology (CT) und der TU München laut eigenen Angaben die
Arbeitsweise sogenannter Qubits ergründen. In einer Simulation
haben sie das Rechenverhalten eines Quantenprozessors
überprüft.
Große Hoffnungen werden auf die Quanten-Computer gesetzt.
Konventionelle Prozessoren, wie sie in heutigen Rechnern zum Einsatz
kommen, werden immer kleiner. In einigen Jahren werden sie aufgrund
physikalischer Gesetze an die Grenze des Umsetzbaren stoßen.
Quanten sollen hier Abhilfe leisten. Anders als Bits, also Nullen und
Einsen, können die Qubits aufgrund ihrer sehr speziellen
physikalischen Eigenschaften zur selben Zeit verschiedene Zustände
einnehmen und auch untereinander auf besondere Weise
zusammenhängen. Demnach wären Quanten-Prozessoren
leistungsstark und klein - eine ideale Voraussetzung für den Bau
schneller Rechner von morgen.
(Quelle: gp)
Mehr zum Thema Quanten-Computer bzw. Quanten-Rechner unter:
http://de.wikipedia.org/wiki/Quantencomputer