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Irak am 1440sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Iran und Irak wollen gute Beziehungen aufbauen - Iranischer
Präsident Ahmadinedschad zu Besuch in Bagdad - Verständnis
für Aufständische - Seitenhiebe auf die USA. Im Februar
kamen im Irak mindestens 739 Zivilpersonen und Angehörige
der irakischen Sicherheitskräfte ums Leben - 129 Menschen mehr als
noch im Januar
Mo.03.03.08 - Erste Visite nach einem Viertel Jahrhundert voller Spannungen und Hass:
Knapp fünf Jahre nach dem Sturz des Diktators Saddam Hussein hat
Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad den Irak besucht.
In der von irakischen und amerikanischen Soldaten scharf bewachten
Grünen Zone im Herzen Bagdads traf Ahmadinedschad am Sonntag
(02.02.08) mit der irakischen Führung zusammen. Nach einem Treffen
mit dem irakischen Präsidenten Dschalal Talabani lobte das
iranische Staatsoberhaupt die "bereits hervorragenden Beziehungen"
zwischen beiden Ländern seit "der Befreiung des Iraks von Diktator
Saddam" und fügte hinzu: "Jetzt wollen wir sie voranbringen".
Talabani entgegnete, die Visite sei eine Botschaft an die iranischen
und irakischen Völker, "dass die Beziehungen zwischen den beiden
Ländern gut sind".
Es war der erste Irak-Besuch eines iranischen Staatsoberhaupts seit der
islamischen Revolution in Teheran 1979. Iran und Irak führten von
1980 bis 1988 Krieg gegeneinander. Dieser war von Saddam angezettelt
worden. Den Kämpfen fielen in beiden Ländern etwa eine
Million Menschen zum Opfer. Viele irakische Schiiten flohen zudem in
den Iran. Die iranisch-irakischen Beziehungen haben sich seit dem Sturz
Saddams deutlich entspannt.
Talabani empfing Ahmadinedschad am Sonntagmorgen in seiner Residenz mit
militärischen Ehren, bevor sich die Präsidenten zu
Diskussionen zurückzogen. Seine Gespräche mit Talabani seien
"konstruktiv" gewesen und in einem "Klima der Brüderlichkeit"
verlaufen, sagte Ahmadinedschad anschließend. Beide hätten
viele gemeinsame Ansichten festgestellt. Teheran und Bagdad wollten
ihre politische, wirtschaftliche und kulturelle Zusammenarbeit
verstärken. Der Irak von morgen werde "mächtig, entwickelt
und geeint" sein. Dies sei "im Interesse der Länder in der
Region". Die irakischen und iranischen Völker stünden "immer
Seite an Seite".
Talabani begrüßte den "historischen Besuch" seines
iranischen Kollegen. Der Besuch werde "positive Auswirkungen" haben.
Der irakische Staatschef, ein Kurde, forderte Ahmadinedschad
während der Pressekonferenz auf, ihn statt "Ihre Exzellenz, Herr
Präsident" einfach "Mam" zu nennen, was auf Kurdisch "Onkel"
heißt.
Der irakische Regierungschef Nuri el Maliki sagte nach einem Treffen
mit Ahmadinedschad, dessen Besuch zeige "den Wunsch beider Länder,
ihre gemeinsamen Interessen zu vertiefen". In seinen Gesprächen
mit Ahmadinedschad sei es um Handel und Industrie gegangen.
Ahmadinedschad sparte nicht mit Angriffen auf die USA, die rund 140.000
Soldaten im Irak stationiert haben und ein erklärter Feind des
Iran sind. "Die Iraker mögen Amerika nicht", sagte er nach seinem
Treffen mit Maliki. Es sei jedoch für den Iran kein Problem, dass
der Irak um guten Beziehungen zum Iran und zu den USA bemüht sei.
In einem Interview mit der spanischen Zeitung "El País" vom
Sonntag zeigte der iranische Präsident Verständnis für
die Angriffe irakischer Aufständischer gegen die "Besatzer" aus
den USA. Es sei normal, dass sich ein Land gegen seine Besatzer
auflehne. Die Vereinigten Staaten verstünden die Kultur der Region
nicht. "Sie glauben, dass alle Probleme durch Kanonen zu lösen
sind." Washington beschuldigt Teheran, die Aufständischen im Irak
zu unterstützen.
Ahmadinedschad hat wiederholt den Abzug der USA aus dem Nachbarland
gefordert und das US-Militär für die Gewalt im Irak
verantwortlich gemacht. Die Regierung in Washington wiederum wirft dem
Iran vor, schiitische Milizen im Irak im Kampf gegen die US-Soldaten
auszubilden, was der Iran bestreitet.
Die USA hatten 1980 ihre diplomatischen Beziehungen zum Iran
abgebrochen. Derzeit bemüht sich Washington, Teheran über
schärfere Sanktionen zur Aufgabe seines Atomprogramms zu bewegen.
Französischen Diplomaten in Bagdad zufolge werden auch Vertreter
der Europäischen Union den Präsidenten des Iran treffen.
Dagegen gibt es nach US-Angaben keine solchen Pläne mit
US-Diplomaten. Die USA hätten keine Rolle beim
Ahmdinedschad-Besuch gespielt. Auch habe das US-Militär nichts mit
dessen Schutz im Irak zu tun. (mas)
Die US-Streitkräfte im Irak haben unterdessen einen
mutmaßlichen Terror-Ausbilder festgenommen, der Frauen für
Selbstmordattentate rekrutiert und ausgebildet haben soll. Unter diesen
Frauen sei auch die Ehefrau des im Iran ausgebildeten Mannes gewesen.
US-Präsident George W. Bush lehnt es derweil ab, einen
weitergehenden Rückzug der US-Truppen aus dem Irak noch in diesem
Jahr in Aussicht zu stellen. Trotz enormer Spekulationen könne er
einen solchen Schritt nicht versprechen, sagte Bush. Prinzipiell
müssten die Generäle entscheiden, ob mehr Truppen als bislang
geplant abgezogen werden könnten, es sei jedoch unwahrscheinlich,
dass dies vor den Provinzwahlen im Irak im Oktober passieren könne.
Die Zahl der getöteten US-Soldaten fiel im Februar auf 29. Im
Vormonat wurde 40 getötet, im Februar 2007 waren es 81. Nach einer
Zählung der Nachrichtenagentur AP kamen im Februar mindestens 739
Zivilpersonen und Angehörige der irakischen Sicherheitskräfte
ums Leben - 129 Menschen mehr als noch im Januar.
Bei zwei Überfällen auf Busse schiitischer Reisender
nordöstlich von Bagdad kamen am Samstag fünf Menschen ums
Leben, elf wurden nach Polizeiangaben verletzt. Die
US-Streitkräfte teilten mit, sechs Aufständische seien bei
Gefechten im Nordirak getötet worden.
Am Sonntag wurden bei einem Gefecht zwischen amerikanischen und
irakischen Truppen auf der einen und Aufständischen auf der
anderen Seite 13 bewaffnete Kämpfer getötet und acht weitere
verwundet. Das Gefecht trug sich in der Ortschaft Tal Afar an der
Straße zwischen Syrien und Mossul zu. Dabei wurden nach Angaben
des Bürgermeisters auch zwei Polizisten getötet.
boa (Quellen: dw, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 03.03.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am neunhundertsiebenundsiebzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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US-Präsident Bush kündigt mehr Druck auf Verbündete
für Afghanistantruppen an
Mo.03.03.08 - US-Präsident George W. Bush will beim kommenden Nato-Gipfel den
Druck auf die Verbündeten erhöhen, mehr Truppen nach
Afghanistan zu schicken.
"Ich gehe nach Bukarest mit der Einstellung, dass wir dankbar für
die jetzige Mitwirkung sind und dass wir die Leute zu einer
größeren Mitwirkung ermutigen werden", sagte er am Samstag.
Die "schwere Last" müsse geteilt werden. Ohne einzelne Staaten zu
nennen verwies er auf "gewisse politische Hemmnisse in gewissen
Ländern". Der nächste Nato-Gipfel ist für den 2. bis 4.
April geplant.
Die Hauptlast der Kämpfe in Afghanistan wird von den
angelsächsischen Staaten und den Niederlanden getragen. Besonders
die USA und Großbritannien haben in jüngster Zeit den Druck
auf Deutschland erhöht, Bundeswehrsoldaten auch im Süden und
damit in den Hauptkampfgebieten einzusetzen. Alle Bundestagsfraktionen
lehnen dies ab. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte in
einem am Wochenende veröffentlichten Bericht, ein Einsatz in den
besonders gefährlichen Teilen des Landes stehe nicht zur Debatte.
(Quelle: rtr)
Nach Taliban-Ultimatum Mobilfunk-Masten in Afghanistan zerstört
Mo.03.03.08 - Unbekannte haben in der Nähe der südafghanischen Stadt
Kandahar zwei Mobilfunk-Sendemasten zerstört.
Die Täter hätten einen der Masten am Samstagabend vor den
Toren der Stadt in Brand gesetzt, teilte die Polizei mit. Die
radikal-islamischen Taliban hatten die Mobilfunkbetreiber ultimativ
aufgefordert, die Sendemasten in den Nachtstunden abzuschalten. Zur
Begründung gaben sie an, die ausländischen Soldaten im Land
versuchten über Handys den Standort ihrer Kämpfer zu orten.
Der Mobilfunk ist in Afghanistan nahezu die einzige
Kommunikationsmöglichkeit. Die 2001 von der Macht vertriebenen
Taliban nutzen Handys und Satellitentelefone zur internen Organisation
aber auch, um Kontakt zu Medienvertretern aufzunehmen.
(Quelle: rtr)
Mindestens 39 Tote bei Selbstmordanschlag in Pakistan
Mo.03.03.08 - Bei einem Selbstmordanschlag in Pakistan sind am Sonntag mindestens 39
Menschen getötet worden.
Nach Angaben der Sicherheitsbehörden wurden zahlreiche weitere
Menschen verletzt. Das Attentat habe einer Stammesversammlung in der
Region Darra Adam Cheil im unruhigen Nordwesten des Landes gegolten,
sagte ein Regierungsvertreter. Die Stammesältesten hätten
über Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheitslage im Sinne
der Regierung beraten. Pakistan erlebt derzeit eine Welle der Gewalt,
für die mit Al-Kaida verbündete Extremisten verantwortlich
gemacht werden. Allein in diesem Jahr starben in dem Konflikt mit
Islamisten in Pakistan mehr als 500 Menschen.
Am Anschlagsort seien ein Kopf und ein Ausweis als Überreste des
mutmaßlichen Täters gefunden worden, sagte der
Regierungsvertreter weiter. Im Lokalfernsehen wurde gezeigt, wie
Behördenvertreter und Anwohner den Anschlagsort säuberten. Es
waren zerrissene und blutige Kleidungsstücke zu sehen. Die
Stammesältesten waren unter freiem Himmel auf einem von
großen Bäumen gesäumten Platz zusammengekommen. Sie
hätten gerade ein Sicherheitskomitee mit Einwohnern
gegründet, sagte der Regierungsvertreter. Das Gremium sollte der
Regierung dabei helfen, gegen Kriminelle vorzugehen. Vor allem die
Stammesgebiete an der Grenze zu Afghanistan gelten als
Rückzugsorte von Al-Kaida-Kämpfern und ihren Verbündeten.
Die eskalierende Gewalt hat Zweifel darüber aufkommen lassen, wie
stabil die Atommacht Pakistan ist. Erst am Freitag hatte ein
Selbstmordattentäter etwa 40 Menschen bei der Trauerfeier für
einen bei einem Bombenanschlag ums Leben gekommenen Polizisten
getötet. Die Zahl der Selbstmordanschläge in Pakistan hat
zugenommen, nachdem die Sicherheitskräfte im Juli die von
radikalen Koran-Schülern besetzte Rote Moschee in der Hauptstadt
Islamabad stürmten.
(Quelle: rtr)
Nahost-Konflikt
76 Tote bei Angriffen am Wochenende in Gaza --
Palästinenserpräsident Abbas sagt wegen Gewalteskalation
Friedensgespräche mit Israel ab --
UN-Generalsekretär:'Unverhältnismäßiger
Gewalteinsatz' im Gazastreifen -- Saudi-Arabien vergleicht
Gaza-Offensive mit Nazi-Verbrechen
Mo.03.03.08 - Ungeachtet aller internationalen Appelle eskaliert die Gewalt im
Gazastreifen weiter. Bei den blutigsten Kämpfen seit mehr als vier
Jahrzehnten wurden am Wochenende 74 Palästinenser und zwei
israelische Soldaten getötet. Israel will seine
Militärschläge fortsetzen.
Auch militante Palästinenser feuerten nach Armeeangaben 28
Kassam-Raketen sowie drei Grad-Raketen ab, die auch weiter von der
Grenze entfernt gelegene Städte wie Ashkelon treffen können.
Der UN-Sicherheitsrat forderte beide Konfliktparteien am Sonntag in New
York auf, dem Blutvergießen ein Ende zu setzen.
Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hat unterdessen
entschieden, die Friedensverhandlungen mit Israel auszusetzen. Abbas
habe ein für kommende Woche verabredetes Treffen mit dem
israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert abgesagt, teilte
Abbas' Büro mit. Er habe zudem Gespräche zwischen den
Unterhändlern beider Seiten abgesagt.
Abbas bezeichnete die Reaktion Israels auf die palästinensischen
Rakatenangriffe als unverhältnismäßig: "Es kaum zu
glauben, dass die israelische Reaktion auf die palästinensischen
Raketenangriffe, die wir verurteilen, derart schrecklich und
entsetzlich ist."
Die im Gazastreifen regierende radikalislamische Hamas-Organisation
rief zur Bildung einer palästinensischen Notstandsregierung der
nationalen Einheit auf. Die USA riefen beide Seiten zum Dialog auf.
Die Situation verlange nach "Einheit" und einem "Ende der Spaltung
zwischen den Gazastreifen und dem Westjordanland", sagte ein
Hamas-Sprecher Taher el Nunu in Gaza. "Wir rufen zu einem nationalen
Dialog auf, ohne Vorbedingungen, um über die Eskalation und die
Besatzung zu beraten sowie über die Schaffung einer
Notstandsregierung der nationalen Einheit."
Die Gewalt müsse aufhören, und die Verhandlungen müssten
wieder aufgenommen werden, sagte ein Sprecher des Weißen Hauses.
US-Außenministerin Condoleezza Rice soll am Montag zu einer neuen
Vermittlungsmission in den Nahen Osten reisen.
Unterdessen griff die Gewalt auch auf das Westjordanland über. Bei
Palästinenserprotesten in Hebron töteten israelische Soldaten
einen 13 Jahre alten Jugendlichen. Angesichts der höchsten
Opferzahlen seit dem Sechstagekrieg von 1967 setzte
Palästinenserpräsident Mahmud Abbas die erst im Januar
begonnenen Friedensgespräche mit Israel aus. Zur Versorgung der
mehr als 250 Verwundeten öffnete Ägypten erstmals wieder
seinen Grenzübergang zum Gazastreifen in der Stadt Rafah.
Die internationale Gemeinschaft reagierte mit Besorgnis. UN-
Generalsekretär Ban Ki Moon erkannte zwar das Recht Israels auf
Selbstverteidigung an, kritisierte aber zugleich eine
«unangemessene und überzogene Gewaltanwendung». Alle
Parteien sollten sich wieder dem Friedensprozess zuwenden, forderte er.
Die Europäische Union kritisierte das Vorgehen Israels im
Gazastreifen als unangemessen. Die slowenische
EU-Ratspräsidentschaft veröffentlichte am Sonntag in
Brüssel eine entsprechende Erklärung im Namen der 27
Mitgliedstaaten. In einer Reaktion von Bundesaußenminister
Frank-Walter Steinmeier heißt es: «Die Eskalation der
Gewalt in Gaza erfüllt mich mit großer Sorge. Mit dem
Beschuss der israelischen Stadt Ashkelon hat der Raketenbeschuss eine
neue Qualität erreicht.» Dies sei nicht hinnehmbar. Israel
müsse den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit wahren.
Saudi-Arabien hat die Offensive Israels im Gazastreifen mit den
Kriegsverbrechen der Nationalsozialisten verglichen: "Saudi-Arabien
verurteilt die israelischen Kriegsverbrechen gegen das
palästinensische Volk und die Drohungen israelischer Politiker,
Gaza in ein Inferno zu verwandeln", berichtete die staatliche
Nachrichtenagentur SPA am Montag. Saudi-Arabien sei der Ansicht, dass
Israel durch dieses Vorgehen die Kriegsverbrechen der
Nationalsozialisten simuliere.
Der US-Verbündete Saudi-Arabien forderte die internationale
Gemeinschaft und das Nahost-Quartett aus EU, USA, Russland und den UN
zum Handeln auf. Sie müssten der "israelischen Militärmaschine
Einhalt gebieten und sie an ihren Massentötungen hindern",
hieß es bei der Agentur SPA weiter.
Die Erklärung Saudi-Arabiens schien auf die jüngste Drohung
des israelischen Vize-Verteidigungsministers Matan Wilnai anzuspielen.
Die Palästinenser riskierten eine Katastrophe, sollte der
Raketenbeschuss anhalten, hatte Wilnai gesagt. Der Minister benutzte
das in Israel für den Holocaust gebräuchliche Wort "Schoah".
Nach einem Aufschrei im Land erklärte er aber, er habe damit nicht
auf die Judenvernichtung im Zweiten Weltkrieg anspielen wollen.
"Schoah" hat wörtlich die Bedeutung von "Katastrophe".
Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International warf Israel vor,
die Luft- und Artillerieangriffe unter rücksichtsloser Missachtung
des Lebens von Zivilisten auszuführen. Die Direktorin des
UN-Hilfswerkes für Palästina-Flüchtlinge (UNRWA), Karen
Abu-Zayd, sagte: «Ich bin geschockt von der Gewalt in Gaza, wo
die Zahl der Todesopfer unter unschuldigen Zivilisten
einschließlich Kindern jede Stunde wächst.»
Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert wies am Sonntag in
Jerusalem alle Kritik an dem Militäreinsatz zurück.
«Niemand hat das Recht, Israel Moral zu predigen, weil es
grundlegende Maßnahmen zur Verteidigung von hunderttausenden
Bürgern vor andauerndem Beschuss ergreift», sagte Olmert.
Israel habe keinerlei Absicht, den Kampf gegen den Terror auch nur eine
Sekunde zu stoppen. Zur Aussetzung der Friedensgespräche durch die
Palästinenser sagte Olmert: «Niemand in der ganzen Welt wird
bestreiten, dass Angriffe auf Hamas die Chancen auf einen Frieden
erhöhen.»
Verteidigungsminister Ehud Barak drohte erneut mit einer
Großoffensive. Ziel einer solchen Offensive sei es, die
«Herrschaft von Hamas zu schwächen und sie unter den
richtigen Umständen sogar zu stürzen», sagte Barak im
Armeerundfunk. Das Sicherheitskabinett will am Mittwoch über das
weitere Vorgehen beraten.
Die radikalislamische Hamas-Organisation, die seit Juni 2007 den
Gazastreifen kontrolliert, rief zu einer dreitägigen Trauer und zu
einem Generalstreik auf. In einer Erklärung warf Hamas Israel vor,
einen «Vernichtungskrieg» gegen die Palästinenser zu
führen. Hamas- Sprecher Taher Nunno rief den Weltsicherheitsrat
und die Arabische Liga auf, jeden nur möglichen Druck auf Israel
auszuüben, um die «Aggression» zu stoppen.
Der jüngste Ausbruch der blutigen Gewalt hatte am Mittwoch
begonnen. Israel tötete fünf Hamas-Kämpfer. Diese hatten
nach israelischer Darstellung Angriffe in Israel geplant. Die Hamas
reagierte mit einem heftigen Beschuss israelischer Grenzstädte.
Militante Palästinenser feuerten dabei auch sogenannte Grad-
Raketen ab, die eine längere Reichweite als die selbst gebauten
Kassam-Raketen haben. Nach israelischen Angaben sind durch diese
Raketen weitere 120 000 Menschen im Grenzbereich zum Gazastreifen
bedroht worden. Nach israelischen Presseberichten sollen Hamas-
Kämpfer die knapp drei Meter langen Raketen in den Gazastreifen
geschmuggelt haben, nachdem sie am 23. Januar gewaltsam die Grenze zu
Ägypten geöffnet hatten.
boa (Quellen: dpa, dw, afp, rtr)
Ecuador weist kolumbianischen Botschafter aus -- Truppen entlang der
Grenze in Stellung gebracht -- Auch Venezuela entsendet Truppen an
Grenze zu Kolumbien
Mo.03.03.08 - Nach dem Angriff kolumbianischer Truppen auf Rebellen in Ecuador hat
die Regierung in Quito den kolumbianischen Botschafter ausgewiesen.
Präsident Rafael Correa erklärte am Sonntag auf einer
Pressekonferenz, der Diplomat müsse das Land umgehend verlassen.
Außerdem habe er Truppen entlang der Grenze zu Kolumbien in
Stellung gebracht. Zuvor hatte Correa bereits den ecuadorianischen
Botschafter aus Bogotá zurückgerufen.
Bei dem Militäreinsatz am Samstag töteten die kolumbianischen
Soldaten einen der Anführer der FARC-Rebellen, Raul Reyes,
zusammen mit 16 weiteren Kämpfern. Reyes war nach Angaben der
kolumbianischen Regierung die Nummer zwei in der Hierarchie der FARC.
Auch der venezolanische Präsident Hugo Chavez protestierte gegen
die Militäraktion und ordnete die Schließung der Botschaft
seines Landes in Bogotá an. Außerdem beorderte er nach
eigenen Angaben zehn Bataillone seiner Armee in Richtung kolumbianische
Grenze, darunter auch Panzer.
Chávez äußerte in seiner Fernsehsendung "Hallo
Präsident" Bedauern über den Tod Reyes': Dieser sei ein
"guter Revolutionär" gewesen, betonte er. Den kolumbianischen
Staatschef Alvaro Uribe beschimpfte er als "Kriminellen", "Lügner"
und "Mafioso". Die FARC, die neben der franko-kolumbianischen
Politikerin Ingrid Betancourt bis zu 1000 weitere Geiseln in ihrer
Gewalt hat, verhandelt über die Freilassung ihrer Gefangenen nur
noch mit Chávez - und will damit offensichtlich die
kolumbianische Regierung brüskieren. Zuletzt waren unter
Vermittlung Chávez' am Mittwoch vier FARC-Geiseln freigekommen.
boa (Quellen: ap, afp)
Öl-Pest im Amazonas-Gebiet
Mo.03.03.08 - Die heftigsten Regenfälle seit Jahrzehnten haben in Ecuador eine
Öl-Pest ausgelöst. Durch die Wassermassen sei es zu einem
Erdrutsch gekommen, der die Sote-Pipeline unterhalb des aktiven Vulkans
El Reventador auf einer Länge von etwa 80 Metern zerstört
habe.
Das berichteten nationale Medien am Sonntag unter Berufung auf die
staatliche Erdölgesellschaft Petroecuador. Mindestens 4000 Barrel
seien in einen Sumpf im Amazonas-Gebiet geflossen.
Auf einer großen Fläche seien schwarz-glänzende, mit
Erdöl gefüllte Tümpel zu sehen, berichtete die Zeitung
«El Comercio». Obwohl Arbeiter versuchten, das
Abfließen des Öls zu verhindern, sei ein Teil auch in den
Fluss Aguarico gelangt, aus dem viele Menschen Fische fangen und
Trinkwasser schöpfen. Die Unwetter haben bisher schon
Milliardenschäden angerichtet und 23 Menschen das Leben gekostet.
In den Regenwäldern im Osten Ecuadors ist es in den vergangenen
Jahrzehnten zu hunderten solcher Unfälle gekommen. Auch durch eine
aufwendige monatelange Säuberungsaktion, bei der große Teile
des verseuchten Erdreiches abgetragen werden, kann nur etwa ein Drittel
des ausgelaufenen Öls wieder aus dem Boden geholt werden. Der Rest
gelangt in die Flüsse und ins Grundwasser. Die Gegenden, wo lange
das US-Unternehmen Texaco Erdöl förderte, gelten inzwischen
als flächendeckend verseucht.
(Quelle: dpa)
Präsidentschaftswahlen in Russland: Medwedew wird Nachfolger von
Präsident Putin
Mo.03.03.08 - Dmitri Medwedew wird Nachfolger des russischen Präsidenten
Wladimir Putin. Der Kreml-Kandidat strebt nach ersten Teilergebnissen
der Präsidentenwahl vom Sonntag erwartungsgemäß einem
überwältigenden Sieg entgegen. Prognosen zufolge kann er mit
etwa 70 Prozent der Stimmen rechnen. Seine drei Mitbewerber blieben
ohne Chance. Medwedew versprach bei einem gemeinsamen Auftritt mit
Putin am späten Abend eine Fortsetzung der Politik seines Mentors.
Die Wahl war von Manipulationsvorwürfen begleitet und wurde von
der Opposition als Farce bezeichnet.
Putin gratulierte Medwedew zu dessen Wahlerfolg. Ein Sieg Medwedews
garantiere eine Fortsetzung der bisherigen Politik, sagte Putin bei
einem Open-Air-Konzert auf dem Roten Platz in Moskau. Medwedew bedankte
sich bei seinen Wählern und versprach ebenfalls, die Politik
Putins fortzusetzen. Der scheidende Präsident will im neuen
Kabinett seines Nachfolgers das Amt des Ministerpräsidenten
übernehmen. Der neue Präsident soll am 7. Mai sein Amt
antreten, wie die Nachrichtenagentur ITAR-Tass meldete.
Medwedew lag nach Auszählung von 15 Prozent der Stimmbezirke bei
64,55 Prozent. Es folgte der kommunistische Kandidat Gennadi Sjuganow
mit etwa 20 Prozent. An dritter Stelle lag der Ultranationalist
Wladimir Schirinowski, gefolgt von Andrej Bogdanow. Das Ergebnis schien
aufgrund der massiven Unterstützung der staatlichen Medien
für Medwedew schon vorher festzustehen. Die übrigen drei
Kandidaten hatten nur geringe Chancen. Zwei prominenten Politikern der
liberalen Opposition, Garri Kasparow und Michail Kasjanow, wurde aus
formalen Gründen die Kandidatur verwehrt.
Sjuganow berichtete nach der Wahl, er habe eine Liste mit 200
Wahlrechtsverstößen, wie die Nachrichtenagentur Interfax
berichtete. Schirinowski kündigte an, er werde das Wahlergebnis
vor Gericht anfechten.
Kasparow demonstrierte am Sonntag auf dem Roten Platz in Moskau gegen
die Wahl. Er trug eine Einkaufstüte bei sich mit der Aufschrift
«Ich beteilige mich nicht an dieser Farce». Der ebenfalls
als Kandidat ausgeschlossene frühere Ministerpräsident
Kasjanow bezeichnete den Amtswechsel von Putin zu dem künftigen
Präsidenten als rechtswidrig.
Eine Lehrerin aus Moskau sagte, sie habe ihren Stimmzettel in einer
Kabine auf dem Schulgelände ausfüllen müssen. «Das
ist schrecklich, sie lassen uns keine Wahl», erklärte die
25-Jährige, die aus Angst um ihren Arbeitsplatz nur ihren Vornamen
- Sofia - nennen wollte. Andere berichteten, sie hätten im Beisein
ihrer Vorgesetzten wählen müssen, um eine hohe
Wahlbeteiligung und Stimmen für Medwedew zu garantieren. Die
Wahlbeobachtergruppe Golos berichtete von ähnlichen Vorkommnissen.
In den 96.000 Wahllokalen waren nur 300 internationale Beobachter im
Einsatz. Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in
Europa (OSZE) hatte die Entsendung von Beobachtern abgelehnt. Die
russischen Behörden hätten derart strenge Restriktionen
vorgegeben, dass eine Arbeit nicht möglich gewesen wäre,
erklärte die OSZE zur Begründung.
(Quelle: ap)
ETA ruft zu Boykott von Parlamentswahl in Spanien auf
Mo.03.03.08 - Eine Woche vor der Parlamentswahl in Spanien hat die baskische
Separatistengruppe ETA zu einem Boykott des Urnengangs aufgerufen.
Die Untergrundbewegung warf dem sozialistischen
Ministerpräsidenten Jose Luis Rodriguez Zapatero eine Kampagne der
Unterdrückung gegen die ETA vor. Der am Samstag in der baskischen
Zeitung "Gara" veröffentlichte Boykottaufruf dürfte aber kaum
Auswirkungen auf die Wahlbeteiligung am kommenden Sonntag haben.
Schließlich lehnen die meisten Basken die Gewalt der ETA ab. Die
Gruppe hat bei ihrem bewaffneten Kampf für einen eigenen Staat in
den vergangenen vier Jahrzehnten 800 Menschen getötet.
Die Regierung in Madrid habe in den vergangenen Wochen mit Festnahmen
und Parteiverboten für eine "Eskalation der Unterdrückung"
gesorgt, hieß es in der ETA-Erklärung weiter. Nach der Wahl
am 9. März drohe ein neues Zeitalter der Repression. Erst am
Freitag hatte die ETA einen Bombenanschlag auf das Parteibüro der
Sozialisten in Derio im spanischen Baskenland verübt, bei der
erheblicher Sachschaden entstand. Die spanische Polizei nahm am Sonntag
nach eigenen Angaben zwei der meistgesuchten mutmaßliche
ETA-Mitglieder fest. Wie "El Pais" berichtete, vermutet die Polizei das
Paar hinter dem Anschlag in Derio.
Die ETA will einen unabhängigen Staat in den Baskengebieten im
Norden Spaniens und Süden Frankreichs erzwingen. Umfragen zufolge
lehnt aber die Mehrheit der Basken selbst eine Unabhängigkeit von
Spanien ab.
Die Separatistenorganisation gilt in Folge einer besseren
Zusammenarbeit der spanischen und französischen
Sicherheitsbehörden und zahlreicher Polizeieinsätze als
deutlich geschwächt. Zudem hat die Justiz ihre Gangart
gegenüber ETA-nahen baskischen Parteien verschärft. So
dürfen weder die bereits verbotene Batasuna-Partei noch die
Formationen ANV und PCTV an der Parlamentswahl teilnehmen.
(Quelle: rtr)
Deutschland
CSU verliert bei bayerischen Kommunalwahlen in Großstädten
Mo.03.03.08 - Fünf Monate nach dem Wechsel in der ihrer Parteiführung hat
die CSU bei den bayerischen Kommunalwahlen in den
Großstädten herbe Verluste hinnehmen müssen. Nach den
vorläufigen Ergebnissen des Statistischen Landesamtes konnten sich
die SPD-Oberbürgermeister in München und Nürnberg klar
behaupten. Die CSU-Oberbürgermeister in Passau, Würzburg und
Regensburg müssen sich nach dem Verfehlen der absoluten Mehrheit
in Stichwahlen ihren SPD-Herausforderern stellen. Nach dem schlechten
Abschneiden seiner Partei kündigte Bayerns Ministerpräsident
Günther Beckstein (CSU) Konsequenzen in der Landespolitik an.
Die Kommunalwahlen, bei denen 40.000 Mandate in 2056 Gemeinden zu
vergeben waren, galten als erster Gradmesser für das CSU-Tandem
aus Parteichef Erwin Huber und Ministerpräsident Beckstein. Am 28.
September wird in Bayern auch ein neuer Landtag gewählt.
Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) wurde laut
vorläufigem Ergebnis mit 66,7 Prozent wiedergewählt.
CSU-Kandidat Josef Schmid landete mit nur 24,5 Prozent weit
abgeschlagen. Auch im Münchner Stadtrat behauptete sich nach
Prognosen des Bayerischen Rundfunks die SPD, die CSU erreichte dagegen
nur 28,5 Prozent, ein Verlust von knapp acht Prozentpunkten. In
Becksteins Heimat Nürnberg kam SPD-Oberbürgermeister Ulrich
Maly auf 64,3 Prozent, sein CSU-Gegner Klemens Gsell erreicht nur 27,4
Prozent. Die Linke schaffte es in beiden Städten mit jeweils drei
Sitzen in den Stadtrat.
In Regensburg erreichten die Sozialdemokraten die Stichwahl, liegen
allerdings hinter dem amtierenden CSU-Oberbürgermeister Hans
Schaidinger. Auch in Würzburg muss Oberbürgermeisterin Pia
Beckmann (CSU) in die Stichwahl.
Ude zeigte sich erfreut über die Resultate. "Es scheint einen
Trend gegen die Union zu geben", sagte Ude, der seit 1993 im Amt ist.
SPD-Landtagsfraktionschef Franz Maget sprach von einem "fantastischem
Ergebnis".
CSU-Chef Huber bewertete das Ergebnis positiv. "Wir haben insgesamt
einen guten Start hingelegt für die drei Wahlen, die in diesem und
im nächsten Jahr noch bevorstehen." Beckstein zeigte sich dagegen
deutlich enttäuscht. Den Wählern müsse deutlich gemacht
werden, dass die CSU nur dann eine gute Politik machen könne, wenn
sie einen klaren Regierungsauftrag habe, sagte Beckstein dem BR mit
Blick auf die Landtagswahlen im kommenden September.
(Quelle: afp)
Becks Kritiker in der SPD wollen Personaldebatte stoppen -- SPD-Vize
Steinmeier: Kandidaten-Absprache ist 'Unsinn'
Mo.03.03.08 - In der SPD versuchen die Kritiker von Parteichef Kurt Beck mit
Loyalitätserklärungen, die Debatte über eine
Kanzlerkandidatur des erkrankten Vorsitzenden zu stoppen.
Außenminister und SPD-Vize Frank-Walter Steinmeier nannte einen
"Spiegel"-Bericht am Wochenende Unsinn, wonach es bereits Absprachen
darüber gebe, dass er statt Beck bei der Bundestagswahl 2009 gegen
Angela Merkel antreten soll. Finanzminister Peer Steinbrück
kritisierte zwar erneut Becks Vorgehen beim Kurswechsel gegenüber
der Linkspartei. Zugleich betonte er aber vor wichtigen
Gremiensitzungen am Montag seine Loyalität zum Parteivorsitzenden.
Der Bericht, wonach Steinbrück gemeinsam mit Brandenburgs
Regierungschef Matthias Platzeck und Ex-Parteichef Franz
Müntefering plane, Steinmeier an Becks Stelle zum Kandidaten zu
machen, löste in der Partei Unruhe aus. Von Seiten der prominenten
Beck-Kritiker kamen zwar Dementis. Diese bezogen sich allerdings nur
darauf, dass es bereits Absprachen gebe.
Steinmeier sagte, über die Kanzlerkandidatur sei noch nicht
entschieden. Im SPD-Vorstand und im Parteirat erwarte er am Montag zwar
"schwierige Diskussionen, aber keine Diskussionen über
Verabredungen, die nicht stattgefunden haben". Steinmeier
äußerte sich aber nicht zu einem eventuellen Interesse an
der Kanzlerkandidatur. Bei einigen Konservativen in der SPD gilt er als
bessere Alternative zu Beck.
Platzeck mahnte Solidarität an. Der SPD werde versucht, "eine
Debatte über die Kanzlerkandidatur zur Unzeit aufzuzwingen". Beck
habe als Parteichef das erste Zugriffsrecht. Ein Vertrauter
Steinbrücks sagte Reuters: "Solche Verschwörungstheorien
werden jedenfalls nicht von ihm betrieben, und er unterstützt die
auch nicht." Allen sei klar, dass jetzt nicht die Zeit für
Personaldebatten sei, sagte auch der Sprecher des konservativen
"Seeheimer Kreises", Johannes Kahrs. "Ich will, dass Beck
Parteivorsitzender ist", sagte Kahrs zu Reuters. Über die
Kanzlerkandidatur werde später entschieden.
In der Sache allerdings erneuerten die Kritiker ihre Vorbehalte.
Steinbrück kritisierte Becks Führungsstil. Beck hatte kurz
vor der verlorenen Hamburg-Wahl Bereitschaft erkennen lassen, in Hessen
doch die Wahl der SPD-Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti durch die
Linke zu akzeptieren. Zwar gelte Loyalität, sagte Steinbrück.
"Unbenommen dessen muss eine solche Entwicklung intern besser
kommuniziert und vorbereitet werden", sagte er der "Frankfurter
Rundschau". Der Beschluss der SPD-Spitze, Ypsilanti freie Hand zu
geben, sei "sicher keine abschließende Antwort auf den Umgang mit
der Linkspartei".
Auch Platzeck, Becks Vorgänger im Parteivorsitz, ging auf Distanz.
Wer glaube, "der Linkspartei hinterherlaufen zu müssen, der
riskiert, dass wir für jeden Wähler, den wir am linken Rand
vielleicht gewinnen können, zwei, drei oder vier Wähler in
der gesellschaftlichen Mitte verlieren", sagte er der "Super Illu".
Arbeitsminister Olaf Scholz nahm Beck dagegen in Schutz. Für
seinen Vorschlag zur Linkspartei habe er eine fast einhellige
Zustimmung bekommen, sagte er im Deutschlandfunk. Beck sitze fest im
Sattel und werde 2009 einen Kanzlerkandidaten vorschlagen. Berlins
Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit sagte im ZDF, er rechne
damit, dass Beck Kanzlerkandidat werde. Die SPD brauche neue
Bündnispartner wie Linke, sagte der Chef des rot-roten Senats.
"Wenn die SPD nicht aufpasst, steht sie alleine da." Auch die zur
Parteilinken gehörende Beck-Stellvertreterin Andrea Nahles stellte
sich hinter den Parteichef.
In der Bevölkerung bröckelte die Unterstützung für
Beck weiter. In einer Infratest-Umfrage für die ARD erklärten
nur noch 28 Prozent, sie seien mit Beck zufrieden. Vor der Debatte
über die Linke waren es im Februar noch 39 Prozent. Zwei Drittel
warfen der SPD Wortbruch vor.
(Quelle: rtr)
Linkspartei weiter unter Beobachtung
Mo.03.03.08 - Die Linkspartei soll nach dem Willen von Bundesinnenminister Wolfgang
Schäuble (CDU) auch künftig vom Verfassungsschutz beobachtet
werden. Von Teilen der Partei gehe «eine klare extremistische
Bedrohung aus», sie werde weiter beobachtet, wo dies erforderlich
sei, sagte der CDU-Politiker der «Bild am Sonntag». Die
Linkspartei warf Schäuble «miese Machenschaften» vor.
Schäuble sagte, man habe gerade in Niedersachsen erlebt, dass es
in der Linkspartei Menschen gebe, die sich die Stasi
zurückwünschten. «Solche Leute, die mit unserer
Grundordnung nichts zu tun haben, hat die Linke in Parlamente gebracht
und hat sie auf ihren Listen.»
Der Linke-Bundesgeschäftsführer und Bundestagsabgeordnete
Dietmar Bartsch nannte es «völlig inakzeptabel, dass der
Innenminister den Verfassungsschutz zum Zwecke der politischen
Auseinandersetzung instrumentalisiert». Anscheinend habe es der
Union nach den Wahlsiegen der Linken bei den vergangenen Landtagswahlen
die Sprache verschlagen und sie versuche nun mangels politischer
Argumente, seine Partei auf diesem Weg zu diskreditieren.
«Das wird nicht gelingen», sagte Bartsch mit Blick auf
Fraktionsvize Bodo Ramelow, dessen Beobachtung durch den Geheimdienst
das Kölner Verwaltungsgericht verboten hatte. Ramelow stand als
Landtagsabgeordneter in Thüringen sowie auch als
Bundestagsabgeordneter in Berlin unter der Beobachtung des
Verfassungsschutzes. Das Gericht erklärte jedoch, dass bei Ramelow
die gesetzlichen Voraussetzungen dafür nicht vorlägen.
(Quelle: ap)
Mitgliederverluste bei Parteien in Mecklenburg-Vorpommern halten an
Mo.03.03.08 - Der Mitgliederschwund bei den etablierten Parteien in
Mecklenburg-Vorpommern setzt sich fort. In den Karteien der
Landesgeschäftsstellen von CDU, SPD, FDP und der Linken mussten bis
zum Ende 2007 insgesamt mehrere Hundert Namen gestrichen werden. Nach
jahrelanger Dominanz der früheren Linkspartei.PDS stellt jetzt die
CDU den stärksten Landesverband, wie eine ddp-Umfrage ergab.
Die stärksten Verluste hatte die Linke trotz der Fusion von
Linkspartei.PDS und Wahlalternative für Arbeit und soziale
Gerechtigkeit (WASG) hinzunehmen. Von den 6423 PDS-Mitgliedern und rund
100 WASG-Anhängern Ende 2006 waren ein Jahr später in der
neuen Linken noch knapp 6050 übrig.
Damit stellt die CDU mit 6200 eingetragenen Mitgliedern wieder den
stärksten Landesverband einer Partei im Nordosten. Anfang 2006 lag
die Union schon einmal für ein paar Monate mit damals noch 6850
Mitgliedern leicht vorn.
Die SPD verlor im vergangenen Jahr wieder 50 Mitstreiter und erreicht
mit nunmehr 2800 Mitgliedern einen neuen Negativrekord. Ende 2005 war
die Zahl von der SPD-Landesgeschäftsstelle noch mit 3000 angegeben
worden.
Auch nach dem Wiedereinzug der FDP in den Landtag sank die Schar der
Mitglieder im Verlauf des vergangenen Jahres um knapp 50 auf jetzt 1053
Liberale. Die Grünen melden einen minimalen Zugewinn von zehn
Mitgliedern auf insgesamt 310 Mitstreiter. Seit gut einem Jahrzehnt
hält sich die aus Ost-Bürgerbewegten und Umweltaktivisten
entstandene Partei im Nordosten mit Schwankungen auf etwa gleichem
Niveau.
Entgegen dem allgemeinen Trend verzeichnet allein die seit 2006
erstmals im Landesparlament vertretene rechtsextreme NPD einen
deutlichen Anstieg ihrer Mitgliederzahlen. Der Landesverband wuchs laut
Verfassungsschutzbehörde des Innenministeriums durch die Aufnahme
von rund 100 sogenannten freien Nationalisten und Aktivisten der
Kameradschaftsszene auf jetzt 400 Mitglieder an. Die NPD selbst wollte
keine eigenen Angaben zur Zahl ihrer Mitglieder machen. Sie
begründete das mit der «Schutzpflicht gegenüber den
Mitstreitern» und dem Verhalten der Medien gegenüber der
Partei.
Ein Sprecher der Linken verwies darauf, dass es «nahezu keine
politisch motivierten Austritte» gebe. Der als überaltert
geltende Mitgliederbestand verringert sich vor allem durch zahlreiche
Sterbefälle und zusätzlich durch Wegzug junger Leute.
«Bevor diese sich entscheiden, in unsere Partei einzutreten,
verlassen leider viele berufs-, ausbildungs- oder studienbedingt unser
Bundesland», sagte der Parteisprecher. Von den ehemaligen
WASG-Mitgliedern hat sich zudem offenbar nur etwa ein Drittel der neuen
Linken angeschlossen.
Auch SPD-Landesgeschäftsführer Thomas Krüger benennt
«Wegzüge, Austritte und Sterbefälle» als Ursachen
für die weiter gesunkene Mitgliederzahl im Landesverband. Bei den
Liberalen wird vor allem «die allgemein wachsende Abneigung, sich
an Parteien zu binden» als Grund für Probleme bei der
Mitgliederwerbung gesehen. Es gebe ein weit verbreitetes politisches
Desinteresse und Unzufriedenheit mit der Landes- und Bundespolitik,
sagte ein FDP-Sprecher.
«Von einer allgemeinen Politikverdrossenheit zu sprechen,
wäre zu einfach», betont hingegen Kay Spieß, Sprecher
der Linken. Bei Aktionen wie kostenfreies Mittagessen für Kinder
oder gegen den Bau eines Steinkohlekraftwerks engagierten sich Menschen
«über einen bestimmten Zeitraum sehr aktiv». Nach
solchen Aktionen sei es jedoch schwierig, diese Personen dann zu halten.
Ähnlich schätzt SPD-Parteimanager Krüger die Lage ein:
«Die Bürger stehen heute einer dauerhaften Bindung an
Organisationen eher skeptisch gegenüber». Das gelte auch
für Parteien. Stattdessen gebe es eher die Bereitschaft, sich
projektbezogen und zeitlich befristet zu engagieren.
Laut CDU-Landesgeschäftsführer Klaus-Dieter Götz ist es
2007 trotz 185 Neuzugängen nicht gelungen, «die
natürlichen Abgänge auszugleichen». Der
Altersdurchschnitt im CDU-Landesverband liegt laut Götz bei 53,5
Jahren.
(Quelle: ddp)
Deutsche-Bank-Chef fordert globales Wirtschaftsweisen-Gremium
Mo.03.03.08 - Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hat angesichts der Finanzkrise einen
globalen Sachverständigenrat zur Begutachtung der Finanzmärkte
vorgeschlagen.
Bei Übertreibungen im Markt müssten die Entwicklungen aus
größerer Distanz betrachtet werden, sagte Ackermann dem
Magazin "Der Spiegel" in einem am Samstag vorab veröffentlichten
Interview. "Deshalb schlage ich vor, über ein neues Gremium
nachzudenken, eine Gruppe weiser Männer und Frauen, die etwa im
Rahmen des Internationalen Währungsfonds die Entwicklung an den
Finanzmärkten beobachten und bei Gefahr im Verzug Alarm schlagen."
Die Übertreibungen im Markt für zweitklassigen Hypotheken
(Subprime) seien in den sechs bis zwölf Monaten vor Beginn der
Krise erfolgt, erläuterte Ackermann. "Hätte zwölf Monate
vorher eine unumstrittene Autorität gesagt: Macht bei diesem
Kreditgeschäft jetzt mal langsamer und beurteilt die Risiken neu,
wäre sicher manches anders gekommen!"
Das Finanz- und Bankensystem sei trotz der Krise stabil, sagte der
Bankchef. "Die Branche wird weitere Abschreibungen erleben. Die
Konsumausgaben werden zurückgehen, es wird Probleme im
Geschäft mit Kreditkarten und Autokrediten geben - vor allem in den
USA", räumte Ackermann ein. "Aber das alles ist verkraftbar und
führt nicht zu einer Systemkrise."
Auf die Frage, ob die Deutsche Bank aufs Einkaufstour gehen werde,
entgegnete Ackermann: "Wir fühlen uns in den Geschäftsfeldern,
in denen wir operieren, global so stark, dass wir organisch wachsen
können."
(Quelle: rtr)
VW-Rekord: 6,5 Milliarden Euro Vorsteuergewinn
Mo.03.03.08 - Der Autobauer Volkswagen hat im vergangenen Jahr mit einem
Vorsteuergewinn von 6,5 Milliarden Euro das beste Ergebnis seiner
Geschichte erzielt. Das ursprünglich für 2008 angestrebte Ziel
- ein Ergebnis von 5,1 Milliarden Euro - sei damit bei weitem
übertroffen worden.
Das teilte VW am Freitag in Wolfsburg mit. Der Konzern verkaufte fast
6,2 Millionen Autos, 7,9 Prozent mehr als im Jahr davor. Der Umsatz
stieg um 3,8 Prozent auf knapp 109 Milliarden Euro. Unter dem Strich
blieb ein Gewinn von 4,1 Milliarden Euro, fast 50 Prozent mehr als im
Vorjahr. Die Dividende soll von 1,25 im Vorjahr auf 1,80 Euro steigen.
VW-Chef Martin Winterkorn kündigte an, dass Umsatz, Absatz und
Gewinn auch im laufenden Jahr weiter wachsen sollen. Konkrete
Zahlenangaben dazu machte er nicht. Die Modellpalette werde gezielt
weiter ausgebaut und neue Marktsegmente erschlossen. «Wir gehen
deshalb davon aus, dass die Auslieferungen an Kunden den Rekordwert das
Jahres 2007 übertreffen werden.» Insbesondere in der
Asien-Pazifik-Region sowie in Zentral- und Osteuropa würden
steigende Verkaufszahlen erwartet.
Von einer weiteren Optimierung der Arbeitsabläufe und anhaltend
konsequenter Kostendisziplin erwartet Winterkorn ebenfalls einen
positiven Einfluss auf das Ergebnis. «Wir gehen insgesamt davon
aus, dass das Operative Ergebnis des Volkswagen Konzerns im Jahr 2008
den Wert von 2007 übertreffen wird.» Seine Einzelergebnisse
für 2007 will der Konzern in der Bilanz am 13. März vorstellen.
Winterkorn hatte zu seinem Amtsantritt Anfang 2007 das Ziel ausgegeben,
den erfolgreichsten Autobauer der Welt Toyota sowohl beim Absatz wie
auch bei der Rendite zu übertreffen. Er will das mit einer
Modelloffensive und weiter strenger Kostendisziplin erreichen. Von
Stellenabbau ist derzeit bei VW nicht die Rede. Vielmehr gibt es im
Stammwerk Wolfsburg Sonderschichten, um der Nachfrage etwa nach dem
Golf, aber auch nach dem neuen kleinen Geländewagen Tiguan zu
begegnen. Toyota verkauft mehr als neun Millionen Autos und lässt
VW vor allem auf dem US-Markt deutlich hinter sich.
Die erfolgreiche Bilanz 2007 ist auch auf die vorangegangene
durchgreifende Sanierung insbesondere der Marke Volkswagen
zurückzuführen, die noch die frühere Führung des
Unternehmens unter VW-Chef Bernd Pischetsrieder durchgesetzt hatte.
Unter anderem waren zur Erhöhung der Produktivität rund 20 000
Stellen gestrichen worden, vor allem über Abfindungen und
Altersteilzeit.
Aber auch ohne die Sondereinflüsse aus der vorangegangenen
Restrukturierung hat sich das operative Ergebnis 2007 um 40,3 Prozent
verbessert auf knapp 6,2 Milliarden Euro. Nach Sondereinflüssen,
die mit knapp 2,4 Milliarden Euro zu Buche schlugen, bedeutete das eine
Verdreifachung.
(Quelle: dpa)
DGB-Chef Sommer nennt Stellenabbau 'Kriegserklärung'
Mo.03.03.08 - Der Chef des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), Michael Sommer, hat
den geplanten Stellenabbau bei mehreren Konzernen als
«Kriegserklärung an die soziale Marktwirtschaft»
kritisiert.
«Hier wird gnadenlose Renditesteigerung um jeden Preis
zelebriert, die Zehntausende ins Unglück stürzt», sagte
Sommer der «Neuen Osnabrücker Zeitung». Er forderte im
Gegenzug eine stärkere Mitbestimmung in den Unternehmen. Sommer
verwies auf die Beispiele Nokia, BMW und Siemens. Bei allen drei
Unternehmen sollten trotz des gegenwärtigen Wirtschaftsaufschwungs
Tausende von Stellen wegfallen. Die gesellschaftliche Verantwortung der
Wirtschaft tendiere offenbar gegen null, betonte Sommer. «Denn
keines dieser Unternehmen ist auch nur annähernd notleidend.»
Der DGB-Chef drängte zudem auf die Einführung eines
allgemeinen gesetzlichen Mindestlohns.
Der Autohersteller BMW, der Konsumgüterriese Henkel und der
Technologiekonzern Siemens hatten in der zurückliegenden Woche
Aufsehen erregt, indem sie zugleich den Abbau tausender Stellen
ankündigten und enorme Gewinnzuwächse verbuchen. Nokia will
sein Werk in Bochum schließen und die Handy-Produktion nach
Rumänien verlagern.
Über strengere Verhaltensregeln für Manager berät auf
Wunsch von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nach Medieninformationen am
Dienstag die Cromme-Kommission, die den Codex zur
Unternehmensführung formulierte. Wie das Nachrichtenmagazin
«Focus» berichtet, hat der Wirtschaftsrat der CDU eine
Vorlage erarbeitet, in der es heißt: «Unternehmerischer
Misserfolg darf nicht länger mit hohen Abfindungen honoriert
werden.» Versagen in Vorstand oder Aufsichtsrat müsse
«mit persönlichen Konsequenzen bis hin zum Jobverlust
verbunden sein». Gehalt, leistungsbezogene Boni sowie Zahlungen
zum Vertragsende müssten konsequent und vergleichbar offengelegt
werden. Die Berater von Kienbaum Management Consultants schlagen vor,
statt Abfindungen einen Teil des Gehalts in eigenen Aktien festzulegen.
Misserfolge, die in Kursabschlägen münden, würden dann
direkt deren Wert verringern.
(Quelle: dpa)
Arbeitsminister Scholz fordert höhere Löhne
Mo.03.03.08 - Bundesarbeitsminister Olaf Scholz hat sich hinter
Gewerkschaftsforderungen nach höheren Löhnen gestellt: "Wir
haben in Deutschland sehr geringe Löhne", sagte der SPD-Politiker
am Sonntag im Deutschlandfunk laut vorab verbreiteten Interview. "Wir
sind im internationalen Vergleich nicht mehr da, wo wir uns vermuten."
Am deutlichsten werde das im unteren Lohnbereich. 15,5 Prozent der
Arbeitnehmer hätten einen Stundenlohn unter 7,50 Euro.
"Wir brauchen eine bessere Lohnentwicklung", sagte Scholz. Nötig
sei dies nicht zuletzt für die Rentner, deren Einkünfte
unmittelbar an der Gehaltsentwicklung hingen. "Die Tatsache, dass sich
bei den Bruttolöhnen nichts getan hat, hat sich auch in den
geringen Rentenerhöhungen der Vergangenheit niedergeschlagen." Auch
die Höhe des Arbeitslosengeldes II sei an die Lohnentwicklung
gekoppelt. Die Bundesregierung will im März die Höhe der
Rentenanhebung zur Jahresmitte bekannt geben.
(Quelle: rtr)
VW-Betriebsrat verlangt zusätzliche Beteiligung am Konzerngewinn
Mo.03.03.08 - VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh hat von Konzernchef Martin
Winterkorn eine zusätzliche Beteiligung am Rekordgewinn des
Autobauers im Jahr 2007 verlangt. Er gehe davon aus, «dass die
Belegschaft nicht nur den im Tarifvertrag vereinbarten Bonus von zehn
Prozent des operativen Gewinns der Marke Volkswagen erhält,
sondern der Vorstand die Leistung unserer Kolleginnen und Kollegen mit
einer zusätzlichen finanziellen Anerkennung würdigt»,
sagte Osterloh dem «Handelsblatt» (Montagausgabe).
Vor dem Hintergrund der angestrebten Produktivitätssteigerungen,
bei denen die gesamte Mannschaft gefordert sein werde, sei dies das
richtige Signal. «Leistung muss sich lohnen. Und das nicht nur
für Aktionäre, sondern auch für die
Beschäftigten», sagte Osterloh. Auslöser der Forderung
ist offenbar das am Freitag von Winterkorn präsentierte
Rekordergebnis von netto 4,1 Milliarden Euro. «Das ist eine
hervorragende Leistung der gesamten Belegschaft und des Managements des
VW-Konzerns», sagte Osterloh.
(Quelle: ap)
Immer mehr Überstunden
Mo.03.03.08 - Die Beschäftigten in Deutschland machen nach einem Bericht der
«Bild»-Zeitung immer mehr Überstunden. Im vergangenen
Jahr leisteten sie rund drei Milliarden Überstunden, wie das Blatt
unter Berufung auf Berechnungen des Nürnberger Instituts für
Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) schrieb. Die Zahl der bezahlten
Überstunden stieg demnach um rund fünf Prozent auf 1,477
Milliarden, den höchsten Wert seit fünf Jahren. Dazu
kämen den Experten zufolge noch einmal mindestens so viele
unbezahlte Zusatzstunden.
Rechnerisch leiste damit jeder Vollzeitbeschäftigte zwei
Überstunden pro Woche. Tatsächlich seien es bei
Vollzeitbeschäftigten mit Mehrarbeit aber eher sechs Stunden die
Woche, da nicht jeder Arbeitnehmer überhaupt Überstunden
mache, schrieb die Zeitung unter Berufung auf frühere
Schätzungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung
(DIW). Unbezahlte Überstunden fielen nach Angaben von DIW-Experten
vor allem in Handel, Gastronomie, Banken und Versicherungen an.
(Quelle: ap)
Krankenkassen machen ein Plus von zwei Milliarden Euro --
Arznei-Ausgaben der Kassen im Januar fast 13 Prozent gestiegen
Mo.03.03.08 - Die gesetzlichen Krankenkassen haben im vergangenen Jahr fast zwei
Milliarden Euro mehr eingenommen als ausgegeben. Dies geht aus ersten
Berechnungen der großen Krankenkassenverbände hervor, wie die
Frankfurter Allgemeine Zeitung in einem Vorabbericht am Freitag meldet.
Damit liegt der finanzielle Überschuss um mehr als 200 Millionen
Euro über dem Ergebnis von 2006, als ein Überschuss von 1,7
Milliarden Euro erzielt worden war. Das Bundesgesundheitsministerium
will die offiziellen Zahlen in der kommenden Woche mitteilen.
Die Krankenkassen erwarten wegen des guten Ergebnisses keinen Anstieg
bei den Beitragssätzen, wie die F.A.Z. berichtet. Zwar seien die
Ausgaben für Arzneimittel gestiegen und die Honorarverhandlungen
mit den Ärzten noch nicht abgeschlossen. Dennoch gehen die
Betriebskrankenkassen (BKK) einer Sprecherin zufolge von
"durchschnittlich stabilen Beitragssätzen" aus. Den
größten Überschuss weisen mit 943 Millionen Euro die
Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) aus.
Die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen für Arzneimittel sind
im Januar rapide angestiegen: Im Vergleich zum Vorjahresmonat
hätten die Kassen 12,6 Prozent mehr für Medikamente zahlen
müssen, teilte die Bundesvereinigung Deutscher
Apothekerverbände (ABDA) am Samstag in Berlin mit. Damit setzt sich
der Trend steigender Arzneiausgaben 2008 fort. Im vergangenen Jahr
waren die Kassenausgaben in diesem Bereich um 8,1 Prozent auf 25,6
Milliarden Euro gestiegen, was zum großen Teil auf die höhere
Mehrwertsteuer zurückzuführen ist.
Den hohen Anstieg im Januar erklärte der Apothekerverband damit,
dass 9,2 Prozent mehr Rezepte eingelöst worden seien als im
Vorjahresmonat. So seien im ersten Monat des Jahres rund vier Millionen
Verschreibungen mehr eingelöst worden als im Dezember 2007, in dem
wegen der Feiertage eine relativ niedrige Anzahl an Rezepten angefallen
sei. Zudem seien im Januar aber die Mehrausgaben der Kassen für
Impfstoffe im Zuge der Gesundheitsreform zu Buche geschlagen.
Berücksichtigt seien in der Aufstellung allerdings nicht die
Einsparungen durch Rabattverträge zwischen Kassen und Pharmafirmen.
boa (Quellen: rtr, epd)
Wirtschaft kritisiert Fahrverbote in innerstädtischen Umweltzonen
Mo.03.03.08 - Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hat die
Einführung von Umweltzonen in deutschen Städten scharf
kritisiert. «Deutschlands Autofahrern droht ein Flickenteppich
unterschiedlichster Regelungen», schrieb
DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben in einem Beitrag
für die Zeitung «Bild am Sonntag». «Betroffen von
möglichen Fahrverboten in Innenstädten sind vor allem sozial
Schwache und Kleinbetriebe, die sich keine neuen Autos mit moderner
Technik leisten können. Sie müssen sich unter großem
Aufwand um befristete Ausnahmegenehmigungen kümmern.»
Nachvollziehbar sei der Aktionismus vieler Städte und Gemeinden
nicht, urteilte Wansleben. Feinstaub und Stickoxide würden nach
Berechnungen des Umweltbundesamtes in den nächsten Jahren auch ohne
Umweltzonen deutlich sinken. Wer heute eine Umweltzone einrichte,
müsse schon morgen prüfen, ob sie noch erforderlich sei. Der
Effekt sei minimal, die Bürokratie dagegen erheblich. Wannsleben
fügte hinzu: "Im Sinne der Bürger und Unternehmen appelliere
ich daher an alle Stadtverwaltungen: Lassen Sie diesen Unsinn.»
Seit vergangenem Wochenende gelten in acht weiteren deutschen
Städten sogenannte Umweltzonen. In Stuttgart oder Mannheim
dürfen dann nur noch Autos fahren, die nicht zu viele Schadstoffe
ausstoßen und dies mit einer entsprechenden Plakette nachweisen.
Ähnliche Regelungen gibt es bereits in Hannover, Köln und
Berlin.
(Quelle: ddp)
Studie: Krippenbesuch erhöht Bildungschancen von Kindern
Mo.03.03.08 - Der Besuch einer Krippe erhöht die Bildungschancen eines Kindes
einer Studie zufolge deutlich. Etwa die Hälfte der Kinder, die
eine Krippe besucht haben, schafften später den Sprung auf ein
Gymnasium, heißt es in einer Studie der Bertelsmann-Stiftung,
über die die "Süddeutsche Zeitung" berichtet. Von den Kindern
ohne Krippenerfahrung gelinge dies nur einem Drittel. Die Studie
analysierte laut "SZ" die Bildungskarrieren von mehr als 1000 Kindern,
die zwischen 1990 und 1995 in Deutschland geboren wurden.
Es habe sich gezeigt, dass Kinder aus tendenziell benachteiligten
Familien von den Krippen besonders profitierten: Am stärksten
waren die positiven Wirkungen, wenn die Eltern der Kinder Migranten
waren oder einen Hauptschulabschluss hatten.
Die Untersuchung, die das Institut Bass aus Bern erstellt hat,
ermittelt auch die ökonomischen Effekte eines Krippenbesuchs. So
liege das spätere Lebenseinkommen eines Gymnasiasten deutlich
über dem eines schlechter Ausgebildeten. Steige durch den
Krippenausbau die Zahl der Gymnasiasten, sei dies wiederum von
volkswirtschaftlichem Nutzen. Die Kosten eines Krippenplatzes in
Höhe von etwa 8000 Euro, die überwiegend der Staat
trägt, würden dadurch leicht ausgeglichen.
(Quelle: afp)
Microsoft will auf Cebit neuen 'Surface'-Computer vorstellen
Mo.03.03.08 - Der Chef des US-Software-Konzerns Microsoft, Steve Ballmer, will bei
der Eröffnung der Computermesse CeBIT am Montagabend in Hannover
erstmals in Deutschland den im Unternehmen entwickelten Surface-Computer
vorstellen. Damit werde das Unternehmen nach sechs Jahren geheimer
Forschungsarbeit eine neue IT-Revolution auslösen, sagte der
Vorsitzende der Microsoft-Geschäftsführung in Deutschland,
Achim Berg, der in Hannover erscheinenden «Neuen Presse».
«Das wird der Computer der Zukunft», sagte Berg der
Zeitung, «denn jeder kann ohne Kenntnisse damit umgehen.»
Bei Surface handele es sich im Prinzip um eine intelligente
Tisch-Oberfläche, die wie ein Berührungsbildschirm
funktioniere und von auf ihr liegenden Geräten wie einer
Videokamera, einem Fotoapparat oder einem MP3-Player gespeicherte Daten
übernehme. Per Fingerdruck könne man Bilder oder Musik dann
abspeichern, abspielen oder als Mail versenden.
An Restauranttischen eingesetzt erkenne Surface unter anderem den
Inhalt eines abgestellten Glases, diene als virtuelle Speisekarte, zum
Hochladen von Spielen oder Lektüre. Surface werde zunächst in
den USA von Unternehmen wie T-Mobile in Shops zur Kundeninformation und
zum Aufladen von Handys mit Software genutzt, sagte Berg. Erst in etwa
drei Jahren sei sie in Deutschland verfügbar.
(Quelle: ap)