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Irak am 1442sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
USA wollen Fallschirmjägereinheit aus dem Irak abziehen. Iran
unterstützt angeblich weiter Aufständische im Irak
Mi.05.03.08 - Die USA setzen ihre im Dezember begonnene Truppenverminderung im Irak
fort. Wie am Dienstag aus dem Pentagon verlautete, soll in den
nächsten Tagen eine Fallschirmjägereinheit abgezogen werden.
Damit würde sich die Zahl der US-Kampfbrigaden im Irak von 19 auf
18 verringern. Bis Juli sollen drei weitere Brigaden das Land
verlassen. Die Truppenverminderung begann im Dezember mit dem Abzug
einer Brigade.
Ob es in der zweiten Jahreshälfte eine weitere Truppenverringerung
geben wird, steht noch nicht fest. Präsident George W. Bush lehnte
es am Samstag ab, eine über das bisher geplante Maß
hinausgehende Verminderung der Truppen vor dem Ende seiner Amtszeit im
Januar 2009 zu versprechen. Bush hatte vor einem Jahr die Truppen im
Irak verstärkt, um die Sicherheitslage zu verbessern. Die
Fallschirmjägereinheit, die jetzt abgezogen werden soll,
gehörte zu den damals zusätzlich in den Irak geschickten
21.500 Soldaten. Die USA haben derzeit noch knapp 160.000 Soldaten im
Irak stationiert.
Der Iran unterstützt nach Einschätzung der früheren
Nummer zwei der US-Truppen im Irak noch immer Aufständische dort.
Kämpfer im Irak erhielten Waffen, Ausbildung und Geld von
iranischer Seite, erklärte Generalleutnant Raymond Odierno am
Dienstag in Washington. «Wir haben keine Zweifel, dass sie
weiterhin Aufständische fördern.» Teheran müsse
sich stattdessen als hilfreicher Partner für den Irak und den
gesamten Nahen Osten erweisen. «Was sie beenden müssen ist
Stellvertreter zu trainieren, zu finanzieren und ihnen Waffen zur
Verfügung zu stellen - was sie heute noch immer tun»,
erklärte der Generalleutnant. Der iranische Präsident Mahmud
Ahmadinedschad hatte sich am Sonntag und Montag zu einem historischen
Besuch im Irak aufgehalten und Vorwürfe zurückgewiesen, sein
Land schüre die Unruhen dort.
boa (Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 05.03.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am neunhundertneunundsiebzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mo.05.03.07 - Arabische Liga sieht irakische Regierung in der Pflicht. Saudi-Arabien
und Iran wollen Gewalt im Irak eindämmen +++ Chefredakteur irakischer
Zeitung in Bagdad ermordet +++ UNO rechnet mit 2,3 Millionen
Binnenflüchtlingen im Irak Fahnenflucht wegen Irakkrieg...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0703050.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Nahost-Konflikt
USA rufen zur Fortsetzung der Nahost-Gespräche
auf -- US-Außenministerin erfolglos in Ramallah --
Palästinenser fordern Waffenstillstand -- Israelische Panzer
während Rice-Besuch im Gazastreifen -- Zahl getöteter
Palästinenser bei Militäroperation steigt auf 125 --
Hisbollah verfügt nach Angaben Israels über 30.000 Raketen.
-- US-Präsident Bush plante angeblich Putsch gegen Hamas
Mi.05.03.08 - US-Außenministerin Rice forderte die Palästinenser auf, die
Friedensgespräche mit Israel wieder aufzunehmen.
Palästinenserpräsident Abbas aber macht einen
Waffenstillstand in Gaza zur Vorbedingung.
Die US-Regierung versucht, den Nahost-Friedensprozess zu retten.
US-Außenministerin Condoleezza Rice drängte am Dienstag
Israel und die Palästinenser bei einer Reise durch den Nahen Osten
zu einer raschen Wiederaufnahme der Friedensgespräche. "Jeder muss
sich auf Frieden konzentrieren", forderte die Außenministerin.
In Ramallah traf Rice mit Palästinenser-Präsident Mahmud
Abbas zusammen. Abbas ging jedoch auf die amerikanische Forderung, die
Verhandlungen mit Israel wieder aufzunehmen, nicht ein. Stattdessen
verlangte er einen Waffenstillstand im Gazastreifen und im
Westjordanland. Die Palästinenser hatten die Verhandlungen am
Sonntag wegen der israelischen Offensive im Gazastreifen abgebrochen.
Dort hatte die israelische Armee in fünf Tagen mehr als 120
Palästinenser getötet.
Rice schloss sich der Forderung nach einem Waffenstillstand jedoch
nicht an, Stattdessen verlangte sie nur allgemein ein Ende der Gewalt.
Israel lehnt einen Waffenstillstand gegenwärtig ab.
Während des Besuchs Rice haben sich israelische Bodentruppen am
Dienstag im Gazastreifen Gefechte mit Kämpfern der islamistischen
Hamas geliefert. Nach Angaben von Augenzeugen drangen israelische
Panzerfahrzeuge erneut in das Gebiet ein und wurden mit Werfergranaten
und Maschinengewehren beschossen. Eine Armeesprecherin bestätigte
den Militäreinsatz, äußerte sich aber nicht zu Details.
Außenministerin Zipi Livni hatte zuvor erneute Angriffe im
Gazastreifen nicht ausgeschlossen, wenn die Raketenangriffe militanter
Palästinenser auf Israel nicht aufhörten: "Wir können
einen solchen extremistischen von der Hamas kontrollierten
islamistischen Staat nicht zulassen."
Ungeachtet aller Schwierigkeiten gibt sich US-Präsident George W.
Bush weiter zuversichtlich, ein Abkommen zwischen Israelis und
Palästinensern vermitteln zu können. Bis zum Ende seiner
Amtszeit seien noch zehn Monate Zeit, um ein Friedensabkommen zu
schließen, sagte Bush bei einem Treffen mit dem jordanischen
König Abdullah II. am Dienstag in Washington.
Unterdessen berichtete das US-Magazin "Vanity Fair", die US-Regierung
habe 2006 versucht, die Hamas gewaltsam zu entmachten. Wie das Magazin
in seiner Dienstagsausgabe unter Berufung auf Geheimdokumente
berichtete, wollte die US-Regierung aus Mitgliedern der Fatah von
Palästinenserpräsident Mahmud Abbas eine bewaffnete Truppe
auszubauen.
Der Plan sei jedoch gescheitert - mit der Folge, dass die Hamas
schließlich im Juni 2007 die Macht im Gazastreifen
übernehmen konnte. An der Spitze der Fatah-Truppe stand laut
"Vanity Fair" Mohammed Dahlan, der langjährige Sicherheitsberater
von Abbas. US-Außenministerin Rice wollte den Artikel
zunächst nicht kommentieren.
Die Zahl der Palästinenser, die seit vergangenem Mittwoch bei
israelischen Militäroperationen im Gazastreifen ums Leben gekommen
sind, ist auf 125 gestiegen. Das teilte die palästinensische
Gesundheitsbehörde mit. Das ist die höchste Opferzahl seit dem
Sechstagekrieg von 1967. Israel hatte mit der Operation auf den
ständigen Raketenbeschuss seiner Grenzorte durch militante
Palästinenser aus dem Gazastreifen reagiert.
Die schiitische Hisbollah-Miliz im Südlibanon verfügt nach
israelischen Angaben über ein Arsenal von 30.000 Raketen. 10.000
davon seien Langstreckenraketen, weitere 20.000 Kurzstreckenraketen,
sagte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon am Montag unter Berufung auf
israelische Angaben in einem Bericht an den Weltsicherheitsrat. Ban
bestätigte die Angaben Israels nicht, äußerte sich aber
besorgt über öffentliche Äußerungen der Hisbollah
und wiederkehrende Vorwürfe der Verletzung des UN-Waffenembargos.
Der UN-Generalsekretär konzentrierte sich in seinem Bericht auf
die Umsetzung der Libanon-Resolution der Vereinten Nationen, die im
August 2006 einen Krieg zwischen Israel und der Hisbollah nach 34 Tagen
beendete. In der Resolution wird die Entwaffnung aller Milizen und ein
Verbot von Waffenlieferungen an sie gefordert. Ban erklärte, die
Entwaffnung der Milizen müsse Teil eines politischen Prozesses
sein, der auch die Autorität der libanesischen Regierung
wiederherstelle. Er bedauere, dass die Regierungskrise und der Streit um
die Wahl eines neuen Präsidenten es unmöglich gemacht
hätten, die Entwaffnung anzugehen.
Israel wirft der Hisbollah nach Angaben Bans vor, ihre
militärische Präsenz im Südlibanon deutlich auszubauen.
Die Blauhelme und die libanesischen Truppen hätten jedoch keine
Beweise dafür gefunden.
boa (Quellen: ap, dpa, dw)
Odinga und Kibaki führen Gespräche zu Teilung der Macht in
Kenia
Mi.05.03.08 - Kenias Präsident Mwai Kibaki und Oppositionsführer Raila
Odinga haben am Dienstag Gespräche zur künftigen Teilung der
Macht in dem ostafrikanischen Land geführt. «Wir waren uns
einig, dass wir die in den vergangenen zwei Monaten aufgerissenen
Wunden heilen wollen», sagte Odinga nach dem Zusammentreffen in
Nairobi. Das Gespräch sei sehr produktiv gewesen. Bei den
landesweiten Unruhen, die nach der umstrittenen Präsidentenwahl am
27. Dezember ausgebrochen waren, kamen mehr als 1.000 Menschen ums
Leben.
Sowohl Odinga als auch Kibaki beanspruchten nach der
Präsidentenwahl den Sieg für sich. Am vergangenen Donnerstag
schlossen die beiden Rivalen unter der Vermittlung des ehemaligen
UN-Generalsekretärs Kofi Annan ein Abkommen zur Teilung der Macht
ab, das in dieser Woche vom Parlament beschlossen werden soll. Demnach
soll Odinga das neugeschaffene Amt des Ministerpräsidenten
übernehmen.
(Quelle: ap)
Sieben Tote bei Anschlag auf Marine-Schule in Pakistan
Mi.05.03.08 - Bei einem Selbstmordanschlag auf ein Marine-College im pakistanischen
Lahore sind mindestens sieben Menschen getötet worden.
19 weitere Menschen wurden nach Behördenangaben verletzt. Der
Attentäter zündete seine Bombe am Dienstag vor dem Eingang
der Schule und in direkter Nähe zu einem Kleinbus. Es war der
vierte Selbstmordanschlag in fünf Tagen. Die Serie wird
islamischen Extremisten mit Verbindungen zur Al-Kaida und den
afghanischen Taliban zur Last gelegt.
Bei der Explosion wurden Angaben von Marinevertretern zunächst
zufolge der Attentäter und vier weitere Menschen getötet,
zwei Menschen seien bei verzögerten Detonationen ums Leben
gekommen. Der Attentäter fuhr Angaben des Innenministeriums
zufolge dicht hinter dem Kleinbus auf das Schulgelände.
Lahore ist die Hauptstadt der Provinz Punjab und galt als ruhig, bis im
Januar ein Selbstmordattentäter bei einem Anschlag in der
Nähe eines Obergerichts 19 Menschen in den Tod riss. Allein in
diesem Jahr wurden bei Anschlägen und Zusammenstößen
der Sicherheitskräfte mit Extremisten bereits 500 Menschen
getötet. Das mit Atomwaffen ausgerüstete Pakistan ist einer
der engsten Verbündeten der USA im Kampf gegen den Terrorismus.
Im Nordwesten wurden bei einem Gefecht fünf Menschen getötet,
darunter Polizeiangaben zufolge vier Extremisten. Die Schießerei
in der Stadt Lakki Marwat brach demnach aus, nachdem die Extremisten
ein örtliches Ratsmitglied und zwei Mitarbeiter des Mannes
entführt hatten. Die Grenzregion zu Afghanistan ist ein
Rückzugsgebiet der Taliban.
(Quelle: rtr)
Iran verurteilt neue Sanktionen als 'wertlos'
Mi.05.03.08 - Der Iran hat die neuen Sanktionen des UN-Sicherheitsrats wegen seines
Atomprogramms als «wertlos» verurteilt. Die Resolution des
Sicherheitsrats stehe im Widerspruch zu Geist und Artikeln der
Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), erklärte der
Sprecher des Außenministeriums, Mohammad Ali Hosseini, laut einem
Bericht der Nachrichtenagentur IRNA am Dienstag. Die Entscheidung sei
politisch motiviert, erklärte er. «Sie ist wertlos und
inakzeptabel.»
Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hatte am Montag weitere
Sanktionen beschlossen, weil sich der Iran weigert, sein Programm zur
Urananreicherung aufzugeben. So wurde jetzt erstmals der Handel mit
Gütern verboten, die sowohl für zivile als auch für
militärische Zwecke verwendet werden können. Die Entscheidung
fiel mit 14 zu 0 Stimmen fast einstimmig; lediglich Indonesien enthielt
sich.
Zusätzlich wird das Vermögen von weiteren zwölf
iranischen Unternehmen und 13 Personen eingefroren, die Verbindungen
zum Atom- oder Raketenprogramm Teherans haben. Die Auslandsreisen
dieser Personen sollen aufmerksam verfolgt und gemeldet werden. Bei
diesen Personen auf der schwarzen Liste handelt es sich vor allem um
ranghohe Militärangehörige.
Russland und China verhinderten am Dienstag bei der IAEA in Wien eine
weitere Resolution gegen den Iran und sein Atomprogramm, wie aus
Diplomatenkreisen in Wien verlautete. Grund war wohl vor allem, dass
beide Staaten darüber verärgert waren, dass sie von den
westlichen Staaten vorab nicht über die Pläne für diese
Resolution informiert wurden. Die Entscheidung, die Resolution
fallenzulassen, sei dann von allen sechs Staaten, die mit dem Iran
über sein Atomprogramm verhandeln, gemeinsam getroffen worden,
hieß es weiter. Neben den fünf ständigen Mitgliedern
des Sicherheitsrats ist auch Deutschland an den Verhandlungen beteiligt.
(Quelle: ap)
China steigert Militärausgaben um fast 18 Prozent
Mi.05.03.08 - Eine deutliche Erhöhung der Militärausgaben ist eines der
zentralen Themen der am Mittwoch beginnenden Sitzungsperiode des
Nationalen Volkskongresses, des chinesischen Parlaments. Der
Präsident des Volkskongresses, Jiang Enzhu, warnte bei der
Vorstellung der Tagesordnung am Dienstag Taiwan davor, seinen
Unabhängigkeitskurs fortzusetzen. Die meisten Entscheidungen, die
das Parlament beschließen soll, wurden schon auf dem Parteitag der
Kommunistischen Partei im vergangenen Jahr getroffen.
Wie Jiang erklärte, will China seine Militärausgaben in
diesem Jahr um fast 18 Prozent im Vergleich zu 2007 steigern. Der
größte Teil des zusätzlichen Geldes werde für
höhere Gehälter und die gestiegenen Energiepreise gebraucht.
Die Rüstungsausgaben stiegen hingegen deutlich geringer, sagte
Jiang. Schon im vergangenen Jahr war der Militärhaushalt in China
offiziell um 18 Prozent gestiegen.
Der Volkskongress, der am (heutigen) Mittwoch seine zweiwöchige
Sitzung beginnt, muss dem Haushalt zustimmen. Jiang gab die
Gesamtausgaben mit 417,8 Milliarden Yuan (38,65 Milliarden Euro) an.
Andere Länder haben kritisiert, China gebe die Ausgaben für
seine Streitkräfte deutlich zu niedrig an. Die tatsächliche
Zahl könne drei Mal so hoch sein wie angegeben.
Jiang warnte am Dienstag den taiwanischen Staatspräsidenten Chen
Shui-bian, er werde einen hohen Preis zahlen, wenn er seinen Kurs, der
eine Unabhängigkeitserklärung zum Ziel habe, fortsetze. Die
Lage beschrieb Jiang als «düster und komplex». Taiwan
und China trennten sich im Bürgerkrieg 1949. Die Regierung in
Peking betrachtet dabei Taiwan weiter als Teil Chinas und hat mit
militärischer Gewalt gedroht, falls das Land seine
De-facto-Unabhängigkeit formalisiert.
(Quelle: ap)
Schwere Krise wegen Kolumbiens Angriff auf FARC in Ecuador --
US-Präsident Bush unterstützt Kolumbien bei Vorgehen gegen
FARC
Mi.05.03.08 - Die Spannungen wegen des kolumbianischen Militäreinsatzes gegen
FARC-Rebellen auf ecuadorianischem Gebiet haben sich zu einer
schwerwiegenden Krise entwickelt. Das venezolanische Militär
begann nach Angaben eines Gouverneurs mit der Verlegung von Truppen an
die Grenze zu Kolumbien. Vor einem Treffen der Organisation
Amerikanischer Staaten (OAS) in Washington schlugen Brasilien und Chile
den Einsatz einer Untersuchungskommission vor. Kolumbianische Truppen
hatten am Samstag den Vizechef der FARC in einem Rebellenlager in
Ecuador getötet.
Die örtliche Garnison sei mobilisiert worden, erklärte der
Gouverneur der zentral gelegenen venezolanischen Provinz Lara, Luis
Reyes. Weder der Verteidigungsminister noch der Oberbefehlshaber der
Streitkräfte bestätigten die Truppenbewegungen zunächst.
Zuvor hatte der venezolanische Landwirtschaftsminister Elias Jaua im
kolumbianischen Fernsehen die Schließung der Grenze zwischen den
beiden Ländern bekannt gegeben. Venezuela ordnete zudem die
Ausweisung des kolumbianischen Botschafters und seiner Mitarbeiter an.
Ecuador brach die diplomatischen Beziehungen zu Kolumbien ab. Ecuadors
Staatschef Rafael Correa sprach von einer beispiellosen Krise, die ganz
Lateinamerika betreffe.
Kolumbien gab bekannt, die FARC-Rebellen hätten laut Informationen
vom Laptop des getöteten FARC-Vizes Raúl Reyes den Bau
schmutziger Bomben geplant und würden finanziell von Venezuelas
Präsident Hugo Chávez unterstützt. Der kolumbianische
Präsident Álvaro Uribe drohte, er werde Chávez
deshalb wegen "Finanzierung von Völkermord" vor den
Internationalen Strafgerichtshof bringen.
Brasilien und Chile kündigten an, sie würden auf der
Sondersitzung des Ständigen Rates der Organisation Amerikanischer
Staaten (OAS) die Einsetzung einer Untersuchungskommission vorschlagen,
die die Vorgänge klären soll. Kolumbien hatte am Wochenende
zugegeben, Reyes auf ecuadorianischem Boden getötet zu haben.
Die FARC erklärte unterdessen in Bogotá, Reyes sei im
Grenzgebiet mit der Vorbereitung eines Treffens mit Frankreichs
Präsident Nicolas Sarkozy befasst gewesen, als er getötet
wurde. Sarkozy hatte zuvor verkündet, er sei bereit, sich für
eine Freilassung der französisch-kolumbianischen FARC-Geisel
Ingrid Betancourt selbst in den kolumbianischen Dschungel zu begeben.
US-Präsident George W. Bush hat Kolumbien seine Unterstützung
bei dessen Vorgehen gegen die Rebellenorganisation FARC zugesichert.
Die USA stünden hinter der Regierung von Präsident Alvaro
Uribe in deren Kampf gegen den Terror, erklärte Bush am Dienstag
in Washington. Zugleich kritisierte Bush «provokative
Manöver» des venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez.
Die EU rief die beteiligten Staaten auf, "jede Eskalation zu vermeiden".
boa (Quellen: afp, ap)
Ukraine droht mit Unterbrechung von Gasexporten in die EU
Mi.05.03.08 - Nach der Verschärfung des Gasstreits zwischen der Ukraine und
Russland müssen sich Deutschland und weitere EU-Staaten auf
mögliche Folgen einstellen. Der vom Kreml kontrollierte
Gasmonopolist Gazprom halbierte am Dienstag die russischen
Gaslieferungen in die Ukraine.
Grund sei die Weigerung Kiews, seit Monaten aufgelaufene Schulden zu
bezahlen, sagte Gazprom-Sprecher Sergej Kuprijanow am Abend in Moskau.
Die Ukraine will den Transit nach Westeuropa unterbrechen, sollte die
eigene Versorgung durch die Lieferkürzungen gefährdet sein.
Die EU-Kommission hatte beide Seiten zu einer raschen Lösung des
«wirtschaftlichen Problems» aufgefordert.
Deutschland bezieht etwa 35 Prozent seines Gases aus Russland -
über die Ukraine und Weißrussland. Bereits Anfang 2006 waren
die Lieferungen nach Westeuropa in Mitleidenschaft gezogen worden,
nachdem Russland am Gashahn gedreht hatte. Gazprom warf den Ukrainern
damals vor, illegal Gas abzuzapfen. Etwa 80 Prozent der russischen
Gaslieferungen an die Europäische Union laufen derzeit durch die
Ukraine.
«Die Verbraucher brauchen sich bei uns keine Sorgen zu
machen», sagte eine Sprecherin von E.ON/Ruhrgas in Essen. E.ON
verfüge über ein «breitgefächertes
Bezugsportfolio» mit Lieferanten aus sechs Ländern. Dank des
milden Winters gebe es zudem eine «komfortable
Versorgungssituation».
Gazprom werde den Export in das Nachbarland weiter drosseln, sollten
beide Seiten nicht an den Verhandlungstisch zurückkehren, sagte
Kuprijanow. In einem Telefonat forderte der künftige russische
Präsident Dmitri Medwedew von dem ukrainischen Präsidenten
Viktor Juschtschenko die umgehende Bezahlung der Rechnungen. Moskau
erwarte von Kiew die Einhaltung von Verträgen, sagte Medwedew, der
auch Aufsichtsratschef von Gazprom ist.
Beide Seiten streiten über die Höhe der Rechnungen. Nach
unterschiedlichen Angaben geht es um mehrere hundert Millionen bis eine
Milliarde Euro. Medwedew forderte eine «Intensivierung der
Anstrengungen auf ukrainischer Seite» zur Lösung des
Konflikts. Der 42 Jahre alte Vizeregierungschef war am Sonntag zum
Nachfolger von Präsident Wladimir Putin gewählt worden.
Kuprijanow betonte, es gehe um den Schutz der wirtschaftlichen
Interessen Gazproms. Die ukrainische Gasgesellschaft Naftogas forderte
Gazprom zur Einhaltung der Liefervereinbarungen auf. Der Transit nach
Westeuropa werde nur so lange gewährleistet, wie die
Versorgungssicherheit der Ukraine nicht gefährdet sei, teilte
Naftogas in Kiew mit. Naftogas wolle zunächst auch auf eigene
Reserven zurückgreifen. Gazprom hatte zuvor erklärt, dass den
Kunden in der EU kein Schaden durch den Konflikt der beiden Ex-
Sowjetrepubliken drohe.
Die Gasrechnung für die Ukraine fiel zuletzt höher als
üblich aus, weil Russland wegen Lieferschwierigkeiten in
Zentralasien den Anteil des teureren eigenen Gases am Export in die
Ukraine erhöht hatte. Bei dem Gas-Konflikt zwischen beiden
Ländern vor zwei Jahren war es zu verringerten Lieferungen an die
Abnehmer in der EU gekommen. Moskau beschuldigte Kiew am Dienstag,
unabhängige Experten am Zugang zu den Messstationen in der Ukraine
zu hindern.
Die Ukraine verbraucht jährlich etwa 76 Milliarden Kubikmeter Gas.
Ein Viertel (bis zu 20 Milliarden Kubikmeter) deckt das Land aus
eigenen Vorkommen. Russland soll nach ukrainischen Regierungsangaben in
diesem Jahr 14 Milliarden Kubikmeter aus eigenen Quellen beisteuern.
Der größte Anteil (über 40 Milliarden Kubikmeter)
entfällt auf turkmenische Exporte, die über russisches
Territorium transportiert werden.
(Quelle: dpa)
Albanien, Kroatien und Mazedonien werben für NATO-Beitritt
Mi.05.03.08 - Mit der Aussicht auf mehr Stabilität auf dem Balkan haben
Albanien, Kroatien und Mazedonien am Dienstag gemeinsam für ihre
Aufnahme in die NATO geworben. Eine Ausweitung des
Militärbündnisses werde zur Stabilität der Region und
zur Leistungsfähigkeit der NATO in Südosteuropa beitragen,
heißt es in einem Schreiben, das von den Außenministern der
drei Länder unterzeichnet wurde und der Nachrichtenagentur AP
vorliegt.
Kroatien rechnet mit einer Einladung zum NATO-Beitritt auf dem Gipfel
in Bukarest im April. Schlechter stehen die Chancen von Albanien und
Mazedonien: Der Regierung in Tirana wurde bereits mitgeteilt, sie
müsse höhere Standards bei der Korruptionsbekämpfung
erfüllen, faire Wahlen garantieren und das Rechtssystem
reformieren. Und der erhoffte Beitritt Mazedoniens könnte wegen
eines Streits über den Namen «Mazedonien» von
Griechenland blockiert werden. Griechenland befürchtet, dass
Mazedonien von seinem Namen her Gebietsansprüche auf die
gleichnamige nordgriechische Provinz ableiten könnte.
(Quelle: ap)
USA stoppen Hilfe für Regierungspartei der bosnischen Serben
Mi.05.03.08 - Die USA haben ihre Finanzhilfe für die Regierungspartei der
bosnischen Serben eingestellt, weil diese eine nationalistische Politik
verfolgt haben soll. Die Partei SNSD des Ministerpräsidenten
Milorad Dodik habe Institutionen auf Staatsebene unterlaufen und daher
keinen Anspruch auf Unterstützung durch die
Entwicklungshilfeorganisation USAID, teilte die US-Botschaft in
Sarajevo am Dienstag mit. "Die US-Regierung leistet weder finanzielle
noch technische Hilfe an irgendwelche ethnisch basierten,
nationalistischen politischen Parteien in Bosnien-Herzegovina."
SNSD-Generalsekretär Igor Radojicic bezeichnete die Entscheidung
als politisch motiviert. Nun erhalte keine Partei aus der Repubika
Srpska mehr US-Hilfe, während die Parteien in der
muslimisch-kroatischen Föderation Geld bekämen, sagte er.
Während die bosnischen Muslime und Kroaten für einen starken
Zentralstaat eintreten, um so auf dem Weg in die Europäische Union
voranzukommen, beharren die bosnischen Serben auf ihrer Autonomie.
Zudem sind sie für stärkere Bindungen an Serbien.
Nach der Unabhängigkeitserklärung des Kosovo hatten bosnische
Serben unter anderem das US-Konsulat in Banja Luka angegriffen. Zudem
drohte das Parlament der Serbenrepublik damit, sich selbst von Bosnien
zu trennen, sollte eine Mehrheit der EU- und UN-Mitglieder das Kosovo
als eigenen Staat anerkennen.
(Quelle: rtr)
Nordirischer Regierungschef Paisley kündigt Rücktritt an
Mi.05.03.08 - Nordirlands Regierungschef Ian Paisley hat überraschend seinen
Rücktritt angekündigt und damit das Ende einer Ära in
der einstigen Konfliktregion eingeläutet. Er werde nächsten
Mai nach fast 40 Jahren auch den Posten als Chef der protestantischen
Unionistenpartei DUP aufgeben.
Dies sagte der 81-Jährige am Dienstag in Belfast. Nach einem
jahrzehntelangen blutigen Konflikt hatte Paisley im Mai vergangenen
Jahres zusammen mit seinem Erzfeind Martin McGuiness, dem ehemaligen
Kommandeur der Terrororganisation IRA und Politiker der pro-irischen
Sinn Fein Partei, eine gemeinsame Regierung gebildet.
Die Entscheidung, gemeinsam zu regieren, wurde als Versöhnung
zwischen den einst verfeindeten Protestanten und Katholiken in
Nordirland gewertet. Nach fünf Jahren unter der Verwaltung aus
London hatte Nordirland damit wieder eine eigene Regierung. Dem
Nordirland- Konflikt waren seit 1969 mehr als 3500 Menschen zum Opfer
gefallen. Die Grundlage für die friedliche Lösung wurde 1998
durch das Karfreitagsabkommen gelegt, an dem neben den Konfliktgegnern
auch die Regierungen in Dublin und in London beteiligt waren.
Der britische Premierminister Gordon Brown würdigte Paisleys
«riesigen Beitrag» zur Politik in Nordirland. Browns
Vorgänger Tony Blair, der zusammen mit Irlands Regierungschef
Bertie Ahern maßgeblich für den Friedensprozess
verantwortlich war, sagte: «Der Mann, der für sein "Nein"
berühmt war, wird in die Geschichte eingehen, weil er "Ja" gesagt
hat.» Ahern sagte, er hoffe, die Zusammenarbeit mit Paisleys
Nachfolger laufe ebenfalls «harmonisch» ab.
Mit dem Rücktritt gab Paisley dem seit längerem wachsenden
Druck innerhalb seiner Partei nach. Dieser hatte auch mit der Rolle
seines Sohnes zu tun, der wegen angeblichen Verbindungen zu
Bauträgern in die Schlagzeilen geraten und als Juniorminister
zurückgetreten war. Auch sein vielen Kritikern zu inniges
Verhältnis zu McGuinness hatte zu Verstimmungen in der Partei
geführt.
Paisley, auch «Dr. No» genannt, prägte seit fünf
Jahrzehnten die nordirische Politik. Er galt als besonders
starrköpfiger Hardliner und hatte lange Zeit eine Vereinbarung mit
der Sinn Fein Partei als «Pakt mit dem Teufel» abgelehnt.
Dann stimmte er - für viele überraschend - doch noch einer
gemeinsamen Regierung zu. «Niemals» und «Nein»
waren die Standartworte des protestantischen Pfarrers. Unbeugsam war er
nicht nur gegenüber Bestrebungen, den Norden Irlands mit der
katholisch dominierten Republik im Süden zu vereinen. Eigensinnig
gründete er Anfang der 50er-Jahre auch seine eigene Freie
Presbyterianische Kirche.
Als wahrscheinlicher Nachfolger Paisleys gilt der DUP-Vizechef und
nordirische Finanzminister Peter Robinson. Paisley wird nach eigenen
Angaben Abgeordneter bleiben. Auch McGuinness würdigte Paisleys
Verdienste in Nordirland: Seine «historische Entscheidung»,
mit Sinn Fein eine Regierung zu bilden, habe Nordirland «für
immer» verändert. Großbritanniens ehemaliger
Nordirland-Minister Peter Hain hob Paisleys «absolut historische
Rolle» hervor.
(Quelle: dpa)
EU erhöht den Druck im Kampf gegen Steueroasen
Mi.05.03.08 - Die EU will im Kampf gegen Steueroasen schneller und effizienter
vorgehen. Die grenzüberschreitende Zinsbesteuerung könnte
verschärft werden, hieß es nach Beratungen der
EU-Finanzminister in Brüssel.
In der Debatte macht vor allem Deutschland Druck, wo die Affäre um
Steuerhinterziehung über Liechtensteiner Banken immer weitere
Kreise zieht. Mehrere EU-Länder mit Bankgeheimnis wie Luxemburg
oder Österreich pochen jedoch darauf, dass für härtere
Gesetze auch nicht zur EU gehörende Länder wie die Schweiz
und Liechtenstein unbedingt mitziehen. In der EU- Steuerpolitik gilt
Einstimmigkeit, das macht Kompromisse besonders schwierig.
Die obersten Kassenhüter baten die EU-Kommission, die ohnehin in
diesem Jahr fällige Überprüfung der seit drei Jahren
laufenden EU- Zinsbesteuerung zu beschleunigen. Ein Bericht soll bis
Ende Juni vorgelegt werden. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück
sagte: «Ich bin positiv und angenehm überrascht über
die Unterstützung.» Er forderte, das Zinsgesetz auf
juristische Personen - dazu gehören auch Stiftungen - auszudehnen.
Bisher gilt es nur für Privatanleger. Zudem müssten neben
Sparerträgen andere Kapitaleinkünfte erfasst werden.
Steinbrück sprach von einem «dicken Holz, was lange gebohrt
werden muss». Konkrete Abmachungen zur Änderung des Gesetzes
gab es nicht.
Deutschland wird in seinem harten Vorgehen gegen die Steuerflucht unter
anderem von Frankreich, Großbritannien, Schweden, Finnland,
Italien, Spanien und den Niederlanden unterstützt. Österreich
verhielt sich hingegen abwartend. «Das Bankgeheimnis steht nicht
zur Disposition», sagte Finanzminister und Vizekanzler Wilhelm
Molterer: «Österreich ist davon überzeugt, dass dieses
Instrument verantwortungsvoll angewendet wird.» Das Bankgeheimnis
sei in der EU- Zinsrichtlinie rechtlich abgesichert. Er sei bereit,
über eine Reform des EU-Gesetzes zu sprechen. Bei
Veränderungen müssten europäische Drittstaaten wie die
Schweiz oder Liechtenstein mitziehen. «Dieses Prinzip bleibt in
Geltung.» Molterer fügte hinzu: «Österreich ist
keine Steueroase. Österreich ist ein transparentes Land.» Er
wehrte sich damit gegen Vorwürfe in der europäischen
Öffentlichkeit.
Österreich gehört wie Luxemburg und Belgien zu den
EU-Ländern, die bisher keine Informationen über
Zinseinkünfte von EU-Sparern an deren Heimatbehörden
weiterleiten. Sie erheben stattdessen eine anonyme Quellensteuer.
Drittstaaten wie die Schweiz oder Liechtenstein arbeiten nach dem
selben Prinzip. Der belgische Finanzminister Didier Reynders sagte, es
sei denkbar, die Regelungen auf Erträge aus Versicherungsprodukten
auszudehnen. «Wir wissen, dass Betrugsfälle für einige
Staaten ein echtes Trauma sind.» EU-Steuerkommissar Laszlo Kovacs
nannte die Ausnahmen für Luxemburg, Österreich und Belgien
Übergangsabmachungen. «Ich bin allerdings für eine
endgültige Regelung.»
Steinbrück warnte EU-Staaten, die Verhandlungen Brüssels mit
Steueroasen wie Macao, Singapur und Hongkong zu unterlaufen.
Hintergrund ist, dass einige EU-Staaten mit diesen Finanzzentren
Doppelbesteuerungsabkommen vereinbaren, die nicht den Standards der
Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
(OECD) im Kampf gegen Steuerhinterziehung entsprechen. Es werde darauf
ankommen, die Kommission zu unterstützen, sagte Steinbrück.
Es dürfe nicht zu «einer Art Unterminierung der
Verhandlungen kommen».
Auch Luxemburgs Premier- und Finanzminister Jean-Claude Juncker
forderte «annähernd dieselben Regeln» in
Finanzzentren, die in direktem Wettbewerb zu Europa stünden.
«Ich bin sehr dafür, dass wir europäische Regeln
treffen, die wasserdicht sind und wasserdicht bleiben.» Im Kampf
gegen den Mehrwertsteuerbetrug einigten sich die Mitgliedstaaten nicht
auf ein Pilotprojekt für ein weniger betrugsanfälliges
Steuersystem in Österreich. Berlin und Wien wollen nun weiter
dafür werben.
(Quelle: dpa)
Europarat beklagt Ungerechtigkeit bei Frauen-Gehältern
Mi.05.03.08 - Der Menschenrechtskommissar des Europarats, Thomas Hammarberg, hat mehr
Einsatz im Kampf gegen das Lohngefälle zwischen Männern und
Frauen gefordert. "Es gibt immer noch Fälle schreiender
Ungerechtigkeit", kritisierte Hammarberg am Montag in Straßburg.
So werde eine unfaire Bezahlung häufig durch einen anderen Jobtitel
kaschiert, obwohl die Angestellte dasselbe leiste wie ihre
männlichen Kollegen, sagte der Kommissar wenige Tage vor dem
internationalen Frauentag am Samstag.
"Das Prinzip 'Gleicher Lohn für gleiche Arbeit' gehört zu den
Grundkonzepten der Gerechtigkeit", betonte Hammarberg. Angesprochen
seien insbesondere die Arbeitgeber und die Tarifparteien. Außerdem
müssten Paare mehr Möglichkeiten erhalten, auch den Mann in
die Kindererziehungszeit einzubinden. In etlichen europäischen
Ländern sei der Vaterschaftsurlaub auf zwei Wochen begrenzt,
mahnte Hammarberg. Laut Statistiken der EU-Kommission verdienen Frauen
im EU-Schnitt 15 Prozent weniger als Männer.
(Quelle: epd)
Deutschland
Hessens SPD will mit Stimmen der Linken rot-grüne Regierung bilden
-- Konflikt über Verhalten zur Linkspartei bricht wieder auf
Mi.05.03.08 - Die hessische SPD hat sich zur Zusammenarbeit mit der Linkspartei
bereiterklärt und damit den Streit über den Kurs der SPD neu
angefeuert.
Die hessische Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti sagte am Dienstag in
Wiesbaden, sie strebe eine rot-grüne Minderheitsregierung an, die
sich Mehrheiten auch mit Hilfe der Linken suchen würde. Vertreter
des rechten SPD-Flügels reagierten mit neuer Kritik an diesen
Plänen, während linke Sozialdemokraten die hessische SPD in
Schutz nahmen. Führende SPD-Politiker stellten sich in der Debatte
hinter Parteichef Kurt Beck, der den Kurswechsel eingeleitet hatte. Die
Union warf der SPD erneut Wortbruch vor, der allerdings die große
Koalition im Bund nicht infrage stelle.
Ypsilanti sagte, sie habe vom Landesvorstand und Fraktion einstimmig
den Auftrag für Koalitionsverhandlungen mit den Grünen
bekommen. Zur Bildung einer solchen Regierung seien auch Absprachen mit
der Linkspartei möglich. Sie werde versuchen, verschiedene
Mehrheiten für einzelne Punkte zu organisieren. "Das kann sein mit
der FDP, das kann sein mit der CDU und das kann auch sein mit der
Partei der Linken."
Um zur Ministerpräsidentin gewählt zu werden, braucht sie die
Stimmen der Linkspartei. Da SPD, Grüne und Linke aber nur sehr
knapp über der Mehrheit liegen, sehen viele führende Genossen
im Bund darin ein großes Risiko. Ein Fehlschlag würde nach
ihrer Meinung auch Beck erneut schwächen, der den umstrittenen
Kurswechsel zur Linkspartei eingeleitet hatte. Er hatte damit heftige
Kritik bis in die Spitze der Partei ausgelöst. Die
Parteiführung hatte sich hinter einen Kompromiss gestellt, wonach
die Landesverbände freie Hand im Umgang mit der Linken haben, eine
Kooperation im Bund aber ausgeschlossen wird. Der am Montag
bekräftigte Beschluss sollte den Streit beenden.
Nach Ypsilantis Ankündigung brach der Konflikt sofort wieder auf.
"Seeheimer"-Sprecher Klaas Hübner wandte sich erneut gegen eine
rot-rote Zusammenarbeit in Hessen. "Ich würde das für einen
Fehler halten", der die Glaubwürdigkeit der SPD gefährde,
sagte er. Für die SPD-Linken sagte dagegen Fraktionsvize Ludwig
Stiegler, die hessische Sozialdemokratie habe sich genügend um
eine andere Koalition bemüht, etwa mit der FDP, die eine "Ampel"
mit SPD und Grünen ablehnt. Das bezweifelte hingegen der
SPD-Wirtschaftsexperte Rainer Wend. "Wo hat es denn die inhaltlichen
Angebote an die FDP gegeben?" fragte er im "Handelsblatt"
(Mittwochausgabe). Auch Ypsilanti selbst hatte ihre Entscheidung mit
Hinweis auf das Nein der FDP begründet.
Bundestags-Fraktionschef Peter Struck, ein Gegner von Kooperationen mit
der Linken, vermied eine Bewertung der hessischen Ankündigung. Die
Abgeordneten debattierten nach Angaben von Teilnehmern in gespannter
Atmosphäre, aber sachlich und ohne persönliche Angriffe
über den Umgang mit der Linkspartei. Den Angaben herrschte bis auf
zwei Stimmen Konsens über Beschluss der Parteiführung. Die
Unterschiede seien aber deutlich zwischen denen, die die freie Hand der
Landesverbände betonten, und den anderen, die das Nein zur
Kooperation im Bund hervorhoben. Als Beck-Vize vertrat
Außenminister Frank-Walter Steinmeier die Parteiführung mit
einer Rede, die Teilnehmer als mitentscheidend für die geordnete
Debatte bezeichneten.
Unions-Fraktionschef Volker Kauder zog die Glaubwürdigkeit der
gesamten SPD grundsätzlich Zweifel. "Bei der nächsten
Bundestagswahl kann man sich auf nichts verlassen, was die SPD sagt",
sagte er. Die Menschen müssten wissen, dass das, was die SPD vor
Wahlen sage, nach Wahlen nicht mehr gelte. "Wer der SPD bei der
nächsten Bundestagswahl seine Stimme gibt, weiß nicht, was
sie mit der Stimme macht."
FDP-Chef Guido Westerwelle forderte die Union auf, Konsequenzen zu
ziehen und nach einer Wahl Ypsilantis Neuwahlen im Bund
herbeizuführen. Die Union könne nicht zur Tagesordnung
übergehen, wenn SPD und Grüne "eine neue Republik mit
Sozialisten und Kommunisten vorbereiten", sagte er der "NRZ".
Zuvor hatten führende Sozialdemokraten dem angeschlagenen
Vorsitzenden Beck nach dem wochenlangen Streit um seinen Kurs
demonstrativ den Rücken gestärkt. Struck, sein
parlamentarischer Geschäftsführer Thomas Oppermann und der
"Netzwerker"-Flügel der Partei wiesen Berichte über interne
Vorbehalte gegen Becks Führung oder mögliche
Kanzlerkandidatur zurück. Beck sei krank, "aber nicht
angeschlagen", sagte Struck der "Bild"-Zeitung mit Blick auf Becks
Grippeerkrankung.
(Quelle: rtr)
CDU bezeichnet große Koalition in Hamburg als Option
Mi.05.03.08 - Die Hamburger CDU zieht nach dem ersten Sondierungsgespräch mit
der SPD eine große Koalition in Erwägung.
"Die große Koalition ist zwar kein Wunschkonzert, aber eine
Option", sagte CDU-Landeschef Michael Freytag am Dienstag nach gut
eineinhalbstündigen Verhandlungen mit den Sozialdemokraten. "Es
gibt viele Berührungspunkte und programmatische
Ähnlichkeiten", erklärte Bürgermeister Ole von Beust
(CDU). Bei Fragen der Finanzierung gebe es jedoch Unterschiede. Der
SPD-Spitzenkandidat Michael Naumann sprach von einem guten
Gespräch und Kompromissbereitschaft.
Am (heutigen) Mittwoch werden die Christdemokraten
Sondierungsgespräche mit den Grünen führen. "Wir werden
dann am Donnerstagabend im Landesvorstand entscheiden, mit wem wir in
Koalitionsverhandlungen eintreten werden", sagte von Beust zum weiteren
Vorgehen. Nach Medienberichten favorisiert die CDU ein Bündnis mit
dem Grünen.
Die CDU hatte die Bürgerschaftswahlen Ende Februar zwar gewonnen,
dabei aber ihre absolute Mehrheit verloren. Da die FDP an der
Fünf-Prozent-Hürde gescheitert ist, kommen nur die SPD und
die Grünen als Koalitionspartner in Frage. Ein Schwarz-Grünes
Bündnis auf Landesebene wäre eine bundesweite Premiere.
(Quelle: rtr)
Aufschwung geht an deutschen Arbeitnehmern vorbei -- Zuwachs
an Wirtschaftsleistung überwiegend in Unternehmensgewinne und
Vermögen geflossen
Mi.05.03.08 - Der wirtschaftliche Aufschwung der vergangenen drei Jahre ist nach
einer Studie an den deutschen Arbeitnehmern weitgehend vorbeigegangen.
Die realen Nettolöhne seien in diesem Zeitraum sogar um 3,5
Prozent gesunken.
Die am Dienstag in Düsseldorf vorgestellten Studie wurde vom
Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der
gewerkschaftsnahen Hans-Böckler- Stiftung erarbeitet. Vom
wirtschaftlichen Aufschwung hätten dieses Mal in Deutschland viel
weniger Menschen profitiert als beim letzten Aufschwung von 1998 bis
Anfang 2001. Damals seien die realen Nettolöhne um vier Prozent
gestiegen.
Der Zuwachs an Wirtschaftsleistung sei ganz überwiegend in
Unternehmensgewinne und Vermögen geflossen. Auch die staatlichen
Transfers an die privaten Haushalte seien real deutlich
zurückgegangen. Der Beschäftigungszuwachs sei nur
unwesentlich mehr Arbeitslosen zu Gute gekommen als beim Aufschwung um
die Jahrtausendwende, stellten die Wirtschaftsforscher fest.
Angesichts der einseitigen Einkommensentwicklung gebe es nur geringe
Chancen für einen Schub beim Konsum, der nach den Analysen vieler
Forscher die Konjunktur in diesem Jahr antreiben muss, um einen
Abschwung zu verhindern. «Eine stärkere Lohnentwicklung, die
gesamtwirtschaftlich den Verteilungsspielraum von rund 3,5 Prozent
ausschöpft, würde Konsum und Wirtschaftsentwicklung
voranbringen», sagte der Wissenschaftliche Direktor des IMK,
Professor Gustav Horn.
Die wirtschaftliche Erholung sei im jüngsten Aufschwung fast
ausschließlich vom Export getrieben, der preisbereinigt um 31
Prozent zunahm. Die Binnennachfrage, besonders jedoch der private
Verbrauch seien unter dem für eine Boomphase üblichen Niveau
geblieben. In diesem Aufschwung stagnierte der Privatkonsum mit einem
realen Plus von einem Prozent. Im Aufschwung der Jahrtausendwende war
er real noch um gut sieben Prozent gewachsen.
Noch deutlicher als die Löhne seien die realen Transfers, darunter
Renten, an die privaten Haushalte gesunken: um fast sechs Prozent. Im
vorigen Aufschwung waren die Leistungen noch um knapp vier Prozent
gestiegen. Den Rückgang erklären die Ökonomen mit
«Nullrunden bei den nominalen Renten, stagnierenden nominalen
Leistungen bei Kindergeld, Bafög und anderen staatlichen
Leistungen.»
Die Einnahmen von Unternehmern, vielen Selbstständigen,
Aktienbesitzern und anderen Kapitaleignern seien dagegen deutlich
angestiegen, ermittelten die Forscher: Die nominalen Bruttogewinne der
Unternehmen seien in diesem Aufschwung um 25 Prozent gewachsen - nach
fünf Prozent im vorigen Zyklus. Der Anteil der Bruttogewinne am
Volkseinkommen stieg von 32 auf knapp 36 Prozent.
Die schwache Einkommensentwicklung sei nicht mit einem besonders
starken Beschäftigungszuwachs einhergegangen, so die IMK-Analyse.
Die Beschäftigung habe sich in diesem Aufschwung mit einer Zunahme
von zwei Prozent nicht außergewöhnlich stark entwickelt. Die
Zahl der Arbeitslosen sei zwar um gut 700 000 gesunken. Dies
erkläre sich jedoch wesentlich damit, dass geburtenstarke
Jahrgänge aus dem Erwerbsleben ausscheiden.
Vor diesem Hintergrund attestierten die Forscher den
Arbeitsmarktreformen der vergangenen Jahre unter dem Aspekt der
Beschäftigungsentwicklung «allenfalls leicht positive
Effekte».
(Quelle: dpa)
DIW-Studie: Mittelschicht schrumpft dramatisch
Mi.05.03.08 - Die Mittelschicht in Deutschland ist nach einem Gutachten des Deutschen
Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in den vergangenen Jahren
dramatisch geschrumpft. Dies berichtet das Nachrichtenmagazin «Der
Spiegel» in seiner Onlineausgabe.
Danach ist der Anteil der Bevölkerung, der über ein Einkommen
in der Nähe des statistischen Mittels verfügt, in den
vergangenen sieben Jahren von 62,3 Prozent auf 54,1 Prozent geschrumpft.
Spiegelbildlich dazu sei der Anteil der Deutschen mit extrem niedrigen
oder extrem hohen Einkommen gestiegen. So habe sich der Anteil der
Niedrigverdiener seit dem Jahr 2000 von knapp 18,9 Prozent auf mehr 25,4
Prozent erhöht, heißt es. Der Anteil der Spitzenverdiener
sei im selben Zeitraum von 18,8 Prozent auf 20,5 Prozent angewachsen.
Somit seien in den vergangenen sieben Jahren fast fünf Millionen
Deutsche aus der Mittelschicht in die Randzonen der
Einkommensverteilung abgewandert. Als Niedrigverdiener bezeichnen die
DIW-Forscher laut «Spiegel» dabei die Bezieher von
Einkünften mit weniger als 70 Prozent des Durchschnitts. Als
Spitzenverdiener gelten danach Deutsche mit Einkünften von mehr als
150 Prozent des Durchschnitts.
(Quelle: dpa)
Streikwelle erfasst Deutschland
Mi.05.03.08 - Deutschland wird von einer Streikwelle erfasst. In immer mehr Branchen
führen die Tarifauseinandersetzungen zu Arbeitsniederlegungen. Die
Warnstreiks im öffentlichen Dienst erreichten am Dienstag mit
mehreren Zehntausend Teilnehmern in fast allen Bundesländern ihren
vorläufigen Höhepunkt. Am Donnerstag sollen sie auch auf die
Flughäfen ausgeweitet werden. Ab Montag drohen zudem neue Streiks
bei der Deutschen Bahn. In Berlin, wo auch die Verkehrsbetriebe
streiken, würde dann der gesamte öffentliche
Personennahverkehr auf unbefristete Zeit lahmliegen. Auch in der
Textilindustrie gibt es Warnstreiks.
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Betroffen von den Arbeitsniederlegungen im öffentlichen Dienst von
Bund und Kommunen waren unter anderem Kindertagesstätten, der
öffentliche Nahverkehr, die Müllabfuhr, Krankenhäuser,
Altenheime, Behörden, Verwaltungen, Sparkassen, Büchereien,
Theater und Bundeswehreinrichtungen. Auch am Mittwoch sollen die
Warnstreiks fortgeführt werden. Dann sollen auch fast alle
größeren deutschen Flughäfen betroffen sein.
Fluggäste müssen mit erheblichen Behinderungen rechnen. Die
Deutsche Lufthansa strich bereits 142 Flüge.
Die Gewerkschaft ver.di will mit den Warnstreiks vor der fünften
und vermutlich entscheidenden Verhandlungsrunde am Donnerstag in
Potsdam den Druck auf die Arbeitgeber erhöhen, ein höheres
Angebot vorzulegen. ver.di-Chef Frank Bsirske sagte auf einer
Kundgebung in Hamburg, wenn es am Ende der Woche kein vernünftiges
Angebot gebe, «dann wird eben gestreikt». ver.di fordert
für die 1,3 Millionen Beschäftigten acht Prozent mehr Gehalt,
mindestens aber ein monatliches Plus von 200 Euro. Die Arbeitgeber
haben bislang Steigerungen um fünf Prozent über zwei Jahre
angeboten und verlangen im Gegenzug eine Arbeitszeitverlängerung.
Auch bei der Deutschen Bahn drohen ab Montag unbefristete Streiks
sowohl im Fern- und Regionalverkehr als auch im Güterverkehr.
Hintergrund ist der wieder aufgeflammte Tarifstreit mit der
Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL). Der
eigenständige Tarifvertrag für die rund 20 000
Lokomotivführer ist noch immer nicht unterzeichnet, weil Bahn und
GDL sich über Detailfragen streiten. Die GDL wirft der Bahn vor,
die Eigenständigkeit über Zusatzvereinbarungen wieder
aushöhlen zu wollen.
Besonders empfindlich würde ein unbefristeter Streik bei der
Deutschen Bahn Berlin treffen, da dort ab (dem heutigen) Mittwoch auch
die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) in einen unbefristeten Ausstand
treten. Neben U-Bahnen, Bussen und Straßenbahnen, die bereits ab
Mittwoch in den Depots bleiben, würden dann ab Montag auch keine
S- und Regionalbahnen mehr in der Hauptstadt fahren.
In fast allen Branchen sehen sich die Arbeitgeber mit hohen
Tarifforderungen konfrontiert, denn der wirtschaftliche Aufschwung der
vergangenen drei Jahre ist bei den meisten Arbeitnehmern nicht
angekommen. Anders als im letzten Aufschwung um die Jahrtausendwende
profitieren dieses Mal überwiegend die Bezieher von Gewinn- und
Vermögenseinkommen, wie eine am Dienstag vom Institut für
Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der
gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung vorgestellte Studie
zeigt. «Für die große Mehrheit der Bevölkerung
hat der Begriff Konjunkturaufschwung eine neue Qualität bekommen:
Wachstum ohne Einkommenszuwachs», sagte der wissenschaftliche
Direktor des IMK, Gustav Horn.
(Quelle: ddp)
Strompreise seit 2005 erheblich gestiegen
Mi.05.03.08 - Die Strompreise sind seit 2005 im Schnitt um 16,6 Prozent gestiegen. In
den einzelnen Bundesländern klaffen die Kosten für die
Verbraucher jedoch weit auseinander, wie das Verbraucherportal Verivox.de am Dienstag in
Heidelberg mitteilte.
In Bayern und Berlin kommen die Verbraucher bei den jährlichen
Kosten am günstigsten weg, Thüringen dagegen bildet das
Schlusslicht. Die höchsten Preissteigerungen seit 2005 gab es mit
mehr als 25 Prozent in Niedersachsen.
Im Bundesdurchschnitt zahlt laut Verivox ein Musterhaushalt mit 4000
Kilowattstunden jedes Jahr 867,62 Euro für Strom. Mit 826,01 Euro
fallen in Bayern die geringsten jährlichen Stromkosten an, dicht
gefolgt von Berlin mit 827,60 Euro und einer vergleichsweise moderaten
Preissteigerung von 6,1 Prozent. Ähnlich liegen die Preise in
Hamburg (835,34 Euro) und in Bremen (855,60 Euro).
In den fünf neuen Bundesländern ist Strom nach wie vor am
teuersten: Die Thüringer müssen 935,70 Euro pro Jahr zahlen
und liegen damit bundesweit an der Spitze. Es folgen Brandenburg (927,02
Euro), Sachsen-Anhalt (918,48 Euro), Mecklenburg-Vorpommern (915,19
Euro) und Sachsen (906,98 Euro). «Die Gründe für die
hohen Kosten liegen in den hohen Investitionen, die nach 1990 in die
Infrastruktur vor Ort geflossen sind und noch nicht vollständig
abgeschrieben wurden», heißt es in der Mitteilung. Wegen
der Abwanderung sei zudem die Stromnachfrage gesunken, die Kosten
verteilten sich damit auf weniger Abnehmer.
In Niedersachsen lagen die jährlichen Kosten für einen
Musterhaushalt mit 859,61 Euro zwar unter dem bundesweiten Schnitt. Die
Ausgaben für Strom schnellten allerdings seit 2005 um mehr als 25
Prozent in die Höhe. Auch in Sachsen-Anhalt (21,6 Prozent),
Mecklenburg-Vorpommern (20,4 Prozent) und Brandenburg (20,3 Prozent)
kletterten die durchschnittlichen Grundversorgungspreise innerhalb von
drei Jahren um mehr als 20 Prozent.
Das Verbraucherportal hat für den Vergleich einen Musterhaushalt
mit einem jährlichen Stromverbrauch von 4000 Kilowattstunden in der
Grundversorgung des jeweiligen örtlichen Stromanbieters zugrunde
gelegt. Bei der Berechnung wurde die Anzahl der belieferten Kunden pro
Versorger berücksichtigt.
(Quelle: dpa)
Chef-Regulierer Kurth hält nichts von Stromnetz-Verstaatlichung
Mi.05.03.08 - Der Chef der Bundesnetzagentur Matthias Kurth hält nichts von
einem staatlichen Engagement beim Strom-Hochspannungsnetz.
"Der Ruf nach dem Staat ist nicht notwendig", sagte Kurth der
"Financial Times Deutschland" vom Dienstag. "Wir können die Balance
zwischen den Notwendigkeiten einer sicheren Stromversorgung, den
notwendigen Investitionen und dem Einsatz von privatem Kapital halten",
unterstrich er. "Dafür brauchen wir keine Verstaatlichung". Die
Erfahrungen aus dem Telekommunikationsbereich zeigten, das privates
Kapital helfen könne, die Effizienz zu erhöhen.
Mit Blick auf die Absicht des Stromkonzerns E.ON, sein Stromnetz zu
verkaufen, fügte Kurth an: "Die gesetzlichen Vorschriften und
unsere Regulierung werden sicherstellen, dass die Stromversorgung auch
bei einem Eigentümerwechsel des Netzes sicher bleibt." Die
Bundesregierung hatte ebenfalls wiederholt erklärt, sie lehne eine
Verstaatlichung des Stromnetzes ab. Dagegen war neben
Verbraucherschützern, Linkspartei und Grünen auch der
Vize-Fraktionschef der SPD im Bundestag, Ulrich Kelber, für eine
staatliches Engagement beim Stromnetz eingetreten.
(Quelle: rtr)
Deutsche Exporteure mit glänzenden Geschäften in Europa
Mi.05.03.08 - Die deutschen Exporteure verdanken ihre weltweit führende Position
vor allem dem boomenden Geschäft in Europa.
2007 wuchsen die Ausfuhren in die Länder der Europäischen
Union fast drei Mal so stark wie die in die übrigen Staaten:
Während die Warenexporte in die EU um 11,1 Prozent auf 627,5
Milliarden Euro stiegen, legten sie in den Drittländern nur um 4,1
Prozent auf 341,5 Milliarden Euro zu. Damit stiegen die gesamten
Ausfuhren um 8,5 Prozent auf den Rekordwert von 969 Milliarden Euro.
Deutschland wurde damit das fünfte Jahr in Folge Exportweltmeister.
Der Bundesverband Deutscher Groß- und Außenhandel (BGA)
rechnet in diesem Jahr nur noch mit einem Wachstum von fünf bis
sechs Prozent. Als Gründe für die Abkühlung gelten der
starke Euro und die schwächelnde US-Wirtschaft. Bereits 2007 sanken
die Ausfuhren in die USA um 5,9 Prozent. Im vierten Quartal schrumpften
sie sogar um knapp 13 Prozent.
(Quelle: rtr)
Brandkatastrophe in Ludwigshafen kein Anschlag
Mi.05.03.08 - Die Brandkatastrophe von Ludwigshafen geht nach einem Zwischenbericht
der Ermittler nicht auf einen fremdenfeindlichen Anschlag oder
Brandstiftung zurück.
Beides sei "äußert unwahrscheinlich", sagte Oberstaatsanwalt
Lothar Liebig am Dienstag. Auch einen Monat nach dem Unglück mit
neun Toten kennen die Experten die genaue Brandursache noch nicht. Am
wahrscheinlichsten sei, dass das Feuer fahrlässig ausgelöst
worden sei - etwa durch eine weggeworfene Zigarette. Belege dafür
gebe es aber nicht.
"Wir haben keine schlüssige Brandursache", sagte Liebig, der die
Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Frankenthal leitet. Nach der
Auswertung von über 200 Spuren und der Vernehmung von mehr als 100
Zeugen gebe es keine Hinweise auf einen Anschlag oder vorsätzliche
Brandstiftung. So seien keine Spuren von Brandbeschleunigern wie Benzin
oder anderen brennbaren Stoffen wie Wachs gefunden worden. Auch die
Aussagen von zwei Mädchen, ein Fremder habe das Feuer gelegt,
seien nicht haltbar.
Dennoch würden die Ermittlungen weitergeführt, sagte Liebig.
Feststehe, dass das verheerende Feuer unter der Kellertreppe als eng
begrenzter Schwelbrand begonnen habe. Bevor offene Flammen aufgelodert
seien, habe es mindestens 15 Minuten bis drei Stunden gedauert. Der
Brand habe sich dann allerdings sehr schnell im gesamten Treppenhaus
ausgebreitet, nachdem die Kellertür entweder geöffnet worden
oder durchgebrannt sei.
Ein technischer Defekt wie ein Schaden an einer Steckdose oder einem
Endgerät scheide als Ursache aus, sagte Liebig. An dem
betreffenden Ort gebe es keine Leitungen. Auch gebe es keine Hinweise
zum Beispiel auf Funkenflug durch Handwerksarbeiten.
Gegen einen Anschlag spreche auch, dass sich wegen Fasching über
60 Personen in dem Haus aufgehalten hätten, was für
mögliche Täter ein sehr hohes Entdeckungsrisiko bedeutet
hätte. "Das Wahrscheinlichste ist, dass das Feuer durch ein wie
auch immer geartetes fahrlässiges Verhalten ausgelöst worden
ist", sagte Liebig. Dies könne auch eine weggeworfene Kippe oder
ähnliches gewesen sein. Das Feuer habe jedoch wenig Spuren
übrig gelassen.
Die Aussagen der Mädchen, sie hätten einen zündelnden
Mann gesehen, hätten einer Überprüfung durch einen
Psychologen nicht standgehalten, sagte der Staatsanwalt. Die Kinder,
die selbst Angehörige verloren hätten, hätten für
sich eine Erklärung gebraucht, warum es zu dem Feuer gekommen sei.
Bei dem Brand waren am 3. Februar neun Frauen und Kinder ums Leben
gekommen und 60 Personen verletzt worden. Die Opfer waren wie alle
Bewohner des über hundert Jahre alten Hauses Türken.
Spekulationen über einen Anschlag hatten zeitweise die
deutsch-türkischen Beziehungen belastet.
(Quelle: rtr)
Computer
Vollautomatischer Buchscanner schafft 1 300 Seiten pro Stunde
Mi.05.03.08 - Immer mehr Bücher und Schriftstücke aller Art könnten
den Lesern in Zukunft in digitalisierter Form zur Verfügung stehen.
Das Unternehmen Quidenus aus Wien stellt auf der Cebit (4. bis 9.
März) den vollautomatischen Buchscanner "QiScan RBS 2010" vor.
Die Maschine ist als Industrieroboter konzipiert, der Buchseiten
selbstständig umblättert, digitalisiert und in Verbindung mit
einer speziellen Software eigenständig bearbeitet und abspeichert.
Auf Wunsch können die Seiten dabei in der Originalabbildung oder in
einem einfachen Textformat gespeichert werden.
Pro Stunde soll der Roboter rund 1 300 Seiten schaffen. Für
Bibliotheken und Archive könnte sich diese Lösung als
Schlüsseltechnologie erweisen, um gesammeltes und vielfach in
Kellern oder Speichern verborgenes Wissen endlich einer interessierten
Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Der Buchscanner soll ab
sofort erhältlich sein, die Kosten für die Maschine liegen
zwischen 100 000 Euro und 125 000 Euro.
(Quelle: gp)
Bildschirm oder Drucker - Der feine Farbunterschied
Mi.05.03.08 - In Druckergebnissen und am Computerbildschirm ist Farbe nicht gleich
Farbe. Die Farben werden durch zwei unterschiedliche Systeme erzeugt,
woraus sich Abweichungen ergeben können.
Der Bildschirm arbeitet mit dem RGB-System. Hierbei werden die Farben
durch eine Kombination aus rotem, grünem und blauem Licht
"produziert". Die Mischungen ermöglichen eine Darstellung von mehr
als 16 Millionen Farben. Druckereien arbeiten hingegen mit dem
Vierfarbsystem CMYK.
Die Abkürzung steht für Cyan (ein Blauton), Magenta (ein
Rotton), Yellow (Gelb) und Key (der "Schlüsselfarbe", in der Regel
Schwarz). Die Schlüsselfarbe ist nötig, da die drei
Grundfarben gemischt zwar theoretisch Schwarz ergeben, dieses in der
Realität jedoch nicht ausreichend ist.
Nicht nur Druckereien, sondern auch Farbdrucker für den heimischen
Gebrauch setzen das Druckbild in den meisten Fällen aus diesen vier
Bestandteilen zusammen. Moderne Farbdrucker arbeiten außerdem
vermehrt mit "Zwischentönen", weil die Druckleistung nicht mit der
einer professionellen Druckerei vergleichbar ist und mit
zusätzlichen Farbpatronen ein besseres und exakteres Druckbild
erzeugt werden soll.
Die RGB-Darstellung am Bildschirm arbeitet ausschließlich mit den
drei genannten Farbtönen und ist auf eine zusätzliche
Schlüsselfarbe nicht angewiesen, denn die Töne ergeben sich
aus farbigem Licht. Schwarz entsteht automatisch, wenn kein Licht
verwendet wird. Werden die drei "Lichtfarben" allerdings mit voller
Intensität gemischt, entsteht Weiß.
Wer sich für die erstellte Datei ein perfektes Druckergebnis
wünscht, sollte mit professionellen DTP- oder Grafikprogrammen
arbeiten, die über CMYK-Einstellung verfügen. So ist
gesichert, dass die erstellte Datei sowohl vom eigenen Drucker als auch
von einer Druckerei verarbeitet werden kann. Darüber hinaus
ermöglicht die Anschaffung einer genormten Farbskala eine
Vorab-Prüfung.
Farbskalen sind kleine Bücher, die Hunderte abgedruckte
Farbtöne zeigen. Sogar Hersteller von Farben bieten solche Skalen
an. Bei der Beauftragung einer Druckerei kann man sich eine Skala vom
Hersteller der Druckerfarben, die die ausgewählte Druckerei nutzt,
geben lassen. Ferner besteht die Möglichkeit, vorab einen
sogenannten "Proof" zu bestellen. Dabei handelt es sich um eine Art
Testdruck, der jedoch aufgrund des vergleichsweise hohen Aufwands der
Druckerei in Relation zu den allgemeinen Druckkosten recht teuer ist.
(Quelle: gp)
Wissenschaft
Verstädterung beschleunigt die Evolution von Pflanzen
Mi.05.03.08 - Städtische Unkräuter sind durch die Aufsplitterung ihres
Lebensraums gezwungen, sich sehr schnell anzupassen: Sie wenden immer
weniger Energie für die Verbreitung ihrer Samen auf und vermeiden
auf diese Weise, dass die Saat nutzlos auf Asphalt fällt.
Stattdessen stecken sie mehr Ressourcen in die Entwicklung von Samen,
die direkt neben ihnen zu Boden fallen, haben Pierre-Olivier Cheptou vom
Zentrum für funktionelle Ökologie und Evolution in
Montpellier und seine Kollegen herausgefunden. Das Objekt ihrer
Forschung war der Heilige Pippau (Crepis sancta), der im Stadtgebiet von
Montpellier die Erdflächen um Alleebäume herum
bevölkert, wie sie im Fachmagazin «PNAS» (Bd. 105, S.
3796) berichten.
Der Drang zur Verbreitung wohnt fast allen lebenden Organismen inne und
ist evolutionär durchaus sinnvoll: Konkurrenz wird aus dem Weg
gegangen und die Gefahr des Inzest minimiert. Außerdem ist die
Überlebenschance einer Art bei Katastrophen besser, wenn nicht alle
auf einem Fleck sitzen. Verbreitung kann für ein Individuum aber
auch mit Kosten verbunden sein, wenn zum Beispiel fleischige
Früchte gebildet werden müssen, um Tiere als Träger der
Samen anzulocken. Gehen die Samen verloren, hat die Pflanze kostbare
Nährstoffe und Energie umsonst aufgewendet.
Cheptou und seine Kollegen dachten sich aus diesem Grund, dass bei
Stadtpflanzen eigentlich eine Veränderung bezüglich der
Ausbreitung zu sehen sein müsste. Die meisten dieser Gewächse
leben auf sehr kleinen Arealen von höchstens einem Quadratmeter,
die durchschnittlich fünf bis zehn Meter vom nächsten
Pflanzenstandort entfernt sind. Die Bestäubung zwischen den
Bewohnern der Flächen funktioniert noch, da sie im Fall des
Heiligen Pippau von Insekten vorgenommen wird, doch die Samen erreichen
die nächste Erdfläche fast nie.
Tatsächlich konnten die Froscher ihren Verdacht bestätigen:
Der Heilige Pippau hat sich während der letzten zwölf Jahre
dahingehend entwickelt, verstärkt schwere Samen ohne Flugschirm zu
bilden und die Produktion der leichteren, flugfähigen Samen
einzuschränken. Die Wissenschaftler um Cheptou konnten dies so
exakt feststellen, weil das Baudatum der Gehwege, an deren Rand die
Pflanzen wachsen, genau bekannt ist. Die Entwicklung muss innerhalb
dieser Zeitspanne erfolgt sein, da Artgenossen des Heiligen Pippaus auf
dem Land die Tendenz zu schweren Samen nicht zeigen.
(Quelle: ddp)