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Aktuelle Nachrichten
Irak am 1443sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Neue türkische Luftangriffe im Nordirak. US-Truppen bereit zur
Übergabe von 'Chemie-Ali' zu Hinrichtung. Acht Tote bei
Hubschrauber-Absturz im Irak
Do.06.03.08 - Die Türkei hat nach kurdischen Angaben erneut Gebiete im Nordirak
angegriffen. Am frühen Mittwochmorgen habe die türkische
Luftwaffe ihre Bombardements im Bezirk Sidikan in der Region Erbil
begonnen und sporadisch fortgesetzt, sagte ein Sprecher der
Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), Ahmad Danis. Außerdem berichtete
Danis von türkischem Artilleriebeschuss. Der Sprecher konnte nicht
sagen, wie schwer die Angriffe waren und ob Menschen getroffen wurden.
Die angegriffene Region ist dünn besiedelt.
Die Türkei hatte Ende Februar eine achttägige Bodenoffensive
gegen kurdische Rebellen im Nordirak geführt. Dabei wurden nach
Angaben des türkischen Generalstabs mehr als 240 PKK-Kämpfer
und 27 türkische Soldaten getötet. Generalstabsschef Yasar
Büyükanit wertete die Offensive anschließend als
Erfolg, PKK-Chef Murad Qarilan sprach von einem Scheitern des Einsatzes.
Die Türkei vermutet rund 4000 PKK-Kämpfer im Nachbarland. Von
dort aus unternahmen die kurdischen Rebellen in den vergangenen Jahren
immer wieder Angriffe auf Ziele in der Türkei. Die irakische
Regierung hatte die jüngste Bodenoffensive heftig kritisiert, auch
die USA hatten Ankara zum Rückzug gedrängt.
Die US-Truppen im Irak haben sich zur Aushändigung des zum Tode
verurteilten Ali Hassan al-Madschid - bekannt als
«Chemie-Ali» - an die irakische Justiz bereiterklärt.
Der wegen der Giftgasangriffe auf kurdische Dörfer
berüchtigte Cousin von Saddam Hussein soll gehängt werden.
Das Sondertribunal für die Verbrechen des Saddam-Regimes hatte
Al-Madschid 2007 wegen seiner Beteiligung an der sogenannten
Anfal-Kampagne gegen die Kurden 1987 und 1988 zum Tode durch den Strang
verurteilt.
Beim Absturz eines Militärhubschraubers im Nordirak sind alle acht
Insassen ums Leben gekommen. Unter den Opfern war ein US-Soldat, wie
die Streitkräfte am Dienstag mitteilten. Der Helikopter wurde am
Montag vermisst gemeldet und nach Angaben des irakischen
Verteidigungsministeriums am Dienstag südlich der Stadt Beidschi
entdeckt. Die Maschine sei in schlechtes Wetter geraten, erklärte
das Ministerium. Nach irakischen Angaben waren unter den Toten
außerdem sechs Einheimische.
boa (Quellen: afp, dpa, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 06.03.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am neunhundertundachtzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
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Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Nahost-Konflikt
Israelis und Palästinenser wollen wieder verhandeln -- Westliche
Hilfsorganisationen sprechen von einem humanitären Zusammenbruch
im Gazastreifen -- Israel will Militäroffensive im Gazastreifen
fortsetzen -- Israelischer Verteidigungsminister prüft angeblich
Evakuierungen im nördlichen Gazastreifen
Do.06.03.08 - US-Außenministerin Rice hat Israelis und Palästinensern auf
ihrer jüngsten Nahostreise das Versprechen abgerungen, die
Friedensverhandlungen wieder aufzunehmen. Einen Waffenstillstand im
Gazastreifen gibt es aber nicht.
Am Ende hat Palästinenserpräsident Mahmud Abbas seinen
Widerstand aufgegeben. Zum Abschluss des Besuchs von
US-Außenministerin Condoleezza Rice erklärte er sich bereit,
die seit Sonntag unterbrochenen Friedensgespräche mit Israel
wieder aufzunehmen. In einer schriftlich verbreiteten Stellungnahme
würdigte der Präsident der palästinensischen
Autonomiebehörde die Bemühungen der amerikanischen
Außenministerin Condoleezza Rice um die Wiederaufnahme der
Verhandlungen. Zuvor hatte er mehrfach erklärt, dass er vor der
Rückkehr an den Verhandlungstisch eine Waffenruhe in Gaza
verlange. Doch offenbar war der amerikanische Druck zu groß, um
diese Position durchzuhalten.
Die amerikanische Außenministerin machte klar, dass der
Raketenbeschuss und die Angriffe gegen Israel aufhören
müssen. Gleichzeitig forderte Rice Israel auf, bei seinen
Angriffen auf Gaza die Zivilbevölkerung zu schonen und dafür
Sorge zu tragen, dass im Gazastreifen eine humanitäre Krise
vermieden werde.
In Wirklichkeit aber ist diese Krise längst Wirklichkeit.
Westliche Hilfsorganisationen, darunter Oxfam, Care und Christian Aid,
sprechen in einem am Mittwoch vorgelegten Bericht von einem
humanitären Zusammenbruch im Gazastreifen. 80 Prozent der Familien
seien von Lebensmittelhilfe abhängig, Stromausfälle von bis
zu 12 Stunden am Tag seien die Regel. Durch die Wirtschaftsblockade sei
die Infrastruktur lahm gelegt und der Zugang zur medizinischer
Versorgung drastisch zurückgegangen.
Für Außenministerin Rice ist klar, wer die Schuld an dieser
Lage trägt: "Die Hamas hält die Bevölkerung von Gaza als
Geisel und versucht nun auch, den Weg hin zu einem
palästinensische Staat als Geisel zu nehmen. Das können wir
nicht zulassen." Israels Außenministerin Tsipi Livni unterstrich,
dass Israel es sich nicht leisten könne, den andauernden
Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen und die weitere Aufrüstung
der Hamas hinzunehmen. Die Regierung habe daher die Armee angewiesen,
alles zu tun, um dies zu unterbinden.
In einer Sondersitzung beschloss das Sicherheitskabinett am Mittwoch,
die Militäroffensive im Gazastreifen fortzusetzen. Die Armee werde
mit allen Mitteln, über die sie verfügt, vorgehen, um den
Raketenbeschluss des Südens zu verhindern, erklärte
Innenminister Meir Shitrit im israelischen Radio. Noch in der Nacht zum
Mittwoch waren israelische Truppen in mit Panzern in den südlichen
Gazastreifen vorgedrungen, um einen örtlichen Anführer des
Islamischen Dschihad zu töten. Bei dem schweren Feuergefecht in
einem Dorf nahe Chan Junis wurde auch ein Säugling tödlich
getroffen.
Für den palästinensischen Präsidenten und seine
Regierung in Ramallah könnte die Bereitschaft, die
Friedensgespräche auch dann wieder aufzunehmen, wenn Israel seine
Militäroffensive fortsetzt, gefährlich werden. Denn die
palästinensische Bevölkerung im Westjordanland dürfte
diese Entscheidung kaum mittragen. Sie steht an der Seite der
bedrängten Palästinenser von Gaza und verlangt den Stopp der
israelischen Angriffe.
Der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak will einem
Medienbericht zufolge Gebiete im nördlichen Gazastreifen
räumen lassen, aus denen militante Palästinenser Raketen auf
den Süden Israels abfeuern. Wie ein israelischer TV-Sender
berichtete, sollen «tausende» Palästinenser gezwungen
werden, weiter in den Süden des Gazastreifens zu gehen. Barak
lasse zurzeit die rechtliche Grundlage einer solchen Maßnahme
prüfen.
boa (Quellen: dw, dpa)
EU gibt 160 Millionen für Kampf gegen Hunger
Do.06.03.08 - Die EU-Kommission hat Nahrungsmittelhilfe in Höhe von 160
Millionen Euro für Afrika, den Nahen Osten und andere Regionen
bereitgestellt. Dies sei die höchste Summe, die sie je für
humanitäre Zwecke vergeben habe, teilte die Brüsseler
Behörde am Dienstag mit. Unterstützt werden sollen rund 18,7
Millionen Menschen in Sudan, Tschad, Somalia, Afghanistan, den
Palästinensergebieten und zwölf weiteren Ländern.
Naturkatastrophen, bewaffnete Konflikte und wirtschaftliche Probleme
führten vielerorts zu einer immer drängenderen
Nahrungsmittelknappheit, sagte EU-Entwicklungskommissar Louis Michel.
Ihm zufolge soll ein Teil des Geldes direkt in die Beschaffung und
Verteilung von Lebensmitteln fließen. Ein anderer Teil wird
für den Kauf von Saatgut, Maschinen, Dünger und Nutztieren
sowie für Infrastruktur-Projekte verwendet. Im Laufe des Jahres
2008 sollten weitere Beschlüsse dieser Art folgen, so die
Kommission.
(Quelle: epd)
Chinas Führung verspricht harten Kampf gegen Inflation
Do.06.03.08 - Chinas Führung hat die Jahressitzung des Volkskongresses mit dem
Versprechen eröffnet, die hohe Preissteigerung zu bekämpfen.
Die Inflation von mehr als sieben Prozent im Januar sei neben der
Gefahr eines überhitzten Wachstums das größte Problem
für das Volk und die Steuerung der Wirtschaft, sagte
Ministerpräsident Wen Jiabao am Mittwoch in seinem Jahresbericht
vor dem Parlament des kommunistischen Ein-Parteien-Staats. Er
kündigte "wirkungsvolle Maßnahmen" gegen die
Preissteigerungen an, darunter mehr Subventionen für die
landwirtschaftliche Produktion.
Wenige Monate vor den Olympischen Spielen galt die Warnung zugleich
einer neuen Garde von lokalen Parteichefs, die mit staatlichen
Investitionen die Entwicklung der sehr unterschiedlich aufgestellten
Provinzen prägen. Das zweistellige Wachstum und die weit über
das Ziel von drei Prozent hinausgeschossene Inflation unter Kontrolle
zu bekommen gilt als Test für die Fähigkeit der
kommunistischen Führung, die Öffnung der Wirtschaft
tatsächlich von oben steuern zu können.
Wen und Präsident Hu Jintao stehen vor ihrer zweiten
fünfjährigen Amtsperiode und haben den 1,3 Milliarden
Chinesen eine "harmonische Gesellschaft" versprochen, in der es gerecht
zugeht sowie Luft und Wasser sauber sind.
Wen ging in seiner Rede in der "Halle des Volkes" in Peking auf die
dramatische Umweltverschmutzung ein, kritisierte schlechte
Regierungsführung und Korruption auf lokaler Ebene und räumte
die wachsende Kluft zwischen reicher Stadt- und armer
Landbevölkerung ein. Seine Ansprache vor den rund 3000
Abgeordneten aus allen Teilen des Riesenreiches machte jedoch vor allem
deutlich, wie stark die Regierung damit beschäftigt ist,
widersprüchliche Ziele miteinander zu versöhnen: Einerseits
muss sie Arbeitsplätze schaffen und dringend den Lebensstandard
der Millionen Bauern heben. Andererseits will sie die hektische
wirtschaftliche Expansion zähmen, an der die bisherigen Versuchen
der Abkühlung abprallten. China ist inzwischen die
viertgrößte Volkswirtschaft.
Wen forderte die Chinesen auf, die Olympischen Spiele im August als
Werbung für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung der
Volksrepublik zu nutzen. Er kündigte Investitionskürzungen
für die schlimmsten Umweltverschmutzer an und versprach mehr Geld
für Abwasserentsorgung, saubere Energieformen und die Sanierung
vergifteter Flüsse und Seen. Der Volkskongress soll zudem eine
Verwaltungsreform verabschieden, um Bürokratie und Korruption
einzuschränken.
Aber selbst der Kampf gegen Bestechung, Vetternwirtschaft und
Vorteilsnahmen bleibt auf die offiziellen Wege begrenzt: Als vor der
"Halle des Volkes" eine einsame Demonstrantin Flugblätter gegen
die Korruption in der nördlichen Provinz Shanxi verteilte, wurde
sie umgehend von der Polizei abgeführt. Wie gewohnt trat das
Parlament unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen zusammen.
(Quelle: rtr)
US-Demokratin Clinton meldet sich zurück - Siege bei Vorwahlen in
Texas und Ohio -- Bei den Republikanern steht McCain als
Präsidentschaftskandidat fest
Do.06.03.08 - Mit einem Doppelsieg in den bevölkerungsreichen US-Bundesstaaten
Texas und Ohio hat sich die Demokratin Hillary Clinton im Rennen um die
Präsidentschaftskandidatur eindrucksvoll zurückgemeldet.
Clinton setzte sich nach Hochrechnungen vom Mittwoch in beiden Staaten
knapp gegen ihren innerparteilichen Konkurrenten Barack Obama durch, der
in Umfragen mitunter deutlich geführt hatte. Bei den Republikanern
steht John McCain als Kandidat fest. Der 71-jährige Senator aus
Arizona setzte sich bei allen vier Vorwahlen seiner Partei klar durch.
"Wir machen weiter, wir sind stark, und wir gehen den ganzen Weg", rief
die 60-jährige Clinton ihren jubelnden Anhängern in Columbus,
der Hauptstadt Ohios, zu. "Wir haben jetzt erst angefangen." Für
die Senatorin aus New York waren die Vorwahlen in Ohio und Texas die
letzte Chance, im Rennen um die Kandidatur der Demokraten zu bleiben.
Obama hatte seit dem "Super Tuesday" Anfang Februar alle Vorwahlen
für sich entschieden. Jetzt ist das Rennen wieder völlig
offen. Als nächstes wählen kommende Woche die Bundesstaaten
Wyoming und Mississippi. Eine Entscheidung wird aber frühestens am
22. April erwartet, wenn in dem bevölkerungsreichen Staat
Pennsylvania abgestimmt wird.
McCain entschied die Vorwahlen der Republikaner in Texas, Ohio, Vermont
und Rhode Island klar für sich. Nach Berechnungen von US-Medien hat
der Senator damit mehr als die erforderlichen 1191 Delegiertenstimmen
eingesammelt. "Der Kampf beginnt heute Nacht", sagte McCain vor
Anhängern in Dallas. Sein noch verbliebener Konkurrent Mike
Huckabee gab sich geschlagen. Erwartet wurde, dass sich Präsident
George W. Bush noch im Lauf des Tages offiziell hinter McCain stellen
würde. Bush darf nach zwei Amtszeiten bei der Wahl im November
nicht mehr antreten.
Nach Umfragen hat McCain gegen Clinton wie gegen Obama Chancen, ins
Weiße Haus einzuziehen. Der ehemalige Marineflieger verbrachte
mehr als fünf Jahre als Kriegsgefangener in Vietnam, wo er
gefoltert wurde. Der langjährige Senator hat sich wiederholt gegen
einen schnellen Truppenabzug aus dem Irak ausgesprochen und beansprucht
als ehemalige Vorsitzender des Verteidigungs-Ausschusses für sich
die größere Erfahrung in der Außen- und
Sicherheitspolitik. Der 71-Jährige wäre der älteste
Präsident bei Amtsantritt.
Bei den Demokraten wird befürchtet, dass sich das nach wie vor
offene Rennen zwischen Clinton und Obama zu einer Schlammschlacht
zuspitzen und damit letztlich McCain nutzen könnte. Nach
Berechnungen des US-Senders MSNBC entfielen vor den Wahlen am Dienstag
auf Clinton 1037 Delegiertenstimmen und auf Obama 1194. Für die
Nominierung auf dem Parteitag im Sommer muss ein Kandidat insgesamt 2025
Delegierte hinter sich gebracht haben. Neben Texas und Ohio konnte sich
Clinton auch in Rhode Island durchsetzen. In Vermont gewann Obama.
Beide Staaten haben aber nur relativ wenige Delegierte zu vergeben.
Obama zeigte sich nach dem Sieg Clintons kämpferisch. "Egal, was
heute Nacht passiert ist, wir liegen bei den Delegierten nahezu
unverändert vorne und sind dabei, die Nominierung zu gewinnen",
rief der 46-jährige Senator aus Illinois Anhängern in San
Antonio zu. Wählernachfragen zufolge konnte Clinton vor allem bei
den noch Unentschiedenen punkten. In einem Fernsehspot hatte die
Kandidatin in dramatischer Art und Weise Obamas Kompetenz für die
Rolle des Oberbefehlshabers der Streitkräfte in Frage gestellt.
Entscheidend dürften bei den Wahlen in Ohio und Texas letztlich
aber die Themen Wirtschaft und Einwanderung gewesen sein. In Ohio,
früher das industrielle Herz der USA, leben viele Arbeiter, die von
der Globalisierung besonders hart getroffen wurden. Deshalb hatten
Obama und Clinton im Wahlkampf angekündigt, das nordamerikanische
Freihandelsabkommen Nafta neu verhandeln zu wollen. In Texas galt die
Unterstützung der Einwanderer aus Mittel- und Südamerika als
besonders wichtig. Die Hispanics bilden inzwischen die größte
Minderheit in den USA. In Texas waren insgesamt 228 Delegierte zu
vergeben, in Ohio 162.
(Quelle: rtr)
Mehrheit der Amerikaner ist mit Stellung ihres Landes unzufrieden
Do.06.03.08 - Fast 70 Prozent der Amerikaner sind mit der Stellung der USA in der
Welt unzufrieden. Laut einer Erhebung des Forschungsinstituts Gallup
liegt der Anteil der Unzufriedenen damit doppelt so hoch wie zu Beginn
der Regierungszeit von Präsident George W. Bush und sogar
höher als in der Zeit des Vietnamkriegs. Die Mehrheit der
Anhänger der Republikaner ist noch immer mit dem Status der USA in
der Welt zufrieden - 85 Prozent der Wähler der Demokraten sind es
dagegen nicht.
Großes Ansehen bei den Amerikanern genießen Kanada,
Großbritannien und auch die Bundesrepublik Deutschland. Ganz
hinten auf der Rangliste mit 22 Nationen stehen Irak, Nordkorea und
Iran.
Gallup befragte 1.007 Erwachsene per Telefon.
(Quelle: ap)
Amerikanische Staaten ringen um Ende der Kolumbien-Krise
Do.06.03.08 - Die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) ringt um eine friedliche
Beilegung der Spannungen zwischen Kolumbien, Ecuador und Venezuela. Die
Gespräche sollten in Washington wieder aufgenommen werden, nachdem
eine Dringlichkeitssitzung nach zehnstündiger Debatte unterbrochen
worden war. Auslöser der Spannungen war ein kolumbianischer
Militäreinsatz gegen ein Lager der FARC-Rebellen in Ecuador, bei
dem FARC-Vize Raúl Reyes getötet wurde. Venezuela stellte
sich an die Seite Ecuadors und ordnete die Verlegung von Truppen an die
Grenze zu Kolumbien an.
Ecuador warf Kolumbien bei der OAS-Sitzung "geplante und
vorsätzliche Souveränitätsverletzung" vor. Die
ecuadorianische Vertreterin María Salvador forderte, dass sich
die amerikanischen Außenminister noch vor dem 11. März bei
einem Dringlichkeitstreffen mit der Lage befassen. Außerdem
verlangte sie die Einsetzung einer Untersuchungskommission der OAS. Die
34 Mitgliedstaaten konnten sich in der Nacht zunächst nicht auf
eine gemeinsame Erklärung zu den Spannungen einigen.
Der kolumbianische OAS-Botschafter Camilo Ospina stimmte dem
ecuadorianischen Vorschlag für ein Außenministertreffen zu
und wiederholte die "öffentliche Entschuldigung" der
kolumbianischen Regierung bei Ecuador. Zugleich verlangte er von den
Regierungen in Quito und Caracas eine "Erklärung" im Hinblick auf
ihre mutmaßlichen Verbindungen zu FARC-Rebellen.
Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva warf
Kolumbien in São Paolo vor, die territoriale
Souveränität Ecuadors verletzt zu haben. Bogotá
hätte das Nachbarland erst um Erlaubnis für den
Militäreinsatz fragen müssen. Lula rief die Beteiligten zu
einer friedlichen Lösung auf.
Ecuadors Staatschef Rafael Correa war am Dienstag zu einer Rundreise
durch mehrere Länder der Region aufgebrochen, um Unterstützer
für seine Position zu gewinnen. Vor seinem Aufenthalt in Brasilien
drohte Correa in Peru, er sei entschieden, "bis zur
äußersten Konsequenz" zu gehen. Weitere Stationen der Reise
waren Venezuela, Panama und die Dominikanische Republik.
Kolumbien hat dagegen die Rückendeckung der Vereinigten Staaten:
US-Präsident George W. Bush sagte Bogotá seine "volle
Unterstützung" zu und verurteilte die "Akte der Provokation" durch
Venezuela.
(Quelle: afp)
Ukraines Gasstreit mit Russland beigelegt
Do.06.03.08 - Russland und die Ukraine haben ihren Streit über Gaslieferungen
beigelegt.
Das teilten die staatliche ukrainische Naftogaz und der russische
Monopolist Gazprom am Mittwoch mit. Damit werde Russland seine um 50
Prozent gekürzten Lieferungen in vollem Umfang wieder aufnehmen,
erklärte Naftogaz in Kiew. Der Gastransit aus dem Nachbarland nach
Westeuropa sei von dem Streit nicht betroffen gewesen. Ähnlich
äußerte sich auch die russische Seite.
Die Einigung ging offenbar auf das Betreiben des ukrainischen
Präsidenten Viktor Juschtschenko zurück. Dieser hatte
Ministerpräsidentin Julia Timoschenko aufgefordert, umgehend neue
Verhandlungen mit dem Nachbarland aufzunehmen. Die bisherige
Gesprächsführung bezeichnete er als "unsachgemäß
und unangemessen". Zunächst seien keinerlei Einigungen oder
Abkommen für die Gasversorgung im laufenden Jahr erzielt worden.
Naftogaz müsse umgehend angewiesen werden, Russland
gemäß einer im Januar zwischen ihm und dem scheidenden
russischen Präsidenten Wladimir Putin erzielten Übereinkunft
für seine Gaslieferungen zu bezahlen.
Gazprom hatte seine Lieferungen an die Ukraine in den vergangenen Tagen
wegen des Streits über die Begleichung von Schulden und den
Abschluss eines Lieferabkommens für 2008 schrittweise um die
Hälfte gedrosselt.
(Quelle: rtr)
Slowenien erkennt als erstes Land Ex-Jugoslawiens Kosovo an
Do.06.03.08 - Als erste ehemalige Teilrepublik Jugoslawiens hat EU-Ratspräsident
Slowenien das Kosovo als unabhängigen Staat anerkannt.
Das Parlament stimmte am Mittwoch mit 57 zu vier Stimmen zugunsten des
Kosovo. "Das ist keine Entscheidung gegen Serbien", sagte
Außenminister Dimitrij Rupel vor der Parlamentsentscheidung.
Damit haben bisher weltweit 25 Staaten - davon 15 EU-Mitglieder - das
Kosovo anerkannt.
Russland lehnt die Eigenständigkeit der mehrheitlich von Albanern
bewohnten ehemaligen südserbischen Provinz ab und hat dies mit
Sorgen begründet, andere separatistische Bewegungen könnten
darin einen Präzedenzfall sehen. Das von Georgien abgespaltene
Süd-Ossetien verlangt auch für sich die staatliche
Souveränität und rief die Vereinten Nationen, die EU und
Russland auf, diese Unabhängigkeit anzuerkennen. Serbien hat mit
nicht näher genannten Maßnahmen gegenüber den Staaten
gedroht, die sich auf die Seite der Kosovo-Albaner stellen. Slowenien
unterhält starke Wirtschaftsbeziehungen zu dem Balkan-Staat.
Slowenien gehörte bis 1991 wie Serbien zu Jugoslawien. 2004 trat
das Land der Nato und der EU bei und wurde im vergangen Jahr der erste
ehemals kommunistische Staat, der den Euro einführte.
(Quelle: rtr)
Deutschland entsendet bis zu 180 Polizisten ins Kosovo
Do.06.03.08 - Deutschland beteiligt sich mit bis zu 180 Polizisten am Aufbau des
Kosovo.
Das Bundeskabinett beschloss am Mittwoch den Einsatz der Beamten von
Bund und Ländern im Rahmen der europäischen Eulex-Mission.
Das Engagement der Europäer solle dazu dienen, die staatlichen
Instanzen im Kosovo weiterzuentwickeln und zu festigen, sagte
Regierungssprecher Ulrich Wilhelm in Berlin. Insgesamt soll der jetzt
anlaufende Eulex-Einsatz mehr als 1800 Experten umfassen. Darunter sind
1400 Polizisten sowie Richter, Staatsanwälte und Zollbeamte, die
Wilhelm zufolge auch begrenzte exekutive Aufgaben übernehmen
sollen.
Das Kosovo hatte sich am 17. Februar gegen den Willen Serbiens für
unabhängig erklärt. Der neue Staat wurde mittlerweile von den
meisten EU-Mitgliedsländern anerkannt. Serbien hat deshalb das
EU-Angebot für ein Übergangsabkommen über Freihandel und
Reiseerleichterungen abgelehnt.
Die EU verlangte ein klares Bekenntnis Serbiens zu Europa. Es
kämen anti-europäische Signale aus Serbien, sagte
EU-Erweiterungskommissar Olli Rehn. "Deshalb fordern wir die serbische
Regierung auf, ihr Interesse an engeren Beziehungen zur EU zu
bekräftigen." Die Europäische Union sei an einem vertieften
Verhältnis zu dem Balkanstaat interessiert. Auch eine "schweigende
Mehrheit" der Serben dränge es nach Europa. "Sobald Serbien es
will, sind wir bereit, uns zu bewegen", sagte Rehn.
Im serbischen Parlament steht diese Woche eine Resolution zur
Abstimmung, alle offiziellen Verbindungen zu EU wegen des
Kosovo-Konflikts zu kappen. Der Entwurf der nationalistischen Radikalen
Partei wird von der Partei des Ministerpräsidenten Vojislav
Kostunica und den Sozialisten unterstützt und dürfte damit
eine Mehrheit finden.
(Quelle: rtr)
Türkei zieht 71-Jährigen zum Militärdienst ein
Do.06.03.08 - Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat den
türkischen Staat verurteilt, weil dieser einen 71-jährigen
Mann zum Militärdienst einberufen hat. Es handele sich um eine
"unmenschliche und herabwürdigende" Behandlung, erklärten die
Straßburger Richter am Dienstag. Der Mann, ein Schäfer
kurdischer Herkunft, hatte sich den Angaben zufolge erst mit 57 Jahren
behördlich registrieren lassen.
Während seiner sechswöchigen Militärzeit hatte der
71-Jährige unter anderem bei minus 30 Grad trainieren müssen,
hieß es. Wegen seiner Zahnlosigkeit hatte er zudem Schwierigkeiten
mit den Mahlzeiten in der Kaserne. Mit Herzproblemen wurde er
schließlich in ein Krankenhaus eingeliefert.
Der Militärdienst sei auf 20-jährige Männer
zugeschnitten, betonte das Gericht. Die Ausbildung habe für den
alten Mann "enormen Stress" bedeutet und seine Würde verletzt. Die
Türkei muss dem Kläger nun 5.000 Euro Schmerzensgeld und 1.000
Euro für Prozesskosten zahlen.
(Quelle: epd)
Nordirland: Peter Robinson soll Paisley nachfolgen
Do.06.03.08 - In Nordirland geht eine Ära zu Ende: Der protestantische Pfarrer
Ian Paisley hat seinen Rücktritt als Regierungschef der
Allparteienkoalition in Belfast sowie als Vorsitzender der radikalen
Democratic Unionist Party (DUP) angekündigt. Er werde beide
Ämter im Mai niederlegen, erklärte der 81-Jährige am
Dienstagabend. Aus DUP-Kreisen verlautete, dass der derzeitige
nordirische Finanzminister Peter Robinson die besten Chancen auf die
Nachfolge Paisleys habe.
Robinson sei der fähigste Stratege in den Reihen der Unionisten,
der Anhänger einer unauflöslichen Verbundenheit Nordirlands
mit Großbritannien, erklärte ein DUP-Abgeordneter. Sollte
der 60-Jährige zum Parteivorsitzenden gewählt wären,
würde er automatisch auch Erster Minister, also Regierungschef der
Belfaster Koalition, in der die DUP die Mehrheit stellt. Robinson ist
schon seit langem stellvertretender Parteichef.
Paisleys Rücktritt soll nach eigener Aussage nach einer Belfaster
Konferenz vom 7. bis 9. Mai erfolgen, bei der es um die Anwerbung von
internationalen Investitionen für die britische Provinz gehen
soll. Er sei sicher, dass diese Versammlung einen wichtigen Meilenstein
für die regionale Entwicklung setzen werden, sagte der noch
amtierende Erste Minister. Das wäre für ihn der richtige
Zeitpunkt, sich zurückzuziehen: «Jüngere Leute sollten
jetzt vortreten und ihren Beitrag leisten.»
Paisley hat vier Jahrzehnte lang eine beherrschende Rolle in der
nordirischen Politik gespielt und eine Aussöhnung zwischen
Protestanten und Katholiken lange Zeit verhindert. Zuletzt geriet er in
seiner Partei zunehmend unter Druck, weil Hardliner ihm die Kehrtwende
vom März vergangenen Jahres nicht verziehen. Damals erklärte
sich der radikale Protestant zur Zusammenarbeit mit der IRA-nahen
Partei Sinn Fein bereit. Damit machte er den Weg frei für eine
neue Allparteienregierung, der er seit Mai gemeinsam mit dem
stellvertretenden Sinn-Fein-Chef Martin McGuinness vorsteht. McGuinness
würdigte die Verdienste seines einstigen Widersachers um den
Frieden in Nordirland.
«No Surrender» (keine Kapitulation) - so lautete bis dahin
stets der Kampfruf des streitbaren Geistlichen an die Adresse der
Irisch-Republikanischen Armee (IRA) und Sinn Fein. Auch nach dem
Karfreitagsabkommen von 1998 lehnte er vehement eine Zusammenarbeit mit
den katholischen Nationalisten ab, die für eine Vereinigung
Nordirlands mit der Republik Irland eintreten. Seine Kehrtwende
löste vielerorts Verwunderung aus und wurde von Gegnern als rein
egozentrischer Wunsch gewertet, seine politische Laufbahn mit dem Amt
eines Regierungschefs abschließen zu können.
Unter Druck geriet Paisley auch wegen fragwürdiger Verbindungen
seines Sohns zu einem Immobilienunternehmer. Ian Paisley junior musste
schließlich vom Posten eines Regierungsberaters
zurücktreten. Sein Vater könnte mit seiner
Rücktrittsankündigung einer Abwahl zuvorgekommen sein. Die
Unzufriedenheit mit Paisley stieg, nachdem die DUP unlängst bei
einer Nachwahl fürs nordirische Parlament erstmals seit einem
Jahrzehnt einen Sitz einbüßte.
Der britische Premierminister Gordon Brown erklärte, er bewundere
die Führungsqualitäten, die Paisley als Erster Minister unter
Beweis gestellt habe: «Die Fortschritte auf dem Weg zu einem
dauerhaften Frieden in Nordirland wären nicht möglich gewesen
ohne seinen enormen Mut.» Browns Vorgänger Tony Blair, in
dessen Regierungszeit der Kompromiss zustandekam, sagte über
Paisley: «In letzter Konsequenz hat er es möglich gemacht.
Der Mann, der berühmt dafür war, Nein zu sagen, wird nun in
die Geschichte dafür eingehen, dass er Ja gesagt hat.»
(Quelle: ap)
Deutschland
Linke stellt Bedingungen für Tolerierung von Rot-Grün
Do.06.03.08 - Nach der Richtungsentscheidung der SPD für eine rot-grüne
Minderheitsregierung in Hessen stellt die Linkspartei inhaltliche
Bedingungen für eine Tolerierung. Der Fraktionschef der Linken im
Bundestag, Gregor Gysi, verlangte am Mittwoch unter anderem, SPD und
Grüne müssten sich bei der Kabinettsliste mit der Linken
abstimmen. Außerdem müsse die Beobachtung seiner Partei
durch den hessischen Verfassungsschutz aufhören. Gysi machte
zugleich klar, dass die Linke wechselnde Mehrheiten im Landtag nicht
mitmache. Derweil trafen sich die Spitzen von CDU und SPD ein letztes
Mal, um über eine große Koalition zu reden. Das Treffen
brachte keine Annäherung.
Beide Parteien erklärten im Anschluss, es werde keine weiteren
Gespräche mehr geben. Der Generalsekretär der Hessen-SPD,
Norbert Schmitt, sagte, eine große Koalition sei in Hessen nicht
möglich. «Es passt nicht zusammen.» Die CDU habe sich
weder bei den Inhalten noch in Personalfragen ausreichend bewegt. Von
der SPD habe die Union verlangt, «Juniorpartner» unter
Roland Koch zu werden, kritisierte Schmitt.
Der Generalsekretär der Hessen-CDU, Michael Boddenberg, hielt der
SPD ebenfalls vor, sich nicht bewegt zu haben. Die Sozialdemokraten
hätten nie ernsthaft vorgehabt, auf die CDU zuzugehen. «Das
war fürs Schaufenster», sagte Boddenberg. Der
SPD-Landesvorsitzenden Andrea Ypsilanti warf er erneut Wortbruch und
«Wählerbetrug» vor, weil sie sich mit Hilfe der Linken
zur Ministerpräsidentin wählen lassen wolle.
«Schrecklich und eine Katastrophe» sei es, dass das
«wirtschaftsstärkste» Bundesland Hessen zum
«Experimentierfeld für Rot-Rot-Grün» werde.
Die Linke kündigte an, Ypsilanti könne sich hundertprozentig
auf die sechs Abgeordnetenstimmen im Landtag verlassen. «Diese
Stimmen gibt es ohne Einschränkung», sagte der
Landesvorsitzende der Linken, Ulrich Wilken. Dagegen formulierte
Bundestagsfraktionschef Gysi Bedingungen für eine Zusammenarbeit
seiner Partei mit Rot-Grün. Neben einem Stopp der Beobachtung der
Linken durch den Verfassungsschutz und eine Mitsprache bei der
Besetzung des Kabinetts nannte Gysi den Aufbau einer
Gemeinschaftsschule.
Außerdem forderte er die Abschaffung der Studiengebühren und
eine Regelung, wonach öffentliche Aufträge künftig nur
noch an Unternehmen vergeben werden sollen, die Mindestlöhne
zahlen. «Wenn wir das alles hinkriegen, dann sehe ich gar nicht
schwarz, weder für Frau Ypsilanti noch für uns.»
Wechselnde Mehrheiten im Landtag, wie sie Ypsilanti am Dienstag als
Möglichkeit ins Spiel gebracht hatte, erteilte Gysi eine Absage.
«Die Vorstellung von Frau Ypsilanti, dass sie ein Drittel ihrer
Entscheidungen mit der Union, ein Drittel mit der FDP und ein Drittel
mit uns fällt - Das funktioniert gar nicht. So was klappt nicht.
Das machen weder die Union, noch die FDP, noch wir mit.»
(Quelle: ddp)
Hessischer SPD-Vizechef Walter sieht Becks Glaubwürdigkeit
zerstört
Do.06.03.08 - Der hessische SPD-Vizechef Jürgen Walter sieht die
Glaubwürdigkeit des Bundesvorsitzenden Kurt Beck zerstört.
«Sollte Herr Beck vor der Bundestagswahl behaupten, er würde
sich auf keinen Fall mit den Stimmen der Linken zum Bundeskanzler
wählen lassen, dann wäre das nur noch politisches
Kabarett», sagte Walter der «Frankfurter Rundschau»
laut Vorabmeldung. «Ich befürchte, dass die
Glaubwürdigkeit von Kurt Beck in dieser Frage nicht mehr vorhanden
ist.»
Walter verlangte Zusagen der Linken über inhaltliche Eckpunkte,
bevor sich die SPD-Landesvorsitzende Andrea Ypsilanti mit den Stimmen
der Linken zur Ministerpräsidentin wählen lässt.
«Wenn die Linken jederzeit diese Tolerierung beenden
könnten, würden jederzeit Neuwahlen drohen. Dann wäre
die SPD abhängig von der Entscheidung dieser sechs Abgeordneten
und von Oskar Lafontaine, der in Berlin die Vorgaben macht.» Das
könne eine vernünftige Partei nicht tun, sagte der
frühere Rivale von Ypsilanti.
(Quelle: ap)
Forsa-Chef warnt SPD vor Linksruck
Do.06.03.08 - Der Chef des Umfrageinstitutes Forsa, Manfred Güllner, hat die SPD
vor einem weiteren Linksruck gewarnt. «Anhand der Wahlergebnisse
lässt sich belegen, dass diese Strategie nicht aufgeht»,
sagte Güllner dem «Münchner Merkur» laut
Vorabmeldung. Die SPD habe bei den neun Landtagswahlen seit Ende 2005
insgesamt rund 2,7 Millionen Stimmen verloren. Nach dem Linksschwenk
von SPD-Chef Kurt Beck Ende 2007 seien die prozentualen Verluste noch
größer geworden.
«Die Zahlen beweisen, dass den Sozialdemokraten eine
Annäherung an die Linke eher schadet. Je stärker die SPD nach
links rückt, desto stärker verliert sie in der Mitte»,
wurde Güllner zitiert. Die enttäuschten SPD-Sympathisanten
wanderten vor allem ins Lager der Nichtwähler ab, womit der Anteil
der anderen Parteien steige.
Nach der Annäherung an die Linkspartei in Hessen sieht
Güllner das Vertrauen in die SPD stark beschädigt. Kein
Wähler werde in Zukunft der Zusage trauen, dass die SPD im Bund
nach der Wahl 2009 keinesfalls eine rot-rote Koalition eingehe.
Nach der massiven Kritik an Beck hält Güllner eine
Kanzlerkandidatur des SPD-Chefs für unwahrscheinlich. Beck betone
stets, er stehe nahe bei den Menschen. Er halte sich für einen
großen Strategen. «Nüchtern betrachtet erscheint eine
Kanzlerkandidatur für Beck jedoch völlig aussichtslos»,
sagte Güllner.
(Quelle: ap)
SPD und Beck nach Öffnung zur Linkspartei im Umfrage-Tief
Do.06.03.08 - Mit der Öffnung zur Linkspartei sind die SPD und Parteichef Kurt
Beck in einer Forsa-Umfrage auf Tiefstwerte abgestürzt.
Die SPD verlor vier Punkte im Vergleich zur Vorwoche und kommt in der
Umfrage nur noch auf 24 Prozent, wie das Magazin "Stern" am Mittwoch
vorab berichtete. Das sei der niedrigste Wert seit Oktober 2007. Union
und Linkspartei legten dagegen jeweils um zwei Punkte zu: CDU/CSU stehen
nun bei 38 Prozent, die Linke baut mit einem Jahreshöchstwert von
14 Prozent ihre Position als drittstärkste Kraft aus. FDP und
Grüne kommen je auf zehn Prozent. Das linke Lager aus SPD, Linken
und Grünen liegt demnach gleichauf mit Schwarz-Gelb.
SPD-Chef Beck verlor weiter an Rückendeckung für eine
Kanzlerkandidatur 2009: Nur noch 14 Prozent der Befragten und damit so
wenige wie nie zuvor wollten ihn direkt zum Kanzler wählen,
berichtete "Stern". Unter den SPD-Anhängern kommt Beck auf 25
Prozent und damit sechs Punkte weniger als noch in der Vorwoche.
Bundeskanzlerin Angela Merkel erreicht dagegen bei der Gesamtzahl der
Befragten 56 Prozent Zustimmung, unter den SPD-Anhängern 40 Prozent.
Die Skepsis gegenüber der Linkspartei bleibt groß. Für
52 Prozent der Befragten ist die Linke der Umfrage zufolge keine normale
Partei, mit der andere zusammenarbeiten sollten. Auch die
SPD-Anhänger sind in dieser Frage gespalten: 48 Prozent halten eine
Zusammenarbeit mit den Linken für denkbar, ebenso viele lehnen sie
ab. 60 Prozent der Deutschen halten zudem den SPD-Beschluss für
falsch, den westlichen SPD-Landesverbänden freie Hand für
eine Zusammenarbeit mit der Linken zu geben. Unter den
SPD-Anhängern lehnen 58 Prozent den Kurswechsel ab.
(Quelle: rtr)
'Auftakt nach Maß' für schwarz-grüne Gespräche in
Hamburg
Do.06.03.08 - Anderthalb Wochen nach der Hamburger Bürgerschaftswahl haben CDU
und Grün-Alternative Liste (GAL) die Möglichkeit einer
schwarz-grünen Koalition ausgelotet. Die Delegationen beider
Parteien hätten in freundlicher Atmosphäre "sehr detaillierte
Gespräche zu allen wichtigen Themen der Hamburger Politik"
geführt, sagte Bürgermeister Ole von Beust (CDU) nach dem
knapp siebenstündigen Sondierungstreffen in einem Hamburger Hotel.
Dabei hätten CDU und Grüne eine "Reihe von gemeinsamen
Perspektiven gesehen" und Kompromissmöglichkeiten besprochen.
Allerdings gebe es auch weiterhin an einigen Punkten unterschiedliche
Auffassungen.
GAL-Spitzenkandidatin Christa Goetsch sprach von einem "intensiven
Tag", an dem alle Politikfelder beleuchtet worden seien und beide
Parteien "Perspektiven entwickelt", aber auch Dissenzpunkte
festgestellt hätten. GAL-Landeschefin Anja Hajduk sagte, beide
Seiten seien "mit vielen Differenzen gestartet", aber hätten
Möglichkeiten für Überbrückungen und Kompromisse
ausgelotet. Der CDU-Landesvorsitzende Michael Freytag sprach von einem
"Auftakt nach Maß". Zwar gebe es neben Übereinstimmungen
auch Trennendes, das aber "überbrückbar" sei. Er sprach von
einer "ermutigenden" Atmosphäre: "Frischer Wind für Hamburg
ist zu spüren."
Nach einem ersten Sondierungsgespräch mit der SPD am Dienstag
hatte von Beust mit den Sozialdemokraten "viele Berührungspunkte"
und "programmatische Ähnlichkeiten" ausgemacht. Anders als die
Grünen befürwortet die SPD zum Beispiel die nächste
Elbvertiefung und will die Gymnasien erhalten. Eine große
Koalition sei auch "eine Option", allerdings "nicht das Wunschkonzert",
hatte Freytag am Dienstag gesagt.
Die CDU hatte bei der Bürgerschaftswahl ihre absolute Mehrheit
verloren und ist künftig zum Regieren in der Hansestadt auf einen
Partner angewiesen. SPD und GAL hatten ihr Wahlziel eines
rot-grünen Machtwechsels verfehlt.
Unterdessen verschob sich die Sitzverteilung in der Hamburgischen
Bürgerschaft erneut leicht. Nach einer weiteren Nachzählung
der Wählerstimmen bekommt die SPD nun 45 statt 44 und die GAL doch
nur zwölf und nicht 13 Mandate. Demnach kam die SPD am Ende auf
44,54 Mandate - aufgerundet auf 45 - und die Grünen auf 12,49 -
abgerundet auf zwölf Sitze. Für die stärkste Fraktion
CDU bleibt es bei 56 und für die Linkspartei bei acht Mandaten.
(Quelle: afp)
Niedersachsens Grüne für offeneren Umgang mit der Linken
Do.06.03.08 - Die niedersächsischen Grünen plädieren für einen
offeneren Umgang und eine stärkere inhaltliche Auseinandersetzung
mit der Linkspartei. Landeschef Raimund Nowak sagte am Mittwoch in
Hannover, die veränderte Parteienlandschaft nach den jüngsten
Wahlen mache es nötig, auch Gespräche mit anderen Parteien
als der SPD zu führen. «Wir können es uns nicht mehr
erlauben, uns nur über die Partner zu definieren. Diese bequemen
Zeiten sind vorbei.» Im Hinblick auf eine künftige
Zusammenarbeit zwischen Grünen und Linken sagte er, man müsse
damit «aufhören, einfach Farben auszuschließen».
Der Umgang mit der Linken und die Auswertung des Ergebnisses bei der
Landtagswahl stehen im Mittelpunkt des Landesparteitages der
Grünen, der mit rund 150 Delegierten am kommenden Samstag in
Hameln stattfindet. Ein weiteres Thema soll die Gleichstellung von
Frauen in Privatunternehmen sein. Vor allen Dingen bei den Löhnen
«klaffen Anspruch und Realität» weit auseinander,
sagte Grünen-Landeschefin Dorothea Steiner. Hier sei eine
gesetzliche Regelung nötig.
(Quelle: ddp)
Vorläufiges Endergebnis der bayerischen Kommunalwahlen: CSU sackt
auf 40 Prozent ab
Do.06.03.08 - Die CSU hat bei den bayerischen Kommunalwahlen ihr schlechtestes
Ergebnis seit mehr als vier Jahrzehnten hinnehmen müssen. Bei den
Stadtrats- und Kreistagswahlen am Sonntag erreichte die CSU dem
vorläufigen Endergebnis zufolge 40,0 Prozent, das sind 5,5 Punkte
weniger als 2002. Der Stimmanteil der SPD ging bei der Wahl in 96
Kreisen und kreisfreien Städten insgesamt um 2,5 Punkte auf 22,6
Prozent zurück - das schlechteste Kommunalwahl-Ergebnis der
Sozialdemokraten der Nachkriegszeit. Dennoch wittert die bayerische
Opposition die Chance auf ein Ende der absoluten Mehrheit der CSU in
Bayern.
Der Stimmenanteil für die CSU ist das schlechteste Resultat
für die Partei bei Kommunalwahlen seit 1966, als sie ebenfalls
40,0 Prozent erhielt. Die Grünen legten am Sonntag nach Angaben
des Landesamts für Statistik 2,3 Punkte auf 7,7 Prozent zu. Mit
30,1 Prozent (plus 5,5 Punkte) ging fast ein Drittel der Stimmen an
kleine Parteien, darunter in erster Linie an die Freien Wähler,
die nach eigenen Angaben landesweit mehr als 19 Prozent erreichten. Die
FDP verbesserte sich um 1,8 Punkte auf 3,8 Prozent. Die Wahlbeteiligung
ging gegenüber 2002 um 3,7 Punkte auf 59,5 Prozent zurück.
Grünen-Landeschefin Theresa Schopper sprach von einem
«realen Machtverlust» der CSU. Das deutliche Minus sei
nicht nur ein «Denkzettel», sondern eine richtige
«Watschn» für die Regierungspartei. Der
Co-Landesvorsitzende Sepp Daxenberger hält die CSU für
«angeschlagen». Sie habe in den vergangenen Monaten ein
«sehr desolates Bild» abgegeben. Die CSU leide unter der
Führungsschwäche ihres Spitzenduos aus Ministerpräsident
Günther Beckstein und Parteichef Erwin Huber.
Zugleich bedauerte Daxenberger, dass es der bayerischen SPD nicht
gelinge, aus ihrem Stimmungstief herauszukommen. Um einen Wechsel in
Bayern herbeiführen zu können, müsse sich die SPD
erholen und stärker werden.
SPD-Fraktionschef Franz Maget wertete die Kommunalwahlen als Beleg
dafür, «dass sich die Menschen in Bayern zunehmend von der
CSU abwenden». Dies sei eine «große Chance für
die Oppositionsparteien - für die Freien Wähler, für die
FDP, für die Grünen und für uns», die absolute
Mehrheit der CSU zu brechen. Nach Einschätzung von Bayerns
FDP-Generalsekretär Martin Zeil zeigen die Zuwächse für
seine Partei, dass die Bürger den klaren Kurs einer
bürgerlichen Alternative «zur abgehobenen CSU»
honorierten.
CSU-Fraktionschef Georg Schmid räumte ein, dass die bayerischen
Kommunalwahlen nicht «glorreich» für die CSU
ausgegangen seien. «Das Ergebnis ist kein Glanzpunkt, aber auch
kein Grund zu Panik», betonte er. Man müsse nun unter
anderem auf das Problem eingehen, dass viele das Gefühl
hätten, am Wirtschaftsaufschwung nicht teilzuhaben. Huber sprach
von »Licht und Schatten« für die CSU bei den
Kommunalwahlen. Am Tandem Huber/Beckstein hätten die
Stimmenverluste nicht gelegen. »In der CSU gibt es keine Suche
nach Sündenböcken«, betonte der Parteichef.
Der innenpolitische Sprecher der Union im Bundestag, Hans-Peter Uhl
(CSU), kritisierte unteressen das Führungsduo seiner Partei:
»Dass die CSU mit einer Stimme spricht, das fehlt noch«,
sagte er. Beckstein und Huber müssten sich mehr auf das
Wesentliche konzentrieren: »Zurzeit sagt der eine etwas Richtiges
zu dem einen Thema, und der andere sagt etwas Richtiges zu einem
anderen Thema. Das macht keinen guten Eindruck.«
(Quelle: ddp)
Bundeskartellamt geht gegen hohe Gaspreise vor
Do.06.03.08 - Das Bundeskartellamt geht massiv gegen die hohen Gaspreise in
Deutschland vor. Die Wettbewerbsbehörde leitete gegen rund 35
Gasversorger ein Missbrauchsverfahren wegen des Verdachts
überhöhter Preise ein. Die betroffenen Unternehmen beliefern
rund vier Millionen Haushalts- und Gewerbekunden im ganzen Bundesgebiet.
Das entspricht rund einem Fünftel des Marktes, wie das Kartellamt
am Mittwoch berichtete.
Die Wettbewerbsbehörde macht damit erstmals vom novellierten
Kartellrecht Gebrauch, das ihr mehr Möglichkeiten bei der
Missbrauchsaufsicht einräumt und ihr erlaubt, in einem
vereinfachten Verfahren Preissenkungen durchzusetzen.
Eine bundesweite Untersuchung der Gaspreise aller in diesem
Geschäftsfeld etablierten Gasversorger hatte nach Angaben der
Wettbewerbsbehörde drastische Preisunterschiede zu Tage gebracht.
Kartellamtspräsident Bernhard Heitzer sagte: «Nach
derzeitigen Erkenntnissen erheben eine Reihe von Unternehmen Gaspreise
in einer Höhe, die sie bei funktionierendem Wettbewerb nicht
fordern könnten.» Das Kartellamt werde deshalb die
jüngste Welle von Gaspreiserhöhungen auf ihre
Missbräuchlichkeit hin überprüfen.
Betroffen sind nach Angaben des Kartellamts Unternehmen aus allen
Regionen Deutschlands: Stadtwerke ebenso wie ländlicher Versorger
und Beteiligungsunternehmen der vier großen deutschen
Energiekonzerne. Für Kartellamtspräsident Heitzer lässt
das Untersuchungsergebnis nur einen Schluss zu, nämlich dass die
Wettbewerbsintensität im Bereich der Belieferung von Haushalts- und
Gewerbekunden mit Gas immer noch erschreckend gering ist.
Das Bundeskartellamt hatte bei dem Vergleich der Gaspreise, die die
Endverbraucher zahlen, die genehmigten Netzentgelte sowie die Steuern
und Konzessionsabgaben abgezogen. Dies eröffne eine wesentlich
präzisere Beurteilungsgrundlage und werde voraussichtlich kaum Raum
für die betroffenen Unternehmen lassen, sich durch Besonderheiten
in ihrem Liefergebiet zu rechtfertigen, betonte die Behörde.
Die Einleitung weiterer Verfahren sei möglich, betonte das
Bundeskartellamt. Außerdem hätten bereits einige
Landeskartellbehörden eigene Verfahren eingeleitet. Am Ende des
Verfahrens könne die Anordnung von Preissenkungen stehen, sagte
eine Behördensprecherin.
(Quelle: ap)
Stark steigende Preise -- Deutsche-Bank-Chefökonom Walter
warnt vor Stagflation
Do.06.03.08 - Angesichts der starken Preissteigerungen bei Rohstoffen und
Lebensmitteln warnt der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert
Walter, vor einer Stagflation in Deutschland.
"In den vergangenen Wochen gab es bei den Preis-Entwicklungen viele
Überraschungen, die wir so nicht vorhergesehen haben. Die Gefahr
einer Stagflation ist dadurch so groß wie in den letzten 30 Jahren
nicht", sagte Walter der "Bild"-Zeitung (Mittwochausgabe) laut
Vorabbericht.
Neben den stark steigenden Preisen sieht Walter eine große
Stagflationsgefahr vor allem in hohen Tarifabschlüssen, die zu
Lasten der Unternehmensgewinne gehen könnten. "In der Folge
könnten die Firmen ihre Investitionen in Maschinen und neue Anlagen
drosseln. Dadurch würde die Konjunktur spürbar
abkühlen", erklärte der Volkswirt. Er warnte davor, eine
Stagflation mit Konjunkturprogrammen oder Steuersenkungen bekämpfen
zu wollen. Das sei der falsche Weg.
Mit Stagflation bezeichnen Fachleute eine Konjunkturflaute ohne
Wirtschaftswachstum (Stagnation) bei gleichzeitig hoher Inflation.
(Quelle: rtr)
Warnstreiks legen Flughäfen und Nahverkehr lahm
Do.06.03.08 - Kurz vor der entscheidenden Tarifrunde im öffentlichen Dienst
haben am Mittwoch 100.000 Gewerkschafter den Druck auf die Arbeitgeber
erhöht und Flughäfen sowie Nahverkehrsnetze lahmgelegt. In
ganz Deutschland fielen Hunderte Flüge aus, Busse und U-Bahnen
blieben in den Depots. Die Gewerkschaft ver.di forderte ein neues
Angebot von Bund und Kommunen und will andernfalls unbefristet
streiken. Weil auch eine Einigung im Tarifkonflikt bei der Deutschen
Bahn in weiter Ferne ist, droht Deutschland ein Verkehrschaos.
Am (morgigen) Donnerstag will ver.di die Streikschwerpunkte auf Hessen,
Bayern, Baden-Württemberg und das Saarland legen, wobei auch
wieder der Nahverkehr betroffen sein soll. Allein in
Baden-Württemberg rechnet die Gewerkschaft mit 20.000 Streikenden.
Schwerpunkte der Warnstreiks am Mittwoch waren Nordrhein-Westfalen und
Rheinland-Pfalz. Betroffen war vor allem der Nahverkehr und bundesweit
fast alle wichtigen Flughäfen. Am Morgen wurden die Flughäfen
Frankfurt, München, Nürnberg, Stuttgart, Hannover,
Köln-Bonn, Düsseldorf, Dortmund, Münster-Osnabrück
und Saarbrücken bestreikt. Allein bei der Lufthansa fielen rund
300 Flüge aus, betroffen waren 18.500 Passagiere. Vor allem
innerdeutsche Flüge wurden gestrichen, die interkontinentalen
Lufthansa-Flüge wurden dagegen wie geplant durchgeführt.
In Berlin begann zudem ein Totalstreik, der die meisten Busse, U-Bahnen
und Straßenbahnen lahmlegte. Das befürchtete Chaos blieb
zwar aus. Allerdings mussten Fahrgäste Einschränkungen
hinnehmen. Dies galt insbesondere für die Besucher der
Tourismusmesse ITB. Der Streik soll zunächst bis Freitag kommender
Woche andauern. Weil es ab Montag auch Streiks bei der S-Bahn geben
könnte, drohen der Bundeshauptstadt Verkehrsprobleme ungeahnten
Ausmaßes.
Gestreikt wurde wieder am Mittwoch andernorts auch in Kitas,
Krankenhäusern, Stadtverwaltungen oder bei der Müllabfuhr.
Allein in Nordrhein-Westfalen traten laut ver.di mehr als 70.000
Beschäftigte in den Ausstand, rund 8.500 Beschäftigte waren
es in Rheinland-Pfalz. In Nordrhein-Westfalen wurde im Nahverkehr mit
Beginn der Frühschicht laut ver.di in fast allen Städten der
Betrieb eingestellt. Dennoch blieb auf den Autobahnen das
befürchtete Chaos aus.
Die Tarifverhandlungen gehen am (heutigen) Donnerstag und Freitag in
Potsdam in die fünfte und entscheidende Runde. Das
Bundesinnenministerium schloss am Mittwoch ein neues Angebot aus.
Ver.di-Chef Frank Bsirske bezeichnete das bisherige Angebot als
«provokativ, frech und schamlos». Die Arbeitgeber verbinden
ihr Angebot von fünf Prozent mehr Lohn mit einer
Arbeitszeitverlängerung, ver.di verlangt acht Prozent.
Bsirske drohte, die Entscheidung über reguläre Streiks werde
schnell fallen: «Entweder die öffentlichen Arbeitgeber legen
ein Angebot mit deutlicher Lohnerhöhung und ohne
Arbeitszeitverlängerung vor, oder wir zeigen denen unsere
Kraft», sagte der Gewerkschaftschef.
Unterdessen rückt im Tarifstreit bei der Bahn eine Einigung in
weite Ferne: Die Streikankündigung der Lokführergewerkschaft
GDL riss alte Gräben zwischen den Gewerkschaften wieder auf. Die
Konkurrenzorganisationen Transnet und GDBA wollen wieder für die
Lokführer verhandeln. Damit wird der Konflikt immer komplizierter.
Bahnkunden müssen ab Montag mit einem bundesweiten Streik rechnen.
(Quelle: ap)
Konkurrenz-Gewerkschaften setzen GDL im Bahn-Streit unter Druck
Do.06.03.08 - Im Tarifstreit bei der Deutschen Bahn setzen die Gewerkschaften
Transnet und GDBA die konkurrierende Lokführervereinigung GDL
unter Druck, die ab Montag mit unbefristetem Streik droht.
Wenn die GDL nicht in der Lage sei, einen Tarifvertrag für alle
Lokführer auszuhandeln, würden Transnet und GDBA dies selbst
wieder übernehmen, sagte ein Transnet-Sprecher am Mittwoch in
Berlin. Die Gewerkschaften wollten damit verhindern, dass die bei ihnen
organisierten Lokführer darunter leiden müssten, dass ein
Tarifabschluss zwischen Bahn und GDL bisher nicht zustande gekommen sei.
Die Bahn bestätigte, dass Transnet und GDBA nun doch wieder die
Vertretung aller Lokführer übernehmen und einen Tarifvertrag
für sie aushandeln wollen. Der Konzern wolle sich allerdings mit
allen drei Gewerkschaften gemeinsam verständigen. "Dafür muss
die GDL aber endlich ihre Verweigerungshaltung aufgeben", forderte
Personalvorstand Margret Suckale. Es sei von Anfang an klar gewesen,
dass zur Tarifeinigung mit der GDL ein Grundlagentarifvertrag und ein
Kooperationsabkommen zwischen den Gewerkschaften gehöre.
Die Verhandlungen über einen Grundlagentarifvertrag zwischen Bahn
und GDL waren am Montag gescheitert. Die Gewerkschaft warf dem Konzern
vor, mit dem Abkommen die Eigenständigkeit ihres neuen
Tarifvertrages ad absurdum führen zu wollen. Sie kündigte
daher jegliche Verhandlungen über einen Grundlagentarifvertrag auf
und verlangte von der Bahn, den neuen Tarifvertrag ohne Bedingungen zu
unterschreiben. Wenn dies nicht geschieht, will die GDL ab Montag
unbefristet den Personen- und Güterverkehr lahmlegen.
Bundeskanzlerin Angela Merkel appellierte unterdessen an die Vernunft
aller Tarifparteien. Ziel müsse es sein, "dass wir in
möglichst allen Bereichen zu vernünftigen Verhandlungen
kommen und dass die Bürgerinnen und Bürger möglichst
wenig beeinflusst werden in ihrem täglichen Leben", sagte Merkel
am Mittwoch in Erfurt. "Ich hoffe auf die Vernunft aller Tarifpartner."
(Quelle: rtr)
Zahl der Minijobber weiter gestiegen
Do.06.03.08 - Die Zahl der Minijobber in Deutschland ist im vergangenen Jahr weiter
gestiegen. Nach Angaben der Minijob-Zentrale in Bochum vom Dienstag
waren zum Jahresende insgesamt 6,7 Millionen Menschen geringfügig
beschäftigt, 385.000 mehr als ein Jahr zuvor. Das entspreche einem
Zuwachs von 6,1 Prozent. Besonders deutlich fiel den Angaben zufolge mit
21,2 Prozent der Anstieg bei Minijobbern in Privathaushalten aus. Im
gewerblichen Bereich verzeichnete die Minijob-Zentrale 5,8 Prozent mehr
geringfügig entlohnte Mitarbeiter.
Besonders viele Minijobber arbeiten nach Informationen der
Minijob-Zentrale in den Branchen Gebäudereinigung,
Gesundheitswesen, Gaststättengewerbe und Einzelhandel. Zwei Drittel
der geringfügig Beschäftigten sind weiblich, in
Privathaushalten beträgt der Frauenanteil sogar 90 Prozent. Das
durchschnittliche monatliche Entgelt für die Minijobs lag den
Angaben zufolge 2006 in den westlichen Bundesländern bei 263 Euro,
in den neuen Bundesländern bei 204 Euro.
Die Minijob-Zentrale der Deutschen Rentenversicherung
Knappschaft-Bahn-See ist seit dem 1. April 2003 zentrale Einzugs- und
Meldestelle für sämtliche geringfügigen
Beschäftigungen, die so genannten Minijobs.
(Quelle: epd)
Arbeitsagenturen verhängen immer mehr Sperrzeiten gegen Arbeitslose
Do.06.03.08 - Die Bundesagentur für Arbeit (BA) hat im vergangenen Jahr so
vielen Empfängern von Arbeitslosengeld I die Bezüge
vorübergehend gesperrt wie nie zuvor. Insgesamt verhängte die
Behörde Sperrzeiten gegen 639.222 Arbeitslose, das waren gut 21
Prozent mehr als 2006. Eine BA-Sprecherin bestätigte am Mittwoch
einen entsprechenden Bericht der «Bild»-Zeitung.
In den meisten Fällen, nämlich bei 239.500
ALG-I-Empfängern, hätten die Betroffenen ihre Kündigung
nicht sofort der Arbeitsagentur gemeldet, sagte die Sprecherin. Eine
rasche Meldung sei wichtig, um die Erwerbslosen möglichst schnell
wieder in einen Anschlussjob zu vermitteln. Darum würden bei
Verstößen die Bezüge in der Regel für eine Woche
gesperrt.
Zweithäufigster Grund für Sanktionen waren den Angaben
zufolge versäumte Termine bei der Arbeitsvermittlung. Demnach
ließen 185.300 ALG-I-Empfänger Termine ohne triftige
Gründe verstreichen.
Eine Sperrfrist beträgt bis zu zwölf Wochen. Bei einem Konto
von insgesamt 21 Wochen erlischt der Leistungsanspruch eines
Arbeitslosen.
(Quelle: ap)
Regierung will Aus- und Weiterbildung verbessern
Do.06.03.08 - Die Bundesregierung macht sich für weitere Anstrengungen zur
Bekämpfung eines Fachkräftemangels in Deutschland stark. Nur
gut ausgebildete Menschen könnten Deutschland im globalen
Wettbewerb an der Spitze halten, sagte der Parlamentarische
Staatssekretär im Bundesbildungsministeriúm, Thomas Rachel
(CDU), am Mittwoch im Bundestag. Daher habe die Bundesregierung eine
Qualifizierungsinitiative vorbereitet, die sie mit den Ländern auf
den Weg bringen wolle, «um die Aus- und Weiterbildung in ihrer
Breite zu verbessern".
So sei klar, dass man mehr Absolventen in Fächern wie Mathematik,
Informatik, Naturwissenschaften und Technik brauche, fügte Rachel
hinzu. Mit dem «freiwilligen technischen Jahr» werde man
deshalb jungen Menschen nach dem Abitur ermöglichen, Erfahrungen
in Betrieben und Forschungseinrichtungen zu sammeln. Auch müssten
mehr Frauen für diese Themenfelder und Studiengänge gewonnen
werden. Im Rahmen der Qualifizierungsinitiative werde es daher einen
«nationalen Pakt zur Gewinnung von jungen Frauen für
High-Tech-Berufe» geben.
(Quelle: ddp)
Koalition macht Weg für Pflegereform frei
Do.06.03.08 - Union und SPD haben sich endgültig auf Änderungen an der
umstrittenen Pflegereform verständigt und damit den Weg für
eine Verabschiedung des Gesetzes frei gemacht.
Die Modifizierungen beträfen die umstrittenen
Pflegestützpunkte wie auch eine schärfere Kontrolle von
Pflegeheimen, teilten beide Seiten am Mittwoch in Berlin mit.
Vorausgegangen war ein weiteres Spitzengespräch zwischen den
zuständigen Fraktionsvizes und Bundesgesundheitsministerin Ulla
Schmidt. Union und SPD begrüßten den Kompromiss.
Wie schon auf der Klausur der Koalitionsfraktionen in der vergangenen
Woche grundsätzlich vereinbart soll es den Ländern
überlassen bleiben, ob sie Pflegestützpunkte in den
Wohnquartieren einrichten. Als Anschubfinanzierung werden für
diese Anlaufstellen 60 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Die
Länder bekommen daraus nach einem Finanzierungsschlüssel eine
bestimmte Geldsumme zur Verfügung gestellt. Nutzen sie diese
nicht, ist das Geld nicht auf andere Länder übertragbar.
Unangetastet bleiben die bereits vorher eingeplanten 290 Millionen Euro
für die neuen Pflegeberater, die bundesweit beratend tätig
werden sollen. Die SPD hatte ursprünglich 80 Millionen Euro
gefordert, um ein verbindliches flächendeckendes Netz von 4000
Pflegestützpunkten zu schaffen. Die Union hatte aber vor der
Zerstörung bestehender Strukturen gewarnt.
Heime werden künftig jährlich und ohne Voranmeldung
überprüft. Dabei soll das Augenmerk weniger auf Strukturen
gerichtet werden, sondern sich vorrangig am Zustand der Betroffenen
orientieren. Die Ergebnisse der Prüfung müssen die
Einrichtungen veröffentlichen, etwa durch Aushänge. Bisher
finden Qualitätsprüfungen nur alle drei Jahre und nach
Anmeldung statt.
Pflegepersonen, die verhindert sind oder Urlaub machen wollen, sollen
künftig schneller eine Ersatzpflege finden. Die Wartezeit für
die Inanspruchnahme einer sogenannten Verhinderungspflege wird von
zwölf auf sechs Monate verkürzt. Pflegende Angehörige
erhalten auch während ihres Urlaubes Anspruch auf Leistungen der
Alterssicherung. Betreuungsleistungen für altersverwirrte Menschen
in Heimen sollen künftig zusätzlich vergütet werden.
Anders als im Gesetzentwurf vorgesehen, werden die Einrichtungen nicht
gezwungen, spezielle Heimärzte zu beschäftigen.
Die Reform soll am 1. Juli in Kraft treten. Finanziert werden die
Verbesserungen durch Beitragssteigerungen um 0,25 Prozentpunkte.
(Quelle: rtr)
Verfassungsgericht gibt Kindsmörder Gäfgen Recht
Do.06.03.08 - Der verurteilte Kindsmörder Magnus Gäfgen bekommt aller
Voraussicht nach Prozesskostenhilfe für seinen
Schmerzensgeldprozess gegen das Land Hessen.
Das Bundesverfassungsgericht hat nach einem am Mittwoch
veröffentlichten Beschluss die Ablehnung der finanziellen Hilfe
durch das Oberlandesgericht Frankfurt (OLG) aufgehoben und eine neue
Entscheidung angeordnet. Wegen der Folterdrohung von Polizisten gegen
den 32-jährigen Gäfgen werfe der Prozess die «schwierige
Rechtsfrage» auf, ob er wegen der Verletzung seiner
Menschenwürde einen Amtshaftungsanspruch gegen das Land habe,
entschied das Karlsruher Gericht.
Der zu lebenslanger Haft verurteilte Mörder des Bankierssohns
Jakob von Metzler verlangt mehr als 10 000 Euro Schmerzensgeld, weil er
bei seiner Vernehmung im Herbst 2002 von Polizeibeamten mit Gewalt
bedroht worden war. Gäfgen hatte erst angesichts der vom Vize-
Polizeipräsidenten Wolfgang Daschner angeordneten Drohung das
Versteck der Leiche verraten. (Az: 1 BvR 1807/07 - Beschluss vom 19.
Februar 2008)
Das Karlsruher Gericht verwies darauf, dass das OLG selbst die
Folterdrohung als eine erhebliche, grob rechtsstaatswidrige Verletzung
der Menschenwürde eingestuft hatte. Der einzigartige Fall sei in
der Rechtswissenschaft hoch umstritten; es gebe dazu keine auch nur
annähernd einschlägige höchstrichterliche Entscheidung.
Das spreche dafür, die Rechtsfragen nicht im Verfahren über
die Prozesskostenhilfe zu beantworten.
Zudem beanstandeten die Richter, dass das OLG spekulativ eine
mögliche psychische Schädigung Gäfgens durch die
Folterdrohung ausgeschlossen habe, ohne dessen Psychologen
anzuhören. Auch für Gäfgens Vorwurf, die Polizei habe bei
seiner Festnahme massiv Gewalt angewandt, hätte das OLG
zunächst Beweis erheben müssen.
Nach den Worten der 2. Kammer des Ersten Senats verletzt die Ablehnung
der Hilfe das Grundrecht auf Rechtsschutzgleichheit. Jeder müsse -
unabhängig von seinen finanziellen Verhältnissen - einen
weitgehend gleichen Zugang zu den Gerichten haben. Eine Entscheidung
über die Schmerzensgeldklage sei damit aber nicht getroffen,
betonte das Gericht.
(Quelle: dpa)
Technik
Mehr Frauen wollen Ingenieure werden
Do.06.03.08 - Das Interesse von Frauen an männerdominierten Studiengängen
nimmt zu. Im Wintersemester 2007/2008 schrieben sich 13.300 Studentinnen
für Ingenieurwissenschaften ein, das waren 13 Prozent mehr als im
Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Die Zahl der
männlichen Studienanfänger in den Ingenieurwissenschaften
stieg um acht Prozent auf 48.300.
Überdurchschnittliche Zunahmen bei weiblichen
Studienanfängerinnen verzeichneten auch die Rechts-, Wirtschafts-
und Sozialwissenschaften, während die Zahlen in Human- und
Veterinärmedizin zurückgingen. Insgesamt nahmen 154.800 Frauen
im Wintersemester 2007/2008 in Deutschland ein Studium auf.
(Quelle: afp)
Greenpeace fordert weitere Schritte zu einer 'Grünen IT'
Do.06.03.08 - Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat die Bemühungen der
IT-Branche um einen geringeren Stromverbrauch ihrer Produkte
gewürdigt, die Hersteller aber zugleich zu weiteren Schritten
aufgefordert. Zu einer wirklich «grünen IT»
müssten auch Maßnahmen gegen den Elektronikschrott und der
Verzicht auf umweltschädliche Materialien gehören, forderte
Greenpeace am Mittwoch auf der Cebit in Hannover.
«Hinter dem strahlenden Hochglanz-Image der IT-Branche verbirgt
sich eine traurige Realität», sagte Greenpeace-Aktivistin
Zeina Al Hajj aus Amsterdam. Jährlich gebe es nach Schätzungen
der Vereinten Nationen bis zu 50 Millionen Tonnen Elektroschrott. Damit
könnte alle sieben Stunden ein Eiffelturm gebaut werden, sagte Al
Hajj. «Und wir haben nicht die geringsten Informationen, wo 75
Prozent des in der EU anfallenden Elektroschrotts hingehen.» Es
werde vermutet, dass ein großer Teil davon nach China, Indien,
Thailand oder in andere Entwicklungsländer verschifft werde und
dort nicht nur die Umwelt, sondern auch die Gesundheit der Menschen
belaste.
Greenpeace stellte die Ergebnisse einer Studie vor, bei der 37
Computer, Handys und PDAs (mobile Kleincomputer) von 14 Unternehmen
untersucht wurden. Kriterien waren Energieverbrauch, Lebensdauer und
Verwendung umweltschädlicher Materialien. Kein einziges Gerät
habe dabei zehn von zehn möglichen Bewertungspunkten erreicht,
teilte Greenpeace mit. Immerhin fünf Punkte erreichten ein Notebook
und ein PDA von Sony sowie ein Handy von Sony Ericsson.
Elektronische Bauteile ohne giftige Stoffe wie Antimon und Beryllium
gab es der Studie zufolge in den Geräten von Sony, Toshiba, Nokia,
Fujitsu-Siemens, Samsung und LG Electronics. Bei der Energieeffizienz
erzielten die Computer von Dell und die Ladegeräte von Motorola und
Hewlett-Packard die besten Ergebnisse.
Greenpeace forderte die IT-Hersteller zu einer umfassenden Co2-Bilanz
aller Produkte auf. Außerdem sollte die Lebensdauer der
Geräte erhöht und bereits bei der Entwicklung neuer Produkte
auf die Recycling-Möglichkeiten geachtet werden. Bei der
Herstellung elektronischer Geräte sollten weder PVC noch bromierte
Flammschutzmittel (BFR) verwendet werden, verlangten die
Umweltschützer.
(Quelle: ap)
Ältere Menschen wollen besseren Service bei elektronischen
Geräten
Do.06.03.08 - Bedienungsanleitungen für elektronische Geräte sind für
viele ältere Menschen kaum verständlich. Zu diesem Ergebnis
kommt eine GfK-Studie im Auftrag des Teleshopping-Senders "QVC" unter
300 Personen im Alter über 60 Jahren.
Untersucht wurde die Zufriedenheit mit Service-Angeboten im
Unterhaltungselektronik-Bereich. Nur 6,5 Prozent der Befragten gaben an,
ein neues Gerät mit Hilfe einer Bedienungsanleitung in Betrieb
nehmen zu können. Knapp die Hälfte der über
60-Jährigen kommt dagegen mit den beigelegten Beschreibungen
überhaupt nicht zurecht und muss technikversierte Bekannte um Hilfe
bitten.
In den Elektronikfachmärkten fühlt sich knapp die Hälfte
der Befragten schlecht beraten. Aus Angst vor Überforderung hat
über ein Drittel der älteren Kunden mindestens einmal ein
Gerät nicht gekauft. 13,9 Prozent der Teilnehmer gaben sogar an,
deshalb bereits mehrfach Produkte nicht erstanden zu haben. Ebenfalls
13,9 Prozent der Befragten würden lieber ihr altes Gerät
instand setzen lassen, als ein neues zu kaufen - selbst wenn die Kosten
für die Reparatur genauso hoch sind wie der Preis für ein
modernes Produkt. Weit über die Hälfte der Befragten
wünscht sich zu den Geräten zusätzliche, leicht
verständliche Informationen für Technik-Anfänger. Knapp
zwei Drittel würden gern auf einen Fachmann zurückgreifen, der
das Produkt für sie zu Hause anschließt, und ein Achtel der
Teilnehmer möchte gern einen kompetenten telefonischen
Beratungsservice zur Verfügung haben.
(Quelle: gp)
Virtueller Mathelehrer hilft bei schwierigen Formeln
Do.06.03.08 - Beim Mathe lernen kann jetzt ein virtueller Lehrer helfen: Das
E-Learning-System "Active Math" (http://www.activemath.org/) unterstützt
Schüler und Studenten am Computer mit anschaulichen Beispielen und
Übungsaufgaben zum Verstehen von schwierigen Formeln.
Auf der Cebit (bis 9. März) stellen die Universität des
Saarlandes und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche
Intelligenz (DFKI) die adaptive webbasierte Lernplattform vor. Sie wurde
im Rahmen eines Projekts der Europäischen Union entwickelt.
Am PC kann der Schüler Übungsaufgaben selbstständig
lösen, er erhält Vorschläge für vertiefende Inhalte
und wird bei richtigen Lösungen gelobt. Beim Lernen passt sich das
System an den individuellen Wissensstand und an das Lerntempo des
Benutzers an. Um zum Üben zu motivieren, werden auch besondere
Interessengebiete des Nutzers bei der Wahl von Beispielen und
Übungsaufgaben berücksichtigt.
Die mehrsprachige Plattform ist derzeit in verschiedene Lern-Systeme
eingebunden und wird unter anderem in sogenannten Brückenkursen
für Studienanfänger eingesetzt. In diesen Kursen werden den
angehenden Studenten notwendige Mathematik-Kenntnisse für ihr
gewähltes Studienfach vermittelt. Die Lernplattform wird derzeit
auch von Schulen in mehreren europäischen Ländern erprobt.
(Quelle: gp)
Britischer Regierung gingen 1.000 Laptops verloren
Do.06.03.08 - Der britischen Regierung sind in den vergangenen zehn Jahren mindestens
1.000 Laptops abhanden gekommen. Allein im Verteidigungsministerium
seien seit 1998 insgesamt 503 Laptops gestohlen gemeldet worden,
heißt es in am Dienstag veröffentlichten Daten.
Außerdem würden seit 2001 im Justizministerium 170 und im
Gesundheitsministerium 151 Computer vermisst. Die Daten wurden in den
vergangenen Monaten von Abgeordneten der Opposition zusammengetragen.
Die britische Regierung war in der Vergangenheit mit mehreren
peinlichen Datenpannen in die Schlagzeilen geraten. So musste das
Verteidigungsministerium im Januar einräumen, dass ein Laptop mit
den Daten von 600.000 Rekruten oder anderen
Militärdienst-Interessenten gestohlen wurde. Der zuständige
Offizier hatte den Computer offenbar über Nacht in einem Auto
liegen gelassen. Im vergangenen Jahr gingen bei der Steuerbehörde
CD-ROMs mit vertraulichen Daten von 25 Millionen Familien verloren.
(Quelle: ap)
Wissenschaft
Krebsrisiko bei Frauen bleibt nach Hormontherapie erhöht
Do.06.03.08 - Frauen, die in den Wechseljahren Hormonpräparate einnehmen, haben
auch nach dem Ende der Therapie ein erhöhtes Krebsrisiko. Eine
US-Fachzeitschrift berichtete, auch drei Jahre nach dem Absetzen der
Hormonpräparate zur Erleichterung der Wechseljahrebeschwerden sei
das Krebsrisiko der betroffenen Frauen um fast ein Viertel höher
als das von Frauen, die mit Placebos behandelt wurden.
Für die Studie wurden die Patientinnen drei Jahre lang nach dem
Absetzen der Präparate beobachtet. Dabei stellte sich heraus, dass
die während der Hormonbehandlung erhöhte Gefahr einer
Herz-Kreislauf-Erkrankung mit dem Ende der Therapie dagegen schnell
nachließ.
Eine umfassende klinische US-Studie an mehr als 16.000 Frauen war im
Jahr 2002 abgebrochen worden, weil die Hormonbehandlung die Frauen nicht
vor Krebs- und Kreislauferkrankungen schützte, sondern sie sogar
mehr gefährdete. Im Anschluss untersuchten Forscher der
Universität von North Carolina die gesundheitliche Entwicklung der
Frauen nach dem Absetzen der Hormone.
Bei der Studie von Juli 2002 bis März 2005 erwies sich, dass das
Herz-Kreislaufrisiko nach dem Ende der Therapie zügig wieder
abnahm, während die Krebsgefährdung erhöht blieb. Die
Patientinnen seien besonders anfällig für Lungenkrebs gewesen,
sagte Studienleiter Gerardo Heiss. Diese Erkenntnis gelte für
Frauen, die fünf Jahre lang Hormone geschluckt hätten. Die
Studie erschien im "Journal of the American Medical Association".
(Quelle: afp)
Schmetterlinge können sich an ihr Leben als Larven erinnern
Do.06.03.08 - Schmetterlinge können sich auch nach ihrer Metamorphose noch an
ihr Leben als Raupe oder Larve erinnern. Das haben US-Forscher entdeckt.
Der Sachverhalt war lange Zeit unklar, da während der
Veränderung von der Larve zum ausgewachsenen Schmetterling der
gesamte Körper geradezu in Einzelteile zerlegt und neu
zusammengesetzt wird. In Experimenten konnten Douglas Blackiston, Elena
Casey und Martha Weiss von der Georgetown-Universität in Washington
aber zeigen, dass Motten, die als Larven darauf trainiert worden waren,
einen bestimmten Geruch zu meiden, auch nach ihrer Verpuppung das
erlernte Verhalten beibehielten. Die Forscher berichten über ihre
Studie im Fachmagazin «PLoS ONE» (Bd. 3, e1736).
Blackiston und seine Kolleginnen wählten den Tabakschwärmer
Manduca sexta als Studienobjekt. Das Tier aus der Familie der
Schwärmer durchläuft fünf Raupenstadien, bis es sich zum
Schmetterling entwickelt. Für das Experiment wurden jedoch nur
Raupen in den letzten drei Stadien einem Geruchstraining unterzogen: Die
Forscher setzten sie in einen Apparat und boten zwei Ausgänge an,
wobei der eine mit reiner Luft gefüllt, der andere dagegen stark
mit Ethylacetat, einem nach Klebstoff riechenden Lösungsmittel,
gesättigt war. Da der Tabakschwärmer keine natürliche
Aversion gegen den Geruch hat, legten die Forscher an den zweiten Weg
zusätzlich Strom an, um den Tieren bei Betreten der Röhre
einen Schock zu versetzen. Bei weiteren Versuchen mieden die Raupen den
Ethylacetatgeruch, wenn sie mit ihm konfrontiert waren.
Nach der Verpuppung zum Schmetterling unterzogen die Wissenschaftler
die Tiere dem gleichen Test und entdeckten, dass diese den Geruch des
Lösungsmittels auch jetzt noch mieden, allerdings nur dann, wenn
sie im fünften Larvenstadium trainiert worden waren. Die
jüngeren Larven hatten die Konditionierung offenbar vergessen. Dies
könne bedeuten, dass die Erinnerungen im sogenannten
Pilzkörper gespeichert werden, argumentieren die Forscher. Das ist
eine Struktur im Gehirn von Insekten, die für Gedächtnis und
Lernen verantwortlich ist und aus mehreren Lappen besteht.
Der sogenannte Gamma-Lobus entwickelt sich schon im Embryonalstadium,
verkümmert aber während der Verpuppung. Alpha- und Beta-Lobus
hingegen entstehen erst im fünften Raupenstadium und bleiben auch
nach der Metamorphose intakt. Die Forscher vermuten, dass die jungen
Larven ihr Training deshalb mit Verlust des Gamma-Lobus vergaßen,
wohingegen ältere das Wissen mit Hilfe der anderen zwei Loben
behielten.
(Quelle: ddp)