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Irak am 1444sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
54 Tote und über 120 Verletzte bei Doppelanschlag in Bagdad - Unter
den Toten mehrere Frauen und Kinder
Fr.07.03.08 - Bei einem Doppelanschlag in der irakischen Hauptstadt Bagdad sind
mindestens 54 Menschen getötet worden. Mindestens weitere 123
Menschen seien verletzt worden, teilte das irakische Innenministerium
mit. Zunächst sei eine Bombe auf einer Hauptstraße im
zentral gelegenen Geschäftsviertel Karrada explodiert. Als sich
dann zahlreiche Menschen am Explosionsort versammelten, um den Opfern
zu helfen, habe sich ein Selbstmordattentäter inmitten der Menge
in die Luft gesprengt. Unter den Toten waren mehrere Frauen und Kinder.
Es handelt sich um den schwersten Anschlag im Irak seit dem 1. Februar,
als bei einem Doppelanschlag in Bagdad fast 100 Menschen starben.
Damals waren zwei geistig behinderte Frauen mit Sprengstoffwesten
ausgestattet worden. Ein weiterer schwerer Anschlag ereignete sich Ende
Februar, als bei einem Selbstmordanschlag 48 schiitische Pilger auf dem
Weg nach Kerbala starben.
Die USA begannen mit dem Rückzug einer Brigade von 2000 Soldaten
aus dem Irak. Die Kampfbrigade gehöre zu den 30.000 Soldaten, die
2007 als Verstärkung in den Irak entsandt worden waren, teilte die
US-Armee in Washington mit. Ihr Abzug sei Teil des Plans, wonach bis
Ende Juli fünf Brigaden aus dem Irak abgezogen werden sollen. Die
Soldaten würden nicht ersetzt.
Nach einem kontinuierlichen Rückgang in den letzten Monaten hatte
sich die Zahl der Gewalttaten im Irak zuletzt wieder erhöht. Laut
einem Anfang März veröffentlichten Bericht der irakischen
Regierung stieg die Zahl der Gewaltopfer im Februar erstmals seit sechs
Monaten wieder an. Demnach kamen im vergangenen Monat mindestens 721
Iraker gewaltsam ums Leben, ein Drittel mehr als im Januar. Unter den
Getöteten waren demnach 636 Zivilisten.
(Quelle: afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 07.03.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am neunhunderteinundachtzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mi.07.03.07 - Mindestens 100 Tote bei Angriffen auf schiitische Pilger in Hilla +++ Neun
US-Soldaten bei Bombenanschlägen getötet - Seit Kriegsbeginn
verloren mindestens 3.184 amerikanische Soldaten im Irak ihr Leben +++ UNO
richtet Flüchtlingsbüro für Irak in Jordanien ein +++
US-Soldat wegen Fahnenflucht zu acht Monaten Haft verurteilt...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0703070.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Anschlag auf Rekrutierungsbüro an New Yorks Times Square
Fr.07.03.08 - Unbekannte haben am Donnerstag am New Yorker Times Square einen
Anschlag auf ein Rekrutierungsbüro der US-Armee verübt.
Nach Angaben der Polizei explodierte ein kleiner Sprengsatz und
verursachte Sachschäden. Die Eingangstür sowie Fenster des
Büros seien beschädigt worden. Seit den Anschlägen auf
das World Trade Center am 11. September 2001 reagieren die New Yorker
sehr sensibel auf solche Vorfälle. Das US-Heimatschutzministerium
erklärte jedoch, es gebe derzeit keine akute terroristische
Bedrohung für das Land. Weitere Ermittlungen würden von der
Bundespolizei FBI übernommen.
Bei dem Anschlag wurde niemand verletzt. Hauptmann Charles Jaquillard,
der für die Rekrutierungen der Heeres in Manhattan verantwortlich
ist und in dem Zentrum am Times Square arbeitet, sagte, zum Zeitpunkt
der Explosion sei niemand in dem Gebäude gewesen. Wegen der
frühen Tageszeit waren auch noch nicht viele Menschen auf dem
Times Square, der zu den belebtesten Straßen der Stadt
zählt. Die meisten Geschäfte waren noch zu.
Das Gebäude des Rekrutierungsbüros auf einer Verkehrsinsel
zwischen Broadway und Seventh Avenue war schon mehrfach Ziel von
Anti-Kriegsdemonstranten und Vandalismus. Ein örtlicher
Geschäftsmann sagte am Donnerstag, er habe beobachtet, wie
unmittelbar nach der Explosion drei oder vier Menschen davonrannten. Er
habe gerade seinen Imbiss-Stand aufgemacht, als er die Detonation
gehört habe, sagte der 26-jährige Nino Reyes der
Nachrichtenagentur Reuters. Zunächst sei roter Rauch aufgestiegen,
der sich dann schwarz verfärbt habe.
Die Polizei sperrte die Straßen rund um den Platz zwischen 42.
und 44. Straße ab, gab sie nach drei Stunden aber wieder frei.
Unterdessen verfolgt die Polizei eine erste Spur. In mehreren
Büros des US-Kongresses ging ein Schreiben mit einem Bild des
Anschlagsortes zusammen mit den Worten «Wir haben es getan»
ein, wie Sicherheitskreise bestätigten.
(Quellen: rtr, ap)
Nahost-Konflikt
Acht Tote bei Anschlag auf Talmud-Schule in Jerusalem --
Ägyptische Regierung vermittelt und redet mit Hamas über
Waffenruhe -- NGOs: Lage im Gazastreifen so schlimm wie seit 1967 nicht
-- Ägypten errichtet Mauer an der Grenze zum Gazastreifen
Fr.07.03.08 - Beim schwersten Anschlag in Israel seit mehr als einem Jahr sind in
einer Religionsschule in Jerusalem mindestens acht Menschen
getötet und Dutzende verletzt worden. Zwei Bewaffnete
stürmten am Abend die Talmudschule, feuerten wahllos auf Studenten
und richteten ein Blutbad an, wie die Polizei mitteilte. Die
Attentäter seien von Polizisten erschossen worden; einer von ihnen
habe einen Sprengstoffgürtel getragen, der aber nicht
gezündet worden sei. Die radikalislamische Hamas bezeichnete den
Anschlag als "Heldentat". In New York wurde eine Dringlichkeitssitzung
des UN-Sicherheitsrats einberufen.
Mindestens 35 Menschen wurden nach Angaben der Rettungsdienste
verletzt, von denen drei schwere Verwundungen erlitten. Einer der
Attentäter wurde laut Polizei in der Schule erschossen, dem
anderen gelang zunächst die Flucht. Er verschanzte sich in einem
Nachbargebäude und wurde nach einem halbstündigen
Schusswechsel mit der Polizei tödlich getroffen.
Ziel der Attentäter war die Talmud-Schule (Jeschiva) Merkas Harav
in dem von orthodoxen Juden geprägten Stadtviertel Kirjat Mosche.
Die meisten der Opfer waren nach Polizeiangaben Studenten, die zum
Studium jüdischer religiöser Schriften in der Schule waren.
Zu der Tat bekannte sich nach Angaben eines Senders der libanesischen
Hisbollah-Miliz die bislang unbekannte Gruppe Kataeb Ahrar el Dschalil
("Brigaden der freien Männer von Galiläa"). Es handele sich
um die Gruppe des im Februar getöteten Hisbollah-Anführers
Imad Mugnieh und der "Märtyrer" des Gazstreifens, hieß es in
dem Bericht.
Ein Sprecher der radikalislamischen Hamas bezeichnete den Anschlag als
"normale Antwort auf die Verbrechen der Besatzungsmacht" Israel. Ein
Bekenntnis zur Täterschaft seiner Gruppierung gab er aber nicht ab.
Die israelische Regierung kündigte ein hartes Vorgehen gegen die
Hintermänner an. "Wir werden die Terroristen weiter
bekämpfen", sagte Regierungssprecher Arie Mekel.
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte den "grausamen
Angriff". Die anhaltende Gewalt gefährde den politischen Prozess
zur Vereinbarung eines dauerhaften Friedensschlusses, beruhend auf zwei
eigenständigen Staaten von Israelis und
Palästinensern.US-Außenministerin Condoleezza Rice sprach
von einem "Akt des Terrors und der Verderbtheit". Auch der deutsche
Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) verurteilte den
Anschlag.
Ägypten will im eskalierenden Konflikt zwischen Israel und der
radikal-islamischen Hamas vermitteln: Die Regierung in Kairo habe die
Gespräche am Donnerstag in der ägyptischen Stadt Al-Arisch
südlich des Gazastreifens aufgenommen, sagten Hamas-Vertreter.
Auch die zweite große Extremistengruppe des Küstengebiets,
der Islamische Dschihad, beteiligte sich eigenen Angaben zufolge an den
Beratungen. Die Initiative hat die Unterstützung der USA.
US-Außenministerin Condoleezza Rice lobte die Bemühungen der
Regionalmacht, die als erstes arabisches Land vor 30 Jahren Frieden mit
Israel geschlossen hat. Sie habe mit Ägypten bei ihrer
Nahost-Reise Anfang der Woche darüber gesprochen, dass die Lage
dringend beruhigt werden müsse, sagte sie in Brüssel.
"Ägypten ist ein guter Verbündeter." Die USA und die EU
betrachten die Hamas als terroristische Gruppe und boykottieren sie.
Die Hamas schickte mit Mahmud Sahar einen ihrer einflussreichsten
Anführer als Chefunterhändler nach Al-Arisch. Die
Palästinenser-Regierung in Ramallah forderte die Radikalen auf,
mit Ägypten zusammenzuarbeiten. Dies sei nötig, um eine
umfassende Waffenruhe zu erreichen, sagte Saeb Erekat,
Chefunterhändler im Friedensprozess.
Präsident Mahmud Abbas hat die Friedensgespräche wegen der
jüngsten israelischen Offensive im Gazastreifen unterbrochen, bei
der mehr als 120 Palästinenser getötet wurden. Israel
reagierte damit auf das zunehmende Raketenfeuer aus dem Gazastreifen
heraus. Die Hamas hat ein Ende der israelischen Angriffe zur Bedingung
für eine Waffenruhe gemacht, Israel ein Ende des Raketenbeschusses.
Die Lage der Palästinenser im Gazastreifen ist nach
Einschätzung britischer Hilfsorganisationen so schlimm wie seit
mehr als 40 Jahren nicht. "Die Situation der 1,5 Millionen
Palästinenser im Gazastreifen ist die schlimmste seit Beginn der
israelischen Besetzung 1967", heißt es in einem Bericht von acht
Nichtregierungsorganisationen, darunter Oxfam und der britische Zweig
von Amnesty International.
Den Angaben der Hilfsorganisationen zufolge sind 80 Prozent der
Bewohner von Nahrungsmittelhilfen abhängig. Die Arbeitslosigkeit
liege bei 40 Prozent. "Die internationale Politik der Isolierung der
Hamas hat nichts Positives gebracht", konstatierten die
Hilfsorganisationen. Sie forderten die Europäische Union auf, auch
mit der Hamas Gespräche aufzunehmen. Die radikalislamische
Organisation kontrolliert seit Sommer vergangenen Jahres den
Gazastreifen. Zudem müsse Israel die Blockade des Gazastreifens
beenden, forderten die NGOs.
Ägypten hat derweil begonnen, seine Grenze zum Gazastreifen zu
verstärken. Mit dem Bau einer Mauer solle verhindert werden, dass
die Grenzanlage wie im Januar von palästinensischen Aktivisten
zerstört werde, sagte ein Vertreter der ägyptischen
Sicherheitskräfte in Kairo.
"Ägypten hat entlang der Grenze zum Gazastreifen mit dem Bau einer
drei Meter hohen Mauer begonnen", sagte der Vertreter der
ägyptischen Sicherheitskräfte, der nicht namentlich genannt
werden wollte. Es sei eine "Vorsichtsmaßnahme". Derzeit drohe
kein weiterer Grenzdurchbruch wie Ende Januar. Ein drei Kilometer
langer Abschnitt sei bereits fertiggestellt.
Weil Israel den Gazastreifen im Januar vollständig abgeriegelt
hatte und in dem Gebiet Lebensmittel und Brennstoffe knapp wurden,
waren hunderttausende Menschen nach Ägypten vorgedrungen.
Ägypten ließ die Palästinenser passieren, nachdem
Hamas-Anhänger Breschen in die Grenzanlagen gesprengt hatten. Die
Palästinenser versorgten sich in dem Nachbarland mit Lebensmitteln
und anderen Gütern. Anfang Februar schloss Ägypten die Grenze
wieder.
boa (Quelle: afp)
FAO: Gefährlicher Weizenparasit aus Ostafrika bedroht Nahen
Osten
Fr.07.03.08 - Die UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) hat vor
der Ausbreitung eines verheerenden Weizenpilzes von Ostafrika auf den
Nahen Osten gewarnt. Der Parasit sei nach einer Epidemie im vergangenen
Jahr in Äthiopien und Kenia erstmals im Iran festgestellt worden,
erklärte die FAO am Mittwoch in Rom. Die UN-Organisation forderte
bedrohte Länder mit umfangreicher Weizenproduktion wie Afghanistan,
Indien, Pakistan, Turkmenistan, Usbekistan, Kasachstan und die
internationale Gemeinschaft zu verstärkter Kontrolle auf.
Die Sporen des erstmals 1999 in Uganda festgestellten Weizenrosts
können sich nach FAO-Angaben mit Hilfe des Windes über ganze
Kontinente verbreiten. Die Zerstörung großer Teile der Ernte
könnte die Getreidepreise weiter in die Höhe treiben und damit
Lebensmittel besonders in armen Ländern unerschwinglich machen,
warnte die UN-Organisation.
(Quelle: epd)
Ecuador und Venezuela verlangen Verurteilung Kolumbiens
Fr.07.03.08 - Ecuador und Venezuela verlangen weiterhin eine entschiedene
Verurteilung Kolumbiens von Seiten der internationalen Gemeinschaft.
Erst dann könne sich die zugespitzte Lage nach dem kolumbianischen
Angriff auf Rebellenstützpunkte in Ecuador wieder entschärfen,
erklärten die Präsidenten Rafael Correa und Hugo Chavez am
Mittwochabend bei einem Treffen in Caracas. Die Resolution der
Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) gehe nicht weit genug.
«Wir sind darüber erfreut, aber noch nicht zufrieden»,
kommentierte der ecuadorianische Präsident Correa die
OAS-Entschließung. Auf Antrag Ecuadors und Venezuelas wird der
kolumbianische Militärschlag darin als Verletzung der
Souveränität Ecuadors kritisiert. Als einziges OAS-Mitglied
sicherten die USA Kolumbien ihre rückhaltlose Unterstützung
zu. Die Regierung in Bogota hat ihre Aktion damit gerechtfertigt, dass
Ecuador und Venezuela den Rebellen der Revolutionären
Streitkräfte Kolumbiens (FARC) Unterschlupf gewährten. Bei dem
Angriff wurden am Samstag FARC-Führer Raul Reyes und 22 weitere
Rebellen getötet.
Chavez verurteilte den Militärschlag als Kriegsverbrechen und
kündigte Wirtschaftssanktionen gegen Kolumbien an. Die
venezolanischen Streitkräfte haben mittlerweile fast 9.000 Soldaten
an die Grenze verlegt, Ecuador rund 3.200 Mann. Der kolumbianische
Präsident Alvaro Uribe erklärte indessen, er werde seine
Truppen im Grenzgebiet nicht verstärken und werde sich auch nicht
in einen Krieg mit seinen Nachbarn hineinziehen lassen.
Der französische Präsident Nicolas Sarkozy bot seine
Vermittlung an. Er werde bald Brasilien besuchen und sei dann auch
bereit, nach Kolumbien und Venezuela zu reisen, um die Spannungen zu
mildern, sagte Sarkozy in einer am Mittwoch im kolumbianischen Fernsehen
ausgestrahlten Ansprache. Zugleich rief die FARC dazu auf, die
Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt freizulassen. Damit
könne die FARC ein Zeichen setzen, dass sie keine
Terrororganisation sei,
Betancourt, die sowohl die kolumbianische als auch die
französische Staatsbürgerschaft besitzt, wurde 2002
verschleppt. Sarkozy erklärte, ihre Freilassung sei ihm selbst eine
persönliche Verpflichtung und eine nationale Angelegenheit
für Frankreich.
(Quelle: ap)
Auch Nicaragua bricht Beziehungen zu Kolumbien ab
Fr.07.03.08 - Nach Ecuador und Venezuela hat als dritter lateinamerikanischer Staat
nun auch Nicaragua die diplomatischen Beziehungen zu Kolumbien
abgebrochen. Präsident Daniel Ortega begründete diesen
Schritt am Donnerstag mit der Kritik an dem kolumbianischen Angriff auf
Rebellenstützpunkte in Ecuador. Ortega sprach von
«politischem Terrorismus ausgeführt von der Regierung von
Alvaro Uribe».
Die Regierung in Bogota hat den Angriff damit gerechtfertigt, dass
Ecuador und Venezuela den Rebellen der Revolutionären
Streitkräfte Kolumbiens (FARC) Unterschlupf gewährten. Bei
dem Angriff wurden am Samstag FARC-Führer Raul Reyes und 22
weitere Rebellen getötet.
(Quelle: ap)
US-Geschäftsmann Warren Buffett ist reichster Mensch der Welt --
Der 77-Jährige besitzt 62 Milliarden Dollar
Fr.07.03.08 - Nach 13 Jahren als reichster Mensch der Welt hat Microsoft-Gründer
Bill Gates diesen Titel nun verloren: Nach Berechnungen des US-Magazins
"Forbes" hat stattdessen der US-Geschäftsmann Warren Buffett
derzeit weltweit das größte Vermögen. Der
77-Jährige besitze 62 Milliarden Dollar (40,6 Milliarden Euro),
berichtet das Magazin. Gates seinerzeit komme "nur" auf 58 Milliarden
Dollar, was gerade einmal den dritten Platz bedeute. Mark Zuckerberg ist
nach Einschätzung des Magazins "Forbes" der jüngste
Milliardär aller Zeiten. Er gründete 2004 die erfolgreiche
Internetseite Facebook
Zweitreichster Mensch auf der Welt ist den Angaben zufolge der
mexikanische Telekommunikations-Magnat Carlos Slim mit 60 Milliarden
Dollar. Insgesamt leben der angesehenen "Forbes"-Liste zufolge weltweit
inzwischen 1125 Milliardäre, damit sei zum ersten Mal die magische
Tausender-Marke durchbrochen worden. Die meisten Milliardäre kommen
weiter klar aus den USA, auf den Plätzen folgen den Angaben
zufolge mit deutlichem Abstand Russland und Deutschland.
(Quelle: afp)
US-Ölpreis steigt erstmals über 105 Dollar
Fr.07.03.08 - Der US-Ölpreis hat am Donnerstag erstmals die Marke von 105 Dollar
übertroffen. Ein Barrel (159 Liter) der Sorte WTI zur Auslieferung
im April kostete am Vormittag in der Spitze 105,11 Dollar und damit
soviel wie nie zuvor. Zuletzt gab der WTI-Preis indes wieder nach und
notierte bei 104,44 Dollar. Das waren acht Cent weniger als zum
Handelsschluss am Vortag.
Ein Barrel der Nordseesorte Brent kletterte am Donnerstag
zwischenzeitlich auf bis zu 102,29 Dollar, womit der bisherige
Rekordstand vom vergangenen Montag eingestellt wurde. Zuletzt kostete
Brent-Rohöl zur April-Auslieferung 101,57 Dollar und damit sieben
Cent weniger als am Vortag.
Experten begründen die anhaltend feste Tendenz der Ölpreise
zum einen mit dem Beschluss der Organisation Erdöl exportierender
Länder (OPEC) vom Mittwoch, die Förderquoten trotz der hohen
Ölpreise unverändert bei etwa 30 Millionen Barrel pro Tag zu
belassen. Zum anderen habe der überraschende Rückgang der
US-Vorräte an Rohöl, der am Mittwoch gemeldet wurde,
nachgewirkt und die Preise beflügelt.
Der Preis für OPEC-Rohöl ist unterdessen zwar erneut ein
wenig gesunken, liegt aber immer noch auf sehr hohem Niveau. Nach
Angaben der OPEC kostete ein Barrel am Mittwoch durchschnittlich 95,95
Dollar. Das waren 34 Cent weniger als am Dienstag. Am Montag war der
sogenannte Korbpreis auf einen Rekordstand von 97,26 Dollar gestiegen.
(Quelle: dpa)
Euro kostet erstmals mehr als 1,53 Dollar
Fr.07.03.08 - Der Euro hat am Mittwoch einen neuen Rekord gebrochen: Die
Gemeinschaftswährung kostete im Handelsverlauf erstmals über
1,53 Dollar. Hintergrund der Stärke des Euros waren Analysten
zufolge die weiterhin schlechten Nachrichten über die
Wirtschaftsentwicklung in den USA. Erst Ende Februar hatte der Euro die
psychologisch bedeutsame Marke von 1,50 Dollar geknackt.
AmMittwochnachmittag kostete die Gemeinschaftswährung im
europäischen Handel zeitweise 1,5302 Dollar.
Die US-Märkte hoffen aufgrund der schlechten
Wirtschaftsentwicklung in den USA auf weitere Zinssenkungen, was die
Attraktivität des Dollars weiter schwächen würde. Die
Europäische Zentralbank (EZB) sollte am (morgigen) Donnerstag
über weitere Zinsschritte befinden. Beobachter rechneten jedoch
wegen der robusten Wirtschaftsentwicklung und des Inflationsdrucks nicht
mit einer Zinssenkung.
(Quelle: ap)
Sarkozy: Doppelspitze der Anrainerstaaten soll Mittelmeerunion
führen -- Frankreichs Präsident kündigt
EU-Mittelmeer-Gipfel für 13. Juli an - Nach jüngsten
Irritationen zwischen Berlin und Paris
Fr.07.03.08 - Die geplante Mittelmeerunion soll nach den Worten Nicolas Sarkozys von
einer Doppelspitze der nördlichen und südlichen
Anrainerstaaten geleitet werden. Drei Tage nach der Einigung mit
Bundeskanzlerin Angela Merkel über das monatelange Streitthema
nannte der französische Staatspräsident erste Details. Wie von
Merkel gefordert, könnten sich alle 27 EU-Staaten an dem Prozess
beteiligen, sagte Sarkozy am Donnerstag der Zeitung «Le
Figaro». Die zweiköpfige Präsidentschaft bleibe aber den
Ländern nördlich und südlich des Mittelmeers vorbehalten.
Sarkozy kündigte in dem Interview einen Gipfel der
europäischen Staaten und der Mittelmeeranrainer für den 13.
Juli in Paris an. Ursprünglich wollte der Präsident an dem Tag
nur die Länder, die an das Meer grenzen, zur Gründung der
Union einladen. Frankreich übernimmt am 1. Juli die
EU-Ratspräsidentschaft.
Die Bundeskanzlerin hatte vor einer Spaltung der EU gewarnt und war
gegen den Aufbau einer neuen Struktur. «Angela wollte, dass alle
europäischen Länder im Rahmen des Barcelona-Prozesses
teilnehmen können», räumte Sarkozy ein. «Ich war
der Meinung, dass der 1995 gegründete Prozess stecken geblieben ist
und dass man eine echte Partnerschaft mit den südlichen
Ländern schaffen muss.»
Der Kompromiss: Der Barcelona-Prozess wird nun in
«Mittelmeerunion» umgetauft, so dass Sarkozy sein Gesicht
waren kann. Allerdings wird eine neue «leichte und
operationsfähige» Führungsstruktur geschaffen, betonte
der Präsident am Donnerstag. So solle der Partnerschaft Gestalt
gegeben werden. Alle zwei Jahre werde es einen Gipfel der Staats- und
Regierungschefs geben. «Die Entscheidungen werden gemeinsam
gefällt.»
Premierminister François Fillon hatte am Dienstag für
Irritationen gesorgt, als er die Gründung einer Mittelmeerunion
nach dem Vorbild des Ostseerates ankündigte. In der neuen Union
könne Deutschland nur einen Beobachterstatus einnehmen, hatte er
angedeutet. In Berlin geht man davon aus, dass Fillon bei seinen
Äußerungen nicht genau über den von Sarkozy und Merkel
vereinbarten Kompromiss unterrichtet war.
Sarkozy betonte gegenüber dem «Figaro», er und Merkel
arbeiteten «Hand in Hand». Allerdings setzte er sich mit
seinen Konkretisierungen über die Verabredung mit der Kanzlerin vom
Montag hinweg, bis zum EU-Gipfel kommende Woche keine Einzelheiten
über den Kompromiss zur Mittelmeerunion bekannt zu machen. Damit
sollte eigentlich verhindert werden, dass sich die übrigen
EU-Länder übergangen fühlen.
(Quelle: ap)
Deutschland skeptisch zu NATO-Beitritt Georgiens und der Ukraine
Fr.07.03.08 - Die Bundesregierung hat Bedenken über einen Beitritt der Ukraine
und Georgiens zur Nato, ist jedoch für die baldige Aufnahme der
drei Balkan-Länder Kroatien, Albanien und Mazedonien in das
Militärbündnis.
Mit Blick auf eine weitere Annäherung der Ukraine und Georgiens an
die Nato sagte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier am
Donnerstag vor dem Treffen der Außenminister der 26 Nato-Staaten
in Brüssel: "Ich verhehle nicht, dass ich skeptisch bin."
Die Aufnahme der ehemals sowjetischen Länder ist umstritten, da
deren Nachbar Russland die weitere Ausdehnung der Nato nach Osten
entschieden ablehnt, und das angespannte Verhältnis zu Moskau
dadurch noch mehr belastet würde.
Großbritannien ist indes grundsätzlich für eine
Mitgliedschaft der beiden Länder. "Wir wollen sicher stellen, dass
die Hand der Freundschaft ausgestreckt bleibt", sagte
Außenminister David Miliband.
Die Außenminister beraten in Brüssel zudem über die
Erweiterung des westlichen Militärbündnisses um drei
Balkan-Länder. Kroatien, Albanien und Mazedonien sollen bald zu
einem beitritt eingeladen werden. Doch das Nato-Mitglied Griechenland
blockiert die Aufnahme Mazedoniens, weil es nicht akzeptiert, dass das
Nachbarland genauso heißt wie die angrenzende griechische Region.
Die Außenminister wollen bis zum Nato-Gipfel in Bukarest Anfang
April eine Lösung finden. Steinmeier sagte, es komme darauf an,
dass die beiden Länder ihren langjährigen Streit beilegten und
Griechenland den einstimmigen Beschluss zum Beitritt mitträgt.
"Ich würde es mir wünschen, dass wir alle drei Staaten
aufnehmen."
Griechenland forderte seit der Unabhängigkeit Mazedoniens 1991
eine Namensänderung. Für Athen ist der Anspruch des
Nachbarlandes auf den Namen der Region, wo Alexander der Große
geboren wurde, ein Politikum. Es vermutet dahinter Gebietsansprüche
des Nachbarlandes. Der mazedonische Ministerpräsident Nikola
Gruevski erklärte kürzlich, den Namen aufzugeben, wäre
ein zu hoher Preis für den Nato-Beitritt seines Landes. Offiziell
heißt das Land "Republik Mazedonien". In der internationalen
Staatengemeinschaft ist die Abkürzung "Fyrom" gebräuchlich,
die für "Former Yugoslav Republic of Macedonia" steht.
(Quelle: rtr)
Iranischer Außenminister: Europa muss gegen Islamkritik vorgehen
Fr.07.03.08 - Der iranische Außenminister Manouchehr Mottaki hat die
europäischen Regierungen aufgefordert, gegen islamkritische
Veröffentlichungen vorzugehen. "Es ist nicht zu akzeptieren, wenn
die Gefühle von 1,5 Milliarden Muslimen weltweit in Europa
beleidigt werden", sagte Mottaki am Mittwoch in Genf am Rande einer
Sitzung des UN-Menschenrechtsrats.
Mottaki bezog sich dabei auf Karikaturen und Filme, die in islamischen
Ländern für Empörung gesorgt hatten. Dänische
Zeitungen hatten unter anderem Karikaturen des Propheten Mohammed
veröffentlicht. In anderen europäischen Ländern wie den
Niederlanden wurden islamkritische Filme produziert.
Mottaki sagte, seine Regierung achte die Meinungsfreiheit. Der Respekt
vor den Religionen müsse aber stets gewahrt bleiben.
(Quelle: epd)
Ruf nach Frauen an EU-Spitze wird lauter
Fr.07.03.08 - Im Gerangel um die künftige EU-Führung wird der Ruf nach
einer Frau in einer Spitzenposition lauter. EU-Kommissar Vladimir
Spidla forderte am Donnerstag, mindestens einer der drei Topjobs von
EU-Kommission, Europa-Parlament und Europäischem Rat sollte 2009
an eine Frau gehen.
Spidla brach damit kurz vor dem Internationalen Frauentag am 8.
März ein Brüsseler Tabu: Bisher hatte die Kommission jede
Festlegung in dieser Frage vermieden.
Sozialkommissar Spidla, der in der Brüsseler Behörde für
Fragen der Gleichberechtigung zuständig ist, forderte nach Angaben
seiner Sprecherin: «Auf jeden Fall sollte einer der neu zu
besetzenden Posten im nächsten Jahr an eine Frau gehen.»
Kommissionspräsident José Manuel Barroso wird allerdings
der Wunsch nachgesagt, nach der Europawahl im Sommer 2009 für eine
zweite Amtszeit anzutreten.
Für den neuen Posten eines Europäischen Ratspräsidenten,
der wie ein EU-Außenbeauftragter im Reformvertrag vorgesehen ist,
waren bisher ausschließlich Männer im Gespräch. Unter
anderen wurden der britische Ex-Premier Tony Blair, Luxemburgs
Regierungschef Jean- Claude Juncker und dessen irischer Amtskollege
Bertie Ahern genannt. Lediglich im Parlament waren zwei von zwölf
Präsidenten seit der ersten Europa-Wahl im Jahr 1979 Frauen:
Simone Veil von 1979 bis 1982 und Nicole Fontaine von 1999 bis 2002.
Bereits im Januar hatte EU-Kommissarin Margot Wallström eine
einseitige Kandidatenkür in Männerzirkeln kritisiert:
«Männer wählen Männer.» In der schwedischen
Zeitung «Sydsvenskan» legte Wallström Anfang Februar
nach: «Es gibt keine Prozedur und es ist völlig
männerdominiert.» Sie kenne indes genug qualifizierte
Frauen, sagte die Vizepräsidentin der Kommission. Sprecher der
Behörde bezeichneten Wallströms Worte später als
politische Privatmeinung.
EU-Kommissarin Viviane Reding sprach sich unterdessen für eine
Abschaffung des Internationalen Frauentags am 8. März aus.
«Solange wir einen Frauentag feiern müssen, bedeutet das,
dass wir keine Gleichberechtigung haben», sagte die für
Medien und die Informationsgesellschaft zuständige Kommissarin.
«Das Ziel ist die Gleichberechtigung, damit wir solche Tage nicht
mehr brauchen.»
Die Kommission kritisierte den nach wie vor geringen Anteil von Frauen
in Führungspositionen von Wirtschaft und Politik.
«Europaweit machen Frauen zwar einen Anteil von 44 Prozent an der
erwerbstätigen Bevölkerung aus, stellen jedoch nur 32 Prozent
des leitenden Personals (Geschäftsführer, Direktoren und
Manager in kleineren Unternehmen)», hieß es in einer
Mitteilung.
Im Europa-Parlament liegt der Frauenanteil demnach bei 31 Prozent. In
den nationalen Parlamenten der 27 EU-Staaten liege er mit derzeit 24
Prozent «weit unter der "kritischen Masse" von 30 Prozent, die
als notwendig erachtet wird, damit Frauen einen nennenswerten Einfluss
auf die Politik nehmen können».
Von den 27 EU-Kommissaren würden demnächst erstmals ein
Drittel Frauen sein, betonte Barrosos Chefsprecher Johannes
Laitenberger. Der Grund dafür kommt von außen: Zypern hat
Androula Vassiliou als neue EU-Kommissarin benannt, weil
Gesundheitskommissar Markos Kyprianou neuer Außenminister des
Inselstaats werden soll.
Nach einer Studie der Interparlamentarischen Union (IPU) liegt das
deutsche Parlament mit einem Frauenanteil von 32 Prozent im oberen
Drittel der 27 EU-Staaten. Schweden kam einer paritätischen
Verteilung der Sitze im Parlament am nächsten. Ende 2007 waren
dort 47 Prozent der Abgeordneten Frauen. Es folgten Finnland (42
Prozent), die Niederlande (39) und Dänemark (38). Weltweit liegt
die Frauenquote in Parlamenten demnach bei 17,7 Prozent. Spitzenreiter
ist das ostafrikanische Land Ruanda mit 48,8 Prozent, da dort ein
Quotensystem gilt.
(Quelle: dpa)
Wieczorek-Zeul rechtfertigt Entwicklungshilfe für China
Fr.07.03.08 - Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) hat die
deutschen Beihilfen für China verteidigt. «In China geht es
nicht um Hilfszahlungen, sondern um bilaterale Zusammenarbeit»,
sagte die SPD-Politikerin am Mittwoch in Berlin. Dabei bezog sie sich
auf die von der OECD veröffentlichten Leistungen Deutschlands an
China in Höhe von 441 Millionen US-Dollar für die Jahre 2005
und 2006 (umgerechnet 290 Millionen Euro), davon 67 Millionen Euro aus
dem Entwicklungshilfebudget. Wieczorek-Zeul betonte, wichtig sei die
technologische Förderung des asiatischen Landes gerade im Hinblick
auf das Problem der Umweltverschmutzung.
Der Vorsitzende des OECD-Ausschusses für
Entwicklungszusammenarbeit, Eckhard Deutscher, wies darauf hin, dass
China und andere Schwellenländer zunehmend auch selbst Hilfe
für noch ärmere Länder leisteten. Es sei wichtig, ihnen
die Erfahrungen der alten Geberländer zu vermitteln, um Fehler wie
eine reine Investitionspolitik in Afrika ohne den Gedanken der
Nachhaltigkeit zu vermeiden.
(Quelle: ddp)
Karlsruhe setzt der Rolle des Vermittlungsausschusses Grenzen
Fr.07.03.08 - Das Bundesverfassungsgericht hat der Rolle des Vermittlungsausschusses
bei der Gesetzgebung Grenzen gesetzt. Nach einem Beschluss darf das
Gremium Vorschläge ändern, ergänzen oder streichen, die
aus dem Gesetzgebungsverfahren in Bundestag, Bundesrat und
Bundesregierung stammen. Ein eigenes
«Gesetzesinitiativrecht» habe der Ausschuss nicht, entschied
das Gericht. Damit beanstandete Karlsruhe eine Vorschrift zur
Unternehmenssteuerreform von 1997, die erst auf Empfehlung des
Vermittlungsausschusses ins Gesetz kam.
(Quelle: dpa)
Ex-Bundespräsident Herzog fordert nach Linkspartei-Aufstieg
Änderung des Wahlrechts
Fr.07.03.08 - Der frühere Bundespräsident Roman Herzog mahnt Korrekturen
des Wahlrechts an. Durch das Auftreten der Linkspartei als fünfte
parlamentarische Kraft ergebe sich eine fundamentale Veränderung
des Regierungssystems in der Bundesrepublik, schrieb Herzog in einem
Beitrag für die «Süddeutsche Zeitung»
(Donnerstagausgabe). Das Regieren werde in einem
Fünf-Parteien-System immer schwieriger.
Herzog warnte, ohne Korrekturen drohe sich der Vertrauensschwund der
Bürger gegenüber den bisherigen Volksparteien CDU/CSU und SPD
fortzusetzen. «Die Gefahr von Minderheitsregierungen wird
wachsen», prognostizierte Herzog. Ein Minderheitskanzler werde im
Ausland als «lahme Ente» mit nur noch eingeschränkter
Handlungsfähigkeit gelten. Im Bundestag müsse er sich für
jedes Gesetz seine Mehrheiten zusammenbetteln und dabei unsinnigste
Kompromisse eingehen und sachwidrige Kompensationsgeschäfte
tätigen.
Herzog schlug vor, über Korrekturen des deutschen Wahlsystems zu
diskutieren. Als Vorbild ungeeignet sei das britische
Mehrheitswahlrecht, bei dem für die Wahl eines Abgeordneten die
einfache Mehrheit in seinem Wahlkreis ausreicht. Dies könne in
Deutschland dazu führen, dass bundesweit gesehen eine Minderheit
der Stimmen zur Mehrheit der Parlamentsmandate führt. Für die
bessere Reformvorlage halte er das französische Wahlrecht. Dieses
verlange für die Wahl eines Abgeordneten die absolute
Stimmenmehrheit, wodurch die Interessen kleinerer Parteien mehr Gewicht
behielten.
Korrekturen forderte Herzog auch beim Bundesrat. Die Länderkammer
solle Beschlüsse künftig mit der einfachen Mehrheit der Ja-
über die Nein-Stimmen fassen können. Enthaltungen sollten
nicht mehr wie bisher als Nein-Stimmen gewertet werden. Sonst werde der
Bund viele seiner Finanzgesetze nicht mehr durchsetzen können.
(Quelle: ddp)
Plan für rot-grüne Minderheitsregierung in Hessen droht zu
scheitern -- SPD-Abgeordnete will Ypsilanti nicht wählen
Fr.07.03.08 - Noch vor dem Beginn der Koalitionsverhandlungen über eine
rot-grüne Minderheitsregierung in Hessen droht dem Bündnis
das Aus. Laut einem Bericht der «Süddeutschen Zeitung»
(Freitagausgabe) will die Darmstädter SPD-Landtagsabgeordnete
Dagmar Metzger SPD-Landeschefin Andrea Ypsilanti nicht zur
Ministerpräsidentin mitwählen. Metzger habe dies Ypsilanti
bereits mitgeteilt und wolle es ihr am Freitag persönlich sagen,
berichtet das Blatt.
Die SPD und Ypsilanti wollten versuchen, Metzger noch umzustimmen,
hieß es weiter. Nach Einschätzung aus Parteikreisen sei
Metzger jedoch fest entschlossen, bei ihrer Ablehnung zu bleiben, da
sie es nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren könne, entgegen den
Versprechungen im Wahlkampf mit der Linkspartei zusammenzuarbeiten.
Metzger hatte bei der Landtagswahl den Wahlkreis Darmstadt II direkt
gewonnen. Die 49-Jährige setzte sich gegen Kultusministerin Karin
Wolff (CDU) durch. Laut dem Zeitungsbericht hatte Metzger ihre Absicht
Ypsilanti bereits vor anderthalb Wochen mitteilen wollen, sie sei
jedoch von anderen Abgeordneten davon abgebracht worden. An der Sitzung
der Landtagsfraktion am vergangenen Dienstag, bei der über die
Tolerierungspläne gesprochen wurde, habe Metzger wegen eines
Urlaubs nicht teilgenommen.
Metzgers mögliche Weigerung, Ypsilanti mitzuwählen, bringt
die ohnehin schon knappe Mehrheit für SPD, Grüne und Linke in
akute Gefahr. Zusammen bringen die drei Parteien 57 von 110
Abgeordneten auf. Für eine Wahl Ypsilantis wären 56 Stimmen
notwendig. Neben Metzger gibt es in der SPD-Fraktion aber noch
mindestens einen weiteren Problemfall: Einer der Abgeordneten ist
schwer erkrankt. Ob er an der konstituierenden Landtagssitzung am 5.
April teilnehmen kann, ist noch nicht sicher.
Dem Zeitungsbericht zufolge wurde in der SPD am Donnerstag erwartet,
dass weitere SPD-Abgeordnete Metzger folgen könnten, sollte diese
bei ihrer Ablehnung bleiben.
(Quelle: ddp)
CDU und Grüne in Hamburg verhandeln über Koalition
Fr.07.03.08 - Die Hamburger CDU wird mit der Grün-Alternativen Liste (GAL)
über eine erste schwarz-grüne Koalition auf Landesebene
verhandeln. Nach dem CDU-Landesvorstand stimmten am Donnerstagabend
auch die Mitglieder der GAL mit deutlicher Mehrheit den Verhandlungen
über ein Regierungsbündnis zu. Die Entscheidung im
CDU-Landesvorstand fiel einstimmig.
Der CDU-Vorstand sei der Auffassung, im Vergleich zu einer großen
Koalition sei ein Bündnis mit der GAL "die bessere Option", sagte
ein Sprecher. Im Sondierungsgespräch hätten die Grünen
den Eindruck hinterlassen, "nach vorne gewandt" und perspektivischer zu
denken als die Sozialdemokraten. Allerdings wolle die CDU auch "die
Tür zur SPD" nicht ganz zuschlagen.
Damit folgte der Landesvorstand der Empfehlung von Bürgermeister
Ole von Beust, Landeschef Michael Freytag und Noch-Fraktionschef Bernd
Reinert, die sich nach Sondierungstreffen mit SPD und GAL klar für
schwarz-grüne Koalitionsverhandlungen ausgesprochen hatten.
GAL-Landeschefin Anja Hajduk sagte vor den etwa 330 anwesenden
GAL-Mitgliedern, die CDU sei bereit, "in einigen Punkten klare
Zugeständnisse" zu machen und empfahl die Zustimmung.
Die CDU habe sich etwa bereit erklärt, über eine
sechsjährige gemeinsame Schule für alle Kinder plus
Vorschuljahr, eine Umweltzone und die Abschaffung von
Studiengebühren zu verhandeln, sagte Goetsch. Auch die Ausweitung
der Ganztagsbetreuung besonders für Kinder aus sozial schwachen
Familien, die Verbindlichkeit von Volksentscheiden sowie die
Sicherstellung der gesundheitlichen Versorgung von illegalen
Flüchtlingen und des Schulbesuchs von deren Kindern habe die CDU
in Aussicht gestellt, betonte Hajduk. Zudem habe sie sich
bezüglich eines geplanten Kohlekraftwerkbaus kompromissbereit
gezeigt. Die nächste geplante Elbvertiefung betreffend seien sich
beide Seiten allerdings nicht einig geworden.
SPD und GAL hatten bei der Bürgerschaftswahl vor anderthalb Wochen
ihr Ziel eines rot-grünen Machtwechsels verfehlt. Die seit 2004
allein regierende CDU hatte ebenfalls eine absolute Mehrheit verpasst
und ist künftig zum Regieren auf einen Partner angewiesen.
(Quelle: afp)
Neue Führungsdebatte in der CSU entbrannt
Fr.07.03.08 - Der parteiinterne Frieden hielt nicht lange: Gut fünf Monate nach
dem Rückzug von Edmund Stoiber steht der CSU eine erneute
Führungsdebatte ins Haus. Nach den hohen Stimmenverlusten bei den
bayerischen Kommunalwahlen ist die viel beschworene
«legendäre Geschlossenheit» der CSU einmal mehr in
Gefahr. «Die letzte große Personalauseinandersetzung war
schon eine zu viel, und eine weitere sollten wir uns nicht
leisten», warnte CSU-Vorstandsmitglied Bernd Posselt am
Donnerstag - auch mit Blick auf die Landtagswahl im Herbst.
Nach den klaren Niederlagen bei den Kommunalwahlen in den großen
Städten hatten die unterlegenen CSU-Kandidaten offen einen
Gegenwind aus der Landespolitik beklagt und die strategische
Ausrichtung der Partei kritisiert. Und auch in vielen kleineren
Kommunen macht sich an der CSU-Basis Unmut über die Parteispitze
breit.
Am Donnerstag Ex-CSU-Chef Theo Waigel beklagte ein mangelndes Profil
der neuen CSU-Doppelspitze: Parteichef Erwin Huber und
Ministerpräsident Günther Beckstein hätten ihre Rolle
noch nicht gefunden, sagte Waigel. Beide müssten aus der Rolle,
die sie bisher unter Stoiber spielten, stärker herauskommen.
Parteichef Huber müsse zeigen, dass «er die Führung der
CSU auf allen Ebenen im Griff hat».
Posselt reagierte gereizt auf die Aussagen Waigels: «Ich halte es
für wenig hilfreich, wenn ehemalige Vorsitzende eine solche
Debatte führen - und Edmund Stoiber tut es auch nicht»,
sagte der CSU-Europaparlamentarier. Er halte Huber und Beckstein
für «hervorragende Persönlichkeiten».
CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer betonte: »Wer jetzt die
Führungsfrage stellt, lebt wohl in Absurdistan.» Und auch
der Chef der bayerischen Jungen Union, Stefan Müller, sagte, das
Tandem mache «gute Arbeit», und die Führungsfrage
stelle sich nicht.
Zugleich wies Müller einen Bericht zurück, demzufolge
CSU-Generalsekretärin Christine Haderthauer auf einer Sitzung der
Berliner CSU-Landesgruppe «unter Beschuss genommen» worden
sei. «Die Aussprache, die es gegeben hat, habe ich nicht als
Fundamentalkritik an der Generalsekretärin aufgefasst»,
sagte der Bundestagsabgeordnete. Es sei um die CSU-Kampagne im
Kommunalwahlkampf sowie organisatorische Fragen gegangen, aber nicht um
die Person Haderthauers.
In der Debatte über eine Aufweichung des Rauchverbots fehlt der
CSU weiterhin eine einheitliche Linie. Müller warnte vor einem
«Schnellschuss». «Ich bin sehr dafür, jetzt
einen kühlen Kopf zu bewahren», sagte er. Die CSU müsse
bei diesem Thema auch glaubwürdig bleiben. Er sprach sich
dafür aus, «in aller Ruhe» über Korrekturen
nachzudenken und darüber dann sorgfältig zu beraten. Auch
Waigel forderte die Partei zur Ruhe auf: Das Rauchverbot sei «nur
eine Randerscheinung» für die Analyse der Kommunalwahlen.
Dagegen sprach sich Posselt klar für eine Modifizierung des
Rauchverbots aus: «Dieses Gesetz war zu extrem.« Das
Rauchverbot habe im Kommunalwahlkampf eine «sehr stark
emotionalisierende Rolle gespielt», sagte Posselt und fügte
hinzu: «Es wurde nämlich zum Symbol für eine gewisse
Abgehobenheit.»
Gesundheitsminister Otmar Bernhard und Innenminister Joachim Herrmann
(beide CSU) trafen sich am Donnerstagnachmittag mit Vertretern der
Stadt München sowie den Wiesnwirten zu einer Beratung über
das Rauchverbot in Festzelten. Die Drogenbeauftragte der
Bundesregierung, Sabine Bätzing (SPD), warnte vor einer Lockerung:
«Es muss jetzt Kurs gehalten werden.» Die geltende Regelung
im Freistaat sei vorbildlich.
(Quelle: ddp)
Rösler fordert von FDP sozialpolitisches Profil
Fr.07.03.08 - Der niedersächsische FDP-Fraktions- und Parteichef Philipp
Rösler fordert von seiner Partei ein stärkeres
sozialpolitisches Profil. In einem Thesenpapier mit dem Titel «Was
uns fehlt» dringt er auf ein Bekenntnis der Liberalen zur
Solidarität als Grundwert für den Zusammenhalt der
Gesellschaft, wie die «Süddeutsche Zeitung»
(Donnerstagausgabe) berichtet. Der 35-Jährige wirbt dafür, die
Ideen des Wiesbadener Grundsatzprogramms so zu überarbeiten, dass
«die Seele der Menschen von heute» davon berührt
werde. Viele Liberale hätten «geradezu Angst, das Wort
Solidarität in den Mund zu nehmen». Dabei sei
Solidarität ein «urliberaler Gedanke».
(Quelle: ddp)
Stundenpläne an Gymnasien können flexibler werden
Fr.07.03.08 - Gymnasien mit achtjähriger Schulzeit (G8) können ihre
Stundenpläne für das Turbo-Abitur bald flexibler gestalten.
Dies beschlossen die Kultusminister der Länder (http://www.kultusministerkonferenz.de)
am Donnerstag in Berlin. Demnach bleibt zwar die Zahl von 265
Wochenstunden ab Klasse fünf bis zum Abitur bestehen. Künftig
können dabei aber fünf Wochenstunden für Übungen,
Wahlfächer oder Hausaufgaben angerechnet werden.
Damit will die Kultusministerkonferenz (KMK) Klagen über die
Belastung der Schüler vor allem in den westlichen
Bundesländern begegnen. Die verkürzte Schulzeit soll es den
Jugendlichen ermöglichen, früher eine Ausbildung oder ein
Studium zu beginnen und nicht mehr Schlusslicht in Europa beim Einstieg
in das Berufsleben zu sein.
Die Minister erklärten: «Der verantwortungsvolle Umgang mit
der Lebens- und Ausbildungszeit junger Menschen ist für die KMK
von zentraler Bedeutung. Gleichzeitig müssen bei
Veränderungen der Schulzeit die Qualität des Schulabschlusses
gewahrt bleiben und die Lebens- und Lernsituation von Schülern
berücksichtigt werden.»
Bundesbildungsministerin Annette Schavan und die KMK-Vorsitzende, die
saarländische Ministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU),
betonten, die Ganztagsschule solle ein Angebot bleiben.
Schavan wies darauf hin, dass das Vier-Milliarden-Programm des Bundes
zur Einrichtung von Ganztagsschulen noch bis 2010 laufe. 2009 werde
Bilanz gezogen. Angesichts sinkender Schülerzahlen nehme sie nicht
an, dass es weiteren Bedarf geben werde.
Priorität hat laut Schavan zunächst die
Qualifizierungsoffensive, mit der Bund und Länder vor allem
schwächere Kinder und Jugendliche fördern wollen. Dazu
gehört auch ein Ausbildungsbonus, den Unternehmen erhalten sollen,
wenn sie einem schwer vermittelbaren Jugendlichen einen
Ausbildungsplatz geben.
Mit Blick auf die im Herbst 2007 veröffentlichten Ergebnisse der
Schulleistungsstudien Iglu 2006 und Pisa 2006 konstatierten KMK und
Bildungsministerium «kontinuierliche Verbesserungen in allen
Untersuchungsbereichen», die deutlich machten, «dass sich
das deutsche Schulsystem insgesamt positiv entwickelt».
Trotz positiver Trends bei der Leistungsentwicklung stehe Deutschland
aber «angesichts fortbestehender Probleme vor erheblichen
Herausforderungen». Dies betreffe die großen
Leistungsunterschiede zwischen Schülern vor allem in der
Sekundarstufe I, den immer noch großen Anteil leistungsschwacher
Schüler, die zu geringe Förderung von Schülern mit
Migrationshintergrund sowie die zu große Abhängigkeit des
Bildungserfolgs von der sozialen Herkunft.
Die zentralen Probleme seien nicht allein durch die Schule lösbar,
hieß es weiter. «Deshalb werden Bund und Länder
gemeinsam darauf hinwirken, dass die Zusammenarbeit der Bildungspolitik
mit der Sozial-, Familien-, Jugend- und Migrationspolitik in den
nächsten Jahren verstärkt wird und die Maßnahmen in den
einzelnen Politikfeldern miteinander abgestimmt werden».
(Quelle: ap)
Streit über Mindestlohn geht weiter
Fr.07.03.08 - In der Großen Koalition wird weiter über das Thema
Mindestlohn gestritten. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU)
lehne die von Arbeitsminister Olaf Scholz (SPD) vorgelegten
Gesetzentwürfe zu einer unteren Lohngrenze ab, berichtete das
ZDF-Hauptstadtstudio am Donnerstag unter Berufung auf Unionskreise.
Die Ablehnung des Wirtschaftsministeriums, die dem ZDF vorliege, sei
bereits Donnerstagmittag an das Arbeitsministerium geschickt worden.
Das Wirtschaftsministerium begründe die Ablehnung damit, dass die
Gesetzentwürfe «erheblich von den Vereinbarungen des
Koalitionsausschusses vom 18./19. Juni abweichen». Am (morgigen)
Freitag endet die Frist für die Stellungnahme zu den
Gesetzentwürfen.
Auch die Fraktionsführung von CDU/CSU lehnt nach ZDF-Angaben die
Vorschläge von Scholz ab. Sie verweise auf Äußerungen
des Innenministeriums und des Wirtschaftsministeriums, die die
Regelungen des Gesetzentwurfs für verfassungswidrig halten. Nach
ZDF-Informationen sollen beide Ministerien ihre rechtlichen Bedenken
auf Wunsch der Union bis Ende März in Gutachten auflisten.
Das Innenministerium soll dabei die verfassungsrechtlichen Bedenken
darlegen, das Wirtschaftsministerium die europarechtlichen. Die
Fraktionsführung würde sich frühestens in der ersten
Sitzungswoche des Bundestages ab dem 7. April damit beschäftigen.
Umstritten ist in der Koalition dem Sender zufolge auch der Umgang mit
der Zeitarbeitsbranche. Ein Mitglied der CDU/CSU-Fraktionsführung
sagte dem ZDF zufolge: «Die Zeitarbeit wird definitiv nicht ins
Entsendegesetz aufgenommen.» Da für fast 100 Prozent der
Arbeitnehmer in der Zeitarbeitsbranche ein tariflicher Mindestlohn
gelte, gebe es gar keinen Bedarf, den beantragten DGB-Mindestlohn als
Untergrenze festzulegen.
Das Arbeitsministerium wollte sich laut ZDF dazu nicht
äußern. Man wolle den Ablauf der Meldefrist für die
Branchen am 31. März abwarten, wird eine Sprecherin zitiert.
(Quelle: ap)
Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst gehen weiter
Fr.07.03.08 - In Potsdam werden heute die Tarifverhandlungen im öffentlichen
Dienst von Bund und Kommunen fortgesetzt. Die von Warnstreiks vor allem
in Hessen, Baden-Württemberg und Bayern begleiteten Gespräche
waren gestern Abend nach rund sieben Stunden ohne Annäherung
vertagt worden. Bundesinnenminister Schäuble plädiert
für eine Schlichtung, sollte die laufende Verhandlungsrunde keinen
Kompromiss bringen. Als Schlichter wurden bereits der frühere
baden-württembergische CDU-Ministerpräsident Späth und
der ehemalige Hannoveraner SPD-Oberbürgermeister Schmalstieg
bestimmt.
Die Gewerkschaft ver.di und der Deutsche Beamtenbund fordern für
die 1,3 Millionen Beschäftigten im öffentlichen Dienst bei
Bund und Kommunen acht Prozent mehr Gehalt, mindestens aber 200 Euro
mehr pro Monat. Die Arbeitgeber haben bislang eine stufenweise Anhebung
der Löhne um fünf Prozent angeboten. Als Gegenleistung soll
die Wochenarbeitszeit ab Juli 2008 in Westdeutschland von 38,5 Stunden
auf das Ostniveau von 40 Wochenstunden steigen.
(Quelle: ddp)
Telekom und ver.di erzielen Einigung im Tarifstreit
Fr.07.03.08 - Der Tarifstreit für die 5500 Mitarbeiter in den T- Punkten der
Deutschen Telekom ist beigelegt. Die Gewerkschaft ver.di und Vertreter
der Telekom einigten sich auf eine Erhöhung der Löhne um 3,8
Prozent über 16 Monate und eine Einmalzahlung von bis zu 650 Euro,
wie die Tarifparteien mitteilten.
In den vergangenen Wochen war der Konflikt eskaliert, da sich ver.di
und Telekom nicht auf einen Kompromiss hatten verständigen
können. Die Telekom hatte zuvor einen Zuschlag von 3 Prozent
über eine Laufzeit von 20 Monaten sowie eine Einmalzahlung von 500
Euro angeboten; ver.di hatte dagegen 6,5 Prozent über 12 Monate
gefordert.
Die Tarifparteien äußerten sich über den Abschluss
zufrieden. «Die Tarifeinigung honoriert die Erfolge der T-Punkt-
Vertriebsgesellschaft und unserer Mitarbeiter», sagte
Telekom-Verhandlungsführer Ralf Steffan. Ver.di-Vertreter Lothar
Schröder zeigte sich zuversichtlich, dass die Tarifkommission
seiner Gewerkschaft zustimmen werde.
(Quelle: dpa)
Renten sollen 2008 nur um 0,5 Prozent steigen
Fr.07.03.08 - Die Bezüge der rund 20 Millionen Rentner in Deutschland sollen
auch in diesem Jahr nur geringfügig steigen. Wie die
«Bild»-Zeitung am Donnerstag unter Berufung auf
vorläufige interne Berechnungen der Deutschen Rentenversicherung
meldete, sollen die Bezüge zum 1. Juli um maximal 0,5 Prozent
angehoben werden. Damit würde die Erhöhung ähnlich
niedrig ausfallen wie 2007, als das Plus 0,54 Prozent betrug. In den
Jahren 2004 bis 2006 hatte es überhaupt keine Rentenerhöhungen
gegeben.
Der Sprecher der Deutschen Rentenversicherung, Dirk von der Heide,
bestätigte die Zahl nicht. Um die Höhe der Anpassung festlegen
zu können, benötige man noch Daten des Statistischen
Bundesamts. Diese lägen frühestens Mitte des Monats vor. Erst
dann könne gerechnet werden.
Noch Anfang Februar war die Deutsche Rentenversicherung laut Vorstand
Alexander Gunkel von einer Erhöhung von gut einem Prozent in diesem
Jahr ausgegangen. Auch damit würde aber die Kaufkraft der Rentner
schwinden. Denn 2007 lag die Inflationsrate bei 2,2 Prozent, und ab
Juli kommen höhere Pflegebeiträge.
Wie es in der «Bild»-Zeitung weiter heißt, sorgt das
erneut relativ niedrige Rentenplus für Unruhe in der
Bundesregierung. Unter anderem habe das Bundesarbeitsministerium
Möglichkeiten für einen höheren Anstieg geprüft.
Allerdings seien die Überlegungen bisher verworfen worden.
Stattdessen werde in der Regierung jetzt stärker auf eine
größere Renten-Erhöhung im Wahljahr 2009 gesetzt.
Ein Sprecher des Arbeitsministeriums sagte, ihm sei nichts von solchen
Prüfungen bekannt. Es handele sich um «reine
Spekulation».
(Quelle: ap)
Ab 60 kann der Bankkredit zur Glücksache werden
Fr.07.03.08 - Wer auf den 60. Geburtstag zusteuert, sollte rechtzeitig zum
Kreditendspurt ansetzen. Sonst könnte es für ein Darlehen zu
spät sein. Ab 60 aufwärts werde es zunehmend schwierig, Geld
von der Bank geliehen zu bekommen, beklagt Dorothea Werner-Busse von der
Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (Bagso [http://www.bagso.de]).
Je älter der Kunde, desto weniger ist er meist als Darlehensnehmer
erwünscht - das sind auch die Erfahrungen von Hanne Schweitzer vom
Büro gegen Altersdiskriminierung in Köln. Und Thomas Bieler
von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen berichtet: «Wir
haben von Anbietern erfahren, die selbst vermögenden Kunden maximal
drei Monatsrenten Kredit einräumen.» Absolut
unverständlich sei das. Bei entsprechenden Sicherheiten trage die
Bank kein Risiko.
Offiziell gibt es keine festgeschriebenen Altersbeschränkungen
für Darlehen. «Ob ein Kredit gewährt wird oder nicht,
ist immer eine Einzelfallentscheidung», versichert Thomas
Schlüter vom Bundesverband deutscher Banken (BdB). Hinter den
Kulissen gebe es sehr wohl Vorgaben, gestaffelt nach Lebenserwartung und
Pflegerisiko, sagt dagegen Bagso-Sprecherin Werner-Busse.
Die Geldinstitute fürchteten, die Kunden könnten sterben,
bevor die Schulden abbezahlt sind. Ganz gleich, ob es sich um
Immobilienkredite handele, um Verbraucherdarlehen,
Überziehungskredite, Ratenzahlungsvereinbarungen oder Kreditkarten.
Schafft es ein älterer Kunde, ein Kreditangebot an Land zu ziehen,
solle er genau hinschauen, rät Josephine Holzhäuser,
Finanzexpertin der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Meist sei es
teuer erkauft. Im Baukreditbereich seien für Kunden ab 50
aufwärts häufig Restschuldversicherungen Bedingung, die 10
bis 30 Prozent der Kreditsumme betragen könnten.
Meist würden Senioren mit Kreditwunsch aber von vornherein
abgewimmelt, ohne dass ihre Bonität auch nur ansatzweise
geprüft werde, berichtet Werner-Busse. «Das ist
Diskriminierung und widerspricht allen Gepflogenheiten.» Für
ältere Antragsteller gälten strengere Maßstäbe als
für junge. Und das, obwohl betagte Kunden nachweislich weniger
Probleme mit der Rückzahlung hätten als junge.
Dass der Faktor «Alter» bei der Kreditvergabe zunehmend
eine Rolle spielt, zeigt auch eine Sammlung von Fallbeispielen des
Bundesverbands der Verbraucherzentralen (vzbv). Danach muss unter
Umständen mit Ablehnung rechnen, wer auf seine alten Tage noch
einmal 20.000 Euro für eine Dachreparatur geliehen haben will. Oder
sich Anfang 60, im sicheren Arbeitsverhältnis, zusammen mit seiner
Frau, einer Rentnerin, noch ein Wohnmobil auf Pump kaufen will. 15.000
Euro wollte das Paar von der Bank haben. Doch diese winkte ab.
Für Bürger um die 70 ist oft ganz Schluss mit neuen Krediten.
In diesem Alter ist meist nicht einmal mehr der Ratenkauf im
Elektromarkt mehr möglich, wie die vzbv-Fallbeispiele zeigen.
Wer Kinder hat, muss notfalls diese bitten, als Darlehensnehmer
einzuspringen, weiß man bei der Bagso. Für Baukredite wird
häufig verlangt, erwachsene Kinder als Bürgen einzusetzen -
zusätzlich zur Absicherung über die Grundschuld. Manchmal
sollen potenzielle Erben auch den Darlehensvertrag mit unterschreiben.
Das sei doppelt gemoppelt und «höchst unwürdig»,
kritisiert Werner-Busse. «Auch Ältere haben ein Recht darauf,
so behandelt zu werden wie junge Kunden.»
(Quelle: ap)
Mehr zum Thema unter:
http://www.altersdiskriminierung.de
Fast Geschlechtergleichstand in Arbeitswelt -- Immer mehr Frauen
berufstätig -- Managerinnen beurteilen Karrierechancen allerdings
skeptisch
Fr.07.03.08 - Frauen haben im Berufsleben mächtig aufgeholt. Ihr Anteil an den
Erwerbstätigen in Deutschland ist bis 2005 auf 45 Prozent
gestiegen, wie das Institut der deutschen Wirtschaft (iw) am Donnerstag
berichtete. Allerdings schätzen sie laut einer Umfrage des
Beratungsunternehmens Accenture ihre Karrierechancen schlechter ein als
Männer. Nur knapp ein Drittel der deutschen Managerinnen fühlt
sich gut gerüstet für die Herausforderungen der
Globalisierung, bei den Männern sind es 49 Prozent.
Dem arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft zufolge stiegen
von 1995 bis 2005 über eine Million Frauen zusätzlich ins
Berufsleben ein. Immer mehr verheiratete Frauen seien berufstätig.
Außerdem sei das weibliche Geschlecht inzwischen besser
qualifiziert und habe deswegen größere Chancen am
Arbeitsmarkt.
Frauen selbst beurteilen ihre Karrierechancen allerdings eher
zurückhaltend. Rund 42 Prozent der deutschen Managerinnen gaben bei
einer Umfrage unter 4.100 Führungskräften aus 17 Ländern
an, dass sie in der globalisierten Arbeitswelt keine weitere
Entwicklung ihrer Karriere erwarteten. Bei den männlichen
Befragten sind es nur knapp ein Drittel (32 Prozent).
Der Studie zufolge sind Männer in Führungspositionen
häufiger bereit, neue Technologien zu erlernen und anzuwenden. Sie
zeigten sich zudem offener gegenüber beruflichen Standortwechseln,
häufigen Reisen sowie der Übernahme zusätzlicher
Verantwortung.
Das Leitbild deutscher Managerinnen werde nach wie vor von den
sogenannten «soft skills» geprägt, beispielsweise die
Übernahme gesellschaftlicher und politischer Verantwortung. Als
«Karrierebeschleuniger» würden aber immer noch die
praktischen Qualifikationen gelten, unter anderem technologische
Kompetenz.
Im Gegensatz zu ihren Kolleginnen in Deutschland fühlen sich
insbesondere Managerinnen in den aufstrebenden Schwellenländern
besser auf die Arbeitsanforderungen der Zukunft vorbereitet.
«Entscheidend ist für die Zukunft, dass weibliche
Führungskräfte sich im Kontext der Globalisierung ihrer
Stärken bewusst werden und diese kontinuierlich ausbauen»,
erklärte Catrin Hinkel von Accenture.
(Quelle: ap)
Arbeitgeber dürfen Internet-Nutzung der Angestellten kontrollieren
Fr.07.03.08 - Das Internet-Nutzungsverhalten der Angestellten darf der Arbeitgeber
kontrollieren. Die Mitarbeiter können sich nicht auf das
Telekommunikationsgeheimnis berufen. Dies ist eine der Folgen des
jüngst gesprochenen Urteils des Bundesverfassungsgerichts zur
Online-Durchsuchung.
Auch auf den Datenschutz können sich die Arbeitnehmer nicht
berufen. Er gilt beim Erheben und Speichern einzelner Personendaten,
nicht jedoch beim Ausspähen von Computerdaten. Trotzdem dürfen
Arbeitgeber ihre Angestellten nicht ständig und ohne Anlass
ausspionieren. Durch ein solches Verhalten würden sie in das
Persönlichkeitsrecht des Arbeitnehmers eingreifen.
"Es gilt jetzt eine einfache Daumenregel: Regelmäßige
Stichproben ja, Orwell am Arbeitsplatz nein. Der Arbeitgeber darf
Rechner kontrollieren, solange er nicht nur aus Neugierde oder gar zur
Schikane handelt", erläutert Rechtsanwalt Niko
(Quelle: gp)
Gaskunden haben möglicherweise Milliarden zu viel bezahlt
Fr.07.03.08 - Der Bund der Energieverbraucher schätzt, dass die deutschen
Gasversorger ihren Kunden jährlich insgesamt zwei Milliarden Euro
zu viel berechnen. Pro Haushalt seien das im Jahr 120 Euro, sagte der
Verbandschef Aribert Peters am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur
dpa in Bonn.
Darüber hatte die «Bild»- Zeitung berichtet.
«Das ist noch eine vorsichtige Schätzung», sagte er.
«Wir fordern das Geld natürlich zurück, das ist
unrechtmäßig eingezogen worden.»
Jürgen Schröder, Jurist bei der Verbraucherzentrale NRW,
sagte, es sei eine Tatsache, dass es auf dem Gasmarkt keinen Wettbewerb
gebe. «Ein Wechsel zu einem anderen Gasanbieter ist so gut wie
unmöglich», sagte er. «Die Verbraucher hängen da
am Tropf. Sie sollten gegen gegen jede Gaspreiserhöhung Widerspruch
einlegen.»
Am Mittwoch war bekannt geworden, dass das Bundeskartellamt auf breiter
Front gegen möglicherweise unrechtmäßig hohe Gaspreise
vorgeht. Gegen rund 35 Gasversorger, darunter auch mehrere Stadtwerke,
wurden wegen des Verdachts überhöhter Gaspreise für
Haushalts- und Gewerbekunden Missbrauchsverfahren eingeleitet.
(Quelle: dpa)
Energieversorger E.ON steigert Umsatz und Gewinn
Fr.07.03.08 - Deutschlands größter Energieversorger E.ON hat Umsatz und
Gewinn 2007 weiter gesteigert. Insgesamt stieg der Umsatz des
Energieriesens im vergangenen Jahr um 7 Prozent auf 68,7 Milliarden
Euro. Das Betriebsergebnis (adjusted Ebit) erhöhte sich um 10
Prozent auf 9,2 Milliarden Euro, wie der Konzern am Donnerstag mitteilte.
Der um außergewöhnliche Effekte bereinigte
Konzernüberschuss lag mit 5,1 Milliarden Euro um 9 Prozent
über dem Vorjahreswert. Und unter dem Strich stieg der
Konzernüberschuss unter anderem dank einiger Buchgewinne aus
Wertpapierverkäufen sogar um 27 Prozent auf 7,7 Milliarden Euro.
(Quelle: ap)
OECD: Noch ist Kampf gegen Klimawandel bezahlbar
Fr.07.03.08 - Die Staatengemeinschaft hat nur noch wenig Zeit, um die Folgen des
Klimawandels mit bezahlbaren Maßnahmen einzudämmen.
«Das Handlungsfenster ist jetzt offen», erklärte die
OECD (http://www.oecd.org/)
am Mittwoch bei der Vorstellung ihres jüngsten Umweltausblicks in
Oslo. «Wir brauchen heute eine zukunftsweisende Politik, um hohe
Kosten für das Nichtstun zu vermeiden.»
Ohne neue Maßnahmen würde der weltweite CO2-Ausstoß
bis 2030 um 37 Prozent steigen, warnt die Organisation für
Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Sie rechnet
für diesen Fall mit irreversiblen Schäden. Durch die
Erderwärmung würden eine Milliarde mehr Menschen in Gebieten
mit Wasserknappheit leben, die Todesfälle auf Grund von bodennahem
Ozon würden sich vervierfachen.
«Die Länder müssen ihre Volkswirtschaften in Richtung
auf eine CO2-arme, grünere und nachhaltige Zukunft bewegen»,
erklärte OECD-Generalsekretär Angel Gurría. Seine
ermutigende Botschaft: Die notwendigen Maßnahmen müssten die
Weltkonjunktur nicht belasten. Die Organisation prognostiziert eine
Verdoppelung der globalen Wirtschaftsleistung in den kommenden zwei
Jahrzehnten. Nur ein Prozent dieses Wachstums sei nötig, um die
Treibhausgasemissionen gegenüber heute um zwölf Prozent zu
vermindern, heißt es in dem Bericht.
Erforderlich sein ein Bündel von Maßnahmen, um die Kosten
für den Kampf gegen den Klimawandel gering zu halten. Neben
marktwirtschaftlichen Instrumenten von Umweltsteuern über den
Emissionshandel bis zum Abbau von Kohle- oder
Landwirtschaftssubventionen würden auch strengere Regeln und mehr
Investitionen in Forschung und Entwicklung gebraucht.
Voraussetzung für den Erfolg sei aber, dass die aufstrebenden
Wirtschaftsmächte wie China, Indien, Russland und Brasilien
für den Kampf gegen den Klimawandel gewonnen werden könnten.
Allein diese vier Staaten würden ohne Gegensteuern im Jahr 2030
mehr CO2 produzieren als alle 30 OECD-Mitgliedstaaten zusammen. Der
OECD-Bericht zeigt deswegen Wege auf, wie die finanziellen Belastungen
globaler Maßnahmen geteilt werden können. «Wenn alle
Länder zusammenarbeiten, werden die Kosten viel geringer
ausfallen», erklärte Generalsekretär Gurría.
(Quelle: ap)
Wissenschaft
Neuer Fälschungsskandal erschüttert Südkoreas Forscher
Fr.07.03.08 - Ein neuer Skandal um mutmaßlich gefälschte Forschungsstudien
erschüttert die Wissenschaftlergemeinschaft in Südkorea.
Nach der Aufdeckung zweier zellbiologischer Studien als
Fälschungen habe seine Hochschule eine gründliche Untersuchung
eingeleitet, sagte der Dekan der Fakultät für
Biowissenschaften, Lee Gyun Min, an der angesehenen Universität
für Technik und Naturwissenschaften KAIST (Korea Advanced Institute
of Science and Technology) am Dienstag in Taejon. Er zog Parallelen zum
Fälschungsskandal um den südkoreanischen Klonforscher Hwang
Woo Suk, wenn auch die Auswirkungen nicht so gravierend seien.
In den vermeintlich bahnbrechenden Studien wurden laut Lee nachweislich
Daten manipuliert. Die beiden hauptverantwortlichen Forscher hätten
zugegeben, Forschungsergebnisse aufgebauscht zu haben. In der ersten
Studie wurde eine neuartige Methode beschrieben, mit der unter
Verwendung bestimmter Nanopartikel die Wechselwirkung zwischen
Zellmolekülen und Medikamenten in lebenden Zellen beeinflusst
werden kann. Die im Juli 2005 im renommierten Fachjournal
«Science» veröffentlichten Forschungen versprachen neue
Wege in der klinischen Anwendung, beispielsweise in der Krebstherapie.
In der im Juli 2006 publizierten zweiten Studie wird erläutert,
wie unter Anwendung der ein Jahr zuvor beschriebenen Methode ein kleines
Molekül aufgespürt wurde, mit deren Hilfe sich
Körperzellen umprogrammieren und deren Alterungsprozesse
zurückdrehen lassen könnten. Diese Arbeit wurde im Fachblatt
«Nature Chemical Biology» veröffentlicht. Die
Fälschungen sei aufgeflogen, nachdem ein Student vergeblich
versucht habe, das Verfahren zu wiederholen. Nach Angaben von KAIST
wurden beide Journale von dem Ergebnis der ersten Ermittlungen auf
Fakultätsebene informiert. Ein am KAIST tätiger Forscher sei
in der vergangenen Woche suspendiert worden.
«Die Untersuchungsergebnisse sind ebenso schockierend wie im Fall
Hwangs», sagte Lee in Anspielung auf den spektakulären
Skandal um den Klonforscher Hwang Woo Suk, der der Fälschung von
zwei Stammzellstudien überführt worden war.
«Science» hatte diese Studien Anfang 2006
zurückgezogen. Die Auswirkung des neuen Falls sei jedoch nach
seiner Ansicht nicht so gravierend wie bei Hwang, sagte Lee. Hwangs
Studien hätten weltweit Aufsehen erregt, während die jetzt
infrage gestellten Studien vor allem in Fachkreisen bekannt gewesen
seien.
(Quelle: dpa)
Radiowellen können vor Erdbeben warnen
Fr.07.03.08 - Französische Forscher haben möglicherweise einen neuen
Mechanismus für ein Frühwarnsystem für Erdbeben entdeckt:
Kurz bevor die Erde bebt, werden unterirdisch weniger niedrigfrequente
Radiowellen ausgesendet, als das normalerweise der Fall ist. Dies sei
allerdings nur bei nächtlichen Erdbeben einer Stärke von
mindestens 4,8 auf der Richterskala der Fall, schränken Frantisek
Nemec von der Universität Orléans und seine Kollegen ein.
Außerdem konnte das Phänomen nur bei solchen Beben entdeckt
werden, die ihren Ursprung weniger als 40 Kilometer unter der
Erdoberfläche hatten. Die Wissenschaftler hatten mit Hilfe von
Satellitendaten mehr als 9000 Erdbeben analysiert und waren dabei auf
den Zusammenhang gestoßen, wie sie im Fachmagazin
«Geophysical Research Letters» (DOI: 10.1029/2007GL032517)
berichten.
Der französische Mikrosatellit Demeter versorgt seit seiner
Inbetriebnahme 2004 Wissenschaftler mit Daten über seismische
Aktivitäten auf der Erde. Er umrundet an einem Tag 14-mal den
Globus und verpasst so kaum ein Erdbebenereignis, was sich die Forscher
um Nemec zunutze machten: Sie werteten die Daten von über 9000
starken Erdbeben aus und verglichen die unterirdischen
Radiowellenemissionen vor, während und nach den Ereignissen. Dabei
stellten sie fest, dass die Intensität von Radiowellen im
Frequenzbereich von ein bis zwei Kilohertz bis zu vier Stunden vor einem
nächtlichen Erdbeben deutlich zurückgeht. War das Erdbeben
stärker als 5,0, gingen die Werte messbar stärker zurück.
Eine Erklärung für das Phänomen haben die
Wissenschaftler noch nicht. Sie vermuten, dass der Rückgang in der
Intensität der unterirdischen Radiowellen durch die Entstehung von
neuen Rissen in der Erdkruste kurz vor einem Beben hervorgerufen werden
könnte. Dass dieser Rückgang nur nachts zu sehen war, liege
wahrscheinlich an der äußersten Schicht der Atmosphäre.
Die sogenannte Ionosphäre gibt während des Tages hohe Mengen
an Strahlung ab, die Radiowellen überdecken kann. Tiere, so
argumentiert Geophysiker Colin Price von der Universität Tel Aviv,
können die Veränderungen in der Radiowellenemission aber
trotzdem wahrnehmen, was deren oft beobachtete fast prophetische
Vorahnung eines Erdbebens erklären könnte.
(Quelle: ddp)