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Irak am 1445sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
USA und Irak verhandeln über langfristige Partnerschaft. Iraks
Präsident Talabani signalisiert Zusammenarbeit mit Türkei
gegen PKK. Zahl der Anschlagsopfer in Bagdad auf 68 gestiegen. US-Armee
entdeckt angeblich Folterzentrum von El Kaida im Irak. US-Botschafter
im Irak gibt Posten im Januar auf
Sa.08.03.08 - Die USA und Irak wollen am (heutigen) Samstag Gespräche über
eine langfristige Partnerschaft beginnen. Außerdem gehe es darum,
eine legale Basis für eine Präsenz von US-Truppen in dem Land
zu schaffen, erklärte das amerikanische Verteidigungsministerium
am Freitag. Die amerikanische Delegation wird vom US-Botschafter im
Irak, Ryan Crocker, angeführt. Außerdem gehören ihr
ranghohe Vertreter des Pentagons, des Außenministeriums und des
Nationalen Sicherheitsrates des Weißen Hauses an. Mögliche
Probleme könnten bei den Verhandlungen daraus entstehen, dass die
USA auf das Recht beharren, im Irak weiter Terroristen verfolgen zu
dürfen.
Eine Woche nach dem Ende der türkischen Bodenoffensive gegen
kurdische Rebellen im Nordirak hat der irakische Staatspräsident
Dschalal Talabani bei seinem Türkeibesuch die Bereitschaft zu
einem gemeinsamen Vorgehen signalisiert. Der Irak werde die kurdischen
Rebellen weiter unter Druck setzen, die Waffen niederzulegen. Beide
Länder würden über «weitreichende
Sicherheitsmaßnahmen» diskutieren, sagte er. Der
türkische Präsident Abdullah Gül rief die Rebellen der
Kurdischen Arbeiterpartei (PKK) zur Abgabe ihrer Waffen auf.
Die irakische Regierung hatte den Einmarsch der türkischen Truppen
verurteilt. Der vorherige türkische Präsident Ahmet Necdet
Sezer hatte es abgelehnt, Talabani einzuladen, der selbst Kurde ist. In
der Türkei gab es Vorwürfe, die politischen Vertreter der
irakischen Kurden würden zu wenig gegen die Rebellen der
Kurdischen Arbeiterpartei (PKK) unternehmen.
Die Zahl der Toten bei dem heimtückischen Bombenanschlag in einem
Bagdader Geschäftsviertel am Donnerstag ist nach Angaben irakischer
Behörden auf 68 gestiegen. Rund 120 Menschen wurden zum Teil
schwer verletzt. Zahlreiche Opfer seien in der Nacht zum Freitag ihren
Verletzungen erlegen, erklärten Polizei und
Krankenhausmitarbeiter. In dem schiitischen Viertel Karradah fanden am
Freitag bereits zahlreiche Bestattungen statt.
Zunächst bekannte sich keine Gruppe zu dem Anschlag, die Methode
wurde zuvor aber zumeist von Al Kaida im Irak benutzt: Eine erste
Explosion bringt die Menschen dazu, zusammenzulaufen, dann sprengt sich
ein Selbstmordattentäter in der Menge in die Luft, um
möglichst viele Menschen zu töten. Als die erste Bombe am
Donnerstagabend unter einem Verkaufsstand explodierte, waren viele
Jugendliche auf dem Platz, die den lauen Frühlingsabend nutzten.
Wenige Minuten später sprengte sich ein Attentäter mit einem
Sprengstoffgürtel in die Luft.
In Mossul im Nordirak starben am Freitag vier Polizisten bei einem
Selbstmordanschlag. 17 weitere wurden verletzt, als der Attentäter
sein Auto gegen einen Polizeiposten im Stadtzentrum steuerte, wie die
Polizei mitteilte.
Für den Ort südlich von Bagdad seien aus Angst vor
Anschlägen strikte Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden, sagte
Ahmed Dweiba, Sprecher der Provinz Nadschaf. 35.000
Sicherheitskräfte seien vor Ort und hätten
Straßensperren um die für Schiiten heilige Stadt errichtet.
Die US-Armee hat nach eigenen Angaben im Irak ein Folterzentrum des
islamistischen Terrornetzwerks El Kaida entdeckt. Aufgrund von Hinweisen
örtlicher Verantwortlicher, die gegen El Kaida kämpften,
hätten US-Soldaten in einem Gebäude in Sambrahijah
südlich von Bagdad zahlreiche Folterinstrumente entdeckt,
erklärte die US-Armee. Außer mit Elektrokabeln verbundenen
Handschellen fanden die Soldaten demnach eine Vorrichtung zum
Aufhängen der Folteropfer sowie zwölf Hefte mit
Verhörprotokollen in arabischer Sprache. Auch eine Blutspur sowie
Frauenkleider seien entdeckt worden.
Der US-Botschafter im Irak, Ryan Crocker, wird seinen Posten einem
Zeitungsbericht zufolge Anfang kommenden Jahres aufgeben.
Der Diplomat plane seinen Abgang vor Antritt der neuen US-Regierung und
werde den Golfstaat somit eventuell zeitgleich mit dem Kommandeur der
US-Truppen im Irak, David Petraeus, verlassen, berichtete die
"Washington Post" am Donnerstag. Das Blatt zitierte Crocker mit den
Worten, er wolle sich nach zwei Jahren in Bagdad und 37 Jahren im
diplomatischen Dienst zur Ruhe setzen.
In Medienberichten hatte es zuletzt geheißen, Petraeus wechsele
möglicherweise auf einen Nato-Posten und verlasse den Irak vor
Amtsantritt des neuen US-Präsidenten im Januar. Der "Washington
Post" zufolge sind Experten besorgt über einen zeitgleichen Abgang
von Crocker und Petraeus aus dem Irak. Beiden wird zu Gute gehalten,
während der fünfjährigen US-Präsenz in dem Golfstaat
die größten Fortschritte erzielt zu haben.
boa (Quellen: ap, afp, rtr)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 08.03.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am neunhundertzweiundachtzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Do.08.03.07 - 30 Tote und 29 Verletzte bei Anschlag auf ein Café in Baladrus +++
22 Tote bei Autobombenanschlag an Straßensperre in Bagdad +++
Angriffe auf schiitische Pilger dauern an +++ Iran sagt Teilnahme an
Irak-Konferenz in Bagdad zu...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0703080.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Nahost-Konflikt
Hamas bekennt sich zum Anschlag auf Religionsschule --
Israel will Friedensverhandlungen mit Palästinensern
trotz Massaker nicht abbrechen
Sa.08.03.08 - Erst wollte es eine unbekannte Gruppierung gewesen sein, jetzt die
Hamas: Sie übernahm die Verantwortung für den Anschlag in
Jerusalem, bei dem am Donnerstag acht Schüler getötet wurden.
Tausende gedachten der Opfer.
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Die radikal-islamische Hamas hat sich zu dem Anschlag auf die
Jerusalemer Religionsschule vom Donnerstag bekannt. Das sagte ein
Sprecher der Bewegung am Freitag (8.3.2008) der Nachrichtenagentur
Reuters. Einzelheiten der Tat würden später bekanntgegeben.
Der aus Ost-Jerusalem stammende Attentäter hatte am Donnerstag
acht Schüler der Schule erschossen, die als Kaderschmiede
jüdischer Siedler gilt. Der Täter wurde von einem
israelischen Armeeoffizier erschossen.
Israel will die Friedensverhandlungen mit den Palästinensern trotz
des Massakers nicht abbrechen. Die gemäßigten
Palästinenser sollten nicht für die Tat eines Extremisten
bestraft werden, verlautete am Freitag aus israelischen
Regierungskreisen. Der Überfall war der schwerste Anschlag in
Jerusalem seit über vier Jahren. Er löste weltweit
Bestürzung aus.
In Israel wurden aber auch Rufe nach einem Abbruch der
Friedensverhandlungen mit den Palästinensern laut. "Die Regierung
muss sofort alle Verhandlungen abbrechen und den Terrorismus mit allen
möglichen Mitteln ausrotten", sagte der Abgeordnete David Rotem
von der Partei Yisrael Beiteinu. "Später, wenn wir jemanden haben,
mit dem wir reden können, dann können wir verhandeln." Andere
Abgeordnete warnten jedoch, Racheakte und ein Abbruch der
Gespräche würden den Kreislauf der Gewalt nur weiter anheizen.
Die Tat wurde auch vom palästinensischen Präsidenten Mahmud
Abbas verurteilt. Er selbst hatte zu Beginn der Woche einen Abbruch der
Verhandlungen mit Israel verkündet, nachdem bei einer israelischen
Militäraktion im Gazastreifen mehr als 120 Palästinenser
getötet worden waren, etwa die Hälfte davon Zivilpersonen.
Auf Drängen von US-Außenministerin Condoleezza Rice nahm
Abbas dies aber wieder zurück.
Auch Die Europäische Union verurteilte den blutigen Anschlag in
scharfen Worten. EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner
sprach von einer "skrupellosen Attacke auf Jugendliche". Rice nannte
die Tat einen Akt verdorbenen Terrors, der alle friedliebenden Nationen
schockiere.
Libyen verhinderte aber im UN-Sicherheitsrat eine Verurteilung der
Gewalt in Nahost. Die USA hatten dazu eine Erklärung
vorgeschlagen, die weniger Gewicht hat als eine formale Resolution.
Libyen habe eine ausgewogenere Formulierung gefordert, in der auch die
israelischen Aktionen im Gazastreifen verurteilt würden,
erklärte ein libyscher Diplomat.
Tausende Trauernde aus ganz Israel kamen am Freitagmorgen vor der
Religionsschule zusammen, um der Opfer zu gedenken. Auch Jerusalems
Bürgermeister Uri Lupolianski, der frühere
Knesset-Präsident Reuwen Riwlin und mehrere Abgeordnete waren vor
Ort. Viele der jungen Trauergäste waren selbst in der Schule, als
der Attentäter wild um sich schoss.
Der Angreifer war laut Polizeisprecher Micky Rosenfeld in die
Bibliothek der Schule eingedrungen, wo sich etwa 80 Menschen befanden.
Er war mit einer automatischen Waffe und einer Pistole bewaffnet und
schoss wild um sich. Neun Menschen wurden laut Rettungsdiensten
verletzt, drei davon schwer. "Das ganze Gebäude sah aus wie ein
Schlachthaus. Der Boden war mit Blut bedeckt", sagte ein Mitarbeiter
des Rettungsdienstes, Yehuda Meshi Zahav.
Ein Opfer war 26 Jahre alt, die übrigen zwischen 15 und 19 Jahren.
Das Rabbiner-Seminar Mercaz Harav arbeitet eng mit der jüdischen
Siedlungsbewegung im Westjordanland zusammen. Der Attentäter war
ein 20-jähriger Palästinenser, der in Ostjerusalem lebte. Er
wurde von einem Soldaten, der in der Nähe lebt und nach den ersten
Schüssen herbeieilte, erschossen. (mg)
(Quelle: dw)
Simbabwe schließt westliche Wahlbeobachter aus
Sa.08.03.08 - Simbabwe lädt keine westlichen Beobachter zu den Wahlen Ende
März ein.
Die staatlich kontrollierte Zeitung "Herald" zitierte
Außenminister Simbarashe Mumbengegwi am Freitag mit der
Äußerung, es seien 47 Gruppen aus Ländern eingeladen
worden, die ihre Beziehungen zu Simbabwe auf den Prinzipien der
Gegenseitigkeit, der Objektivität und Unparteilichkeit
gründeten. "Natürlich wurden diejenigen ausgeschlossen,
für die eine Wahl nur dann frei und fair ist, wenn die Opposition
gewinnt, denn die Regierungspartei Zanu-Pf steht vor einem neuen
Triumph."
Als einziges europäisches Land wurde Russland dem "Herald" zufolge
mit Beobachtern zugelassen. Auch ständig in Simbabwe akkreditierte
Diplomaten dürfen die Wahlen auf Antrag beim
Außenministerium verfolgen.
In dem krisengeschüttelten Land im südlichen Afrika finden am
29. März Präsidenten-, Parlaments- und Regionalwahlen statt.
Neben dem seit 1980 regierenden Staatschef Robert Mugabe kandidieren
dessen früherer Parteikollege Simba Makoni als Unabhängiger
und Mugabes alter Rivale Morgan Tsvangirai von der oppositionellen
Bewegung für einen Demokratischen Wandel für das
Präsidentenamt. Die Regierung in Harare hat dem Westen wiederholt
vorgeworfen, Mugabe stürzen zu wollen.
(Quelle: rtr)
Konflikt in Lateinamerika beigelegt -- Kolumbien entschuldigt sich --
Ecuador sieht Krise als beendet an
Sa.08.03.08 - Der Konflikt in Lateinamerika ist beigelegt: Auf einem Gipfeltreffen in
der Dominikanischen Republik stimmten die Präsidenten der Staaten
Kolumbien, Ecuador und Venezuela einer gemeinsamen Deklaration zur
Beendigung ihrer jüngsten Spannungen zu.
Die von den 20 Staaten der sogenannten Rio-Gruppe angenommene
Erklärung weist darauf hin, das sich der kolumbianische
Präsident Alvaro Uribe für die kolumbianischen Kommandoaktion
gegen Guerillakämpfer der FARC auf ecuadorianischem Territorium
entschuldigte habe.
Der Präsident von Ecuador, Rafael Correa, erklärte, mit der
Entschuldigung Kolumbiens könne der schwerwiegende Zwischenfall
als beigelegt angesehen werden. Der venezolanische Präsident Hugo
Chavez erklärte, er hoffe jetzt auf intensive Handelsbeziehungen
mit Kolumbien. Wegen des Angriffs hatte Venezuela Wirtschaftssanktionen
gegen das Nachbarland angekündigt. Das Handelsvolumen zwischen
Venezuela und Kolumbien wird auf etwa sechs Milliarden Dollar pro Jahr
geschätzt.
Bei dem Angriff am vergangenen Samstag wurden der FARC-Hauptsprecher
Raul Reyes und mindestens 23 weitere Rebellen getötet. Die
Deklaration erwähnt außerdem, Uribe habe zugesagt, nicht
erneut nationale Souveränitäten zu verletzen. Zugleich
verpflichteten sich die Staaten auf dem Gipfel in der Dominikanischen
Republik, gegen Bedrohungen der nationalen Sicherheit durch
«irreguläre oder kriminelle Gruppen» anzugehen.
(Quelle: ap)
Hunderttausende protestieren in Kolumbien gegen Paramilitärs
Sa.08.03.08 - Etwa 300.000 Menschen haben in Bogota und anderen Städten
Kolumbiens gegen die Gewalt paramilitärischer Gruppen und auch des
Staates demonstriert. Die Teilnehmer zeigten immer wieder Fotos von
Opfern der Gewalt und forderten in Spruchbändern ein Ende "aller
Massaker". Aufgerufen zu den Demonstrationen hatte die Bewegung der
Opfer von Staatsverbrechen, sie wurden von mehreren Parteien
unterstützt.
Die Kolumbianer wollten ihre Solidarität zeigen "mit den vier
Millionen Vertriebenen, den 15.000 Verschollenen und den 3000 Menschen,
die von den Paramilitärs in Massengräbern verscharrt wurden",
sagte ein Sprecher der Bewegung. Er prangerte zugleich
"Staatsverbrechen" an und kritisierte die kolumbianische Armee, die oft
ebenfalls Gewalttaten begehe und teilweise mit den Paramilitärs
zusammenarbeite.
"Das ist ein Marsch der Solidarität. Wir marschieren, um unsere
Unterstützung für alle Verbrechensopfer zu demonstrieren",
sagte in Bogota Organisator Ivan Cepeda, dessen Vater 1994 ermordet
worden war. Wegen der Demonstration waren in Bogota 15.000
zusätzliche Polizisten im Einsatz.
Nach Angaben der Stadtverwaltung nahmen in der Hauptstadt 200.000
Menschen an der Demonstration teil. Fernsehberichten zufolge
versammelten sich in anderen Städten weitere 100.000 Menschen.
(Quelle: afp)
Bush bekräftigt US-Embargo gegenüber Kuba
Sa.08.03.08 - US-Präsident George W. Bush hat das Embargo der USA gegenüber
Kuba bekräftigt. Bislang habe Kuba nur den einen Diktator durch
einen anderen ausgetauscht, sagte Bush in Washington nach einem Treffen
mit den Familien politischer Gefangener mit Blick auf die im Februar
erfolgte Machtübergabe des langjährigen kubanischen
Staatschefs Fidel Castro an dessen Bruder Raúl. Die USA halten
seit Anfang der 60er Jahre ein Wirtschaftsembargo gegen den
kommunistischen Karibikstaat aufrecht.
"Um die Beziehungen zu verbessern, müssen sich nicht die USA
ändern, sondern Kuba muss sich ändern", betonte Bush, der
Kuba zum wiederholten Mal als "tropischen Gulag" bezeichnete. Fidel
Castro beeinflusse noch immer hinter den Kulissen das Geschehen in
Kuba, kritisierte Bush. Zudem bemängelte der US-Präsident die
fehlende Hilfe demokratischer Staaten für "das kubanische Volk".
Die Liste der Unterstützer sei kurz und zeichne sich durch das
Fehlen einiger demokratischer Staaten aus, sagte er.
Raúl Castro war Ende Februar zum Vorsitzenden des Staatsrates
gewählt worden und löste damit endgültig seinen
älteren Bruder Fidel Castro an der Staatsspitze ab. Wegen einer
Darmoperation hatte Letzterer die Regierungsgeschäfte bereits im
Sommer 2006 an Raúl Castro übergeben.
(Quelle: afp)
EU warnt vor globalen Konflikten durch Klimawandel
Sa.08.03.08 - Der Klimawandel könnte nach einer Analyse der EU-Kommission in
Zukunft zu Konflikten mit Russland über Energierohstoffe
führen.
Dies sei zu befürchten, wenn das Eis am Nordpol wegen der
Erderwärmung schmelzen und neue Ressourcen zugänglich machen
werde, heißt es in einem am Freitag veröffentlichten Bericht
der EU-Kommission an den Rat der EU-Staats- und Regierungschefs in der
kommenden Woche in Brüssel. Dies ist eines der Beispiele für
Sicherheitsprobleme, die der Klimawandel nach sich ziehen könnte
und in der Europäischen Union dringend ins Auge gefasst werden
müssen.
So müsse die EU in die Diskussion um Gebietsansprüche und den
Zugang zu neuen Schiffshandelswegen einsteigen, die sich entwickelt,
weil in der Arktis Gletscher und Packeis schmelzen. Dass Russland im
vergangenen Jahr seine Flagge im Meer unter dem Nordpol verankerte,
illustriere dieses strategische Interesse. Ein Ansatzpunkt dazu
wären das internationale Seerecht.
In dem Papier wird noch auf zahlreiche andere Konflikte hingewiesen,
die Folge von Wassermangel, schwindender Nahrungsmittelproduktion und
Fischbestände oder Überschwemmungen und Dürren sein
könnten. Die Ostküsten von China und Indien würden
ebenso wie die Karibik und Zentralamerika besonders unter
ökologischen Schäden des steigenden Meeresspiegels und unter
Naturkatastrophen leiden. Millionen von Umweltmigranten würden
sich in Sicherheit bringen vor Armut, schlechter Gesundheitsversorgung
und Arbeitslosigkeit. "Europa muss mit beachtlich stärkerem
Migrationsdruck rechnen."
(Quelle: rtr)
Sozialistischer Politiker kurz vor Spanien-Wahl getötet
Sa.08.03.08 - Zwei Tage vor der Parlamentswahl in Spanien ist im Baskenland ein
Politiker der regierenden Sozialisten getötet worden.
Wie die Polizei mitteilte, wurde der frühere Stadtrat Isaias
Carrasco am Freitag vor seinem Haus in der Kleinstadt Mondragon
erschossen. Der 42-Jährige sei durch einen Genickschuss
getötet worden, wie er für die Separatistenorganisation ETA
typisch sei, berichtete die Zeitung "El Pais" auf ihrer Internetseite.
Sozialisten und die konservative Volkspartei stellten wegen des
Attentats ihren Wahlkampf ein. Zunächst bekannte sich niemand zu
dem Anschlag.
Innenminister Alfredo Perez Rubalcaba machte die ETA für die Tat
verantwortlich. Die Untergrundorganisation hat in ihrem
jahrzehntelangen Kampf für ein von Spanien und Frankreich
unabhängiges Baskenland mehr als 800 Menschen getötet. Der
baskische Separatismus war neben der Wirtschaftsflaute eines der Themen
im abgelaufenen Wahlkampf. Oppositionsführer Mariano Rajoy warf
Ministerpräsident Jose Luis Rodriguez Zapatero vor, im
Zusammenhang mit seinen gescheiterten Friedensgesprächen mit der
ETA die Bevölkerung belogen und betrogen zu haben.
Umfragen zufolge steht Zapateros Partei am Sonntag vor dem Wahlsieg.
Der Sozialistenchef war 2004 überraschend Ministerpräsident
geworden. Auch vor vier Jahren waren kurz vor der Wahl Anschläge
verübt worden. Damals töteten Islamisten bei Attentaten auf
Vorortzüge in Madrid 191 Menschen. Die damalige konservative
Regierung, die zu dem Zeitpunkt wie der sichere Sieger aussah, lastete
die Tat zunächst der ETA an.
(Quelle: rtr)
Deutschland
Parlamentarierinnen fordern Gleichstellung
Sa.08.03.08 - Einen Tag vor dem (heutigen) Internationalen Frauentag haben am Freitag
Politikerinnen aller Parteien im Bundestag weitere Anstrengungen zur
Gleichstellung der Frau gefordert. Bundesfamilienministerin Ursula von
der Leyen (CDU) sah vor allem bei Beruf und Karriere «messbar
Hindernisse» für Frauen mit Kindern. Ein Antrag der
Links-Fraktion, den 8. März als Frauentag zum gesetzlichen Feiertag
zu erklären, wurde am Freitag an die zuständigen
Ausschüsse überwiesen.
Leyen betonte, das Land bezahle die Benachteiligung von Müttern
entweder «mit dem ganz hohen Preis der Kinderlosigkeit» oder
aber mit einem «gewaltigen Verlust an Qualifikation und an
Erfahrung». Die Ministerin verwies darauf, dass Deutschland bei
der Erwerbsquote kinderloser Frauen im europäischen Vergleich im
Mittelfeld liege. Bei Frauen mit Kindern falle die Bundesrepublik
dagegen auf Platz 19 zurück. Dies zeige, dass es hier zu Lande
Frauen mit Kindern im Vergleich zu anderen Staaten besonders schwer
gemacht werde.
Die Bundesregierung habe jedoch insbesondere für junge Eltern in
kurzer Zeit viel getan, fügte die Ressortchefin hinzu und verwies
auf die Einführung des Elterngeldes und den Ausbau der
Kinderbetreuung. In diesem Jahr solle ein Schwerpunkt auf die Arbeit
für diejenigen Frauen gelegt werden, die für viele Jahre aus
ihrem Beruf ausgestiegen sind und nun wieder erwerbstätig sein
wollen.
SPD-Fraktionsvize Elke Ferner forderte gleiche Aufstiegschancen von
Frauen im Beruf. Die derzeitige Situation sei «mehr als
beschämend» und einem hochentwickelten Land wie Deutschland
nicht würdig. So seien typische Frauenberufe weiterhin schlecht
bezahlt und oft ohne Aufstiegsmöglichkeiten. Der Anteil von Frauen
in Führungspositionen sei «viel zu niedrig».
SPD-Familienexpertin Caren Marks kritisierte, das Einkommen der Frauen
liege noch immer mindestens 20 Prozent unter dem von Männern. Diese
Form der Diskriminierung müsse abgebaut werden.
Die FDP-Familienpolitikerin Ina Lenke sagte, auch das Steuerrecht
müsse geschlechtergerecht gestaltet werden. Die Steuerklasse V sei
«ein Skandal». Dadurch verlören Frauen bei Leistungen
wie dem Elterngeld mehrere hundert Euro im Monat, da bei der Bemessung
der Nettolohn gelte.
Die Parlamentarische Geschäftsführerin der
Grünen-Fraktion, Irmingard Schewe-Gerigk, attackierte
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Während der deutschen
EU-Ratspräsidentschaft sei zum Thema Gleichstellung nichts
passiert. Für den Arbeitsmarkt forderte sie eine
diskriminierungsfreie Leistungsbewertung. Warum müssten Frauen
immer besser als Männer sein, damit sie einen Job bekommen, fragte
sie.
Die frauenpolitische Sprecherin der Linke-Fraktion, Kirsten Tackmann,
kritisierte eine «skandalöse Entgeltdiskriminierung» in
Deutschland. Noch immer seien im Niedriglohnbereich zum großen
Teil Frauen tätig. Sie betonte, das Konzept männlicher
Verdiener und weiblicher Zuverdiener sei längst überholt.
Als einziger Mann in der Debatte lobte CSU-Parlamentarier Paul
Lehrieder (CSU) die mit dem Elterngeld erreichte bessere Vereinbarkeit
von Familie und Beruf. Auch in Bayern werde damit die stereotype
Rollenaufteilung überwunden. So hätten im vergangenen Jahr
dort 12,5 Prozent der Väter einen Antrag auf die sogenannten
Vätermonate gestellt.
(Quelle: ddp)
Einkommenschere zwischen Frauen und Männern wächst laut DGB
wieder
Sa.08.03.08 - Frauen sind weniger oft erwerbstätig als Männer und wenn sie
arbeiten, verdienen sie ein Viertel weniger Geld. Zwar sind sie in ihrer
Schulbildung männlichen Mitbewerbern häufig überlegen,
in den Führungsetagen jedoch nach wie vor unterrepräsentiert.
Dass sich daran trotz jahrzehntelanger Anstrengungen nur wenig
geändert hat, ist ein «Skandal», erklärt der
Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB).
Die Einkommenschere zwischen Frauen und Männern
vergrößere sich sogar wieder, sagt Claudia Menne, Leiterin
des DGB-Bereichs Frauenpolitik. Ihren Angaben zufolge erhalten Frauen in
der Bundesrepublik nicht nur im Schnitt 22 Prozent weniger Geld als in
den meisten Statistiken angegeben - gerechnet auf den Stundenlohn
bekommen sie demnach sogar bis zu 26 Prozent weniger als Männer mit
vergleichbaren Arbeitsplätzen.
«Damit liegt Deutschland in der Europäischen Union auf dem
letzten Platz», sagt Menne. «Ich bin mehr wert»,
lautet deshalb auch das Motto des Gewerkschaftsbundes für den
Internationalen Frauentag am (heutigen) Samstag.
Betroffen sind alle Berufsgruppen, Berechnungen der gewerkschaftsnahen
Hans-Böckler-Stiftung zufolge jedoch besonders Grafikdesignerinnen,
Gebäudereinigerinnen, Verkäuferinnen und Bankkauffrauen. Die
Designerinnen erhalten demnach nur etwas mehr als zwei Drittel des
Verdiensts ihrer männlichen Kollegen, der Unterschied beträgt
28,9 Prozent. Bei den Gebäudereinigerinnen sind es 26,3 Prozent,
bei den Verkäuferinnen 23,3 und den Bankkauffrauen 21,0 Prozent.
Zugrunde liegen Zahlen aus den vergangenen Jahren.
Die Ursachen sind vielschichtig und deshalb nur schwer zu
bekämpfen, wie DGB-Expertin Menne erklärt. So erhalten Frauen
seltener Leistungszulagen oder werden von vornherein nicht so hoch
eingruppiert wie ihre männlichen Kollegen. Nachzuweisen und sogar
gerichtlich anzufechten ist eine solche subtile Diskriminierung nur
schwer, da Vergleichsdaten häufig fehlen, wie die Funktionärin
beklagt: «Dazu bräuchte man die genauen Verdiensthöhen
anderer Mitarbeiter, über die aber kaum jemand offen
spricht».
Zudem arbeiten Frauen überdurchschnittlich häufig in
vergleichsweise schlecht bezahlten Berufen aus dem sozialen und
Dienstleistungsbereich wie der Alten- und Krankenpflege. Schon bei ihrer
Berufswahl orientieren sich Mädchen nach wie vor
hauptsächlich in Richtung herkömmlicher
«Frauenberufe», wollen Erzieherin, Friseurin, Arzthelferin
oder kaufmännische Angestellte werden, obwohl sie jungen
Männern in ihrer Schulbildung häufig überlegen sind und
theoretisch weit größere Auswahlmöglichkeiten
hätten.
Der DGB dringt deshalb in seinem Aufruf zum Frauentag neben der
gerechten Eingruppierung von Arbeitnehmern in den Unternehmen und
gesetzlichen Gleichstellungsregelungen für die Privatwirtschaft auf
die angemessene Entlohnung der «Frauenberufe». Auch
Tarifverträge sollen auf diskriminierende Bestandteile durchforstet
werden, verlangt der Gewerkschaftsbund. So sollen neben
körperlichen auch psychische Belastungen eine größere
Rolle bei der Bezahlung spielen.
Als Beispiel nennt DGB-Funktionärin Menne die Metall- und
Elektroindustrie, der derzeit in jahrelanger Kleinstarbeit neue
Entgeltgruppen angepasst werden; diese werden laut IG Metall unter
anderem transparenter sein, was den innerbetrieblichen Aufstieg
erleichtern soll. Von heute auf morgen sind hier aber keine
Verbesserungen zu erwarten: Die Metaller nahmen die Verhandlungen
über das Projekt Anfang der 90er Jahre auf und erst jetzt, fast 20
Jahre später, geht die Umsetzung der Regelungen auf die Zielgerade.
Mehr Hoffnung macht eine Umfrage der Böckler-Stiftung, die zwar
einen generellen Einkommensunterschied von 23 Prozent für alle
Frauen feststellt. Je jünger allerdings die Befragten, desto
geringer ist die Diskrepanz: Frauen bis 24 Jahre verdienen demnach 7,8
Prozent weniger als ihre gleichaltrigen Kollegen. Bei den Frauen bis 34
Jahren sind es dann schon 17,5 Prozent, bei denjenigen bis 55 Jahren 22
Prozent.
Am größten ist der Unterschied laut der Umfrage, deren
Ergebnisse den Angaben zufolge auf 63.000 Fragebögen basiert, bei
Frauen und Männern ab 55 Jahren, hier erhalten die männlichen
Kollegen 26,7 Prozent mehr Geld. Bilanz der Forscher: Die Frauen holten
auf, von Einkommensgleichstand könne aber auch bei den
Jüngeren noch nicht die Rede sein.
(Quelle: ap)
Mehr zum Thema unter:
http://www.frauenlohnspiegel.de/
Hessen: Keine rot-grüne Minderheitsregierung unter Duldung der Linkspartei --
Ypsilanti wegen SPD-Abweichlerin Metzger gescheitert
Sa.08.03.08 - Die Pläne der hessischen SPD-Vorsitzenden Andrea Ypsilanti
für eine rot-grüne Minderheitsregierung unter Duldung der
Linken sind geplatzt.
Angesichts des Widerstands in den eigenen Reihen erklärte sie am
Freitag in Wiesbaden, bei der ersten Sitzung des neuen Landtags am 5.
April nicht zur Wahl als Ministerpräsidentin anzutreten. Die
gescheiterte Links-Strategie bringt auch SPD-Chef Kurt Beck massiv
unter Druck. Nach zwei Wochen Krankheit kündigte der
rheinland-pfälzische Ministerpräsident seine Rückkehr
auf die politische Bühne an. Am Montag will sich Beck in Berlin
vor der Presse äußern.
Ypsilanti hatte am Freitagmorgen vergeblich versucht, die
SPD-Landtagsabgeordnete Dagmar Metzger umzustimmen, die sich einer
Zusammenarbeit mit den Linken verweigert. Ohne deren Stimme wäre
Ypsilanti bei der Wahl zwingend auf die Genesung eines weiteren
SPD-Abgeordneten angewiesen gewesen, der derzeit erkrankt ist - ein
hochriskantes Unterfangen. SPD, Grüne und Linke haben im 110 Sitze
zählenden Landtag nur eine Mehrheit von zwei Stimmen. In Hessen
strebt nun der amtierende Ministerpräsident Roland Koch (CDU) eine
«Jamaika-Koalition» mit FDP und Grünen an. Allerdings
machten die Grünen bereits deutlich, dass sie nicht mitmachen
wollen.
Die Tolerierung durch die Linke sei nach der Verweigerung einer
Ampelkoalition durch die FDP der einzige Weg gewesen, sagte Ypsilanti
nur drei Tage nach der offiziellen Verkündigung ihres
rot-grünen Projekts. Wegen Metzgers Position könne der Weg
aber nicht weiter verfolgt werden. «Deshalb werde ich am 5. April
mich nicht zur Wahl stellen, denn ich kann für eine Mehrheit nicht
garantieren.» Metzger nannte ihre Ablehnung eine
Gewissensentscheidung. Außerdem müsse das Versprechen aus
dem Landtagswahlkampf gehalten werden, nicht mit der Linken
zusammenzuarbeiten.
Mangels anderer Mehrheiten bleibt damit Ministerpräsident Koch
voraussichtlich nach der konstituierenden Sitzung des Landtags am 5.
April geschäftsführend im Amt. Er erklärte sich dazu
bereit, räumte aber ein, dass ihm eine Mehrheit fehlt. Erneut rief
die CDU die Grünen auf, eine Jamaika-Koalition mit ihr und der FDP
zu sondieren. Grünen-Landeschef Tarek Al-Wazir lehnte dies
abermals ab.
Der stellvertretende FDP-Bundesvorsitzende Rainer Brüderle legte
Koch den Rücktritt nahe: «Bevor Jamaika an Herrn Koch
scheitert, sollte der hessische Ministerpräsident überlegen,
jetzt den Weg freizumachen», sagte er der Deutschen
Presse-Agentur dpa. Als mögliche Alternative zu Koch wurden in den
vergangenen Wochen immer wieder Verteidigungsminister Franz Josef Jung
und die Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth (beide CDU)
genannt.
SPD-Fraktionschef Peter Struck wiederum forderte im «Offenburger
Tagblatt» die FDP nochmals auf, sich einer Ampelkoalition in
Hessen nicht zu verweigern. FDP-Generalsekretär Dirk Niebel
schloss dies in derselben Zeitung aber umgehend aus. Die Union im Bund
erklärte Ypsilantis Rückzieher zu einer schweren Niederlage
auch für den SPD-Bundesvorsitzenden: «Beck ist auf ganzer
Linie gescheitert», sagte Unionsfraktionschef Volker Kauder dem
«Tagesspiegel».
SPD-Generalsekretär Hubertus Heil hielt dem entgegen, Beck sei
nicht beschädigt. Ypsilanti habe verantwortlich gehandelt, das
Projekt zu beenden. Beck ließ ankündigen, er werde am Montag
das SPD-Parteipräsidium leiten und auch vor die
Bundespressekonferenz treten. Außenminister und SPD-Vize
Frank-Walter Steinmeier sagte in Berlin: «Dann werden wir die
notwendigen Konsequenzen und gegebenenfalls die Verfestigung von
Beschlüssen in der Partei besprechen.»
Der Geschäftsführer des Meinungsforschungsinstituts
Infratest, Richard Hilmer, hält eine Kanzlerkandidatur von Beck
aber trotz seiner schlechten Umfragewerte weiter für möglich.
Die SPD könne sich «die Demontage eines weiteren
Vorsitzenden nicht leisten», sagte er dem «Kölner
Stadt-Anzeiger».
(Quelle: dpa)
SPD-Vorstandsmitglied Scheer fordert Amtsverzicht Dagmar Metzgers
Sa.08.03.08 - Nach dem Aus für eine rot-grüne Minderheitsregierung in
Hessen wird über die Rolle der SPD-Abgeordneten Dagmar Metzger
diskutiert. SPD-Vorstandsmitglied Hermann Scheer forderte die
Darmstädterin auf, ihr Mandat niederzulegen: «Wer so weit
geht, hat auch die Möglichkeit, sein Mandat zurückzugeben.
Ich würde das für richtig halten», sagte er der
«Passauer Neuen Presse».
Die hessische SPD-Chefin Andrea Ypsilanti hatte am Freitag
erklärt, sich am 5. April nun doch nicht mit den Stimmen der
Linken zur Ministerpräsidentin wählen lassen zu wollen. Zuvor
hatte die Abgeordnete Dagmar Metzger angekündigt, sie werde die
geplante Tolerierung einer rot-grünen Minderheitsregierung durch
die Linkspartei aus Gewissensgründen nicht mittragen.
Er habe «null Verständnis» für Metzger,
erklärte Scheer. «Es zur Gewissensfrage zu erklären, ob
man die eigene Spitzenkandidatin wählt, geht zu weit. Das ist
parteischädigend.» Ihr Direktmandat habe Metzger vor allem
dem erfolgreichen Wahlkampf Ypsilantis zu verdanken. Auch einen
Parteiausschluss Metzgers hält er dem Bericht zufolge für
denkbar: «Es wird mit Sicherheit solche Bemühungen geben.
Ich weiß nicht, welche Begründung dem widersprechen
könnte», wurde er zitiert.
Der hessische Grünen-Chef Tarik Al-Wazir sagte der
«Hessischen Niedersächsischen Allgemeinen», Metzger
müsse wissen, dass ihre Ankündigung weitreichende
Konsequenzen haben werde. «Frau Metzger hat ausgerechnet Karin
Wolff den Wahlkreis abgenommen, die wegen ihrer verfehlten
Bildungspolitik als Kultusministerin zurücktreten musste. Ich kann
mir nicht vorstellen, dass ihre Wähler wollten, dass die CDU diese
Bildungspolitik nun fortsetzen kann», erklärte der
Grünen-Politiker.
CSU-Generalsekretärin Christine Haderthauer reagierte erfreut auf
den Rückzug Ypislantis. «Dagmar Metzger hat den von mir
geforderten Aufstand der Anständigen gewagt. Das bringt Ypsilantis
Lügengebäude zum Einsturz», sagte Haderthauer. Sie
wünsche sich mehr «so aufrechte Sozialdemokraten wie Dagmar
Metzger».
(Quelle: ap)
Koch will geschäftsführend im Amt bleiben
Sa.08.03.08 - Nach dem Verzicht von Hessens SPD-Chefin Andrea Ypsilanti auf die
Kandidatur für das Ministerpräsidentenamt will Regierungschef
Roland Koch (CDU) vorerst geschäftsführend im Amt bleiben.
«Die Bürger können sich darauf verlassen, dass wir eine
in jeder Hinsicht handlungsfähige Regierung haben», sagte
Koch am Freitag in Wiesbaden. Er betonte zugleich, eine
geschäftsführende Regierung dürfe kein Dauerzustand
sein, sondern müsse ein Interesse daran haben, «dass ihre
Amtszeit so kurz wie möglich ist». Aufgabe für die
kommenden Wochen sei deshalb, die Handlungsfähigkeit für das
Land Hessen sicherzustellen und eine stabile Mehrheit im Parlament zu
suchen.
Zur Frage, wie er mit den beiden ausscheidenden CDU-Ministern,
Kultusministerin Karin Wolff und Wissenschaftsminister Udo Corts
umgehen wolle, sagte Koch, er werde sich Gedanken über die
«beste Konstellation» machen. Er warne davor zu glauben,
man könne mit einer geschäftsführenden Regierung
«spielen», sagte Koch mit Blick auf die Ankündigung
Ypsilantis, die SPD werde künftig ihre inhaltlichen Forderungen
als Anträge ins Parlament einbringen und nach einer Mehrheit
dafür suchen.
Koch sprach von einem «dramatischen Scheitern» Ypsilantis
und des SPD-Bundesvorsitzenden Kurt Beck. «Sie haben heute eine
Parteivorsitzende erlebt, die nicht so gut ihre Partei kennt und so
führt, dass sie ihr geschlossen folgt», sagte Koch. Die CDU
habe die SPD von Anfang an vor einem Zusammengehen mit der Linken
gewarnt. Die «vermeintliche Machtperspektive» Ypsilantis
habe aber dazu geführt, dass sich SPD und Grüne jedem Dialog
verweigert hätten. «Ich bin sicher, dass das in Zukunft
anders sein wird», unterstrich Koch. Er sei außerdem der
Auffassung, «dass es sich sehr lohnen würde», wenn
Grüne, FDP und CDU «in entspannterer Weise»
miteinander reden würden.
Zur Frage, ob er persönlich den Weg für eine solche
Konstellation frei machen würde, sagte er, die CDU habe diese
Frage bereits entschieden. «Man muss sich gegenseitig in der
Politik nicht mögen, aber man muss sicher sein, dass das Wort des
Anderen gilt. Das ist ein Kapital, das ich einbringen kann»,
sagte Koch. «Wenn man Respekt vor dem Wähler haben will,
muss man Wege gehen, die weiter sind, als man gedacht hat»,
fügte er hinzu.
(Quelle: ddp)
Schwierige Koalitionsgespräche in Hamburg erwartet
Sa.08.03.08 - Nach der Entscheidung für Koalitionsverhandlungen mit der
Hamburger CDU erwarten die Grünen ein hartes Ringen über
strittige Fragen der Landespolitik. Die Gespräche sollen in der
übernächsten Woche beginnen - an ihrem Ende könnte die
erste schwarz- grüne Koalition in einem Bundesland stehen.
Vor allem die Verhandlungen über das Steinkohlekraftwerk Moorburg
würden «sehr schwierig», sagte
Grünen-Landeschefin Anja Hajduk am Freitag im Deutschlandradio.
CDU und Grüne (GAL) hatten am Donnerstagabend in der Hansestadt
den Weg für Koalitionsverhandlungen freigemacht. CDU-Vorstand und
Grünen-Basis stimmten einstimmig beziehungsweise mit großer
Mehrheit den Anträgen der jeweiligen Parteispitzen zu.
Hajduk hatte auf der Mitgliederversammlung der Grünen eine Reihe
von Kompromisssignalen aufgezählt, welche die CDU bei dem
vorangegangenen Sondierungsgespräch ausgesendet habe. Die Vielzahl
der Zugeständnisse seitens der Union war mit Überraschung
aufgenommen worden. Sie betreffen Schlüsselthemen der Grünen
wie das umstrittene Kraftwerk Moorburg, die Schulpolitik,
Studiengebühren und Volksentscheide. Keine Einigung gab es beim
Thema Elbvertiefung. Weder Hamburgs CDU-Bürgermeister Ole von
Beust noch Landeschef Michael Freytag kommentierten am Freitag die
Entscheidung der Grünen.
«Ich sehe solide Arbeit, das macht mich zufrieden», sagte
die Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Renate Künast,
der Deutschen Presse-Agentur dpa. «Wir wollen ein grüneres
Hamburg haben.» Bundestags-Fraktionsvize Jürgen Trittin
betonte, die Hamburger Grünen orientierten sich an den Inhalten.
Seine Fraktionskollegin Krista Sager sagte im SWR, die GAL gehe
optimistisch in die Gespräche. Die CDU habe begriffen, «dass
sie erstens keine Mehrheit mehr hat, zweitens dass sie natürlich
die Grünen in Hamburg keinesfalls billig einkaufen kann».
Hamburgs CDU-Fraktionschef Bernd Reinert teilte Befürchtungen
nicht, dass wegen der von der GAL angedeuteten Zugeständnisse der
CDU nun die Unions-Basis meutern könnte. «Ich halte es
für sehr viel besser, wenn man am Ende bewertet, was dabei
herausgekommen ist, als dass man jetzt irgendwelche Dinge hochjubelt
oder runterzieht.» CDU- Generalsekretär Ronald Pofalla sagte
in Berlin: «Jetzt muss ein Bündnis geschmiedet werden, das
Hamburg weiterhin Stabilität und Erfolg garantiert. Ich bin
zuversichtlich, dass dies unter Ole von Beust gelingen wird.»
Die Hamburger Universität zeigte sich besorgt über die
mögliche Abschaffung von Studiengebühren durch
Schwarz-Grün: «Um die Studienbedingungen zu verbessern und
in der Lehre wettbewerbsfähig zu werden, sind wir dringend auf
diese zusätzlichen Mittel angewiesen.» Die CDU hatte nach
Angaben der Grünen signalisiert, zu einer Abschaffung bereit zu
sein, wenn Alternativen zu den 45 Millionen Euro Einnahmen
jährlich gefunden werden.
Hamburgs SPD erklärte nach der Entscheidung von CDU und GAL, ihre
Oppositionsrolle nun «mit voller Kraft» anzunehmen.
«Und das wird der sich anbahnende Senat unter der Führung
der CDU vom ersten Tag an merken», sagte SPD-Landeschef Ingo
Egloff.
(Quelle: dpa)
CSU geht auf Konfrontationskurs in großer Koalition - Uneins im
Umgang mit den Grünen
Sa.08.03.08 - Die CSU geht nach dem Dämpfer bei der bayerischen Kommunalwahl auf
Konfrontationskurs in der großen Koalition.
Parteichef Erwin Huber holte am Freitag in Berlin zum Rundumschlag aus:
Für die umstrittenen Reformen von Erbschaftsteuer und
Föderalsystem sowie für den Gesundheitsfonds machte er die
CSU-Positionen zur Bedingung. Zugleich rückte er von der Linie von
Bundeskanzlerin Angela Merkel ab und kritisierte, der
Konjunkturaufschwung sei immer noch nicht bei den Menschen angekommen.
Außerdem warnte er die große Schwesterpartei CDU unter
ihrer Vorsitzenden Merkel vor einer Öffnung zu den Grünen.
Für seine CSU kündigte er eine straffere Führung an.
Huber hatte nach den Stimmenverlusten bei der Kommunalwahl am Sonntag
eine härtere Gangart in der Koalition in Aussicht gestellt und
erklärt, er werde in Berlin mehr Präsenz zeigen. Dies wurde
von einigen in der Union als Hinweis auf Differenzen mit
CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer gewertet, dem wichtigsten
CSU-Statthalter in Berlin. Aber auch zwischen Huber und dem bayerischen
Ministerpräsidenten Günther Beckstein wurden
Meinungsverschiedenheiten deutlich, nachdem Beckstein kritisiert hatte,
in einem "Schlafwagen" lasse sich eben kein Wahlsieg einfahren. Die
Kommunalwahl war der erste Stimmungstest für das seit Herbst
amtierende Tandem aus Huber und Beckstein. Vor der Landtagswahl Ende
September steigt parteiintern die Nervosität.
Huber betonte, es gebe "keine Differenz im Tandem" - was die
politischen Inhalte angehe. Dies gelte auch für das
Verhältnis zu CSU-Vize und Bundesverbraucherschutzminister Horst
Seehofer. Huber räumte ein, dass er die CSU noch "griffiger
organisieren" müsse. Er werde sich mehr darum kümmern, die
Positionen in der Partei zu bündeln und akzentuierter zu
präsentieren.
Huber setzte sich von Merkels Linie ab, die zuletzt die Wirtschafts-
und Sozialkompetenz der Union mehrfach mit dem Leitsatz untermauert
hatte: "Der Aufschwung kommt bei den Menschen an." Die Bürger
gingen nicht nach makroökonomischen Daten wie Arbeitslosenzahl
oder Wachstumsrate, sondern nach ihrem eigenen Geldbeutel, hob Huber
hervor. Wegen der steigenden Energiepreise bleibe ihnen kaum
zusätzliche Kaufkraft. Deshalb plane die CSU eine Steuerreform mit
Entlastungen für mittlere Einkommen. Der Spitzensteuersatz werde
dabei nicht gesenkt.
Auch im Umgang mit den Grünen setzte Huber auf Abgrenzung, obwohl
CDU und Grüne in Hamburg eine Koalition anstreben. "Auf der
Bundesebene sehe ich sachlich-inhaltlich keine Basis für
Schwarz-Grün." In der Energie-, Außen- und Sozialpolitik
hätten sich beide Seiten eher auseinanderentwickelt. CSU-Vize
Seehofer forderte hingegen mehr Flexibilität und warnte in der
"Financial Times Deutschland" davor, eine Koalition
auszuschließen.
Im Koalitionsstreit über die Reform der Erbschaftsteuer pochte
Huber auf umfassende Änderungen an den Plänen von
Finanzminister Peer Steinbrück (SPD). "Wir werden eine deutliche
Veränderung der Erbschaftsteuer einfordern." Bei der Vererbung von
Firmen müsse die Steuerlast schrittweise mit der Dauer der
Betriebsfortführung absinken. Den zum Jahreswechsel geplanten
Gesundheitsfonds zur Finanzierung der gesetzlichen Krankenkassen
stellte Huber erneut infrage. Die CSU mache ihre Entscheidungen davon
abhängig, ob Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) die
notwendige Datenbasis rechtzeitig vorlege. Die Reform könnte zu
höheren Kassenbeiträgen führen, über die kurz vor
der Bayernwahl im Herbst entschieden wird. Auch bei der
Föderalismusreform zur Entflechtung der Finanzen von Bund und
Ländern stellte Huber Bedingungen.
(Quelle: rtr)
Bayerische Grüne unter Umständen zur Zusammenarbeit mit CSU
bereit
Sa.08.03.08 - Die Grünen in Bayern wären unter Umständen zu einer
Zusammenarbeit mit der CSU bereit. «Wenn wir etwas für
Bayern erreichen und das Land modernisieren können, dann tun wir
das. Unter der Voraussetzung, dass sich die CSU modernisiert, wäre
eine Zusammenarbeit denkbar», sagte der Fraktionschef der
bayerischen Grünen, Sepp Dürr, der «Welt am
Sonntag» laut Vorabmeldung. Weiter hieß es in dem Bericht,
Dürr rechne damit, dass die CSU bei der Landtagswahl im Herbst die
absolute Mehrheit verlieren werde und dann einen Koalitionspartner
brauche.
Unter bestimmten Voraussetzungen sei dann eine schwarz-grüne
Zusammenarbeit möglich, erklärte Dürr. Die CSU brauche
dringend «moderne, grüne Konzepte», wenn sie
überleben wolle. «Wenn die CSU im Herbst die absolute
Mehrheit verliert, ist das die absolute Katastrophe für diese
Partei, dann ist alles möglich. Man darf die Dynamik der
Kommunalwahl nicht unterschätzen», sagte der
Grünen-Politiker laut «Welt am Sonntag».
Bei der Kommunalwahl am vergangenen Sonntag hatte die CSU laut
vorläufigem Endergebnis mit 40,3 Prozent ihr schwächstes
Ergebnis seit 1966 erzielt. Die Grünen steigerten sich auf 8,9
Prozent.
(Quelle: ap)
Tarifstreit im öffentlichen Dienst geht in Schlichtung
Sa.08.03.08 - Die Tarifverhandlungen für die 1,3 Millionen Beschäftigten im
öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen sind am Freitag
gescheitert.
Es liegt nun in der Hand der Schlichter, massive Streiks ab April zu
verhindern. Arbeitgeber und Gewerkschaften würden sich am 29.
März wieder treffen, um über das Ergebnis der Schlichtung zu
beraten, kündigte Innenminister Wolfgang Schäuble in Potsdam
an. Bis dahin wird es keine neuen Warnstreiks geben. Verdi-Chef Frank
Bsirske beurteilte die Chancen auf eine Einigung allerdings skeptisch
und drohte für April mit Streik, falls die Schlichtung scheitert.
Die Tarifgespräche waren am Streit über die von den
Arbeitgebern geforderte Arbeitszeiterhöhung geplatzt. Die Schuld
daran wiesen sich die Tarifpartner gegenseitig zu. Die Gewerkschaften
verlangen acht Prozent mehr Gehalt für die Bediensteten von Bund
und Kommunen, wenigstens aber 200 Euro mehr pro Monat. Die Arbeitgeber
bieten bisher lediglich fünf Prozent mehr Lohn über zwei
Jahre bei gleichzeitiger Arbeitszeiterhöhung im Westen.
Bsirske kritisierte, dass die Arbeitgeber auch in der fünften
Runde kein neues Angebot vorlegten. Mit der Forderung nach höheren
Arbeitszeiten steuerten sie geradewegs auf weiteren Stellenabbau zu.
"Bei 3,4 Millionen Arbeitslosen erneut eine
Arbeitszeitverlängerung auf die Tagesordnung zu setzen ist
kontraproduktiv", sagte der Chef der Gewerkschaft Verdi. In den
vergangenen Jahren seien fast 50.000 Pflegestellen in den
Krankenhäusern gestrichen worden. Aus Überlastung würden
die meisten Krankenschwestern und Busfahrer ihren Beruf aber schon
heute nicht bis zum Rentenalter aushalten.
Die Arbeitgeber warfen den Gewerkschaften dagegen vor, ein doppeltes
Spiel zu treiben und mit Unternehmen wie der Deutschen Telekom durchaus
schlechtere Abschlüsse zu akzeptieren. Beim Thema Arbeitszeit
hätten die Gewerkschaften jegliche Gesprächsbereitschaft
vermissen lassen, bemängelte der Chef der Kommunalen
Arbeitgeberverbände, Thomas Böhle. Auch Schäuble
kritisierte, dass sich die Gewerkschaften nicht bewegt hätten.
Letzte Chance auf eine gütliche Einigung ist nun die Schlichtung.
Das Vermittlungsverfahren solle Mitte März unter Ausschluss der
Öffentlichkeit beginnen, kündigte Schäuble an. In dieser
Zeit darf nicht gestreikt werden. Als Schlichter stehen für die
Arbeitgeber der frühere Ministerpräsident von
Baden-Württemberg, Lothar Späth, und aufseiten der
Gewerkschaften der ehemalige Oberbürgermeister von Hannover,
Herbert Schmalstieg, bereit. Am 29. März wollen die Tarifparteien
dann über den Vorschlag der Schlichter beraten.
Bsirske sagte, die Arbeitgeber kalkulierten darauf, dass sie mit
Späth dieses Mal den stimmberechtigten Schlichter stellten. Daher
hätten sie an einer raschen Lösung kein Interesse gehabt und
es darauf angelegt, dass der Konflikt in die Schlichtung gehe. Ein
unfaires Ergebnis würden die Gewerkschaften aber nicht hinnehmen.
Die Signale aus den Betrieben seien eindeutig: Ein fauler Kompromiss
würde dort nicht akzeptiert. In einem solchen Fall schließe
er eine Urabstimmung und einen regulären Streik ab April nicht aus.
Der Chef der Linksfraktion, Oskar Lafontaine, stärkte den
Gewerkschaften den Rücken. Für das Scheitern der
Gespräche machte er die Regierungsparteien verantwortlich, die die
Arbeitnehmer mit ihrer "Lohndrückerei" in den Streik trieben.
"Merkel und Co. sorgen mit ihrer Politik für fallende Löhne
und sinkende Renten und sind nicht bereit, diesen falschen Kurs zu
korrigieren", kritisierte Lafontaine.
In den vergangenen Tagen hatten bundesweit Hunderttausende Mitarbeiter
des öffentlichen Dienstes die Arbeit niedergelegt, um für
höhere Gehälter zu demonstrieren. Der Ausstand traf vor allem
den Nahverkehr, Kindertagesstätten, Kliniken und die
Müllabfuhr.
(Quelle: rtr)
Bahn will GDL-Streik mit Gesprächen am Wochenende abwenden
Sa.08.03.08 - Mit neuen Gesprächen will die Deutsche Bahn AG die ab Montag
drohenden Streiks der Lokführergewerkschaft GDL in letzter Minute
abwenden. Aa diesem Wochenende solle mit den Gewerkschaften Transnet,
GDBA und GDL intensiv über Lösungsmöglichkeiten
verhandelt werden, sagte Bahn-Personalvorstand Margret Suckale am
Freitag in Berlin. Der von Suckale angekündigte
Lösungsvorschlag soll die künftige Zusammenarbeit aller drei
Bahngewerkschaften bei der Aushandlung des Basistarifvertrages
betreffen. Der Vize-Chef der GDL, Günter Kinscher, erklärte
sich zu neuen Gesprächen bereit. Zuvor hatte die Bahn Klage gegen
den geplanten Streik eingereicht.
Mit intensiven Gesprächen über das gesamte Wochenende werde
das Ziel verfolgt, den "sinnlosen Streik" doch noch zu vermeiden,
betonte Suckale. Zugleich zeigte sie sich über die zuvor
gescheiterten Verhandlungen der drei Bahngewerkschaften über die
künftige Zusammenarbeit "maßlos enttäuscht". Die Bahn
wolle einen letzten Versuch unternehmen und im Interesse von Millionen
Bahnreisenden und des Wirtschaftsstandorts Deutschland einen neuen
Lösungsvorschlag unterbreiten.
Bislang hatte die Bahn ihre Unterschrift unter das mit der GDL
ausgehandelte Vertragswerk davon abhängig gemacht, dass die drei
Bahngewerkschaften zuvor ihre Zusammenarbeit in Tarifverhandlungen
verbindlich regeln. Ob sich auch Bundesverkehrsminister Wolfgang
Tiefensee (SPD) erneut in die Krisenverhandlungen einschalten wird,
konnte dessen Ministerium zunächst nicht bestätigen.
Vor ihrem Gesprächsangebot hatte die Bahn AG Klage vor dem
Arbeitsgericht Frankfurt am Main gegen den drohenden Streik der GDL
eingereicht. Das Gericht soll erst am Montagvormittag entscheiden, ob
der Streik per einstweiliger Verfügung gestoppt wird.
In der Vergangenheit hatten Transnet und GDBA für die bei ihnen
organisierten Lokführer verhandelt. Laut GDBA vertritt die GDL
rund 10.000 Lokführer, Transnet und GDBA etwa 5000. Die geplante
Kooperationsvereinbarung sah vor, dass die GDL künftig den
Tarifvertrag für die Lokführer aushandeln sollte. Transnet
und GDBA sollten für das restliche Fahrpersonal sprechen.
Sollte es trotz der neuen Gespräche ab Montag um Mitternacht zu
einem Streik kommen, will die Bahn ihren Kunden einen
eingeschränkten Ersatzfahrplan anbieten. Im Fern- und Nahverkehr
sollen nach Bahn-Angaben rund die Hälfte der Züge fahren, vor
allem ICE-Züge, internationale Verbindungen sowie Auto- und
Nachtzüge. Zudem würden mehr als 500 Busse für einen
Ersatzverkehr eingesetzt.
(Quelle: afp)
Verwaltungsgericht: Mindestlohn für Briefträger ist
rechtswidrig
Sa.08.03.08 - Der Mindestlohn für Briefträger ist nach einem Urteil des
Berliner Verwaltungsgerichts unzulässig.
Die Konkurrenten der Deutschen Post erstritten am Freitag einen ersten
Erfolg gegen den seit Jahresbeginn geltenden Mindestlohn für
Briefdienste. Die von der Bundesregierung erlassene
Post-Mindestlohn-Verordnung sei rechtswidrig, entschieden die Richter.
Das Bundesarbeitsministerium legte umgehend Berufung ein und
kritisierte, die Verwaltungsrichter wichen von der Rechtssprechung des
Bundesverwaltungsgerichts ab. Die Mindestlohn-Verordnung bleibe in
Kraft. Die Post-Konkurrenten begrüßten das Urteil, die
Deutsche Post lehnte eine Stellungnahme ab.(AZ: VG 4 A 439.07, 16.08,
26.08)
Der Mindestlohn für Briefträger zwischen 8,00 Euro und 9,80
Euro war zwischen dem von der Deutschen Post dominierten
Arbeitgeberverband Postdienste und der Gewerkschaft Verdi ausgehandelt
und von der Bundesregierung für allgemeinverbindlich erklärt
worden. Der Bundesverband der Kurier-Express-Post-Dienste sieht seine
etwa 200 Mitgliedsunternehmen durch die Lohnhöhe überfordert.
Daher drohe ihnen Insolvenz. Der Verband hatte Mitte Dezember 2007 mit
der neuen Gewerkschaft "Neue Brief- und Zustelldienste" einen
Tarifvertrag für alle tarifgebundenen Betriebe geschlossen. Der ab
dem 1. Januar 2008 vereinbarte Bruttomindestlohn liegt unterhalb der
per Verordnung festgelegten Mindestlöhne.
Das Berliner Verwaltungsgericht urteilte nun, in den Mindestlohn
dürften nur tariflich nicht gebundene Arbeitgeber und Arbeitnehmer
einbezogen werden. "Die Erstreckung des Mindestlohns auf die gesamte
Branche Briefdienstleistungen ist rechtswidrig", hieß es im
Urteil. Damit habe der Bundesarbeitsminister die gesetzliche
Ermächtigung überschritten. Diese erlaube nur Verordnungen,
die überhaupt nicht tarifgebundene Arbeitgeber und Arbeitnehmer
betreffen. Die Klagen seien zulässig und begründet.
Der die Kläger vertretende Arbeitgeberverband der Postkonkurrenten
wertete die Entscheidung als positives Signal für die
Wettbewerbsfähigkeit seiner Mitgliedsunternehmen. "Der
überhöhte Monopolschutz der Deutschen Post lag wie Blei auf
unserer jungen Branche", teilte Verbandspräsident Florian Gerster
mit. Der Insolvenz-Verwalter der PIN-Holding, Bruno Kübler,
erklärte, die Gespräche mit drei Investoren bekämen
durch das Urteil neuen Schub. Die PIN-Gruppe war wegen des
Post-Mindestlohns in die Insolvenz gegangen. Ein Sprecher des
niederländischen Post-Konzern TNT sagte: "Dies ist ein guter Tag
für das wirtschaftliche Klima in Deutschland." Wegen der Berufung
bestehe aber weiterhin Unsicherheit über die künftigen
Rahmenbedingungen.
Das Bundesarbeitsministerium hatte im Verfahren argumentiert, ein
Mindestlohn gelte für alle. Lohndumping zu bekämpfen habe
Verfassungsrang. Die Auswirkungen der Verordnung auf Unternehmen seien
zumutbar. Die neu gegründete Gewerkschaft werde zudem von
Arbeitgebern betrieben und sei nicht tariffähig.
Der Vorstandsvorsitzende von TNT Post Deutschland, Mario Frusch, sprach
von einem guten Tag für den Wirtschaftsstandort Deutschland.
«Mindestlöhne müssen sich an den Lebenshaltungskosten
orientieren; sie dürfen aber nicht missbraucht werden, um
Wettbewerb zu verhindern oder einen Monopolisten zu
protektionieren», betonte er. BdKEP-Chef Rudolf Pfeiffer
fügte hinzu, die «staatliche Willkür qua
Rechtsverordnung des SPD-geführten
Bundesarbeitsministeriums» sei in die Schranken verwiesen worden.
Auch der Arbeitgeberverband Neue Brief- und Zustelldienste (AGV-NBZ)
begrüßte die Aufhebung des Postmindestlohns durch das
Berliner Verwaltungsgericht. «Die Entscheidung ist ein positives
Signal für die Wettbewerbsfähigkeit unserer
Mitgliedsunternehmen und ihrer Arbeitsplätze», sagte Florian
Gerster, Präsident des AGV-NBZ. «Der überhöhte
Monopolschutzlohn der Deutschen Post lag wie Blei auf unserer jungen
Branche. Jetzt können unsere Unternehmen endlich aufatmen».
Der nicht branchengerechte Postmindestlohn habe die Wettbewerber des
Ex-Monopolisten schwer unter Druck gesetzt und umfangreiche
Investitionen verhindert.
Als «völlig unverständlich» bezeichnete indes
ver.di die Entscheidung. Damit werde der Versuch gestartet, das
Arbeitnehmer-Entsendegesetz wertlos zu machen und die entsprechende
Entscheidung des Bundestages auszuhebeln, sagte die stellvertretende
ver.di-Vorsitzende Andrea Kocsis. Das Verwaltungsgericht habe
«die Axt an alle Mindestlohnverordnungen gelegt». Doch
dürfte diese Entscheidung vor dem Oberverwaltungsgericht keinen
Bestand haben.
boa (Quellen: rtr, ddp)
Renten seit 2003 real um 7,5 Prozent gesunken
Sa.08.03.08 - Die rund 20 Millionen Rentner in Deutschland haben seit 2003 offenbar
deutliche Kaufkraftverluste hinnehmen müssen. Die Bezüge der
Ruheständler würden Ende 2008 real um durchschnittlich 7,5
Prozent niedriger liegen als 2003, berichtete die "Bild"-Zeitung unter
Berufung auf Berechnungen des Bonner Instituts für Wirtschaft und
Gesellschaft (IWG). Bei den Berechnungen sei das IWG von einem nominalen
Anstieg der Rentenbezüge in diesem Jahr um 0,5 Prozent und einer
Inflationsrate von 2,2 Prozent ausgegangen.
Grund für die Kaufkraftverluste bei den Rentnern waren demnach der
starke Anstieg der Teuerungsraten sowie drei Nullrunden in den Jahren
2003 bis 2005.
(Quelle: afp)
Rentner unter 65 dürfen 400 Euro dazu verdienen - Monatliche
Grenze rückwirkend um 50 Euro angehoben
Sa.08.03.08 - Rentner unter 65 Jahre dürfen statt der bisher 350 jetzt monatlich
400 Euro dazuverdienen. Der Gesetzgeber hat die Grenze rückwirkend
zum 1. Januar dieses Jahres angehoben, wie die Deutsche
Rentenversicherung Hessen erläutert. Demnach gilt die
Hinzuverdienstgrenze für alle Einnahmen aus einer
Beschäftigung oder selbstständigen Tätigkeit. Zudem
könne jeder Rentner diese Grenze zwei Mal im Jahr bis zum Doppelten
überschreiten.
Bisher wurde diese Grenze den Angaben zufolge oft mit der
Verdienstgrenze für Minijobber verwechselt, die schon lange bei 400
Euro liegt. Wer mehr dazuverdiente als erlaubt, dem wurde die Rente
gekürzt. Dem sei nun abgeholfen worden.
Die neue Grenze von 400 Euro gelte auch bei Renten wegen voller
Erwerbsminderung und wegen Erwerbsunfähigkeit. Für eine Rente
wegen teilweiser Erwerbsminderung sowie bereits gekürzt gezahlter
Altersrente gelten ebenfalls höhere Verdienstgrenzen. Betroffene
sollten sich bei der Rentenversicherung nach den genauen Konditionen
erkundigen. Über 65-jährige Bezieher von Altersrenten
können wie bisher dazuverdienen, ohne dass ihnen die Rente
gekürzt wird.
Weitere Informationen zum Thema gibt es bei unter der kostenfreie
Rufnummer 0800-1000 48 012 und im Internet: http://www.deutsche-rentenversicherung-hessen.de
(Quelle: ap)
Deutlich weniger Firmenpleiten - Stärkster Rückgang seit vier
Jahren - Anstieg der Verbraucherinsolvenzen verlangsamt
Sa.08.03.08 - Die Zahl der Firmenpleiten ist im vergangenen Jahr dank der guten
Konjunktur so stark gesunken wie zuletzt 2003. Bei den Verbrauchern
scheint der Aufschwung dagegen noch nicht angekommen zu sein. Erstmals
mussten mehr als 100.000 Privatpersonen wegen zu hoher Schulden den Gang
zum Insolvenzrichter antreten, so viel wie nie zuvor seit Bestehen der
Insolvenzordnung. Einen Lichtblick gab es aber zum Ende des Jahres: Die
Zahl der Verbraucherinsolvenzen sank im November um 3,2 und im Dezember
um 11,3 Prozent.
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (http://www.destatis.de)
vom Freitag verringerte sich die Zahl der
Unternehmenszusammenbrüche im vergangenen Jahr um 14,6 Prozent auf
29.160. Zugleich meldeten 105.238 Verbraucher Insolvenz an, 9 Prozent
mehr als im Vorjahr. Einschließlich der Nachlassinsolvenzen und
der Pleiten von Personen, die als Gesellschafter größerer
Unternehmen betroffen waren, stieg die Gesamtzahl der Insolvenzen um 2
Prozent auf 164.597.
Die voraussichtlichen Forderungen der Gläubiger wurden von den
Gerichten mit rund 32 Milliarden Euro angegeben. Im Jahr zuvor es noch
36 Milliarden Euro gewesen. Rund 57 Prozent aller Forderungen entfielen
auf die Unternehmensinsolvenzen. Betroffen von
Firmenzusammenbrüchen waren etwa 125.175 Beschäftigte, knapp
1.700 weniger als 2006.
Auch im Dezember sank die Zahl der Firmenzusammenbrüche deutlich
um 13,5 Prozent auf 2.408 Fälle. Insgesamt registrierten die
Gerichte im Dezember 12.486 Insolvenzen und damit 12,3 Prozent weniger
als im Vorjahr.
Dass der Rückgang der Verbraucherpleiten zum Jahresende bereits
eine Trendwende sein könnte, scheint unwahrscheinlich. So rechnet
die Wirtschaftsauskunftei Creditreform nach einer im Dezember 2007
vorgelegten Prognose mit einem Anstieg auf 153.000 bis 160.000
Verbraucherinsolvenzen. Laut Creditreform sind mehr als 7 Millionen
Menschen in Deutschland überschuldet. Gründe sind
Arbeitslosigkeit, geringe Einkommen sowie mangelnder Überblick
über die eigenen Finanzen.
(Quelle: ap)
Bundesbankchef Weber-Inflationsrisiken sind unsere größte
Sorge
Sa.08.03.08 - Bundesbank-Präsident Axel Weber hat am Tag nach dem jüngsten
Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank (EZB) erneut die
Notwendigkeit betont, die Inflation mit allen geldpolitischen Mitteln zu
bekämpfen.
"Wir haben klar gemacht, dass der aktuelle Inflationsausblick und die
mittelfristigen Risiken für die Preisstabilität unsere
Hauptsorge sind", sagte Weber am Freitag laut Redetext bei einer
Konferenz der norwegischen Zentralbank in Oslo. Weber ist Mitglied im
EZB-Rat, der über die Zinsen in der Euro-Zone entscheidet.
Der Bundesbankchef äußerte sich in Oslo pessimistisch, dass
der starke Preisauftrieb der vergangenen Monate noch länger
andauern wird. Selbst über das Jahr 2008 hinaus gebe es keine
Zeichen für eine Entspannung. Die Teuerungsrate in der Euro-Zone
war zuletzt auf mehr als drei Prozent geklettert und lag damit so hoch
wie noch nie seit der Einführung des Euro.
Zwar hätten sich ausgehend von den USA und wegen der aktuellen
Finanzkrise auch die Wachstumsperspektiven merklich eingetrübt. Im
Jahresverlauf werde die Konjunktur aber wohl wieder etwas an Fahrt
gewinnen. "Insgesamt bleibt das Wachstum aber im gesamten Jahr knapp
unter der Potenzialrate", sagte Weber. Diese liegt laut EZB für die
Länder der Währungsunion bei etwa zwei Prozent. Die
Volkswirte der EZB hatte am Donnerstag ihre Wachstumsprognose gesenkt,
gleichzeitig aber den Inflationsausblick deutlich angehoben. Weber: "Die
identifizierten Inflations- und Wachstumsrisiken sind in den
vergangenen Wochen zum Teil bereits eingetreten."
(Quelle: rtr)
Eingehende Anrufe auf dem Handy könnten kostenpflichtig werden
Sa.08.03.08 - Auf dem Handy eingehende Anrufe könnten für Europäer
zukünftig kostenpflichtig werden. Außerdem sollen die
Mobilfunk-Anbieter ihre monatlichen Vertragsgebühren senken. Diese
Empfehlungen hat das Beratungsunternehmen WIK-Consultant jetzt der
EU-Kommission unterbreitet.
Im Vorfeld hatte das Unternehmen eine Studie über die derzeit in
Europa gängigen Bezahlmodalitäten erstellt. Laut dem
Online-Magazin "Silicon.de" halten die Berater das System für
antiquiert. In anderen Ländern wie den USA ist es üblich, dass
nicht nur der Anrufer die Kosten für das Telefonat trägt.
Bisher fallen Kosten für den Empfänger eines Anrufs meist nur
dann an, wenn er beispielsweise im Ausland angerufen wird. Im
Heimatland sind eingehende Anrufe hingegen in aller Regel kostenlos.
Sollten die vorgeschlagenen Änderungen von der EU-Kommission in
Erwägung gezogen werden, dürfte es seitens der Verbraucher
erhebliche Proteste geben. Denn eine Preissteigerung für etliche
Mobilfunknutzer könnte die Folge einer Systemänderung sein.
(Quelle: gp)
Wissenschaft
Computerpionier Joseph Weizenbaum tot
Sa.08.03.08 - Der amerikanisch-deutsche Computerforscher Joseph Weizenbaum ist tot.
Das berichtete der Sender Deutschlandradio Kultur am Donnerstag.
Der 85 Jahre alte Wissenschaftler starb am Mittwoch nach schwerer
Krankheit in Berlin, wie seine Familie der Deutschen Presse-Agentur dpa
bestätigte. Weizenbaum war einer der weltweit bekanntesten Kritiker
eines bedenkenlosen Computereinsatzes.
(Quelle: dpa)
Mehr bei heise.de:
http://www.heise.de/newsticker/meldung/104672
Viel Fernsehen und Computerkonsum bringt Kinder aus dem Gleichgewicht
Sa.08.03.08 - Häufiger Computer- und Fernsehkonsum macht Kinder besonders
anfällig für Haltungsschwächen. Wie eine neue Studie der
Universität des Saarlandes zeigt, führt mangelnde Bewegung auf
Dauer zu einer gestörten Wahrnehmung der Kinder für ihren
eigenen Körper. Der übertriebene Medienkonsum trainiert
offenbar stark das visuelle System, das dadurch bei der
Körpersteuerung und -bewegung eine dominierende Rolle
übernimmt. Die anderen Sinneswahrnehmungen werden bei langem Sitzen
vor dem Bildschirm dagegen nicht ausreichend geschult. Den Kindern
fällt es daher häufig schwer, das Gleichgewicht zu halten und
richtig still zu stehen, wie die Hochschule mitteilt.
Die Wissenschaftler untersuchten 1600 Kinder und Jugendliche im Alter
von 6 bis 17 Jahren. Rund 40 Prozent der Teilnehmer gelang es nicht,
ihren Körper im Stehen aufrecht zu halten. Die Kinder fielen ins
Hohlkreuz, der Kopf kippte nach vorn, die Schultern sackten nach unten,
der Körper neigte sich deutlich nach vorn oder nach hinten.
Besonders ausgeprägt sind solche Haltungsschwächen bei
Kindern, die viel Zeit vor dem Fernseher oder Computer verbringen.
Eine schlechte Körperhaltung bei Kindern und Jugendlichen ist also
nicht allein auf schwache oder schlecht gedehnte Muskeln
zurückzuführen, folgern die Wissenschaftler. Erstmals sei
nachgewiesen, dass das Gefühl der Kinder für den eigenen
Körper in vielen Fällen aufgrund schlecht trainierter
Sinneswahrnehmungen gestört ist. Experten sprechen von
gestörter Körpereigenwahrnehmung (Propriozeption).
Um eine gute Körperhaltung einnehmen zu können, muss das
Nervensystem die Muskulatur genau dosiert und in einer festen zeitlichen
Reihenfolge aktivieren. Dafür benötigt das Gehirn als
Steuerzentrale von den verschiedenen Sinnessystemen genaue
Informationen über die Stellung der Gelenke und die Spannung der
Sehnen und Muskeln. Fällt bei geschlossenen Augen das visuelle
System weg, können die schlecht trainierten anderen
Sinneswahrnehmungen keine ausreichenden Informationen liefern. Daher
gelingt es den betroffenen Kindern nicht, ihre Haltung optimal zu
steuern.
(Quelle: ddp)
Internet-Visionär Negroponte will 'Null-Dollar-Laptop' für
Kinder
Sa.08.03.08 - 100 Dollar für einen Kinder-Laptop in den ärmsten
Ländern sind dem Internet-Visionär Nicholas Negroponte noch zu
viel. Der Computerforscher strebt an, Kinder in
Entwicklungsländern flächendeckend mit tragbaren Rechnern
auszustatten.
Am besten kostenlos, sagte er der «Frankfurter Rundschau»
(Freitag). «100 Dollar sind abschreckend. Unser Rechner sollte und
wird ein Null-Dollar-Laptop sein. Es gibt viele Wege, das zu erreichen
und wir werden genau das versuchen.»
Der Schlüssel liege in der Bauteil-Integration. «Heute
besteht ein XO Laptop aus mehr als 900 Einzelteilen. Es müssen 50
werden», sagte Negroponte. Seine Pläne sah Negroponte nach
dem Absprung von Intel im vergangenen Jahr offenbar nicht in Gefahr. Der
Hersteller von Computerprozessoren hatte sich plötzlich aus dem
Projekt verabschiedet.
Negroponte kritisierte den US-Halbleiterkonzern in dem Interview
scharf: «Intel kam spät, nachdem es unserem Projekt
destruktiv gegenüber gestanden hatte, nutzte dann seinen
Insider-Status, um noch destruktiver zu sein als vorher und zog sich
dann zurück. Alles in allem eine unerfreuliche, Zeit fressende
Erfahrung ohne jeden technologischen Gewinn. Es ist eine große
Erleichterung, dass sie endlich weg sind.»
Das Projekt für den Laptop, das die Stiftung OLPC (One Laptop Per
Child) vorantreibt, entwickelt sich deutlich schwieriger als geplant.
Bisher sind nur einige 100 000 Geräte von den Regierungen bestellt
worden, während ursprünglich Millionen angepeilt waren. Das
Notebook- Projekt war 2005 von Professor Nicholas Negroponte vom
renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT) gestartet
worden. Das einfache Gerät mit dem dicken Griff am Gehäuse und
Solarbatterien sollte ursprünglich zum Preis von je 100 Dollar
Regierungen in den Entwicklungsländern angeboten werden. Gestiegene
Kosten machen es jedoch schwer, das Preisziel zu erreichen.
(Quelle: dpa)
Computerbasierte Analyse von Hirnaktivitäten soll das Sehen
entschlüsseln
Sa.08.03.08 - Durch die Entschlüsselung von Hirnaktivitäten soll ein
computerbasiertes Verfahren Rückschlüsse auf die optischen
Eindrücke eines Menschen erlauben. Es werden Informationen aus der
Sehrinde des Gehirns (visueller Cortex) mit Hilfe eines funktionellen
Magnetresonanztomografen aufgezeichnet.
Der visuelle Cortex ist derjenige Teil des Gehirns, der für die
visuelle Wahrnehmung verantwortlich ist. In ihm findet sich im
übertragenen Sinne ein abstraktes Abbild dessen, was der Mensch
sieht. Auf den Aufnahmen des Tomografen zeigt sich demnach ein
charakteristisches Aktivitätsmuster, das vom jeweiligen
Seh-Eindruck abhängt.
Mit einem Computer-Programm können die Aktivitätsmuster
analysiert werden. Entwickelt haben die Methode Forscher von der
University of California in den USA. Sollte sich das Verfahren in
Zukunft weiter verfeinern lassen, wäre theoretisch ein breites
Einsatzgebiet in der Medizin denkbar. So könnten Hirnfunktionen
leichter nachvollzogen werden und vielleicht wären auch
Kopfverletzungen von Unfallopfern besser zu behandeln.
(Quelle: gp)