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Irak am 1446sten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität:
Tausende protestieren in Basra gegen Gewalt. Sechs Tote bei
Bombenexplosionen. US-Soldat bei Kämpfen getötet. Massengrab
mit etwa 100 Leichen im Irak entdeckt
So.09.03.08 - Tausende Menschen haben am Samstag in Basra gegen die schlechte
Sicherheitslage in der südirakischen Stadt protestiert. Die
Demonstranten trugen dabei Bilder der Opfer der jüngsten
Gewalttaten. Die irakischen Sicherheitskräfte hatten im Dezember
von den Briten die Verantwortung für die zweitgrößte
Stadt des Landes übernommen. Schiitische Gruppen kämpfen hier
um die Vorherrschaft. Die Einwohner klagen, seit dem Abzug der Briten
hätten Morde, Entführungen und andere Verbrechen zugenommen.
Auch in anderen Teilen des Iraks hält die Gewalt an. In der
nordöstlich von Bagdad gelegenen Provinz Dijala wurden bei zwei
Bombenexplosionen sechs Menschen getötet. In der gleichen Provinz
wurde bei Kämpfen auch wieder ein US-Soldat getötet. Wie die
US-Streitkräfte mitteilten, wurde er bei Kämpfen am Freitag
so schwer verwundet, dass er später seinen Verletzungen erlag. Im
Irak sind seit Beginn der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.975 Angehörige der US-Streitkräfte getötet worden.
In der nordirakischen Stadt Erbil wurde am Samstag eine
französische Journalistin niedergestochen. Sie wurde leicht
verletzt, wie Polizei mitteilte. Die Hintergründe der Tat waren
unklar. Erbil liegt im vorwiegend von Kurden bewohnten Teil des Iraks
und gilt als eine der sichersten Regionen im Irak.
Irakische Sicherheitskräfte haben in der Provinz Dijala ein
Massengrab mit etwa 100 Leichen entdeckt. Die Toten seien nach ersten
Untersuchungen dort schon vor langer Zeit begraben worden, teilten die
Streitkräfte mit. Das Massengrab befindet sich den Angaben zufolge
in der Nähe der schiitischen Stadt Chalis, rund 80 Kilometer
nördlich von Bagdad.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 09.03.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am neunhundertdreiundachtzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Bush stoppt Gesetz gegen umstrittene Verhörmethoden der CIA
So.09.03.08 - US-Präsident George W. Bush hat ein Gesetz gestoppt, das der CIA
die Anwendung von Waterboarding und anderen umstrittenen
Verhörmethoden untersagt hätte. Er habe sein Veto gegen ein
Gesetz zur Finanzierung der Geheimdienste mit einer entsprechenden
Bestimmung eingelegt, sagte Bush in seiner wöchentlichen
Radioansprache. Der vom Kongress verabschiedete Entwurf sieht vor, dass
CIA-Mitarbeiter sich bei Verhören an die Regeln der US-Armee
halten müssen.
Bush sagte, damit würde "eines der nützlichsten Instrumente
im Krieg gegen den Terror" zunichte gemacht: das CIA-Programm zur
Festnahme und Befragung von Terror-Verdächtigen. Die Armee
lässt 19 Verhörmethoden zu. Waterboarding, bei dem das
Ertrinken simuliert wird, und andere von Menschenrechtlern als Folter
eingestufte Methoden sind nicht darunter. Das geplante Gesetz
würde nicht nur eine bestimmte Verhörmethode verbieten,
kritisierte Bush in Anspielung auf das Waterboarding. Vielmehr
würde es "alle alternativen Verfahren" ausschließen, "die
wir entwickelt haben, um die gefährlichsten und
gewalttätigsten Terroristen der Welt zu befragen".
Menschenrechtler werfen den USA vor, Häftlinge in geheimen
Gefangenenlagern der CIA zu foltern. Einige Geheimdienstmitarbeiter
ziehen zudem den Erfolg des umstrittenen CIA-Programms in Zweifel, das
laut Bush einen weiteren Anschlag des Terrornetzwerkes El Kaida und
seiner Verbündeten in den USA verhindert hat.
(Quelle: afp)
Afghanen fordern Abzug dänischer und holländischer Soldaten
So.09.03.08 - Rund 5000 Demonstranten in der westafghanischen Stadt Herat haben den
Abbruch der Beziehungen zu Dänemark und den Niederlanden und die
Ausweisung der Soldaten dieser Länder gefordert. Ein Demonstrant
warf eine Handgranate auf das Grundstück des Gouverneurs von
Herat, die jedoch nur geringen Schaden anrichtete, andere
zertrümmerten die Scheiben eines Polizeifahrzeugs mit
Knüppeln, wie der Polizeichef der Provinz, Dschuma Chan Adeel, am
Samstag mitteilte.
Die Proteste richteten sich gegen als beleidigend empfundene
dänische Karikaturen des Propheten Mohammed und gegen einen
niederländischen Film, der den Koran nach Angaben seines
Produzenten, des Rechtspopulisten Geert Wilders, als "faschistisch"
darstellt. Die Demonstranten in Herat riefen "Tod Holland, Tod
Dänemark" und verbrannten die Flaggen der beiden europäischen
Länder, wie ein AFP-Reporter berichtete.
Die Regierung in Kabul begrüßte die Ernennung des
norwegischen Diplomaten Kai Eide zum neuen UN-Sondergesandten in
Afghanistan. "Wir glauben, dass er die dringend nötige
Koordination innerhalb der internationalen Gemeinschaft und zwischen
der internationalen Gemeinschaft und der afghanischen Regierung
herbeiführen kann", sagte der Sprecher von Präsident Hamid
Karsai, der Eides gute Kenntnisse Afghanistans und seine Erfahrung mit
der NATO lobte.
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hatte die Ernennung Eides am
Freitag bekannt gegeben, nachdem Kabul den ursprünglich für
den Posten vorgesehenen Briten Paddy Ashdown abgelehnt hatte. Der
Deutsche Tom Koenigs hatte sein Amt zum Ende des vergangenen Jahres zur
Verfügung gestellt.
(Quelle: afp)
Nahost-Konflikt
Palästinenserpräsident Abbas bekennt sich zu
Frieden mit Israel
So.09.03.08 - Trotz des Abbruchs der Verhandlungen mit Israel hat sich
Palästinenserpräsident Mahmud Abbas für den Frieden als
einzig mögliche Lösung des Konflikts ausgesprochen. "Trotz
aller israelischen Angriffe rufen wir zum Frieden auf", sagte Abbas bei
einer Rede zum Weltfrauentag in Ramallah. "Wir halten uns an einen
Frieden, der auf internationaler Legitimität fußt." Einen
anderen Weg als den Frieden gebe es nicht, fügte Abbas hinzu. Er
zählte jedoch einige Fragen auf, die vorab geklärt werden
müssten.
Insbesondere nannte der Palästinenserpräsident den Status von
Ostjerusalem, das Problem der palästinensischen Flüchtlinge,
die jüdischen Siedlungen und die palästinensischen
Häftlinge in Israel. Abbas hatte die Friedensverhandlungen mit
Israel am vergangenen Wochenende aus Protest gegen israelische
Raketenangriffe im Gazastreifen abgebrochen. Am Dienstag hatte er
während eines Besuchs von US-Außenministerin Condoleezza
Rice eine "umfassende Feuerpause" zur Vorbedingung neuer Verhandlungen
gemacht.
(Quelle: afp)
Birma weist Vorschläge der UN zu Reformen zurück
So.09.03.08 - Die Militärregierung von Birma hat Vorschläge der Vereinten
Nationen für politische Reformen zurückgewiesen. Die
staatlichen Medien des Landes berichteten am Freitag,
Informationsminister Kyaw Hsan habe bei einem Treffen mit dem
UN-Sondergesandten Ibrahim Gambari erklärt, dass es unmöglich
sei, die von der Regierung erarbeite Verfassung noch einmal zu
verändern, über die im Mai in einer Volksbefragung entschieden
werden solle.
Außerdem hat die Regierung nach Aussage Hsans genug unternommen,
um mit Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi im Gespräch zu
bleiben. Die Friedensnobelpreisträgerin des Jahres 1991 steht seit
Jahren unter Hausarrest.
Gambari war am Donnerstag zu seinem dritten Besuch in Birma
eingetroffen, seit die Militärjunta im September des vergangenen
Jahres Proteste für mehr Demokratie blutig niedergeschlagen hatte.
Es war zunächst unklar, ob Treffen Gambaris mit Suu Kyi oder mit
Regierungschef Than Shwe zu Stande kommen würden.
(Quelle: ap)
Wähler in Malaysia verpassen Regierungskoalition Denkzettel
So.09.03.08 - Die in Malaysia regierende Nationale Front hat bei der Parlamentswahl
am Samstag ihre Zweidrittelmehrheit verloren und so schlecht wie nie
seit der Unabhängigkeit des Landes vor gut 40 Jahren
abgeschnitten. Sie gewann 139 von 220 ausgezählten Sitzen in dem
insgesamt 222 Abgeordnete zählenden Parlament, wie die
Wahlkommission mitteilte. Selbst wenn sie die verbleibenden zwei Sitze
gewinnt, käme die Koalition nicht auf die 148 Mandate, die
für eine Zweidrittelmehrheit erforderlich wäre.
Zuletzt hatte es massive Klagen über Diskriminierung von
chinesischen und indischen Minderheiten in dem südostasiatischen
Land gegeben.
Das einzige Mal, dass die aus 14 Parteinen bestehende Koalition bisher
nicht mindestens zwei Drittel der Mandate hielt, war 1969: Damals
sicherte sie sich 66 Prozent der Sitze. Diesmal wären es nur 63,5
Prozent - selbst bei einem Gewinn der letzten beiden Sitze.
Außerdem verlor die Nationale Front bei den gleichzeitig
abgehaltenen Regionalwahlen die Kontrolle in vier Staaten.
Ministerpräsident Abdullah Ahmad Badawi wollte von einem
Rücktritt nach der Wahlschlappe nichts wissen. «Ich
weiß nicht, wer mich da unter Druck setzen würde»,
sagte er vor Journalisten.
Die Opposition kommt nach den bislang vorliegenden Ergebnissen auf 81
Sitze im Parlament in Kuala Lumpur. Bislang hatte sie dort lediglich 19
Mandate
Am Rande der Wahl kam es am Samstag zu Auseinandersetzungen zwischen
der Polizei und Anhängern der Opposition. Die Polizei setzte nach
Angaben von Augenzeugen Tränengas ein. Die
Oppositionsanhänger sollen zuvor Busse mit Anhängern der
Regierungspartei mit Steinen beworfen haben. 19 Personen wurden
festgenommen.
(Quelle: ap)
Venezuela und Ecuador versöhnen sich mit Kolumbien
So.09.03.08 - Kolumbien und Ecuador haben ihre schwere diplomatische Krise beigelegt.
Der ecuadorianische Staatschef Rafael Correa erklärte den Konflikt
während des Gipfels der sogenannten Rio-Gruppe in der
Dominikanischen Republik offiziell für beendet und reichte seinem
kolumbianischen Kollegen Alvaro Uribe die Hand. Der Streit war am
vergangenen Wochenende nach einem Angriff der kolumbianischen
Streitkräfte auf ein Lager der FARC-Rebellen auf ecuadorianischem
Territorium entbrannt. Bogotá verpflichtete sich, künftig
von Militäreinsätzen auf fremdem Staatsgebiet abzusehen.
Correa sagte, nach der Zusage Kolumbiens, nie wieder ein anderes Land
anzugreifen, und der Bitte um Entschuldigung könne die Krise als
überwunden gelten. Als Zeichen der Zustimmung erhob sich Uribe von
seinem Platz und schüttelte Correa unter dem Applaus der rund 20
anwesenden lateinamerikanischen Staatschefs die Hand.
Anschließend reichte Uribe auch dem venezolanischen
Präsidenten Hugo Chávez die Hand. Chávez, der sich
nach dem Militärangriff an Ecuadors Seite gestellt und Truppen an
die kolumbianische Grenze entsandt hatte, hatte sich auf dem
Gipfeltreffen für eine friedliche Lösung stark gemacht. Noch
sei Zeit, eine Eskalation der Krise zu vermeiden, die "wir alle bereuen
könnten", sagte Chávez.
Zuvor hatte es einen heftigen Schlagabtausch zwischen den
Konfliktparteien gegeben. Uribe räumte ein, die Regierung in Quito
nicht über den grenzübergreifenden Einsatz informiert zu
haben. Allerdings habe Kolumbien im Kampf gegen den Terrorismus nicht
die Unterstützung Ecuadors gehabt.
Venezuela erhielt unterdessen Lebenszeichen von zehn FARC-Geiseln. Der
venezolanische Innenminister Ramón Rodríguez
Chacín sagte in Caracas, seine Regierung habe Videoaufnahmen von
zehn FARC-Geiseln vom Dezember und Anfang diesen Jahres erhalten. Bei
den Festgehaltenen handele es sich um Soldaten und Polizisten. Die
Bänder gelten als Hinweis für eine mögliche Freilassung.
Chacín betonte jedoch auch, es gebe in den Videos keine
Anzeichen für eine baldige Freilassung der vor sechs Jahren
entführten kolumbianisch-französischen
Grünen-Politikerin Ingrid Betancourt, deren Schicksal
international aufmerksam verfolgt wird.
Die linksgerichteten Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens
(FARC) haben nach eigenen Angaben etwa 700 Menschen in ihrer Gewalt,
darunter rund 40 sogenannte politische Gefangene. Im Austausch für
diese Gruppe fordern die Rebellen die Freilassung von
Gesinnungsgenossen aus kolumbianischen Gefängnissen.
(Quelle: afp)
USA: Obama gewinnt Caucus in Wyoming
So.09.03.08 - Der demokratische Senator Barack Obama hat die parteiinternen
Abstimmungen über die Präsidentschaftskandidatur im
US-Bundesstaat Wyoming gewonnen. Obama konnte dem Nachrichtensender CNN
zufolge 61 Prozent der Stimmen erringen, Senatorin Hillary Clinton kam
auf 38 Prozent. Obama schnitt bei den Caucuses bisher besonders gut ab:
er gewann bereits in 13 Staaten solche Parteiabstimmungen, Clinton
lediglich in drei Staaten. Der republikanische Kandidat steht mit
Senator John McCain bereits fest.
(Quelle: dpa)
Bush über Verlangsamung des US-Wirtschaftswachstums besorgt --
Arbeitsmarktbericht deutlich schlechter ausgefallen als von Analysten
erwartet
So.09.03.08 - Die Verlangsamung des Wirtschaftswachstums ist nach Worten von
US-Präsident George W. Bush besorgniserregend: "Ich weiß,
dass die Amerikaner über unsere Wirtschaft besorgt sind - das bin
ich auch", sagte der er am Freitag zu Reportern. "Es ist offenkundig,
dass sich das Wachstum verlangsamt hat. Aber die gute Nachricht ist,
dass wir das vorhergesehen haben und Maßnahmen wie das
Konjunkturprogramm zur Stützung der Wirtschaft ergriffen haben",
fügte Bush hinzu. Die US-Regierung hatte vor rund einem Monat ein
milliardenschweres Konjunkturpaket verabschiedet, das die
schwächelnde Wirtschaft beleben soll und Steuersenkungen vorsieht.
Bush wandte sich mit seiner Rede nach der Bekanntgabe eines schlechten
Arbeitsmarktberichts und zusätzlichen Geldspritzen der US-Notenbank
Fed für das Bankensystem an die Öffentlichkeit. Der
Arbeitsmarktbericht war mit einem Minus von 63.000 Jobs deutlich
schlechter ausgefallen als von Analysten erwartet. Die Experten hatten
im Schnitt mit einem Stellenplus von 25.000 gerechnet. Die Fed hatte
zudem wegen der wieder gestiegenen Spannungen an den Finanzmärkten
ihre für März geplanten Liquiditätsspritzen erhöht.
"Wir glauben, dass die Maßnahmen, die wir zusammen mit den von der
Fed unternommenen Aktionen ergriffen haben, eine positive Auswirkung
auf unsere Wirtschaft haben", fügte Bush hinzu. In den kommenden
Monaten dürfte sich dies bemerkbar machen.
(Quelle: rtr)
Zentralbanker fürchten Teuerungslawine durch Rohstoffe
So.09.03.08 - Angesichts der weltweit steigenden Energie- und Nahrungsmittelpreise
nimmt die Furcht der Notenbanken vor einem dauerhaft hohen
Inflationsdruck in vielen Ländern rund um den Globus zu.
EZB-Präsident Jean-Claude Trichet erklärte auf einer
Konferenz der französischen Zentralbank am Freitag in Paris, die
massive Rohstoff-Nachfrage in den Schwellenländern sei mit
dafür verantwortlich, dass sich die Lebensmittelpreise in Europa
zuletzt so stark verteuert hätten. "Der aktuelle Anstieg der
Rohstoffpreise erinnert uns daran, dass Globalisierung auch zu einer
steigenden globalen Inflation führen kann", sagte der Chef der
Europäischen Zentralbank (EZB).
Der Gouverneur der Banque de France, Christian Noyer, sieht in dem
jüngsten Anstieg der Preise für wichtige Rohstoffe den Beginn
eines langfristigen Trends. "Das Wachstum der Wirtschaft in den
Schwellenländern führt zu einer höheren Nachfrage nach
den natürlichen Ressourcen, nach Lebensmitteln und Energie und das
hat logischerweise gravierende und dauerhafte Auswirkungen auf die
Inflation", sagte er. John Lipsky, der Vize-Direktor des Internationalen
Währungsfonds, erklärte in Paris, er rechne ebenfalls nicht
mit einem schnellen Ende der Preisrallye an den Rohstoffmärkten.
Deutschlands Bundesbank-Chef Axel Weber erklärte auf einer
Konferenz der norwegischen Notenbank in Oslo, selbst wenn der Preisdruck
von den Rohstoffen nachlassen sollte, werde die Teuerung in der
Euro-Zone bis ins nächste Jahr hinein über dem Zielwert der
EZB bleiben. Die Frankfurter Währungshüter sehen
Preisstabilität bei Inflationsraten von knapp unter zwei Prozent
gegeben.
"Wir (im EZB-Rat) haben klar gemacht, dass der aktuelle
Inflationsausblick und die mittelfristigen Risiken für die
Preisstabilität unsere Hauptsorge sind", sagte Weber. Die EZB hatte
am Donnerstag den Leitzins für die Euro-Zone trotz sich
verdüsternder Aussichten für die Konjunktur bei vier Prozent
belassen und dies mit der anhaltend hohen Inflation begründet. Die
Preise in der Währungsunion waren zu Jahresbeginn erstmals seit
Einführung des Euro auf mehr als drei Prozent geklettert.
Dafür verantwortlich ist einerseits der hohe Ölpreis, der
sich seit Tagen über 100 Dollar je Barrel hält. Hinzu kommt
die Verteuerung zahlreicher Rohstoffe für die Industrie, vor allem
von wichtigen Metallen. Außerdem belasten Preisexplosionen bei
Grundnahrungsmitteln wie Reis, Weizen und Mais sowie bei Milch und
Milchprodukten die Geldbeutel der Haushalte.
Etwas Entlastung könnte vom erwarteten Abschwung in den USA
ausgehen, da die Nachfrage nach Rohstoffen - insbesondere nach Öl -
dann sinken dürfte. Argentiniens Zentralbanckef Martin Redrado
sagte in Paris, ein schwächeres Wachstum in den USA könne auch
andere Länder in Mitleidenschaft ziehen und deren Hunger nach
Rohstoffen und damit letztlich die Preise abmildern. Der Chef der
Federal Reserve von Dallas, Richard Fisher, sagte, er rechne nicht damit
dass die Rohstoffpreise unendlich weiter steigen werden. "Die Frage
ist, wo sie haltmachen", sagte er.
Die Teuerungswelle rund um den Globus setzt mittlerweile nicht mehr nur
die Volkswirtschaften der Industrieländer unter Druck. In China
liegt die Inflationsrate mit mehr als sieben Prozent derzeit auf dem
höchsten Niveau seit elf Jahren, in Indien - der zweiten
großen aufstrebenden Nation Asiens - liegt die Teuerung bei
fünf Prozent. Auch in den USA zog die Teuerung zuletzt an.
Die Zentralbankgouverneure der wichtigsten Industrienationen sowie
zahlreicher Schwellenländer treffen sich ab Sonntag in Basel bei
der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich. Bei den alle zwei
Monate anstehenden Beratungen dürften die Inflationssorgen, aber
auch die Furcht vor einem globalen Abschwung in Folge der Kreditkrise im
Mittelpunkt stehen.
Bei einem Treffen in Kapstadt im vergangenen Herbst hatten sich die
Notenbanken mehrerer Industrieländer auf eine gemeinsame Aktion
geeinigt und dem angespannten Geldmarkt mit mehreren Geldspritzen unter
die Arme gegriffen. Es war die erste gemeinsame Aktion seit den
Terroranschlägen vom 11. September 2001 in New York. Experten gehen
davon aus, dass es angesichts unterschiedlicher Ansichten über den
richtigen Kurs der Geldpolitik in Basel aber nicht zum Beschluss einer
vergleichbaren Aktion kommen dürfte.
(Quelle: rtr)
Russland warnt vor Nato-Beitritt von Georgien und Ukraine
So.09.03.08 - Russland hat im Fall einer Aufnahme seiner früheren
Satellitenstaaten Georgien und Ukraine in die Nato vor schwerwiegenden
Konsequenzen gewarnt.
Der Versuch der USA, Georgien ins westliche Bündnis zu
drängen, sei eine Provokation, die zu Blutvergießen
führen könne, sagte der russische Nato-Gesandte Dmitri
Rogosin in einem vorab veröffentlichten Interview des
Nachrichtenmagazins "Der Spiegel". Die Mitgliedschaft im Bündnis
wäre "Georgiens Ende als souveräner Staat", da die Regierung
in Tiflis dann ihre abtrünnigen Regionen Abchasien und
Südossetien endgültig verlieren würde. Russland werde
dann nicht untätig zusehen, warnte Rogosin. Die beiden
pro-russischen Regionen hatten sich Anfang der 90er Jahre abgespalten
und werden seitdem von der Regierung in Moskau unterstützt.
Auch im Fall der Ukraine drohte Rogosin mit einem dramatischen Ausgang:
Die Mehrheit der Bevölkerung wolle gar nicht in die Nato, sagte
er. Eine Aufnahme würde das Land spalten und Europa
destabilisieren.
Die Regierungen in Kiew und Tiflis drängen auf engere Beziehung zu
dem Militärbündnis, dessen Mitglieder sie letztlich werden
wollen. Sie werden darin vor allem von den USA unterstützt. Die
Regierung in Moskau hat bereits mehrfach vor einer Aufnahme der Staaten
in die Nato gewarnt, jedoch ohne konkrete Konsequenzen zu
erläutern.
(Quelle: rtr)
Merkel und Putin beteuern Kontinuität der bilateralen Beziehungen
So.09.03.08 - Deutschland und Russland legen auch nach dem Machtwechsel in Moskau
Wert auf eine enge Zusammenarbeit. Das beteuerten Bundeskanzlerin
Angela Merkel, der scheidende russische Präsident Wladimir Putin
und sein Nachfolger Dimitri Medwedew nach jeweils getrennten
Gesprächen in der russischen Hauptstadt am Samstag. Merkel sagte,
Medwedew stünden in Deutschland «alle Türen
offen». Sie habe ihn eingeladen.
Eine seiner ersten Reisen werde den neuen Präsidenten nach
Deutschland führen, sagte Merkel. Sie bezeichnete Medwedew als
«sehr sachorientiert und an guten Beziehungen zu Deutschland und
der EU interessiert».
Medwedew betonte, Russland wisse zu schätzen, dass Merkel ihm
unmittelbar nach der Wahl einen Besuch abgestattet habe. «Ich
hoffe, dass die freundschaftliche und kameradschaftliche
Zusammenarbeit, die es zwischen Ihnen und Präsident Putin gegeben
hat, fortgesetzt wird.» Auch Merkel versicherte dem neuen
Präsidenten, sie habe den ehrlichen Wunsch nach einer
freundschaftlichen Kooperation. Zuvor hatte bereits Putin die
Kontinuität in den Beziehungen beider Länder unterstrichen:
«Ich habe keinen Zweifel, dass der Kurs fortgesetzt wird.»
Ausdrücklich hob Merkel die wirtschaftlichen Beziehungen beider
Länder hervor. Wichtige Projekte seien angestoßen worden -
wie die Ostsee-Pipeline. Diese diene der Energiesicherheit in Europa.
«Wir haben immer gesagt: Es muss so realisiert werden, dass auch
andere Mitgliedsländer der Europäischen Union nicht darunter
leiden,» betonte Merkel.
Bei dem eintägigen «Arbeitsbesuch» wurden auch
kontroverse Themen angesprochen. So sprach sich Putin erneut gegen eine
weitere NATO-Erweiterung aus. Eine endlose Expansion des
Militärbündnisses - ohne den Hintergrund der Konfrontation
zwischen zwei gegnerischen Systemen - wäre schädlich und
kontraproduktiv, sagte er. Das Konfliktpotenzial würde dadurch
wachsen. Die NATO will bei ihrem Gipfel im April Albanien, Kroatien und
Mazedonien zur Mitgliedschaft einladen.
Zum Kosovo wiederholte Putin, dass Russland die Unabhängigkeit der
ehemals serbischen Provinz nur anerkennen würde, wenn Serbien
damit einverstanden wäre. Die Abtrennung des Kosovos von Serbien
würde den Separatismus in Europa anheizen, warnte er. Dies sei
auch von Bedeutung für Großbritannien, Spanien und Belgien.
Der scheidende Präsident schloss nicht aus, dass sein Nachfolger
Medwedew den inhaftierten Ölmilliardär Michail Chodorkowski
begnadigen könnte. Merkel machte deutlich, dass die
Bundesregierung eine Begnadigung begrüßen würde.
Chodorkowski wurde 2004 wegen Betrugs und Steuerhinterziehung zu einer
achtjährigen Haftstrafe in Sibirien verurteilt. Nun wird er auch
der Geldwäsche beschuldigt.
Putin, der nach seinem Ausscheiden aus dem Präsidentenamt
Regierungschef werden will, sagte voraus, dass das Treffen mit Merkel
nicht das letzte sein werde - aber auf alle Fälle das letzte in
seiner jetzigen Funktion. Merkel sagte, mit Putin habe sie einen Weg
gefunden, «kritische Fragen offen und ehrlich zu
besprechen». Die Diskussionen mit ihm seien «manchmal eine
Freude, manchmal eine Herausforderung».
Putin verwies darauf, dass sein Nachfolger von westlichen Beobachtern
als liberalerer Politiker eingeschätzt würde als er selbst.
Natürlich werde Medwedew frei sein, seine liberalen Ansichten zu
vertreten. Er sei aber nicht weniger russischer Nationalist als er
selbst.
(Quelle: ap)
Serbischer Regierungschef Kostunica kündigt Rücktritt an
So.09.03.08 - Der serbische Ministerpräsident Vojislav Kostunica hat am Samstag
seinen Rücktritt angekündigt.: "Das ist das Ende der
Regierung", sagte er. Das Parlament werde am Montag über seine
Auflösung beraten. Als mögliches Datum für eine Neuwahl
nannte er den 11. Mai, wenn ohnehin Kommunalwahlen stattfinden.
Vor wenigen Tagen hatte Kostunica bereits eingeräumt, die
Regierung befinde sich in einer tiefen Krise. Indirekt warf er seinen
Koalitionspartnern vor, den Anspruch Serbiens auf das Kosovo zugunsten
besserer Beziehungen zum Westen aufzugeben.
Der Rücktritt Kostunicas dürfte Konflikte mit dem
pro-westlichen Präsidenten Boris Tadic und dessen Partei
auslösen. Beide Parteien waren vor zehn Monaten eine Koalition
eingegangen. Zuletzt verschärften sich jedoch die Spannungen.
Kostunicas Demokratische Partei Serbiens (DSS) hatte ihre
Unterstützung für eine Parlamentsresolution der
oppositionellen ultranationalistischen Radikalen Partei (SRS) zugesagt,
welche als Bedingung für Gespräche mit der Europäischen
Union ein EU-Bekenntnis zur territorialen Integrität Serbiens
fordert. Dies bedeutet vor allem, dass EU-Staaten ihre diplomatische
Anerkennung des Kosovo zurückziehen. Die pro-westlichen Parteien
führen dagegen an, dass so die Unabhängigkeit des Kosovo
nicht rückgängig gemacht werden kann, sondern lediglich der
Weg in die EU verbaut werde. Im Kabinett scheiterte die Resolution; sie
kann jedoch weiterhin im Parlament eingebracht werden.
Die Kosovo-Albaner hatten sich am 17. Februar einseitig für
unabhängig erklärt, nachdem zuvor jahrelange Verhandlungen
über den künftigen Status des Kosovo gescheitert waren. Etwa
zwei Drittel der EU-Mitgliedsstaaten, darunter auch Deutschland, und
die USA haben den neuen Staat anerkannt. Die ehemalige
südserbische Provinz steht seit dem Krieg von 1999 unter
UN-Verwaltung, eine EU-Mission soll diese demnächst ablösen.
(Quelle: rtr)
Türkei und Griechenland wollen Zypern-Gespräche bald beginnen
So.09.03.08 - Die Außenminister der Türkei und Griechenlands haben am
Samstag die Hoffnung geäußert, die Gespräche zur
Wiedervereinigung der geteilten Mittelmeerinsel Zypern rasch beginnen
zu können. «Wir glauben, dass sich für 2008 eine
wichtige Gelegenheit ergeben hat», sagte der türkische
Außenminister Ali Babacan nach einem Treffen mit seiner
griechischen Kollegin Dora Bakojannis. Auch die Ministerin sprach von
einer bedeutenden Möglichkeit für die Insel.
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Der neue zyprische Präsident Dimitris Christofias und der
türkisch-zyprische Führer Mehmet Ali Talat wollen in den
kommenden Wochen zusammentreffen, um Gespräche zur
Überwindung der Teilung aufzunehmen. Zypern ist seit einer
türkischen Invasion vor 34 Jahren im Norden geteilt, die eine
Reaktion auf einen Putsch von Anhängern einer Union mit
Griechenland war.
(Quelle: ap)
Deutschland
Hessische SPD gibt Regierungspläne nicht auf
So.09.03.08 - Die hessische SPD-Vorsitzende Andrea Ypsilanti erhält von ihrer
Partei eine zweite Chance. Bei einem Krisengipfel am Samstag in
Frankfurt am Main stärkten Landtagsfraktion, Parteirat und
Landesvorstand Ypsilanti nach außen den Rücken und
unterstützten den von ihr eingeschlagenen Kurs. Die
Darmstädter Abgeordnete Dagmar Metzger musste sich herbe Kritik
anhören. Sie hatte mit ihrer Ablehnung Ypsilantis die Krise in der
SPD ausgelöst. Wie die Nachrichtenagentur ddp am Rande der
Gremiensitzung erfuhr, wird in der Partei ernsthaft daran gedacht, dass
Ypsilanti in einigen Monaten doch noch für das
Ministerpräsidentenamt kandidiert.
Dies könne dann geschehen, wenn sich eine parlamentarische
Zusammenarbeit mit Grünen und Linkspartei im Landtag verfestigt
habe. Der am Freitag ausgesprochene Verzicht Ypsilantis auf die
Kandidatur für das Amt des Regierungschefs habe sich zunächst
auf die konstituierende Landtagssitzung am 5. April bezogen.
Ein langjähriges führendes Mitglied der Hessen-SPD sagte der
Nachrichtenagentur ddp, in der Partei glaube niemand mehr daran, dass
doch noch eine «Ampel»-Koalition mit der FDP und den
Grünen zustande komme. Eine große Koalition wolle keiner.
Daher bleibe nur die Möglichkeit, im Landtag mit Grünen und
Linkspartei Mehrheiten für die inhaltlichen Forderungen der SPD zu
organisieren.
Ypsilanti selbst sagte nach der gemeinsamen Gremiensitzung, das Projekt
einer rot-grünen Minderheitsregierung sei «auf Eis
gelegt». Auch Regierungschef Roland Koch (CDU) habe im Parlament
keine Mehrheit. Die SPD habe einstimmig beschlossen, jetzt erst einmal
ihre inhaltlichen Forderungen als Anträge in den Landtag
einzubringen. Ypsilanti betonte, wenn ein SPD-Parteitag
beschließe, einen solchen Weg wie die Minderheitsregierung zu
gehen, und einzelne Abgeordnete dies nicht mittragen könnten,
müssten diese ihr Mandat zurückgeben.
Die Partei habe zudem «sehr, sehr eindringlich an Metzger
appelliert, ihre Auffassung zu überdenken», sagte Ypsilanti.
Metzger selbst hatte ihre Auffassung in der Sitzung noch einmal
verteidigt. Ypsilanti betonte, sollte Metzger «zu keiner anderen
Auffassung kommen», müsse sie die Konsequenzen ziehen.
Über einen Parteiausschluss sei aber nicht geredet worden.
Teilnehmer des Krisengipfels berichteten ddp, Metzger habe in der
Gremiensitzung einen «schweren Stand» gehabt. Es sei
fraglich, ob sie es «psychologisch» schaffe, ihre Meinung
aufrechtzuerhalten.
In der fünf Stunden dauernden Debatte wurde deutlich, dass mehrere
Abgeordnete der Landtagsfraktion frühzeitig von den Bedenken
Metzgers gegen Ypsilanti gewusst, dies aber nicht weitergegeben hatten.
Ein Redner sprach von einer «Sauerei», man habe die
Vorsitzende «ins offene Messer» laufen lassen.
Allerdings wurde auch heftige Kritik an der Annäherung zur
Linkspartei laut. Redner sprachen von einem
«Himmelfahrtskommando». Ein Großteil der SPD sei
durch den Schwenk zur Linkspartei «vergewaltigt worden».
Der Tolerierungskurs habe die Partei so tief gespalten «wie seit
der Agenda 2010 nicht mehr».
Offenbar kursiert in der Partei auch eine deutliche Angst vor
Neuwahlen: «Unser Wahlergebnis wäre im sächsischen
Bereich», sagte ein Redner. In Sachsen war die SPD bei der
Landtagswahl 2004 nur auf 9,8 Prozent gekommen.
(Quelle: ddp)
Metzger denkt über Mandatsverzicht nach
So.09.03.08 - Im SPD-Debakel um eine Regierungsbildung in Hessen zeichnet sich
möglicherweise eine überraschende Wende ab. Die hessische
SPD-Landtagsabgeordnete Dagmar Metzger erwägt, ihr Mandat
niederzulegen. Metzger hatte sich zuvor gegen eine Zusammenarbeit der
SPD mit der Linken ausgesprochen. Damit hatte sie den Plan von SPD-
Chefin Andrea Ypsilanti für eine von der Linken tolerierte
rot-grüne Minderheitsregierung zunächst vereitelt.
(Quelle: dpa)
Wortbrüche und Lügen in der Politik
So.09.03.08 - «Tricksilanti» oder «Lügilanti»: Seit
Hessens SPD-Chefin Andrea Ypsilanti erklärte, die Hilfe der Linken
zu suchen, musste sie schwere Prügel einstecken - weil sie es
vorher anders versprochen hatte. Am Freitag kam die Kehrtwende.
Ypsilanti konnte eine Abweichlerin in der SPD nicht umstimmen und will
sich nun doch nicht zur Ministerpräsidentin wählen lassen. Das
Eingeständnis vor wenigen Tagen, ihr Versprechen zu brechen, war
ihr nach eigenen Worten schwergefallen. «Wortbruch kann viele
Facetten haben», entschuldigte sich Ypsilanti. Lügen,
Tricksereien und umstrittene taktische Manöver sind in der Politik
keine Seltenheit. Beispiele gibt es viele - unter anderem von Uwe
Barschel, Richard Nixon, Bill Clinton, Helmut Kohl und auch von
Ypsilantis Gegenspieler Roland Koch.
«Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort, dass die gegen mich erhobenen
Vorwürfe haltlos sind», versicherte schweißgebadet der
schleswig- holsteinische Ministerpräsident Barschel, als 1987
schmutzige Wahlkampftricks der CDU Schlagzeilen machten. Auch Barschels
SPD- Rivale Björn Engholm hatte damals keine ganz weiße
Weste. Als «Waterkantgate» sorgt der Fall bis heute immer
mal wieder für Gesprächsstoff. Fast in Vergessenheit geraten
ist dagegen, wie sich der spätere Bundesinnenminister Friedrich
Zimmermann (CSU) wegen eines Falscheides den Spitznamen «Old
Schwurhand» einhandelte.
Dabei ist die politische Lüge keine Besonderheit der deutschen
Politik. In den USA zum Beispiel nahmen es mehrere Präsidenten mit
der Wahrheit nicht so genau. «Ich hatte keine sexuelle Beziehung
mit dieser Frau»: Mit dieser wolkigen Umschreibung bog Bill
Clinton sein Verhältnis mit Praktikantin Monica Lewinsky zurecht.
George Bush senior ist den Amerikanern mit dem Spruch «Read my
lips» («Lest es von meinen Lippen ab») im
Gedächtnis, als er unzutreffend versicherte, es werde keine
Steuererhöhung geben. Und Richard Nixon kostete die
«Watergate»-Affäre sogar das Amt.
Hierzulande hängt dem CDU-Politiker Norbert Blüm noch immer
an, dass er als Arbeitsminister immer wieder beteuerte, die Rente sei
«sischä». Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) machte 1991
als querliegender «Umfaller» Schlagzeilen, weil entgegen den
Ankündigungen nach der Wiedervereinigung doch die Steuern
erhöht wurden. SPD-Nachfolger Gerhard Schröder steckte
für unerfüllte Wahlversprechen zum Abbau der Arbeitslosigkeit
ebenfalls viel Kritik ein.
Eine unrühmliche Figur machten CDU-Politiker beim Lavieren in der
Spendenaffäre. «Ich kenne bis zum heutigen Tag keinen
einzigen Vorgang außerhalb der offiziellen Buchhaltung der
Christlich- Demokratischen Union», sagte Roland Koch im Januar
2000. Kurze Zeit später musste er gestehen, dass der
Rechenschaftsbericht der Landespartei manipuliert war. Altkanzler Kohl
weigert sich bis heute, Namen von Spendern zu nennen.
Welchen Rang Ypsilantis Wortbruch in dieser Chronik einnimmt, wird
unterschiedlich bewertet. «Der Fall Ypsilanti ist insofern
drastisch, als dass es sich hierbei um ein zentrales Versprechen
gehandelt hat», findet der Düsseldorfer
Politikwissenschaftler Stefan Marshall. Solche Vorgänge untergraben
nach seiner Meinung die Glaubwürdigkeit der Politik. «Das
Vertrauensverhältnis zwischen den Bürgern und ihren
Vertretern nimmt Schaden.»
Dagegen sagt Geschichtsprofessor Paul Nolte von der Freien
Universität Berlin: «Rein sachlich sollte man das nicht so
hoch hängen.» Im Vergleich zu anderen Fällen sieht er
«wenig Skandalisierungspotenzial» bei Ypsilanti
persönlich; die Folgen für die Partei seien allerdings
dramatisch. Ein im Wahlkampf gegebenes Versprechen nicht mehr halten zu
können, ist für Nolte etwas anderes, als über etwas
Geschehenes zu lügen oder ein falsches Ehrenwort vom Kaliber der
Barschel-Affäre abzugeben. Er rät von «allzu viel
Selbstgeißelung» ab. Etwaige Gespräche mit der
Linkspartei haben sich für Ypsilanti ohnehin erledigt, das ist seit
Freitag klar.
(Quelle: dpa)
SPD-Streit über künftige Ausrichtung neu entflammt
So.09.03.08 - Der Streit zwischen den SPD-Flügeln über die künftige
Ausrichtung der Partei ist neu entflammt.. Der Sprecher des linken
Flügels, Björn Böhning, gab den SPD-Rechten am Samstag
die Schuld an der schwierigen Lage durch die Vorgänge in Hessen.
Umgekehrt griff Fraktionschef Peter Struck die hessische
Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti an. Diese erhielt aber die
Rückendeckung ihres Landes-Vorstands. Führende SPD-Vertreter
reagierten auf Berichte über eine mögliche Ablösung von
Parteichef Kurt Beck mit demonstrativen Solidaritätsadressen. Die
Folgen der Lage in Hessen, die in der SPD als desaströs gewertet
wird, sollen Sonntag bei einem Krisentreffen mit Beck beraten werden.
Der Rückzieher Ypsilantis von ihrem Kooperationsplan mit der
Linkspartei wurde auch in der SPD als schwere neue Belastung für
Beck gesehen. Dieser hatte einen Kurswechsel seiner Partei eingeleitet,
indem er den Landesverbänden freie Hand für eine solche
Zusammenarbeit gab. Er hatte dafür in der Sache und wegen
mangelnder Abstimmung scharfe Kritik bis in die engste Führung
geerntet. Beck selbst hat wegen einer Grippe seit fast zwei Wochen
öffentlich nicht in den Streit eingegriffen. Er will am Sonntag
mit der engen Parteiführung die Präsidiumssitzung am Montag
vorbereiten. Beck-Vize und Außenminister Frank-Walter Steinmeier
sagte am Freitag, es gebe Gesprächsbedarf. Beck will sich Montag
ausführlich öffentlich zur Lage äußern.
In der SPD wurden neue Berichte über Becks Ablösung als
Versuch gewertet, Druck auf ihn zu auszuüben. Die "Bild"-Zeitung
schrieb, bei einer Schaltkonferenz führender Sozialdemokraten sei
die Möglichkeit beraten worden, den früheren Vizekanzler
Franz Müntefering übergangsweise zum Parteichef zu machen.
Dieser hat sich aber aus der Politik weitgehend zurückgezogen, um
seine schwer kranke Frau zu pflegen. Als Alternative zu Beck wird immer
wieder Beck-Vize und Außenminister Frank-Walter Steinmeier
genannt, der auch gegen eine Öffnung nach links ist. Vor allem im
rechten SPD-Flügel wird Becks Führung angezweifelt.
SPD-Generalsekretär Hubertus Heil trat Berichten über eine
mögliche Ablösung Becks entgegen. "Das hat keine reale
Basis", sagte er im Deutschlandfunk zum Bericht der "Bild"-Zeitung. Er
glaube nicht, dass es solche Bemühungen gebe. "Wir haben einen
Parteivorsitzenden, der hat große Unterstützung in der
Partei."
Auch weitere SPD-Vertreter reagierten mit Bekenntnissen zu Beck. Dieser
sei "unumstritten", sagte Böhning für die Linken, die Beck
seit Tagen gegen Kritik verteidigen. Der Sprecher der zentristischen
Netzwerker, Christian Lange, sagte im Deutschlandradio, Beck solle in
jedem Fall Vorsitzender bleiben. Auch der Sprecher der rechten
"Seeheimer", Klaas Hübner, sagte "Focus": "Kurt Beck bleibt
Parteivorsitzender." Fraktionschef Peter Struck sagte der "Welt am
Sonntag", man könne Beck keine Mitschuld an der Lage geben.
Die SPD-Linken griffen angesichts dieser Lage den rechten Flügel
an. "Die Parteirechte ist nicht in der Lage, ... unseren gemeinsam
beschlossenen Kurs zu verteidigen", sagte Böhning der "Bild am
Sonntag". Auf Drängen Becks hatte sich die ganze SPD-Spitze hinter
den Kompromiss, den Landesverbänden freie Hand für
Kooperationen mit der Linken zu geben, diese im Bund aber weiter
auszuschließen. Beck-Vize und Finanzminister Peer Steinbrück
hatte die Öffnung zu den Linken kritisiert.
Die Bundes-SPD versuchte weiterhin, die hessische SPD zur
Hauptverantwortlichen für den Streit zu machen. Struck warf
Ypsilanti vor, sie habe gegen den Rat der Bundespartei die Tolerierung
durch die Linke angestrebt. "Die Entscheidung war kontraproduktiv zu
dem, was wir in Bezug auf die Linke auf Bundesebene planen."
Ypsilanti wies die Kritik gestärkt durch die Rückendeckung
der Hessen-SPD zurück, indem sie auf den Beschluss der Bundes-SPD
hinwies, den Landesverbänden freie Hand zu lassen. Sie habe breite
Rückendeckung für ihren Kurs bekommen, die amtierende
Minderheitsregierung von CDU-Ministerpräsident Roland Koch
parlamentarisch unter Druck zu setzen, sagte sie nach einer Sitzung des
Landesvorstands. Sie hatte den Plan zur Wahl mit der Linken aufgegeben,
da Widerstand einer Abgeordneten die Mehrheit gefährdete.
Ypsilanti legte der Abgeordneten Dagmar Metzger mit Billigung der
Partei den Verzicht auf ihr Landtagsmandat nahe.
(Quelle: rtr)
Juso-Chefin hält Koalition mit Linken im Bund für möglich
So.09.03.08 - Für die SPD darf nach Meinung der Juso-Vorsitzenden Franziska
Drohsel auch eine Zusammenarbeit mit der Linkspartei im Bund 2009 nicht
länger tabu sein. "Man sollte jetzt nichts ausschließen",
sagte Drohsel dem Berliner "Tagesspiegel am Sonntag". Es gelte, sich
inhaltlich mit der Linken auseinanderzusetzen. "Dann wird man sehen, was
sich entwickelt." Bündnisfragen würden von Inhalten
abgeleitet. Ob es 2009 tatsächlich unüberbrückbare
Hindernisse für eine Regierungszusammenarbeit geben werde,
könne "man jetzt noch nicht sagen".
Den Kurswechsel von SPD-Chef Kurt Beck im Umgang mit der Linken in den
westlichen Bundesländern wertete Drohsel als "riesigen Schritt"
für einen "inhaltlichen Klärungsprozess" zwischen beiden
Parteien. "Wenn man mehr soziale Gerechtigkeit durchsetzen will, muss
man sich die Frage stellen, woher die parlamentarischen Mehrheiten
kommen sollen", sagte die Juso-Chefin. "Und da ist die Linke für
mich eine zu prüfende Option, die durch das Ende einer pauschalen
Verteufelungspolitik näher gerückt ist."
(Quelle: afp)
Petra Roth statt Koch? Planspiele in Hessen
So.09.03.08 - Bei der schwierigen Regierungsbildung in Hessen ist Frankfurts
Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) als Ministerpräsidentin
ins Gespräch gekommen. Dem Vernehmen nach gibt es Bemühungen
um ein Bündnis von CDU, FDP und Grünen (Jamaika- Koalition),
das von Roth geführt werden könnte.
Ein Sprecher der CDU-Politikerin sagte am Samstag der Deutschen
Presse-Agentur dpa in Frankfurt: «Frau Roth verfügt über
die nötigen Qualifikationen, um eine solche Zusammenführung
zu begleiten. Sie kann in der Lage sein, eine Jamaika-Koalition
herbeizuführen.» Immerhin sei Frankfurt die Stadt, in der
eine schwarz-grüne Koalition seit Jahren funktioniere.
Einen Bericht der «Leipziger Volkszeitung», der Roth als
mögliche Ministerpräsidenten-Kandidatin nennt, dementierte der
Sprecher nicht. Die Oberbürgermeisterin gehe jedoch davon aus,
dass «Herr Koch eine regierungsfähige Mehrheit wird bilden
können». Nach Informationen der Zeitung könnte der
amtierende hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) unter
gewissen Bedingungen bereit sein, als Fraktionsvorsitzender und
CDU-Landeschef dieses Bündnis vom Parlament aus zu stabilisieren.
Laut Zeitung befassen sich bereits Führungspolitiker von CDU, FDP
und Grünen mit diesen Plänen und haben Gespräche
geführt. Insbesondere die FDP dringe darauf.
Der Vorsitzende der CDU-Nachwuchsorganisation Junge Union, Philipp
Mißfelder, forderte die Grünen in Hessen dazu auf, sich
für ein Jamaika-Bündnis zu öffnen. «Jetzt liegt es
an den Grünen, mit der CDU und der FDP eine stabile Regierung zu
bilden. Die Grünen müssen sich jetzt bewegen», sagte
Mißfelder der «Westdeutschen Allgemeinen Zeitung».
(Quelle: dpa)
FDP schließt Ampel auf Bundesebene nicht mehr aus
So.09.03.08 - Der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle schließt ein
Regierungsbündnis mit SPD und Grünen auf Bundesebene nicht
mehr grundsätzlich aus. Anders als bei den Landtagswahlen in Hessen
und Hamburg sehe er "keine Notwendigkeit für Ausschlussklauseln -
außer gegenüber Links- und Rechtsaußen", sagte
Westerwelle dem "Spiegel". In beiden Bundesländern hatte die FDP
ausschließlich auf eine Koalition mit der CDU gesetzt. "Wir
dürfen uns nur noch auf eines verlassen: auf uns selbst", sagte
Westerwelle.
Der FDP-Chef empfahl, die Liberalen sollten "Koalitionsaussagen
künftig nur auf Gegenseitigkeit beschließen". Der
stellvertretende Parteivorsitzende Andreas Pinkwart forderte die FDP
ebenfalls zu einem Kurswechsel auf. Die Liberalen sollten künftig
stärker ihre Eigenständigkeit betonen und notfalls auf
Koalitionsaussagen verzichten. "Wir müssen uns niemandem
anbiedern", sagte Pinkwart der Zeitung "Die Welt". Die strikte
Koalitionsaussage seiner Partei in Hessen zugunsten der CDU halte er
für falsch. "Eine solche Festlegung hätte ich nicht
getroffen", sagte Pinkwart. Die FDP müsse "grundsätzlich in
verschiedene Richtungen mindestens gesprächsfähig bleiben. Das
halte ich für zwingend", betonte der Parteivize.
Westerwelle übte zugleich scharfe Kritik an der CDU/CSU und
Bundeskanzlerin Angela Merkel: Die Union verabschiede sich vom
"schwarzgelben Projekt der Erneuerung der sozialen Marktwirtschaft", ihr
sei "inhaltlich nichts mehr wirklich wichtig, sie ist eine Partei
größter Beliebigkeit geworden". Die Union unter Führung
von Merkel wolle nur noch regieren, "um jeden Preis, mit jedem faulen
Kompromiss und egal mit welchem Partner".
Zugleich sagte der FDP-Chef, er habe sich nie vorstellen können,
dass der SPD-Vorsitzende Kurt Beck, der in Rheinland-Pfalz zwölf
Jahre mit der FDP gemeinsam regiert habe, "die SPD derart rasant nach
links" führe. Vielmehr habe er gedacht, Außenminister
Frank-Walter Steinmeier (SPD) sei "eher der Wankelmütige, ganz wie
sein Lehrherr Gerhard Schröder". Doch da müsse er "Abbitte
leisten".
(Quelle: afp)
Offener Streit in Bundesregierung über Post-Mindestlohn
So.09.03.08 - In der Bundesregierung wird offen über den Mindestlohn für
Briefträger gestritten, nachdem ein Gericht die Lohnuntergrenze
für unzulässig erklärt hat.
Das Urteil des Berliner Verwaltungsgerichts sei ein Sieg für den
Wettbewerb, sagte Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) dem
Magazin "Focus" nach Vorabbericht vom Samstag. "Es zeigt, dass
Mauscheleien vor Gericht keinen Bestand haben." Am Freitag hatten die
Richter entschieden, dass die von der Bundesregierung erlassene
Mindestlohn-Verordnung für Briefdienste rechtswidrig sei, und
damit Konkurrenten der Deutschen Post AG recht gegeben. Das
SPD-geführte Arbeitsministerium, das auf den Post-Mindestlohn
gedrungen hatte, will das Urteil anfechten.
"Die Tatsache, dass das Arbeitsministerium reflexartig Berufung
angekündigt hat, erinnert an die alte Volksweisheit: Ein
getroffener Hund bellt", sagte Glos. Arbeitgeberpräsident Dieter
Hundt forderte in der "Bild am Sonntag" die Bundesregierung auf, auf
"den Weg der Vernunft" zurückzukehren. "Sie sollte Wettbewerb in
der Post-Branche ermöglichen statt über ein
Berufungsverfahren weiter Existenzen und Arbeitsplätze vor allem
im Mittelstand zu zerstören."
Der Mindestlohn für Briefträger zwischen 8,00 Euro und 9,80
Euro war zwischen dem von der Deutschen Post dominierten
Arbeitgeberverband Postdienste und der Gewerkschaft Verdi ausgehandelt
und von der Bundesregierung für allgemeinverbindlich erklärt
worden. Der Bundesverband der Kurier-Express-Post-Dienste sieht seine
etwa 200 Mitgliedsunternehmen durch die Lohnhöhe überfordert.
Der Verband hatte Mitte Dezember 2007 mit der neuen Gewerkschaft "Neue
Brief- und Zustelldienste" einen Tarifvertrag für alle
tarifgebundenen Betriebe geschlossen. Der ab dem 1. Januar 2008
vereinbarte Bruttomindestlohn liegt unterhalb der per Verordnung
festgelegten Mindestlöhne.
Das Berliner Verwaltungsgericht urteilte, in den Mindestlohn
dürften nur tariflich nicht gebundene Arbeitgeber und Arbeitnehmer
einbezogen werden. "Die Erstreckung des Mindestlohns auf die gesamte
Branche Briefdienstleistungen ist rechtswidrig", hieß es. Damit
habe der Bundesarbeitsminister die gesetzliche Ermächtigung
überschritten. Diese erlaube nur Verordnungen, die überhaupt
nicht tarifgebundene Arbeitgeber und Arbeitnehmer betreffen.
(Quelle: rtr)
Bundesbank machte 2007 4,1 Milliarden Euro Gewinn
So.09.03.08 - Die Bundesbank hat Finanzminister Peer Steinbrück einem
Magazinbericht zufolge im vergangenen Jahr mehr Gewinn beschert als
geplant.
Der "Spiegel" berichtete am Samstag vorab, der Gewinn 2007 liege mit
4,1 Milliarden Euro über den von Steinbrück einkalkulierten
3,5 Milliarden. Die zusätzlichen 600 Millionen sollten für
die Rückzahlung von Altschulden aus dem Erblastentilgungsfonds
verwendet werden. Ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums sagte, ihm
liege der Bericht über das Jahr 2007 noch nicht vor.
Das Ergebnis der Bundesbank wurde dem Magazinbericht zufolge durch den
schwachen Dollarkurs belastet. Dagegen hätten sich die
Zinseinnahmen aus Wertpapieren besser entwickelt, in denen die
Bundesbank einen Teil ihrer Währungsreserven angelegt hat. Die
Bank will das Jahresergebnis 2007 am kommenden Dienstag vorstellen.
(Quelle: rtr)
DIW rechnet mit weiterem Anstieg der Gaspreise
So.09.03.08 - Die Gaskunden in Deutschland müssen sich nach Expertenmeinung auf
eine weitere kräftige Preiserhöhung in den kommenden Monaten
einstellen. Die Energieexpertin des Deutschen Instituts für
Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, Claudia Kemfert, sagte der
«Bild»-Zeitung: «Es ist zu befürchten, dass der
Gaspreis bis Ende des Sommers noch einmal um 10 Prozent steigen
wird.» Die Wissenschaftlerin begründete ihre Prognose mit dem
hohen Ölpreis, der mit mehrmonatiger Verzögerung auch den
Gaspreis steigen lasse.
Durch diese Koppelung sei Gas allerdings heute schon fast doppelt so
teuer wie eigentlich angemessen: «Die Konzerne kassieren durch die
Kopplung des Gas- an den Ölpreis, die nicht mehr
zeitgemäß ist, in ganz großem Stil ab. Gas müsste
viel billiger sein», betonte Kemfert. Das Angebot sei so
groß, dass der Preis bei einem Handel an der Börse 40 Prozent
niedriger liegen könnte.
Auch Strom werde in den kommenden Monaten um durchschnittlich 5 Prozent
teurer. Angesichts der starken Preiserhöhungen warnte Kemfert,
Energie werde für immer mehr Bundesbürger unbezahlbar.
«Benzin, Heizen und Strom werden vor allem für
einkommensschwache Haushalte zum Luxusgut, sind es teilweise heute
schon», sagte die DIW-Expertin. Sie forderte die Energiekonzerne
auf, faire Preise anzubieten. Auch der Staat müsse mit
Sonderzahlungen einkommensschwachen Haushalten helfen.
Vor wenigen Tagen Woche hatten die deutschen Wettbewerbsbehörden
ihren Kampf gegen hohe Gaspreise verstärkt: Das Bundeskartellamt
leitete gegen 35 führende Gasversorger Missbrauchsverfahren ein.
Den Unternehmen wird vorgeworfen, 4 Millionen Haushaltskunden
überhöhte Preise in Rechnung gestellt zu haben.
(Quelle: ap)
Auch Preise für Lebensmittel sollen weiter steigen
So.09.03.08 - Die Preise für Lebensmittel werden nach Angaben der Industrie bis
zum Jahresende um mindestens 4 bis 5 Prozent steigen. «Wir
wären froh, wenn wir die Preise nicht erhöhen müssten.
Aber die Lage auf den Rohstoffmärkten lässt uns keine andere
Wahl», sagte der Vorsitzender der Bundesvereinigung der Deutschen
Ernährungsindustrie, Jürgen Abraham, der
«Wirtschaftswoche» laut Vorabmeldung.
Er gehe davon aus, dass es ab Mitte des Jahres einen neuen Preisschub
bei Süß- und Teigwaren geben werde. «Auch die
Fleischpreise werden deutlich über fünf Prozent
steigen», sagte Abraham. Weltweit seien die Preise für
Agrarprodukte explodiert. «Und die wachsende Nachfrage aus
Ländern wie China und Indien treibt diese Entwicklung weiter
voran.» Nach rund 20 Jahren, in denen sich die Verbraucher daran
gewöhnt hätten, dass Nahrungsmittel immer billiger
würden, kehre sich die Entwicklung jetzt um.
(Quelle: ap)
Wirtschaftsverbände kritisieren Arbeitskämpfe
So.09.03.08 - Führende Wirtschaftsverbände haben den anstehenden
Arbeitskampf der Lokführergewerkschaft GDL und die jüngsten
Warnstreiks im öffentlichen Dienst massiv kritisiert. Der
Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und
Handelskammertages (DIHK), Martin Wansleben, warnte in der
«Bild»-Zeitung (Samstagausgabe) vor einem Missbrauch des
Streikrechts. «Das Streikrecht ist ein hohes Gut, mit dem man
verantwortlich umgehen muss. Es ist mehr als problematisch, wenn
zunehmend Arbeitnehmer in Schlüsselpositionen weite Teile des
Landes lahm legen», sagte Wansleben.
Als «maßlos» bezeichnete Hanns-Eberhard Schleyer,
Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH),
die GDL-Ankündigung von unbefristeten Streiks. Er forderte
Wirtschaft und Bürger auf, sich gegen die Streikpläne zu
stellen.
Auch der Arbeitgeberverband Gesamtmetall warnt vor dem drohenden Streik
bei der Bahn und möglichen Folgen für die deutsche Wirtschaft.
«Ein längerer Bahnstreik hätte unmittelbar
schwerwiegende wirtschaftliche Folgen, mittelbar würden erneut
Zweifel an der Solidität unseres Standorts aufbrechen», sagte
Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser den «Ruhr
Nachrichten» (Samstagausgabe).
Der Gesamtmetall-Präsident mahnte die Beteiligten, in dem
Tarifkonflikt Zugeständnisse zu machen. «Das Bahn-Management
und die Lokführer sollten sich daher ihrer gemeinsamen
Verantwortung bewusst sein. Diesen Tarifkonflikt versteht
niemand», sagte Kannegiesser.
Der Präsident des Deutschen Instituts für
Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, kritisierte die Streiks.
In der «Neuen Osnabrücker Zeitung» (Samstagausgabe)
riet Zimmermann den öffentlichen Arbeitgebern, den Streik, für
den er «wenig Verständnis» habe, notfalls auszusitzen.
Zwar sei zum ersten Mal seit Jahren die Gesamtlage «so
hinreichend besser», dass Streiks als Mittel der
Tarifauseinandersetzung wieder vertretbar seien. Der öffentliche
Dienst gehöre aber gerade nicht zu den Branchen, die den momentanen
Aufschwung trügen, sagte der DIW-Chef.
(Quelle: ddp)
Streit mit Porsche: VW-Betriebsrat bleibt hart
So.09.03.08 - Im erbitterten Streit um die Mitbestimmung in der geplanten
Porsche-Holding hat der VW-Betriebsrat weiter harten Widerstand gegen
den Sportwagenhersteller angekündigt. «Wir machen
weiter», sagte der VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh dem
«Handelsblatt».
«Was soll ich denn meinen Kollegen sagen? War alles
Quatsch?» Die Stimmung sei inzwischen spürbar erhitzt. Nach
Informationen der Branchenzeitung «Automobilwoche» bereitet
die Arbeitnehmerseite im VW-Aufsichtsrat weitere juristische Schritte
gegen die Aufstockung des Porsche- Anteils vor. «Wenn Porsche die
50 Prozent-Schwelle bei der VW- Beteiligung überschreitet, klagen
wir erneut», zitiert die Zeitung ein Aufsichtsratsmitglied.
Der Porsche-Aufsichtsrat hatte am vergangenen Montag grünes Licht
für eine Aufstockung der Anteile von knapp 31 auf mehr als 50
Prozent gegeben. Zwischen dem VW-Betriebsrat und dem Stuttgarter
Sportwagenbauer tobt seit Monaten ein heftiger Konflikt über die
Mitbestimmung in der neuen Holding. Die Betriebsratsvorsitzenden Uwe
Hück (Porsche) und Bernd Osterloh (VW) kämpfen dabei um ihren
Einfluss und die Besetzung in dem Gremium. Sollten sich beide Seiten
nicht einigen, wird das Stuttgarter Arbeitsgericht im April über
eine Klage des VW-Betriebsrats gegen die Vereinbarung entscheiden.
VW-Vorstandchef Martin Winterkorn befürchtet, dass Europas
größter Automobilbauer durch den Dauerstreit Schaden nehmen
kann. «Ich bin sicher, die Beteiligten werden sich arrangieren.
Die wissen dass sie VW nicht beschädigen sollten und ihren Streit
beenden müssen», sagte er der «Automobilwoche».
Osterloh kündigte indes im «Handelsblatt» an:
«Wir werden das aber rechtlich voll durchziehen, durch alle
Instanzen. Das kann dann allerdings ein paar Jahre dauern.»
(Quelle: dpa)
Computer
Softwarekonzern SAP setzt bei Innovationen auf Standort Deutschland
So.09.03.08 - Der Softwarekonzern SAP setzt bei Innovationen nach wie vor besonders
auf den Standort Deutschland. «Ein Großteil der
Forschungsausgaben wird in Deutschland getätigt».
Das sagte der für Forschung und Entwicklung zuständige
Konzernvorstand Peter Zencke in einem Gespräch mit der Deutschen
Presse-Agentur dpa. Etwa die Hälfte der Forschungsausgaben des
Konzerns würden ins Inland fließen. Rund 250 der 500
Menschen, die für den Walldorfer Weltmarktführer für
Unternehmenssoftware forschen, arbeiten in Deutschland. Allerdings seien
in den vergangenen Jahren Forschung und Entwicklung im Ausland
ausgebaut worden. Andere wichtige Standorte seien mittlerweile die USA,
Indien und China.
«Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung sind in den
vergangenen Jahren gewachsen», sagte Zencke. Im vergangenen Jahr
habe der Konzern mit Sitz im Rhein-Neckar-Kreis 14 Prozent seines
Umsatzes dafür ausgegeben. In den Jahren 2006 und 2005 flossen 13
Prozent der Erlöse in Innovationen, von 2001 bis 2004 waren es rund
12 Prozent.
«Forschung und Entwicklung sind ein vielschichtiges,
mehrdimensionales Abenteuer», sagte Zencke. «Wir müssen
herauszufinden, was in drei bis fünf Jahren die entscheidende
Technologie ist und welche Bedürfnisse die Kunden haben. Das sind
die beiden wichtigsten Bestandteile.» Bedeutende Forschungs- und
Entwicklungszentren von SAP in Deutschland seien in Walldorf,
Karlsruhe, Darmstadt und Dresden.
Eines der größten Projekte des Walldorfer DAX-Unternehmens
in den vergangenen Jahren war Zencke zufolge die Entwicklung der
Mittelstandssoftware «SAP Business ByDesign». Dafür
hatte das Unternehmen auf der CeBIT in Hannover den Innovationspreis der
Initiative Mittelstand bekommen. Mit der Ehrung werden Produkte
ausgezeichnet, die mittelständische Unternehmen unterstützen
und deren Wettbewerbsfähigkeit stärken. Rund 2000 Menschen
arbeiteten seit vier Jahren an der neuen Unternehmenssoftware, allein
1200 davon in Deutschland, sagte Zencke.
Produkte wie die neue Mittelstandssoftware seien für SAP wichtig,
«um neue Segmente zu erreichen und Innovationsführerschaft zu
zeigen», sagte Zencke. Bis zum Jahr 2010 wolle SAP etwa die
Hälfte seines Umsatzes mit solchen neuen Produkten machen. Der
Anteil für Forschung und Entwicklung solle bis dahin allerdings
wieder auf etwa 12 Prozent des Konzernumsatzes zurückgehen. Ein
Grund dafür sei, dass dann der Großteil der
Entwicklungsarbeit für «Business ByDesign»
abgeschlossen sei.
Neu an der Mittelstandssoftware sei unter anderem die Vertriebsform,
sagte Zencke. So werde die Softwarelizenz nicht mehr verkauft, sondern
vermietet. «Die Software läuft nicht auf den Computern der
Kunden, sondern in einem SAP-Rechenzentrum. Der Kunde muss sich nicht
mehr um die technische Infrastruktur kümmern.» Ziel des neuen
Produkts sei, die Nutzung von Informationstechnologie für
mittelständische Unternehmen deutlich zu vereinfachen. Bisher
arbeitet SAP mit 150 Kunden, 70 davon sitzen in Deutschland. Noch in
diesem Jahr erwartet Zencke, dass die Zahl bis auf 1000 Kunden
wächst. Die Software richtet sich vor allem an Unternehmen mit 100
bis 500 Mitarbeitern.
(Quelle: dpa)
Erste Ambulanz für Computerspiel- und Internet-Sucht
So.09.03.08 - Eine Spielsucht-Ambulanz ist jetzt am Universitätsklinikum Mainz
eröffnet worden. Neben dem Pathologischen Glücksspiel soll
hier erstmalig in Deutschland auch Computerspiel- und Internet-Sucht
behandelt werden. Betroffene werden gruppentherapeutisch betreut.
Das Klinikum reagiert damit auf einen steigenden Bedarf. "In unserer
täglichen Arbeit häufen sich Anfragen hinsichtlich der
exzessiven und inadäquaten Nutzung moderner Medien vor allem im
Kinder- und Jugendbereich", erläutert Professor Manfred Beutel,
Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und
Psychotherapie.
Wissenschaftliche Studien weisen darauf hin, dass etwa sechs bis neun
Prozent der untersuchten Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die sich
mit Computerspielen beschäftigen, abhängig sind. Trotz
steigender Fallzahlen besteht für die Patienten häufig ein
Versorgungsdefizit. Mit Hilfe des neuen Modellprojektes soll diese
Lücke zumindest in Mainz geschlossen werden.
(Quelle: gp)
'Stromfresser' Internet - Institut sieht noch großes Potenzial
So.09.03.08 - Das Internet als «Stromfresser»: Das Herunterladen einer
elektronischen Zeitung verbraucht umgerechnet genauso viel Strom wie ein
kompletter Waschgang einer Waschmaschine - zu diesem verblüffenden
Ergebnis kommt das Berliner Institut für Zukunftsstudien und
Technologiebewertung (IZT).
Für den Download eines «E-Paper» werde eine
große Datenmenge und damit ein hoher Energieaufwand benötigt,
insgesamt 0,85 Kilowattstunden, sagte IZT- Experte Siegfried Behrendt
am Freitag auf der CeBIT in Hannover. «Green IT»,
umweltfreundlichere Informationstechnologie, ist ein Top- Thema der
Computermesse.
Behrendt sagte, das Internet sei aus ökologischer Sicht
«wenig effizient». Notwendig sei der Einsatz
energieeffizienter Server und Prozessoren sowie das Umsteigen auf
Ökostrom. Bei den Hauptstromverbrauchern in der IT-Branche, den
Rechenzentren, könne alleine durch eine intelligente
Abwärmenutzung die Energieeffizienz verdoppelt werden, sagte
Behrendt. Wenn sich in den Rechenzentren dagegen nichts ändere,
werde der Stromverbrauch drastisch steigen.
(Quelle: dpa)
Klima
Orkantief 'Emma' verursacht Schäden von einer Milliarde Euro
So.09.03.08 - Das Orkantief «Emma» hat die Versicherungen europaweit
voraussichtlich eine Milliarde Euro gekostet. Der größte Teil
der Schäden sei in Deutschland entstanden, erklärte ein
Sprecher des Rückversicherers Münchner Rück am Freitag.
Daneben seien auch Österreich, Tschechien und Polen betroffen.
Die Schäden durch «Emma» seien aber längst nicht
so hoch wie nach dem Orkantief «Kyrill», das vor einem Jahr
in Europa wütete, erklärte der Sprecher. Damals seien
Schäden in Höhe von 4,5 Milliarden Euro entstanden. Die
Münchner Rück bezifferte ihre Schadensbelastung durch
«Emma» vor Steuern auf einen mittleren bis hohen
zweistelligen Millionenbetrag. Das Orkantief war am vergangenen
Wochenende über Mitteleuropa gezogen, dabei waren 13 Menschen
getötet und zahlreiche verletzt worden.
(Quelle: ap)
Wissenschaft
Meeresspiegel der Kreidezeit lag 170 Meter höher als heute
So.09.03.08 - Im Treibhausklima der späten Kreidezeit lag der Meeresspiegel etwa
170 Meter höher als heute. Das geht aus einem ersten umfassenden
Modell der Ozeanentwicklung hervor, das ein australisch-norwegisches
Wissenschaftlerteam im US-Fachjournal «Science» (Bd. 319, S.
1357) vorstellt.
Auf der heutigen Landkarte wären bei einem derart hohen
Wasserstand weite Teile Südamerikas und Europas überflutet.
Weite Teile Großbritannien sowie die Nordhälften Deutschlands
und Frankreichs gäbe es nicht mehr, eine Verbindung von der Ostsee
bis zum Kaspischen Meer wäre schiffbar. Allerdings sah die
Weltkarte wegen der Bewegung der Erdplatten vor 80 Millionen Jahren
ganz anders aus als heute. Heute haben die Meeresbecken durch die
Wanderung der Kontinente ein größeres Fassungsvermögen,
berichtet Forschungsleiter Dietmar Müller von der Universität
Sydney.
Die Schätzungen der Meeresspiegelhöhe während der
Kreidezeit lagen bislang mit 40 bis 250 Meter über dem heutigen
Wert weit auseinander. Die neue Arbeit soll nun diese alte geologische
Kontroverse beenden und könnte Forschern auch helfen, mögliche
großräumige Veränderungen des Meeresspiegels durch die
globale Erwärmung besser abzuschätzen.
Hauptgrund für das Absinken des Meeresspiegels seit der Kreidezeit
ist jedoch nicht die Bildung von Gletschern und Eiskappen, sondern ein
gestiegenes Fassungsvermögen der Ozeanbecken. So war das Weltmeer
in der Kreidezeit im Schnitt viel flacher. Große Meeresrücken
umspannten den Planeten. Neuer Meeresboden, der dort entstand,
kühlte ab und sank, als er sich von den Rücken entfernte.
Heute existierten viele dieser Meeresrücken nicht mehr, die
Weltmeere seien im Mittel tiefer als früher, berichteten die
Forscher um Müller.
Die Wissenschaftler hatten in mehr als zehnjähriger Arbeit ein
globales Modell der Ozeanentwicklung zusammengetragen. Dafür
kombinierten sie die Daten zum Gesteinsschichten-Aufbau, zur Erdkruste
und zur Erdplatten-Tektonik in den Weltmeeren.
«Wenn wir unser Modell 80 Millionen Jahre in die Zukunft
hochrechnen, können wir voraussagen, dass der Meeresspiegel auf
lange Sicht weiter um etwa 120 Meter fallen wird», erläuterte
Müller. Die britischen Inseln wären dann wegen einer
ausgetrockneten Nordsee europäisches Festland. Auch das Kaspische
Meer wäre ausgetrocknet. «Selbst wenn alles vorhandene Eis
schmilzt, was einen Meeresspiegelanstieg um rund 50 Meter bewirkt,
wäre das Ergebnis in 80 Millionen Jahren unter dem Strich eine 70
Meter tiefe Absenkung des Meeresspiegels durch die unaufhaltbare
Vertiefung des Ozeanbassins. Anders als Treibhausgasemissionen
können wir die Geodynamik des Planeten nicht kontrollieren.»
Mit Blick auf die vom UN-Klimarat beschriebene Erderwärmung sagte
Müller: «Schon ein globaler Meeresspiegelanstieg um einen
Meter durch langsam schmelzende Eisdecken wäre desaströs
für mindestens 60 Millionen Menschen in Küstengebieten
weltweit.» In der fernen Vergangenheit habe es zu
Treibhausklimazeiten allerdings viel größere Schwankungen des
Meeresspiegels gegeben.
(Quelle: dpa)
Raumsonde 'Cassini' entdeckt Ringsystem um Saturnmond Rhea
So.09.03.08 - Nicht nur der Saturn, auch dessen zweitgrößter Mond Rhea ist
von einem Ring umgeben. Das hat ein Astronomenteam unter deutscher
Beteiligung mit der Raumsonde «Cassini» entdeckt.
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Das Ringsystem um Rhea sei das erste, das jemals um einen Mond gefunden
wurde, teilte das Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung im
südniedersächsischen Katlenburg-Lindau am Donnerstag mit. Das
Ergebnis der Untersuchungen, an denen auch britische und amerikanische
Forscher beteiligt sind, ist im US- Fachjournal «Science»
(Bd. 319, S. 1380) veröffentlicht.
Die Sonde «Cassini» umkreist den Saturn seit dem Jahr 2004
und untersucht dabei auch dessen Eismonde. Der nach Titan
zweitgrößte dieser Monde ist Rhea. Dieser Himmelskörper
mit einem Durchmesser von 1 528 Kilometern umläuft seinen
Mutterplaneten in einer mittleren Entfernung von 526 000 Kilometern etwa
alle viereinhalb Tage.
Mit Hilfe spezieller Messinstrumente wie Elektronen- und
Staubdetektoren an Bord von «Cassini» hat das internationale
Wissenschaftlerteam nun heraus gefunden, dass Rhea von einem Ringsystem
umgeben ist. Dieses System ist den Untersuchungen zufolge eine aus
Staub und Steinbrocken bestehende Scheibe mit einem Durchmesser von
mehreren tausend Kilometern.
Ein optischer Nachweis des Ringes sei allerdings noch nicht gelungen,
schreiben die Max-Planck-Forscher. Dies liege wohl unter anderem an der
Verteilung der zentimetergroßen Teilchen. Ideal wäre ein
Blick direkt auf die Ringkante. Bisher sei «Cassinis» Kamera
aber in einer solchen Position noch nicht gewesen.
(Quelle: dpa)
Religion
Wider den heiligen Büchern - Beim Thema Religion macht Günter
Wallraff keine Kompromisse -- Podiumsdiskussion über die Beziehung
der in Deutschland lebenden
Muslime zur deutschen Gesellschaft
So.09.03.08 -
Beim Thema Religion macht Günter Wallraff keine Kompromisse:
«Heilige Bücher gibt es nicht», stellte der Autor
(«Ganz unten») auf dem Literaturfestival lit.Cologne in
Köln fest: «Menschen, die sich im Besitz der einen reinen
Wahrheit wähnen, die grenzen andere aus.» Und Wallraff wusste
gleich ein Beispiel zu benennen: der Papst, für ihn eine
«ganz finstere Gestalt».
Die Frage von Religionen und Werten war nur ein Aspekt der
Podiumsdiskussion, die am Freitagabend für eine gut gefüllte
Aula der Kölner Universität sorgte. Anlässlich der
Debatte um den Bau der Kölner Großmoschee sollte über
die Beziehung der in Deutschland lebenden Muslime zur deutschen
Gesellschaft insgesamt diskutiert werden.
Dabei sprach sich die in Berlin lebende türkische
Rechtsanwältin und Frauenrechtlerin Seyran Ates grundsätzlich
für den Bau von Moscheen aus: «Die Menschen müssen eine
Möglichkeit haben, ihre Religion auszuüben». Vehement
lehnte Ates hingegen das in Köln geplante große Basarareal
auf dem Moschee-Gelände ab: «Hier entsteht ein Bereich, in
dem die türkisch-moslemischen Menschen unter sich bleiben und
keinen Kontakt zu Mehrheitsgesellschaft habe.» Dieser Umstand
begünstige das Entstehen von Parallelgesellschaften.
Skeptisch bewertete Ates auch das Angebot von Integrationskursen
für türkische Frauen, wie sie in Köln zum Beispiel von
der Türkisch-Islamischen Union (Ditib) angeboten werden: «In
diesen Kursen werden die Frauen letztlich in ihrer Welt
´gehalten´ und bekommen keinen Kontakt zur ihrer deutschen
Umgebung». Sie äußerte auch Verständnis für
die Gegner des Kölner Moschee-Projekts: «Wenn man diesen Bau
aufgrund seiner Dimensionen als Machtdemonstration empfindet, dann muss
man das auch sagen dürfen, ohne gleich für einen Rassisten
gehalten zu werden.»
Der Publizist Navid Kermani widersprach der These des Schriftstellers
Ralph Giordano, wonach die Integrationspolitik in Deutschland komplett
gescheitert sei: «Ich denke, wir sind beim Thema Integration im
Alltag weiter als in der politischen Debatte.» Angesichts der
Tatsache, dass es in Deutschland 30 Jahre praktisch überhaupt keine
Integrationspolitik gegeben habe, sei viel erreicht worden.
Dieser optimistischen Einschätzung wollte sich Ates nicht recht
anschließen: «Ich gelte ja als Beispiel für gelungene
Integration, aber das stimmt nicht, solange ich noch gefragt werde, ob
ich im Urlaub in meine türkische Heimat fahre.» Die 1963 in
Istanbul geborene Juristin war als Sechsjährige mit ihren Eltern
nach Berlin gekommen und bezeichnet sich als «deutsche
Türkin».
In einem Punkt waren sich die Diskussionsteilnehmer einig: Die Phase
der Aufklärung, die die christlichen Kirchen durchmachen mussten,
steht dem Islam noch bevor. Um hier einen Schritt voranzukommen, wird
Wallraff in einer moslemischen Begegnungsstätte aus dem
umstrittenen Roman «Die Satanischen Verse» von Salman
Rushdie lesen. Die Veranstaltung stehe fest, Einzelheiten könne er
aber noch nicht nennen, verriet Wallraff. Allerdings werde die Lesung
nicht in Köln stattfinden.
In der Debatte um den Bau der Kölner Großmoschee hatte der
Autor im vergangenen Jahr eine Rushdie-Lesung auf dem Gelände des
islamischen Gotteshauses vorgeschlagen. Die Ditib als Hausherr der
Moschee lehnte die Lesung schließlich ab.
Wegen seiner Darstellung des Propheten Mohammed in den
«Satanischen Versen» war Salman Rushdie im Jahr 1989 vom
damaligen iranischen Staatschef und Religionsgelehrten Ayatollah
Khomeini mit einer sogenannten Fatwa belegt worden. Damit wurden Moslems
auf aller Welt zur Tötung des Schriftstellers aufgefordert. Auch
Wallraff hat nach eigenen Angaben nach seiner Rushdie-Initiative
Morddrohungen erhalten.
(Quelle: ddp)