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Irak am 1447sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mo.10.03.08 - Es liegen keine neuen Nachrichten zum Thema Irak vor.
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 10.03.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am neunhundertvierundachtzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Nahost-Konflikt
Israel siedelt weiter im Westjordanland -- Palästinenser
verurteilen den Siedlungs-Beschluss scharf. -- Ägypten
bemüht sich um Waffenstillstand zwischen Israel und der Hamas
Mo.10.03.08 - Israel hat den Bau Hunderter neuer Wohnungen im Westjordanland
beschlossen.: Regierungschef Ehud Olmert habe grünes Licht
für die Erweiterung der Siedlung Givat Seev nordwestlich von
Jerusalem gegeben, teilte Wohnungsbauminister Seev Boim am
Sonntag mit. Die Entscheidung trage der wachsenden Nachfrage
aufgrund der demografischen Entwicklung Jerusalems Rechnung,
erklärte Boim.
Regierungssprecher Mark Regev verwies darauf, dass das Vorhaben bereits
von früheren Regierungen gebilligt worden sei und Olmert jetzt
einer Wiederaufnahme der Arbeiten zugestimmt habe. An der
Fertigstellung der ursprünglich geplanten 546 Wohnungen wird in
Etappen seit 1999 gearbeitet, sagte Sidis. Er kündigte zugleich
eine Erweiterung des Bauvorhabens auf 800 Wohnungen an.
Die Palästinenser verurteilten die Entscheidung umgehend. Damit
beabsichtige Israel, den Friedensprozess und die Bemühungen der
internationalen Gemeinschaft zu zerstören, sagte der
palästinensische Chefunterhändler Sajeb Erakat der
Nachrichtenagentur AFP. "Diese Regierung hat sich verpflichtet, die
Siedlungen zu räumen und macht nichts anderes, als sie
auszubauen", kritisierte Erakat. Givat Seev ist einer von drei
Siedlungsblöcken im Westjordanland, die Israel auch bei einem
Friedensschluss mit den Palästinensern behalten will. Die
jüdischen Siedlungen sind einer der Hauptstreitpunkte zwischen
Israelis und Palästinensern.
Noch zu Beginn der vergangenen Woche hatte Abbas von einem Abbruch der
Friedensverhandlungen mit Israel gesprochen, nachdem bei der
jüngsten israelischen Militäraktion im Gazastreifen mehr als
120 Palästinenser getötet worden waren. Auf Drängen von
US-Außenministerin Condoleezza Rice nahm Abbas dies aber wieder
zurück. Man wolle den Gesprächsfaden nicht abreißen
lassen. "Es gibt keinen anderen Weg", sagte Präsident Mahmud Abbas.
Auch in Israel war der Ruf nach einem Abbruch der
Friedensgespräche laut geworden, nachdem bei einem Anschlag auf
eine jüdische Religionsschule in Jerusalem acht Menschen ums Leben
gekommen waren. Die Regierung bekundete dennoch ihre Bereitschaft zur
Fortsetzung des Friedensprozesses.
Der genaue Termin für die Fortsetzung der Friedensgespräche
ist noch offen. Der palästinensische Unterhändler Erakat
erklärte, die Gespräche würden wohl am kommenden
Donnerstag nach der Ankunft des Nahost-Gesandten der US-Regierung,
Generalleutnant William Fraser, fortgesetzt. Israelis und
Palästinenser hatten sich auf der Nahost-Konferenz Ende November
vergangenen Jahres in Annapolis in den USA das Ziel gesetzt, bis Ende
2008 ein Friedensabkommen zu schließen und die Gründung
eines Palästinenserstaates einzuleiten.
Ägypten bemüht sich derweil um einen Waffenstillstand
zwischen Israel und der radikalislamischen Hamas, die seit Juni
vergangenen Jahres den Gazastreifen kontrolliert. Ziel ist eine
Einstellung der Raketenangriffe auf Israel. Die israelische Regierung
soll sich im Gegenzug verpflichten, Angriffe auf militante
Palästinenser im Gazastreifen einzustellen und die seit der
Machtübernahme der Hamas andauernde Grenzblockade zu beenden.
Ein Hamas-Sprecher, Fausi Barhum, sagte, seine Organisation sei zu
einer Waffenruhe bereit, die von der Aufhebung der Grenzblockade
begleitet sein müsse. Solange es aber israelische Angriff gebe,
werde auch der Widerstand anhalten.
(Quelle: dw)
Iran zu weiteren Atomverhandlungen mit Europa bereit -- Israels
Präsident bezeichnet den Iran als größtes Problem der
Welt
Mo.10.03.08 - Der Iran ist im Atomstreit zu weiteren Gesprächen mit der
Europäischen Union bereit. «Wir haben zielgerichtete
Verhandlungen immer unterstützt», sagte Mottaki am Sonntag
auf die Frage, ob die Regierung neue Verhandlungen Gesprächen mit
EU-Chefdiplomat Javier Solana aufnehmen wolle.
Erst kürzlich hatte Staatspräsident Mahmud Ahmadinedschad
Verhandlungen mit der EU ausgeschlossen und erklärt, diese Frage
sollte nur noch mit der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
besprochen werden. Teheran hat Vorwürfe zurückgewiesen, es
strebe nach Atomwaffen. Man wolle vielmehr die Atomkraft für
zivile Zwecke nutzen. Trotz Sanktionen der Vereinten Nationen will der
Iran die Urananreicherung nicht aufgeben.
Der israelische Präsident Schimon Peres bezeichnete den Iran als
größtes Problem der Welt. «Der Iran ist eine Gefahr
nicht nur für Israel, sondern auch für den Rest der
Welt», sagte Peres. Das Land sei ein Zentrum des Terrorismus und
entwickele Atomwaffen. Ein iranischer Atomreaktor würde die Welt
nach Ansicht des Präsidenten unregierbar machen. Er fügte
jedoch hinzu, Israel werde nicht im Alleingang gegen das Atomprogramm
des iranischen Regimes vorgehen.
Der frühere kuwaitische Regierungsberater Sami al Faradsch
erklärte, eine Zerstörung der iranischen Atomanlagen
wäre im Interesse der Golfstaaten. Für die Region wäre
es «weniger peinlich», wenn Israel dies übernehme und
nicht die Vereinigten Staaten. In einem Interview mit der Zeitung
«Al Sijassah» sagte Al Faradsch, das iranische Regime
mische sich im Irak, im Libanon und in den palästinensischen
Gebieten ein und treibe einen Keil zwischen Sunniten und Schiiten.
(Quelle: ap)
Pakistans Ex-Regierungschef Sharif koaliert mit Bhutto-Partei
Mo.10.03.08 - Die Sieger der pakistanischen Parlamentswahl haben sich auf die Bildung
einer Koalitionsregierung geeinigt. Der ehemalige
Ministerpräsident Nawaz Sharif von der Pakistanischen Muslimliga
(PML-N) und Asif Ali Zardari von der Pakistanischen Volkspartei (PPP)
schlossen am Sonntag eine entsprechende Vereinbarung.
«Die Koalitionspartner sind bereit, die Regierung zu
bilden», sagte Sharif auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit
Zardari, dem Witwer der ermordeten Oppositionspolitikerin Benazir
Bhutto. Sharif sagte weiter, das neue Parlament werde rasch die Richter
wieder einsetzen, die von Präsident Pervez Musharraf entlassen
worden waren. Dies soll nach Angaben von Zardari innerhalb eines Monats
geschehen.
Musharraf verhängte am 3. November den Ausnahmezustand und setzte
die Richter am Obersten Gerichtshof ab, die über die
Rechtmäßigkeit seiner Wahl entscheiden wollten. Bei der
Parlamentswahl Mitte Februar hatte seine Partei PML-Q nur den dritten
Platz erreicht.
In Islamabad setzte die Polizei am Sonntag Tränengas gegen
Demonstranten vor dem Haus des vor einem Jahr entlassenen Obersten
Richters Iftikhar Mohammed Chaudhry aus. Die Teilnehmer der
Protestaktion forderten, dass die entlassenen Richter wieder eingesetzt
werden.
(Quelle: ap)
US-Demokraten fürchten Schaden durch Duell Clinton-Obama
Mo.10.03.08 - Im Kampf um den Einzug ins Weiße Haus wollen die US-Demokraten
einen möglichen Schaden für die Partei durch den erbitterten
Zweikampf zwischen Hillary Clinton und Barack Obama abwenden. "Das
Einzige, was uns bezwingen kann, ist die Tatsache, dass wir gespalten
sind", sagte der Vorsitzende der Demokratischen Partei, Howard Dean,
dem Fernsehsender ABC. Beide Kontrahenten müssten deshalb die
Regeln einhalten, damit auch der Unterlegene nach der Entscheidung um
die Präsidentschaftskandidatur davon überzeugt sein
könne, gerecht behandelt worden zu sein, forderte Dean.
Die frühere First Lady hatte sich nach einer Reihe von Niederlagen
erst in der vergangenen Woche mit Siegen bei den Vorwahlen in Texas und
Ohio im Kampf um die Kandidatur der Demokraten zurückgemeldet.
Obama gewann dann am Samstag die parteiinterne Abstimmung in Wyoming.
Der Senator aus Illinois liegt mit 1588 Delegierten rund 120 Delegierte
vor Clinton. Der Ton zwischen den beiden Bewerbern wird zunehmend
schärfer. Bei den Republikanern steht John McCain als Kandidat
bereits fest.
(Quelle: afp)
Ungarn erteilen Wirtschaftsreformen klare Absage -- Deutliche
Niederlage der Regierung bei Referendum
Mo.10.03.08 - Die Ungarn haben in einer Volksbefragung drei zentralen
Wirtschaftsreformen der Regierung eine klare Absage erteilt und damit
der konservativen Oppositionspartei Fidesz einen großen Sieg
beschert. Nach Auszählung von 90 Prozent der Stimmen sprachen sich
80 Prozent der Wähler gegen die Reformen aus. Die Wahlbeteiligung
lag bei knapp 50 Prozent und damit klar über der notwendigen
Mindestmarke von 25 Prozent.
Die Reformen sahen die Einführung von Studiengebühren sowie
Zuzahlungen bei Arztbesuchen und einer stationären Behandlung im
Krankenhaus vor. Der Ausgang des Referendums ist bindend.
Die Fidesz hat versucht, das Referendum zu einem Misstrauensvotum
über die Regierung des sozialistischen Ministerpräsidenten
Ferenc Gyurcsany zu machen. Die Regierung will mit den Reformen dazu
beitragen, das hohe Haushaltsdefizit zu verringern. In diesem Jahr soll
der Fehlbetrag von zehn auf sechs Prozent reduziert werden. Die
Sparmaßnahmen haben der Popularität der Regierung massiv
geschadet; zurzeit hat Gyurcsany nur noch eine Unterstützung von
19 Prozent.
(Quelle: ap)
Regierungspartei erklärt sich zum Wahlsieger auf Malta --- Erste
Parlamentswahl auf der Mittelmeerinsel seit EU-Beitritt
Mo.10.03.08 - Die regierende Nationalistische Partei von Ministerpräsident
Lawrence Gonzi hat sich zur Siegerin der Parlamentswahl auf Malta
erklärt. Ein Parteisprecher erklärte am Sonntagabend, man
habe die Wahl am Samstag knapp vor der sozialistischen Arbeiterpartei
von Alfred Sant gewonnen. Es war die erste Parlamentswahl seit dem
Beitritt des Inselstaates zur Europäischen Union 2004.
In inoffiziellen Ergebnissen hatten sich beide Parteien am Sonntag das
erwartete Kopf-an-Kopf-Rennen geliefert. Ein offizielles Ergebnis lag
bis zum Abend noch immer nicht vor.
Wichtige Themen im Wahlkampf in der früheren britischen Kolonie
waren vor allem innenpolitische Fragen wie der Kampf gegen Korruption,
Gesundheits- und Umweltpolitik. Wegen der Warteschlangen vor
Wahllokalen wurde die Stimmabgabe am Samstag um eine Stunde bis 23.00
Uhr verlängert. Die Wahlbeteiligung lag nach Angaben der Regierung
bei 93 Prozent, das sind drei Prozentpunkte weniger als bei der letzten
Wahl 2003.
Wahlberechtigt waren 315.000 Menschen, das sind 78 Prozent der rund
400.000 Einwohner. Sie entscheiden über die Vergabe von 65 Sitzen.
Die Gesellschaft des kleinen Landes gilt als stark politisiert. Die
Wahlbeteiligung liegt oft bei 95 Prozent. 2003 gewannen die
Nationalisten 34, die Arbeiterpartei 31 Mandate Neben den beiden
großen Parteien traten auch noch zwei kleinere an: die
rechtsgerichtete Nationale Aktion und die Grünen.
(Quelle: ap)
Spaniens Sozialisten siegen bei Parlamentswahl
Mo.10.03.08 - Die regierenden spanischen Sozialisten haben die Parlamentswahl am
Sonntag klar gewonnen, die absolute Mehrheit aber wohl verfehlt. Nach
Auszählung von 92 Prozent der Stimmen lag die PSOE von
Regierungschef Jose Luis Rodriguez Zapatero bei 43,8 Prozent und damit
klar vor der konservativen Volkspartei (PP) von Oppositionsführer
Mariano Rajoy, die auf rund 40,1 Prozent kam. Für eine absolute
Mehrheit der Sozialisten würde es aber trotz eines Zugewinns an
Mandaten nicht reichen.
Nach den vorliegenden Ergebnissen kommen die Sozialisten auf 168 Sitze
(plus vier). Die absolute Mehrheit liegt bei 176 Mandaten. Die
Volkspartei gewinnt 154 Mandate (plus sechs).
Am späten Abend erklärten sich die Sozialisten zum
Wahlsieger. Ministerpräsident Zapatero dankte den Wählern
für den «klaren Sieg». «Das spanische Volk hat
deutlich gesprochen und sich für den Beginn einer neuen Ära
entschieden», sagte Zapatero vor jubelnden Anhängern in
Madrid.
Die konservative Volkspartei räumte ihre Niederlage ein und
gratulierte den Sozialisten.
In den vergangen vier Jahren lenkte die PSOE die Geschicke des Landes
in einer Minderheitsregierung. Zapatero hatte in den vergangenen Jahren
eine Reihe umfassender Sozialreformen durchgesetzt, die spanischen
Truppen aus dem Irak abgezogen und den halbautonomen Regionen des
Landes mehr Rechte eingeräumt.
Im Mittelpunkt des Wahlkampfs stand die sich abschwächende
Wirtschaft. Wachsende Arbeitslosigkeit, hohe Inflation und ein Ende des
Baubooms bedrohen das Wachstum, das in den vergangenen Jahren stets
eines der höchsten in der Europäischen Union war. Die
Parteien stritten auch über die Einwanderung. Die Konservativen
warfen der Regierung vor, Spanien zu einem Magneten für
Flüchtlinge gemacht zu haben. Sie wollen Einwanderer zwingen,
spanische Traditionen zu respektieren und die Sprache zu lernen. Die
Sozialisten kritisieren diese Haltung als fremdenfeindlich.
Überschattet wurde die Wahl von dem Mordanschlag auf einen
sozialistischen Politiker im Baskenland. Die Regierung in Madrid machte
die baskische Untergrundorganisation ETA für den Anschlag am
Freitag verantwortlich machte.
Wahlberechtigt waren rund 35 Millionen Bürger. Zur Wahl standen
die 350 Sitze im Abgeordnetenkongress und 208 Sitze im Senat.
(Quelle: ap)
Frankreich: Präsident Sarkozys UMP verliert bei Kommunalwahl --
Linke und Grüne zusammen bei 47,5 Prozent
Mo.10.03.08 - Die Regierung des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy
hat bei der Kommunalwahl nach ersten Ergebnissen eine deutliche
Niederlage erlitten. Nach einer Erhebung des Instituts CSA gewannen die
Linken und Grünen landesweit zusammen 47,5 Prozent der Stimmen.
Das sind knapp drei Prozentpunkte mehr als 2001. Das konservative Lager
rutschte von 47 auf 40 Prozent; dafür etablierte sich die neue
Zentrumspartei MoDem mit 4,5 Prozent. In Paris kann der der
sozialistische Bürgermeister Bertrand Delanoë mit seiner
Wiederwahl rechnen. Nach Hochrechnungen lag er mit 40,4 Prozent er
zwölf Punkte vor seiner Herausforderin von der konservativen
Regierungspartei UMP. Die Linke dürfte bei der Stichwahl in einer
Woche mehrere Städte hinzugewinnen, darunter Straßburg. Das
Institut Ipsos sprach von einem «Rutsch nach links». Die
Wahlbeteiligung war mit geschätzten 70 Prozent sehr hoch.
Premierminister François Fillon erklärte, die Ergebnisse
seien «ausgewogener als angekündigt». Er versprach,
die von Sarkozy angekündigten Reformen fortzusetzen, und mahnte
die Wähler, die Kommunalwahl nicht mit einer Präsidentenwahl
zu verwechseln.
Sozialistenchef François Hollande erklärte dagegen, die
Wähler wollten Sarkozy zu einer anderen Politik bewegen. Noch sei
aber nichts gewonnen, sagte Hollande, der selbst mit 72 Prozent im
ersten Wahlgang als Bürgermeister von Tulle im Amt bestätigt
wurde. Die frühere sozialistische Präsidentschaftskandidatin
Ségolène Royal sprach von einer «Abstrafung der
Machthaber» und forderte Fillon auf, Steuergeschenke an die
Reichen rückgängig zu machen. Die Sozialisten wollten 30
Städte mit mehr als 20 000 Einwohnern von den Konservativen
erobern, um die Gemeinden als Gegenmacht zur Zentralregierung
aufzubauen.
Regional fielen die Ergebnisse nach den ersten Hochrechnungen sehr
unterschiedlich aus. So wurde der konservative Ex-Premierminister Alain
Juppé in Bordeaux mit 55,8 Prozent im ersten Durchgang als
Bürgermeister bestätigt. Lyon bleibt dagegen mit 51,5 Prozent
in der Hand der Sozialisten. In Lille erhielten die Sozialisten laut
dem Institut Ipsos mit 46,9 Prozent doppelt so viel Stimmen wie
Sarkozys UMP. In der zweitgrößten Stadt Marseille lagen die
Kandidaten der UMP und der Sozialisten mit 40,1 Prozent gleich auf.
Die rechtsradikale Nationale Front, die aus Finanzmangel nur noch in
wenigen Städten antrat, konnte sich regional behaupten. So kam die
Tochter des Parteichefs Jean-Marie Le Pen, Marine Le Pen, in
Henin-Beaumont bei Calais mit 30 Prozent in die Stichwahl.
(Quelle: dpa)
Italien: Regierungschef Prodi kündigt Rückzug aus der
Politik an
Mo.10.03.08 - Der italienische Regierungschef Romano Prodi (68) hat angekündigt,
sich nach der Parlamentswahl Mitte April aus der Politik
zurückziehen zu wollen. «Mit der italienischen Politik und
vielleicht auch mit der Politik im allgemeinen habe ich
abgeschlossen.»
Dies sagte Prodi am Sonntag dem Fernsehsender Sky TG24. «Die Welt
ist voller Möglichkeiten, und es gibt so viele Menschen, die auf
Hilfe und auf Frieden warten», erklärte er. «Es gibt
immer etwas Neues aufzubauen.»
Nach einer Regierungskrise Ende Januar war seine Mitte-Links-Regierung
zurückgetreten. Prodi hatte kurz darauf bereits erklärt, bei
Neuwahlen nicht mehr als Spitzenkandidat für das Bündnis zur
Verfügung zu stehen. Er führt die Regierungsgeschäfte
bis dahin kommissarisch weiter.
(Quelle: dpa)
Deutschland
Seeheimer raten Beck zu Verzicht auf Kanzlerkandidatur -- SPD-Chef
kommt laut Andres aus Glaubwürdigkeitskrise nicht heraus -
Stellvertretender SPD-Fraktionschef Stiegler: 'Beck hat keine Fehler
gemacht' -- SPD-Generalsekretär Heil: Ypsilanti wird sich nicht
zur Wahl stellen
Mo.10.03.08 - Der SPD-Bundestagsabgeordnete Gerd Andres hat dem SPD-Vorsitzenden Kurt
Beck zum Verzicht auf die Kanzlerkandidatur geraten. Andres, der vor
wenigen Tagen zum Vorsitzenden des Vereins «Die Seeheimer»
gewählt wurde, sagte der «Hannoverschen Allgemeinen
Zeitung» (Montagausgabe): «Ich erwarte, dass SPD-Chef Kurt
Beck persönlich Verantwortung für die verfahrene Situation
übernimmt, in der sich die SPD befindet. Für meinen Begriff
hat sich seine Kanzlerkandidatur erledigt, weil er aus der
Glaubwürdigkeitskrise nicht herauskommt.»
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Verantwortung komme auch der hessischen SPD-Chefin Andrea Ypsilanti zu,
sagte Andres. «Frau Ypsilanti sollte die Chance nutzen, zur einer
berechenbaren Politik zurückzukehren und mit den anderen
demokratischen Parteien zu verhandeln.» Entschieden wandte sich
der SPD-Politiker gegen Versuche, die hessische SPD-Abgeordnete Dagmar
Metzger, die sich gegen das Modell einer von den Linken tolerierten
rot-grünen Minderheitsregierung gewandt hatte, unter Druck zu
setzen, ihr Landtagsmandat zurückzugeben. «Das ist
unglaublich: Warum soll Sie aufgeben? Weil Sie die Wahrheit gesagt
hat?», fragte Andres.
Der stellvertretende SPD-Fraktionschef Ludwig Stiegler verteidigte Beck
hingegen. «Kurt Beck ist nicht geschwächt. Der SPD-Chef hat
keine Fehler gemacht», sagte Stiegler der «Passauer Neuen
Presse». Beck habe klar gestellt, dass über Koalitionen in
den Ländern vor Ort auf Landesebene entschieden werde. «Hier
sollte man den Blick nach Hessen richten und nicht versuchen, den
Parteivorsitzenden zum Sündenbock zu machen», sagte
Stiegler. «Die Frage ist, ob die Geisterfahrten fortgesetzt
werden oder endlich Geschlossenheit in der hessischen
SPD-Landtagsfraktion erreicht wird», sagte Stiegler.
Am Sonntagabend um kurz nach 20.00 Uhr war Beck nach zweiwöchiger
Krankheit wieder in Berlin eingetroffen. In der
rheinland-pfälzischen Landesvertretung beriet er mit dem engeren
SPD-Führungszirkel über Auswege aus der Krise.
Offiziell nimmt Beck am (heutigen) Montag wieder seine
Amtsgeschäfte auf; er leitet ab 10.00 Uhr die
Präsidiumssitzung im Willy-Brandt-Haus. Hauptthema ist auch dort
der interne Richtungsstreit über den Umgang mit der Linkspartei
und die Bestrebungen im hessischen Landesverband, eine rot-grüne
Minderheitsregierung mit Duldung der Linken zu bilden. Beck will
versuchen, die Streitereien einzudämmen und zugleich seinen
Führungsanspruch zu untermauern, denn am Wochenende kursierten
bereits Gerüchte über seine Ablösung als Parteichef
durch Franz Müntefering.
Generalsekretär Hubertus Heil hatte unmittelbar vor dem
abendlichen Krisentreffen erklärt, Ypsilanti werde sich vorerst
nicht der Wahl zur Ministerpräsidentin stellen. «Jetzt,
nachdem wir keine Basis haben, wird Herr Koch bis auf weiteres als
geschäftsführender Ministerpräsident im Amt bleiben.
Aber die SPD wird ihre Inhalte einbringen», sagte Heil.
Ypsilantis Chancen waren am Wochenende gesunken, nachdem die
Abgeordnete Dagmar Metzger erklärt hatte, sie werde gegen sie
stimmen. Sie erwäge einen Mandatsverzicht. Auch der mögliche
Nachrücker Aron Krist hatte aber die Wahl Ypsilantis verweigert.
Die rechnerische Mehrheit einer rot-grünen Regierung unter Duldung
der Linken beträgt zwei Mandate
(Quelle: ap)
FDP öffnet sich in Richtung SPD und Grünen
Mo.10.03.08 - Die FDP will ihre einseitige Festlegung auf die CDU aufgeben und sich
künftig auch Koalitionen mit SPD und Grünen öffnen.
Parteichef Guido Westerwelle schloss eine Ampel auch im Bund nicht mehr
grundsätzlich aus. Anders als bei den Landtagswahlen in Hessen und
Hamburg sehe er "keine Notwendigkeit für Ausschlussklauseln -
außer gegenüber Links- und Rechtsaußen". In beiden
Bundesländern hatte die FDP ausschließlich auf eine
Koalition mit der CDU gesetzt. Auch Parteivize Rainer Brüderle
forderte ein "neues strategisches Denken". SPD-Fraktionschef Peter
Struck sieht neue Chancen für sozialliberale Koalitionen.
Westerwelle sagte dem "Spiegel": "Wir dürfen uns nur noch auf
eines verlassen: auf uns selbst." Er empfahl, die Liberalen sollten
"Koalitionsaussagen künftig nur auf Gegenseitigkeit
beschließen". Westerwelle übte zugleich scharfe Kritik an
der CDU/CSU und Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die Union verabschiede
sich vom "schwarz-gelben Projekt der Erneuerung der sozialen
Marktwirtschaft". Mit Blick auf die schwarz-grünen
Koalitionsverhandlungen in Hamburg sagte er, die Union erarbeite sich
"mit inhaltlicher Beliebigkeit eine weitere Machtoption". Der FDP-Chef
wollte dies nicht als tiefer gehenden Bruch bewerten, aber als "Anlass
für strategische Fragen".
Der stellvertretende Parteivorsitzende Andreas Pinkwart forderte die
FDP ebenfalls zu einem Kurswechsel auf. Die Liberalen sollten
künftig stärker ihre Eigenständigkeit betonen und
notfalls auf Koalitionsaussagen verzichten. "Wir müssen uns
niemandem anbiedern", sagte Pinkwart der Zeitung "Die Welt" vom
Samstag. Die strikte Koalitionsaussage seiner Partei in Hessen
zugunsten der CDU halte er für falsch:
Brüderle, der ebenfalls Parteivize ist, sagte dem
Nachrichtenmagazin "Focus", die Union sei weiterhin der bevorzugte
Partner. Die FDP-Wähler wollten aber auch, "dass die Inhalte,
für die wir stehen, umgesetzt werden".
SPD-Fraktionschef Struck sagte der "Welt am Sonntag": "Die starre
Bindung der FDP an die CDU wird lockerer werden und sich am Ende ganz
auflösen, je intensiver in Hamburg klar wird, dass die CDU die FDP
nicht braucht." Struck rechnet damit, dass sich die Parteienlandschaft
bis zur Bundestagswahl 2009 nicht mehr ändern wird. Für die
Bundestagswahl 2009 erwartet er ein Sechs-Parteien-Parlament mit
fünf Fraktionen.
(Quelle: afp)
Tarifschlichter Schmalstieg für höhere Löhne -- Struck
will mehr Geld für Geringverdiener
Mo.10.03.08 - Der Schlichter für die Tarifverhandlungen im öffentlichen
Dienst, Herbert Schmalstieg, hat sich für spürbare
Lohnerhöhungen ausgesprochen. «Ich weiß, dass es einen
Nachholbedarf für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer
gibt», sagte der frühere Hannoveraner Oberbürgermeister
dem Nachrichtenmagazin «Der Spiegel». Der SPD-Politiker
wurde von den Arbeitnehmern benannt und soll gemeinsam mit Lothar
Späth zwischen den Parteien vermitteln. Kritik an den Forderungen
der Gewerkschaften kam von den Arbeitgebern.
Schmalstieg sagte, er kenne die finanzielle Situation der Städte
und des Bundes und wisse, dass der Nachholbedarf finanziert werden
müsse. Gleichzeitig appellierte er an die Gewerkschaft ver.di und
den Beamtenbund, sich in Sachen Arbeitszeit zu bewegen. «Wir
werden alle Möglichkeiten ausschöpfen und ausloten auch die
Arbeitszeitfrage wird thematisiert werden müssen», sagte
Schmalstieg.
Die Verhandlungen in fünf Tarifrunden scheiterten am Freitag unter
anderem an der Frage, ob die rund 1,3 Millionen Beschäftigten
künftig 40 Stunden pro Woche arbeiten sollen. Ver.di lehnt dies
strikt ab. Wegen der Friedenspflicht dürfen die Gewerkschaften bis
Ende März nicht zum Arbeitskampf aufrufen. Allerdings drohen
flächendeckend unbefristete Streiks im April, sollte die Empfehlung
der Schlichter abgelehnt werden.
Der SPD-Politiker Peter Struck äußerte erneut
Verständnis für die Forderungen der Arbeitnehmer. Gerade in
den unteren Einkommensgruppen, für die ver.di Lohnerhöhungen
von acht bis zwölf Prozent fordere, müsse es
Einkommenszuwächse geben. «Ich will gar keinen Hehl daraus
machen, dass ich die Tarifforderungen im öffentlichen Dienst
für Sockelbeträge zugunsten kleinerer und mittlerer Einkommen
Sympathie habe», sagte Struck der «Welt am Sonntag».
Auf die Frage, ob er auch Verständnis für die Streiks habe,
antwortete der SPD-Fraktionsvorsitzende: «Ja, weil eine
Gewerkschaft wie ver.di klarmachen muss, dass sie bereit ist, für
ihre Ziele auch zu kämpfen.»
Kritik kam dagegen von der Wirtschaft. Arbeitgeberpräsident Dieter
Hundt rief die Gewerkschaften zur Lohnzurückhaltung auf. Die
geforderten acht Prozent im öffentlichen Dienst seien utopisch,
sagte er der «Bild am Sonntag». «Überhöhte
Abschlüsse würden Arbeitsplätze kosten.»
Ähnlich äußerte sich das Deutsche Institut für
Wirtschaftsforschung. Präsident Klaus Zimmermann hat nach eigenen
Worten wenig Verständnis für einen Streik und empfiehlt den
Arbeitgebern, den Ausstand notfalls auszusitzen. Zwar sei zum ersten Mal
seit Jahren die Gesamtlage so, dass Streiks als Mittel der
Tarifauseinandersetzung wieder vertretbar seien, sagte Zimmermann der
«Neuen Osnabrücker Zeitung». Der öffentliche
Dienst gehöre aber nicht zu den Branchen, die den Aufschwung
trügen. «Er kann sich nicht an die Spitze einer
Lohnsteigerung setzen.»
(Quelle: ap)
Bahn und Lokführer einigen sich - Streiks abgewendet
Mo.10.03.08 - Der seit knapp einem Jahr andauernde Tarifstreit zwischen der
Lokführergewerkschaft GDL und der Bahn ist beigelegt.
Allerdings müssen sich Bahnreisende trotz des abgesagten Streiks
am (heutigen) Montag auf Behinderungen einstellen, da die Bahn am
Sonntag wenige Stunden vor dem ursprünglich für Mitternacht
geplanten Streikbeginn den Ersatzfahrplan nicht mehr
rückgängig machen konnte.
"Wir werden mit der GDL einen Lokomotivführer-Tarifvertrag
abschließen", kündigte Bahn-Chef Hartmut Mehdorn sichtlich
erleichtert nach den mehrstündigen Verhandlungen in Berlin an. Die
anderen Bahn-Gewerkschaften Transnet und GDBA würden diesen
Tarifvertrag akzeptieren. Auch GDL-Chef Manfred Schell erklärte:
"Wir sind der festen Überzeugung, dass dieser Tarifvertrag eine
gute Grundlage ist für die Zukunft." Übereinstimmend
erklärten beide, es sei eine Lösung für die lange
strittige Zusammenarbeit aller Gewerkschaften im Konzern gefunden
worden.
Bereits Ende Januar hatten sich Bahn und GDL auf eine Einmalzahlung von
800 Euro geeinigt. Ab dem 1. März 2008 soll es für die
Lokführer acht Prozent mehr Lohn geben. Weitere drei Prozent
Aufschlag sind ab dem 1. September vorgesehen. Am 1. Februar 2009 soll
die wöchentliche Arbeitszeit für das Fahrpersonal
schließlich um eine auf 40 Stunden gekürzt werden. Die
Laufzeit des Tarifvertrages beginnt rückwirkend zum 1. Juli 2007
und soll am 31. Januar 2009 enden.
In dem Streit zwischen Bahn und GDL ging es zuletzt um einen Vertrag
zur Zusammenarbeit zwischen den Gewerkschaften. Die
Lokführergewerkschaft hatte sich dagegen gewehrt, weil sie ihre
Eigenständigkeit bedroht sah. Umgekehrt fürchtete die Bahn um
die tarifliche Einheit des Konzern. Transnet und GDBA hatten mehrfach
gedroht, Nachforderungen zu stellen, sollten die Kollegen von der GDL
deutlich besser gestellt werden.
"Es ist ein gutes Ergebnis für unsere Kunden", sagte Mehdorn. Mit
dem Ergebnis werde es für die nächsten Jahre Ruhe geben. Es
seien die Grundlagen dafür geschaffen worden, "dass wir
langfristig wieder ein Miteinander bei der Bahn haben". Schell betonte,
die Eigenständigkeit seiner Gewerkschaft bleibe erhalten. Man
müsse nun nicht mehr streiken. Er ergänzte: "Und ich denke
mir, dass in geraumer Zeit es auch nicht mehr notwendig sein wird."
Nach seinen Worten wurde neben dem Entgelttarifvertrag auch ein
Grundlagentarifvertrag unterzeichnet.
Vor der Einigung hatte Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt vor
enormen Schäden durch unbefristete Streiks gewarnt. Der "Bild am
Sonntag" sagte er, die Versorgung von Unternehmen mit Rohstoffen leide
schon nach ein oder zwei Tagen Bahnstreik gewaltig, schnell könne
es daher zu Ausfällen in der Produktion kommen. Dies führe zu
schwerwiegenden Folgen für Wirtschaft und Arbeitsmarkt. Auch
Wirtschaftsminister Michael Glos hatte vor Gefahren für
Arbeitsplätze durch die Streiks gewarnt.
(Quelle: rtr)
Erneut kräftige Gehaltsaufschläge für deutsche
Top-Manager -- Durchschnittlicher Zuwachs von rund 14 Prozent -- Bei
Siemens wuchsen die Bezüge am schnellsten
Mo.10.03.08 - Die Bezüge deutscher Topmanager sind im vergangenen Jahr erneut
kräftig gestiegen. Durchschnittlich erhielten die
Führungskräfte knapp 2,9 Millionen Euro, rund 400.000 Euro
mehr als im Jahr zuvor, wie die «Welt am Sonntag» auf der
Grundlage eigener Berechnungen vorab berichtete. Sie stützt sich
auf die Geschäftsberichte der 14 DAX-Unternehmen, die ihre Zahlen
bereits veröffentlichten.
Mit einem durchschnittlichen Zuwachs von rund 14 Prozent lagen die
Spitzenkräfte der deutschen Wirtschaft demnach vor dem der
Arbeitnehmer, deren Lohn- und Gehaltszuwachs mit durchschnittlich 1,4
Prozent unter der Inflationsrate lag. In drei der vergangenen vier Jahre
hätten die Topmanager zweistellige Zuwächse bei ihren
Bezügen erreicht, schrieb die Zeitung. Von 2003 bis heute
hätten die Vorstandsgehälter durchschnittlich um 40 Prozent
zugelegt.
Das Ranking der bisher 14 DAX-Vorstandschefs führt Dieter Zetsche
von Daimler an: Er kam 2007 dem Bericht zufolge auf Barzahlungen und
eine aktienbasierte Vergütung im Gesamtwert von etwas mehr als 10
Millionen Euro, knapp 40 Prozent mehr als im Vorjahr. Auf den folgenden
Plätzen liegen Klaus Kleinfeld und Peter Löscher (Siemens) mit
zusammen 8,79 Millionen Euro sowie Harry Roels und Jürgen
Großmann (RWE) mit zusammen 5,605 Millionen Euro.
In den kommenden Wochen werde sich die Rangliste aber noch stark
verändern, da Josef Ackermann (Deutsche Bank), Henning Kagermann
(SAP) und Wolfgang Reitzle (Linde) noch fehlten. Deshalb sei es
möglich, dass die durchschnittliche Vergütung für 2007
erstmals über drei Millionen Euro gestiegen sei, hieß es in
dem Bericht.
Am stärksten wuchsen die durchschnittlichen Pro-Kopf-Bezüge
im Siemens-Management mit etwas mehr als 50 Prozent, wobei das Ergebnis
durch eine Sonderzahlung an den früheren Vorstandschef Kleinfeld in
Höhe von 5,75 Millionen Euro verzerrt ist, wie die «Welt am
Sonntag» schrieb. Die Siemens-Manager erhielten demnach im Schnitt
statt 2,6 fast 3,9 Millionen Euro.
Als Spitzenreiter beim Pro-Kopf-Einkommen nannte die Zeitung aber die
Merck-Geschäftsleitung mit 4,7 Millionen Euro. Bei Infineon stiegen
die Gehälter dem Ranking zufolge um durchschnittlich 17,2 Prozent,
obwohl der Konzern den Verlust aus dem Vorjahr noch ausweitete.
Aktionärsschützer zeigten Verständnis für den
erneuten Anstieg. «2007 war ein außergewöhnlich gutes
Jahr», sagte Lothar Gries von der Schutzgemeinschaft für
Kapitalanleger laut «Welt am Sonntag». Auch Jürgen Kurz
von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz sieht
keinen Anlass zur Klage: «Wir dürfen nicht auf der einen
Seite verlangen, dass die Bezüge an den Gewinnkennzahlen
ausgerichtet werden sollen, und andererseits kritisieren, wenn in
wirtschaftlich guten Zeiten die Gehälter ansteigen.»
(Quelle: ap)
IG Metall: IT-Standort für Globalisierung unzureichend
gerüstet
Mo.10.03.08 - Die Gewerkschaft IG Metall sieht viele IT- Unternehmen in Deutschland
nur unzureichend für die Globalisierung gerüstet. Die Branche
stehe vor einem Strukturwandel, sagte IG Metall-Vorstandsmitglied Helga
Schwitzer am Samstag auf der Computermesse CeBIT in Hannover.
Etlichen Firmen falle aber als strategische Antwort auf die zunehmende
Internationalisierung kaum mehr als Kostensenkung zu Lasten der
Beschäftigten ein. Entscheidend sei, die Beschäftigten nicht
nur als Kostenfaktoren zu sehen, sondern sie mit ihrem Know-how ernst zu
nehmen.
Einer Untersuchung des Sozialforschungsinstituts ISF München
zufolge arbeiten 75 Prozent der IT-Beschäftigten in Deutschland bei
Firmen, die sich bislang nicht auf die Globalisierung eingestellt haben.
IT-Dienstleister und Softwareunternehmen aber stünden in einem
verschärften internationalen Wettbewerb, etwa mit Unternehmen aus
Indien. Notwendig sei eine strategische Neuausrichtung vieler Firmen,
sagte ISF-Experte Andreas Boes. «Wir brauchen eine Zukunftsdebatte
über den Standort Deutschland.» Die IT-Branche habe eine
strategisch wichtige Funktion für den gesamten Standort.
(Quelle: dpa)
Musikinstrumenten-Branche erlebt Boom
Mo.10.03.08 - Die Wiederentdeckung der handgemachten Musik unter Jugendlichen
lässt die Musikinstrumenten-Branche frohlocken: Nach einer
«gewaltigen Krise in den neunziger Jahren» erleben
Händler und Hersteller seit 2006 einen Aufschwung wie lange nicht.
«Musikmachen ist wieder en vogue geworden».
Das sagte der Geschäftsführer des Branchenverbandes SOMM
(«Society of Music Merchants»), Garry Baumeister, in einem
Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa in München.
Während junge Leute in den neunziger Jahren vor allem
elektronische Musik gehört und am Computer gebastelt hätten,
wollten sie Gitarren und Schlagzeug jetzt wieder selbst in der Hand
halten.
Die Branche profitiere zudem von der Tatsache, dass immer mehr Eltern
und Lehrer von der positiven Wirkung der Musik überzeugt seien.
«Seitdem in Studien die Bedeutung der Musik für die
Entwicklung und Bildung von Kindern entdeckt wurde, geht es
aufwärts», sagte Baumeister. Einer verbandsinternen
Statistik zufolge verzeichneten die Lieferanten von Musikinstrumenten
in Deutschland 2007 ein Umsatzplus von 5,4 Prozent. Das entspreche
einem Umsatz im Einzelhandel von mehr als 620 Millionen Euro.
Vor allem Gitarren lassen die Herzen junger Musiker derzeit höher
schlagen. 2007 hatten Saiteninstrumente einen Anteil von 21 Prozent an
allen gehandelten Instrumenten. Gleich danach kamen Schlagzeug und
Percussion mit 9,6 Prozent. Rund die Hälfte ihres Umsatzes machen
die Musikalien-Händler und Hersteller laut SOMM mit Equipment wie
Mikrofonen, Kabeln und Kopfhörern.
Auch ältere Menschen sollen wieder zum Instrument greifen.
«Es gibt eine sehr zahlungsfähige Gruppe von
Wiedereinsteigern, die ab Mitte vierzig wieder Musik machen
wollen», sagte Baumeister. Angesichts der alternden Gesellschaft
hofft er außerdem auf eine Abkehr von der verbreiteten Meinung,
es werde mit dem Alter immer schwerer, ein Instrument zu lernen.
«In Musik einsteigen kann man in jedem Alter. Es wird eine Zeit
kommen, da können sie sich im Fitness- Studio zwischen
Sportgeräten und Wellness-Musizieren entscheiden.» Dieses
neue Modell des Musikmachens werde klassische Elemente mit solchen der
Musik-Therapie verbinden. «Wir sind da sehr
zuversichtlich.» Vom 12. bis 15. März präsentiert sich
die Musikinstrumenten-Branche beim weltweit größten
Fachtreffpunkt, der Internationalen Musikmesse in Frankfurt am Main.
(Quelle: dpa)
Ärzte fordern besseren Schutz von Kindern vor Gewalt
Mo.10.03.08 - Zum besseren Schutz von Kindern vor Gewalt und Vernachlässigung
hat der Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte deutlich mehr
Hilfsangebote in den Städten und Gemeinden angemahnt. Durch
verpflichtende Voruntersuchungen allein werde das Problem nicht
gelöst, betonte Verbandspräsident Wolfram Hartmann am Freitag
in Weimar. Erforderlich seien zusätzliche Netzwerke, in denen sich
Mediziner, Hebammen, örtliche Gesundheitsdienste und
Jugendämter um das Kindeswohl kümmern.
Fachleute müssten Familien mit Neugeborenen und Kleinkindern
intensiv betreuen, sagte Hartmann zum Auftakt des 14. Bundeskongresses
des Verbandes. Dadurch könne der Entwicklungsstand eines Kindes
qualifiziert beurteilt werden. Auch Gefahren würden dabei
frühzeitig erkannt.
Zudem müsse das gegenwärtige Vorsorgeprogramm um neue
verbindliche Untersuchungen erweitert werden, so Hartmann. Auf diesem
Gebiet sei bereits eine Zwei-Klassen-Medizin entstanden, da
zusätzliche Untersuchungen zumeist nur von den privaten
Krankenkassen übernommen werden.
(Quelle: epd)
Klima
Stadtverkehr soll bis 2050 kohlendioxidfrei sein
Mo.10.03.08 - Das Bundesverkehrsministerium will nach einem Magazinbericht den
öffentlichen Personennahverkehr bis 2030 und den kompletten
Stadtverkehr bis 2050 kohlendioxidfrei machen. Das geht aus einem
Bericht des Magazins «Focus» vom Sonntag über ein
Grundsatzpapier des neuen Staatssekretärs Matthias von Randow zum
Klimaschutz im Verkehr hervor. Eine Ministeriumssprecherin erklärte
dazu am Sonntag auf Anfrage lediglich, es handele sich um interne
Überlegungen.
Eine entscheidende Botschaft des Papiers laute: «Mut zur
Ehrlichkeit, Mobilität wird teurer werden», hieß es in
dem Bericht. Abgaseinsparen stehe an erster Stelle. Neben den
CO-2-Zielen wird darin auch empfohlen, die Lkw-Maut nicht erst bei
Fahrzeuge ab 12 Tonnen, sondern bereits ab 3,5 Tonnen Gesamtgewicht zu
erheben. Eine EU-Richtlinie sieht diese Möglichkeit ab 2012 vor.
Zudem solle es demnächst bei der Lkw-Maut eine volle Anlastung der
Kosten geben, die Laster auf den Straßen verursachen unter
Einbeziehung bislang externer Faktoren wie Umwelt und Gesundheit.
Nun soll die Grundsatzabteilung des Verkehrsministeriums prüfen,
ob die gesteckten Arbeitsziele umzusetzen sind. Verkehrspolitikern geht
der rigorose Schadstoff-Sparkurs zu schnell und zu weit. CSU-Fachmann
Andreas Scheuer warnte in dem Magazin Tiefensee vor einer
«Zielpanik» beim Klimaschutz. Gleichzeitig «alle
verkehrspolitischen Grausamkeiten mit Gewalt voranzutreiben»,
verärgere die Bürger. Sein SPD-Kollege Rainer Fornahl mahnte:
«Deutschland darf nicht auf Kosten der heimischen Autofahrer
allein voranstürmen.» Jedoch sei auch er für
Kostenwahrheit in der Verkehrspolitik.
(Quelle: ap)
Rekord-Stromverbrauch durch Flachbildfernseher
Mo.10.03.08 - Die Einwohner von New York haben in diesem Winter so viel Strom
verbraucht wie noch nie zuvor. «Dies ist der zweite Winter mit
einem Spitzenverbrauch von Strom. Wir glauben, dass die
Unterhaltungselektronik und Luxusgüter daran Schuld sind.»
So zitierte die Zeitung «New York Daily News» einen
Sprecher des Energiekonzerns Con Edison. Chris Olert machte vor allem
die steigende Zahl von Flachbildfernsehern für den erhöhten
Stromverbrauch verantwortlich. Von Dezember bis Februar wurden in den
fünf Bezirken von New York und Westchester County 14,7 Millionen
Megawattstunden Strom verbraucht. Ein Jahr zuvor hatte Con Edison im
gleichen Zeitraum 14,4 Millionen Megawattstunden Strom geliefert.
Das Unternehmen will nach eigenen Angaben in den kommenden fünf
Jahren 7,5 Milliarden Dollar investieren, um die Stromversorgung im Raum
New York zu verbessern. Nach der Prognose des Lieferanten werden die
Kunden 2008 rund 20 Prozent mehr Strom verbrauchen als noch vor zehn
Jahren. «Es ist wichtig, dass jeder, wenn möglich Strom
spart», mahnte Olert.
(Quelle: dpa)
Wissenschaft
Vatikan würdigt Galileo Galilei mit eigener Statue
Mo.10.03.08 - Ausgerechnet Galileo Galilei, der mit seinen Entdeckungen den Zorn der
Inquisition auf sich zog, wird nun mit einer eigenen Statue im Vatikan
geehrt. Die lebensgroße Abbildung aus Marmor werde auf
ausdrücklichen Wunsch der Päpstlichen Akademie der
Wissenschaften im kommenden Jahr in den vatikanischen Gärten
aufgestellt, meldete die italienische Nachrichtenagentur ANSA. Die
Vereinten Nationen haben 2009 zum internationalen Jahr der Astronomie
ausgerufen, um an den ersten Gebrauch eines Teleskops durch Galilei zu
erinnern.
Der 1564 in Pisa geborene Mathematiker, Physiker und Philosoph hatte
mit Hilfe eines Nachbaus des kurz zuvor in Holland erfundenen Fernrohrs
die These von Kopernikus bestätigt, dass die Erde um die Sonne
kreist und nicht umgekehrt. Daraufhin wurde ihm vor der Inquisition der
Prozess gemacht: 1633 musste er "seinem Irrtum" abschwören, um dem
Tod auf dem Scheiterhaufen zu entgehen.
Erst 1992 verkündete Papst Johannes Paul II. als Ergebnis von
13-jährigen Untersuchungen, dass sich die Kirche geirrt hatte.
(Quelle: afp)
Raumfahrt
Europas neues Raumschiff 'Jules Vernes' ins All gestartet
Mo.10.03.08 - Das neue europäische Raumschiff "Jules Vernes" ist erfolgreich vom
südamerikanischen Weltraumbahnhof Kourou zu seinem ersten Flug zur
internationalen Raumstation ISS gestartet. Der unbemannte Transporter
wurde durch eine Ariane-Rakete ins All geschossen. Mit dem Start des
Raumschiffs sei ein "neues Kapitel in der Geschichte der
Europäischen Raumfahrtagentur ESA" aufgeschlagen worden, sagte
ESA-Chef Jean-Jacques Dordain. Die "Jules Verne" soll die ISS mit
Nahrungsmitteln, Sauerstoff, Wasser und Treibstoff versorgen und beim
Frachttransport mittelfristig die US-Space-Shuttles ersetzen.
Der Transporter "Jules Verne" ist das größte Raumschiff, das
bisher in Europa entwickelt wurde. Es ist zehn Meter lang und mehr als
20 Tonnen schwer und hat die Ausmaße eines Doppeldeckerbusses. An
Bord sind mehrere Tonnen Nahrungsmittel, Wasser, Sauer- und Treibstoff
sowie Ersatzteile geladen. Außerdem bringt das Raumschiff der
ISS-Besatzung eigens für sie zusammengestellte Musik. Das
Raumschiff kann mit 7,5 Tonnen Nutzlast drei Mal mehr Fracht
befördern als die bisher verwendeten Progress-Kapseln aus Russland.
Die Europäische Raumfahrtagentur sei "von nun an ein
unentbehrlicher Partner der ISS", sagte Dordain. Der Weltraumbahnhof
Kourou auf Französisch Guayana ist neben Cape Canaveral in Florida
und Baikonur in Kasachstan der dritte "Versorgungshafen" der ISS.
Das Automated Transfer Vehicle (ATV) genannte Raumschiff soll nun seine
Sonnensegel ausfahren und sich über mehrere Tage der ISS
nähern, um schließlich lasergesteuert an die Station
anzukoppeln. Allein für die komplizierte Computer- und
Navigationstechnik wurden eine Million Zeilen Programmcode geschrieben.
Geplant ist, dass "Jules Verne" durch seinen Antrieb die ISS in eine
höhere Umlaufbahn hebt.
Der Transporter soll bis August an der ISS angedockt bleiben und dann
Abfall von der Station entsorgen. Danach soll sich das Raumschiff mit
seinem Raketenantrieb im steilen Winkel in die Erdatmosphäre
schießen und über dem Pazifischen Ozean verglühen.
Entwicklung und Erstflug der "Jules Verne" kosten 1,3 Milliarden Euro;
bei den Folgeflügen rechnet die ESA allerdings mit deutlich
geringeren Kosten von 300 Millionen Euro pro Mission. Bis 2015 sollen
vier weitere ATV ins All geschossen werden.
(Quelle: afp)