Nachrichten-Archiv
Aktuelle Nachrichten
Irak am 1448sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Der Irak-Krieg wird für die USA immer teurer.
Selbstmordattentäterin tötet im Irak Chef einer
Bürgermiliz. Fünf US-Soldaten sterben bei Anschlag in Bagdad.
Zahl der getöteten US-Soldaten steigt auf mindestens 3979 seit dem
Einmarsch im März 2003
Di.11.03.08 - Die Verluste der US-Truppen im Irak sind zwar in jüngster Zeit
stetig gesunken, die finanziellen Kosten für diesen und den Krieg
in Afghanistan steigen aber immer weiter. Wie der
Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph E. Stiglitz und Koautorin Linda
J. Bilmes in einem neuen Buch zeigen, kostet der Irak-Krieg die USA in
diesem Jahr in jedem Monat voraussichtlich zwölf Milliarden Dollar,
das ist das Dreifache der ersten Jahre. Nach 2008 werden die Kriege im
Irak und Afghanistan die USA bis 2017 zwischen 1,7 Billionen und 2,7
Billionen Dollar (1,1 Billionen bis 1,75 Billionen Euro) kosten.
Der Haushaltsausschuss des Kongresses kam in eigenen Schätzungen
auf Kosten für die beiden Kriege bis 2017 von 1,2 Billionen Dollar
bis 1,7 Billionen Dollar (780 Milliarden Euro bis 1,1 Billionen Euro).
Der Irak schlägt dabei mit rund drei Vierteln zu Buche.
In ihrem Buch «The Three Trillion Dollar War» (Der drei
Billionen Dollar Krieg) haben Stiglitz und Bilmes nicht nur die reinen
Militärkosten für die beiden Kriege, sondern auch Ausgaben
für die Botschaft, den Wiederaufbau und andere kriegsbedingte
Angelegenheiten berücksichtigt. Die beiden Ökonomen nennen
ihre Berechnungen dabei noch zurückhaltend, da viele
«versteckte Kosten» gar nicht berücksichtigt seien.
Auch der Schuldendienst wurde nicht einberechnet.
Eine Selbstmordattentäterin hat im Irak nach Polizeiangaben einen
sunnitischen Stammeschef getötet, der eine mit der US-Armee
kooperierende Bürgerwehr anführte.
Insgesamt seien bei dem Anschlag in der Provinz Dijala am Montag
fünf Menschen ums Leben gekommen. Zwei Leibwächter hätten
Verletzungen erlitten. Die Frau sei zum Haus ihres Opfers in Kanaan
nahe der Provinzhauptstadt Bakuba gekommen und habe um ein
Gespräch mit dem Mann gebeten, teilte die Polizei weiter mit. Als
dieser zur Tür kam, zündete sie demnach eine unter ihrer
Kleidung versteckte Sprengstoffweste.
Das ethnische und religiös gemischte Dijala ist eine von vier
Provinzen nördlich Bagdads, in denen US- und irakische Truppen seit
Jahresbeginn verstärkt gegen Al-Kaida-Extremisten vorgehen. Die
Gruppe hatte sich dort neugruppiert, nachdem sie durch Offensiven und
Bürgermilizen aus ihren vormaligen Hochburgen im Westirak sowie in
und um Bagdad vertrieben worden war.
Ein Selbstmordattentäter hat in Bagdad fünf US-Soldaten mit
sich in den Tod gerissen. Nach Angaben der US-Armee und von Augenzeugen
zündete der elegant gekleidete Attentäter einen
Sprengstoffgürtel, nachdem die Soldaten ihren Militärkonvoi
verlassen hatten, um im Stadtteil Mansur einkaufen zu gehen. Zwei
Passanten wurden ebenfalls getötet, knapp 20 Menschen erlitten
Verletzungen, darunter drei weitere US-Soldaten sowie ihr irakischer
Übersetzer. Nach dem Anschlag sperrten irakische und
US-Sicherheitskräfte das Gebiet weiträumig ab.
Dieser muss die Gewohnheiten seiner Opfer offenbar gut gekannt haben.
Ein irakischer Polizist berichtete, dass die US-Soldaten fast
täglich nach Mansur kämen, um einkaufen zu gehen oder Eis zu
essen. Erst am vergangenen Donnerstag waren bei einem Doppelanschlag im
Zentrum der irakischen Hauptstadt mindestens 68 Menschen umgekommen.
Die US-Streitkräfte machten den irakischen El-Kaida-Ableger
für den Anschlag verantwortlich.
Durch den neuen Anschlag in Bagdad steigt die Zahl der im Irak
getöteten US-Soldaten auf mindestens 3979 seit dem Einmarsch im
März 2003. In diesem Monat sind bislang sieben Soldaten
getötet worden, verglichen mit 81 für den ganzen März
2007.
US-Kommandeur John Kelly warnte am Montag davor, das Terrornetzwerk
könne seine Taktik im Irak ändern und zu spektakulären
Anschlägen übergehen, um mehr Aufmerksamkeit zu bekommen.
"Wir haben Hinweise, nach denen sie großangelegte Ereignisse
planen könnten, die die Aufmerksamkeit der Medien auf sich
ziehen", sagte der General aus dem Westirak in einer Telefonkonferenz.
Bislang hatte El Kaida vor allem Selbstmord- und
Autobombenanschläge verübt.
Im Zentrum der Kurden-Stadt Suleimanija sprengte sich unterdessen ein
Attentäter mit seinem Wagen vor dem größten Hotel, dem
Palace, in die Luft. Dabei wurde ein Mensch getötet, 13 weitere
wurden verletzt. Suleimanija, rund 300 Kilometer nördlich von
Bagdad, ist die zweitgrößte Stadt der autonomen
Kurden-Region. Anschläge sind dort selten.
boa (Quellen: ap, rtr)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 11.03.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am neunhundertfünfundachtzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
So.11.03.07 - Internationale Irak-Konferenz berät über Maßnahmen
gegen Terror +++ Mindestens achtzehn Tote bei Selbstmordanschlag in
Bagdad +++ Entführer drohen mit Hinrichtung deutscher Geiseln im Irak +++
Bush will zusätzlich 3,2 Milliarden Dollar für
Militäreinsätze im Irak und in Afghanistan...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0703110.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
|
Offener Disput zwischen Deutschland und der NATO über die
Strategie für Kriseneinsätze
Di.11.03.08 - Drei Wochen vor dem Gipfel der NATO in Bukarest ist der Konflikt
zwischen Deutschland und dem Bündnis über die Strategie
für Kriseneinsätzen nun auf höchster Ebene offen zutage
getreten.
Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel (CDU) forderte die NATO-Staaten am
Montag in Berlin in einer Grundsatzrede auf, das Militär besser
mit zivilen Kräften zu vernetzen. Die NATO sei die zentrale
Säule der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik,
müsse aber auf eine «lange Liste von Fragen» Antworten
geben, sagte Merkel vor der Führung der Bundeswehr in Berlin. Sie
betonte, Deutschland werde in Afghanistan weiter im Norden bleiben und
keine Soldaten im umkämpften Süden einsetzen.
NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer stimmte Merkel auf der
Kommandeurtagung grundsätzlich zu, dass die NATO sich von einem
rein militärischen Bündnis wegbewegen müsse. Er sagte
auch, die Soldaten der NATO müssten «Kämpfer und
Diplomaten zugleich» sein. Er ließ aber deutliche Zweifel
an der deutschen Position in Afghanistan erkennen.
Öffentliche Schuldzuweisungen über angeblich unzureichendes
Militärengagement in Afghanistan führten selten zu dem
Ergebnis, das man haben wolle, sagte er mit Blick auf Forderungen in
der NATO, Deutschland solle Soldaten auch im Süden einsetzen. Dann
sagte er aber, es könne keine Arbeitsteilung geben, bei dem die
einen kämpften und sich die anderen auf
«Konfliktnachsorge» konzentrierten. «Afghanistan
lässt sich nicht in Zuständigkeitsbereiche aufteilen.»
Wer im Norden Schulen baue, werde genauso zum Ziel der Taliban werden
wie die Soldaten, die im Süden direkt gegen sie kämpften.
«Das Land wird als Ganzes gewonnen oder als Ganzes
verloren.»
Merkel sagte vor den rund 600 Konferenz-Teilnehmern, zwar werde oft vom
deutschen Konzept der «vernetzten Sicherheit
geschwärmt», in der Realität sei die NATO aber ein
reines Militärbündnis. Im Alltag der NATO spiegele sich die
Vernetzung von Militäreinsatz und ziviler Hilfe nicht wider. Die
nationalen Fähigkeiten müssten besser aufeinander abgestimmt
werden. Es werde ohne Sicherheit keinen zivilen Wiederaufbau und ohne
diesen keine Sicherheit geben. Auch Nichtregierungsorganisationen
müssten stärker einbezogen werden.
Auch der deutsche Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) sagte,
der Schlüssel für ein erfolgreiches Krisen- und
Konfliktmanagement liege im Zusammenwirken ziviler und
militärischer Elemente. Er sprach sich erneut für den Einsatz
der Bundeswehr im Inland aus, falls die Polizei nicht allein Gefahren
für die Bevölkerung abwenden könne. Äußere
und Innere Sicherheit könnten nicht mehr getrennt werden.
Merkel betonte, dass kein Staat der Welt - auch nicht die USA - ein
Problem mehr alleine lösen könne. Auch die NATO und die
europäische Sicherheits- und Verteidigungspolitik müssten
«Hand in Hand gehen». Sonst könne das Bündel an
neuen - in Zeiten des Kalten Kriegs nicht gekannten - Herausforderungen
nicht bewältigt werden. Offensichtlich unter Anspielung auf die
Ukraine und Georgien meldete sie für die NATO-Erweiterung Bedenken
an, «Länder, die selbst in Risiken verstrickt sind und mit
ihrer eigenen Sicherheit zu tun haben», aufzunehmen.
Die deutschen Generale, Admirale und Kommandeure stimmte die Kanzlerin
auf eine kontinuierliche Erneuerung der Bundeswehr ein. Im Zuge der
permanenten Transformation der Streitkräfte gebe es schwierigste
Entscheidungen, sagte Merkel. «Das wird auch so bleiben.»
Wichtig sei, dass die Bundeswehr eine breite Unterstützung im
Parlament und den Rückhalt in der Bevölkerung habe.
Der Generalinspekteur der Bundeswehr, Wolfgang Schneiderhan, sagte,
Merkel, de Hoop Scheffer und Jung hätten übereinstimmend den
notwendigen Veränderungsprozess der NATO in der künftigen
Sicherheitspolitik hervorgehoben. Er rief zu einer breiten Debatte
über die neuen Aufgaben der Bundeswehr auf. Der Auslandseinsatz
der Soldaten bestimme heute den Auftrag der Streitkräfte, wie es
vor wenigen Jahren noch nicht vorstellbar gewesen sei.
(Quelle: dpa)
Gewalt in Afghanistan kostete mehr als 8.000 Menschen das Leben
Di.11.03.08 - Afghanistan hat nach Angaben der Vereinten Nationen 2007 einen scharfen
Anstieg der Gewalt durch Aufständische und Terroristen erlebt.
Mehr als 8.000 Menschen kamen dabei ums Leben, wie
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon am Montag erklärte. Es habe
2007 jeden Monat durchschnittlich 566 Zwischenfälle gegeben, nach
425 pro Monat 2006. Die Zahl der Selbstmordanschläge sei von 123
im Jahr 2006 auf 160 im vergangenen Jahr gestiegen.
Die Gewalt in Afghanistan ist damit auf dem höchsten Stand seit
der US-Invasion 2001 zum Sturz der Taliban-Regierung. Diese hatte dem
Terrornetzwerk Al Kaida Unterschlupf geboten, das für die
Anschläge vom 11. September 2001 in den USA verantwortlich war.
Die Aufständischen würden zwar auch in Afghanistan selbst
unterstützt, ganz wichtig seien aber die im Ausland beheimateten
Netzwerke, erkläre Ban. Die Gewalt habe sich vor allem auf den
Süden und den Osten des Landes konzentriert, wobei immer
öfter Taktiken aus dem Irak angewendet würden wie am
Straßenrand versteckte Bomben, Selbstmordanschläge und
Entführung von Ausländern.
Ban verwies darauf, dass sich die Gewalt auhc im Süden des Landes
auf ein relativ kleines Gebiet konzentriere. 70 Prozent der Gewalt habe
sich in zehn Prozent der Bezirke Afghanistans ereignet, in denen sechs
Prozent der Bevölkerung lebten.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Zwischen Israel und Hamas schweigen die Waffen -- USA kritisieren
Siedlungspläne Israels -- Israel hebt Abriegelung des
Westjordanlands auf
Di.11.03.08 - Eine seit Tagen anhaltende Kampfpause zwischen Israel und den
Hamas-Extremisten hat Hoffnungen auf eine baldige Wiederaufnahme der
Nahost-Friedensgespräche geweckt.
Die jüngste Zurückhaltung könne gut zu einer Waffenruhe
führen, sagte ein israelischer Regierungsvertreter am Montag. Das
Ende der Gewalt im Gazastreifen gilt als Voraussetzung für eine
Rückkehr der Palästinenser an den Verhandlungstisch.
"Es sieht so aus, als ob die Hamas derzeit nicht schießt. Und wir
schießen auch nicht", sagte der Regierungsvertreter. "Daraus kann
gut ein Waffenstillstand werden. Aber der Ball liegt im Feld der Hamas."
Der Raketenbeschuss südisraelischer Städte aus dem
Gazastreifen heraus ist seit Mittwoch deutlich zurückgegangen. Die
israelische Armee hat seit Donnerstag keinen Angriff mehr auf das
Küstengebiet unternommen. Zuvor hatte Israel in einer
fünftägigen Bodenoffensive mehr als 120 Palästinenser
getötet, und die Hamas hatte das Raketenfeuer verstärkt.
Beide Seiten hielten sich gezielt zurück, sagten israelische und
palästinensische Vertreter. Es handle sich zwar nicht um eine
formelle Waffenruhe. Zwischen den Konfliktparteien habe es aber einen
Gedankenaustausch über ägyptische Vermittler gegeben,
hieß es in den israelischen Kreisen weiter. Der Armeerundfunk
sprach von einem "stillen Einverständnis".
Dagegen drohte ein Rückschlag in einem der schwierigsten
Konfliktpunkte der Friedensverhandlungen. Der Ausbau israelischer
Siedlungen drohe die Gespräche zu gefährden, mahnte
Deutschland. Die entsprechende Ankündigung der Regierung in
Jerusalem sei sicher nicht förderlich und der Ausbau "gerade zum
gegenwärtigen Zeitpunkt nicht akzeptabel", sagte ein Sprecher des
Auswärtigen Amtes in Berlin. Israel hat am Sonntag grünes
Licht für den Neubau von 330 Wohnungen auf besetztem Land am
Stadtrand von Jerusalem gegeben. Bundeskanzlerin Angela Merkel reist am
Sonntag zu den ersten deutsch-israelischen Regierungskonsultationen
nach Jerusalem.
Auch die US-Regierung hat die jüngsten Siedlungspläne Israels
kritisiert. Das Vorhaben sei für den Nahost-Friedensprozess nicht
hilfreich, erklärte der Sprecher des Außenministeriums, Sean
McCormack, am Montag. Außenministerin Condoleezza Rice traf
später in Washington mit ihrer israelischen Kollegin Zipi Livni
zusammen und erklärte, es sei wichtig, für eine positive
Stimmung im Friedensprozess zwischen Israel und den Palästinensern
zu sorgen.
Israel hat eine vor drei Tagen verhängte Abriegelung des
palästinensischen Westjordanlandes wieder aufgehoben. Dies
bestätigte eine israelische Militärsprecherin in Tel Aviv. Die
Blockade war nach dem Anschlag eines Palästinensers in einer
jüdischen Religionsschule in Jerusalem verhängt worden, bei
dem am Donnerstag außer dem Attentäter acht Menschen
getötet wurden. Der israelische Rundfunk meldete, die Abriegelung
sei aufgehoben worden, da sich die Lage in den vergangenen Tagen
beruhigt habe.
boa (Quellen: rtr, ap, dpa)
China will an Ein-Kind-Politik festhalten
Di.11.03.08 - China will noch mindestens ein Jahrzehnt an der Ein-Kind-Politik
festhalten, wie der Leiter der Kommission für Bevölkerungs-
und Familienplanung am Montag in der Zeitung «China Daily»
erklärte. Angesichts der bestehenden großen
Bevölkerungsbasis würde ein Ende der Ein-Kind-Politik zu
großen Fluktuationen führen, erklärte Zhang Weiqing am
Rande der Sitzung des Nationalen Volkskongresses. Über
Änderungen könne erst in rund zehn Jahren nachgedacht werden,
nach dem Ende des nächsten Geburten-Booms. Im nächsten
Jahrzehnt kommen rund 200 Millionen Menschen in China ins
gebärfähige Alter.
Die Ein-Kind-Politik wurde in den 70er Jahren eingeführt, um
damals weitere 400 Millionen Geburten zu verhindern. Derzeit hat China
eine Bevölkerung von 1,3 Milliarden, jährlich kommen 16 bis 17
Millionen hinzu. Paare in den Städten dürfen der Politik
zufolgee ein Kind haben, auf dem Land sind auch zwei Kinder möglich.
(Quelle: ap)
China wendet Todesstrafe 'unparteiischer' an
Di.11.03.08 - Seit Verabschiedung eines neuen Gesetzes vor mehr als einem Jahr wendet
China die Todesstrafe nach eigenen Angaben «strikter, vorsichtiger
und unparteiischer» an. Denn in den Regionen verhängte
Todesurteile müssen nun in Peking überprüft werden.
Die Höchststrafe werde nur noch in Fällen von
Schwerverbrechen mit «schwerwiegenden sozialen Folgen»
verhängt, sagte Chinas oberster Richter Xiao Yang am Montag auf der
Jahrestagung des Nationalen Volkskongresses in Peking. Das neue Gesetz
gilt seit Anfang des vergangenen Jahres. Wie viele Todesurteile seither
gesprochen wurden, sagte er nicht.
Der oberste Richter gab nur eine Gesamtzahl der in den vergangenen
fünf Jahren zu Höchststrafen Verurteilten bekannt. Von 2003
bis 2007 seien 760 000 Menschen zu Haftstrafen von fünf Jahren bis
lebenslang oder zum Tode verurteilt worden.
«Der Übergang (zum neuen Gesetz) ist reibungslos und
geregelt vorangegangen», sagte Xiao Yang vor rund 3000 Delegierten
in der Großen Halle des Volkes. Es sei sichergestellt, dass die
Todesstrafe nur bei der «winzigen Zahl» der
«extremen, verdorbenen und gefährlichen Verbrecher»
angewandt werde.
Peking behandelt die Zahl der tatsächlich verhängten
Todesurteile nach wie vor als Geheimnis. Die Menschenrechtsorganisation
Amnesty International berichtet von mindestens 1000 Exekutionen im Jahr.
Es wird aber eine deutlich höhere Zahl vermutet. Schätzungen
gingen in der Vergangenheit von bis zu 8000 Todesurteilen im Jahr aus.
In China sollen demnach mehr Menschen hingerichtet werden als in allen
anderen Ländern zusammen.
China hatte vor einem Jahr zugesagt, in Zukunft häufiger Gnade
walten zu lassen. Nach Angaben einer chinesischen Richterin sind mit dem
neuen Gesetz 15 Prozent der Todesurteile im vergangenen Jahr vom
obersten Gericht abgelehnt worden, wie die Website China Law Net vor
kurzem berichtet hatte. Die wichtigsten Gründe seien nach Angaben
der Leiterin der Strafrechtsabteilung am obersten Gerichtshof, Huang
Ermei, ein Mangel an Beweisen, Verfahrensfehler und «unklare
Fakten».
(Quelle: dpa)
Dalai Lama beklagt vor Olympia Menschenrechtsverletzungen in Tibet
Di.11.03.08 - Fünf Monate vor Beginn der Olympischen Spiele in Peking hat der
Dalai Lama China für eine Verschlechterung der Menschenrechtslage
im besetzten Tibet verantwortlich gemacht.
«In Tibet nimmt die Unterdrückung weiter zu», sagte
das geistige Oberhaupt der Tibeter am Montag in einer Ansprache zum 49.
Jahrestag des tibetischen Aufstands gegen China. In seinem Exil im
nordindischen Dharamsala kritisierte der Dalai Lama «zahlreiche,
unvorstellbare und grausame Menschenrechtsverletzungen, Verweigerung
der Religionsfreiheit und die Politisierung religiöser
Themen». Verantwortlich sei der Mangel an Respekt, den die
chinesische Regierung dem tibetischen Volk entgegenbringe.
Der Dalai Lama betonte, er habe die Idee, die Olympischen Spiele nach
China zu vergeben, «von Anfang an» unterstützt. Die
internationale Gemeinschaft solle im August nicht nur ihre Athleten
schicken, sondern China auch an die Prinzipien Meinungsfreiheit,
Gleichheit und Freundschaft erinnern. Die Welt müsse auch nach den
Olympischen Spielen auf kontinuierlichen Wandel in China hinwirken. Der
Dalai Lama erkennt die Souveränität Chinas über Tibet
an, fordert aber «echte Autonomie» für seine Heimat.
In der von seinem Büro übersetzten und verbreiteten Rede
beklagte der 72-Jährige am Montag, China nenne die Regionen, in
denen Tibeter lebten, zwar autonom. Das sei aber nur ein leeres Wort.
In Dharamsala begannen am Montag rund 100 Exil-Tibeter einen langen
Protestmarsch in ihre von China besetzte Heimat. Die chinesische
Regierung nutze Olympia als Plattform, um die illegale Besetzung Tibets
zu legitimieren, sagte der Präsident des Tibetischen Jugend-
Kongresses, Tsewang Rigzin, in Dharamsala. «Wir zeigen auf, dass
Tibet den Tibetern gehört und wir nie aufgeben werden, bis Tibet
unabhängig wird.» Die Tibetische Volksaufstands-Bewegung
(TPUM) teilte mit, Ziel sei es, «die tibetische Freiheitsbewegung
wieder zu beleben und die chinesische Besatzung Tibets zu
bekämpfen».
Aus Protest gegen die Besetzung ihres Landes entzündeten etwa 50
Tibeter vor dem Eingang der historischen Sportstätte im
griechischen Olympia ein eigenes Olympisches Feuer. Das Gelände
selbst hatte die Polizei abgesperrt, wie ein lokaler Radiosender
berichtete. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) erlaubt die
Beteiligung einer tibetischen Mannschaft an den Spielen in Peking
nicht. Die Organisatoren wollen am Tag vor Eröffnung der
Olympischen Spiele das eigene tibetische Feuer bis zur
indisch-tibetischen Grenze bringen.
In Deutschland hissten Menschen in mehr als 920 Städten,
Dörfern und Kreisen nach Angaben der Tibet Initiative Deutschland
am Montag die Flagge Tibets auf Rathäusern und Ämtern. Wie
der Verein in Frankfurt mitteilte, folgten dem Aufruf am 49. Jahrestag
des tibetischen Aufstands gegen China etwa 140 Kommunen mehr als im
Vorjahr. Ziel der Aktion sei es, das Recht des tibetischen Volkes auf
Selbstbestimmung zu unterstützen und gegen die Verletzung von
Menschenrechten und die Zerstörung der tibetischen Kultur und
Religion zu demonstrieren.
Bei Zusammenstößen in der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu
wurden mindestens drei tibetische Demonstranten und zwei Polizisten
verletzt. Die Polizei teilte mit, sie habe Schlagstöcke
eingesetzt, als Beamte von Unruhestiftern angegriffen worden seien. Zu
den Zusammenstößen kam es, als die rund 4000 Demonstranten
daran gehindert wurden, zur chinesischen Botschaft zu marschieren.
Nach dem Scheitern des Aufstands in Tibet war der 14. Dalai Lama im
März 1959 vor chinesischen Besatzungstruppen nach Indien geflohen,
wo die Regierung ihm seitdem Asyl gewährt. Insgesamt leben etwa
130 000 Tibeter im Exil, hauptsächlich in Indien, Nepal und Bhutan.
(Quelle: dpa)
EU wünscht sich Serbien wieder auf Europa-Kurs
Di.11.03.08 - Die Europäische Union erhofft sich von der geplanten Neuwahl in
Serbien Auftrieb für die EU-freundlichen Parteien in dem von der
Kosovo-Abspaltung erschütterten Land.
"Ich hoffe, die pro-EU-Kräfte werden gewinnen", sagte der
slowenische Außenminister und Ratsvorsitzende Dimitrij Rupel am
Montag in Brüssel. Die Annäherung Serbiens an die EU sei ohne
Alternative. Die Regierung unter Ministerpräsident Vojislav
Kostunica trat am Montag zurück, zerstritten über die
Europa-Politik nach der Abspaltung des Kosovo. Die staatliche
Nachrichtenagentur Tanjug berichtete, die Neuwahl sei gleichzeitig mit
den Kommunalwahlen für den 11. Mai geplant.
Kostunica hat sich wegen des Streits um die Unabhängigkeit des
Kosovo von der EU abgewandt. Die südserbische Provinz hatte sich
am 17. Februar zum selbstständigen Staat erklärt. Die
Mehrheit der EU-Länder unterstützt diesen Schritt. Der
Regierungschef warf seinen Partnern indirekt vor, den Anspruch auf das
Kosovo aufzugeben, um bessere Beziehungen zum Westen zu erreichen.
Kostunicas Koalitionspartner, die Partei von Präsident Boris
Tadic, tritt für eine Annäherung Serbiens an die EU ein. Vor
wenigen Wochen erst war Tadic mit hauchdünnem Vorsprung vor seinem
ultranationalistischen Konkurrenten Tomislav Nikolic wiedergewählt
worden.
Die EU setzt darauf, dass bei den Wahlen nun die Parteien gestärkt
werden, die weiter für den EU-Beitritt Serbiens sind. "Ich will
hoffen, dass diejenigen, die an der europäischen Perspektive
Serbiens festhalten, die Oberhand gewinnen", sagte
Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmier. Eine
"nationalistische Verengung" der serbischen Politik helfe weder den
Serben, noch würde sie zu Stabilität auf dem Balkan beitragen.
Die EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner sprach sich erneut
für Reiseerleichterungen und andere Zugeständnisse der EU an
Serbien aus. Kostunica hatte ein von der EU angebotenes Abkommen
über Visa-Politik und Freihandel ausgeschlagen, nachdem die EU
schon vor der Unabhängigkeitserklärung des Kosovo eine rund
1800 Personen starke Rechtsstaatsmission für die Provinz auf den
Weg gebracht hatte. "Wir müssen der serbischen Bevölkerung
jetzt zeigen, dass wir sie in der EU wollen", sagte Ferrero-Waldner.
Der französische Außenminister Bernard Kouchner berichtete,
einige EU-Minister hätten kürzlich zu Gesprächen mit der
Regierung nach Belgrad reisen wollen, wären aber "sehr brutal"
zurückgewiesen worden.
(Quelle: rtr)
Ölpreise setzen Rekordjagd fort
Di.11.03.08 - Die Ölpreise haben am Montag ihre rasante Rekordjagd fortgesetzt
und sind nach erheblichen Preissprüngen auf neue historische
Höchststände gestiegen.
Ein Barrel (159 Liter) der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur
Auslieferung im April kletterte am Abend auf bis zu 108,20 Dollar und
damit erstmals über die Marke von 108 Dollar. Auch die
Nordseesorte Brent verteuerte sich deutlich und stieg mit bis zu 104,42
Dollar erstmals über die Marke von 104 Dollar.
Am Nachmittag hatte WTI im Vergleich zum neuen Höchststand noch
rund vier Dollar weniger gekostet, Brent rund drei Dollar weniger.
Zuletzt kostete WTI-Rohöl 107,91 Dollar und damit 2,76 Dollar mehr
als zum Handelsschluss Freitag. Ein Barrel Brent notierte bei 104,19
Dollar. Das waren 1,81 Dollar mehr als zum Wochenausklang.
Laut Rohstoffexpertin Gabriele Widmann von der DekaBank ist der
neuerliche Preissprung vermutlich auf markttechnische Faktoren
zurückzuführen. Mit Neuigkeiten von fundamentaler Seite sei
die Kursbewegung jedenfalls nicht zu erklären, sagte Widmann. Die
Lage am Rohölmarkt sei jedoch nach wie vor angespannt,
insbesondere nach der Entscheidung der Organisation Erdöl
exportierender Länder (OPEC) von vergangener Woche, ihre
offizielle Förderquote unverändert bei knapp 30 Millionen
Barrel pro Tag zu belassen.
Marktbeobachter verwiesen zudem auf den anhaltend schwachen Dollar, der
die in US-Währung notierten Rohstoffe verbillige und mithin deren
Nachfrage beflügele. Daneben hätten die Anleger angesichts
der schwach tendierenden Aktienmärkte wieder vermehrt in
vergleichsweise sichere Anlageklassen wie Rohstoffe investiert.
Auch der Preis für OPEC-Rohöl ist auf einen neuen Rekordstand
geklettert. Nach Angaben des OPEC-Sekretariats vom Montag kostete ein
Barrel aus den OPEC-Fördergebieten am Freitag durchschnittlich
99,16 Dollar. Das waren 70 Cent mehr als am Donnerstag. Damit wurde der
erst am Donnerstag beim sogenannten Korbpreis aufgestellte Rekord von
98,46 Dollar erneut übertroffen.
(Quelle: dpa)
Preissteigerungen für Nahrung und Öl behindern
Armutsbekämpfung
Di.11.03.08 - Teure Nahrungsmittel, steigende Ölpreise und auch die Folgen der
Klimaerwärmung behindern den Kampf der Vereinten Nationen gegen
die Armut. Wie es am Montag in New York nach einem Treffen zur
Umsetzung der acht UN-Millenniumsziele (http://www.un.org/millenniumgoals/),
die unter anderem eine Halbierung der Armut bis 2015 vorsehen,
hieß, ist besonders die Region südlich der Sahara noch weit
vom Erreichen dieser Ziele entfernt.
Ein Ziel, die Zahl der Frauen, die bei der Geburt sterben, um drei
Viertel zu reduzieren, sei nicht mehr zu erreichen, wenn dafür
nicht deutlich mehr Geld bereit gestellt werde, erklärte
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. Er und der Präsident der
UN-Vollversammlung, Srgjan Kerim, hätten für den 25.
September ein Gipfeltreffen einberufen, um die Verfolgung der
UN-Millenniumsziele voranzutreiben.
(Quelle: ap)
Sentix-Umfrage: Wachsender Konjunkturpessimismus bei Anlegern
Di.11.03.08 - Börsenanleger beurteilen die wirtschaftlichen Aussichten des
Euro-Raums im März den neunten Monat in Folge negativer.
Der Sentix-Index fiel damit auf den niedrigsten Stand seit Juli 2005,
wie die Investmentberatung Sentix am Montag zu ihrer Umfrage unter 836
europäischen Investoren mitteilte. Sie schätzten sowohl die
Aussichten als auch die Lage schlechter ein als noch im Februar. Grund
dafür dürften niedrigere Aktienkurse, hohe Ölpreise und
der starke Euro sein, hieß es.
Der Konjunkturindex für den Euro-Raum sank von 4,3 auf 0,4 Punkte.
Die Aussichten beurteilten die Experten so pessimistisch wie noch nie
seit Umfragebeginn 2003. Die Lage wurde so schlecht bewertet wie seit
gut Dezember 2005 nicht mehr.
(Quelle: rtr)
Deutsche Industrie bleibt auf Wachstumspfad
Di.11.03.08 - Der Umsatz in der deutschen Industrie ist trotz der
Konjunkturabkühlung im Januar kräftig gestiegen. Nach Angaben
des Statistischen Bundesamtes vom Montag setzte das verarbeitende
Gewerbe 5,3 Prozent mehr um als im Vorjahresmonat. Das
Inlandsgeschäft legte um 5,0 Prozent zu, die Erlöse im Ausland
stiegen um 5,8 Prozent. Dabei wuchs der Umsatz mit Ländern in der
Euro-Zone mit 2,9 Prozent vergleichsweise schwach, im übrigen
Ausland erreichte die Industrie ein Plus von 8,4 Prozent.
Das stärkste Umsatzwachstum verzeichnete im Januar die Herstellung
von Rundfunk- und Nachrichtentechnik mit einer Zuwachsrate von 17,2
Prozent. Die Produktion von Metallerzeugnissen legte um 6,5 Prozent zu.
Im vergangenen Jahr hatte die Industrie in Deutschland ihren Umsatz
insgesamt um 6,1 Prozent verbessert. Dabei wuchs das
Inlandsgeschäft um 4,0 Prozent, die Erlöse im Ausland stiegen
um 8,7 Prozent.
(Quelle: ap)
Wirtschaftsexperte: Für viele Jahre keine spürbaren
Lohnerhöhungen
Di.11.03.08 - Der Chefvolkswirt von Allianz und Dresdner Bank, Michael Heise, rechnet
in den nächsten zehn Jahren nicht mit spürbaren
Reallohnsteigerungen. Heise sagte der «Bild»-Zeitung
(Freitagausgabe): «Es ist zu vermuten, dass die Reallöhne
auch in den nächsten zehn Jahren nur leicht steigen werden. Grund
ist die anhaltende weltweite Konkurrenz für deutsche Firmen.»
Der Chefvolkswirt fordert deshalb eine steuerliche Entlastung der
kleinen und mittleren Einkommen: «An den hohen Preisen vor allem
für Energie und Nahrungsmittel kann man kaum etwas ändern. Der
Staat kann aber die Kaufkraft stärken, in dem er vor allem die
kleinen und mittleren Einkommen steuerlich entlastet.»
(Quelle: ddp)
Arbeitsministerium hält an Mindestlohn-Plänen fest
Di.11.03.08 - Das Arbeitsministerium hat Forderungen aus der Union
zurückgewiesen, nach dem Berliner Urteil zum Mindestlohn für
Briefträger seine Gesetzespläne zu Mindestlöhnen auch in
anderen Branchen zurückzuziehen.
Das Urteil des Berliner Verwaltungsgerichts gegen die entsprechende
Mindestlohnverordnung des Ministeriums ändere nichts daran, dass
man das "gemeinsam vereinbarte Anliegen" der Regierung weiterverfolgen
werde, sagte ein Ministeriumssprecher. Unter Leitung von
Bundeskanzlerin Angela Merkel lehnte der Vorstand der CDU nach Angaben
des Mittelstandspolitikers Michael Fuchs eine Festlegung eines
Mindestlohns für die Zeitarbeitsbranche endgültig ab. Das
Arbeitsministerium dagegen will von einer solchen Ablehnung erst einmal
nichts wissen.
Am Mindestlohn für Briefzusteller ändert sich mit dem Urteil
vom Freitag nach den Worten eines Ministeriumssprechers nichts. Jeder
Betroffene könne ihn auch nach dem Urteil einklagen. Inhaltlich
sei das Ministerium mit dem Urteil nicht einverstanden und setze auf
die Berufung. Auch die CDU sieht das Urteil kritisch, wie
Generalsekretärs Ronald Pofalla sagte. Das Verwaltungsgericht habe
die Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichtes und des
Bundesverwaltungsgerichtes nicht berücksichtigt. Die Klage
hätte als unzulässig zurückgewiesen werden müssen.
"Insofern ist mit einer Aufhebung des Berliner Urteils zu rechnen",
sagte er.
Wirtschaftsminister Michael Glos hatte das Urteil hingegen als "Sieg
für den Wettbewerb" begrüßt und eine Rücknahme der
Post-Mindestlohnregelung verlangt. Die Bundesregierung hatte
kürzlich einen Mindestlohn zwischen 8,00 und 9,80 Euro pro Stunde
für allgemeinverbindlich erklärt, wie ihn die Gewerkschaft
Verdi mit der Post vereinbart hatten. Wegen des Urteils geriet die
Aktie der Post unter Druck. "Das Urteil belastet die Post", sagte ein
Händler. Die Titel verloren zeitweise mehr als ein Prozent.
Das Arbeitsministerium wies das Ansinnen der Union zurück, die in
Beratungen stehenden Gesetzentwürfe für Mindestlöhne in
anderen Branchen abzuändern. "Das eine hat nichts mit dem anderen
zu tun", sagte der Sprecher. Vielmehr würden durch die
Gesetzespläne von Arbeitsminister Olaf Scholz gemeinsame
politische Vereinbarungen der Koalition "eins zu eins" umgesetzt.
Angestrebt werde eine zügige Umsetzung der Pläne. Einen
Termin gebe es noch nicht. Regierungssprecher Ulrich Wilhelm
ergänzte, die Gespräche über die Gesetzespläne in
der Regierung dauerten noch an.
Der Unions-Wirtschaftspolitiker Laurenz Meyer sagte der "Bild"-Zeitung,
die Mindestlohn-Pläne von Scholz für andere Branchen seien
nicht genehmigungsfähig. Ein existierender Tarifvertrag dürfe
nicht durch gesetzliche Maßnahmen verdrängt werden.
Mittelstandspolitiker Fuchs sagte ähnliche Konflikte wie bei der
Post- in der Zeitarbeits- und Entsorgungsbranche voraus. Der
CDU-Vorstand lehnte es nach seinen Worten endgültig ab, die
Zeitarbeit ins Entsendegesetz aufzunehmen und damit auch dort einen
Mindestlohn zu schaffen. In der Branche gebe es eine Tarifbindung von
95 Prozent. Daher werde die Union einer Ausweitung des Gesetzes nicht
zustimmen.
Eine Sprecherin im Arbeitsministerium hielt dagegen, die Tarifpartner
der Branche hätten bereits ihr Interesse an einer Aufnahme in das
Entsendegesetz bekundet. Darüber entschieden worden sei aber noch
nicht. Minister Scholz hatte bereits seine positive Bewertung des
Ansinnens der Branche deutlich gemacht.
Die Union Mittelständischer Unternehmen (UMU) forderte von der
Bundesregierung wie der Verband der Familienunternehmer, ihre
Mindestlohnpläne ad acta zu legen. In einer Umfrage der Berliner
Handwerkskammer sprachen zwei Drittel der gut 1000 befragten Betriebe
für einen gesetzlichen Mindestlohn aus.
(Quelle: rtr)
Teilprivatisierung der Bahn -- Gewerkschaft fordert
Kündigungsschutz bis 2023
Di.11.03.08 - Der Vorsitzende der Gewerkschaft Transnet, Norbert Hansen, fordert bei
der geplanten Teilprivatisierung der Deutschen Bahn eine umfassende
Sicherung der Arbeitsplätze. Dazu gehöre ein
Kündigungsschutz für mindestens 15 Jahre «ohne Wenn und
Aber», sagte Hansen der «Stuttgarter Zeitung»
(Dienstagausgabe). «Den Investoren muss klar sein, dass sie ihre
Rendite-Erwartungen nicht auf dem Rücken der Beschäftigten
realisieren können», erklärte er. Seit der Bahnreform
hätten die Mitarbeiter eine überaus harte Sanierung
mitgetragen. Das könne nicht immer so weitergehen.
Für den Fall, dass die Bundesregierung die Forderungen der
Gewerkschaft übergeht, drohte Hansen damit, «alle Register
des Widerstands» zu ziehen. «Gegen eine Privatisierung, die
auf die spätere Zerschlagung die Bahn hinausläuft,
würden wir massiv kämpfen, davor kann ich nur warnen»,
sagte der Transnet-Chef, der auch stellvertretender
Aufsichtsratsvorsitzender der Bahn ist. Dann könne es sehr rasch
neue Bahnstreiks geben.
Den Tarifabschluss der Lokführergewerkschaft GDL bewertete Hansen
auch für Transnet als Erfolg. Der eigenständige Vertrag
für die Lokführer füge sich konflikt- und
widerspruchsfrei in das neue Tarifgefüge im Konzern ein.
«Das war für uns immer eine Grundvoraussetzung, die nun
erfüllt ist», sagte Hansen.
Er habe GDL-Chef Manfred Schell allerdings nicht zu dem Abschluss
gratuliert, erklärte der Transnet-Vorsitzende. Dafür gebe es
keinen Grund: «Die letzten Monate waren spannungsreich und
anstrengend genug.» Nun gehe es darum, das Verhältnis zur
GDL zu entkrampfen und mit dem designierten GDL-Chef Claus Weselsky
eine vernünftige und sachliche Basis der Zusammenarbeit zu finden.
(Quelle: ap)
PD-Vorsitzender Beck stellt Kurswechsel zur Linkspartei nicht in
Frage -- Räumt Fehler ein -- 'Kein Zerwüfnis' in der
Führung
Di.11.03.08 - SPD-Chef Kurt Beck stellt die Öffnung zur Linkspartei trotz
heftiger Kritik nicht in Frage.
Er meldete sich am Montag nach zweiwöchiger Krankheit mit einem
Bekenntnis zum Kurswechsel zurück auf der politischen Bühne
und wies den Vorwurf des Wortbruchs von sich. Er sei als Parteichef
nicht geschwächt, wolle sich aber besser abstimmen. Mit einer
scharfen Abgrenzung zur Linkspartei suchte er nach wochenlangem Druck
auf die SPD die Offensive. Führende Sozialdemokraten traten
Berichten über ein Zerwürfnis zwischen Beck und weiteren
Mitgliedern der Führung entgegen. Bei einem Krisentreffen am
Sonntagabend wurden nach Angaben aus Parteikreisen trotz inhaltlicher
Weichenstellungen nicht alle Konflikte ausgeräumt.
Beck stellte die von ihm eingeleitete Öffnung der SPD zur
Linkspartei als länger geplante Strategie dar, deren Umsetzung
aber zunächst missglückt sei. Die SPD habe damit auf die neue
Präsenz der Linkspartei in Westdeutschland reagieren müssen.
"Parteien müssen sich auf neue Lagen einstellen können",
sagte er. Beck wies den Vorwurf zurück, er habe damit sein Wort
gebrochen und die SPD unglaubwürdig gemacht. "Ich kann nicht
erkennen, dass ich mein Wort gebrochen habe." Auch Parteien würden
nicht unglaubwürdig, wenn sie ihre Position der neuen Lage
anpassten. Beck sprach von einer "Neuorientierung".
Mit Blick auf Berichte, er sei als Parteichef geschwächt und habe
schwer an Autorität verloren, sagte er: "Das einzige, was ich
während der Krankheit verloren habe - und zwar gerne - sind circa
fünf bis sechs Kilo." Beck hatte seit zwei Wochen wegen einer
Grippe nicht öffentlich in den Streit eingegriffen, der ihn und
die SPD in Umfragen deutlich an Zustimmung kostete.
Beck räumte Fehler bei der Einleitung des neuen Kurses ein. Sein
Plan, darüber mit der SPD-Führung zu sprechen, sei durch die
vorzeitige Veröffentlichung überholt worden. "Menschen
begehen auch Fehler." Doch auch ein anderer Einstieg in die Debatte
"hätte kaum zu weniger Eruptionen geführt". Der Kurs
gegenüber der Linkspartei werde in den kommenden Monaten in der
SPD diskutiert und dann bei einer Konferenz im Mai besiegelt werden.
Auf Becks Drängen haben die SPD-Landesverbände nun freie
Hand, mit der Linken zu kooperieren. Dies kritisierten Finanzminister
Peer Steinbrück und Außenminister Frank-Walter Steinmeier,
zwei Vize Becks. Darauf gab es Berichte über ein Zerwürfnis
und Pläne für die Ablösung Becks.
Dem trat Beck entgegen: "Das Präsidium hat deutlich gemacht, dass
wir zueinander stehen." Zur Kritik aus der Führung an seinem Kurs
sagte er: "Ein solches Zerwürfnis gibt es nicht." Er betonte das
Vertrauen in seine Stellvertreter und nannte ausdrücklich
Steinbrück, der heftige Kritik an Becks Kurs ausgelöst hatte.
Weitere führende SPD-Politiker nannten Berichte über einen
Putsch gegen Beck falsch. Ein Krisentreffen Becks mit seinen Vertretern
am Sonntagabend war nach Teilnehmer-Angaben vom Bemühen um eine
gemeinsame Haltung in der schwierigen Lage geprägt. Doch seien
schwere Konflikte weder angesprochen, noch ausgetragen worden. Auf
Fragen, ob er nach der Kritik an seiner Führung 2009
Kanzlerkandidat werden könne, bekräftigte Beck, dies werde
Ende dieses Jahres oder Anfang 2009 entschieden. Beck bekannte sich
ausdrücklich zur großen Koalition im Bund.
Nach der heftigen Kritik an der Öffnung der SPD zur Linken betonte
Beck die Unterschiede. "Diese Linkspartei ist eine für uns
gegnerische Partei wie andere auch", sagte er. "Es gibt eine so tiefe
inhaltliche Differenz, dass Spekulationen über mögliche
Koalitionen auch in der Zukunft jeglicher Grundlage entbehren." Er
schloss aus, dass sich ein SPD-Kandidat nach der Wahl 2009 mit
Linken-Stimmen zum Kanzler wählen lassen würde. Mit Blick auf
Hessen machte er klar, dass die Bundes-SPD die Tolerierung einer
rot-grünen Regierung ablehnt. Es werde sich zeigen, was sich "in
den nächsten Monaten und Jahren" in dieser Frage entwickle.
Beck versuchte zudem, mit Entscheidungen zu Sachthemen wieder in die
Offensive zu kommen. Er erklärte die in der SPD umstrittene
Teilprivatisierung der Bahn zur Chefsache und kam damit einer Forderung
der Privatisierungs-Befürworter entgegen, zu denen auch
Steinbrück und Steinmeier zählen. Steinbrück kann sich
auch mit einem Bekenntnis zu einer Schuldenbremse bei der
Föderalismus-Reform gestärkt fühlen.
(Quelle: rtr)
Linkspartei reagiert mit Genugtuung auf Becks Auftritt
Di.11.03.08 - Mit Genugtuung hat die Linkspartei auf die Worte von SPD-Chef Kurt Beck
zum künftigen Kurs der Sozialdemokraten reagiert. Beck habe
endlich eingestanden, die Linkspartei nicht länger ignorieren zu
können, sagte Linke-Vorstandsmitglied Ulrich Maurer am Montag auf
ddp-Anfrage in Berlin.
Beck hatte zuvor bei seinem ersten Auftritt nach einer
zweiwöchigen Grippeerkrankung eine langfristige Auseinandersetzung
seiner Partei mit der Linken angekündigt, den Vorwurf einer
«Hinwendung der SPD» zur Linkspartei jedoch
zurückgewiesen.
«Für eine inhaltliche Auseinandersetzung sind wir immer
offen», sagte Maurer. «Nur haben wir es derzeit mit zwei
Parteien innerhalb der SPD zu tun», sagte er angesichts der
anhaltenden SPD-internen Unstimmigkeiten über den Umgang mit der
Linken.
Der Chef der Linkspartei, Lothar Bisky, bezeichnete die laufende
Debatte innerhalb der SPD als «befremdlich». Die
parteiinternen Angriffe zwischen dem linken und dem konservativen
SPD-Flügel seien «Kinderkram». Außerdem laufe
die Diskussion fernab von dem, was die Menschen bewege.
Deutschland steuere klar auf ein Fünf-Parteien-System zu, sagte
Bisky und fügte hinzu: «Diese Tendenz ist schwer
aufzuheben.» Die Linkspartei sei bereits in vier westdeutschen
Landtagen vertreten. Dieser Erfolg werde sich fortsetzen. «Ich
fürchte nicht, dass man uns nicht in die Regierung
lässt», sagte Bisky. Wer mit der Linken zusammenarbeiten
wolle, müsse jedoch bereit seien, über deren inhaltliche
Ziele zu sprechen.
(Quelle: ddp)
Ex-Verfassungsrichter wirft SPD 'Anschlag auf Rechtsstaat' vor
Di.11.03.08 - Der ehemalige Bundesverfassungsrichter Hans-Joachim Jentsch wirft der
hessische SPD im Zusammenhang mit der Abweichlerin Dagmar Metzger einen
«Anschlag auf den Rechtsstaat» vor. «Die
nachhaltigste Verletzung des Demokratieprinzips findet dann statt, wenn
Parteien nicht nur unangemessen auf die Meinungsbildung ihrer
Abgeordneten einwirken, sondern das Auswechseln von Abgeordneten
erzwingen wollen, die das Wahlvolk bestellt hat», sagte Jentsch
der Mainzer «Allgemeinen Zeitung».
Wenn letzteres geschehe, «begäben wir uns auf den Weg zum
Totalitarismus, ein Modell, das in Deutschland mit dem
Nationalsozialismus und dem SED-Regime verbunden war und
überwunden scheint», wird Jentsch zitiert. Der
verständliche Wunsch nach Geschlossenheit einer Partei habe seine
Grenze in der Eigenverantwortung des Abgeordneten, die er aus seinem
Gewissen ableiten müsse. Metzger wird von ihrer Partei zu einem
Mandatsverzicht gedrängt, weil sie in der Frage einer
Zusammenarbeit mit der Linken nicht auf Parteilinie liegt.
(Quelle: ap)
Hessen-CDU verstärkt Suche nach neuen Mehrheiten --
SPD-Spitzenkandidatin Ypsilanti kandidiert nicht als
Ministerpräsidentin am 5. April
Di.11.03.08 - Sechs Wochen nach der Landtagswahl in Hessen kommt neue Bewegung in die
Suche nach Mehrheiten: Während SPD-Spitzenkandidatin Andrea
Ypsilanti am Montag ihren Verzicht auf die Kandidatur als
Ministerpräsidentin am 5. April bekräftigte, verstärkte
Amtsinhaber Roland Koch (CDU) seine Suche nach neuen Partnern. Koch
ließ dabei demonstrativ offen, ob er für eine
Jamaika-Koalition mit den Grünen vielleicht doch auf sein Amt
verzichten könnte.
Die Grünen, die inzwischen in Hamburg über eine Koalition mit
der CDU verhandeln, schlossen sie in Hessen erneut aus. Dies liege nicht
nur an Koch, sondern an der gesamten Politik, für die die CDU dort
stehe, sagte die Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Renate Künast.
«Ich glaube, es gibt in der Politik Grenzen der Scham.»
Künast plädierte im ZDF-Morgenmagazin erneut für eine
Ampelkoalition in Hessen.
Zuletzt war darüber spekuliert worden, ob die Frankfurter
Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) eine Jamaika-Koalition mit FDP
und Grünen in Wiesbaden führen könnte.
Koch sagte zu der Frage, ob er in diesem Fall zum Amtsverzicht bereit
wäre: «Ich glaube, dass es ganz gut ist, wenn wir in Hessen
über die Sache reden.» Nach den Differenzen im Wahlkampf sei
es nun an den Parteien, Verantwortung zu übernehmen und «im
Rahmen dessen, was uns Wähler erlauben, ohne Wortbruch zu begehen,
Kompromisse zu suchen. Das ist noch lange nicht genug geschehen.»
Gleichzeitig machte er deutlich, dass er nicht auf Dauer nur
geschäftsführend im Amt bleiben will: «Ich habe ein
hohes Interesse daran, dass es bald wieder eine gewählte Regierung
des Landes gibt.»
Sowohl in der CDU als auch in der FDP mehren sich die Stimmen, die
offensiv für eine Koalition von CDU, FDP und Grünen werben.
«Jamaika ist eine reale Möglichkeit in Hessen», sagte
CDU-Präsidiumsmitglied Friedbert Pflüger. Auch die
FDP-Präsidiumsmitglieder Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und
Wolfgang Gerhardt setzten sich für eine Jamaika-Koalition in Hessen
ein.
SPD-Landeschefin Ypsilanti wies unterdessen Spekulationen zurück,
sie erwäge doch noch eine Kandidatur als Ministerpräsidentin
in der Landtagssitzung am 5. April. Sie verzichte auf die Kandidatur zu
diesem Termin, «weil ich die Mehrheit nicht garantieren
kann», sagte sie in Berlin. «Und dabei bleibt es auch, egal,
wie Frau Metzger sich letzten Endes entscheidet.»
Die hessische SPD-Landtagsabgeordnete Dagmar Metzger hatte am Freitag
angekündigt, Ypsilanti bei einer Wahl mit Hilfe der Linken die
Stimme zu verweigern. Am Wochenende hatte sie sich Bedenkzeit
ausbedungen, ob sie eventuell ihr Landtagsmandat niederlegt.
Metzger beschwerte sich in der «Bild»-Zeitung, dass sie
wegen ihrer Weigerung auch in der eigenen Partei beschimpft worden sei.
«Besonders dieser moralische Druck war schlimm», sagte sie.
«Es fielen Ausdrücke wie 'Sauerei' und so weiter.» Das
Telefon habe kaum still gestanden. Metzger sprach von einem
Spießrutenlaufen. Ihr sei am Telefon vorgeworfen worden, sie
würde die Partei kaputtmachen.
Laut «Bild» ist es ungewiss, ob sich Metzger bis zur
nächsten SPD-Fraktionssitzung am Dienstag entscheidet, ob sie ihr
Landtagsmandat behält oder niederlegt. «Das kann alles auch
noch etwas länger dauern», wird Metzger zitiert.
Der niedersächsische SPD-Vorsitzende Garrelt Duin lobte
ausdrücklich Metzgers Mut. «Ich finde es fatal, wenn Frau
Metzger jetzt unter Druck gesetzt wird. Sie tut nichts anderes, als sich
daran zu erinnern, was vor der Wahl gesagt worden ist», sagte
Duin in der ARD-Sendung «Anne Will».
(Quelle: ap)
SPD und Grüne angetan von FDP-Öffnungskurs
Di.11.03.08 - FDP-Chef Guido Westerwelle stößt mit seiner neuen
Koalitionsstrategie auf wohlwollende Reaktionen bei SPD und
Grünen. SPD-Chef Kurt Beck und der Grünen-Vorsitzende
Reinhard Bütikofer begrüßten die Öffnung der
Liberalen gegenüber neuen Bündnissen. Der FDP-Chef griff
zugleich die Union in scharfer Form an. Diese gab sich gelassen und
erklärte, für sie bleibe die FDP erste Wahl.
Westerwelle sagte in Berlin, für seinen Kurs, eine Koalition mit
SPD und Grünen auf Bundesebene nicht auszuschließen, habe er
die einstimmige Unterstützung des FDP-Präsidiums bekommen.
Allerdings sehe er «derzeit» für eine
«Ampel»-Koalition mit SPD und Grünen im Bund
«keine inhaltliche Basis». Da beide Parteien der Linken
hinterherliefen, gebe es momentan immer noch die größten
Schnittmengen mit CDU und CSU. Doch werde die Union zunehmend
«beliebiger» und zeige mit ihren Entscheidungen zugunsten
von Gesundheitsfonds oder Mindestlohn, dass es ihr in erster Linie nur
noch um Machterhalt gehe.
SPD-Chef Beck begrüßte, dass die Lagerbildung der Parteien
aufzubrechen beginne. «Ich höre voller Anerkennung, dass
diese Diskussion bei den Freien Demokraten geführt wird»,
sagte Beck.
Bütikofer bescheinigte dem FDP-Chef eine «leichte Prise
Realismus». Die Tatsache schwarz-grüner
Koalitionsgespräche in Hamburg führe dazu, dass Westerwelles
«ziemlich unsinnige Blockade-Haltung» gegenüber einer
denkbaren «Ampel»-Option im Bund «zu schwinden
beginnt». Grünen-Fraktionschefin Renate Künast
hält nach der nächsten Bundestagswahl eine
«Ampel»-Koalition für vorstellbar. Unter den jetzigen
Bedingungen sei eine «Ampel» am wahrscheinlichsten.
CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla und CDU-Vize Annette Schavan
hoben hervor, mit der FDP seien die Schnittmengen weiterhin am
größten. Ziel der Union für die Bundestagswahl bleibt
laut Pofalla «40 plus x», damit die Chancen für ein
Zweierbündnis aus Union und FDP gewahrt bleibe.
Pofalla teilte aber zugleich in Richtung Liberale aus. Er wundere sich,
dass die FDP angesichts ihres schlechten Abschneidens bei der
Bürgerschaftswahl versuche, die Union dafür verantwortlich zu
machen. In Hamburg, der zweitreichsten deutschen Großstadt, habe
es die FDP zum wiederholten Male nicht geschafft, ins Landesparlament
einzuziehen, hielt Pofalla den Liberalen vor.
Westerwelle verschärfte seine Angriffe auf die Union. «Die
Union platziert sich zurzeit links von der Mitte», sagte der
FDP-Chef und fügte hinzu: «Alles das, was früher
sozialistisches Teufelszeug gewesen wäre, macht die Union jetzt in
dieser Bundesregierung.» Die CDU/CSU mache «jeden faulen
Kompromiss». Die FDP wolle nicht einfach zuschauen, wie
«die Union die soziale Marktwirtschaft abwickelt».
(Quelle: ddp)
Kritik an Finanzierungskonzept der Pflegereform
Di.11.03.08 - Der Wirtschaftsprofessor Bernd Raffelhüschen hat Zweifel am
Finanzierungskonzept der geplanten Pflegereform geäußert.
Durch die zusätzlichen Leistungen werde mehr ausgegeben, als durch
die höheren Beiträge zur Pflegeversicherung eingenommen werde,
sagte er dem Münchner Magazin "Focus". Der Ökonom sagte
gravierende Folgen für die seit 13 Jahren bestehende
Pflegeversicherung voraus: "Wir rennen sehenden Auges in eine
Katastrophe." Die Verabschiedung der Reform ist für Freitag im
Bundestag geplant.
Besonders deutlich werde der Unterschied zwischen versprochenen
Leistungen und absehbaren Einnahmen bei altersverwirrten Menschen, so
Raffelhüschen. "Die zusätzliche Leistungen für
Demenzkranke sind nur zu einem Drittel durch den höheren
Beitragssatz finanziert." Um diese Leistungen zu finanzieren, müsse
der Beitragssatz nicht wie geplant um 0,25 Prozentpunkte des
Bruttolohns, sondern um 0,8 Prozentpunkte steigen.
(Quelle: epd)
Heye beklagt neue Qualität rechter Gewalt in Ostdeutschland
Di.11.03.08 - Der Verein «Gesicht Zeigen» sieht eine neue
Qualität rechter Gewalt im Osten Deutschlands. Immer öfter
rückten gewerbetreibende Migranten ins Visier rechter Extremisten,
sagte der Vorsitzende des Vereins, Uwe-Karsten Heye, am Montag in
Berlin. Er betonte: «Es handelt sich um eine gezielte Strategie
der Rechtsextremisten zur ethnischen Säuberung und zur Vernichtung
von Existenzen».
Als Beispiel nannte Heye das Land Brandenburg, wo es 2007 sechs
Fälle von Brandstiftungen und fünf Fälle von
Sachbeschädigungen an ausländischen Gewerbeeinrichtungen
gegeben habe.
Heye äußerte sich zum Auftakt der bundesweiten Aktionswoche
gegen Rassismus. Mit Lesungen, Vorträgen, Theaterstücken,
Podiumsdiskussionen und Museumsprojekten soll vom 10. bis 23. März
der Öffentlichkeit das Problem rechter Gewalt vor Augen
geführt werden. Die Woche gegen Rassismus findet zum achten Mal
statt - immer zeitnah zum internationalen Tag gegen Rassismus am 21.
März.
Heye hatte kurz vor der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 mit einer
Äußerung über sogenannte No-Go-Areas in Ostdeutschland
für Wirbel gesorgt. Der frühere Bundesregierungssprecher
sagte damals, es gebe «kleine und mittlere Städte in
Brandenburg und anderswo», wo er «keinem, der eine andere
Hautfarbe» habe, «raten würde, hinzugehen».
Besucher würden solche Orte «möglicherweise lebend
nicht wieder verlassen». Später äußerte Heye
Bedauern über seine «zugespitzten
Äußerungen».
(Quelle: ddp)
Hochschulen fordern intensive Studienberatung schon in der Schule
Di.11.03.08 - Die Kultusminister müssen nach Ansicht der Hochschulen für
eine bessere Studienberatung an Schulen sorgen. In der «Neuen
Osnabrücker Zeitung« (Montagausgabe) kritisierte die
Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Margret
Wintermantel: »Viele Schüler kennen ihre Eignungen und
Neigungen nicht.» Sie müssten schon weit vor dem Abitur
intensiver informiert und betreut werden als bisher, um die richtige
Studienwahl treffen zu können.
«Die Lehrer wissen noch zu oft nicht genug über die neuen
Studienstrukturen«, sagte die HRK-Präsidentin. Die
Schüler seien dann weitgehend auf sich gestellt, sich die
Studienwelt zu erschließen. Die werde aber immer komplexer: Durch
die Umstellung auf Bachelor und Master gebe es etwa viel mehr und ganz
andere Möglichkeiten und Fächerkombinationen. Zugleich
entschieden viele Hochschulen nach ihren eigenen Kriterien, wer sich
für ein Fach einschreiben dürfe. »,Da kann es
entscheidend sein, welchen Leistungskurs ein Bewerber in der Schule
belegt hat», betonte Wintermantel.
Intensive Betreuung könne zudem dazu beitragen, die
Akademikerquote in Deutschland zu heben. "Heute fühlen sich zu
viele junge Menschen von der Hochschulwelt nicht angezogen«,
warnte Wintermantel. Daher müsse schon in der Schule stärker
dafür geworben werden, welche Vorteile ein akademischer Abschluss
für den einzelnen habe.
(Quelle: ddp)
Technik
Gute Noten für Solaranlagen
Di.11.03.08 - Nutzer von Solaranlagen müssen keine Angst mehr vor sonnenarmen
Tagen haben. Die Solartechnik sei inzwischen ausgereift und sorge
zuverlässig für warmes Wasser, ergab eine Untersuchung der
Stiftung Warentest (Heft 03/2008). Auch die Handhabung sei
unkompliziert. Zehn von zwölf Anlagen hätten in dem Test mit
den Noten «sehr gut» oder «gut» abgeschnitten.
Den Testsieg holten sich das «Wagner Top line Solarpaket»
sowie das «Viessmann Solarsystem». Sie waren mit Kosten von
rund 3700 Euro zugleich die günstigsten Anlagen im Test.
Wichtigstes Prüfkriterium war den Angaben zufolge die Frage, wie
viel Gas oder Öl ein Haushalt durch die Nutzung der
Sonnenwärme spart. Das Ergebnis zeigte eine Energieeinsparung
zwischen 50 und 62,5 Prozent. Für eine vierköpfige Familie
reduzierten sich die jährlichen Kosten nach Angaben der Stiftung
Warentest damit um etwa 150 bis 180 Euro.
(Quelle: ddp)
Klimaerwärmung
Adelie-Pinguinen geht in der Antarktis die
Nahrung aus
Di.11.03.08 - In der Antarktis geht den Adelie-Pinguinen wegen der Erderwärmung
in einigen Teilen die Nahrung aus. Die Bestände der Tiere auf King
George Island seien daher bereits stark zurückgegangen, sagte der
Jenaer Polarökologe Hans-Ulrich Peter nach einer Expedition der
Deutschen Presse-Agentur dpa. «Wir hatten dort vor zehn Jahren
noch weit über 1000 Adelie-Pinguin-Brutpaare, jetzt sind es nur
noch etwa 300.» Zugleich habe sich die Antarktische Schmiele, eine
Blütenpflanze, stärker ausgebreitet als erwartet. Das
wissenschaftliche Team stellt die Ergebnisse bei der Internationalen
Polartagung vor, die heute (Sonntag) in Münster beginnt.
Anzeige
Grund für den Rückgang in den Kolonien der Adelie-Pinguine
sei die geringere Packeis-Ausdehnung im Winter, erklärte der
Wissenschaftler. An der Unterseite des Eises setzen sich Kieselalgen
fest, die kleinen Krebsen, dem Krill, als Nahrung dienen. Der Krill
wiederum wird von den Adelie-Pinguinen gefressen. «Der Bruterfolg
dieser Pinguine hängt sehr stark vom Nahrungsangebot ab»,
sagte der 55-Jährige. «Die rückläufige Tendenz bei
den Adelies haben amerikanische Kollegen auch auf der Antarktischen
Halbinsel festgestellt.»
Ein Aussterben dieser Pinguinart sei dennoch vorerst nicht zu
befürchten. Denn das raue Klima in der Ostantarktis, wo ebenfalls
Adelie-Pinguine leben, werde etwas moderater. «Dort profitieren
diese Tiere von der Erderwärmung», erklärte Peter. Ob
die Pinguine südwärts wandern, «hängt davon ab, ob
potenzielle Brutplätze, also schnee- und eisfreie Flächen,
vorhanden sind». Zum Brüten bauen diese Pinguine im November
Nester aus Steinen an Stellen, an denen im antarktischen Sommer kein
Schnee liegt.
Die Erderwärmung trage auch zur stärkeren Verbreitung von
Pflanzen wie der Schmiele bei. Das genaue Ausmaß könne erst
nach der Auswertung der Daten beziffert werden, sagte Peter. Auf der
Antarktischen Halbinsel sei die Temperatur in den vergangenen 50 Jahren
um zwei bis drei Grad gestiegen. «In manchen Gegenden sogar noch
mehr.»
(Quelle: dpa)
Computer & Cyberspacei
Erster Tag für Meinungsfreiheit im Internet wird begangen --
Online-Demonstration gegen Internet-Zensur am 12. März
Di.11.03.08 - Die Journalistenorganisation Reporter ohne Grenzen (ROG [http://www.reporter-ohne-grenzen.de/])
ruft am Mittwoch (12. März) zum ersten Internationalen Tag
für freie Meinungsäußerung im Internet auf. Auf http://rsf.org können
Teilnehmer ab 11.00 Uhr mitteleuropäischer Zeit durch einen
virtuellen Vertreter an einer von neun Online-Demonstrationen
teilnehmen, wie die Organisation am Montag in Berlin mitteilte. Derzeit
sitzen den Angaben zufolge weltweit 63 Online-Journalisten und Blogger
hinter Gittern, allein 49 von ihnen in China.
Anzeige
Die 24-stündigen Proteste finden unter anderem auf dem Platz des
Himmlischen Friedens in Peking oder auf dem kubanischen Platz der
Revolution statt. Sie richten sich gegen Staaten, die die
Meinungsfreiheit im oder den Zugang zum Internet massiv
einschränken. Dazu zählt ROG neben China und Kuba noch
Ägypten, Burma, Eritrea, Nordkorea, Tunesien, Turkmenistan und
Vietnam.
Die Organisation veröffentlicht zudem am Mittwoch ihre aktuelle
Liste der «Feinde des Internets» sowie eine neue Ausgabe
des Handbuchs für Blogger und Internet-Dissidenten.
(Quelle: ddp)