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Irak am 1449sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
USA und Irak sprechen über langfristige Zusammenarbeit. Amerika
verweigert laut UN-Folterermittler Zugang zu Gefängnissen im Irak.
Mindestens 46 Tote bei Gefechten und Anschlägen
Mi.12.03.08 - Vertreter der irakischen und der US-Regierung haben am Dienstag
Gespräche über eine langfristige Zusammenarbeit bei
politischen, wirtschaftlichen und sicherheitsrelevanten Themen
aufgenommen. Im Mittelpunkt der Verhandlungen soll unter anderem ein
Abkommen über die Stationierung amerikanischer Truppen im Irak
stehen, wie es Washington bereits mit zahlreichen Ländern
geschlossen hat.
Bei den Gesprächen hinter verschlossenen Türen sollten die
Interessen beider Länder berücksichtigt werden, teilte das
irakische Außenministerium mit. Die USA haben derzeit 159.000
Soldaten im Irak stationiert. Bis zum Amtsantritt des Nachfolgers von
Präsident George W. Bush Anfang kommenden Jahres soll ihre Zahl
auf rund 100.000 reduziert werden.
Der UN-Sonderberichterstatter für Folter, Manfred Nowak,
erhält nach eigenen Angaben von den USA keinen Zugang zu
US-Gefängnissen im Irak. Die irakischen Behörden hätten
einem Besuch zugestimmt, und auch von britischer Seite habe er die
Erlaubnis erhalten, mit Gefangenen zu sprechen, sagte Nowak am Dienstag
vor Journalisten in Genf. «Die USA haben Nein gesagt»,
erklärte Nowak.
Dabei sei sein Besuch durchaus im Interesse Washingtons: Er habe
glaubwürdige Berichte erhalten, dass sich die Haftbedingungen in
den von den USA betriebenen Gefängnissen seit dem Skandal von Abu
Ghraib verbessert hätten. Viele Häftlinge zögen
US-Gefängnisse offenbar inzwischen den irakischen vor. Nowak ist
in der Vergangenheit mit Washington wegen des Gefangenenlagers in
Guantanamo auf Kuba und der Anwendung bestimmter Verhörmethoden
bei Terrorverdächtigen aneinander geraten.
Bei Anschlägen und Gefechten im Irak sind am Dienstag mindestens
46 Menschen ums Leben gekommen: Unter den Toten waren 14 Mitglieder
einer Familie, die in Nassirija von einer Trauerfeier nach Hause
zurückkehrten, als ihr Bus von einer Bombe am Straßenrand
erfasst wurde. Unter den Opfern waren Kinder. Augenzeugen sagten der
Nachrichtenagentur Reuters, der Sprengsatz haben möglicherweise
einem vorbeifahrenden US-Militärkonvoi gegolten. In Kut starben
nach Angaben von Sicherheitskräften ebenfalls 14 Menschen bei
einem Feuergefecht mit Mitgliedern der schiitischen Mehdi-Armee. An
mehreren anderen Teilen des Landes kam es zu Anschlägen.
Die Gewalt im Irak hat seit Juni landesweit um 60 Prozent abgenommen.
Allerdings hat es in den vergangenen Tagen wieder zahlreiche
Anschläge gegeben, die zum Teil viele Todesopfer forderten. Das
US-Militär hatte am Wochenende allerdings erklärt, es gehe
nicht von einer Umkehr des Trends aus.
boa (Quelle: rtr, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 12.03.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am neunhundertsechsundachtzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mo.12.03.07 - US-Präsidentschaftskandidat Obama spricht sich für Abzug aus
dem Irak aus +++ Mindestens 58 Tote bei Anschlägen +++ Internationale
Sicherheitskonferenz in Bagdad: USA und Iran bewerten erste direkte
Gespräche seit 2003 positiv...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0703120.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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US-Kommandeur für Nahen Osten tritt zurück -- Mit
Bushs Iran-Politik nicht einverstanden
Mi.12.03.08 - Nach Berichten über Meinungsverschiedenheiten mit
Präsident George W. Bush hat der Kommandeur der US-Truppen im
Mittleren und Nahen Osten, Admiral William Fallon, seinen
Rücktritt erklärt. Er habe Fallons Bitte zugestimmt, nach
knapp einem Jahr von seinem Posten entbunden zu werden, erklärte
Verteidigungsminister Robert Gates am Dienstag auf einer
Pressekonferenz. Grund für Fallons Ausscheiden seien jedoch nicht
Differenzen mit der Regierung, betonte Gates.
Das Magazin «Esquire» hatte in der vergangenen Woche
berichtet, der Admiral sei nicht mit der Iran-Politik Bushs
einverstanden und habe sich gegen einen Militäreinsatz zum Stopp
des Teheraner Atomprogramms ausgesprochen. Gates erklärte, Fallons
Ausscheiden deute nicht darauf hin, dass Washington einen Angriff auf
den Iran plane. Eine solche Annahme sei «lächerlich».
Seiner Ansicht nach habe es keine Meinungsverschiedenheiten zwischen
Fallon und der Regierung gegeben, sagte Gates.
Fallon, der sich derzeit im Irak aufhält, erklärte, allein
die Annahme, dass es Differenzen gebe, erschwere seine Arbeit. Bush
dankte ihm für seinen langjährigen Einsatz bei den
Streitkräften.
Fallon hat eine mehr als 40jährige Karriere bei den
Streitkräften hinter sich. Das Kommando für den Mittleren und
Nahen Osten übernahm er am 16. März vergangenen Jahres von
General John Abizaid, der in den Ruhestand ging. Fallons Posten wird
Gates zufolge ab Ende März vorerst von seinem Stellvertreter
Generalleutnant Martin Dempsey übernommen.
(Quelle: ap)
Russischer Außenminister bemüht sich um
Nahost-Gespräche
Mi.12.03.08 - Der russische Außenminister Sergej Lawrow will sich
während einer Nahost-Reise kommende Woche um ein Ende der Gewalt
in der Region bemühen. Lawrow werde von Mittwoch bis Freitag
Syrien und Israel sowie die palästinensischen Gebiete besuchen,
teilte das Außenministerium in Moskau am Dienstag mit. Dabei
sollten unter anderem die Beziehungen zwischen Israel und den
Palästinensern, die humanitäre Krise im Gazastreifen und eine
Wiederaufnahme der Friedensverhandlungen zur Sprache kommen.
Lawrow erklärte bei einem Besuch in Paris, er wolle klären,
wer für eine weitere Nahost-Konferenz bereit sei, zu der sich
Moskau als Gastgeber ins Gespräch gebracht hat. Eine
Friedenskonferenz im amerikanischen Annapolis im vergangenen Jahr hatte
neue Hoffnung auf ein Abkommen zwischen Israel und den
Palästinensern geweckt. Die russische Regierung hat ein weiteres
Treffen angeregt, konkrete Pläne gibt es aber noch nicht.
(Quelle: ap)
UN-Luftbrücke nach Darfur steht vor dem Aus
Mi.12.03.08 - Angriffe und Spendenmangel gefährden die internationale Hilfe
für die sudanesische Krisenregion Darfur. Zahlreiche
Überfälle auf Lastwagen machten den Transport über Land
fast unmöglich, beklagte das Welternährungsprogramm (WFP) am
Montag in Rom. Allein seit Jahresbeginn seien 45 Lkws angegriffen und
zum großen Teil gestohlen worden. Zugleich stehe die
WFP-Luftbrücke vor dem Aus, wenn nicht neue Spenden eingingen. Auf
den Lufttransport der UN-Organisation sind fast alle internationalen
Helfer angewiesen.
Derzeit verfügt das WFP nach eigenen Angaben über 60.000
Tonnen Nahrungsmittel in Darfur. Damit ist die Versorgung der zwei
Millionen Flüchtlinge der Region für die kommenden zwei Monate
gesichert. Mit dem Beginn der sechsmonatigen Regenzeit im Mai wird sich
der Bedarf den Angaben zufolge jedoch verdoppeln.
Bereits im vergangenen Jahr versorgte das Welternährungsprogramm
nach eigenen Angaben 2,1 Millionen Flüchtlinge in Darfur. Rund
100.000 Menschen, die in der Region vor der Gewalt aus ihren
Dörfern geflohen waren, erhielten wegen mangelnder Sicherheit keine
Hilfslieferungen.
Die UN und die Afrikanische Union (AU) wollen insgesamt 26.000 Soldaten
und Polizisten in der umkämpften Region einsetzen, um Frieden zu
schaffen. Da die sudanesische Regierung sich jedoch gegen die
Stationierung wehrt, kommt sie kaum voran. Offiziell löste die
gemischte Mission zum Jahreswechsel eine AU-Friedenstruppe ab, die mit
7.000 schlecht ausgerüsteten Soldaten die Gewalt nicht stoppen
konnte. Zugleich wird eine EU-Truppe im Nachbarland Tschad stationiert,
um dort Darfur-Flüchtlinge zu schützen.
Seit Ausbruch des Darfur-Konflikts zwischen Rebellen, Armee und
regierungstreuen Milizen starben nach UN-Angaben mehr als 200.000
Menschen durch Gewalt, Hunger und Erschöpfung. Mehr als 2,5
Millionen Menschen wurden zu Flüchtlingen.
(Quelle: epd)
EU verlangt freie Wahlen in Simbabwe
Mi.12.03.08 - Die Europäische Union hat an den simbabwischen Präsidenten
Robert Mugabe appelliert, für einen fairen Verlauf der Parlaments-
und Präsidentenwahlen am 29. März zu sorgen. "Es besteht die
Gefahr, dass es keine freien und fairen Wahlen geben wird",
erklärten die in Brüssel tagenden EU-Außenminister am
Montag. Die humanitäre, politische und wirtschaftliche Situation in
Simbabwe gebe Anlass zu Besorgnis. Auch seien keine EU-Wahlbeobachterin
eingeladen.
Die EU hoffe, dass der südafrikanische Präsident Thabo Mbeki
seine Vermittlungsbemühungen in Simbabwe fortsetze, betonten die
Minister. Mugabe (84), der das afrikanische Land seit 28 Jahren regiert,
wird von zahlreichen westlichen Regierungen und der Opposition für
Menschenrechtsverletzungen verantwortlich gemacht. Er stellt sich zur
Wiederwahl.
Für Wirbel hatte er im vergangenen Dezember gesorgt, als er trotz
des Protests der britischen Regierung zum EU-Afrika-Gipfel in Lissabon
kam. Der britische Premierminister Gordon Brown hatte seine
Gipfel-Teilnahme daraufhin abgesagt.
(Quelle: epd)
Internationaler Strafgerichtshof: Gemeinsamer Prozess gegen
kongolesische Milizführer
Mi.12.03.08 - Zwei kongolesischen Milizführern wird gemeinsam vor dem
Internationalen Strafgerichtshof der Prozess wegen der Ermordung von
200 Dorfbewohnern gemacht. Wie der Strafgerichtshof (ICC) am Dienstag
in Den Haag bekanntgab, soll die Verhandlung am 21. Mai beginnen. Den
beiden Männern namens Germain Katanga und Mathieu Ngudjolo wird
vorgeworfen, für den Angriff auf ein Dorf in der kongolesischen
Provinz Ituri verantwortlich zu sein, bei dem 200 Menschen getötet
und zahlreiche Frauen und Mädchen vergewaltigt wurden.
(Quelle: ap)
Mindestens 20 Tote bei Selbstmordanschlägen in Pakistan
Mi.12.03.08 - Bei zwei Selbstmordanschlägen in der ostpakistanischen Stadt
Lahore sind am Dienstag mindestens 20 Menschen getötet worden. Ein
Sprengsatz zerstörte ein Polizeigebäude, ein zweiter
explodierte etwa 15 Minuten später in einem Wohngebiet. Mehr als
150 Menschen erlitten Verletzungen.
Der Polizeichef von Lahore, Malik Mohammed Iqbal, erklärte, der
Attentäter habe ein mit Sprengstoff beladenes Fahrzeug auf den
Parkplatz des Polizeigebäudes gefahren und dort zur Explosion
gebracht. Mehrere Büros und Teile eines Treppenhauses wurden
zerstört. Die Bombe wurde gezündet, als die Beamten gerade
ihre Arbeit aufnehmen wollten. Der Polizist Pervez Malik sagte, 17
Menschen seien getötet worden. Weitere 165 seien verletzt worden.
«Es war der schlimmste Anschlag, den ich je gesehen habe»,
sagte Iqbal.
Eine zweite Explosion erschütterte das Büro einer
Werbeagentur in einem Wohngebiet rund 25 Kilometer entfernt. Dort wurden
nach Polizeiangaben drei Menschen getötet, darunter zwei Kinder.
Iqbal sagte, in beiden Fällen handele es sich um
Selbstmordanschläge. Der Chef der Werbeagentur, Salman Batalwi,
sagte einem Fernsehsender, das Haus sei vollständig zerstört
worden. Mehrere Mitarbeiter seien schwer verletzt. Ganz in der Nähe
befinde sich ein Haus, das die Partei der getöteten
Oppositionsführerin Benazir Bhutto gemietet habe. Er wisse jedoch
nicht, wer Ziel des Anschlags gewesen sei. Der Fernsehsender zitierte
einen Polizisten mit den Worten, zwei Attentäter hätten einen
Kleinlaster vor das Haus gefahren und ihren Sprengstoff gezündet.
Der pakistanische Präsident Pervez Musharraf verurteilte die
Anschläge. Er erklärte nach einem Bericht der
Nachrichtenagentur APP, die Taten könnten die Entschlossenheit der
Regierung, den Terrorismus mit aller Macht zu bekämpfen, nicht
brechen. Die Pakistanische Muslimliga des früheren
Ministerpräsidenten Nawaz Sharif erklärte, die Anschläge
seien eine Folge des gescheiterten Kampfes gegen die Al Kaida. Ein
Sprecher der Partei, Ahsan Iqbal, erklärte, Musharraf habe mit den
von ihm angeordneten Militäroperationen für die
Destabilisierung des Grenzgebiets zu Pakistan gesorgt.
Lahore war im vergangenen Jahr weitgehend von Selbstmordanschlägen
verschont geblieben, die andere Großstädten des Landes
erschütterten. Innerhalb der vergangenen zwei Monate wurden
allerdings drei Anschläge verübt. Zuletzt hatten in der
vergangenen Woche zwei Selbstmordattentäter auf einem
Ausbildungsgelände der Marine vier Menschen in den Tod gerissen.
(Quelle: ap)
Afghanistan: ISAF tötet nach Rebellenangriff zwei Kinder und zwei
Frauen
Mi.12.03.08 - Soldaten der Internationalen Schutztruppe ISAF haben im Süden
Afghanistans nach ISAF-Angaben versehentlich zwei Kinder und zwei
Frauen getötet. Die Schutztruppe teilte in der Nacht mit,
radikalislamische Aufständische hätten auf ISAF-Soldaten
geschossen. Diese hätten das Feuer erwidert.
«Tragischerweise» sei dabei eine Gruppe von Zivilisten
unter Beschuss gekommen. Auch mehrere Rebellen seien getötet
worden. Im Süden Afghanistan sind vor allem britische, kanadische
und niederländische ISAF-Soldaten stationiert.
(Quelle: dpa)
45 Tote bei Kämpfen in Sri Lanka
Mi.12.03.08 - Der Bürgerkrieg zwischen Regierungstruppen und tamilischen
Rebellen in Sri Lanka ist in dieser Woche weiter eskaliert. In der
Region Mannar kamen seit Montag mindestens 45 Menschen ums Leben. Dabei
handelte es sich nach Angaben eines Militärsprechers um 40
Rebellen und fünf Soldaten. Schwerpunkt der Kämpfe ist die
Front beim Dorf Puliyankulam.
Trotz der kritischen Lage wurden im Osten von Sri Lanka zum ersten Mal
seit 14 Jahren wieder Gemeindeparlamente gewählt. Dabei gewann
nach Ergebnissen vom Dienstag eine Partei ehemaliger tamilischer
Rebellen. Die jetzt auf Seiten der Regierung stehende Gruppierung von
Oberst Karuna erhielt in der Stadt Batticaloa 53 Prozent der Stimmen.
Die Regierung bezeichnete die Kommunalwahl als einen ersten Schritt zur
Wiederherstellung der politischen Ordnung. Die Miliz mit dem
offiziellen Namen Tamileela Makkal Viduthalai Pulikal sagte sich 2004
von den Befreiungstigern von Tamil Eelam (LTTE) los.
(Quelle: ap)
USA werfen China massive Menschenrechtsverletzungen vor -- Kritik auch
an Kuba, Simbabwe und Sudan -- Menschenrechtler: Behörden in China
bringen Kritiker zum Schweigen
Mi.12.03.08 - China macht sich nach Angaben der US-Regierung massiver
Menschenrechtsverletzungen schuldig. Häftlinge würden
gefoltert und Journalisten sowie ausländische Menschenrechtler
schikaniert, heißt es im jährlichen Bericht zur Lage der
Menschenrechte des US-Außenministeriums. Die Gruppe China Human
Rights Defenders warf den chinesischen Behörden vor, rund
fünf Monate vor den prestigeträchtigen Olympischen Spielen
systematisch Bittsteller und Kritiker zum Schweigen zu bringen.
Trotz seines enormen Wirtschaftswachstums gehöre China noch immer
zu den Ländern, die Menschenrechte weltweit am meisten
missachteten, heißt es in dem Washingtoner Bericht, der vor
seiner Veröffentlichung am Dienstag der Nachrichtenagentur AP
vorlag. Für die Vorbereitungen der Olympischen Spiele in der
Hauptstadt Peking seien im vergangenen Jahr zahlreiche Menschen
zwangsweise umgesiedelt worden. Außerdem gebe es scharfe
Restriktionen bei Meinungs- und Pressefreiheit und verschärfte
Bemühungen, das Internet zu zensieren. Journalisten und Blogger
würden beobachtet, drangsaliert und festgenommen.
Die Menschenrechtsgruppe China Human Rights Defenders erklärte,
Bittsteller seien vor allem in Peking Schikanen ausgesetzt. Die
Regierung wolle «das Bild von Menschen, die vor
Regierungsgebäuden demonstrieren, ausradieren». Repressalien
und Festnahmen seien inzwischen umfangreich und systematisch geworden.
Bilder von Bittstellern würden «das peinlich genau
kultivierte Bild eines zufriedenen, modernen, florierenden Chinas
ruinieren», erklärte die Gruppe in ihrem Bericht. Wer
Beschwerden vorbringen wolle, werde von der Regierung abgefangen,
festgenommen und bestraft, um ihn zum Schweigen zu bringen. Auch
Familienmitglieder seien von den Schikanen betroffen.
In China reisen jedes Jahr Tausende nach Peking, um Beschwerden
vorzubringen, wenn sie das Gefühl haben, dass die örtlichen
Behörden nicht ausreichend auf ihre Anliegen eingehen. Die Klagen
betreffen meist das illegale Beschlagnahmen von Eigentum,
Misshandlungen durch die Polizei und Korruption.
Der Bericht des US-Außenministeriums kritisiert ferner eine
Verschlechterung der Menschenrechtslage in Russland und Pakistan. In
Russland seien eine zunehmende Bündelung der Macht, Korruption,
Willkür und Restriktionen gegenüber Medien und
Menschenrechtsgruppen zu beklagen. Auch Kuba, der Iran, Simbabwe und
Syrien wirft der Bericht Menschenrechtsverletzungen vor. Im Sudan sei
die Situation «entsetzlich». Nordkorea wird als
totalitäre Diktatur gebrandmarkt, in der fast alle Lebensbereiche
staatlicher Kontrolle unterworfen seien. Bei schwangeren Gefangenen
würden zwangsweise Abtreibungen vorgenommen, und in anderen
Fällen seien Babys nach der Geburt im Gefängnis getötet
worden.
(Quelle: ap)
60 buddhistisch Mönche bei Protesten im Tibet festgenommen
Mi.12.03.08 - Rund 60 buddhistische Mönche sind bei Protesten in der Hauptstadt
des Tibet, Lhasa, festgenommen worden. Die Tibeter hätten am Montag
anlässlich des 49. Jahrestages der Flucht ihres geistlichen
Oberhauptes, dem Dalai Lama, nach Indien demonstriert, berichtete das
US-finanzierte Radio Free Asia. Rund 300 Demonstranten hätten sich
zeitweise in Lhasa versammelt, bevor die Polizei die Versammlung
auflöste. Die Mönche hatten die Freilassung von inhaftierten
Glaubensbrüdern aus chinesischen Gefängnissen gefordert. Die
Sicherheitskräfte wollten die Vorfälle zunächst nicht
kommentieren.
Auch in anderen Staaten erinnerten tibetische Flüchtlinge am
Montag mit Protestaktionen an den Jahrestag. In der nepalesischen
Hauptstadt Kathmandu wurden rund 130 Demonstranten bei dem Versuch
festgenommen, vor die chinesische Botschaft zu marschieren. In Indien
wurde ein Protestmarsch von Exiltibetern von der Polizei gestoppt.
Der 72-jährige Dalai Lama lebt seit seiner Flucht nach einem
gescheiterten Aufstand gegen die chinesischen Herrscher 1959 im
nordindischen Dharamsala. Während die Volksrepublik ihm vorwirft,
er setze sich für eine Abspaltung Tibets ein, sagt er selbst, er
wolle lediglich mehr Autonomie und ein Ende der Unterdrückung. 1989
wurde der Dalai Lama mit dem Friedensnobelpreis geehrt.
(Quelle: afp)
Demokratischer US-Präsidentschaftskandidat Obama gewinnt Vorwahl
in Mississippi
Mi.12.03.08 - Der demokratische Präsidentschaftsbewerber Barack Obama hat die
Vorwahl in Mississippi wie erwartet gewonnen. Nach Auszählung von
80 Prozent der Wahlkreise kam Obama auf 59 Prozent, seine Konkurrentin
Hillary Clinton auf 39 Prozent der Stimmen. Wegen des hohen
Bevölkerungsanteils der Schwarzen war ein klarer Sieg des
dunkelhäutigen Senators aus Illinois auch erwartet worden. In
Mississippi stimmten 90 Prozent der Schwarzen, aber nur ein Drittel der
weißen Wähler für Obama.
Clinton hatte sich in Mississippi auch wenig Hoffnung auf einen Erfolg
gemacht. Sie blieb bereits bei früheren Vorwahlen in den
Südstaaten der USA ohne Sieg. Die New Yorker Senatorin setzt auf
die nächste Vorwahl in Pennsylvania, die aber erst am 22. April
stattfindet. In Mississippi ging es um 33 Delegiertenstimmen für
den Nominierungsparteitag im August, in Pennsylvania werden 158
Delegierte bestimmt. Obama hoffte, nach seinem Sieg bei den
Parteiversammlungen am Samstag in Wyoming mit einem deutlichen Erfolg
in Mississippi die Verluste wieder ausgleichen zu können, die er
durch die Niederlagen in Ohio, Rhode Island und Texas erlitten hatte.
Ersten Berechnungen zufolge gewann Obama mindestens 17 weitere
Delegierte hinzu, Clinton elf. Bislang hat Obama nach einer
Zählung der Nachrichtenagentur AP 1.596 Delegierte auf seiner
Seite, bei Clinton sind es 1.484. Für die Kandidatur bei der
Präsidentenwahl am 4. November sind mindestens 2.025 Stimmen
erforderlich.
Bei den Demokraten ist es aber inzwischen fraglich, ob in den Vorwahlen
bereits eine Entscheidung fällt. Derzeit scheint es eher
unwahrscheinlich, dass einer der Kandidaten die notwendige Mehrheit
zusammenbekommt. Dann geben die 800 sogenannten Superdelegierten,
zumeist gewählte Parteifunktionäre und Mandatsträger,
den Ausschlag, wer als Präsidentschaftskandidat ins Rennen geht.
Dort führt Clinton bislang mit 247 zu 211 Stimmen.
In der Republikanischen Partei steht bereits John McCain als Kandidat
fest.
(Quelle: ap)
UN-Kriegsverbrechertribunal : Prozess gegen kroatische
Exgeneräle
Mi.12.03.08 - Vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal hat am Dienstag der Prozess gegen
drei ehemalige kroatische Generäle wegen Verbrechen gegen die
Menschlichkeit begonnen. Den drei Angeklagten, darunter Ante Gotovina,
wird vorgeworfen, für den Tod von mindestens 150 Serben und die
Vertreibung von 150.000 Menschen aus der Region Krajina verantwortlich
zu sein. Alle drei haben sich für unschuldig erklärt. Bei
einer Verurteilung droht ihnen lebenslange Haft.
Staatsanwalt Alan Tieger erklärte zur Eröffnung des
Prozesses, kroatische Truppen unter Führung der drei Angeklagten
hätten Zivilpersonen ermordet, darunter alte Menschen, Frauen und
Behinderte. Nach der so genannten «Operation Sturm» sei das
zuvor von Serben besetzte Gebiet ein «Ödland zerstörter
Dörfer und Häuser» gewesen. In der Klageschrift
hieß es, Gotovina habe gewusst, was passieren werde und
Gräueltaten nicht verhindert. Mit der «Operation Sturm»
habe die kroatische Regierung des inzwischen verstorbenen
Präsidenten Franjo Tudjman nicht nur die Serben vertreiben, sondern
auch sicherstellen wollen, dass sie niemals zurückkehrten.
In Kroatien wird immer noch vielfach die Meinung vertreten, der Einsatz
sei notwendig gewesen, um das Gebiet von den Serben
zurückzugewinnen. Exgeneral Gotovina wurde Ende 2005 auf Teneriffa
festgenommen. Er war seit 2001 auf der Flucht und stand auf Platz drei
der meistgesuchten Kriegsverbrecher des Haager Tribunals.
(Quelle: ap)
Erdogan ermuntert Türken zum Kinderkriegen --
Frauenverbände und Familienplaner kritisierten die
Äußerungen des türkischen Ministerpräsidenten
Mi.12.03.08 - Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat
die Türken zum Kinderkriegen ermuntert. Er wolle, dass jede Familie
in seinem Land mindestens drei Kinder zur Welt bringe, sagte Erdogan
nach Presseberichten. Nur so könne die Türkei ein junges Land
bleiben. Sollte der derzeitige Trend bei den Geburtenraten anhalten,
werde die Türkei im Jahr 2030 Überalterungsprobleme bekommen,
wie es sie in westlichen Ländern jetzt schon gebe, erklärte
Erdogan.
"Macht mindestens drei Kinder, wenn unsere junge Bevölkerung nicht
zurückgehen soll", wurde Erdogan zitiert. Er selbst habe vier
Kinder, wünschte aber, er habe noch mehr.
Frauenverbände und Familienplaner kritisierten die
Äußerungen des Ministerpräsidenten. Mit einem
Durchschnittsalter von 28,3 Jahren ist die Türkei im Vergleich zu
europäischen Staaten ein sehr junges Land. Ipek Ilkkaracan, Chefin
des Frauenverbandes KIHYCD, bezeichnete Erdogans Rede als "Skandal". In
einem Rechtsstaat habe der Ministerpräsident kein Recht, den Frauen
vorzuschreiben, wieviele Kinder sie in die Welt zu setzen hätten,
sagte Ilkkaracan dem türkischen Nachrichtensender NTV.
Canan Arin vom Verband MCV sagte, Frauen sollten so viele Kinder zur
Welt bringen, wie sie selbst wollten und versorgen könnten.
Familienexperten warfen Erdogan zudem vor, mit seinem Appell
unverantwortlich gehandelt zu haben. Mustafa Ruhi Sirin von der
türkischen Kinderstiftung betonte, in der Türkei müsse
jedes fünfte Kind arbeiten, um zum Familieneinkommen beizutragen.
Erdogans Appell laufe auf einen "unkontrollierten
Bevölkerungszuwachs" hinaus.
(Quelle: afp)
Deutschland
Union hält SPD für geschwächten Partner
Mi.12.03.08 - Die Führungskrise in der SPD ist nach Überzeugung der Union
längst nicht beigelegt. SPD-Chef Kurt Beck habe seine Führung
zwar behauptet, aber nicht wahrgenommen, sagte der Parlamentarische
Geschäftsführer der Unionsfraktion, Norbert Röttgen, am
Dienstag in Berlin. Beck habe seinen Strategiewechsel im Umgang mit der
Linkspartei in keiner Weise begründet. Es bleibe dabei, dass die
SPD ein geschwächter Partner sei. «Sie hat sich nicht als
Teil der großen Koalition stabilisiert.»
Röttgen forderte die SPD auf, ihre Position zur Teilprivatisierung
der Bahn so schnell wie möglich zu klären. Wenn sie das nicht
schaffe, stelle sich die Frage, was die SPD in den verbleibenden
anderthalb Jahren der großen Koalition überhaupt noch
hinbekomme. Es gehe nicht an, dass sich die Regierungspartner auf ein
Konzept verständigten und die SPD dieses dann auf einem Parteitag
zur Abstimmung stelle. «Entweder die SPD in Berlin hat Prokura
oder nicht», sagte Röttgen. Gleichwohl sei er optimistisch,
dass man in der Koalition zu einer Lösung komme.
(Quelle: ap)
Führungsdebatte in der CSU
Mi.12.03.08 - Der CSU-Vorsitzende Erwin Huber und der bayerische
Ministerpräsident Günther Beckstein sind parteiintern weiter
in der Kritik. Der niederbayerische CSU-Bezirkschef Manfred Weber sagte
am Dienstag im Bayerischen Rundfunk: «In der letzten Woche hat
jeder gespürt, dass wir mehr Führung in der Partei
brauchen.»
In der Debatte über eine Lockerung des Rauchverbots in bayerischen
Bierzelten und Gaststätten «wusste keiner mehr so richtig,
woran kann man sich jetzt halten», kritisierte der
CSU-Europaabgeordnete. Die CSU müsse in der Bundespolitik wieder
stärker mitmischen. Der oberfränkische CSU-Bezirkschef und
Bundestagsabgeordnete Theodor zu Guttenberg forderte in der
«Passauer Neuen Presse»: «Es ist dringend nötig,
dass das Thema endgültig vom Tisch kommt.»
Das bayerische Kabinett wollte am Dienstag über eine befristete
Aufhebung des erst im Januar in Kraft getretenen gesetzlichen
Rauchverbots in Bierzelten beraten. Die CSU hatte ihre Verluste bei den
Kommunalwahlen am 2. März auch auf das strenge Rauchverbot in
Bayern zurückgeführt. In der CSU-Landtagsfraktion ist der
Rückzieher jedoch heftig umstritten.
Der stellvertretende Fraktionschef Karl Freller sagte der
«Süddeutschen Zeitung», er befürchte, «dass
wir ein kleineres Loch zumachen und dafür ein größeres
aufreißen». Der CSU-Abgeordnete Max Strehle sagte:
«Mit mir ist das nicht zu machen. Ich bin seit 26 Jahren
Abgeordneter, und es ist noch nie passiert, dass wir schon nach acht
Wochen ein Gesetz wieder ändern». Der CSU-Abgeordnete Franz
Pschierer kritisierte das bayerische Kultusministerium als
«Ankündigungsministerium» und forderte, die
Schüler des achtjährigen Gymnasiums zu entlasten. Die
CSU-Fraktion will am Mittwoch über Änderungen beim Rauchverbot
entscheiden.
(Quelle: ap)
Saar-Linke: Breite Kritik an Äußerungen der
familienpolitischen Sprecherin Christa Müller
Mi.12.03.08 - Der Vergleich der saarländischen Linken-Politikerin Christa
Müller zwischen Krippenbetreuungen und Genitalverstümmelungen
ist auf harsche Kritik gestoßen. Die Bundestagsfraktion der
Linken hat sich nach den umstrittenen Äußerungen von der
familienpolitischen Sprecherin der Saar-Linken distanziert. Kritik gab
es auch von der Saar-SPD und der Menschenrechtsorganisation Terre des
Femmes.
Es sei «ungeheuerlich», dass die Frau des Linke-Parteichefs
Oskar Lafontaine auf ihrem «Vergleich der traumatischen
Auswirkungen von weiblicher Genitalverstümmelung und
Krippenbetreuung besteht», sagte die frauenpolitische Sprecherin
der Linken-Bundestagsfraktion, Kirsten Tackmann, am Dienstag in Berlin.
Müller hatte auf «Spiegel Online» ihren Vergleich
zwischen dem Kampf gegen die Beschneidung von jungen Frauen und
Mädchen mit jenem gegen die Fremdbetreuung von Kindern erneuert.
«Diesen Vergleich wage ich, denn bei der
Genitalverstümmelung handelt es sich um Körperverletzung, bei
der Krippenbetreuung in einigen Fällen um seelische Verletzung -
und die ist manchmal schlimmer als Körperverletzung», sagte
Müller.
Tackmann betonte, der Vergleich sei «zynisch» und beleidige
«vor allem ostdeutsche Biografien» und diffamiere
Kindererzieherinnen. Müller vertrete Minderheitspositionen, die
mit der Auffassung der Linke-Bundestagsfraktion nichts zu tun
hätten.
Die SPD-Fraktion im saarländischen Landtag sprach unterdessen von
einer «Verunglimpfung von Eltern» durch Müller, die
«beschämend» für die politische Kultur in
Deutschland sei. «Den Besuch einer Kindertageseinrichtung mit
einer Abscheulichkeit wie der Genitalverstümmelung von Frauen zu
vergleichen, ist schlicht unerträglich», sagte die
familienpolitische Sprecherin Cornelia Hoffmann-Bethscheider.
Die Menschenrechtsorganisation Terre des Femmes kritisierte Müller
in einem offener Brief. Deren Aussagen seien eine
«Verhöhnung der Opfer von massiver körperlicher Gewalt,
denen durch die Genitalverstümmelung ihr Recht auf
körperliche Unversehrtheit und sexuelle Selbstbestimmung genommen
wird», sagte die Bundesgeschäftsführerin Christa
Stolle. Die Jungen Liberalen im Saarland forderten den Rücktritt
von Müller. Sie vertrete Positionen, die «viel mit Bischof
Mixa und Eva Herman und noch weiter rechts stehenden Personen zu tun
haben, aber wenig mit einer modernen Familienpolitik», sagte der
Vorsitzende der Saar-JuLis Oliver Luksic.
(Quelle: ddp)
Umgang mit der Links-Partei: SPD-Chef Beck gibt erstmals
Strategiefehler zu
Mi.12.03.08 - Im SPD-Streit über den Umgang mit der Partei Die Linke ist
Parteichef Kurt Beck erstmals aus den eigenen Reihen massiv in die
Kritik geraten. In einer Aussprache in der Bundestagsfraktion warfen
ihm Abgeordnete am Dienstag schwere Fehler vor.
Vor allem Parlamentarier des konservativen «Seeheimer
Kreises» und des «Netzwerks» in der SPD attackierten
nach Angaben von Teilnehmern das eigenmächtige Vorgehen bei der
Öffnung zur Linkspartei in Hessen.
Der Abgeordnete Gerd Andres sprach von einem «Strategiefehler und
einem Glaubwürdigkeitsproblem» Becks. Sein Fraktionskollege
Johannes Pflug meinte, die Parteiführung um Beck habe die nun
entstandene schwierige Lage für die SPD fahrlässig
herbeigeführt. Auch die frühere SPD-Familienministerin Renate
Schmidt distanzierte sich von dem Linksschwenk. Dagegen nahmen
Abgeordnete aus Hessen sowie Parteilinke in der Debatte mit über
40 Wortmeldungen den Parteichef in Schutz.
Beck, der von der zum Teil geballten Kritik offenbar überrascht
wurde, räumte in der Sitzung eine strategische
Fehleinschätzung ein. Er hätte besser den Empfehlungen des
früheren SPD-Vizekanzlers Franz Müntefering folgen sollen und
müsse diesem jetzt Abbitte leisten, sagte er in Anwesenheit
Münteferings. Dieser habe mit seiner Position Recht gehabt, auch
den SPD-Verbänden im Westen freie Hand bei einer Zusammenarbeit
mit der Linken zu geben, sagte der SPD-Chef. Beck selbst hatte dies
damals noch strikt abgelehnt.
Beck verteidigte einen Tag nach seinem Auftritt vor der Presse in
Berlin erneut sein Vorgehen für Hessen. «Wenn man einen
Strategiewechsel vornimmt, gibt es eben Geruckel», sagte er mit
Blick auf die zunächst gescheiterte Öffnung zur Linken in
Wiesbaden. Die SPD dürfe aber «nicht tatenlos»
zusehen, während die CDU ihren Spielraum bei möglichen
Koalitionen etwa mit den Grünen erweitere.
In auffällig scharfer Form grenzte sich dagegen Fraktionschef
Peter Struck von den Linken ab. «Mit dieser Partei ist auf
Bundesebene kein Staat zu machen», erklärte er. Auch
über 2009 hinaus sei die Partei auf der Bundesebene für die
SPD weder koalitions- noch regierungsfähig. «Sie würde
uns außenpolitisch in die Isolation treiben, finanzpolitisch in
den Staatsbankrott führen und sozialpolitisch ins letzte
Jahrhundert zurück katapultieren», zeigte sich Struck
überzeugt.
Als «nötig und richtig» verteidigte er die vor
fünf Jahren in Gang gesetzte Reform-«Agenda 2010» des
früheren SPD-Kanzlers Gerhard Schröder. Sie habe Deutschland
wieder nach vorn gebracht. «Deshalb können wir stolz darauf
sein, vor fünf Jahren den richtigen Weg eingeschlagen zu haben.
Die Erfolge geben uns recht», fügte Struck hinzu. Mit seiner
Agenda-Regierungserklärung am 14. März 2003 habe
Schröder «mutige Konsequenzen» gezogen. Die SPD werde
auch künftig «die Partei der Mitte, des sozialen Ausgleichs
und der wirtschaftlichen Vernunft» bleiben.
(Quelle: dpa)
Hessen: SPD-Abweichlerin Dagmar Metzger bleibt Mitglied im Landtag
Mi.12.03.08 - Die Darmstädter SPD-Abgeordnete Dagmar Metzger weicht dem Druck
aus ihrer Partei nicht und behält ihr Landtagsmandat. Sie bleibt
aber auch bei ihrer Absage an eine Zusammenarbeit mit den Linken.
Sie würde sich auch dann nicht anders entscheiden, wenn ein
Parteitag doch eine Kooperation mit der Linken beschließen
sollte, erklärte Metzger am Dienstag nach einer Sitzung der
Landtagsfraktion in Wiesbaden. Gleichzeitig betonte sie aber auch, sie
stehe zur Landes- und Fraktionsvorsitzenden Andrea Ypsilanti und
würde sie in einer Ampelkoalition oder anderen
Regierungskonstellation unterstützen.
Das Nein Metzgers hatte Ypsilanti vorerst von dem Plan abgebracht, sich
auch mit den Stimmen der Linken bei der ersten Sitzung des neuen
Landtages am 5. April zur Ministerpräsidentin wählen zu
lassen. Dieser Plan liege auf Eis, sagte Ypsilanti nach der
Fraktionssitzung. Es bleibe dabei, dass die SPD ihre politischen
Inhalte mit Anträgen im Landtag umsetzen wolle.
Für ihr Modell einer von den Linken tolerierten rot-grünen
Minderheitsregierung fehlen der SPD-Vorsitzenden bis auf weiteres auch
die Grünen als Partner. Deren Landesvorstand hatte am Montagabend
die Koalitionsverhandlungen abgesagt und die SPD scharf kritisiert. Die
Ablösung der CDU-Regierung sei an den Sozialdemokraten
gescheitert, erklärte er. «Die Ereignisse der letzten Tage
offenbaren ein Maß an inhaltlichem Richtungsstreit und
Unprofessionalität innerhalb der SPD, das wir nicht für
möglich gehalten hätten», so der Landesvorstand.
SPD, Grüne und Linke haben zusammen 57 der 110 Abgeordneten im
Landtag. Ohne Metzgers Stimme hätten die drei Fraktionen genau so
viele Stimmen, wie zur Ministerpräsidentenwahl mindestens
nötig sind. Jeder weitere Abweichler hätte die Wahl scheitern
lassen.
Metzger war an den vergangen Tagen von Ypsilanti und anderen
SPD-Politikern massiv aufgefordert worden, entweder einzulenken oder
ihr Mandat niederzulegen. Mehrere Abgeordnete hatten noch vor der
Sitzung am Dienstag die Kritik am innerparteilichen Umgang mit Metzger
zurückgewiesen. SPD-Bundestagsfraktionschef Peter Struck
begrüßte die Entscheidung Metzgers, ihr Mandat nicht
niederzulegen. Es sei richtig, dass Parlamentarier ihrem Gewissen
folgten, sagte Struck am Dienstag in Berlin.
Metzgers Schwiegervater Günther Metzer (SPD) sieht die neue
Abgeordnete einem «Psychoterror» der Partei ausgesetzt. Der
frühere Darmstädter Oberbürgermeister sagte dem
Radiosender Hitradio FFH am Dienstag: «Ich kenne den Bezirk
Hessen-Süd der SPD und weiß, was ich von diesem Bezirk zu
halten habe. (...) Und ich weiß, dass da mit Psychoterror
gearbeitet wird.» Im SPD-Bezirk Hessen Süd herrsche
«eine linke Mafia», sagte Metzger.
(Quelle: dpa)
ZEW-Konjunkturbarometer im März erneut gestiegen
Mi.12.03.08 - Professionelle Anleger und Analysten bewerten die Aussichten für
die deutsche Wirtschaft im März erneut besser.
Das Barometer für die ZEW-Konjunkturerwartungen stieg um 7,5 auf
minus 32,0 Punkte, wie das Mannheimer Zentrum für Europäische
Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag mitteilte. Von Reuters befragte
Volkswirte hatten mit einem Rückgang auf minus 40,0 Zähler
gerechnet. "Der Optimismus der Finanzanalysten gründet sich
vermutlich auf die Hoffnung, dass bei der Finanzmarktkrise das
Schlimmste in einem halben Jahr überwunden sein wird und die
Konjunkturdynamik sich nicht mehr abschwächt als bisher erkennbar",
sagte ZEW-Präsident Wolfgang Franz zu der monatlichen Umfrage
unter 285 Experten.
Die Börsianer bewerteten die Aussichten für die US-Wirtschaft
nicht mehr so negativ. Zudem dürfte der Euro seine Rekordjagd nicht
fortsetzen, was den Exporteuren helfe. Auch für den privaten
Konsum sind die Experten optimistischer.
Trotz des zweiten Anstiegs in Folge verharrt der Index unter seinem
historischen Mittelwert von 30,3 Punkten. Die Lage wurde von den
Experten erneut negativer beurteilt. Der Teilindex sank um 1,6 auf 32,1
Zähler. Volkswirte hatten mit einem stärkeren Rückgang
auf 30,4 Zähler gerechnet.
(Quelle: rtr)
Audi verbucht 2007 zwölftes Rekordjahr in Folge
Mi.12.03.08 - Der Ingolstädter Autobauer Audi hat 2007 erneut Spitzenwerte bei
Ergebnis und Umsatz erzielt.
Das operative Ergebnis kletterte nach Angaben vom Dienstag auf 2,705
Milliarden Euro, das entspricht einem Plus von 34,2 Prozent im Vergleich
zum Vorjahr. Dies sei das bisher höchste Ergebnis aus der
operativen Geschäftstätigkeit, sagte Vorstandschef Rupert
Stadler in Ingolstadt. Der Umsatz legte um 7,9 Prozent auf 33,617
Milliarden Euro zu. Die Umsatzrendite belief sich damit auf 8,7 (VJ:
6,2) Prozent. Damit erreichte die VW-Tochter ihr Margenziel bereits
deutlich früher; ein Wert von acht Prozent war ursprünglich
bis 2010 angestrebt. Die Kapitalrendite legte auf 18,6 von 14,2 Prozent
zu.
2008 werde Audi beim Absatz die Millionengrenze knacken,
bekräftigte Stadler. Eine Prognose zu Ergebnis und Umsatz gab er
zunächst nicht ab.
(Quelle: rtr)
VW-Mitarbeiter erhalten Rekord-Bonus von 3.700 Euro pro Person
Mi.12.03.08 - Die rund 86.000 Mitarbeiter des Autobauers VW in Deutschland
erhalten eine Bonuszahlung für 2007 von je 3.700 Euro. Das sind
rund 1.000 Euro mehr als im Jahr zuvor, wie das Unternehmen am Montag in
Wolfsburg mitteilte. Die gesamte Bonus-Summe beträgt rund 320
Millionen Euro.
Volkswagen hatte im vergangenen Jahr Umsatz und Gewinn in nie gesehene
Höhen geschraubt. Der Umsatz stieg um 3,8 Prozent auf 109
Milliarden Euro. Der Nettogewinn erhöhte sich um 50 Prozent auf
4,12 Milliarden Euro.
(Quelle: ap)
Wirtschaftsminister Glos besorgt wegen schwachen Konsums
Mi.12.03.08 - Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) hat sich besorgt über
die schleppende Konsumnachfrage geäußert: "Wir haben ja
Sorgen, was insbesondere auch den Inlandskreislauf anbelangt", sagte
Glos am Dienstag in Berlin. Es gebe eine ganze Reihe von Anzeichen, dass
die Konsum- und Ausgabebereitschaft der Deutschen sich nicht so positiv
entwickelt wie ursprünglich erhofft.
Die Regierung setzt in ihrer Wachstumsprognose von 1,7 Prozent in
diesem Jahr wesentlich darauf, dass die Inlandsnachfrage die Wirtschaft
nach oben zieht und insbesondere der private Konsum anspringt.
(Quelle: rtr)
Steuer- und Abgabenlast insgesamt gesunken -- Entlastungen aber sehr
unterschiedlich verteilt -- Für Gering- und Durchschnittsverdiener
sind Steuern und Sozialabgaben im OECD-Vergleich weiter auf hohem Niveau --
Alleinerziehende mit geringen Löhnen zahlen sogar mehr als früher
Mi.12.03.08 - Durch die geringeren Beiträge zur Arbeitslosenversicherung ist in
Deutschland 2007 auch die Gesamtbelastung der Arbeitseinkommen mit
Steuern und Sozialbeiträgen gesunken. Im OECD-Vergleich liegt sie
aber besonders für Gering- und Durchschnittsverdiener weiter auf
hohem Niveau, wie eine am Dienstag in Berlin und Paris
veröffentlichte Studie der Organisation für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD [http://www.oecd.org/]) zeigt.
So beliefen sich im vergangen Jahr in Deutschland Steuern und
Sozialabgaben für einen alleinstehenden Durchschnittsverdiener auf
52,2 Prozent der Arbeitskosten, also Bruttoverdienst plus
Sozialbeiträge der Arbeitgeber. Dies sind 1,1 Prozentpunkte weniger
als 2006. Nach Schweden und Island war das der stärkste
Rückgang innerhalb der OECD. Nach wie vor hat Deutschland aber die
dritthöchste Abgabenlast innerhalb der OECD.
Betrachtet man die Entwicklung seit 2000, so ist auch in diesem
Zeitraum die Steuer- und Abgabenlast auf Arbeitseinkommen für fast
alle untersuchten Haushaltstypen gesunken. Die Entlastungen sind
allerdings sehr unterschiedlich verteilt und konzentrieren sich auf die
Bezieher höherer Einkommen.
So hat die Abgabenlast für Gering- und Durchschnittsverdiener
trotz deutlich niedrigerer Steuersätze seit 2001 in den vergangen
Jahren kaum abgenommen. Gut verdienende Singles haben dagegen deutlich
geringere Abzüge als noch im Jahr 2000.
Besonders weit über dem OECD-Mittel liegt in Deutschland die
Abgabenlast für Alleinerziehende mit geringem Einkommen (bei zwei
Kindern und zwei Dritteln des Durchschnittslohns). Für diesen
Personenkreis liegt die Abgabenquote im OECD-Mittel um rund 80 Prozent
unter deutschem Niveau.
Hintergrund für diesen großen Unterschied ist, dass viele
OECD-Länder diesem Personenkreis umfangreiche staatliche Transfers
gewähren. In einigen Ländern führt das dazu, dass der
Arbeitnehmer sogar netto mehr in der Tasche hat als der Arbeitgeber
brutto zahlt.
Trotz der hohen Belastungen von durchschnittliche Arbeitseinkommen sind
in Deutschland die Gesamteinnahmen des Staates aus Steuern und
Sozialversicherungsbeiträgen vergleichsweise gering. So lag 2006
der Anteil der Steuer- und Sozialversicherungseinnahmen bei 35,7 Prozent
des Bruttoinlandsprodukts und damit unter dem OECD-Schnitt.
Die Steuer- und Sozialabgabenlast auf die Arbeitskosten berechnet sich
aus Einkommenssteuer abzüglich Bartransfers (zum Beispiel
Kindergeld) plus Sozialversicherungsbeiträge der Arbeitnehmer und
der Arbeitgeber. Pauschale Absetzungen von der Steuer für
Werbungskosten oder Sozialversicherungsbeiträge werden ebenfalls
berücksichtigt.
Nicht enthalten in der Berechnung sind positive oder negative
Einkünfte aus anderen Einkunftsarten wie etwa Kapital,
selbstständige Arbeit, Vermietung und Verpachtung. Gleiches gilt
für Steuerabschläge, die an bestimmte Voraussetzungen gebunden
sind - zum Beispiel für Berufspendler - und Transfers, die
ausschließlich für Bezieher geringer Einkommen gezahlt
werden, etwa Wohngeld.
(Quelle: ap)
Subventionen halten Firmen nicht von Jobverlagerungen ab
Mi.12.03.08 - Staatliche Subventionen halten Spitzenmanager in Deutschland laut
einer Umfrage nicht von der Verlagerung von Jobs ins Ausland ab. Gut
zwei Drittel der vom Marktforschungsinstitut Psephos befragten Manager
(69 Prozent) würden sich von ihren Verlagerungsplänen nicht
abbringen lassen. Ein knappes Zehntel zeigt sich grundsätzlich
aufgeschlossen.
Nur 7 Prozent würden sich durch das Lockmittel staatlicher
Subventionen umstimmen lassen, wollen sich aber nicht langfristig
festlegen lassen, wie aus der am Dienstag veröffentlichten Umfrage
im Auftrag des «Handelsblatts» und der Unternehmensberatung
Droege & Comp. unter knapp 800 Top-Managern in Deutschland
hervorgeht. Für weitere zwölf Prozent hänge es von der
Höhe zu erwartender Subventionen ab.
Konkrete Pläne für eine Verlagerung von Arbeitsplätzen
ins Ausland hat derzeit etwa jeder Achte der Befragten. Das aktuell
diskutierte Thema Mindestlohn ist dabei aber nur selten relevant: 13
Prozent führen es als einen der ausschlaggebenden Gründe
für die geplante Standortverlagerung an. Als Hauptmotive nennen die
Top-Manager ein generell geringeres Lohnkostenniveau im Ausland (79
Prozent) und die Erschließung neuer Märkte (64 Prozent).
(Quelle: ap)
NRW fordert knapp 60 Millionen Euro von Nokia
Mi.12.03.08 - Das Land Nordrhein-Westfalen fordert von Nokia knapp 60 Millionen Euro
an Subventionen und Zinsen zurück. Zur Zahlung setzte das Land dem
finnischen Handy-Hersteller eine Frist bis zum 31. März, wie das
Düsseldorfer Wirtschaftsministerium mitteilte. Sollte das Geld bis
zum Monatsende nicht eingegangen sein, werde die NRW-Bank den Anspruch
gerichtlich durchsetzen. Die Landesregierung wirft Nokia vor, seit 2002
nicht genügend Dauerarbeitsplätze in seinem Bochumer Werk
geschaffen zu haben. Auch habe der Konzern gegen vertraglich festgelegte
Mitteilungspflichten verstoßen. Nokia hatte die Vorwürfe
zurückgewiesen.
Nokia will das Werk in Bochum zum 30. Juni schließen. Bei dem
Streit mit dem Land geht es um Investitionshilfen für das Bochumer
Nokia-Werk von 23,8 Millionen Euro aus dem Jahr 1998 und weiteren 17,4
Millionen Euro von 1999. Zusätzlich zu diesen gut 41 Millionen Euro
fordert Nordrhein-Westfalen nun rund 18 Millionen Zinsen zurück.
Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums handelt es sich um den
höchsten Rückforderungsanspruch, der bisher in der
Landesgeschichte gegenüber einem Einzelunternehmen geltend gemacht
wurde.
Dem NRW-Wirtschaftsministerium zufolge hatte die rot-grüne
Vorgängerregierung in Düsseldorf die Zahl der unbefristeten
und sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze bei Nokia im Jahr
2003 auf 2860 festgelegt. Diese Untergrenze galt demnach für die
Investitionshilfen aus dem Jahr 1999. Für die Subventionen aus dem
Jahr 1998 galt den Angaben zufolge eine Mindestzahl von 2662
Dauerarbeitsplätzen. "Beide Werte wurden seit dem Jahr 2002
unterschritten", erklärte das Ministerium unter Berufung auf eine
aktuelle Erhebung der NRW-Bank.
Nokia hatte dagegen zuletzt darauf verwiesen, dass seit 2001 im
Durchschnitt jährlich 3200 Arbeitnehmer in Bochum beschäftigt
gewesen seien. Diese Zahl umfasse Nokia-Mitarbeiter und
Beschäftigte von Drittfirmen. Damit habe das Unternehmen seine
Verpflichtung zur Schaffung von Jobs "übererfüllt", betonte
der Handy-Hersteller.
(Quelle: afp)
3,6 Prozent mehr Geld für Textil- und Modeindustrie
Mi.12.03.08 - Die rund 120 000 Beschäftigten der westdeutschen Textil- und
Modeindustrie bekommen vom 1. Juni 2008 an 3,6 Prozent mehr Geld.
Für die Monate April und Mai soll es eine Einmalzahlung von 200
Euro geben.
Darauf einigten sich die IG Metall und der Arbeitgeber-Gesamtverband
Textil und Mode nach sechzehnstündigen Verhandlungen am frühen
Dienstagmorgen in Gladbeck. Die Laufzeit beträgt zwölf
Monate. Mit ihrer Forderung zur unbefristeten Übernahme der
Ausgebildeten konnte sich die Gewerkschaft nicht durchsetzen. Es wurde
vereinbart, dass sich eine Expertengruppe des Themas annimmt.
Unternehmen können nach der Einigung die Einmalzahlungen aus
wirtschaftlichen Gründen durch freiwillige Betriebsvereinbarungen
kürzen. In solchen Fällen muss aber eine
Beschäftigungssicherung beschlossen werden. Außerdem wurde
der Tarifvertrag zur Altersteilzeit bis Ende 2009 verlängert.
Der IG-Metall-Verhandlungsführer Michael Jung zeigte sich
zufrieden: «Wir haben spürbare Einkommensverbesserungen
durchgesetzt, die eine dauerhafte Beteiligung am wirtschaftlichen
Aufschwung der Branche gewährleisten.» Die IG Metall hatte
zunächst 5,5 Prozent mehr Geld für zwölf Monate gefordert
und das mit einer insgesamt stabilisierten Lage der Textilbranche
begründet. Die Arbeitgeber hatten 2,2 und 1,8 Prozent sowie
Einmalzahlungen von zweimal 0,5 Prozent bei 24 Monaten Laufzeit
geboten. Seit Ende der Friedenspflicht Ende Februar hatte die
Gewerkschaft bundesweit mit Warnstreiks mit mehr als 18 000 Teilnehmern
Druck gemacht.
Die Textil- und Modeindustrie umfasst neben klassischen
Bekleidungsherstellern etwa auch Zulieferer für die Autoindustrie
mit Teppichen und Autositzstoffen. Nordrhein-Westfalen ist mit etwa 40
Prozent der Mitarbeiter bundesweit der wichtigste Branchenstandort.
(Quelle: dpa)
Gut jeder Dritte in Deutschland erhält staatliche Hilfen
Mi.12.03.08 - Auf fast jeden Erwerbstätigen in Deutschland kommt inzwischen
ein Empfänger von staatlichen Hilfen. Jeder vierte Erwachsene im
Alter zwischen 18 und 64 Jahren lebte 2006 ganz oder teilweise von
staatlichen Hilfen, wie das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) am
Dienstag in Köln auf Grundlage einer Studie erklärte.
Zählt man Rentner und Kinder hinzu, liegt der Anteil der
sogenannten Leistungsempfänger bei 37,4 Prozent und damit fast so
hoch wie der der Erwerbstätigen, die auf 40,1 Prozent kommen.
Die Erwerbstätigenquote der 18- bis 64-jährigen sank demnach
von rund 70 Prozent im Jahr 1980 auf 64 Prozent im Jahr 2006. Zugleich
stieg der Anteil der Empfänger staatlicher Leistungen von knapp 14
Prozent auf fast 26 Prozent.
Am stärksten gewachsen ist den Angaben zufolge der Anteil der
Empfänger von beitragsunabhängigen Leistungen. So machten
2006 die von den Jobcentern betreuten ALG-II-Bezieher mehr als zehn
Prozent der erwerbsfähigen Bevölkerung aus, 1980 hatte die so
gemessene Arbeits- und Sozialhilfequote noch bei zusammen 1,4 Prozent
gelegen.
Einziges Beispiel für eine gegenläufige Tendenz, nämlich
den drastischen Rückgang der staatlichen Förderung, gab es
beim Bafög. Während 1980 noch 3,4 Prozent der
Bevölkerung zwischen 18 und 64 Jahren Leistungen nach dem
Bundesausbildungsförderungsgesetz erhielten, waren es 2006 nur
noch 1,6 Prozent. Ende der 1990er Jahre hatte die Quote sogar nur bei
0,6 Prozent gelegen.
Bezogen auf die Bevölkerung insgesamt, also unter Einbeziehung von
Kindern und Rentnern, stieg der Anteil der Leistungsempfänger
zwischen 1980 und 2006 um 15,7 Prozentpunkte auf 37,4 Prozent. Im
selben Zeitraum sank der Anteil der Erwerbstätigen um 2,7
Prozentpunkte auf 40,1 Prozent.
«Vor dem Hintergrund einer weiter schrumpfenden und alternden
Gesellschaft heißt das, dass zum einen alles getan werden muss,
damit möglichst viele Menschen erwerbstätig sind. Zum anderen
müssen aber auch die Leistungsempfänger mehr gefordert
werden», erklärte das IW. Grundlage der
Veröffentlichung ist das Forschungsprojekt «Soziale
Umverteilung in Deutschland.».
(Quelle: ap)
Konzepte gegen Kinder- und Altersarmut gefordert
Mi.12.03.08 - Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Michael Sommer, und
der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen
Rüttgers (CDU) haben Konzepte gegen Kinderarmut und künftige
Altersarmut gefordert. Nach einem Gespräch am Montag in Berlin
sprachen sie sich unter anderem für eine Überprüfung der
Hartz-IV-Regelsätze für Kinder und die Wiedereinführung
der Rente nach Mindesteinkommen aus. Diese galt bis 1992 und würde
besonders Frauen zugute kommen.
"Genauso wichtig sind angemessene, Existenz sichernde Löhne, damit
Familien nicht in prekäre Lebensverhältnisse geraten",
heißt es in der von der Düsseldorfer Staatskanzlei
veröffentlichten gemeinsamen Erklärung. Weil häufig
Arbeitslosigkeit oder ein zu geringes Einkommen die Ursache für
Armut sei, sei eine offensive Beschäftigungspolitik notwendig. Dazu
gehörten vor allem eine höhere Frauenerwerbstätigkeit
und Verbesserungen bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
Außerdem müssten Sozialleistungen dazu beitragen,
Kinderarmut zu vermeiden.
Angesichts des wachsenden Niedriglohnsektors sei eine Altersarmut
für künftige Rentner als reale Gefahr erkennbar.
Niedriglöhne böten keine Spielräume für den Aufbau
einer privaten Zusatzvorsorge. Wer lange in die Rentenversicherung
eingezahlt habe, müsse im Alter mehr bekommen als die
Grundsicherung, verlangten Rüttgers und Sommer. Ferner forderten
sie bessere Arbeitsmarktchancen für ältere Arbeitnehmer und
flexiblere Übergangsmöglichkeiten in den Ruhestand wie
Altersteilzeit und Teilrente.
(Quelle: epd)
Jungen wollen Automechaniker und Mädchen Verkäuferin werden
Mi.12.03.08 - Automechaniker und Kauffrau rangieren in der Liste der Traumberufe von
Jungen und Mädchen ganz oben. Das hat eine am Dienstag
veröffentlichte Umfrage der Zeitschrift «Eltern for
Family» unter 1.021 Mädchen und 1.045 Jungen im Alter
zwischen 9 und 19 Jahren ergeben.
Demnach will mit 9,7 Prozent fast jeder zehnte Junge am liebsten
Kfz-Mechaniker beziehungsweise Mechatroniker werden, wie der Beruf
inzwischen heißt. Fast ebenso viele Mädchen (9,4 Prozent)
träumen davon, später als Kauffrau oder Bankkauffrau zu
arbeiten.
Auf den weiteren Plätzen folgen kaufmännische und andere
handwerkliche Berufe mit 8,5 und 7,8 Prozent bei den Jungen und
Tierärztin und Tierpflegerin mit 7,1 Prozent und 6,5 Prozent bei
den Mädchen. Unbeliebt bei den männlichen Jugendlichen sind
laut Umfrage unter anderem Politiker und Steuerberater mit Werten unter
einem Prozent. Auch der Managerberuf schneidet mit 1,1 Prozent nicht gut
ab. Weniger als ein Prozent der Mädchen wi
(Quelle: ap)
Bundesverfassungsgericht: Automatische Kennzeichenerfassung nur
unter Auflagen zulässig
Mi.12.03.08 - Die automatische Erfassung von Autokennzeichen ist nur unter
strengen Auflagen zulässig. Wie das Bundesverfassungsgericht am
Dienstag entschied, muss der Abgleich mit der Fahndungsdatei der Polizei
«unverzüglich» erfolgen. Zudem müssten die Daten
- falls es keinen «Treffer» gebe - «spurlos»
und ohne die Möglichkeit, einen Personenbezug herzustellen,
gelöscht werden.
Kennzeichen dürften nicht ohne Anlass und «ins Blaue
hinein» und auch nicht flächendeckend erfasst werden.
Ansonsten könne "ein Gefühl des Überwachtwerdens»
entstehen, das zu «allgemeinen
Einschüchterungseffekten» der Bevölkerung führen
könne.
Die in Hessen und Schleswig-Holstein praktizierte Kennzeichenerfassung
verstößt nach Auffassung des Gerichts gegen das Grundgesetz.
Die Karlsruher Richter erklärten die entsprechenden Regelungen in
den Polizeigesetzen der beiden Bundesländer für
verfassungswidrig und nichtig. Diese Länder-Vorschriften verletzten
Autofahrer jedenfalls in ihrem Grundrecht auf informationelle
Selbstbestimmung. Die Verfassungsbeschwerden von drei Autofahrern waren
damit erfolgreich.
Bei der automatischen Kennzeichenerfassung in den beiden Ländern
werden auf ausgewählten öffentlichen Straßen alle
Fahrzeuge mit einer Videokamera erfasst - und zwar ohne besonderen
Anlass oder Verdacht. Das Kennzeichen wird dann automatisch mit der
Fahndungsdatei der Polizei abgeglichen, das heißt mit zwei Dateien
des Bundeskriminalamts (BKA). Dies soll helfen, Autodiebe und
Versicherungsbetrüger aufzuspüren.
Die Länder-Regelungen seien nicht klar genug, weil sie weder den
Anlass noch den Ermittlungszweck benennen würden, dem die Erhebung
und der Abgleich der Daten dienen sollen. «Die Unbefangenheit des
Verhaltens wird insbesondere gefährdet, wenn die Streubreite von
Ermittlungsmaßnahmen dazu beiträgt, dass Risiken des
Missbrauchs und ein Gefühl des Überwachtwerdens
entstehen», heißt es in dem Urteil. Das aber sei gerade bei
der seriellen Erfassung von Informationen in großer Zahl der Fall.
Es sei nicht auszuschließen, dass mit der Kennzeichenerfassung
auch eine «polizeiliche Beobachtung» einhergehen könne.
Damit werde eine systematische Sammlung von Informationen über das
Bewegungsverhalten von Fahrzeugen und damit von Personen möglich.
Beide Länder-Regelungen ließen zudem offen, ob weitere
Informationen neben der Ziffern- und Zeichenfolge des Kennzeichens
erhoben werden dürfen. Denn mit der praktizierten Erhebung des
Kennzeichens durch Videobilder gehe «notwendig eine Erfassung
aller auf dem Bild erkennbaren Einzelheiten» daher,
möglicherweise auch über Fahrzeuginsassen.
Die Vorschriften seien zudem unverhältnismäßig, weil
sie eine flächendeckende automatisierte Erfassung und Auswertung
von Autokennzeichen ermöglichten. Dies sei in den beiden
Ländern auch möglich, ohne dass konkrete Gefahrenlagen oder
gesteigerte Risiken einen Anlass dazu gäben. Die Methode sei auch
nicht auf Stichproben begrenzt, was zur Erfassung der Kennzeichen
gestohlener Fahrzeug zulässig wäre. Der Gesetzgeber müsse
deshalb auf «bestimmte Verdachtsstufen oder Gefahrenstufen»
achten, wenn er die Kennzeichenerfassung gesetzlich erlaube.
(AZ: 1 BvR 2074/05 und 1 BvR 1254/07 - Urteil vom 11. März 2008)
(Quelle: ddp)
USA erhalten Zugriff auf deutsche Polizei-Datenbanken --
Bundesdatenschutzbeauftragter Schaar kritisiert deutsch-amerikanisches
Sicherheitsabkommen
Mi.12.03.08 -Deutschland und die USA wollen den Datenaustausch bei der Jagd auf
Terrorverdächtige deutlich erleichtern.
Beide Regierungen paraphierten am Dienstag in Berlin ein Abkommen, das
den automatisierten Abgleich von Genprofilen und Fingerabdrücken
mit den Datenbanken im jeweils anderen Staat ermöglicht. So soll
künftig binnen Minuten geklärt werden, ob ein
Verdächtiger auch jenseits des Atlantiks bereits im Visier der
Fahnder ist. Zugleich räumen Deutschland und die USA Hürden
beim Austausch von Informationen über sogenannte Gefährder
aus dem Weg. Daten über Extremisten, denen Anschläge
zugetraut werden, sollen künftig ohne formales Ersuchen über
den Atlantik übermittelt werden. Während Bundesregierung und
USA von einem großen Fortschritt im Kampf gegen den Terrorismus
sprachen, kritisierte der oberste deutsche Datenschützer Peter
Schaar einen mangelhaften Schutz der Privatsphäre.
Die USA erhielten mit dem Abkommen auch Informationen über
Schwarzfahrer, Anti-Atomkraft-Demonstranten, Asyl- und Visa-Bewerber,
warnte Schaar im Deutschlandfunk. Ein angemessener Schutz der
Privatsphäre sei nicht gewährleistet. "Es gibt dort zwar ein
Datenschutzgesetz, aber das gilt nur für US-Bürger und solche
Personen, die sich dort langfristig aufhalten - ausdrücklich nicht
für Daten, die aus dem Ausland kommen", kritisierte er. Gleichwohl
sammelten die USA massiv Fingerabdruckdaten aus aller Welt, im Irak und
von Reisenden, die dann lange Zeit gespeichert würden.
Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble wies die Vorwürfe
zurück und sprach von vorbildlichen Datenschutzvorkehrungen. Wie
Justizministerin Brigitte Zypries verwies er darauf, dass die
US-Behörden keinen unmittelbaren Zugriff auf die Informationen in
den deutschen Datenbanken erhalten sollen. So erfahren die US-Fahnder
bei einem Fingerabdruck- oder DNA-Abgleich lediglich, ob überhaupt
Informationen zur betreffenden Person vorliegen. Alle weiteren Daten
wie Name und Adresse des Verdächtigen werden allerdings nicht auf
Knopfdruck übermittelt: Hier müssen sich die Staaten wie
bisher auf dem Weg der Rechtshilfe einigen.
Dabei ist der gegenseitige Zugriff auf die Gen-Datenbanken derzeit
ohnehin noch Zukunftmusik: Die USA müssen zunächst die
rechtliche Grundlage dafür schaffen, dass die Deutschen sich in
ihre DNA-Datenbank einklinken können. Der Abgleich der
Fingerabdrücke gilt dagegen als unproblematisch. Unklar blieb
zunächst, wann das Abkommen in Kraft treten kann. In Deutschland
müssen noch Bundesregierung und Bundestag zustimmen. Schäuble
und Zypries setzen auf eine Ratifizierung in dieser Legislaturperiode.
Außerdem hoffen Deutschland und die USA darauf, dass die
Vereinbarung zum Modell für ähnliche Abkommen mit den
übrigen EU-Staaten wird.
Vorbild für die Übereinkunft ist der Vertrag von Prüm
über den Datenabgleich innerhalb der EU. Deutschland und
Österreich etwa gewähren sich danach seit Dezember 2006
gegenseitig Zugriff auf ihre Polizei-Datenbanken. Die deutschen Fahnder
wurden auch bereits fündig: Jahre nach einem Tötungsdelikt in
Jena beispielsweise stießen sie auf einen Verdächtigen, der
in Österreich im Zusammenhang mit Kreditkartenbetrug aufgefallen
war. Sein DNA-Profil stimmte mit Spuren an einer Zigarette
überein, die die Ermittler 2003 am Tatort in Thüringen
sichergestellt hatten. Hunderte ähnliche Treffer werden seither
abgearbeitet.
(Quelle: rtr)
Mehr Schutz für Immobilienkreditnehmer
Mi.12.03.08 - Eigenheimbesitzer sollen künftig besser vor dem Verkauf ihres
Kredits durch die Bank geschützt werden. Justizministerin Brigitte
Zypries und Verbraucherminister Horst Seehofer kündigten am
Dienstag an, dass Banken in Zukunft ihren Kreditnehmern einen
Weiterverkauf des Darlehens anzeigen müssen. Außerdem soll
für die Kündigung von Grundstücksdarlehen eine Frist
gelten: Der Kredit darf erst dann gekündigt werden, wenn der Kunde
mit Zins und Tilgung sechs Monate in Verzug ist.
Zypries sprach sich dafür aus, den Markt nicht allzu sehr zu
reglementieren. Ein generelles Verbot für den Weiterverkauf von
Immobilienkrediten lehne sie ab. Es gehe vor allem um mehr Transparenz.
Die Kunden sollten wissen, wer ihr Gläubiger ist. Daher sollen die
Banken künftig verpflichtet sein, ihre Kreditnehmer anzuschreiben,
wenn sie den Kredit weiterverkaufen.
Seehofer wies darauf hin, dass ein Teil des Kreditgewerbes - etwa die
Volks- und Raiffeisenbanken sowie die Sparkassen - schon freiwillig
gehandelt habe und Kredite nicht mehr ohne Zustimmung ihrer Kunden
verkaufe. Es gehe aber darum, eine «saubere Rechtsregelung»
in Kraft zu setzen.
Schon heute sei es nicht zulässig, einen Darlehensvertrag, der
ordnungsgemäß bedient werde, in die Zwangsvollstreckung zu
geben, betonte Zypries. Außerdem habe die Debatte um die
Veräußerung von Immobilienkrediten an Finanzinvestoren schon
Reaktionen gezeigt: Erste Banken böten nun
unveräußerliche Kredite an. Wenn Banken sich diesen Service
extra bezahlen ließen, sehe sie darin kein Problem.
Schließlich gebe es Kreditnehmer, denen egal sei, wem sie ihre
Raten bezahlen.
Die Gesetzesinitiative liegt derzeit im Bundestag. Zypries sagte, sie
gehe davon aus, dass das Gesetz vor der Sommerpause beschlossen werde.
(Quelle: ap)
Zahl der Menschen ausländischer Herkunft steigt leicht an
Mi.12.03.08 - Der Anteil der Menschen ausländischer Herkunft in Deutschland
hat leicht zugenommen.
In dieser Bevölkerungsgruppe wurden 2006 nach Angaben des
Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden vom Dienstag 15,1 Millionen
Personen gezählt. Das sind 130.000 mehr als im Vorjahr. Etwas mehr
als die Hälfte der Menschen mit Migrationshintergrund seien
deutsche Staatsangehörige.
Die Zunahme von Menschen mit ausländischen Hintergrund in
Deutschland sei nicht auf verstärkte Einwanderung
zurückzuführen, sondern auf die hohen Geburtenraten bei
zugewanderten Eltern, hieß es. Von den unter 5-Jährigen
stamme jeder Dritte aus einer solchen Familie. Gleichzeitig sei die Zahl
der Gesamtbevölkerung in Deutschland weiter geschrumpft.
(Quelle: rtr)
Abgeschobenen Kurden Rückkehr erlaubt
Mi.12.03.08 - Das Verwaltungsgericht Frankfurt am Main hat einer kurdischen Mutter
und ihren sechs minderjährigen Kindern, die vor einem Jahr in die
Türkei abgeschoben wurden, die Rückkehr nach Deutschland
erlaubt. Der Main-Kinzig-Kreis müsse der Familie eine
Aufenthaltserlaubnis erteilen, weil die Kinder, von denen fünf in
Deutschland geboren wurden, hier integriert seien, teilte das Gericht am
Montag in Frankfurt mit. (Az.: 1 E 831/07)
Die Familie bezog seit 1993 in Deutschland öffentliche Hilfen. Die
Asylanträge wurden abgelehnt, die Klagen dagegen hatten keinen
Erfolg. Den sechs Kindern und Jugendlichen könne aber nicht
zugerechnet werden, dass die Eltern in Deutschland nicht integriert
gewesen seien, urteilte das Gericht. In der Türkei seien sie fremd.
Wegen des Schutzes der Familie müsse der Kreis auch der Mutter ein
Bleiberecht zubilligen. Von dem Ehemann und Vater, der in Deutschland
straffällig geworden sei, habe sie sich getrennt.
(Quelle: epd)
Klima
Verbraucherschützer rufen zum Stromsparen auf
Mi.12.03.08 - Mit einfachen Sparmaßnahmen können Bürger nach
Einschätzung von Verbraucherschützern mindestens 20 Prozent
ihrer Stromkosten oder 150 Euro im Jahr sparen. Zum Weltverbrauchertag
am Samstag rief der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv [http://www.vzbv.de/])
die Bevölkerung auf, schlummernde Stromsparpotenziale zu nutzen.
«Stromsparen ist die einfachste, billigste und effektivste Form,
Konto und Klima zu schonen», erklärte Vorstand Gerd Billen am
Dienstag. Der vzbv hat einen Stromverbrauchsindex (SVI) entwickelt, der
den Verbrauchern einen Richtwert über ihren individuellen
Verbrauch an die Hand geben soll. Er errechnet sich aus der Anzahl der
Personen im Haushalt und einer fixen Kilowattstundenzahl. Liegt der
eigene reale Stromverbrauch über dem Index, sollte man aktiv
werden, rät der vzbv.
Als einfache Möglichkeiten zum Stromsparen schlägt der
Verband den Austausch von herkömmlichen Glühbirnen durch
Stromsparlampen, das Abschalten von Geräten im Stand-by-Betrieb und
den Ersatz veralteter Kühl- und Gefrierschränke vor.
«Den Verbrauchern muss in Fleisch und Blut übergehen, dass
die Mehrkosten bei der Anschaffung sich unter dem Strich doppelt
rechnen», erklärte Billen.
Der Verband fordert aber auch EU-Kommission, Bundesregierung,
Wirtschaft und Handel auf, stromsparenden Geräten systematisch zum
Durchbruch zu verhelfen: «Die effizientesten Geräte
müssen ein Optimum vorgeben, das in einem festgelegten Zeitraum von
allen anderen Geräten erreicht werden muss», hieß es.
Alle schlechteren Geräte müssten dann vom Markt genommen
werden.
(Quelle: ap)
Deutschland nur noch Zehntelprozentpunkte vom Kyoto-Ziel entfernt
Mi.12.03.08 - Deutschland hat den Ausstoß gefährlicher Treibhausgase seit
1990 um 20,4 Prozent gesenkt. Damit ist die Bundesrepublik nur noch
Zehntelprozentpunkte von dem im Kyoto-Protokoll formulierten Ziel
entfernt, die Emissionen um insgesamt 21 Prozent zu mindern. Ein
weiterer Rückgang sei aber nur möglich, wenn die von der
Bundesregierung beschlossenen Klimaschutzmaßnahmen weiter
konsequent umgesetzt würden, teilte der Präsident des
Umweltbundesamtes, Andreas Troge, am Montag mit.
Troge begründet den bisherigen Erfolg teilweise mit sogenannten
Einmaleffekten, wie günstigen klimatischen Bedingungen und hohen
Energiepreisen. Im Kyoto-Protokoll hatten sich die einzelnen Staaten auf
unterschiedliche Emissionsmengen bis zum Jahr 2012 verpflichtet.
Deutschland setzte sich eine Minderung von 21 Prozent zum Ziel.
Inzwischen hat die Bundesregierung die Messlatte noch höher gelegt:
Bis 2020 sollen die Treibhausemissionen gegenüber 1990 um
insgesamt 40 Prozent gesenkt werden.
Allein im Vorjahr ist nach Angaben des Umweltbundesamtes (UBA) der
Gesamtausstoß aller Treibhausgase in Deutschland um rund 24
Millionen Tonnen oder rund 2,4 Prozent gesunken. Den größten
Anteil daran habe der deutliche Rückgang der
Kohlendioxid-Emissionen. Sie sanken laut UBA um 23,7 Millionen Tonnen;
das entspreche einem Minus von 2,7 Prozent. Doch die Ergebnisse im
Vorjahr seien «Einmaleffekte und kein Anlass, beim Klimaschutz
nachzulassen», warnte Troge.
Grund für die geringeren Emissionen sei vor allem die gesunkene
Nachfrage nach Öl und Gas infolge der starken Preisanstiege sowie
der überdurchschnittlich hohen Temperaturen, erklärte der
UBA-Präsident. Wegen der sehr milden Wintertemperaturen habe sich
der Energiebedarf für Raumwärme verringert. Außerdem
trugen die erneuerbaren Energien Wind, Wasser, Biomasse und Solarenergie
im Vorjahr um rund 15 Prozent mehr zur Energieversorgung bei.
Dämpfend habe sich zudem die Erhöhung der Mehrwertsteuer zu
Jahresbeginn 2007 ausgewirkt.
(Quelle: ap)
Grönlands Eispanzer verliert jährlich 150 000 Tonnen Eis
Mi.12.03.08 - Der grönländische Eispanzer verliert nach Erkenntnissen des
Berliner Polarforschers Prof. Wilfried Korth jedes Jahr bis zu 150 000
Tonnen Eis - eine Folge der globalen Erwärmung.
«Die Veränderung großer Eismassen ist ein
klimarelevantes Signal», sagte der Experte von der Technischen
Fachhochschule Berlin in einem Gespräch mit der Deutschen
Presse-Agentur dpa in Münster. Die großen Eismassen lieferten
sehr zuverlässige Informationen, weil sie nur auf
größere Veränderungen reagierten. «Die Eiskappen
in Grönland sind so träge, dass sie kurzfristige lokale
Veränderungen praktisch nicht bemerken und nur auf die
langfristigen globalen Veränderungen reagieren», sagte er.
Korth führte 2002 und 2006 Höhenmessung auf einer 700
Kilometer langen Strecke in Grönland durch, um bereits vorhandene
Satellitendaten zu überprüfen. Seine Ergebnisse stellte Korth
auf der 23. Internationalen Polartagung der Deutschen Gesellschaft
für Polarforschung in Münster (http://www.uni-muenster.de/Polartagung)
vor. An dem Kongress nehmen noch bis Freitag rund 150 Wissenschaftler
teil. «Das gesamte Profil, das wir vermessen haben, zeigt die
gleiche Verhaltensweise. Die Höhe des Eises hat überall
abgenommen.» Deswegen könne man auch über die
Messstandpunkte hinaus analoge Schlüsse über die Entwicklung
der Eishöhe in Grönland ziehen.
Die Expedition über 700 Kilometer absolvierten Korth und sein Team
auf Skiern. Auf dieses Fortbewegungsmittel seien sie zunächst aus
sportlichem Ehrgeiz gekommen. «Wir wollten eine große
Skiexpedition mit einem interessanten wissenschaftlichen Projekt
verbinden.» Erst während der Expedition habe sich
herausgestellt, dass die Fortbewegung auf Skiern von großem
Vorteil war: Motorschlitten wären im angetauten Schneematsch in
Grönland versackt. Im Jahr 2010 will Korth eine dritte
Grönlandexpedition unternehmen - dann wieder auf Skiern.
(Quelle: dpa)
Computer & Cyberspace
Hausaufgaben-Hilfe angeklickt und saftige Rechnungen erhalten --
Widerspruch hat gute Erfolgschancen
Mi.12.03.08 - Die Raubritter von heute lauern längst nicht mehr nur im
Hintergrund der Internet-Seiten von halblegalen Sex- und dubiosen
Spieleanbietern. Immer häufiger klagen beispielsweise aufgebrachte
Eltern, dass ihre Sprösslinge beim Surfen die Homepage einer
Hausaufgaben-Hilfe angeklickt haben und wenig später saftige
Rechnungen über ein dabei angeblich abgeschlossenes Jahres-Abo
zugeschickt bekommen. «Was juristisch gesehen natürlich
Nonsens ist», sagt Rechtsanwalt Peter Koblenz von der Deutschen
Anwaltshotline in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur ddp.
Selbst wenn der Sohn oder die Tochter irrtümlich der Ansicht
gewesen wären, die Benutzung der Seite sei kostenlos - Kinder
zwischen 7 und 17 Jahren, um die es hier geht, sind nur beschränkt
geschäftsfähig. «Ohne Einwilligung der
Erziehungsberechtigten dürfen Minderjährige gar keine
längerfristigen Verpflichtungen eingehen, und diesen können
die Eltern immer problemlos widersprechen», erklärt der
Anwalt. Das von dem Internet-Abzocker erschlichene Abo ist also auf
jeden Fall hinfällig.
Selbst der vielzitierte «Taschengeldparagraph» bietet den
unlauteren Geschäftemachern in Wahrheit kein rechtliches
Schlupfloch. «Nur dann wird nämlich ein auch ohne Zustimmung
des gesetzlichen Vertreters geschlossener Handel mit Minderjährigen
ausnahmsweise als wirksam angesehen, wenn das Geld dafür bereits
aus eigenen Mitteln bezahlt wurde», betont Koblenz. Mit dieser
gesetzlichen Regelung solle lediglich verhindert werden, dass Kinder
von ihrem Taschengeld Dinge kaufen und dann die Eltern zum Händler
laufen und Geld zurückfordern, das rechtlich gar nicht mehr ihnen
gehört hat. «Man sollte die unbezahlte Rechnung für den
angeblichen Vertragsabschluss des Kindes aber trotzdem nicht einfach in
den Papierkorb werfen - sie könnte ja als Beweismittel für
spätere gerichtliche Auseinandersetzungen noch von Wert
sein», rät Anwalt Koblenz.
Im Übrigen muss der Betreiber einer Internet-Seite seinerseits
stets beweisen können, dass es zweifelsfrei der erklärte Wille
des Kunden war, sich wirklich für eine gebührenpflichtige
Dienstleistung bei ihm anzumelden. «Wird auf der Seite mehrfach
von Gratis-Angeboten gesprochen, ist nach einer Entscheidung des
Amtsgerichts München jeder mehr oder weniger versteckt angebrachte
Kostenhinweis rechtlich unzureichend», betont Koblenz. Lässt
sich etwa - wie häufig - der Preis nur in den Allgemeinen
Geschäftsbedingungen oder weit unterhalb des Anmeldeformulars
finden, könne man die im Nachhinein per Post eintrudelnde
Zahlungsaufforderung ohne weiteres zurückweisen.
Auch jeder Erwachsene, der über den Tisch gezogen werden soll,
kann einen untergeschobenen Kuckucks-Vertrag wegen Irrtums anfechten.
«Dies ist möglichst rasch nach Empfang der Rechnung zu tun,
durch welche die Täuschung ja erst zutage trat», empfiehlt
der Anwalt. Der Anbieter muss nach einhelliger Rechtsprechung die
Anfechtung ersatzlos hinnehmen, wenn er - wie meist bei solchen Lock-
und Tarnangeboten - damit hätte rechnen müssen, dass der Kunde
von einer Gratis-Leistung ausgehen würde. «Die Anfechtung
einer Willenserklärung kann allerdings nur binnen Jahresfrist
erfolgen», warnt Koblenz. Hat man bei einem der üblichen
Zwei-Jahres-Verträge zunächst - um seine Ruhe zu haben - die
erste Jahresrate bezahlt, gäbe es keine Möglichkeit mehr, die
zweite Zahlung später wegen Irrtums zurückzuweisen. Dies
gelte selbst dann, wenn der Vertrag ursprünglich nicht rechtens
war.
(Quelle: ddp)
Öffentliche Internet-Hotspots bald überflüssig wie
Telefonzellen
Mi.12.03.08 - Öffentliche Internet-Hotspots könnten durch mobile
Online-Verbindungen abgelöst werden.
Der Trend geht zunehmend dahin, Notebooks, Smartphones und andere
mobile Endgeräte mit eigenen Web-Anschlüssen auszustatten.
Solche Breitband-Zugänge werden immer häufiger in Verbindung
mit Flatrates angeboten. Wer ein eigenes Gerät mit
Internet-Anschluss hat, wird auf öffentliche Hotspots kaum mehr
angewiesen sein. Experten wie der Manager Johan Bergendahl von Ericsson
vergleichen die öffentlichen Online-Anschlüsse mit
Telefonzellen, die aufgrund der hohen Verbreitung von Mobiltelefonen
nahezu nicht mehr benötigt werden, berichtet jetzt das Magazin
"Techworld".
(Quelle: gp)
Nach Microsoft sitzt nun Intel auf der Brüsseler Anklagebank --
Mutmaßlichen Missbrauchs einer marktbeherrschenden Stellung
Mi.12.03.08 - Nach Microsoft sitzt nun der Chip-Weltmarktführer Intel auf der
Brüsseler Anklagebank: Der US-Konzern rechtfertigte sich am
Dienstag in Brüssel gegen schwere Wettbewerbs-Vorwürfe der
EU-Kommission.
Im laufenden Verfahren wegen mutmaßlichen Missbrauchs einer
marktbeherrschenden Stellung droht ein hohes Bußgeld. Die
EU-Wettbewerbshüter bestätigten die Anhörung, teilten
jedoch keine Details zu dem Treffen hinter verschlossenen Türen mit.
Dem Konzern wird seit Juli 2007 vorgeworfen, den gleichfalls im
US-Bundesstaat Kalifornien ansässigen Konkurrenten AMD mit
illegalen Praktiken vom Markt für Computerprozessoren ferngehalten
zu haben. Intel weist die Vorwürfe zurück: Der Chipmarkt
funktioniere normal, und Intel habe sich rechtmäßig,
wettbewerbsorientiert und kundenfreundlich verhalten.
Nach Ende der zweitägigen Anhörung am (heutigen) Mittwoch
werde die Kommission nicht unmittelbar entscheiden, hieß es in
Brüssel. Ob ein Beschluss noch in diesem Jahr fällt, sei
völlig offen. EU-Ermittler hatten erst im Februar Büros von
Intel und großer Computerhändler in mehreren EU-Ländern
durchsucht. Die Kommission verhängte im Februar gegen den
Softwareriesen Microsoft ein Bußgeld von 899 Millionen Euro, da
der Konzern jahrelang zu hohe Lizenzgebühren für technische
Informationen verlangte.
(Quelle: dpa)