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Irak am 1450sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Iraker rufen UN zu stärkerem Engagement auf. US-Soldaten im Irak
erschießen junges Mädchen. Britischer Verteidigungsminister
zu Besuch im Irak. Gefangenenbefreiung in Bagdad. Irak will wegen
Giftgasangriffs von Halabdscha Firmen verklagen
Do.13.03.08 - Irakische Stammesführer, ehemalige Politiker und Intellektuelle
haben die Vereinten Nationen zu einem deutlich stärkeren
Engagement in ihrem Land aufgerufen. Die UN müssten die Kontrolle
im Irak übernehmen, erklärte die Gruppe in einem Schreiben an
Generalsekretär Ban Ki Moon, das am Mittwoch dem UN-Büro in
Kairo übergeben wurde. Der Irak müsse eine Zeit lang
«unter die Aufsicht der Vereinten Nationen» gestellt
werden. Nach einem Anschlag im August 2003 haben die UN ihr Engagement
im Irak stark zurückgefahren.
Die Vereinten Nationen sollten zudem einen neuen Sicherheitsplan
für den Irak beaufsichtigen, heißt es in dem Schreiben. Das
Land könne allein durch Engagement der internationalen
Gemeinschaft, vertreten durch die Vereinten Nationen, «vor einer
dunklen, aber nicht unvermeidlichen Zukunft» gerettet werden.
Dann könnten auch die US-Truppen aus dem Irak abgezogen werden.
«Es gibt keine andere Möglichkeit, alle anderen
Lösungen sind gescheitert, und es ist an der Zeit, dass die
Vereinten Nationen ihre Verantwortung schultern», sagte einer der
Unterzeichner, der frühere Politiker Ahmed al Habubi.
Ihre Bitte werde von Dutzenden irakischen Würdenträgern
unterstützt, erklärte die Gruppe. Die US-Regierung und die
Regierung in Bagdad dürfte der Petition allerdings ablehnend
gegenüberstehen.
US-Soldaten haben im Irak ein junges Mädchen erschossen. Zuvor
hatten sie einen Warnschuss auf eine Frau abgegeben, die einer
Straße, an der zuletzt mehrere Bomben gefunden wurden,
«anscheinend jemandem Signale gegeben», teilte ein
US-Militärsprecher am frühen Donnerstagmorgen mit. Der
Vorfall ereignete sich am Mittwochnachmittag in der Provinz Dijala
nördlich von Bagdad. In jüngster Zeit wurde im Irak
beobachtet, dass immer mehr Frauen für Selbstmordattentate
rekrutiert wurden.
Die Soldaten hätten zwar nicht geglaubt, dass die Frau selbst eine
Attentäterin sei, wohl aber, dass sie Signale über den
US-Konvoi an jemanden weitergegeben habe. Der Warnschuss sei in einer
Straßenböschung eingeschlagen. Hinter der Böschung sei
dann ein Mädchen mit einer Schussverletzung gefunden worden,
erklärte der Militärsprecher weiter. Das Kind sei auf dem Weg
ins Krankenhaus gestorben. Der Vorfall werde untersucht.
Der britische Verteidigungsminister Des Browne ist am Mittwoch zu einem
nicht angekündigten Besuch im Irak eingetroffen. Dies
bestätigte das Ministerium in London, ohne nähere Einzelheiten
zu nennen. Am Dienstag hatte die britische Regierung erklärt, dass
sich die Kosten für die Konflikte im Irak und Afghanistan im
vergangenen Jahr auf mehr als drei Milliarden Pfund (4 Milliarden Euro)
fast verdoppelt haben. Darüber hinaus verlautete aus
Verteidigungskreisen, dass der geplante Abzug britischer Soldaten aus
dem Irak langsamer als zunächst angekündigt vonstatten gehen
könne.
Eine kleine Gruppe bewaffneter Männer hat aus einem Gefängnis
in Bagdad vier mutmaßliche Terroristen befreit. Die regierungsnahe
Zeitung «Al-Sabah» berichtete, vier bis sechs Männer
in Armeeuniformen seien gestern ungehindert in das Gefängnis im
Stadtteil Al-Tobadschi eingedrungen, in dem rund 400 Häftlinge
einsitzen. Die Eindringlinge und die vier Gefangenen konnten entkommen.
Drei Gefängniswärter, die versuchten, die Befreiungsaktion zu
stoppen, erlitten Schussverletzungen.
Zwanzig Jahre nach dem Giftgasangriff auf den nordirakischen Ort
Halabdscha plant die Regierung in Bagdad rechtliche Schritte gegen
Firmen, die seinerzeit Chemikalien an Saddam Hussein geliefert haben.
Damals sollen auch deutsche Unternehmen dem Ex-Diktator beim Aufbau
seines Chemiewaffenarsenals geholfen haben. Firmennamen nannte die
Regierung in Bagdad in ihrer Mitteilung vom Mittwoch jedoch nicht. Das
irakische Kabinett stimmte vor dem Jahrestag des Angriffs am 16.
März einer Finanzspritze von sechs Million Dollar zum Wiederaufbau
des kurdischen Ortes zu.
Bei dem Beschuss von Halabdscha mit Giftgas kamen 5000 Menschen ums
Leben. Die Fotos aus den Straßen des Ortes, in denen sich Leichen
stapelten, erschütterten die Welt. 2005 wurde ein
niederländischer Geschäftsmann zu 15 Jahren Gefängnis
verurteilt, weil er Saddam mit Grundstoffen für die Herstellung
von Giftgas beliefert hatte. Seine Haftstrafe wurde später auf 17
Jahre erhöht.
boa (Quellen: dpa, ap, rtr)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 13.03.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am neunhundertsiebenundachtzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Di.13.03.07 - Pentagon arbeitet offenbar an Rückzugsstrategie für den Irak +++
Zwei US-Soldaten im Irak umgekommen +++ Nach Irak-Konferenz: Bush fordert
von Iran und Syrien Handeln +++ Türkei will nächste
Irak-Konferenz in Istanbul ausrichten...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0703130.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Waterboarding bleibt in USA erlaubt - Kongress kippt Veto nicht
Do.13.03.08 - Die umstrittene Verhörmethode des "Waterboarding" bleibt in den
USA weiter erlaubt.
Die Demokraten verfehlten am Dienstag im Repräsentantenhaus die
notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit, um ein Veto von US-Präsident
George W. Bush vom Wochenende zu kippen.
Das Verbot des "Waterboarding", bei dem Ertrinken simuliert und der
Gefangene dadurch zu einem Geständnis gezwungen werden soll, war
nur ein Teil eines weiter gefassten Gesetzesvorschlags, der sich mit den
Befugnissen des US-Geheimdienstes beschäftigt. Die Initiative
wurde im Dezember vom Repräsentantenhaus verabschiedet und im
Februar vom Senat. Bush hatte sein Veto damit begründet, dass
weiterhin Gefahr für das Land bestünde. Den
Geheimdienstvertretern müssten alle Mittel zur Verfügung
gestellt werden, damit sie Extremisten stoppen könnten. Die vom
Kongress verabschiedete Gesetzesvorlage hätte diese "notwendigen
Mittel" vermindert, erklärte Bush.
Im Repräsentantenhaus stellten sich nun vor allem die Republikaner
hinter Bush. Das US-Präsidialamt begrüßte die
Entscheidung. Wäre das Veto gekippt worden, hätte dies
bedeutet, dass die Möglichkeiten der Geheimdienste, die Nation zu
schützen, enorm eingeschränkt worden wären, erklärte
Sprecherin Dana Perino.
"Waterboarding" wird von zahlreichen Menschenrechtsgruppen, Politikern
und Ländern als Form der Folter angesehen.
(Quelle: rtr)
Afghanistan: Zwei Frauen und zwei Kinder bei britischem Luftangriff
getötet
Do.13.03.08 - Bei einem britischen Luftangriff in Afganistan sind zwei Frauen und
zwei Kinder getötet worden. Die Internationale
Afghanistan-Schutztruppe (ISAF) leitete eine Untersuchung des Angriffs
ein, wie ISAF-Sprecher Carlos Branco am Mittwoch mitteilte.
Dem Luftangriff vom Dienstag ging nach Angaben des Londoner
Verteidigungsministeriums ein Überfall von Rebellen auf britische
Truppen in der südlichen Provinz Helmand voraus.
Großbritannien hat mehr als 7.000 Soldaten in Afghanistan
stationiert, die meisten von ihnen in der Provinz Helmand.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Hamas nennt Bedingungen für Waffenruhe mit Israel -- Mitglied des
Islamischen Dschihad bei israelischem Militäreinsatz getötet
Do.13.03.08 - Die radikal-islamische Hamas hat ihre Bedingungen für einen
Waffenstillstand mit Israel genannt: Die Armee-Einsätze
müssten in den gesamten Palästinenser-Gebieten beendet und
die Blockade des Gazastreifens aufgehoben werden, sagte
Hamas-Anführer Ismail Hanija am Mittwoch. Nach einer Eskalation
der Gewalt versucht Ägypten derzeit eine Waffenruhe zu vermitteln
und damit eine Fortsetzung der Friedensgespräche zu
ermöglichen.
"Israel muss sich verpflichten, seine Aggression gegen unser Volk
vollständig zu beenden, Anschläge, Morde und Angriffe", sagte
Hanija. Eine Waffenruhe müsse "gegenseitig, umfassend und
gleichzeitig" in Kraft treten und sowohl für den Gazastreifen als
auch für das Westjordanland gelten.
Wenige Stunden zuvor hatte die israelische Armee bei Tulkarm im
Westjordanland ein Mitglied der Extremisten-Gruppe Islamischer Dschihad
getötet, die gemeinsam mit der Hamas an den Gesprächen in
Ägypten teilnimmt. Beide Organisationen sind gegen Verhandlungen
mit Israel und beschießen südisraelische Städte
regelmäßig mit Raketen. Nach einer Bodenoffensive der Armee
vor mehr als einer Woche hat die verhandlungsbereite
Palästinenser-Führung im Westjordanland die
Friedensgespräche unterbrochen.
(Quelle: rtr)
Erstmals sagt US-Behörde Rezession für 2008 voraus
Do.13.03.08 - Erstmals hat eine US-Behörde in einer offiziellen
Konjunkturprognose für das laufende Jahr eine Rezession für
die Vereinigten Staaten vorausgesagt.
Das Bruttoinlandsprodukt werde im ersten Halbjahr voraussichtlich
leicht zurückgehen, danach aber wieder zulegen, erklärte die
Statistikabteilung des US-Energieministeriums am Dienstag. Für das
Gesamtjahr rechnet die Behörde mit einem Wirtschaftswachstum von
1,3 Prozent, dem schwächsten Anstieg seit 2001. Das Wort
"Rezession" selbst wurde nicht genannt. Zwei aufeinanderfolgende
Quartale mit einem Schrumpfen der Wirtschaft gilt jedoch als eine der
üblichen Definitionen.
(Quelle: rtr)
Finanzspritze der Notenbanken lässt Aktienkurse weltweit steigen
Do.13.03.08 - Die milliardenschwere Finanzspritze der Notenbanken hat die Aktienkurse
weltweit beflügelt. Der Deutsche Aktienindex (Dax) kletterte am
Mittewochmorgen in Frankfurt am Main um mehr als 1,3 Prozent nach oben,
in Paris stiegen die Kurse um fast 1,5 Prozent. Auch in Asien reagierten
die Börsen positiv: Der Nikkei-Index an der Börse in Tokio
schloss mit einem Plus von 1,6 Prozent, der Hang Seng in Hongkong mit
einem Plus von fast 1,9 Prozent. Der Dow-Jones-Index an der New Yorker
Börse war am Dienstagabend um mehr als 400 Punkte gestiegen und
damit so stark wie seit fünf Jahren nicht mehr.
Die Notenbanken hatten den Banken am Dienstag bis zu 200 Milliarden
Dollar zusätzlich zur Verfügung gestellt, da die Banken selbst
sich wegen der Finanzkrise untereinander derzeit kaum Geld leihen.
Beteiligt an der Finanzspritze waren neben der US-Notenbank Fed auch
die Europäische Zentralbank (EZB), die Schweizer Nationalbank, die
kanadische und die englische Notenbank.
Auf den Ölpreis und den Eurokurs hatte die Finanzspritze
zunächst aber wenig Auswirkungen. Der Preis für ein Barrel
(159 Liter) Rohöl in New York stieg zwischenzeitlich auf einen
neuen Höchststand von 109,72 Dollar und schloss bei 108,75 Dollar.
Auch der Euro erreichte mit 1,5495 Dollar einen neuen Rekordwert.
(Quelle: afp)
Serbien und Russland fordern Stopp der Übergabe der Verwaltung
Kosovos an EU
Do.13.03.08 - Serbien und Russland haben am Dienstag einen Stopp bei der
Übergabe der Verwaltung des Kosovos von den Vereinten Nationen an
die Europäische Union verlangt. Die Übernahme durch die EU sei
illegal, erklärten beide Länder. Sie betonten, sie
würden die Unabhängigkeit des Kosovos nie anerkennen. Der
serbische Außenminister Vuk Jeremic erklärte, die
UN-Resolution 1244, die UN-Verwaltung des Kosovos gebilligt habe,
müsse in vollem Umfang umgesetzt werden.
Das Kosovo kam 1999 unter Verwaltung der UN und der NATO, nachdem die
NATO mit einem Luftkrieg das Vorgehen der serbischen
Sicherheitskräfte gegen albanische Separatisten gestoppt hatte.
Über den UN-Plan zur Übergabe der Verwaltung an die EU wurde
im Sicherheitsrat nie abgestimmt, da dies am Widerstand und am Veto
Russlands gescheitert wäre. 14-monatige internationale
Verhandlungen über eine Regelung der künftigen Beziehungen
zwischen Serbien und Kosovo scheiterten dann. Am 17. Februar
erklärte sich das Kosovo für unabhängig. Jeremic forderte
nun weitere Verhandlungen.
Die USA und Großbritannien, die zu den ersten Ländern
gehörten, die die Unabhängigkeit der früheren serbischen
Provinz anerkannten, erklärten hingegen, die Debatte über die
Zukunft des Kosovos sei beendet. Es gelte nun, sich der Zukunft eines
unabhängigen Kosovos und eines unabhängigen Serbiens in Europa
anzunehmen.
(Quelle: ap)
EU-Gipfel droht Spaltung wegen Mittelmeerunion
Do.13.03.08 - Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und die deutsche
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) stoßen mit Ideen für
eine Mittelmeerunion beim EU-Gipfel an diesem Donnerstag in
Brüssel auf Widerstand. Die Union soll die bisherige
Zusammenarbeit mit den Staaten rund ums Mittelmeer verbessern.
Nach Einschätzung von Diplomaten in Brüssel formiert sich vor
allem in nördlichen EU-Staaten Ablehnung gegen die Pläne,
zumal die EU schon seit mehr als zehn Jahren die Mittelmeer-Anrainer
mit milliardenschweren Programmen fördert. Die 27 Staats- und
Regierungschefs wollen bis Freitag zudem versuchen, die ehrgeizigen
Klimaschutzziele der EU und weitere Wirtschaftsreformen voranzubringen.
Diplomaten sagte, es sei völlig ungewiss, ob der Vorschlag von
Sarkozy und Merkel von den anderen Regierungschefs akzeptiert werde.
Für Sarkozy, der mit nachlassenden Sympathiewerten bei seinen
Bürgern zu kämpfen hat, ist die Mittelmeerunion ein
Prestigeobjekt, mit dem er die Juli beginnende französische
EU-Ratspräsidentschaft schmücken will. Er will die
Mittelmeerunion am 13. Juli bei einem Gipfel in Paris aus der Taufe
heben.
Der Fraktionschef der Sozialisten im Europaparlament, der deutsche
SPD-Abgeordnete Martin Schulz, warnte: «Wenn die EU gespalten ist
durch die Mittelmeerunion, wäre das eine sehr schlechte Botschaft
am Vorabend der französischen Ratspräsidentschaft.» Es
drohe eine Isolierung Frankreichs, die keiner wünsche.
Sarkozy und Merkel wollen gemeinsam die Pläne vorstellen, die eine
gleichberechtigte Zusammenarbeit aller EU-Länder mit den
Mittelmeer-Anrainern vorsieht, die nicht der EU angehören. Wie
Regierungssprecher Ulrich Wilhelm in Berlin sagte, sollen in den ersten
18 Jahren alle EU-Länder, die nicht ans Mittelmeer grenzen, von
der jeweils zwei Jahre dauernden Präsidentschaft der
Mittelmeerunion ausgeschlossen werden.
Wilhelm sagte, nach den ersten neun Wahlperioden könnten dann auch
EU-Staaten ohne Mittelmeerküste den Vorsitz übernehmen.
Gerade wegen dieser Verfahrensfragen wollten Diplomaten nicht
ausschließen, dass sich massiver Widerstand gegen die Idee
formiert. Bisher gilt das Prinzip, dass bei politischen Vorhaben, die
die EU finanziert, alle 27 Staaten gleichberechtigt
sind.
Die Mittelmeerunion soll nach Worten des deutschen Regierungssprechers
den 1995 gegründeten «Barcelona-Prozess» ablösen.
In diesem Prozess für eine engere Zusammenarbeit vor allem mit den
nordafrikanischen Anrainerstaaten sind alle gleichberechtigt.
Zusätzliche EU-Mittel sind für die Zusammenarbeit bei
Energie-, Umwelt- und Verkehrsprojekten im Mittelmeerraum nicht
vorgesehen. Für die Zeit von 2007 bis 2013 stehen dafür
bereits 16 Milliarden Euro zur Verfügung.
Bisher hat sich offiziell noch kein EU-Gremium mit der Gründung
der «Union für das Mittelmeer» befasst. Die
«Chefs» reden erstmals am Donnerstagabend darüber.
Merkel hatte sich angesichts erheblicher Irritationen über
ursprüngliche Pläne Sarkozys, nur Mittelmeeranrainer in die
neue Union aufzunehmen, um einen Vorschlag bemüht, der
sämtliche EU-Staaten einbindet.
Der Gipfel will auch die vor einem Jahr unter Vorsitz von Merkel
vereinbarten Klimaziele der EU bekräftigen, die unter anderem eine
Verringerung des Ausstoßes von Treibhausgasen um 20 Prozent und
eine Anhebung des Anteils von erneuerbaren Energien auf 20 Prozent des
Energieverbrauchs bis 2020 vorsehen. Merkel will darauf dringen, dass
die Aufteilung der Klima-Anstrengungen auf die einzelnen
Mitgliedstaaten noch im Laufe dieses Jahres politisch vereinbart wird.
Deutschland will vor allem Regelungen, um besonders energieintensive
Industrien zu schonen.
Die Gipfelteilnehmer wollen auch die Ziele der «Lissabon-
Strategie» für mehr Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit
voranbringen. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso
sagte in Straßburg, zwar seien in den vergangenen zwei Jahren 6,5
Millionen Arbeitsplätze geschaffen worden und das Wachstum mit
rund zwei Prozent respektabel. Doch es seien zusätzliche
Anstrengungen nötig. Er kündigte bis zum Sommer neue
Vorschläge an, um die Modernisierung der Sozialsysteme zu
begleiten. Der Europäische Gewerkschaftsbund (EGB) rief am Vortag
des Gipfels die 27 EU-Staaten zum entschlossenen Kampf gegen eine
«drohende Verelendung von Millionen Arbeitnehmern» auf.
(Quelle: dpa)
Deutschland
Regierung wusste offenbar bereits 2001 von CIA-Entführungen
Do.13.03.08 - Die frühere Bundesregierung war nach einem Magazinbericht viel
früher über Entführungen mutmaßlicher Terroristen
durch den US-Geheimdienst CIA informiert als bislang eingeräumt.
Nach Angaben des früheren CIA-Europachefs Taylor Drumheller seien
deutsche Sicherheitsbehörden sowie das Kanzleramt bereits im Herbst
2001 über das Entführungsprogramm informiert worden,
berichtete das Magazin "Stern" am Mittwoch. Die Deutschen seien nach
Angaben Drumhellers zunächst wenig angetan gewesen. "Die Hauptsorge
unserer Verbündeten: unilaterale US-Aktionen auf europäischem
Boden, Terroristen abfischen, ohne ihre Genehmigung, um die dann in
einen Drittstaat zu schicken", sagte er dem "Stern". Solche Bedenken
hätten die Deutschen im Herbst 2001 auch der CIA-Vertretung in
Berlin mitgeteilt.
Der damalige Kanzleramtschef und jetzige Außenminister
Frank-Walter Steinmeier hat bislang erklärt, von den
Verschleppungen durch die Amerikaner erst 2004 erfahren zu haben. Der
damalige Geheimdienstkoordinator im Kanzleramt, der jetzige
BND-Präsident Ernst Uhrlau, will erst Ende 2004 aus den Medien von
dem US-Entführungsprogramm gehört haben. In dem Jahr war unter
anderem bekanntgeworden, dass der Deutsch-Libanese Khaled el-Masri
offenbar von der CIA verschleppt und monatelang gefangengehalten worden
war. Die Staatsanwaltschaft München hatte deswegen Anfang 2007
Haftbefehle gegen 13 Verdächtige erlassen, die an der
Entführung el-Masris aus Mazedonien nach Afghanistan beteiligt
gewesen sein sollen.
Im Zusammenhang mit den mutmaßlichen CIA-Entführungen war
der Bundesregierung wiederholt unterlassene Hilfeleistung für die
Opfer vorgeworfen worden. Die Verantwortlichen haben dies immer wieder
abgestritten.
Steinmeier und Uhrlau sollen Donnerstag vor dem BND-Ausschuss des
Bundestages aussagen. Es geht dabei um den Deutsch-Syrer Mohammed Haydar
Zammar, der 2001 mit Hilfe der CIA in Marokko festgenommen und dann
nach Syrien verschleppt worden sein soll.
(Quelle: rtr)
SPD landet in Umfrage auf historischem Tief -- Linkspartei bei 14
Prozent -- Debatte über den Umgang mit Linken geht in der SPD
weiter
Do.13.03.08 - Seit der Debatte über den Umgang mit der Linkspartei ist die
SPD unbeliebt wie selten zuvor. Nach dem Beschluss, die
Ländergremien über Kooperationen entscheiden zu lassen, fiel
sie in der Wählergunst bei einer am Mittwoch veröffentlichten
Forsa-Umfrage für den «Stern» auf 23 Prozent - den
geringsten Wert, den Forsa je für sie gemessen hat.
Auch Parteichef Kurt Beck kam bei der Frage, wen die Wähler zum
Kanzler wählen würden, mit nur noch 13 Prozent auf den
niedrigsten Wert seiner Amtszeit. Die Tageswerte für die SPD
spiegeln die Sturzfahrt wider: Anfang der vergangenen Woche lag die
Partei noch bei 24 Prozent. Am Freitag, nach dem Scheitern der
angestrebten rot-rot-grünen Zusammenarbeit in Hessen, stürzte
sie auf 20 Prozent ab. Die Zustimmung für einen Kanzlerkandidaten
Beck sank im Vergleich zur Vorwoche um einen Punkt auf 13 Prozent. Das
ist ebenfalls der niedrigste Wert, den Beck seit seiner Wahl zum
Parteichef im Mai 2006 bei Forsa hatte.
Von der Schwäche Becks profitiert die CDU-Vorsitzende Angela
Merkel, die 57 Prozent weiter im Kanzleramt sehen wollen.
Die Linkspartei liegt mit unverändert 14 Prozent neun Punkte
hinter der SPD. Die Union liegt mit 38 Prozent weiter vorn, die FDP
kommt auf unverändert 10 Prozent. Zulegen konnten nur die
Grünen um einen Punkt auf 11 Prozent.
Der Chef des Meinungsforschungsinstituts Dimap, Reinhard Schlinkert,
sah in den Werten seiner Forsa-Kollegen keinen Grund zur Panik für
die SPD. Bei dimap lag sie Anfang März bei 28 Prozent, im Juli
2004 habe sie dagegen nur 23 Prozent erreicht. «Es ist alles im
Fluss», betonte der dimap-Chef. Schließlich erreiche die
CDU «auch keine sensationellen Werte». Entscheidend werde
sein, wie sich die SPD zur Linken positionieren werde.
Der Geschäftsführer der Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann,
bezeichnete den Beschluss als «Operation am offenen
Herzen», weil er gefasst werden musste, während sich in
Hessen die Ereignisse überschlugen. Er verwies noch einmal auf die
Festlegung, dass es im Bund über den Wahltag 2009 hinaus keine
Zusammenarbeit mit der Linken gebe. Wer das nicht glaube, solle sich
vergegenwärtigen, dass die SPD im Bundestag «jeden
Tag» die Glaubwürdigkeit belege. «Wir könnten es
machen, wenn wir wollten.» Es gebe im Bund eine rechnerische
Mehrheit für Rot-Rot-Grün.
Auch Fraktionschef Peter Struck bemühte sich, das Thema für
erledigt zu erklären. Beck habe «eindeutig» die
Unterstützung der Fraktion, sagte Struck im ZDF-Morgenmagazin. Der
Streit ging jedoch weiter. So meinte der 81-jährige frühere
Bundesminister Erhard Eppler im «Stern», man könne
«nicht permanent mit einer linken Mehrheit «halbrechte
Politik machen».
Der Vorsitzende der sozialistischen Fraktion im Europaparlament, Martin
Schulz, erklärte dagegen im Deutschlandfunk: «Mit einer
Kombination aus Sahra Wagenknecht und ihren 19.-Jahrhundert-Ideologien
und Oskar Lafontaines Rachegelüsten können Sie Deutschland
nicht regieren.»
Lafontaine selbst führte die Probleme seiner ehemaligen Partei
darauf zurück, dass sie ihre inhaltlichen Konflikte noch nicht
ausgetragen habe. Spekulationen über Bündnisse wies er
zurück. «Farbenlehrediskussionen» interessierten ihn
nicht.
(Quelle: ap)
SPD-Vorsitzender Beck verteidigt Schröders Agenda 2010
Do.13.03.08 - Führende Koalitionspolitiker haben fünf Jahre nach der
Agenda-Rede des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder (SPD)
eine positive Bilanz des eingeleiteten Reformkurses gezogen. SPD-Chef
Kurt Beck sagte, die Agenda 2010 sei der «Auftakt zu einem
großen wirtschafts- und arbeitsmarktpolitischen Erfolg»
gewesen.
Beck sagte der «Süddeutschen Zeitung», dank der Agenda
gebe es heute wieder «beachtliche Wachstumsraten und eine Million
zusätzliche Arbeitsplätze in Deutschland». Allerdings
müsse die Große Koalition die eine oder andere soziale
Verträglichkeit wiederherstellen. «Wir müssen weiter
darauf hinwirken, dass die Erfolge der Agenda bei allen Menschen
ankommen», betonte Beck.
Sein Stellvertreter Frank-Walter Steinmeier sprach von einer
«alternativlosen Entscheidung» der Regierung Schröder.
«Wir mussten diese Politik machen, wissend, dass sie zu Schmerzen
und Verlusten führen könnte», sagte der
Außenminister, der damals Kanzleramtschef war.
Unions-Fraktionschef Volker Kauder erklärte, es sei angesichts der
jüngsten wirtschaftlichen Erfolge unverständlich, dass sich
viele Sozialdemokraten von der Agenda abgrenzten und sich so um die
Früchte des eigenen Erfolges brächten.
Schröder hatte den Kurswechsel der rot-grünen Koalition am
14. März 2003 mit einer Rede vor dem Bundestag eingeleitet. Er
kündigte eine Gesundheitsreform an, die kürzere Auszahlung
des Arbeitslosengelds I und die Zusammenlegung von Arbeitslosenhilfe
und Sozialhilfe zum neuen Arbeitslosengeld II. Während die
Opposition und die Wirtschaft zumindest Teile des Programms lobten,
stieß Schröder bei der SPD-Linken und den Gewerkschaften auf
erbitterten Widerstand.
(Quelle: ap)
Linke schließt Kooperation mit SPD auf Bundesebene aus
Do.13.03.08 - Die Linke sieht nach den Worten ihres Vorsitzenden Oskar Lafontaine
derzeit keine Möglichkeit zur Kooperation mit der SPD auf
Bundesebene. «Solange die SPD einen Völkerrechtsbruch zur
Grundlage ihrer Außenpolitik macht, ist eine Zusammenarbeit
ausgeschlossen», sagte Lafontaine am Mittwoch in Berlin mit Blick
auf den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr. Zugleich erneuerte er die
Forderung seiner Partei nach Abzug der deutschen Soldaten vom Hindukusch.
Auch was den neuen EU-Vertrag von Lissabon betrifft, bleibt die Linke
bei ihrer Ablehnung. Der Reformvertrag sei wegen einer
«Militarisierung der europäischen Außenpolitik»
sowie wegen des Verzichts auf ein soziales Europa für seine Partei
nicht akzeptabel, sagte Lafontaine.
(Quelle: ddp)
Lafontaine dringt auf Distanz zur DKP
Do.13.03.08 - Der Parteichef der Linken, Oskar Lafontaine, hat sich für eine
schärfere Abgrenzung zur Deutschen Kommunistischen Partei (DKP)
ausgesprochen. Dem «Kölner Stadt-Anzeiger»
(Donnerstagausgabe) sagte Lafontaine, er unterstütze das Vorhaben
vieler Mitglieder, beim Bundesparteitag der Linken Ende Mai in Cottbus
einen Unvereinbarkeitsbeschluss gegenüber der DKP
herbeizuführen. Eine solche Resolution würde
ausschließen, dass DKP-Mitglieder weiterhin auf Listen der Linken
Berücksichtigung finden.
Der Partei- und Fraktionsvorsitzende der Linken räumte in dem
Interview ein, er habe sich in der Vergangenheit «um dieses
Problem nicht gekümmert». Wörtlich fügte
Lafontaine laut Vorabmeldung hinzu: «Ich habe gar nicht gewusst,
dass es die DKP überhaupt noch gibt.»
(Quelle: ap)
SPD, Grüne und und Linkspartei: EU-Gipfel muss sich der sozialen
Frage stellen
Do.13.03.08 - Sozialdemokraten, Grüne und Linkspartei erwarten von den
EU-Staats- und Regierungschefs eine soziale Korrektur ihrer bisherigen
Wirtschaftsstrategie. Auf ihrem Gipfeltreffen in Brüssel am
(heutigen) Donnerstag müssten die Staats- und Regierungschefs die
sogenannte Lissabon-Strategie für Wachstum überarbeiten,
verlangte der Fraktionschef der Sozialdemokraten im Europaparlament
(SPE), Martin Schulz, am Mittwoch in Straßburg.
Die Lissabon-Strategie habe Schlagseite, weil sie bislang nur den
Unternehmen zugute komme, kritisierte Schulz: «Die
Produktivität wächst, aber das Prekariat in Europa wächst
auch.» Die Grünen-Europaabgeordnete Rebecca Harms forderte,
der Gipfel müsse das Thema Mindestlohn aufgreifen.
EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso hatte die
Lissabon-Strategie zuvor als Erfolg gewertet, weil in den vergangenen
zwei Jahren europaweit 6,5 Millionen neue Arbeitsplätze entstanden
seien. SPE-Fraktionschef Schulz erklärte, es sei «eine
Realität, dass natürlich mehr Arbeitsplätze entstehen,
aber sie sind nicht sicher, die Arbeitsplätze».
Von der Niederlassungsfreiheit in der EU profitierten bislang vor allem
die Unternehmen, klagte Schulz mit Blick auf Standortverlagerungen wie
die Schließung des Bochumer Nokia-Werks. «Ein Unternehmen
macht an einem Standort vier Prozent Gewinn und sagt: den Shareholdern
reicht das nicht, deswegen machen wir das Unternehmen an diesem Standort
zu», kritisierte der SPE-Fraktionschef.
Ein «Schlag gegen das soziale Vertrauen» sei es auch,
«wenn jeder Reiche in Europa mit seinem Geldkoffer von einem Land
ins andere ziehen kann, ohne Steuern zahlen zu müssen»,
erklärte Schulz. Die EU-Staaten müssten deshalb ihre
Zusammenarbeit in Steuerfragen verbessern.
Für die Vereinigte Europäische Linke erklärte die
deutsche Europaabgeordnete Gabi Zimmer, mehr als 70 Millionen
Europäer lebten in Armut. Die Staats- und Regierungschefs
müssten «mehr als nur einige Zeilen Aufmerksamkeit jenen
Bürgern und Kindern widmen, die von den Erfolgen der
Lissabon-Strategie ausgeschlossen sind», forderte Zimmer.
(Quelle: ap)
Gewerkschaftsbund: Sechs Millionen Deutsche arbeiten zu
Mini-Löhnen
Do.13.03.08 - Sechs Millionen Deutsche arbeiten nach Darstellung des
Europäischen Gewerkschaftsbunds (EGB) für einen Bruttolohn
von maximal sechs Euro pro Stunde. «Der Exportweltmeister
Deutschland ist eines der Länder, das besonders stark vom Problem
der Armutslöhne betroffen ist», sagte EGB-Experte Ronald
Janssen am Mittwoch in Brüssel. Der EGB forderte vor diesem
Hintergrund die EU-Staats- und Regierungschefs auf, bei ihrem
Gipfeltreffen am (heutigen) Donnerstag die Lissabon-Strategie für
Wachstum und Beschäftigung in Europa zu korrigieren. Zwar seien in
den vergangenen zwei Jahren rund 6,5 Millionen neue Jobs entstanden, es
handele sich aber vielfach um «prekäre»
Arbeitsverhältnisse, sagte EGB-Generalsekretär John Monks.
(Quelle: ap)
Berliner Kammergericht: Mieterhöhung für
Hartz-IV-Empfänger zumutbar
Do.13.03.08 - Erhöht ein Vermieter nach einer Wohnungsmodernisierung die Miete,
so ist das auch für Hartz-IV-Empfänger zumutbar, wenn der
Leistungsträger die höheren Kosten übernimmt. In einem
Fall, über den der Deutsche Anwaltverein informiert, hatte eine
Hartz-IV-Empfängerin vor dem Kammergericht Berlin geklagt. Nach
Modernisierungsmaßnahmen sollte die Miete von 110 auf 210 Euro
steigen. Die Nebenkosten betrugen ohne Strom und Gas etwa 50 Euro. Die
Frau hielt das für unzumutbar. Als Hartz-IV-Empfängerin
beziehe sie Leistungen lediglich in Höhe von 522,64 Euro.
Doch die Richter sahen darin keine unzumutbare Härte. Entscheidend
sei, dass der Frau nach Abzug der Miete eine Summe bleibe, mit der sie
ihren bisherigen Lebensstandard halten könne. Als
Leistungsempfängerin habe sie nach dem Sozialgesetzbuch II Anspruch
darauf, dass Kosten für Wohnung und Heizung in angemessenem Umfang
übernommen werden. Was angemessen sei, werde gesetzlich geregelt.
In ihrem konkreten Fall habe die Behörde für einen
Ein-Personen-Haushalt den Richtwert einer Bruttowarmmiete von 360 Euro
festgelegt. Damit blieben der Klägerin nach der Mieterhöhung
auf 260 Euro inklusive Nebenkosten noch 100 Euro für Strom und Gas.
Die Frau habe nicht dargelegt, dass dies nicht ausreiche.
(Aktenzeichen: Kammergericht Berlin 8 U 166/06)
(Quelle: ap)
Bündnis für Straßenkinder gegründet
Do.13.03.08 - Das Kinderhilfswerk terre des hommes und 24 lokale Hilfsorganisationen
haben ein bundesweites "Bündnis für Straßenkinder"
gegründet. Geschätzte rund 9.000 Kinder, Jugendliche und junge
Erwachsene lebten in Deutschland vorübergehend oder dauerhaft auf
der Straße und in Notunterkünften, sagte der terre-des-
hommes-Experte für Straßenkinder, Uwe Britten, am Dienstag
in Frankfurt am Main.
Die vermutete Zahl der Betroffenen beruht nach Brittens Angaben auf
einer Umfrage unter 20 Hilfsorganisationen im vergangenen Jahr und auf
einer Untersuchung aus dem Jahr 2001. Fachleute gingen von einer hohen
Dunkelziffer aus, weshalb die tatsächliche Zahl der
Straßenkinder wahrscheinlich doppelt so hoch sei. Das Bündnis
wolle mit einer gemeinsamen Stimme für mehr Unterstützung
werben und die Hilfsangebote erweitern, hieß es.
Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf der Straße
hätten eine stark angegriffene Gesundheit, erläuterte der
Geschäftsführer des Berliner Vereins Karuna, Jörg
Richert. Viele seien an Hepatitis erkrankt, hätten psychische
Erkrankungen oder seien drogenabhängig.
Die im Bündnis vereinten Organisationen haben Britten Zufolge 2006
rund 3.400 Personen betreut. Davon waren 2,5 Prozent Kinder unter 14
Jahren, knapp die Hälfte Jugendliche und etwas mehr als die
Hälfte junge Erwachsene. Zwei Drittel seien männlich, ein
Drittel weiblich. In vielen Fällen würden die Betroffenen von
den Eltern vernachlässigt oder hätten zu Hause Gewalt erfahren.
Das Bündnis, das voraussichtlich von terre des hommes koordiniert
wird, wolle die Beratung der Eltern verstärken, kündigte
Britten an. Die Notversorgung müsse verbessert werden, um
kurzfristig Unterkünfte anbieten zu können. Auch müssten
Kapazitäten für eine Begleitung der Heranwachsenden zu Schule,
Ämtern und Kultureinrichtungen geschaffen werden.
Schließlich wolle das Bündnis Schulen, Gerichten und
Drogeneinrichtungen Beratung anbieten. Dazu müsse die
öffentliche Hand mehr Unterstützung bieten.
(Quelle: epd)
Umfrage: Warnstreiks im öffentlichen Dienst haben große
Unterstützung
Do.13.03.08 - Der Lohnkampf der Beschäftigten im öffentlichen Dienst
stößt in der Bevölkerung auf breite Zustimmung. Wie eine
am Mittwoch veröffentlichte Forsa-Umfrage im Auftrag des Magazins
«Stern» ergab, halten 74 Prozent der Deutschen die
Warnstreiks der vergangenen Woche für gerechtfertigt. 23 Prozent
haben kein Verständnis für die Arbeitsniederlegungen.
Besonders große Sympathien äußerten Beamte (91
Prozent) sowie Anhänger der Parteien SPD (84 Prozent), Grüne
(88 Prozent) und Linkspartei (89 Prozent). Unterschiede in der Bewertung
der Warnstreiks gab es im Osten und Westen Deutschlands. Im Osten wird
der Tarifkonflikt nicht ganz so positiv gesehen. Dort billigen nur 67
Prozent der Befragten die Streiks. Im Westen sind es 75 Prozent.
In dem festgefahrenen Tarifkonflikt soll an diesem Samstag die
Schlichtung beginnen. Schlichter sind der frühere
baden-württembergische Ministerpräsident Lothar Späth
(CDU) sowie der ehemalige Oberbürgermeister von Hannover, Herbert
Schmalstieg (SPD).
Forsa befragte Anfang März 1000 repräsentativ
ausgewählte Bundesbürger.
(Quelle: ddp)
Kartellamt: Benzinmarkt wird von Fünfer-Oligopol beherrscht
Do.13.03.08 - Der deutsche Benzin-Markt wird von fünf großen Anbietern
beherrscht, es gibt aber keine Hinweise auf Absprachen über die
Spritpreise. Das ist das Ergebnis einer erstmaligen breiten
Marktuntersuchung des Bundeskartellamts, wie die Deutsche Presse-
Agentur dpa am Mittwoch in Bonn erfuhr.
Das «Fünfer-Oligopol» bestehe aus den
marktbeherrschenden Mineralölgesellschaften Shell, BP/Aral, Esso,
Total und JET (CONOCO), sagte Kartellamts-Sprecherin Silke Kaul der
dpa. Ein weiteres Ergebnis der Untersuchung sei, dass der Markt
schrumpfe. «Es scheinen tatsächlich weniger Menschen Auto zu
fahren und auch der Verbrauch der Fahrzeuge sinkt.»
Die Oligopol-Feststellung bedeutet nach Angaben Kauls, dass diese
Unternehmen nun grundsätzlich keine Fusionen oder Übernahmen
mehr vornehmen dürfen. Sie stünden jetzt auch stärker im
Missbrauchs- Visier der Behörde, wobei sie etwa die
Wettbewerbspositionen anderer Unternehmen nicht ungerechtfertigt
einschränken könnten.
Wenn fünf Unternehmen zusammen einen Marktanteil von zwei Dritteln
erreichen, dann gehen die Wettbewerbshüter davon aus, dass sie ein
«marktbeherrschendes Oligopol» bilden - sofern sie sich
untereinander keinen Wettbewerb machen und auch von außen kein
wesentlicher Wettbewerb stattfindet. Nach dem Gesetz gegen
Wettbewerbsbeschränkung (GWB) ist die missbräuchliche
Ausnutzung einer marktbeherrschenden Stellung durch ein oder mehrere
Unternehmen verboten.
In der Untersuchung habe das Kartellamt keine Hinweise auf
Preisabsprachen der Mineralölkonzerne erhalten, sagte Kaul der
dpa. «Unsere Untersuchung zeigt: Es gibt keinen Anlass
anzunehmen, dass ein Preishöhen-Missbrauch betrieben wird.»
Der Markt in Deutschland sei «vollkommen transparent».
«Da braucht man keine Absprachen im Hinterzimmer.»
In der Vergangenheit war in der Öffentlichkeit und bei
Verbraucherschützern bei ungefähr zeitgleichen und parallelen
Preisanhebungen immer wieder gemutmaßt worden, dass die Konzerne
ihre Preise an der Zapfsäule untereinander absprechen
könnten. Dies konnte aber vom Kartellamt niemals bestätigt
oder nachgewiesen werden.
Für Preisanhebungen sei der Spielraum auch begrenzt,
erläuterte Kaul. Allein 60 bis 70 Prozent des Endpreises entfielen
auf Steuern und Abgaben - wie Mineralölsteuer und Mehrwertsteuer.
Die Bezugspreise bei den Spotmärkten seien «sehr
wettbewerbsintensiv». Daneben gebe es nur sehr geringe
Deckungsbeiträge (Kosten etwa für Personal und Fahrzeuge).
Außerdem schrumpfe der Markt - und damit verschärfe sich der
Wettbewerb.
Würden jetzt zu Ostern etwa die Preise steigen, so sei dies ein
mit erhöhter Nachfrage aufgrund von mehr Reisen zu
erklärender Vorgang, sagte Kaul. Auch paralleles Preisverhalten
als solches sei nicht anfechtbar. «Auch Hotels heben in der
Saison ihre Preise an.»
Das Kartellamt sei zwar für eventuellen Preismissbrauch
zuständig, es sei aber nicht seine Aufgabe, die Preise generell zu
überwachen, sagte Kaul. «Wir sind keine
Preiskontrollbehörde.» Deshalb sei allein durch die Tatsache
steigender Preise und ohne Hinweise auf missbräuchliches Verhalten
und verbotene Absprachen auch der schnelle Ruf nach dem Amt nicht
gerechtfertigt. In der Untersuchung über den Benzinmarkt sei es
auch nicht direkt um die Preise gegangen, sondern um die
Marktstrukturen. Aber dabei habe man auch Hinweise auf die
Preisgestaltung bekommen.
Es sei die erste derartige Untersuchung zu dem «komplizierten
Markt» und auch die erste derartige Feststellung eines
«marktbeherrschenden Oligopols», sagte Kaul. Anlass war die
Übernahme von insgesamt sechs Tankstellen durch Shell in Berlin
und Ostdeutschland (Go-Tankstellen). Die Behörde entschied sich
für eine tiefergehende Prüfung. Die Übernahme selbst war
von sehr geringem Volumen und wurde Ende vergangener Woche vom
Kartellamt ohne Einwände genehmigt, wie Kaul bestätigte.
«Das bestätigt, was wir immer gesagt haben»,
erklärte Barbara Meyer-Bukow, die Sprecherin des
Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV) in Hamburg zu den Ergebnissen
der Untersuchung. «Der Markt ist wettbewerbsintensiv und es gibt
keine Preisabsprachen.»
Nachdem in einigen Bundesländern bereits die Osterferien begonnen
haben, müssen die Autofahrer in Deutschland im Durchschnitt 1,44
Euro für einen Liter Benzin und 1,35 Euro für einen Liter
Diesel bezahlen. Das liegt nur wenig unter den absoluten
Höchstständen im November 2007. Sprecher der
Mineralölindustrie begründeten das hohe Preisniveau mit den
Rekordpreisen auf den internationalen Rohöl- und
Produktmärkten.
Der Chef des Shell-Tankstellengeschäfts in Deutschland,
Österreich und der Schweiz, Michael Dopheide, sagte, der
Benzinverbrauch in Deutschland werde weiter zurückgehen, aber
langsamer als bisher.
(Quelle: dpa)
UN-Beauftragter Ziegler fordert Moratorium für Biokraftstoff
Do.13.03.08 - Der scheidende UN-Sonderbeauftragte für das Menschenrecht auf
Nahrung, Jean Ziegler, hat ein fünfjähriges Moratorium
für landwirtschaftlich erzeugt Biokraftstoffe gefordert. "Es ist
ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, wenn Nahrungsmittel verbrannt
werden, um Biotreibstoff zu gewinnen", sagte Ziegler der "Frankfurter
Rundschau" zum Ende seiner achtjährigen Amtszeit. "Durch die
Produktion von Bioethanol hat sich die Welternährungssituation
komplett verändert. Die Tonne Getreide zum Beispiel kostete im
Januar 2007 rund 152 Dollar, heute sind es 358 Dollar. Länder, die
Nahrungsmittel importieren müssen, sind total im Würgegriff."
Ziegler, der in Genf seinen Abschlussbericht als UN-Sonderbeauftragter
vorlegte, kritisierte auch die Handelspolitik der Europäischen
Union scharf. Die Verhandlungen der EU über sogenannte
Wirtschaftspartnerschaftsabkommen (EPA) mit den Staaten Afrikas, der
Karibik und des Pazifiks (AKP) nannte Ziegler "empörend". Die
Vorläuferverträge wie das Cotonou- und das
Lomé-Abkommen hätten immer eine Asymmetrie vorgesehen, "dass
also Produkte aus dem Süden einerseits einen freien Zugang in den
nördlichen Markt haben und andererseits die AKP-Staaten
Einfuhrzölle erheben können. Mit den EPAs sollen die
Länder jetzt keine Zölle mehr nehmen dürfen." Das sei
aber manchmal der einzige oder jedenfalls ein ganz wichtiger
Einnahmeposten der Staaten.
Angesichts des Menschenrechts auf Nahrung "agiert die Bundesrepublik so
schizophren wie alle westlichen Länder", sagte Ziegler der Zeitung
weiter. "Die OECD-Staaten und damit auch Deutschland haben letztes Jahr
349 Milliarden Dollar an Produktions- und Exportsubventionen für
ihre Bauern ausgegeben. Sie können heute auf jedem afrikanischen
Markt deutsches, französisches oder italienisches Gemüse zu
einem Drittel des Preises gleichwertiger afrikanischer Produkte kaufen.
Und ein paar Kilometer weiter steht der afrikanische Bauer 15 Stunden am
Tag unter brennender Sonne, rackert sich ab und hat nicht die geringste
Chance auf ein Minimaleinkommen." Das EU-Agrar-Dumping zerstöre
die afrikanische Landwirtschaft und treibe die Hungerzahlen in die
Höhe.
(Quelle: afp)
Bundesverfassungsgericht erlaubt geringe Parteien-Beteiligung am
Privatfunk
Do.13.03.08 - Politische Parteien dürfen sich an privaten Rundfunksendern in
geringem Maß beteiligen, solange dabei ein bestimmender Einfluss
auf die Programmgestaltung ausgeschlossen bleibt. Dies entschied das
Bundesverfassungsgericht in einem am Mittwoch in Karlsruhe
verkündeten Urteil. Es erklärte damit das Hessische
Privatrundfunkgesetz für verfassungswidrig.
Die hessische Landesregierung unter Ministerpräsident Roland Koch
(CDU) hatte 2002 ein absolutes Beteiligungsverbot von Parteien am
Privatfunk festgeschrieben. Damit wurde die mittelbare Beteiligung der
SPD an dem Privatsender FFH in Höhe von nur 2,3 Prozent
ausgeschlossen. Nach Ansicht der Sozialdemokraten wollte die CDU damit
den "politischen Wettbewerber" treffen, Mit ihrer Klage hat die SPD in
Karlsruhe nun Erfolg.
(Quelle: afp)
Computer & Cyberspace
Digitale Datenflut wächst jährlich um 60 Prozent
Do.13.03.08 - Um jährlich 60 Prozent wächst die digitale Datenflut
derzeit. Im Jahr 2011 soll sie rund 1 800 Trillionen Byte (Exabyte)
betragen und damit zehnmal größer sein als im Jahr 2006.
Diese Zahlen hat jetzt das IT-Unternehmen EMC Deutschland
veröffentlicht. Jeder Mensch wirft einen "digitalen Schatten",
indem er beispielsweise seine Bank- oder Kreditkarte verwendet und die
Transaktionen im Computer-System gespeichert werden. Auch das Sichern
von Gesundheitsdaten, die Handy-Nutzung oder das Bedienen von
Suchmaschinen im Internet führen zu einem Anstieg der Datenmenge.
Hinzu kommen Dokumente, die am PC erstellt oder bearbeitet werden.
Allein durch die Nutzung von Digitalkameras und Angeboten des
Mitmach-Internets "Web 2.0" soll der "digitale Fußabdruck" eines
Menschen bei 45 Gigabyte pro Jahr liegen.
Bereits jetzt stößt die Verwaltung der Daten in vielen
Bereichen an ihre Grenzen. Unternehmen und öffentliche
Verwaltungen, aber auch Privatpersonen müssen "aufrüsten", um
beispielsweise mit mehr Speicher und schnelleren Rechnern ihre Daten
weiterhin managen zu können. Zudem wird die Sicherung der
gewaltigen Datenmengen zunehmend zu einer Herausforderung. Denn wer
versehentlich seine Festplatte und damit beispielsweise die digitalen
Fotos von seiner Hochzeit löscht, ist ohne Sicherungskopien
schlecht dran.
(Quelle: gp)
Datenmüll als Karrierekiller - Personalchefs checken
Lebensläufe im Internet - Reputationsmanager helfen bei der
Eigen-PR im Netz
Do.13.03.08 - Personen-Suchmaschinen befördern meist einen Wust an
biographischen Nebensächlichkeiten ans Tageslicht. Das weiß
jeder, der schon einmal im Internet nach einem alten Schulfreund
geforscht und ein virtuelles Puzzle erhalten hat: Eine
Schatzmeistertätigkeit im Tischtennisverein des Sohnes hier, ein
verwackeltes Partyfoto aus Studententagen da, außerdem das
Werbeplakat für einen Diavortrag über Grönland. Das ein
oder andere Detail seiner Web-Biographie möchte man lieber wieder
löschen. Besonders, wenn es zum Karriererisiko werden kann.
Ein Drittel aller Headhunter prüft die virtuellen
Finderabdrücke der Aspiranten mit Hilfe von Google oder der
Personensuchmaschine yasni, bevor die Einladung zum
Vorstellungsgespräch rausgeht. Das ergab eine Befragung des
Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater (BDU) im Herbst
vergangenen Jahres. Über die Hälfte der Headhunter haben schon
einmal infolge ihrer Recherche einen Kandidaten noch vor dem
persönlichen Treffen aus dem Rennen geworfen.
Die Bedeutung dieses webbasierten Auswahlverfahrens steigt in dem
Maße, in dem die allgemeine Internetnutzung zunimmt und immer mehr
Anbieter von Online-Communities auf den Markt drängen. In der
vergangenen Woche startete die deutsche Seite des weltweit
zweitgrößten Anbieters Facebook, der zum Marktführer
MySpace aufschließen will. Der deutsche Marktführer StudiVZ
kam der US-Marke mit seiner neuen Tochter MeinVZ für junge
Berufstätige um wenige Tage zuvor.
Vier von zehn Jugendlichen und jungen Erwachsenen haben bereits ein
Profil bei einem Online-Netzwerk, fünf von sechs nutzen das Netz
laut Forsa täglich oder mehrmals pro Woche. Wer auf den virtuellen
Streifzügen durch Blogs, Foren und Communities unvorsichtig ist,
arbeitet freiwillig an der Abschaffung seiner Privatsphäre. Ob
dümmliche Kommentare oder peinliche Fotos, das Netz vergisst
nichts. Dieses Datenpuzzle nutzen Personaler, um sich ein Bild von dem
Kandidaten zu machen. Und wenn dessen Mitgliedschaft in einem
FKK-Fan-Forum mitsamt dem fotografischen Beweismaterial aktenkundig
wird, können eben auch hochglanzpolierte Designerschuhe und ein
einwand- und knitterfrei geplätteter Maßanzug nichts mehr
ausrichten.
Aber auch aus dem neuen Bedürfnis nach einer makellosen
Internet-Reputation wurde längst eine Branche zu dessen
Befriedigung geboren. Mittlerweile existiert eine große Zahl von
Anbietern, die ihren Kunden verspricht, durch gezieltes Imagemanagement
jeden noch so ruinierten Online-Ruf zu retten. Zum einen gibt es
kostenlose Services wie claim-ID, naymz, spock oder die deutsche
Version, myON-ID. Bei diesen Portalen erstellt man ein Profil, in dem
man Seiten, die den eigenen Namen enthalten, sortieren und kommentieren
kann. Gewünschte Inhalte optimiert der Dienst, so dass sie von
Suchmaschinen wie Google zuoberst angezeigt werden. Das Online-Fotoalbum
vom Mitgliedertreffen des FKK-Vereins ist dann zwar noch vorhanden,
rutscht jedoch auf eine der hinteren Seiten der Ergebnisliste.
Die aggressivere Form der Imagepflege nennt sich «reputation
defender», ein Dienst, der seit Januar auch in Deutschland auf dem
Markt ist. Peinliche Fotos, üble Nachrede in sozialen Netzwerken
und unüberlegte Einlassungen in Foren verspricht das Unternehmen
mittels eines freundlichen Anrufs oder notfalls eines
Gerichtsverfahrens zu löschen. Der Rufrettungsdienst kostet einen
monatlichen Mitgliedsbeitrag von rund sechs Euro, jeder
Löschvorgang schlägt mit weiteren 20 Euro zu Buche. Ein
Zusatzangebot richtet sich an vorsichtige Eltern: MyChild hält die
Eltern für ebenfalls sechs Euro in monatlichen Reports darüber
auf dem Laufenden, auf welchen Seiten sich das Kind herumtreibt.
Grundsätzlich gilt: Wer missliebiges Material über sich oder
Familienangehörige im Netz entdeckt, das um die berufliche Zukunft
bangen lässt, kann sich auch ganz unbürokratisch an den
Anbieter der jeweiligen Seite wenden und um Entfernung bitten - und sich
die Entsorgungsgebühr von 20 Euro sparen.
(Quelle: ddp)
Ratgeber zum Internet-Recht kostenlos verfügbar
Do.13.03.08 - Einen kostenlosen Ratgeber zum Internet-Recht stellt ein
Universitäts-Professor aus Münster als PDF zur Verfügung.
Um das über 580 Seiten starke Werk auf dem neuesten Stand zu
halten, aktualisiert Thomas Hoeren vom Institut für Informations-,
Telekommunikations- und Medienrecht es regelmäßig. Enthalten
sind Themen wie Domainrecht, E-Commerce-, Wettbewerbs-, Datenschutz-
und Immaterialgüterrecht. Wer sich bei dem Verfasser erkenntlich
zeigen möchte, kann eine Spende für die Kaffeekasse des
Instituts tätigen. Heruntergeladen werden kann das PDF
unter:
http://www.uni-muenster.de/Jura.itm/hoeren/materialien/Skript/Skript_Maerz2008.pdf.
(Quelle: gp)
Vorsicht beim Telefon- und Internet-Tarifwechsel
Do.13.03.08 - Genau zu lesen ist das Kleingedruckte bei einem Wechsel des Telefon-
und Internet-Tarifs. Auch wenn Berater einen bestimmten Tarif empfehlen,
sollte der Kunde dem Angebot nicht blind vertrauen.
So hat etwa ein Kunde der Telekom seinen Tarif nach einem
Beratungsgespräch in einem T-Punkt gewechselt. Zuvor hatte er eine
Flatrate für das Telefonieren ins Festnetz und für die
Internet-Nutzung gehabt. Sein neuer Tarif umfasste das Angebot für
den Online-Zugang nun nicht mehr. Dabei hatte der Kunde an seinem Router
noch die Einstellung "dauerhafte Verbindung" ausgewählt gehabt.
Nach der Gebührenumstellung hat somit der Gebührenzähler
für die Internet-Verbindung 45 865 Minuten lang getickt, was eine
Rechnung von über 1 100 Euro zur Folge hatte.
"In jedem Falle sollten Verbraucher die Routereinstellung dem Tarif
anpassen oder vom Fachmann anpassen lassen, sonst kann das Surfen teuer
werden", warnt Norbert Richter, Telekommunikationsexperte der
Verbraucherzentrale Brandenburg. Wer in diese Kostenfalle getappt ist,
muss die Rechnungen bezahlen. Vor weiterem Schaden können sich die
Verbraucher nur schützen, indem sie die Routereinstellungen
anpassen und in Zukunft Vertragsbedingungen genauer studieren.
(Quelle: gp)
Raumfahrt
NASA rätselt über Fremdkörper in der Nähe der
US-Raumfähre 'Endeavour'
Do.13.03.08 - Nach dem Start der US-Raumfähre "Endeavour" ins All rätselt
die US-Raumfahrtbehörde NASA über einen mysteriösen
Fremdkörper, der möglicherweise die Spitze der Raumfähre
kurz nach dem Start berührt hat. "Es sieht so aus, als käme
dieser nicht von der Raumfähre und wir können auch nicht
wirklich sagen, ob er die Raumfähre berührt hat oder nicht",
sagte Flugdirektor Mike Moses vom Johnson Space Center in Houston im
US-Bundesstaat Texas. Er wolle lieber nicht darüber spekulieren, um
was für ein Teilchen es sich dabei gehandelt habe.
Die Techniker würden sich jetzt mit dem Videofilm befassen, auf
dem der Fremdkörper für zehn Sekunden gut zu sehen sei, wie
Moses weiter sagte. Wenn dieser tatsächlich das Raumschiff
berührt habe, dann hätte er sehr wahrscheinlich nichts
zerstören können, denn die Fluggeschwindigkeit sei zu diesem
Zeitpunkt noch sehr langsam gewesen.
Die "Endeavour" startete am Dienstag ins All. Techniker beobachteten
allerdings kurz nach dem Start technische Probleme bei der
Raumfähre. So übernahm ein Ersatzsystem die Klimatisierung der
"Endeavour"-Kabine. Auch Kontrollinstrumente am Düsenantrieb des
Shuttles funktionierten nicht.
Die siebenköpfige Besatzung, zu der neben sechs US-Astronauten
auch der Japaner Takao Doi zählt, machten unterdessen ihren ersten
Ausflug ins All und inspizierten den Hitzeschild. Dazu benutzten sie ein
spezielles Sensor-System und von Hand gehaltene Kameras, um Bilder von
der Unterseite der Raumfähre, der Spitze und den Flügeln zu
machen.
(Quelle: afp)
Wissenschaft
Auch Einsiedlerkrebse haben Persönlichkeit
Do.13.03.08 - Auch unter Einsiedlerkrebsen gibt es unterschiedliche Charaktere:
Einige sind eher scheu, während andere vergleichsweise furchtlos
durch das Leben laufen. Dies berichten britische Wissenschaftler in den
«Proceedings» der britischen Royal Society (online vorab
veröffentlicht).
Ihre Versuche hätten zum ersten Mal Hinweise auf eine
«Persönlichkeit» bei Schalentieren geliefert, schreiben
Mark Briffa und seine Mitarbeiter von der Universität Plymouth.
Durch die Herausbildung solcher «Tierpersönlichkeiten»
werde vermutlich die viel aufwendigere Entwicklung der Fähigkeit
vermieden, auf jede Situation individuell reagieren zu können.
Die Wissenschaftler hatten an drei britischen Stränden
Einsiedlerkrebse (Pagurus bernhardus) einem Verhaltenstest unterzogen:
Sie hoben die Tiere kurz aus dem Wasser und imitierten so den Angriff
eines Vogels oder anderen Fressfeindes. Dann legten sie die Krebse
zurück auf den Sand und maßen die Zeit, bis diese sich wieder
aus ihrem schützenden Kalkgehäuse wagten. Einsiedlerkrebs
bewohnen in der Regel leere Schneckenhäuser. Anschließend
brachten die Forscher die Krebse ins Labor, wo sie sie nach einigen
Tagen erneut dem Test unterzogen.
Die Auswertung zeigte nun deutlich, dass bestimmte Krebse bestimmte
Persönlichkeitsmerkmale zeigten: Einige waren zum Beispiel eher
mutig. Sie brauchten weniger Zeit, um sich nach einer Schrecksituation
wieder aus ihrem Versteck zu wagen als andere, eher schüchterne
Vertreter ihrer Art. Die jeweiligen Tiere behielten ihre Eigenschaften
auch in unterschiedlichen Situationen bei, also etwa dann, wenn
vermeintlich Feinde in der Nähe waren.
Dies testeten die Wissenschaftler, indem sie die Einsiedlerkrebse in
Wasser untersuchten, das chemische Spuren einer feindlichen Krebsart
enthielt. Grundsätzlich verhielten sich alle Tiere in dieser
Situation vorsichtiger. Aber nach wie vor benötigten die
furchtlosen weniger Zeit, ihr Haus zu verlassen als die scheuen Tiere.
Unterschiede im Verhalten fanden die Forscher auch zwischen ganzen
Populationen von Krebsen: So waren die Exemplare, die an der britischen
Küste bei Mount Batten untersucht wurden, deutlich
schüchterner als die aus den Untersuchungsgebieten Bantham und
Hannafore. Möglicherweise haben bestimmte lokale Umweltbedingungen
- etwa eine hohe oder niedrige Zahl von Fressfeinden die
Entwicklung eher furchtloser oder eher vorsichtiger Populationen
gefördert.
In der Natur kann sich die Entwicklung von Persönlichkeitstypen
auszahlen. Dadurch könne in den meisten Situationen vielen Tieren
ein angemessenes Verhalten ermöglicht werden. Eine Auswertung
einzelner Situationen durch jedes Tier und eine entsprechende Anpassung
im Verhalten wird dabei für die Arterhaltung unnötig oder
zumindest weniger wichtig. Eine individueller Reaktion wäre viel
aufwendiger, da entsprechende Fähigkeiten zur Wahrnehmung,
Verarbeitung und Analyse entwickelt werden müssten.
(Quelle: dpa)
Forschungszentrum für EU-Migrationspolitik
Do.13.03.08 - Die EU will ein Forschungszentrum einrichten, um die legale Migration
nach Europa voranzubringen und die illegale Einwanderung zu
bekämpfen. Das Zentrum solle ab Herbst 2008 unter dem Dach des
Europäischen Hochschulinstituts in Florenz arbeiten, sagte
EU-Innenkommissar Franco Frattini am Dienstag in Brüssel. Es werde
sich unter anderem mit der Frage befassen, wie viele zusätzliche
Arbeitskräfte die EU-Arbeitsmärkte benötigten. Weitere
Schwerpunkte seien die Integration von Einwanderern, der demografische
Wandel und der Kampf gegen illegale Migration.
Finanziert werde das Zentrum über das Hochschulinstitut, über
Stiftungen sowie mit anderen öffentlichen und privaten Mitteln,
sagte Frattini. Die Kommission prüfe die Zuweisung von EU-Geldern.
"Eine kontrollierte Migration kann für die Union nutzbringend sein,
stellt sie aber auch vor bedeutende Aufgaben", erklärte Frattini.
Das Zentrum solle eine solide Grundlage für die Gestaltung dieser
Politik schaffen.
(Quelle: epd)