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Aktuelle Nachrichten
Irak am 1451sten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
18 Tote und 64 Verletzte bei Selbstmordanschlag in Bagdad.
Feuergefechte zwischen US-Militär und Schiiten-Miliz im Irak. Im
Irak entführter Erzbischof ist tot. Pentagon-Studie: Keine Belege
für Verbindung Saddams zu El Kaida - Der Befund entkräftet
eines der Hauptargumente der USA für die Irak-Invasion vor
fast genau fünf Jahren
Fr.14.03.08 - Bei einem Selbstmordanschlag in Bagdad sind mindestens 18 Menschen
getötet und 64 weitere verletzt worden. Nach Angaben der
Rettungsdienste sprengte sich der Attentäter in einer belebten
Einkaufsstraße von Bagdad in die Luft. Zahlreiche Geschäfte
wurden durch die Explosion beschädigt. Die Polizei fahndete nach
einem möglichen zweiten Täter, der kurz vor der Explosion mit
seinem Sprengstoffgürtel aus dem Fahrzeug gesprungen und zu
Fuß geflüchtet sei.
Das US-Militär und Schiiten der Mehdi-Miliz haben sich am
Donnerstag Feuergefechte geliefert.
Aus irakischen Polizeikreisen verlautete, Auslöser sei der
Einschlag von bis zu elf Raketen auf dem amerikanischen Stützpunkt
nahe Kut südöstlich von Bagdad gewesen. Die Armee habe mit
Granaten das Feuer erwidert und dabei sechs Menschen getötet,
darunter ein sechsjähriges Mädchen. Eine
US-Militärsprecherin erklärte, auf die Basis seien vier
Raketen abgefeuert worden. Über Opfer sei ihr nichts bekannt.
Die irakische Polizei hatte am Vortag Razzien in Mehdi-Hochburgen
vorgenommen. Die Organisation des US-feindlichen Klerikers Moktada
al-Sadr hat zwar eine Waffenruhe verlängert, jedoch erklärt,
sich gegen Angriffe verteidigen zu wollen. Die Feuerpause gilt als einer
der Gründe für die deutliche Abnahme der Gewalt im Irak seit
Juni.
Das US-Militär gab unterdessen bekannt, amerikanische Soldaten
hätten am Vortag in der Dijala-Provinz aus Versehen ein Kind
erschossen. Der Vorfall werde untersucht.
Der Ende Februar im Irak entführte Erzbischof von Mossul,
Faradsch Rahu, wurde nach Angaben der katholischen Kirche tot nahe
Mossul aufgefunden. Unklar ist bisher, wie er starb.
Die Entführer des Geistlichen hätten Rahus Leichnam unweit
von Mossul begraben, sagte der Weihbischof von Bagdad, Schlemon
Warduni, dem Informationsdienst der katholischen Kirche Italiens. Die
Geiselnehmer hätten zunächst mitgeteilt, dass Rahu sehr krank
sei - später dann, dass der Geistliche tot sei. Am Donnerstag
gaben die Entführer telefonisch Hinweise darauf, wo Rahu begraben
worden sei. "Wir wissen noch nicht, ob er aufgrund seines schlechten
Gesundheitszustandes starb, oder ob er getötet wurde", sagte
Warduni.
Rahus Leiche weist nach Angaben eines Kollegen keine Schusswunden auf.
Noch sei unklar, ob der 65-Jährige eines natürliches Todes
gestorben sei oder von seinen Entführern zu Tode gefoltert wurde,
sagte der Erzbischof von Erbil, Raban el Kas.
Papst Benedikt XVI. hoffe, dass die tragische Nachricht vom Tod Rahus
"erneut und mit mehr Kraft das Engagement aller, besonders der
internationalen Gemeinschaft" zur Befriedung des Irak mobilisiere,
erklärte ein Vatikan-Sprecher in Rom. Rahus Tod habe den Papst
"berührt und tief getroffen". Der deutsche Außenminister
Frank-Walter Steinmeier (SPD) erklärte in Berlin, er habe die
Nachricht von Rahus Tod mit "Trauer und Entsetzen" aufgenommen.
Rahu war Ende Februar nach einer Schießerei in Mossul von
bewaffneten Männern verschleppt worden. Der Geistliche war Bischof
der traditionsreichen chaldäisch-katholischen Gemeinde von Mossul
im Norden Iraks.
Das US-Verteidigungsministerium hat in einer ausführlichen
internen Untersuchung keinerlei Belege für Verbindungen zwischen
dem früheren irakischen Machthaber Saddam Hussein und dem
Terrornetzwerk El Kaida gefunden. Es sei "kein direkter Zusammenhang
zwischen Saddam Husseins Irak und El Kaida gefunden worden",
heißt es laut US-Medienberichten im Resümee der Studie. Der
Befund der Pentagon-Analysten entkräftet eines der Hauptargumente
der Regierung von US-Präsident George W. Bush für die
Irak-Invasion vor fast genau fünf Jahren.
Den Angaben zufolge wurden mehr als 600.000 Seiten irakischen
Aktenmaterials und Protokolle der mehrere tausend Stunden langen
Vernehmungen von irakischen Ex-Amtsträgern ausgewertet. Das
Pentagon lehnte es zunächst ab, die Unterlagen sofort der Presse
zugänglich zu machen.
Im Einleitungskapitel der Studie, das der US-Sender ABC auf seiner
Webseite veröffentlichte, heißt es, dass die damalige
Bagdader Regierung zwar durchaus den internationalen Terrorismus
förderte - etwa durch Unterstützung radikaler
palästinensischer Gruppen. Eine Verbindung zur El Kaida, die
für die Anschläge vom 11. September verantwortlich gemacht
wird, gebe es aber nicht. Der Irak unter Saddam Hussein habe sich zwar
des "Staatsterrorismus" schuldig gemacht - "die vornehmlichen Opfer
waren aber irakische Bürger", heißt es in dem Bericht.
Dem Sender ABC zufolge war der Bericht des Pentagons zunächst zur
Veröffentlichung bestimmt. Dieser Plan sei dann aber verworfen
worden. Das Ministerium bot Journalisten an, ihnen eine Kopie auf dem
Postweg zukommen zu lassen. Eine persönliche Übergabe oder
Übermittlung per Email lehnte es entgegen sonstiger
Gepflogenheiten ab. Am 20. März jährt sich die US-Invasion im
Irak zum fünften Mal.
Bush hatte den Krieg unter anderem mit Verbindungen von Saddam Hussein
zum internationalen Terrorismus begründet. Auch die vom
US-Kongress eingesetzte Untersuchungskommission zu Vorgeschichte und
Folgen der Terroranschläge vom 11. September 2001 hatte das
Argument bereits verworfen, sie hatte allerdings weitaus weniger Zugang
zu irakischem Beweismaterial als die Pentagon-Kommission.
boa (Quellen: rtr, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 14.03.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am neunhundertachtundachtzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mi.14.03.07 - Weißes Haus bestätigt Arbeit an US-Rückzugsstrategie
für den Irak +++ Irakischer Ministerpräsident Al-Maliki
fürchtet Frist der USA für seine Regierung +++ Anhaltende Gewalt
kostet mindestens 38 Menschen das Leben +++ Sieben Verdächtige nach
Doppelanschlag in Hilla festgenommen...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0703140.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Afghanistan: Sechs Tote bei Taliban-Anschlag in Kabul
Fr.14.03.08 - Bei einem Selbstmordanschlag auf US-Truppen in der Nähe des
Flughafens in Kabul sind nach Angaben der Polizei mindestens sechs
afghanische Zivilisten getötet worden. Nach Militär- und
Behördenangaben wurden mindestens 22 Menschen verletzt, darunter
vier amerikanische Soldaten.
Ein Sprecher der Internationalen Schutztruppe ISAF sagte, der
Attentäter habe sein mit Sprengstoff beladenes Auto am Donnerstag
auf der Straße zum Flughafen der afghanischen Hauptstadt in einen
Konvoi der US-geführten Koalitionstruppen gelenkt. Ein
Militärfahrzeug sei schwer, ein weiteres leicht beschädigt
worden. Die Taliban bekannten sich zu der Tat.
Der Polizeichef der Provinz Kabul, Salem Asas, sagte, der Anschlag habe
sich während des Berufsverkehrs in der Nähe einer
Bushaltestelle ereignet. Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid sagte per
Telefon, der Attentäter sei aus der Provinz Kabul gewesen. Acht
amerikanische Soldaten seien getötet worden, sagte er. Die von den
Taliban nach Anschlägen verbreiteten Opferzahlen gelten als stark
übertrieben. Der Selbstmordanschlag war der zweite in der
afghanischen Hauptstadt in diesem Jahr. Zuletzt hatten die Taliban in
Kabul Mitte Januar das einzige Luxushotel des Landes angegriffen. Am
Mittwoch waren bei einem Selbstmordanschlag in der südafghanischen
Stadt Kandahar ein Zivilist getötet und ein kanadischer Soldat
verletzt worden.
Im Südwesten Afghanistans haben Soldaten der US-geführten
Koalitionstruppen und der afghanischen Armee nach Regierungsangaben mehr
als 40 Taliban-Kämpfer getötet. Der Gouverneur der Provinz
Nimroz, Ghulom Dastagir Azaad, sagte am Donnerstag, unter den 41
getöteten Aufständischen sei der Kommandeur der Gruppe,
Toorjan Eshaqzai. Zu den Gefechten sei es am Dienstag im Grenzgebiet
zwischen Nimroz und der Provinz Helmand gekommen. Die
Aufständischen hätten von dort aus versucht, die Grenze nach
Pakistan zu überqueren. Die Koalitionstruppen teilten am Donnerstag
mit, bei Kämpfen in Helmand seien am Dienstag «knapp ein
Dutzend» Extremisten getötet worden. Unklar blieb, ob es
sich um dieselben Gefechte handelte.
Pakistans Armeesprecher Athar Abbas sagte am Donnerstag, die
US-geführten Koalitionstruppen hätten bei Artilleriebeschuss
aus Afghanistan heraus versehentlich zwei Frauen und zwei Kinder auf der
pakistanischen Seite der Grenze getötet. Die Armee habe
«starken Protest» bei den Koalitionstruppen eingelegt. Abbas
betonte, beim Beschuss der Zivilisten am Mittwoch im halbautonomen
Stammesgebiet in Pakistan habe es sich um einen «Unfall»
gehandelt. Es habe einen Tag gedauert, bis pakistanische Soldaten in
die entlegene Region vorgedrungen seien und die Opfer bestätigt
hätten.
(Quelle: dpa)
Nahost-Konflikt
Dschihad feuert Raketen auf Südisrael - Ende der Waffenruhe --
Palästinenserpräsident Abbas wirft Israel 'ethnische
Säuberung' vor -- Israels Außenministerin kritisiert
Siedlungsbaupläne
Fr.14.03.08 - Die brüchige Waffenruhe im Gazastreifen hat nicht einmal eine
Woche gehalten. Militante Palästinenser feuerten nach Angaben der
israelischen Armee bis zum Donnerstagmorgen zwölf Raketen auf die
Grenzstadt Sderot ab.
Es habe Sachschaden, aber keine Verletzten gegeben. Im Gegenzug griff
die Luftwaffe wieder Stellungen im Gazastreifen an, aus denen die
Raketen abgefeuert worden seien.
Die Waffenruhe wurde gebrochen, nachdem israelische Soldaten am
Mittwoch fünf militante Palästinenser im Westjordanland
getötet hatten. Die militante Palästinensergruppe Islamischer
Heiliger Krieg kündigte Vergeltung an. Israel versetzte seine
Sicherheitskräfte landesweit in erhöhte Alarmbereitschaft.
Die Gewalt an der Grenze zwischen Israel und dem Gazastreifen war in
den vergangenen Tagen erheblich abgeflaut. Die radikalislamische
Hamas-Organisation, die seit Mitte Juni 2007 den Gazastreifen
kontrolliert, hatte Israel noch am Mittwochabend offiziell eine
Waffenruhe angeboten. Hamas-Führer Ismail Hanija forderte in diesem
Zusammenhang auch ein Ende der Wirtschaftsblockade des Gazastreifens
und eine Öffnung der Grenzübergangsstellen.
Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas hat derweil
Israel eine Politik der «ethnischen Säuberung» in
Ostjerusalem vorgeworfen. Mit Steuererhöhungen und Bauvorschriften
werde die überwiegend palästinensische Bevölkerung dort
genötigt, keine Häuser mehr zu errichten. Die
Palästinenser seien einer «Vernichtungskampagne»
Israels ausgesetzt, sagte Abbas am Donnerstag vor mehr als 40 Staats-
und Regierungschefs der Islamischen Konferenz (OIC) in der
senegalesischen Hauptstadt Dakar.
Der Präsident der palästinensischen Autonomiebehörde bat
die islamischen Staaten um Unterstützung im
Nahost-Friedensprozess. Dieser befinde sich gerade in einer schwierigen
Phase, sagte Abbas. Die Palästinenser hätten erwartet, dass
Israel seine Militäraktionen einstelle und den Siedlungsbau
beende. Tatsächlich aber finde das Gegenteil davon statt.
Der senegalesische Präsident Abdoulaye Wade, der zurzeit den
OIC-Vorsitz bekleidet, rief die Palästinenser auf, ihren internen
Zwist zu überwinden. Einigkeit sei von entscheidender Bedeutung
für den Erfolg. Wade bezeichnete Israel als
«Besatzungsmacht» und forderte die Regierung in Jerusalem
auf, «den unverhältnismäßigen Einsatz von Gewalt
sofort zu beenden».
Die israelische Außenministerin Zipi Liwni hat neue
Siedlungsbaupläne ihrer Regierung kritisiert: "Grundsätzlich
glaube ich nicht, dass dies hilfreich ist", sagte Liwni am Mittwoch bei
einer Rede vor Studenten der Harvard University. Es sei aktuell nicht
Politik der israelischen Regierung, die Siedlungen im
Palästinensergebiet auszuweiten. Es handle sich um private
Bauvorhaben, die "nicht dramatisch" seien, betonte Liwni. Israel ist
nach seiner Ankündigung eines Neubaus von hunderten Wohnungen in
Giwat Se'ew am Stadtrand von Jerusalem international scharf kritisiert
worden. Die deutsche Bundesregierung reagierte auf entsprechende
Äußerungen des israelischen Ministeriums für Wohnungsbau
vom Sonntag mit der Kritik, dies sei eine Gefahr für den
Nahost-Friedensprozess. Auch US-Außenministerin Condoleezza Rice
kritisierte die Siedlungsbaupläne am Mittwoch. Liwni sagte
hingegen, der angestrebte Friedensvertrag mit den Palästinensern
nehme keinen Schaden.
boa (Quellen: ap, dpa, rtr)
UN fordern Umsetzung von Friedensvertrag im Kongo
Fr.14.03.08 - Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hat die Regierung im Kongo
und alle Milizen aufgerufen, den Ende Januar unterzeichneten
Friedensvertrag so schnell wie möglich zu verwirklichen. Die am
Donnerstag einstimmig verabschiedete Resolution droht den
Konfliktparteien mit Sanktionen, falls die Kämpfe im Osten des
Landes fortgesetzt werden sollten.
Auch die ruandischen Hutu-Rebellen in dieser Region wurden aufgerufen,
ihre Waffen niederzulegen. Diese wichen in das Nachbarland aus, nachdem
Rebellen vom Volk der Tutsi die Macht in Ruanda übernommen hatten.
Der Sicherheitsrat würdigte das Abkommen vom Januar sowie eine im
November 2007 zwischen dem Kongo und Ruanda erzielte Vereinbarung zur
Entwaffnung der Hutu-Rebellen als «bedeutenden Schritt für
die Wiederherstellung eines dauerhaften Friedens in der Region der
Großen Seen».
(Quelle: ap)
Sudan und Tschad unterzeichnen Friedensvereinbarung -- Keine Hilfe
mehr für Rebellen in der Grenzregion
Fr.14.03.08 - Sudan und Tschad wollen die Tätigkeit von Rebellengruppen im
Grenzgebiet unterbinden und so die Gewalt in der Region eindämmen.
Das sieht eine Friedensvereinbarung vor, die der sudanesische
Präsident Omar al Baschir und sein Kollege aus dem Tschad, Idriss
Deby, am Vorabend des Gipfeltreffens Islamischen Konferenz (OIC) in
Senegal unterzeichneten.
Das Abkommen vom Donnerstag verpflichtet beide Seiten, bereits
beschlossene Vereinbarungen in die Tat umzusetzen. Die bislang
geschlossenen Vereinbarung haben es nicht geschafft, die Gewalt in der
Region zu stoppen.
«Wir hoffen, mit diesem Abkommen ein neues Kapitel in unseren
Beziehungen aufschlagen zu können», sagte al Baschir. Deby
betonte, die jetzt unterzeichnete Vereinbarung unterscheide sich von
früheren Abkommen. Diesmal gebe es wirklich den Willen zum
Frieden, außerdem seien zahlreiche internationale Diplomaten und
afrikanische Staatsoberhäupter Zeugen der Abmachung.
Als Gastgeber des OIC-Gipfels hatte der senegalesische Präsident
Präsident Abdoulaye Wade zwischen den beiden zerstrittenen
Nachbarn vermittelt. Sollten sich beide Seiten diesmal tatsächlich
an die gemachten Zusagen halten, wäre dies nach Einschätzung
von Beobachtern ein - wenn auch kleiner - Schritt hin zu einem Ende der
Gewalt in der sudanesischen Krisenprovinz Dafur.
Die tschadische Regierung hatte dem Sudan noch am Donnerstag
vorgeworfen, dass sich aus ihrem Territorium «mehrere schwer
bewaffnete Kolonnen» in Richtung Tschad in Bewegung gesetzt
hätten. Dabei handle es sich um Söldner, die Präsident
Deby stürzen wollten. Im vergangenen Monat drangen Rebellen bis
zur tschadischen Hauptstadt N'Djamena vor, wurden in schweren
Kämpfen aber zurückgeschlagen.
Zu dem OIC-Gipfel kommen am (heutigen) Freitag mehr als 40 Staats- und
Regierungschefs der Islamischen Konferenz in der senegalesischen
Hauptstadt Dakar zusammen. Es ist das erste Mal seit 14 Jahren, dass
ein OIC-Gipfel wieder in Afrika stattfindet.
(Quelle: ap)
100 Exil-Tibeter nach Festnahme im Hungerstreik - Indische Polizei
stoppt Protestmarsch - Peking beschränkt Zugang zum Mount Everest
Fr.14.03.08 - Bei einem friedlichen Protestmarsch von Exil-Tibetern gegen die
Olympischen Spiele in Peking hat die indische Polizei nach
Augenzeugenberichten mehr als 100 Menschen festgenommen. Sie traten am
Donnerstag in einen Hungerstreik, wie ein Sprecher der
Nachrichtenagentur AP mitteilte. Die Demonstration in Nordindien wurde
am Morgen in der Stadt Dehra gestoppt, die Festgenommenen wurden in
Bussen weggebracht.
Sie würden in einem Hotel festgehalten, sagte einer der
Organisatoren der AP. Nach Polizeiangaben sollten sie binnen 24 Stunden
vor Gericht gestellt werden. Auch neun Ausländer, die sich an dem
Protestmarsch beteiligt hatten, aber nicht festgenommen wurden,
verweigerten die Nahrungsaufnahme, wie einer von ihnen erklärte.
Sie stammen aus Deutschland, den USA, Schottland, Polen und Australien.
Die indische Regierung hat den Demonstranten aus Sorge um die
Beziehungen zu China verboten, den Bezirk Kangra zu verlassen. Die
Exiltibeter haben angekündigt, dem Verbot trotzen zu wollen. Die
Demonstration begann am Montag, dem Jahrestag des Aufstands gegen die
chinesische Herrschaft von 1959. Der Marsch zur Grenze soll sechs
Monate dauern. Die Demonstranten fordern die Unabhängigkeit Tibets
von China.
Die chinesische Regierung verweigert unterdessen Bergsteigern in diesem
Frühjahr die Klettererlaubnis auf den Mount Everest von seinem
Territorium aus. Hintergrund sind offenbar Sorgen, protibetische
Aktivisten könnten den geplanten olympischen Fackellauf auf den
welthöchsten Berg (8.850 Meter) stören. Der Mount Everest
liegt auf der Grenze zwischen Tibet und Nepal.
Beim olympischen Fackellauf soll das Feuer auch zum Mount Everest
getragen werden. Genaue Einzelheiten wurden aber bislang geheim
gehalten. Es wird erwartet, dass das symbolbeladene Ereignis Ende April
oder Anfang Mai stattfindet. Internationale Expeditionen erklimmen den
Gipfel des Mount Everest meist von Nepal kommend.
Die chinesische Polizei ging unterdessen Medienberichten zufolge gegen
einen Protestzug von mehreren hundert buddhistischen Mönchen am
Dienstag in der Nähe der tibetischen Hauptstadt Lhasa vor. Wie
Radio Free Asia am Mittwoch berichtete, waren bei der Aktion mehr als
1.000 Sicherheitskräfte im Einsatz, 71 Menschen wurden
festgenommen. Die Mönche demonstrierten dem Sender zufolge gegen
die Festnahme von Mitbrüdern am Montag und riefen Parolen wie
«Wir wollen Freiheit» und «Wir wollen ein
unabhängiges Tibet».
(Quelle: ap)
Serbiens Präsident Tadic löst Parlament auf -- Neuwahlen
am 11. Mai
Fr.14.03.08 - Wegen der Regierungskrise in Serbien hat Präsident Boris Tadic das
Parlament aufgelöst. Zugleich setzte der Anfang Februar
wiedergewählte Präsident laut einer Erklärung für
den 11. Mai Neuwahlen der Volksvertretung an. "Die Wahlen sind ein
demokratischer Weg für die Bürger zu sagen, wie sich Serbien
in den kommenden Jahren entwickeln soll", erklärte Tadic. Am
Samstag hatte Ministerpräsident Vojislav Kostunica das
Auseinanderbrechen der Koalition zwischen seiner Demokratischen Partei
(DSS) und Tadics Demokratischer Partei (DS) bekanntgegeben.
Die serbische Regierungskoalition ist uneins in der Frage der
Annäherung des Balkanstaates an die Europäische Union.
Kostunicas nationalistische DSS will die Gespräche über eine
Integration in die EU einfrieren, nachdem die meisten EU-Staaten das
Kosovo als unabhängigen Staat anerkannt hatten. Präsident
Tadic fährt mit seiner DS einen pro-europäischen Kurs und will
diesen fortsetzen.
(Quelle: afp)
Albanische Partei löst Regierungskrise in Mazedonien aus
Fr.14.03.08 - Eine Partei der albanischstämmigen Bevölkerung in Mazedonien
hat ihren Austritt aus der Regierung erklärt und diese damit in
eine schwere Krise gestürzt. Die Albanische Demokratische Partei
(DPA) hatte ihren Verbleib in der Koalition davon abhängig
gemacht, dass Mazedonien die Unabhängigkeit des Kosovos anerkennt
und Albanisch zur zweiten Amtssprache erklärt. Nach dem Auszug der
DPA hat die Regierung von Ministerpräsident Nikola Gruevski nur
noch den Rückhalt von 57 der 120 Abgeordneten im Parlament von
Skopje. Wenn es nicht zu Neuwahlen kommen soll, muss er einen neuen
Koalitionspartner finden.
(Quelle: ap)
Mittelmeerunion stößt bei EU-Gipfel auf Skepsis
Fr.14.03.08 - Mit Skepsis sind beim EU-Gipfel in Brüssel die
deutsch-französischen Mittelmeerpläne aufgenommen worden.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der französische
Staatschef Nicolas Sarkozy wollten gestern beim Abendessen ihren
Kompromiss zur sogenannten Mittelmeerunion vorstellen. "Es darf keine
Parallelinstitutionen geben", mahnte der slowenische Regierungschef und
EU-Ratsvorsitzende Janez Jansa. Auch Österreich, Luxemburg und
Großbritannien ließen Skepsis erkennen. Bei der Klima- und
Energiepolitik als zweitem wichtigen Gipfelthema deutete sich Streit
zwischen der Kommission und der Bundesregierung an.
"Wir brauchen die Mittelmeerunion. Aber es muss sichergestellt werden,
dass alle Mitgliedstaaten der Europäischen Union gleichberechtigt
darin vertreten bleiben", sagte der luxemburgische Regierungschef
Jean-Claude Juncker. Der österreichische Bundeskanzler Alfred
Gusenbauer stellte klar: "Wir werden hier keine Extrawürste
für einige Mitgliedstaaten brauchen." Nach dem vorab bekannt
gewordenen Text ist Sarkozys Idee eines exklusiven Clubs der
Mittelmeerstaaten unter Leitung Frankreichs vom Tisch. Stattdessen
sollen sich an der "Union für das Mittelmeer" auf Druck Merkels
alle 27 EU-Staaten beteiligen.
Merkel verteidigte ihre Unterstützung für das Projekt. Der
sogenannte Barcelona-Prozess der EU könne damit auf "eine neue
qualitative Stufe" gestellt werden, sagte sie. Die EU hatte 1995 den so
genannten Barcelona-Prozess begonnen, mit dem eine engere
Zusammenarbeit mit den südlichen Mittelmeeranrainern wie Algerien
angestrebt wird.
Streit zeichnete sich zudem über die Klima- und Energiepolitik
ab. Barroso sagte dem "Handelsblatt", die von Brüssel vorgesehene
Aufspaltung der Energiekonzerne in getrennte Unternehmen für
Produktion und Netzbetrieb sei der beste Weg zu mehr Wettbewerb: "Wir
werden alles in unserer Macht stehende tun, um dieses Modell
durchzusetzen." Merkel will bei dem Gipfel für ein
Alternativmodell werben, das von Frankreich und sechs weiteren Staaten
unterstützt wird. Es sieht lediglich eine stärkere
organisatorische Trennung der Energiekonzerne vor.
(Quelle: afp)
Deutschland für mildere EU-Klimaziele der Industrie
Fr.14.03.08 - Die deutsche Regierung will bei den Verhandlungen über die
Klimaschutzgesetze der EU weniger strenge Auflagen für die
deutsche Industrie durchsetzen.
Bundeskanzlerin Angela Merkel betonte kurz vor dem EU-Gipfel in
Brüssel am Donnerstag, eine Benachteiligung der deutschen
Autoindustrie nicht zuzulassen: "Ich setze mich ganz speziell für
Arbeitsplätze in der Automobilindustrie in Deutschland ein." Die
Bundesregierung will zudem die Klimaschutzlasten für die Industrie
schnellstmöglich festlegen und begrenzen. Vor einem Jahr hatte die
Europäische Union unter Merkels Führung ehrgeizige
Klimaschutzziele beschlossen, um die globale Umweltpolitik
voranzutreiben.
Die slowenische Ratspräsidentschaft will die 27 EU-Länder auf
dem Gipfel trotz aller Kontroversen darauf einschwören, bis Ende
2008 eine Einigung über das Gesetzespaket zur Umsetzung der
Klimaschutzziele zu finden. Bis 2020 soll der Ausstoß des
klimaschädlichen Treibhausgases um 20 Prozent gegenüber 1990
verringert werden. Die EU hofft, mit dieser Vorleistung ein globales
Abkommen Ende 2009 in Kopenhagen für die Zeit nach 2012 zu
erreichen, wenn das Kyoto-Abkommen endet.
Der Regelungsentwurf zum Abbau der Kohlendioxyd-Emissionen von Autos
ist Teil der Klimastrategie, steht offiziell auf dem Gipfel aber nicht
zur Debatte. Jeder Hersteller soll danach im Durchschnitt seiner
Autoflotte ab 2012 nur noch 120 Gramm Kohlendioxyd (CO2) pro Kilometer
bei Neuwagen ausstoßen. Die Bundesregierung kritisiert, dass die
deutschen Hersteller größerer Autos die Emissionen
unverhältnismäßig viel stärker reduzieren
müssten als die Kleinwagenproduzenten in Italien oder Frankreich.
"Deshalb wollen wir hier eine faire Regelung", sagte die
CDU-Politikerin. Es sei möglich, Klimaschutz und Wirtschaftskraft
zu verbinden.
Am meisten CO2-Emissionen soll der Hauptverursacher reduzieren - die
Industrie, Alle Industriezweige sollen nach und nach in den Handel mit
Verschmutzungsrechten einbezogen werden. Die Firmen dürfen dabei
nur so viel Kohlendioxyd ausstoßen, wie ihnen mit Zertifikaten
zugestanden wird. Zum Teil werden diese kostenlos ausgegeben, zum Teil
müssen sie ersteigert werden. Erst 2011 soll nach dem Entwurf der
Kommission entschieden werden, welche Branchen Zertifikate kostenlos
erhalten. Nach dem Willen der Bundesregierung sollen schon Anfang 2009
die Ausnahmen für die Branchen feststehen. Energieintensive
Branchen wie die Stahl-, Chemie- oder Aluminiumindustrie sollten die
Verschmutzungsrechte gratis zugeteilt bekommen, forderte die
Bundesregierung jüngst im EU-Ministerrat.
Frankreich, Österreich und andere Länder unterstützen
die Forderung. Der österreichische Bundeskanzler Gusenbauer sagte,
die energieintensive Industrie müsse geschützt werden. "Denn
es hat keinen Sinn, wenn man sagt, die saubere Industrie in
Österreich muss geschlossen werden, und die schmutzige Industrie
in anderen Teilen (der Welt) bleibt bestehen." Auch Gewerkschaften und
Arbeitgeber befürchten, dass die Industrie Europas gegenüber
Konkurrenten aus Ländern ohne strenge Klimapolitik ins
Hintertreffen gerät und Investitionen wie Arbeitsplätze in
Gefahr wären. Der Präsident des Arbeitgeberverbandes
BusinessEurope, Ernest-Antoine Seilliere, und der Chef des
Europäischen Gewerkschaftsbundes, John Monks, forderten die EU
gemeinsam auf, rasch für Klarheit zu sorgen.
Kommissionspräsident Barroso ist gegen eine frühzeitige
Festlegung, um den Abschluss des globalen Klimaabkommens 2009
abzuwarten. Danach sei noch genug Zeit, zu entscheiden. Die Industrie
müsse sich an die Klimaschutzpolitik anpassen. "Ja, wir wollen die
Industrie und Arbeitsplätze in Europa halten - aber wir
müssen alles machen, um eine globale Vereinbarung zu bekommen",
sagte Barroso kurz vor dem Gipfel.
(Quelle: rtr)
IWF für Einsatz von Steuergeldern zur Eindämmung der
Kreditkrise
Fr.14.03.08 - Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat den Einsatz von
Steuergeldern zur Eindämmung der Krise an den Kreditmärkten
gefordert.
"Zum Schutz des Finanzsystems müssen alle Optionen auf den Tisch -
auch die eventuelle Nutzung von Steuergeldern", sagte der Vize-Direktor
des IWF, John Lipsky, in einer Rede vor Wirtschaftsexperten am Mittwoch
in Washington. Er rate zwar nicht dazu, einzelnen Banken mit
Steuergeldern gezielt unter die Arme zu greifen. Allerdings spreche er
sich klar für eine sachgemäße Einmischung der
öffentlichen Hand aus, wenn die Möglichkeiten des Marktes
ausgeschöpft seien.
"Derzeit gibt es kaum Zweifel daran, dass die Risiken für eine
Ausweitung der Kreditmarktkrise steigen", sagte Lipsky. Deshalb seien
maßgebliche politische Schritte erforderlich, um das weltweite
Finanzsystem und die Wirtschaft wieder auf eine festere Basis zu
stellen. Maßnahmen der Geldpolitik allein würden dabei
möglicherweise nicht ausreichen.
(Quelle: rtr)
Flucht aus dem Dollar - Rekordhochs für Öl, Gold und Euro
Fr.14.03.08 - Die Flucht aus dem Dollar treibt Euro, Rohöl und Gold auf immer
neue Rekordstände. Angeheizt wurde der Trend am Donnerstag von
neuen Hiobsbotschaften aus den USA.
Der Euro markierte seinen Höchststand bei 1,5627 Dollar, zum Yen
rutschte die US-Währung auf den tiefsten Stand seit mehr als zehn
Jahren. Rohöl der US-Sorte WTI erreichte den Rekordpreis von
110,70 Dollar je Barrel (159 Liter). Gold verteuerte sich bis auf
999,15 Dollar je Feinunze und dürfte demnächst erstmals die
Marke von 1000 Dollar knacken. Für neue Unsicherheit sorgte das
Scheitern der Rettungsbemühungen für den mehr als 20
Milliarden Dollar schweren US- Fonds Carlyle Capital, der als
nächstes Opfer der US-Immobilienkrise wahrscheinlich
aufgelöst wird.
Die Anleger ziehen sich aus dem Dollar zurück, weil sie eine
stärkere Abschwächung der Konjunktur und ein Anziehen der
Inflation in den USA befürchten sowie noch schlimmere Folgen der
US-Hypothekenkrise. Das Geld fließt damit verstärkt in den
Euro mit seinem höheren Zinsniveau sowie in «sichere
Häfen» wie Gold. Auch der Rohöl-Markt ist deshalb
verstärkt zu einer Arena für Spekulanten geworden. Versuche,
die Stimmung zu beruhigen, verpufften bisher schon nach kurzer Zeit, so
wie die Ankündigung milliardenschwerer Finanzspritzen für den
Geldmarkt durch führende Notenbanken.
Der Euro hatte am Donnerstag erstmals die Marke von 1,56 Dollar
überschritten. Auch im Vergleich zu anderen Währungen verlor
der Dollar weiter an Wert. Er sank zeitweise auf bis zu 99,75 Yen und
näherte sich erstmals der Parität mit dem Schweizer Franken
an.
Die Rekordjagd des Euro schürt Sorgen in der deutschen Wirtschaft,
weil dadurch ihre Waren im außereuropäischen Ausland teuerer
werden. Schlüsselbranchen wie Autohersteller und Maschinenbau
fürchten um ihre Exportchancen. Viele Unternehmen beschleunigen
ihre Pläne für eigene Werke in den USA, um den
Wechselkursnachteil auszugleichen. Der hohe Ölpreis in Kombination
mit dem starken Euro belastet insbesondere energieintensive Branchen
wie Chemieindustrie und Metallverarbeitung.
Seit dem Ausbruch der amerikanischen Hypothekenkrise im vergangenen
Sommer hat der Dollar zu vielen wichtigen Währungen dramatisch an
Wert verloren. So gewann der Euro zum Dollar seit August 2007 um
über 20 Cent oder rund 15 Prozent an Wert. Experten rechnen mit
weiteren Zinssenkungen in den USA, was die Talfahrt des Dollar weiter
anfeuern dürfte. Zugleich versicherte US-Präsident George W.
Bush am Vortag im US-Fernsehen, er sei «absolut» für
einen stabilen Dollar.
Jüngste Analysen zur Entwicklung der US-Wirtschaft sehen nicht
rosig aus. Die Postbank rechnet bis zum späten Frühjahr mit
einer Konsumflaute in den USA. «Angesichts der Eintrübung am
Arbeitsmarkt und Rekordständen beim Ölpreis wird sich die
Laune der Konsumenten wohl nicht so schnell deutlich heben»,
hieß es in dem am Donnerstag veröffentlichten Papier. Auch
die Commerzbank rechnet mit einem schwachen Konsum. Dabei spielen die
amerikanischen Verbraucher eine entscheidende Rolle für die
US-Konjunktur.
Für weiter steigende Ölpreise sorgt laut Experten derzeit vor
allem Spekulation. So hätten die großen Fondsgesellschaften
Rohstoffe als Anlagemöglichkeit entdeckt. Neben dem WTI-Hoch
erklomm auch der Preis der Nordseesorte Brent mit 106,80 Dollar einen
Rekordstand. «Fundamentaldaten spielen im aktuellen Marktumfeld
kaum eine Rolle», unterstrich Rohstoffexperte Eugen Weinberg von
der Commerzbank. So sprächen die überraschend robusten
Öllagerbestände aus den USA eigentlich für sinkende
Ölpreise.
Der Preis für Rohöl der Organisation erdölexportierender
Länder (OPEC) stieg zur Wochenmitte erstmals über die Marke
von 101 Dollar. Nach Berechnungen des OPEC-Sekretariats vom Donnerstag
kostete ein Barrel (159 Liter) aus den Fördergebieten der 13
OPEC-Mitgliedsländer am Mittwoch 101,38 Dollar. Das waren 81 Cent
mehr als am Vortag (100,57 Dollar). Die OPEC berechnet ihren
Durchschnittspreis auf der Basis von zwölf wichtigen Sorten des
Kartells.
Ein neuer schmerzhafter Rückschlag ist das Scheitern der Rettung
des Fonds Carlyle Capital, der nun auf eine Auflösung zusteuert.
Man rechne mit dem Einzug des verbleibenden Anlagevermögens durch
die Kreditgeber, teilte Carlyle Capital mit. Die in Amsterdam notierten
Aktien des Fonds fielen am Donnerstag um bis zu 70 Prozent. Der Fonds
hatte mit geliehenem Geld in Anleihen von Hypothekenfinanzierern
investiert. Im Zuge der Immobilien- und Kreditkrise sank der Wert der
Anleihen drastisch und Carlyle Capital konnte Forderungen der
Investoren nach einer Aufstockung der Sicherheiten nicht nachkommen.
Auf einen eigenen Dollar kommen bei dem Fonds 31 geliehene. Der Fonds
gehört zur Carlyle Group, einem der führenden
Finanzinvestoren. Er war erst vor weniger als acht Monaten an die
Börse gebracht worden.
(Quelle: dpa)
EZB besorgt über hohe Inflation -- Gewerkschaften zu
maßvollen Tarifabschlüssen aufgerufen
Fr.14.03.08 - Die Europäische Zentralbank (EZB) hat aus Sorge über die hohe
Inflation Gewerkschaften und Arbeitnehmer zu maßvollen
Tarifabschlüssen aufgerufen. «Die Phase relativ hoher
Teuerungsraten wird länger andauern als noch vor einigen Monaten
angenommen.»
Das schreibt die Notenbank in ihrem am Donnerstag in Frankfurt
veröffentlichten Monatsbericht. Die EZB werde alles tun, um die
Preisstabilität zu wahren. Dieses Ziel sieht die Notenbank bei
Inflationsraten knapp unter zwei Prozent erreicht. Wegen der hohen
Energie- und Lebensmittelpreise erwartet die EZB in diesem Jahr eine
Teuerung im Euro-Raum von rund 2,9 Prozent, das wäre weit über
dieser Marke.
Die Notenbank appellierte an Arbeitgeber und Gewerkschaften,
«ihrer Verantwortung gerecht zu werden» und keine
überhöhten Lohnabschlüsse zu vereinbaren, die die
Teuerung weiter anheizen würden. «Der EZB-Rat ist besorgt
über Lohnregelungen, bei denen die Nominallöhne an die
Verbraucherpreise gebunden sind». Das könnte zu Preisschocks
und einer Spirale aus steigenden Löhnen und steigenden Preisen
führen, kritisierten die Währungshüter.
Wegen der hohen Inflation sehen die Notenbanker keinen Spielraum
für die von Gewerkschaften und einigen europäischen Politikern
geforderten Zinssenkungen. Vor einer Woche hatte die EZB den Leitzins
unverändert bei 4,0 Prozent gelassen und keine Hinweise auf
künftige Zinssenkungen gegeben. Als Risiken für die
Konjunktur sieht die EZB die hohen Ölpreise und den Rekordkurs des
Euro, der die Exportchancen der europäischen Wirtschaft mindert.
Wegen der anhaltenden Turbulenzen an den Finanzmärkten seien die
Aussichten für das Wirtschaftswachstum sehr unsicher, doch bislang
seien die Daten aus dem Euroraum robust.
(Quelle: dpa)
50 Jahre EU-Parlament in Straßburg
Fr.14.03.08 - Das EU-Parlament in Straßburg hat am Mittwoch seiner
Gründung vor 50 Jahren gedacht. "Wir sind selbstbewusst und ein
Machtfaktor in der europäischen Politik geworden", erklärte
Parlamentspräsident Hans-Gert Pöttering. Das Parlament sei am
19. März 1958 als rein beratendes Gremium gegründet worden, so
der CDU-Politiker. Inzwischen entscheide es bei den meisten
Gesetzesvorhaben auf Augenhöhe mit den EU-Regierungen mit. Durch
den geplanten Reformvertrag von Lissabon werde seine Stellung weiter
gestärkt.
Dennoch gebe es auch Anlass zur Kritik am europäischen
Parlamentarismus, sagte Pöttering in einer Feierstunde. Im
Gegensatz zu nationalen Parlamenten könne das EU-Parlament nicht
über die Erhebung eigener Finanzmittel entscheiden. Auch die
Außen- und Sicherheitspolitik bleibe hinsichtlich der
parlamentarischen Mitwirkung "unvollendet". Es gebe nach wie vor kein
einheitliches Wahlrecht, was die Bildung starker europäischer
Parteien erschwere.
Das EU-Parlament umfasst inzwischen 785 Abgeordnete - über
fünfmal mehr als die Volksvertretung von 1958. Wurden die
Mitglieder anfangs aus den Reihen der nationalen Parlamente
ausgewählt, gibt es seit 1979 Direktwahlen. An der Feierstunde
nahmen auch die Präsidenten von EU-Kommission und -Rat sowie eine
Reihe früherer Parlamentspräsidenten teil. Das EP hatte die
Festlichkeiten um eine Woche vorverlegt, da in der kommenden Woche keine
Plenarsitzungen stattfinden.
Der amtierende EU-Ratspräsident, der slowenische
Ministerpräsident Janez Jansa, unterstrich "die führende Rolle
des EU-Parlaments bei Menschenrechten und im interkulturellen Dialog".
Auch durch den Kontakt zu anderen Parlamenten bereichere es die
Europäische Union, sagte Jansa.
EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso sagte, ein
starkes Europaparlament sei ein unverzichtbarer Partner für die
anderen EU-Institutionen. Mit dem Reformvertrag von Lissabon werde auch
die Kommission gestärkt, da ihre doppelte Legitimierung durch das
EU-Parlament und die Regierungen ausgeweitet werde, sagte er.
(Quelle: epd)
Deutschland
Bundestag leitet Ratifizierung des Lissabon-Vertrages ein
Fr.14.03.08 - Der Bundestag hat am Donnerstag die Ratifizierung des EU-Reformvertrags
eingeleitet. Außenminister Frank-Walter Steinmeier rief die
Abgeordneten dazu auf, ein Signal dafür zu geben, dass auch die
anderen EU-Mitgliedstaaten den sogenannten Vertrag von Lissabon in
nationales Recht umsetzen. Als Zieldatum für den Abschluss der
Ratifizierung in Deutschland nannte er den 23. Mai. Vertreter aller
Fraktionen mit Ausnahme der Linken sprachen sich für die Annahme
aus, der die gescheiterte EU-Verfassung ersetzt.
Bislang haben Malta, Ungarn, Slowenien, Frankreich und Rumänien
den Vertrag von Lissabon angenommen. Irland ist das einzige Land, das
ein Referendum abhalten wird - voraussichtlich in der zweiten
Juni-Woche. Steinmeier äußerte die Hoffnung, dass der
Reformvertrag wie geplant am 1. Januar 2009 in Kraft treten kann.
Redner von Union, SPD, FDP und Grünen lobten, dass die EU mit dem
Vertrag von Lissabon demokratischer, transparenter,
bürgernäher und handlungsfähiger werde, auch wenn manche
Ziele, die noch in der gescheiterten EU-Verfassung vorhanden waren,
Kompromissen zum Opfer gefallen sind.
Der FDP-Abgeordnete Markus Löning bedauerte, dass die EU auf die
in der Verfassung vorgesehenen geplanten Symbole verzichtet und dass der
Wettbewerb aus dem Zielekanon gestrichen wurde. Der SPD-Politiker
Michael Roth sagte, die Sozialdemokraten hielten grundsätzlich an
dem Ziel einer Verfassung fest.
Roth und der CDU-Abgeordnete Andreas Schockenhoff mahnten die
Mitgliedsländer, dass der neue Vertrag auch mit Leben gefüllt
werden müsse. Roth kritisierte den französischen
Präsidenten Nicolas Sarkozy für seine Alleingänge. Er
nannte das Verhalten Sarkozys «besorgniserregend». Es
könne nicht angehen, dass Sarkozy mit dem Kopf durch die Wand wolle
und beispielsweise zur Mittelmeerunion Vorschläge mache,
«die eher spalten als versöhnen». «Wir brauchen
keine großen Solisten ist der Außen- und Sicherheitspolitik,
wir brauchen Teamspieler und die Bereitschaft zum Kompromiss»,
mahnte er.
Schockenhoff erinnerte daran, «wie wichtig es ist, dass der
deutsch-französische Motor rund läuft». Er
begrüßte in diesem Zusammenhang, dass es Bundeskanzlerin
Angela Merkel gelungen sei, zusammen mit Sarkozy eine europäische
Lösung für das Projekt der Mittelmeerunion zu erarbeiten.
Auch Löning forderte, die europäische Außen- und
Sicherheitspolitik müsse «den Geist der Union atmen».
Das «kann nicht so aussehen, wie der französische
Präsident sich das vorstellt», dass einige wenige große
EU-Staaten vorangehen und andere dabei ausschließen.
Als einzige Fraktion kritisierte die Linke den Reformvertrag. Der
Fraktionsvorsitzende Lothar Bisky kritisierte, dass die EU auch nach dem
Scheitern der Verfassung einen Vertrag bekomme, in dem «erneut
Aufrüstung und eine gescheiterte Wirtschaftspolitik die
Grundrichtung bestimmt». Er bemängelte auch, dass bis heute
kein lesbarer Vertragstext vorliege. Bisky forderte eine EU-weite
Volksabstimmung über den Vertrag.
(Quelle: ap)
Israels Botschafter: Beziehungen mit Deutschland einzigartig
Fr.14.03.08 - Das Verhältnis zwischen Israel und Deutschland erhält nach
den Worten von Botschafter Yoram Ben-Zeev mit den ersten
Regierungskonsultationen eine neue Qualität.
Die Beratungen seien eine Wegmarke in der Geschichte der beiden
Staaten, sagte Ben-Zeev wenige Tage vor dem Treffen der Regierungschefs
und Kabinette in Jerusalem. "Die Beziehungen erreichen eine sehr
wichtige Kreuzung." Bundeskanzlerin Angela Merkel wird zudem als erste
deutsche Regierungschefin vor der Knesset sprechen. Bislang war dieses
Privileg Staatsoberhäuptern vorbehalten.
Deutschland sei das erste Land, mit dem Israel Konsultationen dieser
Art beginne, und in dieser Form arbeite sein Land nicht einmal mit den
USA, seinem engsten Verbündeten, zusammen, sagte der Botschafter
Reuters weiter. Die Beziehungen zwischen Israel und Deutschland seien
wegen dieser Qualität und nicht allein wegen der Vergangenheit
einzigartig und speziell, betonte Ben-Zeev.
Merkel reist am Sonntag mit mehreren Ministern nach Jerusalem. Die
dreitägigen Konsultationen sind der Auftakt jährlicher
Treffen. "Der Besuch ist dem 60. Jahrestag der Gründung des Staates
Israel gewidmet. Dies will die Kanzlerin würdigen und wir wissen
das sehr zu schätzen", sagte Ben-Zeev.
(Quelle: rtr)
Agenda 2010 spaltet noch immer die Lager: SPD-Chef Beck
und Wirtschaft ziehen positive Bilanz -- SPD-Linke und
Gewerkschaften bekräftigten ihre Kritik -- Geteilte Meinungen
unter den Ökonomen
Fr.14.03.08 - Die Agenda 2010 des früheren Bundeskanzlers Gerhard
Schröder spaltet auch fünf Jahre nach ihrer Verkündung
die politischen Lager in Deutschland und besonders die SPD.
Zum Jahrestag der Rede Schröders zu seinen Reformplänen
lobten zwar SPD-Chef Kurt Beck und Vertreter der Wirtschaft die Agenda.
Doch bekräftigten der linke SPD-Flügel, die Gewerkschaften
und die Linkspartei ihre Kritik. Unter Ökonomen sind die Meinungen
geteilt.
Schröder hatte am 14. März 2003 im Bundestag die unter dem
Titel "Agenda 2010" gebündelten Reformschritte vorgestellt, die
sofort heftigen Widerstand in seiner Partei auslösten. Sie gelten
heute als Ausgangspunkt für die spätere Entstehung der
Linkspartei.
Becks Lob und die anderen SPD-Kommentare auf Schröders Reformen
wurden wegen des Kursstreits in der Partei besonders aufmerksam
registriert. Beck nannte Schröders Rede von damals den "Auftakt zu
einem großen wirtschafts- und arbeitsmarktpolitischen Erfolg".
Dank der Agenda gebe es heute wieder beachtliche Wachstumsraten und
eine Million zusätzliche Stellen. Doch müsse die Koalition
"die eine oder andere soziale Verträglichkeit" wiederherstellen.
"Wir müssen weiter darauf hinwirken, dass die Erfolge der Agenda
bei allen Menschen ankommen", betonte Beck. Gegen interne Kritik hatte
er die im Zuge der Agenda verringerte Zahldauer des Arbeitslosengeldes
I für Ältere revidiert, um das linke Profil der SPD zu
schärfen.
Schröder selbst sagte in Berlin, die Agenda 2010 sei "gut und
richtig" gewesen. Becks Vize Frank-Walter Steinmeier, unter
Schröder Kanzleramtschef und heute dem rechten SPD-Flügel
zugeordnet, nannte die Agenda alternativlos. "Wir mussten diese Politik
machen, wissend, dass sie zu Schmerzen und Verlusten führen
könnte", sagte er mit Blick auf die folgenden Wahlniederlagen der
SPD. Die Verluste an Stimmen und Mitgliedern, das seither weniger enge
Verhältnis zu den Gewerkschaften und der Aufstieg der Linkspartei
gelten den SPD-internen Kritikern als Argumente, dass der Reformkurs
falsch war. Strittig bleibt vor allem die Zusammenlegung von ALG II und
Sozialhilfe.
SPD-Linke und Gewerkschaften bekräftigten ihre Kritik.
Hunderttausende von Vollbeschäftigten verdienten heute ein
Einkommen unter den Hartz-IV-Regelsätzen, sagte der SPD-Linke
Ottmar Schreiner im ZDF. "Das ist alles mit ermöglicht worden
durch die Agenda." Der Chef des Deutschen Gewerkschaftsbund, Michael
Sommer, kritisierte, die Agenda 2010 habe die Spaltung der Gesellschaft
vorangetrieben. Damit seien die Weichen in eine falsche Richtung
gestellt worden.
Linkspartei-Chef Oskar Lafontaine übte Fundamentalkritik an
Schröders Reformen. "Fünf Jahre Agenda 2010 bedeuten
fünf Jahre neoliberaler Holzweg, Zerstörung des sozialen
Friedens und des Vertrauens der Bevölkerung in die Politik."
Dagegen zog Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt eine positive Bilanz
der Agenda und warnte vor ihrer Zerstörung. "Die Reformen der
Agenda 2010 waren und sind ein Meilenstein für den
Wirtschaftsstandort Deutschland." Hundt forderte die Bundesregierung
auf, ihre Pläne für Mindestlöhne aufzugeben, weil sie
den Erfolg der Reformen infrage stellten.
Auch unter Wirtschaftsexperten bleibt die Bewertung der Agenda
strittig. Nach Einschätzung des DIW geht die sinkende
Arbeitslosigkeit zu einem guten Teil auf die Maßnahmen
zurück. "Dies ist der Aufschwung der Arbeitslosen", sagte der
Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung
(DIW), Klaus Zimmermann. Völlig anders bewertet dies das
gewerkschaftsnahe Institut für Makroökonomie und
Konjunkturforschung (IMK). "Aus der Agenda ist kein
Beschäftigungsboom entstanden", sagte IMK-Chef Gustav Horn zu
Reuters. Die Arbeitsmarkt-Erholung sei verzögert worden. Durch
geringere Transferleistungen sei ein massiver Druck auf die Löhne
ausgeübt worden, was zu sinkenden Realeinkommen geführt habe.
(Quelle: rtr)
Grünen-Politiker Trittin: Absage an Jamaika-Bündnis in Hessen
Fr.14.03.08 - Der grüne Spitzenpolitiker Jürgen Trittin schließt ein
Jamaika-Bündnis in Hessen kategorisch aus. «Die hessische CDU
ist die Partei des Schwarzgeldes und der ausländerfeindlichen
Wahlkämpfe. Es geht ganz einfach inhaltlich nicht», sagte
Trittin der Tageszeitung «Die Welt» (Donnerstagausgabe).
Zugleich sagte Trittin Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU)
den parlamentarischen Kampf an. Die geschäftsführende
Regierung in Hessen werde unter massivem Druck stehen. «Für
Herrn Koch wird es keine schöne Situation sein, Gesetze umsetzen zu
müssen, die konträr zum allem stehen, was er für richtig
hält», sagte Trittin.
Eine rot-grüne Minderheitsregierung in Hessen hält der
Grünen-Politiker weiter für möglich. «Es nutzt
nichts, die Linken auszugrenzen. Man muss sich mit ihnen
auseinandersetzen».
Die nächste Chance für eine Linksregierung gebe es im
Saarland. Die saarländische SPD wolle Ministerpräsident Peter
Müller (CDU) ablösen, «und das wollen wir auch»,
sagte Trittin. «Wenn es mit SPD und Grünen nicht reicht, wird
es bei Herrn Maas relativ geringe Berührungsängste
gegenüber der Linkspartei geben», sagte Trittin. Im
Übrigen hätten die Grünen «viele Gemeinsamkeiten
mit der Linken, mehr als mit der Union».
(Quelle: ddp)
Bundesweite Warnstreiks an kommunalen Krankenhäusern --
Ärztegewerkschaft fordert 10,19 Prozent mehr Geld
Fr.14.03.08 - Im Tarifkonflikt um die Bezahlung von Ärzten an kommunalen
Krankenhäusern haben am Donnerstag mehrere tausend Mediziner die
Arbeit niedergelegt. Wie der Marburger Bund berichtete, waren
bundesweit rund 200 Kliniken von den Warnstreiks betroffen. Der Verband
der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) bot bei den
Tarifverhandlungen in Wiesbaden den Klinikärzten eine
Gehaltssteigerung von vier bis 4,5 Prozent für zwei Jahre an.
Allerdings sollen die Ärzte nach den Vorstellungen der Arbeitgeber
für ihre Gehaltserhöhung mehr arbeiten: Ab Juli eine Stunde
und ab Januar 2009 eine weitere halbe Stunde mehr als bisher. Die
Kommunen seien an einem baldigen Tarifabschluss ohne Streik
interessiert, sagte der Verhandlungsführer der VKA, Joachim
Finklenburg.
Der Marburger Bund lehnte das Angebot umgehend ab. Die Arbeitgeber
wollen, dass die Ärzte die angebotene marginale
Gehaltserhöhung mit einer Steigerung ihrer Arbeitszeit selbst
finanzieren», kritisierte der Verhandlungsführer der
Ärzteorganisation, Lutz Hammerschlag. Eine erneute Erhöhung
der Arbeitszeit auf dann 41,5 Stunden sei mit dem Marburger Bund nicht
machbar. Die Verhandlungen wurden auf den 3. April vertagt. Sie sollen
dann in Leipzig fortgesetzt werden.
Der Marburger Bund fordert für die Klinikärzte
durchschnittlich 10,19 Prozent mehr Geld sowie die Angleichung der
Gehälter in Ost- und Westdeutschland. Hammerschlag, drohte mit
regulären Streiks an den kommunalen Kliniken, sollte es zu keiner
Einigung kommen: «Das geht sehr schnell.» Die
Ärzteorganisation fordere für die kommunalen
Krankenhäuser nichts Unmögliches, sondern lediglich ein
Gehaltsniveau, das für Kliniken in anderer Trägerschaft
bereits in der Vergangenheit ausgehandelt worden sei.
Streikende Ärzte zogen mit Trillerpfeifen und Transparenten durch
Wiesbaden. Der Marburger Bund sprach von etwa 1.500 Demonstranten. Die
Polizei zählte 1.200 Teilnehmer. Der Vorsitzende des Marburger
Bundes, Rudolf Henke, bezeichnete die Forderung von 10,19 Prozent als
maßvoll und bescheiden: «Wir wissen um die Lage der
Kommunen.» Eine noch stärkere Lohnzurückhaltung sei
aber der falsche Weg. Schon jetzt sei der Beruf des Klinikarztes so
unattraktiv, dass es für die kommunalen Krankenhäuser immer
schwieriger werde, alle Stellen zu besetzen, sagte Henke.
Schwerpunkt der befristeten Arbeitsniederlegungen waren Kliniken in
Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Nordrhein-Westfalen. Der
Marburger Bund hatte im Vorfeld zugesichert, dass die
Patientenversorgung unter dem Warnstreik nicht leiden wird. Wie ein
Sprecher erklärte, mussten nur vereinzelt geplante Operationen
abgesagt werden. In den bestreikten Kliniken gab es eine Notversorgung.
An den rund 700 kommunalen Krankenhäusern in Deutschland sind nach
Angaben des Marburger Bunds etwa 55.000 Mediziner beschäftigt.
(Quelle: ap)
Öffentliche Hand zahlt häufig nur Niedriglöhne
Fr.14.03.08 - Tausende Beschäftigte von Bund, Ländern und Kommunen
benötigten daher als sogenannte Aufstocker zusätzlich zu
ihrem Lohn Hartz-IV-Leistungen. Insgesamt 180 000 Menschen, deren
Verdienst zum Leben nicht reicht, arbeiten demnach im öffentlichen
Dienst sowie in angrenzenden Bereichen, von denen einige inzwischen
privatisiert sind. Darunter seien fast 33 000 Lehrer und Erzieher, die
trotz eines regulären Jobs auf Hartz IV angewiesen sind.
Laut dem Bericht waren im Juli 2007 im öffentlichen Dienst, in
Schulen sowie in den Bereichen Gesundheit, Soziales und Entsorgung 129
907 Beschäftigte auf Hartz IV angewiesen, obwohl sie eine
reguläre, sozialversicherungspflichtige Arbeit hatten. 53 621
Menschen stockten einen Mini- oder Teilzeitjob mit Arbeitslosengeld II
auf. «Die SPD macht sich öffentlich für
Mindestlöhne stark, ist aber in der Regierung dafür
verantwortlich, dass Beschäftigte den Gang zum Sozialamt antreten
müssen, weil der Monatsverdienst nicht reicht», kritisierte
Zimmermann. «Das passt nicht zusammen.»
(Quelle: dpa)
Kaufkraft der Bundesbürger sinkt seit drei Jahren
Fr.14.03.08 - Der Wirtschaftsaufschwung in Deutschland ist bisher bei vielen
Beschäftigten nicht angekommen. In den vergangenen drei Jahren ist
das Nettoeinkommen eines durchschnittlichen Arbeitnehmerhaushalts
deutlich langsamer gestiegen als die Teuerungsrate.
Damit ist Kaufkraft dieser Haushalte stetig gesunken. Das geht aus
einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der FDP hervor,
über die am Freitag berichtet wurde. Danach hat sich der
Abwärtstrend beim preisbereinigten Nettoeinkommen zuletzt sogar
noch verstärkt. Im Jahr 2004 konnte sich eine Familie mit zwei
Kindern noch 0,4 Prozent mehr für ihr Geld leisten als ein Jahr
zuvor. In den beiden Folgejahren sei die Kaufkraft um je 1,1 Prozent
und 2007 um 1,3 Prozent gesunken.
Seit 2005 nahm das Nettoeinkommen auch lediger Durchschnittsverdiener
ohne Kinder ab. Im Jahr 2007 war ihre Kaufkraft um 1,0 Prozent
gesunken, heißt es in der Antwort, die der Deutschen
Presse-Agentur dpa vorliegt und aus der auch die
«Süddeutsche Zeitung» zitierte.
FDP-Partei- und Fraktionschef Guido Westerwelle sagte dem dpa-
Audiodienst: «Der einzige, der durch diesen Aufschwung fett
geworden ist, ist der Staat.» Er warf der Regierung eine
maßlose Steuer- und Abgabenerhöhungen vor. «Was nutzt
dem Menschen ein höherer Bruttomindestlohn, wenn dieselbe
Regierung durch immer höhere Steuern und Abgaben dafür sorgt,
dass die Familien im Netto immer weniger in der Tasche haben.»
Die Bundesregierung hatte stets beteuert, dass der wirtschaftliche
Aufschwung bei allen Menschen ankomme. Sie begründet dies mit dem
Zuwachs an Arbeitsplätzen, niedrigeren Beitragsätzen zur
Arbeitslosenversicherung sowie dem Abbau der Staatsschulden. Zudem wird
darauf verwiesen, dass das Durchschnitts-Jahreseinkommen eines
Arbeitnehmers zwischen 1990 und 2007 von 21 479 auf 27 161 Euro
gestiegen sei. Zugleich sei die Steuerbelastung bei einem ledigen
Arbeitnehmer ohne Kinder von 16,8 auf 14,9 Prozent gesunken, beim
verheirateten Arbeitnehmer mit zwei Kindern von 6,9 auf 3,5 Prozent.
Bereits vor zwei Wochen hatte die «Saarbrücker
Zeitung» über diese Einkommensverluste unter Bezug auf die
Antwort der Bundesregierung berichtet. Darin räumt die Regierung
auch das Phänomen der «Kalten Progression» ein. Diese
lässt die Steuerlast durch die progressiv steigenden
Steuersätze schon allein durch höhere Nominallöhne
steigen. Davon sind laut Regierung alle Einkommensteuerpflichtigen
betroffen. «Die vorliegenden Schätzungen bedürfen einer
vertieften Prüfung», heißt es in der Antwort.
Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) hatte zuletzt darauf verwiesen,
dass ein Prozent Lohnsteigerung eine zwei Prozent höhere
Einkommensteuerbelastung bedeute.
Auch die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung (OECD) hatte jüngst auf das Problem verwiesen. So habe
zwar die Steuersenkung im Jahr 2001 für Durchschnittsverdiener
eine Entlastung um zwei Prozentpunkte vorgesehen und damit fast in der
gleichen Größenordnung wie für Spitzenverdiener.
«Bei den Durchschnittseinkommen ist durch Inflation und eine
geringere Reallohnsteigerung von dieser Steuersenkung nun fast nichts
mehr übrig», kritisierte die OECD. Um solche Effekte zu
vermeiden, würden in den meisten anderen OECD-Ländern die
Steuerstufen, Transfers und Steuererleichterungen automatisch an die
Preisentwicklung angepasst.
(Quelle: dpa)
Opfer des brutalen Überfalls von Rechtsextremen in Halberstadt:
Vertrauen in Justiz verloren
Fr.14.03.08 - Im Prozess um den rechtsextremistischen Überfall auf
Theaterschauspieler in Halberstadt wollen die Opfer ein vorzeitiges
Verfahrens-Ende erreichen. Die Anwälte der Nebenkläger
stellten deshalb am Donnerstag vor dem in Magdeburg tagenden
Amtsgericht Halberstadt den Antrag, die Beweisaufnahme einzustellen.
«Die Polizei hat uns nach dem Angriff nicht geholfen und die
Täter laufengelassen. Jetzt haben wir auch das Vertrauen in die
Justiz verloren», lautete das Resümee der Betroffenen.
Über den Antrag wird am nächsten Verhandlungstag am 28.
März entschieden.
Die Verteidiger bezeichneten den Antrag als «politisches
Statement», der juristisch nicht haltbar sei. So seien noch
Zeugen geladen und Beweisanträge offen.
In dem Prozess müssen sich vier Männer im Alter zwischen 22
und 29 Jahren seit Oktober vergangenen Jahres wegen gefährlicher
Körperverletzung verantworten. Ihnen wird vorgeworfen, am 9. Juni
in Halberstadt 14 Schauspieler und Tänzer des Nordharzer
Stadtbundtheaters überfallen und fünf von ihnen zum Teil
schwer verletzt zu haben. Diese waren auf dem Heimweg von der Premiere
der «Rocky Horror Show» im Bergtheater Thale
außerhalb von Halberstadt. Nach Polizeiangaben hatten acht
Männer, die dem rechtsextremistischen Spektrum zugeordnet wurden,
die Schauspieler verprügelt. Auslöser soll die Punkfrisur
eines Darstellers gewesen sein.
Mittlerweile sind alle Tatverdächtige wieder auf freiem Fuß,
weil nach Angaben des Gerichts kein dringender Tatverdacht mehr
vorliegt.
Die Opfer werfen der Staatsanwaltschaft unter anderem vor, mit einer
«extrem kurzfristigen Anklageerhebung offensichtlich auf die
öffentliche Empörung» reagiert zu haben. Eine der
Konsequenzen sei, dass die Ermittlungen in der Hauptverhandlung
stattfinden müssten. Zudem wälze die Anklagebehörde die
Verantwortung für die mangelnden Ermittlungen auf die Opfer ab.
Erschwert werde die Hauptverhandlung durch die Entscheidung des
Vorsitzenden Richters, der gleich am ersten Tag die Anklage wegen
gemeinschaftlicher Körperverletzung nicht zugelassen hatte. Es
habe keinen gemeinsamen Tatplan gegeben, stellte er in seinem
Eröffnungsbeschluss fest. Demnach laute die Anklage lediglich auf
gefährliche Körperverletzung.
Der Fall war auch wegen Polizeipannen bundesweit in die Schlagzeilen
geraten: Der einschlägig vorbestrafte Hauptverdächtige
Christian W. war nur auf Bewährung auf freiem Fuß. Dennoch
nahmen die Beamten lediglich seine Personalien auf und ließen ihn
anschließend wieder laufen.
«Ich habe das Vertrauen in den Rechtsstaat verloren», sagte
Timo, einer der Opfer des Überfalls, der seinen Nachnamen nicht
nennen wollte, am Randes Prozesses. Der Tänzer berichtete, dass
Rechtsextremisten in Halberstadt erneut in der Offensive seien.
«Ich habe keine Kraft mehr und fühle mich nicht wohl, wenn
ich die Gestalten aus dieser Szene sehe; in Halberstadt und hier im
Gerichtsgebäude sowieso», fügte er hinzu.
Der Prozess findet aus Platzgründen in den Räumen des
Landgerichts Magdeburg statt. Ein Urteil wird planmäßig
nicht vor August erwartet.
(Quelle: ap)
Islamkonferenz: Schulen sollen deutschsprachigen Islam-Unterricht bieten --
In Deutschland lebende Muslime werden auf die Rechtsordnung hier zu Lande
und die Werteordnung des Grundgesetzes verpflichtet --
Mehrheitsgesellschaft soll Muslime als gleichberechtigten Teil der Gesellschaft
anerkennen und respektieren
Fr.14.03.08 - Öffentliche Schulen sollen in den nächsten Jahren islamischen
Religionsunterricht auf Deutsch anbieten.
"Wir sind uns einig, dass dieser Weg jetzt gegangen werden soll", sagte
Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble am Donnerstag nach der
dritten Islam-Konferenz in Berlin. In der Zwischenbilanz der Konferenz
werden die in Deutschland lebenden Muslime auf die Rechtsordnung hier
zu Lande und die Werteordnung des Grundgesetzes verpflichtet. Hessens
Innenminister Volker Bouffier (CDU) rief die Muslim-Verbände auf,
auch darüber hinaus gehende Werte zu teilen. In den
vierstündigen Beratungen sei "streckenweise sehr streitig"
diskutiert worden, sagte Schäuble.
Die vor eineinhalb Jahren ins Leben gerufene Islam-Konferenz mit je 15
Vertretern der Muslime und aus der Politik wird durch Spannungen
belastet. So hat der afghanischstämmige Publizist Walid
Nakschbandi aus Protest gegen die konservative Haltung einiger
Muslim-Vertreter seine Teilnahme abgesagt.
Unmittelbar vor der Konferenz forderte der türkische
Ministerpräsident Tayyip Erdogan Bundeskanzlerin Angela Merkel zu
einem gemeinsamen Auftritt vor türkischstämmigen Bürgern
auf. Er bedauerte in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", dass Merkel
vor einem Monat nicht in Köln an der von ihm abgehaltenen
Kundgebung teilgenommen habe. "Wir können das nachholen, wann
immer Frau Merkel es will." Die Kundgebung war in Deutschland als
innenpolitische türkische Veranstaltung auf teils heftige Kritik
gestoßen. Besonders Erdogans Äußerung, Assimilation
sei ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, hatte über die
Parteigrenzen hinweg Protest hervorgerufen. Nordrhein-Westfalens
Integrationsminister Armin Laschet (CDU) reagierte zurückhaltend
auf Erdogans Vorstoß und betonte im Deutschlandfunk, derartige
Großveranstaltungen ersetzten nicht die Integrationspolitik.
Auf die Frage, ob die 800.000 Türken mit deutscher
Staatsbürgerschaft der Türkei oder Deutschland gegenüber
loyal seien sollten, antwortete Erdogan: "Im Grunde sollten sie
gegenüber beiden loyal sein." Merkel hatte dagegen Loyalität
gegenüber dem deutschen Staat eingefordert.
Der Koordinierungsrat der Muslime will möglichst schnell die
Voraussetzungen für den Religionsunterricht schaffen. Sprecher
Bekir Alboga kündigte an, der Dachverband werde
Landesverbände gründen und dann als einheitlicher
Ansprechpartner für Schulen auftreten. Die Präsidentin der
Kultusministerkonferenz, die CDU-Politikerin Annegret
Kramp-Karrenbauer, sagte, es werde noch dauern, bis Lehrpläne
entwickelt und Lehrkräfte ausgebildet worden seien. Bis zum
nächsten Schuljahr gelinge das nicht. Die Evangelische Kirche
unterstützte die Pläne. Schäuble sagte vor der
Konferenz, er hoffe, dass durch den Religionsunterricht der Einfluss
von Hasspredigern in Deutschland eingedämmt werde.
"Integration als Prozess verändert grundsätzlich beide
Seiten", betonte Schäuble. Das Bekenntnis zu Rechtsordnung und
Grundgesetz in Deutschland bedeute, dass die Gleichberechtigung von
Mann und Frau vor dem Gesetz und vor Gott anerkannt werde, unterstrich
Koordinierungsrats-Sprecher Alboga.
Dem Papier zufolge bleibt die Mehrheitsgesellschaft gefordert, Muslime
als gleichberechtigten Teil der Gesellschaft anzuerkennen und zu
respektieren. Der Bau von Moscheen wird als wichtiger Schritt zur
Integration des Islam begrüßt. Zugleich fordert die
Konferenz ein Umdenken in der Berichterstattung über Muslime und
den Islam. In Rundfunk und Presse sollten mehr Mitarbeiter mit
Migrationshintergrund eingestellt werden.
(Quelle: rtr)
Steinmeier bestreitet frühe Kenntnis geheimer CIA-Flüge
Fr.14.03.08 - Außenminister Frank-Walter Steinmeier hat Vorwürfe
zurückgewiesen, die ehemalige Bundesregierung habe früher als
bisher bekannt über die Verschleppung Terrorverdächtiger
durch die USA Bescheid gewusst.
"Im November 2001 gab es weder Guantanamo noch Informationen über
Entführungen, Kidnappings und so genannte Renditions durch die
US-Geheimdienste", betonte der damalige Kanzleramtschef bei seinem
inzwischen dritten Auftritt vor dem BND-Untersuchungsausschuss am
Donnerstag in Berlin.
Der "Stern" hatte dagegen berichtet, schon im Herbst 2001 sei das
Kanzleramt über die Entführungspraxis informiert gewesen.
Steinmeier widersprach auch neuen Anschuldigungen im Fall des deutschen
Islamisten Mohammed Haydar Zammar, der Ende 2001 in Marokko gekidnappt
wurde. "Alle Spekulationen über eine Beteiligung der deutschen
Behörden beim Verschwindenlassen von Herrn Zammar sind an den
Haaren herbeigezogen", betonte der SPD-Politiker. Damals habe das
Bundeskriminalamt zwar Reisedaten Zammars an die US-Bundespolizei FBI
weitergegeben. Der Vorwurf, man habe damit augenzwinkernd Zammars
Verschleppung durch die USA zugelassen, sei aber "völliger
Unsinn". Die deutschen Behörden hätten lediglich das
Versprechen eingelöst, das der damalige Bundeskanzler Gerhard
Schröder den USA nach den Anschlägen vom 11. September
gegeben hatte: Ihnen nämlich jede gewünschte Hilfe bei der
Verfolgung der Attentäter zu geben. Dies habe gerade bei Zammar
gelten müssen, der Kontakt zum Kreis der Hamburger Todespiloten
hatte und damals als eine der zentralen Figuren der deutschen
Islamistenszene betrachtet worden sei. Bis heute sei er bekennender
Dschihadist.
Steinmeier verteidigte auch die umstrittene Befragung Zammars Ende 2002
durch deutsche Geheimdienstler in syrischer Haft. In den Monaten davor
seien bei den Attentaten in Djerba und auf Bali zahlreiche Deutsche
umgekommen, sagte er. In dieser Situation wäre es völlig
unverantwortlich gewesen, eine Erkenntnisquelle wie Zammar mit seiner
breiten Vernetzung in der Islamistenszene links liegen zu lassen. Die
Befragung wäre jedoch sofort abgebrochen worden, wenn die Beamten
Hinweise auf Folter bekommen hätten. Außerdem habe sich die
Bundesregierung immer wieder um eine bessere Behandlung Zammars
bemüht, betonte Steinmeier.
Menschenrechtler bezichtigen Syrien, wohin Zammar nach der Festnahme in
Marokko verschlepppt wurde, der Folter. Im November 2002 wurde er dort
auch von deutschen Geheimdienstlern befragt. Der Untersuchungsausschuss
will klären, ob deutsche Behörden durch ihre Kooperation mit
den USA zu Zammars Entführung beitrugen und ob sich die
Bundesregierung später ausreichend für ihn einsetzte. 2007
wurde Zammar in Syrien zu zwölf Jahren Haft verurteilt.
Steinmeier war unter der rot-grünen Regierung Chef des Kanzleramts
und damit für die Geheimdienste zuständig. In den vergangenen
Tagen wurden im Fall Zammar neue Vorwürfe gegen die alte
Bundesregierung laut. Der "Stern" berichtete, sie habe Zammars
Verschleppung durch die Weitergabe von Informationen an die USA
befördert. Nach Angaben des früheren CIA-Europachefs Taylor
Drumheller seien deutsche Behörden sowie das Kanzleramt bereits im
Herbst 2001 über die Entführungs-Praxis der USA informiert
worden.
(Quelle: rtr)
Computer & Cyberspace
Internet-Suche -- Text und Sprache sollen verschmelzen
Fr.14.03.08 - Immer wichtiger für die Suche im Internet werden
Spracherkennungssysteme. Das hat William S. Meisel, Herausgeber der
Speech Strategy News, jetzt auf der "Voice Search Conference"
erklärt. Gesuchte Informationen könnten durch die intuitive
Bedienung der Suchmaske per Stimme seiner Meinung nach schneller
gefunden werden.
Wie das Magazin "NeueNachrichten" jetzt berichtet, hat
SemanticEdge-Geschäftsführer Lupo Pape während der
Veranstaltung zudem auf die große Bedeutung der Sprachsteuerung
bei mobilen Anwendungen hingewiesen. Das von ihm genannte Beispiel,
einen Gesprächsteilnehmer während der Autofahrt aus der
Handy-Adressliste per Stimme auszuwählen, ist in modernen Systemen
wie "Blue&me" von Fiat oder "Sync" von Ford bereits umgesetzt.
Experten gehen davon aus, dass in Zukunft sogar Rechner für
Endverbraucher mit der Möglichkeit zur Sprachsteuerung ausgestattet
sein werden.
(Quelle: gp)
Wissenschaft
Evolution - Sprache entwickelte sich aus den Bewegungen der Gestik
und Mimik
Fr.14.03.08 - Gehen und Reden haben mehr gemeinsam, als bisher angenommen: Denn die
einst stummen Urmenschen haben für die Entwicklung der Sprache
vermutlich einen Teil ihres Gehirns weiterentwickelt, der die Bewegung
steuerte.
Die einst stummen Urmenschen haben für die Entwicklung der
Sprache vermutlich einen Teil ihres Gehirns weiterentwickelt, der die
Bewegung steuerte.Das hat eine internationale Forschergruppe um den
Oldenburger Wissenschaftler Henrik Mouritsen entdeckt, wie die
Universität Oldenburg am Mittwoch mitteilte.
Als die Oldenburger Wissenschaftler das Ergebnis an der heimischen
Vogelart Gartengrasmücke bestätigt sahen, baten sie Kollegen
in den USA um Hilfe. Die dortigen Forscher untersuchten die Gehirne
weiterer Singvögel, Papageien und Kolibris mit demselben
Ergebnis: Der Gehirnbereich für Gesang wirkt wie eine kopierte
Vorlage des Bereiches für Bewegung. Die Originalarbeit ist im
Fachjournal «One» (Bd. 3, e1768) der Public Library of
Science (PLoS) veröffentlicht.
Mouritsen vermutet, dass der evolutionär ältere
Motorik-Hirnteil den Vögeln wie eine Art Schablone geholfen habe,
sich auch in Sachen Gesang fortzuentwickeln. Er kommt zu dem Schluss,
dass sich das Forschungsergebnis auch auf den Menschen übertragen
lasse. «Gesprochene Sprache ist die hoch spezialisierte
Fähigkeit, die Bewegungen unseres Kehlkopfs zu kontrollieren. Wir
vermuten, dass sich die Sprachregionen im Gehirn auf eine den
Vögeln vergleichbare Weise entwickelt haben.»
Dafür seien die entsprechenden Hirnregionen während der
Evolution kopiert und für den neuen Zweck des Sprechens verwendet
worden. Die These werde auch von der gängigen Annahme
gestützt, dass sich die Sprache des Menschen aus den Bewegungen
seiner Gestik und Mimik entwickelt habe.
(Quelle: dpa)
Europäischer Wissenschaftspreis für Klimaforscher
Fr.14.03.08 - Ein Klimaforschungsprojekt in der Antarktis unter deutscher Leitung hat
am Mittwoch den Descartes-Preis der Europäischen Kommission
erhalten.
Bei dem vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) in Bremerhaven geführten
europäischen Epica-Projekt hatten Wissenschaftler aus zwölf
Nationen in der Antarktis zwei jeweils rund 3000 Meter lange Eiskerne
erbohrt. Sie konnten daraus Aufschluss über mehrere 100 000 Jahre
Klimageschichte der Erde gewinnen.
Der mit insgesamt 1,36 Millionen Euro dotierte Descartes-Preis wird
jährlich an bis zu vier europäische Forschergruppen für
hervorragende grenzüberschreitende Projekte vergeben. In diesem
Jahr gab es neben dem von deutschen Forschern geführten Projekt
noch ein medizinisches unter französischer und ein technisches
unter britischer Leitung.
An dem Projekt «European Program for Ice Coring in
Antarctica» (Epica) wurden zwischen 2001 und 2006 fernab der
ständig besetzten Forschungsstationen zwei Tiefenbohrungen in das
Festlandeis der Antarktis vorgenommen. Bei anschließenden Analysen
der Eiskerne stellten die Wissenschaftler unter anderem fest, dass die
Konzentration von Treibhausgasen auf der Erde in den vergangenen 650
000 Jahren nicht so hoch war wie derzeit.
Das Epica-Projekt sei eine Gelegenheit für junge Wissenschaftler
aus ganz Europa, gemeinsam Spitzenforschung vorzunehmen und so eine
wissenschaftliche Karriere aufzubauen, sagte ein AWI-Sprecher. Mit Hilfe
des Descartes-Preises sei es nun möglich, die Vernetzung und
europäische Zusammenarbeit zu intensivieren.
An Epica waren Wissenschaftler aus Belgien, Dänemark,
Großbritannien, Frankreich, Italien, Norwegen, Schweden, der
Schweiz und den Niederlanden sowie Deutschland beteiligt. Geleitet wurde
das Epica-Projekt von dem stellvertretenden Direktor des
Alfred-Wegener- Institutes, Prof. Heinz Miller. Am AWI wurde
außerdem ein Großteil der Eiskern-Analysen vorgenommen.
Weiterer Preisträger war das Virlis-Projekt, bei dem unter Leitung
des Institut Pasteur in Paris Listeria-Bakterien erforscht wurden, die
zunehmend resistent gegen Antibiotika werden. Das ebenfalls
ausgezeichnete Projekt SYnNanoMotors aus Edinburgh entwickelte winzigste
Motoren.
(Quelle: dpa)