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Irak am 1452sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Aktion Winter Soldier 2008`' - US-Soldaten wollen ihre Version vom
Irak-Krieg unzensiert erzählen. Deutschland: ARD-Fernsehen widmet
sich in Beiträgen dem Irak-Krieg
Sa.15.03.08 - 1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion wollen Soldaten nun
über den Irak-Krieg berichten.
Im Krieg stirbt die Wahrheit zuerst. Das wissen auch US-Soldaten, die
im Irak-Krieg gekämpft haben. Gegen die Zerrbilder von diesem
Krieg laut aufzubegehren und der Öffentlichkeit endlich die
Wahrheit zu berichten, ist deshalb das Ziel der Veranstaltung "Winter
Soldier 2008" vom 13. bis zum 16. März in der US-Hauptstadt
Washington. Mehrere Hundert aktive und ehemalige US-Soldaten, die an
der Front im Irak und in Afghanistan gekämpft haben, wollen
während dieser Veranstaltung erzählen, was sie im Krieg
erlebt, erlitten und getan haben.
"Es wird schmutzig werden", kündigt John Kriegsmann an. Der
30-Jährige war selbst mehrere Monate im Irak-Einsatz. Heute
gehört er zu den "Iraq Veterans against War" (IVAW [http://www.ivaw.org]), die die
Aktion "Winter Soldier" unterstützen. Kriegsmann sagt, die
Geschichten, die er und seine Kameraden in Washington erzählen
wollen, würden ungefiltert und ohne Militär-Zensur in die
Öffentlichkeit gelangen. Das hat es bisher in diesem Umfang nicht
gegeben.
Wie erschütternd Geschichten vom Krieg sind, wenn sie von Soldaten
erzählt werden, denen kein Vorgesetzter den Mund verbietet, hat
"Winter Soldier 1971" am Ende des Vietnamkriegs gezeigt. Diese Aktion
ist Vorbild für die Veranstaltung gegen den Irak-Krieg. 1971 kamen
109 Ex-Soldaten zusammen, die in Vietnam gekämpft hatten. Sie
erzählten Horror-Geschichten vom Krieg. Einer berichtet, wie seine
Truppe auf einer Straße unterwegs war und mehrere Kinder ihnen
den so genannten Stinkefinger entgegenhielten. Für seine Truppe
und seinen Kommandeur sei diese Geste Grund genug gewesen, die Kinder
"wegzublasen".
"Eines Tages verließen wir das Lager und fanden ein totes Kind in
den Armen seiner Mutter", berichtete damals ein anderer
Vietnam-Veteran. "Das Kind war vielleicht drei Jahre alt. Und es war
tot. Einfach nur, weil diesen Leuten (den US-Soldaten) langweilig war."
Einen Ausblick auf die "Zeugen-Aussagen", die nun gegen den Irak-Krieg
zu erwarten sind, geben einige kurze IVAW-Filme, die im Internet (http://www.ivaw.org)zu
sehen sind. Dort berichten die drei ehemaligen Soldaten Jason Washburn,
Steve Mortillo und Logan Laituri, was sie erlebt haben und was sie
heute vom Krieg im Irak denken. "Die Vorstellung (ist falsch), wir
könnten dort Familien zusammenfügen, die wir vorher
zerstört haben", erzählt Mortillo in einem der Filme, "die
Vorstellung, wir könnten dort hingehen, so viel Zerstörung
anrichten und das alles wieder in Ordnung bringen. Ich meine, wie kann
man es wieder gut machen, wenn dein Bruder gerade gestorben ist, wie
kann man den Verlust eines Kindes wieder gut machen, wie kann man einem
Kind seine Mutter zurückgeben?"
Washburn erzählt von der langsamen Entfremdung des eigenen Ichs,
der die Soldaten ausgesetzt seien. Oft beginne diese erst, wenn man aus
dem Einsatz heimkehrt. "Du denkst darüber nach, was du dort getan
hast. Dann stellst du fest: Das bist nicht du. Das ist nicht, wie du
bist. Und du fragst dich, wer du geworden bist."
Mortillo und Washburn erzählen ihre Geschichten in einer Mischung
aus soldatischer Disziplin, Bitterkeit und Unverständnis
darüber, wie es so weit kommen konnte, dass ihr Land und ihre
Mitbürger in diesen Krieg in den Irak gezogen sind.
Diese Soldaten gehören nach Auffassung von Friedensaktivisten zu
den so genannten "Winter Soldaten", von denen Thomas Paine 1776
während des Unabhängigkeitskriegs der US-Kolonien gegen
Großbritannien sprach. Mit Winter Soldaten meinte der
US-Gründervater Männer, die auch in schwierigen Zeiten
für ihr Land einstehen - anders als Sommer Soldaten, die nur an
schönen Tagen kämpfen.
Nach Einschätzung der Friedensaktivistin Elsa Rassbach, die auch
zu den Organisatoren von "Winter Soldier 2008" gehört, brauchen
Soldaten enorm viel Mut und persönliche Überwindung, um sich
um 180 Grad zu drehen und gegen das auszusprechen, was sie vorher
taten. Gerade für die jungen Menschen sei es schwierig. Viele
US-Soldaten sind kaum älter als 18 oder 19 Jahre, wenn sie in den
Irak ziehen. Viele haben eine schlechte Schulbildung. Sie kommen oft
aus Familien, in denen sie schon als Kind Patriotismus gelernt haben.
Und sie glaubten lange an das, was ihnen ihre Regierung über die
Gründe des Krieges erzählte, meint Rassbach. Selbst wenn
diese jungen Soldaten im Irak mit eigenen Augen sehen, wie unmenschlich
und sinnlos dieser Krieg sei, so sei es immer noch ein schwieriger
Schritt, auf einer Veranstaltung wie "Winter Soldier" von eigenen
Untaten und von denen der Kameraden zu berichten. Vor allem für
diejenigen gehöre dazu viel Mut, die noch im Dienst der Armee
stehen. Denn sie müssten fürchten, danach unter Druck ihrer
Dienststellen zu geraten oder gar verhaftet zu werden.
Ihr Zeugnis wollen diese "Winter Soldaten" auch im Internet ablegen.
Die Veranstaltung wird komplett übertragen auf der Internetseite http://www.ivaw.org.
Fünf Jahre nach dem Beginn des Irak-Krieges widmet sich das
deutsche ARD-Frensehen am Sonntag in mehreren Beiträgen der
Krisenregion. Zunächst beschäftigt sich der
«Weltspiegel» vom SWR um 19.20 Uhr mit den Auswirkungen des
Krieges auf die Region und auf die USA. Dabei stellt er
Veteranenschicksale in Amerika vor, zeigt das Leben irakischer
Flüchtlinge im Nachbarland Syrien und schildert die Situation in
der Stadt Basra nach dem Rückzug der Briten.
Um 23.30 Uhr berichtet SWR-Korrespondent Patrick Leclercq in der
45-minütigen Reportage «Die gescheiterte Mission» vom
Leben der US-Soldaten in Bagdad, begleitete sie auf Einsätzen in
der Hauptstadt und teilte mit ihnen einige Tage das Quartier.
boa (Quellen: dw, ddp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 15.03.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am neunhundertneunundachtzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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US-Papier fordert Fünf-Jahres-Sicherheitsplan für Afghanistan
Sa.15.03.08 - Die USA wollen ihre Nato-Verbündeten für mehrere Jahre auf
ein militärisches Engagement gegen Aufständische in
Afghanistan festlegen.
Im Entwurf eines Arbeitspapiers für den Gipfel der Allianz Anfang
April in Bukarest, der Reuters vorliegt, fordern die Vereinigten Staaten
die Entwicklung eines auf fünf Jahre angelegten Sicherheitsplans
für das asiatische Land. Darin sollten sich die
Mitgliedsländer verpflichten, Truppenengpässe auszugleichen
und genug gut ausgebildete und flexible Soldaten für den Kampf
gegen Rebellen zur Verfügung zu stellen. Zugleich sollen sie die
Unterstützung, Ausbildung und Ausrüstung für die
afghanischen Sicherheitskräfte sicherstellen.
Als Erfolgsmaßstab sehen die US-Vorschläge mehrere
Indikatoren vor, darunter die Fähigkeit Afghanistans, Wahlen ohne
gewaltsame Zwischenfälle abzuhalten. Außerdem müsse das
Land über eine Armee aus 70.000 ausgebildeten Soldaten sowie
über 82.000 professionelle Polizisten verfügen. Einen
Abzugstermin für die Nato-Truppen nennen die USA nicht. Ohne
Deutschland explizit anzusprechen, fordern sie in dem Papier zudem alle
Verbündeten auf, die Notwendigkeit zur Lastenteilung anzuerkennen.
Die Afghanistan-Truppe Isaf und die internationale Gemeinschaft
müssten ein langfristiges Engagement am Hindukusch zusagen.
Nato-Diplomaten in Brüssel betonten, das Papier sei noch lange
nicht fertig.
Die kanadische Regierung hatte am Donnerstag mit Unterstützung der
oppositionellen Liberalen im Parlament eine Verlängerung ihres
Militäreinsatzes in Afghanistan bis 2011 beschlossen.
(Quelle: rtr)
Islamische Staaten fühlen sich weltweit angefeindet -
Gipfeltreffen der Islamischen Konferenz beendet
Sa.15.03.08 - Die 40 Staats- und Regierungschefs der Islamischen Konferenz (OIC)
haben sich zum Abschluss ihres Gipfeltreffens im Senegal über eine
Welle von Beleidigungen gegen ihre Religion und zunehmende
Islamfeindlichkeit in der nichtmuslimischen Welt beklagt. Zum Schutz
des Glaubens werde sich ein Beobachtungsgremium regelmäßig
treffen, um islamfeindliche Vorgänge auf der ganzen Welt zu
sammeln und in einem monatlichen Bericht zu veröffentlichen,
hieß es.
In einem am Freitag der Konferenz in Dakar vorgelegten umfangreichen
Bericht wird die Schaffung eines «legalen Instruments»
gefordert, um gegen Beleidigungen des Islams vorzugehen.
OIC-Generalsekretär Ekmeleddin Ihsanoglu erklärte, die
Beziehung muslimischer Staaten zum Westen seien derzeit schwierig.
«Islamfeindlichkeit kann nicht nur durch kulturelle
Aktivitäten bekämpft werden, sondern durch robusten
politischen Einsatz», sagte er.
(Quelle: ap)
Hardliner bei iranischer Parlamentswahl in Führung
Sa.15.03.08 - Bei der Parlamentswahl im Iran sind die Hardliner um Präsident
Mahmud Ahmadinedschad in Führung gegangen. Das Lager der Reformer,
deren Kandidatur von den Behörden erschwert worden war, schnitt in
den größeren Städten gut ab, wie aus den ersten
Teilergebnissen hervorgeht, die in der Nacht zum Samstag
veröffentlicht wurden.
Die Wahlbeteiligung lag zwischen 55 und 65 Prozent und damit etwas
über den 51 Prozent von 2004, wie die amtliche Nachrichtenagentur
IRNA unter Berufung auf das Innenministerium meldete.
Den bislang vorliegenden Ergebnissen aus mehren Provinzstädten
zufolge gewannen die Hardliner 11 von 18 ausgezählten Sitzen. Die
Reformer kamen auf sechs und die gemäßigt Konservativen auf
einen Sitz.
Mehr als 1.700 Bewerber aus dem Lager der Reformer waren vor der Wahl
bei der Prüfung durch den Wächterrat von der Kandidatur
ausgeschlossen worden. Wahlberechtigt waren rund 44 Millionen Iraner.
Um die 290 Sitze bewarben sich etwa 4.500 Kandidaten.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
UN-Chef fordert von Israel Ende 'exzessiver Gewalt' -- Deutsche
Regierung plant Nahost-Konferenz Anfang Juni in Berlin
Sa.15.03.08 - UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat von Israel ein Ende der
"exzessiven Gewalt" gegen die Palästinenser gefordert.
Der unverhältnismäßige Einsatz habe zahlreiche
Zivilisten getötet und verletzt, darunter auch Kinder,
erklärte Ban auf einem Islam-Gipfel in der senegalesischen
Hauptstadt Dakar. Er verurteile dieses Vorgehen.
Am Donnerstag feuerte der Islamische Dschihad aus dem Gazastreifen
Raketen auf die israelische Grenzstadt Sderot ab. Verletzt wurde dabei
niemand. Der Angriff galt als Rache für einen Angriff Israels, bei
dem am Vortag im besetzten Westjordanland fünf Extremisten
getötet worden waren. Die jüngste Gewalt im Nahen Osten hat
eine von Ägypten vermittelte Waffenruhe ins Wanken gebracht.
Die deutsche Regierung plant für Anfang Juni eine Nahost-Konferenz
in Berlin: Ziel sei es, die palästinensische Polizei und den
Justizsektor zu stärken, sagte eine Sprecherin des
Auswärtigen Amtes am Freitagabend in Berlin. Sie bestätigte
damit einen Vorabbericht der "Süddeutschen Zeitung".
Die Zeitung berichtete aus ihrer Samstagausgabe, an dem Treffen
würden alle EU-Mitglieder, zahlreiche arabische Staaten, Israelis
und Palästinenser sowie das Nahost-Quartett aus EU, Russland, USA
und den UN teilnehmen. Ziel sei, die Palästinenser auf die
Übernahme der Verantwortung in einem eigenen Staat vorzubereiten.
Das Treffen solle den Friedensprozess begleiten und das Bemühen
der Bundesregierung unterstreichen, sich für einen Frieden
zwischen Israelis und Palästinensern einzusetzen. Diese
hätten bereits ihre Teilnahme zugesagt, berichtete das Blatt unter
Berufung auf Regierungskreise.
Ein US-Regierungsvertreter in Washington sagte, bei der geplanten
Konferenz in Berlin handele es sich nicht um eine Friedenskonferenz als
solche. Es gehe vielmehr um Polizei und Justiz.
Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte bereits beim Besuch
des israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert Mitte Februar in
Berlin gesagt, der internationale Nahost-Gesandte Tony Blair habe darum
gebeten, dass Deutschland eine Konferenz abhalte. Einen Termin hatte
die Kanzlerin damals nicht genannt.
Blair soll dem Zeitungsbericht zufolge Mitinitiator der Konferenz sein.
Das Treffen sei nicht als Konkurrenz zu den Bemühungen des
Nahost-Quartetts angelegt. Die Konferenz solle von Merkel eröffnet
und auf Außenminister-Ebene geführt werden.
Merkel reist an diesem Wochenende nach Israel, plant aber keine
Gespräche mit Palästinenser-Vertretern.
boa (Quelle: rtr)
Antisemitismus weltweit auf dem Vormarsch
Sa.15.03.08 - Der Antisemitismus ist einem Bericht der US-Regierung zufolge weltweit
auf dem Vormarsch: Immer mehr Regierungen unterstützten Vorurteile
gegen Juden und verkleideten ihren Hass auf sie als Kritik in Israel,
hieß es in dem Papier an den US-Kongress. "Mehr als 60 Jahre nach
dem Holocaust ist Antisemitismus nicht nur eine historische Tatsache,
sondern ein aktuelles Problem."
Der am Donnerstag vorgelegte Bericht stützt sich auf Beobachtungen
der US-Botschaften, die eine Zunahme bei Angriffen auf Juden,
jüdischen Besitz sowie Einrichtungen gemeldet hätten. Andere
Regierungen und Institutionen hätten die Entwicklung gleichfalls
festgestellt, hieß es.
Das Papier zitiert unter anderem eine Studie der Universität von
Tel Aviv. Danach wurden 593 antisemitische Vorfälle im Jahr 2006
registriert. Dies war die höchste Zahl seit sechs Jahren. In 277
Fällen habe es sich um körperliche Angriffe auf Juden
gehandelt, 105 Synagogen seien beschädigt worden. Mehr als die
Hälfte der Vorfälle ereignete sich demnach in Westeuropa. In
einem Pariser Vorort wurde unter anderem ein 23-jähriger Jude so
schwer misshandelt, dass er seinen Verletzungen erlag.
Im Nahen Osten und in muslimischen Ländern Europas sei der
Antisemitismus unter dem Deckmantel der Israel-Kritik weit verbreitet,
hieß es in dem Papier weiter. Angebliche Gräueltaten oder
Menschenrechtsverletzungen würden systematisch übertrieben und
der jüdische Staat damit dämonisiert. Diese Entwicklung werde
zudem immer wieder durch bestimmte Aktionen im Rahmen der Vereinten
Nationen unterstützt.
(Quelle: rtr)
Proteste in Tibet schlagen in offenen Aufruhr um
Sa.15.03.08 - Die seit Tagen andauernden Proteste gegen die chinesische Herrschaft
in Tibet sind in offenen Aufruhr und Gewalt umgeschlagen, bei denen es
Rundfunkmeldungen zufolge auch Tote gegeben hat.
Einwohner der Hauptstadt Lhasa und offizielle chinesische Quellen
berichteten am Freitag von Straßenschlachten und Brandstiftungen.
Die Gewalt richte sich auch gegen die chinesische Bevölkerung in
der entlegenen Himalaya-Region. Der Dalai Lama, die USA und die EU
appellierten an den diesjährigen Olympia-Gastgeber China, auf
Gewaltanwendung zu verzichten. Die Proteste seien Ausdruck des
Freiheitswillens der Tibeter, erklärte der Dalai Lama in Neu-Delhi.
Der von den USA finanzierte Sender Radio Freies Asien meldete den Tod
von mindestens zwei Menschen. Eine Bestätigung der Angaben aus
anderen Quellen gab es zunächst nicht.
"Draußen herrscht Chaos", berichtete ein Tibeter am Telefon. "Die
Menschen zünden Autos, Motorräder und Busse an. Überall
ist Rauch, sie werfen mit Steinen und schlagen Schaufenster ein. Wir
haben Angst." In der ganzen Stadt werde demonstriert und nach Freiheit
gerufen, berichtete ein anderer Mann. Viele Bewohner Lhasas hätten
sich den demonstrierenden Mönchen angeschlossen. Auch die amtliche
Nachrichtenagentur Xinhua meldete Brandstiftungen.
Die US-Botschaft in Peking erklärte, ihr lägen Berichte
über Schießereien vor. Die Vertretung wies amerikanische
Bürger in Tibet an, in den Häusern zu bleiben. Botschafter
Clark Randt brachte nach Angaben des US-Außenministeriums bei
einem Treffen mit chinesischen Vertretern die Besorgnisse der
Vereinigten Staaten vor. Randt habe zu Dialog und Gewaltverzicht
aufgerufen.
Ein weiterer Informant berichtete, es seien mehr als zehn Mönche
festgenommen worden. Auf der Suche nach geflüchteten Mönchen
durchkämme die Polizei Wohnhäuser. Am Potala-Palast, der
einstigen Winterresidenz des Dalai Lama, seien Panzer aufgefahren.
Chinesische Einwohner berichteten, die Proteste richteten sich gegen
sie. Sie seien aufgefordert worden, ihre Häuser nicht zu
verlassen. "Es ist sehr chaotisch, überall Rauch und Polizei",
hieß es bei Chinesen in Lhasa. In anderen Berichten war davon die
Rede, dass Tibeter und muslimische Händler mit Steinen und Messern
aufeinander losgegangen seien.
Zwei angerufene Einwohner berichteten, es herrsche Kriegsrecht. Die
Angaben wurden von offizieller Seite in Peking nicht bestätigt.
Das staatliche Presseamt verwies auf eine Erklärung vom Vortag,
der zufolge die Demonstranten Unruhestifter sind. Der Dalai Lama rief
die Führung in Peking auf, den Tibet-Konflikt auf dem Weg des
Dialogs beizulegen. Neben dem Dalai Lama ermahnte auch der
Brüsseler EU-Gipfel China zur Zurückhaltung. Zugleich
forderten die Staats- und Regierungschefs die Freilassung
festgenommener Demonstranten. Auch Außenminister Frank-Walter
Steinmeier rief die Führung in Peking zum Gespräch mit den
Tibetern auf, um den Konflikt friedlich beizulegen.
Anlass der Proteste war der 49. Jahrestag des fehlgeschlagenen
Aufstandes gegen die chinesische Herrschaft in Tibet. Die
Demonstrationen dürften die Vorbereitung der Olympischen
Sommerspiele im August in Peking überschatten.
(Quelle: rtr)
Geldprobleme bei Bear Stearns drastisch verschärft--
US-Notenbank Fed leistet der fünftgrößten
US-Investmentbank Nothilfe
Sa.15.03.08 - Die US-Notenbank Fed und JPMorgan greifen Bear Stearns mit einer
dramatischen Nothilfe unter die Arme, weil sich die Geldprobleme der
fünftgrößten US-Investmentbank drastisch verschärft
haben.
JPMorgan teilte am Freitag mit, sie stelle zusammen mit der Fed New
York kurzfristig Gelder zur Verfügung, um einen Engpass bei Bear
Stearns zu verhindern. Dort hieß es, in den vergangenen 24 Stunden
hätten sich die Liquiditätspositionen "signifikant"
verschlechtert. Die Aktien der Bank verloren nach der Mitteilung binnen
Minuten die Hälfte an Wert und auch die Börsen in den USA und
Europa gaben nach. Gerüchte über Probleme bei Bear Stearns
gab es seit Tagen, die Bank hatte aber stets dementiert. Einige
Analysten sehen Bear Stearns nun als baldiges Übernahmeziel.
"Bear Stearns stand unmittelbar vor dem Abgrund und die Lage war
weitaus schlimmer, als wir alle gedacht haben", sagte der Experte
Michael Klawitter von Dresdner Kleinwort in Frankfurt. "Man muss sich
nun ernsthaft fragen, wie es bei anderen Banken aussieht. Denn Bear
Stearns ist ja kein kleines Institut."
JPMorgan erklärte, die Fed biete JPMorgan finanzielle
Unterstützung, die an Bear Stearns weitergegeben werden
könne. Für die Aktionäre von JPMorgan gebe es deshalb
wohl kein Risiko.
Bear Stearns teilte mit, nach den jüngsten Gerüchten habe man
Dichtung und Wahrheit trennen wollen. Mit dem Schritt solle das
Vertrauen in die Bank wiederhergestellt und die Liquidität
gestärkt werden. Firmenchef Alan Schwartz sagte auf einer
kurzfristig angesetzten Pressekonferenz, die Gerüchte hätten
dazu geführt, dass zuletzt viele Kunden Geld abgezogen
hätten. Die Situation habe sich daher verschärft. Die Bank
kündigte an, die Vorlage ihrer Quartalszahlen auf Montag
vorzuziehen. Dabei könne der Markt davon ausgehen, dass die Zahlen
innerhalb der Analysten-Erwartungen lägen. Die Ratingagentur
S&P stufte die Bank dennoch von der bisher guten Bewertung "A" auf
"BBB" ab.
Die Fed erklärte, sie werde weiter Geld bereitstellen, um ein
ordentliches Funktionieren des Finanzsystems zu garantieren. Die
Fed-Führung habe die Vereinbarung von JPMorgan mit Bear Stearns
einstimmig gebilligt. Wieviel Geld der Bank für den Notfall zur
Verfügung steht, blieb aber offen.
Bei den Gerüchten der vergangenen Tage waren als Grund für
die Probleme gestiegene Kosten zur Absicherung von Schulden genannt
worden. Bear Stearns hatte indes beschwichtigt, was nun zu Kritik
führt: "Der Finanzchef (von Bear Stearns) hat gestern noch
erklärt, die Furcht vor Liquiditätsproblemen sei
übertrieben", sagte Tom Sowanick, Investmentstratege bei Clearbook
Financial. "Aber was soll in 24 Stunden passiert sein, das er nicht
schon vor 24 Stunden gewusst hat?"
In Kreisen hieß es am Freitag, mehrere Großbanken
hätten ihre Händler in London angewiesen, keine
Geschäfte mehr mit Bear Stearns zu machen. Dazu hätten sich
die Commerzbank, Royal Bank of Scotland und JPMorgan sowie mindestens
drei andere große Häuser entschlossen, sagte ein
Kredithändler, der namentlich nicht genannt werden wollte. Seit
Donnerstag werde die US-Bank auf diese Weise gemieden.
Vereinzelt gab es Mitleid mit Bear Stearns. "Das ist die
häßlichste Geschichte, die ich in den letzten Jahrzehnten an
den Märkten gehen habe", sagte Brian Barish, Präsident von
Cambiar Investors LLC. "Es hat niemand mehr irgendeine Sicherheit von
Bear Stearns akzeptiert, egal was sie angeboten haben."
Die Bank hatte im vierten Quartal 2007 wegen hoher Abschreibungen den
ersten Verlust der Firmengeschichte hinnehmen müssen. Sie hatte
sich mit schlecht besicherten Hypotheken verspekuliert und schickte im
Sommer Schockwellen durch die Finanzmärkte, als zwei ihrer
Hedgefonds zusammenbrachen.
(Quelle: rtr)
Umweltschützer fordern mehr Geld für arme Länder -
Vor Klimakonferenz in Japan
Sa.15.03.08 - Die reichen Industrienationen müssen die armen Länder im
Kampf gegen die Klimaerwärmung mit mehr Geld und besserer
Kooperation unterstützen: Das forderten Forscher- und
Umweltschutzgruppen am Freitag vor einer Klimakonferenz von 20 Staaten,
die am Wochenende im japanischen Chiba stattfindet. Benötigt
würden jährlich 200 Milliarden Dollar, sagte Alden Meyer von
der Union Besorgter Wissenschaftler. Zugesagt sei davon bisher nur ein
Bruchteil.
Japan hat für die nächsten fünf Jahre bisher einen Fonds
über 10 Milliarden Dollar (6,4 Milliarden Euro) zugesagt, die USA
wollen die Entwicklung sauberer Technologien mit zwei Milliarden Dollar
fördern, und auch Großbritannien hat einen eigenen Fonds
angekündigt. Diese Fonds seien unterfinanziert, nicht in enger
Konsultation mit den Empfängerländern gebildet und nicht in
der Lage, weitere Einnahmen zu generieren, kritisierte Jennifer Morgan
von der Umweltgruppe E3G.
Meyer sagte, der Kampf gegen den Klimawandel erfordere
zusätzliches staatliches Geld, private Investitionen und Einnahmen
wie etwa durch den Emissionshandel.
Die Konferenz in Chiba ist eine Folge des G-8-Gipfels der reichsten
Industrieländer vor drei Jahren in Gleneagles. Delegationen aus 20
Staaten - darunter die USA, europäische Länder, Japan und
China - werden daran teilnehmen. Sie wird am Samstag vom früheren
britischen Premierminister Tony Blair eröffnet.
(Quelle: ap)
EU-Länder wollen Klimastreit bis Anfang 2009 lösen
Sa.15.03.08 - Die EU will so bald wie möglich Ausnahmen für die Industrie
von den ehrgeizigen europäischen Klimaschutzvorschriften festlegen.
Doch sollen diese nur greifen, wenn ein internationales
Klimaschutzabkommen 2009 scheitern sollte, wie
EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso am Freitag nach dem
EU-Gipfel in Brüssel erklärte. Die deutsche Bundeskanzlerin
Angela Merkel sagte, damit habe sie erreicht, was sie wolle.
Deutschland forderte, schon 2009 festzulegen, ob Branchen wie die
Stahl- oder die Aluminiumindustrie für ihre
Kohlendioxyd-Emissionen ab 2012 zur Kasse gebeten werden. Barroso
ließ sich nicht auf einen Zeitpunkt festlegen, wann Klarheit
über die Pflichten der Branchen herrschen wird.
Oberstes Ziel der EU ist der Abschluss eines Kyoto-Folgeabkommens, das
2012 ausläuft. Rechtzeitig vor den Verhandlungen darüber
wollen sich die 27 EU-Länder bis Ende dieses Jahres über die
strittigen Umweltgesetze einigen. Dazu gehört auch die Reform des
Handels mit CO2-Emissionen, um Firmen Unternehmen zum Abbau der
Umweltbelastung zu bewegen. "Wir sind uns der Differenzen unter den
Mitgliedsstaaten bewusst, aber das ist nichts, was nicht
überwunden werden kann", sagte der slowenische
EU-Ratspräsident Janez Jansa.
Viele EU-Länder treibt die Sorge um, dass die europäische
Industrie in Länder ohne strenge Klimapolitik flüchten
könnte. Arbeitsplatzverluste in Europa und höhere
CO2-Emissionen weltweit wären die Folge. "Das könnte zu
ernsten sozialen Problemen zu Hause führen", sagte Jansa. Bei
einem internationalen Abkommen wäre das Risiko von
Produktionsverlagerungen geringer, weil dann die Firmen weltweit
für ihre Emissionen bezahlen müssten.
In der Erklärung der EU-Länder heißt es nun,
"angemessene Maßnahmen" würden festgelegt für den Fall
eines Scheiterns der globalen Verhandlungen. Merkel sagte, die EU
müsse Vorkehrungen treffen und nicht erst dann überlegen, wie
sie mit der Industrie umgehe. Ursprünglich wollte die Kommission
erst 2011 festlegen, wie stark die Industrie belastet werden soll.
Barroso zufolge kann die Industrie davon ausgehen, dass nach 2009
Klarheit herrschen wird. Ab 2012 sollen alle Branchen ein begrenzte
Menge an Verschmutzungsrechten erhalten und dafür zum Teil
bezahlen. Die Bundesregierung ist dafür, den energieintensiven
Branchen die CO2-Zertifikate gratis zu geben.
Deutschland, Österreich und andere Länder argumentierten, die
Unternehmen müssten so bald wie möglich wissen, was auf sie
zukommt. "Es ist ein Prinzip der Vernunft, den Investoren Sicherheit zu
geben", sagte Merkel. Die Klimaschutzziele würden deshalb nicht
infrage gestellt. Unter ihrer Führung hatte die EU vor einem Jahr
beschlossen, den Kohlendioxyd-Ausstoß bis 2020 im Vergleich zu
1990 um 20 Prozent reduzieren. Falls ein internationales Abkommen
zustande kommt, sollen es 30 Prozent sein.
Die EU-Kommission und Mitgliedsländer wie Großbritannien
oder die Niederlande sind der Ansicht, eine zu frühe Festlegung
auf Ausnahmen für die Industrie würde die Chancen auf den
Abschluss des Kyoto-Nachfolgeabkommens 2009 gefährden. "Neunzig
Prozent der Emissionen sind im Rest der Welt, deshalb brauchen wir eine
internationale Vereinbarung", sagte der schwedische Regierungschef
Fredrik Reinfeldt.
Unter Frankreichs Regie muss die EU in der zweiten Hälfte dieses
Jahres einen Kompromiss über die Klimaregeln finden.
Präsident Nicolas Sarkozy sprach sich für einen Mechanismus
aus, Importe von Ländern ohne Klimaschutzauflagen zu verteuern.
Gemeinsam mit dem britischen Premierminister Gordon Brown schlug
Sarkozy als neuen Beitrag zum Klimaschutz vor, die Mehrwertsteuer auf
umweltfreundliche Produkte zu ermäßigen. Die EU-Länder
erklärten sich bereit, die Rolle der Mehrwertsteuer beim
Klimaschutz zu untersuchen. Doch einige Länder waren gegen eine
Steuerregelung, die in der EU einstimmig beschlossen werden müsste.
(Quelle: rtr)
EU-Gipfel einigt sich über Gründung von Mittelmeerunion
Sa.15.03.08 - Die EU-Staats- und Regierungschefs sind mit dem
deutsch-französischen Vorschlag zur Gründung einer
Mittelmeerunion einverstanden. Das Projekt habe "breite
Unterstützung" erfahren, teilte die slowenische
EU-Präsidentschaft am Donnerstagabend in Brüssel mit. An der
Union sollen nach den Worten von Kommissionspräsident José
Manuel Barroso alle EU-Mitgliedstaaten teilnehmen. Damit setzte sich
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) durch, die den ursprünglich von
Frankreich Präsident Nicolas Sarkozy geplanten Zusammenschluss von
Mittelmeerstaaten unter Leitung Frankreichs ablehnte.
Die EU hatte bereits vor mehr als zehn Jahren den so genannten
Barcelona-Prozess begonnen, der engere Beziehungen zu den
Mittelmeeranrainern wie Algerien und Marokko zum Ziel hat. Der Prozess
kam aber vor allem wegen Problemen zwischen den arabischen Anrainern und
Israel nicht wirklich voran.
Der slowenische Ministerpräsident Janez Jansa wehrte sich jedoch
gegen den Eindruck, der Barcelona-Prozess habe keine Ergebnisse
gebracht. "Es geht nicht darum, ihn zu beerdigen und bei Null
anzufangen. Es geht darum, ihn auf den neuesten Stand zu bringen."
Für die Lösung des israelisch-arabischen Konflikts gebe es
"andere Instrumente".
Sarkozy hatte den Plan zur Gründung einer Mittelmeerunion im
vergangenen Jahr vorgestellt. Auf Druck der Bundesregierung musste er
sein ursprüngliches Projekt jedoch auf eine
deutsch-französische Kompromissformel abspecken, die die
Beteiligung aller EU-Staaten vorsieht.
Aus der Taufe gehoben werden soll die Mittelmeerunion am 13. Juli auf
einem Sondergipfel in Paris. Die Leitung der Union soll nach den
deutsch-französischen Plänen eine Doppelspitze
übernehmen. Den Vorsitz sollen jeweils für zwei Jahre ein
EU-Staat und ein Nicht-EU-Staat wahrnehmen. Dem Vorsitz steht ein
Sekretariat mit 20 Mitarbeitern und zwei Direktoren zur Seite.
(Quelle: afp)
Türkischer Generalstaatsanwalt will Regierungspartei verbieten
Sa.15.03.08 - Der türkische Generalstaatsanwalt hat am Freitag die
Auflösung der Regierungspartei AKP von Ministerpräsident
Recep Tayyip Erdogan beantragt. Wie die Nachrichtenagentur Anadolu
meldete, wirft Abdurrahman Yalcinkaya der Partei für Gerechtigkeit
und Entwicklung vor, «Kristallisationspunkt antisäkularer
Aktivitäten» zu sein. Abgeordnete der AKP reagierten
empört. Staatspräsident Abdullah Gül warnte laut einem
Bericht des Senders CNN-Turk, jeder müsse genau überlegen,
was durch einen solchen Schritt gegen die Regierungspartei gewonnen
werde.
Der private türkische Sender NTV meldete, Yalcinkaya fordere in
seiner Klage, dass die Führer der Partei und auch
Staatspräsident Gül auf Lebenszeit von politischen
Ämtern ausgeschlossen werden sollten. Gül war bis zu seiner
Wahl ein enger Vertrauter Erdogans und Außenminister in dessen
Kabinett. Erdogan und andere Parteiführer kamen nach Bekanntwerden
der Klage zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen. Die genauen
Beweggründe, warum Yalcinkaya die Klage gerade jetzt einreichte,
waren nicht bekannt. Er sammelte aber schon seit Monaten belastendes
Material.
Die Klage gegen die AKP beim Verfassungsgericht kam auch für viele
Abgeordnete überraschend. «Ich bin sehr
entrüstet», sagte Zafer Uskul. So etwas könne man der
Partei nicht vorwerfen. Wenn das Verfassungsgericht die Klage annimmt,
wird es die AKP zu einer Stellungnahme innerhalb eines Monats
auffordern. Auf Antrag der Partei kann dies noch verlängert
werden. Eine Anhörung wird voraussichtlich erst in einigen Monaten
stattfinden.
Die AKP hatte bei den letzten Wahlen mehr als 46 Prozent der Stimmen
gewonnen. Sie liegt aber schon lange mit dem säkularen
Establishment der Türkei im Streit, das vom Militär
gestützt wird. Dieses betrachtet sich als Wächter der
weltlichen Orientierung der türkischen Republik. Die
größte Oppositionspartei, die Republikanische Volkspartei,
hat der Regierung wiederholt vorgeworfen, die weltlichen Traditionen
der Türkei zu zerstören. Auch hinter der Abschaffung des
jahrzehntelangen Kopftuchverbots an den Universitäten, das
kürzlich beschlossen wurde, sah die Opposition islamistische
Motive. Sie hat Verfassungsbeschwerde eingelegt.
Auch Erdogan war wie viele in seiner Partei in der islamischen Bewegung
aktiv. Er war sogar im Gefängnis, weil er ein Gedicht rezitiert
hatte, das vom Gericht als Anstachelung zu religiösem Hass
gewertet wurde.
(Quelle: ap)
Deutschland schiebt europäischen Automarkt an
Sa.15.03.08 - Ein hohes Zulassungsplus in Deutschland hat die Autoverkäufe in
Europa im Februar steigen lassen.
Während in Italien und Großbritannien im vergangenen Monat
weniger Autos verkauft wurden und der spanische Markt stagnierte, zogen
die Pkw-Neuzulassungen auf dem größten europäischen
Automarkt um ein Viertel an. In den 27 EU-Ländern und den
Efta-Staaten Norwegen, Irland und Schweiz stiegen die Pkw-Neuzulassungen
um 8,7 Prozent auf fast 1,2 Millionen Einheiten, wie die
Europäische Vereinigung der Automobilhersteller (ACEA) am Freitag
in Brüssel mitteilte. Als Grund für den Anstieg nannte der
Verband einen zusätzlichen Werktag im Schaltjahr.
In Deutschland fällt das Zulassungsplus vor allem deshalb
besonders hoch aus, weil die höhere Mehrwertsteuer im vergangenen
Jahr viele Kunden vom Kauf eines neuen Autos abgeschreckt hatte.
Besonders hoch sind die Zuwächse in Osteuropa, wo steigende
Einkommen den Konsum seit Monaten ankurbeln. Während die
Neuzulassungen in Westeuropa um acht Prozent zulegten, fiel der Anstieg
in den neuen EU-Ländern mit 21 Prozent fast dreimal so hoch aus. Am
stärksten legten Polen (28 Prozent) und Rumänien (37 Prozent)
zu. In Tschechien kletterten die Neuzulassungen immerhin um 16 Prozent.
In Frankreich, dem drittgrößten europäischen Markt,
erhöhten sich die Verkäufe um elf Prozent. Von der dort seit
Jahresbeginn geltenden CO2-Strafsteuer hätten die einheimischen
Hersteller am stärksten profitiert, kritisierte deutsche Verband
der Automobilindustrie (VDA). Die französischen Autobauer
hätten ihre Verkäufe um 14 Prozent gesteigert, die deutschen
Marken dagegen nur um vier Prozent. In Frankreich werden nach einem
Bonus-Malus-System Fahrzeuge mit niedrigem Kohlendioxidausstoß
belohnt und solche mit hohem Ausstoß bestraft.
Unter den europäischen Herstellern konnte der Marktführer
Volkswagen seine Position weiter ausbauen. Der Marktanteil des
Wolfsburger Konzerns kletterte auf 19,3 (19,0) Prozent. Verfolger
Peugeot Citroen konnte seinen Anteil mit 14,6 (14,7) Prozent nicht ganz
halten. Unter den großen Herstellern büßten auch Ford,
GM und Fiat ein. Sogar der erfolgsverwöhnte japanische
Toyota-Konzern verlor an Boden. Dagegen konnten BMW und Daimler ihre
Marktanteile steigern.
(Quelle: rtr)
Bundesrat protestiert gegen EU-Klimaschutzpläne -- Deutsche
Autohersteller dürfen nicht benachteiligt werden - Zweifel an
EU-Kompetenz zur Steuererhebung
Sa.15.03.08 - Der Bundesrat hat sich direkt bei der EU-Kommission für die
Interessen der deutschen Autohersteller eingesetzt. In einer am Freitag
in Berlin verabschiedeten Stellungnahme werden zwar die Pläne der
Kommission begrüßt, für den Klimaschutz die
CO2-Emissionen von Neuwagen zu beschränken. Die Maßnahmen
dürften aber nicht einseitig zu Lasten der deutschen Autobauer
gehen.
Die Kommission will den Ausstoß des klimaschädlichen
Kohlendioxids bei Neuwagen ab 2012 auf durchschnittlich 120 Gramm pro
Kilometer begrenzen. Doch der Vorschlag muss nach Ansicht der
Länderkammer so nachgebessert werden, «dass die
CO2-Reduzierungsverpflichtungen wettbewerbsneutral, technisch machbar
und klima-effizient ausgestaltet werden». Dazu müssten alle
Fahrzeughersteller einen Beitrag leisten.
Das Regulierungsmodell der EU geht nach Ansicht des Bundesrats bisher
zu Lasten der deutschen Autobauer und ihrer Premiummarken: «Es
belastet einseitig die Hersteller größerer Automobile,
während die Einsparpotenziale kleinerer Fahrzeuge weitgehend
ungenutzt bleiben.» Auch müsse in die Berechnung der
CO2-Reduzierung intelligente Fahrzeugtechnik einfließen.
Die Bundesländer halten darüber hinaus jährliche
Strafzahlungen in Milliardenhöhe, wenn die Minderungsziele nicht
erreichbar werden, für inakzeptabel. Angesichts langer
Produktentwicklungszyklen von sieben Jahren sei es den meisten
Herstellern nicht möglich, die neuen Grenzwerte bereits 2012
einzuhalten. Auch äußerte der Bundesrat «erhebliche
Zweifel an einer EU-Kompetenz zur Einführung einer
umweltschutzbezogenen und steuerähnlichen Abgabe zugunsten des
Haushalts der EU».
Die Länderkammer beschloss, diese Stellungnahme direkt an die
EU-Kommission zu übermitteln.
(Quelle: ap)
Bundestag verabschiedet Reform der Pflegeversicherung
Sa.15.03.08 - Nach gut zwei Jahren Anlauf hat der Bundestag am Freitag mit den
Stimmen der Großen Koalition die lange umstrittene Pflegereform
verabschiedet. Erstmals seit Einführung der Pflegeversicherung 1995
werden damit die Leistungen verbessert, aber ab 1. Juli auch der
Beitrag erhöht. Die ursprünglich angestrebte große
Finanzreform kam allerdings wegen der Differenzen zwischen Union und SPD
nicht zu Stande.
Die Opposition lehnte den Kompromiss als unzureichend ab und
kritisierte, dass sich die Koalition nicht auf ein langfristiges
Finanzierungssystem zur Absicherung der jüngeren Generation
verständigen konnte. Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD)
nannte es unbefriedigend, dass die Privatversicherungen keinen Beitrag
zu einer Finanzreform leisteten. Dennoch äußerte sie sich
zufrieden, dass spürbare Erleichterungen für
Pflegebedürftige, Angehörige und Pflegepersonal gelungen
seien. «Es ist eine gute Reform», sagte Schmidt.
Das Gesetz muss am 25. April den Bundesrat passieren und soll zum 1.
Juli in Kraft treten. Dann steigt der Beitrag um 0,25 Punkte von bisher
1,7 auf 1,95 Prozent, für Kinderlose von 1,95 auf 2,2 Prozent.
Damit soll die Finanzierung bis 2014/2015 sichergestellt werden.
Zugleich werden die Pflegesätze für häusliche Versorgung,
aber auch für Schwerstpflegebedürftige in Heimen schrittweise
bis 2012 erhöht und dann an die Preiseinwicklung angepasst.
Demenzkranke bekommen ebenfalls mehr Geld, unabhängig von einer
Pflegestufe.
Heime werden künftig strenger kontrolliert, und Arbeitnehmer
können sich für die Betreuung Angehöriger bis zu sechs
Monate freistellen lassen. Als zentrale Anlaufstelle sollen
Pflegestützpunkte aufgebaut werden, wo Betroffene Auskunft und
Hilfe unter einem Dach finden und von einem Fallmanager beraten und
betreut werden. Anders als zunächst vorgesehen, entscheiden die
Länder, ob solche Stützpunkte eingerichtet werden.
«Wir haben als Union die Chancen genutzt, die in dieser Koalition
möglich sind», sagte deren Pflegeexperte Willi Zylajew. Es
sei wichtig, die Pflege zukunftsfest zu machen, doch seien Millionen
Betroffene, Angehörige und Pflegekräfte jetzt auf
Verbesserungen angewiesen. Während die Union erneut auf den
Einstieg in ein kapitalgedecktes Finanzierungssystem drang, setze die
SPD unverändert auf ihr Modell einer Bürgerversicherung.
Sie bedauere sehr, dass die Union von ihrer Zusage eines
Risikoausgleichs zwischen gesetzlicher und privater Pflegeversicherung
im Koalitionsvertrag abgerückt sei, sagte die stellvertretende
Fraktionsvorsitzende Elke Ferner.
Die FDP forderte erneut den Umstieg auf eine kapitalgedeckte
Versicherung und rügte, das Gesetz sei nur der «kleinste
gemeinsame Nenner» von Union und SPD. Pflegeexperte Heinz
Lanfermann sagte, das Reformversprechen der Koalition sei im wichtigsten
Punkt gescheitert: «Die dringend notwendige Finanzreform findet
nicht statt.»
Die Linke-Abgeordnete Martina Bunge sah in der Reform den Versuch der
Quadratur des Kreises. «Dass das schief gehen muss, ist
klar.» Die Verbesserungen seien unzureichend. Auch die Grünen
kritisierten, dass nur eine kleine Reform ohne wirkliche
Weiterentwicklung herausgekommen sei. Die Abgeordnete Elisabeth
Scharfenberg sagte: «Der Mut hat die große Koalition leider
auf halber Strecke verlassen».
(Quelle: ap)
Steuereinnahmen im Februar um 3,8 Prozent gestiegen
Sa.15.03.08 - Die Steuereinnahmen sprudeln weiter, allerdings hat sich die Zunahme
deutlich verlangsamt.
Im Februar nahmen Bund und Länder nach Angaben des
Bundesfinanzministeriums vom Freitag im Vergleich zum Januar 3,8 Prozent
mehr an Steuern ein. Im Januar hatte das Plus zum Vormonat noch bei
10,3 Prozent gelegen. Insgesamt lagen die Steuereinnahmen bei 39,4
Milliarden Euro.
(Quelle: rtr)
Regierung lässt Renten etwas stärker steigen
Sa.15.03.08 - Die Regierung gewährt den 20 Millionen Rentnern zum 1. Juli 1,1
Prozent mehr Geld. Dies teilte Sozialminister Olaf Scholz am Freitag in
Berlin mit. Dafür werden eigens die Rentengesetze geändert.
Ohne die Korrektur wäre die Erhöhung nur halb so hoch
ausgefallen. Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Fraktionsspitzen
unterstützen den Schritt, auch die Opposition signalisierte
Zustimmung. Von der Wirtschaft kam scharfe Kritik.
Wegen der schwachen Lohnzuwächse um nur 1,4 Prozent 2007
hätten die Rentner eigentlich nur 0,46 Prozent Rentenerhöhung
zu erwarten gehabt. Das wären für einen
«Eckrentner» nur etwa 5,50 Euro im Monat gewesen.
Stattdessen soll er nun 13,05 Euro mehr bekommen, wie Scholz sagte:
«Das ist nicht viel, aber mehr, als wenn es weniger
wäre.» Es handele sich um eine «kluge, pragmatische
und abgewogene Entscheidung». Nach mehreren Nullrunden und einer
Minierhöhung um 0,54 Prozent 2007 sollten die Ruheständler
nun am Aufschwung teilhaben.
Um die Anhebung höher ausfallen zu lassen, will Scholz den
«Riester-Faktor» für 2008 und 2009 aussetzen. Dieser
wirkt als Abzug von der möglichen Rentenerhöhung. Fällt
er weg, wird die Erhöhung um 0,6 Prozent höher. Die
ausgefallenen Riester-Abzüge sollen laut Scholz in den Jahren 2012
und 2013 nachgeholt werden.
Wie die Rentner erhalten wegen einer gesetzlichen Kopplung auch die
ALG-II-Empfänger 1,1 Prozent mehr. Nach Angaben des
Finanzministeriums kostet dies den Bundeshaushalt 150 Millionen Euro.
Die Rentenerhöhung selbst belastet die Rentenkassen mit 650
Millionen Euro in diesem und und 1,95 Milliarden Euro im kommenden
Jahr, wie Scholz sagte. Das gehe aber angesichts guter Rücklagen.
Außerdem kündigte der Sozialminister an, dass in den
Rentenkassen noch mehr Rücklagen aufgebaut werden sollen als
bislang geplant, nämlich 1,5 statt 2,5 Monatsausgaben. Bis die
Milliarden angesammelt sind, kann der Beitragssatz von 19,9 Prozent
nicht sinken. Deshalb können Arbeitnehmer und Arbeitgeber nun laut
Scholz nun frühestens 2014 mit niedrigeren Rentenbeiträgen
rechnen.
Trotz der nun etwas höheren Rentenanpassung verlieren die
Ruheständler weiter an Kaufkraft. Die Erhöhung liegt immer
noch deutlich unter der Preissteigerungsrate, die laut der offiziellen
Regierungsprognose im Jahresdurchschnitt 2,3 Prozent betragen wird.
Außerdem werden die Rentner ab 1. Juli mit dem höheren
Pflegebeitrag von 0,25 Prozent belastet. Der Sozialverband VdK beklagte
die Kaufkraftverluste und forderte, der Riester-Faktor solle auf Dauer
ausgesetzt werden.
Linke und Grüne tragen die Pläne der Regierung im
Wesentlichen mit. Der Opposition reichen sie allerdings nicht. Die
Grünen bemängelten zudem, dass die Koalition ausgerechnet im
Vorwahljahr ihr soziales Herz entdecke. Darauf verwies auch
Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt, der scharfe Kritik
äußerte. «Die geplante Renten-Willkür muss
unterbleiben», erklärte er. Es sei «der durchsichtige
Versuch, vor der Landtagswahl in Bayern 2008 und der Bundestagswahl
2009 bei den Rentnern auf Stimmenfang zu gehen.»
Auch in der Koalition sind die Reihen nicht ganz geschlossen.
CDU-Sozialexperte Jens Spahn kritisierte im «Kölner
Stadt-Anzeiger» das «Gefummel» an der Rentenformel.
CSU-Vizechef Horst Seehofer meinte in der «Augsburger
Allgemeinen», die gegenwärtige Situation offenbare eine
gewisse Willkür. Die Bürger hätten ein Recht auf eine
plausible Rentenformel.
(Quelle: ap)
Bundesverfassungsgericht kippt begrenzten Steuerabzug für
Krankenbeiträge
Sa.15.03.08 - Die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung müssen in
Zukunft in höherem Umfang von der Steuer absetzbar sein. Das hat
das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe einem am Freitag
veröffentlichten Beschluss verlangt. Dem Fiskus wird bis zum 1.
Januar 2010 Zeit gegeben, die Abzugsfähigkeit neu zu regeln.
Alle Krankenversicherungsbeiträge, die zur Sicherung des
existenznotwendigen Aufwands nötig sind, müssen
berücksichtigt werden. Die Entscheidung gilt vor allem für
Beiträge zur privaten Krankenversicherung.
Der Zweite Senat verlangt in seinem 49-seitigen Beschluss aber auch
eine folgerichtige Anwendung für die gesetzlich
Krankenversicherten. Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts geht
auf eine Vorlage des Bundesfinanzhofs zurück.
(Bundesverfassungsgericht 2 BvL 1/06)
(Quelle: ap)
DIW-Chef Zimmermann fordert Arbeitslose zum Umzug auf
Sa.15.03.08 - Der Präsident des Deutschen Instituts für
Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, hat Arbeitslose zu mehr
Mobilität aufgefordert. Langzeitarbeitslose sollten die
verbleibende Zeit des Aufschwungs zum Umzug nutzen, sagte Zimmermann der
«Sächsischen Zeitung». Noch dauere der Aufschwung an,
doch wer sich aufmachen wolle, müsse es bald tun. «Die
Anwort auf Arbeitslosigkeit ist Bewegung», wird Zimmermann zitiert.
Für dieses Jahr erwartet der Berliner Forscher in Deutschland
300.000 zusätzliche Stellen, für nächstes Jahr nur noch
90.000. Langzeitarbeitslose müssten sich umsehen, ob es anderswo
Beschäftigung gebe, also pendeln und notfalls umziehen, sagte
Zimmermann. Zwar kenne er die Befürchtungen von Politikern, dass
ganze Regionen durch Wegzüge entleert würden. Doch dazu trage
schon der demographische Wandel bei.
Zimmermann wandte sich zugleich gegen neue
Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen wie den Kommunal-Kombi.
«Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen gehören zum
Schlechtesten, was man Arbeitslosen zumuten kann», sagte
Zimmermann. Sie führten insgesamt zu weniger Beschäftigung.
(Quelle: ap)
SPD büßt laut Umfrage immer mehr Glaubwürdigkeit ein
Sa.15.03.08 - Die SPD hat laut einer Umfrage im Streit mit der Linkspartei viel
Glaubwürdigkeit verloren.
In dem am Freitag veröffentlichten ZDF-Politbarometer gaben 54
Prozent der Befragten an, dass nach ihrer Einschätzung die SPD
entgegen ihrer Zusagen nach der nächsten Bundestagswahl mit der
Linkspartei koalieren würde. In der Wählersympathie
stürzt Parteichef Kurt Beck weiter ab, während die Werte
für die Partei sich nur wenig veränderten. Die SPD startet am
Montag ihre schon länger geplante Kampagne "Nah bei den Menschen",
die bundesweit zahlreiche Veranstaltungen über Zukunftsthemen
vorsieht. Unions-Fraktionschef Volker Kauder warnte angesichts der
SPD-Schwäche vor "Weimarer Verhältnissen" und einer Belastung
für die Koalition und die Demokratie.
Die Absage an eine Zusammenarbeit mit der Linkspartei stößt
auch unter SPD-Anhängern auf Misstrauen. Laut Politbarometer
rechnen auch 36 Prozent von ihnen mit einer solchen Kooperation im
Bund, die die SPD-Spitze immer wieder ausschließt. Auch Beck
persönlich büßte der Umfrage zufolge an
Glaubwürdigkeit ein. Dieser Auffassung sind 54 Prozent aller
Befragten und 35 Prozent der SPD-Anhänger. Nur 16 Prozent der
Befragten glauben, dass die SPD in wichtigen Fragen hinter ihm steht,
72 Prozent zweifeln daran. 61 Prozent sehen ihn durch den Streit
geschwächt.
Dagegen wirkt sich der wochenlange Streit über Becks neuen Kurs
zur Linkspartei kaum auf die Zustimmung zur SPD allgemein aus. Sowohl
in der aktuellen politischen Stimmung, als auch in der Sonntagsfrage
verliert sie einen Punkt auf 29 Prozent. Damit liegt sie weiterhin
deutlich hinter der Union, die in der politischen Stimmung und bei der
Sonntagsfrage auf unverändert 40 Prozent kommt.
SPD-Generalsekretär Hubertus Heil nannte die SPD-Werte
ungenügend, fügte aber hinzu: "Am Ende zählen nicht
Umfragen, sondern Wahlergebnisse." Mit ihrer Kampagne, deren Auftakt
Beck selbst am Montag macht, wolle die SPD die Voraussetzungen für
bessere Ergebnisse vor allem bei der Bundestagswahl 2009 schaffen.
Unions-Fraktionschef Kauder zeigte sich besorgt über die Lage der
SPD und der Demokratie. "Wenn ich mir die SPD anschaue, mache ich mir
Sorgen", sagte er der "Passauer Neuen Presse". "Die Weimarer Republik
ist nicht an zu vielen Nationalsozialisten, sondern an zu wenig
Demokraten gescheitert." Die SPD solle sich deshalb an ihre Geschichte
erinnern und klar nach links und von Kommunisten abgrenzen. Der Begriff
"Weimarer Verhältnisse" bezieht sich auf die labile Demokratie der
20er und 30er Jahre des 20. Jahrhunderts vor dem Aufstieg der
Nationalsozialisten.
Kauder sieht die große Koalition in Berlin durch das Verhalten
Becks gegenüber der Linkspartei belastet. Dennoch gelte: "Solange
er seine Zusagen aus den Koalitionsrunden hält, kann die
große Koalition noch arbeiten." Die Union werde genau darauf
achten, ob sie sich auf Becks Wort verlassen könne.
(Quelle: rtr)
Unions-Fraktionschef Kauder schließt Schwarz-Grün
im Bund 2009 nicht mehr aus
Sa.15.03.08 - Der konservative CDU-Flügel öffnet sich für eine
Koalition mit den Grünen nach der Bundestagswahl 2009.: "Ich
schließe nur eins aus: Mit den Kommunisten werden wir keine
Regierung bilden", antwortete Unions-Fraktionschef Volker Kauder der
"Passauer Neuen Presse" vom Freitag auf die Frage nach
Schwarz-Grün im Bund. "Aber ich bleibe dabei: Wir wollen
Schwarz-Gelb." Kauder zählt zu den Wertkonservativen in der Union,
sein baden-württembergischer Landesverband hat allerdings schon
früher mit einem Bündnis mit den Grünen
geliebäugelt.
Die CDU-Spitze zeigt sich offen für Koalitionen mit den
Grünen, seit die Linkspartei in die Landesparlamente in Hamburg
und Hessen eingezogen ist und Union und FDP dort nicht mehr auf
ausreichende Mehrheiten kommen. Hintergrund der Öffnung ist auch
der Versuch, die Grünen aus dem linken Lager mit SPD und
Linkspartei herauszulösen. In Hamburg beginnen am Montag
Koalitionsverhandlungen für das erste schwarz-grüne
Bündnis auf Landesebene.
(Quelle: rtr)
Baden-Württemberg hält an Beobachtung der Linkspartei fest
Sa.15.03.08 - Der baden-württembergische Innenminister Heribert Rech hat die
Beobachtung der Linkspartei durch den Verfassungsschutz verteidigt. Der
CDU-Politiker sagte am Freitag in Stuttgart, offene linksextremistische
Strömungen hätten großen Einfluss bis in den Vorstand
der Bundespartei. Auch die Vereinigung mit der WASG könne über
die Verfassungsfeindlichkeit nicht hinwegtäuschen. Sie stehe in
«bruchloser Kontinuität» zur früheren SED.
Rech sagte bei der Vorstellung des Verfassungsschutzberichts, noch
immer seien mehr als 70 Prozent der Mitglieder ehemalige
SED-Angehörige. Der CDU-Politiker kritisierte das Verhalten der SPD
gegenüber der Linkspartei. Wenn man ihr wie in Hessen geschehen
eine politische Perspektive eröffne, brauche man sich über
den Zuspruch für die Linkspartei nicht wundern. «Wir
müssen die Bevölkerung über die wahren Absichten der
Linken aufklären und ihre Argumente durch bürgerorientiertes
Handeln entkräften», sagte Rech.
Nach Angaben des Ministers gingen im Jahr 2007 sowohl die rechts- und
auch die linksextremistischen Gewalttaten erstmals seit einigen Jahren
wieder zurück. Dabei falle der Rückgang bei den
rechtsextremistischen Gewalttaten von 99 im Jahr 2006 auf 78 im Jahr
2007 prozentual sogar noch etwas deutlicher aus als derjenige bei den
rechtsextremistischen Straftaten insgesamt. Davon wurden im vergangenen
Jahr 1.062 gezählt nach 1.282 Straftaten im Jahr 2006.
Rech sagte, er sei zuversichtlich, dass der zuvor jahrelange Anstieg
rechtsextremistisch motivierter Straf- beziehungsweise Gewalttaten im
Land auch langfristig umgekehrt werden könne. Die Entwicklung im
vergangenen Jahr sei unter anderem auf rückläufige
Rechts-Links-Auseinandersetzungen zurückzuführen. Der
Rückgang dieser Auseinandersetzungen stehe in engem Zusammenhang
mit der 2007 drastisch rückläufigen rechtsextremistischen und
dabei besonders der neonazistischen Demonstrationstätigkeit gewesen.
Rech erklärte, einen deutlichen Rückgang habe es auch bei den
linksextremistischen Straf- und Gewalttaten gebeten. Ihre Zahl habe sich
von 271 im Jahr 2006 auf 224 im Jahr 2007 verringert. Noch deutlicher
sei der Rückgang bei den linksextremistischen Gewalttaten von 87
im Jahr 2006 auf 46 im Jahr 2007 gewesen. Ursache dürfte auch hier
der Rückgang gewalttätiger Rechts-Links-Auseinandersetzungen
und die rückläufige Zahl rechtsextremistischer
Demonstrationen sein. Die linksextremistischen Straf- und Gewalttaten
seien bundesweit hauptsächlich auf die Antiglobalisierungsproteste
in Heiligendamm zurückzuführen.
(Quelle: ap)
Zahl rechtsextremistischer Gewaltdelikte in Bayern deutlich gestiegen
Sa.15.03.08 - Die Zahl rechtsextremistischer Gewalttaten ist in Bayern im vergangenen
Jahr deutlich gestiegen. Wie Justizministerin Beate Merk (CSU) am
Freitag in München sagte, wurden 29 Körperverletzungsdelikte
mit fremdenfeindlichem Hintergrund verzeichnet. Das waren 17 mehr als im
Jahr zuvor. Zudem waren den Angaben zufolge wesentlich mehr Jugendliche
an rechtsextremistischen Straftaten beteiligt. Die Zahl der
beschuldigten Jugendlichen stieg um 18,9 Prozent, von 418 im Jahr 2006
auf 497 im Jahr 2007.
Insgesamt ging die Zahl der eingeleiteten Ermittlungsverfahren wegen
rechtsextremistischer Straftaten im Freistaat um 3,2 Prozent
zurück, wie die Ministerin weiter sagte. 2007 wurden 2198 Verfahren
eingeleitet, 2006 waren es noch 2267. In dem meisten Fällen wurde
wegen Verbreitens von Propagandamitteln oder Verwendens von Kennzeichen
verfassungswidriger Organisationen ermittelt.
Auch wenn die Zahlen insgesamt zurückgegangen seien, bereite ihr
der Anstieg der Gewaltdelikte insbesondere bei den Jugendlichen Sorge,
sagte Merk. «Wir dürfen dieser Entwicklung nicht tatenlos
zuschauen, sondern müssen ihr aktiv entgegentreten», forderte
die Ministerin. Ein wichtiger Schritt sei dabei das von der
Staatsregierung am Dienstag auf den Weg gebrachte neue bayerische
Versammlungsgesetz. Dieses verbessere die Möglichkeit, gegen
Versammlungen von Rechts- und Linksextremen vorzugehen.
(Quelle: ddp)
Lehrerverband warnt vor Schnellschuss bei Islam-Unterricht
Sa.15.03.08 - Der Deutsche Lehrerverband hat vor Schnellschüssen bei der
Einführung von islamischem Religionsunterricht gewarnt. "Ein
solches Fach darf nur unterrichten, wer die deutsche Lehrerausbildung
absolviert hat", forderte der Verbandsvorsitzende Josef Kraus in der
"Neuen Osnabrücker Zeitung". Zudem müssten die Pädagogen
den Eid oder das Gelöbnis auf die Verfassung ableisten. "In der
Schule darf es keinen rechtsfreien Raum geben", sagte Kraus. Es werde
mindestens eine halbe Schülergeneration dauern, bis Schulen das
Fach in vernünftiger Weise anbieten könnten.
Dafür reiche es nicht, den Unterricht in deutscher Sprache
abzuhalten, sagte der Oberstudiendirektor. Auch die Lehrpläne
für Islamkunde müssten so abgestimmt sein, dass sie mit den
Gesetzen konform seien. "Unser Umgang mit Migranten war zu lange
romantisch angelegt", sagte Kraus. Nur ein an klare Kriterien
geknüpfter Islam-Unterricht trage dazu bei, Parallelgesellschaften
von Muslimen in Deutschland zu verhindern. Dafür fehle es bei den
muslimischen Verbänden aber an Ansprechpartnern mit entsprechender
Legitimation, wie die Probleme bei der Zusammensetzung der
Islamkonferenz zeigten.
Die von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) ins Leben
gerufene Konferenz hatte sich am Donnerstag auf konkrete
Vorschläge zur Verbesserung der Integration von Muslimen in
Deutschland verständigt. Dazu zählt, dass ein islamischer
Religionsunterricht in deutscher Sprache an öffentlichen Schulen
eingeführt werden soll.
(Quelle: afp)