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Aktuelle Nachrichten
Irak am 1453sten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Mindestens 10.000 bei Demonstration in London zum 5. Jahrestag des Irak-Kriegs.
WDR veröffentlicht am Montag große Irak-Umfrage:
Gemeinsame Untersuchung mit ABC News, BBC und NHK
So.16.03.08 - Mindestens 10.000 Menschen haben am Samstag nach Angaben der
britischen Polizei an den fünften Jahrestag des Beginns des
Irak-Kriegs erinnert. Die Veranstalter der Demonstration in London
sprachen von etwa 40.000 Teilnehmern. Die Demonstranten forderten den
Abzug der britischen Truppen aus dem Irak und aus Afghanistan. Einige
wiesen auch auf den israelisch-palästinensischen Konflikt hin und
protestierten gegen die «Belagerung des Gazastreifens». Zu
den Menschen sprachen der linksgerichtete Politiker Tony Benn und der
Abgeordnete George Galloway.
Fünf Jahre nach Beginn der US-geführten Invasion im Irak
veröffentlicht der WDR am kommenden Montag eine
repräsentative Umfrage zur Lage und zu den Zukunftserwartungen der
Menschen in dem kriegsgeplagten Land. Das auf den Mittleren Osten
spezialisierte Umfrageinstitut "D3" hat an 400 Orten mehr als 2200
Menschen über ihre Lebensbedingungen, ihre politischen Bewertungen
und über ihre Erwartungen an die zukünftige Entwicklung des
Landes befragt. Eine Reihe von Fragen richtet sich auf das
Verhältnis zwischen den verfeindeten Bevölkerungsgruppen
sowie auf die möglichen Folgen eines Abzugs der
US-Besatzungstruppen.
Frühere Umfragen von ARD und Partnern hatten ein extrem trostloses
Bild von der Stimmung im Land deutlich gemacht. Die neue Studie wird
Aufschluss darüber geben, ob es Anzeichen für einen
Stimmungsumschwung gibt und welche Erwartungen sich daraus für die
Unterstützung beim Wiederaufbau ergeben. "Wer die Irak-Debatte
nicht nur auf die Frage nach einem Abzug der US-Truppen reduzieren
will, findet in der Umfrage sehr konkrete Hinweise, was dem Land helfen
und was die Lage nur eskalieren würde", kündigte Arnd Henze
an, der als stellvertretender Auslandschef das Projekt von WDR-Seite
betreut.
Die Ergebnisse der Irak-Umfrage werden am Montag, 17. März 2008,
um 11 Uhr zeitgleich in Deutschland, Großbritannien und den USA
veröffentlicht werden. Im Ersten wird WDR-Chefredakteur Jörg
Schönenborn die Befragung in Tagesschau und Tagesthemen
präsentieren und einordnen.
boa (Quelle: ap, ots)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 16.03.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am neunhundertundneunzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Fr.16.03.07 - Irakischer Vizepräsident bittet um Geduld +++ Bombe in Bus tötet
vier irakische Fabrikarbeiter +++ Vier US-Soldaten bei Bombenanschlag in
Bagdad getötet +++ Zähes Ringen um Irak-Rückzug im
US-Kongress...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0703160.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Hunderte demonstrieren gegen US-Raketenpläne in Tschechien
So.16.03.08 - Mehrere hundert Menschen haben am Samstag in Prag gegen die von den USA
geplante Stationierung eines Radarsystems in Tschechien protestiert und
ein Referendum über das Vorhaben gefordert. Die meisten Tschechen
lehnten die US-Pläne ab, sagte einer der Organisatoren, Jan
Majicek. Trotz entsprechender Umfrageergebnisse hat sich die Regierung
gegen eine Volksabstimmung ausgesprochen und will nach einer Einigung
mit Washington die Zustimmung des Parlaments einholen.
Die USA wollen in Tschechien ein Radarsystem und in Polen zehn
Abfangraketen stationieren. Die Verhandlungen mit beiden Ländern
laufen schon seit rund einem Jahr. Russland hat sich strikt gegen die
Raketenabwehr ausgesprochen und für den Fall der Stationierung
Gegenmaßnahmen angekündigt.
(Quelle: ap)
Attentäter von Afghanistan kam offenbar aus Bayern
So.16.03.08 - Ein Islamist aus Bayern hat sich offenbar in Afghanistan bei einem
Selbstmordattentat mit insgesamt fünf Toten in die Luft gesprengt.
Mehrere Medien berichteten am Wochenende, bei dem
Selbstmordattentäter, der am 3. März in der Provinz Chost zwei
US-Soldaten und zwei afghanische Zivilisten tötete, habe es sich
um den in Freising geborenen Türken Cüneyt C. gehandelt.
Dieser habe enge Kontakte zu der Sauerländer Terrorzelle der
Islamischen Dschihad Union (IJU) gehabt.
Bundeskriminalamt (BKA) und Bundesanwaltschaft wollten die Berichte
vorerst nicht kommentieren. «Wir haben dazu noch keine gesicherten
Erkenntnisse und müssen das erst noch überprüfen»,
sagte der Sprecher der Bundesanwaltschaft Andreas Christeleit am
Samstag auf AP-Anfrage. Bei dem Anschlag am 3. März war der
Attentäter mit einem mit Sprengstoff beladenen Auto in die Tore
eines Regierungsgebäudes gefahren, das von afghanischen und
NATO-Soldaten bewacht wurde. Durch die Explosion stürzte ein
Wachposten ein und begrub etliche Soldaten unter sich.
«Bild»-Zeitung, «Spiegel» und
«Focus» berufen sich bei ihren Berichten auf
Sicherheitskreise sowie Angaben der IJU. Demnach bekannte sich die IJU
im Internet mit einem Foto C.s zu dem Anschlag. «Diese Operation
wurde von dem aus Deutschland kommenden ... mutigen Cüneyt C., der
sein luxuriöses Leben gegen das Paradies getauscht hat, erfolgreich
vervollständigt», zitiert «Focus» eine
Übersetzung des türkischen Textes.
Im Winter 2006 entstand laut Bundesanwaltschaft eine deutsche Zelle der
IJU, die das Ziel habe, Mitglieder in Deutschland zu rekrutieren und
auch hier Anschläge zu verüben. Die IJU hatte sich zu den
Terrorplanungen in Deutschland bekannt, die im September mit der
Festnahme dreier Männer im Sauerland vereitelt worden waren.
Den Berichten zufolge gilt C. den Ermittlern als Weggefährte der
Sauerländer Zelle um Adem Y. aus dem hessischen Langen und hatte
auch Verbindung zur Ulmer Islamistenszene. Der als «Ismail aus
Ansbach» bekannte C. verließ demnach im April 2007 zusammen
mit seiner Frau und seinen Kindern Deutschland, nachdem er ins Visier
der Sicherheitsbehörden geraten war. Das BKA gehe davon aus, dass
er über die Türkei und den Iran nach Pakistan gereist sei.
Am 26. April 2007 habe ein IJU-Führer an Y. gemailt, die Familie
sei im Lager in den Bergen Waziristans angekommen. Unter dem Namen Sa'ad
Abu Furqan sei er auf einem Propagandafoto der IJU im Internet wieder
aufgetaucht.
Den Berichten zufolge ist C. der zweite des Sauerländer Kreises,
der in der Region starb. Im Oktober 2007 kam demnach bereits der
28-jährige Sadullah K. aus Langen bei einem Angriff der
pakistanischen Luftwaffe ums Leben. Er soll sich in einem Lager der IJU
aufgehalten haben.
Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
US-Außenministerin Rice: Bemühungen Israels und der
Palästinenser unzureichend -- Drei Palästinenser bei
Luftangriffen im Gazastreifen getötet
So.16.03.08 - US-Außenministerin Condoleezza Rice hat Israel und den
Palästinensern unzureichende Friedensbemühungen vorgeworfen:
Beide Parteien seien ihren 2003 in der sogenannten Road Map vereinbarten
Verpflichtungen nicht annähernd nachgekommen, sagte Rice am
Freitag auf einem Flug in die chilenische Hauptstadt Santiago. Solange
sich dies nicht ändere, sei es sehr schwierig, den Friedensprozess
fortzusetzen.
Die "Road Map" sah unter anderem vor, dass Israel alle
Siedlungstätigkeiten einstellen und die Palästinensische
Autonomiebehörde im Gegenzug die Gewalt gegen Israel stoppen
sollte. Beide Verpflichtungen wurden jedoch nicht eingehalten.
US-Präsident George W. Bush hofft, dass die beiden Konfliktparteien
noch vor dem Ende seiner Amtszeit im Januar 2009 ein Friedensabkommen
unterzeichnen. Derzeit scheint eine solche Einigung jedoch in weite
Ferne zu rücken.
Drei militante Palästinenser sind bei zwei israelischen
Luftschlägen im Gazastreifen getötet und drei weitere
verletzt worden. Die Opfer waren nach Berichten von Augenzeugen
Mitglieder der radikalen Palästinenserorganisation Islamischer
Dschihad, die gerade dabei waren, Raketen auf Israel abzufeuern. Die
israelische Armee bestätigte die beiden Einsätze im Norden
und Osten des Gazastreifens. Es waren die ersten tödlichen
Militärangriffe im Gazastreifen seit über einer Woche.
boa (Quellen: rtr, dpa)
Dakar: Islam-Gipfel-Teilnehmer rufen zu Dialog mit Christen auf
So.16.03.08 - Die Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) hat zum Abschluss
ihres Gipfeltreffens in Dakar Extremismus und Terrorismus scharf
verurteilt.
Zugleich riefen die Vertreter der 57 Staaten, die sich zwei Tage lang
in der senegalesischen Hauptstadt trafen, am Freitag zu einem Dialog mit
der christlichen Welt auf.
Sie erklärten, dass Extremismus und Terrorismus mit dem Islam
unvereinbar seien. Gleichzeitig betonten sie aber offensichtlich mit
Blick auf den Kampf der Palästinenser gegen Israel, Terrorismus
müsse von "legitimem Widerstand gegen ausländische Besatzung"
unterschieden werden. Zudem verurteilten die Gipfelteilnehmer
erwartungsgemäß das Vorgehen Israels gegen die
Palästinenser mit scharfen Worten. Israel habe Kriegsverbrechen an
palästinensischen Zivilisten begangen, hieß es in der
"Dakar-Erklärung".
(Quelle: rtr)
China stellt Tibetern Ultimatum - Mindestens zehn Tote -- UN besorgt
-- IOC schweigt -- Neue Proteste und Festnahmen von Exil-Tibetern in
Indien
So.16.03.08 - China hat den Beteiligten an den Unruhen in Tibet eine Frist bis
Montagnacht gesetzt, sich zu ergeben: Wenn sie sich bis Mitternacht
stellten, könnten sie mit Nachsicht rechnen, meldete die amtliche
Nachrichtenagentur Xinhua am Samstag. Die Behörden warfen den
Demonstranten vor, Schulen, Krankenhäuser und Geschäfte
angezündet und zehn Menschen getötet zu haben. Aktivisten
gingen gar von Dutzenden Toten aus und beschuldigten die Regierung, auf
die Demonstranten geschossen zu haben. Die Ereignisse lösten
international Besorgnis aus. Gewalt - egal von welcher Seite -
führe zu keiner Lösung, teilte Deutschlands Kanzlerin Angela
Merkel mit. Sie forderte einen "friedlichen und direkten Dialog"
zwischen der chinesischen Regierung und dem Dalai Lama.
China beschuldigte das im Exil lebende geistliche Oberhaupt der
Tibeter, für die Unruhen verantwortlich zu sein. Ein Sprecher des
Dalai Lama wies dies zurück. Die Proteste brachen zum 49.
Jahrestag des gescheiterten Aufstandes gegen die chinesische Herrschaft
in der Himalaya-Region aus. Die Bevölkerung nahm zudem die im
Sommer bevorstehenden Olympischen Spiele in Peking zum Anlass, ihren
Unmut über die Situation in Tibet zu zeigen.
Xinhua zitierte einen Mitarbeiter der örtlichen Behörden, dem
zufolge zehn Zivilisten verbrannt seien. Bei den Opfern handle es sich
nicht um Ausländer. Insgesamt seien 160 Feuer gelegt worden. Aus
Kreisen der tibetischen Exilregierung hieß es unterdessen, die
Zahl der Toten liege weitaus höher. Sicherheitskräfte
hätten zudem mindestens fünf Tibeter erschossen. Die
Internationale Kampagne für Tibet berief sich auf
unbestätigte Berichte, nach denen Dutzende Menschen getötet
wurden. Sie fürchte, dass "hunderte Tibeter verhaftet, befragt und
gefoltert würden". Der Behörden wiesen Berichte über den
Einsatz von Schusswaffen zurück.
Im chinesischen Fernsehen wurden erstmals Bilder der Unruhen
ausgestrahlt, auf denen Rauchsäulen über Lhasa und brennende
Gebäude zu sehen waren. Aufnahmen von Reuters zeigten einen
Demonstranten, der die chinesische Flagge in Brand steckte. Auf
weiteren Bildern war zu sehen, wie die Sicherheitskräfte
versuchten, den Steinen von Demonstranten auszuweichen.
Die Sicherheitskräfte stellten sich unterdessen auf weitere
Protestaktionen ein. In Lhasa habe die Polizei Teile des Stadtzentrums
abgeriegelt und beobachte die Situation aufmerksam, meldete Xinhua. Das
Mobilfunknetz in der Hauptstadt der autonomen Region Tibet wurde
offenbar unterbrochen - möglicherweise, um Versuche zur
Organisation von Protesten zu verhindern. Eine dänische Touristin
sagte, Lhasa gleiche mittlerweile einer Geisterstadt. Der Ort sei
abgeriegelt und überall sei chinesisches Militär im Einsatz.
Das geistliche Oberhaupt der Tibeter, der Dalai Lama, rief von
Dharmsala aus seine Landsleute dazu auf, «nicht zum Mittel der
Gewalt zu greifen». Er sei über die Lage sehr besorgt, sagte
der Friedensnobelpreisträger
Auch die UN-Menschenrechtskommissarin Louise Arbour zeigte sich besorgt
über die Lage in Tibet. Sie rief die chinesische Regierung in einer
Erklärung auf, den Demonstranten ihr Recht auf Versammlungs- und
Meinungsfreiheit zu gewähren und keine «exzessive
Gewalt» anzuwenden. Die Festgenommenen sollten gut und nach
internationalen Standards behandelt werden.
Eine Sprecherin von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon erklärte,
dieser verfolge die Situation aufmerksam. «Wir rufen alle
Beteiligten auf, Konfrontation und Gewalt zu vermeiden», sagte sie.
Fünf Monate vor Beginn der Olympischen Sommerspiele in Peking
wollte sich der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees
(IOC), Jacques Rogge, nicht zu der Gewalt in Tibet äußern. Er
sei nicht genau über die Proteste in Tibet informiert, und es sei
nicht die Aufgabe des IOC, die Menschenrechtssituation dort zu
verbessern, sagte er am Freitag in Puerto Rico.
Bei einer protibetischen Demonstration vor dem chinesischen Konsulat in
Sydney kam es am Samstag zu Zusammenstößen mit der Polizei,
meldete die australische Nachrichtenagentur AAP. Polizisten seien mit
Schlagstöcken und Pfefferspray gegen mehrere Dutzend Demonstranten
vorgegangen.
In Indien haben erneut Exil-Tibeter gegen die chinesische Besetzung
Tibets protestiert. In Neu Delhi wurden etwa fünfzig Demonstranten
bei dem Versuch festgenommen, die chinesische Botschaft zu stürmen,
wie die Polizei mitteilte. Unter den Festgenommenen waren nach
Augenzeugenberichten buddhistische Mönche und Frauen. Sie seien in
Polizeiwagen weggebracht worden. Bereits am Freitag waren etwa
fünfzig Demonstranten festgenommen worden.
In der nordindischen Stadt Dehra machten sich mehr als vierzig
Exil-Tibeter zu einem Marsch nach Tibet auf. Dehra ist etwa 55 Kilometer
von Dharamshala entfernt, dem Sitz der Exil-Regierung unter
Führung des geistlichen Oberhauptes der Tibeter, dem Dalai Lama. In
Indien leben rund 100.000 Exil-Tibeter und Flüchtlinge aus Tibet.
boa (Quellen: ap, afp, rtr)
Euro-Zone löst USA als größter Wirtschaftsraum ab
So.16.03.08 - Wegen der Schwäche des Dollar hat die Euro-Zone die USA als
größter Wirtschaftsraum abgelöst.
Wie die Investmentbank Goldman Sachs am Freitag in einem Brief an
Kunden mitteilte, überstieg das gemeinsame Bruttoinlandsprodukt
der 15-Euro- Staaten das der USA, kurz nachdem der Euro die Marke von
1,56 Dollar überschritt. Die offiziellen Schätzungen für
2007 sehen das US-BIP bei 13.844 Billionen Dollar und für den
Euro-Raum bei 8.848 Billionen Euro. Der Euro stieg am Freitag
zwischenzeitlich auf 1,5688 Dollar.
(Quelle: rtr)
EU drängt Banken und Finanzmärkte zu mehr Offenheit
So.16.03.08 - Die EU-Länder haben die Banken wegen der anhaltenden
Kreditkrise zu einer Offenlegung verlustträchtiger
Finanzengagements aufgerufen.
Bei ihrem Frühjahrsgipfel forderten die Staats- und
Regierungschefs die Finanzmärkte auf, selbst für mehr
Transparenz zu sorgen. Andernfalls sei die EU bereit, mit gesetzlichen
Änderungen und über die Finanzaufsicht einzugreifen. "Wir
haben es mit einer sehr ernsten, sehr schwierigen Situation zu tun, von
der ich glaube, dass sie uns das ganze Jahr begleitet", sagte
Deutsxchlands Finanzminister Peer Steinbrück nach dem EU-Gipfel in
Brüssel am Freitag.
Die Krise habe inzwischen von den Banken auf Hedge-Fonds und
Private-Equity-Gesellschaften übergegriffen. Die Banken
dürften in Zukunft nicht mehr "so leichtfüßig in
Risiko-Produkte" investieren, mahnte der Finanzminister. Luxemburgs
Ministerpräsident und Finanzminister Jean-Claude Juncker beklagte,
dass die Banken die komplizierten Finanzprodukte nicht mehr beherrschten.
Steinbrück sagte, er wolle vorschlagen, dass zusätzliches
Eigenkapital zur Absicherung von Verlustrisiken vorgehalten werden
müsse. Die EU-Kommission hat bereits angekündigt, als
Konsequenz aus der Finanzkrise die kurz als "Basel II" bezeichneten
Eigenkapital-Vorschriften für die Banken verschärfen zu
wollen. Die EU-Staats- und Regierungschefs beauftragten die Kommission
nun, bis September einen Entwurf dazu vorzulegen.
Die EU und die sieben wichtigsten Industrieländer (G7)
müssten sich weiter damit beschäftigen, wie derartige
Finanzkrisen künftig verhindert werden könnten, so
Steinbrück. In dieser Diskussion sei "erheblich Zug in den Kamin
gekommen". Dies sei vor allem an der Haltung Frankreichs und
Großbritanniens zu erkennen. Auch der britische Premierminister
Gordon Brown forderte die Finanzinstitute auf, Klarheit über
außerbilanzielle Engagements zu schaffen.
Der Gipfel beauftragte die Finanzminister, weiter an einer Verbesserung
der Aufsichtsregeln und der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit
der Finanzaufseher zu arbeiten.
(Quelle: rtr)
Deutschland
Verbraucherschutzminister Seehofer für starke Staatsaufsicht
über Energiekonzerne
So.16.03.08 - Verbraucherschutzminister Horst Seehofer hat angesichts erheblicher
Wettbewerbsmängel für eine scharfe Staatsaufsicht über
die großen Energiekonzerne plädiert. Einer Staatsbeteiligung
an den Netzen, zum Beispiel den Stromnetzen, steht der Minister aber
skeptisch gegenüber.
"Die Energiekonzerne haben zu viel Macht", sagte Seehofer der "Berliner
Zeitung" vom Samstag. "Die muss durch eine scharfe staatliche Aufsicht
eingeschränkt werden", forderte er, denn am Markt gebe es zu wenig
Wettbewerb. Hinsichtlich der EU-Forderung nach einer Entflechtung der
großen Konzerne, der eigentumsrechtlichen Trennung von Netz und
Produktion, sei er skeptisch. "Da muss man sehr aufpassen, das ist eine
heikle Angelegenheit." Wenn die Netze zum Beispiel in den Händen
von Finanzinvestoren landeten, könne das durchaus bedeuten, dass
Renditeinteressen noch schärfer verfolgt würden und die
Preise weiter stiegen.
Den Staat sieht Seehofer dennoch nicht in der Verpflichtung, selbst die
Netze zu übernehmen. "Ob ausgerechnet der Staat für mehr
Effizienz auf dem Energiemarkt sorgen kann, muss noch bewiesen werden",
sagte er. Generell gelte angesichts der Dominanz von vier großen
Stromkonzernen auf dem deutschen Markt: "Die ordnende Hand des Staates
auf dem Energiemarkt ist erforderlich." Seehofer ergänzte: "Das
heißt aber noch lange nicht, dass der Staat die Netze auch
besitzen muss." Eine strenge staatliche Aufsicht tue es auch.
Die Diskussion über Eingriffe am Energiemarkt hatte jüngst
zusätzlichen Schwung durch die Ankündigung von E.ON erhalten,
sein Hochspannungsnetz verkaufen zu wollen. Die Bundesregierung
versucht unterdessen in Brüssel, EU-Pläne für eine
Zerschlagung der großen Energiekonzerne abzuwenden.
Nach E.ON will einem Bericht des Magazins "Der Spiegel" zufolge
allerdings auch Deutschlands zweitgrößter Versorger RWE der
EU entgegenkommen. RWE-Chef Jürgen Großmann habe
vorgeschlagen, die Stromnetze von Firmen aus Deutschland, Frankreich
oder den Benelux-Staaten in eine gemeinsame europäische
Gesellschaft einzubringen, berichtete das Magazin. An dieser
Netzgesellschaft wolle RWE große Anteile, wenn möglich sogar
die Mehrheit übernehmen. Eine RWE-Sprecherin äußerte
sich nicht konkret zu dem Bericht: "Wir wollen unsere Netze behalten
und das integrierte Modell fortführen", sagte sie nur. Sie
erklärte aber auch: "Wir haben uns stets für die
Verstärkung der Zusammenarbeit im europäischen Netzbereich
ausgesprochen."
(Quelle: rtr)
SPD-Vorsitzender Beck bleibt in eigenen Reihen unter Druck
So.16.03.08 - SPD-Chef Kurt Beck bleibt trotz aller Befriedungsversuche in seiner
Partei unter Druck: Fraktionschef Peter Struck versicherte zwar, dass
Beck den ersten Zugriff auf die Kanzlerkandidatur im kommenden Jahr
habe. Er brachte aber in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung"
neben Außenminister Frank-Walter Steinmeier auch Finanzminister
Peer Steinbrück als möglichen Kandidaten ins Spiel. Becks
Vorgänger Franz Müntefering, der sich bislang
zurückgehalten hatte, kritisierte im "Spiegel" Becks Kurs einer
Öffnung zur Linkspartei. Beck selbst wiegelte am Samstag in
Mannheim ab: "Ich sehe nicht, dass die SPD im Clinch mit ihrem
Vorsitzenden ist. Ich sehe auch nicht, dass sie zerrüttet ist."
Beck bekräftigte, dass er trotz der Kritik bei seinem Kurs
gegenüber der Linkspartei bleiben will. "Das ist in den
Parteigremien mit breitester Mehrheit so beschlossen, das bleibt so."
Nun müssten die Inhalte wieder in den Vordergrund gestellt werden.
Struck betonte, der Parteivorsitzende sei "der natürliche
Kanzlerkandidat". Entschieden sei aber noch nichts. Das stehe Ende
dieses oder Anfang nächsten Jahres an. Das Vorschlagsrecht
für den Kandidaten liege bei Beck. "Ich weiß, dass er diese
Entscheidung davon abhängig machen wird, mit wem die SPD zu diesem
Zeitpunkt die größten Chancen hat", sagte Struck. Eine
Alternative zum Kandidaten Beck könnten dessen beide
Stellvertreter sein. "Ich halte Frank-Walter Steinmeier für
geeignet, Kanzlerkandidat zu sein. ... Peer Steinbrück wäre
auch ein möglicher Kanzlerkandidat." Weitere Namen nannte er nicht.
Beck hat für seinen Kurswechsel hin zur Linkspartei in den eigenen
Reihen viel Kritik geerntet und war in den Umfrage mit seinen
Sympathiewerten drastisch abgestürzt. Der SPD-Chef hatte nach der
Hessen-Wahl den Landesverbänden freie Hand für eine
Kooperation mit der Linkspartei gegeben. Steinmeier und Steinbrück
gelten als Kritiker dieser Öffnung.
Auch bei Müntefering, der früher Vize-Kanzler und
Arbeitsminister war, stieß Becks Entscheidung auf Widerspruch.
"Der Fehler ist gemacht", zitierte der "Spiegel" aus einem internen
Strategiepapier Münteferings. Nun müsse der Schaden begrenzt
werden, kommentierte Müntefering demnach Becks Schwenk,
zunächst Bündnisse mit der Linkspartei auszuschließen
und sie dann doch zuzulassen. "Nach diesem Vorlauf kann es keine
optimale Lösung geben. Der Zeitpunkt der Debatteneröffnung
macht die Sache noch fataler."
In dem Papier, das er der SPD-Spitze Ende Februar übermittelt
haben soll, warne Müntefering eindringlich vor einem Linksruck und
vor einer Abkehr von der Agenda 2010, heißt es in dem Bericht. In
der Frage des Kanzlerkandidaten plädierte er indirekt für
einen, der sich klar gegen die Linken abgrenzt. Die Sozialdemokraten
sollten eine Regierungszusammenarbeit mit der Linkspartei
ausschließen. "Das muss sich auch in den Personalentscheidungen
der SPD klar abzeichnen."
Auch bei den Linken innerhalb der SPD erntete Beck Kritik, allerdings
für seine Absage an ein Bündnis mit der Linken auf
Bundesebene über 2009 hinaus. Eine langfristige Festlegung auf
Jahreszahlen halte er nicht für sinnvoll, sagte Ottmar Schreiner
der "Welt am Sonntag" laut Vorabbericht. "Jede Ausgrenzung der
Linkspartei ist auf Dauer nicht durchhaltbar."
(Quelle: rtr)
SPD-Politiker Dreßler für Kooperation mit Linker im Bund
So.16.03.08 - Der SPD-Politiker Rudolf Dreßler hat seine Partei dazu
aufgerufen, eine Kooperation mit der Linken im Bund nicht länger
auszuschließen: «Die SPD hat beim Umgang mit der Linkspartei
lange genug herumgeeiert.»
«Es wäre politischer, das Tabu einer Zusammenarbeit auch im
Bund aufzugeben», sagte er der «Passauer Neuen
Presse». Die Vorgabe, im Bund nicht mit der Linken
zusammenzuarbeiten, sei ein «kontraproduktiver
Sackgassenbeschluss». Er halte das nicht für eine logische
demokratische Machtperspektive.
Nach einer Umfrage glauben 54 Prozent der Bürger trotz des klaren
Neins der SPD und ihres Vorsitzenden Kurt Beck, dass die Partei nach der
Bundestagswahl eine Koalition mit der Linken eingehen würde. 38
Prozent glauben das nicht, acht Prozent wollen sich kein Urteil
erlauben, ergab das ZDF-Politbarometer der Forschungsgruppe Wahlen vom
Freitag.
Dagegen zeigt die aktuelle Debatte über das künftige
Verhältnis von SPD und Linke bei den Stimmungswerten für die
Parteien in dieser Befragung nur wenig Auswirkungen. Wäre schon am
Sonntag Bundestagswahl, käme die Union unverändert auf 40
Prozent. Die SPD erreichte 29 Prozent (minus 1), die FDP erhielte
unverändert 8 Prozent, die Linke 10 Prozent (minus 1), die
Grünen 9 Prozent (plus 2) und die sonstigen Parteien zusammen 4
Prozent (unverändert). In einer Forsa-Umfrage hatte die SPD zuletzt
nur 23 Prozent erreicht, den tiefsten bisher gemessenen Wert.
54 Prozent der Bundesbürger glauben allerdings, dass Beck durch
die Debatte dauerhaft an Glaubwürdigkeit verloren hat, 35 Prozent
sehen das nicht so. Der frühere SPD-Vorsitzende Hans-Jochen Vogel
sagte am Donnerstagabend in der der ZDF-Sendung «Maybrit
Illner»: «Ich halte die Glaubwürdigkeitsfrage für
eine ernste Frage.» Die Menschen verlören das Vertrauen, wenn
das, was vor der Wahl gesagt wird, danach nicht mehr gelte. Dies
betreffe aber alle Parteien. Vogel stellte sich zugleich hinter Beck.
«Er hat meine Solidarität und in einer bedrängten Lage
meine Unterstützung.»
Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU) warnte angesichts der Debatten
in der SPD vor Verhältnissen wie in der Weimarer Republik.
«Wenn ich mir die SPD anschaue, mache ich mir Sorgen. Die Weimarer
Republik ist nicht an zu vielen Nationalsozialisten, sondern an zu
wenig Demokraten gescheitert», sagte Kauder der «Passauer
Neuen Presse». Die SPD solle sich deshalb an ihre Geschichte
erinnern, und sich «klar von der linken Seite und den Kommunisten
abgrenzen».
Petra Pau, Mitglied im Fraktionsvorstand der Linken, warf Kauder
daraufhin «eine unverschämte Entgleisung» vor. Mit dem
indirekten Vergleich ihrer Partei mit der NSDAP verharmlose Kauder die
NS- Diktatur und verhöhne letztlich ihre Opfer.
Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) warnte vor
jeglicher Zusammenarbeit mit der Partei Die Linke. «Man muss vor
der Linkspartei große Angst haben. Diese Leute gehören in
kein Parlament, sie sind eine Gefahr für die Demokratie, die werden
zu recht vom Verfassungsschutz beobachtet und sie verändern unser
Land zum Schlechten», sagte Wulff bei «Maybrit
Illner».
(Quelle: dpa)
Linkspartei wirft SPD fehlende Strategie vor
So.16.03.08 - Die Linkspartei kritisiert die Absage der SPD an eine Zusammenarbeit
im Bund. Die parlamentarische Geschäftsführerin der Linken im
Bundestag, Dagmar Enkelmann, sagte dem Nachrichtenmagazin
«Focus» laut Vorabbericht, das Nein von SPD-Chef Kurt Beck
zu einer möglichen Zusammenarbeit im Bund nach der Bundestagswahl
2009 sei genauso falsch wie die Absage an eine Kooperation vor der
Landtagswahl in Hessen. Dort habe Beck versucht, das Problem
«auszusitzen» und trage nun die Verantwortung für das
Chaos in der SPD. Man könne künftig vor keiner Wahl mehr
Koalitionen ausschließen.
Der Bundesgeschäftsführer der Linken, Dietmar Bartsch, nannte
die SPD einen Hühnerhaufen. Der Beauftragte der Linken für den
Parteiaufbau-West, Ulrich Maurer, sagte, Beck habe keine Strategie.
«Die SPD besteht aus zwei Parteien, und der Vorsitzende steht
hilflos dazwischen», sagte er dem Blatt. Bei der
nordrhein-westfälischen SPD rechne er künftig mit
«klaren Ansagen» für eine rot-rote Zusammenarbeit.
(Quelle: ddp)
Opposition will Inzest nicht mehr bestrafen
So.16.03.08 - Nach der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zum Inzest tritt
der rechtspolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Jerzy
Montag, für eine Streichung des Strafrechtsparagrafen ein.
«Die Strafbarkeit von Inzest ist ein Relikt aus dem letzten
Jahrhundert», sagte Montag der «Berliner Zeitung»
(Samstagausgabe) laut Vorabbericht. Er sage dies nicht, weil er Inzest
in Ordnung finde oder gar befördern wolle, sondern weil es Dinge
gebe, die der Staat nicht unter Strafe stellen sollte.
Das Verbot sei nicht praktikabel, kaum durchzusetzen, und wo dies doch
geschehe, werde dadurch mehr Leid als Nutzen verursacht, sagte Montag.
Er plädierte dafür, das Inzest-Verbot im Zuge einer generellen
Durchforstung des Strafrechts zu streichen. «Da gibt es viel
Überkommenes, das heute nicht mehr zeitgemäß
ist», sagte er.
Der Rechtspolitiker der Links-Fraktion im Bundestag, Wolfgang Neskovic,
betonte: «Ich persönlich halte den Inzestparagrafen in seiner
jetzigen Form für überflüssig.» Es gebe kein
konkretes Rechtsgut, das mit dem Strafrecht geschützt werden
könnte. Als befremdlich wertete er die Argumentation des Gerichts,
das auf die besondere Gefahr von Erbschäden bei den Kindern
hingewiesen hatte, deren Eltern miteinander blutsverwandt sind.
Die frühere Bundesjustizministerin Sabine
Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) sagte der Zeitung, sie finde das
Sondervotum des stellvertretenden Gerichtspräsidenten Winfried
Hassemer überzeugend. Er hatte sich gegen die Strafbarkeit des
Inzests ausgesprochen. Gleichwohl plädierte sie dafür, in den
Parteien zuerst eine sachliche Debatte zu führen. «Es handelt
sich um ein hochsensibles Thema», sagte die FDP-Politikerin.
(Quelle: ddp)
Kritik aus allen Richtungen an Plänen zur Rentenerhöhung
So.16.03.08 - Die Regierungsentscheidung für eine überplanmäßig
kräftige Rentenerhöhung um 1,1 Prozent trifft in Politik,
Wirtschaft und Wissenschaft auf viel Kritik
Der Chef der "Fünf Wirtschaftsweisen", Bert Rürup, sagte dem
Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" laut einem am Samstag vorab
veröffentlichten Bericht, mit der Abkehr von der geltenden
Rentenformel setze die Regierung ihre Glaubwürdigkeit aufs Spiel.
DGB-Chef Michael Sommer nannte die deutlichere Erhöhung einen
"ersten, richtigen Schritt, der aber noch nicht zur langfristigen
Sicherung der Kaufkraft der Rentner reicht". Widerspruch kam auch von
Grünen und FPD. Der Handwerksverband ZDH warnte die Regierung, die
Stabilität der Rentenbeiträge zu gefährden und sprach
von einem "Wahlgeschenk auf Kosten künftiger Beitragszahler".
Verbraucherschutzminister Horst Seehofer plädierte dagegen
für eine Abkehr von der geltenden Rentenformel und "spürbare
Rentenerhöhungen." Insbesondere dürfte es keine weiteren
Nullrunden geben, sagte er der "Augsburger Allgemeinen".
Die Bundesregierung hatte sich am Freitag entschieden, den rund 20
Millionen Rentnern zur Jahresmitte mit 1,1 Prozent erstmals seit langem
wieder eine kräftigere Rentenerhöhung zu gewähren. Der
sogenannte "Riester-Faktor" in der Rentenformel, der die
Rentenerhöhung eigentlich auf knapp 0,5 Prozent abgedämpft
hätte, wurde für zwei Jahre ausgesetzt. Mit dieser
kräftigeren Anhebung, die aber immer noch deutlich unter der
aktuellen Teuerung liegt, sollen nach Darstellung der Regierung auch
die Rentner stärker am Aufschwung teilhaben.
Der Wirtschaftsweise Rürup kritisierte: "Die Regierung rückt
damit von der festgelegten Rentenformel ab." Damit gefährde sie
das Ziel ihrer eigenen Reformen. Er forderte sie auf, an der geltenden
Formel festzuhalten. Dann seien die Reformziele noch zu erreichen. Je
länger man aber warte, desto schwieriger werde das. Schon jetzt
gebe es rund 3,5 Milliarden Euro an nicht realisierten
Rentendämpfungen, die nach dem Reformmodell in späteren
Jahren nachzuholen seien.
DGB-Chef Sommer warnte in der "Bild am Sonntag" vor einer dramatischen
Altersarmut. Die Renten müssten künftig so stark wie die
Wirtschaftskraft steigen. "Wir brauchen eine Kehrtwende in der
Rentenpolitik", forderte er. Am besten wäre nach seinem
Dafürhalten eine Erwerbstätigenversicherung zur
Alterssicherung, in die auch Selbstständige einzahlen
müssten. Kleinst- und Minirenten für langjährig
Versicherte müssten angehoben werden.
Die Grünen-Haushaltsexpertin Anna Lührmann sagte der
"Frankfurter Rundschau", die Anhebung gehe eindeutig zulasten der
Beitragszahler. Die hätten im Vorjahr eine Beitragserhöhung
von 19,5 auf 19,9 Prozent erlebt, aus der nun die Anhebung bezahlt
werde. FDP-Generalsekretär Dirk Niebel sagte derselben Zeitung,
die Regierung habe einen "ungedeckten Scheck" ausgestellt und nehme der
jungen Generation Geld weg. Es sei auch kein Zufall, dass das
Rentenversprechen auf zwei Jahre begrenzt sei, also bis zur
Bundestagswahl. Der Generalsekretär des Handwerksverbandes ZDH,
Hanns-Eberhard Schleyer, sprach in der "Braunschweiger Zeitung"
ebenfalls von einem Wahlgeschenk. Der Chef der Senioren-Union, Otto
Wulff (CDU), nannte die Erhöhung im "Kölner Stadt-Anzeiger"
gut, aber nicht ausreichend. Sie mache die Rentner sicherlich nicht
glücklich.
(Quelle: rtr)
Offener Machtkampf bei VW
So.16.03.08 - Der Autobauer Volkswagen steuert auf einen offenen Machtkampf zwischen
seinen Großaktionären Porsche und dem Land Niedersachsen zu.
Der größte Anteilseigner Porsche will auf der
VW-Hauptversammlung am 24. April mit einer Änderung der VW-Satzung
seine Macht bei Volkswagen ausbauen. Nach dem Willen des
Sportwagenbauers soll die für wichtige Entscheidungen auf der
Hauptversammlung nötige qualifizierte Mehrheit von derzeit 80
Prozent auf 75 Prozent gesenkt werden. Dies richtet sich vor allem gegen
das Land Niedersachsen, das als zweitgrößter
VW-Aktionär knapp über 20 Prozent an VW hält und damit
eine Sperrminorität hat. Porsche will VW übernehmen.
Die Staatskanzlei in Hannover teilte am Freitag mit: «Die
Regelung zur Sperrminorität soll nicht verändert
werden.» Sie sei nach allgemeinem deutschen Aktienrecht
zulässig. Sie könne auch nach dem Urteil des Europäischen
Gerichtshofs (EuGH) zum VW-Gesetz Bestand haben. Niedersachsens
Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) hatte Ende Februar gesagt,
kein Aktionär solle bei Volkswagen so mächtig sein, dass er
das Unternehmen allein dominieren könne.
VW-Konzernbetriebsrat und IG Metall unterstützten die Position des
Landes. Ein Gewerkschaftssprecher sagte, die ständigen Versuche von
Porsche, den Einfluss von Land und Beschäftigten
einzuschränken, seien nicht geeignet, um notwendiges Vertrauen
aufzubauen.
VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh hatte Porsche-Chef Wendelin
Wiedeking wegen des seit Monaten tobenden Streits um die Mitbestimmung
in der Porsche Holding bereits eine «feindliche
Übernahme» vorgeworfen. Die Mitbestimmungsvereinbarung der
Porsche Holding geht aus Sicht des Betriebsrats zu Lasten der
VW-Belegschaft. VW wird nach der Übernahme durch Porsche Teil
dieser Holding.
Porsche hatte bereits angekündigt, den Anteil an VW auf mehr als
50 Prozent aufzustocken. Bislang wurde der Anteil allerdings nicht
erhöht, wie aus einer Pflichtmitteilung vom Freitagabend
hervorgeht. Danach hält Porsche derzeit 30,56 Prozent der
Stimmrechte.
Am Donnerstag hatte VW-Chef Martin Winterkorn Volkswagen und Porsche
eine glänzende Zukunft vorausgesagt. Gemeinsam mit dem Stuttgarter
Sportwagenbauer habe VW die Chance, in eine «ganz neue Liga»
vorzustoßen und sich weltweit an die Spitze zu setzen.
In einem Antrag auf Ergänzung der Tagesordnung für die
VW-Hauptversammlung fordert Porsche zudem, das Entsenderecht des Bundes
und des Landes zu streichen und die Stimmrechtsbeschränkung auf 20
Prozent aufzuheben. Hintergrund sei die nach wie vor nicht erfolgte
Umsetzung des Urteils des Europäischen Gerichtshofs vom Oktober
2007 in nationales Recht und in der VW-Satzung. Der Porsche-Vorstand
gehe davon aus, dass das Land Niedersachsen an seine «gesetzliche
Umsetzungspflicht» aus dem EG-Vertrag gebunden sei und dem Antrag
deshalb zustimmen müsse.
Zudem forderte Porsche die Bundesregierung erneut auf, das VW-Gesetz
vollständig zu streichen. Bundesjustizministerin Brigitte Zypries
(SPD) aber will das VW-Gesetz dem EuGH-Urteil anpassen und auch
künftig wichtige Mitspracherechte der Arbeitnehmervertreter sowie
des Landes verankern. Wiedeking dagegen kritisiert, es entstünde
eine Ungleichbehandlung mit anderen deutschen Unternehmen.
Der Europäische Gerichtshof hatte zentrale Teile des VW-Gesetzes
verworfen, das den Wolfsburger Konzern jahrzehntelang vor
Übernahmen schützte. Gekippt wurde die Vorschrift, dass ein
VW-Aktionär in der Hauptversammlung höchstens 20 Prozent der
Stimmrechte ausüben kann - auch wenn er mehr Anteile hat. Gekippt
wurde auch das Entsenderecht von Bund und Land, je zwei
Aufsichtsratsmitglieder in das Kontrollgremium zu senden, solange ihnen
VW-Aktien gehören.
Neben Porsche will auch das Land Niedersachsen auf der Hauptversammlung
am 24. April das Entsenderecht sowie die Stimmrechtsbeschränkung
streichen. Die beiden Vertreter des Landes im VW-Aufsichtsrat,
Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) und Wirtschaftsminister
Walter Hirche (FDP), sollen auf der Hauptversammlung erstmals per Wahl
in das Kontrollgremium kommen.
Konträr zwischen dem Land und Porsche ist vor allem das Thema
Sperrminorität. Porsche ist der Ansicht, der Europäische
Gerichtshof habe die geltende Regelung als europarechtswidrig
eingestuft. Dagegen vertritt das Land die Meinung, das höchste
EU-Gericht habe nur die «Verbindung» von
Höchststimmrecht und Sperrminorität kritisiert.
Beim Thema Sperrminorität erwartet das Land, dass sowohl der
Antrag Niedersachsens wie der von Porsche die auf der Hauptversammlung
erforderliche Mehrheit verfehlen werde - sofern sich die beiden
Aktionäre nicht noch auf einen gemeinsamen Änderungsantrag
verständigten.
(Quelle: dpa)
Volkswagen will 8500 neue Jobs schaffen
So.16.03.08 - Der Autobauer Volkswagen will nach dem Restrukturierungsprogramm der
vergangenen Jahre nun wieder massiv neue Jobs schaffen. «Wir
stellen in diesem Jahr weltweit 8500 Mitarbeiter ein», sagte
VW-Personalvorstand Horst Neumann in einem Gespräch mit der
Deutschen Presse-Agentur dpa.
«Die Hälfte davon entfällt auf Deutschland», so
Neumann. VW hat derzeit konzernweit rund 329 000 Beschäftigte,
davon rund 169 000 in Deutschland.
Unter den 8500 Neueinstellungen seien 5500 junge Leute, also
Hochschulabsolventen und Ausgebildete. Dazu kämen 3000 gestandene
Beschäftigte, die VW einstelle etwa in den neuen VW-Werken in
Russland und Indien. «Wir geben vor allem wieder richtig Gas bei
den Hochschulabsolventen: In den vergangenen Jahren haben wir in
Deutschland nur 300 von ihnen pro Jahr eingestellt, in diesem Jahr
sollen es 1300 sein. Das alles zeigt: Volkswagen ist wieder auf
Erfolgskurs.» Volkswagen hatte im Zuge der Restrukturierung in den
vergangenen Jahren seine Wettbewerbsfähigkeit deutlich erhöht
und dabei auch mehrere tausend Stellen gestrichen.
Neumann will zudem das VW-Tarifsystem bei Volkswagen grundlegend
reformieren und den bisherigen «Flickenteppich»
vereinheitlichen. Es gehe darum, die Tariflandschaft bei VW modern und
zukunftsfähig aufzustellen. «Wir wollen
Wettbewerbsfähigkeit, Produktivität und Qualität weiter
erhöhen und das Tarifsystem an die "Strategie 2018"
anpassen.» In der «Strategie 2018» hat sich VW unter
anderem zum Ziel gesetzt, bei Kundenzufriedenheit und Qualität zu
den besten Autobauern der Welt zu gehören. Der Absatz soll massiv
steigen, die Marke deutlich profitabler werden.
«Unternehmen, IG Metall und Betriebsrat müssen an einen
Tisch», sagte Neumann. «Die nächsten
Entgelttarifverhandlungen stehen 2009 an, die Laufzeit des
Rahmentarifvertrags endet 2011, aber unsere konkrete
Unternehmensstrategie reicht weit darüber hinaus. Es wäre
für sich alleine genommen bereits Modernisierung und Aufbruch, wenn
sich IG Metall, Betriebsrat und Unternehmen zusammensetzen, um nicht
nur kurzatmig ans nächste oder übernächste Jahr zu
denken, sondern um eine "Strategie 2018" miteinander zu
vereinbaren.»
Neumann kündigte an, er wolle die 4200 Beschäftigten der VW-
Tochter Auto 5000, einst als Projekt zur Einstellung von
Langzeitarbeitslosen vereinbart, in die Gesamtbelegschaft integrieren.
«Wir wollen mit der IG Metall darüber reden, bewährte
Lösungen der Auto 5000 zu übernehmen, etwa zur Qualifizierung
und Erfolgsbeteiligung.»
(Quelle: dpa)
Die meisten Stellen entstanden 2007 bei Zeitarbeitsfirmen und
Dienstleistern im Niedriglohnbereich
So.16.03.08 - Zeitarbeitsfirmen und Dienstleister im Niedriglohnbereich haben im
vergangenen Jahr laut einem Medienbericht die meisten neuen
Arbeitsplätze in Deutschland geschaffen. Unter den zehn
Unternehmen, die die meisten neuen Mitarbeiter einstellten, seien vier
Zeitarbeitsfirmen und drei Dienstleister, berichtete die
«Wirtschaftswoche» am Samstag vorab. Das Magazin berief sich
dabei auf eine selbst in Auftrag gegebene Umfrage unter 3300
Unternehmen in Deutschland. Die meisten Arbeitsplätze seien bei den
Zeitarbeitsfirmen Randstad, Manpower und Adecco entstanden.
Früher habe die Zahl von Leiharbeitern im Zuge eines Aufschwungs
wieder abgenommen, weil die Unternehmen zunehmend wieder selbst Leute
eingestellt hätten, sagte Randstad-Chef Eckhard Gatzke dem Magazin.
Heute wachse die Branche trotz des anhaltenden Aufschwungs. Gatzke
zufolge beweist das, dass «Zeitarbeitskräfte zum festen
strategischen Bestandteil in den Planungen der Unternehmen»
wurden.
Nach Angaben des Blattes entstanden im Niedriglohnsektor des
Dienstleistungsgewerbes vor allem bei den Schnellimbissketten Burger
King, McDonald´s und Subway sowie bei den Putzfirmen Wisag und
Piepenbrock und bei dem Wach- und Schließspezialisten Fritz
Kötter neue Arbeitsplätze.
(Quelle: ddp)
Erste Schlichtungsrunde im öffentlichen Dienst ohne Annäherung
So.16.03.08 - Im festgefahrenen Tarifstreit im öffentlichen Dienst hat das erste
Schlichtungsgespräch am Samstag in Frankfurt keine Annäherung
gebracht.
Bei dem Treffen der 24 Mitglieder zählenden Schlichtungskommission
sei es lediglich darum gegangen, Formalien zu beschließen und
sich zu beschnuppern, erklärte der Schlichter der Arbeitgeber,
Lothar Späth. Er zeigte sich aber wie auch der Schlichter der
Gewerkschaften, Herbert Schmalstieg, zuversichtlich, in den kommenden
Wochen eine Lösung zu finden. Dadurch könnten erneute massive
Streiks ab April verhindert werden. Am 29. März wollen sich
Arbeitgeber und Gewerkschaften treffen, um über das Ergebnis der
Schlichtung zu beraten.
"Es ist unser Ziel, die Parteien auf einen Weg zu bringen, so dass wir
zum Abschluss der Verhandlungen ein Ergebnis verkünden
können", sagte Schmalstieg, der früher Oberbürgermeister
von Hannover war. Beim ersten Treffen der Schlichtungskommission habe
eine gute Atmosphäre geherrscht. Die Kommission werde nun in
weiteren Sitzungen an die Arbeit gehen.
Die Treffen in den kommenden Wochen sollen an einem geheimen Ort unter
Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. "Wir wollen in aller
Ruhe und in absoluter Vertraulichkeit verhandeln", sagte der
frühere baden-württembergische Ministerpräsident
Späth. "Unsere ganze Aufgabe muss jetzt sein,
Überzeugungsarbeit zu leisten." Allerdings sei das Bild sehr
komplex und allein die Tatsache, dass eine Schlichtung einberufen
worden sei, zeige, dass der Weg nicht ganz einfach sei.
Die Tarifverhandlungen waren vor gut einer Woche am Streit über
die von den Arbeitgebern geforderten Arbeitszeiterhöhungen
geplatzt. Die Gewerkschaften verlangen acht Prozent mehr Gehalt
für die Bediensteten von Bund und Kommunen, mindestens aber 200
Euro mehr pro Monat. Die Arbeitgeber bieten bisher lediglich fünf
Prozent mehr Lohn über zwei Jahre bei gleichzeitiger
Arbeitserhöhung im Westen.
(Quelle: rtr)
Computer & Cyberspace
Schäden durch Ausspähen von Kontodaten rasant gestiegen
So.16.03.08 - Die Schäden durch das Ausspähen von privaten Kontodaten im
Internet sind nach Angaben des Bundeskriminalamts im vergangenen Jahr
drastisch gestiegen.
BKA-Präsident Jörg Ziercke sagte der «Neuen
Osnabrücker Zeitung», er beobachte «die rasante
Zunahme» mit großer Sorge. «2007 haben wir schon 4200
Phishing-Fälle registriert. Das sind 700 Fälle oder 20 Prozent
mehr als im Jahr zuvor.» Die tatsächliche Zahl dürfte
noch weit höher liegen, weil viele Einbrüche in Rechner
zunächst unbemerkt blieben oder nicht gemeldet würden,
erklärte Ziercke. «Auch die Schäden steigen sprunghaft.
2006 lag die Schadenshöhe im Durchschnitt noch bei 2500 Euro,
jetzt sind es schon 4000 bis 4500 Euro pro Phishing- Fall», sagte
der BKA-Chef.
Ziercke geht davon aus, dass der gesamte Bereich der Internet-
Kriminalität weiter rasant zunehmen wird. «Nach
Schätzungen sind heute mehr als 750 000 Computer in Deutschland mit
Schadprogrammen infiziert, etwa 150 000 Rechner werden von Kriminellen
unbemerkt ferngesteuert», erklärte er. Das lasse erahnen,
wie groß das Schadenspotenzial sei.
Er beklagte ferner, dass das Deliktsfeld der Kinderpornografie im
Internet «innerhalb weniger Jahre dramatisch gewachsen» sei.
«Bilder und Filme, auf denen Kinder und sogar Babys brutal
missbraucht werden, breiten sich im Internet rasend schnell aus.»
So habe das BKA zum Beispiel in einem Verfahren in Deutschland fast 240
000 Zugriffe auf 4600 kinderpornografische Dateien festgestellt,
erklärte Ziercke.
(Quelle: dpa)
Neue Internet-Suchmaschine speziell für Verbraucherthemen
So.16.03.08 - Eine neue Internet-Suchmaschine erleichtert das Auffinden von
Informationen über Lebensmittel, Kosmetik oder Gentechnik. Einen
Tag vor dem Weltverbrauchertag am Samstag stellte das
Verbraucherschutzministerium die Suchmaschine «Clewwa» (http//:www.clewwa.de/)
vor. Diese zeigt - ohne Werbung und irreführende Links - nur
Treffer zu verbraucherrelevanten Themen an. Unter
«clewwa.de» sind rund 1,3 ausgewählte Millionen
Internetseiten gespeichert, die ständig aktualisiert werden.
Die Suchmaschine solle helfen, ohne Umwege zu den gewünschten
Themen zu gelangen, erklärte die Staatssekretärin im
Bundesverbraucherministerium, Ursula Heinen, am Freitag in Berlin. Im
Unterschied zu den großen «Allzweck-Suchmaschinen» wie
«Google» oder «Yahoo» durchforstet die neue
Suchmaschine nicht das gesamte Internet, sondern nur die zuvor
ausgewählten verbraucherrelevanten Seiten.
Die Suchmaschine bietet außerdem die Möglichkeit, die
Recherche nach den individuellen Anforderungen der Nutzer zu verfeinern.
Die Suche kann demnach beispielsweise auf Internetseiten von
Behörden, Medien und Verbraucher- oder Umweltverbänden
begrenzt werden. «Clewwa.de» wurde in Kooperation mit dem
Rechenzentrum für Niedersachsen und der Universität Hannover
entwickelt.
(Quelle: ap)
Erste globale Klimakonferenz im Internet
So.16.03.08 - Zur ersten rein virtuellen globalen Klimakonferenz lädt das
Forschungszentrum "Applications of Life Sciences" der Hochschule
für Angewandte Wissenschaften Hamburg vom 3. bis 7. November 2008
ein. Die Veranstaltung findet ausschließlich im Internet statt.
Auf Grundlage von eingereichten wissenschaftlichen Beiträgen wird
während der Konferenz in Foren über unterschiedliche Aspekte
des Klimawandels diskutiert. Außerdem können Teilnehmer ihre
Klima-Projekte einem weltweiten Publikum präsentieren.
Interessierte Internet-Nutzer sollen die Möglichkeit bekommen, mit
allen teilnehmenden Wissenschaftlern in Kontakt zu treten. So soll
Menschen auf der ganzen Welt eine Beteiligung an der Diskussion
ermöglicht werden, ohne dabei die Umwelt zu belasten. Potenzielle
Teilnehmer können sich mit ihren Beiträgen unter http://:www.klima2008.net
registrieren. Ein wissenschaftlicher Beirat überprüft die
eingereichten Ideen und übernimmt die Auswahl. Die Teilnahme an der
Konferenz ist kostenfrei.
(Quelle: gp)
Wissenschaft
Krokodile nutzen Lungen als mobile Schwimmblase
So.16.03.08 - Krokodile sind dafür bekannt, dass sie völlig unbemerkt im
Wasser ihrer Beute auflauern und dann blitzschnell zuschlagen
können - Wissenschaftler der Universität Utah fanden nun
heraus, wie die Urzeitreptilien das machen. Die Krokodile können
mit diversen Muskeln ihre Lungen innerhalb ihres Körpers hin- und
herschieben und mit dieser mobilen Schwimmblase ohne
äußerliche Bewegung auf- und abtauchen, wie aus der Studie
hervorgeht. Dabei spannen sie je nach gewünschter Bewegung die
Muskeln des Zwerchfells, des Beckens, des Bauchraumes und der Rippen an.
"Sie liegen auf der Wasseroberfläche und spannen diese Muskeln an,
um unterzutauchen, indem sie ihre Lungen zum Schwanz ziehen",
erläuterte der führende Autor der Studie, Todd Uriona. Wenn
sie das Organ in Richtung Kopf schieben, tauchen die gefährlichen
Jäger wieder auf. "Dadurch können sie sich im Wasser bewegen,
ohne viel Unruhe zu verursachen", sagt Uriona. "Das ist sicher besonders
wichtig, wenn es darum geht, sich an ein Tier anzuschleichen, ohne
Wellen zu machen."
Die Ergebnisse stellen eine frühere Theorie in Frage, wonach
Alligatoren kräftige Zwerchfellmuskeln entwickelten, um ihnen
gleichzeitiges Laufen und Atmen zu ermöglichen. "Es könnte
sein, dass diese Muskeln nicht für die Atmung entwickelt wurden,
sondern für die Bewegung im Wasser, und dass sie später nur
zur Atmung hinzugezogen wurden", vermutet Uriona. Die Studie geht davon
aus, dass diese Muskelfunktionen erst nach der Entwicklung der Krokodile
zu Amphibien in der Kreidezeit entstanden. Die Studie erschien in der
britischen Fachzeitschrift "The Journal of Experimental Biology".
(Quelle: afp)