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Irak am 1454sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Internationales Komitee vom Roten Kreuz kritisiert humanitäre
Situation im Irak. Papst ruft zum Ende der Gewalt auf. Tausende
demonstrieren in Los Angeles gegen Irak-Krieg. Republikanischer
US-Präsidentschaftskandidat McCain zu Überraschungsbesuch in
Bagdad
Mo.17.03.08 - Fünf Jahre nach Beginn des Irak-Kriegs herrscht in dem Land nach
Einschätzung des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK)
eine desolate humanitäre Lage. Viele Iraker hätten keinen
Zugang zu grundlegender Gesundheitsversorgung, sanitären
Einrichtungen und sauberem Wasser, erklärte das IKRK in einem
heute veröffentlichten Bericht. In irakischen Krankenhäusern
fehlen qualifiziertes Personal, wichtige Medikamente und tausende von
Betten.
Irakischen Schätzungen zufolge seien seit 2003 mehr als 2.200
Ärzte und Krankenschwestern getötet und mehr als 250
entführt worden, erklärte das IKRK weiter. Von den 1990
registrierten 34.000 Medizinern hätten mindestens 20.000 ihre
Heimat verlassen. In öffentlichen Kliniken gibt es dem
Rot-Kreuz-Bericht zufolge nur 30.000 Betten, gebraucht werden 80.000.
Die Behandlung in Privatkliniken können sich die meisten Iraker
nicht leisten: Ärztliche Beratung kostet dort umgerechnet zwischen
1,30 und 4,50 Euro - der Tagesverdienst eines Irakers liegt bei rund
3,20 Euro.
Im vergangenen Jahr habe sich außerdem die Wasserversorgung
deutlich verschlechtert. Vielfach seien Versorgungsengpässe zu
beklagen, und Millionen Menschen seien auf Wasser von schlechter
Qualität angewiesen. Familien, in denen eine Person den
Lebensunterhalt verdient, geben dem IKRK zufolge ein Drittel des
Einkommens für Wasser aus. Während sich die Sicherheitslage
in einigen Landesteilen verbessert habe, müsse der Grundversorgung
der Bevölkerung mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden, mahnte das
IKRK.
Wenige Tage nach dem Tod des entführten Erzbischofs von Mossul hat
Papst Benedikt XVI. in einem als "Aufschrei des Herzens" bezeichneten
Appell zu einem Ende der Gewalt im Irak aufgerufen. "Hört auf mit
den Massakern, der Gewalt, dem Hass", sagte der Papst während des
Angelusgebets in Rom.
Der Papst erinnerte an den "tragischen" Tod des Erzbischofs von Mossul,
Faradsch Rahu, der am Donnerstag tot aufgefunden worden war. Das
Kirchenoberhaupt lobte den festen Glauben Rahus, von dem dieser sich
trotz zahlreicher Bedrohungen nicht abgewendet habe. Der Bischof der
chaldäisch-katholischen Gemeinde von Mossul war Ende Februar nach
einer Schießerei in der nordirakischen Stadt von bewaffneten
Männern verschleppt worden. Nach Hinweisen der Entführer war
die Leiche des Geistlichen nahe Mossul gefunden worden. Bislang ist
unklar, ob Rahu getötet wurde oder an Gesundheitsproblemem starb.
Kurz vor dem fünften Jahrestag des US-Einmarschs im Irak haben in
Los Angeles Tausende gegen den Irak-Krieg demonstriert. Nach Angaben der
Polizei nahmen etwa 2000 Menschen an dem Protestzug auf dem Hollywood
Boulevard teil, den Organisatoren zufolge kamen 10.000 Demonstranten.
Die Protestteilnehmer, zu denen zahlreiche US-Veteranen aus
unterschiedlichen Konflikten zählten, trugen mit der US-Flagge
eingehüllte Särge, um an die Opfer des Irak-Kriegs zu
erinnern. Auf Spruchbändern kritisierten sie US-Präsident
George W. Bush.
An der Demonstration nahm auch der Vietnam-Veteran Ron Kovic teil,
dessen Lebensgeschichte "Geboren am 4. Juli" durch die Verfilmung mit
Hollywood-Star Tom Cruise weltberühmt wurde. Er fühle
"Schmerz" und "Sorge" für das irakische Volk und die im Irak
eingesetzten US-Soldaten, "die leiden, die ihre Arme und Beine
verlieren, die getötet werden", sagte Kovic, der seit einer
Verletzung im Vietnam-Krieg gelähmt ist und im Rollstuhl sitzt.
In London hatten am Samstag bis zu 40.000 Menschen gegen den Irak-Krieg
protestiert und den Rückzug der britischen Truppen gefordert. In
der schwedischen Hauptstadt Stockholm demonstrierten etwa 500 Menschen
gegen die US-Präsenz im Irak, in Göteborg nach Angaben der
Nachrichtenagentur TT etwa 600 weitere. Zu der Demonstration gegen den
Irak-Krieg im norwegischen Oslo versammelten sich nach Polizeiangaben
etwa 200 Menschen, im norddänischen Aalborg wurden rund 100
Demonstranten gezählt.
Die Proteste fanden aus Anlass des fünften Jahrestages des
Einmarsches der US-Armee im Irak statt. Die US-geführten Truppen
waren am 20. März 2003 im Irak einmarschiert.
Der republikanische Spitzenkandidat für die
US-Präsidentschaftswahlen, John McCain, traf zu einem
Überraschungsbesuch in Bagdad ein.
McCain will mit den US-Verantwortlichen im Irak Gespräche
führen, wie ein Sprecher der Botschaft in Bagdad erklärte.
Unter anderem soll er demnach US-Botschafter Ryan Crocker treffen.
McCain unterstützt die Irak-Strategie von Präsident George W.
Bush, der tausende zusätzliche Soldaten in das Land geschickt
hatte. Der Senator aus Arizona fordert, die Truppen dort solange zu
lassen, bis der Irak ausreichend stabil ist. Die Mehrheit der
US-Bürger lehnt dies jedoch ab.
boa (Quellen afp, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 17.03.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am neunhunderteinundneunzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Sa.17.03.07 - UN-Generalsekretär wirbt um internationale Unterstützung
für den Irak +++ Zehntausende zu Protesten gegen Irakkrieg in
Washington erwartet +++ Richter: US-Angriff auf britische Soldaten im Irak war
'kriminell' +++ Kriminalbeamte: Lage der deutschen Geiseln im Irak sehr
bedrohlich +++ UNHCR: Zahl der irakischen Flüchtlinge in Europa
verdoppelt sich...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0703170.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Nahost-Konflikt
Israelis und Palästinenser verhandeln kommende Woche wieder
Mo.17.03.08 - Die Chefunterhändler Israels und der Palästinenser wollen in
der kommenden Woche ihre Friedensverhandlungen wieder aufnehmen.
Dies teilten israelische Regierungsvertreter und westliche Diplomaten
am Sonntag mit. Die Gespräche waren nach dem israelischen Einmarsch
im Gazastreifen unterbrochen worden, bei dem 120 Palästinenser
getötet wurden. Zudem hatten Pläne Israels, Siedlungen im
Westjordanland auszubauen, die Verhandlungen belastet. Bislang sind die
Gespräche ohne greifbares Ergebnis geblieben. Geleitet wurden sie
von der israelischen Außenministerin Zipi Liwni und dem
ehemaligen palästinensischen Ministerpräsidenten Ahmed Kurie.
Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas strebt eine Vereinbarung
an, durch die ein eigenständiger Palästinenser-Staat
geschaffen wird. Israels Ministerpräsident Ehud Olmert nannte als
Ziel der Verhandlungen, sich in diesem Jahr grundsätzlich auf den
Rahmen für einen Palästinenser-Staat zu einigen. Dieser solle
aber nur dann umgesetzt werden, wenn Abbas militante Palästinenser
im Gazastreifen und im Westjordanland in Schach halte.
US-Außenministerin Condoleezza Rice hatte am Freitag beiden Seiten
unzureichende Friedensbemühungen vorgeworfen.
(Quelle: rtr)
Deutschlands Kanzlerin Merkel zu dreitägigem Besuch in Israel
eingetroffen
Mo.17.03.08 - Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel ist zu einem
dreitägigen Besuch in Israel eingetroffen: Sie landete am
Sonntagnachmittag auf dem Flughafen von Tel Aviv. Anschließend
wollte die Kanzlerin per Hubschrauber in die Negev-Wüste fliegen,
wo sie gemeinsam mit Staatschef Schimon Peres den Kibbuz Sde Boker
besucht. Dort liegt der erste Ministerpräsident Israels, David Ben
Gurion, begraben. Anlässlich des 60. Jahrestags der Gründung
Israels würdigte der deutsche Außenminister Frank-Walter
Steinmeier (SPD) die enge Freundschaft beider Länder.
Anzeige
"Israel wird 60 - ein ganz besonderer Geburtstag für uns Deutsche.
Mit keinem anderen Land sind wir so untrennbar verbunden", schrieb
Steinmeier in einem Gastbeitrag für die "Bild am Sonntag".
"Zunächst auf furchtbare Weise durch das dunkelste Kapitel
deutscher Geschichte, dem Holocaust an den Juden Europas. Aber auch
durch eine Entwicklung, die man getrost 'wunderbar' nennen kann: die
Freundschaft, die zwischen der Bundesrepublik und dem jüdischen
Staat Israel seitdem gewachsen ist."
Deutschland könne dankbar sein, dass Israel es heute zu seinen
engsten Verbündeten und Freunden zähle, betonte Steinmeier.
Inzwischen sei ein dichtes Netz persönlicher Beziehungen
gewachsen. Es gebe fast 100 Städtepartnerschaften. Jedes Jahr
nähmen 5000 Jugendliche beider Länder an Austauschprogrammen
teil, führte der Außenminister aus. "Jede Begegnung ist Teil
des Fundaments, auf dem wir unsere gemeinsame Zukunft bauen."
Zum Besuch der deutschen Regierung in Israel schrieb Steinmeier: "Ein
neues Kapitel schlagen wir auf, wenn sich unsere beiden Regierungen
diese Woche erstmals zu einer gemeinsamen Sitzung treffen." Die
Bundesregierung habe "konkrete Projekte im Gepäck". Das
Auswärtige Amt werde zwei Zentren für Deutschlandstudien an
den Universitäten Jerusalem und Haifa finanzieren. Steinmeier
äußerte den Wunsch, dass noch in diesem Jahr ein gemeinsames
Zukunftsforum beider Länder die Arbeit aufnehme und die beiden
Länder künftig noch enger verbinde - wirtschaftlich,
wissenschaftlich und kulturell. "Mein Gruß kommt von Herzen:
Alles Gute Israel, Mazal Tov!", endete der Beitrag des Ministers.
Am heutigen Montag finden in Jerusalem die ersten deutsch-israelischen
Regierungskonsultationen statt. Merkel, die in Begleitung mehrerer
Minister reist, spricht am Dienstag dank einer Ausnahmegenehmigung als
erste Regierungschefin in der Knesset. Dies ist ansonsten Staatschefs
vorbehalten.
(Quelle: afp)
China wegen blutiger Proteste in Tibet in der Kritik -- Dalai
Lama fordert Untersuchung zu 'kulturellem Völkermord' -- IOC gegen
Olympiaboykott wegen Tibet-Krise -- Schweizer Komitee fordert
Intervention in Peking
Mo.17.03.08 - Nach den blutigen Protesten in der tibetischen Hauptstadt Lhasa steht
die chinesische Führung international in der Kritik.
US-Außenministerin Condoleezza Rice rief China zu
Zurückhaltung im Umgang mit Demonstranten auf. Amnesty
International (ai) forderte eine unabhängige Untersuchung der
Vorfälle in Tibet. In Washington, Berlin und anderen deutschen
Städten wurde gegen die gewaltsame Niederschlagung der Proteste in
Lhasa demonstriert. Zudem wurde die Debatte über einen Boykott der
Olympischen Spiele in Peking erneut angeheizt. In Lhasa herrschte laut
Augenzeugen angespannte Ruhe.
"Wir appellieren an die chinesische Regierung, Zurückhaltung bei
ihrer Reaktion auf diese Demonstrationen zu beweisen", erklärte
Rice in Washington. Peking müsse alle in Tibet, die lediglich wegen
ihrer Meinungsäußerungen inhaftiert worden seien,
freilassen. Zugleich rief Rice alle Beteiligten zum Gewaltverzicht auf.
Der Dalai Lama hat derweil Untersuchungen dazu gefordert, ob in Tibet
ein "kultureller Völkermord" verübt wird: China verlasse sich
auf Gewalt, um Frieden zu erreichen, sagte das geistliche Oberhaupt der
Tibeter am Sonntag. Zugleich sprach er sich gegen einen Boykott der
Olympischen Spiele in Peking aus. China habe die Spiele verdient. Die
internationale Gemeinschaft habe aber die moralische Verantwortung,
China daran zu erinnern, ein guter Gastgeber für die Spiele zu sein.
"Die tibetische Nation steht vor einer großen Gefahr", sagte der
Friedensnobelpreisträger. "Ob China das einräumt oder nicht,
es gibt ein Problem." Der Dalai Lama bekräftigte, er trete
weiterhin für eine Autonomie Tibets innerhalb von China ein. Die
Regierung in Peking hat den Dalai Lama für die Unruhen in Tibet mit
verantwortlich gemacht.
Die tibetische Exilregierung im indischen Dharamshala verfügt nach
eigenen Angaben über bestätigte Berichte, wonach etwa achtzig
Menschen bei den gewaltsamen Protesten in Tibet getötet wurden.
Zuvor hatte sie von mindestens 30 Toten gesprochen, chinesischen
Behörden zufolge kamen zehn Menschen ums Leben.
Vor der chinesischen Botschaft in Washington demonstrierten etwa 150
Menschen gegen die Niederschlagung der Proteste in Tibet. Auch vor der
chinesischen Botschaft in Berlin sowie in Frankfurt am Main, Hamburg,
Düsseldorf und Freiburg gab es Proteste. In Zürich warfen laut
Polizeiangaben einige der insgesamt rund 700 Demonstranten Steine auf
das chinesische Konsulat.
Die Exil-Tibeter in Deutschland forderten, die Teilnahme bei den
Olympischen Spielen in Peking zu überdenken. Der VDT-Vorsitzende
Lhanzom Evelding sagte der "Bild am Sonntag": "Die ganze Welt muss jetzt
darüber nachdenken, ob sie noch an den Spielen in China teilnehmen
will. Das beste wäre, die Spiele in ein Land zu verlegen, in dem
die Menschenrechte geachtet werden." Der Menschenrechtsbeauftragte der
deutschen Regierung Günter Nooke (CDU) wandte sich gegen einen
Boykott der Spiele. Zugleich forderte er in der "BamS", China
müsse "endlich einen weitgehenden Autonomiestatus für Tibet
akzeptieren".
Auch das Internationale Olympische Komitee (IOC) lehnt einen Boykott
der Pekinger Sommerspiele wegen der Unruhen in Tibet ab. «Wir
glauben, dass ein Boykott keine Lösung ist», sagte Rogge am
Samstag vor Journalisten auf der Karibikinsel St. Kitt. «Im
Gegenteil, er bestraft unschuldige Athleten.»
Rogge sagte, das IOC sei durchweg immer gegen Boykotte der Spiele
gewesen. Auf seiner Pressekonferenz wollte er sich nicht weiter zu Tibet
äußern. Am Freitag sagte er in Puerto Rico, es sei nicht die
Aufgabe des Komitees, die Menschenrechtssituation dort zu verbessern.
Der Chef des Schweizerischen Olympischen Komitees, Jörg Schild,
forderte aber das IOC wegen der Unruhen in Tibet zu einer Intervention
in China auf. Sollte das IOC weiter schweigen, werde er am Montag bei
der Organisation seinem Unbehagen Ausdruck geben, sagte der oberste
Schweizer Sportfunktionär am Samstag im Schweizer Radio DRS.
Für ihn persönlich sei «der Rubikon
überschritten», sagte Schild und fügte hinzu: «Ich
bringe es nicht fertig, zu sagen, wir gehen jetzt dort hin, um Sport zu
treiben.» Schild sprach sich aber auch gegen einen Boykott der
Spiele in Peking aus.
IOC-Vizepräsident Thomas Bach erklärte, das IOC werde mit
China über Menschenrechte sprechen. Ein Boykott wäre aber der
falsche Weg, weil er Kommunikationswege unterbrechen würde.
Die EU sprach sich ebenfalls dafür aus, Peking zu einem Ende der
Gewalt und die Aufnahme eines Dialogs mit den Tibetern zu bewegen.
EU-Justizkommissar Franco Frattini sagte laut einer Meldung der
italienischen Nachrichtenagentur ANSA aber auch, die Olympischen Spiele
müssten in einer Atmosphäre «wahrer
Brüderlichkeit» stattfinden. «Andernfalls wäre
dieses Fest des Sports ernsthaft in Gefahr.»
In der Olympischen Geschichte hat es mindestens vier Boykotte gegeben,
die meist nicht mehr als eine Bestrafung der Athleten gebracht
hätten, sagte der Vizepräsident der Internationalen
Gesellschaft für Olympische Historiker, David Wallechinsky. Er
kritisierte aber die Entscheidung, die Spiele überhaupt nach Peking
zu vergeben. «Das IOC hat Ärger bewusst in Kauf genommen,
als es die Olympischen Spiele in ein Land mit einer Diktatur vergeben
hat», sagte er.
boa (Quellen: afp, ap, rtr)
Pakistan: Haus eines Anführers der Islamisten von Raketen
zerstört - 20 Tote
Mo.17.03.08 - Bei einem Raketenangriff auf das Haus eines Islamisten sind am Sonntag
in Pakistan in der Grenzregion zu Afghanistan rund 20 Menschen
getötet worden. Das berichteten Augenzeugen und staatliche
pakistanische Medien. Die pakistanischen Streitkräfte
bestätigten fünf oder sechs Explosionen in der Provinz
Süd-Waziristan, nähere Einzelheiten seien nicht bekannt,
hieß es.
Das staatliche Fernsehen berichtete, sieben Raketen seien
eingeschlagen. Wer sie abfeuerte, war zunächst nicht bekannt. In
der Vergangenheit haben aber die in Afghanistan stationierten
US-Truppen wiederholt Angriffe über die Grenze hinweg gestartet.
Augenzeugen wollen vor den Explosionen Drohnen in der Luft beobachtet
haben, wie sie nur die US-Streitkräfte besitzen.
Eines der zerstörten Häuser soll einem Taliban-Anhänger
gehört haben, in dem oft ausländische Kämpfer zu Gast
waren. Auch in einem zweiten zerstörten Haus sollen sich arabische
und usbekische Kämpfer aufgehalten haben.
(Quelle: ap)
Klima-Gipfel in Japan - Keine Fortschritte beim Kampf gegen
Erderwärmung -- UN-Bericht: Gletscher schmelzen immer schneller
Mo.17.03.08 - Im Kampf gegen die Erderwärmung haben die 20 größten
Umweltsünder bei ihrem Gipfel in Japan keine entscheidenden
Fortschritte erzielt. Die Positionen von Industrienationen, Schwellen-
und Entwicklungsländern seien zu unterschiedlich, sagte Japans
Umweltminister Ichiro Kamoshita zum Abschluss des sogenannten
G-20-Gipfels im Tokioter Vorort Makuhari. Nach einem UN-Bericht
gefährdet das Abschmelzen der Gletscher die weltweite
Trinkwasserversorgung.
Japan sprach sich während des Treffens der Länder, die
zusammen 80 Prozent des weltweiten Ausstoßes an
klimaschädlichen Treibhausgasen zu verantworten haben, für
einen "branchenspezifischen Ansatz" aus, bei dem für jeden
Industriezweig eigene Klimaziele aufgestellt werden sollen. "Unser
Vorstoß war sinnvoll, weil er eine neue Idee zeigt", sagte
Kamoshita. Dies unterscheide sich von den bisher geltenden festen
Emmissionzielen für jedes Land. Japan schafft es derzeit nicht,
die im Kyoto-Protokoll festgeschriebenen Obergrenzen zu erreichen.
Aufstrebende Länder wie Südafrika lehnten den Vorstoß
Japans jedoch ab. Sie wollen sich nicht auf die gleichen Ziele
verpflichten lassen wie Industriestaaten. Dennoch sei sich
Südafrika der "Dringlichkeit zum Handeln" bewusst, sagte
Umweltminister Marthinus van Schalkwyk. "Als Entwicklungsland sind wir
bereit, einen fairen Beitrag in einem Klimasystem zu leisten", sagte er.
Der frühere britische Premierminister Tony Blair hatte in seiner
Eröffnungsrede am Samstag vergeblich für verbindliche
Klimaschutz-Ziele geworben. Den Entwicklungs- und Schwellenländern
räumte er zugleich ein Recht auf Wachstum ein. Der Brite leitet
eine Gruppe internationaler Klimaexperten, unter deren Vermittlung ein
Kompromiss der G-20 über verbindliche Klimaschutzziele zustande
kommen soll.
Weitere mahnende Worte kamen von den Vereinten Nationen: Der
Klimawandel lasse die Gletscher weltweit immer schneller abschmelzen
und gefährde damit die weltweite Trinkwasserversorgung, hieß
es in einem Bericht des UN-Umweltprogramms (UNEP), der sich auf Daten
des Welt-Gletscher-Beobachtungsdienstes (WGMS) stützt. "Die
durchschnittliche Abschmelze hat sich zwischen 2004/2005 und 2005/2006
mehr als verdoppelt", heißt es in dem Bericht. Die WGMS, die
weltweit 30 verschiedene Eisfelder überwacht, schätzt den
durchschnittlichen Eisverlust seit 1980 auf 11,5 Meter pro Gletscher.
(Quelle: afp)
Deutlicher Sieg der Konservativen im Iran bei Palamentswahl -- EU
kritisiert die Wahlen als 'weder frei noch fair'
Mo.17.03.08 - Bei der Parlamentswahl im Iran haben die Konservativen um
Präsident Mahmud Ahmadinedschad nach Angaben der staatlichen
Medien ihre starke Stellung gefestigt. Sie hätten mehr als 70
Prozent der Stimmen erhalten, hieß es am Sonntag.
Etwa 20 Prozent entfielen demnach auf das Lager der Reformer, knapp
zehn Prozent auf unabhängige Bewerber. Die EU kritisierte die Wahl
als «weder fair noch frei». Viele Kandidaten seien davon
abgehalten worden, sich überhaupt zur Wahl zu stellen, betonte die
slowenische EU-Ratspräsidentschaft. Der Ausschluss sei eine
eindeutige Verletzung internationaler Standards.
Ein Sieg der Konservativen war bei der im Westen schon im Vorfeld als
undemokratisch gewerteten Wahl gut zweieinhalb Jahre nach dem
Amtsantritt Ahmadinedschads erwartet worden. Der von der
religiösen Führung eingesetzte Wächterrat hatte viele
Kandidaten der Reformer gar nicht erst zur Wahl zugelassen. Nicht nur
auf dem Lande, sondern auch im politisch wichtigen Wahlbezirk Teheran
setzten sich nach den am Sonntag vorliegenden Ergebnissen die
Konservativen durch. Lediglich ein Kandidat der Reformer habe noch eine
Chance, eines der 30 in der Hauptstadt zu vergebenden Mandate zu
gewinnen, meldete die Nachrichtenagentur ISNA. Die meisten Stimmen habe
Parlamentspräsident Gholam-Ali Hadad Adel erzielt, ein enger
Vertrauter Ahmadinedschads.
In der Pilgerstadt Qom rund 150 Kilometer südlich der Hauptstadt
Teheran errang dagegen der frühere Atom-Chefunterhändler Ali
Laridschani, ein Kritiker des Präsidenten, einen deutlichen Sieg
über seine konservativen Mitbewerber. Inoffiziellen Ergebnissen
zufolge kam Laridschani, der auf Vorschlag von führenden Klerikern
angetreten war, auf mehr als 75 Prozent. Laridschani war im Oktober
nach Meinungsverschiedenheiten mit Ahmadinedschad als Unterhändler
zurückgetreten.
Nach Angaben des Innenministeriums lag die Beteiligung bei der Wahl am
Freitag landesweit bei schätzungsweise 65 Prozent, in Teheran bei
nur 40 Prozent. Um die 290 Parlamentssitze hatten sich mehr als 4400
Kandidaten beworben. Rund 43 Millionen Menschen waren stimmberechtigt.
Angesichts wachsenden Unmuts vor allem über die wirtschaftliche
Lage im Iran galt die Wahl auch als Test für die Politik
Ahmadinedschads.
Die USA monierten, das iranische Regime habe von vornherein
Andersdenkenden eine Kandidatur verweigert oder sie
eingeschüchtert. Das Volk habe nicht die freie Entscheidung
gehabt, die es verdient hätte, sagte der Sprecher des Weißen
Hauses, Sean McCormack, am Freitag in Washington.
(Quelle: dpa)
Türkei: Verbotsantrag für Erdogan-Partei stößt auf
breite Kritik
Mo.17.03.08 - Mit ihrem Verbotsantrag gegen die Regierungspartei AKP hat sich die
türkische Justiz im In- und Ausland den Vorwurf eingehandelt,
einen politischen Feldzug gegen Ministerpräsident Recep Tayyip
Erdogan gestartet zu haben. Politischen Parteien mit
Verbotsanträgen zu begegnen, sei inakzeptabel, erklärte der
türkische Industriellenverband TÜSIAD, eine der
einflussreichsten Organisationen des Landes. Auch ein Teil der
türkischen Presse sowie die EU warfen der
Generalstaatsanwaltschaft vor, sich in eine politische
Auseinandersetzung eingemischt zu haben. Das Verbotsverfahren selbst
wird mehrere Monate dauern.
Generalstaatsanwalt Abdurrahman Yalcinkaya argumentiert in seiner
162-seitigen Anklageschrift, Erdogans Partei für Gerechtigkeit und
Entwicklung (AKP) strebe trotz aller Bekenntnisse zur Demokratie einen
islamistischen Gottesstaat an. Um seine Vorwürfe zu untermauern,
verweist Yalcinkaya auf zahlreiche Äußerungen von Erdogan
und anderen AKP-Spitzenpolitikern sowie auf Initiativen wie die
Freigabe des islamischen Kopftuches für Studentinnen. Der
Staatsanwalt fordert ein politisches Betätigungsverbot für 71
Politiker, darunter für Erdogan und auch für den
früheren AKP-Außenminister und heutigen
Staatspräsidenten Abdullah Gül.
Erdogan selbst sagte voraus, der Verbotsantrag werde scheitern. Niemand
könne eine Partei, die von 16,5 Millionen Menschen gewählt
worden sei, als anti-laizistisch bezeichnen. Die AKP hatte bei den
Parlamentswahlen im vergangenen Jahr 46,6 Prozent der Stimmen erhalten.
Sie regiert die Türkei seit mehr als fünf Jahren. Angesichts
des Zuspruches für seine Partei sei der Antrag beim
Verfassungsgericht ein "Angriff auf den Volkswillen", erklärte
Erdogan in Ankara.
Das Verfassungsgericht muss nun zunächst entscheiden, ob es die
Anklage annimmt. Wenn die Verfassungsrichter grünes Licht geben,
hat die AKP maximal zwei Monate Zeit, eine Verteidigungsschrift bei
Gericht einzureichen. Anschließend gibt es noch eine
mündliche Anhörung. Nach Presseberichten gibt es bei der AKP
und der nationalistischen Oppositionspartei MHP bereits
Überlegungen, in der Zeit bis zu einem möglichen Urteil mit
einer raschen Verfassungsänderung ein Parteiverbot zu erschweren.
Die beiden Parteien hatten im Februar gemeinsam die Kopftuchfreigabe im
Parlament durchgesetzt.
(Quelle: afp)
Kommunalwahlen in Frankreich: 'Rote Welle' spült Sarkozys Partei
aus fast allen großen Städten
Mo.17.03.08 - Bittere Enttäuschung für Nicolas Sarkozy zehn Monate nach
seinem Amtsantritt als Staatspräsident: Bei der Kommunalwahl in
Frankreich am Sonntag eroberten die Sozialisten (PS) nach
Hochrechnungen fast alle wichtigen Städte von der konservativen
Regierungspartei UMP, darunter die bisherigen bürgerlichen
Hochburgen Straßburg, Toulouse und Périgueux. Dort musste
sich Bildungsminister Xavier Darcos geschlagen geben. Schon im ersten
Wahlgang vor einer Woche verteidigten die PS-Kandidaten Lyon und
sicherten Paris.
Die Kommunalwahl war der bislang wichtigste Stimmungstest für
Sarkozy. Ein noch größeres Fiasko für seine Partei
konnte UMP-Vizepräsident Jean-Claude Gaudin in Marseille
verhindern. Er hatte laut Hochrechnung einen knappen Vorsprung in der
zweitgrößten Stadt des Landes und hielt der «roten
Welle» stand.
Nach einer CSA-Umfrage stimmten insgesamt 49,5 Prozent für einen
Kandidaten der linken Listen, gegenüber 47,5 Prozent für die
konservative Regierungspartei UMP. Aus der «Gelben Karte»
im ersten Durchgang sei jetzt eine «Rote Karte» geworden,
sagte der sozialistische Expremier Laurent Fabius. Die
«Abstrafung» habe sich in der Stichwahl bestätigt,
sagte die PS-Spitzenpolitikerin Ségolène Royal. Jetzt
müsse die Regierung «die Botschaft hören und ihr
Verhalten und ihre Politik ändern».
Letzterem erteilte Premierminister François Fillon eine Absage:
«Wir werden die bei der Präsidentschaftswahl bestätigte
Politik fortführen». Stehvermögen sei notwendig, um das
Land zu reformieren. Sarkozy selbst hatte nach den herben Verlusten am
9. März sein angeschlagenes Image zu korrigieren versucht und
seine Kooperationsbereitschaft betont.
20 Prozent der Wähler nutzten der CSA-Umfrage zufolge ihre Stimme
für eine Sanktion Sarkozys. Nach einer Erhebung von Ipsos-Dell
stehen aber 70 Prozent hinter seinen Reformen, jeder vierte Franzose
wünscht demnach sogar eine Beschleunigung ihrer Umsetzung.
Experten erwarten, dass Sarkozy jetzt vor allem seinen Stil
ändert; sein Privatleben aus den Schlagzeilen hält und seinen
bislang gegängelten Ministern mehr Entscheidungsfreiheit
lässt. Von einer zunächst geplanten umfassenden
Kabinettsumbildung hat der Staatspräsident Abstand genommen.
Der Verlust von Périgueux ist besonders schmerzlich für das
Regierungslager, dort war Erziehungsminister Xavier Darcos ins Rennen
gegangen. Eine bittere Schlappe musste auch Zentrumspolitiker
François Bayrou einstecken. Der Drittplatzierte der
Präsidentschaftswahl unterlag in der Pyrenäen-Stadt Pau dem
PS-Kandidaten. Bayrou und seine neue Partei MoDem müssen jetzt ums
politische Überleben kämpfen.
Vor einer Woche hatten die linken Listen schon um drei Punkte auf fast
48 Prozent zugelegt, während die Rechte auf 45,5 Prozent absackte.
Insgesamt waren in der Kommunalwahl 37.000 Bürgermeister zu
bestimmen. Die PS konnte ihr Ziel erreichen, rund 30 der vor sieben
Jahren an die Bürgerlichen verlorenen großen Städte
zurückzuerobern. Durch ein starkes Gegengewicht auf Gemeindeebene
werde der Spielraum der Pariser Regierung eingegrenzt, erklärten
Experten.
(Quelle: ap)
Deutschland
Grünen-Fraktionsvorsitzende Künast kann sich Koalitionen mit
der Linken vorstellen
Mo.17.03.08 - Die Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Renate Künast,
hält Regierungskoalitionen mit der Linken in Bund und Ländern
in Zukunft unter Umständen für notwendig. "Das kann sich
ergeben und nötig sein", sagte Künast der Zeitschrift "Super
Illu". Gleichzeitig betonte die Fraktionschefin, sie sei nicht "scharf"
auf eine derartige Zusammenarbeit: "Mir geht der
rückwärtsgewandte Populismus der Herren Lafontaine und Gysi
auf die Nerven."
Mit Blick auf die SPD sagte Künast, die Sozialdemokraten
könnten eine Zusammenarbeit mit der Linken nicht mehr
ausschließen. "Ich hoffe allerdings auch, dass die SPD sich im
Zuge dieser Debatte darauf besinnt, wieder die politische Mitte ins
Visier zu nehmen, statt den 'Linken' mit ihren Rezepten von vorgestern
hinterherzulaufen", fügte Künast hinzu.
Zur Regierungsbildung in Hessen kritisierte Künast das
"dilettantische Vorgehen der SPD". "Es wäre spannend gewesen, den
'Linken' dort inhaltlich auf den Zahn zu fühlen", etwa beim Thema
Haushalt. "Da wäre die Linke von ihren verbalradikalen
Höhenflügen zurück auf den Boden der Realität
gezerrt worden."
(Quelle: afp)
Baden-Württemberg: Ministerpräsident Oettinger denkt an
schwarz-grüne Koalition auf Bundesebene
Mo.17.03.08 - Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger
hat als erster prominenter CDU-Politiker offen für ein
Bündnis der Christdemokraten mit den Grünen auf Bundesebene
plädiert.
"Die Achtung vor dem Wähler gebietet es, auch mit den Grünen
koalitionsfähig zu sein, wenn es für Schwarz-Gelb nicht
reicht", sagte Oettinger laut einem am Sonntag vorab
veröffentlichten Bericht der "Bild"-Zeitung (Montagausgabe). Er
gebe dem eindeutig den Vorzug vor einer Fortsetzung der großen
Koalition oder Neuwahlen.
Schon in der vergangenen Woche hatte Unions-Fraktionschef Volker Kauder
in einem Zeitungsinterview ein solches Bündnis nicht mehr
ausgeschlossen. "Ich schließe nur eins aus: Mit den Kommunisten
werden wir keine Regierung bilden", hatte er gesagt. In Hamburg
sprechen CDU und Grüne derzeit über die Bildung der ersten
schwarz-grüne Koalition in einem Bundesland.
Oettinger forderte allerdings von den Grünen, sich zwischen den
Optionen eines Bündnisses mit der SPD und der Linkspartei und dem
einer Kooperation mit CDU und FDP zu entscheiden. "Die Partei muss sich
jetzt outen: Wollen die Grünen der nützliche
Mehrheitsbeschaffer für ein Bündnis mit den frustrierten
Sozialdemokraten und Kommunisten sein oder Politik für ihre
mehrheitlich bürgerlichen Wähler machen? Beides geht nicht."
Die Kritik des FDP-Vorsitzenden Guido Westerwelle an der CDU wegen
ihres Zugehens auf die Grünen in Hamburg wies Oettinger
zurück. Hintergrund sei vor allem die Wahlschlappe der FDP in der
Stadt. Die SPD nannte Oettinger momentan "nicht regierungsfähig".
Seit Wochen bleibe die Sacharbeit in der großen Koalition auf der
Strecke, weil die Sozialdemokraten sich nur noch mit sich selbst
beschäftigten. Über den "Sinkflug von Kurt Beck und der SPD"
könne sich die Union nicht freuen.
Bei den Grünen in Baden-Württemberg gab es in den letzten
Jahren immer wieder Politiker, die schwarz-grüne Bündnisse
als eine Option für die Zukunft betrachteten. Oettinger hatte sich
2006 aber in seinem Land für eine CDU/FDP-Koalition entschieden,
obwohl er auch die Möglichkeit eines Bündnisses mit den
Grünen gehabt hätte.
(Quelle: rtr)
Hessen: Koch hofft auf langsames Wachsen einer Jamaika-Koalition
Mo.17.03.08 - Hessens amtierender Ministerpräsident Roland Koch (CDU) will
Stück für Stück auf eine Jamaika-Koalition aus CDU, FDP
und Grünen hinarbeiten.
"Man muss neue Wege eher über parlamentarische Arbeit wachsen
lassen als dadurch, dass Parteivorstände miteinander reden", sagte
Koch dem "Tagesspiegel am Sonntag". In Hessen gebe es mit den
Grünen für die CDU mehr inhaltliche Überschneidungen als
mit der SPD. Der hessische FDP-Chef Jörg-Uwe Hahn sagte dem
Magazin "Focus", er hoffe auf ein solches Dreier-Bündnis im Herbst
dieses Jahres, spätestens aber im Frühjahr 2009. Dagegen
schloß Grünen-Chef Tarek Al-Wazir eine Jamaika-Koalition
vorerst aus.
"Es ist weder Faulheit noch Feigheit, wenn alle Beteiligten sich dieser
Konstellation nur über eine mittlere Zeitachse annähern
können", sagte Koch. Er räumte jedoch ein, dass ein
Bündnis mit den Grünen schwierig wäre. "Die Grünen
sind in Hessen sehr gefestigt in ihrer Haltung gegen die CDU, so wie es
die CDU gegen die Grünen ist. Aber der Versuch ist nicht
aussichtslos."
Da absehbar ist, dass Koch ab Anfang April die Regierung
geschäftführend, aber ohne Mehrheit im Parlament führen
wird, sprach er von einem "Abtasten" der Parteien auf
Kompromissfähigkeit in der praktischen Arbeit. Dabei könnten
sich neue Konstellationen herausbilden. "Es mag ja seltsam klingen,
aber aus Sicht der CDU ist es leichter, mit der Programmatik der
Grünen zu arbeiten als mit dieser SPD", sagte Koch. Das sei das
Werk von SPD-Chefin Andrea Ypsilanti. Koch lehnte seinen Rückzug
als Vorbedingung für Gespräche zwischen den Parteien ab.
FDP-Landeschef Hahn forderte Koch auf, sich als Architekt der ersten
Jamaika-Koalition in Hessen zu beweisen. Der Generalsekretär der
Bundes-FDP, Dirk Niebel, merkte im "Focus" an, eine solche
Koalitionsregierung werde dann sicher nicht von Koch angeführt
werden. Er sehe Koch als den Architekten, "der das Haus baut, wohl aber
nicht bewohnen wird".
Grünen-Chef Al-Wazir allerdings schränkte ein, Hessens CDU
bleibe der am weitesten rechtsstehende aller CDU-Landesverbände.
Die CDU pflege hier einen Politikstil und politische Inhalte, die mit
keiner Partei kompatibel seien - abgesehen von der FDP. Dass die CDU in
Frankfurt unter Oberbürgermeisterin Petra Roth mit den Grünen
regiere, bedeute nicht viel. Sie sei in ihrem Landesverband ohnehin
eher eine Exotin.
Den amtierenden Ministerpräsidenten Koch forderte Al-Wazir auf, in
dieser Funktion nicht Mehrheitsbeschlüsse des Landtags zu
blockieren. Das will dieser auch nicht tun: "Eine
geschäftsführende Regierung ist nicht der Gegner des
Parlaments."
Ein Bündnis der SPD mit Grünen und Linkspartei ist nach
Einschätzung von SPD-Fraktionschef Peter Struck in Hessen auf
Dauer vom Tisch. "Denn dafür gibt es keine Mehrheiten", sagte
Struck der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".
Die Chefin der Grünen-Bundestagsfraktion Renate Künast
bedauerte das. Sie sei "frustriert über das dilettantische
Vorgehen der SPD", sagte sie der Zeitschrift "Super Illu". "Es
wäre spannend gewesen, den Linken dort inhaltlich auf den Zahn zu
fühlen und zu schauen, ob man mit denen überhaupt
verbindliche Vereinbarungen treffen kann, zum Beispiel zum Haushalt",
sagte Künast. "Da wäre die Linke von ihren verbalradikalen
Höhenflügen zurück auf den Boden der Realität
gezerrt worden."
(Quelle: rtr)
Kommunale Stichwahlen in Bayern: Machtwechsel in großen
Städten
Mo.17.03.08 - Siege und Niederlagen für CSU und SPD: In mehreren großen
Städten Bayerns müssen nach den Stichwahlen vom Sonntag
Oberbürgermeister beider großer Parteien ihre Sessel
räumen.
Zwei Wochen nach den glänzenden Siegen der SPD-Rathauschefs in den
größten Städten München und Nürnberg verloren
die Sozialdemokraten die drittgrößte Stadt Augsburg an die
CSU. In Würzburg und Passau wurden dagegen die CSU-Amtsinhaber von
SPD-Herausfordern geschlagen. «Insgesamt liegen wie im
üblichen Leben Freud und Leid nahe aneinander», sagte
Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) am Rande eines
Besuchs in der saudi-arabischen Hauptstadt Riad.
Bei den Landrats-Stichwahlen musste die CSU vor allem in ihrem
Stammland Oberbayern empfindliche Niederlagen hinnehmen. Sie verlor
dort gleich fünf Posten und verfehlte damit das von Parteichef
Erwin Huber ausgegebene Ziel, bayernweit 50 Landratssitze zu erobern.
Landesweit hatten sowohl CSU und SPD bei den Kommunalwahlen am 2.
März ihre jeweils schlechtesten Ergebnisse seit Jahrzehnten
erlitten.
In Augsburg siegte am Sonntag CSU-Herausforderer Kurt Gribl mit knapp
56 Prozent überraschend klar über Amtsinhaber Paul Wengert,
der auf 44,1 Prozent kam. In der viertgrößten bayerischen
Stadt Würzburg wurde CSU-Amtsinhaberin Pia Beckmann
abgewählt. Neuer Rathauschef ist Georg Rosenthal von der SPD. In
Regensburg konnte der seit zwölf Jahren amtierende
CSU-Oberbürgermeister Hans Schaidinger sein Amt nach heftigen
internen Parteiquerelen knapp gegen SPD-Kandidat Joachim Wolbergs
verteidigen. Im niederbayerischen Passau unterlag
Oberbürgermeister Albert Zankl (CSU) geben den SPD-
Landtagsabgeordneten Jürgen Dupper.
CSU-Chef Huber sieht vor allem die Großstadtkompetenz seiner
Partei gestärkt. «Für uns ist es eine Sensation, dass
wir in Augsburg gewonnen haben», sagte er der Deutschen
Presse-Agentur dpa. Die CSU- Niederlagen in Würzburg und Passau
seien zwar «schmerzlich», insgesamt stelle die CSU aber
jetzt einen Oberbürgermeister mehr als vorher.
Die Opposition setzt weiterhin auf ein Ende der CSU- Alleinregierung
bei der Landtagswahl im Herbst. SPD- Landtagsfraktionschef Franz Maget
sagte der dpa, die SPD sei landespolitisch besser aufgestellt als die
CSU. Grünen-Landeschefin Theresa Schopper zeigte sich erfreut
über die Erfolge ihrer Partei. Zugleich bedauerte sie, dass es der
Landtagsabgeordnete Christian Magerl in Freising nicht als erster
Grünen-Landrat Deutschlands geschafft habe.
Als Sieger der Stichwahlen sahen sich vor allem die Freien Wähler.
Die teilweise unerwartet hohen Siege ihrer Kandidaten zeigten, dass die
Menschen mehr unverbrauchte und bürgernahe Politiker wollten,
teilte der Landesvorsitzende Hubert Aiwanger mit. Insgesamt sieben
Landratskandidaten der Freien Wähler hatten sich durchgesetzt.
Stichwahlen gab es in 15 Landkreisen, 7 kreisfreien Städten und
mehr als 250 kleineren Städten und Gemeinden. Insgesamt eroberte
die CSU vier Oberbürgermeister-Sessel, die SPD gewann zwei und
freie Wählergruppen gewannen einen Sitz. SPD-Amtsinhaber mussten
allerdings in vier größeren Städten den OB-Sessel
räumen, wobei der schmerzhafteste Verlust Augsburg sein
dürfte.
Bei den Kommunalwahlen vor zwei Wochen hatte die SPD mit 22,6 Prozent
ihr schlechtestes Ergebnis bei einer Kommunalwahl seit Kriegsende
eingefahren. Die CSU sackte mit 40 Prozent auf den Stand von 1966 ab.
Gewinner waren die Grünen, Freie Wählergruppen und die FDP.
Die Wahlbeteiligung bei der Stichwahl lag ähnlich niedrig wie bei
der ersten Runde vor zwei Wochen - zum Teil bei unter 50 Prozent.
(Quelle: dpa)
Konjunktur-Forscher erwarten Inflation deutlich über zwei Prozent
Mo.17.03.08 - Nach den pessimistischen Prognosen der Währungshüter heben
auch führende Konjunkturforschungsinstitute ihre
Inflationserwartungen für 2008 an.
Nach einem Bericht der «Bild»-Zeitung erwartet das Institut
für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel in Deutschland eine Teuerungsrate
von mindestens 2,4 Prozent, nach bislang etwas mehr als 2 Prozent.
«Aber es können sicher auch mehr werden», zitiert die
Zeitung den IfW-Konjunkturchef Joachim Scheide. Auch das
Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung
(RWI) in Essen wolle seine Inflationsprognose in den nächsten
Tagen auf mindestens 2,4 (bislang 2,3) Prozent anheben.
Die Teuerungsrate in Deutschland lag angesichts der Rekordpreise beim
Öl und hoher Nahrungsmittelpreise zuletzt bei 2,8 Prozent.
Für Bundesbankpräsident Axel Weber ist es «keinesfalls
sicher, dass die Inflationsrate 2008 zurückgehen wird». Im
Eurogebiet liegt die Inflation sogar auf einem Rekordniveau. Die
jährliche Inflationsrate kletterte im Februar auf 3,3 Prozent nach
3,2 Prozent in Vormonat, und lag damit so hoch wie nie seit
Einführung des Euro Anfang 1999.
(Quelle: dpa)
DGB verlangt kräftige Lohnerhöhungen - Kritik an Steuerpolitik
Mo.17.03.08 - DGB-Chef Michael Sommer hat kräftige Lohnerhöhungen
gefordert, um eine auch in Deutschland drohende Rezession abzuwenden.
Zugleich kritisierte er in der "Bild am Sonntag" die Steuerpolitik der
Bundesregierung als ungerecht und verlangte Korrekturen.
"Wir hinken in Deutschland bei den Bruttolöhnen hinterher und
haben daher seit Jahren Reallohnverluste", sagte Sommer. Höhere
Löhne kurbelten aber die Binnenkonjunktur an und könnten eine
Rezession in Deutschland verhindern. "Wir brauchen in der
Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst deutliche
Tarifsteigerungen. 2008 muss das Jahr spürbarer realer
Lohnerhöhungen für alle werden."
Sommer nahm besonders die Steuerpolitik von Finanzminister Peer
Steinbrück aufs Korn. Die Bundesregierung müsse es "sehr ernst
nehmen", dass von den Reformen vor allem Besserverdienende profitiert
hätten. "Die Auswirkungen ihrer Steuerpolitik ist verheerend",
sagte Sommer. "Es gibt viele Ungerechtigkeiten. Die ganz oben
können sich vom Steuerzahlen verabschieden, normalen Facharbeitern
wird fast jeder Lohnzuwachs wegbesteuert. Das muss Finanzminister
Steinbrück dringend korrigieren."
Die Senkung des Spitzensteuersatzes auf 42 Prozent bei gleichzeitig
steiler Progression sei "ein großer Fehler" gewesen. "Jetzt zahlen
die Reichen weniger, und die Steuerlast tragen die mittleren Einkommen.
Das muss korrigiert werden." Sommer schlug dazu eine spürbare
Anhebung der "Reichensteuer" - derzeit sind das drei Prozentpunkte -
für Spitzenverdiener vor. Zugleich erneuerte Sommer die Forderung
nach einem gesetzlichen Mindestlohn von mindestens 7,50 Euro pro
Stunde. Das würde der Kaufkraft und damit der Konjunktur einen
Schub geben.
(Quelle: rtr)
Deutsche-Bank-Chef Ackermann kommt in Umfrage zu Manager-Moral schlecht
weg
Mo.17.03.08 - In einer Umfrage zum Thema Moral der Topmanager ist Deutsche-Bank-Chef
Josef Ackermann auf dem letzten Platz gelandet. Auf einer
Schulnoten-Skala von 1 (sehr gut) bis 6 (ungenügend) kam er in der
Umfrage unter 1.016 Bundesbürgern auf einen Schnitt von 3,99. Am
besten kam BMW-Chef Norbert Reithofer weg, der einen Schnitt von 2,97
nach Hause brachte. Das ergab die Umfrage der Nürnberger
Marktforschung Puls, die am Sonntag in Hamburg veröffentlicht
wurde. Die Marktforscher hatten gefragt, wie das sozialverantwortliche
Verhalten einzelner Konzernlenker bewertet wird.
Der BMW-Chef ist der einzige Konzernlenker, der eine Bewertung besser
als 3 erzielt. Das ist laut Puls-Chef Konrad Weßner ein Beleg
dafür, «wie wenig der normale Bürger an Moral und Ethik
auf Chefetagen glaubt.» Hinter Jürgen Hambrecht von BASF
(3,03) folgen mit Daimler-Chef Dieter Zetsche (3,08) und VW-Lenker
Martin Winterkorn (3,13) weitere Automanager auf vorderen Plätzen.
Marktforscher Weßner dazu: «Autoindustrie und Automanagern
gelingt es ganz offensichtlich, auf soziale und ökologische Fragen
noch relativ überzeugende Antworten zu finden.»
Überraschend befindet sich Siemens-Chef Peter Löscher trotz
seines Kampfes um bessere Transparenz beim Elektrokonzern mit einer Note
von 3,47 nur im Mittelfeld. Hier bewegen sich auch Eckhard Cordes
(Metro, 3,19), Michael Diekmann von der Allianz (3,37) und Jürgen
Großmann (RWE, 3,53).
Hintere Ränge belegen Telekom-Chef René Obermann (3,7) und
E.ON-Vormann Wulf Bernotat (3,72). Die rote Laterne halten gemeinsam mit
jeweils der Note 3,99 Bahn-Lenker Hartmut Mehdorn und Deutsche
Bank-Primus Ackermann. «Der GDL-Streik hat sicherlich bewirkt,
dass die soziale Kompetenz von Herrn Mehdorn in Mitleidenschaft gezogen
wurde.»
(Quelle: ap)
Post schließt bundesweit 700 Filialen
Mo.17.03.08 - Die Deutsche Post AG will ihr Filialnetz offenbar bundesweit radikal
ausdünnen. Wie die "Lübecker Nachrichten" berichten, will der
Konzern bis zum Jahr 2011 rund 700 der bundesweit noch 800
eigenbetriebenen Filialen schließen. Entsprechende Pläne
bestätigte Post-Sprecher Jörg Koens der Zeitung. "Wir wandeln
die Filialen um, geben sie an Partner ab", sagte er. Nur noch 100 eigene
Filialen sollen demmach erhalten erhalten bleiben.
An den Standorten, die aufgegeben werden, sollen private Partner wie
Supermärkte, Bäckereien oder auch Kioskbetreiber einspringen
und die Post-Dienstleistungen anbieten. Die Post wolle mit dem Konzept
Kosten einsparen, die betroffenen 3000 Mitarbeiter der Filialen sollen
weiter bei dem Unternehmen beschäftigt werden, erklärte der
Sprecher.
(Quelle: afp)
Computer & Cyberspace
'Cyber-Dschihad' - Bayerns Verfassungsschützer entdecken
'Online-Uni' für Extremisten
Mo.17.03.08 - Der bayerische Verfassungsschutz hat nach Angaben des Innenministeriums
in München eine Art "Online-Universität" für
islamistische Extremisten entdeckt. "Lehrer" unterrichteten dort
"Schüler" etwa in Waffenkunde, Bombenbau, Guerillakampf oder
konspirativer Kommunikation, sagte Bayerns Innenminister Joachim Hermann
(CSU) dem Nachrichtenmagazin "Focus". "Die Bedeutung des
'Cyber-Dschihad' in islamistischen Kreisen nimmt generell zu", sagte der
Minister.
Eine neue Dimension stelle aber die terroristische Ausbildung "mittels
Fernstudium" dar. Sie ergänze und ersetze zunehmend die
Ausbildungslager in Afghanistan und Pakistan. Weil Islamisten die
modernen Medien für Propaganda und Informationsaustausch intensiv
nutzten, verschwimme "die Grenze zwischen El-Kaida-Sympathisanten und
den Aktivisten des Terrors". Existenz, Überlebensfähigkeit und
Weiterentwicklung von El Kaida werde durch das Internet garantiert,
sagte Herrmann.
(Quelle: afp)
Phishing und Kinderpornografie breiten sich im Internet aus
Mo.17.03.08 - Das Ausspähen privater Daten im Internet hat laut BKA im
vergangenen Jahr stark zugenommen. «2007 haben wir schon 4.200
Phishing-Fälle registriert. Das sind 700 Fälle oder 20 Prozent
mehr als im Jahr zuvor», sagte der Präsident des
Bundeskriminalamtes (BKA), Jörg Ziercke, der «Neuen
Osnabrücker Zeitung» (Samstagausgabe). Er beobachte dies mit
großer Sorge. Die tatsächliche Zahl dürfte noch weit
höher liegen, weil viele Einbrüche in Rechner zunächst
unbemerkt blieben oder nicht gemeldet würden, sagte Ziercke.
«Auch die Schäden steigen sprunghaft. 2006 lag die
Schadenshöhe im Durchschnitt noch bei 2.500 Euro, jetzt sind es
schon 4.000 bis 4.500 Euro pro Phishing-Fall», sagte der BKA-Chef.
«Nach Schätzungen sind heute mehr als 750.000 Computer in
Deutschland mit Schadprogrammen infiziert, etwa 150.000 Rechner werden
von Kriminellen unbemerkt ferngesteuert.» Ziercke rät
Computer-Nutzern dringend, sensibler mit dem Internet umzugehen und
sich zu schützen.
Auch die Kinderpornografie weitet sich nach Einschätzung des BKA
drastisch im Internet aus. «Bilder und Filme, auf denen Kinder und
sogar Babys brutal missbraucht werden, breiten sich im Internet rasend
schnell aus», sagte Ziercke der Zeitung. So habe das BKA zum
Beispiel in einem Verfahren in Deutschland fast 240.000 Zugriffe auf
4.600 kinderpornografische Dateien festgestellt. «Was dort im
Internet geschieht, ist einfach unfassbar», sagte der
Präsident des BKA.
(Quelle: ap)
Wissenschaft
Forscher warnen vor ungezügeltem Anbau nachwachsender Rohstoffe --
Satelliten sollen Erhalt biologisch wertvoller Naturareale
überwachen
Mo.17.03.08 - Der drastisch steigende Anbau nachwachsender Rohstoffe für die
Gewinnung von Kraftstoffen droht nach Ansicht von Forschern weltweit die
biologische Vielfalt in besonders wertvollen Naturarealen zu
vernichten. Zum Abschluss einer internationalen Umweltkonferenz auf der
Ostseeinsel Vilm warnten am Sonntag Wissenschaftler aus zehn Staaten
angesichts der stark steigenden Nachfrage nach Rohstoffen wie
Palmöl, Zuckerrohr, Soja und Raps vor allem vor der weiteren
Vernichtung von Tropenwäldern.
In einem Forderungskatalog schlugen die Experten vor, den Staaten
entsprechende Herstellungs-Kontingente zuzuweisen, Biomasse-Produkte zu
zertifizieren und ihren Anbau mit Satelliten zu überwachen. Wer
künftig nachwachsende Rohstoffe für die Energieerzeugung
exportiere, müsse nachweisen, dass dafür keine
Naturschutzgebiete geopfert worden seien, sagte Uwe Fritsche vom
Öko-Institut Darmstadt. Die Kontrollen könnten zum Beispiel
von der Welternährungsorganisation oder über das
Umweltprogramm der Vereinten Nationen organisiert und über
Sonderabgaben aus der Ölindustrie finanziert werden.
Die Teilnehmer aus Argentinien, Brasilien, Costa Rica, Deutschland,
Frankreich, Großbritannien, Indonesien, Malaysia, Südafrika
und den USA hatten während der Konferenz auf gravierende
Umweltzerstörungen durch die Ausweitung von Biomasse-Plantagen in
einzelnen Ländern berichtet.
In Indonesien würden derzeit zum Beispiel Torfwälder
abgeholzt, um neue Palmöl-Plantagen zu gewinnen, sagte Kathrin
Ammermann vom Bundesamt für Naturschutz (BfN). In diesen
Regenwäldern lebten die unter strengem Schutz stehenden
Menschenaffen Orang-Utan sowie Tiger und Tapire. Mittlerweile
würden in dem Inselstaat auf schätzungsweise 20 Millionen
Hektar die besonders ertragreichen Ölpalmen angebaut. Auch in
Brasilien verdränge der Anbau von Zuckerrohr und Soja zunehmend
artenreiche Urwälder. Die Vernichtung und Trockenlegung der
wichtigen Kohlendioxid-Speicher werde zudem den Treibhauseffekt weiter
anheizen, warnten die Experten. Die wichtigsten Lieferanten
nachwachsender Rohstoffe sind derzeit Indonesien, Brasilien und
Malaysia. Als größte Konsumenten gelten die Europäische
Union (EU), Japan und in zunehmendem Maße auch China. In den USA
wird inzwischen Mais, der früher nach Mexiko exportiert wurde,
für die Ethanol-Produktion genutzt.
In Deutschland werde inzwischen die Hälfte des zur
Diesel-Herstellung benötigten Rapses aus Polen, Tschechien, Kanada
und den USA bezogen, sagte Fritsche. Immer häufiger werde aber auch
zum Beispiel in Rheinland-Pfalz, Hessen und Brandenburg Grünland
für den Anbau von Mais und Raps umgebrochen. Eine Alternative zu
diesen Monokulturen könnten die sogenannten synthetischen
BtL-Kraftstoffe (Biomass to Liquid - Biomasse zu Flüssigkeit)
sein, die auf der Basis unterschiedlicher Pflanzen hergestellt werden.
Der auf Vilm verabschiedete Forderungskatalog soll im Mai in Bonn der
neunten Vertragsstaatenkonferenz der Vereinten Nationen zum
Übereinkommen über die biologische Vielfalt vorgestellt
werden. Zu dem Treffen werden mehr als 1000 Regierungsvertreter aus
über 90 Staaten erwartet.
(Quelle: ap)