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Irak am 1454sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität

Internationales Komitee vom Roten Kreuz kritisiert humanitäre Situation im Irak. Papst ruft zum Ende der Gewalt auf. Tausende demonstrieren in Los Angeles gegen Irak-Krieg. Republikanischer US-Präsidentschaftskandidat McCain zu Überraschungsbesuch in Bagdad

Mo.17.03.08 - Fünf Jahre nach Beginn des Irak-Kriegs herrscht in dem Land nach Einschätzung des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) eine desolate humanitäre Lage. Viele Iraker hätten keinen Zugang zu grundlegender Gesundheitsversorgung, sanitären Einrichtungen und sauberem Wasser, erklärte das IKRK in einem heute veröffentlichten Bericht. In irakischen Krankenhäusern fehlen qualifiziertes Personal, wichtige Medikamente und tausende von Betten.

Irakischen Schätzungen zufolge seien seit 2003 mehr als 2.200 Ärzte und Krankenschwestern getötet und mehr als 250 entführt worden, erklärte das IKRK weiter. Von den 1990 registrierten 34.000 Medizinern hätten mindestens 20.000 ihre Heimat verlassen. In öffentlichen Kliniken gibt es dem Rot-Kreuz-Bericht zufolge nur 30.000 Betten, gebraucht werden 80.000. Die Behandlung in Privatkliniken können sich die meisten Iraker nicht leisten: Ärztliche Beratung kostet dort umgerechnet zwischen 1,30 und 4,50 Euro - der Tagesverdienst eines Irakers liegt bei rund 3,20 Euro.

Im vergangenen Jahr habe sich außerdem die Wasserversorgung deutlich verschlechtert. Vielfach seien Versorgungsengpässe zu beklagen, und Millionen Menschen seien auf Wasser von schlechter Qualität angewiesen. Familien, in denen eine Person den Lebensunterhalt verdient, geben dem IKRK zufolge ein Drittel des Einkommens für Wasser aus. Während sich die Sicherheitslage in einigen Landesteilen verbessert habe, müsse der Grundversorgung der Bevölkerung mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden, mahnte das IKRK.

Wenige Tage nach dem Tod des entführten Erzbischofs von Mossul hat Papst Benedikt XVI. in einem als "Aufschrei des Herzens" bezeichneten Appell zu einem Ende der Gewalt im Irak aufgerufen. "Hört auf mit den Massakern, der Gewalt, dem Hass", sagte der Papst während des Angelusgebets in Rom.

Der Papst erinnerte an den "tragischen" Tod des Erzbischofs von Mossul, Faradsch Rahu, der am Donnerstag tot aufgefunden worden war. Das Kirchenoberhaupt lobte den festen Glauben Rahus, von dem dieser sich trotz zahlreicher Bedrohungen nicht abgewendet habe. Der Bischof der chaldäisch-katholischen Gemeinde von Mossul war Ende Februar nach einer Schießerei in der nordirakischen Stadt von bewaffneten Männern verschleppt worden. Nach Hinweisen der Entführer war die Leiche des Geistlichen nahe Mossul gefunden worden. Bislang ist unklar, ob Rahu getötet wurde oder an Gesundheitsproblemem starb.

Kurz vor dem fünften Jahrestag des US-Einmarschs im Irak haben in Los Angeles Tausende gegen den Irak-Krieg demonstriert. Nach Angaben der Polizei nahmen etwa 2000 Menschen an dem Protestzug auf dem Hollywood Boulevard teil, den Organisatoren zufolge kamen 10.000 Demonstranten. Die Protestteilnehmer, zu denen zahlreiche US-Veteranen aus unterschiedlichen Konflikten zählten, trugen mit der US-Flagge eingehüllte Särge, um an die Opfer des Irak-Kriegs zu erinnern. Auf Spruchbändern kritisierten sie US-Präsident George W. Bush.

An der Demonstration nahm auch der Vietnam-Veteran Ron Kovic teil, dessen Lebensgeschichte "Geboren am 4. Juli" durch die Verfilmung mit Hollywood-Star Tom Cruise weltberühmt wurde. Er fühle "Schmerz" und "Sorge" für das irakische Volk und die im Irak eingesetzten US-Soldaten, "die leiden, die ihre Arme und Beine verlieren, die getötet werden", sagte Kovic, der seit einer Verletzung im Vietnam-Krieg gelähmt ist und im Rollstuhl sitzt.

In London hatten am Samstag bis zu 40.000 Menschen gegen den Irak-Krieg protestiert und den Rückzug der britischen Truppen gefordert. In der schwedischen Hauptstadt Stockholm demonstrierten etwa 500 Menschen gegen die US-Präsenz im Irak, in Göteborg nach Angaben der Nachrichtenagentur TT etwa 600 weitere. Zu der Demonstration gegen den Irak-Krieg im norwegischen Oslo versammelten sich nach Polizeiangaben etwa 200 Menschen, im norddänischen Aalborg wurden rund 100 Demonstranten gezählt.

Die Proteste fanden aus Anlass des fünften Jahrestages des Einmarsches der US-Armee im Irak statt. Die US-geführten Truppen waren am 20. März 2003 im Irak einmarschiert.

Der republikanische Spitzenkandidat für die US-Präsidentschaftswahlen, John McCain, traf zu einem Überraschungsbesuch in Bagdad ein.

McCain will mit den US-Verantwortlichen im Irak Gespräche führen, wie ein Sprecher der Botschaft in Bagdad erklärte. Unter anderem soll er demnach US-Botschafter Ryan Crocker treffen.

McCain unterstützt die Irak-Strategie von Präsident George W. Bush, der tausende zusätzliche Soldaten in das Land geschickt hatte. Der Senator aus Arizona fordert, die Truppen dort solange zu lassen, bis der Irak ausreichend stabil ist. Die Mehrheit der US-Bürger lehnt dies jedoch ab.

boa (Quellen afp, ap)


 

 

Blick ins Archiv:

Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003

Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.

US-Präsident Bush hatte Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen. Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in einer Fernsehansprache (19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....

Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan. Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen", "Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale Konflikte" zu verhindern.

1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld, Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker in der Bush-Administration... Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html

Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg
#Politische_Vorgeschichte






Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/
irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news



Chronologie des Irak-Kriegs

Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news

Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news

Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news

Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news

Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news

Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news

Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news

Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news

Teil 9: 01.01.2007 bis 17.03.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news

... wird fortgesetzt...
 
 


 

Vor einem Jahr:
 
Irak am neunhunderteinundneunzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität

Sa.17.03.07 - UN-Generalsekretär wirbt um internationale Unterstützung für den Irak +++ Zehntausende zu Protesten gegen Irakkrieg in Washington erwartet +++ Richter: US-Angriff auf britische Soldaten im Irak war 'kriminell' +++ Kriminalbeamte: Lage der deutschen Geiseln im Irak sehr bedrohlich +++ UNHCR: Zahl der irakischen Flüchtlinge in Europa verdoppelt sich... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv9/k0703170.htm#news

 
 

 

Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a

Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b

... Lügen und Täuschungen, die in London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
 

Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net

Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in der Studie heißt, die auf der Website der renommierten britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com] veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
 

Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi: 10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5 Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
 

Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
 

Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet: Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society Studies (IIACSS) zusammengetragen.

Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18 Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr 1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte. (Quelle: afp)

Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote gemeldet (Stand Sonntagabend).

Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens 3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der US-Streitkräfte hervorgeht.

Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155 Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr zuvor. (Quelle: afp)
 

«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
 
 

'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'

»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.

Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den Straßen des Irak herumirren... «

Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
 
 
 

US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak

Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg: Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung, erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f

 
 

Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren

Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr. US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.

Quellen: ap, afp

Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt

Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar (1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar (425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office am Mittwoch in Washington mitteilte...

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
 
 

'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg

Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung - er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der 38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch Steuerverweigerung aus.... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv9/k0707210.htm#07072101

 
 

Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'

Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen. Niemals

Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig alle hassen".

Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen. "Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"

Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht: Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter, Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind sie - Helden.

Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007

'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2

Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org

Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/
k0803150.htm#0803150

 
 
 


 

Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'

Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in Afghanistan in den 80er Jahren.

Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die westlichen Länder müssten die Gründe dafür analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.

Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.

(Quelle: ap)
 


 

Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar

Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...

Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten Irakkrieg. ..

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
 


 

Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen

Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein "Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde, warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.

Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115 Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million. Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)

Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten - würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.

An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne gehen...

Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
 


 

Saddam Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis

Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt, dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit, dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am Sonntagabend ausgestrahlt werden.

Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms Klarheiten zu schaffen.

Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann dazustehen, der den USA trotzt.»

Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff zu nehmen.

boa (Quelle: ap)
 
 
 
 

 


 


 

Nahost-Konflikt

Israelis und Palästinenser verhandeln kommende Woche wieder

Mo.17.03.08 - Die Chefunterhändler Israels und der Palästinenser wollen in der kommenden Woche ihre Friedensverhandlungen wieder aufnehmen.

Dies teilten israelische Regierungsvertreter und westliche Diplomaten am Sonntag mit. Die Gespräche waren nach dem israelischen Einmarsch im Gazastreifen unterbrochen worden, bei dem 120 Palästinenser getötet wurden. Zudem hatten Pläne Israels, Siedlungen im Westjordanland auszubauen, die Verhandlungen belastet. Bislang sind die Gespräche ohne greifbares Ergebnis geblieben. Geleitet wurden sie von der israelischen Außenministerin Zipi Liwni und dem ehemaligen palästinensischen Ministerpräsidenten Ahmed Kurie.

Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas strebt eine Vereinbarung an, durch die ein eigenständiger Palästinenser-Staat geschaffen wird. Israels Ministerpräsident Ehud Olmert nannte als Ziel der Verhandlungen, sich in diesem Jahr grundsätzlich auf den Rahmen für einen Palästinenser-Staat zu einigen. Dieser solle aber nur dann umgesetzt werden, wenn Abbas militante Palästinenser im Gazastreifen und im Westjordanland in Schach halte. US-Außenministerin Condoleezza Rice hatte am Freitag beiden Seiten unzureichende Friedensbemühungen vorgeworfen.

(Quelle: rtr)
 


 

Deutschlands Kanzlerin Merkel zu dreitägigem Besuch in Israel eingetroffen

Mo.17.03.08 - Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel ist zu einem dreitägigen Besuch in Israel eingetroffen: Sie landete am Sonntagnachmittag auf dem Flughafen von Tel Aviv. Anschließend wollte die Kanzlerin per Hubschrauber in die Negev-Wüste fliegen, wo sie gemeinsam mit Staatschef Schimon Peres den Kibbuz Sde Boker besucht. Dort liegt der erste Ministerpräsident Israels, David Ben Gurion, begraben. Anlässlich des 60. Jahrestags der Gründung Israels würdigte der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) die enge Freundschaft beider Länder.
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"Israel wird 60 - ein ganz besonderer Geburtstag für uns Deutsche. Mit keinem anderen Land sind wir so untrennbar verbunden", schrieb Steinmeier in einem Gastbeitrag für die "Bild am Sonntag". "Zunächst auf furchtbare Weise durch das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte, dem Holocaust an den Juden Europas. Aber auch durch eine Entwicklung, die man getrost 'wunderbar' nennen kann: die Freundschaft, die zwischen der Bundesrepublik und dem jüdischen Staat Israel seitdem gewachsen ist."

Deutschland könne dankbar sein, dass Israel es heute zu seinen engsten Verbündeten und Freunden zähle, betonte Steinmeier. Inzwischen sei ein dichtes Netz persönlicher Beziehungen gewachsen. Es gebe fast 100 Städtepartnerschaften. Jedes Jahr nähmen 5000 Jugendliche beider Länder an Austauschprogrammen teil, führte der Außenminister aus. "Jede Begegnung ist Teil des Fundaments, auf dem wir unsere gemeinsame Zukunft bauen."

Zum Besuch der deutschen Regierung in Israel schrieb Steinmeier: "Ein neues Kapitel schlagen wir auf, wenn sich unsere beiden Regierungen diese Woche erstmals zu einer gemeinsamen Sitzung treffen." Die Bundesregierung habe "konkrete Projekte im Gepäck". Das Auswärtige Amt werde zwei Zentren für Deutschlandstudien an den Universitäten Jerusalem und Haifa finanzieren. Steinmeier äußerte den Wunsch, dass noch in diesem Jahr ein gemeinsames Zukunftsforum beider Länder die Arbeit aufnehme und die beiden Länder künftig noch enger verbinde - wirtschaftlich, wissenschaftlich und kulturell. "Mein Gruß kommt von Herzen: Alles Gute Israel, Mazal Tov!", endete der Beitrag des Ministers.

Am heutigen Montag finden in Jerusalem die ersten deutsch-israelischen Regierungskonsultationen statt. Merkel, die in Begleitung mehrerer Minister reist, spricht am Dienstag dank einer Ausnahmegenehmigung als erste Regierungschefin in der Knesset. Dies ist ansonsten Staatschefs vorbehalten.

(Quelle: afp)
 


 

China wegen blutiger Proteste in Tibet in der Kritik --  Dalai Lama fordert Untersuchung zu 'kulturellem Völkermord' -- IOC gegen Olympiaboykott wegen Tibet-Krise -- Schweizer Komitee fordert Intervention in Peking

Mo.17.03.08 - Nach den blutigen Protesten in der tibetischen Hauptstadt Lhasa steht die chinesische Führung international in der Kritik. US-Außenministerin Condoleezza Rice rief China zu Zurückhaltung im Umgang mit Demonstranten auf. Amnesty International (ai) forderte eine unabhängige Untersuchung der Vorfälle in Tibet. In Washington, Berlin und anderen deutschen Städten wurde gegen die gewaltsame Niederschlagung der Proteste in Lhasa demonstriert. Zudem wurde die Debatte über einen Boykott der Olympischen Spiele in Peking erneut angeheizt. In Lhasa herrschte laut Augenzeugen angespannte Ruhe.

"Wir appellieren an die chinesische Regierung, Zurückhaltung bei ihrer Reaktion auf diese Demonstrationen zu beweisen", erklärte Rice in Washington. Peking müsse alle in Tibet, die lediglich wegen ihrer Meinungsäußerungen inhaftiert worden seien, freilassen. Zugleich rief Rice alle Beteiligten zum Gewaltverzicht auf.

Der Dalai Lama hat derweil Untersuchungen dazu gefordert, ob in Tibet ein "kultureller Völkermord" verübt wird: China verlasse sich auf Gewalt, um Frieden zu erreichen, sagte das geistliche Oberhaupt der Tibeter am Sonntag. Zugleich sprach er sich gegen einen Boykott der Olympischen Spiele in Peking aus. China habe die Spiele verdient. Die internationale Gemeinschaft habe aber die moralische Verantwortung, China daran zu erinnern, ein guter Gastgeber für die Spiele zu sein.

"Die tibetische Nation steht vor einer großen Gefahr", sagte der Friedensnobelpreisträger. "Ob China das einräumt oder nicht, es gibt ein Problem." Der Dalai Lama bekräftigte, er trete weiterhin für eine Autonomie Tibets innerhalb von China ein. Die Regierung in Peking hat den Dalai Lama für die Unruhen in Tibet mit verantwortlich gemacht.

Die tibetische Exilregierung im indischen Dharamshala verfügt nach eigenen Angaben über bestätigte Berichte, wonach etwa achtzig Menschen bei den gewaltsamen Protesten in Tibet getötet wurden. Zuvor hatte sie von mindestens 30 Toten gesprochen, chinesischen Behörden zufolge kamen zehn Menschen ums Leben.

Vor der chinesischen Botschaft in Washington demonstrierten etwa 150 Menschen gegen die Niederschlagung der Proteste in Tibet. Auch vor der chinesischen Botschaft in Berlin sowie in Frankfurt am Main, Hamburg, Düsseldorf und Freiburg gab es Proteste. In Zürich warfen laut Polizeiangaben einige der insgesamt rund 700 Demonstranten Steine auf das chinesische Konsulat.

Die Exil-Tibeter in Deutschland forderten, die Teilnahme bei den Olympischen Spielen in Peking zu überdenken. Der VDT-Vorsitzende Lhanzom Evelding sagte der "Bild am Sonntag": "Die ganze Welt muss jetzt darüber nachdenken, ob sie noch an den Spielen in China teilnehmen will. Das beste wäre, die Spiele in ein Land zu verlegen, in dem die Menschenrechte geachtet werden." Der Menschenrechtsbeauftragte der deutschen Regierung Günter Nooke (CDU) wandte sich gegen einen Boykott der Spiele. Zugleich forderte er in der "BamS", China müsse "endlich einen weitgehenden Autonomiestatus für Tibet akzeptieren".

Auch das Internationale Olympische Komitee (IOC) lehnt einen Boykott der Pekinger Sommerspiele wegen der Unruhen in Tibet ab. «Wir glauben, dass ein Boykott keine Lösung ist», sagte Rogge am Samstag vor Journalisten auf der Karibikinsel St. Kitt. «Im Gegenteil, er bestraft unschuldige Athleten.»

Rogge sagte, das IOC sei durchweg immer gegen Boykotte der Spiele gewesen. Auf seiner Pressekonferenz wollte er sich nicht weiter zu Tibet äußern. Am Freitag sagte er in Puerto Rico, es sei nicht die Aufgabe des Komitees, die Menschenrechtssituation dort zu verbessern.

Der Chef des Schweizerischen Olympischen Komitees, Jörg Schild, forderte aber das IOC wegen der Unruhen in Tibet zu einer Intervention in China auf. Sollte das IOC weiter schweigen, werde er am Montag bei der Organisation seinem Unbehagen Ausdruck geben, sagte der oberste Schweizer Sportfunktionär am Samstag im Schweizer Radio DRS. Für ihn persönlich sei «der Rubikon überschritten», sagte Schild und fügte hinzu: «Ich bringe es nicht fertig, zu sagen, wir gehen jetzt dort hin, um Sport zu treiben.» Schild sprach sich aber auch gegen einen Boykott der Spiele in Peking aus.

IOC-Vizepräsident Thomas Bach erklärte, das IOC werde mit China über Menschenrechte sprechen. Ein Boykott wäre aber der falsche Weg, weil er Kommunikationswege unterbrechen würde.

Die EU sprach sich ebenfalls dafür aus, Peking zu einem Ende der Gewalt und die Aufnahme eines Dialogs mit den Tibetern zu bewegen. EU-Justizkommissar Franco Frattini sagte laut einer Meldung der italienischen Nachrichtenagentur ANSA aber auch, die Olympischen Spiele müssten in einer Atmosphäre «wahrer Brüderlichkeit» stattfinden. «Andernfalls wäre dieses Fest des Sports ernsthaft in Gefahr.»

In der Olympischen Geschichte hat es mindestens vier Boykotte gegeben, die meist nicht mehr als eine Bestrafung der Athleten gebracht hätten, sagte der Vizepräsident der Internationalen Gesellschaft für Olympische Historiker, David Wallechinsky. Er kritisierte aber die Entscheidung, die Spiele überhaupt nach Peking zu vergeben. «Das IOC hat Ärger bewusst in Kauf genommen, als es die Olympischen Spiele in ein Land mit einer Diktatur vergeben hat», sagte er.

boa (Quellen: afp, ap, rtr)
 


 

Pakistan: Haus eines Anführers der Islamisten von Raketen zerstört - 20 Tote

Mo.17.03.08 - Bei einem Raketenangriff auf das Haus eines Islamisten sind am Sonntag in Pakistan in der Grenzregion zu Afghanistan rund 20 Menschen getötet worden. Das berichteten Augenzeugen und staatliche pakistanische Medien. Die pakistanischen Streitkräfte bestätigten fünf oder sechs Explosionen in der Provinz Süd-Waziristan, nähere Einzelheiten seien nicht bekannt, hieß es.

Das staatliche Fernsehen berichtete, sieben Raketen seien eingeschlagen. Wer sie abfeuerte, war zunächst nicht bekannt. In der Vergangenheit haben aber die in Afghanistan stationierten US-Truppen wiederholt Angriffe über die Grenze hinweg gestartet. Augenzeugen wollen vor den Explosionen Drohnen in der Luft beobachtet haben, wie sie nur die US-Streitkräfte besitzen.

Eines der zerstörten Häuser soll einem Taliban-Anhänger gehört haben, in dem oft ausländische Kämpfer zu Gast waren. Auch in einem zweiten zerstörten Haus sollen sich arabische und usbekische Kämpfer aufgehalten haben.

(Quelle: ap)
 


 

Klima-Gipfel in Japan - Keine Fortschritte beim Kampf gegen Erderwärmung -- UN-Bericht: Gletscher schmelzen immer schneller

Mo.17.03.08 - Im Kampf gegen die Erderwärmung haben die 20 größten Umweltsünder bei ihrem Gipfel in Japan keine entscheidenden Fortschritte erzielt. Die Positionen von Industrienationen, Schwellen- und Entwicklungsländern seien zu unterschiedlich, sagte Japans Umweltminister Ichiro Kamoshita zum Abschluss des sogenannten G-20-Gipfels im Tokioter Vorort Makuhari. Nach einem UN-Bericht gefährdet das Abschmelzen der Gletscher die weltweite Trinkwasserversorgung.

Japan sprach sich während des Treffens der Länder, die zusammen 80 Prozent des weltweiten Ausstoßes an klimaschädlichen Treibhausgasen zu verantworten haben, für einen "branchenspezifischen Ansatz" aus, bei dem für jeden Industriezweig eigene Klimaziele aufgestellt werden sollen. "Unser Vorstoß war sinnvoll, weil er eine neue Idee zeigt", sagte Kamoshita. Dies unterscheide sich von den bisher geltenden festen Emmissionzielen für jedes Land. Japan schafft es derzeit nicht, die im Kyoto-Protokoll festgeschriebenen Obergrenzen zu erreichen.

Aufstrebende Länder wie Südafrika lehnten den Vorstoß Japans jedoch ab. Sie wollen sich nicht auf die gleichen Ziele verpflichten lassen wie Industriestaaten. Dennoch sei sich Südafrika der "Dringlichkeit zum Handeln" bewusst, sagte Umweltminister Marthinus van Schalkwyk. "Als Entwicklungsland sind wir bereit, einen fairen Beitrag in einem Klimasystem zu leisten", sagte er.

Der frühere britische Premierminister Tony Blair hatte in seiner Eröffnungsrede am Samstag vergeblich für verbindliche Klimaschutz-Ziele geworben. Den Entwicklungs- und Schwellenländern räumte er zugleich ein Recht auf Wachstum ein. Der Brite leitet eine Gruppe internationaler Klimaexperten, unter deren Vermittlung ein Kompromiss der G-20 über verbindliche Klimaschutzziele zustande kommen soll.

Weitere mahnende Worte kamen von den Vereinten Nationen: Der Klimawandel lasse die Gletscher weltweit immer schneller abschmelzen und gefährde damit die weltweite Trinkwasserversorgung, hieß es in einem Bericht des UN-Umweltprogramms (UNEP), der sich auf Daten des Welt-Gletscher-Beobachtungsdienstes (WGMS) stützt. "Die durchschnittliche Abschmelze hat sich zwischen 2004/2005 und 2005/2006 mehr als verdoppelt", heißt es in dem Bericht. Die WGMS, die weltweit 30 verschiedene Eisfelder überwacht, schätzt den durchschnittlichen Eisverlust seit 1980 auf 11,5 Meter pro Gletscher.

(Quelle: afp)
 


 

Deutlicher Sieg der Konservativen im Iran bei Palamentswahl -- EU kritisiert die Wahlen als 'weder frei noch fair'

Mo.17.03.08 - Bei der Parlamentswahl im Iran haben die Konservativen um Präsident Mahmud Ahmadinedschad nach Angaben der staatlichen Medien ihre starke Stellung gefestigt. Sie hätten mehr als 70 Prozent der Stimmen erhalten, hieß es am Sonntag.

Etwa 20 Prozent entfielen demnach auf das Lager der Reformer, knapp zehn Prozent auf unabhängige Bewerber. Die EU kritisierte die Wahl als «weder fair noch frei». Viele Kandidaten seien davon abgehalten worden, sich überhaupt zur Wahl zu stellen, betonte die slowenische EU-Ratspräsidentschaft. Der Ausschluss sei eine eindeutige Verletzung internationaler Standards.

Ein Sieg der Konservativen war bei der im Westen schon im Vorfeld als undemokratisch gewerteten Wahl gut zweieinhalb Jahre nach dem Amtsantritt Ahmadinedschads erwartet worden. Der von der religiösen Führung eingesetzte Wächterrat hatte viele Kandidaten der Reformer gar nicht erst zur Wahl zugelassen. Nicht nur auf dem Lande, sondern auch im politisch wichtigen Wahlbezirk Teheran setzten sich nach den am Sonntag vorliegenden Ergebnissen die Konservativen durch. Lediglich ein Kandidat der Reformer habe noch eine Chance, eines der 30 in der Hauptstadt zu vergebenden Mandate zu gewinnen, meldete die Nachrichtenagentur ISNA. Die meisten Stimmen habe Parlamentspräsident Gholam-Ali Hadad Adel erzielt, ein enger Vertrauter Ahmadinedschads.

In der Pilgerstadt Qom rund 150 Kilometer südlich der Hauptstadt Teheran errang dagegen der frühere Atom-Chefunterhändler Ali Laridschani, ein Kritiker des Präsidenten, einen deutlichen Sieg über seine konservativen Mitbewerber. Inoffiziellen Ergebnissen zufolge kam Laridschani, der auf Vorschlag von führenden Klerikern angetreten war, auf mehr als 75 Prozent. Laridschani war im Oktober nach Meinungsverschiedenheiten mit Ahmadinedschad als Unterhändler zurückgetreten.

Nach Angaben des Innenministeriums lag die Beteiligung bei der Wahl am Freitag landesweit bei schätzungsweise 65 Prozent, in Teheran bei nur 40 Prozent. Um die 290 Parlamentssitze hatten sich mehr als 4400 Kandidaten beworben. Rund 43 Millionen Menschen waren stimmberechtigt. Angesichts wachsenden Unmuts vor allem über die wirtschaftliche Lage im Iran galt die Wahl auch als Test für die Politik Ahmadinedschads.

Die USA monierten, das iranische Regime habe von vornherein Andersdenkenden eine Kandidatur verweigert oder sie eingeschüchtert. Das Volk habe nicht die freie Entscheidung gehabt, die es verdient hätte, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Sean McCormack, am Freitag in Washington.

(Quelle: dpa)
 


 

Türkei: Verbotsantrag für Erdogan-Partei stößt auf breite Kritik

Mo.17.03.08 - Mit ihrem Verbotsantrag gegen die Regierungspartei AKP hat sich die türkische Justiz im In- und Ausland den Vorwurf eingehandelt, einen politischen Feldzug gegen Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan gestartet zu haben. Politischen Parteien mit Verbotsanträgen zu begegnen, sei inakzeptabel, erklärte der türkische Industriellenverband TÜSIAD, eine der einflussreichsten Organisationen des Landes. Auch ein Teil der türkischen Presse sowie die EU warfen der Generalstaatsanwaltschaft vor, sich in eine politische Auseinandersetzung eingemischt zu haben. Das Verbotsverfahren selbst wird mehrere Monate dauern.

Generalstaatsanwalt Abdurrahman Yalcinkaya argumentiert in seiner 162-seitigen Anklageschrift, Erdogans Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP) strebe trotz aller Bekenntnisse zur Demokratie einen islamistischen Gottesstaat an. Um seine Vorwürfe zu untermauern, verweist Yalcinkaya auf zahlreiche Äußerungen von Erdogan und anderen AKP-Spitzenpolitikern sowie auf Initiativen wie die Freigabe des islamischen Kopftuches für Studentinnen. Der Staatsanwalt fordert ein politisches Betätigungsverbot für 71 Politiker, darunter für Erdogan und auch für den früheren AKP-Außenminister und heutigen Staatspräsidenten Abdullah Gül.

Erdogan selbst sagte voraus, der Verbotsantrag werde scheitern. Niemand könne eine Partei, die von 16,5 Millionen Menschen gewählt worden sei, als anti-laizistisch bezeichnen. Die AKP hatte bei den Parlamentswahlen im vergangenen Jahr 46,6 Prozent der Stimmen erhalten. Sie regiert die Türkei seit mehr als fünf Jahren. Angesichts des Zuspruches für seine Partei sei der Antrag beim Verfassungsgericht ein "Angriff auf den Volkswillen", erklärte Erdogan in Ankara.

Das Verfassungsgericht muss nun zunächst entscheiden, ob es die Anklage annimmt. Wenn die Verfassungsrichter grünes Licht geben, hat die AKP maximal zwei Monate Zeit, eine Verteidigungsschrift bei Gericht einzureichen. Anschließend gibt es noch eine mündliche Anhörung. Nach Presseberichten gibt es bei der AKP und der nationalistischen Oppositionspartei MHP bereits Überlegungen, in der Zeit bis zu einem möglichen Urteil mit einer raschen Verfassungsänderung ein Parteiverbot zu erschweren. Die beiden Parteien hatten im Februar gemeinsam die Kopftuchfreigabe im Parlament durchgesetzt.

(Quelle: afp)
 


 

Kommunalwahlen in Frankreich: 'Rote Welle' spült Sarkozys Partei aus fast allen großen Städten

Mo.17.03.08 - Bittere Enttäuschung für Nicolas Sarkozy zehn Monate nach seinem Amtsantritt als Staatspräsident: Bei der Kommunalwahl in Frankreich am Sonntag eroberten die Sozialisten (PS) nach Hochrechnungen fast alle wichtigen Städte von der konservativen Regierungspartei UMP, darunter die bisherigen bürgerlichen Hochburgen Straßburg, Toulouse und Périgueux. Dort musste sich Bildungsminister Xavier Darcos geschlagen geben. Schon im ersten Wahlgang vor einer Woche verteidigten die PS-Kandidaten Lyon und sicherten Paris.

Die Kommunalwahl war der bislang wichtigste Stimmungstest für Sarkozy. Ein noch größeres Fiasko für seine Partei konnte UMP-Vizepräsident Jean-Claude Gaudin in Marseille verhindern. Er hatte laut Hochrechnung einen knappen Vorsprung in der zweitgrößten Stadt des Landes und hielt der «roten Welle» stand.

Nach einer CSA-Umfrage stimmten insgesamt 49,5 Prozent für einen Kandidaten der linken Listen, gegenüber 47,5 Prozent für die konservative Regierungspartei UMP. Aus der «Gelben Karte» im ersten Durchgang sei jetzt eine «Rote Karte» geworden, sagte der sozialistische Expremier Laurent Fabius. Die «Abstrafung» habe sich in der Stichwahl bestätigt, sagte die PS-Spitzenpolitikerin Ségolène Royal. Jetzt müsse die Regierung «die Botschaft hören und ihr Verhalten und ihre Politik ändern».

Letzterem erteilte Premierminister François Fillon eine Absage: «Wir werden die bei der Präsidentschaftswahl bestätigte Politik fortführen». Stehvermögen sei notwendig, um das Land zu reformieren. Sarkozy selbst hatte nach den herben Verlusten am 9. März sein angeschlagenes Image zu korrigieren versucht und seine Kooperationsbereitschaft betont.

20 Prozent der Wähler nutzten der CSA-Umfrage zufolge ihre Stimme für eine Sanktion Sarkozys. Nach einer Erhebung von Ipsos-Dell stehen aber 70 Prozent hinter seinen Reformen, jeder vierte Franzose wünscht demnach sogar eine Beschleunigung ihrer Umsetzung. Experten erwarten, dass Sarkozy jetzt vor allem seinen Stil ändert; sein Privatleben aus den Schlagzeilen hält und seinen bislang gegängelten Ministern mehr Entscheidungsfreiheit lässt. Von einer zunächst geplanten umfassenden Kabinettsumbildung hat der Staatspräsident Abstand genommen.

Der Verlust von Périgueux ist besonders schmerzlich für das Regierungslager, dort war Erziehungsminister Xavier Darcos ins Rennen gegangen. Eine bittere Schlappe musste auch Zentrumspolitiker François Bayrou einstecken. Der Drittplatzierte der Präsidentschaftswahl unterlag in der Pyrenäen-Stadt Pau dem PS-Kandidaten. Bayrou und seine neue Partei MoDem müssen jetzt ums politische Überleben kämpfen.

Vor einer Woche hatten die linken Listen schon um drei Punkte auf fast 48 Prozent zugelegt, während die Rechte auf 45,5 Prozent absackte. Insgesamt waren in der Kommunalwahl 37.000 Bürgermeister zu bestimmen. Die PS konnte ihr Ziel erreichen, rund 30 der vor sieben Jahren an die Bürgerlichen verlorenen großen Städte zurückzuerobern. Durch ein starkes Gegengewicht auf Gemeindeebene werde der Spielraum der Pariser Regierung eingegrenzt, erklärten Experten.

(Quelle: ap)
 


 

Deutschland

Grünen-Fraktionsvorsitzende Künast kann sich Koalitionen mit der Linken vorstellen

Mo.17.03.08 - Die Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Renate Künast, hält Regierungskoalitionen mit der Linken in Bund und Ländern in Zukunft unter Umständen für notwendig. "Das kann sich ergeben und nötig sein", sagte Künast der Zeitschrift "Super Illu". Gleichzeitig betonte die Fraktionschefin, sie sei nicht "scharf" auf eine derartige Zusammenarbeit: "Mir geht der rückwärtsgewandte Populismus der Herren Lafontaine und Gysi auf die Nerven."

Mit Blick auf die SPD sagte Künast, die Sozialdemokraten könnten eine Zusammenarbeit mit der Linken nicht mehr ausschließen. "Ich hoffe allerdings auch, dass die SPD sich im Zuge dieser Debatte darauf besinnt, wieder die politische Mitte ins Visier zu nehmen, statt den 'Linken' mit ihren Rezepten von vorgestern hinterherzulaufen", fügte Künast hinzu.

Zur Regierungsbildung in Hessen kritisierte Künast das "dilettantische Vorgehen der SPD". "Es wäre spannend gewesen, den 'Linken' dort inhaltlich auf den Zahn zu fühlen", etwa beim Thema Haushalt. "Da wäre die Linke von ihren verbalradikalen Höhenflügen zurück auf den Boden der Realität gezerrt worden."

(Quelle: afp)
 


 

Baden-Württemberg: Ministerpräsident Oettinger denkt an schwarz-grüne Koalition auf Bundesebene

Mo.17.03.08 - Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger hat als erster prominenter CDU-Politiker offen für ein Bündnis der Christdemokraten mit den Grünen auf Bundesebene plädiert.

"Die Achtung vor dem Wähler gebietet es, auch mit den Grünen koalitionsfähig zu sein, wenn es für Schwarz-Gelb nicht reicht", sagte Oettinger laut einem am Sonntag vorab veröffentlichten Bericht der "Bild"-Zeitung (Montagausgabe). Er gebe dem eindeutig den Vorzug vor einer Fortsetzung der großen Koalition oder Neuwahlen.

Schon in der vergangenen Woche hatte Unions-Fraktionschef Volker Kauder in einem Zeitungsinterview ein solches Bündnis nicht mehr ausgeschlossen. "Ich schließe nur eins aus: Mit den Kommunisten werden wir keine Regierung bilden", hatte er gesagt. In Hamburg sprechen CDU und Grüne derzeit über die Bildung der ersten schwarz-grüne Koalition in einem Bundesland.

Oettinger forderte allerdings von den Grünen, sich zwischen den Optionen eines Bündnisses mit der SPD und der Linkspartei und dem einer Kooperation mit CDU und FDP zu entscheiden. "Die Partei muss sich jetzt outen: Wollen die Grünen der nützliche Mehrheitsbeschaffer für ein Bündnis mit den frustrierten Sozialdemokraten und Kommunisten sein oder Politik für ihre mehrheitlich bürgerlichen Wähler machen? Beides geht nicht."

Die Kritik des FDP-Vorsitzenden Guido Westerwelle an der CDU wegen ihres Zugehens auf die Grünen in Hamburg wies Oettinger zurück. Hintergrund sei vor allem die Wahlschlappe der FDP in der Stadt. Die SPD nannte Oettinger momentan "nicht regierungsfähig". Seit Wochen bleibe die Sacharbeit in der großen Koalition auf der Strecke, weil die Sozialdemokraten sich nur noch mit sich selbst beschäftigten. Über den "Sinkflug von Kurt Beck und der SPD" könne sich die Union nicht freuen.

Bei den Grünen in Baden-Württemberg gab es in den letzten Jahren immer wieder Politiker, die schwarz-grüne Bündnisse als eine Option für die Zukunft betrachteten. Oettinger hatte sich 2006 aber in seinem Land für eine CDU/FDP-Koalition entschieden, obwohl er auch die Möglichkeit eines Bündnisses mit den Grünen gehabt hätte.

(Quelle: rtr)
 


 

Hessen: Koch hofft auf langsames Wachsen einer Jamaika-Koalition

Mo.17.03.08 - Hessens amtierender Ministerpräsident Roland Koch (CDU) will Stück für Stück auf eine Jamaika-Koalition aus CDU, FDP und Grünen hinarbeiten.

"Man muss neue Wege eher über parlamentarische Arbeit wachsen lassen als dadurch, dass Parteivorstände miteinander reden", sagte Koch dem "Tagesspiegel am Sonntag". In Hessen gebe es mit den Grünen für die CDU mehr inhaltliche Überschneidungen als mit der SPD. Der hessische FDP-Chef Jörg-Uwe Hahn sagte dem Magazin "Focus", er hoffe auf ein solches Dreier-Bündnis im Herbst dieses Jahres, spätestens aber im Frühjahr 2009. Dagegen schloß Grünen-Chef Tarek Al-Wazir eine Jamaika-Koalition vorerst aus.

"Es ist weder Faulheit noch Feigheit, wenn alle Beteiligten sich dieser Konstellation nur über eine mittlere Zeitachse annähern können", sagte Koch. Er räumte jedoch ein, dass ein Bündnis mit den Grünen schwierig wäre. "Die Grünen sind in Hessen sehr gefestigt in ihrer Haltung gegen die CDU, so wie es die CDU gegen die Grünen ist. Aber der Versuch ist nicht aussichtslos."

Da absehbar ist, dass Koch ab Anfang April die Regierung geschäftführend, aber ohne Mehrheit im Parlament führen wird, sprach er von einem "Abtasten" der Parteien auf Kompromissfähigkeit in der praktischen Arbeit. Dabei könnten sich neue Konstellationen herausbilden. "Es mag ja seltsam klingen, aber aus Sicht der CDU ist es leichter, mit der Programmatik der Grünen zu arbeiten als mit dieser SPD", sagte Koch. Das sei das Werk von SPD-Chefin Andrea Ypsilanti. Koch lehnte seinen Rückzug als Vorbedingung für Gespräche zwischen den Parteien ab.

FDP-Landeschef Hahn forderte Koch auf, sich als Architekt der ersten Jamaika-Koalition in Hessen zu beweisen. Der Generalsekretär der Bundes-FDP, Dirk Niebel, merkte im "Focus" an, eine solche Koalitionsregierung werde dann sicher nicht von Koch angeführt werden. Er sehe Koch als den Architekten, "der das Haus baut, wohl aber nicht bewohnen wird".

Grünen-Chef Al-Wazir allerdings schränkte ein, Hessens CDU bleibe der am weitesten rechtsstehende aller CDU-Landesverbände. Die CDU pflege hier einen Politikstil und politische Inhalte, die mit keiner Partei kompatibel seien - abgesehen von der FDP. Dass die CDU in Frankfurt unter Oberbürgermeisterin Petra Roth mit den Grünen regiere, bedeute nicht viel. Sie sei in ihrem Landesverband ohnehin eher eine Exotin.

Den amtierenden Ministerpräsidenten Koch forderte Al-Wazir auf, in dieser Funktion nicht Mehrheitsbeschlüsse des Landtags zu blockieren. Das will dieser auch nicht tun: "Eine geschäftsführende Regierung ist nicht der Gegner des Parlaments."

Ein Bündnis der SPD mit Grünen und Linkspartei ist nach Einschätzung von SPD-Fraktionschef Peter Struck in Hessen auf Dauer vom Tisch. "Denn dafür gibt es keine Mehrheiten", sagte Struck der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Die Chefin der Grünen-Bundestagsfraktion Renate Künast bedauerte das. Sie sei "frustriert über das dilettantische Vorgehen der SPD", sagte sie der Zeitschrift "Super Illu". "Es wäre spannend gewesen, den Linken dort inhaltlich auf den Zahn zu fühlen und zu schauen, ob man mit denen überhaupt verbindliche Vereinbarungen treffen kann, zum Beispiel zum Haushalt", sagte Künast. "Da wäre die Linke von ihren verbalradikalen Höhenflügen zurück auf den Boden der Realität gezerrt worden."

(Quelle: rtr)
 


 

Kommunale Stichwahlen in Bayern: Machtwechsel in großen Städten

Mo.17.03.08 - Siege und Niederlagen für CSU und SPD: In mehreren großen Städten Bayerns müssen nach den Stichwahlen vom Sonntag Oberbürgermeister beider großer Parteien ihre Sessel räumen.

Zwei Wochen nach den glänzenden Siegen der SPD-Rathauschefs in den größten Städten München und Nürnberg verloren die Sozialdemokraten die drittgrößte Stadt Augsburg an die CSU. In Würzburg und Passau wurden dagegen die CSU-Amtsinhaber von SPD-Herausfordern geschlagen. «Insgesamt liegen wie im üblichen Leben Freud und Leid nahe aneinander», sagte Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) am Rande eines Besuchs in der saudi-arabischen Hauptstadt Riad.

Bei den Landrats-Stichwahlen musste die CSU vor allem in ihrem Stammland Oberbayern empfindliche Niederlagen hinnehmen. Sie verlor dort gleich fünf Posten und verfehlte damit das von Parteichef Erwin Huber ausgegebene Ziel, bayernweit 50 Landratssitze zu erobern. Landesweit hatten sowohl CSU und SPD bei den Kommunalwahlen am 2. März ihre jeweils schlechtesten Ergebnisse seit Jahrzehnten erlitten.

In Augsburg siegte am Sonntag CSU-Herausforderer Kurt Gribl mit knapp 56 Prozent überraschend klar über Amtsinhaber Paul Wengert, der auf 44,1 Prozent kam. In der viertgrößten bayerischen Stadt Würzburg wurde CSU-Amtsinhaberin Pia Beckmann abgewählt. Neuer Rathauschef ist Georg Rosenthal von der SPD. In Regensburg konnte der seit zwölf Jahren amtierende CSU-Oberbürgermeister Hans Schaidinger sein Amt nach heftigen internen Parteiquerelen knapp gegen SPD-Kandidat Joachim Wolbergs verteidigen. Im niederbayerischen Passau unterlag Oberbürgermeister Albert Zankl (CSU) geben den SPD- Landtagsabgeordneten Jürgen Dupper.

CSU-Chef Huber sieht vor allem die Großstadtkompetenz seiner Partei gestärkt. «Für uns ist es eine Sensation, dass wir in Augsburg gewonnen haben», sagte er der Deutschen Presse-Agentur dpa. Die CSU- Niederlagen in Würzburg und Passau seien zwar «schmerzlich», insgesamt stelle die CSU aber jetzt einen Oberbürgermeister mehr als vorher.

Die Opposition setzt weiterhin auf ein Ende der CSU- Alleinregierung bei der Landtagswahl im Herbst. SPD- Landtagsfraktionschef Franz Maget sagte der dpa, die SPD sei landespolitisch besser aufgestellt als die CSU. Grünen-Landeschefin Theresa Schopper zeigte sich erfreut über die Erfolge ihrer Partei. Zugleich bedauerte sie, dass es der Landtagsabgeordnete Christian Magerl in Freising nicht als erster Grünen-Landrat Deutschlands geschafft habe.

Als Sieger der Stichwahlen sahen sich vor allem die Freien Wähler. Die teilweise unerwartet hohen Siege ihrer Kandidaten zeigten, dass die Menschen mehr unverbrauchte und bürgernahe Politiker wollten, teilte der Landesvorsitzende Hubert Aiwanger mit. Insgesamt sieben Landratskandidaten der Freien Wähler hatten sich durchgesetzt.

Stichwahlen gab es in 15 Landkreisen, 7 kreisfreien Städten und mehr als 250 kleineren Städten und Gemeinden. Insgesamt eroberte die CSU vier Oberbürgermeister-Sessel, die SPD gewann zwei und freie Wählergruppen gewannen einen Sitz. SPD-Amtsinhaber mussten allerdings in vier größeren Städten den OB-Sessel räumen, wobei der schmerzhafteste Verlust Augsburg sein dürfte.

Bei den Kommunalwahlen vor zwei Wochen hatte die SPD mit 22,6 Prozent ihr schlechtestes Ergebnis bei einer Kommunalwahl seit Kriegsende eingefahren. Die CSU sackte mit 40 Prozent auf den Stand von 1966 ab. Gewinner waren die Grünen, Freie Wählergruppen und die FDP. Die Wahlbeteiligung bei der Stichwahl lag ähnlich niedrig wie bei der ersten Runde vor zwei Wochen - zum Teil bei unter 50 Prozent.

(Quelle: dpa)
 


 

Konjunktur-Forscher erwarten Inflation deutlich über zwei Prozent

Mo.17.03.08 - Nach den pessimistischen Prognosen der Währungshüter heben auch führende Konjunkturforschungsinstitute ihre Inflationserwartungen für 2008 an.

Nach einem Bericht der «Bild»-Zeitung erwartet das Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel in Deutschland eine Teuerungsrate von mindestens 2,4 Prozent, nach bislang etwas mehr als 2 Prozent. «Aber es können sicher auch mehr werden», zitiert die Zeitung den IfW-Konjunkturchef Joachim Scheide. Auch das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen wolle seine Inflationsprognose in den nächsten Tagen auf mindestens 2,4 (bislang 2,3) Prozent anheben.

Die Teuerungsrate in Deutschland lag angesichts der Rekordpreise beim Öl und hoher Nahrungsmittelpreise zuletzt bei 2,8 Prozent. Für Bundesbankpräsident Axel Weber ist es «keinesfalls sicher, dass die Inflationsrate 2008 zurückgehen wird». Im Eurogebiet liegt die Inflation sogar auf einem Rekordniveau. Die jährliche Inflationsrate kletterte im Februar auf 3,3 Prozent nach 3,2 Prozent in Vormonat, und lag damit so hoch wie nie seit Einführung des Euro Anfang 1999.

(Quelle: dpa)
 


 

DGB verlangt kräftige Lohnerhöhungen - Kritik an Steuerpolitik

Mo.17.03.08 - DGB-Chef Michael Sommer hat kräftige Lohnerhöhungen gefordert, um eine auch in Deutschland drohende Rezession abzuwenden.

Zugleich kritisierte er in der "Bild am Sonntag" die Steuerpolitik der Bundesregierung als ungerecht und verlangte Korrekturen.

"Wir hinken in Deutschland bei den Bruttolöhnen hinterher und haben daher seit Jahren Reallohnverluste", sagte Sommer. Höhere Löhne kurbelten aber die Binnenkonjunktur an und könnten eine Rezession in Deutschland verhindern. "Wir brauchen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst deutliche Tarifsteigerungen. 2008 muss das Jahr spürbarer realer Lohnerhöhungen für alle werden."

Sommer nahm besonders die Steuerpolitik von Finanzminister Peer Steinbrück aufs Korn. Die Bundesregierung müsse es "sehr ernst nehmen", dass von den Reformen vor allem Besserverdienende profitiert hätten. "Die Auswirkungen ihrer Steuerpolitik ist verheerend", sagte Sommer. "Es gibt viele Ungerechtigkeiten. Die ganz oben können sich vom Steuerzahlen verabschieden, normalen Facharbeitern wird fast jeder Lohnzuwachs wegbesteuert. Das muss Finanzminister Steinbrück dringend korrigieren."

Die Senkung des Spitzensteuersatzes auf 42 Prozent bei gleichzeitig steiler Progression sei "ein großer Fehler" gewesen. "Jetzt zahlen die Reichen weniger, und die Steuerlast tragen die mittleren Einkommen. Das muss korrigiert werden." Sommer schlug dazu eine spürbare Anhebung der "Reichensteuer" - derzeit sind das drei Prozentpunkte - für Spitzenverdiener vor. Zugleich erneuerte Sommer die Forderung nach einem gesetzlichen Mindestlohn von mindestens 7,50 Euro pro Stunde. Das würde der Kaufkraft und damit der Konjunktur einen Schub geben.

(Quelle: rtr)
 


 

Deutsche-Bank-Chef Ackermann kommt in Umfrage zu Manager-Moral schlecht weg

Mo.17.03.08 - In einer Umfrage zum Thema Moral der Topmanager ist Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann auf dem letzten Platz gelandet. Auf einer Schulnoten-Skala von 1 (sehr gut) bis 6 (ungenügend) kam er in der Umfrage unter 1.016 Bundesbürgern auf einen Schnitt von 3,99. Am besten kam BMW-Chef Norbert Reithofer weg, der einen Schnitt von 2,97 nach Hause brachte. Das ergab die Umfrage der Nürnberger Marktforschung Puls, die am Sonntag in Hamburg veröffentlicht wurde. Die Marktforscher hatten gefragt, wie das sozialverantwortliche Verhalten einzelner Konzernlenker bewertet wird.

Der BMW-Chef ist der einzige Konzernlenker, der eine Bewertung besser als 3 erzielt. Das ist laut Puls-Chef Konrad Weßner ein Beleg dafür, «wie wenig der normale Bürger an Moral und Ethik auf Chefetagen glaubt.» Hinter Jürgen Hambrecht von BASF (3,03) folgen mit Daimler-Chef Dieter Zetsche (3,08) und VW-Lenker Martin Winterkorn (3,13) weitere Automanager auf vorderen Plätzen. Marktforscher Weßner dazu: «Autoindustrie und Automanagern gelingt es ganz offensichtlich, auf soziale und ökologische Fragen noch relativ überzeugende Antworten zu finden.»

Überraschend befindet sich Siemens-Chef Peter Löscher trotz seines Kampfes um bessere Transparenz beim Elektrokonzern mit einer Note von 3,47 nur im Mittelfeld. Hier bewegen sich auch Eckhard Cordes (Metro, 3,19), Michael Diekmann von der Allianz (3,37) und Jürgen Großmann (RWE, 3,53).

Hintere Ränge belegen Telekom-Chef René Obermann (3,7) und E.ON-Vormann Wulf Bernotat (3,72). Die rote Laterne halten gemeinsam mit jeweils der Note 3,99 Bahn-Lenker Hartmut Mehdorn und Deutsche Bank-Primus Ackermann. «Der GDL-Streik hat sicherlich bewirkt, dass die soziale Kompetenz von Herrn Mehdorn in Mitleidenschaft gezogen wurde.»

(Quelle: ap)
 


 

Post schließt bundesweit 700 Filialen

Mo.17.03.08 - Die Deutsche Post AG will ihr Filialnetz offenbar bundesweit radikal ausdünnen. Wie die "Lübecker Nachrichten" berichten, will der Konzern bis zum Jahr 2011 rund 700 der bundesweit noch 800 eigenbetriebenen Filialen schließen. Entsprechende Pläne bestätigte Post-Sprecher Jörg Koens der Zeitung. "Wir wandeln die Filialen um, geben sie an Partner ab", sagte er. Nur noch 100 eigene Filialen sollen demmach erhalten erhalten bleiben.

An den Standorten, die aufgegeben werden, sollen private Partner wie Supermärkte, Bäckereien oder auch Kioskbetreiber einspringen und die Post-Dienstleistungen anbieten. Die Post wolle mit dem Konzept Kosten einsparen, die betroffenen 3000 Mitarbeiter der Filialen sollen weiter bei dem Unternehmen beschäftigt werden, erklärte der Sprecher.

(Quelle: afp)
 


 

Computer & Cyberspace

'Cyber-Dschihad' - Bayerns Verfassungsschützer entdecken 'Online-Uni' für Extremisten

Mo.17.03.08 - Der bayerische Verfassungsschutz hat nach Angaben des Innenministeriums in München eine Art "Online-Universität" für islamistische Extremisten entdeckt. "Lehrer" unterrichteten dort "Schüler" etwa in Waffenkunde, Bombenbau, Guerillakampf oder konspirativer Kommunikation, sagte Bayerns Innenminister Joachim Hermann (CSU) dem Nachrichtenmagazin "Focus". "Die Bedeutung des 'Cyber-Dschihad' in islamistischen Kreisen nimmt generell zu", sagte der Minister.

Eine neue Dimension stelle aber die terroristische Ausbildung "mittels Fernstudium" dar. Sie ergänze und ersetze zunehmend die Ausbildungslager in Afghanistan und Pakistan. Weil Islamisten die modernen Medien für Propaganda und Informationsaustausch intensiv nutzten, verschwimme "die Grenze zwischen El-Kaida-Sympathisanten und den Aktivisten des Terrors". Existenz, Überlebensfähigkeit und Weiterentwicklung von El Kaida werde durch das Internet garantiert, sagte Herrmann.

(Quelle: afp)
 


 

Phishing und Kinderpornografie breiten sich im Internet aus

Mo.17.03.08 - Das Ausspähen privater Daten im Internet hat laut BKA im vergangenen Jahr stark zugenommen. «2007 haben wir schon 4.200 Phishing-Fälle registriert. Das sind 700 Fälle oder 20 Prozent mehr als im Jahr zuvor», sagte der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Jörg Ziercke, der «Neuen Osnabrücker Zeitung» (Samstagausgabe). Er beobachte dies mit großer Sorge. Die tatsächliche Zahl dürfte noch weit höher liegen, weil viele Einbrüche in Rechner zunächst unbemerkt blieben oder nicht gemeldet würden, sagte Ziercke.

«Auch die Schäden steigen sprunghaft. 2006 lag die Schadenshöhe im Durchschnitt noch bei 2.500 Euro, jetzt sind es schon 4.000 bis 4.500 Euro pro Phishing-Fall», sagte der BKA-Chef. «Nach Schätzungen sind heute mehr als 750.000 Computer in Deutschland mit Schadprogrammen infiziert, etwa 150.000 Rechner werden von Kriminellen unbemerkt ferngesteuert.» Ziercke rät Computer-Nutzern dringend, sensibler mit dem Internet umzugehen und sich zu schützen.

Auch die Kinderpornografie weitet sich nach Einschätzung des BKA drastisch im Internet aus. «Bilder und Filme, auf denen Kinder und sogar Babys brutal missbraucht werden, breiten sich im Internet rasend schnell aus», sagte Ziercke der Zeitung. So habe das BKA zum Beispiel in einem Verfahren in Deutschland fast 240.000 Zugriffe auf 4.600 kinderpornografische Dateien festgestellt. «Was dort im Internet geschieht, ist einfach unfassbar», sagte der Präsident des BKA.

(Quelle: ap)
 


 

Wissenschaft

Forscher warnen vor ungezügeltem Anbau nachwachsender Rohstoffe -- Satelliten sollen Erhalt biologisch wertvoller Naturareale überwachen

Mo.17.03.08 - Der drastisch steigende Anbau nachwachsender Rohstoffe für die Gewinnung von Kraftstoffen droht nach Ansicht von Forschern weltweit die biologische Vielfalt in besonders wertvollen Naturarealen zu vernichten. Zum Abschluss einer internationalen Umweltkonferenz auf der Ostseeinsel Vilm warnten am Sonntag Wissenschaftler aus zehn Staaten angesichts der stark steigenden Nachfrage nach Rohstoffen wie Palmöl, Zuckerrohr, Soja und Raps vor allem vor der weiteren Vernichtung von Tropenwäldern.

In einem Forderungskatalog schlugen die Experten vor, den Staaten entsprechende Herstellungs-Kontingente zuzuweisen, Biomasse-Produkte zu zertifizieren und ihren Anbau mit Satelliten zu überwachen. Wer künftig nachwachsende Rohstoffe für die Energieerzeugung exportiere, müsse nachweisen, dass dafür keine Naturschutzgebiete geopfert worden seien, sagte Uwe Fritsche vom Öko-Institut Darmstadt. Die Kontrollen könnten zum Beispiel von der Welternährungsorganisation oder über das Umweltprogramm der Vereinten Nationen organisiert und über Sonderabgaben aus der Ölindustrie finanziert werden.

Die Teilnehmer aus Argentinien, Brasilien, Costa Rica, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Indonesien, Malaysia, Südafrika und den USA hatten während der Konferenz auf gravierende Umweltzerstörungen durch die Ausweitung von Biomasse-Plantagen in einzelnen Ländern berichtet.

In Indonesien würden derzeit zum Beispiel Torfwälder abgeholzt, um neue Palmöl-Plantagen zu gewinnen, sagte Kathrin Ammermann vom Bundesamt für Naturschutz (BfN). In diesen Regenwäldern lebten die unter strengem Schutz stehenden Menschenaffen Orang-Utan sowie Tiger und Tapire. Mittlerweile würden in dem Inselstaat auf schätzungsweise 20 Millionen Hektar die besonders ertragreichen Ölpalmen angebaut. Auch in Brasilien verdränge der Anbau von Zuckerrohr und Soja zunehmend artenreiche Urwälder. Die Vernichtung und Trockenlegung der wichtigen Kohlendioxid-Speicher werde zudem den Treibhauseffekt weiter anheizen, warnten die Experten. Die wichtigsten Lieferanten nachwachsender Rohstoffe sind derzeit Indonesien, Brasilien und Malaysia. Als größte Konsumenten gelten die Europäische Union (EU), Japan und in zunehmendem Maße auch China. In den USA wird inzwischen Mais, der früher nach Mexiko exportiert wurde, für die Ethanol-Produktion genutzt.

In Deutschland werde inzwischen die Hälfte des zur Diesel-Herstellung benötigten Rapses aus Polen, Tschechien, Kanada und den USA bezogen, sagte Fritsche. Immer häufiger werde aber auch zum Beispiel in Rheinland-Pfalz, Hessen und Brandenburg Grünland für den Anbau von Mais und Raps umgebrochen. Eine Alternative zu diesen Monokulturen könnten die sogenannten synthetischen BtL-Kraftstoffe (Biomass to Liquid - Biomasse zu Flüssigkeit) sein, die auf der Basis unterschiedlicher Pflanzen hergestellt werden.

Der auf Vilm verabschiedete Forderungskatalog soll im Mai in Bonn der neunten Vertragsstaatenkonferenz der Vereinten Nationen zum Übereinkommen über die biologische Vielfalt vorgestellt werden. Zu dem Treffen werden mehr als 1000 Regierungsvertreter aus über 90 Staaten erwartet.

(Quelle: ap)
 
 
 
 

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