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Irak am 1455sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Selbstmordattentäterin reißt mehr als 40 Menschen in den
Tod. US-Vizepräsident Cheney warnt vor raschem Truppenabzug.
Umfrage: Mehrheit der Iraker sieht Lage derzeit positiv -
Trotzdem wollen immer noch vier Millionen Iraker ihr Land
verlassen. Millionen Menschen in Not
Di.18.03.08 - Eine Selbstmordattentäterin hat in der irakischen Stadt Kerbela am
Montag mindestens 42 Menschen mit in den Tod gerissen. Mehr als 70
Personen wurden nach Polizeiangaben verletzt. Der Anschlag richtete
sich gegen schiitische Gläubige, die sich etwa einen Kilometer vom
Imam-Hussein-Schrein versammelt hatten. Unterdessen besuchte
US-Vizepräsident Dick Cheney überraschend den Irak und warnte
vor einem übereilten Abzug der amerikanischen Truppen.
Ein solcher Schritt würde die jüngsten Fortschritte
gefährden, sagte Cheney auf einer Pressekonferenz mit
US-Botschafter Ryan Crocker und dem Oberbefehlshaber der US-Truppen im
Irak, General David Petraeus. Kurz vor dem fünften Jahrestag des
Irak-Kriegs sagte Cheney, die Iraker befänden sich auf einem
«schwierigen, aber historischen Weg zur Demokratie». Die
Verbesserung der Sicherheitslage seien auf die von US-Präsident
George W. Bush angeordnete Verstärkung der Truppen
zurückzuführen.
Cheney traf zunächst mit US-Kommandeuren und dann mit irakischen
Regierungsmitgliedern zusammen, darunter eine Stunde lang mit
Ministerpräsident Nuri al-Maliki. Kurz zuvor sprach auch der
designierte republikanische Präsidentschaftskandidat John McCain
mit Al-Maliki. Er betonte, es sei wichtig, das US-Engagement im Irak
aufrechtzuerhalten. Al Kaida sei auf der Flucht, aber noch nicht
besiegt, sagte der Senator nach dem Treffen mit dem Regierungschef. Er
traf am Sonntag in Bagdad ein.
Während des Transports Cheneys per Hubschrauber in die Grüne
Zone waren in der Hauptstadt mehrere Explosionen zu hören - ein
deutlicher Hinweis, dass die Gewalt im Land immer noch nicht gebannt
ist. Der Besuch Cheneys war sein dritter im Irak. Anschließend
wird er auch in Oman, Saudi-Arabien, Israel, im palästinensischen
Autonomiegebiet sowie in der Türkei erwartet.
Die US-Streitkräfte gaben den Tod von zwei amerikanischen Soldaten
bekannt. Die beiden seien am Montag bei der Explosion einer am
Straßenrand versteckten Bombe ums Leben gekommen.
Im Irak beurteilt erstmals seit zwei Jahren eine knappe Mehrheit der
Bevölkerung die persönliche Lage wieder positiv, so eine
Studie. Der Verdienst der Amerikaner ist das aber nicht.
Fünf Jahre nach dem Einmarsch der US-Truppen wollen trotz der
verbesserten Sicherheitslage immer noch vier Millionen Iraker ihr Land
verlassen. Das geht aus einer am Montag veröffentlichten Umfrage
hervor, die von der ARD zusammen mit den Sendern ABC, BBC und NHK im
Vorfeld des fünften Jahrestages des US-Einmarsches im Irak in
Auftrag gegeben wurde. Danach haben 18 Prozent der Iraker sogar schon
konkrete Auswanderungspläne. Mehr als zwei Millionen Iraker sind
seit Kriegsbeginn bereits geflohen. Die meisten von ihnen leben heute
in den Nachbarländern Jordanien und Syrien.
55 Prozent der Iraker beurteilen allerdings die Sicherheit in ihrem
Wohnbezirk heute laut der Umfrage wesentlich positiver als noch vor
einem Jahr. Knapp die Hälfte glaubt, dass es ihnen in einem Jahr
noch besser gehen wird. "Dieser Stimmungswandel steht in deutlichem
Kontrast zu der extremen Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung und dem Hass
auf die Besatzungstruppen, die wir noch vor einem Jahr bei einer
vergleichbaren Umfrage festgestellt haben", erklärte Arnd Henze,
der die Studie für den WDR betreute.
Wenig geändert hat sich der Umfrage zufolge die Stimmung
gegenüber den US-Truppen. Nur vier Prozent der Iraker werten den
Rückgang der Gewalt als Erfolg der ausländischen Soldaten,
die Verstärkung der US-Streitkräfte wird mehrheitlich als
Verschärfung der Lage empfunden. Nur jeder fünfte Befragte
hat Vertrauen zu den US-Truppen.
Trotzdem befürworten nur 38 Prozent einen sofortigen Abzug der
Truppen, während die große Mehrzahl diesen an Bedingungen
knüpft. "Die Iraker wollen einen gut vorbereiteten Abzug. Sie
fürchten ein Machtvakuum, einen Bürgerkrieg zwischen den
hochgerüsteten Milizen und die Bedrohung durch die Nachbarn",
erklärt Henze. Einig sind sich die Iraker darin, dass die USA auch
nach einem Abzug eine große Verantwortung für den
Wiederaufbau sowie für den Schutz gegenüber Al Kaida, dem
Iran und der Türkei übernehmen sollen. Es zeige sich, "dass
die Stimmung der Iraker weniger durch einen rein emotionalen Hass auf
die USA geprägt ist, als durch die sehr rationale Erwartung, dass
die Besatzer die Verantwortung für den Schaden übernehmen,
den sie im Irak angerichtet haben", erklärt Henze.
Aus Sicht der Menschenrechtsorganisation Amnesty International ist die
Lage der Iraker heute keineswegs besser als vor dem Sturz des
Saddam-Regimes. "Saddam Husseins Regime war ein Synonym für die
Verletzung von Menschenrechten", sagte Malcolm Smart, Amnesty-
Abteilungsleiter für den Nahost, "aber sein Sturz hat den Irakern
keinerlei Erleichterung gebracht." Der Amnesty-Bericht zum 5. Jahrestag
des Beginns der US-geführten Invasion in der Nacht vom 19. auf den
20. März 2003 hat den Titel "Gemetzel und Hoffnungslosigkeit". Er
berichtet von Massakern durch bewaffnete Gruppierungen, Folter durch
die Sicherheitskräfte und fortgesetzter Inhaftierung durch die
amerikanischen und irakischen Truppen.
"Die verbesserte Sicherheitslage in einigen Teilen des Iraks darf nicht
davon ablenken, dass Millionen von Menschen weiterhin in einer Notlage
leben und sich praktisch völlig selbst überlassen sind",
hieß es zudem in einem in Genf veröffentlichten Bericht des
Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK). Seit 2003 sollen mehr
als 2200 Ärzte und Krankenschwestern getötet und mehr als 250
Mediziner entführt worden sein. Von den 1990 registrierten 34.000
Ärzten hätten mindestens 20.000 das Land verlassen. Bei neuer
Gewalt starben am Montag sechs Menschen im Irak.
boa (Quelle: ap, dw)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 18.03.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am neunhundertzweiundneunzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
So.18.03.07 - Zahlreiche Proteste gegen Irak-Krieg in den USA und Europa +++
US-Präsident Bush wendet sich gegen Einschränkung seiner
Irak-Politik im Kongress +++ Selbstmordanschläge mit Chlorgas im
Irak +++ Weiterer US-Soldat im Irak getötet - Seit Kriegsbeginn kamen
mindestens 3.209 US-Soldaten im Irak ums Leben...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0703180.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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US-Streitkräfte zensieren Zeichnungen von Guantanamo-Häftling
- 'Mein Bild gibt meine Alpträume wieder'
Di.18.03.08 - Die US-Streitkräfte haben Zeichnungen eines
Guantanamo-Häftlings zensiert, die unter anderem dessen
Zwangsernährung in dem Militärgefängnis darstellen.
Pentagon-Sprecher Jeffrey Gordon begründete die Entscheidung
damit, dass die Zeichnungen nicht unter die Kategorie der Dokumente
fielen, die veröffentlicht werden dürften.
Der sudanesische Häftling Sami al Hadsch war bis zu seiner
Gefangennahme im pakistanischen Grenzgebiet zu Afghanistan als
Kameramann für den arabischen Sender Al Dschasira tätig. Die
US-Streitkräfte werfen ihm vor, Geld für eine
Hilfsorganisation transportiert zu haben, die Terroristen
unterstützt haben soll. Al Hadsch ist seit 431 Tagen im
Hungerstreik. In seinen Zeichnungen zeigte er sich selbst bis auf die
Knochen abgemagert.
Die britische Rechtsschutzorganisation Reprieve veröffentlichte
eine Erklärung Al Hadschs, in der dieser zu einer seiner
Zeichnungen sagt: «Mein Bild gibt meine Alpträume wieder,
wie ich aussehen muss, mit meinem Kopf doppelt nach unten gebunden,
eine Röhre in meiner Nase, eine schwarze Maske über meinen
Mund, ohne Augen und nur mit riesigen Kieferknochen.» Die
Anwälte bei Reprieve teilten mit, sie hätten den Zeichner und
Karikaturisten Lewis Peake beauftragt, vier Zeichnungen Al Hadschs mit
Hilfe von Beschreibungen der zensierten Originale nachzuahmen.
Die Anwältin Cori Crider erklärte am Montag, Al Hadsch habe
ihr am 1. Februar die vier Zeichnungen gezeigt. Da sie befürchtet
habe, dass die Darstellungen von der Zensur gestoppt würden, habe
sie auch beantragt, Al Hadschs ausführliche Beschreibungen der
Bilder zur Prüfung vorgelegt zu bekommen. Dies sei von der
Militärbehörde bewilligt worden.
Von den 275 Gefangenen in Guantanamo befinden sich zurzeit sieben im
Hungerstreik, um so gegen ihre Haftbedingungen zu protestieren. Alle
sieben Häftlinge werden zwangsernährt.
(Quelle: ap)
Vier ISAF-Soldaten bei Anschlägen in Afghanistan getötet
Di.18.03.08 - Bei zwei Anschlägen im Süden Afghanistans sind vier Soldaten
der Internationalen Schutztruppe ISAF ums Leben gekommen.
Nach Angaben des Polizeichefs der Provinz Helmand starben am Montag bei
einem Selbstmordanschlag im Distrikt Gerischk drei ausländische
Soldaten sowie vier afghanische Zivilisten. Elf Menschen, darunter vier
ISAF-Soldaten, seien verletzt worden, als der Attentäter seinen
Sprengsatz auf einem Markt neben der Patrouille, die zu Fuß
unterwegs war, zündete.
Das Oberkommando des dänischen Heeres in Kopenhagen teilte mit,
zwei der Todesopfer seien Dänen. Ein Soldat aus dem
skandinavischen Land wurde den Angaben zufolge verletzt. Das
Verteidigungsministerium in Prag bestätigte, dass es sich bei dem
dritten Toten um einen tschechischen Soldaten handelt. Zwei weitere
Tschechen seien verletzt worden.
Nach Angaben des kanadischen Militärs vom Montag wurde bereits am
Vortag ein Kanadier in der Nachbarprovinz Kandahar getötet. Der
Soldat sei schwer verletzt worden, als während einer gemeinsamen
Patrouille mit afghanischen Truppen ein am Straßenrand
versteckter Sprengsatz explodierte. Wenig später sei der Mann in
einem Militärkrankenhaus gestorben, hieß es in der
Mitteilung weiter.
Seit 2002 sind 81 kanadische Soldaten in Afghanistan ums Leben
gekommen. Erst am Freitag hatte Kanada seinen Afghanistan-Einsatz bis
2011 verlängert. Die meisten der etwa 2500 Soldaten sind im
unruhigen Süden Afghanistans stationiert. Dänemark hat 780
Soldaten im Einsatz. Tschechien unterstützt die ISAF mit 335
Soldaten. Davon sind nach Angaben des Verteidigungsministeriums nur 35
in Helmand stationiert. Diese Provinz und das benachbarte Kandahar
gelten als Hochburgen der radikalislamischen Taliban.
(Quelle: dpa)
Deutschland will Polizeiausbildung in Afghanistan ausweiten
Di.18.03.08 - Die deutsche Regierung hat offenbar Pläne für eine Ausweitung
der Polizeiausbildung in Afghanistan. "Wir wollen neue, bilaterale
Projekte zwischen Deutschland und Afghanistan für den Polizeiaufbau
und das möglichst schnell", sagte der deutsche
Innenstaatssekretär August Hanning bei einem Besuch in Kabul
"Spiegel Online". Konkret nannte Hanning den Aufbau einer
Polizeiakademie in Masar-i-Sharif im Norden Afghanistans. Dort ist die
Bundeswehr im Einsatz. Zudem sollten deutsche Experten bei der
Kriminaltechnik der afghanischen Polizei und dem Aufbau eines
afghanischen Bundeskriminalamtes helfen.
Afghanistan stehe beim Aufbau der Polizei "vor größeren
Herausforderungen, als viele denken", sagte Hanning. Bislang engagiert
sich Deutschland hauptsächlich im Rahmen der EU-Mission Eupol beim
Aufbau der Polizei in Afghanistan. Derzeit sind dazu nach Angaben von
"Spiegel Online" 46 deutsche Polizeibeamte im Land, die bei der
Weiterbildung von Polizeioffizieren helfen. Deutschland steht seit
langem unter Druck von NATO-Alliierten, sein Engagement in Afghanistan
auszubauen. Insbesondere die USA und Kanada fordern einen Einsatz der
Bundeswehr auch im umkämpften Süden des Landes. Die
Bundesregierung hat diese Forderungen wiederholt zurückgewiesen und
dabei auf den bisherigen Einsatz Deutschlands in dem Land verwiesen.
Deutschland ist neben der Polizeiausbildung mit über 3000 Soldaten
im vergleichsweise ruhigeren Nordafghanistan an der NATO-Schutztruppe
ISAF beteiligt. Zudem sind in Afghanistan Tornados der deutschen
Luftwaffe stationiert, im Sommer wird die Bundeswehr mit einer Schnellen
Eingreiftruppe erstmals einen Kampfverband nach Afghanistan entsenden.
Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte erst Anfang
März auf die Forderung nach mehr deutschen Soldaten mit dem
Hinweis reagiert, die Bundesrepublik müsse "jetzt mehr im Bereich
der Polizeiausbildung tun".
(Quelle: afp)
Pakistans Parlament mit Anti-Musharraf-Mehrheit konstituiert
Di.18.03.08 - In Pakistan hat sich am Montag die neue Nationalversammlung
konstituiert, in der die Gegner von Präsident Pervez Musharraf die
Mehrheit haben.
Angeführt werden sie von der Volkspartei, an deren Spitze bis zu
ihrer Ermordung im Dezember die frühere Ministerpräsidentin
Benazir Bhutto stand. Die Volkspartei vereinbarte eine Koalition mit
der Partei von Nawaz Sharif, auch ein ehemaliger Regierungschef. Beide
Parteien waren einst verfeindet, fanden aber in ihrem Kampf gegen
Musharraf eine gemeinsame Basis. Sharif und Bhuttos Witwer und
Nachfolger Asif Ali Zardari unterzeichneten kürzlich die
Koalitionsvereinbarung zur Bildung einer gemeinsamen Regierung zusammen
mit einer kleinen Regionalpartei.
Musharraf hatte angeboten, mit jeder Regierung zusammenzuarbeiten.
Zugleich warnte er vor einer Politik der Konfrontation.
Einen Vorgeschmack auf die drohenden Auseinandersetzungen zwischen dem
Präsidenten und der Regierung lieferte die Erklärung von
Abgeordneten der Volkspartei, sie würden ihren Eid als
Parlamentarier auf die alte Verfassung ablegen und nicht auf die
Version, die von Musharraf nach Verhängung des Ausnahmezustandes
im November abgeändert worden sei.
Die beiden großen Koalitionspartner haben angekündigt, die
von Musharraf im Zusammenhang mit dem Ausnahmezustand entlassenen
Richter wieder einzusetzen. Es wird erwartet, dass diese dann ein
Verfahren einleiten, um die Rechtmäßigkeit der Wiederwahl
Musharrafs zum Präsidenten im Oktober zu prüfen.
Im Westen werden diese innenpolitischen Entwicklungen mit Sorge
verfolgt. Pakistan ist ein enger Verbündeter der USA im Kampf
gegen den Terrorismus. Zugleich finden im Grenzgebiet zu Afghanistan
aber auch Extremisten der Al-Kaida und der Taliban Unterschlupf.
Politische Instabilität in Pakistan wäre zudem von besonderer
Brisanz, weil das Land Atomwaffen besitzt.
(Quelle: rtr)
China droht tibetischen Demonstranten harte Strafen an
Di.18.03.08 - China hat den Demonstranten in Tibet vor Ablauf eines Ultimatums am
Montag erneut ein hartes Vorgehen der Behörden angedroht. Nur wer
sich bis Mitternacht ergebe, könne mit milder Behandlung rechnen,
sagte der von Peking eingesetzte Gouverneur Champa Phuntsok. Die
amtliche Zahl der Toten bei dem antichinesischen Aufstand seit Freitag
wurde auf 16 erhöht. Die Bundesregierung zeigte sich tief
beunruhigt und warnte vor Reisen in die Krisenregion.
Wer sich freiwillig stelle, werde im Rahmen des Gesetzes mit Milde
behandelt, sagte Champa Phuntsok. Wer zudem Informationen über
Rädelsführer und andere Beteiligte an dem Aufstand preisgebe,
könne mit noch mehr Milde rechnen. Allen anderen wurden harte
Strafen angedroht. Exil-Tibeter äußerten die
Befürchtung, dass es nach Ablauf des Ultimatums zu einer
Militäroffensive kommen werde. Nach ihren Angaben kosteten die
Unruhen bislang bis zu 80 Menschen das Leben.
Bewohner von Lhasa erklärten, in der Stadt patrouillierten
Polizisten, wichtige Straßen seien abgeriegelt. Im Westen Chinas
wurden weitere Sicherheitskräfte mobilisiert. Augenzeugen
berichteten von einem Truppeneinmarsch in der Provinz Sichuan. In Maqu
in der Provinz Gansu kam es am Montag zu neuen
Zusammenstößen zwischen Tausenden Demonstranten und der
Polizei. Mehrere ausländische Journalisten wurden aus den
tibetischen Teilen der Provinzen Gansu und Qinghai ausgewiesen.
Auch in Nepal und Indien gab es am Montag Demonstrationen gegen die
Fremdbestimmung von Tibet. Dabei kam es in Kathmandu und Neu-Delhi zu
gewaltsamen Zusammenstößen.
In Berlin demonstrierten rund 150 Exil-Tibeter vor der chinesischen
Botschaft. In München wurden mehrere Tibeter festgenommen, nachdem
sie versucht hatten, in das chinesische Konsulat einzudringen. Die
Demonstranten holten vor dem Konsulatsgebäude eine chinesische
Flagge herunter und zündeten sie an.
Außenamtssprecher Martin Jäger erklärte, die deutsche
Botschaft in Peking habe einen Krisenstab gebildet. Der hessische
Ministerpräsident Roland Koch forderte die chinesische Regierung
auf, die Ausweisung von Reportern aus Tibet zu stoppen. Die
Grünen-Vorsitzende Claudia Roth appellierte an die
Bundesbürger, sich den Protesten der Exil-Tibeter in Deutschland
anzuschließen.
Russland bekundete unterdessen Unterstützung für das
chinesische Vorgehen in Tibet und wies einen möglichen Boykott der
Olympischen Sommerspiele in Peking als unannehmbar zurück. Auch
IOC-Vizepräsident Thomas Bach sprach sich gegen einen Boykott aus
und plädierte wie eine Reihe von Politikern für einen Dialog.
Die Europäische Union zeigte sich am Montag zutiefst besorgt
über die Unruhen in Tibet und forderte China auf, keine Gewalt
anzuwenden. Die EU-Sportminister sprachen sich bei einem Treffen im
slowenischen Brdo ebenfalls gegen einen Olympia-Boykott aus. Sport und
Politik sollten getrennt bleiben, erklärte der slowenische
Ressortchef Milan Zver.
(Quelle: ap)
Deutschland vereinbart mit Israel breite Kooperation
Di.18.03.08 - Mehr als 60 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs haben
Deutschland und Israel ihre Beziehungen auf eine breitere Grundlage
gestellt.
Israels Ministerpräsident Ehud Olmert bezeichnete den Schritt am
Montag als historisch und lobte Deutschland als "aufrichtigen und
wahren Freund Israels". Die beiden Staaten wollten zukunftsfähige
Formen der Zusammenarbeit entwickeln, erklärte Bundeskanzlerin
Angela Merkel zum Abschluss der ersten deutsch-israelischen
Regierungskonsultationen in Jerusalem.
Zum Auftakt der Beratungen aus Anlass der Feiern zum 60. Jahrestag der
Staatsgründung Israels betonte Merkel die Verantwortung
Deutschlands für die Vergangenheit. Die Bundesregierung
unterstreiche mit den Konsultationen aber auch ihre Entschlossenheit
zur gemeinsamen Gestaltung der Zukunft, schrieb Merkel in das
Erinnerungsbuch der Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem, die beide
Delegationen gemeinsam besuchten.
"Die Bedrohungen Israels sind auch unsere Bedrohungen", betonte Merkel
in der Pressekonferenz mit Olmert. Deutschland stehe damit im
Atomkonflikt mit dem Iran an der Seite des jüdischen Staates. "Wir
sind uns einig, dass wir alles daransetzen müssen, durch
Maßnahmen des Sicherheitsrats, aber auch durch Gespräche
innerhalb der Europäischen Union möglichst viel Druck auf den
Iran auszuüben."
Auch deutsche Handelssanktionen gegen die Regierung in Teheran schloss
die Kanzlerin nicht aus. Die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen
deutschen und iranischen Unternehmen wird in Israel mitunter scharf
kritisiert. Olmert sprach seinerseits von einem gemeinsamen Standpunkt
und sagte: "Wir haben über eine Reihe von Schritten gesprochen,
wie wir diese Anstrengungen des Irans, sein Atomprogramm
voranzutreiben, stoppen können." Israel hat einen
Militärschlag gegen den Iran nicht ausgeschlossen. Merkel lehnt
dies ab.
Olmert kündigte zudem die Fortsetzung der vor zwei Wochen
unterbrochenen Friedensverhandlungen mit den Palästinensern an.
Außenministerin Zipi Liwni werde den palästinensischen
Verhandlungsführer Ahmed Kurei noch am Montag treffen, sagte er.
"Wir haben die Verhandlungen nicht gestoppt, und wir wollen die
Verhandlungen nicht stoppen", betonte der Regierungschef, der
innenpolitisch stark geschwächt ist. Er bekannte sich zugleich zu
Israels Verpflichtungen unter dem internationalen Friedensplan "Road
Map". "Wir wollen diese Verpflichtungen einhalten", sagte Olmert.
Merkel mahnte: "Das Zeitfenster für die Verhandlungen ist eng."
"Es wird hoffentlich noch mehr Fortschritte geben als bisher", sagte
sie. Der Beschuss südisraelischer Städte durch
palästinensische Extremisten aus dem Gazastreifen sei aber eine
schwere Bürde für den Friedensprozess. Die Bundesregierung
hatte Israel zuletzt für die Erweiterung einer Siedlung in der
Nähe von Jerusalem scharf kritisiert, was gegen die Road Map
verstößt. Am Montag beschränkte sich Merkel auf den
Hinweis, es gebe auf jeder Seite noch viel zu tun.
"Nur wer sich kennt, kann über die Probleme sprechen, und nur wer
darüber spricht, kann Lösungen finden", betonte Merkel. Die
53-Jährige wurde in Israel ungewöhnlich herzlich aufgenommen.
Olmert empfing sie am Flughafen Tel Aviv wie sonst nur
US-Präsidenten. Er begrüßte sie zudem als enge
Vertraute und strategische Bündnispartnerin.
Neben Wirtschaftsminister Michael Glos unterzeichneten
Verteidigungsminister Franz Josef Jung und Umweltminister Sigmar
Gabriel mit ihren israelischen Fachkollegen Abkommen über
sogenannte Zukunftsprojekte, darunter ein Austausch auf der
Offiziersebene der beiden Armeen und die Zusammenarbeit bei
Entwicklungsprojekten in der Dritten Welt. Die beiden Staaten wollen
zudem gemeinsam Sicherheitsvorkehrungen zum Schutz vor Terrorismus und
Umweltkatastrophen entwickeln. Auch wollen sie den Jugendaustausch
intensivieren und beim Umweltschutz enger zusammenarbeiten. Merkel war
mit mehr als der Hälfte ihres Kabinetts angereist. Die
Konsultationen sollen in Zukunft jährlich stattfinden.
Höhepunkt des insgesamt dreitägigen Besuchs Merkels ist ihre
Rede vor der Knesset am Dienstag. Sie ist die erste ausländische
Regierungschefin, die dazu eingeladen wurde. Zuvor wird sie unter
anderem den rechts-konservativen Oppositionschef Benjamin Netanjahu zu
einem Gespräch treffen.
(Quelle: rtr)
Russland in Raketenstreit mit USA kompromissbereit
Di.18.03.08 - Russland hat sich im Streit mit Washington über die Stationierung
eines US-Raketenabwehrsystems in Osteuropa kompromissbereit gezeigt.
Beide Seiten hätten sich in mehreren Fragen geeinigt,
erklärte der russische Präsident Wladimir Putin am Montag. Er
habe von US-Präsident George W. Bush ein Schreiben zum weiteren
Vorgehen bei verschiedenen Themen erhalten.
Auch Putins designierter Nachfolger Dmitri Medwedew äußerte
sich bei einem Treffen mit US-Außenministerin Condoleezza Rice
und US-Verteidigungsminister Robert Gates versöhnlich. Es gebe
noch immer offene Fragen wegen des geplanten Raketenabwehrsystems, aber
er gehe davon aus, dass sie geklärt werden könnten, sagte
Medwedew.
Putin nannte den Brief Bushs ein «sehr ernsthaftes
Dokument». Über den Inhalt teilte er nichts mit. Nach
US-Angaben soll das Schreiben die Grundlage für Verhandlungen
über verschiedene Themen während der verbleibenden Monate von
Bushs Amtszeit bilden. Pentagon-Sprecher Geoff Morrell sagte, es
enthalte eine Agenda für die Regierungen beider Länder, in
deren Führungsebene in den kommenden Monaten Veränderungen
anstehen - das Ende von Bushs Amtszeit und der Amtsantritt Medwedews.
Es gebe noch immer eine Reihe ungelöster Probleme, erklärte
Putin vor seinem Treffen mit Rice und Gates. Medwedew betonte, Moskau
sei entschlossen, Fortschritte zu erzielen.
Gates hatte Russland vor den Gesprächen in Moskau zum Handeln
aufgefordert. Die Vereinigten Staaten hätten in den vergangenen
Verhandlungen zahlreiche Vorschläge gemacht, jetzt müsse
Russland reagieren, sagte er am Montag auf dem Weg nach Moskau. Rice,
die getrennt von Gates nach Russland flog, wollte keinen Durchbruch in
den Verhandlungen voraussagen. Sie erklärte, Russland sei
möglicherweise stärker vom Nutzen der Raketenabwehr
überzeugt.
Die USA wollen in Tschechien ein Radarsystem und in Polen zehn
Abfangraketen stationieren. Die Verhandlungen mit beiden Ländern
laufen schon seit rund einem Jahr. Russland hat sich strikt gegen die
Raketenabwehr ausgesprochen und für den Fall der Stationierung
Gegenmaßnahmen angekündigt.
(Quelle: ap)
Gewalt und Chaos im Kosovo -- Schwere Zusammenstöße zwischen
UN und Kosovo-Serben
Di.18.03.08 - Der seit Wochen schwelende Konflikt zwischen Kosovo-Serben und
internationalen Sicherheitskräften ist eskaliert.
Serbische Nationalisten lieferten sich am Montag in der Enklave
Mitrovica schwere Straßenschlachten mit UN-Polizisten und
Nato-Soldaten, bei denen mehr als 100 Menschen verletzt wurden. Die
Auseinandersetzungen nahmen ein so schweres Ausmaß an, dass die
Vereinten Nationen ihre Polizisten aus der im Norden des Kosovo
gelegenen Stadt abzogen und den Einsatz Nato-geführten Truppen
überließen. Die Soldaten gerieten zeitweilig unter Beschuss
und reagierten nach Angaben eines Sprechers mit Warnschüssen.
Nato, EU und UN verurteilten die Ausschreitungen. Ein Nato-Sprecher
kündigte ein entschlossenes Vorgehen gegen Gewalttätigkeiten
gemäß UN-Mandat an. Ähnlich äußerte sich in
Berlin Außenminister Frank-Walter Steinmeier, der die Gewalt als
inakzeptabel verurteilte. "Die Rechnung serbischer Nationalisten darf
nicht aufgehen", erklärte Steinmeier.
Serbien machte die internationale Gemeinschaft für die Krawalle
verantwortlich, die sich am Sturm der Sicherheitskräfte auf ein
von Serben besetztes Gerichtsgebäude entzündet hatten. Die
Polizisten und Soldaten gingen mit Tränengas gegen Steine,
Granaten und schwere Feuerwerkskörper werfende Demonstranten vor,
die festgenommene Gesinnungsgenossen gewaltsam aus dem Gewahrsam der
Sicherheitskräfte befreiten.
Die Polizisten aus Polen und der Ukraine seien abgezogen worden,
nachdem sie mit Sprengkörpern angegriffen und vermutlich auch mit
Feuerwaffen beschossen worden seien, teilte die UN-Polizei mit. Drei
Dutzend Polizisten und Soldaten wurden den Angaben zufolge verletzt. In
serbischen Medienberichten war von 70 verletzten Serben die Rede.
In Belgrad erklärte der geschäftsführende
Ministerpräsident Vojislav Kostunica, seine Regierung und Russland
berieten über gemeinsame Schritte, um die "Gewalt gegen
Kosovo-Serben" zu stoppen. Das Kosovo hatte sich im Februar gegen den
Willen der Führung in Belgrad und ihres Verbündeten in Moskau
für unabhängig erklärt. Die USA und die meisten
EU-Staaten haben das überwiegend von Albanern bewohnte Kosovo
mittlerweile anerkannt.
Der Chef der nationalistischen Radikalen Partei Serbiens, Tomislav
Nikolic, warf den internationalen Sicherheitskräften Nazi-Methoden
vor. Ihre Aktionen erinnerten ihn an "Hitlers Besatzungsregime
während des Zweiten Weltkriegs".
Präsident Boris Tadic verglich die Auseinandersetzung mit den
antiserbischen Krawallen vom März 2004, bei denen 19 Serben
getötet und Hunderte Häuser angezündet worden waren.
Tadic warnte vor neuen "Pogromen" der Albaner gegen die 120.000
Menschen zählende serbische Minderheit.
(Quelle: rtr)
Neue Öffnung für das geteilte Zypern in Sicht
Di.18.03.08 - Im südlichen Teil der Ledra-Straße im Herzen von Nikosia
herrscht geschäftiges Treiben. Geht man ein paar Schritte weiter
in Richtung Norden, ist die Fußgängerzone aber
plötzlich zu Ende: Vor einer zweieinhalb Meter hohen Sperre steht
ein UN-Soldat und weist jeden zurück, zu nahe kommt.
Dieser Ort ist das wohl markanteste Symbol der seit 1974 bestehenden
Teilung von Zypern. Damals intervienierten türkische Truppen auf
der Mittelmeerinsel, weil Nationalisten versucht hatten, die
Vereinigung von Zypern mit Griechenland herbeizuführen. Neue
Hoffnung auf Überwindung der Teilung gibt es seit dem Wahlsieg von
Dimitris Christofias, dem neuen Präsidenten der von griechischer
Kultur geprägten Republik Zypern im Süden der Insel. Am
Freitag kommen Christofias und der politische Führer des
international nicht anerkannten Staatswesens in Nordzypern, Mehmet Ali
Talat, zum persönlichen Gespräch zusammen.
Die Optimisten erwarten, dass beide eine Öffnung der
Ledra-Straße bekanntgeben werden - als ein
verheißungsvoller Auftakt zur Aufnahme von Verhandlungen
über ein Ende der Teilung. Im vergangenen Jahr wurde an der
Ledra-Straße bereits die Betonmauer durchbrochen, die rechts und
links die Trennlinie markiert. Jetzt gibt es dort nur noch eine
Barrikade aus Metallbarrieren.
Der im Februar gewählte Christofias gehört der
kommunistischen Partei AKEL an, die die Tradition der Arbeiterbewegung
auf Zypern vertritt. Das könnte die Annäherung beschleunigen,
da auch Talat seine politische Heimat bei der Linken hat. Er halte ein
Abkommen schon bis Ende des Jahres für denkbar, hat Talat in
Aussicht gestellt.
Unter dem bisherigen Präsidenten Tassos Papadopoulos sind die
Verhandlungen zwischen beiden Seiten 2004 eingeschlafen. Damals lehnten
die griechischen Zyprer in einem Referendum den Plan der Vereinten
Nationen für die Wiedervereinigung ab. Im Norden hingegen wurde
der Plan von der Mehrheit der Bevölkerung angenommen.
Von einer Öffnung der Ledra-Straße erhoffen sich die
Befürworter der Wiedervereinigung eine Signalwirkung.
Bürgermeister Eleni Mavrou hat erklärt, dass ein
Übergang innerhalb von fünf Tagen nach einem politischen
Beschluss eingerichtet werden könnte - auch wenn es dann noch
mehrere Monate dauert, bis die verfallenen Gebäude im Bereich der
«Grünen Linie» zwischen Nord- und Südzypern
abgerissen sind.
Überwunden scheint auch das bislang größte Problem aus
Sicht der griechischen Zyprer, die Präsenz türkischer
Militärpatrouillen im Bereich des geplanten Übergangs. Nach
ersten Gesprächen zwischen Beratern von Christofias und Talat
wurde angedeutet, dass sich die türkischen Soldaten an der
Ledra-Straße so weit zurückziehen sollen, dass sie am
Übergang nicht in Sichtweite sind.
Eigentlich ist ein weiterer Übergang in Nikosia nichts Besonderes
- seit 2003 wurden fünf Übergänge geöffnet, nachdem
die türkischen Zyprer auf frühere Restriktionen im
Personenverkehr verzichtet hatten. Inzwischen habe Bewohner auf beiden
Seiten die Grenzlinie zahllose Male überquert, um alte Freunde
oder ihre einstigen Häuser zu sehen.
Aber da die Ledra-Straße ein ganz besonderes Symbol der Teilung
ist, wäre ein Übergang an dieser Stelle ein wichtiges Zeichen
der Hoffnung. Die Teilung der Ledra-Straße ist älter ist als
die jetzige Teilung Zyperns. Schon im Januar 1964 verlegten britische
Soldaten Stacheldraht quer über die Straße, um den
griechischen und den türkischen Teil von Zypern nach einer
Waffenstillstandsvereinbarung voneinander zu trennen.
«Ein Symbol der Trennung könnte nun zu einem Zeichen der
Wiedervereinigung werden», hofft der früherer
Bürgermeister des türkischen Teils von Nikosia, Mustafa
Akinci. Auf der anderen Seite gibt es nur Zustimmung. «Damit
könnte das Eis gebrochen werden», sagte der 69-jährige
Chrysanthos Trokkoudes, dem ein Lebensmittelladen an der
Ledra-Straße gehört. «Ich denke, wir könnten dann
alles mit den türkischen Zyprern regeln.»
Ein Übergang an der Ledra-Straße würde der Altstadt von
Nikosia mit ihren Mauern aus der venetianischen Zeit im 15. Jahrhundert
neues Leben schenken. Beide Seiten hoffen auf einen verstärkten
Zulauf von Touristen. «Wir erwarten, dass dann mehr Leute hierher
kommen, und die Fußgängerzone lebendiger wird», sagt
die 48-jährige Inhaberin eines Modeschäfts, Ioanna Achilleos.
«Wir wollen mit Hoffnung nach vorn schauen, wir wollen eine
Lösung, mit der wir alle leben können.»
(Quelle: ap)
US-Hypothekenmarktkrise: JPMorgan rettet Investmentbank Bear Stearns
vor dem Kollaps
Di.18.03.08 - Mit einem beispiellosen Rettungsprogramm haben Privatwirtschaft und
US-Notenbank die traditionsreiche Investmentbank Bear Stearns vor dem
Untergang bewahrt. In einer Blitzaktion wurde am Wochenende die
Übernahme von Bear Stearns durch den Konkurrenten JPMorgan Chase
eingefädelt. Der Kaufpreis liegt bei gerade einmal zwei Dollar je
Aktie oder 236,2 Millionen Dollar (151,8 Millionen Euro), 93 Prozent
unter dem Börsenwert vom Freitag.
Die US-Notenbank und die Regierung billigten die Übernahme
unmittelbar im Anschluss an die Entscheidung am Sonntagabend. Die Fed
unterstützt die JPMorgan Chase, indem sie eine Risikoübernahme
von bis zu 30 Milliarden US-Dollar (19,28 Milliarden Euro) zusicherte.
Ein Zusammenbruch von Bear Stearns hätte die Angst an den
Finanzmärkten weiter verstärkt, was die Regierung unbedingt
verhindern wollte.
Trotz des Notverkaufs brachen die Aktienmärkte in Ostasien und
Europa am Montag ein, der Dollar verlor weiter dramatisch an Wert. Erst
in der vergangen Woche hatte Bear Stearns Chef Alan Schwartz der Wall
Street versichert, dass sein Unternehmen nicht in Schwierigkeiten sei.
Mit dem Beinahe-Kollaps einer der größten und
renommiertesten Investmentbanken hat die US-Hypothekenmarktkrise ihren
bisherigen Höhepunkt erreicht: Bear Stearns ist die erste
bedeutende Bank, die im Zuge der Krise ihre Eigenständigkeit
verliert. Investment-Experten sprachen von einem «Niedergang mit
historischen Dimensionen».
Der Finanzvorstand von JPMorgan, Michael Cavanaugh, machte keine
Angaben zu der Frage, was jetzt mit dem 14.000 Beschäftigten von
Bear Stearns passiert. Ebenso wurde nicht erklärt, ob der 85 Jahre
alte Name des Instituts erhalten bleiben soll. In einer Telefonkonferenz
mit Analysten und Investoren sagte Cavanaugh, die Bank sei vor allem am
Investmentgeschäft mit großen Anlegern wie Hedge Funds
interessiert. Zumindest bis die Aktionäre von Bear Stearns dem
Deal zustimmen, will JPMorgan alle Geschäftsteile der Bank -
darunter der Aktienhandel und das Investment-Banking - erhalten. Die
Zustimmung der Anteilseigner wird für das zweite Quartal erwartet.
Bear Stearns ist das jüngste Opfer der Immobilienkrise in den USA.
Wegen riskanter Geschäfte mit Hypothekenpapieren geriet die
fünftgrößte Investmentbank der USA in eine Schieflage.
Bislang mussten die Banken weltweit rund 200 Milliarden Dollar (128,5
Milliarden Euro) wegen solcher Verluste abschreiben.
(Quelle: ap)
US-Notenbank dreht den Geldhahn auf
Di.18.03.08 - Die US-Notenbank hat den Geldhahn weiter aufgedreht, um den
bedrohlichen Liquiditätsengpass der Volkswirtschaft zu
überwinden. Die Fed beschloss am Sonntagabend, den Diskontsatz von
3,5 auf 3,25 Prozent zu senken. Außerdem wurde für die Dauer
von mindestens sechs Monaten eine zusätzliche
Kreditmöglichkeit für die großen Investmentbanken
geschaffen. Analysten der Commerzbank sprachen am Montag von einer
«Notoperation».
US-Notenbankpräsident Ben Bernanke erklärte zu dem Beschluss
der Fed, beide Maßnahmen sollten den Geldmarkt mit
zusätzlichem Bargeld versorgen. Den Kreditinstituten werde damit
der Zugang zu liquiden Mitteln erleichtert. «Liquide und gut
funktionierende Märkte sind für die Förderung des
wirtschaftlichen Wachstums von wesentlicher Bedeutung»,
erklärte die Notenbank.
US-Finanzminister Henry Paulson begrüßte die Entscheidung
der Fed. Damit werde die Stabilität der Märkte
unterstützt, sagte der Minister in Washington.
Der jetzt gesenkte Diskontsatz gilt für kurzfristige Kredite der
Geschäftsbanken bei der Notenbank. Wichtiger ist jedoch die
«Fed Funds Rate», die nach wiederholten Zinssenkungen jetzt
bei drei Prozent liegt. Am Dienstag kommt der Offenmarktausschuss der
Fed zu seiner nächsten Sitzung zusammen. Einige Beobachter erwarten
dann eine weitere Leitzinssenkung auf 2,5 oder gar auf 2,0 Prozent.
Commerzbank-Analysten erklärten in einer ersten Reaktion am
Montagmorgen, nach zwei ähnlichen Maßnahmen am 7. und 11.
März unterstreiche der Beschluss der Fed «die andauernde
Sorge der Notenbank um den Zustand des Finanzsystems». Die
Commerzbank rechne nun für die Sitzung der Notenbank in dieser
Woche mit einer Rücknahme der «Federal Funds Rate» um
75 Basispunkte auf 2,25 Prozent. «Angesichts der aktuellen
Entwicklung ist dies wohl eher als Untergrenze anzusehen.»
Auslöser der Kreditkrise war im Herbst vergangenen Jahres der
Beginn der Immobilienkrise in den USA, da zahllose Wohnungsbaukredite
nicht mehr bedient werden konnten. Dadurch erlitten die Banken nicht nur
in den USA Verluste von mehreren Milliarden Dollar.
(Quelle: ap)
IWF: Finanzkrise weitet sich aus und bremst Wachstum
Di.18.03.08 - Die Wachstumsaussichten der Weltwirtschaft haben sich nach
Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) wegen
der Kreditmarktkrise weiter eingetrübt.
Die Gefahr einer Ausbreitung der Finanzkrise von den USA auf andere
Volkswirtschaften sei mittlerweile sehr hoch, sagte IWF-Chef Dominique
Strauss-Kahn am Montag in Paris. Deshalb werde seine Organisation in
den kommenden Wochen ihre Wachstumsprognosen nicht nur für die
USA, sondern auch für Europa und China nach unten korrigieren.
"Die Finanzmarktkrise, die in den USA begonnen hat, ist nun offenkundig
schwerer und auch globaler als noch vor ein paar Wochen", sagte
Strauss-Kahn. "Die Risiken einer Kontaminierung sind sehr hoch."
Mit Blick auf Liquiditätsengpässe auf den globalen
Finanzmärkten lobte der IWF-Chef ausdrücklich das bisherige
Krisen-Management der Zentralbanken in den USA, der Euro-Zone und
anderen Regionen. Allerdings sieht Strauss-Kahn trotz der andauernden
massiven Abwertung des Dollar aktuell noch keinen Bedarf für
Interventionen der Notenbanken am Devisenmarkt. Während der
chinesische Yuan und der japanische Yen schwach aussähen, sei der
Euro überwertet und der Dollar-Wechselkurs liege in der Mitte
zwischen diesen beiden Extremen, sagte er. In der gegenwärtigen
Situation seien Eingriffe der Notenbanken daher nicht notwendig. An den
Finanzmärkten wird wegen der sich beschleunigenden Abwertung des
Dollars immer heftiger auf eine bevorstehende Intervention spekuliert.
Der Euro war in der Nacht auf Montag zum ersten Mal über 1,59
Dollar gestiegen.
Die aktuelle Finanzmarktkrise könnte nach Einschätzung des
IWF aber auch notwendigen Strukturreformen in Europa zusätzlich
Rückenwind geben und somit zumindest indirekt positive
Auswirkungen haben. "Möglicherweise könnte ein Gefühl
von Krise dabei helfen, Unterstützung für Reformen zu
mobilisieren", sagte Strauss-Kahn. Hauptaufgabe der Europäer sei
es allerdings derzeit, den wirtschaftlichen Schaden durch die aktuelle
Finanzkrise zu begrenzen. Das sei nicht einfach unter
Rahmenbedingungen, in denen Inflation und Rezession als große
Gefahren heraufgezogen seien. Allerdings sollten Regierungen und
Bürger gerade in einer solchen Lage besonders daran interessiert
sein, durch Reformen das Wachstum zu fördern und Inflationsrisiken
zu begrenzen, sagte der IWF-Chef.
(Quelle: rtr)
Finanzkrise drückt Börsen - Panik bei Bankaktien
Di.18.03.08 - Der Notverkauf der fünftgrößten US-Investmentbank Bear
Stearns hat die Finanzmärkte weltweit in Turbulenzen gestürzt.
Panikverkäufe schickten zu Wochenbeginn die Aktienkurse rund um
den Globus auf Talfahrt und drückten vor allem die Kurse der
Bankentitel. Der Dax fiel auf den tiefsten Stand seit anderthalb
Jahren. Die US-Notenbank Fed konnte auch mit einer überraschenden
Senkung des Diskontsatzes in der Nacht zum Montag die Krise nicht
entschärfen. Händler sprachen von verlorenem Vertrauen.
Der Kursverfall des Dollar trieb den Euro zeitweise auf ein Allzeithoch
von 1,5904 Dollar. Am Abend notierte die Gemeinschaftswährung mit
1,5760 Dollar immer noch zwei Cent höher als am Freitag. Der
Goldpreis erreichte mit 1030,80 Dollar je Feinunze ein Rekordhoch, ehe
Gewinnmitnahmen den Preis bis zum Abend auf knapp über 1000 Dollar
drückten.
Der Stoxx50-Index für die größten europäischen
Börsenwerte fiel um 4,4 Prozent, der EuroStoxx50 für die
Euro-Zone verlor 3,5 Prozent. An der Wall Street verloren die
großen Indizes bis Handelsschluss in Europa bis zu zwei Prozent.
Der Dax brach um 4,2 Prozent auf 6182 Punkte ein und schloss damit so
niedrig wie seit Herbst 2006 nicht mehr. Dabei gingen knapp 100
Minus-Punkte auf das Konto der Siemens-Aktien, die um 17 Prozent
abstürzten. Der einstige Vorzeige-Konzern hatte die Börse mit
einer Gewinnwarnung böse überrascht.
"Die Krise verschärft sich weiter", sagte der Chefstratege der
Bremer Landesbank, Folker Hellmeyer. Er kritisierte die
Fed-Maßnahmen als übereilt. Mit dem überstürzten
Verkauf der schwer angeschlagenen US-Investmentbank Bear Stearns an den
Rivalen JP Morgan erreichte die Krise an den Finanzmärkten einen
neuen Höhepunkt. Der Kaufpreis liegt mit zwei Dollar je Aktie 93
Prozent unter dem Schlusskurs vom Freitag.
Fast zeitgleich drehte die Fed durch die Senkung des Diskontsatzes und
ein Sonderkreditprogramm den Geldhahn für die Banken weiter auf.
Immer mehr Börsianer halten eine Zinssenkung in den USA am
Dienstag um einen ganzen Punkt auf zwei Prozent für möglich.
Auch die Bank of England griff in den Geldmarkt ein und stellte den
Banken zusätzliche Mittel zur Verfügung.
Europäische Bankenwerte verloren im Schnitt fast sechs Prozent.
Die UBS-Aktien traf es mit einem Abschlag von beinahe 14 Prozent am
stärksten. Die Schweizer Großbank leidet unter ihrem
Engagement im Markt für Ramschhypotheken (Subprime) besonders. Die
Aktien der britischen Hypothekenbank HBOS brachen um fast 13 Prozent
ein. In Frankfurt traf es die Aktien des Immobilienfinanzierers Hypo
Real Estate mit einem Einbruch um 12,4 Prozent am härtesten. Die
Papiere des Branchenprimus Deutsche Bank notierten mit 65,77 Euro sechs
Prozent tiefer. Commerzbank verloren sieben Prozent, die Postbank sechs
Prozent.
In New York gaben Bear Stearns mehr als 90 Prozent nach, während
Lehman Brothers um fast 35 Prozent einbrachen. "Bei den Financials
greift die pure Panik", sagte ein Händler vor Handelsbeginn in New
York. Die Aktien von JP Morgan stiegen dagegen um acht Prozent.
Analysten lobten das Übernahmekonzept als "sehr attraktiv".
(Quelle: rtr)
Litauen will Ostsee-Pipeline verhindern
Di.18.03.08 - Der litauische Präsident Valdas Adamkus hat die Deutsche Regierung
aufgefordert, vom Projekt der Ostsee-Pipeline zwischen Russland und
Deutschland abzurücken. «Vor allem unter Umwelt-Aspekten ist
eine Pipeline am Grund der Ostsee absolut unannehmbar», sagte
Adamkus der «Neuen Osnabrücker Zeitung» (Montagausgabe)
laut Vorabbericht. Für den Transport von russischem Gas in die EU
gebe es billigere und für die Umwelt sicherere Lösungen. Wenn
es gelinge, Deutschland und Russland in dieser Frage noch umzustimmen,
sei das für alle Ostsee-Anrainer etwas Positives.
Adamkus warf Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) vor, er habe
während seiner Regierungszeit in Geheimabsprachen Fakten für
die Ostsee-Pipeline geschaffen. Dieses Vorgehen habe dem Geist der EU
widersprochen. «Wir fühlten uns durch Kanzler Schröders
Verhalten beleidigt», sagte Adamkus.
Mit der Kanzlerschaft Angela Merkels habe sich Deutschlands Umgang mit
EU-Partnern extrem verändert, sagte der Präsident. «An
erster Stelle ist zu nennen, wie aktiv Deutschland heute in
EU-Angelegenheiten mitmischt», unterstrich Adamkus. Gerade in der
Energiepolitik sei Deutschland erheblich sensibler für die
Interessen seiner EU-Partner geworden, auch wenn es noch Differenzen
gebe.
Der litauische Präsident machte sich für eine
NATO-Mitgliedschaft Georgiens und der Ukraine stark, die wie sein Land
Sowjetrepubliken waren. «Wie könnten wir ihren Wunsch nach
Freiheit abschlagen?», fragte Adamkus. Die Bundesregierung hat
sich bisher sehr zurückhaltend über eine mögliche
NATO-Kandidatur Georgiens und der Ukraine geäußert. Russland
kritisiert sie offen.
(Quelle: ddp)
EU-Regierungen wollen Klima-Gesetze 2008 festzurren
Di.18.03.08 - Die Staats- und Regierungschefs der EU wollen sich bis zum Jahresende
auf ein Gesetzespaket zur Reduzierung der schädlichen
Treibhausgas-Emissionen einigen. Das geht aus der Schlusserklärung
hervor, die der EU-Gipfel am Freitag in Brüssel verabschiedete.
Gelinge die Einigung Ende 2008, könnten die Gesetze spätestens
Anfang 2009 angenommen werden, heißt es darin. Deutschlands
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigte sich überzeugt, dass im
Rahmen der Verhandlungen auch die Belange der energieintensiven
Industrien angemessen berücksichtigt werden.
Das Gesetzespaket der EU soll eine 20-prozentige Reduzierung der
klimaschädlichen Emissionen bis 2020 bewirken. Die deutsche
Regierung trägt dieses Ziel, wie alle 27 Regierungen, im Grundsatz
mit. Sie fürchtet jedoch, dass zu strenge Auflagen für die
Stahl-, Aluminium-, Zement- und andere Branchen zu einer Abwanderung von
Arbeitsplätzen ins außereuropäische Ausland führen
könnten. Merkel zufolge wird es für energieintensive
Industrien Sonderregeln geben, die zwecks größerer
Planungssicherheit bis 2009 erarbeitet werden sollen.
Die EU-Kommission hatte bisher dafür plädiert, für die
Klärung dieses Einzelaspekts den Ausgang der Verhandlungen
über ein neues UN-Klimaschutzabkommen abzuwarten. An den
Gesprächen nehmen auch Länder wie die USA und China teil,
deren Firmen wichtige Wettbewerber der EU-Unternehmen sind. Eine
entscheidende Konferenz findet im Dezember 2009 in Kopenhagen statt.
EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso sagte, ein
internationales Abkommen habe nach wie vor Priorität. Die
Sonderregeln würden nach und nach präzisiert, so der
Portugiese.
Das Klimapaket der EU beinhaltet Grundsatzfragen der Lastenteilung,
etwa CO2-Reduktionsziele für die einzelnen Länder und Quoten
für den Ausbau der erneuerbaren Energien. Die Zeit für die
Verabschiedung des Gesetzespakets drängt, weil 2009 sowohl ein
neues Europaparlament als auch eine neue EU-Kommission antreten. Auch
vor dem Hintergrund der UN-Klimagespräche sei eine geschlossene
EU-Haltung wichtig, argumentiert die Regierung Sloweniens, die derzeit
den EU-Ratsvorsitz inne hat.
Neben den Klimaschutz-Gesetzen trieben die Staats- und Regierungschefs
auch ihre Pläne für eine engere Zusammenarbeit mit
Mittelmeerstaaten in Nordafrika und Nahost voran. Dabei erteilten sie
ursprünglichen Vorschlägen Frankreichs eine Absage, das einen
exklusiven Verbund von Mittelmeer-Anrainern gründen wollte. Die
EU-Staaten hätten nun gemeinsam einen sehr guten Kompromiss
gefunden, sagte Merkel.
(Quelle: epd)
Klimaschutz: Branche für erneuerbare Energie will mehr
Subventionen -- Gesetzesnovelle kritisiert -- Windenergiemarkt
eingebrochen -- Auch Solarindustrie verlangt weiter Förderung
Di.18.03.08 - Der für den Klimaschutz erforderliche Ausbau der erneuerbaren
Energien geht nach Ansicht der Branche auch künftig nur mit
Subventionen. Der aktuell im Bundestag debattierte Entwurf für die
Novelle des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) reiche nicht für
neuen Schwung beim Ausbau aus, erklärte der Präsident des
Bundesverbands Erneuerbare Energien, Dietmar Schütz, am Montag in
Berlin. Am Wochenende war außerdem aus der CDU die Forderung
gekommen, zumindest die Solarstromförderung zu kürzen.
Schütz sagte, die erneuerbaren Energien seien eine Zukunftschance
gerade für strukturschwache Gebiete. Dies zeige die Entwicklung in
Ost- und Nordfriesland, der Uckermark, Mitteldeutschland und von
Hafenstädten wie Bremerhaven und Rostock. «Allein das EEG hat
Deutschland die weltweite Technologieführerschaft bei den
erneuerbaren Energien ermöglicht», sagte Schütz zur
Eröffnung der Jahreskonferenz der Branche.
Der Ausbau von Wind-, Solar- und Bioenergie sowie Erdwärme und
Wasserkraft sei zwingend erforderlich, um das EU-Ziel eines Anteils von
20 Prozent Erneuerbare am Energieverbrauch bis 2020 zu sichern,
erklärte Schütz. Der Entwurf für die EEG-Novelle
berücksichtige aber nicht die deutlich gestiegenen Rohstoffkosten.
Hinzu komme, dass der schleppende Ausbau der Stromnetze durch die
deutschen Netzbetreiber einen raschen Ausbau der Windenergie an Land
behindere.
Der deutsche Windenergiemarkt ist nach Angaben der Branche im Jahr 2007
um 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr eingebrochen. Die zuletzt 2004
geänderten Vergütungsregelungen des geltenden EEG würden
der Kostensituation der Windenergie nicht mehr gerecht.
Effizienzfortschritte könnten die vom Weltmarkt bewirkten
Kostensteigerungen bei Rohstoffen, Energie, Halbzeugen sowie
Standard-Komponenten wie Generatoren und Wälzlager nicht mehr
auffangen.
«Noch liegt Deutschland zwar mit an der Weltspitze, aber andere
Länder holen in großen Schritten auf», erklärte
der Bundesverband WindEnergie (BWE). Bei der anstehenden EEG-Novelle
müssten die Rahmenbedingungen so angepasst werden, dass Deutschland
als stabiler Heimatmarkt erhalten werde.
Im vergangenen Jahr seien im Bundesgebiet mehr als 22.247 Megawatt
Windenergieleistung installiert gewesen, die rund sieben Prozent des
deutschen Energiebedarfs decken können. Von der gesamten Produktion
nach dem EEG mache Windstrom 60 Prozent aus.
Der Geschäftsführer des Bundesverbands Solarwirtschaft,
Carsten Körnig, stellte ein Gutachten vor, wonach bis 2010 in der
heimischen Photovoltaik-Produktion bei anhaltend attraktivem
Investitionsklima mit einer Umsatzverdopplung auf 10 Milliarden Euro
gerechnet werden kann. In den nächsten sieben bis acht Jahren kann
die Solarwirtschaft nach Einschätzung ihres Bundesverbands -
verlässliche politische Rahmenbedingungen vorausgesetzt - sogar das
Umsatz- und Exportvolumen der heutigen Luft-und Raumfahrtindustrie
erreichen.
Insgesamt gibt es in Deutschland inzwischen mehr als 70 Solarfabriken,
16 sind aktuell im Bau. Der Branchenverband erklärte, eine zu
schnelle Senkung der Solarförderung könnte zu einem Einbruch
des Beschäftigungs- und Umsatzwachstums führen.
(Quelle: ap)
Siemens-Gewinnwarnung vernichtet 14 Mrd Euro Börsenwert
Di.18.03.08 - Eine großangelegte Aktion zur Bereinigung von Altlasten hat
Siemens zu einer Gewinnwarnung gezwungen und damit rund 14 Milliarden
Euro vom Börsenwert des Münchener Technologiekonzerns
vernichtet.
Wegen einer Vielzahl unrentabler Großprojekte im Kraftwerksbau,
der Zugsparte und dem IT-Segment zog der Konzern seine Gewinnprognose
für das Geschäftsjahr 2007/08 am Montag zurück. Allein
im laufenden Quartal werde der Gewinn mit 900 Millionen Euro
geschmälert. Die Aktie brach infolge der bösen
Überraschung um 17 Prozent auf 67 Euro ein. Das entspricht in etwa
dem Marktwert von MAN.
Seit dem Amtsantritt von Siemens-Chef Peter Löscher ist der Wert
von Siemens an der Börse damit um rund 37 Milliarden Euro
geschrumpft. Löscher und Finanzvorstand Joe Kaeser nutzten den
Preisverfall und deckten sich privat mit Siemens-Titeln ein. Allein der
Konzernchef machte dafür 3,3 Millionen Euro locker.
Bislang war der Konzern für das laufende Geschäftsjahr (zum
30. September) davon ausgegangen, den Umsatz doppelt so stark zu
steigern wie die Weltwirtschaft wachse. Das operative Ergebnis sollte
doppelt so stark zulegen wie der Umsatz. Diese Prognose galt
ursprünglich auch für das kommende Geschäftsjahr. Davon
war Löscher allerdings nach und nach abgerückt. Eine neue
Prognose für 2007/08 will Siemens bis Ende April formulieren. Die
Manager lasteten das Finanzdebakel ihren Vorgängern an. "Was wir
hier vor uns liegen haben, ist die Aufarbeitung der Vergangenheit",
sagte Vorstandschef Löscher in einer Telefonkonferenz.
Von den bereits feststehenden Einbußen von 900 Millionen Euro
beziehen sich 600 Millionen auf den Kraftwerksbau, 200 Millionen auf
die Zug-Sparte und gut 100 Millionen auf die IT-Sparte SIS, wie
Finanzchef Kaeser sagte. Der Chef des Energiesegments, Wolfgang Dehen,
räumte ein, dass Siemens sich mit Aufträgen für
konventionelle Kraftwerke übernommen habe. "Wir haben die
Zuliefersituation unterschätzt und wir haben unsere Personal- und
Planungskapazitäten falsch eingeschätzt", sagte er.
Aufgrund der ohnehin dünnen Personaldecke sei aber nicht von einem
Stellenabbau auszugehen. Betriebsratschef Ralf Heckmann zeigte sich
dennoch besorgt, dass der Gewinneinbruch Jobs kosten könne. Die
Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat seien vom Vorstand mit der
Gewinnwarnung überrollt worden. "Wir haben voll eine Schnauze
gekriegt", sagte er der "Süddeutschen Zeitung".
Die Sanierung defekter "Combino"-Straßenbahnen beschäftigt
Siemens seit Jahren. Gut die Hälfte der 475 ausgelieferten
Züge seien mittlerweile repariert, sagte der neue Chef des
Industrie-Segments, Heinrich Hiesinger. Bis 2010 soll die
Instandsetzung abgeschlossen sein - und wird Siemens bis dahin weiter
Geld kosten. Auch die Hängepartie um die Verlängerung der
Transrapid-Strecke im chinesischen Shanghai belaste die ohnehin
renditeschwache Sparte. 50 Millionen Euro habe Siemens bisher für
Ingenieursleistungen ausgegeben, ohne sicher zu wissen, ob die Trasse
jemals ausgebaut wird.
Siemens hatte das Projektgeschäft mit Zügen und Kraftwerken
auf den Prüfstand gestellt, nachdem die Sparten immer wieder ins
Trudeln geraten waren und ihre Renditeziele verpasst hatten.
Die erst im vergangenen Jahr sanierte IT-Sparte SIS verlor einen 85
Millionen Euro schweren, prestigeträchtigen Auftrag des britischen
Arbeitsministeriums. Die Behörde stornierte die Order, nachdem
Siemens einräumen musste, die neue EDV-Struktur nicht wie geplant
bis 2010 installieren zu können.
Mit den Aufräumarbeiten habe Siemens das Schlimmste hinter sich,
sagte Finanzvorstand Kaeser. Allerdings wollte er nicht
ausschließen, dass es auch in den kommenden Quartalen noch zu
Belastungen kommen könnte. Die Renditeziele für 2010 seien
aber nicht in Gefahr, betonte Löscher. Analysten sind da
skeptisch. "Siemens derzeitige operative Leistung ist
enttäuschend, und wir erwarten, dass die Margen in den kommenden
18 Monaten unter Druck kommen", urteilte Bear-Stearns-Analyst Timm
Schulze-Melander. "Siemens leidet unter einem tiefsitzenden Problem bei
Orderakquise und -umsetzung."
Siemens kündigte an, Aufträge allem im Kraftwerksbau
künftig deutlich zurückhaltender anzunehmen. Der Konzern
werde den Bau schlüsselfertiger Kraftwerke stark
zurückfahren. Siemens wolle künftig jeweils ein Drittel des
Geschäfts mit Dienstleistungen, Einzelkomponenten für die
Energieerzeugung und schlüsselfertigen Kraftwerken machen, sagte
Vorstand Dehen.
(Quelle: rtr)
Mehr Beschäftigte im verarbeitenden Gewerbe und im Handwerk
Di.18.03.08 - Das verarbeitende Gewerbe hat im Januar 2008 einen Zuwachs der
Beschäftigtenzahlen verzeichnet. Am Monatsende arbeiteten in den
Betrieben mit mindestens 50 Beschäftigten 5,3 Millionen Personen,
wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte. Das waren 2,4
Prozent mehr als im Januar 2007.
Die Zahl der im Januar 2008 geleisteten Arbeitsstunden nahm im
Vergleich zum entsprechenden Vorjahresmonat um 1,6 Prozent auf 713
Millionen zu. Die Bruttoentgelte stiegen um 4,8 Prozent auf 17,9
Milliarden Euro.
Die stärksten Zuwächse bei der Beschäftigung gab es im
Bereich Maschinenbau mit 5,4 Prozent und in der Herstellung von
Metallerzeugnissen mit 4,5 Prozent mehr Beschäftigten.
Wie die Statistiker ebenfalls mitteilten, verzeichnete das Handwerk im
vergangenen Jahr nach einer Phase des Stellenabbaus wieder ein Wachstum
bei der Beschäftigung. 2007 waren im zulassungspflichtigen Handwerk
0,8 Prozent mehr Personen tätig als 2006. Die Umsätze lagen
allerdings um 1,1 Prozent unter denen des Vorjahres.
(Quelle: ddp)
Deutsche Führungskräfte sehen ihren Ruf in Gefahr
Di.18.03.08 - Die deutschen Führungskräfte befürchten, dass die
Liechtensteiner Steueraffäre und die internationale Finanzkrise dem
Ruf von Topmanagern nachhaltig schadet. «Anstand und Moral in der
Wirtschaft sind weniger wichtig geworden», urteilte jeder zweite
Politiker und jeder dritte Spitzenmanager in einer Allensbach-Umfrage
für das Wirtschaftsmagazin «Capital», die am Montag in
Berlin veröffentlicht wurde.
Dem «Capital-Elite-Panel» zufolge sind 84 Prozent der knapp
650 befragten Führungskräfte aus Wirtschaft, Politik und
Verwaltung der Ansicht, dass die Steueraffäre um Liechtensteiner
Stiftungen eine managerfeindliche Stimmung ausgelöst oder
verstärkt hat. Trotzdem hielten fast drei Viertel der Befragten (73
Prozent) die Manager-Gehälter für angemessen, berichtete das
Magazin. Das seien sogar noch etwas mehr als vor drei Jahren.
Nur jeder fünfte findet das Niveau der Umfrage zufolge zu hoch.
Dennoch könnten 54 Prozent der Spitzenmanager einer
vollständigen Offenlegung von Managergehältern nichts
abgewinnen. Die öffentliche Debatte darüber beurteilten zwei
Drittel von ihnen «eher als schädlich, weil dadurch
Gräben aufgerissen würden».
(Quelle: ap)
SPD-Chef Beck bekräftigt Führungsanspruch - Startet
Kampagne 'Nah bei den Menschen'
Di.18.03.08 - Der SPD-Vorsitzende Kurt Beck hat seinen Führungsanspruch in der
Partei bekräftigt. «Ich bin ganz sicher, dass die SPD nah
bei ihrem Vorsitzenden ist, und der Vorsitzende nah bei der SPD»,
sagte der rheinland-pfälzische Ministerpräsident am Montag
nach einer Parteikonferenz im schleswig-holsteinischen Plön.
Zugleich kündigte Beck eine verstärkte inhaltliche
Auseinandersetzung mit der Linkspartei an, mit der er eine
Zusammenarbeit im Bund erneut ausschloss.
«Wir sind keine Partei, die sich an anderen orientiert»,
betonte der SPD-Vorsitzende, der in Plön eine Kampagne der
Sozialdemokraten unter dem Titel «Deutschland-Dialog: Nah bei den
Menschen» startete. «Wir werden aus dieser
Stimmungsherausforderung, die es gibt, mit Inhalten wieder in die
Vorhand kommen», versprach der wegen der Diskussion um seine
mögliche Kanzlerkandidatur und das Verhältnis zur Linkspartei
unter Druck geratene Parteichef.
Zu dem am Wochenende bekannt gewordenen Brief des früheren
Parteichefs und Vizekanzlers Franz Müntefering sagte Beck:
«Ich habe schon am Abend der Hamburg-Wahl einen Fehler
eingeräumt.» Er glaube aber nicht, dass dies einen Einfluss
auf das Wahlergebnis gehabt habe. Inhaltlich könne er
Müntefering nicht widersprechen. Was er empfohlen habe, sei von
der SPD schon beschlossen worden. Der Brief sei drei Wochen alt:
«Das sind eher Nachbeben denn Dinge, die eine neue Bewertung
erfordern», fügte Beck hinzu.
Müntefering hatte die SPD in dem internen Strategiepapier
aufgefordert, Schadenbegrenzung zu betreiben. Dabei nannte er es einen
«Fehler» des Parteivorsitzenden, erst eine Zusammenarbeit
mit den Linken auszuschließen, sie dann aber auf Länderebene
zuzulassen. Müntefering riet seiner Partei, für die
Bundestagswahl 2009 eine Zusammenarbeit mit der Linkspartei
auszuschließen. Dies müsse sich auch «in den
Personalentscheidungen der SPD klar abzeichnen».
Gelassen reagierte Beck auch darauf, dass SPD-Fraktionschef Peter
Struck am Wochenende neben Beck explizit auch Außenminister
Frank-Walter Steinmeier und Finanzminister Peer Steinbrück als
mögliche Kanzlerkandidaten genannt hatte. «Peter Struck hat
eine Selbstverständlichkeit formuliert», sagte der
SPD-Vorsitzende. Auch seine Stellvertreter gehörten zu dem Kreis
der möglichen Kandidaten. «Der Vorsitzende wird zum
richtigen Zeitpunkt einen Vorschlag machen», bekräftigte
Beck.
Zum Thema Kanzlerkandidatur für die Bundestagswahl 2009
äußerte sich der SPD-Chef auch in der ARD-Talkshow
«Beckmann». «Ich weiß, was ich will und was ich
vorschlagen werde. Das werde ich der staunenden Öffentlichkeit im
Herbst sagen oder im frühen Frühjahr des kommenden
Jahres», kündigte Beck in der Aufzeichnung der Sendung an,
die am Montagabend ausgestrahlt werden sollte.
Bundespolitisch sehe er mit der Linkspartei bis über 2009 hinaus
keine gemeinsame Basis für eine Zusammenarbeit, fügte der
SPD-Vorsitzende hinzu. «Das ist inhaltlich begründet, und
keine ideologische Schranke.» Die Linke habe
wirtschaftspolitische Vorstellungen, die bar jeder Realität seien,
und auch sozial- und außenpolitisch sehe er keinen gemeinsamen
Nenner.
Am Auftakt der SPD-Kampagne in Plön nahmen auch der
schleswig-holsteinische Landesvorsitzende Ralf Stegner und die
stellvertretende Bundesvorsitzende Andrea Nahles teil. Mit der bis
Herbst laufenden Kampagne will die SPD «über die zentralen
Fragen unserer Gesellschaft ins Gespräch kommen» und daraus
Schlüsse für das Wahl- und Regierungsprogramm 2009 ziehen.
Bis jetzt sind 45 Veranstaltungen mit der Parteispitze geplant.
(Quelle: ap)
Grüne wenden sich gegen schwarz-grüne Farbspiele im Bund
Di.18.03.08 - Die Grünen haben aus der CDU genährte Spekulationen über
ein schwarz-grünes Bündnis auf Bundesebene 2009
zurückgewiesen.
Parteichefin Claudia Roth verwies am Montag in Berlin auf zahlreiche
Politikfelder, in denen Union und Grüne unterschiedlicher
Auffassung seien. "Diese faulen Eier einer falschen Politik legen wir
uns nicht ins Osternest. Der baden-württembergische
Ministerpräsident Günther Oettinger hatte zuvor erklärt,
die Achtung vor dem Wähler gebiete es für die CDU, auch mit
den Grünen koalitionsfähig zu sein, wenn es für
Schwarz-Gelb nicht reiche. Dem gebe er eindeutig den Vorzug vor einer
Fortsetzung der großen Koalition, sagte der CDU-Politiker der
"Bild"-Zeitung.
Roth warf Oettinger Wichtigtuerei vor. Mit seinen Äußerungen
wolle er offenbar in der großen Koalition in Berlin zündeln.
Landespolitische Erwägungen wie in Hamburg seien nicht auf die
Bundesebene übertragbar. Oettinger selbst habe sich in seinem Land
ein schwarz-grünes Bündnis nicht getraut.
Oettinger forderte von den Grünen eine klare Entscheidung. "Die
Partei muss sich jetzt outen: Wollen die Grünen der nützliche
Mehrheitsbeschaffer für ein Bündnis mit den frustrierten
Sozialdemokraten und Kommunisten sein oder Politik für ihre
mehrheitlich bürgerlichen Wähler machen?"
Schon in der vergangenen Woche hatte Unions-Fraktionschef Volker Kauder
in einem Zeitungsinterview ein solches Bündnis nicht mehr
ausgeschlossen. Seit die Linkspartei in die Landesparlamente in Hamburg
und Hessen eingezogen ist und Union und FDP nicht mehr auf ausreichende
Mehrheiten kommen, besteht in der CDU-Spitze eine gewisse Offenheit
für Koalitionen mit den Grünen. Dahinter steht auch der
Versuch, die Grünen aus dem linken Lager mit SPD und Linkspartei
herauszuholen.
In der Hansestadt begannen beide Parteien am Montag ihre
Koalitionsverhandlungen. Sie sind bis zum 4. April terminiert. Bis zur
Monatsmitte soll dann ein Gesamtpaket erstellt werden. Nach der ersten
Runde sagte die Grünen-Landesvorsitzende Anja Hajduk: "Das war ein
guter Auftakt." Behandelt wurden die Themen Finanzen, Haushalt, Kultur
und Sport. Am Dienstag stehen mit der Verkehrspolitik und der Zukunft
des Hamburger Hafens zwei dicke Brocken auf der Tagesordnung. Ob es in
irgendwelchen Punkten Übereinstimmung oder Annäherungen
gegeben hat, wollten beide Seiten nicht sagen.
Die Grünen wandten sich zugleich entschieden gegen ein
Jamaika-Bündnis mit Union und FDP in Hessen, wie es
Ministerpräsident Roland Koch als Ziel für die nächsten
Monate ausgegeben hat. "Jamaika - das ist der letzte Anker in Kochs
Machtkalkül. Aber dieses Kalkül geht nicht auf", sagte Roth.
Ihre Partei sei kein Mehrheitsbeschaffer einer falschen Politik.
(Quelle: rtr)
Grüne wollen Soli-Beitrag für Bildungsausgaben nutzen
Di.18.03.08 - Die Grünen wollen den Solidaritätsbeitrag mittelfristig nicht
streichen, sondern für Bildungsausgaben verwenden. Die Vorsitzende
der Grünen-Bundestagsfraktion, Renate Künast, sagte der
Zeitschrift «Super Illu» laut einer Vorabmeldung vom Montag:
«Da muss man den Mut haben zu sagen: Der Aufbau Ost ist im
Wesentlichen gelungen, und jetzt bauen wir den Ost-Soli zu einem
Bildungs-Soli um, weil Bildung für alle die nächste
große Aufgabe der gesamten Gesellschaft ist.»
Es sei nötig, neue Rezepte für wettbewerbsfähige
Arbeitsplätze in einer globalisierten Welt zu entwickeln.
«Dazu gehört eine Bildungspolitik, die auch benachteiligte
Jugendliche in die Lage versetzt, das Beste aus sich und ihren
Fähigkeiten zu machen, damit sie ihr Leben selbst in die Hand
nehmen können», betonte sie.
Bis 2019 werden den neuen Ländern insgesamt rund 156 Milliarden
Euro über den Solidarpakt II zur Verfügung gestellt. Die
Einnahmen des Bundes aus dem Solidaritätszuschlag auf die
Einkommensteuer betragen dieses Jahr voraussichtlich gut 12 Milliarden
Euro; sie sollen laut Finanzplanung auf 14,2 Milliarden Euro im Jahr
2011 steigen.
(Quelle: ap)
Beckstein und Huber für neue Moscheen in Deutschland
Di.18.03.08 - Spitzenpolitiker der Union begrüßen den Bau neuer Moscheen
in Deutschland, lehnen aber überdimensionierte Gebetshäuser
ab. "Wir wollen, dass friedliche Moslems auch in unserem Land in
Moscheen beten. Ihre Moscheen sollen sich nicht nur in Hinterhöfen
befinden", sagte der bayerische Ministerpräsident Günther
Beckstein der "Süddeutschen Zeitung" (Samstagsausgabe).
Moscheeprojekte müssten im Einklang mit der Umgebung und der
Bevölkerung realisiert würden. Als gelungene Beispiele
bezeichnete Beckstein die Moscheen in Ingolstadt und Fürth.
CSU-Chef Erwin Huber begrüßt ebenfalls, "wenn die Leute
beten und im Gebet zusammenkommen". Entscheidend sei die bauliche
Integration der Gebetshäuser. Moscheen dürften nicht durch
ihre Größe und Ausstattung "Macht demonstrieren", sagte
Huber. Auch der baden-württembergische Staatsminister Willi
Stächele (CDU) hält den Bau neuer Moscheen für notwendig:
"Die Forderungen von Wolfgang Schäuble sind bei uns bereits
Wirklichkeit", sagte Stächele. In Städten wie Pforzheim und
Mannheim sind bereits große Moscheen gebaut worden. Auch in Ulm
soll bald ein neues Gebetshaus entstehen.
Die von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) ins Leben
gerufene Islamkonferenz hatte sich am Donnerstag darauf
verständigt, durch Neubauten von Moscheen die deutschen
muslimischen Gemeinden aus den Hinterhöfen zu holen, um deren
Integration zu verbessern.
(Quelle: epd)