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Fünfter Jahrestag des Irak-Kriegs
Nationale Versöhnungskonferenz im Irak ohne Ergebnis. 17
Grenzwächter in Basra getötet. US-Präsident Bush zeigt
sich zum fünften Irak-Jahrestag unbeirrt: Irak-Krieg wird zu
strategischem Sieg führen. Obama: Irak-Krieg gefährdet
nationale Sicherheit. Mehr als 100 Festnahmen in den USA bei
Protesten gegen den Irak-Krieg
Do.20.03.08 - Ohne konkrete Ergebnisse ist eine nationale Versöhnungskonferenz
im Irak zu Ende gegangen. Die 400 Delegierten forderten in ihrer
Abschlusserklärung in Bagdad die Einheit des Landes und
verurteilten den Terrorismus. Das Treffen war von den wichtigsten
Parteien des Landes boykottiert worden. Der schiitische
Ministerpräsident Nuri el Maliki rief zur Versöhnung zwischen
den verschiedenen Bevölkerungsgruppen des Irak auf.
Die Teilnehmer der zweitägigen Versöhnungskonferenz in Bagdad
riefen zur Beibehaltung der "fundamentalen Prinzipien" des Irak auf.
Zudem verurteilten die Vertreter sunnitischer, schiitischer und
kurdischer Parteien und Organisationen "Terrorismus und extremistische
Ideologien". Vorschläge, wie die Spaltung zwischen den
verschiedenen konfessionellen Gruppen überwunden werden
könnte, präsentierten die Teilnehmer der von der irakischen
Regierung organisierten Konferenz nicht.
Die größte sunnitische Parlamentsfraktion hatte eine
Beteiligung an dem zum fünften Jahrestag der US-geführten
Invasion abgehaltenen Treffen mit der Begründung abgelehnt, sie
werde in der schiitisch dominierten Regierung benachteiligt. Die
radikale Schiitenbewegung von Moktada Sadr nannte als Grund für
ihr Fernbleiben, die Konferenz sei lediglich Regierungspropaganda und
löse keine Probleme.
Der Schiit Maliki, dem Kritiker in der Vergangenheit wiederholt eine
Bevorzugung seiner eigenen Bevölkerungsgruppe vorwarfen, besuchte
erstmals seit seinem Amtsantritt 2006 das sunnitische Viertel Adhamijah
in Bagdad.
Unter massivem politischen Druck der USA machte der irakische
Präsidentschaftsrat am Mittwoch den Weg für Regionalwahlen im
Herbst. Die USA erhoffen sich von der Wahl von Landesversammlungen in
den 18 Provinzen eine Entspannung im Konflikt zwischen Schiiten und
Sunniten. Nach der Grundsatzentscheidung Talabanis und seiner beiden
Stellvertreter müssen jetzt allerdings noch die Einzelheiten
für die geplanten Wahlen geklärt werden.
In der südlichen Hafenstadt Basra sind innerhalb eines Tages 17
Angehörige der irakischen Grenztruppen getötet worden. Ein
Sprecher der Sicherheitskräfte sagte, die Leichen der
Grenzpolizisten seien - fast auf den Tag genau fünf Jahre nach
Beginn des Irakkrieges - in verschiedenen Vierteln der Stadt gefunden
worden. Ein Vertrauter des geistlichen Oberhauptes der Schiiten im
Irak, des Großajatollahs Ali al-Sistani, wurde in Basra von
Attentätern schwer verletzt.
Bei einem Selbstmordanschlag im Norden von Bagdad wurden mindestens
vier Menschen getötet, darunter ein Polizist. In einem Dorf nahe
Baakuba in der Provinz Dijala habe sich eine Frau in die Luft
gesprengt, sagte ein irakischer Sicherheitsbeamter. Der Anschlag
richtete sich demnach gegen eine Polizeipatrouille, zwölf Menschen
wurden verletzt. In der nordirakischen Provinz Kirkuk töteten
US-Soldaten drei irakische Polizisten, ein weiterer Polizist wurde nach
US-Angaben verletzt.
Fünf Jahre nach Beginn des Irak-Kriegs hat US-Präsident
George W. Bush ungeachtet öffentlicher Kritik den Einsatz
verteidigt: Die jüngste Truppenverstärkung habe nicht nur die
Wende gebracht, sondern auch die Tür zu einem "großen
strategischen Sieg" gegen islamische Extremisten geöffnet, sagte
Bush am Mittwoch im Verteidigungsministerium. "Die Erfolge, die wir im
Irak sehen, sind unbestreitbar." Er räumte ein, dass der Einsatz
einen hohen Zoll sowohl an Menschenleben als auch an Finanzen gefordert
habe. "Aber diese Kosten sind notwendig."
Zehntausende Iraker und etwa 4000 US-Soldaten sind seit dem Einmarsch
der amerikanischen Truppen in den Golfstaat am 20. März 2003 ums
Leben gekommen. Die Gewalt im Irak ging aber erheblich zurück,
seit die USA ihre Truppen im vergangenen Sommer um 30.000 Mann
verstärkten haben. Doch das Land ist noch weit von friedlichen
Verhältnissen entfernt, wie schwere Anschläge in den
vergangenen Wochen belegten. Dennoch reduziert das US-Militär
seine Truppen schon wieder. Bis Juli sollen 20.000 Soldaten das Land
verlassen haben, 140.000 werden dann dort vorerst noch stationiert sein.
In der Öffentlichkeit musste Bush vor allem wegen des Irak-Kriegs
einen massiven Einbruch seiner Umfragewerte hinnehmen. Vor knapp
eineinhalb Jahren gelang es deshalb den Demokraten, bei den
Kongresswahlen den Republikanern die Mehrheit in beiden Kammern
abzujagen. Im aktuellen Präsidentschaftswahlkampf ist das Thema
jedoch vor allem wegen der Folgen der Hypothekenkrise in den
Hintergrund gerückt.
Die oppositionelle Demokratische Partei warf Bush vor, den Krieg mit
gefälschten Geheimdienstinformationen vom Zaun gebrochen und
keinen Plan zur Beendigung des Einsatzes zu haben. Die Kosten für
die nationale Sicherheit seien immens. Die Streitkräfte
stünden am Rand ihrer Belastbarkeit und der Krieg habe das
weltweite Ansehen der USA beschädigt, kritisierte
Oppositionsführerin Nancy Pelosi.
Der Irak-Krieg hat die USA nach Ansicht des demokratischen
Präsidentschaftsbewerbers Barack Obama verwundbarer gemacht.
Zugleich habe der Krieg die Feinde der USA - Al Kaida, Taliban, Iran
und Nordkorea - ermutigt, sagte er am Mittwoch aus Anlass des
fünften Jahrestags des US-Einmarsches im Irak vor
Militärangehörigen in Fort Bragg im Staat North Carolina.
Obama kritisierte seine innerparteiliche Rivalin Hillary Clinton und
den wahrscheinlichen Präsidentschaftskandidat der Republikaner,
Senator John McCain. Beide benutzten bei Themen der nationalen
Sicherheit harte Worte, fällten aber Entscheidungen, die die
Sicherheit der USA aushöhlten. Obama hat wiederholt darauf
hingewiesen, dass er von Anfang an den Irak-Krieg ablehnte.
Bei Demonstrationen zum fünften Jahrestag des Irak-Kriegs sind in
den USA mehr als 150 Personen festgenommen worden. Kriegsgegner
blockierten Straßen und Behördengebäude in Washington,
San Francisco und anderen Städten. In Bagdad rief der irakische
Präsident Dschalal Talabani alle gesellschaftlichen Gruppen zu
einer «wirklichen Versöhnung» auf. Nur dann könne
der am 20. März 2003 begonnene Weg erfolgreich zum Ziel
führen, sagte der kurdische Politiker.
Die meisten Festnahmen bei den Protestaktionen in den USA gab es in San
Francisco. Dort führten Polizisten nach Angaben der Behörden
am Mittwoch etwa 100 Personen ab, die den Verkehr im Finanzzentrum
blockierten oder sich an Gebäude angekettet hatten. Schwarze
Luftballons säumten die Straßen. Einige Demonstranten
hätten mit Farbe gefüllte Weihnachtsbaumkugeln auf Polizisten
geworfen, sagte ein Polizeisprecher.
In Cincinnati legten Kriegsgegner 4.000 T-Shirts aus, um so an die
4.000 im Irak getöteten US-Soldaten zu erinnern. In Louisville,
Kentucky, stellten Demonstranten Militärstiefel, Sandalen und
Kinderschuhe auf die Stufen eines Gerichtsgebäudes. Ziel einer
Protestaktion in Washington war das zentrale Finanzamt. Mehrere
Demonstranten überwanden die vor dem Eingang aufgestellten
Absperrungen und wurden festgenommen. Etwa 20 Festnahmen gab es bei
einer Sitzblockade vor dem Kapitol, dem Sitz des Kongresses. Auch in
Syracuse wurden 20 Demonstranten festgenommen, die an einem
Straßentheater teilgenommen hatten, bei dem Szenen in Bagdad
nachgespielt wurden. In Chicopee, Massachusetts, wurden acht Personen
bei der Blockade eines Luftwaffenstützpunkts abgeführt.
boa (Quellen: ap, dpa, afp, rtr)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 20.03.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Vierter Jahrestag des Irak-Kriegs
Di.20.03.07 - Vier Jahre nach Kriegsbeginn - Iraker verlieren nach jüngster
Umfrage die Hoffnung +++ US-Präsident Bush ruft US-Bürger zu
Geduld mit seiner Irak-Politik auf +++ Acht Tote bei Anschlag auf Moschee
in Bagdad +++ Mindestens 19 Tote bei Anschlägen in Kirkuk +++
Irakkriegs-Gegner demonstrieren an der Wall Street...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0703200.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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US-geführte Truppen töten sechs Zivilisten in Afghanistan
Do.20.03.08 - US-geführte Truppen in Afghanistan haben nach offiziellen Angaben
sechs Zivilisten getötet, darunter zwei Kinder und eine Frau.
Die ausländischen Soldaten hätten in der Ortschaft Mukibel in
der südöstlichen Provinz Chost ein Haus gestürmt und die
Menschen getötet, sagte Distrikt-Gouverneur Gul Kasim am Mittwoch
der Nachrichtenagentur Reuters. Die Kinder, zwei Jungen unter zehn
Jahren, wiesen Augenzeugen zufolge Wunden an Kopf und Brust auf. "Wir
ziehen in den Heiligen Krieg" und "Tod für Bush", riefen
aufgebrachte Dorfbewohner.
Eine Sprecherin der Nato-Truppe Isaf erklärte, die Soldaten seien
Teil der US-geführten Koalitionstruppen. Diesen gehören etwa
7000 Soldaten an, die unabhängig von der Isaf im Kampf gegen
Extremisten eingesetzt sind.
(Quelle: rtr)
Pakistan-Experte: Taliban verlieren in Grenzgebiet an Einfluss
Do.20.03.08 - Im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet verlieren die
radikal-islamischen Taliban nach Einschätzung des Pakistan-Experten
Jorge Scholz zunehmend an Einfluss. Nur eine kleine Minderheit der
Bevölkerung in der Region könne zu den Taliban gezählt
werden, sagte der Politologe und Autor in einem Interview mit dem
entwicklungspolitischen Monatsmagazin "welt-sichten" (Ausgabe 2/3). Die
Mehrheit der Paschtunen sei mit den Taliban nicht identisch.
Die Wahlverluste der Islamisten im Februar in Pakistans Nordwestprovinz
begründete Scholz mit der Entzauberung der lokalen islamistischen
Regierung. "Die Bevölkerung hat gesehen, dass auch die
islamistischen Parteien ihre Probleme nicht lösen können",
sagte der in Paris lebende Islamwissenschaftler. Die Sicherheitslage
habe sich verschlechtert, Gesundheits- und Schulwesen lägen
darnieder.
Nach Scholz' Darstellung herrscht zwischen den traditionell
herrschenden Stammesführern und den Taliban in der Grenzprovinz
starke Konkurrenz. Die Taliban rekrutierten sich vor allem aus der
Unterschicht, besonders aus Landlosen. "Insofern lässt sich das
Erstarken der Taliban auch als soziale Revolution begreifen, die an den
etablierten Machtstrukturen rüttelt", so Scholz.
"welt-sichten" mit einer Startauflage von 8.000 Exemplaren ist die
Nachfolgepublikation der beiden Zeitschriften "eins-Entwicklungspolitik"
und "der überblick". Herausgeber des neuen Magazins ist ein
Trägerverein, dem der Evangelische Entwicklungsdienst, "Brot
für die Welt", das katholische Hilfswerk Misereor und weitere
entwicklungspolitische Organisationen in Deutschland, der Schweiz und
Österreich angehören. Verlegerischer Dienstleister ist das
Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (GEP) in Frankfurt am
Main. Internet: http://www.welt-sichten.org
(Quelle: epd)
Frau zur pakistanischen Parlamentspräsidentin gewählt
Do.20.03.08 - Das pakistanische Parlament hat am Mittwoch erstmals eine Frau zu
seiner Präsidentin gewählt. Fehmida Mirza wurde von der
Pakistanischen Volkspartei (PPP) für dieses Amt vorgeschlagen. Die
Ärztin und Geschäftsfrau vertritt die Partei der ermordeten
früheren Ministerpräsidentin Benazir Bhutto bereits in der
dritten Legislaturperiode im Parlament. Die PPP ging aus der Wahl vom
18. Februar als stärkste Kraft hervor. Es wird damit gerechnet,
dass sie eine Koalitionsregierung bildet mit anderen Parteien, die in
Opposition zu Präsident Pervez Musharraf stehen.
(Quelle: ap)
Birma-Gesandter der UN von jüngstem Besuch enttäuscht
Do.20.03.08 - Der Birma-Gesandte der Vereinten Nationen hat sich im
Weltsicherheitsrat enttäuscht über die Ergebnisse seines
jüngsten Besuchs in dem südostasiatischen Land
geäußert. Die Militärjunta habe es abgelehnt, die
Demokratiebewegung in ihren Plan für politische Reformen
einzubeziehen, sagte Ibrahim Gambari am Dienstag in New York. Sie habe
sich auch gegen eine Mitwirkung der Vereinten Nationen an den geplanten
Verfassungsreferendum im Mai gewandt.
Bei dem am 10. März beendeten Besuch sei wie schon im November
erneut sein Wunsch abgelehnt worden, mit dem Juntachef, General Than
Shwe, zusammenzutreffen, sagte Gambari. Jedoch konnte der Diplomat zwei
Mal mit der unter Hausarrest stehenden Oppositionsführerin Aung San
Suu Kyi sprechen.
Der birmanische UN-Botschafter U Kyaw Tint Swe sagte während der
Sitzung, es gebe keine Berechtigung für ein Vorgehen des
Sicherheitsrates mit Blick auf Birma (Myanmar). Der chinesische
UN-Botschafter Wang Guangya sagte, der Plan für ein Referendum und
allgemeine Wahlen im Jahr 2010 bedeute einen wirklichen Fortschritt.
(Quelle: ap)
China ruft zum Kampf um Tibet auf - Bereit zum Dialog
Do.20.03.08 - China hat zum entschlossenen Kampf um Tibet aufgerufen, zugleich aber
die Bereitschaft zum Dialog mit dem Dalai Lama bekundet.
Der britische Premierminister Gordon Brown zitierte seinen chinesischen
Kollegen Wen Jiabao am Mittwoch mit den Worten, dieser sei unter
bestimmten Bedingungen zum Gespräch mit dem Dalai Lama bereit. Das
geistliche Oberhaupt der Tibeter müsse aber der Gewalt
abschwören und von der Forderung nach Unabhängigkeit Abstand
nehmen. Beide Bedingungen hat der Friedensnobelpreisträger bereits
erfüllt.
Brown kündigte in London zudem an, den Dalai Lama im Mai zu
treffen. Das dürfte den Bemühungen des britischen Premiers,
die Beziehungen zu China zu vertiefen, einen Dämpfer versetzen. Im
vergangenen Jahr hatte die Regierung in Peking verärgert und mit
der Absage von Terminen auf die Entscheidung von Bundeskanzlerin Angela
Merkel reagiert, den Dalai Lama im Kanzleramt zu empfangen.
Offiziell bekräftigte China seine harte Haltung im Konflikt um die
Region, wo Proteste gegen die chinesische Herrschaft in Gewalt
ausgeartet waren. Der tibetische Kommunistenchef Zhang Qingli sprach
von einem Kampf auf Leben und Tod. Der Dalai Lama sei "ein Wolf in
buddhistischem Mönchsgewand, ein böser Geist mit menschlichem
Antlitz und dem Herzen einer Bestie". Gleichwohl bekräftigte China
die Absicht, Tibet und seine Nachbarprovinzen trotz der Unruhen nicht
vom Staffellauf mit dem Olympischen Feuer auszunehmen.
China und Vertreter des Dalai Lama sind seit 1979 im Gespräch.
Zuletzt hatten sich beide Seiten im Sommer 2007 getroffen, ohne dass
Fortschritte erzielt wurden.
Bei den Ausschreitungen kamen nach offiziellen chinesischen Angaben 13
"unschuldige Zivilisten" ums Leben. Die tibetische Exil-Regierung
spricht von 99 Toten. Der Dalai Lama bestreitet die chinesischen
Vorwürfe, Drahtzieher der Unruhen zu sein und hat beide Seiten zur
Gewaltlosigkeit aufgerufen. Für den Fall einer Eskalation der
Auseinandersetzungen kündigte er seinen Rücktritt als Chef
der tibetischen Exilregierung an.
In einem Interview der "Südwest Presse" aus Ulm wandte sich der
Dalai Lama erneut gegen die Forderung nach einem Boykott der
Olympischen Spiele. "Ein Boykott scheint mir zu radikal und der
Bedeutung Chinas nicht angemessen", sagte er. Der Dalai Lama ist wegen
dieser Haltung in den eigenen Reihen in die Kritik geraten. So
verlangen exil-tibetische Jugendorganisationen einen Boykott der Spiele.
Auch Papst Benedikt XVI. rief Chinesen und Tibeter zu Toleranz und zum
Dialog auf. "Gewalt löst keine Konflikte, sondern verstärkt
sie nur", sagte Benedikt bei seiner wöchentlichen Audienz im
Vatikan. Er verfolge das Leiden so vieler Menschen mit Trauer und
Schmerz.
Die deutsche Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul
kündigte in Berlin an, die im Mai anstehenden Verhandlungen mit
China so lange auszusetzen, bis die Gewalt in Tibet ein Ende gefunden
hat.
(Quelle: rtr)
Dalai Lama bittet internationale Gemeinschaft um Hilfe
Do.20.03.08 - Angesichts der scharfen Angriffe aus Peking hat der Dalai Lama die
internationale Gemeinschaft bei der Lösung des Konflikts zwischen
China und Tibet um Hilfe gebeten. "Ich ersuche die Unterstützung
der internationalen Gemeinschaft für unsere Anstrengungen, die
Probleme Tibets mittels Dialog zu lösen", erklärte das
geistliche Oberhaupt der Tibeter im indischen Dharamsala. Der Chef der
Kommunistischen Partei in Tibet, Zhang Qingli, bezeichnete den Dalai
Lama als "Wolf in Mönchskutte".
"Wir befinden uns derzeit in einem heftigen, blutigen und scharfen
Kampf mit der Clique des Dalai Lama, einem Kampf auf Leben und Tod mit
dem Feind", zitiert die Zeitung "Tibet Daily" den Kommunistenchef.
Dieser rief zum Zusammenhalt im Kampf gegen den "Separatismus" und die
"Clique des Dalai Lama" auf. Der Mönch sei "ein Monster mit
menschlichem Gesicht".
Der Dalai Lama rief die internationale Gemeinschaft dazu auf, Peking zu
einem Dialog mit den Tibetern zu drängen. Zudem sollten die
Staats- und Regierungschefs Druck ausüben, damit sich China im
Umgang mit den Protesten in der Himalaya-Region "zurückhalte". Er
bleibe aber dem Weg des Dialogs verpflichtet, um eine Lösung zum
beiderseitigen Vorteil zu finden, erklärte der Dalai Lama. Die
blutigen Proteste erklärte er als einen "spontanen Ausbruch von
öffentlichem Ärger", der durch jahrelange Unterdrückung
ausgelöst worden sei.
Chinas Regierungschef Wen Jiabao hatte am Dienstag erklärt, er sei
bereit, mit dem Dalai Lama zu sprechen, wenn dieser seine
Bemühungen um eine Unabhängigkeit Tibets aufgebe. Das
geistliche Oberhaupt der Tibeter hat hingegen immer wieder betont,
ihnen gehe es lediglich um mehr Autonomie.
(Quelle: afp)
Militante Bauernproteste in Argentinien - Nach Erhöhung von
Exportsteuern auf Sojabohnen
Do.20.03.08 - Demonstrierende Bauern in Argentinien haben den siebten Tag in Folge
Autobahnen blockiert. Mit Traktoren und schweren Erntemaschinen
stellten sie am Mittwoch eine zentrale Straßenverbindung in der
Nähe von Buenos Aires zu. Sie setzten einen Lastwagen in Brand und
kippten Sojabohnen auf die Fahrbahn. Ähnliche Streiks und
Protestaktionen wurden aus der Pampa gemeldet, einer ausgedehnten
Agrarregion in der Mitte des Landes, wo die Rinderzucht ihr Zentrum hat.
Die Bauern protestieren gegen eine Erhöhung der Exportsteuern auf
Sojabohnen und Getreide. Kabinettschef Alberto Fernández
kritisierte, die Reaktionen der Bauern auf die Entscheidung der
Regierung in der vergangenen Woche seien völlig unangemessen. Die
Landwirtschaft habe in den vergangenen Jahren
außergewöhnlich gute Ergebnisse erzielt. Aufgrund der
steigenden Preise für Sojabohnen, Mais und anderes Getreide gehe
es den Bauern besser als vielen anderen in Argentinien.
Bauernsprecher Rodrigo Miro kündigte eine Ausweitung der Blockaden
in der Woche nach Ostern an, falls sich die Regierung nicht zu
Verhandlungen mit den vier Bauernverbänden bereitfinde.
Agrarminister Javier de Urguiza hat die Aufnahme von Gesprächen
jedoch von einem Ende der Streiks abhängig gemacht.
(Quelle: ap)
Machtkampf bei den mexikanischen Linken
Do.20.03.08 - An der Wahl eines neuen Vorsitzenden hat sich in der mexikanischen
Linkspartei PRD ein erbitterter Machtkampf entzündet. Die beide
aussichtsreichsten Kandidaten Alejandro Encinas und Jesús Ortega
warfen sich am Mittwoch gegenseitig Wahlfälschung und
Einschüchterungsversuche vor. Die Stimmenauszählung wurde
angesichts der schwerwiegenden Anschuldigungen stoppt.
Der gemäßigte Exsenator Ortega und der frühere
Hauptstadt-Bürgermeister Encinas lagen mit je rund 42 Prozent
gleich auf. Ausgezählt waren 70 Prozent der Stimmen. Encinas tritt
für eine radikale Opposition zu Präsident Felipe
Calderón ein. Sein Sieg würde es schwierig für den
Präsidenten machen, Reformvorhaben im Parlament durchzusetzen.
An der Wahl beteiligten sich sieben Millionen Mitglieder und
Anhänger der Partei der Demokratischen Revolution. Das
endgültige Ergebnis wird am Sonntag erwartet.
(Quelle: ap)
US-Präsidentschaftswahlkampf - Obamas Umfragewerte brechen
dramatisch ein
Do.20.03.08 - Barack Obamas Umfragewerte im US-Präsidentschaftswahlkampf sind
dramatisch eingebrochen.
Im Rennen um die Kandidatur der Demokraten büßte der Senator
aus Illinois seinen komfortablen Vorsprung von 14 Prozentpunkten auf
seine innerparteiliche Rivalin Hillary Clinton nahezu komplett ein. Im
direkten Vergleich mit dem Kandidaten der Republikaner, John McCain,
geriet er zudem nach einer am Mittwoch veröffentlichten Umfrage
von Reuters und Zogby erstmals in Rückstand, nachdem er im Februar
noch klar in Führung lag. McCain drehte das Ergebnis zu seinen
Gunsten um. 46 Prozent der Befragten gaben nun an, für den Senator
aus Arizona zu stimmen. Nur noch 40 Prozent bevorzugten Obama.
Gegen Clinton würde McCain ebenfalls gewinnen, und zwar mit 48 zu
40 Prozent. Der New Yorker Senatorin gelang es somit immerhin, etwas
Boden gutzumachen. Im Februar lag sie noch zwölf Punkte hinter
McCain.
Zu Obama konnte sie in der aktuellen Umfrage fast aufschließen,
nachdem er im Februar dank seiner Siegesserie bei den Vorwahlen
erstmals auch landesweit in Führung gegangen war. Obama liegt zwar
mit 47 zu 44 Prozent immer noch vorne, doch statistisch ist der
Vorsprung angesichts einer Fehlerquote von 4,4 Prozent praktisch
vernachlässigbar.
Nach Einschätzung von Meinungsforscher John Zogby machten Obama
vor allem die vergangenen zwei Wochen zu schaffen. Clinton
verschärfte in dieser Zeit ihre Angriffe gegen Obama. Zugleich
geriet er wegen seines früheren Pastors unter Druck, der unter
anderem den USA vorwarf, rassistisch zu sein.
Die nächste Vorwahl findet am 22. April in Pennsylvania statt.
Dann geht es das letzte Mal auf einen Schlag um eine größere
Zahl von Delegierten, die für eine Nominierung benötigt
werden.
(Quelle: rtr)
Nachbarn Serbiens erkennen Kosovo als Staat an
Do.20.03.08 - Einen Monat nach der Unabhängigkeitserklärung des Kosovo
haben Ungarn und Kroatien die frühere serbische Provinz als
eigenständigen Staat anerkannt. Die Regierungen der beiden
Nachbarstaaten Serbiens vollzogen den Schritt in Abstimmung mit
Bulgarien, wie aus einer gemeinsamen Erklärung der drei
Länder hervorging. Die Regierung in Sofia will am (heutigen)
Donnerstag das Kosovo anerkennen. In Kroatien bot der serbische
Vize-Ministerpräsident Slobodan Uzelac aus Protest gegen die
Anerkennung seinen Rücktritt an. Serbien berief seinen Botschafter
aus Zagreb ab.
Serbien protestierte in einem Brief, den sein Botschafter dem
kroatischen Außenamt übergab, gegen die Anerkennung des
Kosovo durch Kroatien und rief seinen diplomatischen Vertreter dort zu
"Beratungen" nach Belgrad zurück. Radivoje Cveticanin werde
Kroatien innerhalb von 48 Stunden verlassen, hieß es aus
EU-Kreisen in Brüssel.
Der serbischstämmige Vize-Regierungschef Kroatiens, Uzelac, hatte
zuvor bereits seinen Rücktritt angeboten. "Ich verstehe diese
Geste zutiefst, aber ich werde seinen Rücktritt nicht annehmen",
sagte Ministerpräsident Ivo Sanader nach der Kabinettssitzung. Er
werde die Entscheidung der an der Regierung beteiligten Serbenpartei
SSDS abwarten und hoffe weiterhin auf ein gutes Verhältnis zu
Belgrad.
Die SSDS hatte im Vorfeld der Anerkennung bereits mit einem Austritt
aus dem Kabinett gedroht. In einer gemeinsamen Erklärung hatten
Bulgarien, Ungarn und Kroatien die Anerkennung des Kosovo damit
begründet, dass "eine Veränderung des Status quo
unumgänglich" sei.
Der serbische Außenminister Vuk Jeremic bekräftigte, dass
kein Land, das das Kosovo anerkenne, "auf gute Beziehungen zählen"
könne. Staaten, die sich für diesen Schritt entschieden,
verletzten damit internationales Recht, sagte er während eines
Besuchs in Athen. Belgrad wolle "mit allen Mittel - rechtlich,
politisch und diplomatisch" gegen die Unabhängigkeit des Kosovo
kämpfen. Aus den knapp 30 Ländern, die bisher das Kosovo als
eigenständigen Staat anerkannten, zog Serbien seine Botschafter ab.
Zwei Tage nach den blutigen Unruhen im Norden des Kosovo kehrte die
UN-Polizei wieder in die Stadt Kosovska Mitrovica zurück. Bei den
Straßenschlachten zwischen serbischen Randalierern und
internationalen Sicherheitskräften am Montag war ein ukrainischer
UN-Polizist ums Leben gekommen, mehr als 150 Menschen wurden verletzt.
(Quelle: afp)
USA beschließen Militärhilfe für Kosovo
Do.20.03.08 - Einen Monat nach der Unabhängigkeitserklärung des Kosovos
haben die USA dem neuen Staat Rüstungslieferungen und sonstige
Militärhilfe in Aussicht gestellt. US-Präsident George W.
Bush unterzeichnete am Mittwoch eine entsprechende Anordnung. Die USA
gehörten zu den ersten Staaten, die die Unabhängigkeit des
Kosovos anerkannt haben.
Die Anordnung ermöglicht Waffenlieferungen und militärische
Unterstützung nach den Bestimmungen des Auslandshilfegesetzes
(Foreign Assistance Act) und des Rüstungsexportkontrollgesetzes
(Arms Export Control Act). Bush erfüllte die in diesen Gesetzen
festgelegte Anforderung, wonach der Präsident feststellen muss,
dass ein militärischer Beistand «die Sicherheit der
Vereinigten Staaten stärken wird und den Weltfrieden
fördert». Welche Unterstützung konkret geleistet werde,
sei von Fall zu Fall zu entscheiden, erklärte das Weiße Haus.
(Quelle: ap)
Russland: Medwedew kündigt Stärkung der Zivilgesellschaft an
Do.20.03.08 - Der designierte russische Präsident Dmitri Medwedew hat am
Mittwoch eine Stärkung der Zivilgesellschaft angekündigt. Auf
diese Weise könne der Kampf gegen die Korruption bei den
Behörden besser bekämpft werden, sagte Medwedew im Kreml.
«Wir müssen eine Situation schaffen, in der kein Beamter
immun gegen öffentliche Aufmerksamkeit ist», sagte der
zukünftige Präsident. Eine mündige Zivilgesellschaft sei
eine wichtige Grundlage für die stabile Entwicklung des Landes.
Gesellschaftliche Gruppen sollten daran mitarbeiten, den Kurs der
Regierung festzulegen und seine Effektivität zu beurteilen. Auch
der amtierende Präsident Wladimir Putin hat wiederholt
angekündigt, die Korruption zu bekämpfen. Experten
schätzen jedoch, dass die Korruption seit seinem Amtsantritt 2000
stark angewachsen ist.
Medwedew wird am 7. Mai vereidigt. Er ist jedoch bereits in den Kreml
eingezogen und führt bei zahlreichen Konferenz den Vorsitz.
(Quelle: ap)
Weiterer Generalstreik lähmt Griechenland
Do.20.03.08 - Millionen Griechen haben am Mittwoch mit einem weiteren Generalstreik
das öffentliche Leben lahmgelegt. An dem Protest gegen eine
geplante Rentenreform der konservativen Regierung nahmen neben anderen
Krankenhausärzte, Fluglotsen, Hafenarbeiter, Lehrer, Journalisten,
Hotelpersonal und Beschäftigte von Tankstellen teil. In der
Innenstadt von Athen demonstrierten mehrere tausend Menschen. Das
Parlament will am Donnerstag über den Gesetzentwurf abstimmen. Es
war bereits der dritte Generalstreik seit Dezember.
Bereits am Dienstag waren Eisenbahnbeschäftigte in einen
24-stündigen Streik getreten. Auch Banken blieben geschlossen, die
Gerichte waren von einem einwöchigen Streik der Anwälte
betroffen. In den Straßen türmte sich am Mittwoch wegen eines
Streik der Müllwerker der Abfall, ein Ausstand beim
größten Elektrizitätsversorger führt seit zwei
Wochen zu alternierenden Stromausfällen.
Die Regierung von Ministerpräsident Konstantinos Karamanlis hat
erklärt, das derzeitige Rentensystem könne ohne Reformen in
wenigen Jahren zusammenbrechen. Derzeit gibt es in Griechenland etwa 170
Rentenfonds, denen ein Defizit von insgesamt 120 Milliarden bis 400
Milliarden Euro droht. Die Gewerkschaften befürchten niedrigere
Alterseinkünfte und höhere Renteneintrittsalter.
(Quelle: ap)
Frankreich: Pariser Mai 68 begann mit der 'Bewegung 22. März'
Do.20.03.08 - Der französische Mai 68 ist als eine der größten
Streikbewegung Europas in die Geschichte eingegangen: brennende
Barrikaden in Paris, blutige Auseinandersetzungen von Arbeitern und
Staatsmacht in der Provinz, Präsident Charles de Gaulle kurz vor
dem Sturz. Der Funke wurde schon am 22. März gezündet - durch
die Besetzung eines Verwaltungsgebäudes in der Universität von
Nanterre nordwestlich von Paris.
«Wir haben nicht im Traum gedacht, dass wir so dramatische
Umwälzungen starten würden», erinnert sich Alain
Lenfant. Der heute 63-Jährige gehörte damals mit Daniel
Cohn-Bendit zu den ersten, die den achtstöckigen Turm
stürmten. Sie wollten die Freilassung von sechs Kommilitonen
erzwingen, die bei einer Anti-USA-Demonstration in Paris festgenommen
wurden.
Die spontane Aktion an einem Freitagabend verlief denkbar
unspektakulär. «Es gab eine kleine Rangelei mit dem
Hausmeister, sonst war niemand im Gebäude», sagt Lenfant. Und
weil viele der 142 Turmbesetzer die letzte S-Bahn nach Paris erwischen
mussten, war der Aufstand schon kurz nach Mitternacht vorbei.
Entscheidend war aber, dass Lenfant und seine Mitstreiter am folgenden
Morgen mit einem Manifest die «Bewegung 22. März»
ausriefen und zum Modell für die Herausforderung der Autorität
wurden.
In Nanterre bauten sich die Spannungen über eineinhalb Jahre auf.
Die noch heute unverändert trostlose Campus-Uni mit ihren
gelb-beige-braunen Betonschachteln wurde Mitte der 60er Jahre in die
Arbeiterstadt gepflanzt. «Hier, hinter dem Studentenwohnheim,
lagen damals die Elendsviertel», sagt Lenfant, der noch immer in
Nanterre lehrt. «Das hat unser Gefühl verstärkt, dass
etwas nicht stimmt mit der Gesellschaft.»
Aber die Motive blieben diffus, ein Charakteristikum der gesamten
französischen Studentenbewegung. Protest gegen den Vietnam-Krieg,
Kapitalismus-Kritik, ein bisschen Hochschulreform, vor allem aber die
Auflehnung gegen eine extrem rigide Gesellschaft, die sich gegen die
liberalen Ströme der 60er Jahre als resistent erwies. «Es war
damals undenkbar, eine Freundin mit nach Hause zu bringen», sagt
Lenfant. Zu den ersten Auseinandersetzungen in Nanterre kam es 1967,
als die Studenten das für sie untersagte Frauenwohnheim
stürmten und dort nächtigten. «Die Mädels hatten
nichts dagegen.» Am Morgen wurden die Eindringlinge von Polizisten
aus den Betten geprügelt.
Das Epizentrum der Bewegung verlagerte sich von Nanterre an die
Sorbonne im Pariser Quartier Latin. Zur Eskalation kam es am 10. Mai,
als die Sicherheitskräfte mit einem massiven Aufgebot die Proteste
auflösen wollten. In den engen Gassen des Viertels kam es 100 Jahre
nach der Pariser Kommune wieder zu einer «Nacht der
Barrikaden».
«Unter dem Pflaster der Strand» heißt einer der
legendären Slogans der Studenten: Die Pflastersteine wurden auf die
Polizisten geworfen. Der Sand darunter erinnerte die
Straßenkämpfer an eines ihrer wichtigsten Ziele: das Recht
auf Sinnenfreude und sexuelle Freiheit. Als der Deutsch-Franzose
Cohn-Bendit, charismatischer Wortführer der Bewegung, wegen seinen
Agitationen ausgewiesen werden soll, versammeln sich Zehntausende zu
einer Solidaritätskundgebung. «Wir sind alle deutsche
Juden» rufen sie. Für Cohn-Bendit ein Schlüsselereignis
des Mai 68: «Das war der Ausdruck einer anderen, solidarischen
Gesellschaft.»
Die historische Einmaligkeit der französischen 68er-Bewegung war
aber die Solidarisierung von Studenten, Künstlern, Arbeitern und
Bauern gegen die hierarchische und autoritäre Gesellschaft. Im
ganzen Land wurden Fabriken besetzt, das Management oft als Geiseln
genommen. Der Generalstreik - einer der größten in Europa im
20. Jahrhundert - lähmte das Land bis in den Juni.
Die Arbeiter schickten ihre kompromissbereiten Gewerkschafter in die
Wüste und radikalisierten sich, um echtes Mitspracherecht und
menschlichere Arbeitsbedingungen zu erkämpfen. Mit Erfolg - die
Arbeitszeit sank von damals mehr als 45 Stunden pro Woche auf heute 35
und aus den «Kasernen» wurden Betriebe mit verbürgtem
Mitspracherecht. Aber zu einem hohen Preis - sieben Menschen kamen bei
den Schlachten um die Fabriken ums Leben.
General de Gaulle unterschätzte den Ernst der Lage im Mai
völlig. Während zehn Millionen Menschen streikten und gegen
den Präsidenten auf die Straße gingen, reiste er zum
Staatsbesuch nach Rumänien. Am 29. Mai verschwand das
Staatsoberhaupt plötzlich. In Baden-Baden wollte er sich bei einem
Geheimtreffen mit Generälen der Unterstützung der
Streitkräfte vergewissern.
Nach seiner eiligen Rückkehr nahm der General das Heft des
Handelns wieder in die Hand. Plötzlich demonstrierten
Hunderttausende Franzosen für ihren Präsidenten. Und obwohl
linke Ideen so populär waren wie nie zuvor, gewann das konservative
Lager die vorgezogenen Neuwahlen. Doch die Tage des Generals waren
gezählt: Ein Referendum ein Jahr später über eine
Dezentralisierung der Staatsmacht wurde zum Votum gegen de Gaulle. Er
dankte ab. Damit begann ein neues Kapitel der französischen
Geschichte.
(Quelle: ap)
Frankreichs Präsident Sarkozy zieht gegen Erbe der 68er zu Felde
-- Cohn-Bendit sieht 'Lust ohne Grenzen' als Lebensmotiv des
Präsidenten - Frankreich vor ideologischer Restauration?
Do.20.03.08 - Mit all seiner Leidenschaft drosch Nicolas Sarkozy im Wahlkampf auf die
68er-Bewegung ein. Ihr Erbe müsse «ein für alle Male
liquidiert werden», rief er am Vorabend der Stichwahl 20.000
Anhängern in Paris zu. Im Mai 68 und seiner hedonistischen Kultur
lägen die Gründe für eine tiefe moralische Krise des
Landes, das Scheitern der Schulen, das Einheitsdenken.
Die Wahl machte Sarkozy auch zu einem Votum für oder gegen die
Bewegung. Dem Relativismus der Linken, die nicht mehr zwischen Gut und
Böse unterscheiden könne, setzte er eine geistig-moralische
Wende entgegen, die Rückkehr von Autorität und Verantwortung.
«Ich verspreche, eine Nation wiederaufzubauen, die wieder stolz
auf sich selbst sein kann», rief er. Schweiß tropfte ihm vom
Kinn.
Inzwischen ist knapp ein Jahr vergangen. Und als leuchtendes Vorbild
für traditionelle Tugenden wie Bescheidenheit und Respekt ist der
Staatschef nicht gerade in Erscheinung getreten. «Hau ab, armer
Depp», raunte er kürzlich einem Messebesucher entgegen, der
ihm nicht die Hand schütteln wollte. Im Privatjet eines
befreundeten Industriellen rauschte er zu Liebesurlauben mit der
Sängerin Carla Bruni. Er habe etwas zwischen den Beinen und wisse
davon Gebrauch zu machen, mokierte er sich über Kritiker.
«Sarkozy selbst ist doch ein verhinderter 68er», sagt
Daniel Cohn-Bendit im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP.
«In Frankreich gab es damals den Slogan 'jouir sans entrave', der
Lust ohne Grenzen nachzugehen. Das ist ja praktisch sein
Lebensmotiv.»
Tatsächlich hat Sarkozy, der seinerzeit gegen die Studenten und
streikenden Arbeiter auf die Straße ging, von der Lockerung der
Sitten profitiert. Zwei Mal geschieden, zum dritten Mal verheiratet, mit
einer Patchwork-Familie. «Vor 1968 wäre seine Kandidatur,
zumal mit seinen ausländischen Wurzeln, wesentlich schwieriger
gewesen», resümiert der Soziologe Jean-Pierre Le Goff, Autor
des Buches «Mai 68 - Das unmögliche Erbe».
Dessen ungeachtet hat Sarkozy begonnen, in der Erziehungspolitik das
Rad zurückzudrehen. Ein Revival erleben zum neuen Schuljahr
Gedichte und Kopfrechnen. Zum Ende der zweiten Klasse müssen die
Kinder künftig die Symbole der Republik kennen, sich beim Klang der
Nationalhymne erheben und ihre Lehrer siezen. Und schon in den
Vorschulen werden Moralkurse eingeführt.
Aus deutscher Perspektive kann das nur erstaunen. Denn einen
tiefgreifenden pädagogischen Wandel wie in der Bundesrepublik
stießen die 68er in Frankreich nicht an. Der Unterricht ist nach
wie vor sehr streng, das Bildungssystem lässt nur wenig Raum
für persönliche Entfaltung.
Auch in den Familien geht es wesentlich strenger zu. Die
«Fessée», wie das Hinternversohlen beim westlichen
Nachbarn genannt wird, ist nie aus der Mode gekommen. In einer im
Dezember von der Organisation Union des Familles en Europe (UFE)
veröffentlichten Studie gaben 96 Prozent der befragten Kinder an,
schon mindestens ein Mal derart gezüchtigt worden zu sein. Neun von
zehn der Eltern räumten ein, eine Tracht Prügel auf den
Allerwertesten gehöre zu ihren pädagogischen Praktiken.
Und das wird sich vorerst kaum ändern, denn antiautoritäre
Ansätze sind in Frankreich verpönt wie nie. Serge Audier,
Philosoph und Politologe an der Pariser Sorbonne, spricht von einem
«Anti-68er-Fieber». Sarkozys Wahlkampf und Politik sei
Ausdruck einer ideologischen Restauration, von der sein Land erfasst sei.
(Quelle: ap)
Gründonnerstag 1968 - Mordanschlag auf Rudi Dutschke - Der
Studentenführer überlebt schwer verletzt -- Er war das
maßgebliche Sprachrohr der 68er-Bewegung -- Die meisten Medien
hatten Dutschke zum Volksfeind Nr. 1 abgestempelt
Do.20.03.08 - Es ist Gründonnerstag, der 11. April 1968: Vor dem Büro des
Sozialistischen Deutschen Studentenbundes am Kurfürstendamm in
West-Berlin gibt Josef Bachmann, ein junger NPD-Anhänger, drei
Schüsse auf den Studentenführer Rudi Dutschke ab, der schwer
verletzt überlebt. Der Mordanschlag auf den 28-jährigen
Soziologiestudenten wird zum Auslöser der härtesten
innenpolitischen Unruhen seit Bestehen der Bundesrepublik.
Der an der Freien Universität studierende Dutschke, der in der DDR
als Gymnasiast den Wehrdienst verweigerte und dann seiner
brandenburgischen Heimatstadt Luckenwalde den Rücken kehrte, war im
Westen zur zentralen Figur der damaligen Studentenproteste
aufgestiegen. Seit 1967 war er das maßgebliche Sprachrohr der
68er-Bewegung. Sie repräsentierte jene Vertreter der
herangewachsenen Kriegs- und Nachkriegsgeneration, die als Minderheit,
aber unübersehbar und lautstark gegen die verkrusteten
gesellschaftlichen Verhältnisse der Bonner Republik aufbegehrte, zu
«außerparlamentarischer Opposition» und zum
«Marsch durch die Institutionen» aufrief.
Im Fokus der Studentenrevolte stand vor allem der Umgang der Väter
mit der NS-Vergangenheit. An den Hochschulen hatten viele politisch
belastete Professoren ihre Karriere nach 1945 fast nahtlos fortsetzen
können. Überall in Politik und Gesellschaft bis hin zur
Bundeswehr, so der Jenaer Zeithistoriker Norbert Frei in seinem
jüngsten Werk «1968», seien «mehr oder weniger
skandalöse personelle Kontinuitäten» offenbar geworden.
Zudem war 1965 in Ost-Berlin «ein ganzes ´Braunbuch´
voller Namen einflussreicher Bundesbürger mit
NS-Vergangenheit» veröffentlicht worden, unterstreicht Frei:
«Die studentische Jugend las das ´Who was who im Dritten
Reich´ mit fassungsloser Empörung.»
Quelle des Protestes war schließlich der eskalierende
Vietnam-Krieg der USA. Kurz vor dem Attentat, Mitte Februar 1968, hatte
der wortgewaltige Dutschke an der Technischen Universität
West-Berlins einen Internationalen Vietnam-Kongress organisiert, zu dem
sich 5000 Studenten versammelten, 12 000 an einer Protestdemonstration
teilnahmen.
In den meisten Medien, vor allem den Blättern des
Springer-Konzerns, wurde Dutschke als Volksfeind Nr. 1, als
Anti-Amerikaner und als kommunistischer Rädelsführer aus dem
Osten abgestempelt. Er wurde so zur Zielscheibe des Hasses von Teilen
der Bevölkerung, schließlich zum Ziel der drei
Revolverkugeln, die bürgerkriegsähnliche
Straßenschlachten auslösten - und 1979 den vorzeitigen Tod
Dutschkes bewirkten.
Während der folgenden «Osterunruhen» gingen in 27
Städten mehrere 100 000 Menschen auf die Straße. Gustav
Heinemann (SPD), Justizminister in der Großen Koalition, rief
beide Seiten zur Besonnenheit auf und appellierte an die Älteren,
darüber nachzudenken, «was wir selber in der Vergangenheit
dazu beigetragen haben könnten, dass der Antikommunismus sich bis
zum Mordanschlag steigerte und dass Demonstranten sich in Gewalttaten
der Verwüstung bis zur Brandstiftung verloren haben».
«Was ´68´ war, ist seit jeher umstritten. Was davon
blieb, ist Gegenstand nicht endender Debatten», schreibt Frei, auf
die nach 40 Jahren wieder aufgeflammte und weiter konträre Debatte
um die 68er anspielend. So zieht heute der Historiker Götz Aly gar
Parallelen zwischen 1933 und 1968, zwischen den marschierenden Nazis
und den demonstrierenden Studenten. Sein Kollege Frei dagegen sieht die
weltweite 68er-Bewegung so: «Es ging um nichts Geringeres als um
eine bessere Welt. Es ging um die Freiheit der Unterdrückten, um
die gesellschaftliche Teilhabe aller, um ein Mehr an Demokratie.»
(Quelle: ddp)
Regierung gibt grünes Licht für umstrittenes
Vertriebenenzentrum
Do.20.03.08 - Über sechs Jahrzehnte nach Ende des Zweiten Weltkriegs kann in
Deutschland das heftig umstrittene Dokumentationszentrum über
Flucht und Vertreibung aufgebaut werden. Das Bundeskabinett beschloss
am Mittwoch eine entsprechende Vorlage von Kulturstaatsminister Bernd
Neumann (CDU) zur Errichtung eines «sichtbaren Zeichens» in
Berlin. In der Dauerausstellung soll vor allem über die rund 14
Millionen deutschen Vertriebenen, aber auch über das Schicksal von
Flüchtlingen anderer Nationen informiert werden.
Die Bundesregierung schätzt die Sanierungskosten für das
Deutschlandhaus unweit des Potsdamer Platzes, in dem die Ausstellung
präsentiert werden soll, auf 29 Millionen Euro. Der Betrieb soll
jährlich 2,4 Millionen Euro kosten. Experten rechnen damit, dass
die Ausstellung nicht vor 2013 eröffnet werden kann. Die
Federführung für die Ausstellungskonzeption wurde dem
Deutschen Historischen Museum Berlin übertragen.
Im Koalitionsvertrag von 2005 hatten sich Union und SPD darauf
verständigt, ein «sichtbares Zeichen gegen Flucht und
Vertreibung» in Berlin zu setzen. Tschechien und vor allem Polen
hatten sich lange gegen ein solches Zentrum gewendet, weil man den
Versuch einer Relativierung der deutschen Schuld am Zweiten Weltkrieg
befürchtet hatte. Mittlerweile hat Polen eingelenkt: Zwar wird
weiter eine direkte Beteiligung abgelehnt, das Land will aber einer
Einbindung polnischer Historiker nicht im Wege stehen.
Regierungssprecher Thomas Steg machte deutlich, dass die
Bundesregierung eine Zusammenarbeit mit den osteuropäischen
Nachbarländern anstrebt. Im Herbst solle es eine internationale
Konferenz zum Thema Flucht und Vertreibung in Berlin geben,
kündigte er an. In das Aufsicht führende Gremium der
unselbstständigen Stiftung des Zentrums sollen Vertreter der
Bundesregierung, des Bundestags, der Vertriebenen und gesellschaftlich
relevanter Gruppen berufen werden. Ob die vor allem in Polen
umstrittene Präsidentin des Bundes der Vertriebenen (BdV), Erika
Steinbach, in dem Gremium sitzen werde, ließ Steg offen.
Steinbach reagierte positiv auf den Kabinettsbeschluss: «Damit
wird ein bislang weißer Fleck in der Gedenkstättenlandschaft
der deutschen Hauptstadt endlich bearbeitet», erklärte die
CDU-Politikerin. Wenn das Vorhaben gelinge, «dann werden die
deutschen Heimatvertriebenen sich hier angekommen und angenommen
fühlen können». Sie kündigte an, die Stiftung
«Zentrum gegen Vertreibungen» werde aber auch eigene
Dokumentationen und Ausstellungen auf den Weg bringen.
Neumann sagte, Schwerpunkt werde eine Dauerausstellung mit Hauptakzent
auf Flucht und Vertreibung der Deutschen sein. Daneben werde es
Wechselausstellungen geben. Steg sagte, als Vorlage für die
Dauerausstellung solle «die hochgelobte Ausstellung» zu
diesem Thema vom Haus der Geschichte in Bonn dienen.
Lob kam auch von der SPD. Die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende
Angelica Schwall-Düren sagte, in der Konzeption würden klar
die nationalsozialistischen Verbrechen als Ursache für die
Vertreibung benannt. Dagegen kritisierten die Linken das Zentrum als
unnötig. Die Deutschen würden als Opfer dargestellt. Die
Grünen forderten, das Parlament beim Thema Vertreibung
künftig stärker einzubinden.
Bis das Zentrum am Anhalter Bahnhof eröffnet wird, wird es
voraussichtlich noch einige Jahre dauern. Der Direktor des Deutschen
Historischen Museums, Hans Ottomeyer, hatte in einem AP-Interview
gesagt, er rechne mit mindestens fünf Jahren. Dieses Haus sei kein
Museumsgebäude, sondern ein Bürohaus um einen Lichthof mit
teilweise provisorischer Herrichtung aus den 50er und 60er Jahren.
«Unser Ziel ist es, eine Ausstellung im Kontext der
europäischen Geschichte zu machen, den Fokus weit aufzumachen und
keine auf das Schicksal der Deutschen verengte Sicht zu zeigen»,
sagte er.
(Quelle: ap)
Kabinett billigt neuen Kinderzuschlag und Wohngelderhöhung
Do.20.03.08 - Das Bundeskabinett hat die geplante Weiterentwicklung des
Kinderzuschlages und die Erhöhung des Wohngeldes gebilligt. Mit
den vorliegenden Eckpunkten setze die Regierung den Beschluss der
Kabinettklausur in Meseberg um, zur Neuordnung des Niedriglohnsektors
ein Gesamtkonzept aus Erwerbstätigenzuschuss und Kinderzuschlag zu
entwickeln, sagte Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD).
Erwerbstätige, die mit ihrem Arbeitseinkommen nicht das
Existenzminimum erreichen, sollten so vor Hilfebedürftigkeit
geschützt werden. Damit werde verhindert, dass sie
Arbeitslosengeld II beantragen müssen.
Mit der Weiterentwicklung von Kinderzuschlag und dem Ausbau des
Wohngeldes strebt die Bundesregierung an, bei rund 70.000
Bedarfsgemeinschaften beziehungsweise Familien mit insgesamt bis zu
150.000 Kindern die Hilfebedürftigkeit zu beenden. Der noch
auszuarbeitende Gesetzentwurf zum Kinderzuschlag soll Anfang Oktober in
Kraft treten, der zur Wohngelderhöhung zum 1. Januar 2009.
Beim Kinderzuschlag werde die bisher individuell bestimmte
Mindesteinkommensgrenze auf einen Betrag von 900 Euro bei
Paarhaushalten beziehungsweise 600 Euro bei Alleinerziehenden
festgesetzt, berichtet die "Passauer Neue Presse" . Der maximale
Zahlbetrag bleibe bei 140 Euro pro Kind.
Bei der Reform des Wohngelds ist der Zeitung zufolge eine
Heizkostenkomponente vorgesehen sowie die Erhöhung der
Wohngeld-Tabellenwerte und der Miethöchstbeträge um jeweils
etwa zehn Prozent. Damit sei sichergestellt, dass auch Rentnerhaushalte
von einer Wohngeldanpassung profitieren, hieß es. Für Bund
und Ländern ergäben sich durch die Reform bei Wohngeld und
Kinderzuschlag Mehrkosten in Höhe von insgesamt 820 Millionen
Euro. Dem stünden Entlastungen von insgesamt 380 Millionen Euro
gegenüber.
(Quelle: afp)
Bundesverfassungsgericht setzt hohe Hürden für Zugriff auf
Telefondaten
Do.20.03.08 - Das Bundesverfassungsgericht hat den Zugriff von Ermittlern auf
Telefon- und Internetdaten stark eingeschränkt.
Per Eilbeschluss ordneten die Richter am Mittwoch in Karlsruhe an, dass
die Informationen aus der umstrittenen Vorratsspeicherung nur noch beim
Verdacht auf schwere Straftaten an die Behörden weitergeleitet
werden dürfen. Die umstrittene Speicherfrist von sechs Monaten
bleibt dagegen bis zur Entscheidung im Hauptverfahren erhalten. (Az.: 1
BvR 256/08)
Für die Bundesregierung bedeutet die Entscheidung einen neuen
Rückschlag aus Karlsruhe. Die obersten Richter hatten zuletzt eine
ganze Reihe von Sicherheitsgesetzen aus Bund und Ländern kassiert
oder stark beschnitten. Dazu zählen der große Lauschangriff,
das Luftsicherheitsgesetz, die bundesweit koordinierte Rasterfahndung,
die Online-Durchsuchung und die automatische Nummernschild-Erfassung.
Gegen die Speicherung der Verbindungsdaten von Telefon und Computern
hatte unter anderem der FDP-Politiker Burkhard Hirsch geklagt. Das
Gesetz, das zur Terrorabwehr geschaffen wurde, beruht auf einer
EU-Richtlinie.
Der Datenschutzbeauftragte Peter Schaar begrüßte die
Entscheidung. Sie treffe vor allem die Musikindustrie in ihrem Kampf
gegen den illegalen Musiktausch im Internet. Künftig würden
die Konzerne kaum noch Erfolg damit haben, über Massen von
Strafanzeigen an die Daten der Computernutzer heranzukommen.
Die Richter warnten, eine umfassende und anlasslose Speicherung
sensibler Daten könne die Bürger erheblich
einschüchtern. Wegen der europäischen Vorgaben hätten
sie aber nur prüfen dürfen, ob schwere und irreparable
Schäden drohten. Dies sei bei der Datenspeicherung allein nicht
der Fall. Würden die Informationen aber abgerufen, stelle dies
einen schweren Eingriff in das Telekommunikationsgeheimnis dar.
Gespeichert werden etwa angerufene Telefonnummern und Empfänger
und Absender von E-Mails. Ermittler könnten sich so weitreichende
Kenntnisse über die sozialen Kontakte eines Menschen verschaffen,
erklärten die Richter. Daher dürften die Behörden die
Daten nur bei Verdacht auf schwere Straftaten wie Mord, Geldwäsche
oder Bildung einer terroristischen Vereinigung erhalten - und auch nur
dann, wenn sie anders nur schwer oder gar nicht vorankämen. Der
Eilbeschluss gilt zunächst für ein halbes Jahr.
Für das Hauptsacheverfahren zeigte sich Schaar optimistisch, dass
die Richter doch noch die komplette Vorratsdatenspeicherung kippen
werden. Zunächst würden sie aber wohl das Urteil des
Europäischen Gerichtshofes über die zugrundeliegende
EU-Richtlinie abwarten, gegen die Irland geklagt hat. Schaar geht davon
aus, dass die europäischen Richter die Regelung aus formalen
Gründen für nichtig erklären werden.
Bei Opposition und Medienverbänden stieß die Entscheidung
der Karlsruher Richter auf Zustimmung. Das oberste Gericht habe der
Bundesregierung bei ihren Eingriffen in die Grundrechte erneut Grenzen
gesetzt, erklärten Liberale, Linke und Grüne. Daraus
müsse die Regierung bei künftigen Vorhaben Konsequenzen
ziehen. Die Medienverbände sprachen von einem "Etappensieg
für den Informantenschutz". Der Branchenverband Bitkom
begrüßte zwar die Beschränkung der Datenweitergabe,
bedauerte aber, dass maßgebliche Fragen bis zum Hauptverfahren
weiter offen seien.
Das Bundesjustizministerium sprach von einem begrenzten Widerspruch des
Gerichts, das überdies in der Hauptsache noch nicht entschieden
habe. Auch das Innenministerium wies darauf hin, dass die Speicherung
an sich aufrechterhalten werde.
(Quelle: rtr)
Greenpeace benennt IT-Umweltsünder
Do.20.03.08 - Die größten Umweltsünder aus der IT- und
Unterhaltungselektronik- Branche hat Greenpeace jetzt erneut benannt.
In dem Firmen-Ranking "Grüne Elektronik" von März 2008 bildet
Nintendo mit 0,3 von 10 möglichen Punkten das Schlusslicht. Bereits
im vorangegangenen vierteljährlichen Report hatte das Unternehmen
auf dem letzten Platz gelegen. Mit 7,7 Punkten hat Samsung seinen
Punktestand seit dem vorangegangenen Report halten können.
Dieselbe Punktzahl hat Toshiba, das Unternehmen hatte im vierten Quartal
2007 noch auf dem sechsten Platz gelegen. Nokia konnte mit 7,3 Punkten
den dritten Platz erreichen.In die Bewertung sind viele Einzelaspekte
eingegangen, darunter Recycling- und Rücknahmeprogramme,
Berichterstattung an den Kunden sowie die Verwendung giftiger
Chemikalien bei der Fertigung der Geräte. Der vollständige
Report ist in deutscher Sprache unter http://marktcheck.greenpeace.at/elektronik
einsehbar.
(Quelle: gp)
Wissenschaft
Nebenwirkungen von Medikamenten führen häufig zum Tod
Do.20.03.08 - Unerwünschte Nebenwirkungen von Medikamenten verursachen
möglicherweise deutlich mehr Todesfälle als bislang
angenommen. Das ist das Ergebnis einer schwedischen Studie. Die
Pharmakologin Anna Jönnsson von der Universität in
Linköping und ihre Kollegen untersuchten mehr als 1500
Todesfälle in Schweden und stießen dabei auf eine
überraschend große Zahl tödlicher
Arzneimittel-Nebenwirkungen. Fachleute wie der britische Mediziner Simon
Thomas verweisen allerdings auf die vielen Fälle, wo Medikamente
das Leben von Patienten verlängern. Über die Ergebnisse der
Studie berichtet der Onlinedienst des Fachmagazins «Nature»
(DOI:10.1038/news.2008.676), die Originalstudie veröffentlichen
die Forscher in der Fachzeitschrift «British Journal of Clinical
Pharmacology» (Bd. 65, S. 573).
Für Patienten in Krankenhäusern ist die Gefährlichkeit
von Nebenwirkungen seit längerem belegt. Rund fünf Prozent
aller Todesfälle in Hospitälern gingen auf unerwünschte
Wirkungen von Medikamenten zurück, schätzen die schwedischen
Forscher. Diese Zahlen decken sich auch mit Studien an amerikanischen
Kliniken. Der Anteil tödlicher Nebenwirkungen an Sterbefällen
insgesamt ist dagegen nur schwer zu ermitteln. Der Grund dafür ist
laut Jönsson die mangelnde Berücksichtigung der Nebenwirkungen
beim Ausstellen von Totenscheinen.
Um den Anteil von Nebenwirkungen mit Todesfolge in den
Sterbestatistiken genauer aufzuschlüsseln, öffneten
Jönsson und ihre Kollegen die Akten von 1574 Verstorbenen.
Apotheker, Pharmakologen und ein Rechtsmediziner überprüften
die Daten der Verstorbenen, die aus verschiedenen schwedischen
Verwaltungsbezirken stammten. Bei 49 Toten stellten die Forscher einen
Zusammenhang mit Medikamentenwirkungen her.
Die mit Abstand häufigste tödliche Nebenwirkung waren dabei
Blutungen, die nach der Einnahme blutverdünnender Medikamente
auftraten. In ihrer Studie fordern die Wissenschaftler daher eine
bessere Aufklärung von Ärzten und Patienten über die
Gefahren möglicher Nebenwirkungen. Zudem wollen sie die Akten der
Toten noch einmal darauf untersuchen, ob sich vermeidbare
Todesfälle darunter finden.
Der Mediziner Simon Thomas von der Universität Newcastle
kritisiert die Studie allerdings: Die schwedischen Forscher hätten
keine Aussage über die Todesfälle gemacht, die durch die
Einnahme von Medikamenten verhindert würden. Gerade
blutverdünnende Medikamente erwiesen sich für viele Patienten
als lebensverlängernd, betont Thomas. Zudem sei noch unklar, ob die
Daten aus Schweden auf andere Länder übertragbar seien.
«Hier wird nur eine Seite der Medaille betrachtet»,
bemängelt der Mediziner.
(Quelle: ddp)
Theologieprofessor: Gott oder Göttin?
Do.20.03.08 - Der Zürcher Theologieprofessor Konrad Schmid hat die im Alten
Testament geprägte Vorstellung eines männlich-väterlichen
Gottes in Frage gestellt. Beziehe man neben der Bibel
archäologische Quellen, wie Götterfiguren, Inschriften,
Amulette oder Siegel mit ein, ergebe sich ein Gottesbild, welches
starke weibliche Elemente aufweist, erklärte der evangelische
Theologe in der Hamburger Wochenzeitschrift "Die Zeit".
Die Vorstellung eines männlich-väterlichen Gottes könnte
das Resultat einer von starken "politisch-theologischen Interessen"
geprägten "Tendenzliteratur" sein, hieß es weiter. Den
Autoren der Bibel hätte damals daran gelegen, das Volk Israel
angesichts der Bedrohung durch die umliegenden Großmächte auf
einen einzigen starken Gott einzuschwören.
(Quelle: epd)