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Irak am 1459sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Zustimmung der US-Bürger zum Irakkrieg erreicht Tiefpunkt. Iraks
Ministerpräsident Al-Maliki sieht am fünften Jahrestag des
Irak-Kriegs Fortschritte. Zusätzliche US-Truppen sollen
länger im Irak bleiben: US-Militärführung berät
über weitere Strategie. Bin Laden fordert Unterstützung
Aufständischer im Irak. Neuer Prozess vor Iraks Sondertribunal
Fr.21.03.08 - Fünf Jahre nach Beginn des Irakkriegs hat die Zustimmung der
US-Bürger zu dem Waffengang einen neuen Tiefpunkt erreicht. Rund
zwei Drittel der Amerikaner glauben heute, dass der Krieg keine gute
Entscheidung war.
USA-weit gingen Kriegsgegner zum Jahrestag auf die Straßen, mehr
als 170 Demonstranten wurden festgenommen. Der britische
Außenminister David Miliband räumte unterdessen erhebliche
Schwierigkeiten bei der Schaffung friedlicher Verhältnisse im Irak
ein. «Die Wahrheit ist, dass die Sicherung des Friedens nach dem
Krieg bislang viel schwieriger war, als die Menschen erwartet
hatten», sagte er am Donnerstag dem britischen Fernsehsender ITV.
Nur 36 Prozent der Amerikaner halten die Entscheidung, den Irak
anzugreifen, heute noch für richtig, heißt es in einer am
Mittwochabend veröffentlichten Umfrage des US-Nachrichtensenders
CNN. Nach der Invasion im März 2003 hatten noch 68 Prozent den
Krieg für gerechtfertigt gehalten. Nahezu zwei Drittel (71
Prozent) meinen, dass der Krieg der US-Wirtschaft geschadet habe. 61
Prozent der Amerikaner möchten der Umfrage zufolge, dass der neue
US-Präsident «in wenigen Monaten nach seiner
Amtsübernahme» (Januar 2009) die US- Truppen aus dem Irak
zurückzieht.
Der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki hob am Donnerstag
die Meinungsfreiheit als größte Errungenschaft seit dem
Sturz des Diktators Saddam Hussein hervor. «Heute gibt es keine
Diktatur mehr im Irak, sondern Demokratie und Meinungsfreiheit»,
sagte er bei der Eröffnung eines Kultur-Festivals in der
südlich von Bagdad gelegenen Provinz Babylon. Dies gelte besonders
für Schriftsteller und Journalisten. Die internationale
Organisation Reporter ohne Grenzen hatte tags zuvor erklärt, seit
Kriegsbeginn am 20. März 2003 seien im Irak 210 Medienmitarbeiter
getötet worden. Ein Großteil der irakischen Journalisten sei
ins Exil geflüchtet.
Eine Verbesserung der Lage sieht auch Milliband. Zwar sei es nach wie
vor im Irak «sehr gefährlich». Allerdings sei die Zahl
der Angriffe von Aufständischen deutlich zurückgegangen, und
die wirtschaftliche Situation habe sich verbessert. Derweil forderten
Kriegsgegner Premierminister Gordon Brown auf, nicht länger eine
unabhängige Untersuchung des Krieges zu verhindern.
Als «dramatisch verbessert» stufte der konservative
US-Präsidentschaftsbewerber John McCain bei einem Besuch in London
die Lage im Irak ein. Der verstärkte Einsatz der US-Truppen habe
im zurückliegenden Jahr dazu geführt, dass sich die Lage
entspannt habe. Immer mehr Iraker könnten dadurch «ein
normales Leben» führen, sagte er am Donnerstag im Anschluss
an ein Treffen mit Brown. «Es ist eine Tatsache, dass die El
Kaida auf der Flucht ist, wir sind nicht besiegt worden.»
Die Rückführung der 2007 zusätzlich im Irak
stationierten US-Truppen soll möglicherweise langsamer erfolgen
als bisher geplant. US-Verteidigungsminister Robert Gates sprach am
Donnerstag mit den Kommandeuren der Region über einen
entsprechenden Vorschlag.
Die Videokonferenz mit General David Petraeus und Admiral William
Fallon war der Auftakt zu zweiwöchigen Strategieberatungen, bei
denen die Militärführung die weitere Truppenstärke im
Irak festlegen will. Petraeus regte an, beim geplanten Abzug von 30.000
Mann, die im Februar vergangenen Jahres zusätzlich in den
Großraum Bagdad verlegt wurden, ab Juli eine Pause von vier bis
acht Wochen einzulegen. Dabei soll untersucht werden, wie sich eine
geringere Truppenpräsenz auf das Ausmaß der Gewalt im Irak
auswirkt.
Minister Gates habe sich über die gegenwärtigen
Überlegungen zum Irak-Krieg informiert, sagte Pentagon-Sprecher
Geoff Morrell. Gates hat sich dem Vernehmen nach zustimmend zum
Vorschlag einer Pause geäußert, zugleich aber betont, dass
diese kurz sein sollte. An der Konferenz nahm auch Generalstabschef
Mike Mullen teil.
Gegenwärtig befinden sich 158.000 US-Soldaten im Irak. Bis Ende
Juli soll diese Zahl auf etwa 140.000 reduziert werden. Das sind 8.000
mehr als im Januar 2007 - damals wies US-Präsident George W. Bush
die Verlegung von fünf zusätzlichen Brigaden in den Irak an.
In einer neuen Botschaft hat der Chef des Terrornetzwerks El Kaida,
Osama bin Laden, die Muslime zur Unterstützung der
Aufständischen im Irak aufgerufen. "Das nächstgelegene
Schlachtfeld des Dschihad, um unser Volk in Palästina zu
unterstützen, ist das Schlachtfeld im Irak", heißt es in dem
Band, das der arabische Fernsehsender El Dschasira ausstrahlte. Zuvor
hatte bin Laden Europa wegen der in dänischen Zeitungen
veröffentlichten Mohammed-Karikaturen mit Vergeltung gedroht.
Europa müsse sich auf eine "Abrechnung" gefasst machen.
In der neuesten Botschaft warf bin Laden den arabischen Führern
vor, sie billigten die israelischen Angriffe auf den von der
radikalislamischen Hamas kontrollierten Gazastreifen. Zur Echtheit der
Botschaft gab es zunächst keine unabhängigen Angaben.
Vor dem Sondertribunal für die Verbrechen des Regimes von
Ex-Präsident Saddam Hussein soll am 29. April in Bagdad ein neuer
Prozess beginnen.
Die Nachrichtenagentur Aswat al-Irak meldete am Donnerstag, in diesem
vierten Prozess seit der Gründung des Tribunals seien acht
Ex-Funktionäre angeklagt, darunter auch Saddams Halbbrüder,
Sabaawi und Watban Ibrahim al-Hassan. Den Angeklagten wird vorgeworfen,
an der Hinrichtung von 40 irakischen Händlern im Jahr 1992
beteiligt gewesen zu sein.
Das Saddam-Regime hatte in Bagdad im Juli 1992 unter dem Druck
steigender Preise als Folge der UN-Sanktionen eine brutale Kampagne
gegen Geschäftsinhaber begonnen, die angeblich zu Unrecht
überhöhte Preise verlangt hatten. Einige Händler wurden
öffentlich verprügelt, anderen wurde eine Hand abgehackt.
Mindestens 40 Ladenbesitzer sollen damals exekutiert worden sein.
Die ersten beiden Verfahren des Sondertribunals wegen der Hinrichtung
von Schiiten aus der Kleinstadt Dudschail im Jahr 1982 und wegen der
Angriffe auf die Kurden 1988 und 1989 sind bereits abgeschlossen. Im
Dudschail-Prozess waren Saddam und sein Halbbruder Barsan zum Tod durch
den Strang verurteilt worden.
Im zweiten Prozess wurde Saddams nun auch wegen der Tötung der
Händler angeklagter Cousin Ali Hassan al-Madschid
(«Chemie-Ali») zusammen mit zwei Ex-Militärs zum Tode
verurteilt. Die Verurteilten wurden aber bislang nicht hingerichtet.
Der dritte Prozess wegen der blutigen Niederschlagung des
Schiiten-Aufstandes 1991 läuft noch.
In den USA gingen aus Anlass des fünften Jahrestags des
Kriegsbeginns vielerorts die Menschen auf die Straßen. Allerdings
war die Zahl der Kriegsgegner bei den einzelnen Veranstaltungen zumeist
nur gering. Bei der größten Demonstration in San Francisco
(Kalifornien) wurden nach Angaben der Polizei 143 Personen in Gewahrsam
genommen, nachdem sie eine Hauptstraße blockiert hatten. Es sei
zu einem Handgemenge zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften
gekommen.
In Washington demonstrierten knapp 300 Menschen gegen die Politik von
US-Präsident George W. Bush. Dort wurden 30 Kriegsgegner
festgenommen, die den Eingang der amerikanischen Finanzbehörde IRS
blockiert hatten. Bei den Demonstrationen in anderen US-Städten -
wie Miami, New York, Vermont und Ohio - gab es keine Zwischenfälle.
boa (Quellen: dpa, afp, ap)
Irak-Krieg - Das Vorspiel der Lügen
Fr.21.03.08 - Vor 5 Jahren begann der Irakkrieg - von den USA begründet als
Reaktion auf 9-11. Doch die angeblichen Beweise für die
Gefährlichkeit des irakischen Regimes waren gefälscht.
Nach dem Anschlag auf das World Trade Center am 11. September 2001
erklärte US-Präsident George W. Bush einen internationalen
"Krieg gegen den Terror" - und der verzeichnete zunächst auch
Erfolge. So war nur Wochen nach dem 11. September das Regime der Taliban
in Afghanistan gestürzt, das der Al Qaida bislang Unterschlupf
gewährt hatte.
Im Weißen Haus glaubte man die Zeit sei gekommen, den Feldzug nun
auch auf andere Ziele ausdehnen zu können, die lange schon auf der
Liste US-amerikanischer Begehrlichkeiten standen.
An erster Stelle war das das Regime Saddam Husseins im Irak, vom
Bush-Vater zwar aus Kuwait vertrieben, sonst aber kaum in seiner Macht
reduziert und auch wegen seines Ölreichtums ein äußerst
attraktives Ziel.
Die Suche nach dem probaten Mittel
Bush und seine neokonservativen Berater fanden ein probates Mittel,
Bagdad unter Druck zu setzen: Nach dem Ende des Kuwait-Krieges war es
von der UNO verpflichtet worden, massiv abzurüsten, es gab aber
wieder Probleme zwischen irakischen Stellen und den UN-Waffeninspektoren
und der Verdacht bestand, dass Bagdad illegale Rüstungsprogramme
verheimliche. Für Bush war dies kein Verdacht, sondern Gewissheit:
"Mitbürger: Die Ereignisse im Irak haben die letzten
entscheidenden Tage erreicht. Mehr als ein Jahrzehnt haben die USA und
andere Staaten sich geduldig und ehrenhaft darum bemüht, das
irakische Regime ohne Krieg zu entwaffnen. Dieses Regime hat sich als
Bedingung zur Beendigung des Krieges am Persischen Golf 1991
verpflichtet, alle seine Massen-Vernichtungswaffen aufzudecken und zu
zerstören. Seitdem hat die Welt 12 Jahre lang Diplomatie angewandt.
Wir haben über ein Dutzend Resolutionen im UN-Sicherheitsrat
verabschiedet, wir haben Hunderte von Waffeninspektoren entsandt, um
die Entwaffnung des Irak zu überwachen. Unser Vertrauen wurde aber
nicht erwidert: Das irakische Regime hat die Diplomatie dazu
benützt, Zeit und Vorteile zu gewinnen. Es hat systematisch die
Sicherheitsrats-Resolutionen zur Abrüstung mißachtet.
Über die Jahre hinweg wurden UN-Waffeninspektoren von irakischen
Offiziellen bedroht, abgehört und getäuscht. Friedliche
Versuche, das irakische Regime zu entwaffnen, sind immer wieder
gescheitert."
Der Beschluss zum Angriff stand schon fest
Als Bush dies erklärte, stand sein Beschluss bereits fest, den
Irak wenige Tage später anzugreifen. Beweise für seine
Behauptungen hatte der Präsident zwar nicht. Und in der Welt war
man geteilter Meinung über das Vorgehen Bushs. Daran änderte
auch der Vortrag seines damaligen Außenministers Colin Powell, der
vor dem UN-Sicherheitsrat versucht hatte, die Behauptungen seines
Präsidenten zu untermauern. Powell bezeichnete diesen Auftritt
später als einen "wunden Punkt" in seiner Karriere, denn er trug
Dinge vor, die nicht den Tatsachen entsprachen. Zum Beispiel, dass der
Irak die Inspektoren geschickt täusche.
"Eine der beängstigendsten Erkenntnisse aus unserem umfangreichen
Geheimdienstmaterial über Iraks biologische Waffen ist die Existenz
mobiler Produktionseinrichtungen zur Herstellung biologischer Stoffe.
Ich möchte Ihnen dieses Material zeigen und was wir von
Augenzeugenberichten wissen. Wir haben Berichte aus erster Hand
über biologische Waffen-Fabriken auf Rädern und auf Schienen.
Die LKWs und Eisenbahn-Waggons können leicht bewegt werden und
entgehen so ihrer Entdeckung durch die Inspektoren. Innerhalb weniger
Monate können sie dieselbe Menge an Gift herstellen, die der Irak
zugibt, in den Jahren vor dem Golfkrieg hergestellt zu haben."
Ein peinlicher Auftritt
Die Geheimdienste und das Weiße Haus hatten Powell gezielt
Fehlinformationen gesteckt, damit dieser die Weltöffentlichkeit
irreführen sollte. Ein peinlicher Auftritt, wie man später
erkannte. Zunächst aber waren viele überrascht, mit welch
scheinbarer akribischer Genauigkeit Washington sich über den Stand
der geheimen Rüstung im Irak informiert hatte.
Nur Länder wie Deutschland und Frankreich blieben den
amerikanischen Behauptungen gegenüber zurückhaltend und
misstrauisch und waren nicht bereit, die Kriegsvorbereitungen der USA zu
unterstützen. Wobei sie sich unter anderem auf die
regelmäßig vorgetragenen Berichte des Chefs der
UN-Waffeninspektoren, Hans Blix, verließen. Der Schwede zeichnete
noch sechs Tage vor Kriegsbeginn ein weitaus differenzierteres Bild.
"Geheimdienste haben behauptet, dass Massenvernichtungswaffen auf
Lastwagen im Irak herumgefahren werden, vor allem, dass es mobile
Produktionseinheiten für biologische Waffen gebe. Der Irak
bestreitet solche Aktivitäten. Mehrere Inspektionen wurden an
offiziell genannten und an vermuteten Plätzen im Zusammenhang mit
mobilen Produktionseinrichtungen durchgeführt. Dabei wurden mobile
Test-Labors für Lebensmittel überprüft und mobile
Werkstätten wie auch Anlagen zur Behandlung von Saatgut. Bisher ist
kein Beweis für verbotene Aktivitäten gefunden worden."
Gedrängt, bestochen und gefügig gemacht
Blix blieb ein Rufer in der Wüste: Washington hatte längst
eine internationale Koalition zusammengebracht, die die USA bei den
Vereinten Nationen und später dann auch beim Krieg im Irak
unterstützten. Ein Teil dieser Staaten ? besonders in der Dritten
Welt - war dazu gedrängt, bestochen und gefügig gemacht
worden. Andere - wie das Großbritannien unter Tony Blair ? folgten
Bush aus Überzeugung.
Sie teilten dessen strategische Pläne im Nahen und Mittleren Osten
und ließen sich berauschen von den hochtrabenden Zielen, im Irak
eine Welle der Demokratisierung für die ganze Region auslösen
zu wollen. Oder wie Bush es nach den ersten Angriffen am 20. März
2003 sagte: Dass man den Irak entwaffnen, sein Volk befreien und die
Welt vor ernster Gefahr bewahren könne.
(Quelle: dw)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 21.03.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am neunhundertfünfundneunzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Mi.21.03.07 - Weiter intensive Bemühungen um deutsche Geiseln in Irak -
Vizepräsident Iraks fordert Freilassung +++ Aufständische
setzten laut US-Angaben Kinder bei Anschlag ein +++ Irakischer
Exvizepräsident Ramadan hingerichtet +++ Zehn Jahre Haft für
US-Soldat wegen Tötung irakischer Gefangener +++ Mehrheit der Briten
hält Irak-Krieg für einen Fehler...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0703210.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Russland plant Nahost-Konferenz in diesem Jahr
Fr.21.03.08 - Russland bereitet für diese Jahr eine Nahost-Friedenskonferenz vor.
Zwar seien bislang noch keine Einladungen ausgesprochen worden, sagte
der russische Außenminister Sergej Lawrow nach einem Treffen mit
dem syrischen Präsidenten Baschar al-Assad in Damaskus. Es werde
jedoch an einem Konzept gearbeitet, wie verschiedene Vorschläge
unter einen Hut gebracht werden könnten. Die Veranstaltung solle
an die Nahost-Friedenskonferenz in Annapolis vom vergangenen November
anknüpfen, die von den USA organisiert worden war. Damals hatten
Israelis und Palästinenser ihre Friedensgespräche
wiederaufgenommen.
Nach Angaben des russischen Botschafters in Syrien, Sergej
Kipritschenko, soll auf der Konferenz auch der Konflikt zwischen Israel
und Syrien um die Golanhöhen auf der Agenda stehen. Bei seinem
anstehenden Besuch in Israel wolle Lawrow ein genaues Datum für
die Konferenz festsetzen.
Die deutsche Regierung will Anfang Juni eine Nahost-Konferenz in Berlin
veranstalten. Daber soll es auch darum gehen, die palästinensische
Polizei und den Justizsektor zu stärken.
(Quelle: rtr)
Russen erhalten Zugang zur US-Raketenabwehr
Fr.21.03.08 - Russische Inspekteure sollen nach offiziellen Angaben aus Moskau und
Washington nun doch Zugang zum geplanten US-Raketenabwehrsystem in
Mitteleuropa erhalten.
US-Vize-Außenminister Daniel Fried sagte laut einem Bericht der
Prager Zeitung «Pravo», dass Experten aus Moskau
Militäranlagen in Tschechien und Polen kontrollieren dürften.
Der Vorschlag sehe aber auch vor, dass Moskau im Gegenzug Kontrollen
nicht näher genannter Militäranlagen durch die tschechische
und polnische Seite zulasse.
In der Moskauer Zeitung «Iswestija» begrüßte
Lawrow das Entgegenkommen der USA. Das Angebot zeige, dass Washington
die Sicherheitsbedenken Moskaus endlich ernst nehme.
Nach russischen Angaben hatten sich Moskau und Washington bereits im
Herbst vergangenen Jahres auf russische Inspektionen des geplanten
US-Raketenabwehrsystems verständigt. Allerdings waren diese dann in
einem schriftlichen Angebot der USA nicht mehr enthalten. Anfang dieser
Woche hatten US-Außenministerin Condoleezza Rice und
US-Verteidigungsminister Robert Gates mit ihren russischen Kollegen in
Moskau erneut über das Abwehrsystem verhandelt. In Tschechien soll
ein Radar errichtet werden, in Polen ist die Stationierung von zehn
Abwehrraketen etwa gegen mögliche Angriffe aus dem Iran geplant.
(Quelle: dpa)
Sicherheitsrat verlängert UN-Mission in Afghanistan --
US-Vizepräsident Cheney und Afghanistans Präsident Karsai
rufen NATO-Staaten zu mehr Engagement auf
Fr.21.03.08 - Vor dem Hintergrund zunehmender Gewalt in Afghanistan hat der
UN-Sicherheitsrat das Mandat der politischen UN-Mission in dem Land um
ein Jahr verlängert. Die Resolution wurde von den 15
Ratsmitgliedern am Donnerstag einstimmig angenommen. Mit der
Verlängerung des Mandates werden die Mission und der
UN-Sonderbeauftragte Kai Eide beauftragt, der afghanischen Regierung
eine «schlüssigere Unterstützung seitens der
internationalen Gemeinschaft» zu bieten und die UN bei einer
«gestärkten und erweiterten Präsenz» in ganz
Afghanistan anzuführen.
Die UN-Mission wurde am 28. März 2002 vom UN-Sicherheitsrat
eingerichtet. Sie bietet technische Hilfe, politischen und
strategischen Rat und andere Unterstützung für die
afghanische Regierung. Außerdem setzt sie sich für die
Menschenrechte ein und leistet humanitäre Hilfe.
Knapp zwei Wochen vor dem NATO-Gipfel in Bukarest haben
US-Vizepräsident Dick Cheney und der afghanische Präsident
Hamid Karsai einen stärkeren Militäreinsatz des
Bündnisses am Hindukusch gefordert. "Die Vereinigten Staaten und
die anderen Mitglieder der Koalition müssen die Kräfte
aufstellen, die nötig sind, um die Sicherheit zu
gewährleisen", sagte Cheney während eines
unangekündigten Besuchs in Kabul. Karsai erklärte, sein Land
sei erst "eines Tages" bereit, selbständig für Sicherheit zu
sorgen und seine Grenzen zu schützen.
Das Engagement der NATO-geführten Schutztruppe ISAF müsse
fortgeführt und verstärkt werden, sagte Cheney. Er
bekräftigte damit die Forderung der USA an die anderen
NATO-Mitglieder, angesichts der Offensive der radikalislamischen
Taliban mehr Soldaten nach Afghanistan zu entsenden und mehr
Ausrüstung zur Verfügung zu stellen.
In der NATO hatte es in der jüngsten Zeit wiederholt
Unstimmigkeiten über die Lastenteilung der Mitgliedstaaten beim
Afghanistan-Einsatz gegeben. Die USA hatten andere NATO-Mitglieder
nachdrücklich aufgefordert, sich stärker als bisher zu
engagieren. So sollte sich unter anderen auch Deutschland an den
Kampfeinsätzen im gefährlichen Süden des Landes
beteiligen. Die Bundesregierung wies diese Forderung jedoch
zurück. Die Frage einer Verstärkung der Truppen in
Afghanistan dürfte auch im Zentrum des NATO-Gipfels Anfang April
im rumänischen Bukarest stehen.
Cheney will während seines Besuchs in Afghanistan auch mit
ranghohen Vertretern der US-geführten Koalitionstruppen und der
NATO-geführten Afghanistan-Schutztruppe ISAF zusammentreffen. Der
Vizepräsident ist derzeit auf einer Mehr-Länder-Tour im Nahen
Osten unterwegs. Sein Besuch in Afghanistan war aus
Sicherheitsgründen nicht vorab öffentlich gemacht worden.
Zuletzt hatte Cheney Afghanistan im Februar 2007 besucht. Damals waren
bei einem Selbstmordanschlag vor einem US-Stützpunkt, den der
Vizepräsident besucht hatte, mindestens 20 Menschen ums Leben
gekommen.
boa (Quellen: ap, afp)
UN werfen sudanesischen Truppen Vergewaltigungen in Darfur vor
Fr.21.03.08 - UN-Menschenrechtskommissarin Louise Arbour hat den sudanesischen
Streitkräften vorgeworfen, an Plünderungen und
Vergewaltigungen in der Provinz Darfur beteiligt gewesen zu sein. Bei
Luftangriffen in Sirba, Sileia und Abu Surudsch Anfang Februar seien
mindestens 115 Menschen getötet und 30.000 in die Flucht getrieben
worden, heißt es in einem am Donnerstag veröffentlichten
Bericht Arbours. Regierungsvertreter haben eine Unterstützung der
arabischen Reitermilizen in Darfur durch die Truppen
zurückgewiesen.
Ein Großteil von Abu Surudsch und Sileia wurde niedergebrannt,
als die Städte von Milizionären und Soldaten angegriffen
wurden. Einige Einwohner verbrannten Arbours Bericht zufolge bei
lebendigem Leib in ihren Häusern, darunter eine 75-jährige
blinde Frau und ein behindertes Mädchen.
Nach Militärangaben galten die Bombardements Rebellen in Darfur.
Diese erklärten jedoch, in den Städten hätten sich keine
ihrer Kämpfer aufgehalten.
Augenzeugen berichteten UN-Vertretern von Vergewaltigungen. Es gebe
deutliche Hinweise, dass Angehörige der sudanesischen Truppen
Frauen und Mädchen in Sirba missbraucht hätten, heißt
es im Bericht der Menschenrechtskommissarin. Ein Augenzeuge habe
erklärt, dass vier Mädchen in eine Hütte gebracht und
dort von mehreren Soldaten vergewaltigt worden seien. Bewaffnete
hätten wahllos auf Einwohner geschossen und Häuser in Brand
gesteckt, ohne dass sie von Regierungstruppen gehindert worden seien.
Auch in Sileia und Abu Surudsch gab es demnach Plünderungen, an
denen Soldaten beteiligt waren.
Die Gewalt in Darfur hat seit 2003 mindestens 200.000 Menschen das
Leben gekostet. 2,5 Millionen flüchteten.
(Quelle: ap)
Tibet-Krise: China lehnt Vermittlung ab und weist Journalisten aus
Fr.21.03.08 - Mehr als eine Woche nach Beginn der Unruhen in Tibet haben sich die
Fronten weiter verhärtet. Chinas Regierung lehnte am Donnerstag
jedwede ausländische Vermittlung ab. Zugleich wies sie die letzten
beiden ausländischen Journalisten aus der tibetischen Hauptstadt
Lhasa aus.
Erstmals räumte die Führung in Peking ein, dass Proteste von
Tibetern auch auf andere Regionen übergegriffen hätten. Ein
Vorstoß des britischen Premierministers Gordon Brown, der
Möglichkeiten für einen Dialog zwischen China und dem
religiösen Oberhaupt der Tibeter sah, fand in Peking keinerlei
Unterstützung. «Ernstlich beunruhigt» kritisierte das
Außenministerium am Donnerstag vielmehr, dass Brown den Dalai
Lama im Mai in London empfangen will.
Der Friedensnobelpreisträger erneuerte dagegen sein
Gesprächsangebot. Er wäre «glücklich», nach
Peking reisen zu können, ließ der Dalai Lama im indischen
Dharamsala, dem Sitz der tibetischen Exilregierung, mitteilen.
Allerdings müssten Chinas Machthaber ein «aufrichtiges
Angebot» für eine Lösung des Tibet-Problems vorlegen,
sonst machten Gespräche «keinen Sinn».
Chinas Regierung räumte erstmals ein, dass die Proteste der
Tibeter gegen die chinesische Fremdherrschaft auch auf Orte
außerhalb Lhasas und Ortschaften in den angrenzenden Provinzen
übergriffen haben.
Als letzte ausländische Journalisten in Lhasa wurden die deutschen
Korrespondenten Georg Blume, der für das Wochenblatt «Die
Zeit» und die Berliner «Tageszeitung» (taz) arbeitet,
und Kristin Kupfer vom österreichischen Magazin
«Profil» und der Nachrichtenagentur epd aus Lhasa
ausgewiesen. Die Organisation Reporter ohne Grenzen warnte, dass die
Sicherheitskräfte nach der Ausweisung «unerwünschter
Beobachter» die Proteste nun niederschlagen könnten, ohne
dass die Welt es mitbekomme.
Chinas Außenministerium dementierte, dass es eine neue Initiative
zu Verhandlungen mit dem Dalai Lama gebe. Britische Berichte
darüber seien «nicht ganz richtig», sagte der Sprecher
Qin Gang. Der chinesische Premier habe in einem Telefongespräch
mit Brown nur die alte Position bekräftigt, dass der Dalai Lama
die Forderung nach Unabhängigkeit aufgeben und «alle
separatistischen Aktivitäten einstellen muss». Dann sei
China zum Dialog bereit. Die Unruhen in Tibet, die der Dalai Lama
geplant und gelenkt habe, sowie Proteste weltweit zeigten aber
deutlich, dass das religiöse Oberhaupt der Tibeter seine
Unabhängigkeitsposition nicht aufgegeben habe.
Die Proteste außerhalb Lhasas seien nur an «einer kleinen
Zahl von Orten». Berichte von Exiltibetern und unabhängigen
Quellen über tödliche Schüsse wies der Sprecher
zurück: «Die Sicherheitskräfte haben keine
tödlichen Waffen mitgebracht oder eingesetzt.» Auf Fragen
nach Todesschüssen in Aba in der Provinz Sichuan und Bilder von
Leichen mit Schusswunden sagte der Sprecher, er wisse davon nichts.
Eine örtliche Quelle bestätigte der Deutschen Presse Agentur
dpa in Peking, bei Protesten in der Stadt Aba seien seit Freitag 18
Menschen von chinesischen Sicherheitskräften erschossen worden.
Die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete aus Aba, Hunderte von
Unruhestiftern hätten schon am Sonntag Ämter,
Polizeistationen, Krankenhäuser und Schulen angegriffen sowie
Geschäfte in Brand gesetzt. Viele Polizisten und Beamte seien
verletzt worden.
Das Außenministerium wies den Appell des Papstes zu Dialog und
Toleranz im Umgang mit den Tibetern zurück. «Kriminelle
sollten nach dem Gesetz bestraft werden», sagte der Sprecher Qin
Gang. Papst Benedikt XVI. hatte in Rom erklärt, alle Seiten
sollten den Mut haben, den Weg des Dialogs und der Toleranz zu
beschreiten. Gewalt verschlimmere die Probleme nur.
Das Außenministerium wies ausländische Journalisten oder
Touristen an, nicht nur nicht nach Tibet, sondern auch nicht in
Unruheregionen in Sichuan, Gansu und Qinghai zu reisen. Der aus Lhasa
ausgewiesene deutsche Korrespondent Blume berichtete, ihm sei «in
einem einschüchternden Ton» mit dem Entzug der
Aufenthaltsgenehmigung in China gedroht worden. Ohne ausländische
Journalisten gehe die Chance verloren, den Ursachen der schweren
Ausschreitungen in Lhasa auf den Grund zu gehen, sagte Blume in einem
dpa-Gespräch. «Letztlich weiß man doch noch gar nicht,
was passiert ist.»
Die «taz» und epd protestierten gegen die Ausweisung ihrer
Mitarbeiter. Die Polizei hatte die beiden Journalisten am Morgen aus
dem Hotel geholt und zum Bahnhof gebracht. Sie werden an diesem Freitag
mit dem Zug in Xining, der Provinzhauptstadt von Qinghai, erwartet.
(Quelle: dpa)
US-Präsidentschaftskandidatur der Demokraten: Umfragen sehen
Clinton wieder vor Obama
Fr.21.03.08 - Der demokratische US-Präsidentschaftsbewerber Barack Obama sieht
seinen Wahlkampf durch die Debatte um Rassen-Kommentare seines
früheren geistlichen Betreuers erschwert. In einer Umfrage fiel er
hinter seine Konkurrentin Hillary Clinton zurück.
«Diese Kontroverse hat mich einigermaßen
durchgeschüttelt», sagte der schwarze Senator in einem
Interview mit dem US-Fernsehsender CNN vom Donnerstag. «Sie
erinnert mich daran, dass die Chancen, gewählt zu werden, immer
geringer waren als bei einigen anderen konventionellen
Kandidaten.» Nach einer am Donnerstag veröffentlichten
Umfrage des Gallup-Instituts findet US-Senatorin Hillary Clinton
erstmals seit einem Monat deutlich mehr Zustimmung bei demokratischen
Wählern als ihr parteiinterner Konkurrent Senator Barack Obama.
Obamas ehemaliger Pastor Jeremiah Wright hatte in einer Predigt Amerika
verdammt, die Herrschaft der «reichen Weißen»
angeprangert und die US-Regierung beschuldigt, die Anschläge vom
11. September 2001 provoziert sowie die Schwarzen Amerikas bewusst mit
Aids infiziert zu haben. Obama distanzierte sich in einer
aufsehenerregenden Rede scharf von Wrights Sichtweisen und forderte
Anstrengungen für die Aussöhnung zwischen den Rassen.
In der Gallup-Umfrage sprechen sich 49 Prozent der Demokraten für
die frühere First Lady aus. Der schwarze Senator aus Illinois
kommt derweil nur auf 42 Prozent Zustimmung. Zuletzt lag Clinton nach
Angaben des Instituts Anfang Februar deutlich vor Obama. Danach habe es
bei Umfragen meist ein Kopf-an-Kopf-Rennen gegeben, bei dem der
46-Jährige aber oft eine leichte Führung gehabt habe.
Bei einem Kampf um die Präsidentschaft mit dem republikanischen
Kandidaten Senator John McCain würde Obama laut Gallup derzeit
verlieren: McCain käme auf 47 Prozent, Obama auf 43 Prozent der
Wählerstimmen. McCain führe aber auch gegen eine
mögliche Präsidentschaftskandidatin Clinton mit 48 gegen 45
Prozent.
(Quelle: dpa)
Moskau geißelt US-Militärhilfe fürs Kosovo als
völkerrechtswidrig
Fr.21.03.08 - Rüstungslieferungen der USA an das Kosovo sind nach Ansicht des
russischen Außenministers Sergej Lawrow unvereinbar mit dem
Völkerrecht. Die Entscheidung Washingtons, der früheren
serbischen Provinz Militärhilfe zu gewähren, verletze eine
UN-Resolution mit einem ausdrücklichen Waffenembargo gegen die
Regierung in Pristina, erklärte Lawrow am Donnerstag während
einer Reise durch den Nahen Osten.
US-Präsident George W. Bush unterzeichnete am Mittwochabend eine
Anordnung, die Waffenlieferungen und militärische
Unterstützung nach den Bestimmungen des US-Auslandshilfegesetzes
und des Rüstungsexportkontrollgesetzes ermöglicht. Bush
erfüllte die in diesen Gesetzen festgelegte Anforderung, wonach
der Präsident feststellen muss, dass ein militärischer
Beistand «die Sicherheit der Vereinigten Staaten stärken
wird und den Weltfrieden fördert». Serbien verurteilte die
Entscheidung scharf.
(Quelle: ap)
Türkische Menschenrechtlerin wegen Interviews verurteilt
Fr.21.03.08 - Die prominente türkische Menschenrechtlerin Eren Keskin ist wegen
eines Interviews mit dem Berliner "Tagesspiegel" in Istanbul zu mehr als
sechs Monaten Haft verurteilt worden. Nach nur 15 Minuten Verhandlung
sprach das Amtsgericht im Stadtteil Kartal die Juristin und
Bürgerrechtlerin schuldig, wie Prozessteilnehmer berichteten.
Keskin hatte im Juni 2006 im Gespräch mit dem Blatt die politische
Macht der türkischen Armee kritisiert. Verurteilt wurde sie nach
Paragraf 301 des Strafgesetzbuches, der die "Beleidigung des
Türkentums" sowie die Herabwürdigung staatlicher Institutionen
verbietet.
Keskin verteidigte ihre Äußerungen und warf der
türkischen Justiz vor, unter dem Einfluss der Streitkräfte zu
stehen. Sie will Einspruch gegen das Urteil einlegen. Keskin hatte
gesagt, die Politik in der Türkei werde von der Armee bestimmt.
Damit beleidigte sie nach Auffassung des Gerichts die Streitkräfte.
Der Prozess war nach einer Anzeige des Generalstabs in Ankara
angestrengt worden.
Keskin sagte, ihre Äußerungen seien nicht als Beleidigung,
sondern als politische Kritik gedacht gewesen. Nach der Verhandlung
sagte Keskin, das Verfahren zeige, wie sehr die Justiz an die Armee
angebunden sei. Das Urteil habe schon vor der Verhandlung festgestanden.
Die Menschenrechtlerin und Trägerin des Aachener Friedenspreises
gerät wegen kritischer Äußerungen immer wieder in
Konflikt mit der Justiz.
Die EU verlangt von der Beitrittsbewerberin Türkei seit langem
eine Änderung des Paragrafen 301, der in den vergangenen Jahren von
Nationalisten benutzt wurde, um Literatur-Nobelpreisträger Orhan
Pamuk und andere Intellektuelle vor Gericht zu bringen.
Mit Blick auf den Prozess gegen Keskin forderte
EU-Erweiterungskommissar Olli Rehn die Türkei auf, das Gesetz zu
ändern. Dem "Tagesspiegel" sagte Rehn, Reformen hin zu mehr
Meinungsfreiheit seien in der Türkei "mehr als
überfällig". Der Artikel müsse so geändert werden,
dass er Staatsanwälte und Richter in der Türkei zur strikten
Einhaltung der Europäischen Menschenrechtskonvention verpflichte.
(Quelle: afp)
OECD senkt Wachstumsprognosen für USA und Europa deutlich
Fr.21.03.08 - Die Finanzmarktkrise, Einbrüche am Immobilienmarkt und steigende
Lebenshaltungskosten belasten die Weltkonjunktur stärker als
erwartet. Die OECD schraubte ihre Prognosen für die USA und Europa
in ihrem Zwischenbericht deswegen deutlich nach unten. Das Wachstum in
Nordamerika komme im zweiten Quartal zum Erliegen, heißt es in dem
am Donnerstag in Paris vorgelegten Ausblick.
In der Eurozone werde die Wirtschaft im ersten und zweiten Quartal nur
0,5 und 0,4 Prozent zulegen. Im Dezember war die Organisation für
wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) noch von 1,8 und
1,9 Prozent Wachstum ausgegangen. «In der Eurozone wird das
Wachstum langsamer gebremst als in den USA», schreiben die
Experten. Und obwohl die Exportwirtschaft den Euro-Höhenflug
bislang gut verkrafte, werde das Wachstum noch eine ganze Weile unter
seinem Potenzial bleiben.
Für die USA hatte die OECD im Dezember noch ein Wachstum von 1,1
und 1,5 Prozent für die beiden ersten Quartale 2008 berechnet. Nun
komme die Konjunktur nach einem Wachstum von 0,1 Prozent zum
Jahresbeginn im zweiten Quartal zum Stillstand. «Es könnte zu
früh sein, von einer Rezession zu sprechen, aber die
Wirtschaftsflaute breitet sich schnell aus.»
(Quelle: ap)
EZB stellt Geldmarkt über Ostern 15 Mrd Euro bereit
Fr.21.03.08 - Die Europäische Zentralbank hat dem Geldmarkt eine weitere
Finanzspritze zukommen lassen, um einen Liquiditätsengpass
über Ostern zu verhindern.
Sie stellte den Banken und Sparkassen zusätzlich 15 Milliarden
Euro zur Verfügung, wie sie am Donnerstag in Frankfurt mitteilte.
Dafür werden durchschnittlich 4,20 Prozent Zinsen fällig.
Insgesamt hatten 44 Banken zusammen fast 66 Milliarden Euro geboten.
Das Geld muss am Dienstag zurückgezahlt werden, dem ersten
Bankarbeitstag nach Ostern.
Trotz der zusätzlichen Finanzspritze blieb Tagesgeld am Donnerstag
aber teuer. Händler nannten Sätze von 4,18 bis 4,23 Prozent.
"Das war ganz nett, hat aber die Sätze nicht ändern
können", sagte ein Händler mit Blick auf den Oster-Tender der
EZB. Schon am Vortag war der Referenzzins Eonia auf 4,188 (Vortag
4,083) Prozent gestiegen.
Die EZB pumpt seit einigen Wochen wieder Milliarden in den Geldmarkt,
um eine Kreditklemme zu verhindern. So hatte sie erst beim
Refinanzierungsgeschäft in dieser Woche 25 Milliarden Euro mehr
zugeteilt, als nach ihren Berechnungen eigentlich notwendig gewesen
wäre. Händler sagten, dass Liquidität reichlich
vorhanden sei. Angesichts der negativen Nachrichten aus der
Finanzbranche leihen sich die Banken einander derzeit kaum noch Geld.
"Die Umverteilung funktioniert im Moment einfach nicht richtig", klagte
ein Geldhändler.
Auch andere Notenbanken in Europa schießen deshalb immer wieder
Geld nach. Die britische Notenbank erhöhte am Donnerstag ihre eine
Woche laufende reguläre Refinanzierungsofferte auf knapp elf
Milliarden Pfund. Sie legte dabei auch ihren am Montag für drei
Tage ausgegebenen Sonder-Tender über fünf Milliarden Pfund
neu auf. Am weitesten öffnete die US-Notenbank Fed die
Geldschleusen. Am 11. März hatte sie angekündigt, ab dem 27.
März den Banken zusätzlich 200 Milliarden Dollar für 28
Tage anzubieten. Auch andere Notenbanken wie die EZB werden
zusätzlich Dollar zur Verfügung stellen.
(Quelle: rtr)
Deutschland
Staatliche KfW muss neue Löcher bei der Mittelstandsbank IKB
stopfen -- Förderbank schießt zusätzlich 450 Millionen
Euro zu
Fr.21.03.08 - Die schwer angeschlagene Mittelstandsbank IKB muss wegen neuer
Abschreibungen ein weiteres Mal von der staatlichen
Großaktionärin KfW gestützt werden.
Die Förderbank schießt dem Düsseldorfer Institut
zusätzlich 450 Millionen Euro zu, um die Löcher zu stopfen.
Damit ist das jüngste Hilfspaket von 2,3 Milliarden Euro praktisch
ausgeschöpft.
Wie die IKB am Donnerstag mitteilte, ist der geplante Verkauf der
risikobehafteten Wertpapiere aus dem Portfolio der Bank wegen des
Preisverfalls in Folge der Finanzkrise vorerst gestoppt worden. Damit
droht Finanzkreisen zufolge auch eine Verzögerung des Verkaufs der
IKB selbst, was der KfW neue Probleme bereiten könnte. Die IKB
rechnet für ihr Risikoportfolio im Volumen von drei Milliarden
Euro mit neuen Abschreibungen von 450 Millionen Euro. Hinzu kommen 140
Millionen Euro bei weniger ausfallgefährdeten Papieren.
Für die KfW entwickelt sich ihre 43-prozentige Beteiligung an der
wegen Fehlspekulationen am US-Hypothekenmarkt in Schieflage geratenen
IKB immer mehr zu einem Fass ohne Boden. An den drei Hilfspaketen
für die Bank über mehr als 8,5 Milliarden Euro tragen die KfW
und der Bund den Löwenanteil.
Aus der Politik kamen angesichts der neuen Löcher bei der IKB
Forderungen nach einem Ende weiterer staatlicher Geldspritzen für
die Bank. "Es darf keine weiteren Mittel aus dem Bundeshaushalt geben",
sagte der Haushaltsexperte der Unions-Fraktion, Steffen Kampeter. Jetzt
müsse die KfW für ihr Missmanagement bei der IKB selbst
geradestehen. Der Wirtschaftsweise Wolfgang Franz empfiehlt der
Regierung dagegen, den Geldhahn nicht zuzudrehen. "Der Staat hat schon
viel Mittel hereingepumpt, das wäre ja dann herausgeschmissenes
Geld", sagte er dem Bayerischen Rundfunk.
Bereits im Februar hatte die Förderbank 600 Millionen Euro wegen
Abschreibungen auf die IKB-Wertpapiere zugeschossen. Am Donnerstag soll
auf der Hauptversammlung eine Kapitalerhöhung über 1,5
Milliarden Euro beschlossen werden, von der die KfW mindestens 1,2
Milliarden Euro trägt. Das Geld kommt vom Bund.
Die KfW steht unter Druck, ihre IKB-Beteiligung zügig zu
verkaufen. Doch ist fraglich, ob es attraktive Angebote gibt. Derzeit
prüfen gut eine Handvoll Interessenten die Bücher der
Krisenbank. Der Bund hat einen Verkaufserlös von 800 Millionen
Euro einkalkuliert. In Kreisen des KfW-Verwaltungsrates wird nun auch
eine Verschiebung des Verkaufs ins Gespräch gebracht. Dies sei
möglicherweise nötig, weil später ein besserer Preis
erzielt werden könne. Eine Sprecherin des Bundesfinanzministeriums
sagte nur, dass man sich in der kommenden Woche vom Vorstand der IKB
und der KfW berichten lasse. Ein KfW-Sprecher betonte, der
Verkaufsprozess laufe planmäßig weiter.
Das riskante Wertpapierportfolio der Mittelstandsbank soll
unabhängig vom Kerngeschäft an Finanzinvestoren wie Lone Star
verkauft werden. Dafür habe es in der ersten Auktion aber keine
attraktiven Gebote gegeben, hieß es in Finanzkreisen. "Die Preise
für diesen Giftmüll sind völlig im Keller." Die IKB
erklärte: "Die Absicht zur Veräußerung dieser
Investments besteht weiter." Mehr als zwei Milliarden Euro davon sind
schon abgeschrieben.
Angesichts der neuen Abschreibungen erhöhte die IKB auch die
Verlustprognose für das bis Ende März laufende
Geschäftsjahr. Sie rechnet nun mit einem Fehlbetrag von 800
Millionen Euro, 250 Millionen Euro mehr als bislang vorausgesagt. Auch
in den kommenden Jahren seien keine oder nur geringe
Überschüsse zu erwarten. Grund hierfür sind die
Ansprüche der KfW aus den beiden jüngsten Geldspritzen von
zusammen 1,05 Milliarden Euro, die die IKB vorrangig zurückzahlen
muss. Die Ratingagentur Fitch stufte wegen der trüberen
Ergebnisaussichten ihre Bewertung des IKB-Hybridkapitals auf "CC" von
"CCC-" herab.
IKB-Aktien verloren zeitweise mehr als zehn Prozent. Sie schlossen drei
Prozent im Minus bei 4,92 Euro. Unicredit senkte das Kursziel für
die Aktie auf 20 Cent. "Nach unserer Ansicht sind IKB-Aktien fast
wertlos", sagte Analyst Andreas Weese. Vor gut einem Jahr kostete das
Papier noch mehr als 30 Euro.
(Quelle: rtr)
Finanzministerium: Inflation bremst Erholung des Konsums
Fr.21.03.08 - Die anhaltend starke Inflation behindert nach Einschätzung des
Bundesfinanzministeriums eine Belebung des privaten Konsums.
Das seit September 2007 zum Vorjahr deutlich gestiegene Preisniveau
dämpfe die Kaufkraft der Verbraucher, heißt es in dem am
Donnerstag veröffentlichten Monatsbericht des Ministeriums
für März. Im Februar hatte die Inflation wie im Januar bei
2,8 Prozent gelegen. Verantwortlich dafür waren gestiegene Kosten
für Energie und Nahrungsmittel.
"Beim privaten Konsum, der bislang das Sorgenkind der
Wirtschaftsentwicklung war, sind noch keine durchgreifenden
Erholungstendenzen erkennbar", schreiben die Beamten weiter. So
hätten sich die Einzelhandelsumsätze auch zum Jahresbeginn
relativ schwach entwickelt. In ihrer Prognose für das Wachstum in
diesem Jahr setzt die Regierung auf den privaten Konsum, der
nachlassende Impulse aus dem Außenhandel teils ausgleichen soll.
(Quelle: rtr)
Bewegung im Tarifkonflikt des Einzelhandels
Fr.21.03.08 - Im Tarifkonflikt des Einzelhandels haben die Arbeitgeber
Bereitschaft signalisiert, ihr Angebot nachzubessern. Der Tarifexperte
des Hauptverbandes des Einzelhandels (HDE), Heribert Jöris, sagte
am Donnerstag in MDR INFO, man lehne ein neues Angebot nicht
grundsätzlich ab. Voraussetzung sei aber, dass auch über eine
Neuregelung der Spät- und Nachtzuschläge gesprochen werde.
HDE-Geschäftsführer Hubertus Pellengahr betonte, das Problem
liege nicht bei Lohn und Gehalt. «Man muss sich über diese
Zuschläge einigen», sagte er im WDR. Pellengahr verwies
darauf, dass die Arbeitgeber auf ihre ursprüngliche Forderung nach
Abschaffung der Zuschläge bereits verzichtet hätten und
stattdessen dafür plädieren, dass sie zwei Stunden nach
hinten geschoben werden. «Das halten wir für
praktikabel.»
Unterdessen gingen in Hessen, Berlin und Sachsen-Anhalt hunderte
Mitarbeiter des Einzelhandels auf die Straße. In der Berliner
Friedrichstraße machten die Mitarbeiter der Modekette H & M
ihren Unmut über fehlendes Entgegenkommen der Arbeitgeber lauthals
Luft.
Pellengahr warf den Gewerkschaften vor, dass sie überhaupt nicht
über die Zuschläge verhandeln wollten. In den
Tarifverträgen stünden noch die alten
Ladenöffnungszeiten nach dem alten Ladenschlussgesetz drin, sagte
er. Die Kunden wollten aber, dass die Geschäfte länger
geöffnet hätten.
Die Gewerkschaft reagierte ablehnend. Der
ver.di-Verhandlungsführer für Sachsen-Anhalt, Sachsen und
Thüringen, Jörg Lauenroth-Mago, warnte in MDR INFO davor, die
Wettbewerbssituation zu verschieben. Wenn man auf den HDE-Vorschlag
eingehe, «würden diejenigen belohnt, die länger
öffnen, und diejenigen bestraft, die nicht so lange
öffnen.» Das sei der falsche Weg, betonte Lauenroth-Mago.
«Wer auf Teufel komm raus nachts öffnen will, der muss
dafür auch zahlen.»
Laut «Financial Times Deutschland» planen die Tarifpartner
derzeit einen neuen Gesprächstermin am Mittwoch in
Nordrhein-Westfalen.
Ver.di-Vizechefin Margret Mönig-Raane bestätigte den Termin:
«Wir haben Hinweise, dass es in Nordrhein-Westfalen in der
kommenden Woche zu ernsthaften Verhandlungen kommen könnte»,
sagte sie im «Tagesspiegel». In den anstehenden
Tarifverhandlungen will ver.di das Angebot der Kölner
Handelsgruppe Rewe zum Maßstab machen, mit der die Gewerkschaft
derzeit über einen hauseigenen Übergangstarifvertrag
verhandelt.
Der Konzern zahlt seinen 88.000 Beschäftigten in einem
vorläufigen Vertrag laut «FTD» seit Januar 2008 drei
Prozent mehr Lohn. Zudem wurde eine Einmalzahlung von 50 Euro pro Monat
für 2007 bewilligt. Das bisher außertarifliche
Weihnachtsgeld soll über einen Tarifvertrag verbindlich gemacht
werden. Dafür werden die Samstagszuschläge von 20 Prozent
erst ab 18.30 Uhr statt ab 14.30 Uhr gezahlt. «Das würde
nicht Eins zu Eins im Flächentarifvertrag umgesetzt, aber es ist
eine Grundlage zum Verhandeln», sagte
ver.di-Verhandlungsführerin Lieselotte Hinz.
Die letzten Verhandlungen fanden im September 2007 in
Nordrhein-Westfalen statt. Ver.di führt in allen
Bundesländern getrennte Tarifverhandlungen für die rund 2,6
Millionen Beschäftigten der Branche. Die Forderungen liegen
zwischen 4,5 und 6,5 Prozent. Überall sollen die Zuschläge
für Spät- und Wochenendarbeit erhalten beziehungsweise
ausgebaut werden. Außerdem fordert ver.di in den meisten
Ländern ein Mindesteinkommen in Höhe von 1.500 Euro.
(Quelle: ap)
Postdienstleister PIN hat offenbar Gewerkschaft GNBZ mitfinanziert
Fr.21.03.08 - Der frühere Vorstandschef des angeschlagenen Postdienstleisters
PIN hat nach Erkenntnissen des Insolvenzverwalters die Gewerkschaft der
Neuen Brief- und Zustelldienste (GNBZ) finanziert.
«Es liegen Unterlagen vor, nach denen bis zum 10. Dezember 2007
Zahlungen von der PIN-Holding in Höhe von 133 526,69 Euro
über einen Umweg an die GNBZ geflossen sind», teilte
Insolvenzverwalter Bruno M. Kübler am Donnerstag in Köln mit.
Er bestätigte damit einen Bericht des Magazins «Der
Spiegel».
Kübler übergab die Belege nach eigenen Angaben der
Kölner Staatsanwaltschaft. Demnach habe der damalige
PIN-Vorstandsvorsitzende Günter Thiel die Gelder über eine
Beratungskanzlei an die Gewerkschaft geleitet. Ein Sprecher der
Staatsanwaltschaft sagte, die Angelegenheit werde geprüft. Ob ein
Straftatbestand vorliegt, sei noch unklar.
Der DGB nannte den Vorgang um die GNBZ eine «infame
Täuschung von Öffentlichkeit und Politik». Sollten sich
die Vorwürfe bestätigen, wäre bewiesen, «mit welch
üblen Tricks die Postkonkurrenten versucht hätten, zur
eigenen Gewinnmaximierung Mindestlöhne mit Hilfe einer ihnen
willfährigen Gefälligkeitsgewerkschaft noch zu
drücken», sagte DGB-Vorstandsmitglied Claus Matecki.
Anfang März hatte die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di gegen die
GNBZ Strafanzeige wegen des Verdachts gestellt, die neue Post-
Gewerkschaft finanziere sich durch das Geld Dritter. Ver.di berichtete
am Donnerstag, die Kölner Staatsanwaltschaft habe mitgeteilt, dass
sie ein Ermittlungsverfahren gegen die GNBZ- Vorstandsmitglieder wegen
des Anfangsverdachtes der Bestechlichkeit im geschäftlichen
Verkehr aufnehmen werde. «Wir waren offensichtlich auf der
richtigen Fährte mit unserem Verdacht. Jetzt muss dem Spuk dieser
Pseudogewerkschaft ein Ende bereitet werden», sagte die
stellvertretende ver.di-Vorsitzende Andrea Kocsis.
Kübler und die amtierenden Verwaltungsräte waren bei ihren
Prüfungen auf eine Rechnung der Beratungskanzlei gestoßen,
die mit dem Betreff «PIN Group AG wg. Gewerkschaft»
versehen war. Die ausgewiesenen Zahlungen hätten nur wenige Tage
nach Gründung der GNBZ im Oktober 2007 eingesetzt, berichtete
Kübler. Deshalb sei die Kanzlei zu den Hintergründen befragt
worden.
Kübler erklärte, nach Angaben der Kanzlei beinhalte die in
der Rechnung vom 5. Dezember 2007 aufgeführte Position
«Kapitalausstattung» über 30 000 Euro Gehaltszahlungen
an den GNBZ-Geschäftsführer Arno Doll. Zudem seien 1200 Euro
für Computer berechnet worden. Überdies habe Doll von Oktober
bis Januar zusätzlich monatliche Honorare von rund 25 000 Euro
erhalten. Dies liste die Rechnung unter dem Posten
«Fremdarbeiten» auf. Die Zahlungen seien im
ausdrücklichen Auftrag von Thiel geleistet worden, erklärte
Kübler unter Berufung auf die Kanzlei.
Diese habe der PIN-Holding außerdem am 5. und 7. Dezember
Beratungsdienstleistungen in einer Gesamthöhe von rund 900 000
Euro in Rechnung gestellt, die umgehend bezahlt worden seien.
Kübler prüft nach eigenen Angaben nun, ob diese Zahlungen der
Insolvenzanfechtung unterliegen und zurückgefordert werden
müssen. GNBZ-Chef Doll war für eine Stellungnahme
zunächst nicht zu erreichen.
Grünen-Parteichef Reinhard Bütikofer, sprach von einem
«Gipfel der Skrupellosigkeit». Es werde deutlich,
«wie notwendig es ist, der Gier ausbeuterisch gesinnter Firmen
eine gesetzliche Grenze zu ziehen».
(Quelle: dpa)
Becks Modell der Mitarbeiterbeteiligung wenig erfolgreich
Fr.21.03.08 - Das von SPD-Chef Kurt Beck maßgeblich entwickelte Modell einer
Mitarbeiterbeteiligung an Betrieben hat sich in Rheinland-Pfalz nach
einem Bericht des «Spiegels» als Flop erwiesen. Wie das
Magazin am Donnerstag vorab berichtete, beteiligen sich bislang nur 20
Unternehmen mit insgesamt 224 Mitarbeitern am Fonds RLP-plus der
landeseigenen Investitions- und Strukturbank (ISB). Das angesammelte
Kapital belaufe sich auf gut zwei Millionen Euro.
Das im Mai 2007 gestartete rheinland-pfälzische Modell ist Vorbild
für den so genannten Deutschlandfonds, mit dem die SPD die
Beteiligung von Mitarbeitern am Unternehmenserfolg ausbauen will. Der
rheinland-pfälzische Fonds gibt Mitarbeitern von kleinen und
mittleren Unternehmen die Möglichkeit, zu stillen Teilhabern ihrer
Unternehmen zu werden. Nach den Grundzügen des Modells zahlen die
Unternehmen für das Beteiligungskapital jährlich fünf
Prozent Rendite. Ist die Firma besonders erfolgreich, werden sieben
Prozent fällig.
Der rheinland-pfälzische Wirtschaftsminister Hendrik Hering (SPD)
widersprach der Darstellung des Magazins. Das Programm zur
Mitarbeiterbeteiligung treffe bei der rheinland-pfälzischen
Unternehmen und deren Mitarbeitern auf hohe Akzeptanz: «Die
Erfahrung zeigt uns, dass neue Programme generell eine gewisse
Anlaufzeit brauchen, um das Maß an Anerkennung zu finden, das
erwartet wird.» Zudem seien Mitarbeiterbeteiligungen gerade in
kleineren Unternehmen mit bis zu 250 Beschäftigten bisher noch
nicht weit verbreitet gewesen.
(Quelle: ap)
Bundesministerien geizen angeblich bei Praktikantengehältern
Fr.21.03.08 - Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) hat einen "Spiegel"-Bericht
über die angeblich mangelhafte Bezahlung von Praktikanten in
seinem Haus zurückgewiesen. Die Aussagen, wonach Scholz'
Ministerium Praktikanten unangemessen honoriere beziehungsweise
für ihren Aufwand nicht entschädige, "verzerren wider
besseren Wissens den Sachverhalt und sind falsch", erklärte das
Arbeitsministerium in Berlin. Das Haus beschäftige überhaupt
keine Praktikanten mit abgeschlossener Berufs- oder
Hochschulausbildung, "für die natürlich eine angemesse
Vergütung zu zahlen wäre".
Vielmehr beschäftige das Arbeitsministerium lediglich
Praktikanten, die Praktika im Rahmen einer schulischen oder
hochschulischen Ausbildung absolvierten, hieß es in der
Erklärung weiter. Deren Praktika und die damit verbundenen
Mehraufwände würden mehr als üblich beziehungsweise
rechtlich vorgesehen honoriert. Demgegenüber hatte der "Spiegel"
behauptet, in einer Richtlinie des Arbeitsministeriums heiße es:
"Bitte beachten Sie, dass Praktika nicht vergütet werden."
Unter den Ressorts der Bundesregierung sei lediglich
Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) bereit, eine
Aufwandsentschädigung zu bezahlen, berichtete der "Spiegel"
weiter. Bei ihr erhielten Praktikanten 100 Euro brutto im Monat. Hart
seien die Bedingungen bei Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) und
Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU). "Es können keinerlei
Kosten für Versicherungen, Unterkunft und Verpflegung und
Ähnliches übernommen werden", heiße es im
Verkehrsministerium. Anspruch auf Urlaub bestehe nicht, auch wenn sich
eine Hospitanz im Wirtschaftsministerium über acht Monate
hinziehen könne.
Scholz hatte am Dienstag eine gesetzliche "Klarstellung" im
Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) angekündigt, um eine
angemessene Vergütung von Praktika zu erreichen. Ein
Mindestentgelt oder eine Höchstdauer für eine
Beschäftigung als Praktikant seien aber nicht vorgesehen. Scholz
äußerte sich anlässlich der Veröffentlichung einer
vom Arbeitsministerium in Auftrag gegebenen Studie, die auf eine
häufig fehlende oder unzureichende Vergütung von Praktika
hinweist.
(Quelle: afp)
Hunderte Computer aus Bundesbehörden verschwunden
Fr.21.03.08 - In deutschen Behörden sind laut einem Pressebericht in den
vergangenen drei Jahren mehrere hundert Computer mit wichtigen Daten
spurlos verschwunden. Nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung wurden aus
Bundesbehörden seit 2005 rund 500 Notebooks und PCs gestohlen oder
sind verloren gegangen. Das gehe aus einer Antwort der Bundesregierung
auf eine Anfrage der FDP hervor. Der Datenklau gehe quer durch alle
Institutionen. Betroffen seien "die meisten Bundesbehörden",
heißt es dem Bericht zufolge von Seiten der Regierung.
Der stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende Carl-Ludwig Thiele warf
den Behörden einen fahrlässigen Umgang mit Daten der
Bundesbürger vor. "In den Behörden wird unverantwortlich mit
Datenträgern umgegangen", sagte Thiele der "Bild"-Zeitung. Der
FDP-Politiker forderte die Bundesregierung auf, schnellstmöglich
für Aufklärung zu sorgen.
(Quelle: afp)
Opposition will Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung aussetzen
Fr.21.03.08 - Die Opposition will nach der Eilentscheidung des
Bundesverfassungsgerichts das Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung
vollständig aussetzen. «Wir sehen uns in unserer Kritik voll
bestätigt», sagte Grünen-Politiker Hans-Christian
Ströbele dem Nachrichtenmagazin «Spiegel» laut einem
Vorabbericht vom Donnerstag. «Es wäre klug, die Karlsruher
Entscheidung in der Hauptsache abzuwarten.» Das
Bundesverfassungsgericht hatte das Urteil am Mittwoch teilweise
für unzulässig erklärt.
Auch die ehemalige Bundesjustizministerin Sabine
Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) hält es «für eine
vertrauensbildende Maßnahme, den Vollzug auszusetzen»,
zumal vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) noch eine Klage
gegen das Zustandekommen der zugrundeliegenden Brüsseler
Richtlinie anhängig sei. Im Bundesjustizministerium sieht man dazu
noch keinen Anlass. «Es gibt keine Überlegungen, zum
jetzigen Zeitpunkt etwas an dem Gesetz zu ändern», sagte
eine Sprecherin laut «Spiegel».
Durch das umstrittene Gesetz wurden Telekommunikationsfirmen
verpflichtet, ab 2008 die Daten von Telefonverbindungen aller
Bürger und ab 2009 auch die Daten von Internetverbindungen sechs
Monate lang zu speichern. Protokolliert wird damit, wer mit wem per
Telefon, Handy oder E-Mail in Verbindung gestanden hat. Bei Handys wird
zudem der Standort des Benutzers festgehalten.
Das Karlsruher Gericht hatte geurteilt, dass
Telekommunikationsunternehmen die Daten zwar sechs Monate lang
speichern dürfen. Die Daten dürften aber nur dann an die
Strafverfolgungsbehörden weitergegeben werden, wenn es in einem
Ermittlungsverfahren um eine «schwere Straftat» gehe und
der entsprechende Verdacht durch Tatsachen belegt sei. Zudem müsse
die Erforschung des Sachverhalts auf andere Weise «wesentlich
erschwert» oder aussichtslos sein. In den übrigen
Fällen sei von der Übermittlung der Daten «einstweilen
abzusehen».
(Quelle: ddp)
Zentralrat der Juden: Rechtsextremismus ist in der Mitte der
Gesellschaft angekommen
Fr.21.03.08 - Rechtsextremismus in Deutschland ist nach Ansicht des Zentralrats der
Juden nicht auf Ostdeutschland und bestimmte Problemgruppen begrenzt.
«Er ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen», sagte
der Generalsekretär des Zentralrates der Juden in Deutschland,
Stefan Kramer, bei einer Pressekonferenz der Initiative «Laut
gegen Nazis» am Donnerstag in Hamburg. «Die Rechtsextremen
sind Leute in Anzug und Krawatte», fügte er hinzu.
Kramer sagte, man sollte sich davor hüten, den Rechtsextremismus
nur als ostdeutsches oder Randproblem abzutun: «Auch in
westdeutschen Ländern kann man eine ganz massive Aufrüstung
der Rechtsextremen finden.» Da man allerdings nicht als Antisemit
geboren werde, sondern die Gesellschaft Rassisten mache, «ist das
also keine Naturkatastrophe, die man hinnehmen muss, sondern die man
wirksam bekämpfen kann.»
Die Initiative «Laut gegen Nazis» veranstaltet seit drei
Jahren Aktionen wie Musikfestivals gegen den Rechtsextremismus.
(Quelle: ap)
Zahl der Abiturienten steigt
Fr.21.03.08 - Die Zahl der Abiturienten in Deutschland ist gestiegen. Rund 432 500
Schüler legten im vergangenen Jahr die Hochschul- oder
Fachhochschulreife ab, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in
Wiesbaden mitteilte. Das seien 4,2 Prozent mehr als im Jahr zuvor.
Besonders stark sei der Anstieg, weil in Sachsen-Anhalt 2007 erstmals
zwei Schuljahrgänge das Abitur abgeschlossen hätten.
Hintergrund ist die dortige Verkürzung der Zeit am Gymnasium auf
acht Jahre.
In den einzelnen Bundesländern verlief die Entwicklung den
Statistikern zufolge unterschiedlich: In Sachsen sank die Zahl der
Abiturienten gegenüber 2006 um 4,2 Prozent, in Berlin um 2,9
Prozent und in Thüringen um 2,2 Prozent. In Rheinland-Pfalz
erlangten dagegen 11,5 Prozent mehr Schüler die Studienberechtigung
als ein Jahr zuvor, in Hamburg waren es laut Statistik 6 Prozent mehr.
(Quelle: ddp)