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Irak am 1460sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität

Machtkampf zwischen Iraks Schiiten eskaliert. Weiterer US-Soldat im Irak getötet

Sa.22.03.08 - In den irakischen Provinzen südlich von Bagdad eskaliert der Machtkampf zwischen den verschiedenen Schiiten-Parteien.

In ungewöhnlich deutlichen Worten drohte ein Parlamentarier der Bewegung des radikalen jungen Predigers Muktada al-Sadr am Freitag den Angehörigen der anderen religiösen Parteien damit, in der 100 Kilometer südlich von Bagdad gelegenen Provinz Babylon große Protestaktionen zu organisieren. Ahmed al-Massudi sagte nach Angaben der Nachrichtenagentur Aswat al-Irak, Regierungschef Nuri al-Maliki mit seiner Dawa-Partei und der Oberste Islamische Rat im Irak (SICI) planten eine gemeinsame Militäraktion ihrer Milizen, um die Sadristen in Babylon auszulöschen.

«Wir haben aber noch viele Möglichkeiten, um den politischen Status quo in der Provinz Babylon zu verändern», fügte er hinzu. Al-Massudi erklärte, genau wie in Babylon so hätten die Parteimilizen, die Teil der lokalen Sicherheitskräfte geworden seien, auch schon in den Städten Diwanija, Al-Kut und Kerbela die Sadr-Bewegung bekämpft.

Die Miliz der Bewegung ist die sogenannte Mahdi-Armee. Al-Sadr hatte die Milizionäre der Mahdi-Armee im vergangenen Jahr aufgefordert, ihre Angriffe auf die US-Truppen einzustellen. Diese erst auf ein halbes Jahr befristete «Waffenruhe» wurde kürzlich von ihm verlängert. Besonders viele Opfer fordert der Machtkampf zwischen den Schiiten-Parteien in Basra, wo jüngst auch viele Geistliche ermordet wurden. In der Regel sprechen die schiitischen Politiker aber nicht so offen wie jetzt Al-Massudi über diese blutigen «Bruderkämpfe».

Bei einem Angriff südlich von Bagdad ist am Freitag ein weiterer US-Soldat getötet worden, vier seiner Kameraden wurden verwundet. Sie seien unter indirekten Beschuss geraten, teilten die US-Streitkräfte mit. Dies bedeutet im Militärjargon, dass sie entweder mit Mörsern oder Raketen angegriffen wurden. Weitere Einzelheiten des Zwischenfalls wurden zunächst nicht bekannt. Damit erhöhte sich kurz nach dem fünften Jahrestag des Irak-Kriegs die Zahl der darin getöteten US-Soldaten auf mindestens 3.993, wie ein Erhebung der Nachrichtenagentur AP ergab.

boa (Quelle: dpa, ap)


 

 

Blick ins Archiv:

Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003

Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.

US-Präsident Bush hatte Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen. Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in einer Fernsehansprache (19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....

Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan. Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen", "Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale Konflikte" zu verhindern.

1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld, Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker in der Bush-Administration... Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html

Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg
#Politische_Vorgeschichte






Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/
irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news



Chronologie des Irak-Kriegs

Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news

Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news

Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news

Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news

Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news

Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news

Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news

Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news

Teil 9: 01.01.2007 bis 22.03.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news

... wird fortgesetzt...
 
 


 

Vor einem Jahr:
 
Irak am neunhundertsechsundneunzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität

Do.22.03.07 - Iraks Vizepräsident befürwortet Verhandlungen mit Aufständischen +++ Großrazzia in sunnitischen Stadtteilen von Bagdad +++ Deutsche Muslime fordern Freilassung der Geiseln im Irak +++ Acht Aufständische bei Gefechten im Irak getötet +++ US-Soldat zu fünf Jahren Haft für Beteiligung an Vergewaltigung und Mord im Irak verurteilt... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv9/k0703220.htm#news

 
 

 

Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a

Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b

... Lügen und Täuschungen, die in London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
 

Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net

Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in der Studie heißt, die auf der Website der renommierten britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com] veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
 

Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi: 10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5 Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
 

Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
 

Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet: Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society Studies (IIACSS) zusammengetragen.

Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18 Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr 1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte. (Quelle: afp)

Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote gemeldet (Stand Sonntagabend).

Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens 3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der US-Streitkräfte hervorgeht.

Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155 Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr zuvor. (Quelle: afp)
 

«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
 
 

'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'

»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.

Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den Straßen des Irak herumirren... «

Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
 
 
 

US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak

Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg: Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung, erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f

 
 

Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren

Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr. US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.

Quellen: ap, afp

Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt

Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar (1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar (425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office am Mittwoch in Washington mitteilte...

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
 
 

'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg

Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung - er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der 38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch Steuerverweigerung aus.... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv9/k0707210.htm#07072101

 
 

Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'

Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen. Niemals

Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig alle hassen".

Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen. "Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"

Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht: Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter, Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind sie - Helden.

Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007

'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2

Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org

Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/
k0803150.htm#0803150

 
 
 


 

Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'

Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in Afghanistan in den 80er Jahren.

Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die westlichen Länder müssten die Gründe dafür analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.

Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.

(Quelle: ap)
 


 

Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar

Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...

Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten Irakkrieg. ..

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
 


 

Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen

Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein "Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde, warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.

Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115 Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million. Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)

Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten - würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.

An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne gehen...

Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
 


 

Saddam Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis

Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt, dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit, dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am Sonntagabend ausgestrahlt werden.

Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms Klarheiten zu schaffen.

Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann dazustehen, der den USA trotzt.»

Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff zu nehmen.

boa (Quelle: ap)
 
 
 
 

 


 


 

Nahost-Konflikt

Deutscher Grünen-Außenpolitiker Trittin fordert Dialog mit radikal-islamischer Hamas

Sa.22.03.08 - Der deutsche Grünen-Außenpolitiker Jürgen Trittin verlangt von seiner Regierung einen Kurswechsel in der Nahost-Politik und die Bereitschaft zu Friedensgesprächen mit der radikal-islamischen Hamas-Bewegung.

Um den stockenden Friedensprozess zwischen Israel und den Palästinensern wieder voranzutreiben, sollten die Europäer "auch den Dialog mit der Hamas suchen", sagte der designierte Spitzenkandidat der Grünen für die Bundestagswahl 2009 dem Magazin "Focus". "In dieser Frage hat Frankreich recht. Deutschland sollte diese Bemühungen nicht länger blockieren", sagte der stellvertretende Grünen-Fraktionschef in dem am Freitag verbreiteten Vorabbericht.

Trittin kritisierte auch die Rede von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vor dem israelischen Parlament vom Dienstag. In der Ansprache sei "kein eigenständiger Beitrag Deutschlands oder Europas zur Lösung des Nahost-Konflikts erkennbar" gewesen. Es sei an der Zeit, "die ausgetretenen Pfade von Appellen und diplomatischen Hinweisen zu verlassen".

Merkel hatte vor der Knesset betont, dass Israels Sicherheit für Deutschland niemals verhandelbar sei. Die Bedrohungen durch den Iran und die palästinensische Extremisten-Organisation Hamas bezeichnete sie als eine Stunde der Bewährung, in der diese Zusagen keine leeren Worte bleiben dürften.

Quelle: rtr)
 


 

Deutschland legt neuen Vorschlag für Sicherheitsrat-Refom vor

Sa.22.03.08 - In der seit Jahren andauernden Debatte über eine Erweiterung des UN-Sicherheitsrates haben Deutschland und Zypern einen neuen Vorschlag vorgelegt.

Dieser sieht vor, das mächtigste Gremium der Vereinten Nationen um sieben auf 22 Mitglieder aufzustocken. Ziel sei es, den Sicherheitsrat repräsentativer zu machen, ohne seine Handlungsfähigkeit einzuschränken, heißt es in dem vertraulichen Text, der der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag vorlag. Die deutsche Regierung erhofft sich von einer Reform wie auch Japan, Indien und Brasilien einen ständigen Sitz im Sicherheitsrat. Zu den Knackpunkten gehört die künftige Rolle der bislang fünf ständigen Mitglieder USA, Russland, China, Frankreich und Großbritannien, die ein Veto besitzen.

Der Status der neuen Mitglieder wurde in dem Vorschlag offengelassen. Er reichte von einer ständigen Mitgliedschaft über eine semipermanente bis hin zu der gewöhnlichen zweijährigen Mitgliedschaft. Je zwei der zusätzlichen Sitze sollten Afrika und Asien erhalten sowie jeweils ein Sitz an Lateinamerika, West- und Osteuropa gehen. Diplomaten zufolge wurde der Entwurf von Zypern unter deutscher Mithilfe ausgearbeitet. Daneben hatten zuletzt auch britische und niederländische Vertreter an einem Kompromissvorschlag mitgewirkt. Kritiker

Ein Sprecher des mazedonischen Präsidenten der UN-Vollversammlung, Srgjan Kerim, bestätigte den Eingang des Entwurfs. Zudem hätten Italien und der Block der afrikanischen UN-Mitglieder sich schriftlich dazu geäußert. Nach Angaben von Diplomaten kritisierte Italien die von Deutschland angeführte Initiative als einseitig. Auch die USA und Russland hätten Vorbehalte. Die Regierung in Rom lehnt seit langem einen ständigen deutschen Sitz im Sicherheitsrat ab. Pakistan macht sich gegen die indischen Pläne stark. Japan kann dagegen auf die Unterstützung der USA bauen.

Ziel der angestrebten Reform ist es, die Zusammensetzung des Sicherheitsrats den neuen politischen Verhältnissen im 21. Jahrhundert anzupassen. Sollte sich die UN-Vollversammlung noch in diesem Jahr auf eine Erweiterung verständigen, dauert es mindestens zwei oder drei Jahre, bis die Mitglieder den Plan ratifiziert haben. Damit wird ein reformierter Sicherheitsrat nicht vor 2011 seine Arbeit aufnehmen können.

Seit Gründung der Vereinten Nationen im Jahr 1945 wurde der Sicherheitsrat erst einmal erweitert: 1965 wurde die Zahl der zu wählenden nichtständigen Mitglieder von sechs auf zehn erhöht.

(Quelle: rtr)
 


 

Tibet-Krise: China gibt erstmals Schüsse auf Demonstranten zu

Sa.22.03.08 - China hat erstmals zugegeben, dass die Polizei während der blutigen Unruhen in von Tibetern bewohnten Gebieten auf Demonstranten geschossen hat. Das berichtete am Freitag die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua unter Berufung auf Polizeiquellen.

Demnach hätten Polizisten bei Unruhen am vergangenen Sonntag im Bezirk Aba in der Provinz Sichuan aus «Notwehr» das Feuer eröffnet. Nachdem die Nachrichtenagentur zunächst von vier Toten gesprochen hatte, berichtigte sie die Angabe später auf vier Verletzte durch die Polizeischüsse.

Die Berichte stehen im Widerspruch zu bisherigen offiziellen Beteuerungen, wonach keine Schüsse abgegeben worden seien. Der Sprecher des Außenministeriums hatte am Donnerstag bekräftigt, dass keine tödlichen Waffen zum Einsatz gekommen seien. Am Freitag korrigierte das Ministerium den Eindruck, dass sich seine Äußerungen auch auf die Gebiete außerhalb Lhasas bezogen hätten. Eine örtliche Quelle hatte der Deutschen Presse-Agentur dpa in Peking bestätigt, dass bei Protesten in Aba seit Freitag 18 Menschen von chinesischen Sicherheitskräften erschossen wurden.

Bevor die Schüsse gefallen seien, hätten die Demonstranten Polizisten mit Messern angegriffen und versucht, ihnen die Waffen zu entreißen, hieß es in dem Xinhua-Bericht weiter. Eine Polizeistation sei bei den Unruhen niedergebrannt, Polizeiautos seien zerstört worden. Die Polizei habe zunächst Warnschüsse abgegeben, sei danach aber weiter «attackiert» worden, hieß es. «Die Polizei war aus Notwehr gezwungen, das Feuer zu eröffnen», sagte eine Polizeiquelle laut Xinhua. Die Verletzten seien daraufhin geflüchtet.

(Quelle: dpa)
 


 

USA: Akten aller drei Präsidentenanwärter illegal eingesehen

Sa.22.03.08 - Mitarbeiter des US-Außenministeriums haben unerlaubt Einsicht in Akten der drei Präsidentschaftsanwärter Hillary Clinton, Barack Obama und John McCain genommen. Außenministerin Condoleezza Rice teilte in Washington mit, sie habe sich bereits bei dem demokratischen Kandidaten Obama entschuldigt. Kurz darauf teilte Clintons Wahlkampfteam mit, dass Rice die demokratische Senatorin informiert habe, dass auch ihre Reisepassakten im Jahr 2007 illegal eingesehen worden seien. Ein Außenamtssprecher räumte wenig später ein, auch die Akten des republikanischen Präsidentschaftsanwärters seien McCain ohne Genehmigung gesichtet worden.

Das Außenministerium will Clintons Mitarbeiter noch umfassender über den Vorfall informieren, wie ihr Büro mitteilte. Laut McCormack nahm ein Auszubildender in der Passabteilung unerlaubt Einsicht in Clintons Akte. Auch mit Mitarbeitern von Obama wollen sich Vertreter des Ministeriums treffen. Dessen Sprecher äußerte sich entrüstet: "Dies ist eine himmelschreiende Verletzung von Sicherheit und Privatsphäre, selbst von einer Regierung, die in den vergangenen acht Jahren wenig Respekt für beides gezeigt hat." Die Regierung habe die Pflicht, private Informationen der US-Bürger zu schützen, nicht sie für politische Zwecke zu gebrauchen, sagte Burton.

Im Falle McCain sei der Vorfall Anfang des Jahres aufgedeckt worden, sagte der Sprecher des Außenministeriums. Einer der Mitarbeiter, die in die Unterlagen von Obama geschaut hätten, habe auch das Dossier von Senator McCain unerlaubt eingesehen. Noch bevor bekannt wurde, dass auch er betroffen ist, zeigte sich McCain bei einem Besuch in Paris über die Affäre empört. Die Verletzung der Privatsphäre verlange eine umfassende Untersuchung und eine Entschuldigung, sagte McCain.

Rice sagte in Washington, sie wolle sich persönlich weiter um die Angelegenheit kümmern. Das Außenministerium und das Justizministerium würden die Vorwürfe gemeinsam untersuchen. Jeder Schritt werde unternommen, damit sich ein derartiger Vorfall nicht wiederhole. Der Vorgang habe sich auf den unteren Verwaltungsebenen abgespielt.

Das US-Außenministerium hatte am Donnerstagabend mitgeteilt, es habe zwei Mitarbeiter entlassen, weil sie sich offenbar unautorisiert Zugang zu Unterlagen zur Verlängerung von Obamas Reisepass verschafft hatten. Nach Angaben der Behörde habe es sich um "unvorsichtige Neugier" der Beteiligten gehandelt. Ein dritter Mitarbeiter sei verwarnt worden.

(Quelle: afp)
 


 

Frankreichs Präsident Sarkozy: Französische Atomwaffen angesichts der Bedrohung durch Iran entscheidend für Sicherheit Europas

Sa.22.03.08 - Angesichts der Bedrohung durch den Iran hat Staatspräsident Nicolas Sarkozy die französische Atomstreitmacht als entscheidendes Element für die Verteidigung Europas bezeichnet. Die Abschreckung durch Atomwaffen sei die «Lebensversicherung der Nation», sagte er bei der Vorstellung des neuen Atom-U-Bootes «Le Terrible» (der Schreckliche) am Freitag in Cherbourg.

In seiner ersten Rede zur atomaren Rüstung seit seinem Amtsantritt im Mai forderte er die USA und China auf, ein Atomwaffentestverbot von 1996 umzusetzen, und schlug einen neuen Abrüstungsvertrag für Kurz- und Mittelstreckenraketen vor.

Frankreich drohe zwar keine offenkundige Invasion, doch existierten andere Bedrohungen, erklärte der Staatschef. «Der Iran baut die Reichweite seiner strategischen Raketen aus, während ein starker Verdacht über seinem Atomprogramm liegt. Die Sicherheit Europas steht auf dem Spiel.»

Sarkozys Vorgänger Jacques Chirac hatte vor zwei Jahren allen Staaten mit einem atomaren Angriff gedroht, in denen Terroranschläge auf Frankreich vorbereitet würden. Dies wurde als Verschärfung der französischen Atom-Doktrin gewertet. Sarkozy relativierte den Vorstoß, betonte aber seine Entschlossenheit: «Alle, die unsere vitalen Interessen bedrohen, setzen sich einem harten Gegenschlag aus», sagte er. Frankreich könne mit einer «atomaren Warnung» reagieren. Die Doktrin sei aber «strikt defensiv» ausgerichtet.

Trotz der hohen Bedeutung, die Sarkozy der Atomstreitmacht beimisst, kündigte er eine Kürzung des Arsenals auf unter 300 Sprengköpfe an. Frankreich werde seine luftgestützte Atomstreitmacht um ein Drittel abbauen, sagte. Der Großteil der verbliebenen Atomwaffen befindet sich auf Untersee-Booten. Die Föderation amerikanischer Wissenschaftler, die sich mit Atomwaffenarsenalen weltweit befasst, erklärte in ihrem Zustandsbericht für 2008, Frankreich verfüge über 348 Sprengköpfe.

Der Präsident rief zu neuen weltweiten Abrüstungsbemühungen auf. China und die USA müssten den 1996 unterzeichneten Testverbotsvertrag ratifizieren, und alle Atommächte sollten ihre Testanlagen abbauen, sagte er. Darüber hinaus regte er ein sofortiges Aussetzen der Produktion von spaltbarem Material für Kernwaffen an und forderte Verhandlungen über ein Produktionsverbot für das Material. Zuletzt forderte er Verhandlungen über ein Verbot von Boden-Boden-Raketen von kurzer und mittlerer Reichweite.

(Quelle: ap)
 


 

Zypern: Symbolische Geste leitet Wiedervereinigungsgespräche ein

Sa.22.03.08 - Vertreter beider Teile Zyperns haben ein wichtiges Zeichen für eine Wiedervereinigung der Insel gesetzt.

Sie einigten sich am Freitag auf die Öffnung der gesperrten Ledra-Straße, dem wichtigsten Symbol der Teilung, in der Hauptstadt Nikosia. Der Präsident Zyperns, Demetris Christofias, und der türkisch-zyprische Verhandlungsführer Mehmet Ali Talat vereinbarten zudem ein neues Treffen in drei Monaten, um die Gespräche über eine Wiedervereinigung der Insel fortzusetzen, wie der UN-Sonderbeauftragte für Zypern, Michael Möller, mitteilte. Bis dahin solle in Arbeitsgruppen über die Kernpunkte verhandelt werden.

"Dies ist der Anfang einer neuen Ära zur Lösung des Zypern-Problems", erklärte Talat im Anschluss an das Treffen. Auch Christofias zeigte sich optimistisch. Man wolle mit gutem Willen zusammenarbeiten, sagte er. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier bezeichnete das Treffen als "ermutigendes Zeichen". Er begrüßte zudem die Öffnung der Ledra-Straße als einen Schritt mit hoher Symbolkraft. UN-Diplomat Möller zufolge soll die Durchfahrt dort so schnell wie technisch möglich wieder freigegeben werden.

Es war das erste Treffen der beiden Führer seit Christofias im Februar die Präsidentschaftswahlen gewann. Sein Vorgänger Tassos Papadopoulos hatte in den Gesprächen mit Talat nur wenig Fortschritte erzielt. Christofias hat die Lösung des Problems zur obersten Priorität seiner Regierung erklärt. Beobachtern zufolge könnte dies nun die letzte Chance sein, die jahrzehntelange Teilung der Insel zu beenden.

Die Türkei war 1974 nach einem Putsch griechischer Nationalisten, die eine Angliederung Zyperns an Griechenland zum Ziel hatten, in Nord-Zypern einmarschiert. Sie begründete dies mit dem Schutz der türkischen Zyprer. Die dort später ausgerufene Republik ist nur von der Türkei diplomatisch anerkannt. Mehrere Anläufe für eine Wiedervereinigung mit dem griechischen Süden der Insel sind gescheitert. Der Konflikt belastet die Bemühungen der Türkei um eine Aufnahme in die Europäische Union. Zypern ist Mitglied der Gemeinschaft und kann damit einen EU-Beitritt der Türkei verhindern.

(Quelle: rtr)
 


 

Russland: Zwei  Journalisten ermordet

Sa.22.03.08 - Innerhalb eines Tages sind in Russland zwei Journalisten ermordet worden. Einer starb in seiner Moskauer Wohnung, ein anderer in der russischen Teilrepublik Dagestan.

Dort, im Nordkaukasus, wurde der Chef der staatlichen Rundfunk- und Fernsehanstalt, Gadschi Abaschilow, am Freitagabend vor einem Geschäft in der Hauptstadt Machatschkala erschossen. Das teilte der russische Generalstaatsanwalt Juri Tschaika nach Angaben der Agentur Interfax in Moskau mit. Tschaika übernahm persönlich die Leitung der Ermittlungen. Die Täter hätten die Schüsse aus einem Auto abgefeuert und seien dann entkommen.

Zuvor war in Moskau der dagestanische Reporter Iljas Schurpajew in seiner Wohnung niedergestochen und mit einem Gürtel erdrosselt worden. Der Journalist des staatlichen Fernsehsenders «Erster Kanal» hatte vor allem aus der Unruheregion Dagestan berichtet, aus der er selbst auch stammte und wo seine Frau mit dem gemeinsamen Kind lebt. Über die Hintergründe beider Taten war zunächst nichts bekannt. Medien spekulierten über einen möglichen Zusammenhang zwischen beiden Verbrechen. Die Ermittler machten dazu zunächst keine Angaben.

Laut Polizei gab es zunächst keinen Hinweis auf ein berufliches oder politisches Tatmotiv im Fall Schurpajew. In seinem Internet-Tagebuch hatte der 32-Jährige zuletzt über Einschränkungen seiner Arbeit in Dagestan geklagt, ohne konkrete Anschuldigungen auszusprechen. Er sei aber nie selbst politisch in Erscheinung getreten, betonte Schurpajew in dem Tagebuch.

Die Polizei fahndet in dem Moskauer Fall nach zwei Männern, die der Journalist aller Wahrscheinlichkeit nach gut gekannt und selbst in die Wohnung gelassen habe. Die Täter hätten nach dem Mord die Mietwohnung Schurpajews angezündet, um Spuren zu vernichten.

Der Internationale Journalisten-Verband (IFJ) forderte rasche und unabhängige Ermittlungen zum Tod des Fernsehreporters. Der Fall scheine auf einen neuen gezielten Angriff auf Medien hinzuweisen, erklärte der IFJ am Freitag in Brüssel. «Wir sind schockiert über die Umstände von Schurpajews Tod», sagte IFJ-Generalsekretär Aidan White laut einer Mitteilung. «Und wir fürchten, dass dies den Stempel eines gezielten Angriffs auf einen Journalisten trägt, der von der Frontlinie der Konflikte an Russlands Grenzen berichtete.» Man habe die russische Partnerorganisation des IFJ gebeten, die Untersuchungen genau zu verfolgen.

In Russland kommen jedes Jahr Journalisten gewaltsam ums Leben - oft werden die Todesumstände nie vollständig aufgeklärt. Im November 2006 wurde die Kremlkritikerin Anna Politkowskaja auf dem Weg nach Hause erschossen. Sie hatte oft über Menschenrechtsverletzungen im Nordkaukasus berichtet. Die Täter sind bis heute nicht vor Gericht gestellt.

(Quelle: dpa)
 


 

Deutschland

Koalition will Arbeitsfördermaßnahmen halbieren

Sa.22.03.08 - Die Große Koalition hat sich nach Angaben des CDU-Haushaltsexperten Steffen Kampeter auf eine Halbierung aller Arbeitsfördermaßnahmen verständigt. Noch vor der Sommerpause werde Arbeitsminister Olaf Scholz (SPD) die Gesetzgebung auf den Weg bringen, kündigte Kampeter der «Stuttgarter Zeitung» (Samstagsausgabe) zufolge an.

Nach Angaben des CDU-Politikers gibt es derzeit mehr als 70 Förderinstrumente. «Ich persönlich finde, zwölf davon wären ausreichend, um alle Notwendigkeiten abzudecken», sagte Kampeter. Aber nach mehreren Gesprächen mit dem Arbeitsminister habe er sich überzeugen lassen, auf eine Halbierung zuzusteuern. Kampeter sieht darin nach eigenen Worten auch einen Beitrag zu den Konsolidierungsbemühungen der Großen Koalition.

(Quelle: ap)
 


 

Porsche scheitert mit Kompromissvorschlag zu VW-Gesetz

Sa.22.03.08 - Im Streit um das neue VW-Gesetz ist der Porsche-Konzern offenbar mit einem Kompromissangebot bei der Bundesregierung gescheitert. Der VW-Großaktionär habe vorgeschlagen, Sonderrechte für die Arbeitnehmer in die VW-Satzung aufzunehmen, berichtet das Magazin "Focus". Demnach müsste bei Produktionsverlagerungen oder Werksschließungen der Aufsichtsrat mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit zustimmen. Im Gegenzug sollte die Bundesregierung das Privileg des Landes Niedersachsen kippen, bereits mit einem Aktienanteil von rund 20 Prozent wichtige Entscheidungen bei VW blockieren zu können.

Ein Regierungsmitglied sagte dem "Focus": "Einen solchen Deal wird es nicht geben. Die politische Entscheidung für ein neues VW-Gesetz ist bereits gefallen." Den Sonderstatus zum Schutz von VW vor fremdem Zugriff hatte der Europäische Gerichtshof im Oktober gekippt. Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) legte kürzlich den Entwurf für eine Novelle vor, den auch die CDU unterstützt. Die EU-Kommission hat dagegen jedoch massive rechtliche Bedenken. Porsche hält derzeit rund 30 Prozent an VW und will seinen Anteil auf über 50 Prozent ausbauen.

(Quelle: afp)
 


 

Linke hat tausende neue Mitglieder

Sa.22.03.08 - Die Linke hat seit ihrer Fusion im vergangenen Jahr fast zehntausend neue Mitglieder gewonnen - die meisten davon im Westen. Am erfolgreichsten sei die Partei dort derzeit bei Männern zwischen 40 und 50 Jahren, sagte der Beauftragte für den Aufbau der Partei im Westen, Ulrich Maurer.

Ein «Leck» habe die Partei bei 18- bis 24-Jährigen. Das Durchschnittsalter der Parteimitglieder liege weiter über 60 Jahre, sagte Maurer der Deutschen Presse-Agentur dpa in Berlin.

Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch sagte der dpa: «Ich habe so viele Jahre mitgeteilt, dass die Zahl der Mitglieder sinkt. 2007 haben wir erstmals wieder zugelegt.» Die Linke hatte nach seinen Angaben zum Jahresende rund 72 000 Mitglieder (2006: rund 69 300). Nach SPD und Union ist sie drittstärkste politische Kraft im Bund. Der Frauenanteil liegt bei 39 Prozent. 2006 waren es noch 41 Prozent.

Nur ein Viertel der 7570 Neueintritte im vorigen Jahren waren Frauen. Laut Bartsch ist die Linke aber die Partei mit den meisten Frauen. In den Parteigremien seien sie stark vertreten, auch wenn das die reine Männerspitze von Oskar Lafontaine, Gregor Gysi und Lothar Bisky nicht so erscheinen lasse. Die meisten Mitglieder verloren habe die Partei durch Todesfälle, vergleichsweise wenige durch Austritte aus Protest gegen die Fusion. Im Juni 2007 fusionierten die Linkspartei und Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit (WASG) zur ersten gesamtdeutschen sozialistischen Partei in der Geschichte der Bundesrepublik.

Die Erfolge bei den Landtagswahlen im Januar und Februar hätten der Linken einen weiteren Schub gebracht, erklärte Bartsch. Im ersten Quartal hätten allein in der Parteizentrale in Berlin 1850 Menschen ihren Eintritt gemeldet. Im Westen habe die Partei nun rund 21 000 Mitglieder. Vor der Fusion hätten beide Parteien zusammen in den alten Ländern rund 17 000 Mitglieder (WASG 12 000, Linkspartei 5000 Mitglieder) gehabt, sagte Bartsch. Von den 7570 Neueintritten im vergangenen Jahr weist die Statistik der Partei 6381 im Westen aus.

Den größten Zuwachs habe der Landesverband Nordrhein-Westfalen im vergangenen Jahr mit 1800 Mitgliedern gehabt. Er ist auch der stärkste Verband der Linken im Westen und erreicht mit rund 6000 Anhängern erstmals das Niveau ostdeutscher Verbände wie Mecklenburg- Vorpommern und Sachsen-Anhalt. Der größte Landesverband der Linken ist Sachsen mit rund 13 300 Mitgliedern.

Maurer sagte: «Wir müssen bei der sehr hohen Erwartungshaltung der neuen Mitglieder aufpassen, dass es nicht zu einem Drehtür-Effekt kommt.» Mit einer stärkeren Ausrichtung der Parteiarbeit auf «gelebte Solidarität» und «Hilfe zur Selbsthilfe» wolle die Linke vermeiden, dass Neuankömmlinge sich mangels Einbindung schnell enttäuscht abwenden. Vor allem für junge Leute sowie Alleinerziehende und berufstätige Frauen solle die Partei besondere Angebote machen.

Die Partei wolle konkrete Hilfestellung im Alltag geben und durch neue Formen und Uhrzeiten für Veranstaltungen die Mitwirkung erleichtern. Vor allem Mütter hätten für Abendveranstaltungen keine Zeit. Eine andere Schwierigkeit für die Partei sei der «atypische Integrationsprozess» der Mitglieder. Einerseits müssten die beiden Parteien WASG und Linkspartei noch zusammenwachsen, andererseits aber auch die vielen Neuzugänge integriert werden. So seien in einigen Westverbänden nach der Fusion mehr Mitglieder zur Linken gekommen, als vorher bei WASG und Linkspartei - vormals PDS - engagiert waren, sagte Maurer.

(Quelle: dpa)
 


 

Friedensbewegung startet zu Ostermärschen

Sa.22.03.08 - Mit kleineren Aktionen in Hessen, Baden-Württemberg und im Ruhrgebiet hat die Friedensbewegung am Karfreitag ihre Ostermarschaktionen begonnen. Sie richten sich meist gegen den US-Militäreinsatz im Irak, steigende Militärausgaben und die Präsenz der Bundeswehr in Afghanistan.

«Wir wollen Abrüstung statt Sozialabbau», erklärte der IG Metall-Bevollmächtigte Michael Pilz bei der Auftaktveranstaltung im hessischen Bruchköbel bei Hanau. Laut Polizei nahmen dort rund 100 Menschen an dem Ostermarsch teil.

Mit einer weiteren Entsendung von Kampftruppen nach Afghanistan werde sich die Bundesregierung tiefer verstricken, meinte der Linke- Bundestagsabgeordnete Wolfgang Gehrcke bei derselben Veranstaltung. «Das Militär bekämpft den Terror nicht, es weitet den Terror aus.» Gefordert wurde auch eine Wende in der Nahostpolitik als Voraussetzung ziviler Konfliktlösungen.

Im schwäbischen Biberach an der Riß trafen sich Aktivisten zu einer Friedensmahnwache. In Heidelberg protestierte die örtliche Friedensbewegung mit einer 24-stündigen Mahnwache von Gründonnerstag bis Karfreitag vor dem US-Hauptquartier gegen den Irak-Krieg. Nach Angaben des Veranstalters versammelten sich dort abwechselnd rund 100 Teilnehmer. «Angesichts von einer Million Opfern von Krieg und Besatzung und über vier Millionen Flüchtlingen wurde auch auf die Mitverantwortung der deutschen Regierungen hingewiesen», sagte Joachim Guilliard vom Heidelberger Forum gegen Militarismus und Krieg.

In Dortmund gedachten mehrere hundert Menschen am Mahnmal in der Bittermark der 300 Frauen und Männer, die dort im Frühjahr 1945 von der Gestapo erschossen worden waren. Es handelte sich um politische Gefangene, Widerstandskämpfer und Zwangsarbeiter aus zahlreichen Nationen.

Die internationale Tradition der Ostermärsche begann vor 50 Jahren in London. In Deutschland fanden die ersten Märsche 1960 statt. Seit dem Ende des Kalten Krieges ließ die Beteiligung an den Ostermärschen deutlich nach. Die Hauptprotesttage sind der Samstag und der Ostermontag.

(Quelle: dpa)
 


 

Geschichtsfestival Historiale gedenkt der Toten der Märzrevolution 1848

Sa.22.03.08 - Beim Geschichtsfestival Historiale wird am heutigen Samstag der Toten der Märzrevolution von 1848 gedacht. Dazu sollen 183 Särge auf dem Gendarmenmarkt in Mitte aufgebaut werden und die Namen der Getöteten verlesen werden, wie ein Sprecher des Vereins Historiale ankündigte. Jeder Sarg wird mit einer Blume geschmückt und Schauspieler verlesen die Texte, die jüdische, katholische und evangelische Geistliche vor 160 Jahren angesichts der Toten sprachen. Das Gedenken an die Aufbahrung der Gefallenen der Märzrevolution, die bereit waren, für Demokratie ihr Leben zu geben, ist nach Angaben der Veranstalter Höhepunkt und Abschluss des diesjährigen Geschichtsfestivals.

Unter dem Motto «Märzrevolution 1848 - Europas Jugend nach Berlin» hatte der Verein ein sechstägiges Programm geboten. Neben Inszenierungen wie die eines Barrikadenkampfes auf dem Alexanderplatz standen Gesprächsrunden, Stadtführungen und ein Quiz auf dem Programm. Anliegen des Vereins ist es, außer spektakulären Aufführungen mit Geschichtsdarstellern auch inhaltliche Diskussionen zum Thema anzubieten.

Im vergangenen Jahr hatte die Historiale den 200. Jahrestag der preußischen Reformen thematisiert. Zu verschiedenen Veranstaltungen kamen den Angaben zufolge rund 50 000 Besucher. Ein Jahr zuvor wurde der Einzug Napoleons 1806 in Berlin am Brandenburger Tor nachexerziert. Im Jahr 2009 soll an den Mauerfall erinnert werden, der dann 20 Jahre zurückliegt.

(Quelle: ddp)
 


 

Wissenschaft

Aufrechter Gang seit sechs Millionen Jahren

Sa.22.03.08 - Bereits vor mindestens sechs Millionen Jahren schritten die Vorfahren des Menschen auf zwei Beinen durch die afrikanische Steppe. Das bestätigt die neuerliche Untersuchung eines Knochens, der im Jahr 2000 in Kenia gefunden wurde und zu der Vormenschenart Orrorin tugenensis gehört.

Form und Bau des Oberschenkelknochens ähnelten denen der Australopithecinen, einer Vormenschenart, die vor etwa vier Millionen Jahren in Afrika lebte, berichtet ein US- Forscherteam im Fachjournal «Science» (Bd. 319, S. 1662). Viele Fachleute hatten bereits einen aufrechten Gang beim Orrorin tugenensis vermutet.

Die Untersuchung widerspreche aber auch der Annahme, der Orrorin tugenensis sei bereits viel menschenähnlicher gewesen als die später lebenden Australopithecinen und damit womöglich ein direkterer Vorfahr des Menschen, schreiben Brian Richmond von der George- Washington-Universität in Washington und William Jungers von der Universität Stony Brook (US-Staat New York). Über die Einordnung des Orrorin tugenensis in die Stammlinie des Menschen wird seit seiner Entdeckung unter Fachleuten gestritten.

Die Ähnlichkeit des Oberschenkelknochens mit denen der Australopithecinen belege, dass der Bauplan für den aufrechten Gang schon früh in der Entwicklungslinie des Menschen entstanden sei und für lange Zeit nahezu unverändert beibehalten wurde. Erst im späten Pliozän vor etwa zwei Millionen Jahren habe sich dann mit dem Auftauchen der Gattung Homo die Struktur von Oberschenkel und Hüfte erheblich verändert.

Ein vor etwa sieben Millionen Jahren ­ und damit noch vor dem Orrorin tugenensis ­ lebender Vormensch, der Sahelanthropus tchadensis, ging womöglich bereits ebenfalls aufrecht. Allerdings gibt es von diesem Vertreter bisher nur Fundstücke von Schädelknochen und Zähnen, die eine genaue Beurteilung seiner Fortbewegung schwer machen. Auch dessen Stellung im Stammbaum der Menschen ist unklar.

(Quelle: dpa)
 


 

NASA-Raumsonde Cassini findet Hinweise auf unterirdischen Ozean auf Saturn-Mond

Sa.22.03.08 - Die NASA-Raumsonde Cassini hat Hinweise auf einen unterirdischen Ozean aus Wasser und Ammoniak auf dem Saturn-Mond Titan gefunden. Radarmessungen der Rotation des Trabanten hätten entsprechende Anhaltspunkte geliefert, teilte die US-Raumfahrtbehörde am Donnerstag (Ortszeit) mit.

«Mit seinen Dünen, Seen, Kanälen und Bergen hat Titan eine der abwechslungsreichsten, aktivsten und erdähnlichsten Oberflächen im gesamten Sonnensystem», sagte Radarwissenschaftler Ralph Lorenz vom Labor für angewandte Physik der John-Hopkins-Universität in Laurel (US-Staat Maryland).

Das Forscherteam um Lorenz wertete den Angaben zufolge Radaraufnahmen aus, die Cassini während 19 Vorbeiflügen an Titan zwischen Oktober 2005 und Mai 2007 gemacht hatte. Damit konnten die Wissenschaftler durch den dichten, methanhaltigen Atmosphärennebel blicken, der Titan umgibt, und so beispiellose Erkenntnisse über die Oberfläche des Saturn-Trabanten sammeln. Ein entsprechendes Forschungspapier soll im Wissenschaftsfachblatt «Science» (Ausgabe vom 21. März) veröffentlicht werden.

(Quelle: dpa)
 


 

Computer & Cyberspace

Wie die Beliebtheit von Internet-Seiten bewertet wird

Sa.22.03.08 - Die Beliebtheit und Bedeutung von Internet-Seiten sollen Werte wie Visits, Hits, Page Ranks angeben. Angesichts der Fülle der Bestimmungsgrößen kommt beim Anwender oft aber eher Verwirrung auf. Was in die einzelnen Bewertungen einfließt und wie sie gemessen werden, wissen die wenigsten Nutzer.

Um die Beliebtheit einer Web-Seite bestimmen zu können, müssen zunächst einmal die Besucher voneinander unterscheidbar sein. Damit die Seitenbesucher erfasst werden können, werden deren Kenngrößen wie etwa die sogenannte IP-Adresse oder das Herkunftsland in speziellen Protokoll-Dateien erfasst. Normalerweise wird jeder Zugriff eines Nutzers auf einen Online-Auftritt erfasst. Klickt er allerdings wieder und wieder dieselbe Internet-Seite innerhalb kürzester Zeit an, kann eine zeitliche Sperre greifen, die Seitenaufrufe beispielsweise erst nach einer halben Stunde wieder zählt. So sollen Statistiken von Manipulationsversuchen oder unnatürlichem Nutzerverhalten bereinigt werden.

Aber Zugriff ist nicht gleich Zugriff. Ein Internet-Auftritt besteht normalerweise aus einer Hauptseite und Unterseiten. Wie oft einzelne Seiten eines Web-Angebots aufgerufen werden, drückt die Kenngröße "Seitenaufrufe" oder englisch "Page Impressions" aus. Den Seitenaufrufen übergeordnet ist der Einzelbesuch (Unique Visit). Klickt ein Anwender während eines Besuchs verschiedene Unterseiten eines Online-Portals an, wird dies alles zum Einzelbesuch zusammengefasst.

Über die einzelnen Besuche hinaus wird häufig auch ermittelt, wie oft ein Besucher das Internet-Angebot ansteuert. Diese wiederkehrenden Besuche werden im Fachjargon als "Visits" bezeichnet. Außerdem spielt die Verweildauer innerhalb eines Internet-Portals eine Rolle. Weil beim Aufrufen einer Internet-Seite meist verschiedene Elemente wie html-Daten, Bilder oder Videos abgefragt werden, protokolliert der Server für jedes Einzelteil einen Zugriffswert. Dieser wird als "Hit" bezeichnet.

Zur Beliebtheitsmessung sind die Hits nicht die beste Methode, sie sind eher von technischer Bedeutung für den Betreiber. Denn will er zum Beispiel herausfinden, welche Dateien besonders viel Datenübertragungsverkehr erzeugen, hilft ein Blick in die Auflistung der Hits im Protokoll des Servers, auf dem die Internet-Präsenz bereitgestellt wird. Als Vergleichsgröße der Online-Auftritte untereinander dient beispielsweise der "PageRank" (PR). Zur Berechnung dieses Wertes wird auf einen komplexen mathematischen Algorithmus zurückgegriffen. Hierbei wird etwa bewertet, wie oft auf diese Seite von außerhalb verlinkt wird. Je häufiger andere Internet-Auftritte auf eine Seite verweisen, desto bedeutender ist sie im weltweiten Datennetz.

Das Unternehmen Google nutzt den PR zur Wertung von Online-Auftritten, viele Firmen messen der Kenngröße hohe Bedeutung bei. Im Google-Toolbar wird der PR beim Besuch einer Web-Adresse angezeigt. Die Werte liegen zwischen null (unwichtig) und zehn (wichtig). Betreiber privater Internet-Projekte und auch kleinere Unternehmen können sich mit einem Wert von zwei oder drei schon extrem geehrt fühlen.

Darüber hinaus gibt es den "Alexa Rank". Alexa ist ein internationaler Service-Dienst, der Zugriffsdaten auf Online-Präsenzen angibt; es handelt sich um ein Tochterunternehmen von Amazon.com. Erfasst werden die Besucherzahlen, woraus Alexa die 100 000 meistbesuchten Internet-Angebote des gesamten World Wide Web ermittelt. Auch hier gilt: Wer seinen Web-Auftritt innerhalb dieser Liste entdeckt, darf durchaus ein wenig stolz sein (www.alexa.com).

 Gerade unter privaten Betreibern von Internet-Portalen ist der Wunsch groß, dass das eigene Projekt möglichst oft angeklickt wird. Deshalb geht so mancher Seiten-Inhaber mit zweifelhaften Methoden vor, um Werbung für sein "Baby" zu machen. Das penetrante Platzieren von Links in Gästebüchern, Blogs und Foren kann von anderen Nutzern jedoch als lästig empfunden werden. Viel wichtiger ist es, die eigene Homepage durch wertvolle Inhalte glänzen zu lassen und griffige Schlagworte im Text zu verwenden. Umso häufiger wird die Präsenz dann von Suchmaschinen und somit von anderen Nutzern gefunden. Dadurch erhöhen sich Bekanntheit und Beliebtheit meist von ganz allein.

(Quelle: gp)
 


 

Weltwassertag

40 Prozent der Weltbevölkerung ohne richtige Sanitäranlage

Fr.21.03.08 - Rund 2,6 Milliarden Menschen und damit knapp 40 Prozent der Weltbevölkerung haben keinen Zugang zu ordentlichen Toiletten. Jedes Jahr sterben deshalb 15 Millionen Menschen an ansteckenden Krankheiten wie Durchfall, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf mitteilte. Die Zahl der Todesopfer könne durch Verbesserungen bei Wasserversorgung und sanitärer Ausstattung um zwei Millionen gesenkt werden, sagte WHO-Leiter David Heymann. Die Vereinten Nationen riefen 2008 deshalb zum Jahr der Toilette aus.

"Alle 20 Sekunden" sterbe ein Kind, erklärte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon anlässlich des Weltwassertages am Samstag. In den Millenniumszielen hätten die Staats- und Regierungschefs im Jahr 2000 beschlossen, den Anteil der Menschen ohne Zugang zu sanitärer Grundversorgung bis zum Jahr 2015 zu halbieren, erklärte Ban. "Aber wir haben nirgendwo das nötige Reformtempo erreicht."

Zwar wurde laut WHO für 1,2 Milliarden Menschen zwischen 1990 und 2004 der Zugang zu Toiletten verbessert. Ohne Zugang blieben 2015 demnach jedoch weiterhin 2,4 Milliarden Menschen. Mit dem bisherigen Tempo könne eine Halbierung der Betroffenen in Schwarzafrika erst im Jahr 2076 erreicht werden, erklärte Ban. Der Fortschritt werde vor allem durch "fehlenden politischen Willen" gebremst.

(Quelle: afp)
 
 
 
 

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