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Irak am 1461sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mindestens 14 Tote im Irak - darunter zwei US-Soldaten. Zahl der
gefallenen amerikanischen Armeeangehörigen nähert sich 4000
So.23.03.08 - Im Irak sind mindestens 14 Menschen getötet worden, darunter zwei
US-Soldaten. Die Amerikaner starben nach Angaben des Militärs im
Nordwesten der Hauptstadt Bagdad, als eine Bombe in der Nähe ihres
Fahrzeugs explodierte. Damit steigt die Zahl der gefallenen US-Soldaten
seit Kriegsbeginn vor fünf Jahren auf mindestens 3996. Es wird
erwartet, dass Kritiker die Zahl von 4000 als Anlass zu Protesten
nutzen werden. Der Irak-Krieg gehört zu den wichtigsten Themen im
Präsidentschaftswahlkampf.
Bei einem Luftangriff der US-Streitkräfte sind am Samstag sechs
mit den Truppen verbündete sunnitische Kämpfer getötet
worden. Zwei weitere seien verletzt worden, teilte die Polizei mit. Die
Mitglieder des sogenannten Erweckungsrats wurden demnach an zwei
Kontrollstellen nördlich von Bagdad tödlich getroffen.
In Bakuba nördlich der Hauptstadt wurden drei Iraker getötet,
nachdem sie eine irakische Bürgerwehr angegriffen hatten,
berichtete die Nachrichtenagentur Aswat al-Irak. In Kirkuk im Norden
des Landes starb bei einem Bombenanschlag ein Zivilist.
boa (Quellen: rtr, dpa, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 23.03.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am neunhundertsiebenundneunzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Frankreich sagt 1000 weitere Soldaten für Afghanistan zu
So.23.03.08 - Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy will offenbar 1000 weitere
Soldaten für den Afghanistan-Einsatz der NATO bereitstellen. Unter
Berufung auf einen hochrangigen Vertreter des Verteidigungsministeriums
berichtet die britische "Times", Sarkozy werde dies bei einem
Staatsbesuch in London in der kommenden Woche Premierminister Gordon
Brown mitteilten. Eine öffentliche Ankündigung werde es
jedoch erst Anfang April beim NATO-Gipfel in Bukarest geben.
Die USA drängen ihre NATO-Verbündeten seit Monaten, sich mit
mehr Soldaten und Kriegsgerät am Afghanistan-Einsatz zu
beteiligen. Frankreich hatte bereits angedeutet, dass es zu einem
größeren Beitrag bereit sei. Derzeit sind 1600
französische Soldaten in Afghanistan stationiert.
Französische Diplomaten sagten dem Blatt, Sarkozy habe noch keine
endgültige Entscheidung getroffen und denke noch darüber
nach, ob die Soldaten im Osten oder im Süden Afghanistan zum
Einsatz kommen sollen.
Sarkozy wird am Mittwoch zu einem zweitägigen Staatsbesuch in
London erwartet. Am Mittwochabend ist er mit seiner Frau Carla Bruni
bei Königin Elizabeth II. zu Gast.
(Quelle: afp)
Deutsche Verteidigungs-Politiker machen Rückzug aus Afghanistan
zum Thema
So.23.03.08 - Kurz vor dem NATO-Gipfel in Bukarest haben Politiker der großen
Koalition erstmals den Fahrplan für einen schrittweisen
Rückzug aus Afghanistan zum Thema gemacht. Der SPD-
Verteidigungsexperte Rainer Arnold forderte in einem dpa-Gespräch,
dem Land mehr Eigenverantwortung zu übertragen und die
ISAF-Mission stufenweise zu reduzieren.
Verteidigungsstaatssekretär Christian Schmidt sagte der
Nachrichtenagentur dpa, in etwa fünf Jahren müsse der
Zeitplan für einen stufenweisen Rückzug aus Afghanistan
absehbar sein.
(Quelle: dpa)
Gouverneur in Nord-Afghanistan von den Taliban erstochen
So.23.03.08 - In Nord-Afghanistan ist Bezirks-Gouverneur nach offiziellen Angaben von
den radikal- islamischen Taliban getötet worden.
Ein Sprecher der Provinzregierung von Dschausdschan sagte am Samstag,
mit Karim Rokai sei der oberste Vertreter des Chanaka-Distrikt
erstochen worden. Nach den Tätern werde gefahndet. Im Norden des
Landes ist auch die Bundeswehr stationiert. Ein Sprecher des
Einsatzführungskommandos in Potsdam sagte, deutsche Soldaten seien
nicht involviert. Die schwersten Kämpfe gegen die Taliban finden
im Süden statt.
Im südlichen Distrikt Schadschoi lieferte sich die von US-Truppen
unterstützte afghanische Polizei am Samstag ein heftiges
Feuergefecht mit Taliban-Kämpfern. Dabei wurden drei Taliban
getötet und ein Extremist verletzt. Die radikalislamischen
Rebellen hatten in einem kleinen Dorf zuerst auf die
Sicherheitskräfte gefeuert und waren dann auf Motorrädern auf
einen nahegelegenen Hügel geflüchtet. Bei dem
40-minütigen Gefecht nahmen Polizei und Soldaten zudem drei
Kämpfer fest.
(Quelle: rtr)
Pakistan: Bhuttos Partei nominiert Gilani für Amt des
Ministerpräsidenten
So.23.03.08 - Die Pakistanische Volkspartei (PPP) der ermordeten
Oppositionsführerin Benazir Bhutto hat am Samstag den ehemaligen
Parlamentspräsidenten Yousaf Raza Gilani als Kandidaten für
das Amt des Regierungschefs nominiert. Da die PPP aus der
Parlamentswahl vom 18. Februar als Sieger hervorgegangen war,
dürfte seiner Wahl am Montag im Parlament nichts mehr im Weg
stehen. Am Dienstag soll Gilani von Präsident Pervez Musharraf
vereidigt werden.
Gilani war ein enger und langjähriger Mitarbeiter Bhuttos. Wegen
Vorwürfen des Machtmissbrauchs saß er jedoch während
deren zweiter Amtszeit als Ministerpräsidentin in 1990er Jahren
vier Jahre im Gefängnis, er wurde jedoch nie verurteilt und kam
schließlich wieder frei.
Die PPP wird in der neuen Regierung mit der Pakistanischen Muslimliga
(PML-N) des ehemaligen Ministerpräsidenten Nawaz Sharif
zusammenarbeiten. Der starke Mann im Hintergrund bliebt jedoch Asif Ali
Zardari, der Witwer Bhuttos, der die PPP offiziell gemeinsam mit seinem
19-jährigen Sohn führt. Zardari wurden Ambitionen auf das Amt
des Regierungschef nachgesagt, er hat jedoch keine Parlamentsmandat.
Nur Abgeordnete können das Amt des Regierungschefs ausüben.
Beobachter vermuteten, Zardari könnte schon im Sommer bei einer
Nachwahl ein Parlamentsmandat erringen und dann Gilani nachfolgen.
Zardari war bereits Minister in der Regierung Bhuttos.
Die Nominierung Gilanis war eine herbe Niederlage für den
stellvertretenden Parteivorsitzenden und langjährigen
Bhutto-Vertrauten Makhdoom Amin Fahim, der bislang als Favorit für
das Amt galt.
Die Parteigänger Musharrafs erklärten unterdessen, dass sie
einen Gegenkandidaten ins Rennen schicken werden. «Wir werden uns
an dieser Wahl beteiligen», erklärte ein Sprecher von
Musharrafs Partei PML-Q am Samstag. Noch am Freitag hatte es
geheißen, aus gutem Willen gegenüber der Opposition werde
man keinen eigenen Bewerber nominieren. Der neue Bewerber sollte am
(morgigen) Sonntag vorgestellt werden. Eine Kandidatur ist wegen der
klaren Mehrheitsverhältnisse jedoch weitgehend symbolisch.
(Quelle: ap)
Oppositionskandidat nach Präsidentenwahl in Taiwan klar vorn -
Richtungsentscheid über zukünftiges Verhältnis zu China
So.23.03.08 - Bei der Präsidentenwahl in Taiwan zeichnet sich ein Sieg des
Oppositionskandidaten Ma Ying Jeou ab. Ma habe einen uneinholbaren
Vorsprung vor seinem Konkurrenten Frank Hsieh, berichtete der
Fernsehsender CTI. Auf ihn entfielen demnach 6,5 Millionen Stimmen, das
sind mehr als die Hälfte der für die Umfrage des Senders
ausgezählten Voten. Die Präsidentenwahl auf der Insel galt
zugleich als Richtungsentscheidung über das künftige
Verhältnis zu Peking.
Sowohl Ma von der Nationalen Volkspartei (Kuo-Min Tang) als auch Hsieh
von der Demokratischen Fortschrittspartei (DPP) wollen die Beziehungen
zu China entspannen. Während Ma einen Friedensvertrag mit Peking
und Verhandlungen über einen gemeinsamen Markt anstrebt, tritt
Hsieh für eine zurückhaltendere Annäherung ein. Beide
Kandidaten befürworten eine Abkehr von der strikten
Abgrenzungspolitik des DPP-Politikers Chen Shui Bian, der seit 2000
regierte und eine förmliche Unabhängigkeitserklärung
angestrebt hat.
In den Umfragen hatte Ma lange Zeit in Führung gelegen. In den
letzten Tagen des Wahlkampfs stellte sich Hsieh auf die Seite der
Protestbewegung in Tibet und konnte damit seinen Abstand in den Umfragen
deutlich verringern.
Hsieh gab seine Stimme in einer Grundschule in der südlichen
Hafenstadt Kaohsiung ab. Danach sagte er vor Journalisten, er habe ein
gutes Gefühl. Vor allem aber hoffe er auf einen friedlichen Verlauf
der Wahl. Nach den beiden letzten Präsidentschaftswahlen kam es
2000 und 2004 zu gewaltsamen Straßenprotesten von Anhängern
der Kuo-Min Tang.
Ma wählte in Taipeh und bekräftigte, er wolle die
Wirtschaftsbeziehungen zu China stärken. Gleichzeitig werde er aber
auch Taiwans Interessen schützen. Im Wahlkampf versicherte Ma, er
strebe zwar einen Friedensschluss mit China und eine Entmilitarisierung
der Straße von Taiwan an, über eine Wiedervereinigung werde
jedoch während seiner Amtszeit nicht diskutiert.
Nach einem regen Auftakt an einem warmen und sonnigen Tag wurde in
Taipeh eine Wahlbeteiligung von mehr als 75 Prozent erwartet. Die
Bürger stimmten außerdem über zwei Referenden ab, in
denen die Regierung aufgefordert wurde, sich um die Aufnahme des Landes
in die Vereinten Nationen zu bemühen.
Taiwan ist seit 1949 faktisch von China unabhängig, Peking
betrachtet die Insel aber weiterhin als Teil seines Territoriums und hat
für den Fall einer endgültigen Abtrennung wiederholt mit
einem militärischen Eingreifen gedroht.
(Quelle: ap)
China kündigt entschiedenes Vorgehen gegen Tibet-Proteste an
So.23.03.08 - China hat die rücksichtslose Niederschlagung der Protestbewegung
in Tibet angekündigt. Ungeachtet internationaler Aufrufe zu einem
Dialog mit dem Dalai Lama rief die staatliche "Volkszeitung" zur
Vernichtung der "Dalai-Clique" auf. "China muss die Verschwörung
der Sabotage entschlossen niederschlagen und die 'Tibeter
Unabhängigkeitskräfte' zerschmettern", verlangte das Blatt in
einem Kommentar. Nach amtlichen chinesischen Angaben wurden bei den
gewaltsamen Protesten in der tibetischen Hauptstadt Lhasa 19 Menschen
getötet.
"1,3 Milliarden Chinesen einschließlich der Tibeter würden
keinem Menschen und keiner Macht erlauben, die Stabilität der
Region zu untergraben", schreibt die "Volkszeitung". Peking wirft dem
Dalai Lama, dem geistlichen Oberhaupt der Tibeter, die Anstiftung der
gewaltsamen Proteste in Lhasa und in anderen chinesischen Regionen mit
tibetschstämmiger Bevölkerung vor. Der tibetische Führer
im Exil versichert dagegen, er strebe nach Autonomie für sein Volk,
nicht nach Unabhängigkeit. Die Proteste in Lhasa hatten in der
vergangenen Woche zum Jahrestag eines Aufstands gegen die Chinesen 1959
begonnen, an dessen Ende der Dalai Lama aus seiner Heimat flüchten
musste.
Bei den 19 Toten in Lhasa handele es sich um "18 unschuldige Zivilisten
und einen Polizisten", meldete die amtliche chinesische
Nachrichtenagentur Xinhua. Sie berief sich auf Angaben des von Peking
kontrollierten Regionalparlaments in Lhasa. Außerdem seien 241
Polizisten verletzt worden, davon 23 schwer, meldete Xinhua. Bei den
Zivilisten habe es 382 Verletzte gegeben, davon 58 Schwerverletzte.
Zudem seien von den "Randalierern" mehrere Schulen, Krankenhäuser
und Wohnhäuser in Brand gesetzt worden.
Bisher hatte die chinesische Führung die Zahl der Todesopfer stets
mit 13 angegeben. Die tibetische Exilregierung spricht dagegen von etwa
hundert Todesopfern in der gesamten Himalaya-Region, die unter
chinesischer Herrschaft steht.
(Quelle: afp)
Europaparlamentspräsident droht China mit Olympia-Boykott
So.23.03.08 - Angesichts der Unruhen in Tibet hat der Präsident des
Europäischen Parlaments, Hans-Gert Pöttering, mit einem
Boykott der Olympischen Spiele in China gedroht. "Peking muss sich
entscheiden. Es sollte unverzüglich mit dem Dalai Lama verhandeln.
Bleiben Signale der Verständigung aus, halte ich
Boykottmaßnahmen für gerechtfertigt", sagte Pöttering
der "Bild am Sonntag". Der CDU-Politiker sagte weiter: "Wir wollen
erfolgreiche Spiele - aber nicht zum Preis des kulturellen
Völkermords an den Tibetern, von dem der Dalai Lama spricht."
Am Mittwoch werde das Europäische Parlament über die Lage in
Tibet beraten, kündigte Pöttering an. Er forderte die
EU-Länder auf, "bei der Verteidigung der Menschenrechte in Tibet
mit einer Stimme zu sprechen". Der Präsident stellte auch die
Entwicklungszusammenarbeit mit Peking in Frage. China sei für
Europa ein wichtiger Partner, zum Beispiel beim Klimaschutz, Dialog und
Zusammenarbeit seien im gegenseitigen Interesse. "Aber das tibetische
Volk darf dafür nicht geopfert werden. Wir würden unsere
Selbstachtung verlieren."
(Quelle: afp)
US-Präsidentschaftsbewerber Obamas Rede über
Rassenproblematik ist Superhit auf YouTube
So.23.03.08 - Eine Rede des demokratischen Präsidentschaftsbewerbers Barack
Obama über die Rassenproblematik in den USA ist zu einem Renner auf
der Video-Website YouTube geworden. Der Video-Clip mit Obamas
aufwühlender Rede vom Dienstag wurde bis Freitagnachmittag fast 2,5
Millionen Mal angesehen. Dabei wird vor allem die vollständige
Version, die mit mehr als 37,5 Minuten für
Internetverhältnisse äußerst lang ist, von den
Internetsurfern angesehen. "Bei dieser Rede traten mir die Tränen
in die Augen", schrieb ein Teilnehmer einer Online-Diskussion.
In seiner Rede hatte der Präsidentschaftsbewerber seine Kindheit
beschrieben - er hat eine weiße Mutter und einen schwarzen Vater.
Er sprach darin offen über die Spannungen zwischen Schwarz und
Weiß in der US-Gesellschaft, ein Thema, das von den meisten
Politikern gemieden wird. Der Anstoß zu der Rede war eine heftige
Kontroverse über hasserfüllte Reden von Obamas Pastor Jeremiah
Wright, von dem der schwarze Kandidat sich distanzierte. Wright hatte
die US-Gesellschaft als zutiefst rassistisch und ungerecht
gegeißelt.
Obamas Rede "wird von manchen in einem großen historischen
Kontext gesehen. Einige Experten loben sie für ihre
rekordverdächtige Ehrlichkeit", schreibt Molly McCall von der
Website "Yahoo Buzz". Es könne zwar nicht mit Sicherheit ein
Zusammenhang festgestellt werden, doch die Internetsuchen nach den
historischen Reden des Bürgerrechtlers Martin Luther King
hätten nach Obamas Rede ebenfalls zugenommen, schrieb McCall.
(Quelle: afp)
Obamas Rede:: "A More Perfect Union" bei YouTube unter:
http://www.youtube.com/watch?v=pWe7wTVbLUU
Atomkraft-Kooperation von Briten und Franzosen
So.23.03.08 - Großbritannien und Frankreich wollen einem Zeitungsbericht
zufolge zusammen eine neue Generation von Atomkraftwerken bauen.
Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy will die Kooperation bei
einem Treffen mit dem britischen Premierminister Gordon Brown am
Donnerstag in London verkünden.
Das berichtete die Zeitung «The Guardian» am Samstag. Dabei
wollten die beiden Länder unter anderem enger bei der Entwicklung
neuer Atomtechnik zusammenarbeiten, um den Klimaschutz voranzubringen.
In den kommenden 15 Jahren sollten die gemeinsam entwickelten
Kernkraftwerke weltweit exportiert werden.
Großbritannien hoffe auf die französische Erfahrung auf dem
Gebiet, so die Zeitung. Frankreich erzeugt den Angaben zufolge fast 80
Prozent seines Stroms aus Atomkraft, Großbritannien 20 Prozent.
(Quelle: dpa)
Zahlreiche Festnahmen beim Neujahrsfest Newroz in der Türkei
So.23.03.08 - Bei den Feiern zum kurdischen Neujahrsfest Newroz sind in der
Türkei dutzende Menschen verletzt und festgenommen worden. Die
Feierlichkeiten, die am Freitag vor allem im Südosten des Landes
begonnen hatten, verliefen zunächst überwiegend friedlich. Am
Samstag gingen jedoch erneut Demonstranten auf die Straßen und
forderten die Freilassung des Führers der verbotenen
Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), Abdullah Öcalan.
In der östlichen Stadt Van versuchte die Polizei mit
Tränengas eine Ansammlung von rund 1500 Demonstranten
auseinanderzutreiben. Diese hatten Barrikaden gebaut und Fenster von
Geschäften zerstört. Einige von ihnen griffen die Polizei mit
Steinen an. Der türkische Fernsehsender NTV zeigte Polizisten, die
Demonstranten mit Schlagstöcken schlugen. Nach Angaben der
Nachrichtenagentur Anadolu wurden 60 Menschen verletzt und zahlreiche
Demonstranten festgenommen. Auch in Hakkari an der Grenze zum Irak kam
es zu ähnlichen Protesten.
Das Newroz-Fest ist in den vergangenen Jahren zu einer Plattform
für die kurdische Minderheit in der Türkei geworden, um
größere Freiheiten und Rechte einzufordern oder
Solidarität mit der PKK zu bekunden, die von den USA und der EU
als Terrorgruppe eingestuft wird. Die Türkei hatte Ende Februar
eine achttägige Bodenoffensive gegen kurdische Rebellen im
Nordirak geführt. Dabei wurden nach Angaben des türkischen
Generalstabs mehr als 240 PKK-Kämpfer und 27 türkische
Soldaten getötet.
(Quelle: afp)
Rumänien: Deutschen Anti-Nato-Demonstranten Einreise verweigert
So.23.03.08 - Rumänien hat sechs Deutschen die Einreise verweigert, die
möglicherweise gewalttätige Proteste zum Bukarester
Nato-Gipfel im April geplant haben.
Die Männer im Alter zwischen 21 und 35 Jahren stünden im
Verdacht, zu einer anarchistischen Gruppe zu gehören, teilten
Polizei und Geheimdienst am Freitag mit. Sie hätten am Donnerstag
versucht, mit zwei Fahrzeugen über Bulgarien nach Rumänien
einzureisen. Bei einer Routine-Durchsuchung seien bei ihnen CDs,
Magazine, Flugblätter, Broschüren und Anstecker mit Nato- und
Globalisierungsfeindlichen Parolen gefunden worden. Diese Dinge
hätten während des Gipfels zur Organisation von möglichen
gewalttätigen Protesten genutzt werden können, hieß es.
Den Männern sei die Einreise verweigert worden und sie seien nach
Bulgarien zurückgekehrt.
(Quelle: rtr)
Belgien: 150 Festnahmen bei Demonstration an NATO-Hauptquartier
So.23.03.08 - Bei einer Demonstration von Kriegsgegnern am NATO-Hauptquartier in
Brüssel hat die Polizei am Samstag rund 150 Menschen festgenommen.
Die Aktivisten hatten versucht, auf das NATO-Gelände vorzudringen.
Rund 500 Menschen beteiligten sich den Organisatoren zufolge an dem
Protest. Mit der Aktion habe man darauf hinweisen wollen, dass die NATO
der Welt nicht mehr Frieden brächte.
«NATO ... bedeutet, dass man in Kriege wie im Irak oder in
Afghanistan verwickelt wird», sagte Hans Lammerant von der
belgischen Gruppe Forum voor Vredesactie. «Das ist die NATO von
heute, und wir wollen zeigen, dass wir das nicht wollen.»
Die Polizei hatte das Gelände des Verteidigungsbündnisses
weiträumig abgesperrt. Die Demonstranten benutzten zum Teil kleine
Matratzen, um beim Erklettern des Zauns den Stacheldraht abzudecken.
Einigen gelang es, auf das Gelände des
Verteidigungsbündnisses vorzudringen, die meisten wurden aber
vorher festgenommen oder von Wasserwerfern abgedrängt. Die Polizei
wollte die Demonstranten am Abend wieder freilassen.
(Quelle: ap)
Dänemark: Mehr als 2.000 Menschen demonstrieren gegen
islamfeindlichen Film
So.23.03.08 - Mehr als 2.000 Menschen haben am Samstag im Stadtzentrum von Amsterdam
gegen die Veröffentlichung eines islamfeindlichen Films des
Abgeordneten Geert Wilders demonstriert. Auf Transparenten und in
Redebeiträgen warnten sie vor Diskriminierung und Rassismus in den
Niederlanden. Wilders, der einer Anti-Einwanderungsgruppe im Parlament
vorsteht, will am 31. März einen Film vorstellen, der den Koran
als «faschistisches Buch» entlarven will.
Die Polizei sprach von 2.000 bis 3.000 Teilnehmern bei der
Veranstaltung unter dem Motto «Die Niederlande zeigen ihre
Farben». Zur Enttäuschung mancher Teilnehmer waren jedoch
keine landesweit bedeutenden Politiker zu der Demonstration gekommen.
«Die Regierung könnte wirklich etwas tun. Es liegt im
Interesse des Landes - stoppt ihn, stoppt ihn», sagte Hassan
Iaeti in Bezug auf Wilders. Ein anderer Demonstrant trug ein Schild mit
der Aufschrift «Schluss mit der rechtspopulistischen
Hexenjagd».
Wilders sorgt mit dem von ihm angekündigten Film seit Monaten
für Aufregung in den Niederlanden. Der genaue Inhalt des
15-Minüters ist jedoch bislang nicht bekannt. Er wird ihn im
Internet veröffentlichen, alle Fernsehsender hatten abgelehnt.
Wegen seiner häufigen provozierenden und diffamierenden
Äußerungen zum Islam werden heftige Reaktionen aus
islamischen Ländern befürchtet, ähnlich wie bei der
Veröffentlichung der umstrittenen Mohammed-Karikaturen in
Dänemark.
Muslimische Organisationen haben bereits eine Diskriminierungsklage
eingereicht. Der Fall soll am 28. März verhandelt werden. Wilders
könnte dem jedoch zuvorkommen und den Film unbehelligt vor einer
Verhandlung veröffentlichen. Die Regierung von
Ministerpräsident Jan Peter Balkenende hatte dem Autoren
nahegelegt, auf die Veröffentlichung zu verzichten. Balkenende
betonte allerdings, er teile Wilders Ansichten nicht, diese seien aber
im Rahmen der Meinungsfreiheit zulässig.
Die Kontroverse erinnert die Niederlande an die Ermordung des
islamkritischen Filmemachers Theo van Gogh Ende 2004, nachdem dieser
den Film «Submission» veröffentlicht hatte.
(Quelle: ap)
Deutschland
Brandstiftung in islamischem Gebetsraum in Sittensen
So.23.03.08 - Vermutlich rechtsgerichtete Täter haben in der Nacht zum
Karsamstag mit Molotow-Cocktails versucht, den Gebetsraum der
Islamischen Gemeinschaft in Sittensen (Kreis Rotenburg/Wümme) in
Brand zu setzen. Der Brand beschädigte Mobiliar im Wert von
einigen Tausend Euro, verlöschte aber von allein, wie die Polizei
in Rotenburg mitteilte. An den Fensterscheiben wurden Zettel mit
rechtsgerichtetem Inhalt gefunden. Ermittlungen hätten inzwischen
zu einem 18-jährigen Tatverdächtigen aus Sittensen
geführt, hieß es.
Um 2.30 Uhr hatte ein Anwohner der Gebetsstätte der Islamischen
Gemeinschaft Sittensen, die in einem ehemaligen Lebensmittelmarkt
untergebracht ist, das Klirren einer Scheibe und eine weglaufende
Person bemerkt. Am Samstagmorgen stellte der 73-jährige
Eigentümer des Gebäudes fest, dass drei Fensterscheiben der
Gebetsstätte eingeschlagen waren. In einem Vorraum, der als
Aufenthaltsraum der Gebetsstätte diente, waren zwei Brandflecke
und die Reste von zwei zerbrochenen Glasflaschen zu erkennen. Der
Brandbeschleuniger hatte Teppich und Mobiliar beschädigt, das
Feuer war aber von allein verlöscht. Den Sachschaden schätzt
die Polizei auf insgesamt rund 10 000 Euro.
(Quelle: ddp)
Friedensbewegung - Tausende Teilnehmer bei Ostermärschen
So.23.03.08 - Tausende Menschen haben sich am Samstag in zahlreichen deutschen
Städten trotz nasskalten Wetters an den traditionellen
Ostermärschen gegen Krieg und Gewalt beteiligt.
«Es gibt Aktionen quer durch die Republik», sagte ein
Mitarbeiter der zentralen Ostermarsch-Informationsstelle in Frankfurt.
Überall melde sich die Friedensbewegung zu Wort. Trotz widriger
Wetterbedingungen kämen etwas mehr Menschen zu den Protestaktionen
als im vergangenen Jahr. «Es ist das Signal einer wirklichen
Anti-Kriegs-Bewegung», sagte Sprecher der Infostelle und
hessische Linken-Abgeordnete Willi van Ooyen. Die Proteste sollen bis
Ostermontag fortgesetzt werden.
Im Südwesten protestierten mehr als 1000 Menschen in Stuttgart,
Mannheim und Ellwangen vor allem gegen die Auslandseinsätze der
Bundeswehr. «Der Irak-Krieg hat die Welt verändert.
Rüstung tötet nicht nur im Krieg sondern auch im
Frieden», sagte die baden- württembergische ver.di-Chefin
Leni Breymaier. Elisabeth Hartnagel, Schwester der von den Nazis
ermordeten Widerstandskämpfer Sophie und Hans Scholl, sagte, die
Rüstungsausgaben der NATO-Staaten in nur einer Woche würden
ausreichen, um alle Menschen weltweit ein ganzes Jahr lang satt zu
machen.
Aktionen gab es auch in Hannover, Wiesbaden, München, Augsburg und
Erlangen. «Schluss mit den Auslandeinsätzen der
Bundeswehr», verlangten Ostermarschierer in München auf
ihren Transparenten. Dort hatten sich rund 1500 Menschen versammelt. In
Augsburg demonstrierten rund 120 Menschen auch gegen das gewaltsame
Vorgehen Chinas in Tibet. In Wiesbaden beteiligten sich etwa 200
Menschen an einer Kundgebung und Demonstration. In Leipzig wurden 300
Teilnehmer zu einem Ostermarsch unter dem Motto «Leipzig gegen
Krieg, Militarisierung und Faschismus» erwartet. In
Nordrhein-Westfalen waren zu Auftakt der Ostermärsche ebenfalls
mehrere hundert Teilnehmer unterwegs.
Auch in Belgien gab es Proteste. Die belgische Polizei hat am Samstag
fast 500 Demonstranten am NATO-Hauptquartier in Brüssel
vorübergehend festgenommen. Friedensaktivisten aus 17 Ländern
hatten versucht, auf das NATO-Gelände vorzudringen. Eine belgische
Friedensinitiative hatte zu der Aktion aufgerufen, um eine Debatte
über die Rolle des Militärbündnisses in der Welt
anzustoßen. Organisatoren und Polizei sprachen von rund 1000
Teilnehmern, von denen etwa die Hälfte festgenommen wurde. Die
Polizei hatte rund um das Brüsseler NATO-Gelände seit
Samstagmorgen massiv Posten bezogen. Sie beobachtete die Lage aus einem
Hubschrauber und setzte einen Wasserwerfer gegen die Demonstranten ein.
Die Friedensaktivisten hatten sich mit Teppichen ausgerüstet, um
unverletzt den Stacheldraht zu überwinden. Ihre Aktion stand unter
dem Motto «NATO game over» (NATO Spiel beendet). Die
Festgenommenen wurden nach der Feststellung ihrer Personalien weitab
von der NATO wieder freigelassen.
Die Ostermärsche stehen in diesem Jahr im Zeichen des fünften
Jahrestages des Irak-Krieges. Zudem wird das Engagement der Bundeswehr
in Afghanistan kritisiert. Der frühere UN- Sonderbeauftragte
für Afghanistan, Tom Koenigs, verteidigte den Einsatz der
Bundeswehr in Afghanistan. «Wenn wir jetzt dort weggehen, liefern
wir das Land einem weiteren Krieg mit Massakern aus», sagte
Koenigs dem Sender hr-iNFO. Der Schutz der Menschenrechte sei eine
moralische Verpflichtung. «Dieses Konzept sollten auch die
Friedensdemonstranten diskutieren», sagte der
Grünen-Politiker.
(Quelle: dpa)
Andreas Buro: 'Die Friedensbewegung ist eine Wellenbewegung'
Andreas Buro hat die Friedensbewegung von Anfang an entscheidend
mitgeprägt. Der einstige Professor für Politikwissenschaft an
der Universität Frankfurt gehörte zu den Begründern der
Ostermarschkampagne der 60er Jahre und war viele Jahre Sprecher des
Komitees für Grundrechte und Demokratie. Heute sieht er eine
wichtige Aufgabe der Bewegung darin, aufzuzeigen, dass es Alternativen
zur militärischen Lösung von Konflikten gibt. Im Gespräch
mit der Nachrichtenagentur AP warnt Buro aber auch vor Illusionen.
Nachfolgend das Interview im Wortlaut.
AP: Die Friedensbewegung konnte Anfang der 80er Jahre mehr Menschen auf
die Straße bringen als alle anderen Organisationen. Die Welt hat
sich seitdem verändert, aber sie ist nicht sicherer geworden. Sind
Sie enttäuscht?
Buro: Ich bin nicht enttäuscht, weil ich weiß, dass soziale
Bewegungen Konjunkturen haben je nach der Motivationssituation der
Menschen und der Probleme, die auf sie zukommen. Die Friedensbewegung
ist eine Wellenbewegung. In den Tälern der Wellen arbeiten die
kleinen Gruppen, die Leute, die dauerhaft motiviert sind. Während
es dann wieder Konjunkturen gibt wie zu Beginn der achtziger Jahre, als
die Bedrohungsgefahr durch die Stationierung der Mittelstreckenraketen
so offensichtlich war, dass die Menschen zusammenkamen, um das
abzuwehren, was ganz Europa hätte vernichten können.
AP: Der Fall der Mauer, das Ende des Kalten Krieges ließen
große Hoffnung auf eine friedliche Welt aufkommen, doch bald war
von dieser Aufbruchsstimmung nichts mehr zu spüren.
Buro: Diese Situation war eine ganz besondere, weil sie geeignet war,
Illusionen herzustellen. Auf einmal kam sogar das Wort auf vom Ende der
Geschichte und vom ewigen Frieden. Ich erinnere mich, wie wütend
die Menschen waren, wenn ich ihnen diese Illusion zerstört habe,
indem ich auf die Kernelemente und die Kontinuitäten der
Weltpolitik hingewiesen habe. Ich bin als Professor für
internationale Politik mit solchen Kontinuitäten befasst.
Dass diese Hoffnung zusammenbrechen musste, war völlig klar, und
es ist ja dann auch innerhalb von zwei Jahren zusammengebrochen mit den
Balkankriegen, mit dem Folgekrieg im Irak. Dass dies ein Schock für
die Menschen war und ernüchternd, liegt auf der Hand.
AP: Haben Sie mehr Zuspruch für die Friedensbewegung aus
Ostdeutschlands erwartet?
Buro: Gerade hier im östlichen Bereich, wo soziale Sicherheit -
nicht sozialer Wohlstand - relativ groß war, sind die Menschen in
eine Situation der sozialen Unsicherheit geworfen worden. Ihre
ökonomischen Potenziale sind zum großen Teil zerstört
worden durch die Konkurrenz. Die Förderung war groß, aber
nicht angemessen strukturiert.
Wenn wir davon ausgehen, dass soziale Bewegungen von der Motivation der
einzelnen Menschen ausgehen, ist es ganz selbstverständlich, dass
zunächst die Orientierung des einzelnen Menschen auf die Sicherung
seiner persönlichen Existenz gerichtet war. Warum soll ich mich
für einen Frieden in Afghanistan interessieren, wenn ich hier von
Arbeitslosigkeit und sozialem Abstieg bedroht bin?
AP: Braucht man also selbst erst einmal ein sicheres Fundament, um sich
für andere einsetzen zu können?
Buro: Wenn jemand sicherer ist, kann er sich für Dinge
interessieren, die außerhalb seines persönlichen Bereiches
bestehen. Friedensbewegung und zum großen Teil auch die anderen
sozialen Bewegungen gingen nicht von den Arbeitslosen aus, sondern in
hohem Maße vom Mittelstand, der halbwegs abgesichert leben kann,
aber sich doch so viel Freiheit schaffen kann, dass er über seine
persönlichen Probleme hinweg die Grundkonstellationen der
Weltentwicklung mit betrachten kann.
AP: Welche Rolle spielten die 68er in der Friedensbewegung?
Buro: 68 hatte wenig mit Pazifismus, wenig mit Gewaltfreiheit zu tun.
Dies war die Revolte einer Generation, die sich empörte. Das
zentrale Element war, dass diese Generation in den USA ein ideales Bild
von Demokratie und Menschenrechten sah. Der Vietnamkrieg aber zeigte,
dass dies eine Fassade war und dahinter eine hässliche Fratze von
Gewalt und Brutalität und Durchsetzung von Interessenpolitik stand,
die alle Ideale zerstörte.
Dazu kam die Auseinandersetzung mit der älteren Generation, die
nicht bereit war, produktiv die Erlebnisse des Krieges, zu bearbeiten,
sondern vieles verdrängte. Die 68er haben viel verändert, aber
das kann nicht identifiziert werden mit der Friedensbewegung im engeren
Sinne, nicht mit Gewaltfreiheit, wobei ich gerne sagen will, dass ein
Großteil der Anführer der Studentenbewegung vorher in der
Ostermarschbewegung, in der Kampagne für Demokratie waren.
AP: Worin sehen Sie heute und in der Zukunft die Aufgaben der
Friedensbewegung?
Buro: Eine wichtige Aufgabe besteht darin, aufzuzeigen, dass es
Alternativen der Konfliktbearbeitung gibt. Es wird ja der
Öffentlichkeit immer die Situation als alternativlos dargestellt,
so als könne man nur militärisch agieren, sei es in
Palästina, Israel, der Türkei, in Afghanistan, im Irak. Die
Aufgabe der sozialen Bewegungen sehe ich darin, Gegenpole zu schaffen,
Lösungsmöglichkeiten aufzuzeigen und strategisch zu denken.
Wir können Kooperationspartner sein, aber nie ein politisches
Bündnis mit einer Partei eingehen.
Quelle: ap, 22.03.2008
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Wirtschaftsweiser Bofinger sieht schlimmste Finanzkrise seit Zweitem
Weltkrieg - Kritik an Banken - Sorgen um Ersparnisse unbegründet -
Grüne rufen nach Staat
So.23.03.08 - Das internationale Finanzsystem befindet sich nach Ansicht des
Wirtschaftsweisen Peter Bofinger in der schlimmsten Krise seit dem
Zweiten Weltkrieg. Der Experte sieht nach eigenen Worten auch
«klare Abwärtsrisiken» für die deutsche Konjunktur
und forderte Reformen bei der Kreditvergabe. Die Grünen sprachen
sich angesichts der Krise für mehr staatliche Eingriffe aus.
Bofinger schrieb in einem Beitrag für die «Bild am
Sonntag»: «Das internationale Finanzsystem befindet sich in
der schlimmsten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg.» Nach seiner
Einschätzung müssen Kredite wieder stärker über
traditionelle Banken laufen und nicht über Zwischenhändler.
Der Staat müsse dafür sorgen, dass sich alle Beteiligten an
die Regeln hielten. «Nur so werden die Finanzmärkte wieder
sicherer.»
Der «Passauer Neuen Presse» sagte das Mitglied im
Sachverständigenrat, die Bundesregierung dürfe nicht einfach
über die Risiken der Krise hinweggehen. Allerdings unterscheide
sich die Lage in der Bundesrepublik grundlegend von der in den USA:
«Der Aufschwung in Deutschland ist kein Aufschwung auf Pump
gewesen. Wo es keine Kreditblase gibt, kann auch keine platzen.»
Zugleich zeigte sich Bofinger verwundert über den Ruf von Banken
nach mehr Staat. «Gerade sie haben in den letzten Jahren alles
getan, um staatliche Regeln zu umgehen. Die Devise lautete: Es
müssen 25 Prozent Rendite her», schrieb er in der
«BamS». Für sichere Anlagen gebe es aber nur 4 Prozent
Zinsen. Deswegen sei man hohe Risiken eingegangen und habe
fragwürdige Geschäftsmodelle gewählt. «Wer auf der
Landstraße eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 100 km/h erzielen
will, muss schneller fahren als erlaubt und Überholverbote
ignorieren. Das geht eine Zeit lang gut, aber früher oder
später kommt der Crash.»
Angst um Ersparnisse seien aber unbegründet, schrieb Bofinger.
«Die kranken Banken werden rund um die Uhr von den staatlichen
Notenbanken betreut, ähnlich wie die Patienten auf der
Intensivstation. Die Eingriffe erfolgen so professionell, dass
Groß- und Kleinanleger keine Angst um ihre Ersparnisse haben
müssen.» In den schlimmsten Fällen wie bei der
Mittelstandsbank IKB helfe der Staat zusätzlich mit Steuergeldern
aus.
Die Grünen forderten den Staat zum Eingreifen auf. Er müsse
klare Regeln für die Finanzmärkte setzen und so für
Transparenz und wirksame Kontrolle sorgen, sagte der Vorsitzende der
Grünen-Bundestagsfraktion, Fritz Kuhn, der «Neuen
Osnabrücker Zeitung». Mit dem systematischen Verstecken von
Risiken, zum Beispiel in Zweckgesellschaften, müsse Schluss sein.
Die «neoliberale Deregulierungsorgie» führe ins Chaos,
sagte Kuhn. Er forderte außerdem, den Landesbanken klare Aufgaben
im Sinne ihres öffentlich-rechtlichen Auftrages zu geben.
(Quelle: ap)
Anleger machen Rohstoffe zu Geld - Preise brechen ein
So.23.03.08 - Vor dem Osterwochenende sind Rohstoff-Anleger auf Nummer sicher
gegangen und haben nach den Kursgewinnen der vergangenen Wochen Kasse
gemacht.
Die Preise für Gold, Öl und Industriemetalle brachen am
Donnerstag um bis zu sechs Prozent ein. Der Goldpreis verlor zeitweilig
vier auf 904 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) und notierte am Nachmittag
mit 920,30 Dollar noch 2,5 Prozent niedriger als am Vorabend. Das Fass
(159 Liter) US-Leichtöl der Sorte WTI verbilligte sich um bis zu
vier Prozent auf 98,65 Dollar. Noch zum Wochenanfang waren Rekordpreise
von 1030,80 Dollar für Gold und 111 Dollar für Öl erzielt
worden.
"Ich wäre nicht überrascht, wenn einige Anleger Kasse machen,
um Forderungen zu bedienen", sagte Ian Morley, Fondsmanager bei Dawnay
Day Brokers in London. Einige Investoren haben im Aktien- und
Rentenmarkt hohe Verluste erlitten. Vor den Feiertagen in Europa und den
USA und angesichts des "Hexensabbats" an den meisten großen
Terminbörsen sei somit der Bedarf an Liquidität hoch,
hieß es. Am Donnerstag waren wie in jedem Quartal Index- und
Aktienoptionen sowie Terminkontrakte auf Indizes oder Aktien fällig.
Auch die Basismetalle verloren kräftig. Der Preis für eine
Tonne Kupfer fiel um rund vier Prozent, für Zink um über sechs
Prozent und für Blei um gut sechs Prozent. Der
Reuters-Rohstoffindex startete ebenfalls schwächer und fiel um 2,6
Prozent auf 378,37 Punkte.
Ein weiterer Auslöser des Ausverkaufs bei den Rohstoffen war
offenbar die Zinssenkung der US-Notenbank Fed. Die Notenbanker hatten
die Zinsen - für viele überraschend - um 75 Basispunkte statt
um erwartete 100 Basispunkte gesenkt. Dies löste auch eine Erholung
des Dollar zum Euro aus, so dass die Gemeinschaftswährung um zwei
Cent unter 1,55 Dollar rutschte.
Mit ihrer Maßnahme hofft die Fed eine Rezession in den USA zu
verhindern und die Auswirkungen der Krise an den Kreditmärkten zu
lindern. Dennoch rechnen viele Anleger inzwischen in den USA mit einer
deutlichen Abschwächung der Konjunktur. Dies habe Zweifel an der
Nachhaltigkeit der Preisentwicklung vor allem beim Öl
ausgelöst, sagten Analysten.
In den USA - dem größten Ölverbraucher - sind die
Vorräte zudem auf einem sehr hohen Niveau. "Wir glauben, dass die
Kombination von niedrigem Wirtschaftswachstum in den USA und einer vom
hohen Ölpreis getriebenen Inflation auf die Nachfrage im ersten
Halbjahr den größten Einfluss haben wird", erklärten die
Analysten von Goldman Sachs. Tatsächlich ging der Ölkonsum in
den USA in den vergangenen vier Wochen schon um 3,2 Prozent zurück.
(Quelle: rtr)
Bis zu 10.000 Stellen im Telekom-Netzbetrieb gefährdet
So.23.03.08 - Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi befürchtet einem
Zeitungsbericht zufolge den Verlust von bis zu 10.000
Arbeitsplätzen im Netzbetrieb der Deutschen Telekom in den
kommenden Jahren.
Da der Ausbau des Glasfasernetzes und die Zusammenführung
unterschiedlicher Sprach- und Datennetze mit Internet-Technik den
Betrieb vereinfache, könnte rund die Hälfte der Mitarbeiter
überflüssig werden, berichtete der Bonner "General-Anzeiger"
am Samstag unter Berufung auf Verdi-Vorstandsmitglied Lothar
Schröder.
Demnach rechnen Telekom-Manager wegen der technischen
Veränderungen im Jahr 2012 mit etwa 30 bis 50 Prozent weniger
Personal im Netzbetrieb, wo Verdi zufolge derzeit etwa 20.000
Mitarbeiter beschäftigt seien. Ein Sprecher der Telekom habe sich
zu den von der Gewerkschaft genannten Zahlen nicht äußern
wollen. Zum künftigen Personalbedarf könnten noch keine
konkreten Aussagen getroffen werden.
Erst am Mittwoch hatte T-Systems-Chef Reinhard Clemens auf einem
Investorentag einen weiteren Stellenabbau in der
Telekom-Geschäftskundensparte angekündigt. Bis 2010 sollen
jährlich 3000 bis 4000 Arbeitsplätze wegfallen.
(Quelle: rtr)
Boomende Stahlverarbeiter schafften 23.000 neue Stellen
So.23.03.08 - Die boomenden Stahl- und Metallverarbeitungsunternehmen haben im
vergangenen Jahr 23.000 Arbeitsplätze in Deutschland geschaffen.
Unter Berufung auf den Wirtschaftsverband Stahl- und Metallverarbeitung
berichtete die Zeitung "Die Welt" (Samstagausgabe) weiter, 2007 seien in
gut 4600 Unternehmen 440.000 Menschen beschäftigt gewesen, sechs
Prozent mehr als im Vorjahr. Verbands-Hauptgeschäftsführer
Andreas Möhlenkamp sagte, 2008 sei eine Steigerung um zwei Prozent
möglich, wenn sich die politischen Rahmenbedingungen nicht
verschlechterten.
Der Umsatz der Branche, die an fast alle Bereiche der deutschen
Industrie zuliefert, stieg dem Bericht zufolge gegenüber 2006 um 13
Prozent auf 81,5 Milliarden Euro. Mit 19,5 Millionen Tonnen Stahl und
Metall hätten die Unternehmen rund 40 Prozent des
Gesamtausstoßes der deutschen Stahlwerke verarbeitet.
(Quelle: rtr)
Tausende Jobs in deutscher Autoindustrie in Gefahr
So.23.03.08 - In der deutschen Autoindustrie droht einer Studie zufolge in den
kommenden fünf Jahren der Verlust von bis zu 20.000
Arbeitsplätzen. «Im Produktionsbereich werden bei den
Autobauern nach unserer Einschätzung bis 2013 zwischen 15.000 und
20.000 Arbeitsplätze entfallen.»
Das schreibt der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer in einer
Studie, die der «Welt am Sonntag» vorliegt. Das Wachstum
der deutschen Autobauer gehe nach 2009 an Deutschland vorbei. Die
Kapazitäten im Inland müssten um 370.000 Autos abgebaut
werden - das entspreche einer Autofabrik.
Dudenhöffer begründete seine Prognose damit, dass
künftig ein größerer Teil der Autos als bisher lokal in
den Märkten Russland und USA gebaut werde. Derzeit wird die
Nachfrage in Russland und den USA zumeist durch Exporte aus Europa
abgedeckt. Angesichts des schwachen Dollar und der hohen
Einfuhrzölle in Russland belastet dies die Gewinnspanne der
Hersteller erheblich.
«Der Dollarkurs beschleunigt daher den Kapazitätsaufbau in
den USA», sagt Dudenhöffer. Derzeit verkauften deutsche
Hersteller in den USA im Jahr 903 000 Autos, produzierten dort aber nur
670.000 Stück. Bis 2013 werde dieser Netto-Export-Effekt von heute
233.000 Fahrzeugen auf 100.000 sinken, erwartet Dudenhöffer.
(Quelle: dpa)
Deutsche Bahn steigert Umsatz und Gewinn
So.23.03.08 - Die Deutsche Bahn hat laut der «Süddeutschen Zeitung»
im vergangenen Jahr Umsatz und Gewinn leicht gesteigert. Der
Konzernumsatz stieg demnach um 4 Prozent auf 31 Milliarden Euro, der
Gewinn nach Steuern und Zinsen fiel mit 1,7 Milliarden Euro leicht
höher aus als im Vorjahr.
Die Schulden seien von fast 20 auf rund 18 Milliarden Euro reduziert
worden. Das sei dem Geschäftsbericht zu entnehmen, den
Vorstandschef Hartmut Mehdorn dem Aufsichtsrat für dessen
nächste Sitzung Ende März vorgelegt habe.
Nach einer schwierigen Phase in der ersten Hälfte des Jahrzehnts
seien alle Konzernsparten inzwischen profitabel, selbst das früher
defizitäre Schienennetz, heißt es in dem Bericht. Mehr als
400 Millionen Euro Betriebsergebnis seien dort, beim Regionalverkehr und
bei der Spedition Schenker verbucht. Das seien mittlerweile die drei
lukrativsten Unternehmensbereiche. Mit deutlichem Abstand folgten die
Güterzüge, die Stadtverkehre und die Fernzüge (ICE,
Intercity).
Der Streik der Lokführer im vergangenen Jahr und der lange Streit
mit deren Gewerkschaft GDL um einen neuen Tarifvertrag haben laut
«Süddeutscher Zeitung» aber Spuren hinterlassen. Beim
Güterverkehr seien Kunden verunsichert worden, der Fernverkehr habe
ebenfalls darunter gelitten. Am schlimmsten treffe es laut
Geschäftsbericht die Sparte Regionalverkehr.
Aus Aufsichtsratskreisen verlautet der Zeitung zufolge, dass Umsatz und
Gewinn des Verkehrskonzerns in den kommenden Jahren weiter steigen
sollten, allerdings nicht mehr so stark wie bisher. «Das Tempo
verringert sich.» Das gelte auch für die geplante
Privatisierung. Dieses Thema stehe zwar auf der Tagesordnung der
Aufsichtsratssitzung, erste Beschlüsse seien aber entgegen Mehdorns
ursprünglichen Plänen nicht mehr vorgesehen. Das gehe der
Bundesregierung zu schnell.
Die Bahn äußerte sich der Zeitung zufolge nicht zu den
Zahlen. Ein Konzernsprecher habe auf die Bilanz-Pressekonferenz Ende
März verwiesen.
(Quelle: dpa)
Neue Welle von Gaspreiserhöhungen im April und Mai
So.23.03.08 - Auf die deutschen Verbraucher kommt eine neue Welle von
Gaspreiserhöhungen zu. Mindestens 182 Gasversorger in Deutschland
heben ihre Preise im April und Mai um im Schnitt 6,7 Prozent an, wie
das Verbraucherportal Verivox für die «Frankfurter
Allgemeine Zeitung» errechnet hat.
Besonders hart trifft es demnach Haushalte in Sachsen: Die Stadtwerke
Reichenbach heben dem Bericht zufolge ihren günstigsten Tarif um
14,1 Prozent an. Für den Durchschnittshaushalt mit 20 000
Kilowattstunden Verbrauch steigt die Jahresrechnung um 186 Euro auf
rund 1500 Euro.
Wer sein Gas von der Freitaler Strom + Gas GmbH bezieht, muss nach
Verivox-Berechnungen von April an sogar fast 1630 Euro im Jahr zahlen.
Ähnlich teuer sind neben den Stadtwerken in Pasewalk und
Weißwasser nur noch die Stadtwerke Weißenbach in Bayern:
Wenn der Gaspreis zum 1. April wie angekündigt um 13 Prozent
steigt, berechnen die Stadtwerke ihren Haushaltskunden mehr als 1600
Euro im Jahr.
«Die Aufmerksamkeit der Verbraucher ist zunehmend gefordert, da
die große Preiswelle, über die alle Versorger informieren,
ausbleibt. So muss jeder Verbraucher selbst prüfen, wann und wie
sein lokaler Versorger die Preise erhöht», sagte Peter Reese
von Verivox der «FAZ». Für immer mehr Verbraucher gebe
es aber die Möglichkeit, den Gasversorger zu wechseln. «In
den Markt kommt Bewegung. Je mehr Kunden wechseln, desto mehr
günstigere Angebote wird es auch zukünftig geben.»
Der Grund für die neue Preiswelle ist auf dem Ölmarkt zu
finden. Der Ölpreis hat Mitte Oktober 2007 die 80-Dollar-Marke
überschritten und ist zeitweise sogar auf 110 Dollar je Barrel
(159 Liter) gestiegen. Der Gaspreis folgt mit etwa sechs Monaten
Verzögerung dem Ölpreis, was sich jetzt in steigenden Preisen
niederschlägt. Diese Koppelung mache das Gas unnötig teuer,
kritisiert Claudia Kemfert, Energieexpertin am Deutschen Institut
für Wirtschaftsforschung (DIW). «Die Konzerne kassieren
durch die Kopplung des Gas- an den Ölpreis, die nicht mehr
zeitgemäß ist, in ganz großem Stil ab.»
Gas müsste nach Kemferts Ansicht viel billiger sein: «Das
Angebot ist so groß, dass der Preis bei einem Handel an der
Börse 40 Prozent niedriger liegen könnte», sagte sie.
Da der Ölpreis um die 100- Dollar-Marke pendelt, ist im Sommer mit
weiteren Preiserhöhungen zu rechnen. Seit 2005 sind die Gaspreise
in Deutschland schon um knapp 40 Prozent gestiegen, was viele Haushalte
stark belastet und zu einer sozialpolitischen Diskussion um eine neue
«Energiearmut» geführt hat.
(Quelle: dpa)
Erzbischof Marx hält Löhne für zu niedrig
So.23.03.08 - Gerade in den unteren Einkommensschichten reichen die Löhne in
Deutschland nach Ansicht des Münchner Erzbischofs Reinhard Marx
häufig nicht zum Leben aus. «Die Löhne sind einfach zu
niedrig. Wer arbeitet, sollte mehr haben als ein Arbeitsloser»,
sagte Marx der «Bild am Sonntag» laut einer Vorabmitteilung.
Aus Gründen der Gerechtigkeit müsse da ein Abstand sein.
«Der Staat muss aber einem ALG-II-Empfänger auch so viel
geben, dass er seine Kinder anständig ernähren kann»,
wird er zitiert.
Die soziale Lage in Deutschland ist nach Marx' Einschätzung
angespannt: «Positiv ist, dass wir wieder mehr
sozialversicherungspflichtige Beschäftigte haben. Aber der
Aufschwung hat nicht nur tolle Arbeitsplätze gebracht.» In
der Mittelschicht sei die Angst abzusteigen größer geworden.
Die Kluft zwischen Arm und Reich wachse, sagte der neue Erzbischof von
München und Freising, der auch Vorsitzender der Kommission für
gesellschaftliche und soziale Fragen der Deutschen Bischofskonferenz
ist. «Wir haben Integrationsprobleme. Viele Jugendliche ohne
Ausbildung geraten fast automatisch in prekäre Lebenslagen.»
(Quelle: ap)
DGB wirft Pin Group 'Angriff auf Tarifautonomie' vor
So.23.03.08 - Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat die Finanzierung der
Gewerkschaft Neue Post- und Zustelldienste (GNBZ) durch die Pin Group
scharf kritisiert. "Die Finanzierung der angeblichen Gewerkschaft GNBZ
durch einen Arbeitgeber derselben Branche ist ein ebenso
skandalöser wie unverzeihlicher Angriff auf die Tarifautonomie",
erklärte DGB-Chef Michael Sommer in Berlin. Der Vorgang verletzte
entscheidende Prinzipien der Tarifautonomie.
Damit sei auch der Mindestlohn-Tarifvertrag der GNBZ mit dem
Arbeitgeberverband Neue Post- und Zustelldienste "eine reine Farce und
sollte freiwillig annulliert werden". Auf keinen Fall dürfe mit
Hinweis auf diesen Tarifvertrag die allgemeine Gültigkeit der
Post-Mindestlöhne in Frage gestellt werden.
Der frühere Pin-Chef Günter Thiel hatte am Freitag
gegenüber "Focus Online" Überweisungen in Höhe von
133.526 Euro an die GNBZ bestätigt. Der Insolvenzverwalter der Pin
Group, Bruno Kübler, hatte der Kölner Staatsanwaltschaft am
Donnerstag Dokumente übergeben, wonach Pin die Gewerkschaft bis
Dezember vergangenen Jahres sponserte. Die Geldflüsse, darunter
30.000 Euro Gehaltszahlungen für Gewerkschaftschef Arno Doll,
setzten demnach im Oktober 2007 ein, wenige Tage nach der Gründung
der GNBZ.
Die GNBZ erklärte am Samstag in Köln: "Der Vorwurf der
Bestechlichkeit wird sich als haltlos und unbegründet erweisen."
Die Gewerkschaft sei in ihrer Gründungsphase auf Spenden und
Zuschüsse angewiesen. Diese seien "ausschließlich zum Nutzen
der Mitglieder verwendet" worden. GNBZ-Vorstand Doll erhalte ein
monatliches Geschäftsführer-Gehalt gemäß
Anstellungsvertrag von 3.500 Euro brutto. Die Behauptung, daneben
beziehe der Geschäftsführende Vorstand weitere
zusätzliche Honorare, sei "falsch und böswillig", hieß
es in der Erklärung.
(Quelle: afp)
'Kein Linksruck': - SPD um klaren Kurs bemüht
So.23.03.08 - Angesichts dramatisch schlechter Umfragewerte der SPD versucht die
Parteispitze, mit einer klaren Frontstellung gegen die Linke Vertrauen
zurückzugewinnen.
Der Vorsitzende Kurt Beck und sein Stellvertreter Frank-Walter
Steinmeier betonten in Interviews, dass es mit der Linken bei der
Bundestagswahl 2009 keine Zusammenarbeit geben werde. Steinmeier
verbürgte sich dafür persönlich, Beck schloss dies
für «einen überschaubaren Zeitraum» aus. In der
Frage der Kanzlerkandidatur hielten sich die beiden potenziellen
Anwärter weiter bedeckt.
Beck wies darauf hin, dass SPD, Grüne und Linke bereits jetzt im
Bundestag eine Mehrheit hätten und die Linke angeboten habe, ihn
zum Kanzler mitzuwählen. «Die SPD macht das nicht, weil es
inhaltlich im Interesse der Republik unvorstellbar ist», sagte er
der «Sächsischen Zeitung». «Insoweit ist unser
reales Verhalten der größte
Glaubwürdigkeitsgewinn.» Die Linke nannte er eine
«gegnerische Partei», die weder in der Außenpolitik
noch in der Wirtschafts-, Finanz- oder Sozialpolitik ein geeigneter
Partner sei.
Bei seinem Strategiewechsel nach der Hessen-Wahl sei es auch «nie
um einen Linksruck oder um eine Zuwendung zur Linkspartei»
gegangen. Beck hatte den SPD-Landesverbänden freie Hand bei der
Koalitionsbildung gegeben und so ermöglicht, dass die hessische
Parteichefin Andrea Ypsilanti eine - dann doch gescheiterte -
Kooperation mit der Linken anstreben konnte. Die SPD war daraufhin in
der Wählergunst auf ein Rekordtief gefallen. Seine bisherige
Erklärung zur Handlungsfreiheit der Verbände versah Beck nun
mit einer Einschränkung: «In den Ländern kann die SPD,
sofern es begründet ist und Programm wie Personal es erlauben,
differenziert Entscheidungen treffen.»
Außenminister Steinmeier mahnte eine klarere Kursbestimmung an.
«Ich will dabei mithelfen, dass der Kurs der SPD wieder erkennbar
und klar wird», sagte er der «Bild»-Zeitung.
«Klar ist und bleibt: Die SPD wird nach der Bundestagswahl 2009
keine Experimente mit der Linkspartei eingehen. Dafür steht die
ganze SPD, und dafür stehe ich persönlich.»
Damit folgten beide kolportierten Empfehlungen des früheren
Parteichefs Franz Müntefering für den Kurs bis zur
Bundestagswahl. Er soll in einem internen Papier eine scharfe
Abgrenzung zur Linken und diesbezüglich eine demonstrative
Personalentscheidung empfohlen haben.
Zu den Anforderungen an den künftigen SPD-Kanzlerkandidaten sagte
Beck: «Er muss eine Regierung führen und verschiedene
Interessen verbinden können. Persönliche Autorität und
politische Erfahrung gehören natürlich genauso dazu.»
In einem anderen Zusammenhang verwies Beck in dem Interview auf seine
14-jährige Erfahrung als Regierungschef von Rheinland-Pfalz.
Steinmeier hat zwar Erfahrung als Kanzleramtschef unter Gerhard
Schröder, aber nicht als Regierungschef.
Beide wichen einer klaren Festlegung zur Kanzlerkandidatur aus. Beck
sagte: «Ich habe eine klare Vorstellung, und werde sie zum
richtigen Zeitpunkt im Herbst oder Anfang nächsten Jahres
präsentieren. Mir geht es um den Erfolg der deutschen
Sozialdemokratie.» Steinmeier erklärte:
«Personaldiskussionen helfen uns überhaupt nicht... Erst
müssen die Inhalte geklärt werden... Die Personalfragen
folgen dann.» Auf die Frage, ob Beck allein entscheide,
fügte er hinzu: «Beck wird seinen Vorschlag machen und das
zur rechten Zeit.»
Die Linke-Abgeordnete Petra Pau bekräftigte die Position ihrer
Partei, dass eine Koalition im Bund nur bei inhaltlichem Entgegenkommen
der SPD in Frage komme. Die SPD dürfe die Bürgerrechte nicht
weiter einschränken und nicht mehr «den gesamten Druck auf
den Arbeitslosen und Arbeitsuchenden» abladen, sagte die
Bundestags- Vizepräsidentin im Deutschlandradio Kultur. Zudem sei
die «Agenda 2010» mit der Linken «nicht
kompatibel».
(Quelle: dpa)
CDU und Grüne in Hessen wollen Schnittmengen ausloten
So.23.03.08 - CDU und Grüne in Hessen wollen in den nächsten Monaten
gemeinsame Schnittmengen ausloten.
Die Grünen würden ab April im neuen Landtag testen, ob Roland
Koch als geschäftsführender Ministerpräsident in der
Schul- und der Energiepolitik sowie bei den Studiengebühren
biegsam genug für eine 180-Grad-Wende sei, sagte Landeschef Tarek
Al-Wazir der Zeitung "Die Welt" vom Samstag. "Wenn das kommt, stimmen
wir von Fall zu Fall natürlich zu." Eine Jamaika-Koalition mit CDU
und FDP sei aber die unwahrscheinlichste Option bei der schwierigen
Regierungsbildung. Mit Abstand am wahrscheinlichsten sei aus seiner
Sicht eine große Koalition. Koch warb erneut für Jamaika.
"In der Bildungspolitik können wir mit FDP und Grünen viel
schneller ins Gespräch kommen als mit der SPD, denn diese wollen
auch keine Einheitsschule", sagte Koch der Zeitung. Auch bei der
Förderung erneuerbarer Energien und der Haushaltpolitik gebe es
"beträchtliche Schnittmengen". Dagegen seien die Unterschiede
zwischen CDU und Grünen bei Fragen der Industriegesellschaft und
der Infrastruktur groß, sagte Koch.
Der CDU-Politiker wird bei der konstituierenden Sitzung des neuen
Landtags am 5. April erklären, dass seine Alleinregierung
geschäftsführend im Amt bleibt, da keine Mehrheit zur Wahl
eines neuen Regierungschefs zustande kommt. Anschließend wird es
unter CDU, SPD, Grünen, FDP und Linkspartei im Landtag ein Ringen
um Mehrheiten für einzelne Anträge geben.
Al-Wazir stufte die Hessen-CDU als "rechtsaußen" ein. "Die
Vorstellung ist absurd, den Ministerpräsidenten auszutauschen, und
dann wäre die CDU bereit, eine andere Partei zu sein." Koch hatte
mit seinem Wahlkampf gegen junge ausländische Straftäter
massive Verluste eingefahren. Die CDU blieb aber bei der Wahl Ende
Januar knapp stärkste Kraft.
(Quelle: rtr)
Berliner CDU-Fraktionschef fordert anderen Umgang mit Linkspartei
So.23.03.08 - Angesichts der Wahlerfolge der Linken spricht sich der Berliner
CDU-Fraktionschef, Friedbert Pflüger, für einen anderen Umgang
mit der Partei aus. In einem neuen Positionspapier fordere Pflüger
eine offensivere Auseinandersetzung mit der Linken, übe aber auch
Kritik an der eigenen Partei, berichtete die «Berliner
Zeitung» (Samstagausgabe).
«Die Linkspartei hat durchaus einige richtige Fragen
aufgeworfen», sagte Pflüger dem Blatt. Sie gebe darauf aber
«völlig falsche, demagogische Antworten», die der
veränderten Welt nicht gerecht würden. Für ihn sei
entscheidend, dass sich auch die CDU mit diesen Fragen beschäftige,
betonte der Politiker. «Wir müssen als CDU den Streit
über die Frage anfangen: Was ist gerecht?»
Er habe großes Verständnis dafür, dass die Menschen das
Gefühl hätten, es gehe nicht mehr gerecht zu, sagte
Pflüger. Als Beispiel nannte er die Regelungen hinsichtlich des
Vermögens für «Hartz IV»-Empfänger.
«Die Freibeträge beim Schonvermögen müssen
höher werden», forderte der CDU-Fraktionschef. Man dürfe
Menschen, die ihr Leben lang gearbeitet und fürs Alter vorgesorgt
hätten, nicht ihr ganzes Vermögen wegnehmen, nur weil sie
arbeitslos geworden seien. Pflüger fügte hinzu: «Hier
sind die bisherigen Regelungen ungerecht.»
(Quelle: ddp)
Justizministerin Zypries: Anti-Terror-Kampf und Sparkurs schwächen
Polizei
So.23.03.08 - Bundesjustizministerin Brigitte Zypries hat vor einer
Überbewertung des Anti-Terror-Kampfes und einer
Vernachlässigung anderer Sicherheitsfragen gewarnt.
Deutschland sei Teil eines weltweiten Gefahrenraums, sagte die
SPD-Politikerin der "Berliner Zeitung" vom Samstag. Diese Gefahr
dürfe aber nicht überzeichnet werden, denn nach wie vor habe
die Regierung keine Hinweise auf einen bevorstehenden konkreten
Anschlag. Natürlich sei es wichtig, wachsam zu sein. "Wir
müssen aber auch behutsam mit den Ängsten der Menschen
umgehen und dürfen nicht immer wieder neue Bedrohungsszenarien
entwickeln", mahnte Zypries. Sonst würden berechtigte Warnungen
irgendwann nicht mehr ernstgenommen.
"Wir müssen darauf achten, dass neben der Bekämpfung des
Terrorismus andere wichtige Bereiche nicht vernachlässigt werden",
betonte die Ministerin. Auch die Einsparungen bei der Polizei in den
Ländern dürften nicht dazu führen, dass die Ermittlungen
bei der Bekämpfung anderer Kriminalitätsbereiche nicht mehr
im ausreichenden Maß gewährleistet werde.
Handlungsbedarf bestehe insbesondere bei der Aufklärung rechter
Straftaten und in der Organisierten Kriminalität. Die Länder
müssten stärker in Polizei und Justiz investieren. "Ich
beobachte generell mit Sorge, dass die Länder im Bereich der
Justiz zu sehr sparen", kritisierte die SPD-Politikerin. Es fehlten
Stellen, auch die technische Ausstattung lasse zu wünschen
übrig. Eine gut funktionierende Justiz sei ein wichtiger
Standortfaktor für das Wirtschaftsleben. "Wenn wir diesen Vorteil
nicht verlieren wollen, muss deshalb stärker in die Justiz
investiert werden", forderte Zypries.
(Quelle: rtr)
Hessisches LKA löscht diskriminierende Angaben über Studenten
So.23.03.08 - Auf Druck des hessischen Datenschutzbeauftragten hat das
Landeskriminalamt nach einem Bericht der «Frankfurter
Rundschau» bestimmte Angaben über Studenten aus einer
Datenbank gelöscht. Der Datenschützer Michael Ronellenfitsch
halte die Speicherung von Einstufungen wie
«gewalttätig» oder «Straftäter
linksmotiviert» für unverhältnismäßig,
berichtete die Zeitung. So könne man nicht von politisch
linksmotivierten Straftätern sprechen, wenn sich junge Menschen aus
Protest auf eine Autobahn setzten.
Rund um Frankfurt waren im Sommer 2006 Studenten bei Autobahnblockaden
aus Protest gegen die Einführung von Studiengebühren
vorübergehend festgenommen und in der Polizeidatei gespeichert
worden. In den allermeisten Fällen seien Verfahren gegen die
Studenten eingestellt oder gar nicht erst aufgenommen worden, berichtete
das Blatt. In Verhandlungen mit der Polizei habe man deshalb eine
Streichung der Merkmale erwirkt, sagte Ronellenfitsch der Zeitung
zufolge. Allerdings blieben die Studenten mit Personalien und
Verdachtsmomenten für bis zu zehn Jahre in der Datenbank
gespeichert.
(Quelle: ap)
Wissenschaft
Supernova sprengt alle Dimensionen
So.23.03.08 - Eine gewaltige Sternenexplosion in tiefster Ferne des Alls fasziniert
die Astronomen: Ein NASA-Satellit hat am 19. März die hellste
Explosion registriert, die jemals beobachtet wurde. Sie war 2,5
Millionen Mal heller als die leuchtstärkste bisher beobachtete
Supernova.
Das berichtete die US-amerikanische Pennsylvania State University am
Donnerstag (Ortszeit). Der Gammastrahlen- Ausbruch war so hell, dass
sein Licht sogar mit bloßem Auge zu sehen gewesen sei.
Gammastrahlen-Ausbrüche sind nach dem Urknall die stärksten
Explosionen im Universum.
Das am 19. März um 02.12 Uhr erfasste Licht des Sternengeschehens
musste das halbe Universum durchqueren und damit 7,5 Milliarden
Lichtjahre bis zur Erde zurücklegen. Damit ist das Phänomen
das fernste bekannte Objekt, das von Menschen ohne Hilfsmittel am
Nachthimmel wahrzunehmen war. Den bisherigen Rekord hielt die relativ
nahe gelegene Galaxie M33, die in einer Entfernung von «nur»
2,9 Millionen Lichtjahren zur Erde mit bloßem Auge zu sehen war,
wie die US-Astronomen berichteten.
Über das vom NASA-Satelliten «Swift» registrierte
Licht äußerten sich die Wissenschaftler
überwältigt. «Innerhalb von 24 Stunden haben wir eine
unglaubliche Aktivität am Himmel beobachtet - allein 5
Gammastrahlen-Explosionen und verschiedene andere Ausbrüche. Und in
der Mitte von all diesem Geschehen war das leuchtendste Strahlen, das
wir je gesehen haben», sagte der Astronom und Astrophysiker Prof.
David Burrows stellvertretend für die Wissenschaftler und
Ingenieure an der Bodenstation von «Swift» in der Nähe
der Universität. «Der Ausbruch fegt alles hinweg, was wir
bisher an Gammastrahlen- Explosionen gesehen haben», sagte auch
NASA-«Swift»-Experte Neil Gehrels.
«Wir haben auf so einen intensiven Gammastrahlen-Ausbruch
gewartet, seitdem "Swift" vor drei Jahren mit der Beobachtung des
Himmels begann», sagte Burrows weiter. «Und nun haben wir so
eine Strahlenintensität bekommen, dass sie mit dem bloßen
Auge zu sehen war, obwohl ihre Quelle das halbe Universum entfernt
liegt.»
Sein Fachkollege Derek Fox sagte, falls sich der Ausbruch in unserer
Galaxie ereignet hätte, hätte er fast eine Minute lang heller
geschienen als die Sonne. Die meisten Gammastrahlen-Explosionen
erfolgen, wenn massiven Sternen die Energie ausgeht. Dann kollabieren
ihre Kerne zu sogenannten Schwarzen Löchern oder Neutronensternen,
wobei sie explosionsartig enorme Energie freisetzen.
Prof. Peter Meszaros, einer der Leiter des «Swift»-Teams,
vermutet eine ungewöhnliche Kombination der Umstände, die zu
dem außergewöhnlich hellen Leuchten beigetragen haben
könnten. Wenn die Strahlen aus der Explosion auf Gaswolken treffen,
könnten diese «Jets» dadurch noch heißer werden,
erläuterte er seine Hypothese. Die Astronomen katalogisieren die
Super-Explosion unter der nüchternen Nummer GRB 080319B - das
steht für den zweiten am 19. März 2008 registrierten
Gamma-Ray Burst (GRB).
(Quelle: dpa)