+++ Mo.24.03.08, 06:30
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Irak am 1462sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Schon 4.000 US-Soldaten getötet. 51 Tote bei Gewaltserie im Irak.
Tausende demonstrieren in New York gegen Irak-Krieg
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Bei einer Serie von Angriffen und Anschlägen im Irak sind
insgesamt mindestens 51 Menschen getötet worden. Im Bagdader
Viertel Safaranijah wurden sieben Menschen getötet und 16 weitere
verletzt, als bewaffnete Männer das Feuer auf Passanten
eröffneten. Die Täter konnten fliehen, wie ein Vertreter des
irakischen Innenministers sagte. Zudem gab es mehrere weitere
Anschläge in Bagdad mit insgesamt mindestens elf Toten. Im
nordirakischen Mossul wurden bei einem Selbstmordanschlag zwölf
irakische Soldaten getötet und 35 weitere Menschen verletzt.
Bei der Explosion einer Autobombe auf einer Hauptstraße im
schiitischen Bagdader Stadtteil Scholla starben fünf Menschen. Im
ebenfalls schiitischen Viertel Kamalijah wurden durch eine Rakete nach
Angaben des Innenministeriums mindestens fünf Menschen
getötet und weitere acht verletzt. Im Norden Bagdads wurde nach
Polizeiangaben ein Passant von bewaffneten Männern getötet.
Die US-Armee machte das Terrornetzwerk El Kaida für den Angriff in
Mossul verantwortlich. Im nordirakischen Kirkuk kamen nach
Medizinerangaben vier irakische Soldaten bei einer Explosion ums Leben.
Auf einer Straße östlich von Bakuba geriet laut
Polizeiangaben ein hochrangiger Vertreter der örtlichen Polizei in
einen Hinterhalt und wurde ebenso wie ein weiterer Insasse seines
Fahrzeugs getötet. Im Zentrum von Bakuba starb bei einer
Schießerei zwischen bewaffneten Männern und der Polizei ein
Mensch. Zudem starben zwei Kinder bei einer Bombenexplosion.
In der nordöstlichen Provinz Dijala hob die US-Armee nach eigenen
Angaben ein Selbstmordattentäter-Netzwerk aus und tötete
zwölf Aufständische.
Der am stärksten gesicherte Stadteil in Bagdad, die so genannte
Grüne Zone, ist zweimal unter Beschuss geraten. Zwei Serien von
Mörsergeschossen trafen den Stadtteil der irakischen Hauptstadt,
in der sich die US-Botschaft und das irakische Parlament befinden. Die
Mitarbeiter der US-Botschaft flüchteten in den Bunker, als die
Mörsergranaten am frühen Morgen explodierten. Laut
Augenzeugenberichten schlugen acht in der Nähe der Botschaft ein
und zwei weitere in einem Wohnviertel. Verletzt wurde niemand.
Mehrere tausend Menschen haben am Samstag in New York einen Abzug der
US-Truppen aus dem Irak gefordert. Nach Angaben der Organisatoren
versammelten sich anlässlich des fünften Jahrestags des
Irak-Kriegs mehr als zehntausend Demonstranten im Zentrum der Stadt. Sie
riefen Parolen wie "Kein Dollar mehr, kein Toter mehr". In einer
Schweigeminute gedachten die Teilnehmer der Opfer des Krieges. "Es ist
Zeit damit aufzuhören, die Polizisten des Imperiums zu spielen",
sagte ein Vietnamkriegs-Veteran.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Seitdem starben mehr als 4000 US- und
andere ausländische Soldaten sowie zehntausende Iraker. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab.
boa (Quellen: afp, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 24.03.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am neunhundertachtundneunzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Mehr als 40 Taliban-Rebellen in Südafghanistan getötet
Mo.24.03.08 - Im Süden Afghanistans sind mindestens 40 Taliban-Rebellen bei
Kämpfen getötet worden. Wie das Verteidigungsministerium in
Kabul mitteilte, wurden die Aufständischen am Samstag in der
südlichen Provinz Urusgan bei einem gemeinsamen Militäreinsatz
von Truppen Afghanistans und der NATO-geführten ISAF getötet.
Unter den Toten sei auch der Anführer der Rebellengruppe. Den
Angaben zufolge wurden mehr als 40 Waffen beschlagnahmt, darunter
Raketen und schwere Maschinengewehre, sowie ein Polizeifahrzeug.
Die radikalislamischen Taliban waren nach dem US-geführten
Einmarsch Ende 2001 in Afghanistan aus der Regierung gestürzt
worden. Seitdem sind sie insbesondere im Süden und Osten des Landes
im Untergrund aktiv.
(Quelle: afp)
Nahost-Konflikt
US-Vizepräsident Cheney sagt Palästinensern
Unterstützung der USA zu -- Fatah und Hamas unterzeichnen
Versöhnungsabkommen
Mo.24.03.08 - US-Vizepräsident Dick Cheney hat den Palästinensern bei
einem Besuch im Westjordanland Unterstützung beim Aufbau einer
stabilen Demokratie und der dafür erforderlichen Infrastruktur
zugesagt. Zu diesem Ziel bedürfe es einer Regierung, die sich dem
Kampf gegen den Terrorismus anschließe und den Erwartungen ihres
Volkes entspreche, sagte Cheney bei einer gemeinsamen Pressekonferenz
mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas in Ramallah.
"Die Schaffung eines Palästinenserstaates hätte schon vor
langer Zeit stattfinden müssen", sagte Cheney. Die Jahre des
Misstrauens und der Gewalt hätten zu nichts geführt. Angriffe
auf Israel schadeten "den nationalen Bestrebungen" des
palästinensischen Volkes, betonte der US-Vizepräsident.
Cheney war am Samstagnachmittag in Jerusalem eingetroffen, um sich
über den Stand der Friedensverhandlungen zwischen Israelis und
Palästinensern zu informieren. Am Sonntag traf er im
Westjordanland neben Abbas auch Regierungschef Salam Fajad.
US-Präsident George W. Bush hat sich zum Ziel gesetzt, bis zum
Ende seiner Amtszeit im Januar 2009 ein Friedensabkommen zwischen
beiden Seiten zu vermitteln.
Nach Monaten der Gewalt wollen die rivalisierenden
Palästinensergruppen Hamas und Fatah ihren Streit im Dialog
beilegen.
Beide Seiten unterzeichneten am Sonntag in der jemenitischen Hauptstadt
Sanaa ein Versöhnungsabkommen, das neue Gespräche über
die Zukunft des Gazastreifens und des Westjordanlandes vorsieht. Die
radikal-islamische Hamas hatte im Juni im Gazastreifen die Macht an
sich gerissen; das Westjordanland ist unter der Kontrolle der Fatah.
Die jüngste Vereinbarung geht auf Vermittlung des Jemen
zurück, der beide Seiten in der vergangenen Woche an einen Tisch
gebracht hatte. Die Gespräche drohten wiederholt zu scheitern.
Die nächste Gesprächsrunde sei für den 5. April in den
Palästinensergebieten vorgesehen, teilte ein Hamas-Vertreter nach
den Unterredungen in Sanaa mit. Die Fatah forderte während der
Gespräche von der Hamas, die Kontrolle über das
Küstengebiet zwischen Israel und dem Mittelmeer aufzugeben. Die
Hamas forderte dasselbe von der Fatah im Westjordanland, wo die von der
Fatah dominierte Autonomiebehörde die Regierung unter Führung
der Hamas entmachtet hat.
boa (Quellen: afp, rtr)
Saudi-Arabien: Sind zu höherer Ölförderung bereit
Mo.24.03.08 - Saudi-Arabien hat sich als größter Erdölproduzent der
Welt zu einer höheren Rohölförderung bereiterklärt.
Das Königreich sei gewillt, seine Förderung und
Raffineriekapazitäten hochzufahren, um die weltweite Nachfrage zu
bedienen, erklärte das Land am Sonntag. Dazu sei Saudi-Arabien im
Interesse der Sicherung eines kontinuierlichen weltweiten
Wirtschaftswachstum bereit. Das Land werde mit Produzenten und
Verbrauchern zusammenarbeiten, um "schädliche Spekulationen" zu
vermeiden.
Der Rohölpreis hatte in der vergangenen Woche vorübergehend
die Marke von 110 Dollar je Barrel (gleich 159 Liter)
übersprungen. Die USA hatten Saudi-Arabien aufgefordert, die
Fördermenge der Opec-Staaten zu erhöhen, um die Preise zu
senken, die in den vergangenen Wochen immer neue Höchststände
erreicht hatten.
Quelle: rtr)
Taiwans neuer Präsident will auf China zugehen
Mo.24.03.08 - Nach seinem Wahlsieg hat der künftige Präsident Taiwans, Ma
Ying-jeou, seinen Willen bekräftigt, die Beziehungen zu China zu
verbessern. Der Spitzenpolitiker der Nationalpartei Kuomintang
versprach, nach dem Regierungswechsel die taiwanesische Wirtschaft
wieder in Schwung zu bringen.
Er plädierte für engere Handelsbeziehungen sowie direkte
Transportverbindungen zu Festlandchina. Der 57-Jährige hatte am
Samstag mit 58,4 Prozent der Stimmen seinen Konkurrenten von der
Fortschrittspartei (DPP), Frank Hsieh, geschlagen. Der bisherige
Präsident Chen Shui-bian von der Fortschrittspartei durfte nach
zwei Amtszeiten nicht mehr antreten.
China begrüßte das Scheitern von zwei parallel zur Wahl
abgehaltenen Volksabstimmungen über einen Beitritt zu den
Vereinten Nationen. Der Sprecher des Taiwanamtes beim Staatsrat in
Peking, Li Weiyi, sagte vor taiwanesischen Reportern: «Es
beweist, dass eine Unabhängigkeit unter den Taiwanesen nicht
populär ist.» Zum Sieg von Ma Ying-jeou sagte der Sprecher
nach Angaben des taiwanesischen Fernsehens: «Wir hoffen, dass Ma
Ying-jeou und das Festland gemeinsame Anstrengungen für den
Frieden in der Meerenge von Taiwan unternehmen können.»
Nach Einschätzung von Beobachtern dürfte der Wahlsieg von Ma
Ying- jeou in Peking mit Erleichterung aufgenommen worden sein. Sein
zur Unabhängigkeit tendierender Vorgänger Chen Shui-bian von
der Fortschrittspartei (DPP) hatte die kommunistische Führung in
den vergangenen acht Jahren mit seiner Politik der
Eigenständigkeit geärgert. Er wird sein Amt am 20. Mai an
seinen Nachfolger Ma Ying-jeou übergeben, der eine neue Regierung
bilden wird.
Trotz des Scheiterns der Referenden wegen mangelnder Beteiligung
bekräftigte Ma Ying-jeou, die seit 1993 laufenden Bemühungen
um eine Aufnahme Taiwans in die Vereinten Nationen fortzusetzen. Die
Versuche der «Republik China», wie Taiwan offiziell
heißt, sind aber jedes Jahr gescheitert, weil die Vereinten
Nationen auf Druck Chinas, das als ständiges Mitglied mit
Vetorecht im Sicherheitsrat sitzt, als alleinige Vertretung Chinas nur
Peking anerkennt. Für Chinas Führer ist Taiwan eine
abtrünnige Provinz.
US-Präsident George W. Bush rief den neu gewählten
taiwanesischen Präsidenten zur Zusammenarbeit mit China auf.
Taipeh und Peking seien aufgefordert, die Grundlagen für Frieden
und Stabilität durch einen Dialog auf allen Ebenen zu legen. Die
Wahl von Ma Ying-jeou biete eine «frische Gelegenheit»
für die friedliche Beilegung ihrer Differenzen. Für die USA
sei das Wohlergehen der Menschen in Taiwan von großer Bedeutung,
betonte Bush. Washington werde weiterhin enge, nicht offizielle
Beziehungen zum Volk von Taiwan unterhalten.
Auch Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD)
rief China und Taiwan zu Gesprächen auf. Die deutsche Regierung
erhoffe sich einen «friedlichen Dialog beider Seiten, der zu
einer dauerhaften Entspannung der Situation an der Taiwan-Straße
führt», hieß es in einer Reaktion in Berlin.
«Deutschland unterstützt die demokratischen Werte Taiwans
und die wirtschaftliche Entwicklung der Insel.»
Quelle: dpa)
China spricht neue Drohungen gegen den Dalai Lama aus
Mo.24.03.08 - China erhebt weiter schwere Vorwürfe gegen den Dalai Lama. Die
kommunistische Regierung wirft dem Oberhaupt der Tibeter vor, die
Unruhen in Lhasa angezettelt zu haben. Ziel der
«Dalai-Clique» sei es, dem Ansehen Chinas vor Beginn der
Olympischen Spiele zu schaden, schrieb die Zeitung «Tibet
Times» am Sonntag. Es handele sich um einen Kampf auf Leben und
Tod «zwischen uns und dem Feind».
«Das böse Motiv der Dalai-Clique ist es, in einer sensiblen
Zeit Ärger hervorzurufen und sogar Blutvergießen zu
verursachen, um Olympia in Peking zu beschädigen», schrieb
die Zeitung weiter. Die Zeitung «Renmin Ribao» berichtete,
die Gruppe um den Dalai Lama nehme die Olympischen Spiele als Geisel, um
Zugeständnisse in der Frage der Unabhängigkeit Tibets zu
erpressen.
Die chinesische Regierung erklärte die Unruhen in Tibet und
angrenzenden Regionen unterdessen für eingedämmt. Die meisten
dieser Gebiete waren von der Außenwelt abgeschnitten, ein massives
Militäraufgebot war im Einsatz. Eine unabhängige
Bestätigung der Bericht war nicht möglich.
Die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete am Sonntag, in den
betroffenen Gebieten kehre wieder Normalität ein. Im Bezirk Aba in
der Provinz Sichuan hätten mehr als die Hälfte der
Geschäfte wieder geöffnet. Der Chef der Kommunistischen Partei
in dem Bezirk, Kang Qingwei, wurde mit den Worten zitiert, alle
Regierungseinrichtungen und wichtigen Unternehmen arbeiteten normal, die
Schulen würden am Montag wieder öffnen. Xinhua hatte aus Aba
berichtet, dass Polizisten in Notwehr vier Gewalttäter erschossen
hätten. Es war das einzige Mal, dass die chinesischen
Behörden Schüsse auf Demonstranten einräumten.
Auch in Xiahe in der Provinz Gansu kehre nach Unruhen in der
vergangenen Woche wieder Ruhe ein, berichtete Xinhua. «Der
Alptraum ist vorbei. Alles scheint Vergangenheit zu sein», wurde
ein örtlicher Händler zitiert, Jiang Fuxing. Auch in Maqu in
Gansu habe die Regierung wieder die Kontrolle übernommen. 70
Prozent der Läden in der Stadt seien von Gewalttätern
zerstört worden, hieß es.
Die Proteste begannen am 10. März in Tibet. China gibt die Zahl
der Toten bei den Unruhen offiziell mit 22 an. Nach Angaben der
tibetischen Exilregierung in Indien wurden 99 Menschen getötet, 80
in Lhasa und 19 in Gansu.
Aus Protest gegen die Niederschlagung der Proteste in Tibet durch China
hat eine thailändische Teilnehmerin des olympischen Fackellaufs
ihren Rückzug angekündigt. Narisa Chakrabongse erklärte
am Sonntag, sie wolle auf diese Weise die Botschaft an die chinesische
Regierung senden, dass die Welt ihre Handlungen nicht akzeptiere. In
Thailand sollen insgesamt sechs Personen das olympische Feuer tragen.
Die Fackel wird im April auf dem Weg nach Peking in Thailand erwartet.
(Quelle: ap)
Himalaja-Königreich Bhutan wird Demokratie
Mo.24.03.08 - Das Himalaja-Königreich Bhutan soll am heutigen Montag zu einer
neuen Demokratie werden. Im kleinen «Land des
Donnerdrachens» zwischen den großen Nachbarn Indien und
China sind die Bürger erstmals zur Wahl einer Nationalversammlung
aufgerufen.
«Die Menschen sind begeistert und wollen ihre Stimme
abgegeben», sagte der Chef der staatlichen Wahlkommission, Dasho
Kunzang Wangdi, am Sonntag in der Hauptstadt Timphu. Insgesamt 318 465
Wahlberechtigte können über die Vergabe von 47 Mandaten
für das Unterhaus entscheiden.
Zwei Parteien bewerben sich um die Gunst der Wähler in dem
buddhistisch geprägten Land, das jahrhundertelang weitgehend vom
Rest der Welt abgeschottet war. Selbst in entlegenste Bergdörfer
hätten Regierungsvertreter zum Teil mit Maultieren oder zu
Fuß Wahlmaschinen und Wahlunterlagen gebracht, sagte Wangdi. Der
Montag ist für alle 672 000 Bewohner zum Feiertag erklärt
worden. «Wir sind gut vorbereitet, um freie, faire und friedliche
Wahlen zu gewährleisten».
Die Wahl in dem Land von der Größe Niedersachsens ist der
letzte Schritt zur Einführung einer konstitutionellen Monarchie
ab. Ende Dezember war bereits das Oberhaus des neuen Parlaments
gewählt worden.
Die Demokratisierung war auf Initiative des früheren Königs
Jigme Singye WangchucK eingeleitet worden, der 2005 demokratische
Wahlen ankündigte. Ende 2006 dankte er ab und übergab die
Regierungsgeschäfte an seinen Sohn Kronprinz Jigme Khesar Namgyel
Wangchuck. Die Krönung soll noch in diesem Jahr stattfinden.
Quelle: dpa)
Musharraf verspricht Pakistans neuer Regierung Loyalität
Mo.24.03.08 - Der pakistanische Präsident Pervez Musharraf hat am Sonntag den
Beginn einer Ära der «wahren Demokratie» in Pakistan
angekündigt und der neuen Regierung seine Loyalität
zugesichert.
Einen Tag vor der Wahl des neuen Premierministers im Parlament sagte
Musharraf, er hoffe, die neue Regierung unter Yousaf Raza Gillani von
der Pakistanischen Volkspartei PPP werde alles tun, um die
«friedliche Atmosphäre in Pakistan» aufrechtzuerhalten.
Gleichzeitig forderte das umstrittene Staatsoberhaupt jedoch, den Kampf
gegen Terroristen und Extremisten im Land konsequent fortzusetzen, wie
der Sender Geo TV berichtete. Für Musharraf wächst mit dem
Erstarken der Opposition im Parlament die Gefahr eines
Amtsenthebungsverfahrens. Gillani kündigte nach seiner Nominierung
jedoch an, nicht auf Konfrontationskurs zu Musharraf gehen zu wollen.
Die bei der Wahl am 18. Februar siegreiche PPP hatte Gillani am Samstag
als Kandidaten für das Amt des Premierministers benannt. Gillanis
Wahl zum Premierminister am Montag gilt als sicher, da sich die PPP und
die Muslim-Liga (Nawaz) von Ex-Regierungschef Nawaz Sharif nach dem
deutlichen Wahlsieg der Opposition auf die Bildung einer Koalition
unter Führung eines PPP-Premiers verständigt hatten.
Die Entscheidung zur Nominierung des 55-Jährigen sei in Abstimmung
mit den Koalitionspartnern und dem PPP-Vorsitzenden Bilawal Bhutto
Zardari, dem 19 Jahre alten Sohn der Ende Dezember ermordeten
Oppositionsführerin Benazir Bhutto, getroffen worden, sagte ein
PPP-Sprecher. Bhutto-Witwer Asif Ali Zardari, der für seinen Sohn
die Amtsgeschäfte führt, bis dieser sein Studium beendet hat,
forderte Gillani auf, «die große Verantwortung» zu
übernehmen und das Land in eine «glorreiche Zukunft zu
führen».
Gillani war seit den 80er Jahren vier Mal Abgeordneter für die
größte pakistanische Provinz Punjab. Von 1993 bis 1996
fungierte er unter Premierministerin Benazir Bhutto als
Parlamentspräsident. 2001, zwei Jahre nach dem unblutigen Putsch
des damaligen Armeechefs Musharraf, wurde Gillani wegen Amtsmissbrauchs
verurteilt. Er verbrachte fast sechs Jahre im Gefängnis.
Quelle: dpa)
Türkei: Zwei Tote nach Ausschreitungen zum kurdischen Neujahrsfest
-- Protestierende werben für die PKK
Mo.24.03.08 - Gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen der türkischen Polizei
und kurdischen Demonstranten haben seit Freitag zwei Menschenleben
gekostet. Dutzende Menschen wurden zum Teil schwer verletzt. Im
Südosten des Landes kam es am Sonntag erneut zu gewaltsamen
Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten. In
Istanbul kamen zehntausende Kurden zusammen, um das kurdische
Neujahrsfest Newroz zu feiern. Zum Teil demonstrierten sie dabei auch
friedlich für eine größere Autonomie für ihre
Volksgruppe.
Hunderte aufgebrachte Kurden bewarfen dagegen in Yüksekova in der
Provinz Hakkari Polizisten mit Steinen, die Einsatzkräfte gaben
Warnschüsse ab und feuerten Tränengas in die Menge. Dabei
wurde ein Mann erschossen und ein Polizist schwer verletzt, wie
Krankenhausmitarbeiter mitteilten. Bei einer kleineren Bombenexplosion
wurden am Nachmittag drei Polizisten verletzt, wie die
Nachrichtenagentur Dogan berichtete. Die gewaltsamen
Zusammenstöße, die bei Feiern zum Neujahrsfest begonnen
hatten, dauerten bereits den vierten Tag in Folge an.
Die Demonstranten in Yüksekova protestierten offenbar wegen des
Todes eines Kurden, der seinen Verletzungen erlegen war, die er bei
einem Protestmarsch am Samstag erlitten hatte. Die Polizei war
eingeschritten, nachdem die Demonstranten begonnen hatten, Hymnen der
verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei (PKK) zu singen.
Kurdische Demonstranten warfen Steine auf Sicherheitskräfte, diese
rückten mit Schlagstöcken vor und feuerten Tränengas in
die Menge. Dabei wurden in der Stadt Van nahe der iranischen Grenze
mehr als 50 Menschen verletzt, wie die Sicherheitskräfte
mitteilten. Ein Polizist und zwei weitere Demonstranten schwebten noch
in Lebensgefahr. Bereits am Freitag war es in den Kurdengebieten im
Südosten der Türkei vereinzelt zu Ausschreitungen gekommen.
Das Frühlings- und Neujahrsfest wird traditionell am 21. März
begangen. Kurden haben es in der Vergangenheit immer wieder dazu
genutzt, um auf ihre politische Lage aufmerksam zu machen. Die
ethnische Minderheit fordert eine größere kulturelle
Autonomie und die Zulassung des Kurdischen als gleichwertige Sprache in
der Region.
Quelle: ap)
Zentralbanken diskutieren angeblich Risikopapier-Massenkauf
Mo.24.03.08 - Mehrere Zentralbanken diskutieren einem Zeitungsbericht zufolge einen
Massenaufkauf von hypothekengesicherten Wertpapieren, um die globale
Kreditkrise zu bekämpfen.
Wie die "Financial Times" am Samstag ohne Angabe von Quellen
berichtete, sind die Gespräche in einem frühen Stadium und
Teil eines allgemeineren Austausches über Möglichkeiten, die
Finanzmärkte zu beruhigen. Die Bank von England (BoE) und die
US-Notenbank Fed wiesen entsprechende Pläne umgehend zurück.
Die Zentralbank erwäge aber eine Reihe anderer Optionen, sagte ein
BoE-Sprecher. Es sei jedoch noch zu früh, Details zu nennen. "Die
Federal Reserve ist nicht in Gespräche mit ausländischen
Notenbanken zu einem koordinierten Kauf von hypothekengesicherten
Papieren involviert", erklärte dazu ein ranghoher Fed-Vertreter.
Die Zeitung hatte berichtet, die Bank von England scheine am ehesten
einen solchen massenhaften Wertpapierkauf zu befürworten, die
US-Notenbank (Fed) stehe grundsätzlich der Idee offen
gegenüber, die Europäische Zentralbank (EZB) sei dagegen
weniger enthusiastisch. Bislang haben sich die Zentralbanken
bereiterklärt, die Papiere als Sicherheiten für Kredite
anzunehmen.
(Quelle: rtr)
Deutschland
Friedensbewegung setzt Ostermärsche fort - Wieder
demonstrierten Tausende gegen Krieg und Gewalt
Mo.24.03.08 - Die Friedensbewegung hat am Sonntag ihre traditionellen
Ostermärsche fortgesetzt. In Fretzdorf im Norden Brandenburgs
protestierten mehrere tausend Menschen gegen die militärische
Nutzung der Kyritz-Ruppiner Heide.
Die Teilnehmer wehrten sich gegen Pläne des
Bundesverteidigungsministeriums, über dem «Bombodrom»
Tiefflüge und Bombenabwürfe zu üben. Die beiden
Bundesländer Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern lehnen die
Pläne wegen der befürchteten negativen wirtschaftlichen
Auswirkungen ebenfalls ab.
In Nordrhein-Westfalen ging der Ostermarsch Ruhr 2008 weiter. Nach
einer Auftaktkundgebung in Essen, zu der nach Veranstalterangaben rund
100 Leute kamen, fuhren rund 50 Friedensaktivisten mit dem Fahrrad nach
Bochum. Der Ostermarsch Ruhr steht unter dem Motto «Bundeswehr
raus aus Afghanistan! Deutschland atomwaffenfrei! Grundgesetz
verteidigen!»
Im thüringischen Ohrdruf kamen nach Angaben des zentralen
Ostermarschbüros in Frankfurt rund 300 Menschen zusammen.
«Die Stabilität der letzten Jahre hat sich erhalten»,
sagte der Sprecher des Ostermarschbüros Willi van Ooyen. Der
Vorsitzende der Partei Die Linke in Hessen räumte aber ein, dass
in Fretzdorf die Beteiligung geringer als im vorigen Jahr gewesen sei.
Gleichzeitig betonte van Ooyen, dass trotz teilweise schlechten Wetters
bei allen Veranstaltungen gute Stimmung geherrscht habe.
Bereits am Karfreitag und Ostersamstag hatten sich mehrere tausend
Menschen in zahlreichen deutschen Städten an den Aktionen gegen
Krieg und Gewalt beteiligt. Die Ostermärsche stehen in diesem Jahr
im Zeichen des fünften Jahrestages des Irak-Krieges. Zudem wird
der Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan kritisiert. Die
Ostermärsche sollen am Montag mit rund 20 Veranstaltungen zu Ende
gehen.
Quelle: dpa)
Geschichte: Die Protestbewegung der 60er Jahre
Als einer der Anfänge der deutschen Studentenbewegung kann das
Jahr 1961 gelten, als der Sozialistische Deutsche Studentenbund (SDS)
aus der SPD wegen «Unvereinbarkeit» ausgeschlossen wurde. In
den folgenden Jahren übernahm die linksgerichtete studentische
Vereinigung eine Führungsrolle in einer Protestbewegung, die in der
Zeit der Großen Koalition (1966-1969) unter Bundeskanzler Kurt
Georg Kiesinger (CDU) auch als Außerparlamentarische Opposition
(APO) bezeichnet wurde.
Zentraler Kritikpunkt der Studentenbewegung war die Aufarbeitung der
Nazizeit, die, so der Vorwurf, in der Bundesrepublik ganz unzureichend
geschehen sei. Seit Mitte der 60er Jahre richteten sich die Proteste
dann unter anderem auch gegen den Vietnamkrieg, das Wettrüsten, die
Benachteiligung von Frauen, die vorherrschende Sexualmoral und die
Struktur der Hochschulen. Befeuert wurde die Bewegung außerdem von
der «Spiegel»-Affäre (1962) und von Ereignissen wie
dem Schah-Besuch 1967 in Deutschland. Aus Sicht der APO war der Perser
ein von den USA unterstützter Diktator.
Bei einer Anti-Schah-Demonstration in Berlin wurde am 2. Juni 1967 der
Student Benno Ohnesorg von einem Polizisten erschossen. In der Nacht vom
2. auf den 3. April 1968 legten die späteren RAF-Anführer
Andreas Baader und Gudrun Ensslin Feuer in einem Frankfurter Kaufhaus.
Im darauf folgenden Prozess wurden beide von Horst Mahler verteidigt,
der sich dann ebenfalls der RAF anschloss. Der SDS löst sich 1970
auf, nicht zuletzt wegen Uneinigkeit hinsichtlich der
«Gewaltfrage». Auch das Phänomen der
«68er-Bewegung» gilt seit 1970 als Geschichte.
Viele 68er-Protagonisten sind bis heute bekannt, andere vergessen. Zu
den wichtigsten zählte der Studentenführer Rudi Dutschke, auf
den im April 1968 in Berlin mit drei Schüssen ein Attentat
verübt wurde, an dessen Spätfolgen er 1979 starb. Der
Attentäter, Hilfsarbeiter Josef Bachmann, nahm sich 1970 im
Gefängnis das Leben. Zu den prominentesten noch lebenden Vertretern
der 68er-Bewegung zählen die Grünen-Politiker Daniel
Cohn-Bendit und Joschka Fischer, die sich als Mitglieder der
Frankfurter «Putzgruppe» Straßenschlachten mit der
Polizei lieferten und später zusammenwohnten.
Als die Studentin Helke Sander, heute Filmemacherin, 1968 bei einem
SDS-Kongress in der Frankfurter Uni von ihren männlichen Genossen
am Reden gehindert werden sollte, warf ihre Mitstreiterin Sigrid
Rüger Tomaten auf SDS-Anführer Hans Jürgen Krahl, was bis
heute von einigen als Auslöser für die Feminismus-Bewegung in
Deutschland gewertet wird. Im gleichen Jahr ohrfeigte die Journalistin
Beate Klarsfeld auf einem Berliner CDU-Parteitag den damaligen
Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger wegen seiner früheren
NSDAP-Mitgliedschaft.
In aller Munde waren vor 40 Jahren auch die Bewohner der Berliner
«Kommune 1»: Fritz Teufel, Rainer Langhans, Uschi Obermaier
und Dieter Kunzelmann. Die Wohnung war ihnen vom Schriftsteller Hans
Magnus Enzensberger überlassen worden, der sich in den USA aufhielt.
(Quelle: ddp, 22.03.2008)
|
Große Mehrheit für Mitgliederbefragung zur
SPD-Kanzlerkandidatur
Mo.24.03.08 - Der sozialdemokratische Kanzlerkandidat soll nach Auffassung einer
großen Mehrheit der SPD-Anhänger von den Parteimitgliedern
gewählt werden. 91 Prozent der SPD-Wähler sprachen sich in
einer Umfrage des Emnid-Instituts für «Bild am Sonntag»
für eine solche Urwahl aus. Nur neun Prozent plädierten
dafür, die Entscheidung über die Kanzlerkandidatur dem
Parteivorsitzenden Kurt Beck alleine zu überlassen.
Damit ist der Wunsch nach einer Urwahl in der SPD-Anhängerschaft
sogar noch größer als in der Gesamtbevölkerung. 87
Prozent aller Befragten sprachen sich für ein solches Verfahren
aus, fünf Prozent favorisierten einen Alleingang Becks in dieser
Frage. Emnid führte die Umfrage am 19. März unter 1000
Befragten durch.
(Quelle: ap)
DGB-Chef warnt Union vor Wortbruch bei Mindestlohn
Mo.24.03.08 - Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Michael
Sommer, hat die Union vor einem Wortbruch bei der Einführung
weiterer Mindestlöhne gewarnt.
Wenn CDU und CSU sich weiter querlegten, «müssen wir den
Druck auf die Politik noch einmal verstärken», sagte Sommer
in einem Gespräch mit der Deutschen Presse- Agentur dpa in Berlin.
«Es ist schon schlimm genug, dass die Union den gesetzlichen
Mindestlohn blockiert.»
Sollte die Union «auch noch branchenbezogene Mindestlöhne
unmöglich machen», sei dies «geradezu
unerträglich». «Das lassen wir uns nicht bieten.»
Sommer erinnerte an die Vereinbarungen von Bundesregierung und
Koalitionsspitzen zur Novellierung von Entsendegesetz und
Mindestarbeitsbedingungen-Gesetz. Beide sind zur Einführung
weiterer Branchenmindestlöhne nötig. Die Gesetzentwürfe
liegen aber wegen Einwänden von Unionsseite derzeit auf Eis.
Wenn die Union von den Vereinbarungen abrücke und
«wortbrüchig» werde, nehme sie in Kauf, «dass
Millionen Menschen in Deutschland auch weiterhin mit Hungerlöhnen
abgespeist werden», sagte Sommer. Wegen der ungeklärten
Situation ist es nach seinen Worten «schwer zu sagen», wie
viele Branchen die Aufnahme ins Entsendegesetz anmelden. Termin
dafür ist der 31. März.
Der DGB-Chef bekräftigte aber seine Zweifel an dem von der
Koalition eingeschlagenen Weg. Die meisten Arbeitgeberverbände
hätten kein Interesse, eine Aufnahme ihrer Branche in das
Entsendegesetz zu unterstützen, und wollten «keinen Existenz
sichernden Mindestlohn von 7,50 Euro pro Stunde akzeptieren». Er
halte das Entsendegesetz deshalb für «nur sehr bedingt
geeignet». Der DGB und seine acht Einzelgewerkschaften fordern
eine allgemeinverbindliche gesetzliche Lohnuntergrenze von 7,50 Euro in
der Stunde.
Die stellvertretende SPD-Vorsitzende Andrea Nahles hat die Union
aufgefordert, ihren Widerstand gegen weitere Branchen- Mindestlöhne
aufzugeben. «Das strategische Geschiebe beim Mindestlohn muss ein
Ende haben. Die Menschen mit extrem niedrigen Einkommen wollen und
brauchen sofort eine Lösung, damit sie von ihrer Arbeit leben
können», sagte sie. Eine faire und angemessene Bezahlung sei
ein Gebot der Menschenwürde und der wirtschaftlichen Vernunft.
«Wir brauchen schnellstmöglich eine Einigung beim
Arbeitnehmer- Entsendegesetz, damit die Tarifvertragsparteien eine
Rechtsgrundlage für die Verhandlungen haben. Wer das Gesetz
verzögert, behindert die Meldungen der Branchen», sagte
Nahles. Bis Ende März können Branchen, die einen verbindlichen
Mindestlohn anstreben, den Antrag zur Aufnahme in das - noch zu
ändernde - Entsendegesetz stellen. Es seien aber auch noch nach
dem 31. März Anträge möglich.
Derzeit liegen die Gesetzentwürfe von Bundesarbeitsminister Olaf
Scholz (SPD) zur Ausdehnung von Mindestlöhnen auf weitere Branchen
wegen Einwänden von Wirtschaftsminister Michael Glos und des
Kanzleramtes auf Eis.
Nahles erteilte Bestrebungen in der Union eine Absage, bei
konkurrierenden Tarifverträgen wie in der Zeitarbeit jenem mit den
niedrigeren Entgelten den Vorrang zu geben. «Wir wollen, dass der
repräsentative Tarifvertrag - so wie es schon heute praktiziert
wird - auch in Zukunft allgemeinverbindlich erklärt werden
kann.» Wenn die CDU/CSU anderes wolle, «fördert sie
Tarifdumping», sagte die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der
SPD-Bundestagsfraktion klar. «Ein solcher Einschnitt ins
Tarifrecht ist mit uns nicht zu machen.»
(Quelle: dpa)
Bundesregierung will Arbeitnehmer für Weiterbildung belohnen
Mo.24.03.08 - Die Bundesregierung will Arbeitnehmer für berufliche Weiterbildung
belohnen. Geplant sind eine Prämie von bis zu 154 Euro und die
Einbeziehung der beruflichen Weiterbildung in das
Vermögensbildungsgesetz, wie der Staatssekretär im
Bundesbildungsministerium, Andreas Storm (CDU), der "Braunschweiger
Zeitung" sagte. Ein entsprechender Gesetzentwurf soll am 9. April vom
Kabinett beschlossen werden, Anfang 2009 soll das Gesetz in Kraft
treten. Das Konzept richte sich gezielt an Arbeitnehmer mit niedrigen
und mittleren Einkommen, die sich bisher vergleichsweise wenig
weiterbildeten.
Die finanzielle Förderung hat laut Storm mehrere Säulen. Wer
mit Hilfe der staatlichen Arbeitnehmersparzulage ein Guthaben nach dem
Vermögensbildungsgesetz anspart, kann daraus künftig ohne
Verlust vor Ende der Bindungsfrist Geld für die berufliche
Weiterbildung entnehmen. Zusätzlich würden Arbeitnehmer mit
einem Jahreseinkommen bis zu 35.800 Euro (bei Verheirateten) mit einer
Weiterbildungsprämie von bis zu 154 Euro gefördert, wenn sie
mindestens die Hälfte einer Maßnahme selbst bezahlen. Zudem
soll die staatliche Förderbank KfW ein einkommensunabhängiges
Weiterbildungsdarlehen anbieten.
(Quelle: afp)
CSU will alte Pendlerpauschale zurück
Mo.24.03.08 - Die CSU will eine Rückkehr zur alten Pendlerpauschale: "Gerade vor
dem Hintergrund hoher Benzinpreise muss man die Pendlerpauschale ab dem
ersten Kilometer mit 30 Cent pro Kilometer allgemein wieder
einführen und zwar so schnell es geht", sagte CSU-Chef Erwin Huber
der "Welt am Sonntag". Dafür werde er sich in der CDU und in der
Koalition einsetzen. Die Wiedereinführung der Pendlerpauschale ist
der Zeitung zufolge Bestandteil eines umfangreichen Pakets zur
Entlastung des Mittelstandes, dass die CSU Ende April in die
nächste Sitzung des Koalitionsausschusses einbringen will.
"Fahrten zur Arbeit sind keine Fahrten zum Golfplatz. Man kann doch
nicht sagen, die Arbeit beginnt am Werkstor und jeder wohnt neben dem
Werkstor", sagte Huber. Das sei lebensfremd und überdies
steuersystematisch falsch.
Huber forderte zudem erneut, das Kindergeld und die
Kinderfreibeträge bereits am 1. Januar 2009 anzuheben. Daneben
wolle er in der Koalition bis Mitte April ein Konzept zur steuerlichen
Vergünstigung bei der Mitarbeiterbeteiligung voranbringen und den
Mietwohnungsbau durch steuerliche Anreize für Investoren ankurbeln.
(Quelle: rtr)